27 Juli 2021

Ein Graffito an der Alb

Die Alb ist ein kleiner Fluss, der sich auf seinem Weg aus dem Schwarzwald und bis an den Rhein durch Karlsruhe windet. Im Verlauf der Jahrzehnte haben die diversen Stadtverwaltungen den kleinen Fluss als Zentrum eines langgestreckten Naherholungsgebiets ausgebaut. Liegewiesen, Grillstellen, Schrebergärten und Badestellen säumen die Alb, die auf ihrem Weg immer wieder von Straßen und Bahntrassen überquert wird.

Unter den Brücken finden sich immer wieder schöne Graffiti oder sonstige Kunstwerke, die man vielleicht mit einem anderen Begriff bezeichnen müsste. Ich schaue sie mir gern an, wenn ich an ihnen vorbeiradle, was in den vergangenen Monaten gar nicht so oft passiert ist: Entlang der Alb sind die Wege oft so mit Fußgängern und Radfahrern bevölkert, so dass es mir während der Pandemie schlichtweg zu viel war.

Dieser Tage blieb ich an einem großen Bild stehen, das mich faszinierte. (Falls es jemand sucht: Die Brücke ist unweit vom »Schupi« zu finden.)

Ein schräger Western-Comic

Beim Gratis-Comic-Tag 2020 gab es auch einen ungewöhnlichen Western-Comic, den ich dieser Tage endlich lesen konnte. »Lincoln« stammt von dem Ehepaar Jérôme und Anne-Claire Jouvray als Zeichner sowie dem Bruder Olivier Jouvray als Texter – es handelt sich also um eine echte Familienproduktion. Veröffentlicht wird die mittlerweile sieben Bände umfassende Serie im Verlag Schreiber & Leser.

Die Geschichte selbst hat nicht viel mit Familie zu tun: Die Hauptfigur namens Lincoln wird 1887 geboren, in der Endphase des Wilden Westens, die Geschichten spielen also – wenn man es genau nimmt – zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erzählt werden aber typische Western-Geschichten, zumindest wirkt es auf mich nach Lektüre des Gratis-Heftes so.

Lincoln ist ein bösartiger Mensch, der lieber betrügt und stiehlt, als einer ehrbaren Arbeit nachzugehen. Dann trifft er Gott, der ihn mit der Unsterblichkeit belohnt – und ab diesem Moment läuft das Leben des ziellos herumstreunenden Lincoln nach anderen Gesetzen ab als zuvor.

Die Geschichte ist sarkastisch; trockene Dialoge und knallige Szenen prägen die Handlung. Die Figuren sind nicht ohne Moral, aber sie gehen damit sehr locker um. Gott und der Teufel spielen ihre Rollen und staunen über das Verhalten der Wildwest-Bewohner. Das alles wird sehr schön erzählt; das gefiel mir.

Zeichnerisch hatte ich meine Probleme. Der Stil ist eher skizzenhaft: klare Linien, leicht verzerrte Figuren, weit mehr Funny als realistisch. Das passt allerdings wunderbar zum teilweise groben und überraschenden Humor der Serie.

»Lincoln« ist nicht gerade die Art von Comic, die ich mag, wenn ich an Western denke – aber wer eine originelle Geschichte zu schätzen weiß, findet darin sicher seine Freude.

26 Juli 2021

Der Hund bleibt

Ich mag Filme mit Schriftstellern. Da fühle ich mich irgendwie verbunden. Und deshalb mochte ich »Der Hund bleibt«. Dieser französische Film wurde 2019 in Frankreich veröffentlicht, wäre 2020 in die deutschen Kinos gekommen – was wegen Corona nicht ging –, ist jetzt digital und auf DVD erhältlich und wurde von mir bei einem der bekannten Streaming-Anbieter angesehen.

Es handelt sich um eine Literaturverfilmung, gedreht nach einem Roman von John Fante, der offensichtlich gern über Schriftsteller und ihre Leiden geschrieben hat. Seine Hauptfigur – gespielt von Yvan Attal, zugleich auch der Regisseur des Filmes – hatte vor bald dreißig Jahren einen riesigen Erfolg als Autor. Davon profitiert er nach wie vor, wenngleich er in einer Schreibblockade festsitzt.

Immerhin hat er genügend Geld, um seinen vier Kindern und seiner Frau – wieder einmal toll: Charlotte Gainsbourg – ein gutes Auskommen zu sichern. Mit positiven Gefühlen ist es allerdings nicht so gut bestellt; im Prinzip öden sich alle nur noch an und haben ständig schlechte Laune. Dann aber kommt ein hässlicher Hund in das Leben der Familie – und alles ändert sich.

Bei »Der Hund bleibt« handelt es sich nicht um ein »Feelgood«-Movie, an dessen Ende sich alle wieder lieb haben. Die Familie zerfällt, die Frau geht fremd, ein Sohn wandert ins Gefängnis. Es gibt am Ende eine gewisse Hoffnung, aber … mehr will ich nicht dazu erzählen.

Der Film ist richtig gut, finde ich. Erzählt wird von einer Familie, bei der halt der Vater ein Schriftsteller ist, die aber ansonsten die üblichen Probleme hat – jeder geht mit seinen Problemen halt anders um. Das ist mal witzig, mal tragisch, auf jeden Fall immer sehr unterhaltsam. Empfehlenswert!

Jello Biafra und die Tea Party

Seit den frühen 80er-Jahren zählt Jello Biafra zu den wichtigsten Punk-Sängern für mich. Ich mag nach wie vor die Dead Kennedys, ich finde seine Folgeprojekte gut, und ich halte auch die aktuelle Band mit dem sperrigen Titel Jello Biafra & The Guantanamo School of Medicine für spannend. Einmal sah ich die Band in Berlin und war davon sehr angetan.

2020 erschien die 500. (fünfhundertste) Platte auf dem Label Alternative Tentacles, das Jello Biafra vor Jahrzehnten gegründet hat. Es ist die vierte Langspielplatte der Band, sie trägt den Titel »Tea Party Revenge Porn«, und sie gefällt mir richtig gut, sowohl textlich wie auch musikalisch.

Bei den Texten überrascht es wenig, dass sie politisch und sarkastisch sind. Biafra macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber der amerikanischen Politik; er kritisiert die Umweltzerstörung und die »Pro Life«-Bewegung, er spottet über aktuelle Diskussionen und Hassbotschaften im Internet – das alles in Texten, die nicht aus Parolen bestehen, sondern in knappen Sätzen seine Aussagen vermitteln.

Das überträgt sich auf die Stimme, die nach all den Jahrzehnten immer noch überzeugend klingt. Die Band unterstützt das mit ihrem wuchtigen Sound, der nicht unbedingt klassisch-punkig ist. Klar, die Musiker können spielen, sie haben ihr Geld in anderen Bands verdient. Also verirrt sich auch mal ein kurzes Gitarren-Solo in ein Stück, während das Tempo deutlich gebremster als früher ist.

Aber es ist ein abwechslungsreiches, ein starkes Album. Ich kann gut verstehen, dass sich Biafra diese Platte auf dem eigenen Label und zu dieser Nummer quasi als Geschenk gemacht hat. Und ich kann nur hoffen, dass er weiterhin so aktiv bleibt und ich die Band vielleicht mal wieder sehen kann!

25 Juli 2021

182,5 fürs zweite Halbjahr

Man kann schon sagen, dass ich nach vielen Jahren eine gewisse Verbundenheit mit der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel aufgebaut habe. Ich freue mich auch immer, Post von der Akademie zu erhalten, ob diese nun gedruckt und auf Papier oder digital kommt.

Die Broschüre »182,5«, die das Programm des zweiten Halbjahrs 2021 vorstellt, habe ich dieser Tage endlich durchgelesen. Mich freut natürlich, dass mein Name genannt wird – immerhin bieten Katrin Lange und ich wieder ein Schreibseminar an, diesmal für »politische Phantastik«, und ich bin selbst schon sehr gespannt darauf, was dabei herauskommen wird.

Schön ist, dass die Texte und Fotos das Innenleben der Akademie zeigen. Man sieht den Hausmeister in seinem Arbeitsbereich, man sieht den legendären Zugang zum Fahrradkeller (den ich nur von »innen« kenne), man sieht Büroräume und erhält Fotos der Leute, die dort arbeiten. Das fand ich sehr angenehm und sehr ansprechend!

23 Juli 2021

Der Onkel aus Stalingrad

Meine Mutter erwischte mich dabei, wie ich mit einem Roman des deutschen Schriftstellers Heinz G. Konsalik auf dem Sofa saß: »Was liest du denn da?« Bücher waren ihr suspekt, sie las selbst nicht und fand es seltsam, dass ich mich stundenlang in einen Schmöker vertiefen konnte.

Ich zeigte ihr den Roman, nicht unbedingt stolz wegen meiner Lektüre, aber auch nicht selbstkritisch. Es war »Der Arzt von Stalingrad«, ein bereits ziemlich zerlesenes Taschenbuch, das einem Klassenkameraden gehörte und von diesem nacheinander allen möglichen Jungs ausgeliehen wurde.

Ich war elf Jahre alt und politisch noch sehr unsicher; das meiste, was ich im Radio mitbekam, verstand ich ohnehin nicht. Aber den Roman fand ich ebenso spannend wie die anderen Werke des Schriftstellers, die ich in diesem Herbst 1974 las. Rassistische Klischees fielen mir nicht auf, die Darstellung deutscher oder russischer Soldaten hinterfragte ich nicht.

Die Darstellung des Zweiten Weltkriegs, vor allem der Ostfront, fand ich eben faszinierend. Mein Vater erzählte so gut wie nichts über die Jahre 1943 bis 1945, in denen er bei der Wehrmacht gewesen war; also versuchte ich mir mein Weltbild durch Bücher zusammenzuzimmern. Sachbücher wie »Unternehmen Barbarossa« lieh ich in der Dorfbücherei aus, Romane besorgten mir Schulfreunde.

Meine Mutter betrachtete das Buch. »Stalingrad«, sagte sie leise. Tränen traten in ihre Augen.

Ich war verwirrt und legte das Buch neben mich. Was hatte ich falsch gemacht? Mein Vater war doch nicht in Stalingrad gewesen, sondern in Orscha und Minsk, in der Slowakei und in Schlesien. So viel wusste ich immerhin.

»Der Onkel Wilhelm«, erläuterte sie. »Mein Onkel also. Der war in Stalingrad, der ist dort geblieben. Niemand weiß, was aus ihm geworden ist.«

»Ist er gefallen oder in Gefangenschaft gestorben?« Ich hatte zu dem Onkel keinerlei emotionale Beziehung, also stellte ich meine Frage eher nüchtern.

Nun weinte sie. »Wir wissen es nicht. Meine Mutter hat mir immer seine Briefe vorgelesen, und als der Umsturz kam, hat sie alle verbrannt.« Mit »Umsturz« meinte meine Mutter das Kriegsende, und sie war nicht die einzige Person, die diesen Begriff benutzte. »Die waren immer so schlimm, das war kaum auszuhalten.«

»Was hat er denn geschrieben?«

»Frag nicht. Wie schlimm das alles ist. Wie schlimm der Krieg ist. Und wie sie in Stalingrad gefroren und gehungert haben. Und dann hat er geschrieben, in seinem letzten Brief …« Sie brach ab. »Die Russen kriegen mich nicht, hat er geschrieben, vorher gibt er sich die Kugel.«

Ich blickte auf das Buch. Ich wusste nichts über meine Verwandtschaft und ihr Verhalten während der Nazi-Zeit. Man sprach nur selten über diese Jahre, und manchmal brachen die Gespräche der Erwachsenen ab, wenn wir Kinder in die Nähe kamen. Meine Versuche, mithilfe von Konsalik-Romanen ein wenig vom Krieg zu erfahren, kamen mir selbst falsch vor – aber ich wusste nicht, wie ich hinter das Schweigen kommen sollte.

»Und dann?«, fragte ich weiter.

»Dann haben wir nichts mehr vom Onkel Wilhelm gehört«, antwortete sie, während sie versuchte, ihre Tränen mit einem Stofftaschentuch abzuwischen. »In der Zeitung kam, dass die sechste Armee kapituliert hätte, aber wir hörten nichts mehr von ihm. Auch nach Kriegsende nicht. Er gilt als verschollen. Der gute Onkel Wilhelm, der arme Onkel Wilhelm.«

An diesem Tag erlangte meine Mutter nicht mehr ihre fröhliche Art zurück. Immer wieder schniefte sie und wirkte traurig. Ich versteckte »Der Arzt von Stalingrad«, damit sie nicht mehr deshalb weinte, las das Buch zu Ende, fand es mitreißend und gab es meinem Klassenkameraden zurück.

Danach sprach ich daheim nie wieder von Stalingrad.

Der Albtraum-Friedhof

Eine ungewöhnliche Kulisse gibt es für das »John Sinclair«-Hörspiel, das ich zuletzt gehört habe: Es spielt im Schwarzwald, und die Geschichte beginnt in einem fiktiven Waldhotel. Das ist eine Umgebung, in der ich mich sofort wohlfühle – immerhin bin ich im Schwarzwald geboren und aufgewachsen, wenngleich nicht gerade in einem Waldhotel.

In diesem Hotel ist unter anderem ein Wissenschaftler abgestiegen, der in einer Höhle nach Hinterlassenschaften der Etrusker sucht. Er durchstöbert eine Höhle, dort gibt es dann eine Spur zu einem uralten Dämon – und nach einigem Hin und Her erwachen die Toten auf einem Friedhof … ein Grund für John Sinclair, den Inspektor von Scotland Yard, so schnell wie möglich von London in den Schwarzwald zu reisen.

Etruskische Gräber im Schwarzwald? Darauf muss man erst einmal kommen! Es ist typisch für die »John Sinclair«-Serie, dass vor allem in früherer Zeit wild allerlei Mythen genommen und wild kombiniert werden. »Der Albtraum-Friedhof« ist ein typisches Beispiel für diese Art von Gruselroman: Erstmals wurde die Geschichte 1977 als Heftroman in der Reihe der »Gespenster-Krimis« veröffentlicht, jetzt liegt sie als Folge 40 der »Sinclair Classics« als Hörspiel vor.

In gewohnter Qualität versteht es Dennis Ehrhardt erneut, aus dem alten Heftroman mit all seinen sprachlichen und inhaltlichen Klischees eine vergleichsweise moderne Geschichte zu machen. Gute Sprecher, starke Geräusche – das klappt immer sehr gut und macht die Geschichte spannend. Sogar wenn am Ende die üblichen Zombies aus den Gräbern steigen und durch die Geschichte torkeln, ist das sehr gut gemacht.

Was ich interessant finde: Es wird nicht nur ein männlicher Erzähler eingesetzt, sondern auch eine Erzählerin. Das gibt der Geschichte einen zusätzlichen Reiz. Das Fehlen jeglichen Dialekts fand ich allerdings schwach; zumindest eine leichte schwäbische oder badische Färbung hätten die Sprecher für die »Einheimischen« doch haben können …

Wie immer ist das Hörspiel sehr gut – mich als ehemaligen Schwarzwälder sprach die Geschichte natürlich besonders an. Man muss halt mit Zombies, Dämonen und historischen Ungenauigkeiten klarkommen.

22 Juli 2021

Werbung für den Zeit-Gladiator

Als ich in die Science-Fiction-Szene kam, war ich durchaus politisiert. Ich hätte mich als »links« bezeichnet. In meiner Erinnerung sind meine großspurigen Sprüche leider noch vorhanden; ich hoffe, dass die meisten anderen Leute aus dieser Zeit das verdrängt haben.

Im Fandom – so nennt man die Szene der Science-Fiction-Fans – war das mit der Politik aber so eine Sache: Es gab eine sehr lautstarke Fraktion, die sich dem Kampf gegen die »Schundromane« verschrieben hatte, die also vor allem gegen Heftromane wie PERRY RHODAN vorging. Und es gab eine stille Fraktion, die eben ihre Romane las, ansonsten aber in Ruhe gelassen wollte.

Ganz anders aber das Bild, wenn man sich anfangs der 80er-Jahre manche Fanzines und ihre Inhalte genauer anschaute. In verschiedenen Fanzines wurde beispielsweise der »Time Gladiator« beworben. Herausgeber des Science-Fiction-Heftes war Ingo Dristram, der »nebenbei« auch für das Neonazi-Heft »Werwolf« verantwortlich zeichnete.

Illustre Mitarbeiter prägten das Heft. Man wies internationale Autoren wie Brian W. Aldiss und Alfred Bester auf, internationale Fans wie Wolf von Witting oder Carla Mötteli, aber eben auch Christian Worch, der damals – wenn ich mich recht erinnere – noch wegen »Wiederbetätigung« im Gefängnis saß. Irgendwie schien das niemanden zu stören …

Als die Part Time Christians schrabbelten

Man kann nicht sagen, dass mir alle Punk-Bands der frühen 80er-Jahre gefallen; manche sind auch für meine Ohren zumeist nur krachig. Ein Beispiel dafür sind die Part Time Christians, über die ich nicht viel weiß: Die drei Typen machten nur eine einzige Platte, die den coolen Titel »Rock'n'Roll Is Disco« trug und 1984 veröffentlicht wurde.

Verantwortlich dafür waren Alternative Tentacles, das Label, das die Dead Kennedys begründet hatten; man kann also davon ausgehen, dass die Band irgendwie aus deren Umfeld kam. Was die drei Herren bieten, ist musikalisch sehr schrammelig und zugleich abwechslungsreich. Meist ist es heruntergeschrubbter Punk mit viel Gebrüll und wenig Melodie, das erste Stück trägt den Titel »Religion On A Stick« und ist tatsächlich das Beste der ganzen Platte.

Ansonsten wird viel experimentiert. Bei einem Stück wird HipHop untergemixt, bei anderen Stücken klingt die Band schwer nach Hardrock. Man kann sich das auch heute schon noch anhören, es packt mich aber nicht. Früher fand man das wohl experimentiell oder auch »mutig«, heute würde ich es als unausgegoren bezeichnen.

Und ich erinnere mich düster, dass es zwischen 1983 und 1987 eine Reihe von Platten und Bands bei Alternative Tentacles gab, mit denen ich gar nichts anfangen konnte. Die Part Time Christians bilden da keine Ausnahme …

21 Juli 2021

Panini mit SF-Programm

Das Thema Science Fiction ist noch lange nicht tot, auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die das behaupten. Ab September 2021 gibt es im deutschsprachigen Raum einen weiteren Verlag, der Science Fiction veröffentlichen wird – und das finde ich spannend. Der Panini-Verlag steigt in das Geschäft ein

Als erster Titel kommt »Die Stadt aus Messing«; dabei handelt es sich um den ersten Band einer Trilogie, die von der amerikanischen Autorin Shannon Chakraborty geschrieben wird. Ab Februar 2022 sollen weitere Romane als Paperbacks mit Klappbroschur erscheinen.

Ich finde das gut: als Science-Fiction-Leser sowieso und als jemand, der sich ebenfalls in diesem Genre bewegt. Mehr Science Fiction im Ladenregal – das ist für alle Verlage gut.

Erzählungen über Mord und Einsamkeit

Im Pendragon-Verlag erschien zu Beginn der Nuller-Jahre eine sieben Bände umfassende Reihe, die den Schriftsteller Hans Herbst präsentierte. Das vierte Buch mit dem Titel »Stille und Tod« schickte mir der Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar, aber es versackte in einem der Stapel ungelesener Bücher. Dieser Tage las ich es endlich.

»Stille und Tod« umfasst elf Texte. Manche erreichen die Länge einer Kurzgeschichte, andere wiederum sind Erzählungen. Häufig könnte man die Geschichten auch als Kurzkrimis bezeichnen; sie haben aber nichts mit der einfachen Struktur jener Krimis zu tun, die früher gern in Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt werden. Hans Herbst hat einen düsteren, zugleich sehr realistisch anmutenden Ton, der mich sehr beeindruckt hat.

Die Hauptfiguren der Geschichten sind stets Männer, Frauen spielen nur eine Rolle am Rand. Diese Männer sind fast immer Kriminelle, oder sie haben mit einem kriminellen Milieu zu tun. Sie kommen aus dem Gefängnis, sie brechen ein, sie hantieren mit einer Schusswaffe oder einem Messer, sie sitzen in einer Bar und warten auf ihren Tod, sie träumen von der Vergangenheit und sind längst alt geworden. Häufig regnet es, und die Wände der Häuser sind ebenso grau wie die Gesichter der Figuren, die Hans Herbst in seinen Geschichten vorstellt.

Bei manchen Geschichten gibt es Bezüge zu Südamerika und Frankreich, zu Weltregionen also, in denen der Autor zeitweise gelebt hat. Dort haben auch seine Figuren einen Teil ihres Lebens verbracht, dort haben sie sich Verletzungen geholt oder Feindschaften eingehandelt, die sie bis ans Lebensende begleiten werden. Man vergisst in dem Milieu, das der Autor schildert, offenbar keine vergangene Untat.

Die Geschichten in »Stille und Tod« haben mich allesamt gepackt. Ihr Tonfall ist trocken, die Beschreibungen einzelner Szene manchmal fast lyrisch. Das ist meist große Klasse, das fasziniert mich. Manchmal aber … Sagen wir so: Aus Redakteurssicht fand ich gelegentlich die Struktur der Absätze nicht gerade optimal – da hätte ich mir an mancher Stelle andere Absätze gewünscht, um die Dialoge besser zu strukturieren. Aber das ist Detailhuberei.

Das Buch ist klasse, die Geschichten von Hans Herbst sind spannend, und ich werde mir auch die weiteren Bände aus dieser Reihe besorgen. (Es sind übrigens schicke Hardcover-Ausgaben.)

20 Juli 2021

Genua vor zwanzig Jahren

Ich war in meinem Leben ein einziges Mal in Genua – das war 1983. Am Wochenende des 18. bis 22. Juli 2001 hatte ich mir überlegt, zu den großen Demonstrationen in die italienische Stadt zu fahren, aber nicht lange. Ich hatte dann doch mehr Lust dazu, auf einem Open-Air-Festival zu stehen, Bier zu trinken und Musik zu hören. Ich erinnere mich jedoch noch sehr gut daran, wie entsetzt wir die Berichte aus Genua wahrnahmen.

Wie die Polizei in immer brutalerer Manier die Demonstrationen angriff.

Wie friedliche Demonstranten von der Hafenbrüstung ins Wasser geprügelt wurden.

Wie Wasserwerfer und Tränengast eingesetzt wurden, vor allem gegen friedliche Demonstranten.

Wie ein junger Mann kaltblütig von der Polizei ermordet wurde (man erschoss ihn, dann fuhr man über den Toten noch mit dem Auto drüber).

Wie man inhaftierte Demonstranten misshandelte und sexuell belästigte.

Wie ein Schwarzer Block durch die Straßen marodieren konnte, ohne dass das die Polizei groß interessierte (warum wohl?).

Das ist jetzt zwanzig Jahre her. Ich war nicht in Genua, ich bin froh darüber.

Ein Science-Fiction-Dreiteiler, der mich nicht überzeugte

Von dem argentinischen Comic-Zeichner Juan Gimenez habe ich im Verlauf der Jahre immer wieder Comics gesehen, bei denen mich sein künstlerischer Stil faszinierte: Gimenez schafft es, so zu malen, dass jedes Bild für sich zu einem Kunstwerk wird. Das Weltraum und seine Weiten, fremde Planeten und Außerirdische werden bei ihm zu teilweise beeindruckenden Bildern. Bei dem Comic-Dreiteiler »Segmente« konnte mich allerdings nichts überzeugen.

Vielleicht liegt es an der Handlung. Die Geschichte beginnt im Jahr 2814, in einer Zeit, in der sich die Menschen in der Milchstraße ausgebreitet haben. Man hat das Sternenreich in sogenannte Segmente unterteilt; ist ein Mensch sieben Jahre alt, wird er getestet und dann auf eine bestimmte Welt geschickt. Dort wird er für den Krieg, die Kunst oder die Arbeit erzogen und bleibt den Rest seines Lebens in dem für ihn bestimmten Segment.

Doch natürlich geht das nicht gut; es rührt sich Widerspruch. Zudem scheint ein genetisches Problem vorzuliegen – die gesamte Menschheit steht kurz davor, einfach auszusterben. Einige Verschwörer schmieden einen waghalsigen Plan ...

Soweit die Inhaltsangabe für drei Comic-Bände, die eigentlich nach einer Fortsetzung verlangen – der dritte Band endet mit einem Cliffhanger –, die mich aber nicht sonderlich interessieren dürfte. Das liegt sicher an der wirren Handlung und an einem Weltenbau, an dem so gut wie nichts stimmt.

Richard Malka, der Autor der Geschichte, hatte offenbar großen Spaß daran, etwa den Planeten der Lust oder den Planeten des Krieges auszugestalten. Ein Interesse daran, seinen Kosmos sinnvoll zu definieren, hatte er nicht.

Mal geht es um eine Galaxis, dann um das ganze Universum, mal bilden sieben Planeten das Sternenreich, dann sind es wieder ganz viele. Geschwindigkeiten oder Entfernungen im All interessieren den Autor auch nicht im Geringsten. Und warum die Menschheit innerhalb von wenigen Monaten aussterben wird, erklärt er nicht.

Irgendwann nervte mich das grenzenlos; ich wollte nur noch wissen, wie die Geschichte zu Ende geführt wird, und war beim Cliffhanger nach dem dritten Band echt enttäuscht. Leider ist die Grafik ebensowenig überzeugend: Gimenez weiß, was er tut, normalerweise zumindest, aber diesmal sind die Menschen häufig Zerrbilder, und die Action wirkt sehr gekleckst.

Insgesamt haben mich die drei Bände von »Segmente« nicht überzeugt, weder erzählerisch noch künstlerisch. Das ist Geschmackssache, und man kann sich ja durch einen Blick auf die Internet-Seite des Splitter-Verlages und die dort vorhandene Leseprobe selbst ein Bild machen. (Schöne Comic-Bände sind's ja allemal. Aber das ist bei diesem Verlag eh eine Selbstverständlichkeit.)

19 Juli 2021

Hüpfmusik mit internationalem Charakter

Ich habe Bonaparte nie live gesehen, und mir scheint, dass ich da etwas verpasst habe. Sehe ich mir Videos an, die bei den großen Festivals aufgenommen worden sind, sehe ich vor allem tanzende Menschenmassen. Aber klar: Mit solchen Festivals kann man mich ja eher jagen … also höre ich mir die Band auf Schallplatte an.

Streng genommen ist Bonaparte ein Mann, der mit begleitenden Musikern und Künstlern auftritt. Tobias Jundt stammt aus der Schweiz und trommelt für die Auftritte seiner Band immer seine Musiker zusammen. Ansonsten steckt er hinter der Musik der Band.

Das merkt man auch auf der vierten Platte, die unter dem Titel »Bonaparte« im Jahr 2013 veröffentlicht wurde – übrigens mit einem Karton-Umschlag, bei dem die Buchstaben ausgeschnitten wurden … wieder so ein Argument, warum Vinyl immer noch toll aussieht.

Die zehn Stücke der Platte wurden in New York aufgenommen und abgemischt, sie sind stilistisch recht abwechslungsreich. Wer mag, kann das Ganze in eine Schublade mit »Indie« stecken, aber das trifft natürlich nicht so richtig zu. 

Die knalligen Stücke mit dem Sprechgesang erinnern mich manchmal an Art Brut, seltener habe ich das Gefühl bei der Musik, sie könnte mich an die Talking Heads erinnern. Manchmal sind die Lieder eher ruhig, fast im Stil eines Liedermachers, dann aber wieder ist es teilweise abwechslungsreiche und sehr dynamische Musik, die ein wenig punkig klingt und auf jeden Fall zum Hüpfen anregt.

Die englischsprachigen Texte sind witzig und manchmal sarkastisch. Sie enthalten keine politischen Aussagen, bleiben aber auch nicht an der Oberfläche, sondern erzählen manchmal skurrile, meist aber kurz gehaltene Geschichten. Das ist alles in allem sehr gelungen.

Bonaparte machen mir richtig viel Freude: eine Band mit einer großen Bandbreite, ein Sänger mit einem Sinn für Hüpfmusik, ein Gesamtpaket, das sich auf Platte gut anhört, das aber live auch zündet (oder eben gezündet hat …). Cool.

Miri In The Green im Garten

Es ist schon einige Monate her, seit ich mein letztes »richtiges« Konzert erlebt habe: im Februar 2020, kurz vor dem Ausbruch der Pandemie. Deshalb freute es mich, als ich am Samstag, 10. Juli 2021, fast aus Zufall ein Konzert im Garten des Kulturzentrums »Mikado« miterleben konnte.

Im »Mikado« hatten zu Beginn der Nullerjahre auch einige Punk-Bands gespielt; das ist lang her. An diesem Tag spielten Miri In The Green auf. Die Band stand in einem Zelt – es sah aus, als ob es bald regnen könnte –, und das Publikum saß auf Bänken und in großem Abstand im Garten davor.

Wir saßen im Biergarten, ungefähr zehn Meter neben dem Konzert, und bekamen so alles mit. So konnten wir gut essen und trinken und bekamen einen kostenlosen Kulturgenuss. Das war dann sehr nett.

Die Band macht eine Mischung aus flottem Gitarren-Pop mit einigen Chanson-Einflüssen. Die Sängerin singt auf englisch und auf französisch, die Stücke sind melodiös und gefällig, man wackelt dazu gern mit dem Kopf und kommt in gute Laune.

Irgendwann regnete es dann doch, aber das störte nicht. Die Band brach ab, das Publikum floh, wir gingen ins Innere des Restaurants – und alle hatten trotzdem eine positive Stimmung. Für ein erstes Konzert nach so langer Zeit gefiel mir das doch ganz gut.

16 Juli 2021

Norman wurde 90

Bei einem Science-Fiction-Con in den USA lernte ich ihn kennen. Mehr aus Zufall: John Frederick Lange Jr setzte sich neben mich, als wir beide einen Programmpunkt besuchten, und wir plauderten ein wenig. Ich wusste, wer er war, und für ihn war ich halt ein Science-Fiction-Fan aus Deutschland. Er war ein netter älterer Herr, sehr höflich und zurückhaltend.

Er war vor allem unter seinem Pseudonym John Norman bekannt geworden. Von ihm stammten die »Gor«-Romane, von denen ich – heute kann ich es zugeben – als Jugendlicher einige mit heißen Ohren gelesen hatte, bevor mir klargeworden war, wie frauenverachtend sie eigentlich waren. Darauf sprach ich ihn aber nicht an, und wir trennten uns nach dem Programmpunkt mit einem höflichen Lächeln.

Im Juni feierte der Autor seinen neunzigsten Geburtstag. Es scheint ihm gut zu gehen; im Mai diesen Jahres veröffentlichte er den sechsunddreißigsten »Gor«-Roman. Ich muss den nicht lesen, um zu ahnen, worum es geht: um ein klassisches Fantasy-Abenteuer mit Schwert und Magie und – vielleicht – spinnenartigen Außerirdischen, vor allem aber um »Sklavinnen« von der Erde, die es offensichtlich genießen, von Männern unterdrückt, vergewaltigt und verkauft zu werden.

Als ich zuletzt in einen »Gor«-Roman hineinsah, fand ich die Darstellung der Geschlechter widerwärtig. Dabei hatte ich eine deutsche Übersetzung vor mir, die sicher gekürzt war und die weniger Sex und Gewalt enthielt. Vielleicht bin ich für diese Art von Fantasy einfach die falsche Zielgruppe – ein »Gor«-Fan werde ich sicher nicht mehr werden. Aber als ich von John Normans neunzigstem Geburtstag hörte, horchte ich dann doch positiv auf …

Im Penthouse der Schweine

Der zweite Teil eines Doppel-Hörspiels schließt – so möchte man meinen – eine Geschichte ab. Bei »Im Penthouse der Schweine«, dem Teil 41.2 der Hörspielserie »Dorian Hunter«, ist das nur teilweise so. Für mich als Kenner der Serie wählten die Produzenten bei Zaubermond Audio damit einen spannenden Weg, ich fand das interessant.

Aber erst einmal der Reihe nach: Dorian Hunter ist mit seinen Begleitern in Rio de Janeiro unterwegs. Eigentlich suchen sie einen Mann, der mit seinen Umtrieben bereits in New York begonnen hat, bevor er sie im Dschungel fortgesetzt hat. Doch anstatt klaren Spuren zu folgen, müssen sich Hunter und seine Begleiter mit den sogenannten Schweinemenschen herumschlagen.

Parallel dazu beschäftigen ihn – gegen seinen Willen – allerlei Anrufe aus der Heimat. Das ist dann die Verbindung zu anderen Handlungsebenen. Ich fand das höchst interessant, vor allem, weil es ja gleich über das Doppelhörspiel hinausweist, denke aber, dass ein Gelegenheitshörer hier vor einige Herausforderungen gestellt wird …

Die letzten Minuten des Hörspiels sind dann auch prompt in London angesiedelt. Für den Serienkenner ergeben sich somit am Ende eine Reihe von neuen Fragen – ein echter Cliffhanger also.

In welcher Verbindung stehen der Agent Cohen und Hunters Frau Lilian mittlerweile? Welche Intrigen werden offensichtlich von Wien aus gesponnen? Und was ist eigentlich mit dem Spion im Secret Service, der anscheinend gegen Hunter und seine Leute arbeitet?

»Im Penthouse der Schweine« ist auf jeden Fall ein packendes Hörspiel für Kenner der »Dorian Hunter«-Serie. Wer sich nicht auskennt, wird massive Verständnisprobleme haben, fürchte ich.

15 Juli 2021

Oh, seliges Omega!

Ich war als Schüler sehr von mir und meinen literarischen Fähigkeiten überzeugt. Dazu trug sicher bei, dass ich in der Schule zwar keine besonders guten Noten schrieb, für meine Fanzine-Veröffentlichungen aber ziemlich gelobt wurde. Und meine ersten Auftritte mit der Literarischen Werkstatt verliefen ja auch allesamt gut.

Trotzdem hatte ich Probleme mit dem seriösen Kulturbetrieb, von dem ich als junger Amateurschriftsteller immer wieder etwas mitbekam. Dabei hatte ich es nur mit »alten Leuten« zu tun, die auf sogenannte Trivialliteratur mit einem verächtlichen Lächeln schauten. Davon war ich aus unterschiedlichen Gründen eher angewidert. 

Aus diesem Grund schrieb ich am 19. Oktober 1983 einen Text mit dem Titel »Oh, seliges Omega!«, den ich auch heute noch witzig finde. Über den literarischen Wert oder Unwert des Textes mögen bitte kritischere Menschen als ich diskutieren ...

Oh, seliges Omega

1.

Alpha Beta Gamma Delta
Epsilon Zeta Eta Theta
Tota Kappa Lambda My
Ny Xi Omikron
Pi Rho Sigma Tau
Ypsilon Phi Chi Psi
und …
na, was wohl?
Omega 

2.

Und wenn ihr,
die ihr euch zu den
Kulturbeflissenen zählt,
diese sture Aufzählung
des griechischen Alphabets
für Kultur haltet,
so seid ihr Kultur-Halbaffen.
So.

The Damned im Lyceum

Ich habe die meisten der ganz frühen Punkrock-Bands nie gesehen: In den 70er-Jahren war ich zu jung, in den 80er-Jahren gab es die Bands zumeist nicht mehr, oder sie waren schrecklich geworden. So sah ich beispielsweise auch nie The Damned, die sich mit ihren ersten zwei Platten als eine der besten Punk-Bands aller Zeiten erwiesen haben. Bis heute höre ich diese Scheiben gern.

Aber ich mag auch Live-Aufnahmen wie etwa »Live at the Lyceum 1981«, die mit »Mindless, Directionless, Energy« noch einen eigenen Titel hatte. Die Aufnahmen wurden direkt in dem Londoner Konzerthaus aufgenommen und 1987 auf Vinyl gepresst. Enthalten sind neun Stücke mit erstaunlich guter Soundqualität, die einen Eindruck davon geben, wie die Band um diese Zeit unterwegs war: eigentlich schon weg vom Punk, hin zu neuen Ufern, aber trotzdem sehr dynamisch auf der Bühne.

Klassiker wie »Smash It Up« oder »Love Song« bollert die Band mit großer Freude heraus, eine Coverversion wie der »Ballroom Blitz« kann ebenso überzeugen. Insgesamt machen die damals schon nicht mehr ganz so jungen Herren keinen Schnickschnack, sondern spielen die Stücke mit rotziger Energie herunter. Da bereue ich es doch, dass ich die Band nie gesehen habe …

14 Juli 2021

Im milchigen Blau

Ich war selbst überrascht, wie gut ich mich unter Wasser orientieren konnte. Am Grund des Sees, durch den ich mich bewegte, war es düster; das Licht, das von oben kam, wurde mehrfach gebrochen und veränderte sich. Rings um mich glitzerte das Wasser in einem milchigen Schein, der mir allerdings erlaubte, die Felsen am Boden ebenso gut zu erkennen wie die Pflanzen und die vereinzelten Tiere.

Seltsamerweise atmete ich unter Wasser, obwohl ich weder eine Maske noch sonst eine Ausrüstung trug. Ich wunderte mich darüber ebensowenig wie über die Tatsache, dass ich mit Tauchen oder sogar nur Schnorcheln gar nicht viel anfangen konnte.

Ich genoss es, wie schwerelos durch das warme Wasser zu treiben. Langsam ging ich tiefer. Die Zweige von Wasserpflanzen erstreckten sich vom sandigen Boden aus in die Höhe, sie vibrierten leicht, wenn ich an ihnen vorüberschwamm, als ob sie mit mir sprechen wollten. Die feinen Enden der Pflanzen schienen zu tanzen, gleitend und langsam, elegant und schön.

Dann stellte ich fest, dass auf einer Sandbank, die sich über mindestens ein Dutzend Meter erstreckte, ganz besondere Pflanzen wuchsen. Sie hatten keine Zweige, sondern nur einen elastischen Stamm, der fast zwei Meter in die Höhe ragte, biegsam und recht kräftig, so dick wie eine Männerfaust und von einer dunkelblauen Farbe. Neugierig ließ ich mich auf sie zu treiben.

Probeweise hielt ich mich an einem dieser Stämme fest. Es fühlte sich warm an, nicht wie eine Pflanze, schon gar nicht wie ein Stamm. Verwundert zog ich an dem Ding … und es bewegte sich!

Auf einmal löste sich die Pflanze aus dem Untergrund. Wie es sich herausstellte, war es keine Pflanze, sondern ein Tier. Am unteren Ende kam keine Wurzel, sondern ein ovaler Körper mit schwarzen und dunkelblauen Streifen, dessen Oberfläche sich kräuselte. Ein Maul öffnete sich, Zähne wurden sichtbar, der Körper bewegte sich hin und her. Auch der Stamm, nein, der Schwanz des Tieres, den ich in der Hand hielt, blieb nicht mehr bei seinem leichten Tänzeln, sondern schlug buchstäblich um sich.

Mit Mühe konnte ich meine Position halten. Die Schläge wurden stärker, es schleuderte mich zur Seite. Ich überschlug mich mehrmals, konnte nicht mehr erkennen, was oben und unten war.

Dann erwachte ich.

Ein spannendes und unterhaltsames Geschichts-Sachbuch

Eigentlich hielt ich Florian Illies immer für einen pomadig wirkenden Mann, der mit »Generation Golf« ein Buch geschrieben hatte, das ich ziemlich dämlich fand. Er kam mir immer vor wie einer dieser Jungunionisten, die mich früher so genervt hatten. Zuletzt wirkte er einige Monate lang als Verlagschef, bevor er sich wieder auf die Schriftstellerei zurückzog. Das alles machte auf mich keinen positiven Eindruck.

Doch dann las ich endlich seinen Bestseller »1913«, der bereits im Jahr 2014 erschienen war, und muss seitdem sagen: Der Kerl kann schreiben! Mit »1913« hat Illies ein Buch hingelegt, das zwar irgendwie als Geschichte-Sachbuch bezeichnet werden kann, aber von der Machart und von der Schreibe her streckenweise an einen Roman erinnert.

Das Buch teilte der Autor in Kapitel ein, die immer dem jeweiligen Monat des Jahres entsprechen, und füllte diese Kapitel mit allerlei Verbindungen. Illies erzählt von Dichtern wie Franz Kafka und seiner unerfüllten Liebe oder Gottfried Benn und Rainer Marie Rilke. Er zeigt Künstler wie Oskar Kokoschka und Musiker wie Gustav Mahler, immer wieder jedoch Autoren mit all ihren Problemen und Sehnsüchten. Die große Politik spielt stets ihre Rolle, aber sie bleibt im Hintergrund.

Den Schwerpunkt des Buches bilden das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn; Wien und Paris sind ebenfalls wichtig, gelegentlich wird nach Russland oder Amerika geblickt. Die Protagonisten in »1913« reisen viel, sie bewegen sich kreuz und quer durch Europa, sie streiten und sie lieben sich. Die Gesellschaft verändert sich langsam, aber niemand kann sich den grauenvollen Krieg vorstellen, der ein Jahr später ganz Europa in Flammen setzen wird.

Ich gestehe, dass ich dieses Buch staunend und mit wachsender Begeisterung las. Illies schreibt extrem unterhaltsam. Auch wenn man wie ich bislang wenig Ahnung von den Künstlern des Jahres 1913 hatte und vor allem nichts über ihre Beziehungen und Affären wusste, erfährt man schnell recht viel über diese Themen.

Erstaunlicherweise fand ich das alles tatsächlich interessant, keine Sekunde lang irgendwie langweilig oder unnötig. Der Autor schafft es nämlich, über all diese Personen ein Sittenbild des Jahres 1913 zu entwickeln und vor dem Leser auszubreiten.

Ich wurde während der Lektüre neugierig auf manche der Figuren, die Illies in seinem Buch auftauchen lässt, und folgte ihren Lebensgeschichten, als seien sie Romanhelden. Das ist wohl eine Stärke des Sachbuches: Es vermittelt einen Abriss der Zeit, die es darstellt, so unterhaltsam, dass man sich auch auf Themen einlässt, die einen sonst nicht interessieren.

Legt man das Buch zur Seite, kann man sich allerdings selbst dabei zusehen, wie man Stück für Stück alles vergisst, was man zuvor gelesen hat. Diese Vielzahl an Details kann sich einfach kein Mensch merken. Aber auch darin unterscheidet sich »1913« nicht von einem dickleibigen Unterhaltungsroman.

Trotzdem: »1913« war hierzulande ein Bestseller, nicht zu Unrecht. Viele hunderttausend Menschen kauften das Buch; ob sie es alle lasen, weiß natürlich niemand. Ich tat es und empfehle es gern weiter: als ein Sachbuch mit großen Unterhaltungsqualitäten.

13 Juli 2021

Ein Radweg im Juli

Aus der Serie »Ein Bild und eine Geschichte«

Dieser Tage war ich mit dem Rad in der südlichsten Pfalz unterwegs und wollte bei dieser Gelegenheit mal wieder in das Naturschutzgebiet Goldgrund radeln. Weit kam ich nicht: Der Rhein hatte das gesamte Gebiet überschwemmt. Was vorher ein Radweg war, erwies sich jetzt als ein Paradies für Wasserratten und Reiher.

Auf dem Bild sieht man es nicht so richtig, aber es war eindeutig: Vor mir war kein stehendes Gewässer, kein Altrheinarm, der vor sich hindümpelte. Da floss der Rhein, und zwar mit einer ordentlichen Geschwindigkeit. Das fand ich respektabel.

Wenn es in den nächsten Tagen so weitergeht, werden die Naturschutzgebiete sicher weiter vollaufen. Man wird die Polder fluten müssen. Mal schauen, ob das hilft, die flussabwärts gelegenen Städte wie Koblenz oder Köln vor dem Hochwasser zu bewahren ...

Gesamtausgabe des Thriller-Erfolgs

Ich erinnere mich noch gut daran, wie verblüfft ich war, als ich vor Jahrzehnten den ersten Band der Comic-Serie »XIII« las. Der Einstieg war großartig, ich mochte die Geschichte sofort. »Der Tag der schwarzen Sonne« war sehr spannend erzählt und hervorragend illustriert.

In der Folge kaufte ich mir alle Bände der Album-Ausgabe, die im Carlsen-Verlag erschienen. Seit einiger Zeit gibt es die Gesamtausgabe in Hardcover-Form – ich habe davon mittlerweile den ersten Band gelesen.

Der Comic zieht einen sofort in ihren Bann: Ein Mann wird an einen Strand in den USA gespült, er ist verwundet. Wie sich herausstellt, hat er sein Gedächtnis verloren. Recht schnell findet er heraus, dass er offenbar in ein politisches Komplott verwickelt war.

Während es Gruppierungen gibt, die ihn anscheinend einfach nur umbringen möchten, will eine andere Fraktion nur Informationen aus ihm herauspressen. Menschen, die in seinem neuen Leben wichtig sind, werden rücksichtlos umgebracht; es gibt allerdings auch Menschen, die zu ihm halten.

Im ersten Band der Gesamtausgabe werden die wichtigsten Figuren von »XIII« vorgestellt, die im Prinzip die ganze Serie über relevant sein werden. Der Leser wird – wie die Hauptfigur – in eine spannende Handlung hineingestoßen, bei der er sich ständig fragen muss, was eigentlich wahr ist und was sich als Lüge erweisen wird. Immer wieder muss er um sein Leben kämpfen, häufig hat er es mit Verrätern zu tun.

Konzipiert und geschrieben wurde die Serie von Jean Van Hamme, der damit sicher seinen größten Erfolg ins Leben rief. Im Prinzip handelt es sich um packende Thriller-Geschichten, die nach dem gleichen Prinzip folgen wie die entsprechenden Romane und Filme: Bedrohung folgt auf Bedrohung, dazwischen wird geforscht, und ruhige Passagen sind selten.

William Vance, der schon in den 70er-Jahren zahlreiche Comics mit »realistischem« Charakter zeichnete, ist ein Meister dieser Comic-Richtung. Seine Figuren sind klar zu unterscheiden, Action bekommt er ebenso gut hin wie ruhige Landschaftsbilder. Ausdrucksstarke Gesichter, glaubhafte Szenen – das ist alles sehr klassisch und gleichzeitig sehr gut.

Die Gesamtausgabe von »XIII« gefällt mir, ich freue mich schon auf die Fortsetzungen. Und natürlich mag ich auch die redaktionellen Ergänzungen, die Hintergründe zu den Comics beisteuern.

12 Juli 2021

Einmal Mothern und zurück

Ich mag das Radfahren dann, wenn ich in Gegenden komme, die ich bislang noch nicht kannte. Da fühle ich mich dann zumindest zeitweise wie ein Entdecker – auch wenn diese Empfindung albern ist, wenn man auch nur eine Sekunde lang ernsthaft darüber nachdenkt. Fahre ich aber mit staunenden Augen durch eine mir unbekannte Gegend, komme ich nicht auf die Idee, ernsthaft zu denken ...

 Und so fuhr ich an diesem Wochenende zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie nach Frankreich. Das ist von Karlsruhe aus glücklicherweise nicht so weit entfernt: über die Rheinbrücke hinüber in die Pfalz und dann einfach nach Süden. Unweigerlich überschreitet man an irgendeinem Rheindamm die Landesgrenze, merkt es anfangs gar nicht und nimmt dann irgendwelche Schilder wahr, auf denen französische Wörter stehen.

Bei den Hafenanlagen von Lauterbourg hielt ich mich weiter in Richtung Süden und kam in die Gemeinde Mothern. Die kannte ich bislang nur aus der Ferne, fand sie sehr hübsch, stellte fest, dass es dort auch einen Berg gab und fuhr diesen – wie es sich für einen gelernten Schwarzwälder gehört – gleich mal hoch. Ich kam auf einer fruchtbaren Hochebene heraus, anders kann man es nicht nennen, die laut Beschilderung »die Ebéné« hier (mit den Akenten geschrieben, damit man es als Franzose auch richtig ausspricht). 

Dort verfuhr ich mich zwischen lauter gleich aussehenden Wegen ziemlich, orientierte mich zuletzt nur noch an der Sonne, kam aber zurück nach Lauterbourg, um dann von dort aus zurück in die Pfalz zu fahren. Dort schaffte ich es, mich auf den teilweise schlammigen Wegen des Bienwalds noch einmal zu verfahren, bevor ich nach Hause kam.

Abenteuer heute ... zum Radfahren in Togo, Malaysia, Kamerun oder Vietnam reicht es halt nicht mehr. Aber das Elsass kann ja auch ein bisschen fremd sein, wenn man die Augen aufmacht.

The Offspring im Jahr 2021

Kann eine Band, die in den 80er-Jahren anfing und zu Beginn der 90er-Jahre auf einen Schlag eine Million Platten verkaufte, zu Beginn der 30er-Jahre überhaupt noch relevante Musik machen? Diese Frage muss man sich natürlich stellen, wenn man sich die Platte »Let The Bad Times Roll« von The Offspring anhört. Es ist die zehnte Studioplatte der kalifornischen Punkrocker, und sogar das finde ich respektabel – für die lange Zeit sind das bemerkenswert wenige Tonträger.

Die Platte ist richtig gut, da war ich selbst baff. The Offspring können immer noch das, wofür sie in den 90er-Jahren berühmt wurden: Die Herren aus dem Orange County schreiben poppigen Punk, der flott nach vorne gespielt wird, der weder zu süßlich noch irgendwann metallisch wird. Das ist kompetent gemacht, ist schön abwechslungsreich und macht durchgehend Spaß.

Den Über-Hit habe ich auf dieser Platte nicht herausgehört. Das kann aber – so fair muss ich einfach sein – auch daran liegen, dass ich nicht mehr so begeisterungsfähig bin wie vor dreißig oder vierzig Jahren. Stücke wie »Army Of One« haben Ohrwurm-Charakter, das Titelstück ist auf jeden Fall schmissig und eingängig genug, und insgesamt hat mich die Platte nicht gelangweilt. Die Band variiert das Tempo ihrer Stücke, sie liefert gute Texte – was will ich mehr?

Ich bin sehr angetan von dem Werk. Das ist keine Alte-Männer-Rockmusik, aber es ist natürlich keine Rotzlöffel-Attacke mehr; das erwarte ich von Männern um die fünfzig nun auch nicht mehr. Aber wer so dynamisch altert wie The Offspring, der haut noch mal so ein Ding wie das hier raus. Respekt.

09 Juli 2021

Hundertzwanzig Jahre Cartland

Heute könnte Barbara Cartland ihren Geburtstag feiern. Sie wäre 120 Jahre alt geworden. Im Jahr 2000 war sie allerdings mit fast hundert Jahren gestorben – am 9. Juli 1901 hatte sie das Licht der Welt erblickt und buchstäblich ein Jahrhundert durchlebt.

Ich hatte tatsächlich mit ihr zu tun. Nicht nur einmal. Allerdings lernte ich sie nie persönlich kennen. Immerhin.

Als ich in den 80er-Jahren zum ersten Mal für den heutigen Pabel-Moewig Verlag tätig wurde, geschah das vor allem deshalb, weil man einen fixen Schreiber für Pressetexte suchte, der sich auch mit Science Fiction auskannte und bei der Organisation einer großen Veranstaltung in Saarbrücken helfen konnte.

Barbara Cartland war damals ein Star im Taschenbuchprogramm des Moewig-Verlages. Regelmäßig erschienen ihre Romane, die sich allesamt gut verkauften. Es rankten sich viele Geschichten um die damals schon alte Dame, die stets in Pink gekleidet fotografiert wurde und sich als »Lady In Pink« darstellen ließ.

Ich schrieb Rückentexte für Romane, die ich vorher lesen musste, ich erarbeitete eine Pressemappe, ich telefonierte mit ihrem Sekretariat. Als die alte Dame dann auf Deutschlandtour kam – organisiert und bezahlt von unserem Verlag –, wohnte sie unter anderem in »Brenners Park-Hotel« in Baden-Baden.

Zu den entsprechenden Veranstaltungen durfte ich dann nicht mit. Womöglich hätte mein Äußeres nicht zur gesamten Atmosphäre der Veranstaltung gepasst.

Die Killerpuppen

Lüsterne Schauspieler, ein Schmuckstück aus dem alten Ägypten, ein verwickelter Fall: Ich habe nach längerer Zeit mal wieder ein »John Sinclair«-Hörspiel angehört. Konkret handelt es sich um die Folge 39 der Reihe »Sinclair Classics«. Sie trägt den Titel »Die Killerpuppen« und basiert auf dem gleichnamigen Roman, der 1976 in der Reihe der »Gespenster-Krimis« erschienen ist.

Ganz eindeutig handelt es sich um die Umsetzung eines sehr klassischen Heftromans. Die Dialoge sind trocken und lakonisch, John Sinclair als Inspektor beschäftigt sich gern mit dem Grillen von Würstchen, macht sich – das ist sicher neu hinzugefügt – auch über Tofu-Würste lustig und versucht ansonsten, bei einem Nachbarschaftsstreit zu ermitteln.

Gruselromane aus den 70er-Jahren finde ich heute eigentlich durch die Bank unlesbar. Faszinierend ist jedoch immer wieder, wie es Dennis Ehrhardt schafft, aus den klassischen Geschichten moderne Hörspiele zu machen. Das gilt auch hier: Klar ist die Geschichte um die Killerpuppen, die durch einige Überraschungen gekennzeichnet ist, ziemlich trivial; es geht um Eifersucht und Mord, um Schauspieler und ihre Marotten.

In Form eines Hörspiels ist das aber spannend. Es gibt Action, die mit den entsprechenden Geräuschen unterstützt wird; Schockeffekte werden erzählerisch gut eingesetzt. Dabei entsteht ein treibender Rhythmus, der die Geschichte mit viel Tempo vorantreibt. Ich hörte ihr mit viel Interesse zu, und ich wollte beständig wissen, wie es weitergeht und was hinter den monströsen Killerpuppen wirklich steckt.

Eine solche Umsetzung muss man erst mal hinbekommen – kein Wunder, dass die »John Sinclair«-Hörspiele bei Lübbe-Audio nach wie vor so erfolgreich sind und ihre Freunde nicht nur bei den »Alt-Fans« finden …

08 Juli 2021

Ein Häusle für mich allein

Als ich zu Beginn des Jahres 1999 mal wieder der Kälte in Deutschland entfloh, reiste ich nach Asien und nicht nach Afrika. Mein Aufenthalt in Singapur und Malaysia war faszinierend, ich sammelte viele neue Eindrücke. Unter anderem besuchte ich die Insel Langkawi, die sich im Norden von Malaysia befindet, kurz vor der Grenze zu Thailand.

Ich setzte mit der Fähre vom Festland aus über, fuhr mit dem Bus einmal quer über die Insel und quartierte mich in einem winzigen »Hotel« ein, in dem man als Einzelperson oder auch paarweise kleine Häuser bewohnen konnte. Mit dem spitzen Dach sahen sie ein wenig aus wie Häuser in Mitteleuropa; sie standen auf Stelzen – und das war's.

Viel Platz war nicht in dem kleinen Haus. Eine Toilette oder Strom gab es nicht; Wasseranschlüsse standen nur im zentralen Gebäude zur Verfügung.

Aber eigentlich brauchte ich es ohnehin nur, um mein Gepäck sicher zu verwahren und nachts einen Schlafplatz zu haben. Tagsüber gammelte ich am Strand herum – wo ich unter anderem den Roman »Hot-Zone« von Richard Preston las, den ich mir von einer deutschen Touristin auslieh –, wenn ich nicht mit dem Rad über die Insel fuhr oder mich mit Leuten unterhielt.

Es waren schöne Tage in Langkawi. Auch wenn ich mir regelmäßig den Kopf an der Decke meines Häusles anschlug ...

Bash! mit gutem Oi!-Punk

Ich habe Bash! ja nie live gesehen, dabei spielte die Band aus Krefeld in den Nullerjahren sich wirklich den Hintern blutig, kreuz und quer durchs Land und bei allen möglichen Anlässen. Umso besser ist es, sich dann Jahre danach halt immer mal wieder die Platten anzuhören: 2002 veröffentlichte die Band ihre »Cheers & Beers«, die ich mir als schicke Picture-LP zulegte.

Musikalisch ist das Oi!-Punk, der mal mit deutschen und mal mit englischen Texten aufwartet. Der Sound ist schlicht und rumpelig, aber teilweise mit guten Melodien und unterm Strich sehr gelungen. Für mich geht das gut ins Ohr, da wackle ich automatisch mit. Einige alberne Ausfälle wie »Fuchs, Du hast die Gans gestohlen« muss man als Zuhörer halt verkraften; da versuchte die Band, auch einen musikalischen Witz zu lang auszubreiten.

Textlich bleibt man auf der sicheren Seite: In beiden Sprachen geht es mehr ums allgemeine Leben, gibt es sarkastische Blicke auf das eigene Leben (»Wir haben immer Sommer, die Sonne scheint uns aus dem Arsch«), werden das Leben mit der Band und der Suff thematisiert Das hat man schon oft gehört, die Band bringt es aber sarkastisch auf den Punkt.

Bei einigen Stücken war Claus mit von der Partie, der in den 90er-Jahren als Sänger der Band Knochenfabrik recht bekannt geworden war. Seine charakteristische Stimme prägt manches Stück, auch die Texte hören sich teilweise schwer nach ihm an. Eine insgesamt sehr ordentliche Platte, die man sich auch zwanzig Jahre danach ohne Probleme anhören kann (sieht man vom einen oder anderen Ausfall ab …)

07 Juli 2021

Eine alte Serie kehrt zurück

Ich bin kein Experte für die verschiedenen Serien, die von den Kollegen im Kölner Bastei-Lübbe-Verlag in den vergangenen Jahren veröffentlicht worden sind. Aber ich sehe mir sehr interessiert an, was dort versucht und unternommen wird. Ich bin schließlich ein Fan von Science Fiction und Fantasy und freue mich auch – ganz privat – darüber, wenn es mehr Phantastik-Lektüre in den Läden gibt.

Als es die Science-Fiction-Serie »Ufo-Akten« in den 90er-Jahren schon einmal gab, las ich einige der Romane. Zumeist fand ich sie gut bis sehr gut: unterhaltsam geschrieben, spannend erzählt, insgesamt eine gelungene Abwechslung. Ich habe die Serie also in guter Erinnerung.

Wenn es im Oktober nun wieder los geht – das ließ sich einigen Texten bei Facebook entnehmen –, sowohl mit alten Romanen als auch mit neuen Geschichten, werde ich mich um den einen oder anderen Band bemühen und mal »reinlesen«. Und ich wünsche den Kollegen viel Erfolg bei diesem neuen Versuch, eine Serie im Phantastik-Bereich in den Zeitschriftenhandel zu bringen.