17 Juni 2010

Hardcore-Punk oder Punkcore von Starts

Früher nannte man den Sound, den die vierköpfige Band Starts aus dem sächsischen Torgau spielt, schlicht Hard-Core Punk. Also »Hard-Core« und nicht »Hardcore«, und mit »früher« meine ich so was wie 1982. Heutzutage nennt man das ganze dann »Punkcore« und meint damit den wütenden Irokesen-Punk der zweiten bis dritten englischen Punk-Generation, heute mit einem kräftigen Schuss Metal abgeschmeckt.

Damit wären die Starts auch schon ausreichend beschrieben: Auf ihrer zweiten CD/LP »The Next Attack« geht's rotzig und rüpelig zur Sache, wird geknüppelt, was das Zeugs hält, während der Sänger ein Stück nach dem anderen rausbrüllt. Auffallend ist, dass es dazwischen glatt mal ruhigere Töne gibt – und das Stück »Only One«, das mir am besten gefällt, entpuppt sich glatt als eine Mischung aus Liebeslied und Rockerballade.

Klingt jetzt ironisch, ist aber nicht im geringsten böse gemeint: Die Starts überzeugen durch ihre aggressive Ladung, die keinerlei Weicheiertum duldet. Textlich ist man auf der parolig-sicheren Seite, ist gesellschaftskritisch und wütend.

Auffallend dabei: Deutsche Textzeilen werden häufig mit englischen Titeln kombiniert – damit ist die Band auch tatsächlich international verständlich. Stücke wie »Leather, Spikes & Boots« oder »Flame Of Punk«, die an die Punk-Szene adressiert sind, kapiert man auch außerhalb der deutschen Sprachgrenze.

Filigranmusik ist das keine, originell wirkt der Sound auch nicht. Scheiß drauf – im Jahr 2010 macht mir so eine wütende Punk-Granate richtig Spaß. (Erinnert mich an die 90er Jahre, als Recharge und Rawside zum aggressiven Stiefel-Pogo einluden.) Respekt.

16 Juni 2010

St. Pauli und die WM


Endlich ist Weltmeisterschaft, seit einigen Tagen schon, und ich bereue bereits, den Übersteiger 99 nicht im voraus gelesen zu haben. Aber auch so ist es absolut lohnenswert, das »WM-Special« des hervorragenden Fußball-Fanzines durchzuschmökern: In subjektiven Berichten, meist mit augenzwinkerndem Humor, werden auf insgesamt 36 Seiten die Teams der WM vorgestellt; das im A5-Format gehaltene Heft macht richtig Spaß.

Aber auch sonst ist die Lektüre des »Ivanistischen Propaganda-Hetzblattes rund um den FC St. Pauli« wieder mal ein vergnügliches Lese-Abenteuer. Unter anderem wird über das Fan-Verhalten während eines Spiels gegen Rostock gestritten: in ausführlichen Artikeln, Kommentaren und Leserbriefen. Soviel Offenheit findet man in der Fußball-Szene selten.

Weitere Artikel beschäftigen sich mit dem Verein in der Nachkriegszeit, der aktuellen Darstellung im Internet oder auch mit der Tischtennis-Abteilung des FC St. Pauli. Buch- und Plattenbesprechungen runden das unterhaltsame und informative Fanzine ab.

Kosten tut's 1,60 Euro; erschienen ist es bereits im Mai 2010 – aber samt dem Sonderheft kann man's auch jetzt noch lesen. Aber der Besuch auf der Übersteiger-Homepage empfiehlt sich sowieso, auch und gerade für nicht St.-Pauli-Fans.

15 Juni 2010

Keine Strumpfhosen im Wald

Denke ich an »Robin Hood«, habe ich eine Verarschung von Mel Brooks oder eine seltsame Verfilmung mit Kevin Costner im Kopf. Aus dem Grund musste ich mir am Montag abend, 14. Juni 2010, die neue Verfilmung mit Russell Crowe und Cate Blanchett und von Ridley Scott anschauen – die Vorberichterstattung hatte mich tatsächlich neugierig gemacht.

Trotz Fußball-WM eilten wir also in den »Filmpalast«, was dazu führte, dass hinterher alle Informationen nachgeholt werden mussten ... Und ich wurde dabei gut unterhalten: Der Film ist nicht so vorhersehbar, weil viele bekannte Details anders dargestellt werden, und er ist bei allem Schlachtenlärm erstaunlich abwechslungsreich geworden.

Geistvolle Unterhaltung erwartete ich keine, und die bekam ich selbstverständlich nicht. Es war ein actiongeladenes Abenteuer, mit schmutzigen Rittern und noch schmutzigeren Bogenschützen, mit einem völlig verrratzt aussehenden London und fies-intriganten Bösewichten.

Darüber nachdenken, wie ein Bogenschütze aus dem unteren Stand auf einmal höfisches Verhalten kennt oder wieso Jugendliche mit angespitzten Holzstangen in einer Schlacht gegen hochgerüstete Ritter antreten und auch noch überleben, ist allerdings zwecklos. Der Film ist streckenweise beeindruckend, aber kein historisch korrektes Dokumentations-Ding.

Ob ich mir die zu erwartende Fortsetzung antu', weiß ich noch nicht. Aber eigentlich reizt es mich nach dem offenen Ende schon, weiter die Geschichte von Robin Longstride zu verfolgen ...

14 Juni 2010

Schland in der City

Fußball guckte ich im spontan eingerichteten WM-Studio »Beim Harald«. Es gab kühles Bier, der neue Fernseher machte sich auf dem Balkon gut, und die Stimmung war bestens. Nur dass zwei Vuvuzelas in schwarzrotgold durch das Gelände dröhnten, hätte vielleicht nicht sein müssen.

Danach radelte ich gemütlich durch die Nacht, von Mühlburg aus in Richtung Innenstadt. Auf der Kaiserallee waren Fußgänger und Autos unterwegs, dröhnend und trötend, in Fahnen gehüllt und Fahnen schwenkend. Ich fand zwar auch, dass die deutsche Mannschaft sehr gut gespielt und verdient gewonnen hatte, hielt die Euphorie aber für völlig aufgesetzt und übertrieben.

Auf der Höhe des »Sandkorn-Theaters« kam mir ein Mob übertrieben fröhlicher deutscher Volksgeno..., ähm ..., Fans entgegen. »Schland!«, gellte es mir entgegen, ein Meer von Fahnen wehte in meinem Weg.

Ich umkurvte die geballte Ansammlung von Intelligenz, Alkohol und Patriotismus einigermaßen geschickt. »Du bisch ja voll uncool!«, schrie mir ein junger Mann empört nach. Vielleicht muss ich nächstes Mal mit »Schland!« reagieren oder gleich »Oz! Oz! Oz« skandieren.

Den Rest des Abends genoss ich vor dem »Kebap-Express« am Mühlburger Tor. Die Pide schmeckte leidlich, die frische Luft tat gut, und ich genoss es, hupende und fahnenschwenkende Deutschland-Fans zu betrachten. Vor allem auffallend viele junge blonde Frauen hingen aus den Fenstern oder saßen in geöffneten Kofferräumen.

Vor allem, wenn sie an der roten Ampel standen, wo es nicht weiterging, sah das sehr erheiternd aus: Das mit dem Regelnbrechen-in-Feierlaune müssen wir in Deutschland dann doch noch eine Weile üben ...

13 Juni 2010

Hausarbeit versus Fußball

Kein leichtes Unterfangen, an einem Samstag wie dem 12. Juni 2010 ein halbwegs normales Leben mit der Fußball-Weltmeisterschaft zu koordinieren. Da die Spiele nicht sonderlich überzeugten, verpasste ich allerdings nicht so viel.

Immerhin schaffte ich es, parallel zum Spiel zwischen Südkorea und Griechenland ein wenig zu frühstücken und diverse Hausarbeiten zu erledigen. Irgendwann sollten ja mal Bad und Klo in einen halbwegs begehfähigen Zustand versetzt werden ...

Zum Spiel zwischen Argentinien und Nigeria arbeiteten wir auf dem Balkon; wenn die Glotze laut genug ist, bekommt man zumindest einen Teil mit. Spätestens als es darum ging, Grundnahrungsmittel einzukaufen, war's aber Essig mit Fernsehgucken. Dafür war der Supermarkt so gut wie leer, und es gab Super-Parkmöglichkeiten.

Einigermaßen spannend fand ich das Spiel zwischen England und den USA, und ich bedauerte gut fünf Minuten lang den unglückseligen englischen Torwart. In der Pause bastelten wir uns leckere Flammkuchen, und die wurden dann in der zweiten Halbzeit verspeist. Das ziemlich gute Timing klappte nicht ganz, dafür waren die Flammkuchen super – und so viel verpassten wir dann doch nicht.

Meinetwegen kann die WM so weiter funktionieren. Wie ich es aber im Verlauf der Arbeitswoche auf die Reihe bekommen soll, die relevanten Spiele mitzukriegen, ist noch herauszufinden ...

Erinnerungen an Schneller Autos Organisation

Es muss um 2004 gewesen sein, als die Hamburger Band mit dem sperrigen Namen Schneller Autos Organisation in Karlsruhe spielte, im damals besetzten Haus »Ex-Steffi« in der Schwarzwaldstraße beim Hauptbahnhof. Obwohl der Sound der Band im ersten Moment nicht sonderlich eingängig war, kam sie sehr gut an.

Wer mag, kann dazu Emopunk sagen: Die Texte sind ziemlich schlauköpfig, die Musik nicht gerade klassischer Deutschpunk – und auf der Bühne standen recht normal aussehende Typen, die beispielsweise Hemden trugen. Aber live war das klasse. Und auch auf Platte klingt das saugut, wie die Langspielplatte »World« beweist. Die kam 2003 bereits raus und schwankt zwischen »total eingängig« und verkopft.

Elf Stücke gibt's auf der Platte, teilweise unterstützt von einer fies quiekenden Schweineorgel, ansonsten aber durch die Bank mit einem treibenden Rhythmus und tatsächlich tanzbar – allerdings nicht gerade für Stiefel-Pogo geeignet. Wer einen literarischen Vergleich sucht, findet ihn vielleicht bei Dackelblut, wobei das immer hinkt.

»World« ist auf jeden Fall eine Platte, die ich mir nach mehreren Jahren noch anhören kann. Und Schneller Autos Organisation ist eine Band, an die ich gern zurückdenke. Immer noch empfehlenswert!

12 Juni 2010

Zwei Bier in Genf

Es war mein erster Abend in Genf – oder Genève –, und vielleicht lag es daran, dass ich zum ersten Mal da war. Aber irgendwie klappte es an diesem Abend nicht so richtig mit der Stadt und mir; wir wurden keine Freunde.

Dabei war alles gut verlaufen: Hotel gefunden, Auto in der piefigen Tiefgarage abgestellt, Klamotten im Zimmer deponiert, Wertsachen in den Safe gestopft. Dann zu Fuß in Richtung Innenstadt und Richtung See. Der Plan war, gemütlich etwas zu trinken, vielleicht auch eine Kleinigkeit zu essen.

Doch die Innenstadt war an diesem Abend so gut wie tot. Zwar waren Menschen unterwegs, die der warme Frühstommerwind durch die Straßen trieb, aber die Geschäfte hatten alle geschlossen, und nett aussehende Restaurants fanden wir ebensowenig wie normale Kneipen. Zumindest die erste Stunde lang gab es nichts, wo wir anhalten wollten.

Bis wir dann nach einigem Herumlatschen eine Kneipe fanden, in der ich mit meinem miesen Französisch kaum verstanden wurde und wo viele Leute auf wackeligen Stühlen und Tischen im Freien saßen. Dort gab es immer schön kühles »Carlsberg«-Bier, was ich auch in anderen Situationen mag, das mir an diesem Abend aber besonders mundete.

Und so fand dieser Abend dank dänischem Bier doch noch ein schönes Ende ...

11 Juni 2010

Unterwegs mit Monsieur Albert

Bisher mochte ich Navigationsgeräte überhaupt nicht; aus diesem Grund besitze ich so ein Ding auch nicht. Bisher, so dachte ich, finde ich meinen Weg auch ohne technische Hilfe, und nötigenfalls kann ich in einen Stadtplan schauen oder Leute nach dem Weg fragen. Vor allem letzteres ist so falsch nicht, und damit kommt man sogar im Ausland ganz gut durch.

Bei der Reise nach Südfrankreich hatten wir ein geliehenes »Navi« an Bord. Da wir es auf eine sympathisch klingende Männerstimme umgestellt hatten, gaben wir ihm einen Namen. Das Ding hieß jetzt »Monsieur Albert«, und ab und zu bedankte ich mich sehr höflich.

Monsieur Albert hatte seine guten Seiten. Zuverlässig lotste er mich durch das Dickicht französischer Städte (schon mal eine Nebenstraße in Cannes gesucht?), aber ebenso durch dörfliche Umgebung (zwei Meter breite Straßen zwischen Cavaillon und Sisteron). Ebenso zuverlässig verwies er auf Tankstellen, Einkaufszentren und Gaststätten, wenn wir ihn danach fragten. Geschmäcklerisch war er da eine Katastrophe, aber man kann nicht alles haben.

Manchmal war das durchaus gewöhnungsbedürftig. Manche Kreisverkehre kannte Monsieur Albert einfach nicht, und manchmal hätte ich gern mit ihm diskutiert, was die Entfernungsangaben betraf. »In zweihundert Meter rechts abbiegen« ist für mich offensichtlich anders definiert als bei ihm.

Da ich Landstraßen fahren und Autobahnen meiden wollte, lotste mich Monsieur zeitweise über beeindruckende Umwege. Das meine ich ohne Ironie: Die Straßen etwa, die ich zwischen Genf und Grenoble oder zwischen Marseille und Cannes fuhr, die hätte ich ohne Nav sicher nicht angesteuert. Teilweise traumhaft schön, wenngleich natürlich sehr eng und kurvig.

Alles in allem ein sympathischer Zeitgenosse, dieser Monsieur Albert. Am Ende mochte ich ihn geradezu, gab ihn aber leichten Herzens wieder her. Zwischen Rastatt und Karlsruhe und Stuttgart und Mannheim brauche ich so ein Hightech-Gerät dann doch eher selten ...

10 Juni 2010

Zwischen Eis und Schnee

Die Ausgabe 90 des Fanzines OX erschien dieser Tage, und enthalten ist wieder einmal mein Fortsetzungsroman »Und: Hardcore!«, der dritte Teil von »Peter Pank« also. Es handelt sich dabei um die 26ste Fortsetzungslieferung - und nach wie vor spielt die Handlung im eiskalten Januar 1987.

Der Held der Geschichte, der Punkrocker Peter Meißner, geht in dieser Folge mit seinem Kumpel Jörg in die Konfrontation mit den örtlichen Nazis. Das will Peter nicht, der eigentlich seine Ruhe haben möchte - aber Jörg ist stinksauer und sucht seinen privaten Rache-Feldzug. Dabei geht natürlich einiges schief.

Wieder mal spielt die Geschichte in der dörflichen Welt am Rand der Schwäbischen Alb. Die Dörfer sind übrigens ebenso erfunden wie die darstellenden Personen - aber vieles von dem, was ich in den »Peter Pank«-Geschichten erzähle, hätte ja in der Wirklichkeit tatsächlich so ablaufen können ...

Flux mit viel Gehippel

Ich habe erstaunlicherweise nur eine einzige Platte der alten englischen Punkrock-Band Flux of Pink Indians, und das ist eine Platte, die nach ihrer Punk-Phase aufgenomen wurde. Das Ding nennt sich »Uncarved Block«, kam 1986 raus, und für diese Platten kürzte die Band endlich ihren Namen zu Flux ab.

Musikalisch tat sich auch einiges. Anfangs waren die Briten ja auf Crass Records gewesen, hatten dort unter anderem für Vegetarismus und gegen den Krieg gepredigt, waren aber stets punkrockig gewesen. Mit der dritten Platte wandelte sich das ziemlich: Der Sound wurde hippelig, im weitesten Sinne zu einer Art IndieSound der 80er Jahre.

Ziemlich viel Funk, sofern ich das richtig kapiere, ziemlich viel Gehämmer und Getrommel, das alles recht manisch und recht hitzig, alles in allem ein Sound, der ins Ohr und auch in die Beine geht, der aber mit Punkrock nix mehr zu tun hat. Als ich die Platte einer Bekannten vorspielte, meinte sie irgendwann, das klänge wie Techno – und damit hatte sie ja nicht mal unrecht.

Im Prinzip war's wohl ein Bindeglied zwischen Punk und Techno, und von daher ist »Uncarved Block« ein durchaus interessantes Zeitdokument. Kann man sich auch 2010 noch locker anhören.

09 Juni 2010

Handbuch und Frick-Interview

Schick sieht es aus, schick und dick: Das »Handbuch für Autorinnen und Autoren« landete in meinem Urlaub auf meinem Schreibtisch, heute habe ich es endlich durchgeblättert und in den nächsten Wochen und Monaten werde ich es hoffentlich zum größten Teil auch lesen können. Das Handbuch ist längst das Standardwerk für Schriftsteller und andere Schreiberlinge - und ich finde es gut.

Nicht nur deshalb, weil es ein Interview mit mir enthält ... Titel des Interviews: »Science Fiction – ein Randthema für Minderheiten?« Die Fragen stellte Sandra Uschtrin, die das Buch auch im eigenen Verlag herausgibt.

Kern des neuen »Handbuchs für Autorinnen und Autoren« sind aber vor allem 15 Beispiel-Exposés (historischer Roman, Erotikroman, Heftroman, Fantasy, Krimi, Jugendbuch, Kinderbuch, zeitgenöss. Roman, Memoir/Reisebericht, Sachbuch, Ratgeber) mit Kommentaren der betreffenden Agenturen, LektorInnen und AutorInnen. Dazu kommt haufenweise anderes interessantes Lese-Zeugs.

704 Seiten stark ist das Ding - die 49,90 Euro sind da aber auch durchaus angemessen. Ein Nachschlagewerk, ein Standardwerk, ein wuchtiges Werk ... ich freue mich auf die Lektüre!

08 Juni 2010

Fast 2800 Kilometer

Kurzer Rückblick auf den zwei Wochen dauernden Urlaub in Frankreich: nichts spektakuläres, nichts besonderes, eher gemütlich. Wir fuhren mit dem Auto, keine Flugreise, wie früher also ... nur dass diesmal nicht im Auto oder auf dem Campingplatz im Schlafsack sondern eben in Hotels übernachtet wurde.

Nach Zwischenstopps in Genf (eher langweilig) und Grenoble (spannende Stadt) landeten wir im Luberon-Gebiet. Konkret zwischen Roussillon und Gargas, also in den sogenannten Ockerbergen. Traumhaft schöne Landschaft, leckeres Essen, tolle Wanderung.

Danach in die Camargue, mit einer Übernachtung im rein touristischen Port Camargue, dort aber in einem kleinen Hotel. Es gab zu viele Mücken, aber die schöne Landschaft und der gute Wein ließen mich die Stiche im Sumpf leicht ignorieren.

Zuletzt hatten wir eine winzige Ferienwohnung in Cannes, keine fünfzig Meter von einem Hafen entfernt, eher am Stadtrand und gut eineinhalb Kilometer bis zur Croisette. Selten so viele Bonzen gesehen - aber von dort aus unternahmen wir viele schöne Touren in die Umgebung.

Sobald ich es zeitlich auf die Reihe bekomme, gibt es weitere Berichte. Fotos habe ich so gut wie keine: Touristische Aufnahmen kann man sich heutzutage via Google zu jedem Thema einfacher besorgen, und irgendwelche »Quatschbilder« sind mir zumeist zu privat.

07 Juni 2010

Lena, Hotte, Koch und so

Da ist man für zwei Wochen im Ausland, und danach sieht die deutsche Welt ganz anders. Die Nation steht kopf, weil ein 18 Jahre altes Mädel mit einem gelungenen Pop-Song den Grand Prix gewollen hat - plötzlich bringt das glatt einen Nationalitätstaumel mit sich. Schön, dass sich so viele Deutsche mit einer Jugendlichen identifizieren ... oder habe ich das jetzt falsch verstanden?

Schön ist auch, dass Ronald Koch seine Ämter räumt. Damit wird Deutschlands Politik in diesem Jahr ein Stück weit weniger schlimm. Hoffen wir mal ...

Und auch Horst Köhler räumt sein Amt. Ich kann mich an keine vernünftige Aussage des Mannes erinnern, was an meinem schlechten Gedächtnis liegen mag; deshalb kann ich mir hierzu keine Aussage erlauben. Fehlen wird er mir nicht.

War sonst noch was? Offensichtlich muss ich nur das Land verlassen, damit einschneidende Dinge passieren. Ich glaube, ich muss öfter in Urlaub fahren.

21 Mai 2010

Mquestionmark zwischen Punk und Elektro und ...


Seit 2005 gibt es die italienische Band Mquestionmark – dieser Tage habe ich endlich ihre erste Platte angehört. Die trägt den schlichten Titel »One For All All For One«, kam als CD und als LP raus und bringt einen furiosen Mix aus Elektro und Punk und Emo und IndieRock und was auch immer einem in den Sinn kommt.

Sängerin und Sänger wechseln sich ab, ein treibender Beat haut die meisten Stücke nach vorne, der Bass wummert, und die Musik geht zumindest bei mir unweigerlich in die Beine und in den Kopf; während das läuft, sitze ich wie ein Wackeldackel an meinem Schreibtisch. Das ist kein Punkrock, ganz sicher nicht, aber ziemlich geile Musik.

Die englischsprachigen Texte habe ich mir nicht übesetzt, aber das ganze wirkt doch eher skurril. Politik kommt nicht vor, stattdessen besingt die Band ihre »Dreams of Carrot« oder postuliert »I Hate My Work«; das klingt also alles sehr sympathisch. Coole Band, coole Platte.

Novelle aus der Victorianischen Zeit

Ich gestehe, dass ich bis vor wenigen Tagen weder von dem Schriftsteller James Rice noch von seinem Kollegen Sir Walter Besant gehört hatte. Die beiden Briten schrieben ihre Novellen und Romane, Artikel und anderen Texte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – und hierzulande sind sie so gut wie unbekannt, während man im englischen Sprachraum immer mal wieder Werke von ihnen nachgedruckt.

Nachdem ich »Der Heiratsrekordhalter« gelesen habe, fände ich es gut, wenn es mehr von den beiden zu lesen gäbe. Das schmale Taschenbuch (gerade mal 76 Seiten Text, aber sehr schön gebunden und hergestellt) ist im kleinen, aber sehr feinen Verlag Lindenstruth erschienen, und ich habe es unlängst gelesen – man bekam es als Abonnent der Zeitschrift »Arcana« als Dreingabe.

Der Inhalt ist rasch umrissen, folgt er doch dem damals häufig benutzten Schema einer Novelle: Der Ich-Erzähler trifft einen anderen Menschen, und dieser erzählt eine bizarre Geschichte. In diesem Fall treffen sich der Ich-Erzähler und sein Gegenüber gleich mehrfach im Zeitraum von mehreren Jahren.

Wie sich herausstellt, ist der Unbekannte ein Unsterblicher. Er ist ein Vierteljahrtausend alt, und es ist kein Ende in Sicht. Dank alchimistischer Techniken ist ihm die relative Unsterblichkeit geglückt – er muss nur aufpassen, dass er keine Fehler begeht. (Klingt manchmal wie bei der Science-Fiction-Serie, für die ich tätig bin ...)

Auf den ersten Blick klingt das banal, mir hat die Lektüre aber großen Spaß bereitet. Der Ich-Erzähler und sein Gegenüber liefern sich Wortgefechte, die spöttischen Bemerkungen über die aktuelle Zeit passen gut dazu. Gleichzeitig wird glaubhaft dargestellt, welche Probleme eine derartige Langlebigkeit mit sich bringen.

»Der Heiratsrekordhalter« ist eine klassisch-phantastische Geschichte, bei der eine schöne Idee aufgebaut, weiterentwickelt und konsequent zu Ende erzählt wird. Das Erzähltempo ist altmodisch und ein wenig langsam, bereitete mir aber viel Vergnügen.

Und wenn ich mir auf englischen Homepages so anschaue, was die beiden Autoren alles verfasst haben, kann ich nur hoffen, dass der Verlag Lindenstruth in nächster Zeit weitere Texte der beiden ausgräbt und publiziert. Gelegentlich, so denke ich, schadet es nämlich nicht, bewusst die Klassiker des Genres zu lesen ...

20 Mai 2010

Comanche endlich unzensiert


Als Jugendlicher stieß ich in den »ZACK-Comic-Boxen« und später in den regulären ZACK-Comics auf die Western-Serie »Comanche«, der ich tatsächlich verfiel. Ich mochte schon damals die Abenteuer der 666-Ranch, der attraktiven Chefin Comanche und des raubeinigen Cowboys Red Dust, und als die Comics anfangs der 80er in der Reihe der »Großen Western-Comics« bei Ehapa erschien, kaufte ich sie natürlich.

Schon damals fiel mir beim Abenteuer »Roter Himmel über Laramie« auf, das einiges nicht stimmte. Die Comic-Fanzines jener Tage lieferten die Berichte dazu: Für die deutschen Leser war der Comic entschärft worden, vor allem den Schluss hatte man komplett geändert. Damit, so glaubte man wohl, kann man den Helden sauber lassen und lässt das Kapitel der Selbstjustiz komplett weg.

Die Diskussion ist bald dreißig Jahre her – und jetzt liegt im Splitter-Verlag endlich mal eine Ausgabe des klassischen Comics vor, die lückenlos ist. Da hängt der Sheriff tot am Balken, ohne dass sinnlose Sprechblasen gnädig über die Leiche geklebt werden; da gibt es aber auch stimmungsvolle Seiten, die man uns Lesern anno dunnemals ebenso vorenthielt.

Was der Splitter-Verlag aus »Comanche« macht, ist sensationell. Das Buch ist super gedruckt, es sind alle Seiten enthalten, die Übersetzung ist tadellos, es gibt einen redaktionellen Anhang, und als zusätzlichen Effekt hat man sogar noch einen Kunstdruck beigefügt. Hammer. Nicht nur für Western-Fans ist dieser Comic eine absolute Empfehlung!

Nazi Dogs hüpfen nach 1977 und zurück

Gesehen habe ich die Nazi Dogs noch nicht, aber schon von ihnen gehört. Die vier Burschen kommen aus Aachen, das sich neuerdings als »Punkcity« bezeichnet, und mit ihrer aktuellen CD »Old Habits Die Hard« liegt bereits der zweite »große« Tonträger vor. Gefällt mir ziemlich gut!

Was die Nazi Dogs machen, ist ein gewagter Sprung ins Jahr 1977, aber nicht in abgeschmackter, langweiliger oder rückwärts gewandter Form. Stattdessen greifen die Burschen die rotzige Attitüde des frühen Punk auf, wobei der Sänger sich gelegentlich wie Iggy Pop anhört, und mischen das ganze mit einer Prise von ungestümem Ami-Hardcore der ersten Viertelstunde.

Das ganze ist nicht neu, knallt aber gut. Eine Platte, die ich mir noch öfter anhören werde und die mich neugierig auf die erste Platte macht. Mit den 15 Stücken der Nazi Dogs kann man aber echt nicht viel falsch machen!

18 Mai 2010

Berichte vom Autorentreffen

Schon wieder sind einige Tage seit dem Autorentreffen in Nürnberg vergangen. Ich habe in diesem Blog ja mehrfach darüber berichtet. Es gibt einige Berichte dazu im Internet, auf die ich gerne verlinke.

Die Veranstalter haben selbst einen Nachbericht erstellt, auf dem sich auch ein Link zu den Fotos befindet. Mit weiteren Kommentaren ist hier zu rechnen, einige der Bilder zeigen meine Nase.

Gut gefallen hat mir der Blog von Gerd Rau aus Österreich, der bereits in Wolfenbüttel auf einem »meiner« Seminare war. Er plaudert aus, dass ich vor meinem Vortrag noch auf der Toilette war, um ein »Angstwässerchen« abzulassen - nun denn ...

In seinem Eoraptor-Blog schreibt Volkmar Kuhnle ebenfalls über die Veranstaltung. Seiner Aussage zufolge haben ihm vor allem meine Anekdoten gefallen.

Die mir persönlich gar nicht bekannte Nora Günther schrieb einen unterhaltsamen Bericht über das Treffen. Und im Science-Fiction-Netzwerk ergänzte Petra Hartmann durch eigene Beobachtungen und Betrachtungen. Sehr schön.

17 Mai 2010

Sind das Chansons bei Bullfight?


Aus den Niederlanden kommt nicht nur rumpeliger Hardcore, sondern tatsächlich auch eine Band wie Bullfight. Das sind vier Männer und eine Frau, die mit Anzug und Krawatte auftreten und ihre Stücke mit Piano, dezentem Schlagzeug und zurückhaltender Rockmusik-Instrumentierung spielen. Ich habe ihre CD »Stranger Than The Night« zum Besprechen erhalten, die vom Label als »pop noir« bezeichnet wird.

Das ist nicht mal falsch. Was die Band macht, ist IndieRock – für diejenigen, die eine Schublade suchen – oder eben eine Mischung aus ein bisschen Jazz, ein bisschen Rock, viel Groove und guten Melodien, meinetwegen ist es sogar eine Art moderner Chanson.

Die melancholische Stimmung ist »fingerschnippend« und düster zugleich, man schwingt als Zuhörer gewissermaßen mit. Dazu passen die Texte, die sich immer mit Personen und ihren Schicksalen beschäftigen, gewissermaßen die Violent Femmes ins Jahr 2010 versetzt und mit Nick Cave gekreuzt. Starke CD, die ich noch oft hören werde!

Kreuzung der drei Witwen


Nicht zum ersten Mal bin ich von einem Simenon-Roman beeindruckt; so langsam glaube ich, dass der Mann in seiner aktiven Phase nichts schlechtes geschrieben hat. Am Wochenende las ich »Maigrets Nacht an der Kreuzung«, eine Geschichte, die manchen heutigen Lesern – die an Massenmord und Folterung in Krimis gewöhnt sind – vielleicht ein wenig langweilig vorkommt.

Ein Mord geschieht in der französischen Provinz, Kommissar Maigret muss ermitteln. Hauptverdächtigt ist ein dänischer Staatsbürger, doch im Verhör in Paris gibt er nichts preis. Also muss man ihn ziehen lassen, und Maigret fährt in die Provinz.

Die Kreuzung der drei Witwen ist der Schauplatz des Romans; hier stehen drei Häuser, um die offensichtlich unheimliche Dinge geschehen. Rasch passiert ein zweiter Mord, es folgen ungemütliche Verhöre aller Anwohner, die eine oder andere Schießerei, ein wenig angedeutete Erotik und zuletzt ein Gespräch mit allen, die sich derzeit an der Kreuzung aufhalten.

Das klingt nicht besonders aufregend, ist aber superspannend. Auf nicht mal 170 Seiten schafft es der Schriftsteller Georges Simenon, seine Charaktere allesamt glaubhaft und nachvollziehbar agieren zu lassen.

Dazu kommt der Charme der alten Technik: Wenn man telefonieren will, muss die Telefonverbindungsdame in Aktion treten, und die Polizei rückt im Taxi am Tatort an. Kein Wunder: Der Roman wurde 1931 geschrieben.

Ich bin echt süchtig nach Maigret-Romanen, so langsam befürchte ich das. Aber was soll ich machen? Der dickleibige Kommissar, der sich von Bier, dick abgeschnittenem Brot, Schinken und Zigaretten ernährt, der Verdächtige sofort duzt und ansonsten sehr autoritär auftritt, hat mich gewissermaßen »verhaftet« ...

Kreuzung der drei Witwen

Nicht zum ersten Mal bin ich von einem Simenon-Roman beeindruckt; so langsam glaube ich, dass der Mann in seiner aktiven Phase nichts schlechtes geschrieben hat. Am Wochenende las ich »Maigrets Nacht an der Kreuzung«, eine Geschichte, die manchen heutigen Lesern – die an Massenmord und Folterung in Krimis gewöhnt sind – vielleicht ein wenig langweilig vorkommt.

Ein Mord geschieht in der französischen Provinz, Kommissar Maigret muss ermitteln. Hauptverdächtigt ist ein dänischer Staatsbürger, doch im Verhör in Paris gibt er nichts preis. Also muss man ihn ziehen lassen, und Maigret fährt in die Provinz.

Die Kreuzung der drei Witwen ist der Schauplatz des Romans; hier stehen drei Häuser, um die offensichtlich unheimliche Dinge geschehen. Rasch passiert ein zweiter Mord, es folgen ungemütliche Verhöre aller Anwohner, die eine oder andere Schießerei, ein wenig angedeutete Erotik und zuletzt ein Gespräch mit allen, die sich derzeit an der Kreuzung aufhalten.

Das klingt nicht besonders aufregend, ist aber superspannend. Auf nicht mal 170 Seiten schafft es der Schriftsteller Georges Simenon, seine Charaktere allesamt glaubhaft und nachvollziehbar agieren zu lassen.

Dazu kommt der Charme der alten Technik: Wenn man telefonieren will, muss die Telefonverbindungsdame in Aktion treten, und die Polizei rückt im Taxi am Tatort an. Kein Wunder: Der Roman wurde 1931 geschrieben.

Ich bin echt süchtig nach Maigret-Romanen, so langsam befürchte ich das. Aber was soll ich machen? Der dickleibige Kommissar, der sich von Bier, dick abgeschnittenem Brot, Schinken und Zigaretten ernährt, der Verdächtige sofort duzt und ansonsten sehr autoritär auftritt, hat mich gewissermaßen »verhaftet« ...

16 Mai 2010

Bei der Caritas

Ich nächtige selten in kirchlichen Einrichtungen; das liegt daran, dass ich mit Kirchen nicht mehr so viel anfangen kann. Als Jugendlicher war das anders. Trotzdem kam ich jetzt auf eine Nacht im Caritas-Pirckheimer-Haus in der Altstadt von Nürnberg.

Sauber war's, ordentlich sowieso, und ein bisschen spartanisch. Im Raum gab's einen kleinen Tisch, auf dem ich den Computer abstellen konnte, und ein Bett, in dem ich ganz gut schlief. Und ich hatte ein Badezimmer mit Klo und Dusche - alles in Ordnung.

Auf die üblichen Hotel-Details wie Safe oder Kühlschrank wurde verzichtet, ich benötigte es auch nicht. Ein Frühstück bekam ich ebenfalls nicht, weil ich an einem Feiertag da war. Und vom Personal bekam ich so gut wie nichts mit.

Trotzdem werde ich das Caritas-Heim in guter Erinnerung behalten: Von hier aus war ich ruckzuck in allen Innenstadtgassen, die mich interessierten, und bei allen Punkten, die ich ansteuern musste und wollte. Und das ist was wert.

Von christlich-katholischer Missionierung wurde ich übrigens völlig verschont. Man schwatzte mir nicht einmal eine Bibel auf ...

15 Mai 2010

Nachts in Nürnberg

In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag konnte ich nicht gleich einschlafen, ich war unruhig und umtriebig zugleich. Also verließ ich die heiligen Hallen des Caritas-Heimes, in dem ich einquartiert worden war, und begab mich auf die Straße.

In der Nacht der Nürnberger Altstadt brodelte das Leben. Gruppen junger Leute waren unterwegs, ich kam mir richtig alt vor. Vor einer Diskothek zog sich eine lange Schlange über einen Platz, viele junge Leute, darunter auffallend viele junge Frauen mit kurzen Röcken und hochhackigen Schuhen. Es war kein sonderlich warmer Abend, und ich kam mir schon vor wie in Glasgow oder einer anderen britischen Stadt ...

Die meisten Kneipen hatten allerdings geschlossen, nur noch zwei Döner-Buden hatten offen. Ich stromerte durch schmale Gassen und über große Plätze, das Licht der Straßenlaternen glitzerte auf dem feuchten Kopfsteinpflaster, und überall um mich herum war Kichern und Lachen und Raunen und Sprechen.

Im Bahnhof, wohin es mich zuletzt - nach der Unterführung - auch verschlug, war die Stimmung angespannter. Eine Gruppe von Polizisten, die Knüppel teilweise schon in den Händen, stand mitten im Bahnhof, als ob ernsthafte Gefahr drohte.

Angesichts der vielen jungen Leute, die allesamt friedlich aussahen, wirkte das martialisch und übertrieben. Ich war mir sicher, dass es dafür einen nachvollziehbaren Grund gab, und verließ kopfschüttelnd wieder den Bahnhof.

Es reichte mir irgendwann, aber der fast eine Stunde dauernde Spaziergang mit all diesem unschlüssigen Schlendern und Bummeln hatte mir einen ganz anderen Eindruck von Nürnberg vermittelt als der Aufenthalt in der Buchhandlung und in einer Kneipe wenige Stunden zuvor. Wäre ja auch schlimm, wenn es nicht so wäre ...

14 Mai 2010

Autorentreffen absolviert

In den schönen Räumlichkeiten des Bildungszentrums Nürnberg wurde am Donnerstag, 13. Mai 2010, das Autorentreffen 2010 veranstaltet; zum bereits siebten Mal lud Ursula Schmid-Spreer Autorinnen und Autoren nach Nürnberg. Nachdem ich 2004 bereits einmal dort »aufgetreten« war, konnte ich diesmal erneut teilnehmen.

Schätzungsweise 80 Personen füllten den großen Raum angenehm aus. Kaffee, Säfte, Cola und Wasser sowie haufenweise Kekse standen zur Versorgung bereit, und die Organisation mit aller Technik geschah praktisch reibungslos. Das fand ich schon beim ersten Mal gut, und diesmal klappte alles noch besser.

Als erster berichtete der Drehbuchautor Oliver Pausch von seiner Arbeit: Er präsentierte eine Kurzgeschichte, die in einen kurzen Film verwandelt worden war, und erzählte darüber, welche Bedingungen beim Schreiben von Drehbüchern zu berücksichtigen waren. Da ich mich in diesen Bereichen so gut wie nicht auskenne, fand ich das richtig spannend.

Danach kam Titus Müller, ein Autor, den ich sehr gut leiden kann, der spannende Bücher schreibt und der auf der Bühne eine gelungene Mischung aus Information – wie baut man Szenen in einem Roman? – und Unterhaltung lieferte. Sehr schön.

Zwischendurch gab's Mittagessen, am späten Nachmittag war ich dran. Ich erzählte über Fantasy, gab mir Mühe, das ganze ein wenig ironisch und witzig zu gestalten, und hatte hinterher das Gefühl, das ganz gut hingekriegt zu haben.

Durch den fiesen Nieselregen fuhr ich irgendwann zurück, um kurz vor Mitternacht wieder daheim zu sein. Autobahnfahrten sind echt nicht meine Lieblingsbeschäftigung ...

13 Mai 2010

Lesung im Stressgefühl

Irgendwie war mir entgangen oder entfallen, dass am Donnerstag ein Feiertag war und deshalb viele Menschen den Mittwoch als ersten Urlaubstag für ein verlängertes Wochenende nutzen würden. Und so quälte ich mich am Mittwoch abend, 12. Mai 2010, durch einen grausigen Verkehr und über die A6 von Karlsruhe nach Nürnberg, die letzten vierzig Kilometer buchstäblich im Schrittempo.

Kein Wunder, dass ich völlig gehetzt in der Grauer’schen Antiquariatsbuchhandlung eintraf. Völlig hektisch futterte ich im China-Restaurant auf der anderen Straßenseite noch etwas, bevor ich mich ins Gewühl stürzte; schätzungsweise zwei bis drei Dutzend Zuhörer hatten sich eingefunden.

Vor mir lasen die Autoren Titus Müller (aus seinem aktuellen historischen Roman) und Oliver Pautsch (aus einem Krimi), und das Publikum war sehr gut aufgelockert. Es gab eine kleine Pause, und dann war ich dran - allerdings immer noch in einem totalen Stressgefühl.

Ich redete ein wenig, erzählte über meine berufliche Laufbahn und las dann die Kurzgeschichte "Träumen von Tanelorn" aus MAGIRA, den Jahrbuch zur Fantasy. Das Publikum lachte an den richtigen Stellen, und gegen Ende gab es ordentlichen Beifall - obwohl ich mich vergleichsweise häufig verlesen hatte.

Alles in allem eine gelungene Lesung, die mir Spaß gemacht hat. Mal was anderes als bei Punk-Konzerten oder in besetzten Häusern ...

12 Mai 2010

Das Wummern von Ausgang

Es gab mal eine Zeit, da war »Gothic« noch keine Beleidigung, sondern Ausdruck für eine durchaus interessante Musikrichtung nach Punkrock und Wave. Eine der Bands dieser Zeit waren Ausgang, vier Typen mit seltsamen Frisuren (zwischen Iro, langen Haaren und seltsamem Wave-Geschwurbel auf dem Kopf) aus Birmingham. Man gründete sich 1982 und löste sich 1987 nach einem Haufen Platten wieder auf.

Eine der Platten ist die EP »Hunt Ya Down«, die als Maxi rauskam: vom Format eine Langspielplatte, aber eben nur vier Stücke drauf. Musikalisch wummert das manchmal ganz schön, Schlagzeug und Bass sind stark betont, während der Sänger seine Stimme gelegentlich zum Kippen bringt, und die Gitarre klingt oft hektisch und abgehackt.

Mit lahmarschigem Gruftie-Sound, wie er oft üblich war, hat das nichts zu tun – die Platte zeigt vielmehr, wie sich Gothic-Rock vom Punk her weiter entwickelt hat. Und das kann man sich dann tatsächlich auch heutzutage noch anhören.

11 Mai 2010

Brasilianische Meldung

Das Internet ist schon eine tolle Erfindung: Da schreibt ein Leser in Brasilianer über mich, und ich kann das lesen, theoretisch sogar sofort-sogleich, wenn ich öfter meinen Namen googeln würde.

Tatsächlich hat eine brasilianische Fan-Homepage zu PERRY RHODAN einen Bericht über meinen kleinen Fantasy-Roman »Sardev - Schatten des Friedens« veröffentlicht. Die schöne Überschrift: »Publicado romance de fantasia de editor de Perry Rhodan«. Das versteht man sogar ohne Kenntnisse einer Fremdsprache, und es schmeichelt mir auf jeden Fall.

10 Mai 2010

Kino-Spektakel vom feinsten

Mag sein, dass »Iron Man 2« ein übertriebenes Spektakel für schlichte Gemüter ist. Mag sein, dass es sich um eine chiffrierte Darstellung der amerikanischen Paranoia handelt und um eine Anmerkung zur aktuellen Diskussion um Kopierschutz und geistiges Eigentum. Mag sein, dass alle Kritiker recht haben.

Mir doch egal.

Wir waren in dem Streifen, und ich war völlig begeistert. Klar handelt es sich bei dieser Superhelden-Verfilmung um ein überzogenes Stück Popcorn-Kino, mit einer Action, die teilweise nicht nachvollziehbar ist, und albernen Kämpfen gigantischer Roboter untereinander.

Aber die Schauspieler reißen's raus. Robert Downey Jr. gibt glaubhaft den großkotzigen und zugleich lustigen Industriellen Tony Stark, während Mickey Rourke einen russischen Bösewicht mit nachvollziehbaren Motiven spielt. Klasse ist wieder Gwyneth Paltrow, die allerdings Stöckelschuhe tragen muss, bei der sogar diese Dame ins Stolpern gerät.

Aber der Hammer ist Scarlett Johansson, die ich sonst für überbewertet und ein wenig langweilig halte. In diesem Streifen zeigt sie Action und Sex in einer Art und Weise, dass ich echt staunte.

Kein intellektueller Film, nein - aber das will »Iron Man 2« auch nicht sein. Aber geglückte Hollywood-Unterhaltung mit hohem Pop-Faktor, die richtig Spaß macht.

Featherlike mit Popper-Pop

Die Schweizer Band Featherlike war mir bisher unbekannt; jetzt habe ich ihre Single-CD (so was gibt's noch!) »Love Is A Minefield« gehört und finde die Band gut. Dabei müsste ich sie angesichts der Optik richtig schlimm finden: sieht alles wie in den 80er Jahren aus, vor allem das Cover der Single, das vier ernsthafte Männer mit kreuzlangweiligen Frisuren zeigt. Aber vielleicht geht das heutzutage als Emo durch.

Die Burschen wissen auf jeden Fall, wie man gelungenen Gitarren-Pop spielt, der trotz der Optik überzeugt: Gute Melodien, die »poppig« sind, ohne zu süßlich zu klingen, funktionieren einfach immer noch.

Ob das ganze live funktioniert, weiß ich nicht – das muss ich mir wohl erst mal angucken. Der erste Eindruck ist auf jeden Fall schon mal gelungen.

09 Mai 2010

Demo gegen Abschiebung

Auf Demonstrationen gehe ich seit Jahren eher selten; meist muss mich das Thema tatsächlich reizen. Zuletzt war ich vor zwei Jahren, wenn ich mich recht erinnere, als es um das geplante Nazi-Zentrum in Karlsruhe-Durlach ging. Am Samstag, 8. Mai, ging es um Abschiebung, genauer gesagt, ging es darum, einen Stopp der Abschiebungen zu fordern.

Ohne jetzt zu sehr ins politische Detail zu gehen (wer mag, kann sich im Internet zu Genüge informieren): Zur Zeit macht es sich der deutsche Staat mit seinen Verwaltungsbeamten sehr leicht - haufenweise werden Menschen abgeschoben und das in Länder, die ihnen weder Sicherheit noch eine halbwegs verträgliche Zukunft bieten.

Ganz konkret erwischt es Roma und andere Minderheiten aus dem Kosovo, denen in ihrer angeblichen Heimat nach 15 Jahren nichts als »ein Leben am Rand der Müllkippe« droht. Das Thema halte ich für wichtig, weil ich die deutsche Politik hier komplett widerwärtig finde: Für Banken, Politiker und anderen Mist haben wir Milliarden, auf der anderen Seite schieben wir Menschen ins Elend ab.

Wie viele Leute sich an der Demonstration beteiligten, ist schwer zu schätzen. Am Anfang schätzte ich rund 500, zwischendurch hätte ich selbst gesagt, wir seien an die tausend, am Ende schmolz das Häufchen in der erstaunlichen Sommerhitze ganz schön zusammen.

Insgesamt aber eine anständige Teilnahme, die mich positiv überraschte. Ebenso positiv: Es waren sehr viele junge Leute aus den unterschiedlichsten Richtungen dabei, viele junge Frauen auch. Sage noch einer, die heutige Jugend sei unpolitisch ...

Die Redner waren allerdings zu einem großen Teil grauhaarig und klangen dann auch wie aus den 80er Jahren. Auffallend, dass die einzig guten Redebeiträge bei der Demo von jüngeren Frauen aus Mannheim und einer anderen Stadt (keine Ahnung ... schäm!) kamen. Aber dass es bei Demonstrationen zu viel Gerede gibt, hat mich schon in den 80er Jahren genervt.

Als völlig nervig erwies sich wieder einmal die Polizei, die angesichts einer derart friedlichen Demonstration mit Knüppeln und starkem Robocop-Aufgebot aufmarschierte. Zwar liefen wir nicht im Schild-und-Knüppel-Spalier, aber vor der Demo kam zuerst einmal ein Mob von Uniformierten. In der Fußgängerzone dürfte das für Befremden gesorgt haben.

So sieht Meinungsfreiheit in Deutschland im Jahr 2010 also aus: Ein völlig überzogenes Aufgebot an Polizei schüchtert die Bürger ein und macht ihnen klar, dass ihr Protest und ihre Argumente absolut unerwünscht sind.

07 Mai 2010

Wissenschaftlicher Einblick in eine Szene

Über Street Art gab's in den letzten Jahren immer mehr zu lesen: Bücher, Zeitschriftenartikel und Fernseh-Reportagen beschäftigten sich mit den meist jungen Künstlern. Ein gutes Thema ist das, weil es sich immer schön bebildern lässt. Das Archiv der Jugendkulturen hat mit dem Buch »Street Art. Legenden der Straße« jetzt einen manchmal nüchternen und recht wissenschaftlichen Zugang zum Thema gewählt.

Katrin Klitzke und Christian Schmidt, die beiden Herausgeber des Buches, stellten dafür Bilderstrecken und Texte zusammen. Dabei kommen die Künstler selbst zu Wort, die mit ihren Bildern und Skulpturen die Mauern von Großstädten zumindest verändern, wenngleich nicht immer verschönern. Andere Beiträge stammen von Wissenschaftlern und Forschern.

Die wissenschaftlichen Texte sind naturgemäß ein bisschen komplex, zum Ausgleich sind die Texte der Künstler manchmal ein wenig seltsam. Da gibt es dann eben Gedichte, Mail-Kommunikation oder verschwurbelt zu lesende Statements. Die Wissenschaftler analysieren den kulturellen und sozialen Hintergrund von Street Art.

Das ist nicht immer einfach zu lesen, und manchen Text habe ich dann nur überblättert. Schön ist das Buch trotzdem, einen gelungene Mischung aus Sachtexten und schicker Bilderbuch-Ästhetik.

Erschienen ist es bereits im Sommer letzten Jahres: ein 226 Seiten starkes Hardcover im Großformat, das durch das schöne Layout und die zahlreichen Bilder schon rein optisch überzeugt und mit 28 Euro auch nicht zu teuer ist. Wer sich intensiv für Street Art interessiert, sollte das Buch haben – als »Einsteigerlektüre« empfiehlt es sich eher nicht.

Das Archiv der Jugendkulturen hat hier auf jeden Fall gezeigt, dass es die Nase auch im popkulturellen Wind hat: schöne Sache, eindrucksvoll und überzeugend!

Es gibt zu dem Buch sogar einen eigenen Blog, der unter anderem Rezensionen und andere Beiträge zum Thema zusammenfasst. Wer sich dafür interessiert, kann dort ja weiterlesen.

06 Mai 2010

Nazi-Treff beim Flughafen

Dass sich Nazis auch im Großraum Karlsruhe/Baden-Baden/Rastatt, wo ich lebe und arbeite, eifrig tummeln, ist nichts Neues. Neuerdings entwickelt sich für die »Kameraden« aus Karlsruhe und Umgebung die Landgemeinde Rheinmünster zu einem wichtigen Treffpunkt.

Wer Rheinmünster nicht kennt: Das ist der Ort, auf dessen Gemarkung der Baden-Airpark liegt, auch als Flughafen Karlsruhe bezeichnet. Hier hat sich jetzt die lokale Neonazi-Szene ein neues Zuhause in einem Landgasthof eingerichtet. Das ist nicht unbedingt eine Neuigkeit, auf den einschlägigen Nazi-Homepages wurde auch schon fleißig über Konzerte von Bands wie unter anderem Kommando Skin oder Endstufe berichtet.

Interessant ist aber das Verhalten der Polizei und der Öffentlichkeit, sprich der Presse. Am gestrigen Mittwoch, 5. Mai 2010, ging eine Information der Antifa raus, die auch auf der Indymedia-Homepage veröffentlicht wurde. Darin stehen die wesentlichen Einzelheiten, die ich ja jetzt nicht wiederkäuen muss.

Mit Datum von heute reagiert endlich die Polizei und schickt ihrerseits eine Presseerklärung ab. In dieser Erklärung wird in einem etwas seltsamen Sprachstil so getan, als habe die Polizei ermittelt und könnte nun endlich berichten, was Sache ist. Da sind die Beamten sicher auch sehr stolz auf ihre famose Ermittlungsarbeit ...

Und die Presse übernimmt dann die Polizeimeldung, ohne auch nur eine Sekunde selbst zu recherchieren. Garstig sein darf ich deshalb nicht. Man muss sich ja schon freuen, wenn Polizei und Presse diese Art von Umtrieben überhaupt wahrnehmen.

05 Mai 2010

Stress ist ...

... wenn man morgens die Zeitung aus dem Briefkasten fischt, sie ins Büro trägt, sie in der Mittagspause nicht anguckt, sie abends nach Hause trägt und am nächsten Morgen ungelesen in den Papierkarton stopft ...

... wenn man jeden Tag neue »bitte dringend rückrufen«-Telefonnotizen auf dem Schreibtisch sammelt, bis sie eine veritable Länge erreicht haben, um sie dann abends - nach kurzem Durchschauen - zähneknirschend wegwirft ...

... wenn einem Menschen, die man mag, Mails schicken, die mit »hast Du meine letzte Mail nicht erhalten« anfangen, um einem dann alles noch einmal zu senden ...

... wenn es geistig-moralisch noch reicht, um Blog-Einträge oder Twitter-Notizen zu verfassen, zu sonst aber wenig ...

04 Mai 2010

Großartige Werbung

Das Bier der Firma Heineken ist nicht das, welches ich bevorzuge ... um es vorsichtig zu formulieren. Wenn's irgendwo nur Heineken gibt, trinke ich meist Cola ... um es ein wenig klarer zu sagen.

Dabei machen die Jungs und Mädels mit die beste Bierwerbung überhaupt. Zumindest drei Spots sind absolut sehenswert.

Legendär immer noch die »Walk In Fridge«, also der begehbare Kühlschrank, bei dem ich zwar womöglich das Bier austauschen würde, über den ich mich aber ansonsten begeistern kann. Klasse gemacht.

Die Fortsetzung dazu ist dann die »Walk-In Fridge«, bei der auch die Gesichter der Darsteller sehenswert sind. Da bricht mir glatt das Science-Fiction-Herz.

Ganz neu sind die »Männer mit Talent« oder eben »Men With Talent«, das sich als eine wunderbare Verarschung irgendwelcher Talentsendungen im Fernsehen präsentiert. Großartige Wettbewerbe, tolle Show - klasse!

Kurzgeschichte zu Tobago

Im PERRY RHODAN-lastigen Fanzine »Bully«, das zur Leipziger Buchmesse erschienen ist, von mir aber erst dieser Tage gelesen werden konnte, wurde eine Kurzgeschichte von mir veröffentlicht. Das Ding heißt »In diesem Dreck hier?« und gehört zum bunten Reigen meiner Reisegeschichten, von denen es im Verlauf der letzten zehn Jahre sehr viele gab.

Die Kurzgeschichte spielt auf der Insel Tobago, also in der Karibik, und hat - wie nicht anders zu erwarten - einen biografischen Kern. Wobei ich keinerlei Rückschlüsse darauf habe, wie die PERRY RHODAN-Fans die Geschichte gefunden haben ...

03 Mai 2010

Hamburg im Fokus

Die gestrige ENPUNKT-Radiosendung im Querfunk, dem freien Radio für Karlsruhe, stand ganz im Zeichen von Hamburg: Ich spielte Punkrock und ein wenig Hardcore und Ska aus der Hansestadt, sehr bunt gemischt und eher neueres Zeugs - Klassiker fehlten völlig.

Viel deutschsprachiges gab es: Kommando Sonne-nmilch und Schneller Autos Organisation mit eher schlauen Texten und »intellektuellem Sound«, Feindbild dafür mit extrem ruppigem Deutschpunk und Leistungsgruppe Maulich mit Musik für den brillentragenden Irokesenpunk.

Englischsprachig tummelten sich die Varanes und die - nur teilweise aus Hamburg stammende - Kapelle Small Town Riot. Und ich stelle verduzt fest, dass es tatsächlich gar keinen Hardcore gab und die Ska-Fraktion durch ein bisschen Rantanplan vertreten war. Man kann nicht alles haben, auch in einer Punkrock-Radiosendung nicht.

02 Mai 2010

Ich lese demnächst in Nürnberg

Am Donnerstag, 13. Mai 2010, bin ich in Nürnberg, wo ich als Dozent am Autorentreffen teilnehme. Am Vorabend gibt's zudem eine Lesung in der Grauer’schen Antiquariatsbuchhandlung. Neben den Kollegen Titus Müller (historische Romane) und Autor Oliver Patsch (Krimis) bin ich von der Partie.

Es gibt allerdings keinen Punkrock-Kram zu hören; das wäre angesichts des zu erwartenden Publikums ein wenig fehlgeplant. Da ich als Science-Fiction- und Fantasy-Experte zu der Veranstaltung geladen bin, werde ich wohl schauen müssen, dass ich etwas aus diesen Themengebieten vorlese.

Wer sich dafür interessiert: Das ganze findet am Mittwoch, 12. Mai 2010, um 20 Uhr statt. Weitere Informationen gibt's auf der Homepage der Buchhandlung.

01 Mai 2010

AC4 mit Umea-Punk

Aus Schweden kam in den 90er Jahren die Band Refused, die ihren spannenden Hardcore mit politischen Texten gut auf die Bühne brachte und auch außerhalb der Szene auffiel; als Nachfolgeband gab es The International Noise Conspiracy, die immer noch politisch waren, sich aber musikalisch vom Hardcore-Punk entfernten. Und jetzt AC4, eine Band, die aus Leuten besteht, die in diesen Bands waren und seit vielen Jahren in Umea und Umgebung Punk und Hardcore machen.

Kein Wunder, dass die Band, die sich 2008 gegründet hatte, bereits 2009 eine erste Platte rausbrachte: großartiger Hardcore-Punk, wie man ihn Ende der 80er Jahre schon gespielt hat. Natürlich benutzt man moderne Studios, die Aufnahmen sind viel besser als früher, aber das schadet dem draufgängerischen Sound nicht. Die Stücke werden rasant nach vorne gespielt, sie tanzen buchstäblich in meinen Ohren – das ist klasse!

Erschienen ist die Platte bei dem schwdischen Label Nyvag Records; nach den Angaben des Labels ist die bereits vergriffen, während man die Vinyl-Version noch bei diversen Versendern kriegt. Lohnt sich!

30 April 2010

Revolutions-Lyrik mit 18

Anfangs Oktober 1982 wurde Helmut Kohl durch ein konstruktives Misstrauensvotum zum Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr mich dieses Ereignis schockierte und ärgerte. Als leicht politisierter Schüler hasste ich Helmut Kohl noch mehr als andere Politiker.

Ich schrieb zu der Zeit ein »Gedicht« nach dem anderen, die meisten davon in einem Stil, der eindeutig von Charles Bukowski und anderen amerikanischen Autoren beeinflusst war. Die Texte waren schroff und großmäulig, handwerklich meist grottenschlecht und von großem Sendungseifer erfüllt.

Und so schrieb ich eben auch einen Text unter dem Titel »No future?«, den ich in diesem Blog zitiere. Wer ihn lesen mag, gucke in den Kommentaren nach ... Fast dreißig Jahre danach kann ich mich gut an die Zeit entsinnen und mir vorstellen, wie ich mich anno 1982 fühlte – die Textzeilen passen somit gut zu der damaligen Zeit.

29 April 2010

Fußball aus zweiter Hand

Dienstag abend, 27. April 2010: Wir sitzen auf dem Gutenbergplatz in Karlsruhe, trinken Wein, futtern Oliven und anderen Kleinkram, reden Unfug und freuen uns über das schöne Frühlingwetter. Auf den Gutenbergplatz, der angeblich guten Stube der Weststadt, lässt es sich um diese Jahreszeit wie auch im Sommer bombig aushalten.

Neben dran liegt das »Carrée«, eine Kneipe, in die ich eher selten gehe. Dort läuft der Fernseher, dort ist richtig voll. Immer wieder ertönen ein Stöhnen im Gleichklang oder ein gemeinsamer Jubel, so sind wir auf dem Laufenden.

»Die Bayern haben wieder ein Tor geschossen« oder »knapp daneben« konstatieren wir als Fußballexperten aus zweiter Hand. Und bekommen so ein Spiel mit – Bayern München gegen Lyon –, das offensichtlich sehr spannend ist, das wir aber aufgrund der Akustik nicht anzugucken brauchen.

Keine schlechte Taktik. Vielleicht kann ich mir so das öffentliche Gucken bei der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft sparen.

28 April 2010

Kollege bespricht Roman

Ich habe ihn nicht dazu gezwungen, aber er veröffentlichte die Besprechung in seinen letzten Arbeitstagen in der Abteilung: Björn Berenz schrieb eine Rezension zu »Sardev - Der Schatten des Friedens«, und die wurde heute auf der PERRY RHODAN-Homepage veröffentlicht.

Er zieht interessante Vergleiche zu Western-Filmen, denen ich nicht widersprechen kann, und lobt sehr: Das Büchlein zeige »eindrucksvoll, dass ein guter Fantasy-Roman nicht zwingend umfangreich sein muss«.

Und, sehr schmeichelhaft: »Jeder Satz sitzt und ist dazu da, die Geschichte voranzutreiben. Auf unnötigen Schnickschnack in Form von ausschweifenden Beschreibungen, die nur dazu dienen, eine dünne Geschichte aufzublähen, wurde dankenswerterweise verzichtet.«

27 April 2010

Balls & Boobs reizen zum Stirnrunzeln

Was in den Köpfen mancher Leute vorgeht, muss ich nicht verstehen. Und warum sich eine Münchener Band, bestehend aus drei Männern und zwei Frauen, ausgerechnet Balls & Boobs nennt, muss ich auch nicht kommentieren. »Eier und Titten« ... na gut.

Musikalisch gibt es eine volle Breitseite aus Psychobilly-Sound, gemixt mit rotzigem Punk und vielen Rock-Klischees; das ist klasse gemacht, geht gut ins Ohr und auch in die Beine. Da kann man nicht meckern.

Inhaltlich surft die Band im Horror-Meer, singt über Geisterhäuser und Leichen, die im Kerzenlicht tanzen, oder bringt gleich Rock-Klischees wie »Burning Wheels«. Ich weiß, das gehört dazu, aber ich finde es dennoch albern.

So fahre ich mit der CD durch die Gegend, die Musik bollert aus den Lautsprechern, und solange ich keine Sekunde über den Inhalt nachdenkt, finde ich alles ziemlich klasse. Nachdenken führt zum Stirnrunzeln, also sollte ich es lassen. Seltsam ...

Im Club-Fanzine

Ich bin seit gefühlten tausend Jahren Mitglied in diversen Vereinen, die sich im weitesten Sinne mit Science Fiction und Fantasy beschäftigen. Dazu zählt auch der ATLAN-Club Deutschland, der das Fanzine »Intravenös« herausgibt.

In der aktuellen Ausgabe 192 bin ich mit drei Texten vertreten, von denen zwei im Prinzip nichts anderes sind als Artikelfassungen meines ENPUNKT-Blogs: In »Zwischen Fujairah und Dubai« geht es um den Urlaub im Herbst 2009, in »Die Leipziger Buchmesse« behandle ich die Messe im Frühjahr 2010. Dazu kommt die sehr kurze Kurzgeschichte »Mein Freund, der Pashtune«, die auf einer Straße durch die arabische Wüste spielt.

Warum ich für Fanzines solche Beiträge verfasse, obwohl diese Fanzines eine so kleine Auflage haben und dafür kein Geld bekomme? Solche Fragen bekomme ich immer wieder gestellt.

Die Antwort ist einfach: Wo bitte sonst könnte ich solche Texte publizieren? Und den einen oder die andere im ATLAN-Club interessieren schließlich auch solche »Randthemen«.

26 April 2010

Improvisiert ins Studio

Mit der ENPUNKT-Radiosendung ist es eigentlich ganz einfach: Im Verlauf der Woche bereite ich mein Programm vor, und am Sonntag abend sammle ich die Platten ein, bevor ich ins Studio radle. Aus Gründen, die hier nichts zur Sache tun, kam ich am Sonntag, 26. April, auf einmal in fürchterlichen Zeitdruck.

Und bevor es komplett hektisch wurde, packte ich einfach eine Ladung an Sampler-CDs zusammen und fuhr mit diesem im Gepäck los. Die Firmen Rookie Records (schöne Sampler-CD), OX und Plastic Bomb haben mich da auf einen Schlag gerettet ...

Die Sendung wurde trotzdem ganz gut, denke ich. Das lag sicher an der abwechslungsreichen Musik: Aus deutschen Landen gab's klassischen Funpunk von Walter Elf, neuen Rotzepunk von Steakknife, schlauen Deutschpunk von Bitume oder Irokesen-Punkrock von Daisy Chain und Scattergun.

Aus der britischen Klassiker-Kiste zauberte ich A.B.H. und The Insane, und aus Amerika bollerte ich den Hörerinnen und Hörern Sachen von Anti-Flag und US-Bombs, von Inquisition und The Unseen um die Ohren. Und zum Schluss gab's noch Geträller von Deadline.

Ein sehr punkrockiges Programm also, metal- und emo-frei, praktisch ohne Hardcore oder Ska, dafür aber mit viel Melodie und Schmackes. Wenn ich es mir recht überlege, war's eigentlich optimal für das warme Wetter. Da störte es mich auch kaum, dass es im Kühlschrank kein Bier gab ...

25 April 2010

Kein Spannungs-Western

Es gilt ja als ein bisschen uncool, Western-Romane und Western-Filme gut zu finden. Da es mir aber recht egal ist, ob ich cool bin, gebe ich offen zu, dass »Spiel mir das Lied vom Tod« einer meiner Lieblingsfilme ist und dass ich »Die Söhne der Großen Bärin« mehrmals gelesen habe. So. Wer durch Winnetou und Old Shatterhand sozialisiert wurde, darf auch mit über vierzig Jahren noch auf den Wilden Westen stehen.

Deshalb schnappte ich mir den Roman »Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford«, als mir dieser preisgünstig in die Finger fiel. Verantwortlich für den Roman ist der amerikanische Autor Ron Hansen; das Ding erschien im Original bereits 1983, kam 1996 beim deutschen S. Fischer Verlag als Hardcover raus und wurde vor einigen Jahren verramscht. Dass der Roman mit Brad Pitt in der Hauptrolle verfilmt wurde, ging an mir vorüber – der Streifen war wohl auch ein Flop.

Kein Wunder, denn schon die literarische Vorlage liest sich recht zäh. Ron Hansen wollte nämlich keinen Western schreiben und schielte deshalb nicht auf das Wildwest-Publikum. Er versuchte, die Ermordung des Westernhelden Jesse James durch seinen jungen Gefolgsmann Bob Ford, als historisches Ereignis darzustellen.

Ich mochte den Roman dennoch. Hansen führt haufenweise Personal auf, nennt wirklich jeden Banditen, der in den Jahren 1865 bis 1882 in der James-Bande mitmischte, und erwähnt buchstäblich jeden Überfall. Zwischen all den sauber recherchierten Fakten gibt es Szenen, in denen sich der Bandit in seinem bürgerlichen Leben bewegt und immer schneller auf seinen Untergang zusteuert. Das ist nicht unbedingt spannend, liest sich aber unterhaltsam und interessant.

Auffallend ist, wie sehr sich der Westen in Hansens Roman von klassischen Filmen und Büchern unterscheidet. Die Polizei und die Pinkerton-Detektive erscheinen ordentlich, sie tragen Uniformen; die Städte sind meist geordnete Gemeinwesen, und dank der Eisenbahn lassen sich auch weite Entfernungen rasch zurücklegen. 1882 scheint der sogenannte Wilde Westen nicht halb so wild gewesen zu sein, wie man es ansonsten glaubt ...

Kein Knaller-Roman, wirklich nicht. Aber ein gutes Buch – zumindest für Leute, die sich fürs Thema interessieren und Spaß an einer romanhaften Umsetzung eines historischen Stoffes haben.

23 April 2010

Dadaismus von 1984

Gegen Ende meiner Schulzeit entdeckte ich die Dadaisten für mich. Völlig verblüfft las ich über Autoren und Bildende Künstler, die ausgerechnet in der Zeit des Ersten Weltkriegs eine Kunst entwickelten, die häufig nichts anderes war als blühender Blödsinn.

Ich war völlig begeistert. Und selbstverständlich versuchte ich, Dadaismus ebenso nachzuahmen und mir anzueignen, wie ich zu der Zeit alles andere ausprobierte. Und so schrieb ich am 17. August 1984 das Gedicht »Neue Paras«, das nie veröffentlicht wurde und das ich erst im April 2010 wieder in der Hand hielt.

Bei vielen Sätzen kann ich mich nicht mehr erinnern, was sie sollen oder bedeuten. Das »komplette Eruieren« ist eine Anspielung auf das klugscheißerische Reden mancher Mitschüler, und »siech« statt »sich« zu sagen, war damals ein eher schlichter Witz einiger Freunde und mir.

Alles in allem ein kryptischer Text, bei dem ich mir sicher bin, dass es zwar sehr schwachsinnig klingt, ich mir damals aber sehr wohl etwas dabei gedacht habe – und wenn's nur mein Versuch war, mich über anspruchsvolle Lyrik lustig zu machen. (Wer sich auf das Ding einlassen möge, muss im Kommentar nachgucken ...)

22 April 2010

Zehn mal Zen im Zug

Dienstreise mit einem Kollegen; der Mann ist ebenfalls Abteilungsleiter. Der Name tut ebenso wenig etwas zur Sache wie das Ziel. Wir waren insgesamt elf Stunden unterwegs, fünfeinhalb hin und fünfeinhalb zurück – ohne die Umsteigepausen und den Aufenthalt.

Ich hatte einiges zum Lesen dabei: zwei aktuelle Roman-Manuskripte, ein Arbeitspapier, Exposés, Fachzeitschriften und die Tageszeitung. Er hatte nichts dabei: nichts zu lesen, keinen Laptop, keinen Notizblock. Das fand ich stark.

Wir saßen uns gegenüber, und ich las. Er schaute zum Fenster hinaus und betrachtete die Landschaft. Zu reden gab es nicht viel; wir haben außer der Arbeit kein gemeinsames Thema, und ich finde ihn langweilig.

Irgendwann fragte ich ihn, ob er meine Zeitung haben wollte. Er nickte, ich reichte sie ihm, und er blätterte sie fünf Minuten lang durch. Dann schaute er wieder zum Fenster hinaus.

Er schaute auf der Hinfahrt wie auf der Rückfahrt zum Fenster hinaus, ohne auch nur ein Zeichen von Langeweile zu zeigen. Er schien völlig entspannt, und er machte nicht den Eindruck, als hätte er ein Büro, in dem sich die Arbeit in der Abwesenheit langsam stapele. Er schaute ruhig und gelassen zum Fenster hinaus, alles in allem zehn Stunden lang.

Ich war beeindruckt. So viel Gelassenheit hätte ich auch gern, dachte ich. Und überlegte, ob ich Zen-Kurse oder so etwas nehmen sollte ...

Samiam rockt auch nach Jahren

Wenn meine Erinnerung nicht trügt, habe ich Samiam zweimal gesehen: einmal im kleinen Jugendzentrum in der Schwarzwaldstadt Nagold und einmal in Köln, vor einem euphorischen Publikum, das die Band abfeierte. Samiam gelten als eine der Vorreiter der heutigen Emocore- oder Emopunk-Welle, was insofern Unfug ist, weil sie das anno 1988 garantiert nicht im Sinn hatten: Die aus der Gegend von San Francisco stammenden Burschen wollten melodischen Punkrock spielen, und gut war.

Ich will jetzt nicht auf das Auf und Ab in der langen Geschichte der Band eingehen. 2006 kam auf jeden Fall die Platte »Whatever's Got You Down« raus, auf der sich gerade mal elf Stücke finden – die aber sind länger als der normale Punkrock-Kracher. Aber es ist eindeutig Punkrock, kein Emo-Gejammer und weit entfernt von modischen Tönen.

Die modischen Töne spielen längst die Bands, die früher mal bei Samiam gelernt haben und heute richtig viel Geld verdienen. Dabei zeigt gerade die 2006 erschienene Platte, was die Band drauf hat: Jedes Stück ist eine kleine Hymne, schwungvoll und flott und mit Herzschmerz gesungen, mit gut klingenden Gitarren und einer spielerischen Wucht, bei der ich automatisch anfange, mich zu bewegen.

Pogo-Kracher sind das nicht, das wollte die Band 2006 sicher auch nicht mehr spielen, aber es ist intelligenter Punkrock, den man jederzeit hören kann. So was liebe ich einfach, und so was kann ich mir 2010 immer wieder anhören.

21 April 2010

Camp der Schreiberlinge

Die Autorenkollegen Frank Borsch und Michael Marcus Thurner heckten gemeinsam eine Idee aus, auf die ich kurz verweisen möchte: Vom 10. bis zum 17. Oktober 2010 wollen sie ein sogenanntes Schreibcamp starten, in dem ein Dutzend Autorinnen und Autoren für eine Woche in einem Hotel zusammen arbeiten und schreiben soll.

Klingt vielleicht überzogen, ist aber meiner Ansicht nach ein kluger Ansatz. Ich zitiere aus der Information: »Schreiben ist Handwerk. Schreiben ist Leidenschaft. Schreiben ist Leben.«

Wer sich auf das Abenteuer der Schriftstellerei einlässt, hat ein Hobby oder einen Beruf gewählt, der vielseitig und faszinierend ist. Der Nachteil ist, dass man so oft so lang allein am Computer sitzt. Und genau da setzt die Schreibcamp-Idee an.

»Stell dir vor, du gehst deine Wege nicht länger alleine« heißt es im Text. »Stell dir einen Ort vor, an dem du Gleichgesinnte triffst, Gemeinschaft findest.« Thurner und Borsch werden als Dozenten wirken, andere Dozenten als Lektorat oder Agentur zu ihnen stoßen.

Als Ort haben sich die beiden Hinterzarten ausgesucht, einen schönen Ort im Südschwarzwald; der Erholungswert soll ja ebenfalls stimmen. Der Ansatz ist auch von dieser Seite her richtig: Schreiben kann man nicht stur lernen, einen Funken Talent braucht der Autor. Unter Anleitung kann man aber sein Talent verbessern, und da ist es hilfreich, wenn auch die Umgebung stimmt.

Ich kann beiden Kollegen nur die Daumen drücken, dass aus dem Schreibcamp etwas wird. Die Idee ist es wert.

20 April 2010

Auf der Palme

Erinnerung an den Dubai-Trip im November 2009

Jahrelang wurde man buchstäblich mit Meldungen zu Dubai bombardiert. Die Scheichs würden die Wüste in einen Garten Eden verwandeln, sie würden schöne Inseln aufschütten, die wunderbar seien, und sie würden die größten Türme der Welt bauen. Die schicke neue Welt des Kapitalismus am Persischen Golf.

Dass die ganze Herrlichkeit in Dubai ganz schön aufgebläht ist, konnte man sich im voraus schon denken: Irgendjemand muss in diesen Türmen ja schließlich auch leben und arbeiten - wenn die Dinger allein stehen, bringen sie eher wenig. Trotzdem hielten die Jubelmeldungen recht lange an.

Im November 2009 kam ich selbst auf die Palmeninsel. Zwar sind dreik dieser Gebilde geplant, aber fertig geworden ist bis dato nur die Palm Jumeirah, eine künstlich aufgeschüttete Insel, die aus der Luft wie eine gigantische Palmenkrone aussieht. Ein bombastischer Anblick.

Fährt man mit dem Auto auf die künstliche Insel, relativiert sich der Eindruck. Rechts und links der breiten Hauptstraße, die in piekfeinem Zustand ist, erheben sich wuchtige Gebäude, die teilweise unbewohnt wirken. Die schmalen Privatstrände entlang der Häuser fand ich nicht so ansprechend.

Und was besonders auffallend war: Sah man von einigen Arbeitern und Gärtnern ab sowie von den Autos auf der Straße, war kein Mensch unterwegs. Die Insel lag still und tot in grellem Sonnenlicht. Einige bonzig wirkende Hotels durchbrachen die Skyline der modernen Wohnblocks; normale Kneipen oder Restaurants existierten natürlich keine.

Mag ja sein, dass da viele Millionäre wohnen möchten, dachte ich irgendwann. Aber viel Spaß werden die hier nicht haben. Und mittlerweile ist eben ein großer Teil des Spaßes auch wirklich vorbei, weil schlicht und ergreifend das Geld fehlt.

19 April 2010

Eine Träne im Auge

Am Sonntag abend, 18. April 2010, war die »Alte Hackerei« richtig gut gefüllt. Kein Wunder, es war wieder mal eine Band aus alten Tagen zu Gast, auf die sich viele Besucher zu Recht schon lange freuten. (Und da ich mit dem Rad da war, konnte ich ausnahmsweise mal wieder dem Bier zusprechen und musste mich nicht zu sehr benehmen.)

Zuerst spielten Norton aus Zürich, lauter alte Bekannte, die teilweise seit über zwanzig Jahren auf den Punkrock-Bühnen dieser Welt unterwegs sind: rockiger, intensiv klingender Punkrock, der nix mit heutigem Emo-Punk zu tun hat, aber auf eine sehr schöne Weise emotional klingt. Eigentlich geht Norton gut in die Füße, die Stimmung war aber verhalten und zurückhaltend.

Bei Leatherface stieg die Stimmung natürlich. Trotz des seltsamen Aussehens des Sängers, der mit Halbglatze, grauen Haaren und Vollbart echt wie ein alter Mann aussah. Tolle Melodien, ein großartiger Gesang und ein sympathisches Auftreten ließen das aber rasch vergessen.

Hinterher sagte jemand, er hätte »Gänsehaus-Feeling« verspürt, und das war komplett richtig. Ich hatte zeitweise das Gefühl, eine Träne im Augenwinkeln zerquetschen zu müssen, und wäre am liebsten am Rand der Bühne niedergekniet.

Ein ganz großes Konzert – diese Band ist auch nach all den Jahren noch richtig stark!

18 April 2010

Der Druck der belgischen Faust

Mit vielen alten Punk-Bands ist es so eine Sache: Die hatten in den späten 70er oder frühen 80er Jahren einen einzigen Szene-Hit, und mit dem gehen sie dann mal wieder auf Tour, um ein wenig Geld zu verdienen. Bei The Kids aus Belgien scheint das nicht so zu sein: Die hatten einige Szene-Hits, und als ich sie vor über zehn Jahren schon mal sah, merkte man ihnen an, dass sie immer noch genügend Spaß an der Sache hatten.

Das zeigte sich auch am Samstag, 17. April 2010, im »Schlesinger« in Stuttgart. Als Vorgruppe im angenehm gefüllten Club spielten Supermug, ein Trio aus dem Großraum Stuttgart, die schwer nach Kalifornien klangen, ohne dass ich das negativ meine.

Mit viel Spielfreude bolzten die drei Herren – herausragend: der grinsende Skinhead an der Schießbude – ihre Stücke ins Publikum. Sie mussten sich beeilen, weil die Kids zeitig auf die Bühne wollten, und fürchteten »den Druck der belgischen Faust im Nacken«. Das schadete nicht, die Stücke kamen alle druckvoll und mit viel Energie. Klasse, die Band sollte ich mir merken.

Danach die alten Säcke aus Belgien, denen man rein optisch schon anmerkte, dass sie stramm auf die fünfzig zumarschieren. Das hielt sie nicht davon ab, das zu spielen, was sie schon 1977 konnten: stampfenden, herrlich einfachen Punkrock mit hämmernden Gitarren und viel Druck, mal langsamer, wie man es anno dunnemals gern hatte, dann aber auch wieder rasant – von Altersschwachsinn keine Spur.

Wer Stücke wie »Do You Love The Nazis« im festen Repertoire hat und »12XU« von den göttlichen Wire ausgiebig covert, der darf auch in der zweiten Zugabe zu langweiligen Klassikern wie dem »Blitzkrieg Bop« greifen. The Kids waren spitze, ich hüpfte ein wenig und war hinterher gut verschwitzt; im Publikum spritzte das Bier und flogen die Jungs und Mädels durch die Luft – alles ziemlich klasse. Die dürfen gern in zehn Jahren wiederkommen!

17 April 2010

Bizarre Spionage-Geheimnisse

Von Tim Powers habe ich im Verlauf der Jahre einige Romane gelesen, die allesamt sehr originell und spannend waren, voller überbordener Ideen und ungewöhnlicher Handlungsverläufe. Ich benötigte allerdings einige Zeit, bis ich mich an »Declare« wagte, der als Hardcover hierzulande im Festa-Verlag erschienen ist.

Der Untertitel »Auf dem Berg der Engel« deutet darauf hin, dass es ein phantastisches Thema sein könnte, das Cover zeigt allerdings eine Patrone – eher ein Hinweis auf einen Krimi oder Thriller. Und genau das passt zu dem Roman: »Declare« stellt sich nämlich als Mischung aus Spionage-Thriller und phantastischen Roman heraus, eine verwickelte, ja verzwickte Handlung mit vielen Zeitsprüngen und Wendungen.

Andrew Hale ist ein britischer Wissenschaftler, der schon als Kind für eine Aufgabe auserwählt wurde, über die er lange Jahre nichts erfuhr. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er unter anderem als Spion und wurde in Paris eingesetzt, am Ende des Krieges war er in Berlin. Weitere Schauplätze des Romans sind Kuwait und der östliche Teil der Türkei, Moskau oder Beirut und die abgelegene Wüste Saudi-Arabiens.

Es geht tatsächlich um Engel – oder Dschinn, wie sie in der arabischen Welt heißen. Dabei handelt es sich um Wesen, offensichtlich um Außerirdische, die große Macht haben und mit den Menschen kaum kommunizieren können. Doch ihre Handlungen nehmen Einfluss auf die Menschen, und es gibt streng geheime Abteilungen innerhalb der Geheimdienste, die sich um die Fremden kümmern.

»Declare« ist kein einfach zu lesendes Buch, ich verlor zeitweise fast den Faden und musste mehrfach zurückblättern. Der Umfang von über 600 eng gesetzten Seiten (nicht die übliche Blindenschrift heutiger Hardcover) benötigt seine Zeit und einiges an Aufmerksamkeit.

Aber das Buch ist – wie bei Tim Powers nicht anders zu erwarten – ziemlich klasse, ja, fast genial. Ein faszinierendes Geheimnis wird stückweise entschlüsselt, und am Ende bleiben immer noch viele Fragen offen.

Das Ding ist ziemlich klasse und scheint hierzulande ziemlich untergegangen zu sein. Wer es irgendwo auf einem Flohmarkt findet oder es sich über amazon bestellt, wird allerdings mit einem Roman belohnt, der richtig Spaß macht. Man muss sich allerdings auf die paranoide Welt der Geheimdienste ebenso einlassen wie auf phantastisches Geschehen ...

16 April 2010

Gefräßige Pixels

Den Hinweis auf das wunderbare Filmchen »Pixel« habe ich mittlerweile mehrfach gelesen, und womöglich ist das für die meisten Leser dieses Blogs hier eine blöde Wiederholung. Dennoch möchte ich nicht versäumen, auf den Film hinzuweisen.

Es ist eine Mischung aus Science Fiction und ... ähm ... Zivilisationskritik. Sehr lustig gemacht, sehr klar animiert und mit einem eindeutigen Ende. Wer mag, kann sicher auch etwas in den Film hinein interpretieren. Und wer nicht mag, findet einfach, dass es ein sehr gelungener Kurzfilm ist.

15 April 2010

CDV ist wohl futsch

Mit der Firma CDV Software Entertainment hatte ich in den frühen Nuller-Jahren auch mal über ein PERRY RHODAN-Computerspiel gesprochen: Jetzt haben die Frankfurter Spielehersteller einen Insolvenzantrag gestellt.

Die Firma wurde schon 1989 gegründet, in den 90er Jahren war sie ziemlich angesagt. Unter anderem wurde »Duke Nukem« von CDV herausgebracht, dazu einige Kriegs-Computerspiele. Mein Gespräch mit CDV fand irgendwann um 2003 in ihren damaligen Büros in Karlsruhe statt – es wurde bekanntlich nichts aus dem gemeinsamen Projekt.

An den Namen CDV hatte ich schon lange nicht mehr gedacht. Das Gebäude in der Karlsruher Nordweststadt ist verwaist. Als ich erfuhr, dass CDV jetzt insolvent ist, war das der erste Grund für mich, wieder mal an die Firma zu denken. Schon hart, wie schnell man Firmen und Menschen vergisst ...

Lucifer Star Machine bollern wüst

Die Band nennt ihren Sound auf ihrer Myspace-Seite schlicht »Violent Rock'n'Roll«, was gar nicht so falsch ist. In Wirklichkeit machen die fünf übelst tätowierten Briten schmutzige Rock-Musik, die streckenweise mit einem Schuss Punk daherkommt und dann auch wieder fieseste Billy-Einflüsse hat. Das bollert und das knallt auf der mir vorliegenden CD »Street Value Zero« zeitweise derart, daß es eine wahre Freude ist.

Die Band nennt sich Lucifer Star Machine, was ein grausiger Name ist, aber irgendwie zur Gesamterscheinung passt. Seien wir ehrlich: Die Hälfte der Stücke ist klasse, vor allem die ersten haben mich bei voller Lautstärke begeistert. Dann aber kommt der übliche Hardrock-Kram durch, dann hängen die Gitarren wieder auf Halbmast, und ich vermeine 80er-Jahre-Töne zu hören, die ich aus meinem Hirn verdrängt habe.

Die Texte habe ich mir nicht angeschaut. Es wird oft »fuck« gebrüllt, es geht um Hauereien, Saufen und Horror – da möchte ich jetzt weder psychoanalysieren noch irgendwie PC-korrekt durch die Gegend schleichen.

Harte Musik für harte Männer also, die nicht sehr ironisch wirkt, sondern so klingt, als sei sie ernst gemeint. Und da muss ich dann doch häufig schmunzeln.

14 April 2010

Auf der Grusel-Insel

Die Besprechungen im voraus waren sehr kontrovers. Während manche den Film lobten, verrissen ihn manche Kritiker komplett. Der eigene Eindruck ist immer der beste – also gingen wir gestern abend in »Shutter Island«, den aktuellen Film von Martin Scorcese mit Leonardo Di Caprio in der Hauptrolle. Natürlich in den Filmpalast, weil man da einfach das beste Bild in Verbindung mit den besten Sitzplätzen in Karlsruhe hat.

Der Film ist stark: ein klassischer Psycho-Thriller, bei dem man als Zuschauer die ganze Zeit mitfiebert. Der dauernd gestresst wirkende CIA-Beamte, der auf der geheimnisvollen Insel ermittelt, die merkwürdigen Umtriebe des Gefängnisarztes und seiner Beamten, die Verbindungen zu Nazi-Kriegsverbrechen – das alles erzeugt einen beeindruckenden Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte.

Klar fragt man sich, warum die Helden mal wieder in einen dunklen Gang hineingehen müssen, aber alles in allem werden die Gesetze der Logik eingehalten, passt auch im Nachhinein alles gut zusammen. Ich bin allerdings auch nicht der Filmegucker, der sich hinterher jede Szene noch einmal vor Augen führt, um herauszufinden, ob sie stimmig ist.

»Shutter Island« kann ich auf jeden Fall empfehlen. Bitte im Kino angucken: Auf Breitwand wirkt das Ding garantiert eindrucksvoller als hinterher auf DVD ...

13 April 2010

Dörfliche Punkprobleme


Nach mehr oder weniger aufregenden Abenteuern in der Punkrock-Großstadt Ludwigshafen hat es Peter Pank, den Helden meines Fortsetzungsromans, zurück in die dörflich-schwäbische Einöde geführt. Das zumindest ist der Inhalt des nunmehr fünfundzwanzigsten Teils von »Und: Hardcore!«, der in der aktuellen OX-Ausgabe 89 veröffentlicht worden ist.

Wobei die Geschichte ja eher harmlos anfängt. Es geht um eine kleine Katze namens Mohrle, die verschwunden ist. Unser halbwegs verstrahlter Held und sein Kumpel Jörg suchen die Katze, gehen zwischendurch zum Holzhacken in den Wald und beschließen am Ende, die örtliche Nazi-Szene aufzumischen.

Ein Punk und ein Hippie gegen gefühlte 50 Alt- und Jung-Nazis - das kann ja heiter werden. Aber das wäre ja, wenn es so weit käme, das Thema für die nächste PETER PANK-Folge ...

12 April 2010

Turbostaats zweite Kommerzplatte

Eigentlich gibt es wenig, was eine Punk-Band so richtig falsch machen – außer auf einem kommerziellen Label einen Plattenvertrag zu unterschreiben. Turbostaat aus Flensburg machten das bei einer Tochter von Warner Brothers, und das hat der Band nicht geschadet.

»Das Island Manöver« ist die zweite CD, die bei Same Same But Different, der Warner-Tochter, erschienen ist, und sie ist richtig gut. Okay, ich hätte bei der Band nichts anderes erwartet. Sowohl die ersten zwei Platten, die bei Schiffen Records erschienen ist, als auch die erste Kommerz-Veröffentlichung waren klasse.

Wer mag, darf die Band gerne in die Emo-Ecke stecken. Im Prinzip machen sie Punkrock mit schlauen deutschen Texten, der sich den Deutschpunk-Zwängen weitestgehend entzieht und von daher einfach klasse klingt. Das Gitarrenspiel und die Texte passen zu Emo, also wird die Band in diese Schublade gepackt.

Scheißdrauf: Was die Burschen machen, ist ziemlich großartig, das rockt, das lässt einen mitwippen und aufmerksam zuhören, das ist nicht unbedingt die Musik für die nächste Party, aber auf jeden Fall eine Platte, die man auch in einem Jahr oder in fünf Jahren noch anhören wird. Sehr schön.

11 April 2010

Eva ganz unten

Die Frau kann einem leid tun: Eva Herman, ehemals ein prominentes Fernsehgesicht des NDR, muss ihr aktuelles Buch ausgerechnet im Kopp-Verlag veröffentlichen. Das Buch heißt »Die Wahrheit und ihr Preis« und macht mit dem Untertitel »Meinung, Macht und Medien« klar, worum es geht. Die Frau will sich und ihr Ansehen rein waschen.

»Wegen haltloser Pressevorwürfe verlor ich meinen NDR-Job und wurde von zahlreichen Medien monatelang diskreditiert«, schreibt die Autorin auf der Homepage des Kopp-Verlages. Nach eigenen Aussagen erlebte sie »die Fernseh-Hölle bei Kerner« (und das Cover entstammt auch prompt dieser Nachrichtensendung – man braucht die Prominenz eben doch) oder wurde von Alice Schwarzer, laut Herman ist das »Deutschlands Cheffeministin« durch »eine heimliche Kampagne« angegriffen.

Nach der legendären Kerner-Sendung (die ich zufälligerweise auch gesehen hatte und der sich die Dame unglaublich blamiert hatte) hätten sich »Hunderttausende«, und »Millionen haben inzwischen vor dem Fernseher oder im Internet die Kerner-Sendung angesehen und sind nach über zweieinhalb Jahren immer noch wütend«.

Ich will gar nicht ausführlich über das Buch und die ohnehin überbewertete Dame schreiben. Es amüsiert mich, dass sie jetzt beim Kopp-Verlag ist. Dieser arbeitet ohnehin gern mit »Tabubrüchen«, bringt also Bücher, in denen die Gefahr des Islamismus beschrieben oder vor dem Weltfinanzsystem gewarnt wird; zwischendurch bekommen auch Esoteriker und Ufo-Gläubige ihr Forum, kann über Nazi-Ufos aus dem Dritten Reich oder anderen Unfug schwadroniert werden.

Wenn sich die Dame in diesem Umfeld wohlfühlt, ist das schön für sie. Wer solche Verbündete braucht, ist aber in jedem Fall weit rechts angekommen.

10 April 2010

Unter Witzemachern

Freitag, 9. April 2010: Wir fahren nach Stuttgart ins Theaterhaus, zu einer Veranstaltung namens »Frau Jahnke hat eingeladen ...«. Eine Art Kabarett-Revue, geleitet von Gerburg Jahnke, die ich bislang nur vom Fernsehen her kannte, mit Unterstützung einiger anderer, mir bisher unbekannter Kabarettistinnen.

Also nur Frauen auf der Bühne, viele grauhaarige Menschen im Publikum. Ich lache Tränen, es ist superlustig. Viele Witze über das Mann-Frau-Verhältnis, sehr sarkastisch und nach beiden Seiten austeilend. Die »begleitenden« Kabarettistinnen aus Baden-Baden und dem Sauerland, aus Köln und Berlin sorgen für guten Zündstoff zwischen albern-proletig und knallig-rotzfrech - immer wieder gehen Scherze gut unter die Gürtellinie.

Mein persönliches Highlight sind allerdings die Leute hinter mir, die sich die ganze Zeit die Witze erklären. »Hasch g'hört, was die g'sagt hat?« und »Dees isch jo luschdid. Banana!« Ich habe das Gefühl, in einem Echoprogramm zu sitzen. Sehr schön.

Danach noch lecker essen im Restaurant des Theaterhauses, das gibt einen guten Abschluss. Stuttgart ist gar nicht so schlecht, wie's immer heißt ...

09 April 2010

Moderne Hühnerdiebe

Wir saßen an der Theke und unterhielten uns über Ernährungsgewohnheiten, Tierhaltung, Vegetarismus und alles, was damit zusammenhängt. »Wir haben ja mal ein paar Hühner befreit«, erzählte mein Gesprächspartner, »so echte Käfighühner.«

Ich war gespannt. Es hörte sich nach einer richtig packenden Geschichte an, eine von der punkig-autonomen Sorte. Immerhin hatte er früher in einem besetzten Haus gewohnt.

»Wir waren zelten«, erzählte er, »und hatten Hunger. Dann sind abends einige Leute los und haben so Käfighühner geklaut. Boah, waren die zäh.«

»Wie?« Ich war entsetzt. »Ihr habt die einfach geklaut und gegessen?« Ich hatte angenommen, man hätte die armen Tiere ganz beherzt und rebellisch freigelassen, damit sie in Ruhe in freier Wildbahn verrecken könnten.

»Nein, nein. Wir haben die einfach nur gegessen. Aber man schmeckte schon, dass die kein schönes Leben gehabt hatten ...«

Wenn die »Road Crew« Musik macht

»Keine Zukunft war gestern« – so heißt eines der besten Bücher über Punk aus Deutschland überhaupt, erschienen im Archiv der Jugendkulturen und zusammengestellt von Leuten, die seit vielen Jahren aktiv in der Punk-Szene mitmachen. Das Buch kam 2009 raus, und es wurde mit einer Ausstellung sowie einer Vortragstour durch Deutschland präsentiert. (Wer's noch nicht hat, verpasst echt was!)

Die Macher des Buches stammten größtenteils aus irgendwelchen Punk-Bands oder klampften mehr aus Spaß mit ihren Gitarren herum. So entstand die Idee einer spontanen Studiosession, und dabei wurden – na klar! – allerlei Punk-Klassiker nachgespielt. Das Ergebnis davon ist wiederum die EP hier.

Vier Klassiker aus den frühen 80er und späten 70er Jahren gibt's: Abwärts und S.Y.P.H., Hans-A-Plast und Slime stehen für die ganz frühen Deutschpunk-Bands, und man hat von diesen Bands auch richtig gute Stücke ausgesucht. Das klingt dann sehr zurückhaltend, ist sehr bescheiden instrumentiert und aufgenommen ... wie 1979 eben.

Wo viele Coverversionen klingen, als wollten die Bands besser als die Originale klingen, ist die Road Crew sehr diszipliniert und stellt sich hinter den Originalen zurück. Es ist eine Würdigung des uralten Deutschpunk, und es ist eine Verneigung vor den Anfängen. Die schöne EP hat übrigens eine Auflage von nur 350 Exemplaren – Sammler sollten sich also beeilen!

08 April 2010

Gemütliche Seitenstraßen

Erinnerung an Verona - Juni 2009

Ich mag Verona, und ich mag die Innenstadt, wenngleich sie manchmal von zu vielen Touristen besucht wird. Hält man sich aber einigermaßen vom schlimmsten Getümmel fern und genießt die schönen Seitenstraßen, macht es richtig Spaß, sich Verona anzugucken. Und wenn man ein bisschen erschöpft ist, hält man einfach in einer Gasse an und trinkt einen Kaffee.

Wir taten das am späten Mittag, es war warm, und wir waren schon kreuz und quer durch die Straßen gegondelt. Das von chinesisch wirkenden Menschen betriebene Caffe Le Fogge lag geschickt zwischen zwei größeren Straßen, einige hundet Meter von der Arena entfernt. Wir setzten uns ins Freie, aber selbstverständlich in den Schatten, und blieben dort gut eine Stunde lang.

Das erwies sich als eine gute Idee. Der Kaffee war lecker, mir schmeckte danach noch eine Cola und ein Saft. Wir aßen nichts, weil wir keinen Hunger hatten; die Speisekarte wirkte allerdings ebenso okay wie das, was anderen Leuten auf den Tisch gestellt wurde. In der Nachmittagshitze fühlte ich mich allerdings nicht sonderlich hungrig, weshalb mir der »Verzicht« sehr leicht fiel.

Nettes Café, kein Pflichtbesuch – aber eine schöne Erinnerung an einen herrlichen Sommertag im letzten Jahr.

07 April 2010

Words of Darkness zu Sardev

Eine schöne Besprechung zu meinem Fantasy-Kurzroman gibt es im Blog »Words of Darkness«; verfasst wurde sie von Benjamin Kentsch. Unterm Strich ist die Rezension lobend: Der Roman erhält 3,5 von 5 Sternen - das freut.

Der Rezensent bezeichnet »Schatten des Friedens« als »ein Fantasy-Abenteuer in bester Banditen-Manier«, als einen »Roman, der spannend zu lesen ist«. Er freut sich darüber, dass das Buch »kein Kriegsdrama erzählt« und bezeichnet es als »kurzweiligen Roman spannender Unterhaltung«.

IndieRock von Appaloosa

Mit Punkrock und artverwandten Klängen kenne ich mich ja einigermaßen aus. Sobald ich jedoch die bekannten Gefilde verlasse, wird es schwierig, konkrete Begriffe zu finden. Da sage ich dann halt »gefällt mir« oder »gefällt mir nicht«.

Die italienische Band Appaloosa ist dafür ein gutes Beispiel: Was die vier Typen aus Livorno machen, ist im weitesten Sinn wohl Rockmusik, meinetwegen IndieRock, dazu einige Einsprengsel von Elektro-Sounds und tatsächlich ein Bassgewummer, wie man es in den frühen 80er Jahren bei irgendwelchen Wave-Bands gehört hat. In den letzten Wochen hörte ich die CD der Jungs recht oft.

Tatsächlich zirpt und blubbert es auf der Platte sehr oft, vor allem in solchen Fällen ist sie ganz gut als Hintergrundmusik im Frühjahr geeignet. Gesungen wird selten, dann eher in englischer Sprache – das ganze ist sehr geschmeidig, geht gut ins Ohr und nervt nicht. Irgendwie sogar ziemlich cool, wenn ich es mir richtig überlege ...

06 April 2010

Knalliger Debüt-Film

Ein Bankangestellter, der sich in seinem grundsoliden Dasein nur noch langweilt. Ein Lagerarbeiter, der seinen Traum von einer Kneipe verwirklichen möchte. Das sind die zwei Figuren, die in dem neuen Kinofilm »Schwerkraft« aufeinandertreffen.

Über Ostern haben wir uns den Streifen angeschaut, und ich war ziemlich begeistert. Das Ding ist tatsächlich eine Debüt-Arbeit, und das glaubt man kaum: Die Kameraführung, die Storygestaltung, die Führung der Schauspieler – das ist alles höchst professionell und besser als vieles, was ich in den letzten Jahren so gesehen habe.

Was sicher an der Story liegt: Der Bankangestellte (gespielt von Fabian Hinrichs, den ich vorher nie bewusst wahrnahm) rebelliert nach einem Schock gegen sein System, und sein alter Psychobilly-Kumpel (dargestellt von Jürgen Vogel) hilft ihm mit seinen Erfahrungen als Einbrecher. Das sieht superlustig aus, geht auf Dauer aber nicht gut.

Der Film hat mehrere Preise kassiert – und das zu Recht. Es handelt sich weder um einen stumpfen Action-Knaller noch um intellektuelle Langeweile. Wer mag, kann in dem Film einen Kommentar zur Bankenkrise sehen. Wer aber einfach nur einen klasse gemachten Unterhaltungsfilm mit einer Bande gut gelaunter Schauspieler gucken möchte, kommt im April um diesen Streifen wohl kaum rum.

02 April 2010

Die Aeronauten schmeicheln

Vom Namen her sind mir die Aeronauten schon lange bekannt; bewusst gehört habe ich die Band aus der Schweiz bislang nicht. Mit »Wir wollen immer dasselbe« gibt es eine EP auf Rookie Records, die neuerdings häufig im Auto läuft – kein Wunder, der lässige Sound schmeichelt sich mir geradezu ins Ohr.

Was die Band macht, ist weit weg vom Punkrock und könnte fast schon als »IndiePop« bezeichnet werden. Bei den Stücken ohne Texte passt die Bezeichnung ja; anders sieht es bei den echten »Songs« aus. Die sind dann nämlich entweder in lupenreinem Hochdeutsch oder eben im Schwyzerdütsch – beides ziemlich klasse, beides ziemlich intensiv.

»Wir wollen immer dasselbe« ist ein echter Hit, der theoretisch im Radio laufen könnte; die anderen Stücke auf der Platte sind schlau und klasse, vielleicht zu schlau für den Massengeschmack. Mir gefallen sie sehr gut, und ich werde mir dann doch irgendwann mal eine »richtige« Platte der Band kaufen müssen.

Der Horror vom Innern des Sarges

Eine der schrecklichsten Vorstellungen überhaupt ist, lebendig begraben zu werden. Wohl jeder Mensch verspürt allein beim Gedanken an eine solche Situation eine kreatürliche Angst. Von daher ist es nachvollziehbar, dass Horror-Schriftsteller ein solches Szenario gern heraufbeschwören.

So erging es wohl auch Kurt Luif alias Neal Davenport, als er in den 70er Jahren seine »Dämonenkiller«-Romane verfasste. Die werden bekanntlich jetzt von Zaubermond unter andere m als supergut gemachte »Dorian Hunter«-Hörspiele herausgegeben, und die aktuelle Nummer 9 hat das Lebendig-begraben-werden als ein Thema. Wobei der Titel »Im Labyrinth des Todes« nicht das wahre Ausmaß des Schreckens wiedergibt.

Dorian Hunter, der Titelheld der Story, muss diesmal nach Hongkong reisen, wo Coco Zamis – die Hexe, die sich mit ihm im Kampf gegen die Dämonen verbündet hat – angeblich gestorben ist. Hunter ermittelt auf eigene Faust, durchwühlt Friedhöfe, trifft leichenfressende Ghuls und andere Schrecknisse und wird zuletzt lebendig begraben.

Selbstverständlich geht die Story gut aus, wir haben es hier schließlich mit einer Serie zu tun. Aber bis es so weit ist, bekomme ich als Hörer in 76 Minuten voller Action und Spannung eine packende Handlung geboten. Regisseur Mario Göllner und Produzent Dennis Ehrhardt haben zum wiederholten Mal eine hervorragende Arbeit geleistet; es ist mir fast schon unangenehm, das Duo erneut zu loben.

Kein Schmarrn: Wer sich mal an Hörspielen versuchen mag, sollte »Dorian Hunter« hören. Die neunte Ausgabe der Reihe ist in punkto Technik mindestens so gut wie die vorherigen und setzt in punkto Horror noch eines drauf. Da stört es keine Sekunde lang, dass es keinerlei Lokalkolorit gibt und die asiatische Metropole Hongkong seltsam gesichtlos bleibt, als habe man es mit einem Vorort von London oder eben Wien zu tun.

Ein tolles Hörspiel – gibt's als haptische Version bei allen einschlägigen Händlern und ebenso als MP3-Download. Legal natürlich. Den Vertrieb hat jetzt Folgenreich übernommen.

01 April 2010

Endlich wieder Alpi!

Das erste Bier, das ich trank, war Alpirsbacher Klosterbräu, ein Exportbier der klassischen Sorte. Es war das Bier, das mein Vater mochte, und es wurde praktisch von allen im Dorf getrunken. Ich liebte es, aber es geriet buchstäblich in Geschmacksvergessenheit.

Am Wochenende kaufte ich mir jetzt zum erstenmal seit vielen Jahren wieder »Alpi«, natürlich die Halbliterflasche Export. »Ein Alte-Männer-Bier«, wurde ich verspottet.

Es wunderte mich nicht sonderlich – denn Exportbier hat tatsächlich einen antiquierten Anstrich. Wer etwas auf sich hält, trinkt Pils oder gleich die Exotenbiere im Club oder in der Disco. Wer Export trinkt, trägt auch altmodische Klamotten und hört Volksmusik.

Der erste Schluck war schon ein Genuss. Ich habe keine Ahnung, warum ich in den letzten Jahren auf mein Alpi verzichtet habe. Es schmeckte vollmundig und lief lecker den Hals hinunter, und schon nach einem halben Liter hatte ich das Gefühl, leicht angetrunken zu sein.

Großartig! Ich werde sicher nicht darauf verzichten, in der Kneipe ein Tannenzäpfle oder auch mal ein Hoepfner-Pils zu trinken. Aber künftig werde ich mir wohl für das Zuhause wieder immer ein Sixpack mit Alpi auf Vorrat zulegen.