In den vergangenen Jahren haben innerhalb der deutschsprachigen Science Fiction einige Autorinnen und Autoren mit originellen Texten für Aufsehen gesorgt; eine der bekanntesten ist Aiki Mira. Für Romane und Kurzgeschichten hat Mira schon mehrere Preise erhalten, der aktuelle Roman trägt den Titel »Denial of Service« und liegt seit dem vergangenen Herbst vor.
Die Handlung lässt sich kaum in wenigen Sätzen zusammenfassen. Sie wird aus der Sicht von Leuten erzählt, die am Rand der Gesellschaft wohnen und sich mit Drogen und anderem Kram beschäftigen. Der »andere Kram« ist in diesem Fall die Vernetzung; in dieser Zukunft sind Menschen in der Lage, sich mit einem Chip gewissermaßen mit der Stadt selbst zu verkoppeln.
Aiki Mira bleibt stets eng an den Figuren, die durch diese digitalisierte Welt stolpern. Menschen, die einen Chip im Hirn haben, oder ein künstliches Lebewesen, das sich mit den Leuten anfreundet – sie alle sind auf ihre Weise einzigartig und stehen in Kontakt zu Frankfurt am Main. Auf diese Weise entsteht das Porträt einer Stadt, die mit dem heutigen Frankfurt nicht mehr viel gemeinsam hat.
Obwohl in diesem Roman eine Künstliche Intelligenz im Hintergrund tätig ist, die den Alltag in Frankfurt steuert, erfährt man doch mehr vom Leben der einfachen Leute. So wird ein ganz klassischer Imbiss zum Zentrum der Handlung; hier treffen sich die Protagonisten des Romans. Ein schönes Detail dabei ist, dass man in diesem Imbiss vor allem Nahrungsmittel bekommt, die auf Basis von Pilzen erzeugt werden – damit bietet er mehr an »natürlichem« Essen als sonst jemand in Frankfurt.
Dass dummerweise eine junge Frau, die ihr Leben vor allem streunend auf der Straße verbringt, direkt im Imbiss stirbt, bringt die Handlung erst so richtig in Gang. Wie es aussieht, hat sie sich mit etwas infiziert, das mit einer technischen Droge zu tun hat, eine Art Chip, den man sich in die Adern jagen kann.
Aiki Mira hält sich nicht mit den technischen Details der KI auf, die Frankfurt steuert. Man erfährt wenig über die politische Situation in dieser Zukunft, auch das Thema Klimawandel spielt nur am Rande eine Rolle – es ist eben sehr heiß und das die ganze Zeit. Im Zentrum stehen die verschiedenen Charaktere und ihre Blickwinkel.
Das wird vor allem in kurzen und knappen Sätzen gezeigt. Die Dialoge sind schnell, Beschreibungen halten sich in Grenzen. Der Roman ist zwar – so sehe ich das – in der Art des schon klassischen Cyberpunks verfasst, vermeidet aber die teils blumigen Formulierungen der damaligen Autoren William Gibson oder John Shirley: Aiki Miras Sätze sind eher pointiert, gelegentlich sogar schroff, und werden eigentlich nie ausschweifend oder unnötig komplex.
»Denial of Service« wurde von Fischer Tor veröffentlicht – ich empfehle diesen Roman vor allem jenen Leserinnen und Lesern, die einen neuen Blick auf die Zukunft unserer Welt und Mitteleuropas riskieren wollen.
Sprachlich wie inhaltlich ist das Buch speziell, es hat einen eigenen »Sound«, auf den man sich vielleicht erst einmal einlassen muss, der mich aber in seinen Sog gezogen hat. Ich empfehle auf jeden Fall, die
Leseprobe auf der Internet-Seite des Verlags anzuschauen.
Das Paperback umfasst 256 Seiten und kostet 18,00 Euro. Man kann es mithilfe der ISBN 978-3-596-71182-6 überall im Buchhandel bestellen. Das E-Book gibt’s für 16,99 Euro.
(Diese Rezension wurde bereits im August auf der Internet-Seite von PERRY RHODAN veröffentlicht. Hier bringe ich sie aus dokumentarischen Gründen.)