16 September 2021

Zweimal rockiger Punk

Eine schöne EP wurde im Jahr 2010 als erste Platte von dem damals brandneuen Label Hectic Society Records veröffentlicht. Sie ist ein Beleg dafür, dass Punkrock vor allem in der »kleinen Form« am besten funktioniert – die Bands geben sich da offensichtlich viel mehr Mühe.

Die Driftwood Fairytales stammen aus Berlin und machen eine Musik, die man kaum noch in den Punkrock stecken kann, die mehr nach Emo und modernem Folk klingt. Wer Gaslight Anthem kennt und mag, wird aber auch an diesem Sound seine Freude haben; ich finde ihn sehr intensiv und auch gut. Die zwei Stücke sind keine Pogo-Kracher, aber sehr gut gemachte und melodiöse Stücke.

Rotziger und punkiger gehen Crapstar zu Werke. Als Sänger ist der Mann am Start, den ich ansonsten von der Ska-Band Frau Doktor her kannte. Hier gibt es aber knalligen Sound, mit viel Melodie und Schmackes, auf den Punkt gebracht und mit klarer Aussage. Das coole Stück »Oh My Darling« endet in wütendem »the fucking cops«. So muss Punk!

Sehr gelungene EP, immer mal wieder gern angehört.

15 September 2021

Einmal wenigstens Schlosslichtspiele

Als 2015 zum ersten Mal die Schlosslichtspiele die Nacht von Karlsruhe erhellten, war ich völlig begeistert. Nicht nur einmal sah ich mir die beeindruckenden Darbietungen an, die auf die Front des Schlosses projiziert wurden. Auch in den Jahren darauf saß ich immer wieder inmitten einer begeisterten Menschenmenge auf den Pflastersteinen vor dem Schloss und ließ mich faszinieren.

2020 fielen die Schlosslichtspiele aus. Oder anders gesagt: Wegen Corona wurden sie nur digital veranstaltet. Das reizte mich aber nicht, also bekam ich auch nichts von ihnen mit. Und 2021 fanden sie zwar statt, ich bekam aber so gut wie nichts von ihnen mit.

In dieser Woche wollten wir das ändern. Es regnete ausnahmsweise nicht, und nach einem langen Arbeitstag tat eine kleine Radfahrt zum Schloss gut. Es war nicht viel los, nur wenige hundert Menschen verloren sich vor dem Schloss. Kein Vergleich zu den vielen Tausenden in früheren Jahren – aber wegen Corona war mir das sehr recht.

Faszinierend fand ich die Show »Changes 3« von der ruestungsschmie.de; eingangs wurde extra gewarnt, dass die Show für manche Menschen zu anstrengend sein könnte. Es war ein flackerndes Bild, das über das Schloss huschte, es wechselte alles in rasender Geschwindigkeit, und dazu lief eine Musik, die man in den 90er-Jahren wohl als Breakbeat bezeichnet hätte. Kombiniert wurde das mit klaren politischen Aussagen wie »Fuck You Racist« und einem Bekenntnis zu einem Europa ohne Grenzen. Spannend!

Was für ein Kontrast danach … In »Synthetischen Sonetten« nahm sich der Künstler Antonin Krizanic aus Ungarn eine klassische Sinfonie sowie die Stadt Karlsruhe als Thema und vermengte das zu einem sehr ruhigen und wirklich schönen Bilderreigen.

Danach wurde es glatt noch einmal politisch. Die Künstlergruppe »The Nightlab« präsentierte »Attitude Indicator«, was sich als eine kritische Darstellung der aktuellen Klimadiskussion erwies, mit klaren Aufforderungen, endlich zu handeln, und einer großen Hoffnung auf Europa.

Wieder einmal fand ich die Schlosslichtspiele toll. Ich bedauere ein wenig, dass ich so spät damit anfing, sie zu besuchen …

Starker Horror-Kurzroman

Cecil Conkil war ein unbequemer Mann, über den es zu Lebzeiten und auch danach viele Gerüchte gab. Seinen Erben hinterließ er eine Unmenge von Bildern, um die sich niemand kümmerte. Erst seine Urenkelin Nona findet diese Bilder, stellt fest, dass es sich um Kunst handeln dürfte, mit der man Geld verdienen könnte, und fährt zu einem Händler. Zusammen mit dem Händler und ihrem Freund versucht Nona herauszufinden, was sich hinter den teilweise bizarren Bildern verbirgt ...

So lässt sich der kurze Horror-Roman »Ich hole dir die Vögel vom Himmel« zusammenfassen, der im Frühjahr 2020 im Festa-Verlag erschienen ist. Das Buch wurde als Hardcover veröffentlicht, das man nur beim Verlag bestellen kann, ebenso als E-Book, das sich in allerlei Shops kaufen lässt. Ich bevorzuge die schön gestaltete Hardcover-Version, die nicht nur ein starkes Titelbild von Arndt Drechsler aufweist, sondern auch darüber hinaus gefällt: ein 124 Seiten schmaler Hardcover-Band, der gut in der Hand liegt und der sich gut lesen lässt.

Als Autor tritt Brian Hodge auf, der mit Frank Festa, dem Gründer des Festa-Verlages, schon seit den 90er-Jahren und dessen ersten Verlagsarbeiten »verbunden« ist. Sein Roman ist kein Horror mit Gewalt und Blut, sondern eher ein Teil der Dunklen Phantastik, meinetwegen mit Anleihen an H. P. Lovecraft, und vor allem eher ruhig erzählt.

Der Autor entwirft – indem er stets aus der Perspektive des Kunsthändlers erzählt – ein faszinierendes Szenario, bei dem sich die Spannung eher langsam steigert. Stück für Stück erkennen der Kunsthändler und seine zwei jungen Begleiter, was wirklich hinter den geheimnisvollen Bildern steckt. Ganz nebenbei gibt es noch eine kleine Dosis Zivilisationskritik: Der kurze Roman spielt in den Bergen von West Virginia, die vom Bergbau zerschunden sind und in denen sich kleine Städte und Gemeinde in ihrem Niedergang befinden.

Dort hat ein einfacher Mann, der in einer abgeschiedenen Hütte gewohnt hat, es offenbar verstanden, der geplünderten Erde ein Gesicht zu geben. Das ist stark erzählt, in meinen Augen auch sehr gut übersetzt, und in sich stets stimmig. Wer moderne amerikanische Literatur mag, die sauber erzählt ist und einen phantastischen Unterton aufweist, ist bei diesem Buch bestens beraten. (Und für das Bücherregal ist der Hardcover-Band eh ein Schmuckstück.)

14 September 2021

Geschlumpft wird auch im Dialekt

Seit Jahren erfreuen sich die »Asterix«-Comics, die in allerlei deutschen Dialekten veröffentlicht werden, einer großen Beliebtheit. Zwischendurch gab es auch »Donald Duck« im Dialekt; ich erinnere mich zumindest an eine schwäbische Ausgabe. Jetzt kommen die Schlümpfe an die Reihe. Mit »Die Schlümpp uff hessisch« starten die kleinen blauen Zwerge in den hessischen Dialekt.

Konkret gibt es die »Lieblingswichtel jetzt in der Sprache von Ebbelwoi und Handkäs«, um die Verlags-Information zu zitieren. Die legendäre Geschichte von den Blau- und den Schwarzschlümpfen ist eh schon gut, im Dialekt erhält sie eine weitere Besonderheit. Wenn die Schwarzschlümpfe die ganze Zeit »Bläd!« rufen, ist das vielleicht eine alberne Übersetzung – aber ich muss trotzdem lachen.

Mein Hessisch ist nicht besonders gut, aber ich kenne einige Hessen. Also versuchte ich bei der Lektüre des Albums, die einzelnen Rollen der Schlümpfe mit Hessen aus meinem Bekanntenkreis zu »sprechen«. Das erhöhte den Humor-Grad bei der Lektüre deutlich.

Die klassischen Geschichten von Peyo haben nach all den Jahren nicht ihren Reiz verloren. Sie sind toll gezeichnet, die Abenteuer sind flott und dynamisch. Und spätestens mit dieser Dialekt-Ausgabe werden auch Menschen zu den »Schlümpfen« greifen, die sie sonst als Kinder-Comics betrachten. Wunderbar!

13 September 2021

Mit dabei bei »Macht & Wort«

Im vergangenen Jahr schaffte ich es immerhin, einige Science-Fiction-Geschichten zu schreiben. Eine davon liegt ab Oktober 2021 auch in gedruckter Form – sowie als E-Book – vor: Eine Erzählung von mir erscheint in der Anthologie »Macht & Wort«, die im Hirnkost-Verlag erscheint und die vom »Exodus«-Team zusammengestellt worden ist. ´-Verantwortlich dafür sind also Hans Jürgen Kugler und René Moreau.

Ich freue mich sehr darauf, in einem dicken Hardcover-Band veröffentlicht zu werden, neben zahlreichen Autorinnen und Autoren – teilweise preisgekrönt –, deren Arbeiten ich seit Jahren kenne. Zum Inhalt der Geschichten kann ich noch nichts sagen, ebensowenig zu den Illustrationen; das mache ich dann, wenn mir das Buch vorliegt.

Derzeit freue ich mich vor allem darüber, dass es klappt. Für einen Gelegenheitsautor wie mich ist das immer ein Erfolgserlebnis. Und der Untertitel des Buches macht ja schon mal neugierig: »Die Macht der Sprache – Sprache der Macht« …

12 September 2021

Superheldinnen in Nöten

Mehr aus Zufall bekam ich mit, dass der Superheldinnen-Film »Fast Color« bei Amazon Prime zu sehen ist. Ich guckte ihn an, fand ihn streckenweise sehr unterhaltsam, leider an einigen Stellen auch nicht gerade optimal – streckenweise ein wenig platt. Als Science-Fiction-Film hat er mich eingeschränkt überzeugt; ich würde ihn aber vor allem wegen der coolen Hauptfigur empfehlen.

Der Film spielt in einer Zukunft, die quasi einen Tag von heute entfernt ist; es herrscht Trockenheit, und auf dem staubtrockenen Land wächst nicht mehr viel. In dieser Zeit gibt es Menschen mit besonderen Fähigkeiten, und eine davon ist offenbar Ruth (sie wird von Gugu Mbatha-Raw sehr eindrucksvoll und glaubhaft gespielt). Sie kann mit ihren Kräften nicht unbedingt umgehen, die man im weitesten Sinne als Telekinese bezeichnen könnte. Die Behörden jagen sie, und sie will eigentlich nur ihre Ruhe.

Stück für Stück erkennt man als Zuschauer, was sie wirklich plagt. Sie erreicht eine Farm im ländlichen Raum, wo sie ihre Mutter und ihre Tochter trifft. Schnell wird klar: Alle drei Generationen haben mysteriöse Gaben. Ein alter Mann hilft ihnen, die Behörden sind weiterhin auf ihrer Spur – und so kommt es zu einem Showdown, der es in sich hat ….

Der Untertitel des Films in der deutschen Version ist »Die Macht in dir«, was ja eindeutig auf »Star Wars« und dergleichen verweist. Julia Hart, die Regisseurin, hatte für ihren Streifen auch nicht die Gelder zur Verfügung, die man für so einen Sternenkrieg erhält: Es treten nur wenige Personen auf, die Schauplätze sind beschränkt, und die Tricktechnik wird sparsam eingesetzt.

Trotzdem ist der Film spannend. Die Hauptpersonen finde ich glaubhaft, vor allem Ruth ist eine starke Figur. Dass die drei Heldinnen allesamt schwarz sind und die anderen Figuren weiß, hat natürlich eine Bedeutung, wird aber nicht besonders interpretiert. Insofern passt der Film gut zu aktuellen Themen wie »Black Lives Matter« – man kann ihn aber schlicht auch als einen Superhelden- oder Science-Fiction-Film sehen.

Für Genre-Fans bringt er möglicherweise zu wenig an überraschenden Elementen; das hat man alles ja so ähnlich schon einmal gesehen oder gelesen. Die politisch-gesellschaftliche Komponente gehört bei diesem Streifen einfach dazu – und die ist sehenswert. Der Film lohnt sich also!

11 September 2021

Zwanzig Jahre nach Nine Eleven

»Da ist einer mit einem Flugzeug ins World Trade Center geflogen«, berichtete der Kollege, der aufgeregt zu mir ins Büro kam.

Ich lachte auf. »Mit einer Cessna, oder was?« Es hörte sich absurd an, ich glaubte an einen Scherz oder einen kleinen Unfall.

Das Ausmaß des Schreckens wurde später klar, nicht nur mir. Ich erinnere mich an unsere Versuche, über das Internet mehr herauszufinden; die Leitungen waren allesamt überlastet. Und ich erinnere mich dabei, wie ich in stummen Entsetzen daheim vor dem Fernseher saß und die Bilder der zusammenbrechenden Türme ansah.

Das ist jetzt zwanzig Jahre her. Der »Nine Eleven« ist und war eine Zäsur der modernen Geschichte, und die Auswirkungen dürften auch noch in kommenden Jahren zu spüren sein. 

Am heutigen Tag wird es nicht an Berichten und Informationen fehlen. Viele Menschen schreiben an einem solchen Tag über ihre persönliche Erinnerung, so auch ich. Dieser Tag gehört für viele zum »kollektiven Gedächtnis«, nicht nur in der westlichen Welt. 

10 September 2021

Die AN 274 beendet eine Ära

Man kann es nicht anders sagen: Die Ausgabe 274 des Fanzines »Andromeda Nachrichten« bedeutet eine Zäsur für den dienstältesten Science-Fiction-Club im deutschsprachigen Raum. Das sage und schreibe 180 Seiten im A4-Format umfassende Heft wurde wieder einmal von Michael Haitel zusammengestellt, und nach dieser Ausgabe hört er auf. 

In seiner langjährigen Arbeit hat er das Heft geprägt wie kein anderer Redakteur zuvor, unter seiner Ägide wurde es zu einer selbstbewussten Zeitschrift, die viele Informationen und Rezensionen enthielt, aber auch Kurzgeschichten und andere Texte. Man wird im SFCD e.V. wohl erst verstehen, was man ihm hatte, wenn Michael Haitel nicht mehr da ist.

Wobei ich diese abschließende Ausgabe 274 richtig schwach fand ... An manchen Stellen wirkt das Heft so, als habe der Redakteur einfach nur alles »wild reingekloppt«, was er als Text vorliegen hatte.

Vor allem bei den Rezensionen fällt mir das auf – wer braucht bitteschön haarkleine Rezensionen einzelner Alben von »Yoku Tsuno«, die seit Jahrzehnten im Handel sind? Wäre da nicht ein Gesamtartikel sinnvoll oder das Herausgreifen eines einzigen, weil besonders wichtigen Albums?

Ähnliches gilt für die Beiträge, in denen sich Robert Hector zu der von mir herausgegebenen Serie äußert. Seine Artikel zur PERRY RHODAN-Serie lesen sich ohnehin immer wie eine Gedankensammlung und fänden vielleicht auch einen Leser, wenn sie mal jemand vernünftig redigieren würde. Hector hat wirklich Ahnung von dem, was er schreibt, und das merk man auch, wenn man sich auf seine Texte einlässt – ich bin anderer Ansicht als er, aber das ändert ja nichts an seinen Kenntnissen –, aber es ist oft schlicht unlesbar.

Bei aller Kritik an einzelnen Beiträgen: Die Nachfolgerin wird es ohnehin schwer haben, an die Arbeit von Michael Haitel anzuknüpfen. Mit der aktuellen Ausgabe 274 hat er optisch die Messlatte auf der bekannten Höhe gelassen, sie dafür inhaltlich drastisch abgesenkt.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie es mit dem Fanzine weitergeht!


09 September 2021

Sagittarius 10 mit Fantasy-Schwerpunkt

Im August 1984 kam die zehnte Ausgabe des Fanzines SAGITTARIUS heraus. Wie hoch die Auflage des im A4-Format veröffentlichten Heftes war, weiß ich nicht mehr: irgendwo zwischen 500 und 1000 Exemplaren. Das Themenheft wurde von Günther Freunek – der sicher die meiste Arbeit damit hatte –, meiner Schwester und mir herausgegeben. Ich fand damals, dass es neue Maßstäbe in Sachen Optik und Inhalt setzte.

Klar würde ich so ein Titelbild heute nicht mehr veröffentlichen. Es stammte von Olaf O. Manke, wir fanden es gut, und über Sexismus dachte unsereins damals einfach noch nicht nach. Und für ein »Magazin für fantastische und andere Literatur« waren solche Motive in den 80er-Jahren normal. (Das macht es nicht besser, erklärt aber vielleicht den Zusammenhang.)

Das Heft selbst hatte einen Inhalt, den ich immer noch gut finde. Klar gibt es die üblichen Beiträge: kritische Artikel über Fantasy, Zeichnungen und ein Comic, zwei Kurzgeschichten, aber vor allem einen umfangreichen Sekundärteil. Günther hatte die Idee gehabt, einige prominente Leute zu ihrer Meinung zur Fantasy-Literatur zu befragen: Autoren wie Hans Kneifel oder Carlos Rasch – beide leider schon verstorben –, die wir sehr schätzten, antworteten ebenfalls darauf wie Publizisten wie Jörg Weigand oder Franz Rottensteiner, die für uns Autoritäten waren. Mit Brian W. Aldiss und Poul Anderson hatten wir zwei echte »Promis« im Heft.

Mit seinen 36 Seiten im A4-Format lag das Heft damals richtig gut in der Hand. Es war die letzte Schwarzweiß-Ausgabe, danach machten wir mit Farbe weiter …

Wenn Wonk Unit schunkeln ...

Die britische Band Wonk Unit ist vor allem live ein Erlebnis: Die Mixtur aus flotten Melodien, albernen Sprüchen und teilweise sehr knalligem Sound macht sehr viel Freude, vor allem der Sänger ist ein unerschöpflicher Quell für Unsinn und seltsame Bewegungen. Die Platte »Muffy« spiegelt das auch ganz gut wieder.

Sie wurde 2013 veröffentlicht, ist also nicht unbedingt das neueste Werk der Briten, erweist sich aber trotzdem als typisch: Der Punkrock wirkt eher verspielt, es gibt Bläsersätze und witzige Melodien, immer mal wieder einige Ska-Einsprengsel – aber keine rasanten Stücke, keinen Hardcore-Sound, vor allem auch keine Metal-Gitarren und dergleichen.

Wer Vergleiche sucht, die aber sowieso immer hinken, möge bei den 80er-Jahren suchen und alte Platten der Toy Dolls oder von Serious Drinking als Vergleich heranzuziehen. Der spielerische Punk, den Wonk Unit auf »Muffy« anbieten, lässt sich damit sehr gut vergleichen. Wobei ich das nicht schlimm finde: Die Melodien sind ja vorhanden, und Punkrock ist das Ganze auch – aber halt nicht unbedingt so typisch für heutige Ohren.

Wobei ich Texte wie »You Married A Tortured Genius« oder »Love Of My Life« sehr amüsant finde und mich auch an den poppigen Stücken der Platte erfreuen kann. Seien wir fair: kein Meisterwerk, keine »Muss«-Scheibe, aber trotzdem gelungen. (Ich habe mir die Vinylscheibe gekauft, weiß aber, dass man die Platte auch digital erhalten kann.)

08 September 2021

Deutscher SF-Preis 2021

Ich bin jederzeit bereit und in der Lage, über die aktuellen Phantastik- und Science-Fiction-Preise zu lästern: Beim einen Preis entscheiden teilweise »Abstimmungsberechtigte« über einen Preis, die seit Jahren und Jahrzehnten nichts mehr veröffentlicht haben, beim anderen ist es eine Jury, die über Fachkenntnis verfügt, aber verständlicherweise nicht objektiv sein kann. Trotzdem habe ich mich über die Ergebnisse des Deutschen Science-Fiction-Preises (DSFP) 2021 sehr gefreut.

Der hoffentlich nachvollziehbare Grund: Der immerhin mit 1000 Euro dotierte Preis geht in einem Fall an einen Kollegen, der ihn auch wirklich verdient hat. Das ist dann ein echter Grund zum Feiern!

In der Kategorie »Beste deutschsprachige Kurzgeschichte« gewann nämlich die Kurzgeschichte »Wagners Stimme« von Carsten Schmitt. Sie wurde in der Anthologie »Wie künstlich ist Intelligenz?« veröffentlicht, die offiziell von mir herausgegeben wurde und im Verlag Plan9 erschienen ist.

Auch der dritte Platz stammt aus dieser Anthologie; es ist »Die Sapiens-Integrale« von Michael Marrak. Beide Geschichten sind ausgesprochen gut, und es ist richtig, dass sie einen Preis erhalten haben.

In der Kategorie »Bester deutschsprachiger Roman« bin ich ja ein wenig ratlos. Ich kenne den Autor nicht, ich habe von dem Verlag noch nie gehört, und ich hätte diesen Roman auch nie auf der Liste gehabt. Gewonnen hat »Die Sprache der Blumen« von Sven Haupt, veröffentlicht im Mystic Verlag. Nun … dafür wird es einen guten Grund geben.

Leider ist auf der Liste der platzierten Romane kein einziger, den ich bislang gelesen habe. Immerhin liegt »Fallender Stern« von Christoph Dittert auf meinem »dringend zu lesen«-Stapel. Aber ich kann ja auch nicht alles kennen …

07 September 2021

Schmetterlinge im Park

Eigentlich schreibe ich in meinem privaten Blog nicht so viel über meine Arbeit; das will ich ja trennen. Das eine ist privat, das andere ist beruflich. Was aber ist, wenn ich einen Text veröffentliche und mich darüber freue? Konkret: Ich habe schon wieder eine Geschichte geschrieben, die im PERRY RHODAN-Universum spielt, und diese haben wir auf unserer Internet-Seite veröffentlicht.

Konkret: Seit heute kann man »Schmetterlinge im Park« in unserem Online-Shop herunterladen, kostenlos natürlich. Es handelt sich um eine einfache Kurzgeschichte, mehr nicht, und ihre Hauptperson ist Perry Rhodan. Es gibt keine Action, keine Geheimagenten und dergleichen … es ist ein Text, der mit einer der Mythen des Perryversums spielt.

Ich habe die Geschichte sehr gern geschrieben, und ich habe mich darüber gefreut, dass wir sie in dieser Weise publizieren können. Das Titelbild bastelte Janina Zimmer auf Basis früherer Illustrationen unserer Serie. Ich würde mich natürlich freuen, wenn sie auch von Leuten gelesen würde, die unsere Serie (noch) nicht kennen.

Die Rückkehr des numidischen Prinzen

Wie ich schon oft erzählt habe: Ich gehöre zu der Generation von Comic-Lesern, die in den 70er-Jahren durch das Magazin »Zack« an die Neunte Kunst herangeführt worden sind. Seither bin ich den Abenteuer-Comics der frankobelgischen Machart verfallen und bevorzuge diese nach wie vor gegenüber den anderen Stilrichtungen – wobei ich mit großer Freude häufig Superhelden oder Funny-Comics lese.

Das erklärt, warum ich mich so gefreut habe, als der Finix-Verlag eine Gesamtausgabe von »Jugurtha« ankündigte. Den ersten Band kaufte ich mir gleich, mittlerweile las ich ihn auch. Was soll ich sagen? Meine Erinnerung trügt teilweise doch sehr, aber ich mag Jugurtha und seine Abenteuer trotzdem. Wobei vor allem die ersten Geschichten schon so ihre Schwächen haben.

Dieser erste Band enthält die Abenteuer, die anfangs als Kurzgeschichten veröffentlicht wurden und erst später zu Alben zusammengefügt worden sind, sowie die ersten zwei Alben. Nach Texten des französischen Comic-Profis Vernal zeichnete Hermann Huppen in den 60er-Jahren die ersten »Jugurtha«-Geschichten. Sie sind noch weit entfernt von dem meisterhaften Stil, den Huppen später mit Serien wie »Andy Morgan« oder »Jeremiah« entwickeln sollte. Trotzdem zeigen sie schon seine Freude, abenteuerliche Stoffe in starke Action umzusetzen.

Man merkt, dass sowohl der Autor als auch der Zeichner in dieser frühen Phase noch »übten«. Richtig los mit der »Jugurtha«-Geschichte geht es in der zweiten Hälfte dieses Bandes. Die Geschichte löst sich von dem historisch verbürgten Prinzen Jugurth und entwickelt sich in Richtung einer losen Fantasy-Historien-Mischung. Als Zeichner kommt in diesen Alben, die ab 1976 veröffentlicht wurden, Franz zum Einsatz.

Mir haben die Geschichten trotz allem gefallen. Sie sind ein wenig altmodisch, vor allem die ersten, erinnern aber immer noch positiv an die gute Tradition des alten frankobelgischen Abenteuer-Comics. Die Abenteuer sind unterhaltsam, es wird eine positive Moral vermittelt – auch wenn ständig gekämpft wird –, und Jugurtha versucht, zu vermitteln und Freunde zu schließen. (Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches. Im ersten Teil geht's um Krieg und Kämpfe und das Belagern von Städten.)

Man muss Freude am klassischen frankobelgischen Stil haben, dann gefallen einem die »Jugurtha«-Geschichten. Ich werde mir die anderen Bände der Gesamtausgabe ebenfalls kaufen.

06 September 2021

Stirbt unsere Pogo-Kultur?

(Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe 154 des OX-Fanzines und wird an dieser Stelle mit gebührendem Zeitabstand »nur« dokumentiert.)
 

Die Frage stand in einer der Mails, die ich im Herbst 2020 erhielt. Gestellt wurde sie von einem Punkrock-Kumpel aus Baden-Württemberg, den ich seit den 80er-Jahre kannte: »Wird Punk eigentlich die Corona-Zeit überstehen? Muss unsere Pogo-Kultur vielleicht sterben?«

Ich stutzte zuerst, als ich das las. Pogo und Kultur in einem Satz? War das jetzt übertrieben?

Mit dem bewussten Kumpel war ich schon durch manches Pogo-Konzert gehüpft. Wir hatten besoffen irgendwelche Stakkato-Sätze mitgebrüllt, hatten mit Bier gespritzt oder waren, vom eigenen Schwung getragen, irgendwann am Rand der Pogo-Fläche gestolpert und auch mal auf dem Boden gelegen. Was hatte das mit Kultur zu tun?

Ich bin keine 17 Jahre alt, auch keine 27 mehr. Gehe ich nach meinem Personalausweis und nach der Optik, bin ich 57 Jahre alt. Das ist das Alter, in dem man sich für Hochkultur zu interessieren hat, für klassische Musik und Opern, für Gemäldegalerien und anspruchsvolle Literatur. Ich kann mir heute tatsächlich klassische Musik oder Jazz anhören, ohne brechen zu müssen – im Alter wird man wirklich ruhiger.

Aber verdammt noch mal: Wenn irgendwo eine großartige Punkrock- oder Hardcore-Band spielt, dann schreie und hüpfe ich immer noch. Vielleicht nicht mehr vom ersten Ton an, das überlasse ich gern den Jüngeren, aber irgendwann packt mich halt doch »der Veitstanz«, wie es meine immer charmante Mutter vor Jahrzehnten nannte. Das ist sehr wohl Kultur.

Es ist eine Anti-Kultur, meinetwegen. Oder es ist eine Kultur unter anderen Vorzeichen, andere Leute würden es Alternativkultur nennen. Aber es ist »unsere« Kultur, wer immer auch »uns« sein mag.

Vielleicht sind es nur einige hundert oder tausend Leute in Deutschland, vielleicht nur einige zehn- oder hunderttausend Menschen weltweit. Es ist, wenn man den harten Kern betrachtet, eine kleine Szene – und ich fühle mich nach all den Jahren in dieser Szene immer noch wohl. Es ist eine Szene mit ihrer eigenen Kultur.

Und diese Kultur ist durch Corona und seine Folgen massiv bedroht.

Punk und Hardcore kann man sich daheim anhören, beim Autofahren, beim Joggen im Park. Weil Musik ständig verfügbar ist, macht es keinen großen Unterschied, wo ich welches Stück höre. Man kann sich darüber streiten, ob MP3-Dateien besser oder schlechter sind als Vinylscheiben – aber das ist Detailhuberei. Denn Musikhören allein macht keine Szene aus.

Wenn man dazu neigt, die Punk-Hardcore-Szene zu romantisieren, wie ich das gelegentlich mache, wird klar, dass es zwar um Musik geht, aber ebenso um ein Lebensgefühl. Das hat heutzutage nicht mehr so viel mit Selbstzerstörung zu tun wie in den 80er-Jahren, aber doch mit einem Widerspruch, den man Außenstehenden kaum erklären kann: Als Punkrocker stellt man sich in einer gewissen Phase seines Lebens bewusst außerhalb der Gesellschaft, manifestiert das durch Optik in verschiedenster Form und verhält sich unangepasst, schätzt es aber, die Gesellschaft von anderen zu suchen.

Klassisches Muster einer Jugendkultur: Man schließt sich nach innen zusammen und schirmt sich nach außen ab. Dass das einige Leute jenseits der fünfzig wie ich immer noch machen, können Außenstehende gern belächeln. Denn das ist letztlich das, was die Pogo-Kultur ist: eine Subkultur mit eigenen Regeln und Gesetzen, die unausgesprochen sind, aber seit langem gelten. 

Innerhalb der Szene ist es egal, was jemand »im wirklichen Leben« macht: ob sie bei einem Autohersteller arbeitet oder er sich als Freiberufler durchschlägt, ob er arbeitslos ist oder sie auf einem Job als Beamtin gelandet ist. Entscheidend ist, wie man sich innerhalb der Szene verhält. Und die Szene ist eine, die nicht in den heimischen vier Wänden verortet wird, wo man sich in gepflegter Atmosphäre die Vinylscheiben anhört. 

Punk findet, um es klar zu sagen, auf der Straße statt und im Konzertraum. Zu Punk zählen Konzerte, bei denen es laut und heftig zugeht, und dazu gehört ebenfalls, dass man sich auf der Straße herumtreibt und nicht nur brav auf dem Sofa sitzt, um sich Musik reinzuziehen. Ein Punk-Konzert hat laut zu sein, mit viel Energie und mit einem »Wumms«, der einem hilft, hinterher mit den Widrigkeiten des Alltags besser klar zu sein, vielleicht deshalb, weil man neuen Mut geschöpft oder neuen Hass getankt hat.

All das ist in diesen Monaten nicht möglich. Ich will gar nicht von den wirtschaftlichen Konsequenzen für viele Menschen sprechen. Die zahlreichen Leute, die rings um ein Konzert gebraucht werden, ob für die Musik, für den Ton oder das Licht, für das Catering und den Eintritt und irgendwann sogar fürs Aufräumen – sie alle stecken in existenziellen Nöten, die sich von Monat zu Monat zuspitzen. 

Wie es mit ihnen weitergeht, wenn die Pandemie irgendwann überwunden sein wird, weiß bislang keiner. Man kann davon ausgehen, dass nicht alle Kleinunternehmen durchkommen werden – eine Tragödie für viele kreative Leute, die dazu beitragen, dass eine Szene wie die unsere überhaupt existieren kann. Bis sich diese Menschen davon erholt haben, wird viel Zeit kosten, und bis sich die Szene davon erholen wird, womöglich auch.

Letztlich gehört alles zusammen: eine nach wie vor widerständige Szene mit ihren Bands und den Leuten, die dafür sorgen, dass alles funktioniert. All das ist in der Corona-Krise massiv bedroht, nicht nur für die Dauer eines Lockdowns, sondern darüber hinaus. Es glaubt sicher niemand daran, dass wir im Frühjahr 2021 schlagartig zur Zeit vor der Krise zurückkehren werden.

Wie hat man sich das denn vorzustellen? Werden vor Betreten eines Punk-Konzertes die Impfausweise kontrolliert? Dürfen nur die Leute nach vorne, die eine Impfung nachweisen können? Müssen die anderen mit Maske und Sicherheitsabstand irgendwo separat stehen? Sind Pogo, Slamdance oder gar Stagediving völlig undenkbar – für das Jahr 2021 und für alle Zeiten?

Die Zukunftsaussichten sind unklar, niemand weiß etwas, das man als konkrete Prophezeiung benutzen könnte. Durchhalteparolen helfen nicht weiter. Ob unsere Pogo-Kultur das alles übersteht, weiß ebensowenig ein Mensch. »Unbeschadet« sicher nicht. Es werden Veranstalter aufgeben, Clubs schließen, Firmen in die Pleite rutschen, Bands ihre Proberäume verlieren. 

Was uns bleibt, ist die Solidarität, so klischeehaft das klingen mag.

Dynamischer Deutschpunk aus Bremen

Ich sah Bernd Wand im Jahr 2018, wenn ich mich erinnere; live gefiel mir die Band aus Bremen sehr gut, und ich hatte bei ihrem Auftritt viel Freude. Die Band präsentierte sich mit sichtlichem Spaß, der sich auch auf das Publikum übertrug: durchaus politisch in den Ansagen, aber immer wieder mit Spielfreude und Eigenironie.

Höre ich mir die CD »vom ganzen nichts halbes« an, die die Band schon 2015 veröffentlichte, stellt sich das Gefühl ebenfalls ein. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: Der manchmal anarchische Charme, den ich im Konzert sah, gibt es auf der CD kaum. Die Aufnahmen sind zumeist sehr gut, die Musiker schrammeln zudem nicht so sehr. Manchmal ist mir der Sound fast schon zu hardrockig, ein Stück wie »Schwarz oder Weiß« kann man etwa ganz locker als 80er-Jahre-Hardrock bezeichnen.

Vielleicht nähere ich mich der Band idealerweise an, indem ich sie für mich als »inspiriert durch die Toten Hosen« abspeichere, ob das nun stimmt oder nicht. Der sehr rockige Deutschpunk, den Bernd Wand spielt, klingt zwar nicht ernsthaft nach den Hosen, in seiner kompakten Art passt das aber ganz gut. Das ist kein Metal und kein Emo, vor allem auch kein Versuch, die ganz frühen 80er-Jahre aufleben zu lassen.

Sagen wir so: Bernd Wand hat sechs Stücke auf der CD, die mir gut gefallen. Manchmal ist es mir zu glatt, aber es als Autofahrer-CD gefällt mir das echt. Schöne Sache!

04 September 2021

Wasteland in Wolfenbüttel

Der heutige Tag stand in der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel ganz im Zeichen des Themas »Politik und Phantastik« – und das in diversen Abwandlungen. Unter anderem besprachen wir die Texte und Konzepte, die von den vier Autorinnen und sechs Autoren eingereicht waren; vor allem ging es uns dabei um die Ideen, während wir uns um stilistische oder grammatikalische Details kaum kümmerten. Man muss ja schließlich Prioritäten setzen.

Den Morgen begannen wir mit einem Roman: »Wasteland«, der von Judith C. und Christian Vogt verfasst worden ist. Kathrin Lange und ich hatten beide das Buch gelesen und stellten es als ein Beispiel vor, wie sich unterschiedliche Themen der politisch-gesellschaftlichen Diskussion in einen phantastischen Roman einarbeiten lassen. Wie immer ging es auch an dieser Stelle darum, genauer auszuloten, welche Möglichkeiten die phantastische Literatur hat. (Am Rand sprachen wir zudem über »Die Götter müssen sterben« von Nora Bendzko; ein Beleg dafür, dass Fantasy auch feministisch darherkommen kann.)

Am Abend hatten wir erneut ein allgemeines Thema mit weiterführender Diskussion. Wie rassistisch sind die Figuren und Völker im »Herrn der Ringe«? Kann man die Trilogie heute noch lesen, oder sollte man sie eher ignorieren? Und was heißt das für Menschen, die heute schreiben und veröffentlichen wollen? 

So richtig einig wurden wir uns in der Runde nicht; nur in einem klaren Punkt: Heute müssen sich Autorinnen und Autoren einfach ihre Gedanken darüber machen, wie sie Menschen anderer Hautfarbe darstellen, und sie sollten pauschale Zuordnungen vermeiden. Aber klar: Jeder kann alles schreiben, diese Freiheiten bleiben einem ja unbenommen.

03 September 2021

Im dritten Stock der Mühle

Nach gut einem Jahr bin ich wieder einmal in Wolfenbüttel. Es ist ein Seminar für Autorinnen und Autoren, die Science Fiction und andere phantastische Literatur schreiben. Das Seminar steht unter dem Oberbegriff »Politische Phantastik«, und ich bin einer der zwei Dozenten. 

Die Dozentin ist die Autorin Kathrin Lange; mit dabei in unserer Regie ist Dr. Olaf Kutzmut, der Leiter für den Fachbereich Literatur an der Bundesakademie für kulturelle Bildung. Er sorgt auch dafür, dass die Corona-Bestimmungen eingehalten werden, die sehr klar sind (es gilt die Drei-G-Regel, und steht immer eine Tür offen).

Diesmal bin ich in einem Zimmer im dritten Stock untergebracht, wo ich noch nie war. Das ist also eine echte Premiere für mich; der Ausblick von der Höhe aus ist völlig anders als sonst. Ich sehe nicht nur auf den kleinen Fluss am Gästehaus, sondern auch ein wenig über das angrenzende Wohngebiet. 

Wolfenbüttel ist schon arg nett; nur schade, dass ich bei meinen Aufenthalten in der Stadt nie so viel davon sehe. Aber schauen wir erst einmal, was das Wochenende noch alles bringen wird ...

02 September 2021

Wetzlarer Tage mit weiblicher Perspektive

Leider schaffe ich es selbst nicht, die Veranstaltung zu besuchen, aber ich finde den Ansatz gut: Die Wetzlarer Tage der Phantastik finden in diesem Jahr wieder statt – unter einem strengen Hygienekonzept natürlich, aber immerhin. Vom 10. bis 12. September geht es um »Weibliche Perspektiven der Zukunft: Science Fiction von deutschsprachigen Autorinnen«.

Es gehe, so heißt es in der Information, auch darum, »die aktuelle Situation von Autorinnen in der Science Fiction aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten«. Es gibt Vorträge, Diskussionen und Lesungen, wie man es von einer solchen Veranstaltung auch erwarten kann.

Weitere Informationen gibt es auf der Internet-Seite der Phantastischen Bibliothek. Ich wünsche allen Beteiligten einen spannenden und informativen Verlauf!

Rotzige Punk-Split-Single

Ist das schon Vinyl-Verschwendung, oder muss man das als cool bezeichnen? Eine Punk-Band aus England und eine aus Kanada teilen sich eine Seven-Inch, jede Band auf jeder Seite nur ein Stück ... das Ganze ist dann für Plattenfetischisten wie mich auf 300 Exemplare limitiert. Veröffentlicht wurde die Platte im Jahr 2012.

Nun, ich finde die Single cool – ich hab mir das Ding ja auch gekauft. Beide Bands machten mich zudem neugierig darauf, weitere Tonträger von ihnen zu kaufen oder zumindest anzuhören (das Internet macht es ja möglich).

Durban Poison sind aus Victoria, der Hauptstadt des kanadischen Bundesstaates British Columbia; von dort kannte ich bislang nur Bands aus Vancouver richtig bewusst. Die Band, deren vier Mitglieder sich so Namen wie Matti Corvette gegeben haben, spielt klassischen 77er-Punk, schrubbig und flott und mit einer rotzigen Attitüde; ihr Stück »Whore Of Babylon« klingt sehr zackig.

Die Botox Rats aus London bestehen ebenfalls aus vier Leuten, die sich entsprechende Punkrock-Namen gegeben haben. Ihr Stück »Loose Lips« ist schnell und rotzig, der Sänger nennt sich Vinny Sainte Rose und hat eine quietschig-quengelige Stücke. Ziemlich klasse bei einem Stück; bei einer ganzen Langspielplatte könnte es irgendwann nerven.

Auf jeden Fall fängt die Single den Geist von 1977 ein und transportiert in glücklich in die Zehnerjahre. Und mir gefällt so was eben immer noch ...

01 September 2021

Ist wirklich keiner schuld?

In den vergangenen Tagen wurde ich kurzfristig zum Fan einer vierteiligen Serie, die bei ARTE noch bis zum 1. Oktober in der Mediathek zu sehen ist; sie wurde 2019 von der BBC produziert und wird erst dieser Tage im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Die vier Folgen sind erfreulich kurz – sie sind immer knapp 50 Minuten lang, was auch jemand schaffen kann, der ansonsten nicht so viel Freizeit hat.

Ob »Guilty« nun ein Krimi ist oder eine Drama-Serie, ist mir relativ egal – für mich war das großartige Fernseh-Unterhaltung, die ich an dieser Stelle unbedingt empfehlen möchte. Die Serie spielt in Edinburgh, quasi in der Neuzeit. Von der Stadt bekommt man auch immer mal wieder eine Ansicht von einem Hügel aus, touristisch bringt es allerdings nicht so viel …

Zwei Brüder fahren von einer Hochzeit nach Hause. Der eine ist ein erfolgreicher Anwalt und schon ziemlich betrunken – deshalb hat er seinen Bruder, einen eher erfolglosen Besitzer eines Schallplattenladens, ans Steuer seines schicken Sportwagens gelassen. Der Bruder ist dummerweise bekifft.

Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden überfahren in ihrem Zustand einen Rentner. Der Mann bleibt tot auf der Straße zurück. Vor allem der Anwalt hat Angst um seine Karriere, also entscheiden sie sich spontan zu einem waghalsigen Plan: Sie tragen die Leiche des Rentners ins Haus zurück und drapieren sie so in einen Sessel, dass man meinen könnte, der alte Mann sei eines natürlichen Todes gestorben.

Soweit der Ausgangspunkt für eine Serie, die von Minute zu Minute verwickelter und spannender wird. Eine Nichte des Verstorbenen mischt bald mit, es kommt zu Erpressungen, ein Detektiv wird eingeschaltet, und sogar das organisierte Verbrechen tritt auf den Plan.

Die Serie ist teilweise witzig, vor allem aber sehr spannend; die Dialoge sind großartig, und die Schauspieler sind teilweise auch super. Was mir ebenfalls gut gefallen hat: Es wird auf zu viel Brutalität verzichtet; dass Gangster fies und gemein sind, wird allerdings klar angedeutet.

Der Untertitel der Serie ist übrigens »Keiner ist schuld«; das ist ein wenig skurril, weil im Verlauf der vier Teile eigentlich jeder schuldig wird. Sie wird auch als Staffel eins bezeichnet – mir ist aber unklar, wie man auf Basis dieser vier Teile eine zweite Staffel drehen kann. Aber ich lasse mich gern positiv überraschen …

31 August 2021

Kochen mit Comics?

Ich bin ja die Zielgruppe – für irgendwelchen Quatsch mit Comics bin ich oft zu haben. Ob ich mir allerdings die zwei Bücher kaufen soll, mit denen die Kolleginnen und Kollegen bei der Ehapa Comic Collection in den Herbst starten, weiß ich noch nicht genau. Immerhin geht es sehr differenziert zu …

»Asterix – das offizielle Kochbuch« bietet angeblich vierzig Rezepte, zu denen die »Asterix«-Comics inspiriert haben. In der Werbung wird ein »Essen wie Gott in Gallien« versprochen. Ich erinnere mich ja nur an irrsinnige Wildschweingerichte und vermute, dass für mich als Vegetarier nicht so viel dabei ist.

Ähnlich sieht es bei »Lucky Luke – das Kochbuch« aus, das mit dem Satz »Kochen wie im Wilden Westen« beworben wird. Es bietet anscheinend »Rezepte und Geschichten aus dem Wilden Westen«; dass in der Werbung der Vielfraß Avarell Dalton und der dumme Hund Rantanplan abgebildet werden, stimmt mich ein wenig misstrauisch …

Comic-Dreiteiler um Wikinger, Zentauren und Berserker

Alstavik ist ein Königreich, irgendwo im Norden von Europa gelegen. Seine Hauptstadt wurde auf einem riesigen Ast erbaut, einem Teil von Yggdrasil, des Weltenbaums. Von dort aus regieren die jeweiligen Könige über das Reich, dessen Grenzen von Zentauren einerseits und von Kelten andererseits bedroht werden.

So beginnt »Konungar«, ein Comic-Dreiteiler, der eine große Saga vom Niedergang eines Königreiches erzählt. Dabei spart die Serie nicht an den Dingen, die man von Fantasy erwartet: Männer mit blutenden Schwertern in der Hand, düstere Magie, brutale Kämpfe, leidende Frauen und eine Untergangsstimmung, die sich durch die gesamte Geschichte zieht.

Leider scheint mir bei dem Dreiteiler zu viel des Guten in die Story gemischt worden zu sein. Sylvain Runberg, der Autor, packt mit den Zentauren ein Element in die Wikinger-Geschichte, das irgendwie gar nicht passt. Seine Geschichte ist wuchtig erzählt, kommt mir aber zu übertrieben vor, um wirklich zu überzeugen. (Wer Sword & Sorcery mag, sollte trotzdem einen Blick in die Leseprobe werfen.)

Bei den Bildern konnte mich Juzhen leider auch nicht überzeugen. Die muskelbepackten Männer sehen teilweise aus, als entstammten sie einem modernen Computerspiel, wozu die manchmal starren Gesichter beitragen. Man sieht, dass der Künstler sein Metier versteht; vor allem die Szenen, die mehrheitlich in der Nacht spielen, sind düster und stecken voller brutaler Energie.

Mir ist es dann tatsächlich auch zu viel der harten Kämpfe. Irgendwann verlor ich bei der Lektüre den Überblick, wer denn nun gerade wem die Kopf abhackt oder wer gerade welche Truppe mit Pfeilen beschießt. Weil letztlich alle männlichen Figuren lange Haare und Bärte tragen, fällt es sogar schwer, sie auseinanderzuhalten.

Seien wir fair: »Konungar« ist packende Fantasy mit viel Schwert und noch viel mehr Magie. Meine Tasse Bier war's diesmal aber nicht.

30 August 2021

Bjarne Mädel ist »Geliefert«

Der Schauspieler Bjarne Mädel ist durchaus vielseitig; das merkte man bei seinen Auftritten in diversen Fernsehserien wie »Der Tatortreiniger« oder Filmen wie »25 km/h«. Mit »Geliefert« gibt’s derzeit einen Film mit schön doppeldeutigem Titel, in dem er als Hauptdarsteller einen sehenswerte Leistung abgibt.

Mädel spielt einen Paketboten, der sich für wenig Geld abrackert, der dabei versucht, sein gutes Herz zu bewahren, und bei alledem nicht mitbekommt, wie er quasi seinen Sohn verliert. Für ihn sind 60 Euro richtig viel Geld, und weil er mit allen Problemen nicht so richtig klarkommt, lässt er sich sogar auf einen kleinen illegalen Job ein …

»Geliefert« kann man sich derzeit in der Mediathek anschauen, ein Film, der einen klaren Ausschnitt aus dem Leben eines »prekär Beschäftigten« zeigt. Das ist gut gespielt, manchmal sogar witzig, oftmals aber dramatisch und ein wenig traurig. Sehenswert!

Vom Herz in den Mund

Dass ich die Sängerin LP so lange nicht wahrgenommen habe, ärgert mich mittlerweile fast. Dabei ist ihre Mischung aus Liedermacher-Pop und IndieRock richtig gut und der Beleg dafür, dass man sich auch in diesen Jahren immer noch Rock-Musik reinziehen kann. 2018 erschien ihre LP »Heart To Mouth«, die ich zur Zeit oft höre.

Auffällig bei LP, die eigentlich Laura Pergolizzi heißt und seit den 90er-Jahren als Musikerin unterwegs ist, ist ja ihre Stimme. Sie kiekst manchmal, dann singt sie »normal«, manchmal hat sie einen bewusst unsauberen Klang, um dann sogar ein wenig nach einer »Rockröhre« der 80er-Jahre zu klingen. Auffallend ist aber, wie wandelbar die Stimme ist und sich den Stücken anpasst.

Die Band passt ebenfalls dazu. Man kann argumentieren, dass das nichts Neues ist, was LP spielt, halt Rock-Musik mit einem guten Frauengesang, im Prinzip die Pretenders genommen und in ein anderes Jahrhundert verfrachtet. Das meine ich an dieser Stelle positiv: Die Stücke sind abwechslungsreich und haben meist eine gute Melodie, sie sind schmissig und rockiger als die Stücke anderer Platten.

Einen Über-Hit wie »Lost On You« enthält diese Platte nicht, aber damit ist ja auch nicht immer zu rechnen. Sie ist aber durch die Bank gut und macht viel Freude, und ich kann sie mir getrost mehrmals hintereinander anhören. Tolle Sängerin, gute Platte!

29 August 2021

Kurze Hosen, Müllcontainer

Ich trage einen Beutel mit Müll hinunter in den Hof, um ihn in den Container zu stopfen. Auf dem Weg dorthin begegne ich einer Nachbarin, nichts ungewöhnliches also. Es regnet allerdings, und es ist ein ausgesprochen kühler Tag Ende August 2021. Sie trägt eine Jacke und eine Mütze.

»Sie laufen ja in kurzen Hosen und T-Shirt herum!«, sagt sie zu mir. »Ist Ihnen nicht kalt?«

Ich hebe die Schultern. »Es ist ein wenig kühl, aber wir haben doch Sommer, und im Sommer hat man doch Sommerkleidung zu tragen.«

»Was?« Sie starrt mich an.

»Ich war vor vielen Jahren einmal bei der Bundeswehr. Als Wehrpflichter nur, wie das damals üblich war. Und bei der Bundeswehr wurden Sommer und Winter befohlen.«

»Was?«

»Wenn der Kompaniechef sagte, es sei Sommer, zogen wir die Sommer-Uniform an, egal wie kalt oder warm es war. Und wenn Winter befohlen wurde, trugen wir Parka – auch wenn die Sonne schien. Das war die Regeln.«

»Das verstehe ich nicht.«

»Na ja, und der Wetterkalender sagt, dass wir heute Sonmer haben. Ich befolge also nur die Befehle des Kalenders und damit letztlich der Behörde, die für die Kalender zuständig ist. Wir haben laut Kalender noch August und damit Sommer – also trage ich Sommerkleidung.«

Die Nachbarin ist verwundert und lässt mich in Ruhe; sie sagt kein Wort mehr, und ich bringe den Müll weg. Es ist manchmal einfach, seine Mitmenschen zu verwirren.

28 August 2021

Eine Geschichte über Science Fiction und Punkrock

Normalerweise versuche ich – so gut es geht – zwischen meinem Beruf und meinem Privatleben zu trennen. Das klappt sowieso nie besonders gut, aber immerhin schaffe ich es bei meinen Blogs. Im ENPUNKT-Blog geht es sicher auch mal um Science Fiction, aber normalerweise nicht um PERRY RHODAN. Heute ist das anders ...

Schuld daran ist ein Fan-Autor oder eine Fan-Autorin – ich habe da so eine Vermutung –, die eine Kurzgeschichte verfasst hat, die man auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-OnlineCommunity nachlesen kann. Die Geschichte trägt den schönen Titel »Der Redakteur«, und sie handelt von mir, von Punkrock, von einer Romanfigur und meinem Beruf.

Bei der Lektüre musste ich einige Male lachen; das passt nicht nur zu den sechzig Jahren unserer Serie, die wir in diesem Jahr feiern, sondern auch zu meinem Alltagsleben. Ich gestehe, dass ich mich dadurch sehr geschmeichelt fühlte. Aber jede/r möge selbst lesen ...

27 August 2021

Auf der Burg Stettenfels

Während der freien Tage im August steuerten wir – mehr aus Zufall – auch einmal die Burg Stettenfels an. Diese liegt zwischen Heilbronn und Stuttgart, um es grob zu sagen, inmitten einer Landschaft aus sanften Hügeln. Wir besuchten die Burg nicht so, dass wir uns die Räumlichkeiten ansahen, die man auch mieten kann, sondern nur so, dass wir im Biergarten saßen und in die Ferne schauten.

Es war ein schöner und sonniger Tag. Das alkoholfreie Bier schmeckte mir bei diesen Temperaturen sehr gut, der Flammkuchen war ordentlich, und alles in allem war es eine Aussicht, wie man sie in einem Reiseführer hätte veröffentlichen können.

Um es klar zu sagen: Das Essen ist bürgerlich-rustikal, also nichts für Menschen, die unbedingt immer so etwa wie Sterne-Küche brauchen. Aber ein Flammkuchen oder ein Schnitzel essen und dabei eine herrliche Aussicht genießen – das hat auch etwas. Und als Ausflugsziel ist die Burg nicht zu verachten.

Ich bin sicher, dass ich dort mal wieder einkehren werde. Als Ausflugsziel ist die Burg Stettenfels einfach ein schöner Ort, auch wenn vielleicht irgendwann mal die Pandemie vorüber sein wird …

Der schwarze Würger

Morde im Milieu reicher Leute, eine Verbindung zu einem Dämon aus Lateinamerika, ein düsterer Hintergrund – das ist natürlich ein Fall von John Sinclair, den offiziellen Geisterjäger von Scotland Yard. Ich habe dieser Tage die Folge 41 der Serie »Sinclair Classics« angehört, die den Titel »Der schwarze Würger« trägt.

Rein inhaltlich ist es eine echt haarsträubende Geschichte; man merkt, dass sie aus der Zeit stammt, in der sich die Autoren nicht immer viele Gedanken über die Logik ihrer Romane machten. Das Original wurde erstmals 1977 als Heftroman veröffentlich; die neue Hörspielversion stammt aus dem Jahr 2020 und holt aus dem Stoff heraus, was zu schaffen ist.

Dabei geht die Geschichte ganz gut los: Man erhält ein kleines Sittenbild der Londoner Gesellschaft – oder das, was der Autor dafür gehalten hat –, es gibt gute Dialoge und einige persönliche Verbindungen (Sinclair kennt eben viele Leute, und die wiederum kennen andere Leute …); das macht alles Spaß. Danach kommen die üblichen Gruseleien ins Spiel, Schrumpfköpfe und monströse Dämonen inklusive.

Mir machen diese Hörspiele immer Spaß, auch wenn sie häufig abstruse Geschichten erzählen. Dank der gut gemachten Effekte und der guten Regie funktioniert auch »Der schwarze Würger« …

26 August 2021

Als Fantastrips anfing

Zu Beginn der 80er-Jahre schienen alle Fan-Szenen gleichermaßen zu boomen. Ein Grund dafür war, dass die Druckmöglichkeiten auf einmal leichter zugänglich waren: Man konnte in einer Universitätsstadt in der örtlichen Uni-Druckerei preiswert drucken, Offset war das Ding der Stunde, Kopierer wurden preiswerter. Und so entstanden Science-Fiction-, Fantasy-, Comic- oder Punk-Fanzines am laufenden Band.

Anfang 1980 wurde die erste Ausgabe von »Fantastrips« veröffentlicht. Das war schon kein normales Fanzine mehr, und es verweigerte sich ein wenig den bisherigen Richtungen: Das Heft präsentierte vor allem Bilder, war aber kein Comic-Fanzine. Es stellte Illustratoren und ihre Arbeiten in den Vordergrund, ganzseitige Bilder, kombiniert mit Texten. Das war neu und verblüffte mich.

Ich kaufte mir die erste »Fantastrips«-Ausgabe nicht gleich, sondern erst einige Monate später. Es kann sogar sein, dass ich sie erst im Herbst 1980 erstand, als Peter Altenburg mit seinem »Fantastrips« vor meinem »Sagittarius«-Verkaufsstand auf dem WeltCon auftauchte und fragte, ob er sich neben mir breitmachen könne.

Das machte er dann so erfolgreich, dass sich rasch herumsprach, was für ein ungewöhnliches Heft er verkaufen wollte. (Wenige Jahre später machte er als Karl Nagel ein Heft namens »Hackfleisch« – aber das ist dann eine andere Geschichte.) Über diesen Con könnte ich noch viele Geschichten erzählen …

Die erste Ausgabe von »Fantastrips« war ein Heft für Science Fiction und Fantasy. Heute würde manche Grafik eine Sexismus-Diskussion auslösen, damals dachten wir alle nicht über kritische Themen wie Sexismus nach. Das Heft war eine Augenweide, und man kann es auch heute noch durchblättern und bei manchen Bildern staunen.

Peter Altenburg legte zu Beginn des Jahres 1980 etwas vor, was es zuvor nicht gegeben hatte (nicht einmal »Janus Rex« war vergleichbar) – und was es danach praktisch auch nie wieder so richtig gab …

Project Hopeless aus Schweden

Es gibt immer wieder Bands, die mich zwar musikalisch nicht überraschen, aber dann doch unglaublich packen. Eine davon ist Project Hopeless aus Schweden, die in den Nullerjahren einen Haufen an kleinen und großen Platten veröffentlichten. Ich hörte zuletzt mal wieder die »Av Hela Mitt Hjärta« an, die bereits 2009 erschienen war.

Es gibt vier Stücke auf dieser EP, allesamt sind knackiger Hardcore-Punk in der ursprünglichen Definition: wütende Gitarren, wütender Gesang, auch mal abwechselnd, knalliges Schlagzeug, das Ganze ungestüm nach vorne geballert, kein Metal-Gedöns, kein Emo-Gejammer, einfach unverfälschter Hardcore, der sehr rhythmisch daherkommt und gelegentlich auch Mitgröl-Elemente aufweist. Die Band kommt aus Malmö, wo es in all den Jahren immer wieder entsprechende Bands gab.

Die Band singt in schwedischer und englischer Sprache, es gibt auf der Innenseite des EP-Covers auch Übersetzungen ins Englische. Man singt über den Hass auf die Polizei oder über den Internationalen Frauentag; die Band ist von der Welt angepisst und kotzt sich entsprechend aus.

Eindeutige Texte, eindeutige Musik – so muss Punk sein!