11 Mai 2021

Die Spannung der frühen Nuller-Jahre

Die Comic-Abenteuer des Reporters und Detektivs Rick Master – der im Original bekanntlich Ric Hochet heißt – lese ich schon seit vielen Jahren. Ich bin ein großer Fan der Gesamtausgabe, die im Splitter-Verlag in Form von schön gestalteten Hardcover-Bänden erscheint, und las zuletzt die Folge 22 dieser Reihe. Enthalten sind Geschichten aus den frühen Nuller-Jahren, aus einer Zeit also, in der es die Serie schon seit Jahrzehnten gab.

Dabei erweisen sich die Geschichten als erstaunlich modern. Wie immer greifen die Kreativen aktuelle Elemente auf und verbinden sie mit den klassischen Figuren. Und wieder einmal gibt es zwei Kriminalfälle, die miteinander verbunden sind.

»Die Nummer des Teufels« bildet den Auftakt. Es geht um die Zahl »666« und einen Mörder, der es unter anderem auf dem Detektiv abgesehen hat. Die Handlung ist mit der Comic-Szene verknüpft, Rick Master kennt natürlich die beiden Künstler, die seine Abenteuer inszenieren. Die Geschichte dürfte vor allem für die Experten der frankobelgischen Szene ein echter Leckerbissen sein.

In »Gesammelte Verbrechen« gibt es die direkte Fortsetzung. Comic-Figuren werden gewissermaßen lebendig, und ein alter Gegner aus früheren »Rick Master«-Comics taucht auf. Bei »Der Eismensch«, der dritten Geschichte, geht es letztlich um Sekten und ihre Anführer – erneut ein aktuelles Thema.

Ich finde es bewundernswert, wie es André-Paul Duchateau über all die Jahre hinweg schaffte, seine Serie auf diesem Niveau zu halten. Die Geschichten des Autors sind spannend, und sie blieben es in all der Zeit. Es gab schwächere Phasen, aber die drei Geschichten in diesem Band der Gesamtausgabe zeigen, dass der Autor auch in den Nuller-Jahren packende Geschichte zu erzählen wusste.

Ähnliches gilt für Tibert, dessen klare Bilder mich ebenfalls überzeugen. Die Figuren sehen ein wenig moderner aus, die Klamotten, die Waffen und die Autos spiegeln die Nuller-Jahre wider. Bis in die Kleinigkeiten hinein ist das ein klassischer Abenteuer-Zeichenstil, der aber nicht langweilig wirkt, sondern nach wie vor aktuell.

Mir gefallen bei den Gesamtausgaben stets die redaktionellen Anmerkungen und Ergänzungen. In dieser Ausgabe sind klassische »Alphonse«-Geschichten aus den fünfziger Jahren enthalten – sehr schön! Es gibt immer noch viel zu entdecken in der Geschichte der Comics …

Kurzes Treffen am Amt

Ich war mit dem Rad in der Innenstadt, kaufte dabei einige Grundnahrungsmittel auf dem Markt am Stephansplatz. Auf der Rückfahrt kam ich an einem der vielen Ämter vorbei, die sich auf dem Weg buchstäblich aneinanderreihen. Ein Mann mit langen Haaren, schon deutlich angegraut, trug gerade eine Kiste zu einem Transporter hinaus.

Weil ich ihn erkannte, hielt ich an. Wir grüßten uns, hielten dabei brav den Abstand von über zwei Metern ein. Ich wusste von ihm nur seinen Vornamen, dabei stolperten wir uns seit über zwanzig Jahren immer wieder über den Weg: früher im besetzten Haus, aber auch bei Demos, im Radio, in der »Alten Hackerei«, früher im »Crazy Kong«, an allen möglichen subkulturellen Orten also.

»Lange nicht mehr gesehen«, sagte ich.

Er nickte. »Man sieht niemanden mehr. So ein Scheiß. Seit über einem Jahr gehe ich nur noch arbeiten, dann gehe ich heim und hänge vor der Glotze rum.«

Ich grinste. »Ich bin die meiste Zeit daheim und arbeite in der eigenen Bude. Ich sehe praktisch niemanden mehr: keine Kneipe, kein Konzert, keine Bar, nichts.«

»Ich auch. Das ist frustrierend.«

»Arbeitest du hier?« Ich zeigte auf das Gebäude hinter ihm.

»Ja, ich bin hier der Hausmeister. Und du? Immer noch Schreiberling?«

»Stimmt. Und ich wohne da vorne.« Ich zeigte in Richtung des Platzes, wo sich der Wohnblock mit meiner Wohnung erhob.

»Wir haben uns hier nie gesehen.«

»Na ja, wenn ich arbeite, bin ich normalerweise auch nicht daheim. Da sitze ich in einem Büro, und das steht nicht hier.«

Er lachte. »Aber wenn du daheim arbeitest, fährst du zwischendurch mit dem Rad durch die Gegend.«

Ich hob die Tasche an, in der frische Brötchen, ein wenig Gemüse und Salat steckten. »Einkaufen halt, muss ja auch sein.«

»Einkaufen.« Es klang, als wollte er ausspucken. »Das Highlight der Woche, mehr geht nicht mehr, und da treffen wir Leute. Das ist aus uns geworden.«

Wir sahen uns an: zwei frustrierte Männer jenseits der fünfzig, die sich lange kannten, aber so viel nicht übereinander wussten. Wir grinsten uns an, sagten gemeinsam »Scheiß-Corona«, lachten dann beide. Ich stieg wieder auf mein Rad, hob grüßend die Hand und fuhr weiter.

10 Mai 2021

Besonderheiten fürs Finanzamt

»Ich musste wieder einmal meine Steuer machen und habe alles ordentlich ausgefüllt«, erzählte mir der Mann lachend. Wir arbeiteten seit einiger Zeit zusammen, und ich fand ihn ganz sympathisch. Sein Aussehen wurde wohl mit »korpulent« nicht schlecht beschrieben, und er steckte stets voller Energie und Dynamik. »Aber es lag auch noch so ein Fragebogen dabei, den man ausfüllen musste. Die vom Finanzamt haben echt nichts zu tun! Vor allem eine Frage war seltsam: Man sollte ›Besonderheiten‹ angeben.«

»Und dann? Welche Besonderheiten waren es?« Wir saßen uns in seinem Büro gegenüber; Ende der 80er-Jahre war ich öfter als freier Mitarbeiter für ihn tätig und lieferte Texte im Akkord ab.

Er lachte wieder. »Ich füllte alles ordnungsgemäß aus. Und bei den ›Besonderheiten‹ schrieb ich rein: ›achtmal Geschlechtsverkehr pro Woche‹, mehr nicht.«

»Das fanden die doch bestimmt seltsam.«

Er schüttete sich fast aus vor Lachen. »Ich bekam nie eine Reaktion vom Finanzamt, nichts wurde offiziell dazu gesagt; die machten halt die Steuer fertig, und gut war. Aber ich hab’s später erfahren: Ich war eine Woche lang das Thema im Finanzamt, und diskutierte in allen Büros drüber diskutiert, an welchem Tag ich denn jetzt wohl zweimal Geschlechtsverkehr hätte.«

»Und Ihre Frau? Wie fand die das?«

»Die hat sich ebenfalls schlappgelacht.«

Plastic Propaganda aus Hamburg

Drei junge Männer und eine junge Frau aus Hamburg brachten Ende 2014 eine Platte heraus, die ich ungewöhnlich fand: Klar, das war Punkrock, und es war eine weitere Band, die sich an den späten 70er-Jahren orientierte. Aber man übernahm auch den Chic der damaligen Zeit – das Cover zieren vier Schaufensterpuppen in stilechter Kleidung – und griff musikalisch eine Reihe von Wave-Einflüssen auf.

Die Langspielplatte, die Plastic Propaganda veröffentlichten, empfand ich als durchaus gewöhnungsbedürftig: kein schnelles Geboller, das bewusst die Sex Pistols oder The Clash übertreffen wollte, sondern manchmal düstere und fast schon ruhige Klänge. Die Gitarre schrammelt herzzereißend, die Melodien sind treibend, die Texte voller Sarkasmus.

Das einzige deutschsprachige Stück der Platte trägt den Titel »Menschen dieser Stadt« und hätte vor vierzig Jahren das Zeug zu einem Szene-Hit gehabt. »Menschen dieser Stadt sind waschbeton-grau / gleicher Schritt und gleiches Leben / alle tragen Uniform / doch keiner sieht den Dienst / den er an der Waffe tut.«

Ähnliche Aussagen treffen auch die englischsprachigen Stücke, meist drücken die Texte eine tüchtige Frustration aus und triefen nicht gerade vor Begeisterung über die bundesrepublikanischen Zustände. Plastic Propaganda sind keine Band, die einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelt. Bei ihrer ersten LP fand ich sie gut, aber noch nicht eigenständig genug ...

09 Mai 2021

Nach 14 Monten Corona

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

»Herr Frick, Sie waren doch mal Punker. Machen Sie eine typische Handbewegung.« Nach 14 Monaten Corona-Pandemie mit allen medialen Begleiterscheinungen bin ich genauso frustriert wie viele andere Leute auch. Und flüchte mich in Sarkasmus und schlechte Ironie; auf Dauer kann das auch nicht gutgehen.

Bier trinke ich nur noch alkoholfrei – nachdem ich mit dem Rad an der frischen Luft war und dringend Flüssigkeit benötige. Ansonsten kommt derzeit viel Weißwein ins Glas: gern ein Riesling aus der Pfalz oder aus Baden, gern auch mal ein Custoza, ein Arneis oder ein Lugana aus Oberitalien. Man gönnt sich ja sonst nichts

07 Mai 2021

Hardcore nach vier Wochen Afrika

Aus der Serie »Erinnern an Konzerte«


Am Samstagvormittag war ich in Stuttgart gelandet, nach einem langen Flug zurück von Südafrika, und am Sonntagabend trieb es mich schon wieder auf ein Konzert. In der »Steffi« sollten an diesem Abend zwei Hardcore-Bands spielen. Ich fühlte mich nach langer Abwesenheit richtiggehend ausgehungert und wollte es unbedingt krachen lassen.

Der Keller des besetzten Hauses in der Innenstadt von Karlsruhe war gut gefüllt. Punks und Hardcore-Leute aus ganz Süddeutschland, von denen ich viele kannte, dazu die üblichen Autonomen, die ernst guckten und so aussahen, als wollten sie unbedingt jeglichen Spaß vermeiden.

Als erste Band spielten Acid Rain Dance aus Bremen. Ich kannte die Jungs schon, hatte mit ihnen schon in Freudenstadt ein Konzert veranstaltet, wusste also, was sie konnten und machten: Es war bratzig und krachig wie immer, eine heftige Mischung aus Hardcore und Metal, also nichts, was ich jeden Tag hören wollte, aber immer intensiv, vor allem auf der Bühne.

Im Publikum herrschte eher bedächtiges Zugucken. Einige Dutzend Leute standen herum, tranken Bier und wackelten mit dem Kopf. Die meisten hielten sich noch in der Haifischbar auf, standen an der Theke, tranken dort ihr Bier und warteten auf den Höhepunkt des Abends.

Der kam kurz darauf: So Much Hate aus Oslo enterten die Bühne, machten gar nicht lang herum und legten sofort los. Der Konzertraum füllte sich schlagartig mit Leuten, und ein rasanter Pogo ging los. In dem Gewölbekeller knallte der Sound noch mehr als in einem gewöhnlichen Konzertraum. Die Gitarre klang, als ob sie Eis zersplittern würde, der Sänger tobte auf der Bühne herum, als wollte er den Hexenkessel vor sich noch weiter anheizen.

Obwohl der Raum nicht hoch war, gab es einige Leute, die Stagediving betrieben. Das nervte, aber es passte dazu. Ich sprang herum, ich trank ein wenig Bier, ich war in blendender Laune. Es war ein schweißtreibender Abend mit lautem Hardcore-Punk. In der Haifischbar unterhielt ich mich noch mit einigen Leuten, bedauerte sehr, dass die weiter Bier trinken konnten – ich stieg derweil auf Mineralwasser um –, und verließ nach drei Uhr die »Steffi«.

Über die Landstraße fuhr ich nach Bischweier, wo ich zu dieser Zeit wohnte. Weil mein Kopf noch so überdreht war, hörte ich noch ein wenig Musik und trank ein Bier. Erst gegen vier Uhr lag ich in meinem Bett.

Beste Voraussetzungen für den ersten Arbeitstag nach über vier Wochen Abwesenheit, dachte ich. Wir schrieben den 3. Oktober 1993, ich war seit noch nicht einmal einem Jahr Redakteur einer Science-Fiction-Serie und sollte am nächsten Morgen zeitig im Büro erscheinen …

Ende einer Hörspielserie

Es ist immer ein wenig traurig, wenn eine Serie zu Ende geht, die man vorher gern hatte. Da ist es dann egal, ob man diese Serie angesehen hat, ob man sie gelesen oder angehört hat. Bei mir ist es derzeit so mit »Mark Brandis«; dieser Tage hörte ich mir die Folge 32 der Hörspielserie an, die ein Ende für dieses gelungene Science-Fiction-Universum markiert.

Die Handlung spielt auf Kallisto, einem Mond des Riesenplaneten Jupiter. Dort werden sogenannte Astraliden trainiert, künstliche Menschen, die man für einen Flug hinaus ins All und zu anderen Sonnensystemen benötigt. Die Menschheit will die Grenzen ihres eigenen Systems verlassen und die Suche nach anderen Lebensformen in Angriff nehmen.

Der Raumfahrer Mark Brandis wird zum neuen Leiter der Station Pandora ernannt. Schnell merkt er, dass einiges nicht zu stimmen scheint – und dann kommt es zu einem verheerenden Angriff auf die Station. Niemand kann sagen, wer der Angreifer ist, doch innerhalb kürzester Zeit müssen Menschen und Astraliden gemeinsam um ihr Überleben kämpfen.

Die Hörspielfolge trägt den harmlos klingenden Titel »Der Pandora-Zwischenfall« und ist spannend erzählt. In der beklemmenden Enge eines Fahrstuhls oder innerhalb der brennenden Atmosphäre einer Station auf einem weit entfernten Mond gehen die Menschen die Nerven durch, verhalten sich auch die Astraliden nicht so, wie man es angesichts ihrer Programmierung vermuten könnte.

Letztlich geht es in diesem Hörspiel immer wieder um die Menschlichkeit: Was macht einen Menschen aus, wie wichtig sind Emotionen? Mark Brandis verkörpert in mancherlei Hinsicht das Gewissen, weil er sich Fragen stellt, die von den Wissenschaftlern und Soldaten nicht kommen: Wenn man Kunstwesen hinaus ins All schickt, handelt man damit wirklich verantwortungsbewusst?

Ich will nicht zu viel über den Inhalt verraten, nur so viel: Nach diesem Hörspiel ist die Serie abgeschlossen. Ich bin wirklich ein wenig traurig. Vielleicht fange ich damit an, »Mark Brandis« noch einmal anzuhören – die gesamte Serie ist nämlich richtig gut!

06 Mai 2021

Gestrandet auf Amputation

Beim Durchgucken meiner alten Fanzines fiel mir eine Kurzgeschichte auf, die ich völlig verdrängt hatte. Sie trug den Titel »Gestrandet auf Amputation«, und sie wurde in der Ausgabe 60 der CN veröffentlicht. Das war im Mai 1983, und ich ging noch zur Schule.

Die »CN« waren die »Clubnachrichten« des PRBCBS, des PERRY RHODAN-Briefclubs Bullys Schreibtisch, in dem ich Mitglied war. Jeden Monat kam so ein Fanzine ins Haus; um die titelgebende Science-Fiction-Serie ging es eher selten. In den Leserbriefen wurde eher eher erzählt, was wer in seiner Freizeit trieb, und in den Texten beschäftige man sich mit allgemeiner Science Fiction.

Meine Geschichte war satirisch gemeint, wie auch aus der Unterzeile hervorgeht: »ein wahnwitzig-tolles Planetenabenteuer«. In der Sprache und in mancherlei Begrifflichkeit wird klar, dass ich damit die Klischees von Science-Fiction-Heftromanen verspotten wollte.

Bei den Figuren griff ich auf Bekannte zurück, deren Namen ich veränderte. Bei einigen Anspielungen wusste ich selbst nicht mehr, wen ich eigentlich meinte, bei anderen wusste ich sofort, wer gemeint war. Aber solche Gags sind über den Abgrund der Jahrzehnte hinweg einfach »verschwommen«.

In der Schlusspointe geht es übrigens um den Großen Kürbis. Dabei handelt es sich um eine Anspielung auf die »Peanuts« – wir machten damals ständig Witze um den Großen Kürbis und fanden das alles irrsinnig komisch. Lese ich das heute, verstehe ich den Gag meist nicht mehr.

Was bleibt? Eine Science-Fiction-Geschichte, die ich nicht als Manuskript aufgehoben habe – weil das Manuskript eins zu eins abgedruckt wurde – und von der ich nichts mehr wusste. Streckenweise unverständlich, streckenweise aber erstaunlich gut zu lesen. Was ich noch alles finden werde?

Knackiger Kanaren-Punk

Wenn sich eine Band schon einen Namen wie Represion 24 Horas gibt, muss man kein Spanisch können, um zu wissen, dass sie politischen Punk spielt. Die Band kommt von Gran Canaria, man spielt seit 1995 in wechselnder Besetzung zusammen und macht halt kompakten Anarcho-Punk.

Von der Band habe ich die EP »Suena A Silencio«, die vier Stücke enthält und anarchopunk-typisch gestaltet ist. Die Platte wurde 2015 veröffentlicht, dabei arbeiteten – wie oft üblich – mehrere kleine Labels zusammen.

Hier passt alles: knalliger Sound, zwei Sänger, die wütende Textzeilen ausspucken, polterndes Schlagzeug, ruppige Gitarre, dazu politische Texte. Da ich so gut wie kein Spanisch verstehe, bin ich nicht in der Lage, die Texte zu übersetzen; sie sind relativ umfangreich und bestehen nicht nur aus Parolen – das finde ich gut.

Klar, das ist weder originell noch außergewöhnlich. Die Band spielt Anarcho-Punk, wie man ihn seit den frühen 80er-Jahren kennt. Immerhin verzichtet sie auf Metal-Gedöns, sondern haut rhythmisch-polternde Punk-Stücke raus. Das ist konsequent und damit auch richtig gut.

05 Mai 2021

Von der Schauspielerin zur Unternehmerin

Wahrscheinlich haben von diesem Thema hier alle mitbekommen, nur ich nicht … Von der Science-Fiction-Fernsehserie »Dark Angel« sah ich vielleicht ein halbes Dutzend Folgen, mehr nicht. So sehr packte mich die Serie nicht. Von Jessica Alba, der Hauptdarstellerin, hörte ich danach nichts mehr, was an meiner Ignoranz gegenüber Stars liegen könnte, und so vergaß ich sie schlichtweg.

Dass sie 2012 eine Firme mit dem Namen The Honest Company gegründet hatte, erfuhr ich also nicht. Sie gründete sie nicht allein, schon klar, aber sie war führend. Das Unternehmen verkauft Windeln, Kosmetik und dergleichen, alles soll schadstoffarm sein. Es ging immer wieder hin und her mit der Firma – und jetzt will Alba mit ihrer Honest Company an die Börse gehen.

Laut »Handelsblatt« geht man davon aus, dass der Börsengang erfolgreich sein wird. Die Firma wird mit eineinhalb Milliarden US-Dollar bewertet. Interessant finde ich ja, dass man bisher immer rote Zahlen geschrieben hat. 2020 wurde ein Umsatz von 300 Millionen erwirtschaftet, und der Verlust ging immerhin zurück. Spannend, was aus so einem Dunklen Engel alles werden kann …

Nachdenken über Macht, Literatur und Geschlecht

Als Schriftstellerin veröffentlichte Ursula K. LeGuin mehrheitlich Genre-Literatur in den Bereichen Science Fiction und Fantasy. Schon früh ließ sie in ihre Werke aber Aspekte einfließen, die bei ihren Kollegen eher selten waren: Die Autorin schuf beispielsweise ein glaubhaftes anarchistisches System, sie schrieb über wechselnde Geschlechter und brachte in ihre Romane und Geschichten weitergehende politische Gedanken ein. Damit wurde sie für viele ihrer Kolleginnen und Kollegen wegweisend.

Der Sammelband »Am Anfang war der Beutel« stellt fünf Beiträge der Autorin vor, die teilweise als Artikel veröffentlicht wurden oder die sie bei Veranstaltungen vorgetragen hatte. Die Texte sind durchwegs lesenswert, wenngleich sie sich nicht unbedingt locker »herunterlesen« lassen. Science Fiction spielt nur am Rand eine Rolle, es geht um gesellschaftliche Fragen oder die Schriftstellerei im Allgemeinen.

Schön finde ich den grundsätzlichen Gedanken, dass das erste Werkzeug, das Menschen benutzt haben, keine Waffe war und kein Faustkeil, sondern wohl eher ein Tragebeutel. Das heißt, dass man einen anderen Blick auf die menschliche Geschichte werfen könnte – es geht nicht immer nur um Gewalt und Krieg, sondern durchaus auch um friedfertiges und freundliches Suchen und Sammeln.

Ursula K. Le Guin stellt in diesen Aufsätzen ihre Sicht der Dinge dar. Die Texte sind unterschiedlich lang und komplex; teilweise muss man sich halt auf sie einlassen. Interessant ist ihre Darstellung von »Yang-Utopien«, die sie eher als solche versteht, die sich dem Fortschritt verschrieben haben, und den »Yin-Utopien«, die sie eher als organisch einstuft. Das muss man nicht bis ins Detail unterstützen – wichtig ist der Autorin letztlich eh, dass die Leser selbst nachdenken.

»Am Anfang war der Beutel« ist mit 96 Seiten nicht sehr umfangreich, benötigt aber durchaus ein wenig Zeit bei der Lektüre. Ich empfinde diese aber als lohnenswert, weil die Essays und das eine Gedicht einen interessanten Blick auf eine ungewöhnliche Autorin ermöglichen. Gern hätte ich eine Fortsetzung mit weiteren Artikeln oder Gedichten.

04 Mai 2021

Spidey, Loki und irgendwelche Mutanten

Seit den 70er-Jahren lese ich immer wieder Superhelden-Comics. Mit manchen konnte ich mich im Verlauf der Jahre anfreunden, mit manchen wurde ich nie warm. Vor allem mit den Helden-Teams fremdelte ich in all der Zeit. Das merkte ich wieder, als ich das Gratis-Heft las, das unter dem Titel »Spider-Man« zum Gratis-Comic-Tag 2020 veröffentlicht worden war.

Enthalten sind zwei Kurzgeschichten zu Spider-Man, eine zu Loki und eine zu den neuen X-Men. Verschiedene Autoren und Künstler sind im Einsatz, so dass sich eine abwechslungsreiche Lektüre ergibt. Für Leute, die zum ersten Mal in die Welten der Superhelden hineinschnuppern wollen, ist so ein Heft immer sehr gut geeignet.

Die zwei »Spider-Man«-Kurzgeschichten entstammen unterschiedlichen Reihen, sind kurz und knapp und setzen den Spinnentypen gut in Szene. Die lockeren Sprüche muss man mögen – es ist meist nicht mein Humor –, aber insgesamt funktionieren die Comics für mich. Ich war während meiner Lektüre wieder einmal kurz davor, mir den einen oder anderen »Spider-Man«-Sonderband zu kaufen.

Die »Loki«-Kurzgeschichte habe ich schlichtweg kaum verstanden: Was ein Gott aus der Welt der Asen in einem Spielcasino auf der Erde sucht und was das mit Thor zu tun hat, erschloss sich mir nicht. Da muss man offensichtlich schon weitere Vorkenntnisse haben.

Ähnliches gilt für die »X-Men«-Geschichte, wobei das ja ein Ausschnitt aus einer größeren Geschichte ist. Es wurde mir klar, dass die Mutanten gegen Menschen kämpfen, die offensichtlich Roboter und andere technische Geräte benutzen – aber wieso und warum, das verstand sich nicht. Wahrscheinlich müsste ich einfach weiterlesen, und ich käme schon in die Geschichte hinein, aber die paar Seiten reichten noch nicht für einen Eindruck aus.

Fazit: ein schönes Sonderheft, das mich nicht komplett überzeugen konnte und mich nicht zum »X-Men«-Freund gemacht hat.

03 Mai 2021

Die Kreml Krauts lassen's knallen

Ich habe von den Kreml Krauts leider erst etwas mitbekommen, als die dritte Platte der Band schon wieder einige Jahre alt war. Dafür knallt sie umso besser und geht hervorragend in mein Ohr: Ich habe »Wodoworot« von Ivan Ivanovich & The Kreml Krauts mit wachsender Freude gehört, wobei das echt nicht an jedem Tag bei gleicher Freude funktioniert.

Was die Band macht, ist weit entfernt von Punkrock, lädt aber trotzdem wunderbar zu einem Pogo ein. Man muss sich das Ganze vorstellen wie eine furiose Mischung aus russischer Folklore, Balkan-Beats, Ska und einer tüchtigen Portion Rock-Musik im weitesten Sinne – und das fügt sich mit allen Bläser-Einsätzen, dem russischen Gesang und den abwechslungsreichen Stücken zu einem Gemenge, das mir unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht zaubert und bei dem ich nicht stillsitzen kann.

Die Band kommt aus dem Großraum Trier, was man allerdings nicht hört. Würde man mir gegenüber behaupten, sie stamme aus Moskau, klänge das für meine Ohren irgendwie auch authentisch. Die Texte sind in russisch und deutsch, wobei das Besingen von Schnitzel und anderen kulinarische Höhepunkten in »Deutsches Essen in Russland« sehr witzig klingt.

Klar: Das Tröten und der zappelige Rhythmus bei manchen Stücken kann einem irgendwann auf die Nerven gehen. Aber da die Band das Tempo immer wieder wechselt und auch die Richtung der einzelnen Stücke nicht immer gleich klingt, wird das unterm Strich nie langweilig. Gelegentlich sägt die Gitarre ein wenig metallisch durch die Gegend, die meiste Zeit überwiegen aber rasante Bläsersätze und ein knalliges Akkordeon.

Die Kreml Krauts mit ihrem Sänger gefallen mir sehr gut; die Videos, die man bei YouTube von Auftritten der Band sehen kann, zeigen zudem die Freude und den Spaß am rumpeligen Tanzen, die von den Kreml Krauts verbreitet werden. Und das wiederum macht mir viel Freude!