17 März 2026

Wenn der Atzeschlumpf kommt …

Zu den wichtigsten Geschichten der Comic-Reihe »Die Schlümpfe« zählt sicher die vom »König der Schlümpfe«, eine für Kinder gemachte Story, in der es aber ganz klar um politische Inhalte geht. Schon als Kind mochte ich sie, und als Erwachsener las ich sie immer wieder.

Bei Toonfish erscheinen »Die Schlümpfe« in einer schönen Hardcover-Ausgabe; mittlerweile wird sie durch Dialekt-Ausgaben ergänzt. Zuletzt las ich »Atzeschlumpf markiert den Harten«. Das ist die klassische Geschichte um den Schlumpf, der sich zum König über die anderen Schlümpfe aufschwingt und eine Diktatur errichtet – nur eben im Berliner Dialekt.

Ich kann kein Berlinerisch, finde den Dialekt aber witzig. Vor allem früher, als man in Berlin viele »echte« Berliner antraf – heute wird in manchen Lokalen nur noch Englisch gesprochen, was ich ein wenig skurril finde –, mochte ich den Dialekt sehr, vor allem deshalb, weil ich als Schwabe meine Schwierigkeiten damit hatte.

Die Sprechblasen in diesem Album musste ich teilweise laut lesen, um sie richtig zu verstehen. Ich nehme an, dass Leute, die so richtig berlinern können, daran auch ihre Freude haben werden. Die klassische Geschichte an sich ist ja gut: Sie ist toll erzählt, sie ist toll gezeichnet, sie ist zeitlos.

Das Ganze aber in einem Dialekt, der schon speziell klingt und auch mit einigen Ausdrücken aufwartet, die man so nicht erwartet – das mit dem dauernden »Atze« etwa –, fand ich sehr amüsant. Wer einen witzigen Comic als Geschenk möchte, ist mit diesem Album sehr gut beraten!

16 März 2026

Ein Leben in drei Akten

Bereits 2024 war der amerikanische Spielfilm »The Life of Chuck« erstmals präsentiert worden; in die amerikanischen und auch deutschen Kinos kam er 2025. Ich verpasste ihn damals, obwohl er mich interessierte, und war nun sehr froh darüber, dass er in einem Streaming-Kanal angeboten wurde.

Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King, und er wird in drei Akten erzählt. Diese unterscheiden sich gravierend: Während der Anfang den dritten Teil schildert, eine Art Weltuntergang mit stark emotionalem Anteil, besteht der mittlerweile Teil des Films vor allem aus einer unglaublichen Tanz-Szene, die weder kitschig noch peinlich oder sonstwie seltsam ist. Und der erste Teil des Films zeigt Szenen aus der Jugend des Titelhelden?

Klingt verwirrend? Ist es aber nicht.

Beim ersten Teil kapiert man vielleicht nicht gleich, wie alles zusammenhängt, ist aber von der tragischen und emotionalen Geschichte sehr gefesselt. Beim zweiten Teil kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus und musste einige Male grinsen. Und der erste Teil der Geschichte, der ja der dritte Akt des Films ist und Chuck als Jugendlichen zeigt, ist wirklich wunderbar.

Und ja, es ist eine Geschichte von Stephen King; sie hat einen phantastischen Zug, geht aber nicht in die Horror-Richtung. Es handelt sich also um einen phantastischen Film, vor allem aber um einen Film, der einen auf eine dramatische Reise mitnimmt.

»The Life of Chuck« ist einer der Film, die man nach einiger Zeit noch einmal anschauen kann; er hat das Zeug zu einem Klassiker. Und Tom Hiddleston als cooler Tänzer ist eine echte Überraschung! (Ach ja, und Mark Hamill ist diesmal kein »Star Wars«-Pilot, sondern spielt einen alten Mann.)

13 März 2026

Karten und eine detailreiche Lektüre

Die Publikationen der Heinrich-Böll-Stiftung zeichnen sich seit Jahren durch ihre hochwertige Art aus: Jeder Artikel ist übersichtlich geschrieben und gegliedert, dazu kommen Karten oder anschauliche Grafiken, die den Inhalt ergänzen. Das gilt auch für die aktuelle Publikation, die den etwas verwirrenden Titel »Konzernatlas« trägt.

Damit man nicht glaubt, es gehe um Konzerne etwa in der Stahl- oder Informationsbranche, muss unbedingt den Untertitel betrachten: »Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie«.

Ich fand die Lektüre trotz der nüchternen Sprache und der Konzentration auf Fakten sehr spannend. Leider ist sie nicht unbedingt dazu geeignet, den Appetit zu fördern. Es wird immer wieder klar, wie sehr wie in unserem täglichen Konsum von Lebensmitteln davon abhängig sind, was uns die großen Konzerne auftischen. Die Marktmacht der Konzerne ist größer als die der Bauern, die zu Recht verärgert sind; sie ist auch größer als die von kleinen Läden oder Verbrauchern.

In den jeweiligen Beiträgen geht es um die Macht dieser Konzerne, etwa mit Saatgut die kleinen Bauern unter Druck zu setzen. Gezeigt wird, wie die Natur immer mehr als Ware betrachtet wird, aber auch, wie beispielsweise China seinen Einfluss ausweitet.

Das Heft belässt es nicht nur bei kritischen Berichten. Es wird ebenfalls klar, dass es so etwas wie »Ernährungsdemokratie« gibt. Als Verbraucher und mündiger Bürger kann ich schließlich selbst bestimmen, was ich esse – zumindest in der westlichen Welt kann ich an vielen Stellen entscheiden, ob ich einen multinationalen Konzern oder einen lokalen Hersteller unterstütze. Manchmal ist das nicht einfach, vor allem aus finanziellen Gründen. Das Heft bietet eine Reihe von Grundlagen für eigenständige Entscheidungen.

Der »Konzernatlas« ist 50 Seiten stark, im A4-Format gehalten und mit zahlreichen Illustrationen ausgestattet. Man kann ihn bei der Heinrich-Böll-Stiftung kostenlos herunterladen oder auch in gedruckter Form bestellen.

12 März 2026

Ein Bier auf dem Stadtfest

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«


Im Sommer 1985 war ich auf dem Sommernachtsfest in Freudenstadt unterwegs; an diesem Samstagabend waren Tausende von Leuten auf dem Marktplatz und in seinen Nebenstraßen unterwegs. Mein Kollege Karl-Heinz Kuball, den alle nur »Charly« nannten, schoss Fotos, während ich versuchte, aus den vielen Begegnungen eine Reportage für die »Südwest-Presse« zu machen.

Irgendwann setzten wir uns an einen Biertisch, zusammen mit anderen Leuten, die wir kannten. Ich war gerade mal 21 Jahre alt, auch Charly war nur knapp über dreißig, obwohl er mir unglaublich erfahren vorkam. Entsprechend feuchtfröhlich ging es in unserer Umgebung zu, auch wenn wir ständig über die Plastikbecher spotteten, aus denen wir unser Alpirsbacher Klosterbräu tranken.

Charly hatte seine Kamera eigentlich längst weggepackt. Dann aber holte er sie heraus, fummelte immer wieder an ihr herum, und als ich einen tiefen Schluck aus meinem Becher nahm, riss er die Kamera hoch und fotografierte mich.

Als wir uns am Sonntag in den Räumlichkeiten der Redaktion trafen, saß ich vor allem an der Schreibmaschine und tippte meine Berichte, während Charly in der Dunkelkamme seine Abzüge der besten Fotos herstellte. Später drückte er mir einen großformatigen Abzug in die Hand.

»Da«, sagte er, »ein Souvenir aus Freudenstadt; ist ganz gut geworden.« Da konnte ich ihm nicht widersprechen.

11 März 2026

Schwabenkinder

Meine Mutter zog ihren Mantel an und musterte uns streng. »Ihr macht keinen Blödsinn, gell?«, sagte sie und hob warnend den Zeigefinger. »Wenn ihr etwas Sinnvolles unternehmen wollt, geht raus auf die Straße und zerhackt den Schnee. Wie das geht, wisst ihr ja.«

Meine Schwester und ich gelobten, uns anständig zu verhalten. Wir blieben im Flur stehen und sahen zu, wie unsere Mutter das Haus verließ. Sie eilte zur Bushaltestelle, wo sie mit in den Bus steigen und mit diesem zur Arbeit fahren wollte. An mehreren Tagen in der Woche arbeitete sie als Putzfrau in einer Firma in der Stadt. Dort würde sie später mein Vater abholen, wenn er endlich Feierabend in der Fabrik hatte; dann wollten die beiden noch einiges einkaufen, bevor sie wieder nach Hause kamen.

Dann grinsten wir uns an. »Zerhacken wir den Schnee?«, fragte ich.

»Na klar«, gab sie zurück.

Wir waren Grundschüler und liebten den Winter in unserem Schwarzwalddorf. Wenn viel Schnee lag und es kalt war, empfanden wir die Luft als frisch, und es gehörte zu unseren großen Freuden in diesem Winter, Schneehäuser zu bauen oder unseren Eltern beim Schippen zu helfen. Manchmal schneite es so stark, dass wir, nachdem wir an der einen Ecke des Hofes fertig waren, wieder von Neuem anfangen konnten. Wenn es schneite, zogen wir mit dem Schlitten los, um irgendwo einen Hang hinunterzurutschen, oder wir lieferten uns Schneeballschlachten mit anderen Kindern aus dem Dorf.

An diesem Tag schien die Sonne, ein typischer Tag im Februar. Es war kalt, die Temperaturen lagen unter dem Gefrierpunkt, also zogen wir uns warm an. Mit Schals und Mützen und Fäustlingen gingen wir auf die Straße. Meine Schwester trug eine Hacke, ich eine Schaufel. Die Berge von Schnee, die meine Eltern beim Schippen aufgetürmt hatten, waren an manchen Stellen über eineinhalb Meter hoch, deutlich größer als wir.

Ohne uns abzusprechen, fanden wir schnell eine Arbeitsaufteilung: Ich war größer als meine Schwester, also schaufelte ich den Schnee vom Haufen herunter und schleuderte ihn mit Schwung auf die Straße. Dabei versuchte ich, sie nicht mit der schweren Ladung zu treffen. Sie jubelte jedes Mal vor Begeisterung und stürzte sich mit der Gartenhacke auf den Schneeklumpen, zerlegte ihn in kleinere Stücke, die sie dann quer über den Asphalt schleuderte.

Als eine gut gekleidete Frau die Straße herunterkam, hielten wir inne. Wir wollten sie nicht versehentlich mit einem Schneeklumpen treffen. Wir kannten sie nicht, aber dass sie nicht aus dem Dorf kam, sahen wir sofort. Sie trug einen eleganten Mantel und Stiefel, die in der Sonne glänzten. Zudem war sie auffallend geschminkt; meine Mutter hätte sie »eine Angeschmierte« genannt.

»Was tut ihr da?«, sprach sie uns in lupenreinem Hochdeutsch an. Sie war deutlich größer als wir und brachte es fertig, von einer unglaublich hohen Warte zu uns herunterzusprechen.

»Wir zerhacken den Schnee«, sagte ich nüchtern. Es klang wahrscheinlich wie »Miar vohacka dän Schnai«; wir Dorfkinder konnten praktisch kein Hochdeutsch.

Sie starrte mich an wie ein Insekt. »Wie bitte?«

Ich versuchte, mich verständlicher auszudrücken. »Wir machen die Schneeberge kleiner«, sagte ich langsam und so deutlich, wie ich konnte. »Wenn die Schneebrocken auf dem Asphalt liegen, schmelzen sie, und dann ist der Schnee weg.« Ich zeigte auf einen Klumpen, von dem ein breiter Streifen Wasser weglief.

»Und welchen Sinn hat das?«

Verwirrt starrte ich die Frau an. Wieso wusste sie das nicht? Jedem Kleinkind im Dorf war klar, warum man den Schnee zerhackte, sobald die Sonne schien.

Ich gab mir erneut Mühe, so deutlich wie möglich zu sprechen. »In der Sonne schmilzt der Schnee, so machen wir die Haufen kleiner. Und wenn es nächste Woche wieder schneit, haben wir Platz für den neuen Schnee. Sonst wüssten wir ja nicht, wohin damit – höher hinauf können wir den nicht schaufeln.« Ich wies auf den Haufen neben mir, über den nicht hinausschauen konnte.

Die Frau musterte mich, dann den weißen Haufen neben mir, zuletzt die schmelzenden Schnee- und Eisbrocken zu ihren Füßen. Vorsichtig ging sie weiter, setzte einen Fuß vor den anderen, so dass sie nicht mit dem Schnee in Berührung kam.

Noch einmal wandte sie den Kopf und musterte uns von oben nach unten. »Ihr zwei, ihr seid schon seltsame Schwabenkinder«, sagte sie dann.

Meine Schwester und ich sahen uns an. Sie verzog das Gesicht, ich hob die Schultern. Kurz sahen wir der Frau nach, die gemütlich weiter spazierte. Dann nahmen wir unsere Werkzeuge und setzten unsere Arbeit fort.

Der nächste Schnee kam schließlich bald.

10 März 2026

Catwoman auf Norwegisch

Dass ich die Comic-Figur Catwoman sehr mag, habe ich schon gelegentlich erzählt. Ich lese die aktuellen »Catwoman«-Bände sehr gern, weil sie spannend erzählt und gut gezeichnet sind. Aktuell gibt es eine neue Story, die bislang die Paperbacks drei und vier umfasst und die für sich gut verständlich sind – man braucht keinerlei Serienkenntnisse, um die packende Story gut zu verstehen und Freude daran zu haben.

Selina Kyle, die als Catwoman eigentlich damit beschäftigt ist, andere Leute zu bestehlen, wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Vor gut zehn Jahren war sie in Europa unterwegs und ließ sich damals auf eine gefährliche Familie ein. Als nun eine junge Frau ermordet wird, erkennt Selina Kyle, dass sie etwas tun muss, und reist nach Europa.

Verantwortlich für die neue Handlung, die in Berlin und Tokio, in Budapest und anderen Städten spielt, ist die norwegische Comic-Autorin Torunn Grønbekk. Bei den aktuellen Geschichten kommt sie komplett ohne Superhelden-Gedöns aus: Es gibt keine maskierten Wirrköpfe, keine Monster aus der Unterwelt, keine Außerirdischen. Stattdessen hat es Catwoman mit »ganz normalen« Drogenhändlern, Mördern und monströsen Familiengeschichten zu tun.

Klar sind die Action-Einlagen knallig, Catwoman ist auf ihre Art natürlich eine Superheldin. Aber erzählt wird vor allem eine Geschichte mit relativ normalen Menschen, die sich gegenseitig verfolgen und umbringen wollen. Das macht die Autorin hervorragend das las ich sehr gern.

Künstlerisch sind die aktuellen »Catwoman«-Bände ebenfalls gelungen. Die verschiedenen Zeichner sind sehr gut darin, Action, Landschaften, Gesichter oder auch Gebäude glaubhaft und realitätsnah darzustellen. So entstehen spannende Comic-Geschichten ohne viel Tiefgang – den ich hier auch nicht erwarte –, die sich flott lesen lassen.

Die Bände drei und vier der aktuellen »Catwoman«-Serie kann ich also nur empfehlen. Ein Blick auf die Internet-Seite bei Panini lohnt sich bestimmt; dort stehen Leseproben zur Verfügung.

09 März 2026

Schmutz- oder Hass-Kampagne?

Die Wahl in Baden-Württemberg ist vorüber, die Stimmen sind ausgezählt. Mit einem echt hauchdünnen Vorsprung hat der Kandidat der Grünen gewonnen. Ein türkischstämmiger Schwabe aus einer kleinen Stadt am Rand der Schwäbischen Alb wird wohl künftig »das Ländle« redigieren. Das finde ich als Schwabe gut.

Worüber ich mich am gestrigen Abend immer mehr ärgerte, während ich die Wahlberichterstattung anschaute, war der Vorwurf, die Grünen hätten eine Schmutzkampagne gegen die CDU geführt, die sogar »unter die Gürtellinie« gegangen sei. Gemeint war das wirklich peinliche Video des CDU-Kandidaten, in dem er sich vor acht Jahren über die »rehbraunen Augen« eines 16 Jahre alten Mädchens ausließ.

Wer ernsthaft behauptet, die Grünen hätten deshalb die Wahl gewonnen, hat in den vergangenen zwei Wochen keine Zeitung gelesen und keine Nachrichten geguckt. Die Christdemokraten haben die Wahl verloren, weil viele Wähler gemerkt habe, wie menschen- und wirtschaftsfeindlich diese Partei ist. Die potenziellen Wähler wurden beschimpft und als faul dargestellt, und die für teures Geld installierten Solaranlagen waren auf einmal nicht mehr viel Wert.

Fakt ist: Die Christdemokraten führen seit Jahren eine extrem zynische Hasskampagne gegen die Grünen. Anders kann man die Ausdrücke wie »Habecksches Heizungsgesetz« und den ideologischen Kreuzzug nicht bezeichnen. Vor allem Leute wie Jens Spahn zeichneten sich zuletzt durch Auftritte aus, bei den ich nur noch den Schaum vor dem Mund vermisste.

Als nächstes erwarte ich von der CDU, dass sie behauptet, die Wahl sei ihr gestohlen worden. So langsam würde mich das nicht mehr wundern ...

06 März 2026

Blick durch die Kunst-Lupe

Spaziert man durch Nantes, stolpert man an allen Ecken und Enden über Kunst. Vor allem die Insel der Maschinisten ist ein Gelände, auf dem sich Künstler aller Art austoben können. Zwischen ehemaligen Werftanlagen und Dockhallen sieht an Graffiti an den Wänden, erheben sich riesige Gummistiefel, die aussehen, als würden sie den daneben liegenden Kräutergarten bewachen, und es gibt entlang der Bras de Madeleine, des einen Arms der Loire, ein Geländer, auf dem Kreise aus Metall befestigt sind.

Es sind keine echten Lupen; wenn man durch die Kreise schaut, vergrößert sich nichts. Es ergeben sich aber immer wieder unterschiedliche Ein- und Ausblicke. Vor allem erhält man dank der Kreise einen schönen Blick auf die andere Seite des Flusses, je nachdem, wo man sich hinstellt und durch welchen Kreis man blickt.

Im Fall dieses Bildes blickte und fotografierte ich zu den alten Hafenanlagen auf der anderen Seite. Dort haben Künstler die alten Docks verschönert; die Hallen sehen dank der riesigen Schwarzweißbilder nicht schrottig oder heruntergekommen aus, sondern wie riesige Leinwände, auf denen man seltsame Gestalten, technische Gegenstände oder Comic-Figuren bewundern kann.

Faszinierend. Und immer wieder einen neuen Blick herausfordernd.

05 März 2026

Vinyl, aber nicht für mich

Das Einkaufszentrum steckte mitten im Umbau, und das merkte ich bei jedem Schritt, den ich zurücklegte. Maschinen lärmten, Männer und Frauen in Arbeitskleidung eilten durch die Gänge. Ich wollte eigentlich nur bummeln, weil ich wissen wollte, was sich wie veränderte, fand die Abläufe aber eher anstrengend.

Ich kam an der Buchhandlung vorbei, in der ich gerne einkaufte. Einige Regale gähnten leer, andere wurden gerade abgebaut. Einige Leute räumten Bücher in große Kisten und verluden sie auf Rollwagen, die schon bereitstanden.

Ich erkannte den Geschäftsführer, mit dem ich mich schon einige Male unterhalten hatte. Er stand zwischen Regalen und Bücherstapeln und wirkte auf mich sehr unglücklich.

Ich überlegte mir, ob ich ihn grüßen sollte, hatte aber Angst, ihn nur zu stören, und eilte weiter. Keine zehn Meter weiter waren die Reste eines Plattenladens, den ich in all den Jahren zuvor nie aufgesucht hatte. Diesmal blieb ich stehen: Der Laden wurde umgebaut, und man hatte einen Stand mit Singles und EPs aufgestellt.

»Die sind nichts für dich«, sagte ein Bekannter, der gerade vorbeikam und sich zu mir gesellte. »Die haben garantiert keine Musik, die dir gefällt.«

Da war ich mir sogar sicher. Es gab Gründe, warum ich in diesem Plattenladen nie zum Kunden geworden war. Doch nun stöberte ich interessiert durch die Vinylscheiben.

Nicht lang: Eigentlich boten die Singles alle nur Reden von Angela Merkel. Die Hüllen waren rot, das Bild der ehemaligen Kanzlerin war in krassem Schwarzweiß gehalten, so dass die Hülle der Vinylscheibe sogar künstlerisch wirkte. Aber eine Rede von Angela Merkel? Das war wirklich nichts für mich.

Kopfschüttelnd ging ich weiter. Vielleicht war es besser für mich, das Einkaufszentrum zu verlassen. Da wachte ich auf.

04 März 2026

Fassdenklettern und andere Probleme

Der Splitter-Verlag ist vor allem durch seine hervorragenden Comics in den Bereichen Science Fiction und Fantasy bekannt geworden. Seit einigen Jahren zählt aber auch die Serie »Die vier von der Baker Street« zu seinem Programm. Ich las dieser Tage den aktuellen Band, die Folge zehn, die den Titel »Das Schwarze Museum« trägt.

Die Handlung spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Während England zur weltweiten Großmacht aufgestiegen ist, leben viele Menschen in London immer noch im Elend. Straßenkinder müssen sich mit allem durchschlagen, was sie an Witz, Intelligenz und Härte aufzubringen haben. Da ist es schon gut, wenn man ab und zu für den berühmten Sherlock Holmes arbeiten und sich damit einige Münzen verdienen kann.

Erzählt wird von drei Jugendlichen und einem Kater – sie sind die vier aus der Baker Street –, die immer mal wieder Sherlock Holmes zur Hilfe eilen, ansonsten aber ihre eigenen Fälle lösen. Da sie aber in einem Milieu verkehren, in dem Kriminalität normal ist, werden sie häufig in Konflikte hineingezogen. Davon erzählt »Das Schwarze Museum«.

Ohne ins Detail zu gehen: Die Jugendlichen schlagen sich mit einer Straßenbande herum, es kommt zu Entführungen und Morden, es gibt einen Einbruch bei Scotland Yard, und Sherlock Holmes sowie Doc Watson müssen sich ebenfalls engagieren. Die Handlung ist turbulent, die Szenen wirken sehr realistisch.

Auch wenn die Helden eigentlich Jugendliche sind, ist das ein Comic, der sich an Erwachsene richtet. Da fließt schon mal Blut, da gibt es hässliche Kämpfe. Das aber wird so mitreißend erzählt und gezeichnet, dass es mich immer wieder aufs Neue begeistert. »Die vier von der Baker Street« ist eine Comic-Serie, die ein größeres Publikum verdient hätte!

03 März 2026

Auf der Jagd nach einem teuren Buch

Philip St, Ives ist ein ungewöhnlicher Held für eine Krimi-Serie: Er ist keiner von den »Guten«, weder ein Polizist noch ein Privatdetektiv, aber er gehört auch nicht zu den Gangstern. Er sieht sich als Mittelsmann, und als solcher vermittelt er beispielsweise zwischen Dieben und Eigentümern, wobei er für ein gewisses Honorar nur gewisse Risiken eingeht.

Philip St, Ives ist die Hauptfigur einer Reihe von Krimis, die der amerikanische Autor Ross Thomas verfasst hat. Zuletzt las ich »Keine weiteren Fragen«, der 1976 zum ersten Mal erschienen war, der im gleichen Jahr als Ullstein-Krimi in deutscher Sprache veröffentlicht wurde und der seit einiger Zeit in einer Neuübersetzung von Gisbert Haefs vorliegt – und das ist ein echtes Qualitätsmerkmal.

Worum geht's? Ein Buch ist verschwunden, das gut eine Dreiviertelmillion Dollar wert sein soll. Als Mittelsmann soll sich St. Ives darum kümmern, das Buch von den Dieben – sie sind zugleich Erpresser – zurückzuholen. Die Übergabe geht schief: Er wird niedergeschlagen, und am Ende liegt auch noch eine Leiche im Schnee von Washington.

Im weiteren Verlauf der Geschichte reist St. Ives nach Los Angeles, wo er sich mit der Halb- und Zwischenwelt der kalifornischen Metropole herumschlagen muss. Das alles schildert der Autor mit viel Liebe zum Detail und einem unglaublich trockenen Stil. Die Dialoge sind auf den Punkt gebracht, die einzelnen Sätze sind lakonisch; das ist mal witzig und mal dramatisch, aber nie langweilig.

Dabei wird der Zeitgeist der 70er-Jahre gut wiedergegeben. Mit Ironie und Sarkasmus blickt der Autor durch die Augen seiner Figuren auf die Welt; manche Anspielungen auf Politiker oder aktuelle Ereignisse sind heute nicht mehr völlig verständlich, aber die kann man auch überlesen.

»Keine weiteren Fragen« ist erneut ein großartiger Krimi, der mich begeistert hat. Man kann ihn ohne jegliche Vorkenntnis anderer St.-Ives-Fälle lesen und hat dabei sicher großen Spaß. Erschienen ist der Roman im Alexander-Verlag, der alle Romane von Thomas Ross in einer schönen Neuauflage veröffentlicht hat.

02 März 2026

Ein mächtiger Gegner in Kanada

Kanada ist ein großes Land, das ich noch nicht bereist habe, über das ich seit Jahren aber immer wieder gerne lese. Da kommt mir eine Fernsehserie gerade recht, die in Kanada spielt, die als Thriller daherkommt und die unterm Strich ganz schön »Öko« ist. Ich meine »Ein mächtiger Gegner«, einen Sechsteiler, den man sich bei ARTE in der Mediathek anschauen kann und den ich hiermit empfehlen möchte.

Es geht um Lithium, das in der kanadischen Provinz Québec gefördert werden soll. Eine engagierte Anwältin soll für die Kanzlei, in der sie tätig ist, das entsprechende Geschäft abwickeln; es geht um richtig viel Geld. Doch auf einmal wird sie in einen Mordfall verwickelt, der auf den ersten Blick nichts mit ihrer Arbeit zu tun hat. Als sie anfängt, allerlei Fragen zu stellen, wird schnell klar, wie eng die Interessen der Wirtschaft mit denen der Politik verbunden sind.

Die Serie ist geradlinig erzählt, die Figuren handeln zumeist recht glaubwürdig, das ist alles gut gefilmt und gemacht. Der Wandel der Anwältin und ihres Partners geht mir ein wenig zu schnell, aber das ist Geschmackssache.

Was mir gut gefiel: Die Serie macht klar, dass nicht alles schwarzweiß ist. Das Lithium wird benötigt, wenn man die Energiewende gelingen soll – aber kann man dafür die Natur in einer großen Region einer kanadischen Provinz vernichten?

Eine spannende Serie, die starke Bilder von kanadischen Wäldern zeigt und einem klarmacht, dass eine solche Natur nicht zerstört werden darf!

27 Februar 2026

Ein richtiger Punk?

Wenn ich meine Texte für das OX schreibe – zum allergrößten Teil meinen ich damit die Folgen meines Fortsetzungsromans »Der gute Geist des Rock'n'Roll« –, versuche ich immer, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen: Innerhalb der einzelnen Folge soll so viel Handlung sein, dass die einzelne Folge für sich gelesen werden kann. Sie soll ein wenig vom Lebensgefühl der neunziger Jahre einfangen. Und sie darf ein bisschen »Philosophieren« über Punkrock enthalten, sofern ich dafür überhaupt in der Lage bin.

In der aktuellen Folge 59, die in der Ausgabe 184 des OX-Fanzines erschienen ist, im ersten Heft des Jahres 2026 also, lasse ich einen Teil der Handlung im Keller des besetzten Hauses spielen. Gemeint ist natürlich die »Steffi« in Karlsruhe, die im Jahr 1996 praktisch mein erweitertes Wohnzimmer war, vor allem die wunderbare Haifischbar im Keller.

Es gibt einige Gespräche über Musik: Damals gaben einige Leute ihre Spekulationen zu HipHop und Elektro-Musik ab und lagen damit natürlich falsch. Und es gibt einige Fragen zur damals immer wieder wichtigen Frage, was denn ein »richtiger Punk« sei. Mir wurde nicht nur einmal vorgeworfen, ich sei kein »richtiger Punk«, was mir ziemlich egal war; schließlich ging ich jeden Tag zur Arbeit und kümmerte mich um eine Raketenheftchenserie.

Falls ich aus all diesen Fortsetzungen jemals einen Roman in Buchform zimmern werde, kann ich solche Gespräche wohl drin lassen. Die sind gewissermaßen zeitlos und nicht nur ein Chronistenblick ins Jahr 1996.

26 Februar 2026

Bade-Kunst am Fluss

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Als ich 2007 in Singapur unterwegs war, fotografierte ich viel. Vor allem machte ich zahlreiche Bilder von ganz normalen Gebäuden, gewissermaßen als Recherche für den Thriller, an dem ich zu dieser Zeit schrieb und der ja leider nie fertig wurde. Google Street View gab es damals noch nicht, und ich wollte ein möglichst authentisches Bild der asiatischen Metropole in meinem Roman präsentieren. Dazu gehörte auch, dass die Szenerie stimmte.

Wer durch Singapur spaziert oder fährt – die wenigsten Leute spazieren dort, wie ich nicht nur einmal feststellte –, sieht anfangs die großen Gebäude und die Malls, vielleicht auch die Polizei und die moderne Bahn. Aber er oder sie nimmt nicht unbedingt die Details wahr; für die braucht man dann doch ein bisschen Zeit und Muße.

Am Singapore River ging ich mehrfach an einem Kunstwerk vorbei, das mich verblüffte: junge Menschen, die sich anschicken, ins Wasser zu springen – so zumindest wirkt es auf mich. Doch der eine Junge hat den Mund offen, als ob er schreie würde. Es sieht nicht so aus, als hätte er Freude an dem, was er tut. Schreit er vor Angst?

Ich habe es nie erfahren, ich habe auch nie gefragt. Schaue ich mir das Bild heute an, befremdet es mich immer noch.

25 Februar 2026

»Die drei Fragezeichen« als Erwachsene

Viele Menschen im deutschsprachigen Raum wuchsen mit drei jungen Detektiven auf, die in Rocky Beach ermitteln, einer fiktiven Stadt in Kalifornien. Die Namen Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sind ihnen aus zahlreichen Romanen und Hörspielen bekannt, vielleicht auch aus dem Kinofilm; »Die drei Fragezeichen« sollten allgemein ein Begriff sein.

Mit »Die Auferstehung« legte Andreas Eschbach vor einigen Monaten einen Roman vor, der die drei Detektive als Erwachsene zeigt und erneut in einen Fall verwickelt. Das Buch war sehr erfolgreich und platzierte sich gleich auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten.

Der Titel des Romans ist doppelsinnig zu verstehen: Bei dieser Auferstehung geht es natürlich um die Auferstehung des ehemaligen Detektiv-Trios. Aber beim eigentlichen Fall spielt dieses Wort ebenfalls eine bedeutende Rolle: Eine junge Frau, die vor sieben Jahren im Urwald des Amazonas-Gebiets verschollen ist und eigentlich als tot gilt, kehrt auf einmal zurück. Ist sie von den Toten auferstanden? Steckt vielleicht mehr dahinter? Wie ist diese Auferstehung möglich geworden?

Geschickt führt Andreas Eschbach in das Geschehen ein. Die drei Hauptfiguren sind längst keine Freunde mehr; sie haben sich entfremdet und zerstritten, und sie leben an unterschiedlichen Orten. Nur Justus Jonas bewohnt immer noch das Gelände des Schrottplatzes, von dem aus stets die Abenteuer der »drei Fragezeichen« begonnen haben. Dort ist erstaunlich viel von dem geblieben, was die Jungs von damals verbunden hat.

Der Autor zeigt, wie die drei Freunde sich in ihrem aktuellen Leben eingerichtet haben, wie sie aber »Die drei Fragezeichen« immer noch verbindet. Unabhängig voneinander kommen sie in Kontakt zu dem Fall der plötzlich aufgetauchten Frau – um dann festzustellen, dass sie Jahrzehnte nach ihrem großen Streit wieder zusammenarbeiten müssen. Das schildert der Autor in spannender Weise, es ist menschlich immer klar und eindeutig, und man folgt den Gedankengängen und Taten der drei Helden mit wachsendem Interesse.

Für Fans der Serie enthält »Die Auferstehung« gelegentlich Anspielungen auf frühere Romane und Hörspiele; mir sagten die allesamt nichts mehr, was aber nicht störte. Letztlich wird damit vermittelt, wie wichtig die drei Jungs waren und wie erfolgreich sie in ihrer Jugend zusammenarbeiteten. Daran müssen sie aufs Neue anknüpfen.

Eschbachs Roman ist spannend erzählt und lässt sich sehr angenehm lesen. Man folgt bereitwillig den drei Männern, die sich in einen Fall verstricken, der auch mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun hat. Der Autor weiß, wie er seine Leserinnen und Leser packt – die Lektüre fesselte mich über die gesamte Länge des Buches hinweg. Wer packende Thriller oder Krimis mag, sollte »Die Auferstehung« antesten – Fans der »drei Fragezeichen« sollten es auf jeden Fall durchschmökern!

Der Roman ist als schön gestalteter Hardcover-Band im Kosmos-Verlag erschienen, der auch die verschiedenen Reihen mit den »drei Fragezeichen« veröffentlicht. Das Buch ist 448 Seiten stark und kostet 24,00 Euro; das E-Book gibt es für 19,99 Euro.

Man kann den Roman in jeder Buchhandlung bestellen; die ISBN 978-3-440-17974-1 kann dabei hilfreich sein. Versender wie der PERRY RHODAN-OnlineShop bieten es ebenfalls an. Auf der Internet-Seite des Kosmos-Verlages gibt es weitere Informationen und Hintergründe.

(Diese Rezension kam bereits im Januar 2026 auf der PERRY RHODAN-Seite. Hier wiederhole ich sie aus dokumentarischen Gründen.)

24 Februar 2026

Der Machtwechsel wird aktiver

Ich wurde im Verlauf der vergangenen eineinhalb Jahre zu einem echten Fan des Podcasts »Machtwechsel«. Das merkt man daran, dass ich bei diesem Podcast auch Folgen nachhöre, die ich beispielsweise während eines Urlaubs verpasse. Er ist immer hörenswert, und ich bin gespannt darauf, wie sich das Projekt weiter entwickeln wird.

Verantwortlich für den Podcast sind Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander; die beiden waren bis Ende 2025 bei Verlagshäusern angestellt und haben sich mit ihrem Podcast selbständig gemacht. Robin Alexander dürfte für seine häufigen Auftritte im Fernsehen den einen oder anderen Euro erhalten, dazu kommen bei beiden Honorare aus Buchverkäufen, publizistischen Beiträgen und sonstigen Auftritten. Man muss sich wohl keine Gedanken darüber machen, dass einer der beiden demnächst im sozialen Elend landen wird.

Der Podcast gefällt mir deshalb so gut, weil Politik in lebendiger Weise erklärt wird. Da gibt es eben auch Hintergrundberichte zu einem CDU-Parteitag, die mir klarmachen, wie die Abläufe und die »Choreografie« dort sind. So etwas finde ich spannend, und anscheinend bin ich nicht der Einzige, der das so findet. Die beiden Journalisten hatten sogar den Bundeskanzler zum exklusiven Interview, das ich mir übrigens komplett anhören konnte.

Ganz klar: Die beiden sind nicht »links«, was immer das in diesen Zeiten auch heißen mag. Sie sind konservativ und beziehen durchaus mal Stellung; die Analysen des Politikbetriebs sind aber immer klarsichtig und journalistisch sauber.

Derzeit ist tatsächlich spannend, wie die beiden ihren Podcast ausbauen: Künftig soll er zweimal wöchentlich erscheinen; man will eine Community aufbauen und bietet ein eigenständiges Abonnement-Modell an. Schauen wir mal, wie sich das alles umsetzen lässt!

(Ach ja: Wer das auch mal anhören mag, gucke bei Spotify oder sonstwo nach dem Podcast. Man findet ihn überall dort, wo man auch sonst Podcasts finden kann.)

Comic-Dreiteiler über eine Insekten-Zukunft

Irgendwann in einer Zeit, die sehr weit von der unsrigen entfernt ist: Die Menschheit scheint ausgestorben, doch ihre Hinterlassenschaften bedecken immer noch das Land, vor allem der Kunststoff ist geblieben, allgemein nur als »Plastok« bezeichnet. In dieser Zeit sind die Insekten irgendwie intelligent geworden, haben Staaten gegründet und leben mehr schlecht als recht zusammen – Ameisen und Käfer, Wespen und Schmetterlinge. Die Menschen werden als Götter verehrt oder als »die Großen« bezeichnet. Blattläuse werden in dem Staatswesen, das die Insekten aufgebaut haben, als geringwertig angesehen.

Doch dann wird die Hohepriesterin, die sich mit den verschwundenen Göttern beschäftigt hat, bei einem Attentat getötet. Der Einzige, der als Mörder in Frage kommt, ist ausgerechnet eine Blattlaus. Sie ist unschuldig, was sie auch beteuert, was ihr aber niemand glaubt. Doch dann wird die Laus aus dem Gefängnis befreit, und sie stolpert geradezu durch die Welt, trifft auf Insekten, die ihr helfen, und ebenso Insekten, die sie bekämpfen. Und ganz nebenbei findet die Blattlaus die Ursache für den Götterglauben …

So lässt sich die Handlung der skurrilen Trilogie »Plastok« zusammenfassen, die als ein gelungener Comic-Dreiteiler erschienen ist. Ob man das nun als Science Fiction bezeichnet, weil die Handlung in ferner Zukunft spielt, oder als Fantasy, weil die Insekten sich sehr menschenähnlich verhalten und miteinander sprechen können, ist dabei wohl gleichgültig. Entstanden ist ein ungewöhnliches Abenteuer, das prächtig unterhält und künstlerisch sehr eigenständig wirkt.

Für die Geschichte verantwortlich zeichnen Maud Michel und Nicolas Signarbieux; anfangs schrieb Maud Michel allein die Texte, später wurde Signarbieux immer wichtiger. Die Geschichte nimmt ihr Thema ernst, was ich gut finde: Zwar gibt es immer wieder einen grimmigen Humor, aber es gleitet nie ins Alberne ab. Für Kinder ist der Comic-Dreiteiler eher nichts, auch wenn allerlei Insekten durch die Handlung krabbeln – es kommt zu durchaus heftigen Kämpfen, bei denen Köpfe fliegen oder die Gegner aufgefressen werden.

Die Geschichte wird spannend erzählt, die Handlung verläuft recht geradlinig. Schön fand ich, dass die Insekten in ihren Sitten und Gebräuchen durchaus unterschiedlich dargestellt werden – auch wenn sie natürlich ein eher menschliches Verhalten aufweisen. Wer mag, kann diesen Comic sowieso als eine politische Darstellung lesen, bei der die Insekten eben die Rolle menschlicher Vorbilder einnehmen.

Rein künstlerisch ist Nicolas Signarbieux weit entfernt vom klassischen Funny-Stil, wobei es ohnehin albern gewesen wäre, Wespen oder Marienkäfer mit Knollennasen darzustellen. Realismus weist sein Comic ebensowenig auf, es ist schon eher ein humoristischer Stil, aber eben sehr eigenständig. Die Linien sind klar, die Farben zurückhaltend. Ich empfehle, die Leseprobe zu betrachten, die sich auf der Internet-Seite des Splitter-Verlags findet.

Alles in allem ist »Plastok« eine sehr gelungene und sehr kurzweilige Trilogie: Die Handlung steigert sich kontinuierlich, es gibt die eine oder andere Überraschung, und am Ende verblüfft ein hübscher Knalleffekt. Empfehlenswert!

(Die Rezension erschien bereits im Dezember auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Da sie von mir stammt, kann ich sie ja auch gut an dieser Stelle wiederholen ...)

23 Februar 2026

In der »SERAPH«-Jury

Es ist schon einige Jahre her, seit ich das letzte Mal in einer Jury teilnehmen durfte. Vor einigen Jahren bereits war ich in der Jury für den »SERAPH« für den besten Debüt-Roman des Jahres; 2009 war ich in der Jury für »Magische Bestseller« beim Heyne-Verlag, was damals als richtig viel Arbeit erwies.

Und nun haben wir 2026, und ich lese mich durch einen dicken Stapel an Büchern. Ich bin in der Jury für den »SERAPH«, in diesem Fall für das beste Buch 2026. Das klingt verwirrend. Gemeint ist eigentlich: das beste Buch aus Science Fiction, Fantasy und Horror, das 2025 im deutschen Sprachraum erschienen ist.

Als Juror erhielt ich einen Packen an Dateien; weil ich nicht gern digital lese, forderte ich einige Rezensionsexemplare bei Verlagen an, kaufte mir aber zudem kurzerhand einen Stapel Bücher. Ich habe die Bücher gern in der Hand und lasse mich von den Romanen dann richtig einfangen.

Bis Ende der Woche muss ich mein Ergebnis liefern. Ich bin noch unentschlossen, auch wenn ich mir bereits einen sehr guten Eindruck verschaffen konnte. Es ist eine Reihe richtig guter Romane in der Auswahlliste; ich stellte verblüfft fest, dass ich auch einen Titel aus der Rubrik Romantasy klasse fand. Ein Beleg dafür, dass gute Autorinnen und Autoren in jedem Genre gute und schlechte Werke abliefern können.

Ich werde einige der Romane erst zu Ende lesen, nachdem ich mein Votum abgegeben habe. Und ich werde sicher eine Reihe von Rezensionen dazu verfassen. 2025 war ein gutes Jahr für die phantastische Literatur, finde ich!

13 Februar 2026

Architektur und Stadtraum

Ich bin ein großer Fan der Schlosslichtspiele Karlsruhe und freue mich, dass die auch in diesem Jahr stattfinden. Die Stadt muss zwar sparen und kürzt überall die Mittel, aber man hält an den Projektionen fest, die im Sommer die Fassade des Schlosses strahlen lassen. Seit 2015 gehören die Schlosslichtspiele zum Sommerprogramm der Stadt und müssen meiner Ansicht nach unbedingt erhalten bleiben.

Für 2026 gibt es bereits erste Informationen. Der etwas hochtrabende Titel lautet: »Lightyard Stories: Visionen urbaner Lebensräume«; man will sich mit den Themen Architekt und Stadtraum beschäftigen. Freuen kann man sich schon jetzt auf Beiträge aus Singapur, Tschechien und Indien –Künstler und Gruppen aus diesen Ländern haben einen Förderpreis gewonnen, den eine örtliche Bank ausgeschrieben hat, und können die Preisgelder nun für ihre Installation einsetzen.

Man kann sich immer darüber streiten, wofür eine Stadt Geld ausgeben will oder nicht. Muss ausgerechnet bei der Kunst gespart werden, braucht man so viele Kinderspielplätze, und müssen alle Vereine gefördert werden?

Ich kenne mich zu wenig aus, um Fragen dieser Art seriös beantworten zu können. Dass die Schlosslichtspiele weiterhin gefördert werden, freut mich also aus rein subjektiven Gründen.

Sie laufen vom 13. August bis 13. September 2026. Ich bin dabei, nicht nur einmal – schließlich wechselt das Programm täglich.

12 Februar 2026

Die Stars aus New York

Ulli holte mich ab; wenn er von seiner Wohnung zum Konzertort ging, kam er praktisch an dem Häuserblock vorbei, in dem ich wohnte. Wir tranken bei mir noch ein Bier und spazierten durch die Straßen. Es war der Mittwoch, 8. September 1999, ein echter Sommertag in Karlsruhe, an dem es sinnvoller war, im Grünen zu sitzen und Bier zu trinken, als sich in einen Keller zu begeben, um sich Krachmusik anzugucken.

Aber unsere Absicht war klar: »Wenn schon mal die Stars aus Amiland bei uns sind, sollten wir uns die nicht entgehen lassen«, argumentierte Ulli. Sick Of It All hatte ich schon mehrfach gesehen, die kannte ich quasi. Die Band aus New York bot üblicherweise nicht nur knalligen Hardcore-Punk, sondern turnte auf der Bühne auch ganz gut herum. Mit ihnen sollten Good Riddance auftreten, eine neuere Band, die ich bislang nur von den Platten her kannte und schon immer mal sehen wollte.

Wir hatten uns keine Karten im Vorverkauf geholt. »Karten im Vorverkauf – das ist doch kein Punk«, da waren wir uns völlig einig. Weil wir unterwegs an einem kleinen Supermarkt vorbeikamen, besorgten wir uns noch ein Sechserpack mit Bier besorgt. Man wusste ja nie, wann ein Konzert wirklich losging, und so hofften wir darauf, vorher ein bisschen trinken zu können.

Als wir das Gelände an der Verkehrskreuzung erreichten, in deren Untergrund sich das »Substage« befand, stellten wir fest, dass wir nicht die einzigen waren, die auf die Idee gekommen waren, spontan loszugehen. Dutzende von Leuten, sicher mehr als hundert, lungerten um die Treppen herum, die in den Keller führten; sie alle brauchten noch eine Eintrittskarte, stellten sich an, um zu bezahlen und das Konzert zu besuchen.

»So ein Mist!«, schimpfte Ulli.

Auch ich war einigermaßen genervt. »Da stellen wir uns nicht an. Das ist mir zu blöd.«

Schnell waren wir uns einig. Wir setzten uns auf die Treppe, nicht ganz am Anfang, aber weit genug oben, damit wir noch die Sonne abbekamen, und machten unsere ersten Biere auf. So wurden wir Zeugen des fröhlichen Treibens, das sich auf der Treppe entwickelte. Wir bekamen vor allem viele Freunde und Bekannte und allerlei Arschlöcher zu sehen.

Vor allem von letzterer Gattung waren verdammt viele da. Ich hatte den Eindruck, dass jeder Nachwuchs-Hool aus dem Karlsruher Dorfumland anwesend war, dazu haufenweise Mode-Hardcores, Bodybuilder und Metal-Deppen. Es war eine zeitweise erschreckende Meute, die sich die Treppe hoch- und wieder hinunterquälte.

»Boah, was für Leute!«, schimpfte ich. »Für die ist Hardcore doch echt nur noch eine Mode, die haben doch nichts mit alledem zu tun. Um irgendwelche Inhalte geht’s solchen Bodybuildern nicht.«

»Meinst du nicht, dass du ein wenig verallgemeinerst?« Ulli grinste. Er wusste, wie er mich auf die Palme bringen konnte.

»Vielleicht, kann sein.« Ich gab mir Mühe, nicht weiter aufzuregen. »Aber die Kerle hier sind doch so viel ›True Hardcore‹ wie meine Mutter echt.«

»Mach dir nicht ins Hemd. Wir schreiben 1999 und nicht mehr 1989. Irgendwelche Vergleiche vom heutigen Hardcore zu den 80er-Jahren müssen einfach schiefgehen.«

Ich grummelte vor mich hin, kriegte mich aber wieder ein. Im weiteren Verlauf des Abends kamen genügend Leute vorbei, die wir kannten und mochten. Manche blieben für ein Bier und einen kurzen Schwatz bei uns stehen; manche stellten sich zum Rauchen neben uns.

Irgendwann spielte die erste Band; man konnte sie von unserer Lage aus gut hören. Wir entschlossen uns trotzdem, den Abend auf der Treppe zu verbringen. Der Eintrittspreis von 24 Mark war uns sowieso zu hoch; wir hätten es uns leisten können, entschlossen uns aber, das Geld lieber in Bier zu investieren. Unterhaltsamer schien das sowieso zu sein.

Good Riddance klangen ganz gut, zumindest kam bei uns der Sound in erstaunlicher Qualität an. »Sagen wir so«, lästerte Ulli, »hier oben klingt es ziemlich zermatscht – aber das tut’s im Keller ja auch.« Der Sound im »Substage« galt schon immer als eher schlecht, was nicht störte, wenn man einige Biere im Kopf hatte.

Nachdem erste Band ihren Auftritt beendet hatte, strömten viele Konzertbesucher ins Freie. Micha, der Sänger der lokalen Hardcore-Band Diavolo Rosso, hatte kein Lob für die Band übrig und verschwand mit schlechter Laune. Er meinte, Good Riddance seien richtig schlecht gewesen: »Keine Ansagen, pure Rock-Show, das war’s.«

Andere Besucher äußerten sich positiv. Die Kalifornier hätten eine großartige Show hingelegt, sie waren völlig euphorisiert. »Die Geschmäcker sind eben verschieden«, gab ich eine Binsenweisheit von mir und trank noch ein Bier.

Als Sick Of It All im Keller des »Substage« anfingen, stieg die Stimmung. Aus dem Eingang drangen Wasserdampf und Hitze, der Saal schien zu kochen. Ich überlegte mir einen Moment, ob ich mir das Konzert doch anschauen sollte, ließ es dann aber doch sein. Die Band hatte ich schließlich mehrfach gesehen, das war also nichts Neues. Auf der Treppe hörten wir noch genug, unser Bier war preiswerter, und wir hatten schnell einen Nachschub organisiert, und wir hatten genügend Gesprächsstoff.

Der Abend endete irgendwann zwischen Treppe und Südweststadt. Wir waren alles andere als nüchtern, aber mit dem eigentlichen Abend zufrieden. (Und das ist wohl der Grund, warum ich Good Riddance nie live sah, auch wenn ich die Platten der Band mochte …)
 

(Eine Kürzestfassung dieses Textes erschien in meinem Egozine »Superklaus«, in der ersten Ausgabe, die im Januar 2000 veröffentlicht wurde.)

11 Februar 2026

Ein SF-Klassiker, das schon …

Ich kannte »Tuzub 37« schon lange vom Titel her, gelesen hatte ich den Roman nie. Er gilt als einer der großen Klassiker der deutschsprachigen Science Fiction, auch wenn dieser Begriff damals nicht auf ihn gemünzt wurde. Seit einiger Zeit liegt er als schöne Hardcover-Ausgabe im Hirnkost-Verlag vor, und deshalb las ich ihn endlich.

Sagen wir so: Wer ausschließlich Science Fiction mag, die unterhaltsam ist und die eine spannende Vision der Zukunft entwirft, ist hier falsch. Der Roman trägt den Untertitel »Mythos von der grauen Menschheit oder von der Zahl 1« und ist von einer depressiven Grundstimmung erfüllt. Wie der Autor Paul Gurk es schaffte, so ein Werk im Jahr 1935 zu veröffentlichen – also in den Anfängen der Nazi-Zeit –, ist mir wirklich schleierhaft.

Bei dem Roman handelt es sich um eine düstere Dystopie einer Zukunft, die nicht mit einer Jahreszahl gekennzeichnet ist. Längst wird die Erde in dieser Zeit von den Grauen bewohnt, den Maschinenmenschen, also den Nachkommen der heutigen Menschen. Eigenständiges Denken und Handeln ist unerwünscht, es gilt, effizient zu arbeiten – und das idealerweise rund um die Uhr. Störende Elemente wie Berge werden planiert, Tiere und Pflanzen ausgerottet, Zeugnisse menschlicher Kultur ausgelöscht.

Was bleibt, ist eine Gesellschaft, die von grauen Menschenmassen beherrscht wird, die stumpf und kalt ihre Aufgaben erfüllen. Wenn es zu Unglücken kommt und die Grauen daran sterben, wird das als Fehler betrachtet – aber niemand trauert, denn die Maschinen müssen schließlich weiter an ihren großen Projekten arbeiten.

Der Stil ist kalt und nüchtern, meist sehr distanziert. Es gibt keine Figur, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird. Trotzdem erzeugt der Autor immer wieder phantastische Bilder: wenn die Grauen marschieren, wenn die Berge niedergewalzt oder die Meere ausgetrocknet werden. Das ist interessant zu lesen, das entfaltet seinen eigenen Reiz.

Spannend ist der Roman nicht. Ich halte ihn für wichtig und finde es gut, dass es eine Neuauflage mit entsprechenden Begleittexten gibt. Wer sich für die Anfänge der Science Fiction interessiert, sollte »Tuzub 37« auf seine Leseliste setzen, kann aber nicht auf eine freudiges Lektüre hoffen.

10 Februar 2026

Märchenhafte Fantasy in zwei Bänden

Ein Mädchen kommt im Wald zu sich, es ist nackt und hilflos. In seinen Erinnerungen lodern Flammen, seine Zukunft ist ihm unklar. Doch dann trifft es auf die Angehörigen des Kleinen Volkes, die es bei sich aufnehmen. Dabei stellt sich allerdings eine Frage: Ist das wirklich so klug? Ist das Mädchen nicht vielmehr eine Gefahr?

Mit dem Comic-Zweiteiler »Brindilla« präsentiert der Splitter-Verlag eine Fantasy-Geschichte, die märchenhafte Züge aufweist, aber nicht für Kinder gedacht ist und auf Kitsch völlig verzichtet. Es tauchen allerlei Fabelwesen auf, gleichzeitig aber gibt es eine finstere Horde, die dem Mädchen folgt und nichts als Tod und Vernichtung im Sinn hat.

Das Szenario für den Comic stammt von Frédéric Brrémaud, dem es gelingt, mit wenigen Dialogen eine wunderbare Fantasy-Welt zu erschaffen. Die Figuren sind schön geschildert, es gibt immer wieder eine Prise Humor, die phantastische Welt funktioniert – sehr gelungen!

Wobei die Geschichte vor allem durch die wunderbaren Illustrationen von Federico Bertolucci überzeugt. Sie zeigen einen verwunschenen Wald mit zahlreichen Details, sie setzen die junge Hauptperson ebensogut in Szene wie die phantastischen Lebewesen, auf die Brindilla trifft. Viele der Seiten sind so, dass man sie nach erfolgter Lektüre auch gern ein zweites und drittes Mal betrachtet.

Ein starker Doppelband, der eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt!

09 Februar 2026

Startnext für Hirnkost

Wie bereits im Dezember 2025 bekannt gegeben wurde, ist der Hirnkost-Verlag in die Insolvenz geraten. Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne soll der Verlag nun gerettet werden – Details kann man an den entsprechenden Stellen im Netz nachlesen.

Die Kampagne läuft noch in dieser Woche, und es fehlt eine Menge an Geld. Sie läuft über Startnext, und dort kann man relativ einfach auch bezahlen.

Ich finde: Hirnkost ist ein Verlag, der viele lesenswerte Bücher veröffentlicht. Man muss nicht alles gut finden, was dort herauskommt – Geschmäcker sind verschieden –, aber die Mixtur aus Punkrock und Science Fiction, aus Graphic Novel und Sachbuch, Roman und Kurzgeschichtensammlung ist schon sehr einmalig. Und es wäre extrem schade, wenn es die bald nicht mehr geben würde.

Deshalb hier mein Hinweis: Besucht die Startnext-Seite oder zumindest den Hirnkost-Shop und handelt entsprechend ...

KI, Autoren und ein Podcast

Wie ist das mit dem Schreiben von Romanen und dem Nutzen der sogenannten Künstlichen Intelligenz? Das Thema beschäftigt derzeit viele Menschen, und da finde ich es interessant, wenn es in einer Podcast-Folge näher beleuchtet wird. In diesem Fall ist es eine Folge von »Lesart«, einem Angebot des Deutschlandfunks.

Vorgestellt werden ein Autor und eine Autorin, die im Podcast davon erzählen, wie sie Künstliche Intelligenz einsetzen. Mit dabei ist Juri Pavlovic, die als Autorin im phantastischen Umfeld unterwegs ist und im Amrun-Verlag veröffentlicht. Ein sehr empfehlenswerter Podcast mit faszinierenden Einblicken in die Arbeit der beiden – als Zuhörer konnte ich mir da schön eine eigene Meinung bilden …

06 Februar 2026

Wenn Hermine anfragt …

Eigentlich betreibe ich mein privates »Social Media« sehr planlos und ohne viel Engagement. Ich will ja auch weder etwas verkaufen, noch meine politischen Ansichten stark unter die Menschheit werfen. 

Aus diesem Grund bekomme ich nicht sofort mit, wenn eine neue Freundschaftsanfrage eintrifft, und ich kümmere mich zu selten darum, diese Anfragen zu prüfen. Viele lehne ich ab, weil ich die Leute nicht zuordnen kann, bei anderen freue ich mich sehr.

Aber dann gibt es solche, bei denen ich mich eigentlich nur frage, wer den Bot eigentlich programmiert hat. So meldete sich dieser Tage eine attraktive junge Frau namens Hermine Ribbentrop bei mir. Das Profil schaute ich mir genauer an; das war schon eine Pflicht als historisch interessierter Mensch.

Ich meine … Hermine als Name ist ja ziemlich nett, da kommen alle möglichen »Harry Potter«-Erinnerungen in mir hoch. Aber »Ribbentrop«? Echt jetzt? Bei diesem Namen denkt jeder Mensch, der halbwegs gebildet ist, an den ehemaligen Nazi-Außenminister während des Dritten Reiches.

Schweren Herzens entschloss ich mich dann doch, Hermine Ribbentrop und ihre Freundschaftsanfrage abzulehnen. Ich glaube, wir wären keine richtig guten Freunde oder Freundinnen geworden …

05 Februar 2026

Schwäbisch wählen

Wir kamen im Gespräch von einem Thema zum anderen, und so landeten wir tatsächlich bei der Landtagswahl. »Weißt du schon, was du wählen wirst?«, fragte mich mein Bekannter. »Oder wirst du ungültig wählen, weil du eh mit allen Politikern unzufrieden bist?«

Ich überlegte kurz, ob ich ernsthaft antworten wollte, und entschied mich zu: »Ich wähle schwäbisch.« Weil mein Gegenüber verwirrt guckte, schob ich nach: »Ich wohne zwar in der badischen Hauptstadt, bin aber als Schwabe sozialisiert worden. Also wähle ich schwäbisch.«

Mein Bekannter war noch verwirrter als vorher. »Du willst die CDU wählen? Den Hagel?«

»Nein-nein.« Ich winkte ab. »Der kommt zwar aus Ehingen, aber der schwätzt kein richtiges Schwäbisch; bei ihm klingt das immer wie so Honoratioren-Schwäbisch, immer ein bisschen gebildet.«

»Und dann?«

»Na ja, den Özdemir halt.« Ich wechselte in das breite Schwäbisch, das ich als Kind im Dorf gesprochen hatte und nur noch zu speziellen Gelegenheiten auspackte. »Der Mann kommt aus Bad Urach, also vom Rand der Schwäbischen Alb, und der kann breiter schwäbisch schwätzen als ich.«

»Und das ist dein Grund? Echt?«

»Na ja, in einer Zeit, in der politische Inhalt eh nichts mehr zählen, gehe ich auf die echten Werte. Und das ist Schwäbisch.« Ich lachte.

Mein Gegenüber schüttelte nur den Kopf. »Du bist echt blöd.«

04 Februar 2026

Wenn die Linke lautstark schweigt

Im vergangenen Jahr gab es eine Reihe von Demonstrationen, in denen Menschen, die sich selbst als links verstanden, gegen die israelische Politik und vor allem den Krieg im Gaza-Streifen auf die Straße gingen. Sie demonstrierten gegen den angeblichen Völkermord; die bei diesen Demonstrationen getroffenen Aussagen waren teilweise sehr grenzwertig, um es vorsichtig zu formulieren.

Ich muss mir derzeit echt überlegen, wie ich mich zu linken Gruppierungen verhalte. Zuletzt verließ ich Demonstrationen, weil palästinensische Fahnen wehten; ich verstehe bis heute nicht, was die auf einer Demo gegen deutsche Nazis zu suchen haben.

Was mir in diesen Tagen aber auffällt: Es gibt sowieso keine solidarischen Demonstrationen zu den Menschen, die im Sudan zu Opfern eines brutalen Kriegs und womöglich von Völkermord werden. Es gibt aber auch keine solidarischen Demonstrationen zum Iran, wo Tausende von Menschen, vielleicht sogar Zehntausende, massakriert worden sind, nur weil sie demonstrierten.

Das scheint niemanden zu interessieren. Das verstehe ich nicht. Zwar hege ich den einen oder anderen Verdacht, aber den würde ich nie laut äußern. Trotzdem frage ich mich: Warum schweigen die Leute, die sich als links verstehen, zum Massenmord im Iran und im Sudan?