19 Februar 2020

Wenn sich Peter erinnert

Wieder einmal ist ein aktueller Teil meines Fortsetzungsromans »Der gute Geist des Rock'n'Roll« erschienen, diesmal in der Ausgabe 148 des OX-Fanzines. (Das Heft zeigt die amerikanische Punkrock-Band Anti-Flag auf dem Cover, die ich seit ihrer ersten Platte mag. In so einem Umfeld bin ich gern vertreten.) Diesmal spielt die Fortsetzung auf zwei Zeitebenen, wenn man das so sagen möchte.

In der eigentlichen Haupthandlung ist Peter Meißner – ehemals als Peter Pank bezeichnet – auf dem Weg zu einem Mann, den er als Bethken kennt. Von diesem erhofft er sich einige Auskünfte über den angeblichen »guten Geist des Rock'n'Roll«, der ihm ziemlich auf den Nerv geht.

Auf der Vergangenheitsebene geht es um die Chaostage im Jahr 1994. Dort hat, so behaupte ich, mein nicht mehr ganz so junger Held diesen Bethken kennengelernt. Das hat schon alles seinen Sinn, auch wenn es für die Leser vielleicht noch gar nicht so wirkt.

Natürlich hängt Bethken mit diesem guten Geist irgendwie zusammen. Die Chaostage kommen allerdings nur zufällig in dieses Gemenge hinein. Aber so war es im wirklichen Leben ja auch mit den Chaostagen – da war sehr viel sehr zufällig …

Ein Sachbuch über eine »rechte« Ideologie mit ganz viel Technik

Das Thema der Künstlichen Intelligenzen ist seit einiger Zeit schwer in Mode. Das merke ich an der populären Literatur – vor allem dann, wenn Autoren aus dem Mainstream sich auf Science-Fction-Themen einlassen –, aber auch in Zeitschriften oder sogar auf Veranstaltungen wie dem LiteraturCamp in Heidelberg. Bei Science-Fiction-Fans und Technik-Interessierten wird das Thema meist oberflächlich behandelt, selten politisch, noch weniger gesellschaftsorientiert.

Als im Frühjahr 2019 das Sachbuch »Transhumanistische Mythologie« von Max Franz Johann Schnetker erschien, interessierte es mich sehr schnell. Ich kaufte und las es; bis zur Rezension dauerte es halt doch wieder einige Zeit. Veröffentlicht wurde es im Unrast-Verlag, der aus dem »linken« Spektrum kommt. Deshalb kann es nicht überraschen, dass das Buch vor allem eine Kritik des Transhumanismus ist.

Was sich dahinter genau verbirgt, ist gar nicht so leicht zu erklären. Im Prinzip fängt diese Ideologie mit der Künstlichen Intelligenz an – daran forschen derzeit viele Technik-Unternehmen, aber auch Staaten – und bringt letztlich eine Entmenschlichung mit sich. Manche Forscher und Technik-Philosophen machen sich sogar bereits Gedanken darüber, dass aus einer Künstlichen Intelligenz am Ende eine Gottheit entstehen könnte, die den Menschen weit überlegen ist. (Das halte ich für Unfug, aber man weiß natürlich nie, was noch passieren kann …)

Wichtig wäre aber – so die Transhumanisten –, dass die chaotischen Menschen mit ihren chaotischen Handlungen durch klar arbeitende Maschinen abgelöst werden. Aus menschlichem Chaos würde eine spezielle Art von Ordnung …

Das Buch stellt die einzelnen Theorien und Philosophien dar. Es zeigt, dass viele der Menschen, die den Transhumanismus propagieren, ein Menschenbild vertreten, das den einzelnen Menschen nicht mehr wertschätzt. In einer Gesellschaft, in der Maschinen auch das Denken übernehmen, braucht man ja – so die Logik – keine »unnützen« Leute mehr. In einem komplett entfesselten Kapitalismus ist es vielleicht sogar wünschenswert, wenn die Arbeitenden durch Maschinen ersetzt werden. Profitieren würden davon nur diejenigen, die hinter der Künstlichen Intelligenz oder den künstlichen Menschen stehen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich so ernstnehmen muss: Die Leute, die den Transhumanismus propagieren, schätzen vielleicht die technischen Entwicklungen falsch ein. Das Buch trug aber dazu bei, dass ich das Thema stärker beachten werde. Die Lektüre fand ich spannend, auch wenn sich das Buch streckenweise zu sehr auf Bücher und Aufsätze stützt, die ich leider nicht kenne – das machte die Lektüre dann streckenweise wieder schwer.

Aber klar: Hier geht es um Philosophie im weitesten Sinn. Niemand erwartet, dass das eine Lektüre ist, die dem eines Heftromans nahekommt … Der Blick auf die »Transhumanistische Mythologie« ist auf jeden Fall interessant, nicht nur für Science-Fiction-Fans.

18 Februar 2020

Start der Alternativwelten-Reihe

Ich mag Alternativweltgeschichten; für mich sind sie ein Teil der Science Fiction. Sie funktionieren dann besonders gut, wenn sie nahe mit unserer Realität verknüpft sind und die Frage des »was wäre wenn« sehr realistisch gestellt wird. Deshalb mag ich die französische Comic-Reihe »Jour J«, die hierzulande als »Tag X« im Panini-Verlag veröffentlicht wird.

Die Reihe wurde 2015 bereits gestartet – dass ich heute erst über den ersten Band schreibe, sei mir bitte verziehen. »Wer ermordete den Präsidenten?« greift eines der großen amerikanischen Traumata auf und packt es in eine spannende Comic-Geschichte.

Bei ihrem Comic trennen die Autoren Fred Duval und Jean Pierre Pécau im Prinzip schon im Jahr 1963 die Geschichtsschreibung. Es gibt kein Attentat auf John F. Kennedy, es gibt keine Änderung der amerikanischen Politik. Der Krieg in Vietnam wird weiter mit aller Härte geführt, die Amerikaner erobern sogar Nordvietnam, wobei es unzählige Tote gibt.

Das Attentat auf den Präsidenten erfolgt dennoch: in den 70er-Jahren. Und das Opfer ist Richard Nixon. Wie müsste eine Welt aussehen, in der das geschehen kann, und worin unterscheidet sie sich von der Welt, wie wir sie kennen?

Ihre Geschichte erzählen die beiden Autoren sehr spannend. Sie greifen die korrekten Fakten auf, sie bringen auch die bekannten Figuren der 60er-Jahren zum Einsatz, und sie lassen diverse Verschwörungstheorien in ihre Geschichte einfließen. Es entsteht eine spannende Parallelwelten-Story, die vor allem dann Vergnügen bereitet, wenn man einigermaßen die wahren geschichtlichen Ereignisse im Kopf hat.

Für die Grafik ist Colin Wilson zuständig. Der Neuseeländer ist in verschiedenen Bereichen unterwegs, wurde hierzulande vor allem durch die »Blueberry«-Jugendabenteuer bekannt und zaubert einen klaren, realistisch anmutenden Stil aufs Papier. Man glaubt den Bildern gewissermaßen, man erkennt Richard Nixon oder andere Politiker der 60er- und 70er-Jahre sofort.

Sagen wir es so: In Zeiten der sogenannten Fake-News, in denen man angeblich nicht mehr weiß, wem man glauben kann, passt ein solcher Comic wie die Faust aufs Auge. Ich habe den ersten Band von »Tag X« richtig gern gelesen und finde, dass es ein hervorragender Start für die Reihe ist. Weil die im Original in Frankreich einen ziemlichen Erfolg hingelegt hat, hoffe ich nur, dass sie auch hierzulande »funktioniert«.

Schneeschubser

Unsere Eltern wollten noch einmal los. »Wenn ihr schön brav seid und die Hofeinfahrt frei macht, kriegt ihr hinterher ein Schokolädle« versprach meine Mutter, drückte mich noch einmal und eilte zu dem VW-Käfer vor dem Haus. Mein Vater ließ den Motor schon laufen, damit das Gebläse die Scheiben von innen freimachte.

Meine Schwester ging noch nicht in die Schule, ich immerhin in die zweite Klasse. Es war ein kühler Februartag, seit drei Tagen schneite es immer wieder.

Wir nahmen die Kinderschippen aus dem Schuppen und gingen ein wenig an den Schnee, wie man das halt machte, wenn man klein war. Es schneite ununterbrochen an diesem Nachmittag, einer dieser Tage, an denen man Schnee schippte, um den Hof freizubekommen, und dann gleich wieder von Anfang an arbeiten konnte. Mein Vater nannte solche Tage die »Dreißig-Zentimeter-Tage«, weil es im Schnitt um die dreißig Zentimeter Schnee in den Hof setzte.

Wir waren eifrig bei der Sache, und wir versuchten, allen Schnee auf einen Berg zu werfen. Aus diesem sollte später unser erstes großes Schneehaus in diesem Winter werden. Die Technik kannten wir: Zuerst häufte man einen Haufen Schnee an, dann höhlte man ihn aus. Später setzte man ein Stühlchen rein und sorgte mit einer Kerze dafür, dass es innen drin behaglich aussah.

Unsere Schneeschaufeln knirschten auf den Steinchen, die unsere Hofeinfahrt bedeckten. Wenn man die Schaufel zu tief in den Schnee steckte, nahm man Steine mit. Das mochten unsere Eltern nicht, schließlich warfen wir den Schnee in den Garten, und dort gehörten sie nicht hin. Also passte ich entsprechend auf.

Meine Schwester hatte bald keine Lust mehr und stand unschlüssig herum. Aus einem Reflex heraus – typisch großer Bruder – schubste ich sie in den Schnee. Sie fiel hin, das Gesicht zur Hälfte in das kalte Weiß.

Sie begann zu weinen und wollte damit nicht mehr aufhören. Das einzige, was mir nach einige Zeit einfiel, war ein Vorschlag: »Dann schubs du mich auch doch mal.«

Sie überlegte kurz, dann verpasste sie mir einen Stoß. Ich tat so, als würde ich umfallen, und purzelte so in den Schnee, dass mich mein eigener Schwung auf unser künftiges Schneehaus warf und darüber hinweg.

Nun lachte meine Schwester, und sie schubste mich erneut. Ich fiel in den Schnee, stand auf und schubste sie. Beide lachten wir, und die nächste Zeit verbrachten wir damit, im Schnee zu toben und uns gegenseitig in den Schnee zu werfen.

Es wurde dunkel, und es wurde kälter, das Schneetreiben nahm zu. Es kümmerte uns nicht. Wir hatten Spaß daran, etwas zu tun, das normalerweise verboten worden wäre.

Als meine Eltern vom Einkauf zurück kamen, lag bereits wieder ordentlich Schnee in der Einfahrt. Wir zwei Kinder standen mitten in den Schneebergen, in den Woll- und Stoffklamotten klatschnass, völlig durchgefroren, laut lachend und fröhlich, während wir uns gegenseitig in den Schnee warfen.

Meine Mutter war entsetzt und schleppte uns ins Haus, während mein Vater erst einmal die Einfahrt vom Schnee befreite, bevor er den VW Käfer in den ehemaligen Stall – mittlerweile die Garage – brachte und die Einkäufe ins Haus schleppte. Zu der Zeit standen meine Schwester und ich schon im kalten Kinderzimmer, in dem längst das Feuer im Ofen ausgegangen war, wurden von meiner Mutter abgetrocknet und mit trockener Kleidung versorgt.

Die Tracht Prügel blieb aus, die es sonst vielleicht für unseren Unfug gegeben hätte. Immerhin wurde keiner von uns krank. Aber wir versprachen, nicht mehr so blöde und gefährliche Spiele im Schnee zu spielen.

17 Februar 2020

Anna Nitsche im Interview

Aus der Serie »Drei Fragen an …«

Mit ihrer Firma Simply Easy Marketing waren Anna Nitsche und Meike Grotheer für den Ablauf des Deutschen Phantastik-Preises im Jahr 2019 verantwortlich. Welche Rolle sie genau spielten, haben die meisten wohl nicht mitbekommen. Und weil es einiges an Kritik für den Preis gab – auch von mir –, frage ich sie einfach mal direkt. Das Interview wurde mit Anna Nitsche per Mail geführt.

Klaus N. Frick: Was ist eigentlich Simply Easy Marketing, und wie bist du dazu gekommen, dich für den Deutschen Phantastik-Preis zu engagieren?

Anna Nitsche: Simply Easy Marketing ist eine Agentur, die Autoren Hilfestellung in Sachen Buchveröffentlichungen und Marketing gibt. Wir entwickeln für jedes Buch ein individuelles Influecer-/Blogger-Marketing und stehen dem Autoren auch mit Profis wie Lektoren, Korrektoren und Grafikern zur Seite.

Zum Deutschen Phantastik-Preis kamen wir eigentlich ganz spontan. Da ich selbst schon seit acht Jahren in der Buchbranche tätig bin, hat man natürlich einiges an Kontakten. Darunter fällt auch Björn Sülter, der als ehrenamtlicher Chefredakteur des mitausrichtenden »Corona Magazine« in die Sache hineingeraten war und bereits damals die Idee forcierte, die Organisation in unabhängige Hände zu geben. Durch die bisherige gute Zusammenarbeit und meinen allgemeinen Einsatz für die deutsche Phantastik kam die Frage auf, ob wir als Agentur nicht die Organisation des Votings und der Gala würden übernehmen wollen.

Klaus N. Frick: Deine Rolle war mir im Vorfeld nicht klar: Was hast du im Detail für den Preis getan, und wie lief das eigentlich ab?

Anna Nitsche: Im Grunde war unser Aufgabenbereich die komplette Organisation des Wettbewerbs. Dazu gehörte die Zusammenstellung der unabhängigen Jury (eine Mischung aus Lesern, Bloggern und Journalisten), die Organisation des Leservotings von Longlist und Shortlist, die ständige Kontrolle und Überprüfung der Ergebnisse und die inhaltliche Ausrichtung der Gala auf der BuchBerlin 2019.

Björn Sülter hat sich somit letztlich nur noch um die Kooperation mit der BuchBerlin als Ausrichter der Gala gekümmert. Das war ihm insbesondere wichtig, da er selbst nominiert war und mit den internen Abläufen nicht in Berührung kommen wollte.

Mein Ziel war zudem, die Transparenz zu erhöhen und die Werbung im Onlinebereich drastisch zu steigern. Ich denke, wir haben insgesamt einen guten Job gemacht, der genug Luft nach oben für die nächsten Jahre lässt.

Klaus N. Frick: Es gab einige Kritik im Vorfeld des Preise – auch von Nörglern wie mir –, ebenso am Ende. Unter anderem wurde die Auswahl der Jury kritisiert (Selfpublisher und eher unbekannte Kleinverlage), am Ende dann die Tatsache, dass zwei Preise an den iFuB-Verlag gingen, den die meisten wohl als Veranstalter des Preises ansahen. Wie kommst du mit der Kritik klar, welche Konsequenzen werden daraus gezogen?

Anna Nitsche: Da muss ich mal kurz eine Gegenfrage stellen. Oder mehrere. Erstens: Was ist das Problem mit Selfpublishern? Auch sie arbeiten hart an ihren Büchern, wahrscheinlich härter als ein Verlagsautor, weil sie natürlich die Kosten alleine tragen und liefern teilweise ganz wunderbare Resultate ab. Und welche unbekannten Kleinverlage meinst du genau?

Klaus N. Frick: Den SadWolf Verlag kannte ich bis vor drei Monaten nicht einmal vom Namen her – und da war ich schon sehr verblüfft, dass er gleich zwei Siegplätze belegen konnte …

Anna Nitsche: Ich bin immer der Meinung, dass jeder Autor ein Recht auf eine Nominierung hat und habe durch einige der Longlist-Nominierungen neue Autoren entdeckt, da ich selber auch nicht alle kenne. Die besondere Mischung dieses Jahr hat es für mich interessanter gemacht, und gerade zum Ausrichtungsort, der BuchBerlin, hat es gepasst, weil dort eher die Kleinverlage vor Ort sind und nicht die großen Verlage, die jeder kennt. Von daher sah ich mit der Auswahl kein Problem. Unsere Jury war breit gefächert, das zeigte sich dann auch in den Longlists.

Wie jedes Jahr durften natürlich auch die Leser noch einmal selbst Bücher nominieren, und genauso hätten diese Autoren in dem Fall auch im Voting enden können. So landete zum Beispiel unsere Gewinnerin Nicole Böhm auf dem Siegerplatz. Ihre Leser hatten sie im Nachhinein nachnominiert und dann für sie in Massen abgestimmt.

Dass Kritik an den beiden Gewinnern vom iFuB-Verlag aufkam, hat mich nicht überrascht. Allerdings muss man natürlich auch wissen und differenzieren, dass neben der Zeitschrift »phantastisch!« das nichtkommerzielle und rein ehrenamtlich betreute »Corona Magazine« der Mitausrichter war und nicht der Verlag selbst. Hier stelle ich mal die Gegenfrage, ob man Autoren, die an einem so schönen Projekt (das es seit über 20 Jahren gibt) in ihrer Freizeit und unentgeltlich mitwirken, bei einem solchen Preis ausschließen sollte?

Ich konnte das nicht, denn die Autoren an sich können nichts für diese Verbindung. Das war eine Entscheidung, die ich für mich getroffen habe und danach dann den Lesern die Wahl gelassen habe. Schaut man sich explizit in diesen beiden Fällen die Ergebnisse der Votings an muss man schlicht auch festhalten, dass beide Autoren sehr erfolgreiche, absatzstarke und im »Star Trek«-Fandom beliebte Bücher geschrieben haben. Der Erfolg beider Werke beim DPP verwundert mich somit nicht im Geringsten.

Klaus N. Frick: Wie geht es in diesem Jahr mit dem DPP weiter?

Anna Nitsche: Björn und ich haben uns nach langem Überlegen entschlossen, den Weg nicht weiter zu gehen und den DPP in andere Hände zu geben. Wir haben beide mit unseren eigenen Projekten derart gut zu tun, dass wir da für uns eine klarere Priorisierung schaffen mussten. Mit dem DPP wird es sicher weitergehen; das muss es auch! Er ist eine wichtige Institution in der Phantastikszene und sollte nun von anderen fortgeführt werden. Wir wünschen dem neuen Team in jedem Fall alles erdenklich Gute!

Klaus N. Frick: Vielen Dank für die ausführlichen Antworten!

16 Februar 2020

Die filmische Welt von Morgen

Als der Film um 2004 im Kino lief, verpasste ich ihn komplett. Deshalb war ich sehr gespannt darauf, ihn mir auf DVD anzuschauen – vom Design her, so dachte ich, müsste mir »Sky Captain and the World of Tomorrow« eigentlich sehr gut gefallen. Um es vorwegzunehmen: Die Optik war toll, die Handlung fand ich immer schrecklicher.

Der Film spielt in einer parallelen Realität. Es gab einen Ersten Weltkrieg, und in Deutschland scheinen die Nazis schon an der Macht zu sein. New York ist eine riesige Stadt, deren Hochhäuser in den Himmel ragen. Doch auf einmal marschieren Roboter durch die Straßen, die alles platt walzen. Soldaten und Polizisten feuern auf die Roboter, doch ihre Kugeln prallen an den Metalloberflächen. Polly Perkins, eine junge Reporterin, die ständig versucht, spannende Fotos zu schießen, wird fast von den Robotern zertrampelt.

Im letzten Augenblick taucht ein heldenhafter Flieger auf, der Sky Captain. Er stoppt die Roboter, die daraufhin spurlos verschwunden, und rettet Polly. Die beiden, gespielt von Gwyneth Paltrow und Jude Law, kommen auf die Spur des Bösewichts, hinter dem sich ein gewisser Dr. Totenkopf verbirgt, und retten nach vielem Hin und Her am Ende die Welt. Die Details muss ich hier nicht erzählen; die lassen sich im Internet nachlesen (wenn es denn sein müsste), sind aber eigentlich völlig egal.

Ich fand den Film am Anfang wirklich cool: auf alt getrimmt, in einer parallelen Wirklichkeit spielend, mit allen möglichen Science-Fiction-Elemente, die ich aus jahrzehntelanger Leserschaft und Kinogängerei kenne. Doch immer mehr nervte mich, dass die Handlung so unlogisch verlief – und zwar nicht unlogisch im Sinn von »das ist Absicht, damit das Genre veräppelt wird«, sondern unlogisch im Sinn von »keinen Plan von einer vernünftigen Handlung«. Eine nachvollziehbare Handlung schien auch nicht das Ziel des Regisseurs und seines Teams gewesen sein.

Klar – die technische Seite ist spannend. Der Film wurde mit einem recht modernen Verfahren gedreht. Die Schauspieler stehen nie in irgendwelchen Kulissen herum, sondern handeln vor grünen Wänden. Das führt dann dazu, dass man im Hintergrund eben eine Kulisse hat, die offenbar aus dem ersten Teil der »Herr der Ringe«-Trilogie entnommen wurde.

Aber ist das dann alles? Ich war am Ende froh, als ich den Film hinter mir hatte. Wäre er ironisch gewesen, hätte er mir vielleicht doch gefallen; in seiner Gesamtheit enttäuschte er mich massiv. Nichts, das man gesehen haben müsste …

14 Februar 2020

Barbies Traumhaus

Manchmal muss ich mich schon wundern: Seit Jahren lese ich die Diskussion im Netz oder bekomme sie im privaten Umkreis mit. Wie sehr werden junge Mädchen bereits in frühester Zeit auf ein Rollenverhalten festgelegt, wie soll man als Erwachsener damit umgehen? Und während unsereins sich noch überlegt, wie man sich in Geschichten und Romanen sinnvoll positioniert, hauen die Verlage entsprechende Kinderzeitschriften raus.

In diesem Fall: »Barbies Dreamhouse Adventures«. Ich habe das Heft noch nicht am Kiosk durchgeblättert, finde es vom Cover her auch gar nicht schlecht (von wegen »zielgruppenaffin«), frage mich aber trotzdem, was das soll, und wundere mich eben. Für Jungs gibt es Bücher, in denen sie Detektiv- und Indianer-Geschichten erleben können, für Mädchen gibt es ein Heft, in dem das Dasein als Hausfrau offenbar verherrlicht wird.

Wahrscheinlich gibt es einen Markt dafür. Und der Verlag macht so etwas natürlich vor allem deshalb, weil es einen Kundenkreis dafür gibt. Aber ich wundere mich trotzdem.

13 Februar 2020

Grußwort für einen Heftroman

Wenn ich Texte für die Science-Fiction-Serie schreibe, für die ich redaktionell verantwortlich bin, mache ich dazu keine Bemerkung und keinen Text in meinen Blog. Das käme mir seltsam vor – es ist nun mal mein Beruf. Und für die rhodanischen Dinge meines Lebens habe ich eh den Redaktionsblog.

Schreibe ich aber etwas für eine andere Serie, ist mir das eine Ehre – und darauf muss ich unbedingt hinweisen. »Wenn sich Matt Drax und Perry Rhodan treffen ...« – so lautet der Text meines Grußwortes, das in der Ausgabe 523 der Serie »Maddrax« veröffentlicht worden ist. Dabei handelt es sich um eine Science-Fiction- und Phantastik-Serie aus dem Bastei-Lübbe-Verlag, die in diese Tagen ihren zwanzigsten Geburtstag feiern durfte.

Für mich sind die Kollegen bei »Maddrax« keine Konkurrenten, sondern Kollegen – man arbeitet zwar nicht unbedingt miteinander, aber auf keinen Fall gegeneinander. Letztlich wollen wir alle das gleiche: Mit möglichst spannenden Romanen wollen wir möglichst viele Leser erreichen.

High Rise 8 aus dem Jahr 1988

Weil Ulrich Bettermann in dieser Woche verstorben ist, habe ich in meiner Fanzine-Kiste gewühlt. Dort finden sich nämlich einige Fanzines, die Ulrich veröffentlicht hat. Vor allem in den 80er-Jahren war er aktiv; seine Fanzines waren »fannisch« im positiven Sinn. Sehr gern las ich sein Fanzine »High Rise«, in der Ausgabe acht komme ich als »Figur« mehrfach vor.

Das Fanzine erschien laut Impressum im April 1988, es hatte eine Auflage von 50 Exemplaren, was damals für ein Egozine durchaus üblich war. Ein wesentlicher Schwerpunkt ist ein Bericht vom FreuCon – Ulrich war damals aus dem hohen Norden in das beschauliche Freudenstadt gefahren. Das blieb nicht ohne Kulturschock aus …

»Der Beitrag von Klaus N. Frick wurde schließlich simultan aus dem Schwäbischen ins Deutsche übersetzt«, schrieb er über einen Vortrag, den ich gehalten hatte. Ansonsten bestand sein Con-Bericht aus Hinweisen zum Abendessen, aus persönlichen Anmerkungen und der Übernachtung im Jugendzentrum. »Zumindest die Rollenspieler unterbrachen ihre Tätigkeit nicht durch solch sinnlose Unterfangen wie Schlafen«, notierte Ulrich Bettermann zur Nachtruhe in Freudenstadt.

Wenn ich mir das heute durchlese, werde ich recht wehmütig: Ich kann mir solche Cons, bei denen spät abends auch mal eine Punk-Band aufspielte, oder das Programm eher chaotisch ablief, heute kaum noch vorstellen. Und mir fehlen Fans wie Ulrich, die solche Veranstaltungen danach in ironischer Weise beschrieben.

(Ach so: In diesem Fanzine ging es auch um Musik und Filme, dazu brachte er einen weiteren Teil der Fortsetzungsgeschichte unter. Wie es sich in den 80er-Jahren eben für ein Egozine gehörte …)

12 Februar 2020

Doch besser keine E-Books?

Ich finde es immer wieder interessant – nicht nur aus beruflichem Interesse –, wenn ich mitbekomme, wie es andere Verlagsleute mit dem Thema Digitalisierung so halten. Nicht alle sind da einer Meinung, um es vorsichtig zu sagen.

In der aktuellen Ausgabe des »börsenblatts« beispielsweise geht es vor allem um Kinder- und Jugendbücher. Der Verlagsleiter des Magellan-Verlages, der sich auf Kinder- und Jugendbücher spezialisiert hat, wird mit einer klaren Aussage zitiert: Bei seiner Verlagsphilosophie gehe es um »Optik und Haptik«, beides ginge in der digitalen Form verloren. Deshalb werde es auch von seinem Verlag »in absehbarer Zeit keine E-Books geben«.

Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass die E-Books in ihrer jetzigen Form noch zu limitiert sind – es ist halt nur digitaler Text –, sehe aber halt auch, dass die Kunden nicht bereit sind, für ein teuer gemachtes E-Book den entsprechenden Preis zu bezahlen. Mir geht es da aus Kundensicht ähnlich, ich meckere also nicht.

Ich sehe, welche Möglichkeiten es eigentlich gäbe, ein E-Book entsprechend »wertig« zu gestalten, weiß allerdings auf der anderen Seite, was das kostet. Die Zukunft ist also an dieser Stelle noch sehr weit offen.

Eine Strategie, deshalb keine E-Books zu machen, halte ich allerdings für heikel. Aber Kinderbücher sind etwas anderes als Romane, das ist mir bewusst.

Klarer Science-Fiction-Comic

Der erste Band von »Drifter« ist schon vor einigen Jahren erschienen – es wird Zeit, dass ich die interessante Science-Fiction-Serie vorstelle. Wer Comics und Science Fiction mag, sollte von dem Comic zumindest mal gehört haben. Ich finde ihn gut, wenngleich ich den ersten Band erzählerisch noch nicht gerade brillant finde; dafür mag ich die künstlerische Präsentation.

Der Reihe nach: Die Menschheit hat sich ins All ausgebreitet und zahlreiche Planeten besiedelt. Ein Raumfahrer landet auf einer unwichtigen Welt, wo er sich mit den Einheimischen herumzuplagen hat. Die Leser lernen – wie der Raumfahrer – die seltsamen Bewohner der Welt kennen, sind ebenso verwirrt wie er und schlagen sich mit ihm durch die Wildnis ... und dann sitzt man da und hofft auf eine baldige Fortsetzung ...

Geschrieben wurde die Story von dem amerikanischen Comic-Autor Ivan Brandon, der schon bei diversen Superhelden-Geschichten mitgewirkt hat. Wie man einen Comic erzählt, weiß er also. Seine Hauptfigur treibt die Geschichte voran, die manchmal unnötigen Vor- und Rückblenden fand ich allerdings effekthascherisch und unnötig. Die vielen Szenenwechsel machen die Lektüre streckenweise sogar anstrengend.

Beeindruckend sind stattdessen die Bilder, die sich stilistisch kaum einordnen lassen. Klar, es handelt sich bei »Drifter« im weitesten Sinne um einen realistischen Comic, aber das genügt nicht – zwar werden die Bilder digital erstellt, aber sie wirken oftmals »wie gemalt«.

Der aus Deutschland stammende Nic Klein macht mit seinen Illustrationen die fremde Welt erst so richtig lebendig. Seine Landschaftsbilder sind eindrucksvoll, die Menschen mit ihren Gesichtern wirken realitätsnah. Das ist richtig gut gemacht und sprach mich stärker an als die eigentliche Geschichte.

Im ersten »Drifter«-Band sind die Hefte eins bis fünf des amerikanischen Image-Verlages zusammengefasst. Die Serie läuft in den USA längst weiter, auch hierzulande sind bereits weitere Bände erschienen. Die muss ich mir natürlich noch besorgen!

Rezensenten haben den Comic bereits als Space-Western vergleichen; es mangelt nicht an weiteren Vergleichen mit Western-Filmen. Das finde ich ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Sicher ist »Drifter« ein Comic, der vor allem von seiner Action profitiert. Und die wiederum profitiert von der starken Grafik.

Alles in allem ein interessanter Start in ein neues Comic-Universum. (Band eins ist 128 Seiten stark und kostet 25 Euro. Gibt's überall im Fachhandel oder kann dort bestellt werden.) Ach ja, und auf der Seite von Cross-Cult, dem herausgebenden Verlag, gibt es sogar ein Video.

11 Februar 2020

Erinnerungen zur Science Fiction und Unterhaltungsliteratur

Seit wann ich Jörg Weigand persönlich kenne, weiß ich gar nicht genau. Als Herausgeber von Science-Fiction-Anthologien und als Autor von Sachtexten über das Genre ist er mir seit den frühen 80er-Jahren bekannt. Im Verlauf der vergangenen Jahre las ich auch immer wieder Kurzgeschichten und Erzählungen, die er verfasst hat.

Im Verlag Dieter von Reeken erschien das Sachbuch »Abenteuer Unterhaltung«, das Jörg Weigand verfasst hat. Der Untertitel sagt schon klar, was den Leser erwartet: »Erinnerungen an 60 Jahre als Leser, Autor und Kritiker«. Es handelt sich weder um eine Autobiografie noch um eine chronologische Darstellung der Science Fiction.

Jörg Weigand erzählt, jedes Kapitel steht dabei für sich allein; dabei entsteht eine teilweise sehr sprunghafte Erzählweise. Er stellt seinen Werdegang dar: vom Jugendlichen, der sich für Literatur im Allgemeinen und Science Fiction im Besonderen interessierte, vom Studenten, der Kontakte zur französischen Literatur und Lebensart schloss, über den Herausgeber von Anthologien und bekannten Fernsehjournalisten bis hin zum heutigen Lebensabschnitt als Rentner in Südbaden.

In einzelnen Kapiteln präsentiert er Autoren und Herausgeber, die ihn beeindruckt haben, und erzählt von den Begegnungen mit ihnen. Walter Ernsting und Herbert W. Franke als langjährige Science-Fiction-Autoren sind ebenso dabei wie Heinz G. Konsalik oder Gert F. Unger, die nicht unbedingt durch große Literatur bekannt geworden sind.

Das finde ich bei diesem Buch tatsächlich spannend: Weigand hat keine Scheuklappen auf. Weder sieht er die Trennung zwischen E- und U-Literatur, noch blickt er von der Warte des Science-Fiction-Fans auf andere Spielarten der Unterhaltungsliteratur hinab. Es geht ihm um gute oder schlechte Unterhaltung, und es geht ebenso um die Bedingungen, unter denen Literatur entsteht.

Gelegentlich lässt er alte Streitereien aus früheren Zeiten aufleben, was ich bei der Lektüre unnötig fand. Konflikte mit »linken« und »rechten« Science-Fiction-Schaffenden in den 70er- und 80er-Jahren sind für heute Leser ein Relikt aus der Vergangenheit – wer sich damit nicht auskennt, wird viele Anspielungen nicht verstehen.

Machen wir uns nichts vor: Dieses Buch ist aus einer sehr egozentrischen Perspektive geschrieben – aber das verheimlicht es nirgends. Jörg Weigand blickt auf die Welt aus seiner eigenen Perspektive; das macht er sachkundig und stets gut lesbar. Man muss ihm nicht bei allen Schlussfolgerungen zustimmen, das erwartet er sicher auch nicht.

»Abenteuer Unterhaltung« ist eine schöne Mixtur aus Autobiografie und Sammelband; es werden viele Facetten der Literatur im Allgemeinen und der Science Fiction im Besonderen beleuchtet. Ich habe es gern gelesen und würde es all jenen Leuten empfehlen, die mehr über die Art und Weise erfahren wollen, wie Literatur entsteht. (Wahrscheinlich wäre es in manch studentischem Seminar eine sinnvolle Lektüre.)

Das Buch umfasst 241 Seiten, es ist als schönes Paperback mit Klappumschlag erschienen. Mithilfe der ISBN 978-3-945807-28-6 kann man es in jeder Buchhandlung bestellen. Ich empfehle, direkt beim Verlag Dieter von Reeken zu bestellen – dort gibt es zudem weitere lesenswerte Sachbücher zur Science Fiction.

Einige Sätze zu Ulrich

Der Tag beginnt mit einer traurigen Nachricht – ich habe sie eben über Facebook mitbekommen: Ulrich Bettermann ist gestorben,

Wir haben uns 1980 kennengelernt, zuerst schriftlich, weil wir im selben Club waren – es war die Interessenvereinigung Science Fiction, kurz IVSF –, und dann persönlich, als wir uns auf dem PERRY RHODAN-WeltCon trafen.

Über viele Jahre hinweg haben wir uns immer wieder gesehen und unterhalten. Auch wenn in den vergangenen Jahren der Kontakt dünner wurde – wie das halt leider oft ist –, hat Urich für ich immer dazu gehört.

Ich bin heute morgen sehr traurig.

10 Februar 2020

D.O.A. bollern wie in alten Zeiten

Man muss sich wirklich wundern, wie Joe Keithley das macht: Seit Ende der 70er-Jahre steht er auf der Bühne, seit damals macht er Platten, und man sollte eigentlich erwarten, dass er langsam alt und gemütlich wird. Aber dann haut er mit zwei Mitstreitern – die aktuelle Besetzung seiner Band D.O.A. – eine Platte wie »Fight Back« heraus, und ich bin fassungslos.

Klar, man könnte einwenden, dass sie so klingt wie viele andere Platten der Band davor: Es knallt und rumpelt, die Stimme klingt wütend wie eh und je, es gibt bollernde Melodien. Dazu machen Gitarre, Schlagzeug und Bass einen Punk-Sound, der halt so klingt, wie man ihn anfangs der 80er-Jahre schon in Kanada spielte.

Alle dreizehn Stücke auf der Platte, die 2018 aufgenommen worden ist und die ich mir als Vinylscheibe gegönnt habe, sind knallig. Die Melodien sind nicht leicht und eingängig, aber sie fräsen sich irgendwann ins Hirn. Man möchte zu diesem Sound durch die Wohnung hüpfen (und ich freue mich darauf, die Band mal wieder zu sehen), und eigentlich wundert man sich nur darüber, warum dieser Mann nicht altersmilde geworden ist, sondern immer noch diesen Sound spielt.

Textlich bleibt die grundsätzliche Kritik an Staat und Gesellschaft erhalten. Es wird über »Killer Cops« geschimpft, über schlechtes Bier gelästert (in »We Won't Drink This Piss«) und generell vom Leben erzählt (»You Can't Stop Me«). Das ist alles klar und eindeutig.

Und wer jetzt bemängeln mag, dass die Band ähnliche Stücke vor zwanzig und dreißig Jahren auch schon gemacht hat, dem widerspreche ich nicht. Nur hat sich so viel halt gesellschaftlich auch nicht geändert – und deshalb dürfen D.O.A. wie in alten Zeiten ihren Sound spielen. Respekt!

09 Februar 2020

Rauchen im Jahr 2020

Am späten Abend gingen wir noch auf eine Party, die in einer geräumigen Wohnung in der Oststadt von Karlsruhe veranstaltet wurde. Die Leute waren freundlich, es gab genügend zu essen und zu trinken, und die Musik hatte die angenehme Lautstärke, die mir half, sie einfach zu ignorieren.

Es waren vielleicht zwei Dutzend Menschen anwesend, nicht mehr. Man redete wild durcheinander, man trank viel, und man rauchte. Wahrscheinlich rauchten mehr als zwei Drittel der Anwesenden. Ich ärgerte mich nicht darüber, denn schließlich kannte ich das schon seit Jahrzehnten: Bei einer Party wird einfach geraucht.

Aber ich merkte irgendwann, dass ich das nicht mehr gewöhnt war. Meine Augen tränten, mein Hals war trocken, die Luft war stickig. Daheim zog ich die Klamotten aus und packte sie auf den Balkon, weil ich sie nicht in der Wohnung haben wollte. Dann duschte ich, weil ich nicht mit verrauchten Haaren ins Bett gehen wollte.

Ganz klar: Ich hatte mich verändert. Mich hatte es früher nie gestört, wenn geraucht worden war, auch wenn ich selbst das Rauchen nie ansprechend gefunden hatte. Aber im Jahr 2020 war es offenbar soweit, dass mich Rauchen immer mehr nervte. Da änderte es nichts daran, dass ich die Leute sympathisch und die Party sehr angenehm war.

Lag das an meinem Alter, oder wurde ich langsam einfach intolerant in dieser Frage? Ich würde es wohl selbst herausfinden müssen ...

06 Februar 2020

Starke Pisse auf der Bühne

Weil es Mittwochabend war und ich mich eh ein wenig schlapp fühlte, brauchte ich eine Weile, um mich aufzuraffen; dann aber fuhr ich doch in die »Alte Hackerei«. Es war der Mittwoch, 5. Februar, und ich ging von einem eher durchschnittlichen Konzert aus. Doch ich sollte mich gleich mehrfach irren: Das Konzert fing recht zeitig an, weshalb ich die erste Band gleich mal verpasste, und der Konzertraum war brechend voll.

Ich hatte die Band noch nie gesehen, kannte Pisse nur von irgendwelchen Tonträgern her und war entsprechend gespannt. Vom ersten Ton an legte das Quartett auf der Bühne knallig los: Wer mag, kann die Band ja zum Deutschpunk zählen, was nicht so richtig stimmt. Man macht Punk mit deutschen Texten, aber das war es dann schon.

Musikalisch erinnert mich das an die ganz frühen 80er-Jahre, an Bands wie Abwärts – das Ganze wird aber deutlich knalliger und schneller gespielt. Der Synthie und irgendwelche Geräusche werden mit klassischem Punkrock-Instrumentarium vermischt, das wirkt dann gleich mal anders. Dazu kommen der Stakkato-Gesang und recht kurze Ansagen; das sieht minimalistisch aus, funktioniert für mich aber sehr gut.

Nicht nur mir gefiel das, sondern auch dem Publikum. Es waren viele junge Leute da, an diesem Abend schien ich echt der Gesichtsälteste zu sein. Vor der Bühne wurde ein wenig getanzt – vorsichtiger Hüpf-Pogo halt –, viele Leute sangen mit, der Applaus war stets reichlich.

Recht schnell war das Konzert vorüber, die Band bolzte sich ruckzuck durch die Stücke. Ich trank nicht zu viel Bier, ließ mich später am Plattenstand in Fachgespräche verwickeln (»also du musst da schon beide Versionen dieser EP kaufen, weil die zwei Platten zwar identisch heißen und verdammt ähnlich aussehen, aber eben nicht identisch sind …«) und war an diesem Abend vergleichsweise früh daheim. Auch mal was.

Camera Silens von 1985

Ein wummerndes Schlagzeug, ein harter Bass, dazu eine sägende Gitarre und ein Sänger, der die Textzeilen rhythmisch herausbrüllt: Camera Silens waren eine typische französische Punkband in den frühen 80er-Jahren, die man sich auch heute noch richtig gut anhören kann. Zwar ist die Hitqualität der Platten nicht so groß – außer dem genialen »Pour La Gloire« –, aber die Band überzeugt durch eindeutigen Punkrock mit ebenso eindeutigen Texten.

Die Band hatte sich 1981 in Bordeaux gegründet; mit dem Namen bezog man sich auf die Isolationshaft der deutschen RAF-Gefangenen – das war in jenen Tagen auch in Frankreich ein Thema. Bereits 1988 löste man sich auf, aber davor gab's einige richtig gute Aufnahmen, von denen ich zuletzt die erste Platte noch mal ausgiebig hörte.

»Réalité« kam 1985 heraus, wurde 2011 neu veröffentlicht und ist richtig klasse. Die zehn Stücke sind allesamt in französischer Sprache. Da keine Übersetzung beilegt, bin ich auf meine schlechten Kenntnisse dieser Sprache angewiesen. Die Band singt über den Ost-West-Konflikt, der 1985 ein Dauerthema war, sie behandelt Selbstmord und Hausbesetzungen, den Kampf gegen die »kriminelle Klasse« und andere eher politische Themen.

Musikalisch ist das ruppiger Punk, die Melodien sind knapp und knallig – vom Hardcore ist man dennoch weit entfernt, und Metal-Einflüsse würde man vergeblich suchen. »Réalité« ist eine richtig starke Platte und weit besser als das meiste, was zur selben Zeit in Deutschland auf Vinyl gepresst wurde.

05 Februar 2020

Frühstück am Plage du Ris

Sonderlich schön fand ich die kleine Stadt Douarnenez tatsächlich nicht. Wir erreichten sie an einem feuchten und kühlen Tag während unserer Reise durch die Bretagne. Ich nahm die Stadt als eine Abfolge von schmalen Straßen und Fischereibetrieben wahr; eine Konservenfabrik am Stadtrand bildete den Abschluss. Aber den Plage Du Ris knapp außerhalb der Stadt fand ich ganz hübsch.

Wir stellten das Auto an der Straße ab und gingen die Treppen hinab, vorbei an den Häuschen, die man bei schönem Wetter wohl als Umkleidekabinen nutzen konnten. Die Bucht war ausgesprochen schön, ein breiter Sandstrand wurde von einer sanften Anhöhe abgelöst, die mit Gras bewachsen war und die bei warmen Temperaturen sicher voll mit Sonnenhungringen war.

Auf der Steinmauer entlang des Strandes war es uns zu kühl, wir zogen uns ein wenig zurück. Auf einer Holzbank saßen wir dann und frühstückten, während ein strammer Wind hellgraue Wolken über einen dunkelgrauen Himmel scheuchte. Ich zog meine Jacke bis zum Kragen hoch und starrte auf das Meer hinaus.

Erst nach einiger Zeit bemerkte ich, dass sich tatsächlich einige Surfer in dem Wasser tummelten. Sie hatten einige schöne Wellen, offenbar machte es ihnen auch viel Freude. Sie trugen Neopren-Anzüge, trotzdem fand ich sie sehr tapfer. Bei diesen Temperaturen hätte mich niemand ins Wasser gebracht. Höchstens in einem echten Notfall.

Als wir den Strand verließen und zu unserem Auto zurückgingen, sah ich immer wieder auf das Meer hinaus. Es sah auch von oben kalt aus. Bei schönem Wetter war der Plage Du Ris sicher angenehm. Aber …

Mittlerweile ist der Strand übrigens geschlossen. Zu viel Dreck im Wasser, zum Baden nicht mehr geeignet. Schauen wir mal, wie sich das im Frühjahr und Sommer 2020 entwickeln wird.

Ein Thriller in bester Dan-Brown-Tradition

Ich wohne seit 1994 in Karlsruhe, und einige der Mysterien der so harmlos wirkenden Studenten- und Beamtenstadt haben mich von Anfang an fasziniert: Das Schloss steht inmitten eines »Sonnenkranzes« aus 32 Straßen und Wegen, die sternförmig in alle Richtungen ausstrahlen, teilweise bewusst auf Kirchen und Wallfahrtsorte in der Umgebung ausgerichtet; es gibt eine Pyramide und einen Obelisken, ohne dass der Normalbürger so recht weiß, welche Funktion sie in der »Architektur« der Stadtanlage haben.

All diesen Fragen geht der Autor Bernd Hettlage in seinem packenden Roman »Das Geheimnis von Karlsruhe« nach. Er schafft es wirklich, historische Elemente so mit einer Handlung in der Gegenwart zu verbinden, dass ich ihm gerne auf seinem Weg durch die Karlsruher Vergangenheit folgte.

Lukas Arnold ist die Hauptfigur des Romans. Er interessiert sich für die Geschichte seiner Heimatstadt, er studiert alte Dokumente. Da er von einem der Stadtgründer abstammt, gibt es eine persönliche Verbindung zur Gründungszeit von Karlsruhe. Er muss feststellen, dass die alten Geschichten über die Stadt einen wahren Kern haben ....

Geschickt verarbeitet der Autor alle möglichen Mythen. Nicht nur der angebliche Traum des Markgrafen, nicht nur die angeblichen Linien, die vom Schloss ausgehen und allerlei mystische Orte verbinden; Hettlage baut auch noch den Mythos um Kaspar Hauser ein und verbindet so Karlsruhe mit der europäischen Politik.

Es entsteht eine wilde Verschwörungsgeschichte, in der sich Elemente eines Thrillers mit denen eines phantastischen Romans verbinden. Ganz nebenbei erfährt man einiges über die Geschichte der Stadt sowie über die aktuellen Örtlichkeiten. Das alles macht der Autor richtig gut. Als Leser war ich von dem Roman gefesselt und wollte kaum mit der Lektüre aufhören.

Stilistisch hätte ich einiges auszusetzen gehabt; meiner Ansicht nach hätte das Lektorat vor allem bei der Dialogführung gründlicher rangehen müssen. Manchmal wird die Lektüre durch nicht gerade optimale Formulierungen unnötig erschwert. Aber da bin ich vielleicht auch zu empfindlich.

»Das Geheimnis von Karlsruhe« ist ein gelungener Roman, zumindest über weite Teile hinweg. Er macht Spaß, er unterhält hervorragend, er vermittelt viele Informationen.

Problematisch ist der Schluss. In gewisser Weise kann man ihn als folgerichtig – wegen der entsprechenden Andeutungen zuvor – betrachten, für die meisten Leser dürfte er eine Enttäuschung sein. Der Autor macht aus einem spannenden und durchaus gelungenen Thriller, der über Dan-Brown-Qualitäten verfügt, einen Science-Fiction-Roman – der nicht einmal mich als Science-Fiction-Fan zu überzeugen weiß.

Trotzdem möchte ich das Werk empfehlen. Der Thriller setzt Karlsruhe hervorragend in Szene, und das fand ich gut. Erschienen ist er als Hardcover-Band in Lindemanns Bibliothek, einem örtlichen Verlag. Nicht nur für Menschen, die in der selben Stadt wie ich leben!

04 Februar 2020

Auf der Spur einer Schicksalstafel

Bei den vielen Comic-Serien, die der Splitter-Verlag veröffentlicht, zählt »Lady Mechanika« sicher zu jenen, die grafisch besonders beeindrucken. Die Steampunk-Serie ist unglaublich gut gestaltet, mit detaillierten Dekors und unfassbar schönen Darstellungen. Dass sie von Band zu Band auch inhaltlich besser wird, erfreut mich ganz besonders.

Zuletzt las ich den dritten Teil der Serie, der hierzulande schon im Sommer 2018 veröffentlicht worden ist. Er spielt größtenteils in Afrika, trägt den Titel »Die Schicksalstafel« und erzählt eine spannende Verfolgungsgeschichte mit Luftschiffen aller Art.

Zu sehr in die Details der Handlung brauche ich an dieser Stelle kaum einzusteigen: Es geht turbulent hin und her, die Luftschiffe sehen toll aus, und das Afrika dieses Steampunk-Universums ist ebenfalls sehenswert.

Joe Benitez und seinen Mitstreiter haben es geschafft, mit »Lady Mechanika« eine Steampunk-Welt zu entwickeln, die nicht nur Fans dieses Phantastik-Gernes begeistern sollte. Die Figuren sind originell – im Prinzip ist die Hauptfigur ja ein Cyborg –, sie werden toll gezeichnet, ihre jeweiligen Handlungen wirken auf mich recht glaubwürdig.

Lohnenswerte Serie, jeder Band für sich! Den inhaltlichen Zusammenhang kapiert man allerdings nur, wenn man in der richtigen Reihenfolge liest ...

03 Februar 2020

Eine neue Medienagentur?

Seit Jahren nimmt das Wehklagen der Verlagsbranche kein Ende mehr. Die Verlage beklagen rückgehende Verkäufe, viele Buchhandlungen schließen, die Autoren kommen selten auf einen grünen Zweig. Offensichtlich ist ein Teil des bisherigen Publikums verschwunden.

In diesen Zeiten finde ich es mutig, etwas ganz Neues zu versuchen. Einer, der es dieser Tage getan hat, ist mir seit vielen Jahren bekannt: Wenn ich mich richtig erinnere, lernte ich Carsten Polzin anfangs der Nuller-Jahre kennen, trank bei einer denkwürdigen Party in Glasgow sehr viel Bier mit ihm und schätze an ihm, dass man sich mit ihm über fachliche Themen (Autoren, Verlagem, Übersetzungen, Lektorate) untehalten kann, aber ebenso über seltsame Musik oder Sport.

Aus Gründen, die sicher nur ihn etwas angehen, kündigte er Ende 2019 seinen Arbeitsplatz (mit halbwegs geregelten Arbeitszeiten und allen möglichen Sozialleistungen) in einem der großen Science-Fiction- und Fantasy-Verlagsbereiche und wagt nun den Sprung in die Selbständigkeit. Textbaby – so nennt sich nun sein eigener Laden.

Wie es damit weitergehen wird? Keine Ahnung. Ich werde es hoffentlich erfahren. So lange wünsche ich dem Kollegen viel Erfolg!

Die Spermbirds sind immer noch klasse

Im Jahr 2019 war das Konzert mit den Spermbirds sicher eines der musikalischen Höhepunkte. Die Band, die ich seit 1986 schon derart oft gesehen habe, dass ich es nicht zählen könnte, zeigte in der »Alten Hackerei« in Karlsruhe wieder einmal, was sie draufhat: Spielfreude, ein Gespür für das Publikum, eine unglaubliche Dynamik und einen nach vorne gehenden Sound, der mich immer noch begeistert.

Das gilt auch für die Platte, die im Sommer 2019 veröffentlicht worden ist und die ich seitdem sehr oft angehört habe: sowohl die CD im Auto als auch die Vinylscheibe daheim mithilfe des alten Plattenspielers. »Go To Hell Then Turn Left« ist nicht so melodisch wie die frühen Platten der Band, liefert mehr Gebrüll als Gesang, ist insgesamt viel rhythmischer, kann mich aber insgesamt überzeugen.

Das geht schon mit dem allerersten Stück los. »Breathe Deep« bratzelt unvermittelt los, einen rasende Hardcore-Nummer, wuchtig instrumentiert, dynamisch gespielt – da kann ich mich kaum im Stühlchen halten. Und so geht die Platte dann weiter: viele Stücke in sehr aufwendig wirkender Produktion, ein deutliches Stück weit entfernt von den einfachen Arrangements früherer Jahre.

Wobei in den Stücken vor allem Lee Hollis mit seiner Stimme und seinen Aussagen alles zu übertrumpfen droht. Manchmal erinnert mich die Platte dann auch an die Zweitband des Sängers, also an Steakknife, vor allem, wenn er zu wütenden Schrei-Attacken ansetzt. Aber da ich beide Bands mag, stört mich das nicht.

Mit dem Titelstück ist auf jeden Fall ein Hit enthalten, der sich gut im Ohr festsetzt, nachdem man ihn ein erstes Mal gehört hat. Die Platte ist abwechslungsreich, keine Sekunde lang auch nur ansatzweise und durchaus »hardcoriger« als zu anderen Zeiten.

»Go To Hell Then Turn Left« ist eine starke Platte. Die alten Fans der Band sollten sie sich auf jeden Fall holen – sie knüpft an die bisherige Entwicklung der Spermbirds an. Und wer die Band noch nicht kannte, macht hier auch nichts falsch – 2019 klingt man halt anders als 1989, um einfach mal zwei Zahlen zu vergleichen …

02 Februar 2020

Ziel Mond als DVD

Weil es die DVD zu einem sehr guten Preis gab, nahmen wir sie mit: »Ziel Mond« kannte ich noch nicht, obwohl ich mich seit vielen Jahrzehnten als Science-Fiction-Fan bezeichnen kann. Aber ich war sehr neugierig auf den Streifen, der auf einem Roman von Robert A. Heinlein beruht und als erster »echter« Science-Fiction-Film gilt.

Unter dem Titel »Destination Moon« kam der Film im Jahr 1950 heraus; es ist ein Farbfilm, keine Schwarzweißgeschicihte mehr, also eine vergleichsweise moderne und aufwendige Produktion. Und er basiert weitestgehend auf dem damals aktuellen Stand der Technik und der Wissenschaft.

Klar lockt die Geschichte vom bemannten Flug zum Mond, den die amerikanische Industrie privat finanziert, heute niemandem mehr hinter dem Sofa hervor. Manche Szenen etwa beim Weltraumspaziergang sind unfreiwillig komisch. Politisch ist der Film sehr konservativ, weil hier eben am amerikanischen Wesen die Welt genesen soll. Und über die Rolle der Frauen sollte man sich gar keinen Kopf zerbrechen – sie tauchen nur am Rand auf.

Lässt man sich aber auf einen Film ein, der unfassbare siebzig Jahre alt ist, wird er erstaunlich spannend. Der Start der Rakete wirkt authentisch, die gemalten Mondlandschaften sind durchaus eindrucksvoll, die vier Schauspieler in der Rakete verhalten sich nicht unrealistisch. Klar, das ist Hollywood und keine saubere Dokumentation – aber ich unterhielt mich eineinhalb Stunden lang richtig gut.

Wer sich für klassische Science Fiction interessiert, sollte diesem Film durchaus mal anschauen. Unser Exemplar lag in der Krabbelkiste in einer »Thalia«-Filiale. Das ist gut investiertes Geld, finde ich.

(Übrigens gibt es derart viele Parallelen zwischen diesem Film und der Serie, die ich beruflich betreue, dass ich echt froh sein sollte, ihn nicht früher gesehen zu haben ... das Design des Raumschiffes, die vier Männer an Bord der Rakete und ihre Charaktereigenschaften ... das wurde ab 1961 auch in einem deutschsprachigen Heftroman verarbeitet.)

01 Februar 2020

Beratung bei echten Experten

Die Telekom gab dieser Tage bekannt, dass sie einen Teil ihrer Verkaufsläden schließen wolle. Seit heute weiß ich, dass das nicht sonderlich schlimm ist.

Ich hatte einen Termin vereinbart, ganz modern via Internet-Seite. Ich hatte angegeben, was ich besprechen wollte, und ich bekam eine Mail mit konkretem Terminhinweis.

An diesem Samstag radelte ich durch fiesen Regen zur Telekom und trat ein. Ein freundlicher junger Mann fragte mich, was ich wolle. Ich sagte, ich hätte einen Termin. Er fragte, mit wem ich den hätte. Ich sagte, dass wüsste ich nicht – das sei alles online gelaufen. Er winkte nur ab und brachte mich zu einem anderen jungen Mann.

Dieser wusste nichts von einem Termin. »Das erfahren wir nicht«, sagte er. Warum ich dann einen Termin mit genau dieser Filiale ausgemacht hatte, war mir danach nicht klar.

Wir führten ein Informationsgespräch, in dessen Verlauf ich viele Informationen um die Ohren gehauen bekam. Ich fragte, ob er mir etwas zum Notieren geben könnte. Er sagte, er würde das alles für mich zusammenschreiben, ich müsste nichts tun.

Nach dem Beratungsgespräch sagte er, er wolle mir alles per Mail schicken. Da könnte er alles genau notieren (welche Geräte, welche Verträge, welche Anschlüsse).

Mittlerweile traf die Mail von der Telekom an. Sie besteht aus einer Auflistung von Daten, am Ende kommt ein Link, über den ich auf eine Internet-Seite verwiesen werde. Dort könnte ich dann alle Informationen finden.

Langer Rede kurzer Sinn: Wenn das Personal sich so engagiert zeigt und die Kunden im Prinzip nur noch auf eine Internet-Seite gelotst werden, braucht man ja wirklich keinen dieser Läden mehr ...

31 Januar 2020

Ein runder Geburtstag war zu feiern

Ich weiß ja nicht genau, seit wann ich ein Abonnent der »tageszeitung« – kurz »taz« – aus Berlin bin. Es sind auf jeden Fall schon Jahrzehnte, und ich las das Blatt bereits in den frühen 80er-Jahren gern, weil es bei uns im Jugendzentrum auslag.

Wenn ich die neue Zeitung aus dem Briefkasten fische, gibt es meist ein Ritual: Ich schaue mir kurz die Titelseite an, schmunzle vielleicht über eine knallige Überschrift oder ein starkes Bild, drehe dann aber die Zeitung um und blicke auf die Seite mit dem schönen Titel »die Wahrheit«. Dort ist immer ein Comic-Strip zu finden, der stets aus drei Bildern besteht. Er trägt den Titel »Touché« und stammt von einem Zeichner, der sich nur Tom nennt.

Wie ich der »taz« entnehmen konnte, feierte dieser Zeichner in dieser Woche seinen sechzigsten Geburtstag. Der Kollege Ralf Sotschek, der selbst oft zu einem Opfer dieser Cartoons wird, gratuliert ihm unter der denkwürdigen Zeile »Der witzigste Hühnervernäher der Welt«. Ein schönes Grußwort!

Ich habe Tom einmal bei einem Abendessen in Leipzig kennengelernt, er wird sich kaum noch daran erinnern. Seither gefallen mir seine Comics noch besser. Und deshalb nutze ich die Chance, ihm an dieser Stelle hier nachträglich zum Geburtstag zu gratulieren. (Übrigens kann man die auch als Bücher kaufen; von denen habe ich einige daheim liegen.)

30 Januar 2020

Rice verblüffen immer noch

Warum ich mir in der Mitte der 90er-Jahre die Langspielplatte der Band Rice gekauft habe, weiß ich nicht mehr. Wurde sie mir empfohlen, las ich eine positive Rezension über sie? Ich erinnere mich, dass ich die Platte damals eher verwirrend fand, sie aber auch im Radio spielte.

Als ich dieser Tage die »Fuck You This Is Rice« wieder anhörte, wurde mir klar, warum sie mich damals so verwirrte. Insgesamt 17 Stücke sind auf der Platte, allesamt in einem schrabbeligen Hardcore-Stil, der mit vielen Breaks durchzogen ist und einem eine gewisse Aufmerksamkeit abverlangt, wenn man sich das anhört.

Die Band veröffentlichte ihre Platte auf Lookout Records, die Mitglieder stammten wohl alle aus dem Großraum Los Angeles und hatten allesamt ihre eigenen Projekte; einer spielte danach bei der bekannteren Band Rocket From The Crypt – musikalisch gibt es keine Parallelen. Rice lässt es ziemlich knallen, zwischendurch trötet irgendein Blasinstrument durch die Stücke, ansonsten merkt man schon beim ersten Zuhören, dass immer wieder Zitate auf andere Lieder enthalten sind.

Viele Stücke sind Anspielungen auf andere Hardcore-Bands. »Grain Of Strength« spielt ebenso auf eine bekannte Band an wie das Titelstück oder so etwas wie »Rice Control«. Andere Stücke behandeln das Kochen von Reis sowie andere Aspekte des Grundnahrungsmittels – klar ist das ironisch gemeint, aber mir erschließen sich nach all den Jahren viele Details nicht mehr.

Was bleibt, ist eine Platte, die Mitte der 90er-Jahre eine Satire auf die damals aktuelle amerikanische Hardcore-Szene war. Unter diesem Aspekt ist sie womöglich sogar relevant, zum Anhören für zwischendurch taugt sie kaum noch. (Man muss sich da echt die Texte auf dem Beipackzettel anschauen, der ebenfalls diverse Gags enthält.)

Vielleicht sollte ich eine neue Sparte im Plattenregal aufmachen: Geschichtsbuch-Punk.

TransAll 5 gelesen

Im August 1965 wurde in Frankfurt der FranCon veranstaltet, ein Fan-Treffen, von dem man wohl sagen muss, dass es für den später stattfindenden WorldCon in Heidelberg eine wichtige Vorbereitung war. Gut achtzig Science-Fiction-Fans trafen sich, was für damalige Verhältnisse recht groß war, und wenige Tage später wurde mithilfe von Wachsmatritzen das Fanzine »TransAll 5« veröffentlicht. Herausgeber war Hans Lopatka, den umfangreichen Con-Bericht schrieb allerdings Mario Kwiat.

Viele Anspielungen sind heute nicht mehr zu verstehen. Zwar listet der Bericht unglaublich viele Namen auf, die dem kundigen Erforscher der frühen Fan-Szene etwas sagen; manche von ihnen waren zur gleichen Zeit oder auch danach als Autoren tätig (K. H. Scheer, William Voltz, Walter Ernsting, Konrad Schaef oder Peter Ripota, um einige Beispiele zu nennen) – gleichzeitig werden viele Diskussionen, die auf dem Con liefen, nur in Andeutungen wiedergegeben. Offensichtlich gab es Konflikte, manche Leute wollten nicht mit anderen sprechen, man mied sich, oder man schrieb hinterher in sogenannten Hetz-Fanzines negative Dinge über andere Leute.

Nicht anders als heute in den sogenannten Sozialen Netzwerken, wie es aussieht. Heute »hatet« man über Facebook und Twitter, damals eben ganz einfach über Fanzines, die unregelmäßig erschienen. (Wer also sagt, früher sei alles besser gewesen, irrt auch in dieser Hinsicht.)

Das Fanzine, dessen Seitenzahl ein wenig chaotisch ist (auf Seite 12 folgen die Seiten 12a, 12 b und 13 ...), lässt sich trotz des schwachen Drucks ganz gut lesen, allerdings nicht mehr komplett verstehen. Als Zeitdokument auf die Science-Fiction-Fans in der Mitte der sechziger Jahre finde ich es hervorragend. Eine lohnende Lektüre!