Im Alter von über neunzig Jahren starb der Autor erst vor einiger Zeit. Und 2025 wurde dann auch sein letzter »Montalbano«-Roman veröffentlicht. Er trägt den Titel »Riccardino«, fällt damit völlig aus dem Rahmen – die Serie zeichnete sich immer durch eher poetische Titel aus – und unterscheidet sich inhaltlich von den anderen Werken der Serie. Man kann ihn problemlos ohne Vorkenntnisse lesen, aber wer sich in der »Montalbano«-Welt auskennt, hat natürlich die größere Freude.
Spannend bei alledem ist: Den Roman verfasste Camilleri schon vor vielen Jahren; er verfügte, dass er nach seinem Tod und als letzter Band der Serie veröffentlicht werden sollte. Ohne auf die Details der Handlung eingehen zu wollen: Es gibt für diese Entscheidung einen inhaltlichen Grund – gleichzeitig sorgt dieser Grund dafür, dass »Riccardino« mehr ist als »nur« ein Kriminalroman, sondern streckenweise ein doppelbödiges Spiel mit der Literatur.
Die eigentliche Krimi-Handlung ist geradezu typisch. Commissario Montalbano hat es mit einem verworrenen Fall zu tun, während er wieder in einem Konflikt mit seinen Vorgesetzten steckt. Die üblichen Streitereien mit Kollegen und Vorgesetzten gehören zu dieser Serie dazu, und das gilt auch für den letzten Roman.
Sie werden allerdings durch einen Umstand gesteigert, der früher nicht dabei war: Mittlerweile gibt es eine Serienverfilmung, und der reale Montalbano wird ständig mit dem Schauspieler verglichen, der deutlich jünger und agiler als er selbst ist. Das sorgt für zusätzliche Spannung und auch amüsante Konflikte.
Der Autor setzt noch eine weitere Ebene auf die Handlung drauf: Er selbst spielt mit. Montalbano telefoniert mit seinem Schöpfer. Der Commissaro hadert mit seiner Rolle, die ihm der Autor vorgibt, und er hat Probleme mit der Darstellung des Schauspielers, er steckt also in einer mehrfachen Identitätskrise. Das wiederum macht den Roman ausgesprochen originell.
Ich mochte »Riccardino« deshalb sehr, weil es eben kein typischer »Montalbano«-Roman ist, sondern über den Horizont dieser Serie hinausreicht. Der Autor spielt mit seiner Figur, und er spielt mit den Erwartungen des Lesers – damit ist der Roman ein literarisches Verwirrspiel mit verschiedenen Erzählebenen, das auch Leute interessieren sollte, die sonst kein großes Interesse an Krimis haben.
Gut erzählt ist der Roman allemal, unterhaltsam ist er sowieso. Wen ein origineller Roman mit verschiedenen Identitäten einer Hauptperson ansprechen könnte, sollte »Riccardino« zumindest mal anschauen. Auf der Internet-Seite des Verlags steht unter anderem eine Leseprobe zur Verfügung.
Erschienen ist der Roman als Hardcover mit Schutzumschlag bei Bastei-Lübbe. Er umfasst 304 Seiten und kostet 25,00 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-7577-0099-7 kann man ihn überall im Buchhandel kaufen; die E-Book-Version kostet derzeit 9,99 Euro.
(Diese Rezension kam bereits im April 2026 auf der Internet-Seite von PERRY RHODAN. Hier wiederhole ich sie aus dokumentarischen Gründen.)























