Im Sommer 1994 fuhr ich einige Male mit dem Fahrrad nach Karlsruhe, um ein Konzert zu besuchen. Für eine Strecke benötigte ich eine starke Stunde, eher eineinhalb Stunden, und ich kam verschwitzt an. Die meiste Zeit fuhr ich also doch mit dem Auto, wenngleich das hieß, dass ich kein Bier – oder nur ganz wenig – trinken durfte. So auch am Mittwoch, 8. Juni 1994, als die Veranstalter zu einem Abend mit internationalen Hardcore-Bands in die »Steffi« luden, das besetzte Haus in der Innenstadt.
Weil es ein Arbeitstag war und ich wieder viel zu spät aus dem Verlag kam, dauerte es seine Zeit, bis ich mit dem Auto in Karlsruhe war und dort einen Parkplatz fand. Damals gab es noch die Möglichkeit, in den Nebenstraßen zu parken, ohne ein Anwohner zu sein, und ich stellte mein Auto in direkter Nähe der »Steffi« ab.
Nachdem ich meinen Eintritt bezahlt hatte, eilte ich in den Keller, wo ich an der Haifischbr gleich mein erstes Bier bestellte. Punkrock bollerte aus den Boxen, die Bar war nur mäßig besetzt. Und weil ich zu viel mit den Leuten laberte, die ich an der Theke antraf, verpasste ich konsequenterweise die erste Band. Und weil der Umbau von der ersten zur zweiten Band so lang dauerte, trank ich an der Bar eben weiter Bier.
Als ich irgendwann in den eigentlichen Konzertraum ging, hatten wir bereits Mitternacht. Auf der Bühne standen Disaffect aus Schottland und knallten brachialen Punkrock in den Saal, in dem vielleicht 60 oder 70 Leute standen, die meisten mit Lederjacken und sehr »punkig« aussehend. Man merkte, dass die Schotten ihren Discharge-Einfluss nicht verleugneten: Zwei Gitarren sägten, ein Bass knatterte wuchtig, ein Schlagzeug hämmerte wild, dazu kamen ein Sänger und eine Sängerin, beide mit Glatze, denen man ansah, dass sie eine tüchtige Portion Wut in sich hatten.
Gepogt wurde nicht, das war bei dieser Art von Punk-Konzerten eher unüblich, aber es herrschte eine gute Stimmung, und es wurde laut gejohlt, applaudiert und nach einer Zugabe verlangt. Die Band gab uns noch, was wir wollten, und verschwand dann. Am Ende war mir klar, dass ich mit Disaffect eine Band gesehen hatte, von der man noch viel hören würde. »Was für ein Brett!«, sagten praktisch alle in dem Kellerraum.
Was dann kam, hatte ich so aber nicht erwartet: Die Musiker auf der Bühne waren teilweise geschminkt und sahen überhaupt nicht so aus, wie man sich eine Punk-Band vorstellte, und aus den Boxen drang ein Geboller, das sich wie eine Mixtur aus heftigem Techno und rasend schnellem Punk anhörte. Die Band nannte sich Tromatism, und ich hatte zuvor nie von ihr gehört.
Sie machte auch nicht lang herum, hielt sich nicht mit Vorreden und irgendwelchen Ansagen auf, sondern war sofort mittendrin. Der Sänger hatte eine Stakkato-Stil: In halsbrecherischem Tempo brüllte und belferte er in sein Mikrofon. Ich verstand kein Wort, und das lag nicht nur daran, dass er in französisch sang und schrie.
Neben ihm stand ein Geiger, der mit stoischer Miene fiedelte, leicht im Hintergrund hämmert ein Bassist auf sein Instrument ein. Am auffälligsten war aber ein Mann, der kein Instrument spielte, sondern vor allem für die Show zuständig war. Er trug nur eine Hose, sein muskulöser Oberkörper war nackt. Anfangs machte er auf der Bühne nur allerlei Verrenkungen und kletterte an der Wand hoch, dann aber veränderte sich sein Verhalten.
Aus einer Art Eimer, der auf einmal auf der Bühne stand, holte er sich eine schmierige Masse, die aussah wie ein schwarzer Schlamm. Den Schlamm verteilte er großflächig auf seinem Oberkörper, dann schleuderte er einige Handvoll ins Publikum. Ich war froh, dass ich eine Lederjacke anhatte; mich trafen einige Spritzer der schwarzen Masse, auch im Gesicht, aber der Beschuss hörte schnell auf.
Nachdem der Mann eine Weile auf der Bühne getanzt hatte, begann er damit, Feuer zu spucken. Ich hatte nicht mitbekommen, wo er auf einmal eine Flamme herhatte – aber auf einmal goss er sich eine Flüssigkeit in den Mund und spuckte sie über eine brennende Fackel hinweg ins Publikum. Eine Mikrosekunde lang überlegte ich mir, wie es denn eigentlich mit Fluchtwegen aussehen mochte, falls die Feuerspuckerei schiefgehen würde.
Dann aber war mir das auch egal. Die Musik wurde rasanter und lauter, das Spektakel zwischen Bühne und Zuschauern immer wilder. Irgendwann stand eine Schale im Zuschauerraum, in der ein Feuer brannte, der halbnackte Mann sprang zwischen uns herum, und der Sound wurde noch wütender und gnadenloser.
Das war keine Musik für Pogo; dazu war sie zu schnell und zu abgehackt. Hätte ich sie nur auf Schallplatte gehört, hätte sie mir vielleicht gar nicht gefallen. In dieser Nacht passte alles zusammen: ein rabiater Sound, wie man ihn selten hörte, ein recht kleines, aber verschworenes Publikum im Keller eines besetzten Hauses, und eine Show mit Schlamm und Feuer.
Als ich zu sehr weit vorgerückter Stunde durch die Nacht fuhr, vorbei an Ortschaften und durch den Wald, dröhnten meine Ohren, fühlte sich mein Körper erhitzt und verdreckt zugleich an. Mir war egal, was in dieser Nacht noch passieren würde, und über den kommenden Arbeitstag machte ich mir keine Sekunde lang Gedanken …
ENPUNKT-Tagebuch
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
11 Juni 2026
10 Juni 2026
Moderne Fantasy mit originellem Konzept
Munk wächst auf einer unbedeutenden Insel auf, die nur von wenigen Menschen bewohnt wird. Der Junge gilt als verschlossen und seltsam, Freundschaft schließt er eigentlich nur mit Vögeln. Eines Tages tauchen fremde Soldaten auf, die sogenannten Greifenkrieger, und nehmen ihn mit. Auf ihn wartet eine Bestimmung, so sagen sie, und eine große Zukunft.
Und während er in eine ferne Festung verschleppt wird, wo er bald ein grausiges Geheimnis entdeckt, beschließt seine Schwester Enna, ihm zu folgen und ihn zu retten …
Der Anfang des Fantasy-Romans »Die Kathedrale der Vögel« macht einen sehr klassischen Eindruck. Die phantastische Welt, die Wieland Freund vor seinen Leserinnen und Lesern ausbreitet, erinnert an Mittel- oder Nordeuropa. Die Kultur wirkt mittelalterlich, und nur langsam wird klar, wie sehr sich seine Welt von der unseren unterscheidet.
Der Autor macht das an seiner Hauptfigur fest. Munk ist ein Mensch, der die Vögel gewissermaßen spüren kann. Er versteht sich mit den Raben, er spürt einen Habicht, und so ist es wohl sein Schicksal, ein Falkner zu werden. Die besondere Beziehung, die sich zwischen Munk und den Tieren entwickelt, schildert der Autor in faszinierenden Bildern.
Im Gegensatz dazu steht die Reise der Schwester. Enna ist ein gewöhnliches Mädchen, sie verfügt über keine außergewöhnlichen Gaben, ist aber sehr mutig und in der Lage, rasch Freundschaften zu schließen. Während Munk im Innern eines Berges auf das Geheimnis der Greifenkrieger stößt, das mit Leben und Tod zu tun hat, erfährt Enna von außen immer mehr über die Hintergründe.
Auch wenn die Hauptfiguren sehr jung sind, eben zwei Jugendliche, handelt es sich bei »Die Kathedrale der Vögel« nicht um ein Jugend- oder gar Kinderbuch. Die Handlung ist erwachsen, obwohl der Autor auf Sex-Szenen oder ausufernde Gewalt verzichtet. Sein Augenmerk richtet sich auf die Figuren und ihre Entwicklung sowie die phantastische Welt, die er durch Munks Augen präsentiert.
Das wiederum finde ich sehr originell. Was auf den ersten zehn, zwanzig Seiten fast ein wenig beschaulich wirkt – eine sehr überschaubare Insel, eine kleine Gruppe von Kriegern –, wird schnell phantastischer und eindrucksvoller. Wieland Freund hat eigenständige Ideen, die ich so in der Fantasy-Literatur nicht gelesen habe. Letztlich geht’s in seinem Roman um den Tod und wie ein mögliches Weiterleben aussehen könnte; damit wird er fast philosophisch.
Ich las den Roman sehr gern, wurde von der Sprache wie von der Geschichte gepackt und folgte mit großer Faszination den zwei Hauptfiguren bei ihrer Reise durch die Wälder und Dörfer. Wer Fantasy mag und etwas lesen möchte, das abseits des Mainstreams dieser Literaturgattung liegt, ist bei »Die Kathedrale der Vögel« gut beraten. (Ich empfehle den Blick in die Leseprobe.)
Der Roman erschien als gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag bei Klett-Cotta. Er ist 400 Seiten stark und kostet 25,00 Euro – das E-Book gibt’s für 19,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-608-96629-9 kann man das Buch in jeder Buchhandlung bestellen.
Und während er in eine ferne Festung verschleppt wird, wo er bald ein grausiges Geheimnis entdeckt, beschließt seine Schwester Enna, ihm zu folgen und ihn zu retten …
Der Anfang des Fantasy-Romans »Die Kathedrale der Vögel« macht einen sehr klassischen Eindruck. Die phantastische Welt, die Wieland Freund vor seinen Leserinnen und Lesern ausbreitet, erinnert an Mittel- oder Nordeuropa. Die Kultur wirkt mittelalterlich, und nur langsam wird klar, wie sehr sich seine Welt von der unseren unterscheidet.
Der Autor macht das an seiner Hauptfigur fest. Munk ist ein Mensch, der die Vögel gewissermaßen spüren kann. Er versteht sich mit den Raben, er spürt einen Habicht, und so ist es wohl sein Schicksal, ein Falkner zu werden. Die besondere Beziehung, die sich zwischen Munk und den Tieren entwickelt, schildert der Autor in faszinierenden Bildern.
Im Gegensatz dazu steht die Reise der Schwester. Enna ist ein gewöhnliches Mädchen, sie verfügt über keine außergewöhnlichen Gaben, ist aber sehr mutig und in der Lage, rasch Freundschaften zu schließen. Während Munk im Innern eines Berges auf das Geheimnis der Greifenkrieger stößt, das mit Leben und Tod zu tun hat, erfährt Enna von außen immer mehr über die Hintergründe.
Auch wenn die Hauptfiguren sehr jung sind, eben zwei Jugendliche, handelt es sich bei »Die Kathedrale der Vögel« nicht um ein Jugend- oder gar Kinderbuch. Die Handlung ist erwachsen, obwohl der Autor auf Sex-Szenen oder ausufernde Gewalt verzichtet. Sein Augenmerk richtet sich auf die Figuren und ihre Entwicklung sowie die phantastische Welt, die er durch Munks Augen präsentiert.
Das wiederum finde ich sehr originell. Was auf den ersten zehn, zwanzig Seiten fast ein wenig beschaulich wirkt – eine sehr überschaubare Insel, eine kleine Gruppe von Kriegern –, wird schnell phantastischer und eindrucksvoller. Wieland Freund hat eigenständige Ideen, die ich so in der Fantasy-Literatur nicht gelesen habe. Letztlich geht’s in seinem Roman um den Tod und wie ein mögliches Weiterleben aussehen könnte; damit wird er fast philosophisch.
Ich las den Roman sehr gern, wurde von der Sprache wie von der Geschichte gepackt und folgte mit großer Faszination den zwei Hauptfiguren bei ihrer Reise durch die Wälder und Dörfer. Wer Fantasy mag und etwas lesen möchte, das abseits des Mainstreams dieser Literaturgattung liegt, ist bei »Die Kathedrale der Vögel« gut beraten. (Ich empfehle den Blick in die Leseprobe.)
Der Roman erschien als gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag bei Klett-Cotta. Er ist 400 Seiten stark und kostet 25,00 Euro – das E-Book gibt’s für 19,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-608-96629-9 kann man das Buch in jeder Buchhandlung bestellen.
(Die Rezensiono wurde bereits im März 2026 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier bringe ich sie auch, aber halt aus dokumentarischen Gründen.)
09 Juni 2026
Zehn Tage an der Düne
Es war ein fauler Urlaub, und dass ich faulenzen würde, war meine Ansage im Voraus. Kein Wunder: Die ersten Monate des Jahres 2026 waren sehr anstrengend, und das lag sicher nicht nur daran, dass ich älter geworden war und gewisse Anstrengungen nicht mehr so gut wegsteckte wie in früheren Jahren und Jahrzehnten. Die Belastungen im Arbeitsleben sind stärker, der terminliche Druck ist gewachsen.
Deshalb war es sinnvoll, nach Gran Canaria zu fliegen. Zehn Tage lang und das in einer Pauschalreise. Früher hätte mich allein schon die Vorstellung sehr gegruselt; im Jahr 2026 bedeutet das für mich: wenig tun, viel pennen, essen und herumgammeln. Garantiert keine Abenteuer, sondern viel Erholung.
Wir hatten ein Zimmer in einem dieser großen Hotels gebucht, die den Süden von Gran Canaria dominieren. Im Viertel Maspalomas, das sich als eine einzige Retortenstadt für Touristen erwies, gab es nicht viel zu tun; das Hotel lag aber direkt an den Dünen, die es im Süden der Insel gibt. Das war faszinierend: eine kleine Sandwüste mit wenig Bewuchs und imposanten Dünen, die sich über einige Kilometer erstreckten.
Anders gesagt: Wer zum Strand wollte, hatte einen Spaziergang von gut zwei Kilometern durch eine Wüstenlandschaft vor sich, durchaus anstrengend, aber faszinierend.
Ich fuhr mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Gegend, ich spazierte viel, ich gammelte am Pool herum, und ich las. Weil das Essen so gut war, nahm ich geschätzte zwei Kilogramm zu – aber unterm Strich war es eine großartige Zeit, in der ich mich einfach sehr gut erholen konnte. Das Ziel wurde also erreich!
Ob ich jemals wieder nach Gran Canaria reisen werde? Das weiß ich nicht. Die Düne ist toll, es gibt auch einige andere schöne Ecken auf der Insel; unterm Strich war es mir zu viel des Tourismus. Zumindest Maspalomas muss ich nicht noch einmal sehen …
Deshalb war es sinnvoll, nach Gran Canaria zu fliegen. Zehn Tage lang und das in einer Pauschalreise. Früher hätte mich allein schon die Vorstellung sehr gegruselt; im Jahr 2026 bedeutet das für mich: wenig tun, viel pennen, essen und herumgammeln. Garantiert keine Abenteuer, sondern viel Erholung.
Wir hatten ein Zimmer in einem dieser großen Hotels gebucht, die den Süden von Gran Canaria dominieren. Im Viertel Maspalomas, das sich als eine einzige Retortenstadt für Touristen erwies, gab es nicht viel zu tun; das Hotel lag aber direkt an den Dünen, die es im Süden der Insel gibt. Das war faszinierend: eine kleine Sandwüste mit wenig Bewuchs und imposanten Dünen, die sich über einige Kilometer erstreckten.
Anders gesagt: Wer zum Strand wollte, hatte einen Spaziergang von gut zwei Kilometern durch eine Wüstenlandschaft vor sich, durchaus anstrengend, aber faszinierend.
Ich fuhr mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Gegend, ich spazierte viel, ich gammelte am Pool herum, und ich las. Weil das Essen so gut war, nahm ich geschätzte zwei Kilogramm zu – aber unterm Strich war es eine großartige Zeit, in der ich mich einfach sehr gut erholen konnte. Das Ziel wurde also erreich!
Ob ich jemals wieder nach Gran Canaria reisen werde? Das weiß ich nicht. Die Düne ist toll, es gibt auch einige andere schöne Ecken auf der Insel; unterm Strich war es mir zu viel des Tourismus. Zumindest Maspalomas muss ich nicht noch einmal sehen …
08 Juni 2026
Allerlei zu Weinen
»Haben Sie eigentlich keinen Wein?«, fragte ich höflich.
Der Kellner sah mich verwirrt an. »Doch«, sagte er.
Ich zeigte auf die Getränkekarte. »Hier stehen aber keine Weine.« Wir saßen im Biergarten eines Lokals in Karlsruhe, das ich schon immer für seinen schönen Biergarten schätzte, in dem ich aber seit gut 15 Jahren nicht mehr war – obwohl ich durchschnittlich fünfmal in der Woche daran vorbeiradelte.
Der Kellner lächelte. »Die Weine, die wir als Schorle anbieten, die gibt es natürlich auch so.«
»Das leuchtet ein.« Die Sonne schien, ich war bester Laune. »Aber wenn Sie eine Weißweinschorle anbieten, weiß ich ja immer noch nicht, welchen Wein Sie haben.«
Der Kellner nickte. »Ach so. Sie wollen wissen, welche Sorte Weißwein wir haben.« Er zückte sein digitales Gerät, mit dem er die Bestellungen aufnahm, und las ab. »Wir haben Riesling, Chardonnay, Weißburgunder, Grauburgunder, Lugana und Pinot Grigio.« Den »Grigio« sprach er mit hartem »g« aus; ich hatte es also mit einem echten Fachmann zu tun.
Seine Aussage nutzte mir wenig; nicht jeder Riesling schmeckte gleich, nicht jeder Chardonnay. »Welchen Riesling haben Sie denn?«, fragte ich vorsichtig nach.
Er sah mich verwirrt an, dann strahlte er. »Ah, Sie meinen, welche Marke wir führen?« Er guckte wieder auf sein digitales Gerät, dann schüttelte er den Kopf. »Das kann ich hier nicht sehen. Ich werde innen an der Bar fragen, und wenn ich wieder bei Ihnen bin, kann ich es Ihnen sagen.«
Ich winkte ab. »Nein, das brauchen Sie nicht. Bringen Sie mir einfach ein alkoholfreies Weizenbier; das ist bei diesen Temperaturen immer gut.«
Und das war dann gut so …
Der Kellner sah mich verwirrt an. »Doch«, sagte er.
Ich zeigte auf die Getränkekarte. »Hier stehen aber keine Weine.« Wir saßen im Biergarten eines Lokals in Karlsruhe, das ich schon immer für seinen schönen Biergarten schätzte, in dem ich aber seit gut 15 Jahren nicht mehr war – obwohl ich durchschnittlich fünfmal in der Woche daran vorbeiradelte.
Der Kellner lächelte. »Die Weine, die wir als Schorle anbieten, die gibt es natürlich auch so.«
»Das leuchtet ein.« Die Sonne schien, ich war bester Laune. »Aber wenn Sie eine Weißweinschorle anbieten, weiß ich ja immer noch nicht, welchen Wein Sie haben.«
Der Kellner nickte. »Ach so. Sie wollen wissen, welche Sorte Weißwein wir haben.« Er zückte sein digitales Gerät, mit dem er die Bestellungen aufnahm, und las ab. »Wir haben Riesling, Chardonnay, Weißburgunder, Grauburgunder, Lugana und Pinot Grigio.« Den »Grigio« sprach er mit hartem »g« aus; ich hatte es also mit einem echten Fachmann zu tun.
Seine Aussage nutzte mir wenig; nicht jeder Riesling schmeckte gleich, nicht jeder Chardonnay. »Welchen Riesling haben Sie denn?«, fragte ich vorsichtig nach.
Er sah mich verwirrt an, dann strahlte er. »Ah, Sie meinen, welche Marke wir führen?« Er guckte wieder auf sein digitales Gerät, dann schüttelte er den Kopf. »Das kann ich hier nicht sehen. Ich werde innen an der Bar fragen, und wenn ich wieder bei Ihnen bin, kann ich es Ihnen sagen.«
Ich winkte ab. »Nein, das brauchen Sie nicht. Bringen Sie mir einfach ein alkoholfreies Weizenbier; das ist bei diesen Temperaturen immer gut.«
Und das war dann gut so …
22 Mai 2026
Peinliche Hinterlassenschaften
2007 war ein Jahr voller Herausforderungen für mich, und das hatte ich schon ziemlich verdrängt. Meine Mutter starb, was mich emotional doch stärker belastete, als ich mir zuvor hatte vorstellen können, und was dazu führte, dass ich mich zusammen mit meiner Schwester um viele Dinge kümmern musste, die mir bisher fern lagen. Mein Arbeitszimmer wurde zudem komplett ausgeräumt und mit neuen Möbeln bestückt.
Weil das alles praktisch gleichzeitig lief, gingen viele Dinge unter. Vor einigen Tagen hatte ich einen Stapel Papier in der Hand, den ich aus einer Kiste fischte. Von diesem Stapel hatte ich schon nichts mehr gewusst, und ich blätterte ihn mit Staunen und teilweise voller Scham durch.
Der Stapel enthielt Unterlagen, die mit dem Tod meiner Mutter zu tun hatten, alte Versicherungsunterlagen beispielsweise, die ich wahrscheinlich entsorgen kann – darüber muss ich aber mit meiner Schwester sprechen. Ebenso lagen Fotos in diesem Stapel, bei denen ich teilweise keine Ahnung hatte, wer auf ihnen zu sehen war; es waren Bilder aus den 30er-Jahren, aber auch aus heutiger Zeit. Beschriftet war so gut wie keines.
Und ich fand Schriftwechsel, wie man das so schön nennt. Postsendungen, die ich verschickt hatte und die zurückgekommen waren. Briefe von anderen Leuten, die auf eine Antwort von mir gehofft hatten.
Besonders peinlich: Es gab einige Briefe, in denen Geld lag oder auch Briefmarken. Da hatten Leute also Exemplare meines Egozines ENPUNKT bestellt, es aber nie erhalten; ich hatte die Kohle nicht einmal eingesackt und selbst verbraucht, sondern sie in einer Kiste vergammeln lassen.
Nach gut zwanzig Jahren wohnen diese Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr an der gleichen Stelle. In der einen oder anderen »Personalie« werde ich trotzdem mal vorsichtig nachhaken. Sehr unangenehm ...
Weil das alles praktisch gleichzeitig lief, gingen viele Dinge unter. Vor einigen Tagen hatte ich einen Stapel Papier in der Hand, den ich aus einer Kiste fischte. Von diesem Stapel hatte ich schon nichts mehr gewusst, und ich blätterte ihn mit Staunen und teilweise voller Scham durch.
Der Stapel enthielt Unterlagen, die mit dem Tod meiner Mutter zu tun hatten, alte Versicherungsunterlagen beispielsweise, die ich wahrscheinlich entsorgen kann – darüber muss ich aber mit meiner Schwester sprechen. Ebenso lagen Fotos in diesem Stapel, bei denen ich teilweise keine Ahnung hatte, wer auf ihnen zu sehen war; es waren Bilder aus den 30er-Jahren, aber auch aus heutiger Zeit. Beschriftet war so gut wie keines.
Und ich fand Schriftwechsel, wie man das so schön nennt. Postsendungen, die ich verschickt hatte und die zurückgekommen waren. Briefe von anderen Leuten, die auf eine Antwort von mir gehofft hatten.
Besonders peinlich: Es gab einige Briefe, in denen Geld lag oder auch Briefmarken. Da hatten Leute also Exemplare meines Egozines ENPUNKT bestellt, es aber nie erhalten; ich hatte die Kohle nicht einmal eingesackt und selbst verbraucht, sondern sie in einer Kiste vergammeln lassen.
Nach gut zwanzig Jahren wohnen diese Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr an der gleichen Stelle. In der einen oder anderen »Personalie« werde ich trotzdem mal vorsichtig nachhaken. Sehr unangenehm ...
21 Mai 2026
Politische Tierfabel in Comic-Form
Mit »Das Blut des Königs« liegt der vierte und abschließende Band eines Comic-Vierteilers vor, der in seiner politischen Klarheit und in seiner spannenden Handlung absolut empfehlenswert ist. »Schloss der Tiere« wirkt auf den ersten Blick wie eine Tierfabel, ist aber eine, die sich eindeutig nicht an Kinder richtet, sondern an ein erwachsenes Publikum.
Die Handlung spielt im »Hier und Jetzt« und auf einem Landgut in Frankreich. Menschen leben dort keine mehr, die gibt es aber in einem nahegelegenen Dorf. Im Schloss haben sich Tiere angesiedelt: Ein Stier regiert mit eiserner Hand, beschützt von einer Leibgarde aus Hunden. Hühner und Kaninchen, Katzen und Ziegen sowie andere Tiere leben im Schloss, das vordergründig wie eine Demokratie strukturiert ist.
Silvio wohnt zwar in den prächtigen Gemächern des Gutsherrn, wird aber als Präsident bezeichnet. Seine Behauptung: Nur wenn er und die Hunde für die Sicherheit der Tiere sorgen, sind sie in der Lage, sie gegen die Wölfe zu beschützen, die durch die Wälder streunen. Deshalb sind die anderen Tiere dazu verdammt, knallharte Frondienste zu leisten, angetrieben von den Hunden und ausgenutzt von Silvio und seiner Familie.
Doch nicht alle Tiere sind mit dem System einverstanden. Eine Katze, ein Kaninchen und eine Ratte bilden eine Gruppe des Widerstands – mit allen friedlichen Mitteln wollen sie gegen Silvio antreten. Sie versuchen es mit Witz und Ungehorsam, sie riskieren Sabotage und fordern demokratische Wahlen. Der Kampf zwischen Solidarität und Tyrannei wird mit allen Mitteln ausgefochten …
In den vier Comic-Bänden exerziert Xavier Dorison allerlei politischen Gegensätze durch. Klar basiert sein »Schloss der Tiere« auf dem Klassiker »Farm der Tiere« von George Orwell, geht für meinen Geschmack aber weiter in die Tiefe. Dorison zeigt die Gründe, warum sich manche Menschen, pardon: Tiere, als feige erweisen und warum manche in der Gefahr über sich hinauswachsen – sehr spannend und sehr eindrucksvoll!
Félix Delep, der mir bisher als Zeichner nie aufgefallen ist, liefert mit diesem Comic-Vierteiler ein starkes Werk ab: Seine Tiere haben ausreichend menschliche Züge, so dass man ihre Emotionen lesen kann, werden von ihm aber dennoch stets als Tiere gezeigt. Er hält bei diesen Darstellungen hervorragend die Waage und schafft es, packende Szenen voller Dynamik zu erzeugen.
Alle vier Bände dieser Comic-Saga sind mitreißend erzählt und toll gestaltet. Sie überzeugen mich auf allen Ebenen – und sie sind auch für solche Menschen interessant, die sonst nicht so viel mit Comics anfangen können. Ich empfehle unbedingt, eine der Leseproben anzuschauen; vielleicht gleich für den vierten Band, den aktuellen also.
Die vier Bücher haben unterschiedliche Umfänge und Preise; sie sind als hochwertige Hardcover-Bände im Splitter-Verlag erschienen. Man kann sie überall im Comicfach- und im Buchhandel bestellen;.
(Diese Rezension wurde bereits im März auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion veröffentlicht; ich teile sie hier aus dokumentarischen Gründen.)
Die Handlung spielt im »Hier und Jetzt« und auf einem Landgut in Frankreich. Menschen leben dort keine mehr, die gibt es aber in einem nahegelegenen Dorf. Im Schloss haben sich Tiere angesiedelt: Ein Stier regiert mit eiserner Hand, beschützt von einer Leibgarde aus Hunden. Hühner und Kaninchen, Katzen und Ziegen sowie andere Tiere leben im Schloss, das vordergründig wie eine Demokratie strukturiert ist.
Silvio wohnt zwar in den prächtigen Gemächern des Gutsherrn, wird aber als Präsident bezeichnet. Seine Behauptung: Nur wenn er und die Hunde für die Sicherheit der Tiere sorgen, sind sie in der Lage, sie gegen die Wölfe zu beschützen, die durch die Wälder streunen. Deshalb sind die anderen Tiere dazu verdammt, knallharte Frondienste zu leisten, angetrieben von den Hunden und ausgenutzt von Silvio und seiner Familie.
Doch nicht alle Tiere sind mit dem System einverstanden. Eine Katze, ein Kaninchen und eine Ratte bilden eine Gruppe des Widerstands – mit allen friedlichen Mitteln wollen sie gegen Silvio antreten. Sie versuchen es mit Witz und Ungehorsam, sie riskieren Sabotage und fordern demokratische Wahlen. Der Kampf zwischen Solidarität und Tyrannei wird mit allen Mitteln ausgefochten …
In den vier Comic-Bänden exerziert Xavier Dorison allerlei politischen Gegensätze durch. Klar basiert sein »Schloss der Tiere« auf dem Klassiker »Farm der Tiere« von George Orwell, geht für meinen Geschmack aber weiter in die Tiefe. Dorison zeigt die Gründe, warum sich manche Menschen, pardon: Tiere, als feige erweisen und warum manche in der Gefahr über sich hinauswachsen – sehr spannend und sehr eindrucksvoll!
Félix Delep, der mir bisher als Zeichner nie aufgefallen ist, liefert mit diesem Comic-Vierteiler ein starkes Werk ab: Seine Tiere haben ausreichend menschliche Züge, so dass man ihre Emotionen lesen kann, werden von ihm aber dennoch stets als Tiere gezeigt. Er hält bei diesen Darstellungen hervorragend die Waage und schafft es, packende Szenen voller Dynamik zu erzeugen.
Alle vier Bände dieser Comic-Saga sind mitreißend erzählt und toll gestaltet. Sie überzeugen mich auf allen Ebenen – und sie sind auch für solche Menschen interessant, die sonst nicht so viel mit Comics anfangen können. Ich empfehle unbedingt, eine der Leseproben anzuschauen; vielleicht gleich für den vierten Band, den aktuellen also.
Die vier Bücher haben unterschiedliche Umfänge und Preise; sie sind als hochwertige Hardcover-Bände im Splitter-Verlag erschienen. Man kann sie überall im Comicfach- und im Buchhandel bestellen;.
(Diese Rezension wurde bereits im März auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion veröffentlicht; ich teile sie hier aus dokumentarischen Gründen.)
20 Mai 2026
Zombies, Gruftis und andere Pädagogen
Mit ist der Autor Boris Koch seit vielen Jahren bekannt: Er veröffentlicht seine Romane und Kurzgeschichten, die im weitesten Sinn zur phantastischen Literatur gehören, in verschiedenen Verlagen, und ich lese sie gern. Die Handlung ist meist augenzwinkernd: Amüsante Drachen gehen auf Reisen, oder Kinder veranstalten spannende Rennen mit Kaninchen, wenn sie nicht gerade losziehen und einen Schatz suchen.
Mit »Schule des Schreckens« hat Boris Koch nun eine Reihe von Kinderbüchern gestartet. Der erste Band erschien bereits im Sommer 2025, der zweite folgt im Frühjahr 2026. Ich las das erste Buch mittlerweile und mochte es sehr.
Wer einmal Schüler war und sein Herz für kindliche Streiche bewahrt hat, könnte ebenfalls so empfinden: »Schule des Schreckens« spielt in einem Internat, das phantastische Elemente aufweist. Kein Vergleich übrigens zu »Harry Potter«, auch wenn der sich wegen des Internats anbieten würde: Boris Kochs Roman-Universum ist wesentlich witziger, es geht nicht um Zauberlehrlinge, und bei ihm nehmen Untote eine wichtige Rolle ein. Seine Hauptfigur ist ein Junge namens Kilian, der sich mit nervigen Schülern und verwirrenden Lehrern herumschlagen muss.
Die Geschichte spielt im Internat Buchenschlag, das im Teufelsforst liegt – Kilians Eltern hätten bei diesen Namen misstrauisch werden können, als sie mit ihm dorthin ziehen. Während sie dort arbeiten, geht er mit den Kindern reicher Eltern auf die Schule. Schnell merkt Kilian, dass einiges nicht so ist wie sonstwo: Direkt neben dem Internat liegt ein Friedhof, auf dem sich sowohl tagsüber als auch nachts allerlei seltsame Personen herumtreiben.
Tatsächlich hat man in der Schule eine Möglichkeit gefunden, dem Lehrermangel entgegenzutreten: Zombies werden als Pädagogen eingesetzt. Dabei handelt es sich um Lehrerinnen und Lehrer, die teilweise vor Jahrhunderten unterrichtet haben und sich im Tod langweilen; sie sind froh darüber, aus dem Friedhof ins Klassenzimmer zu spazieren und dort eine neue Aufgabe zu erhalten. Das sorgt natürlich für skurrile Situationen. Diese Zombies stehen übrigens nicht auf Menschenfleisch, sondern haben andere Interessen …
Boris Koch weiß einfach, wie man eine gute Geschichte erzählt, sodass sie glaubhaft wirkt – trotz aller phantastischen Punkte. Warum die Toten aus ihren Gräbern kommen und bereitwillig die Schüler von heute unterrichten, verrät der Autor noch nicht – das können ja spätere Romane der Serie erzählen. Der Autor stellt seine Figuren vor, präsentiert die Hintergründe zur Schule und sorgt dafür, dass die unterschiedlichsten Charaktere aufeinanderprallen.
Natürlich gibt es die üblichen Internats-Querelen, die man aus zahlreichen Romanen, Filmen und Fernsehserien kennt. Dazu kommen aber die Konflikte mit der neugierigen Presse, aber eben auch mit Untoten, die teilweise ihre sehr eigenen Vorstellungen haben. Das schildert Koch mit viel Sinn für Humor und schräge Situationen. Da seine Zielgruppe vor allem Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren sein dürften, ist manche Szene für einen Erwachsenen vielleicht zu albern – aber es ist sicher ein Roman, den man Kindern im entsprechenden Alter vorlesen kann.
Bei der Gestaltung hat sich der Verlag einiges einfallen lassen. Der Roman ist reichhaltig und gut illustriert, die Schrift wird immer mal wieder durch größere Buchstaben unterbrochen. Wichtige Aussagen von Figuren sind gerne auch mal fett gedruckt, womit jede Seite deutlich abwechslungsreicher aussieht als eine »Nur-Text-Seite«, wie das sonst in Büchern üblich ist. Das finde ich gut – Zielgruppe sind schließlich Kinder, die heute bekanntlich ein anderes Medienumfeld haben als Kinder der 80er- oder 90er-Jahre.
Der Auftaktband der neuen Serie trägt den Titel »Die Gruftis sind los« und umfasst 288 Seiten. Das Buch wurde vom Verlag WooW Books in einer schönen Hardcover-Ausgabe veröffentlich. Es kostet 15,00 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-03967-052-9 überall im Buchhandel bestellt werden. Versender wie der PERRY RHODAN-OnlineShop liefern es ebenfalls.
(Die Rezension stand bereits im Februar auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Ich komme leider heute erst dazu, sie auch an dieser Stelle abzubilden ...)
Mit »Schule des Schreckens« hat Boris Koch nun eine Reihe von Kinderbüchern gestartet. Der erste Band erschien bereits im Sommer 2025, der zweite folgt im Frühjahr 2026. Ich las das erste Buch mittlerweile und mochte es sehr.
Wer einmal Schüler war und sein Herz für kindliche Streiche bewahrt hat, könnte ebenfalls so empfinden: »Schule des Schreckens« spielt in einem Internat, das phantastische Elemente aufweist. Kein Vergleich übrigens zu »Harry Potter«, auch wenn der sich wegen des Internats anbieten würde: Boris Kochs Roman-Universum ist wesentlich witziger, es geht nicht um Zauberlehrlinge, und bei ihm nehmen Untote eine wichtige Rolle ein. Seine Hauptfigur ist ein Junge namens Kilian, der sich mit nervigen Schülern und verwirrenden Lehrern herumschlagen muss.
Die Geschichte spielt im Internat Buchenschlag, das im Teufelsforst liegt – Kilians Eltern hätten bei diesen Namen misstrauisch werden können, als sie mit ihm dorthin ziehen. Während sie dort arbeiten, geht er mit den Kindern reicher Eltern auf die Schule. Schnell merkt Kilian, dass einiges nicht so ist wie sonstwo: Direkt neben dem Internat liegt ein Friedhof, auf dem sich sowohl tagsüber als auch nachts allerlei seltsame Personen herumtreiben.
Tatsächlich hat man in der Schule eine Möglichkeit gefunden, dem Lehrermangel entgegenzutreten: Zombies werden als Pädagogen eingesetzt. Dabei handelt es sich um Lehrerinnen und Lehrer, die teilweise vor Jahrhunderten unterrichtet haben und sich im Tod langweilen; sie sind froh darüber, aus dem Friedhof ins Klassenzimmer zu spazieren und dort eine neue Aufgabe zu erhalten. Das sorgt natürlich für skurrile Situationen. Diese Zombies stehen übrigens nicht auf Menschenfleisch, sondern haben andere Interessen …
Boris Koch weiß einfach, wie man eine gute Geschichte erzählt, sodass sie glaubhaft wirkt – trotz aller phantastischen Punkte. Warum die Toten aus ihren Gräbern kommen und bereitwillig die Schüler von heute unterrichten, verrät der Autor noch nicht – das können ja spätere Romane der Serie erzählen. Der Autor stellt seine Figuren vor, präsentiert die Hintergründe zur Schule und sorgt dafür, dass die unterschiedlichsten Charaktere aufeinanderprallen.
Natürlich gibt es die üblichen Internats-Querelen, die man aus zahlreichen Romanen, Filmen und Fernsehserien kennt. Dazu kommen aber die Konflikte mit der neugierigen Presse, aber eben auch mit Untoten, die teilweise ihre sehr eigenen Vorstellungen haben. Das schildert Koch mit viel Sinn für Humor und schräge Situationen. Da seine Zielgruppe vor allem Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren sein dürften, ist manche Szene für einen Erwachsenen vielleicht zu albern – aber es ist sicher ein Roman, den man Kindern im entsprechenden Alter vorlesen kann.
Bei der Gestaltung hat sich der Verlag einiges einfallen lassen. Der Roman ist reichhaltig und gut illustriert, die Schrift wird immer mal wieder durch größere Buchstaben unterbrochen. Wichtige Aussagen von Figuren sind gerne auch mal fett gedruckt, womit jede Seite deutlich abwechslungsreicher aussieht als eine »Nur-Text-Seite«, wie das sonst in Büchern üblich ist. Das finde ich gut – Zielgruppe sind schließlich Kinder, die heute bekanntlich ein anderes Medienumfeld haben als Kinder der 80er- oder 90er-Jahre.
Der Auftaktband der neuen Serie trägt den Titel »Die Gruftis sind los« und umfasst 288 Seiten. Das Buch wurde vom Verlag WooW Books in einer schönen Hardcover-Ausgabe veröffentlich. Es kostet 15,00 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-03967-052-9 überall im Buchhandel bestellt werden. Versender wie der PERRY RHODAN-OnlineShop liefern es ebenfalls.
(Die Rezension stand bereits im Februar auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Ich komme leider heute erst dazu, sie auch an dieser Stelle abzubilden ...)
19 Mai 2026
Am Abend in der Bäckerei
Wir erreichten die kleine Stadt am späten Abend; die Sonne war gerade untergegangen. Mir fielen vor allem die großen roten Häuser auf, die in gewisser Weise die Stadt prägten. Über ihnen thronte die riesige Kathedrale, ebenfalls aus rotem Stein errichtet, die sich wie ein trutziges Mahnmal über die Häuser erhob.
Wir stellten unser Auto vor einem Wohnhaus ab, in dessen Erdgeschoss sich ein Ladengeschäft befand. Ich wurde zu einem Nebeneinfang gebracht, so dass ich das Türschild nicht erkennen konnte. Meine Begleiter kannten sich aus und eilten in einen Verkaufsraum. Dort wurden wir herzlich begrüßt, als seien wir alte Freunde.
Wie sich herausstellte, war die Bäckerei für eine lokale Spezialität zuständig, die man nur hier kaufen konnte. Es waren »alte Weible«, wie man mir erläuterte, Backstücke also, die entfernt einer alten Frau glichen. Sie bestanden aus einem leichten Teig und waren mit allerlei bunten Punkten besetzt.
Während meine Begleiter mit den Verkäufern schäkerten, schlenderte ich durch den Verkaufsbereich. Es war ein großer, höhlenartig anmutender Raum mit einer sehr hohen Decke; indirektes Licht fiel auf die Verkaufsflächen, die von Körben dominiert wurden, in denen wiederum die Waren lagen.
Es gab nicht nur die »alten Weible«, sondern auch andere Backwaren, die Menschen oder Tieren nachgebildet waren. Ich betrachtete die einzelnen Werke, die ich teilweise sehr anspruchsvoll fand, teilweise aber auch eher ideenlos und plump. Wahrscheinlich gab es für jede Produktgruppe eine eigene Zielgruppe, überlegte ich mir.
Am Ende meines Rundgangs stand ich vor einem Korb, in dem besonders schöne Figuren lagen. Sie waren langgliedrig, und um die stilisierten Köpfe hatten sie eine weiße Haube, die wohl aus Eischnee bestand.
»Das sind ja kleine Raumfahrer!«, rief ich erstaunt. Da wachte ich auf.
Wir stellten unser Auto vor einem Wohnhaus ab, in dessen Erdgeschoss sich ein Ladengeschäft befand. Ich wurde zu einem Nebeneinfang gebracht, so dass ich das Türschild nicht erkennen konnte. Meine Begleiter kannten sich aus und eilten in einen Verkaufsraum. Dort wurden wir herzlich begrüßt, als seien wir alte Freunde.
Wie sich herausstellte, war die Bäckerei für eine lokale Spezialität zuständig, die man nur hier kaufen konnte. Es waren »alte Weible«, wie man mir erläuterte, Backstücke also, die entfernt einer alten Frau glichen. Sie bestanden aus einem leichten Teig und waren mit allerlei bunten Punkten besetzt.
Während meine Begleiter mit den Verkäufern schäkerten, schlenderte ich durch den Verkaufsbereich. Es war ein großer, höhlenartig anmutender Raum mit einer sehr hohen Decke; indirektes Licht fiel auf die Verkaufsflächen, die von Körben dominiert wurden, in denen wiederum die Waren lagen.
Es gab nicht nur die »alten Weible«, sondern auch andere Backwaren, die Menschen oder Tieren nachgebildet waren. Ich betrachtete die einzelnen Werke, die ich teilweise sehr anspruchsvoll fand, teilweise aber auch eher ideenlos und plump. Wahrscheinlich gab es für jede Produktgruppe eine eigene Zielgruppe, überlegte ich mir.
Am Ende meines Rundgangs stand ich vor einem Korb, in dem besonders schöne Figuren lagen. Sie waren langgliedrig, und um die stilisierten Köpfe hatten sie eine weiße Haube, die wohl aus Eischnee bestand.
»Das sind ja kleine Raumfahrer!«, rief ich erstaunt. Da wachte ich auf.
18 Mai 2026
Die dritte Staffel ist ein Film
Ich habe leider den Roman »Good Omens« von Terry Pratchett und Neil Gaiman nie gelesen. Die Fernsehserie, die auf Basis dieses Romans entstanden ist, fand ich aber großartig; man kann sie bei Prime anschauen, vielleicht auch auf anderen Streamingkanälen.
Weil diese Serie – die dann zur ersten Staffel wurde – so erfolgreich war, drehte man bald eine zweite Staffel. Die basiert dann nicht mehr auf dem Roman, die Grundzüge und das Drehbuch stammten trotzdem von Neil Gaiman. Der sarkastische Humor und die Anspielungen auf christliche Grundlagen blieben also.
Dann wurde eine dritte Staffel angekündigt, die dieser Tage anfing. Wie es sich herausstellte, gibt es diese dritte Staffel nicht: Wegen der Konflikte um Neil Gaiman – konkret: die Vorwürfe wegen sexuellem »Fehlverhalten«, um es zurückhaltend zu formulieren – entschloss man sich dazu, diese Staffel zu einem eineinhalbstündigen Film umzubauen und so die Serie abzuschließen.
Mein Eindruck ist: Das ist teilweise gelungen, teilweise nicht.
Immerhin taucht in der dritten Staffel Jesus auf, der zur Erde gelangt, sich in London mit einem Kleinkriminellen anfreundet und damit anfängt, Pizza an die Menschen zu verteilen. Wie das mit Jesus weitergeht, wäre sicher interessant zu sehen gewesen – dieser Handlungsstrang fällt leider völlig flach.
Immerhin wird die Geschichte um den Dämon und den Engel, die eigentlichen Hauptfiguren der Serie, zu einem konsequenten Ende gebracht. Satan und Gott spielen eine wichtige Rolle, und am Ende wird ein Buchladen in London zu dem Ort, an dem sich das Schicksal des Universums erfüllt.
Wie immer bei dieser Serie: Man kann sie auf zwei Wegen anschauen. Wer mag, kann sich auf die pointierten Dialoge und den Humor konzentrieren, und kommt damit auf seine Kosten. Wer mag, kann sich aber auch über philosophische Diskussionen über den freien Willen und dergleichen freuen – das ist in diesem Film gewissermaßen die Quintessenz.
Sagen wir so: Wer die ersten zwei Staffeln von »Good Omens« nicht gesehen hat, kann mit diesem Film wohl nicht viel anfangen. Ich fand ihn gelungen – ein schöner Abschluss, wenngleich nicht genial. Aber das kann man bei diesen Umständen ja auch nicht erwarten.
Weil diese Serie – die dann zur ersten Staffel wurde – so erfolgreich war, drehte man bald eine zweite Staffel. Die basiert dann nicht mehr auf dem Roman, die Grundzüge und das Drehbuch stammten trotzdem von Neil Gaiman. Der sarkastische Humor und die Anspielungen auf christliche Grundlagen blieben also.
Dann wurde eine dritte Staffel angekündigt, die dieser Tage anfing. Wie es sich herausstellte, gibt es diese dritte Staffel nicht: Wegen der Konflikte um Neil Gaiman – konkret: die Vorwürfe wegen sexuellem »Fehlverhalten«, um es zurückhaltend zu formulieren – entschloss man sich dazu, diese Staffel zu einem eineinhalbstündigen Film umzubauen und so die Serie abzuschließen.
Mein Eindruck ist: Das ist teilweise gelungen, teilweise nicht.
Immerhin taucht in der dritten Staffel Jesus auf, der zur Erde gelangt, sich in London mit einem Kleinkriminellen anfreundet und damit anfängt, Pizza an die Menschen zu verteilen. Wie das mit Jesus weitergeht, wäre sicher interessant zu sehen gewesen – dieser Handlungsstrang fällt leider völlig flach.
Immerhin wird die Geschichte um den Dämon und den Engel, die eigentlichen Hauptfiguren der Serie, zu einem konsequenten Ende gebracht. Satan und Gott spielen eine wichtige Rolle, und am Ende wird ein Buchladen in London zu dem Ort, an dem sich das Schicksal des Universums erfüllt.
Wie immer bei dieser Serie: Man kann sie auf zwei Wegen anschauen. Wer mag, kann sich auf die pointierten Dialoge und den Humor konzentrieren, und kommt damit auf seine Kosten. Wer mag, kann sich aber auch über philosophische Diskussionen über den freien Willen und dergleichen freuen – das ist in diesem Film gewissermaßen die Quintessenz.
Sagen wir so: Wer die ersten zwei Staffeln von »Good Omens« nicht gesehen hat, kann mit diesem Film wohl nicht viel anfangen. Ich fand ihn gelungen – ein schöner Abschluss, wenngleich nicht genial. Aber das kann man bei diesen Umständen ja auch nicht erwarten.
13 Mai 2026
Eine Absage an Künstliche Intelligenz
Mit dem Schriftsteller Christian Montillon arbeite ich seit vielen Jahren zusammen; ich schätze ihn als Autor und als Mensch, der seine Meinungen klar und deutlich, aber immer höflich vertritt. Das zeigt sich auch bei dem Buch, dass er in diesem Jahr veröffentlicht hat und das seine persönliche Ansicht präsentiert: »KI? Kein Interesse!« ist das, was der Untertitel auch aussagt: ein »Persönlicher Zwischenruf eines Autors«. Und die Inhaltsangabe liefert Montillon auch gleich auf der Titelseite mit: »Warum ich für meine Romane keine KI nutze«.
Im eigentlichen Text des Buches, das vor allem als E-Book verkauf wird, macht Montillon klar, warum er gegen KI ist und worin sich die Arbeit eines Schriftstellers von dem unterscheidet, was die KI alles ausspuckt. Ein Schriftsteller kämpft und arbeitet, er macht sicher auch Fehler und hat seine schwachen Tage – aber sein Text kommt aus seinem Innern und wird von seiner täglichen Form extrem stark beeinflusst.
Montillon ist ein Autor, der unterhaltsam schreiben kann. Das belegt er eindrucksvoll mit diesem Büchlein: Auf den 110 Seiten – ich habe die gedruckte Ausgabe durchgeschmökert –, die großzügig gesetzt sind, liefert er eine Reihe von Anekdoten, die seine Ansichten untermauern. Man erfährt also ganz nebenbei auch, wie ein Schriftsteller denkt und arbeitet.
Christian Montillons »KI? Kein Interesse!« will einen Standpunkt vermitteln. Das macht der Autor sehr klar und sehr eindeutig. Man muss ihm nicht bei jeder Aussage beipflichten, liest sie aber mit großer Faszination. Empfehlenswert!
(Zu beziehen ist das Buch in gedruckter Form sowie als E-Book bei diversen Plattformen. Mir sind unter anderem Amazon und Thalia bekannt.)
Im eigentlichen Text des Buches, das vor allem als E-Book verkauf wird, macht Montillon klar, warum er gegen KI ist und worin sich die Arbeit eines Schriftstellers von dem unterscheidet, was die KI alles ausspuckt. Ein Schriftsteller kämpft und arbeitet, er macht sicher auch Fehler und hat seine schwachen Tage – aber sein Text kommt aus seinem Innern und wird von seiner täglichen Form extrem stark beeinflusst.
Montillon ist ein Autor, der unterhaltsam schreiben kann. Das belegt er eindrucksvoll mit diesem Büchlein: Auf den 110 Seiten – ich habe die gedruckte Ausgabe durchgeschmökert –, die großzügig gesetzt sind, liefert er eine Reihe von Anekdoten, die seine Ansichten untermauern. Man erfährt also ganz nebenbei auch, wie ein Schriftsteller denkt und arbeitet.
Christian Montillons »KI? Kein Interesse!« will einen Standpunkt vermitteln. Das macht der Autor sehr klar und sehr eindeutig. Man muss ihm nicht bei jeder Aussage beipflichten, liest sie aber mit großer Faszination. Empfehlenswert!
(Zu beziehen ist das Buch in gedruckter Form sowie als E-Book bei diversen Plattformen. Mir sind unter anderem Amazon und Thalia bekannt.)
12 Mai 2026
Eine Geschichte um Fliegen und Lieben
Der Comic-Autor Scott Snyder ist mir allem durch seine Mitarbeit bei amerikanischen Superhelden bekannt; er verantwortete über viele Jahre hinweg die wesentlichen Helden und ihre Serien. Dass er auch ganz andere Stoffe in packende Comics übertragen kann, beweist »Barnstorms«. Der Comic wurde in den USA mit einem Eisner Award ausgezeichnet, einem echt renommierten Preis also, und liegt bei uns als schöner Hardcover-Band im typisch amerikanschen Format vor.
Die Geschichte spielt nach dem Ersten Weltkrieg und in den USA. Bei einem Barnstormer handelt es sich um einen Piloten, der mit seinem Flugzeug zu einem Akrobaten der Lüfte wird. Ein solcher Barnstormer verhilft einer jungen Frau zur Flucht aus einer Ehe, die sie nicht will. In der Folge setzen sich allerlei Leute auf ihre Spur. Die Flüchtigen schlagen sich gemeinsam als Barnstormers durch, während ihre Probleme immer größer werden …
In seiner Story fängt Snyder die Zeit nach dem Krieg ein; seine Figuren sind keine strahlenden Helden, sondern Leute mit Problemen, die sie nicht verarbeitet haben. Die Geschichte erzählt der Autor voller Drama und Emotion: Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte, natürlich wird das Drama immer größer – das ist so filmisch erzählt, dass man bei der Lektüre schon den großen Hollywood-Streifen vor sich sieht.
Von Tula Lotay kannte ich bislang noch nichts; die Bilder sind teilweise wild, die Seitengestaltung ist dynamisch. In den Bildern wird der Rausch des Fliegens eingefangen, ebenso gibt es Action und Hetzjagen sowie große Gefühle. Auch hier gilt: Das schreit nach einem großen Hollywood-Film.
»Barnstormers« ist ein Comic, der zu Recht mit einem Preis bedacht wurde. Packend und mitreißend – toll.
Die Geschichte spielt nach dem Ersten Weltkrieg und in den USA. Bei einem Barnstormer handelt es sich um einen Piloten, der mit seinem Flugzeug zu einem Akrobaten der Lüfte wird. Ein solcher Barnstormer verhilft einer jungen Frau zur Flucht aus einer Ehe, die sie nicht will. In der Folge setzen sich allerlei Leute auf ihre Spur. Die Flüchtigen schlagen sich gemeinsam als Barnstormers durch, während ihre Probleme immer größer werden …
In seiner Story fängt Snyder die Zeit nach dem Krieg ein; seine Figuren sind keine strahlenden Helden, sondern Leute mit Problemen, die sie nicht verarbeitet haben. Die Geschichte erzählt der Autor voller Drama und Emotion: Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte, natürlich wird das Drama immer größer – das ist so filmisch erzählt, dass man bei der Lektüre schon den großen Hollywood-Streifen vor sich sieht.
Von Tula Lotay kannte ich bislang noch nichts; die Bilder sind teilweise wild, die Seitengestaltung ist dynamisch. In den Bildern wird der Rausch des Fliegens eingefangen, ebenso gibt es Action und Hetzjagen sowie große Gefühle. Auch hier gilt: Das schreit nach einem großen Hollywood-Film.
»Barnstormers« ist ein Comic, der zu Recht mit einem Preis bedacht wurde. Packend und mitreißend – toll.
11 Mai 2026
Neuer Ort für den Traditions-Con
Seit den frühen 80er-Jahren fahre ich nach Köln, um den ColoniaCon zu besuchen. Früher erledigte ich das per Anhalter, später fuhr ich mit der Bahn oder mit dem eigenen Auto. Es ist also eine Tradition für mich und den ColoniaCon, und zwar eine der positiven Art.
Die meiste Zeit fand der Con im Jugendpark am Rheinufer statt: ein Jugendzentrum in fast schon idyllischer Umgebung, das auf zwei Stockwerken genügend Platz für Fans und Freunde der Science Fiction bot. Einmal wurde der Con in die Innenstadt verlagert, das war in den späten 90er-Jahren, und ich erinnere mich vor allem an das schlechte Wetter und das Ambiente einer leerstehenden Fabrikhalle. Aber das ist lange her.
In diesem Jahr war‘s also ein ehemaliger Wehrmachtsbunker in Köln-Mühlheim, der sich als ausgesprochen gelungenes Ambiente erwies. Es gab eine sehr nette Gastronomie, wo man gutes Essen bekam und alle möglichen Getränke zu sich nehmen konnte. Wem das zu teuer war, der konnte zu einer der Buden in der Nachbarschaft oder zum »Penny«-Markt gehen – allein die Gastronomie war also schon eine immense Verbesserung.
Und das Programm? Seien wir ehrlich: Ich bekam nur die zwei Programmpunkte mit, bei denen ich selbst auf der Bühne saß. Die klappten, und sie finden auch ausreichend Interesse im Publikum. Mehr kann ich nicht beurteilen, aber ich hörte während des ganzen Tages kein Gemaule.
Anscheinend waren 200 Leute vor Ort, was ich gern glaubte. Man sah halt nie mehr als fünfzig, sechzig Leute auf einem Haufen, weil sich alles auf drei Stockwerke mit Räumlichkeiten sowie gleich mehrere Außenbereiche verteilte. Aber der neue Ort für die traditionsreiche Veranstaltung kam sehr gut an, nicht nur bei mir!
Die meiste Zeit fand der Con im Jugendpark am Rheinufer statt: ein Jugendzentrum in fast schon idyllischer Umgebung, das auf zwei Stockwerken genügend Platz für Fans und Freunde der Science Fiction bot. Einmal wurde der Con in die Innenstadt verlagert, das war in den späten 90er-Jahren, und ich erinnere mich vor allem an das schlechte Wetter und das Ambiente einer leerstehenden Fabrikhalle. Aber das ist lange her.
In diesem Jahr war‘s also ein ehemaliger Wehrmachtsbunker in Köln-Mühlheim, der sich als ausgesprochen gelungenes Ambiente erwies. Es gab eine sehr nette Gastronomie, wo man gutes Essen bekam und alle möglichen Getränke zu sich nehmen konnte. Wem das zu teuer war, der konnte zu einer der Buden in der Nachbarschaft oder zum »Penny«-Markt gehen – allein die Gastronomie war also schon eine immense Verbesserung.
Und das Programm? Seien wir ehrlich: Ich bekam nur die zwei Programmpunkte mit, bei denen ich selbst auf der Bühne saß. Die klappten, und sie finden auch ausreichend Interesse im Publikum. Mehr kann ich nicht beurteilen, aber ich hörte während des ganzen Tages kein Gemaule.
Anscheinend waren 200 Leute vor Ort, was ich gern glaubte. Man sah halt nie mehr als fünfzig, sechzig Leute auf einem Haufen, weil sich alles auf drei Stockwerke mit Räumlichkeiten sowie gleich mehrere Außenbereiche verteilte. Aber der neue Ort für die traditionsreiche Veranstaltung kam sehr gut an, nicht nur bei mir!
08 Mai 2026
Ein Sonderheft über Reichsbürger
Immer mal wieder bestelle ich bei der Bundeszentrale für politische Bildung gedruckte Publikationen; manchmal sind darunter Ausgaben der Zeitschrift »Aus Politik und Zeitgeschichte«, für die es die wunderbare Abkürzung »APuZ« gibt. Die »APuZ«-Ausgabe 47-48/2025, die bereits im November 2025 veröffentlicht wurde, ist ein 48 Seiten starkes Heft, das sich mit den sogenannten Reichsbürgern beschäftigt.
Die nahm ich selbst bis vor zehn Jahren ebensowenig ernst, wie das die Sicherheitsbehörden taten. Für mich war das ein Haufen von Bekloppten, die den Kaiser wiederhaben wollten. Mittlerweile ist sicher, dass die angeblich Bekloppten auch im Besitz von Waffen sind und teilweise einen Umsturz planten. Diese »APuZ«-Ausgabe fasst die unterschiedlichen Strömungen der Reichsbürger sehr gut zusammen.
Ein Artikel in diesem Heft beschäftigt sich mit dieser Gruppe Reuß, die den Umsturz plante. Weitere Beiträge gehen auf die Geschichte und die Strömungen der Bewegung ein. Auch die Zusammenhänge zur Esoterik werden klar benannt.
Besonders lesenswert fand ich ein Interview mit einem Mann, der zeitweise in der Verwaltung von Magdeburg beschäftigt war und viel mit Reichsbürgern zu tun hatte. Er erlebte aus seiner Perspektive, wie abgedreht und auch gefährlich diese Leute sein können.
Eine lohnenswerte Lektüre!
Die nahm ich selbst bis vor zehn Jahren ebensowenig ernst, wie das die Sicherheitsbehörden taten. Für mich war das ein Haufen von Bekloppten, die den Kaiser wiederhaben wollten. Mittlerweile ist sicher, dass die angeblich Bekloppten auch im Besitz von Waffen sind und teilweise einen Umsturz planten. Diese »APuZ«-Ausgabe fasst die unterschiedlichen Strömungen der Reichsbürger sehr gut zusammen.
Ein Artikel in diesem Heft beschäftigt sich mit dieser Gruppe Reuß, die den Umsturz plante. Weitere Beiträge gehen auf die Geschichte und die Strömungen der Bewegung ein. Auch die Zusammenhänge zur Esoterik werden klar benannt.
Besonders lesenswert fand ich ein Interview mit einem Mann, der zeitweise in der Verwaltung von Magdeburg beschäftigt war und viel mit Reichsbürgern zu tun hatte. Er erlebte aus seiner Perspektive, wie abgedreht und auch gefährlich diese Leute sein können.
Eine lohnenswerte Lektüre!
07 Mai 2026
Eine Rechnung vom Nirwana
Im Februar 2007 verbrachte ich einige Tage auf der Insel Bintan, die zu Indonesien gehört und südlich von Singapur liegt. Ich war in den Nirwana Gardens untergebracht, allerdings nicht im eigentlichen Hotel, sondern in einer Strandhütte. Von dort aus sah ich direkt zum Meer, von dort aus konnte ich in wenigen Sekunden den Strand erreichen und ins Wasser hüpfen.
Ich las viel in diesen Tagen, ich ging viel spazieren. Ich war allein, und ich hatte kein Handy und so gut wie keinen Internet-Zugang. Man musste in ein »Business Center« gehen und sich dort an ein Terminal setzen, was natürlich Geld kostete.
Die Kommunikation mit den Angestellten beschränkte sich auf das Nötigste, man ließ mich weitestgehend in Ruhe. Und andere Touristen gab es so gut wie keine. Ich fand diesen Aufenthalt herrlich.
Schaue ich mir heute die Rechnung an, wird mir noch einmal klar, wie preiswert das alles war. Weder die Übernachtungen noch das Essen oder die Getränke kosteten sonderlich viel.
Allerdings schien ich die Angestellten mit meiner Adresse überfordert zu haben: Als »Mr Norbert, Frick Klaus« war ich in meinem Leben bislang nirgends registriert worden ...
Ich las viel in diesen Tagen, ich ging viel spazieren. Ich war allein, und ich hatte kein Handy und so gut wie keinen Internet-Zugang. Man musste in ein »Business Center« gehen und sich dort an ein Terminal setzen, was natürlich Geld kostete.
Die Kommunikation mit den Angestellten beschränkte sich auf das Nötigste, man ließ mich weitestgehend in Ruhe. Und andere Touristen gab es so gut wie keine. Ich fand diesen Aufenthalt herrlich.
Schaue ich mir heute die Rechnung an, wird mir noch einmal klar, wie preiswert das alles war. Weder die Übernachtungen noch das Essen oder die Getränke kosteten sonderlich viel.
Allerdings schien ich die Angestellten mit meiner Adresse überfordert zu haben: Als »Mr Norbert, Frick Klaus« war ich in meinem Leben bislang nirgends registriert worden ...
06 Mai 2026
Briefe, die ein Mörder schreibt
Im Verlauf der Jahre las ich immer wieder Romane des viel zu früh verstorbenen Schriftstellers Jakob Arjouni (1964 bis 2012); ich mochte sie stets, egal welchem Genre man sie letztlich zuordnen konnte. Zuletzt fand ich das schmale Buch »Cherryman jagt Mr. White«, das man leider nur noch gebraucht kaufen kann, richtig gut.
Der Roman besteht im Prinzip aus Briefen, die ein Jugendlicher an einen psychologischen Gutachter und Arzt schreibt. Der Jugendliche, der offensichtlich einen schreckliche Mord oder mehr begangen hat, erzählt in diesen Briefen dem Arzt von seinem Leben und der Vorgeschichte seiner Taten. Dabei wird immer klarer, dass der Jugendliche nicht nur ein Täter ist, sondern ebenso ein Opfer.
Der Jugendliche lebt in einer fiktiven Kleinstadt in der Nähe von Berlin. Eine Gruppe von herumlungernden Jungmännern schikaniert und misshandelt ihn regelmäßig. Dann aber kommt er in Kontakt zu einem Mann, der ihm eine Lehrstelle in Berlin vermittelt und dafür eine Gegenleistung fordert: Der Junge soll im Auftrag des »Heimatschutzes« – offensichtlich eine rechtsradikale Organisation – mehr über einen jüdischen Kindergarten herausfinden …
Tatsächlich führt der Roman, der 2011 veröffentlicht wurde, in die Zeit der Baseballschlägerjahre, in denen in Brandenburg und anderen Regionen ganze Städte und Landkreise von Nazis terrorisiert wurden. Der Autor behält dabei immer die Perspektive eines Jugendlichen bei, der von einer positiven Zukunft träumt und sich verliebt, gleichzeitig aber zu einer gefährlichen Aufgabe gedrängt wird.
Das Mittel eines Briefromans ist ungewöhnlich, vor allem bei so einer Geschichte. Gleichzeitig passt sie auch: Durch die Briefe des Jugendlichen und seine einfache Sprache entblättert sich die Handlung anders, als wenn sie »normal« erzählt würde. Spannend ist das allemal, aber daran hätte ich bei Arjouni eh nie gezweifelt.
Sicher ist »Cherryman jagt Mr. White« kein Roman, den man kennen muss. Wer ihn aber mal sieht, sollte ihn sich schnappen: So spannend und gut geschrieben kann deutschsprachige Gegenwartsliteratur halt auch sein …
05 Mai 2026
Erotik und Literatur aus dem alten Rom
Zu den literarischen Klassikern, die ich endlich einmal lesen sollte, gehört »Der Goldene Esel«, der daheim im Stapel der ungelesenen Bücher liegt. Verfasst wurde er von einem römischen Schriftsteller namens Apuleius, der in diesem Werk allerlei erotische und sonstwie auffallende Szenen unterbrachte. Mittlerweile gibt es diesen Roman auch in einer Comic-Version, für die Milo Manara zuständig ist, und diese wurde im Splitter-Verlag veröffentlicht.
Man muss klar sagen: Die Geschichte ist schon ziemlich haarsträubend und eigentlich nur vor dem Hintergrund des römischen Reiches so richtig verständlich. Es geht um Sex und Verführung, aber auch um Macht und Geld. Der Mann, der in einen Esel verwandelt und daraufhin ständig gequält wird, ist sicher eine Figur, die einen inhaltlichen Bezug zur römischen Geschichte und Gesellschaft hat und diese quasi spiegelt.
Davon bleibt bei Manaras Comic-Version wenig übrig. Wenig überraschend: Der Autor und Künstler konzentriert sich auf die Erotik, die im Originaltext steckt, und macht streckenweise einen Porno aus der Geschichte. All diese Elemente sind im Original enthalten, keine Frage, werden bei Manara aber deutlicher in den Vordergrund geschoben.
Gut gezeichnet und gestaltet ist das allemal, was auch nicht überrascht. Manara steht als Comic-Künstler außer Frage, und sein Talent, nackte Frauen zu zeichnen, hat er nicht verloren. Die Geschichte wird unterhaltsam präsentiert, und sie ist gut gemacht.
Aber faktisch handelt es sich halt eher um geballte Erotik und weniger um literarisches Nacherzählen – wer das mag, kommt bei dieser Version des »Goldenen Esels« sicher auf seine Kosten.
Man muss klar sagen: Die Geschichte ist schon ziemlich haarsträubend und eigentlich nur vor dem Hintergrund des römischen Reiches so richtig verständlich. Es geht um Sex und Verführung, aber auch um Macht und Geld. Der Mann, der in einen Esel verwandelt und daraufhin ständig gequält wird, ist sicher eine Figur, die einen inhaltlichen Bezug zur römischen Geschichte und Gesellschaft hat und diese quasi spiegelt.
Davon bleibt bei Manaras Comic-Version wenig übrig. Wenig überraschend: Der Autor und Künstler konzentriert sich auf die Erotik, die im Originaltext steckt, und macht streckenweise einen Porno aus der Geschichte. All diese Elemente sind im Original enthalten, keine Frage, werden bei Manara aber deutlicher in den Vordergrund geschoben.
Gut gezeichnet und gestaltet ist das allemal, was auch nicht überrascht. Manara steht als Comic-Künstler außer Frage, und sein Talent, nackte Frauen zu zeichnen, hat er nicht verloren. Die Geschichte wird unterhaltsam präsentiert, und sie ist gut gemacht.
Aber faktisch handelt es sich halt eher um geballte Erotik und weniger um literarisches Nacherzählen – wer das mag, kommt bei dieser Version des »Goldenen Esels« sicher auf seine Kosten.
04 Mai 2026
Mit der Sozialwissenschaft und der Science Fiction
Am 4. April 1941 wurde Rainer Eisfeld geboren, in einer Zeit, die wir »Nachgeborenen« uns heute nicht mehr vorstellen können. Sein Leben führte ihn zuerst zur Science Fiction, die ihn nie wieder loslassen sollte, und dann zur Politikwissenschaft, die sein Beruf wurde; er war in diesem Fall als Professor tätig.
Zu seinem 85. Geburtstag erschien ein Buch, das die beiden Seiten seines Lebens präsentiert. Es trägt den Titel »Sozialwissenschaft und Science Fiction« und den netten Untertitel »Dokumente eines ›Doppellebens‹«. Auf den über 300 Seiten des Buches, das ich noch nicht gelesen habe, finde sich haufenweise Artikel und Fotos zu Rainer Eisfeld, seinem Leben und Schaffen.
Ich bin stolz darauf, ebenfalls in diesem Buch vertreten zu sein: mit einem Interview, das ich mit Rainer Eisfeld zu Clark Darlton geführt habe – wobei man fairerweise anmerken muss, dass sein Anteil bei etwa 98 Prozent lag –, und einem Beitrag, den ich über ihn geschrieben habe. Die »Umgebung«, die meine Beiträge erhalten, finde ich höchst interessant und auch beeindruckend.
85 Jahre ist ein stolzes Alter. Ich hoffe, dass sich Rainer Eisfeld auch weiterhin meinungsstark zu Wort melden wird – zu politischen Themen ebenso wie zur Science Fiction.
Zu seinem 85. Geburtstag erschien ein Buch, das die beiden Seiten seines Lebens präsentiert. Es trägt den Titel »Sozialwissenschaft und Science Fiction« und den netten Untertitel »Dokumente eines ›Doppellebens‹«. Auf den über 300 Seiten des Buches, das ich noch nicht gelesen habe, finde sich haufenweise Artikel und Fotos zu Rainer Eisfeld, seinem Leben und Schaffen.
Ich bin stolz darauf, ebenfalls in diesem Buch vertreten zu sein: mit einem Interview, das ich mit Rainer Eisfeld zu Clark Darlton geführt habe – wobei man fairerweise anmerken muss, dass sein Anteil bei etwa 98 Prozent lag –, und einem Beitrag, den ich über ihn geschrieben habe. Die »Umgebung«, die meine Beiträge erhalten, finde ich höchst interessant und auch beeindruckend.
85 Jahre ist ein stolzes Alter. Ich hoffe, dass sich Rainer Eisfeld auch weiterhin meinungsstark zu Wort melden wird – zu politischen Themen ebenso wie zur Science Fiction.
30 April 2026
Ein Klassiker von 1937
Stünde kein Datum auf dem eigentlichen Foto, wäre es schwer, das Bild zeitlich einzuordnen: Es zeigt meinen Vater, der Jahrgang 1925 wahr, vor dem alten Schulhaus in Dietersweiler; das Bild wurde 1937 aufgenommen und ist eine Erinnerung an seine Schulzeit. Er war, als das Foto aufgenommen wurde, also zwölf Jahre alt.
Viel länger ging er als Sohn eines Zimmermanns nicht zur Schule. Nach der Hauptschule begann er seine Lehre als Elektriker, bevor er zum Reichsarbeitsdienst – dem »bewaffneten« – abkommandiert und nach Frankreich geschickt wurde. 1943, also sechs Jahre nachdem dieses Foto aufgenommen worden war, war er alt genug, um als Soldat eingezogen und an die Ostfront geschickt zu werden.
Auf diesem Bild ist davon nichts zu sehen. Mein Vater trägt die Kleidung, wie sie damals für Kinder und Heranwachsende üblich war; mit Kniestrümpfen und erstaunlich guten Schuhen. Er wirkt stolz und gleichzeitig ein bisschen verlegen.
Viel länger ging er als Sohn eines Zimmermanns nicht zur Schule. Nach der Hauptschule begann er seine Lehre als Elektriker, bevor er zum Reichsarbeitsdienst – dem »bewaffneten« – abkommandiert und nach Frankreich geschickt wurde. 1943, also sechs Jahre nachdem dieses Foto aufgenommen worden war, war er alt genug, um als Soldat eingezogen und an die Ostfront geschickt zu werden.
Auf diesem Bild ist davon nichts zu sehen. Mein Vater trägt die Kleidung, wie sie damals für Kinder und Heranwachsende üblich war; mit Kniestrümpfen und erstaunlich guten Schuhen. Er wirkt stolz und gleichzeitig ein bisschen verlegen.
29 April 2026
Eine Maus reist um die Welt
Mit seinen großformatigen Bilderbüchern, in denen meist kleine Mäuse die Hauptrollen spielen, ist Torben Kuhlmann weit über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus bekannt geworden. Seine Mäuse reisen zum Mond und helfen bei der Relativitätstheorie, sie sind klein und gewitzt und in mancherlei Hinsicht den »Großen« überlegen.
Das zeigt der Künstler auch bei seinem aktuellen Buch, das den Titel »Earheart« trägt. Damit spielt er natürlich auf Amelia Earhart an, die mutige Pilotin, die als erste Frau die Welt mit einem Flugzeug umrunden wollte, dabei aber spurlos verschwand. Kuhlmann macht aus dieser wahren Geschichte kein Historiendrama, sondern letztlich wieder die Geschichte einer tapferen kleinen Maus, die alle Widerstände überwindet.
Die kleine Wühlmaus träumt vom Fliegen, was ihre Artgenossen nicht verstehen; die denken nur ans Wühlen und hoffen darauf, dass die kleine Maus bald zur Vernunft kommt. Aber irgendwann schafft sie es doch, ihr Flugzeug zu bauen und in die Lüfte zu steigen ...
Wie immer sind es vor allem die Bilder, die überzeugen. Das Staunen der Maus überträgt sich auf den Leser oder die Leserin. Die Welt der Zahnräder und Maschinenteile, die Welt von oben, die Begegnung mit anderen Mäusen und sogar einem Löwen – das ist alles in wunderschönen Bildern festgehalten, die ich mit großer Bewunderung nicht nur einmal anschauen kann. Die Geschichte selbst ist so gehalten, dass sie sich gut zum Vorlesen eignet, die man sich als Erwachsener aber auch gern zu Gemüte führen kann.
»Earhart« reiht sich somit wunderbar in die Reihe der anderen Mäuser-Bilderbücher ein. Empfehlenswert! (Als Hardcover-Band im Nord-Süd-Verlag erschienen.)
28 April 2026
Origineller Phantastik-Comic in drei Bänden
Mit dem Comic »Bitter Root« veröffentlichte der Splitter-Verlag eine Serie, die in den USA – wo sie im Heft erschienen war – allerlei Preise kassierte und die hierzulande nun in Form von drei Hardcover-Bänden vorliegt. Leider lässt die Geschichte ein wenig nach und endet für mich unentschlossen, die Illustrationen finde ich aber immer noch sehr überzeugend.
»Bitter Root« spielt in den zwanziger Jahren, sie beginnt in Harlem, also im »schwarzen Viertel von New York. Erzählt wird von der Familie Sangerye und ihrem Kampf gegen monströse Wesen, die aus einer anderen Dimension kommen. Diese Kämpfe sind hart – und sie sind sehr klar als eine Parabel zu verstehen, als die rassistischen Angriffe auf Schwarze Menschen und deren Versuch, sich dagegen zu wehren.
Vor allem in den ersten Bänden ist das ein zentrales Thema. Der Rassismus wird klar vermittelt, die Gefahren für Schwarze eindeutig gezeichnet. Im weiteren Verlauf der Serie werden die Monster immer wichtiger, und am Ende geht es eigentlich nur noch um fremde Dimensionen und familiäre Szenen – am Ende wird sogar die Ermordung der Juden durch die Nazis thematisiert.
Ich finde immer noch, dass die Serie – sie wurde von David F. Walker und Chuck Brown geschrieben – vor allem am Anfang großartig ist. Ab dem Moment, in dem sich »Bitter Root« in eine ganz normale Phantastik-Geschichte mit allerlei Monstern verwandelt, wurde die Serie für mich schwach. Am Ende springt die Handlung zudem sehr, weshalb ich ihr kaum folgen konnte; schade eigentlich!
Grafisch finde ich den Comic immer noch überzeugend. Sanford Greene liefert knallige Action und eine Figurendarstellung, die fast die Seiten zu sprengen scheint. Das ist außergewöhnlich gemacht und sucht seinesgleichen.
Allerdings kann ich für diesen Comic-Dreiteiler – oder eben die ganze Serie – nur eine einschränkte Empfehlung geben. Wer ungewöhnliche Bilder schätzt, kommt aber auf seine Kosten. (Checkt die Leseprobe!)
27 April 2026
Clowneskes über das Leben und den ganzen Rest
Ich habe im Verlauf der Jahre mehrere Veranstaltungen besucht, in denen Gardi Huttert auf der Bühne stand. Die aus der Schweiz stammende Clownin ist eigensinnig, was ihre Komik und ihren Humor angeht, das ist nicht jedermanns Geschmack, will es auch nicht sein.
Am Samstag sah ich mir das aktuelle Programm an: »Gardizero – clowneskes Theater« schien sogar die Uraufführung zu sein, und der Saal im Theaterhaus in Stuttgart war brechend voll.
Es ist immer schwer, auch nur ansatzweise wiederzugeben, was Gardi Hutter auf der Bühne eigentlich macht. Sie trägt keine typischen Clown-Klamotten – auch wenn ich sie schon mit einer roten Nase gesehen habe; diesmal allerdings nicht – und setzt nicht auf schenkelklopfenden Humor. Vieles von dem, was sie spielt, lädt durchaus zu Interpretationen ein; diesmal gab es Szenen, die ich nicht verstand. Aber so hatten wir einiges zu besprechen, während wir von Stuttgart nach Karlsruhe zurückfuhren …
Das Programm bestand aus einer Reihe von Szenen, die ineinander übergingen. Anfangs war Gardi Hutter eine Schauspielerin, die diverse Theaterstücke aufführen wollte, später spielte sie mit Nasenpopeln und Flöhen, noch später ging es um Fortpflanzung und das Menschsein als solches. Die Szenen wechselten rasch, manchmal war es ziemlich schräg.
Gardi Hutter spielt mit ganzem Einsatz. Sie verzieht ihr Gesicht, sie gibt seltsame Geräusche von sich, sie springt und rennt, sie sitzt und liegt, sie gestikuliert mit beiden Händen – manchmal kann man da nichts anderes tun, als gebannt zuzuschauen. Lachen kann man trotzdem häufig genug.
Wie bei jedem Auftritt von Gardi Huttert war ich hinterher sehr begeistert. Sagen wir so: Andere Stücke waren allerdings leichter zugänglich. Vielleicht sollte ich mir »Gardizero« in einigen Monaten oder Jahren mal wieder anschauen – dann ergeben sich bestimmt andere Perspektiven.
Am Samstag sah ich mir das aktuelle Programm an: »Gardizero – clowneskes Theater« schien sogar die Uraufführung zu sein, und der Saal im Theaterhaus in Stuttgart war brechend voll.
Es ist immer schwer, auch nur ansatzweise wiederzugeben, was Gardi Hutter auf der Bühne eigentlich macht. Sie trägt keine typischen Clown-Klamotten – auch wenn ich sie schon mit einer roten Nase gesehen habe; diesmal allerdings nicht – und setzt nicht auf schenkelklopfenden Humor. Vieles von dem, was sie spielt, lädt durchaus zu Interpretationen ein; diesmal gab es Szenen, die ich nicht verstand. Aber so hatten wir einiges zu besprechen, während wir von Stuttgart nach Karlsruhe zurückfuhren …
Das Programm bestand aus einer Reihe von Szenen, die ineinander übergingen. Anfangs war Gardi Hutter eine Schauspielerin, die diverse Theaterstücke aufführen wollte, später spielte sie mit Nasenpopeln und Flöhen, noch später ging es um Fortpflanzung und das Menschsein als solches. Die Szenen wechselten rasch, manchmal war es ziemlich schräg.
Gardi Hutter spielt mit ganzem Einsatz. Sie verzieht ihr Gesicht, sie gibt seltsame Geräusche von sich, sie springt und rennt, sie sitzt und liegt, sie gestikuliert mit beiden Händen – manchmal kann man da nichts anderes tun, als gebannt zuzuschauen. Lachen kann man trotzdem häufig genug.
Wie bei jedem Auftritt von Gardi Huttert war ich hinterher sehr begeistert. Sagen wir so: Andere Stücke waren allerdings leichter zugänglich. Vielleicht sollte ich mir »Gardizero« in einigen Monaten oder Jahren mal wieder anschauen – dann ergeben sich bestimmt andere Perspektiven.
24 April 2026
Faust und seine Transformation
Dieser Tage hörte ich mir das aktuelle Hörspiel aus der Serie »Dorian Hunter« an. Es ist bereits die Folge 55, und sie trägt den schlichten Titel »Faust«. Tatsächlich spielt die Geschichte mit dem Motiv des klugen Dr. Faust, der aus Gründen der Liebe einen Pakt mit dem Teufel schließt. Und sie schließt die »Faust«-Trilogie innerhalb der Serie ab.
Die Handlung spielt auf zwei Ebenen, deren Zusammenhang sich nur jemandem erschließen, der die Serie kennt: Auf der Gegenwartsebene ist die Hexe Coco Zamis im Wald um ein Internat unterwegs, wo sie eine Spur zu ihrem entführten Sohn zu finden hofft. Dabei geht’s durchaus blutig zu; die entsprechenden Szenen packen einen beim Anhören.
Die Vergangenheitshandlung erzählt von Georg Rudolf Speyer, einer früheren Inkarnation des Dämonenkillers Dorian Hunter, der in Wittenberg mit einem mysteriösen Adeligen namens Mephistopheles und dem ebenfalls mysteriösen Dr. Faust zu tun hat. Vor allem der verwirrte Dr. Faust wird großartig dargestellt, hier konnte man mit Dieter Hallervorden einen prominenten Sprecher verpflichten, der den verwirrten Doktor hervorragend in Szenen setzt.
Das Hörspiel ist wieder rasant erzählt und macht auf der ganzen Länge richtig Spaß. Starke Sprecher, eine auf Spannung setzende Regie und präzise eingesetzte Geräusche sorgen für eine echte Grusel- und Horror-Atmosphäre. Ich bin da echt Fan!
Die Handlung spielt auf zwei Ebenen, deren Zusammenhang sich nur jemandem erschließen, der die Serie kennt: Auf der Gegenwartsebene ist die Hexe Coco Zamis im Wald um ein Internat unterwegs, wo sie eine Spur zu ihrem entführten Sohn zu finden hofft. Dabei geht’s durchaus blutig zu; die entsprechenden Szenen packen einen beim Anhören.
Die Vergangenheitshandlung erzählt von Georg Rudolf Speyer, einer früheren Inkarnation des Dämonenkillers Dorian Hunter, der in Wittenberg mit einem mysteriösen Adeligen namens Mephistopheles und dem ebenfalls mysteriösen Dr. Faust zu tun hat. Vor allem der verwirrte Dr. Faust wird großartig dargestellt, hier konnte man mit Dieter Hallervorden einen prominenten Sprecher verpflichten, der den verwirrten Doktor hervorragend in Szenen setzt.
Das Hörspiel ist wieder rasant erzählt und macht auf der ganzen Länge richtig Spaß. Starke Sprecher, eine auf Spannung setzende Regie und präzise eingesetzte Geräusche sorgen für eine echte Grusel- und Horror-Atmosphäre. Ich bin da echt Fan!
23 April 2026
Die neuen Landkarten
Der Titel »New Maps Of Hell« und das Cover machen schon klar: Das hier ist keine Vinylscheibe, die von sonnigen Stränden und fröhlichen Leuten berichtet. Es handelt sich um die Schallplatte, die Bad Religion im Jahr 2007 veröffentlicht hat. Ich fischte sie unlängst aus dem Schrank und legte sie, in den Tagen darauf lief sie manchmal fast ununterbrochen, was mich selbst verwunderte.
Ich sah Bad Religion zweimal: einmal in den 80er-Jahren, als sie mit »Suffer« auf ihrer großen Tour durch Europa war und noch in Jugendzentren auftraten, dann in den ganz frühen 90er-Jahren, als sie schon in einer Halle spielten. Das erste Konzert war sensationell, das zweite auch noch ganz gut; danach wurde die Band für Festivals gebucht, die ich nicht im (Alp-)Traum besuchen wollte. Ich hörte die Musik immer noch gern, habe die Band aber seit 1991 nicht mehr live gesehen.
Das ist alles lange her; seither wechselte die Besetzung der Band mehrfach, während man viele Konzerte spielte und eine Platte nach der anderen veröffentlichte. Die »New Maps Of Hell« aus dem Jahr 2007 erinnert mich positiv an die späten 80er-Jahre: Das ist keine lahmarschige Musik von mittelalten Männern, sondern ein dynamischer Sound, bei dem ich nicht stillsitzen kann.
Die einzelnen Stücke sind schnell und abwechslungsreich; es wird nicht einfach nach vorne gebolzt, sondern es sind schmissige Melodien. Die Band spielt auf dieser Platte einen klassischen Punkrock mit viel Schmackes, definitiv keinen Metal, auch wenn die Gitarre manchmal schon sehr singt, und auf Gejammer wird sowieso verzichtet.
Ich fand die Platte erstaunlich toll und verstehe nicht, wieso sie bei mir immer ein bisschen untergegangen ist. Eigentlich hätte sie ja gute Chancen, meine liebste Scheibe der Band zu werden. Okay, Scherzchen: Das wird wohl immer die »Suffer« bleiben. Aber richtig gut finde ich »New Maps Of Hell« trotzdem!
Ich sah Bad Religion zweimal: einmal in den 80er-Jahren, als sie mit »Suffer« auf ihrer großen Tour durch Europa war und noch in Jugendzentren auftraten, dann in den ganz frühen 90er-Jahren, als sie schon in einer Halle spielten. Das erste Konzert war sensationell, das zweite auch noch ganz gut; danach wurde die Band für Festivals gebucht, die ich nicht im (Alp-)Traum besuchen wollte. Ich hörte die Musik immer noch gern, habe die Band aber seit 1991 nicht mehr live gesehen.
Das ist alles lange her; seither wechselte die Besetzung der Band mehrfach, während man viele Konzerte spielte und eine Platte nach der anderen veröffentlichte. Die »New Maps Of Hell« aus dem Jahr 2007 erinnert mich positiv an die späten 80er-Jahre: Das ist keine lahmarschige Musik von mittelalten Männern, sondern ein dynamischer Sound, bei dem ich nicht stillsitzen kann.
Die einzelnen Stücke sind schnell und abwechslungsreich; es wird nicht einfach nach vorne gebolzt, sondern es sind schmissige Melodien. Die Band spielt auf dieser Platte einen klassischen Punkrock mit viel Schmackes, definitiv keinen Metal, auch wenn die Gitarre manchmal schon sehr singt, und auf Gejammer wird sowieso verzichtet.
Ich fand die Platte erstaunlich toll und verstehe nicht, wieso sie bei mir immer ein bisschen untergegangen ist. Eigentlich hätte sie ja gute Chancen, meine liebste Scheibe der Band zu werden. Okay, Scherzchen: Das wird wohl immer die »Suffer« bleiben. Aber richtig gut finde ich »New Maps Of Hell« trotzdem!
22 April 2026
Sogar für Spam ungewöhnlich
Es ist normal in diesen Zeiten, Mails zu erhalten, in denen einem märchenhafte Gewinne versprochen werden. Zwar schreiben mir zwar keine Prinzen aus Nigeria mehr – die haben offensichtlich alle die Erben gefunden, die sie gesucht haben –, es kommt aber immer noch genügend seltsames Zeugs hier an.
Wobei das Schreiben, das dieser Tage hier eintraf, schon wieder besonders originell war. Meine Adresse sei für eine »Spende von 5.500.000,00 € ausgewählt« worden, und Spenden in dieser Höhe würden an zehn »glückliche Gewinner für wohltätige Zwecke und die Menschheit weltweit« gehen.
So weit so bekannt. Dann aber kam der Satz, der für mich alles veränderte. »Bitte ignorieren Sie diese Nachricht nicht, da es sich nicht um Betrug handelt.« Ein Spam-Versender also, der weiß, dass die meisten Leute solche Mails für Spam handeln und ersatzlos löschen. Man bat sogar um Rücksicht darauf, falls diese Nachricht in meinem Spam-Ordner lande; »dies könnte an einer langsamen Internetverbindung liegen«.
Man bat mich darum, für weitere Informationen einige Daten zu schicken. Aber: »Ich möchte Sie nicht nach Ihrem Ausweis fragen, da wir nicht den Eindruck erwecken wollen, Ihre Identität stehlen zu wollen.« Das klingt sehr edel und korrekt, da war ich extrem beeindruckt.
Den Rest der Mail muss ich nicht wiedergeben; da ging es um den lieben Gott und allerlei andere Themen, die mich nicht unbedingt davon überzeugt haben, dass das hier wirklich seriöser sei als ein nigerianischer Prinz mit zu viel Geld und einem offenen Herzen. Aber originell fand ich dieses Schreiben dann ja doch ...
Wobei das Schreiben, das dieser Tage hier eintraf, schon wieder besonders originell war. Meine Adresse sei für eine »Spende von 5.500.000,00 € ausgewählt« worden, und Spenden in dieser Höhe würden an zehn »glückliche Gewinner für wohltätige Zwecke und die Menschheit weltweit« gehen.
So weit so bekannt. Dann aber kam der Satz, der für mich alles veränderte. »Bitte ignorieren Sie diese Nachricht nicht, da es sich nicht um Betrug handelt.« Ein Spam-Versender also, der weiß, dass die meisten Leute solche Mails für Spam handeln und ersatzlos löschen. Man bat sogar um Rücksicht darauf, falls diese Nachricht in meinem Spam-Ordner lande; »dies könnte an einer langsamen Internetverbindung liegen«.
Man bat mich darum, für weitere Informationen einige Daten zu schicken. Aber: »Ich möchte Sie nicht nach Ihrem Ausweis fragen, da wir nicht den Eindruck erwecken wollen, Ihre Identität stehlen zu wollen.« Das klingt sehr edel und korrekt, da war ich extrem beeindruckt.
Den Rest der Mail muss ich nicht wiedergeben; da ging es um den lieben Gott und allerlei andere Themen, die mich nicht unbedingt davon überzeugt haben, dass das hier wirklich seriöser sei als ein nigerianischer Prinz mit zu viel Geld und einem offenen Herzen. Aber originell fand ich dieses Schreiben dann ja doch ...
21 April 2026
Die ganz kurzen Kurzfilme
Im Rahmen der Independent Days gibt's in Karlsruhe in jedem Jahr den Short Shortfilm Award, den ich mir in den vergangenen Jahren immer wieder angesehen hatte. Am Sonntag, 19. April 2026, saß ich erwartungsvoll im prallvollen Saal des »Schauburg«-Kinos und wartete gespannt auf die über zwanzig kurzen Filme.
Die Auswahl war groß, ich konnte oft staunen oder lachen. Es gab einige Zeichentrickfilme, die meisten Kurzfilme wurden aber mit realen Schauspielern gedreht. Manche von ihnen waren traurig, andere wieder lustig; ein phantastisches Thema war nicht darunter, stattdessen ging es um die Realität.
Wobei man die unterschiedlich sehen kann. In »Was wir nicht sehen« reden zwei Tänzerinnen erfolgreich aneinander vorbei und ignorieren ihre Gefühle; in »Boubacar« geht es um einen Fußballspieler aus Mali, der im Flüchtlingsheim damit anfängt, andere junge Männer mit Fußball einen Lebenssinn zu geben.
»Flimmern« ist ein fast schon unheimlicher Film über eine Mutter und ihren Sohn, die eine sehr enge Beziehung haben, die Mutter dummerweise aber auch zum Wein. Beim »Zauberwürfel« geht es vordergründig um den »Rubik's Cube«, in Wirklichkeit aber um Gefühle wie Trauer oder Verzweiflung.
Zwischen den Filmen gab es immer eine kurze Moderation; Schauspieler*innen und Filmemacher*innen konnten in einem Frage-Antwort-Spiel einiges über die Hintergründe verraten. Die meisten sind Studierende an Filmhochschulen oder Universitäten; man kann gespannt darauf sein, was aus diesen talentierten jungen Leuten irgendwann mal wird.
Die Auswahl war groß, ich konnte oft staunen oder lachen. Es gab einige Zeichentrickfilme, die meisten Kurzfilme wurden aber mit realen Schauspielern gedreht. Manche von ihnen waren traurig, andere wieder lustig; ein phantastisches Thema war nicht darunter, stattdessen ging es um die Realität.
Wobei man die unterschiedlich sehen kann. In »Was wir nicht sehen« reden zwei Tänzerinnen erfolgreich aneinander vorbei und ignorieren ihre Gefühle; in »Boubacar« geht es um einen Fußballspieler aus Mali, der im Flüchtlingsheim damit anfängt, andere junge Männer mit Fußball einen Lebenssinn zu geben.
»Flimmern« ist ein fast schon unheimlicher Film über eine Mutter und ihren Sohn, die eine sehr enge Beziehung haben, die Mutter dummerweise aber auch zum Wein. Beim »Zauberwürfel« geht es vordergründig um den »Rubik's Cube«, in Wirklichkeit aber um Gefühle wie Trauer oder Verzweiflung.
Zwischen den Filmen gab es immer eine kurze Moderation; Schauspieler*innen und Filmemacher*innen konnten in einem Frage-Antwort-Spiel einiges über die Hintergründe verraten. Die meisten sind Studierende an Filmhochschulen oder Universitäten; man kann gespannt darauf sein, was aus diesen talentierten jungen Leuten irgendwann mal wird.
20 April 2026
Ein Dutzend Cartoon-Filme
Die Internationalen Filmfestspiele Karlsruhe sind eine Veranstaltung, die jedes Jahr ausgerichtet wird; in diesem Jahr gab es die Independent Days, wie die Reihe auch genannt wird, bereits zum 25. Mal. Und ich besuchte sie wieder, weil ich die Idee schon gut finde und es auch mag, völlig neue Sichtweisen zu bekommen.
Am Freitagabend, 17. April 2026, gab es einen Abend unter dem Titel »Achtung, jetzt kommt ein Cartoon!« Wie der Titel schon nahelegt, ging es um Trickfilme im weitesten Sinne; am Ende durfte das Publikum über einen Preis abstimmen.
Gut ein Dutzend Filme stand zur Auswahl, stilistisch wie inhaltlich waren die Streofen sehr verschieden, und keiner war schlecht. (Okay, der Stop-Motion-Film zu den »Ghostbusters« war wohl nur für beinharte Fans des Originals richtig gut; ich fand ihn viel zu lang und verstand viele Gags schlichtweg nicht.)
Man zeigte einen unglaublich poetischen Zeichentrickfilm aus China, in dem ein Wassertropfen auf Reisen geht. Wir sahen einen tragischen Film, der die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs aufgreift und mit einem verletzten Vogel und einem Klavierspiel in Zusammenhang bringt. Und ich fand die Science-Fiction-Version von »Herr Rossi sucht das Glück« – per Zeitreise aus den fünfziger Jahren in unsere Zeit – sehr amüsant.
Jeder Film wurde mit viel Applaus bedacht. Eine Moderatorin führte in englischer und deutscher Sprache durch den Abend; einige der Filmemacher*innen waren anwesend und wurden vor dem Publikum befragt. Es herrschte eine positive und freundliche Atmosphäre, das war richtig gut – ein wunderbarer Abend!
Am Freitagabend, 17. April 2026, gab es einen Abend unter dem Titel »Achtung, jetzt kommt ein Cartoon!« Wie der Titel schon nahelegt, ging es um Trickfilme im weitesten Sinne; am Ende durfte das Publikum über einen Preis abstimmen.
Gut ein Dutzend Filme stand zur Auswahl, stilistisch wie inhaltlich waren die Streofen sehr verschieden, und keiner war schlecht. (Okay, der Stop-Motion-Film zu den »Ghostbusters« war wohl nur für beinharte Fans des Originals richtig gut; ich fand ihn viel zu lang und verstand viele Gags schlichtweg nicht.)
Man zeigte einen unglaublich poetischen Zeichentrickfilm aus China, in dem ein Wassertropfen auf Reisen geht. Wir sahen einen tragischen Film, der die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs aufgreift und mit einem verletzten Vogel und einem Klavierspiel in Zusammenhang bringt. Und ich fand die Science-Fiction-Version von »Herr Rossi sucht das Glück« – per Zeitreise aus den fünfziger Jahren in unsere Zeit – sehr amüsant.
Jeder Film wurde mit viel Applaus bedacht. Eine Moderatorin führte in englischer und deutscher Sprache durch den Abend; einige der Filmemacher*innen waren anwesend und wurden vor dem Publikum befragt. Es herrschte eine positive und freundliche Atmosphäre, das war richtig gut – ein wunderbarer Abend!
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