15 September 2019

Das Sommerfest im P 8

Das diesjährige Sommerfest im P 8, dem subkulturellen Zentrum in der Nordstadt von Karlsruhe, begann am Samstag, 14. September 2019, schon am Nachmittag. Ich verpasste aber die ersten Bands, weil ich erst gegen 21 Uhr auf dem Gelände eintraf. Die Veranstalter hatten einen schmucklosen und langweilig wirkenden Parkplatz in ein Open-Air-Gelände verwandelt, auf dem sich rund 500 Leute versammelt hatten.

Als ankam, standen Mal Élevé auf der Bühne: ein HipHopper, dessen Musik auch Einflüsse von Reggae und Ska hat, der bei manchen Stücken von einer Sängerin unterstützt wurde und der in drei Sprachen sang, nicht nur in deutsch, sondern auch in französisch und einer Sprache, die ich nicht zuordnen konnte. (Bekannt war er durch Irie Revoltés geworden, bei denen er früher gesungen hatte.)

Musikalisch ist das nicht unbedingt mein Ding, die Stimmung war aber klasse. Die Leute tanzten begeistert, das Publikum skandierte die politischen Aussagen mit, in denen es gegen Nazis, für Seenotrettung und generell um mehr Menschlichkeit ging. Politische Musik also, die aber vor allem zum Tanzen anregte – auch gut.

Später ging es im Inneren des Gebäues weiter. (Kurz nach 22 Uhr war eh schon die Polizei vor dem Gelände gestanden.) Es standen die drei Männer von The Incredible Herrengedeck aus Berlin auf der Bühne – siehe auch das Foto –, die eine spaßige Musik mit Wandergitarren und Bass machten, die sie selbst als Chansonpunk bezeichneten. Textlich mit viel Ironie, aber durchaus auch mit ernsthaften Themen: zum Weltuntergang oder zu Konflikten mit der Staatsgewalt.

Den bollernden Abschluss bildete War With The Newts aus Berlin: drei langhaarige Männer, die eine räudig-derbe Hardcore-Mischung spielten, die schwer nach den späten 80er-Jahren klang, die mit viel Energie auf der Bühne präsentiert wurde und deren Texte nicht hundertprozentig ernstzunehmen waren. (Nannte man so etwas früher FunCore? Ich hab's vergessen.)

Als der Disco-Betrieb einsetzte, verpasste ich den Absprung. So stand ich noch stundenlang an der Theke oder saß im Außenbereich herum, trank Bier und redete mit Leuten. Entsprechend spät wurde es – nach einem gelungenen Sommerfest!

14 September 2019

»Der Sonntag« und der Totengräber

Die »Badischen Neuesten Nachrichten« sind eine Tageszeitung, die in Karlsruhe erscheint und überregionale Bedeutung hat. Ich lese das Blatt nur sehr unregelmäßig, weil ich eine überregionale Tageszeitung abonniert habe, die mir mehr »Input« gibt.

Mit »Der Sonntag« veröffentlichen die »BNN«, so die Kurzform dieser Tageszeitung, eine wöchentliche Gratiszeitung, die journalistisch sehr gut gemacht ist und die ich als Informationsquelle zu meinem Wohnort sehr schätze. Und vergangenen Sonntag stand »Totengräbers Tagebuch« im Zentrum der Seite drei – an diesem Buch habe ich ja tatkräftig mitgewirkt, weshalb ich ganz besonders stolz auf diese Veröffentlichung war.

Mittlerweile kann man die betreffende Seite auch kostenfrei und online nachlesen, was ich gut finde. Wolfgang Weber, der Autor des Artikels, dem ich dafür sicher noch einen Wein ausgeben muss, hat mir aber zudem erlaubt, den betreffenden Beitrag in meinem Blog zu veröffentlichen (und darüber hinaus). Hier ist er nun zu finden.

Der Artikel ist meiner Ansicht nach sehr gut geschrieben, gibt in ausgesprochen gelungener Weise wieder, um was es in dem Buch gibt, und lässt sowohl Volker als auch mich schön zu Wort kommen. Hoffen wir, dass es dem Verkauf des Werkes nicht schadet, sondern nutzt ...

13 September 2019

Mal wieder Triberg

Es gibt ein Bild von meiner Schwester und mir, das ich sehr gut im Gedächtnis habe: Wir stehen nebeneinander, ich vielleicht sechs, sie vielleicht vier Jahre alt, kleine Schwarzwaldkinder halt. Hinter uns sieht man einen Wasserfall, wir stehen auf Steinen und sehen uns an. Das Bild ist zugleich meine älteste Erinnerung an die Triberger Wasserfälle. Ob wir als Kinder oft dort waren, weiß ich nicht mehr; sie zählen aber zu meinen Kindheitserinnerungen.

Dieser Tage war ich wieder einmal in Triberg, mehr als vierzig Jahre danach. Und ich muss gestehen: Die Wasserfälle sind immer noch eindrucksvoll, und ich stand immer wieder da, ließ das Bild auf mich wirken, das brausende Wasser, die steilen Felsen, die Bäume und das Moos, die Eichhörnchen und Eichelhäher. Die Verantwortlichen vor Ort hatten viele Wege modernisiert, die Treppengeländer wirkten stabil, und man hatte für schöne Möglichkeiten gesorgt, sich hinzusetzen und das Naturschauspiel zu bewundern.

Wir waren immerhin unter der Woche vor Ort, das war gut so. Der Ansturm der Besucher hielt sich in Grenzen. Offenbar war ein Bus mit italienischen Touristen vor Ort, dazu kamen Inder, Amerikaner und Franzosen – natürlich ebenso viele Menschen aus Deutschland. Handys klickten, Kameras waren überall im Einsatz – bei manchen Leuten hatte ich das Gefühl, dass sie das Naturschauspiel nur durch die Kamera betrachteten. Das fand ich ein wenig traurig.

Ich genoss den Aufenthalt an den Wasserfällen sehr. Die Luft war gut, die Bewegung machte Spaß, und die Schwarzwald-Atmosphäre holte mich gewissermaßen in meine Kindheit zurück. Das war dann doch ein richtig schöner Ausflug!

12 September 2019

Erinnerungen an Walter A.

Ich hatte lange nicht mehr an Hans-Walter Arweiler gedacht. Erst auf einen Facebook-Hinweis hin, den Frank G. Gerigk gegeben hatte, wurde ich wieder auf ihn aufmerksam und bekam so mit, dass er bereits 2009 gestorben war. Das schockierte mich dann doch: In den 80er-Jahren hatten wir vergleichsweise intensive Briefkontakte unterhalten – und dann bekam ich seinen Tod einfach nicht mit.

Seit ich die Todesanzeige in der Saarbrücker Zeitung gelesen hatte, kamen mir zahlreiche Begegnungen in Erinnerung; seither ringe ich mit mir, ob ich einen nachträglichen Nachruf schreiben soll. Das erscheint mir dann auch nicht angemessen. Dinge ändern sich, Menschen ändern sich, die Beziehungen zwischen ihnen sowieso.

Ich lernte Walter – das »Hans« hatte ich nie auf dem Schirm – in den frühen 80er-Jahren kenne. Er war Science-Fiction-Fan und saß im Gefängnis. Wir schrieben uns seitenlange Briefe, in denen er auch über seine Erfahrungen im Gefängnis und davor als Verbrecher – daraus machte er keinen Hehl – erzählte. Er wollte sich aus dem Gefängnis heraus eine neue bürgerliche Existenz aufbauen und setzte viel Energie in ein geplantes Science-Fiction-Magazin.

Das Magazin sollte »Space Travel« heißen. Walter schrieb Briefe, er sammelte Kontakte, er baute eine Redaktion auf. Als ich im Saarland war, besuchte ich ihn einmal im Gefängnis, was ich damals sehr einschüchternd fand. Aus seinem eigenen Magazin wurde leider nie das, was er sich erhoffte.

Dafür stieg er bei »meinem« SAGITTARIUS ein, als das Fanzine immer größer und »magaziniger« wurde. Nachdem er aus dem Gefängnis gekommen war, stürzte er sich mit großer Energie auf SAGITTARIUS, er nahm an Redaktionsbesprechungen teil und besuchte mich in Dietersweiler. Zeitweise verstanden wir uns sehr gut – aber dann traten unsere unterschiedlichen Ansichten deutlicher zum Vorschein. Als ich 1988 beschloss, das Heft einzustellen, empfand er das offenbar als persönliche Kränkung.

In der Ferne ging es mit uns stark auseinander. Wir waren vorher keine Freunde gewesen, wir wurden aber auch keine Feinde. Wir verhielten uns, wenn wir uns trafen, eher distanziert. Nach 1990 verlor ich ihn komplett aus den Augen. Offenbar gründete er eine Familie; ich hoffe, dass er ein glückliches und schönes Leben führte.

Für mich ist tatsächlich unbegreiflich, wie sehr ich einen Kontakt, den ich jahrelang als positiv und bereichernd empfunden hatte, auf einmal hatte verschwinden lassen können. Ich hatte Walter buchstäblich vergessen; das finde ich noch heute hart.

11 September 2019

Die Experimenta lohnt sich

Schon seit Jahren wollte ich die »Experimenta« in Heilbronn besuchen. Mich interessiert dieses sogenannte Science Center, und ich konnte mir das Ganze nicht so richtig vorstellen. Weil es sich dieser Tage anbot, fuhren wir nach Heilbronn – was von Karlsruhe aus gut zu erreichen ist, sogar mit der Straßenbahn – und begaben uns zum Eingang.

Eine freundliche Frau erklärte uns die Örtlichkeiten. »Der vierte Stock ist für Sie wohl kaum interessant«, meinte sie, »der ist vor allem für Kinder von vier bis zehn Jahren gedacht.«

Sie irrte sich grundsätzlich: Der vierte Stock war der, der mir am meisten Freunde machte. Dutzende von Kindern tummelten sich dort, experimentierten mit Luft und Strom, mit Wasser und der Schwerkraft; es herrschte viel Lärm und Durcheinander, Jungen und Mädchen waren gleichermaßen an den technischen Geräten oder Mikroskopen zugange.

Auch die anderen Stockwerke fand ich spannend. Überall gab es Dinge zu entdecken, wissenschaftliche Experimente zu wagen oder einfach nur interessante Schautafeln anzuschauen. Ich hätte mich locker einen ganzen Tag in der »Experimenta« aufhalten können und war sehr von der Anlage angetan.

Wer Kinder oder Jugendliche für Wissenschaft und Forschung begeistern will, ist in Heilbronn sicher richtig. Und wer selbst Lust hat, augenzwinkernd einige neue Erkenntnisse zu sammeln, dem schadet ein Besuch in der »Experimenta« sicher nicht.

10 September 2019

Hexen, Folter, Zeitmagie

Eigentlich ist es ein klassisches Gruselheft-Szenario: In einem Dorf in England haben sich Hexen versammelt, um ein Dorf anzugreifen. In diesem Dorf wütete vor Jahrhunderten der sogenannte Hexenwürger, der viele unschuldige Frauen folterte und anschließend im Moor versenkte.

Diese alte Geschichte kommt in neuer Zeit zum Vorschein. Nur John Sinclair kann die paar Menschen im Dorf von einem fürchterlichen Ende bewahren ...

Das ist im Prinzip der Hintergrund für »Wikkas Rache«, das Hörspiel mit der Nummer 102 aus der Reihe der »John Sinclair«-Hörspiele. Der zugrunde liegende Roman wurde bereits 1983 als Heft veröffentlicht – die moderne Aufmachung als Hörspiel ist sehr gut gemacht.

Allerdings sind mir die modernen Aspekte zu realitätsnah; das wirkt mir zu sadistisch und brutal. Das Foltern und Quälen einer jungen Frau, die für Scotland Yard tätig ist und John Sinclair kennt, zieht sich durch das halbe Hörspiel; ihr Schreien und Wimmern sind nur schwer auszuhalten. In solchen Fällen frage ich mich schon, ob das in der Ausführlichkeit wirklich nötig ist und ob »der Markt« so etwas tatsächlich verlangt.

Dabei ist die Geschichte bei aller Trivialität sogar spannend. Mit der sogenannten Zeitmagie, deren Hintergrund natürlich nicht erklärt wird, können die Hexen und auch das weibliche Opfer zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart wechseln; es gibt Moorleichen und Zaubersprüche – akustisch wird einiges geboten.

Na ja, die Brutalität muss ich wohl akzeptieren; vielleicht bin ich zu weicheierig geworden ...

Ein Monkeeman mit viel Irland

Die Band Monkeeman gibt es seit schon seit Beginn der Nuller-Jahre. Mit wechselnden Musikern hat der aus Wilhelmshaven stammende Ralf Lübke diverse Tonträger aufgenommen – ich habe zuletzt die Platte mit dem schönen Titel »Lo-Fi Against Low Lifes« angehört. Diese enthält zwölf gelungene Stücke mit viel Gitarren-Pop und ganz winzigen Punkrock-Spuren, die allesamt gut ins Ohr gehen und eine große musikalische Bandbreite abdecken.

Was ich spannend dabei finde: Drei der Musiker stammen aus Irland – es handelt sich also um eine Band, die über Ländergrenzen hinausreicht. Das macht die Musik letztlich auch. Man schöpft aus dem reichen Feld des Gitarren-Pop, lässt es gelegentlich ein wenig krachen, setzt aber ansonsten auf gelungene Melodien.

Da kann auch mal ein funkiger Bläsersatz schräg ins Stück pusten, meist tragen die klare Stimme des Sängers und die angenehmen Gitarren die Stücke. Firlefanz gibt es hier keinen, überproduziert ist nichts, bewusst »oldschool« bleibt man aber auch nicht. Das ist alles sehr gelungen, lässt sich schön anhören und passt meist zu den ruhigeren Momenten im Leben.

Ich kannte den Monkeeman vorher tatsächlich nur vom Namen her, hatte bislang keine Platten von ihm und seiner Band gehört. Wahrscheinlich sollte ich das ändern ...

09 September 2019

Der Deutsche SF-Preis wird vergeben

Ich gestehe, dass ich von vielen Buch- und Literaturpreisen nicht viel halte. Häufig habe ich das Gefühl, dass bei den Preisträgern gerne die Leute ausgesucht werden, die zu einer »In-Group« gehören. Die Science Fiction und Fantasy bieten da keinen relevanten Unterschied. Beim Deutschen Science-Fiction-Preis (DSFP) habe ich allerdings das Gefühl, dass die Jury ihre Arbeit sehr ernsthaft ausübt.

Für den DSFP 2018 wurden jetzt die Preisträger bekannt gegeben. Relevant für den Preis, so die Jury, sind »alle im Original in deutscher Sprache im Jahr 2017 erstmals in gedruckter Form erschienenen Texte des Literaturgenres Science-Fiction«. Ich bin sicher, dass ich hier an der einen oder anderen Stelle meinen Einwand erheben würde, wenn ich unbedingt wollte, möchte aber diesmal nicht meckern. Der Preis, der zudem mit 1000 Euro je Kategorie dotiert ist, wird von mir als relevant empfunden.

Wobei ich mich zur Kategorie »Beste deutschsprachige Kurzgeschichte« kaum äußern kann. Hier lese ich selbst zu wenig, um ernsthaft mitreden zu können. Gewonnen hat die Geschichte »Confinement« von Thorsten Küper, erschienen in »Nova 26« – bei diesem Magazin lief mein Abonnement schon vor Jahren aus, weil ich mit der Lektüre nicht hinterherkam.

Der Autor ist mir bekannt, seine Texte sind meist ideenreich und gut geschrieben. Ich gehe also davon aus, dass die Jury den Preis nach klarer Diskussion vergeben hat.

Beim Preis für den besten Roman kann ich mitreden. Es gewann »Hologrammatica« von Tom Hillenbrand, den ich selbst gelesen hatte und sehr schätzte. Auf dem zweiten Platz landete »NSA« von Andreas Eschbach, bei dem ich sicher war, dass man ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Jury auszutragen hatte.

Interessant finde ich, dass der dritte Platz von einem untypischen Roman eingenommen wird. »Die Hochhausspringerin« von Julia von Loucadou war mir bislang völlig unbekannt.

Insgesamt lohnt es sich, die Liste der Preisträger_innen anzusehen. Sie ist interessant genug für eine längere Betrachtung und macht mich auf den einen oder anderen Titel neugierig. Den Preisträgern möchte ich an dieser Stelle gratulieren!

30 August 2019

Der Meister und sein Diener

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Man nehme einen Redakteur am dritten Tag auf einer Buchmesse, drücke ihm zwei aktuelle Merchandise-Produkte in die Finger, sage ihm »guck mal freundlich«, gebe ihm zwei Minuten, bis das Gesicht halbwegs passt, und drücke dann auf den Auslöser. So etwa muss es wohl abgelaufen sein, als in diesem Frühjahr einige Fotos von mir entstanden sind ...

Die Leipziger Buchmesse ist immer eine wunderbare Veranstaltung. Das merke ich in diesen Tagen ganz besonders, wenn ich mich auf die Frankfurter Buchmesse vorbereite. Leipzig ist familiär, Frankfurt ist »Business«.

In Leipzig habe ich Dienst am Stand unserer Science-Fiction-Serie, in Frankfurt laufe ich mit dem »Köfferle« in der Hand durch die Messehallen und vereinbare meine Termine an den jeweiligen Messeständen. Und am eigenen Stand habe ich dann gelegentlich das Gefühl, mein Herr und Meister schaue mir – wie auf diesem Bild gelegt – von hinten über die Schulter ...

29 August 2019

Ein kleines Großdeutschland

Aus der Serie »Dorfgeschichten«

Ich bin zu Besuch bei meiner Tante, der älteren Schwester meiner Mutter. Wir spielen eines der beliebten Streichhölzerspiele: Man legt Streichhölzer in Muster, die man verschieben muss, um einen Effekt zu erzielen. »Dieses Häuflein Dreck muss auf die Schaufel, die wir aus Streichhölzern gelegt haben, aber du darfst nur ein Hölzchen verschieben.«

Die Spiele gefallen mir. Dann baut meine Tante ein neues Feld auf: ein großes Quadrat mit einer Kantenlänge von zwei Streichhölzern, in der Mitte ein Kreuz, im Prinzip also vier kleine Kästchen, die ein größeres Kästchen ergeben. Es ist ein sehr klassisches Muster.

»Das hier ist jetzt Deutschland«, erklärt sie mir. »Du musst vier Strichhölzer wegnehmen, dann entsteht Großdeutschland.«

Ich bin offenbar zu blöde, um die Aufgabe zu verstehen. Ungeduldig sieht sie mir zu, wie ich verwirrt auf die Strichhölzer starre. Wie kann etwas Großes entstehen, indem man etwas wegnimmt?, frage ich mich.

Die Tante zeigt es mir: Sie entnimmt jedem der kleinen Quadrate ein Streichholz. Danach liegt ein Hakenkreuz aus Streichhölzern vor uns auf dem Tisch.

»So«, sagt sie befriedigt, »das ist jetzt Großdeutschland.« (Die frühen 70er-Jahre waren schon seltsam, auch im Schwarzwald.)

28 August 2019

Packende Detektiv-Comics mit Sherlock Holmes

Ich möchte endlich mal auf einen Comic hinweisen, der mich seit dem ersten Band erfreut: »Die vier von der Baker Street« ist eine Serie, die im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts spielt, immer wieder Sherlock Holmes als Figur in der Handlung hat, die Geschichten aber aus der Sicht von drei Kindern und später Jugendlichen erzählt. Bisher sind sechs Bände erschienen; wie es sich beim Splitter-Verlag gehört, sehen sie sehr gut aus und sind als Hardcover veröffentlicht worden.

Wer sich mit den Geschichten um Sherlock Holmes beschäftigt hat, weiß, dass sich der Detektiv immer wieder Hilfe »von der Straße« holt. Seine Unterstützer sind Bettler und Straßenkinder, die Art von Leuten also, die überall auf den Straßen unterwegs sind, aber kaum wahrgenommen werden. Weder die Polizei noch die mächtigen Gangster achten auf die armen Leute, die sich in den Seitengassen aufhalten oder die in Abbruchhäusern schlafen.

Darauf baut der Comic auf. Zwei Jungs, ein Mädchen – okay, das ist ein Spoiler zum ersten Band – und eine Katze (der Spoiler zum zweiten Band) treiben sich als Bande auf den Straßen des East End herum. Für sie ist das viktorianische Zeitalter keine Zeit mit schicken Klamotten und fetten Partys; sie stehlen, um überleben zu können, sie rennen von der Polizei weg, und sie prügeln sich mit anderen Straßenkindern. Weil sie ab und zu Botendienste für Sherlock Holmes erledigen, werden sie in Kriminalfälle verwickelt.

Das Szenario für die sechs Bände stammt von Jean-Blaise Djian und Olivier Legrand; die zwei erfahrenen Texter sind seit Jahren in der französischen Comic-Szene unterwegs. Sie schaffen es in dieser Serie, sowohl die üblichen Elemente eines Abenteuer-Comics als auch sehr ernsthafte Themen zu vermitteln. Gleich im ersten Band geht es um Zwangsprostitution, in späteren Folgen spielt aber auch Professor Moriarty eine Rolle, der Gegenspieler von Sherlock Holmes, und sein Imperium aus Verbrechern.

Mir gefällt sehr gut, wie die zwei Autoren sowie der Zeichner die gesellschaftliche Realität im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts darstellen. Es gibt Kriminalität in allen Abstufungen, Elend und Prostitution sind allgegenwärtig. Das alles fängt Davie Etien in seinen Bildern hervorragend ein: Er zeigt London nicht nur düster, sondern durchaus abwechslungsreich, aber eben in verschiedenen Facetten. Straßen voller Händler und Arbeiter, Elendsquartiere, bürgerliche Viertel, der Club von reichen Gentlemen und Lagerhallen – das alles bildet die Kulissen für die spannenden Abenteuer der Baker-Street-Jungs.

»Die vier von der Baker Street« liefert spannende Unterhaltung, die mich gefesselt hat. Die Serie ist meiner Ansicht nach eines der vielen Schmuckstücke im Splitter-Programm, und ich dürste bereits nach weiteren Fortsetzungen.

27 August 2019

Die Oralapostel machen Kinderpunk

Dass ich Funpunk in den 80er-Jahren mal ganz lustig fand, habe ich schon gelegentlich ausgeplaudert. Seit den frühen 90er-Jahren kann ich damit nichts mehr anfangen. Deshalb hat es eine Band wie Die Oralapostel aus Karlsruhe bei mir naturgemäß schwer.

Immerhin sah ich die Burschen mal im Jahr 2010 und fand sie live gar nicht schlecht; mit ihrer CD »Klassenarbeit« hatte ich allerdings meine Probleme. Sie wurde bereits 2007 veröffentlicht und vergammelte bei mir recht lange in einem Stapel nicht angehörter Tonträger ...

Wobei sie richtig toll aufgemacht ist. Sie erschien in einem Umschlag, der wirklich aussieht wie ein Schulheft: mit Titelbild und bemalten Innenseiten, in den die CD gestopft worden ist. Das ist originell, das gab echt Pluspunkte, wenngleich ich nicht so richtig weiß, wie man so einen Tonträger dann vernünftig aufheben soll. Aber das ist eine Folgefrage.

Musikalisch bleibt die Band sehr klassisch, sie orientiert sich eindeutig an den frühen 90er-Jahren, und man hat offenbar viel Abstürzende Brieftauben gehört. Geboten wird rumpeliger, klassischer Deutschpunk, dazu kommen viele »Ohoo«-Chöre. Bei den Texten geht es um Peinlichkeiten und Absurditäten – mit alledem beamen mich die Oralapostel dreißig Jahre zurück, als Funpunk noch ein echter Trend im Punkrock war.

Meist sind die Texte in deutscher Sprache, bei »This Is Rock'n'Roll« zeigt die Band mit ihrem Schulenglisch, dass sie doch besser in der eigenen Sprache hätten bleiben sollen. Die Stimme des Sängers ist wenig ausdrucksstark – das stört bei Funpunk allerdings kaum.

Die Band ist also völlig typisch, darüber kann man sich nicht ärgern. Ob es sie übrigens immer noch gibt, weiß ich gar nicht; wer also mag, informiere sich entsprechend weiter. Funpunk findet schließlich nach wie vor genügend Freunde.

26 August 2019

Science Fiction und Israel

Ich bin immer wieder verblüfft, welche Fülle an Informationen eine Ausgabe der amerikanischen Science-Fiction-Zeitschrift »Locus« bietet. Weil es da so viel zu entdecken gibt, hinke ich mit meiner Lektüre der jeweiligen Ausgaben immer mehrere Monate hinterher. So kam ich erst dieser Tage dazu, die Ausgabe vom November 2018 zu lesen.

Ein bemerkenswertes Thema in dieser Ausgabe: Israel in der phantastischen Literatur. Konkreter: Anhand eines aktuellen Romans des israelischen Schriftstellers Lavie Tidhar – von dem ich bisher zwei ziemlich coole Romane gelesen habe, einmal SF, einmal Steampunk-Phantastik – werden einige Parallelwelt-Romane zu Israel präsentiert. Von vielen davon hörte ich zum ersten Mal.

Klar, mir ist »Die Vereinigung jiddischer Polizisten« von Michael Chabon ein Begriff, in dem erzählt werden, wie jüdische Flüchtlinge aus Europa ausgerechnet in Alaska angesiedelt werden. Aber ich hörte noch nie von der »Madagascar Manifesto«-Trilogie, die vor gut zwanzig Jahren erschienen ist und in der Janet Berliner und George Guthridge den zeitweise ernsthaften Plan, die europäischen Juden nach Madagaskar umzusiedeln, in eine Science-Fiction-Trilogie umgesetzt haben.

Von Lavie Tidhar wiederum gibt es den Roman »Unholy Land«, bei dem der Titel schon einiges andeutet. In seinem Roman verfolgt Tidhar die alte – und damals ernsthaft diskutierte – Idee weiter, die europäischen Juden in das heutige Uganda auszusiedeln. Im dortigen Altneuland spielt ein Teil des Romans, und mir reicht schon die Inhaltsangabe, um sofort weiterlesen zu wollen.

»Locus« ist eine echte Fundgrube. Und es frustriert mich, wie viele von den Romanen, von denen ich in diesem Magazin lese, nie hierzulande veröffentlicht werden. Weil es keine »Markt« gibt oder die Science Fiction hierzulande einfach nicht gut genug verkaufbar ist … (Nicht zum ersten Mal finde ich es ärgerlich, dass mein Englisch nicht gut genug ist, Science-Fiction-Romane aus den USA in flottem Tempo im Original lesen zu können.)

22 August 2019

Als der FO die 150 feierte …

Wenn ich in alten Fanzines blättere, stelle ich fest, wie sehr mir die quirlige Szene aus Fanzines aller Art fehlt, die bis in die späten 90er-Jahre hinein allerlei bunte Blüten trieb. Vor allem, wenn ich die Ausgabe 150 des »Fandom Observer« in die Hand nehme, die im Dezember 2001 veröffentlicht worden ist, wird mir dies bewusst.

Das Heft wurde von Martin Kempf zusammengefasst, einem der zwei Gründer des Fanzines, das über viele Jahre hinweg mit der Zuverlässigkeit eines Uhrwerks einmal im Monat bei mir im Briefkasten landete. Die Ausgabe umfasste 24 Seiten im A4-Format, der Umschlag war in Farbe – was eine absolute Ausnahme war.

Zwei Leute schrieben in diesem Heft über Fanzines: Dirk van den Boom, heute erfolgreicher Science-Fiction-Autor, der in verschiedenen Verlagen veröffentlicht, und ich. Auf fünf Seiten stellen wir aktuelle Publikationen vor, die meisten davon aus den Bereichen Science Fiction und Fantasy. Im Jahr 2001 wurde zwar auch schon der Mangel an neuen Fanzines beklagt, es erschienen aber noch genügend.

Darüber hinaus gab es Fernseh-Tipps, allen Ernstes ein wenig Informationen zu aktuellen Internet-Seiten, eine Buchbesprechung und dergleichen. Vor allem waren hübsche Cartoons enthalten, die mir heute noch ein Lächeln entlocken. So kann ich mich auch noch viele Jahre nach dem Erscheinen an einem älteren Fanzine erfreuen. Schön!

21 August 2019

In der Marktlücke

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Man muss es fairerweise so sagen: Die »Marktlücke« in Karlsruhe ist kein Lokal, das durch seine ausgefallene Küche auffällt. Trotzdem freue ich mich, wenn ich einmal im Jahr – mehr ist es kaum – in der Kneipe sitze oder auf dem Platz direkt vor der Tür, wo bei schönem Wetter viele Tische und Stühle dazu einladen, sich bequem niederzulassen.

Klar, das Bier ist gut, aber da kann man nicht viel falsch machen. Beim Essen setze ich auf Käsespätzle, die schmecken gut, und die Portionen sind sehr ordentlich. Wer gehobene Küche sucht, ist in der »Marktlücke« falsch: Es ist eine eher einfache Küche, die angeboten wird, aber das meine ich nicht negativ. Die Verbindung aus einfachem, aber gut schmeckendem Essen und einigem Bier zieht auf jeden Fall täglich viele Leute in das Lokal.

In den Räumlichkeiten der »Marktlücke« habe ich schon so manche Besprechung gehabt – das Lokal liegt einfach sehr zentral. Wir sprachen über Romane und Hörspiele, Konzepte und Ideen. Allein deshalb schätze ich die »Marktlücke«.

Am meisten aber liebe ich sie für das ungewöhnliche Konzept der Toiletten. Zumindest sehen die Pissoirs im Männer-Klo eher ungewöhnlich aus, und sie bringen wohl Leute dazu, sich mal zu vergreifen. Deshalb mag ich dann auch die Aufkleber, die man darüber gepappt hat – idiotensicher gewissermaßen …

20 August 2019

Endlich bei den Schlosslichtspielen 2019

In diesem Sommer steckt der Wurm drin: Seit dem 8. August laufen die Schlosslichtspiele in Karlsruhe, und ich hatte es bislang nicht geschafft, die Veranstaltungen zu besuchen. Entweder war ich unterwegs, oder es regnete in Strömen. Nachdem ich am Freitagabend immerhin ein wenig gesehen hatte, ergab sich die Möglichkeit, am Montagabend längere Zeit zum Schloss zu gehen.

Es war ein warmer Abend, wir saßen auf dem Steinboden vor dem Schloss, buchstäblich in der ersten Reihe. Der Boden war warm, ich fand es nicht unbequem. Und wenn ich vorne saß, hatte ich stets das Gefühl, mitten in der Show zu sein. Das genoss ich wie in jedem Jahr.

(Am Montag war nicht so viel los wie am Freitag. Ich war mir trotzdem sicher, dass sich wieder Tausende von Menschen versammelt hatten; zudem gab es einen ständigen Wechsel. Leute kamen, Leute gingen, ein Durcheinander von Sprachen und Stimmen. Sehr nett wieder!)

Wir sahen zuerst »Dazz« vom Playmodes Studio an, das ich schon aus früheren Jahren kannte: eine teilweise sehr flimmerig wirkende Show mit knalligen Bildern in gelben und schwarzen Kontrasten, die zackig über die Fassade des Schlosses sprangen. Durchaus anstrengend, aber sehenswert.

Richtig toll fand ich »Evolution Of Life«, eine neue Show der ungarischen Künstlergruppe Global Illumination. Die Fassade des Schlosses zeigte den Urknall, die Entstehung von Galaxien und der Sonne, die Erde mit ihrer Evolution. Erste Aminosäuren, erste organische Substanzen, die ersten Keime des Lebens – das alles in wunderbaren Bildern, die über die Schlossfassade waberten, bis am Ende die Arche Noah alle Tiere aufnahm und die Fluten die Welt buchstäblich verschlangen.

Sehr abstrakt und musikalisch recht abwechslungsreich war »Walls Of Perception« von Xenorama. Die aus Potsdam stammende Künstlergruppe spielte mit der Fassade des Schlosses, ließ sie auseinanderfliegen, zerhackte sie mit ihren Bildern und fügte die Splitter in grellen Bildern immer wieder neu zusammen. Ziemlich großartig!

Ein Kinderbuch, das zur Phantasie anregt

Ich habe es schon gelegentlich erwähnt: Kinder haben erstaunlich viel Phantasie. Noch erstaunlicher ist, wieviel Mühe manche Erwachsene aufwenden, den Kindern die Phantasie auszutreiben. Umso schöner finde ich, dass es immer wieder Kinderbücher gibt, in denen die Phantasie geradezu zelebriert wird.

Dazu zählt auch das wunderbare Buch von Rocio Bonilla, das den schönen Titel »Der höhste Bücherberg der Welt« trägt. Es erzählt mit wenigen Textzeilen und dafür eindrucksvollen Bildern von einem Jungen namens Lukas. Er glaubt, dass er fliegen müsse, und er wünscht sich Flügel.

Eines Tages aber schenkt ihm seine Mutter ein Buch und sagt ihm, dass er damit doch auch fliegen könne. Der Junge beginnt zu lesen, und jedes gelesene Buch legt er auf einen Stapel, der wächst und wächst und wächst … bis es ein riesiger Bücherberg ist und der Junge erkennt, was seine wahre Bestimmung ist.

Letztlich ist es eine phantastische Vorstellung: ein Junge, der auf einem Bücherberg wohnt, der immer weiter in die Höhe steigt. Die Geschichte ist zauberhaft, die Illustrationen faszinieren. Sie sind kindgerecht, so dass man das Buch jederzeit einem Kind schenken kann, sollten aber auch den erwachsenen Phantastik-Fan ansprechen. Ich fand das Buch großartig und möchte es aus diesem Grund empfehlen.

Erschienen ist das Buch als Hardcover im Jumbo-Verlag. Es ist ein Bilderbuch, durchgehend vierfarbig, dem ein Poster beilegt. Es umfasst 44 Seiten und kostet 15 Euro. Wer möchte, kann’s mit der ISBN 978-3-8337-3913-2 überall im Handel bestellen. (Auf YouTube gibt’s einen hübschen »Blick ins Buch«.)

19 August 2019

Wenn ein Thekengast erzählt ...

Eine Veranstaltung, auf die ich mich schon sehr freue: Am 15. September 2019 wird in Karlsruhe endlich »Totengräbers Tagebuch« in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Im Vorfeld gab's einige Diskussionen, weil nicht klar war, die das Ganze ablaufen sollte. Jetzt aber stehen das Programm und die Werbung dafür.

»Ein Thekengast und sein Leben« ist das Motto der Veranstaltung, und das trifft hundertprozentig zu: Volker Langenbein und ich lernten uns letztlich an der Theke im »Fünf« in Karlsruhe kennen. Dort wurde die Idee geboren, ein Buch aus seinen Geschichten zu machen, die er uns immer wieder an der Theke erzählte. Dass es von der ersten Idee bis zum fertigen Buch dann doch sieben Jahre dauerte, lag weniger an Volker als an mir. (Aber das ist ein anderes Thema.)

Es wird keine typische Lesung; deshalb fehlt dieses Wort auch auf der Information. Volker Langenbein wird erzählen, ich sage ebenfalls ein wenig etwas, und ein Moderator steuert alles; es gibt Raum für Diskussionen und Gespräche.

Es wird sicher eine Veranstaltung sein, die ungewöhnlich ist und mit bisherigen Buchveranstaltungen nur wenig zu tun hat. Aber genau das finde ich spannend.

16 August 2019

Peter und Laura im aktuellen OX

Seit wie vielen Jahren ich mit meinen Fortsetzungsgeschichten im OX-Fanzine vertreten bin, kann ich schon gar nicht mehr sagen. Irgendwann vor über zwanzig Jahren fing ich damit an. Und ich freue mich immer noch darüber, die jeweils neue Folge in gedruckter Form vor mir zu sehen.

In der aktuellen Ausgabe 145 ist wieder eine Folge von »Der gute Geist des Rock'n'Roll« enthalten. Auf dem Cover ist Lee Hollis von den Spermbirds zu sehen, der mir seit den 80er-Jahren ein Begriff ist. In den 90er-Jahren war er für das Layout des »Zap« verantwortlich, in dem die Anfänge meiner Fortsetzungsromane veröffentlicht wurden. Dass er immer noch auf der Bühne steht und Punk in seiner Weise lebt, ermuntert mich stets.

Die Geschichte, die ich diesmal erzähle, ist nur teilweise »autobiografisch«; immerhin ist die Wohnung, in der sie spielt, identisch mit einer Wohnung, in der ich in den 90er-Jahren wirklich wohnte. Aber die Begegnung mit einer jungen Studentin, die der Ich-Erzähler bei einer Jungle-Party »abgeschleppt« hat, ist völlig frei erfunden. Ich bin sicher, dass trotzdem die meisten Leser davon ausgehen werden, dass es sich um eine wahre Begebenheit handelt …

15 August 2019

Der Erste Weltkrieg in der Südsee

In Deutschland ist der Erste Weltkrieg von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs gewissermaßen übertönt worden. Die Verbrechen der Nationalsozialisten haben die Kriegsgreuel des vorherigen Waffengangs fast verharmlost. Deshalb ist der Erste Weltkrieg hierzulande weder in der Tagespolitik noch in der Literatur irgendwie zentral.

In Frankreich ist das offenbar anders. Ständig erscheinen neue Bücher, Filme oder auch Comics, die sich mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigen. Ein interessantes Beispiel ist der Comic-Zweiteiler »Papeete 1914«, der hierzulande im Splitter-Verlag und unter dem verwirrenden Titel »Tatort Tahiti 1914« erschienen ist. (Okay, kaum ein Mensch hierzulande wüsste mit dem Begriff »Papeete« etwas anzufangen.)

Die Geschichte beginnt auf der so gemütlich wirkenden Südseeinsel Tahiti, erzählt wird aus der Sicht eines Besuchers aus Frankreich. Die französische Oberschicht hat es sich dort bequem eingerichtet und genießt das Leben. Ein Pfarrer scheint das Zentrum der Gemeinde zu sein, die jungen Frauen sind attraktiv und genießen das Leben. Alles ist gut …

Doch dann kommen die Gerüchte aus Europa, die von Schiff zu Schiff getragen werden: Es herrscht Krieg zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich. Zuerst wird ein deutsches Handelsschiff aufgebracht, dessen Besatzung noch nichts vom Krieg weiß, dann greifen zwei deutsche Kanonenboote das weitestgehend ungeschützte Tahiti an. Es kommt zu einem Bombardement, in dessen Verlauf ein Teil der Hauptstadt in Schutt und Asche gelegt wird.

»Tatort Tahiti 1914« erzählt in zwei Bänden eine Geschichte, die dem deutschsprachigen Leser so gut wie unbekannt sein dürfte. Die Südsee-Romantik, die auch unsereins mit dem Begriff Tahiti verbindet, wird klar vermittelt, die Zerstörung durch den Krieg wirkt dann wie ein Schock. Dazu kommen ungelöste Morde an jungen Frauen.

Bei seinen Texten stützt sich Didier Quella-Guyot auf klassische Quellen, die im Anschluss an die zwei Comic-Bände genannt werden. Die Geschichte ist unterhaltsam, verzichtet aber auf knallige Action; meist wird eher distanziert erzählt.

Ähnliches gilt für die Grafik. Sébastien Morice hat einen sehr klaren Stil, der mit den pastellartigen Farben, die er benutzt, sehr schön harmonisiert. Er verzichtet aber auf Action-Elemente, Speedlines und andere Dinge, die bei modernen Comics selbstverständlich sind, sondern bleibt eher unterkühlt.

So entsteht ein zweiteiliger Comic-Roman, der einen exotischen Schauplatz mit einer dramatischen Handlung sowie einem zurückhaltenden Stil verbindet: eher ungewöhnlich, aber durchaus lesenswert!

Der ENPUNKT nach Afrika

Im Frühjahr 1988 war ich aus Westafrika zurück gekommen, den Kopf voller neuen Ideen und Gedanken. Wohin ich mit meinem Leben wollte, wusste ich noch nicht.

Zwei Dinge regelte ich allerdings recht schnell: Mit meinen Mitstreitern von der edition bogenschütze – so hieß unser Kleinverlag – machte ich mich daran, den Verlag abzuwickeln und die Science-Fiction-Zeitschrift SAGITTARIUS einzustellen. Gleichzeitig entschloss ich mich, mit meinem Egozine ENPUNKT weiterzumachen, ohne zu wissen, in welche Richtung ich das entwickeln wollte.

Die Ausgabe elf, die im Sommer 1988 veröffentlicht wurde, hatte ein wunderbares Titelbild – und ich weiß nicht einmal mehr, von wem es stammt. »UB aus Linz« ist mir heute unbekannt. Das Titelbild spielt darauf an, dass SAGITTARIUS eingestellt wurde, was nicht allen gefallen konnte, und ich finde es immer noch witzig.

Den Inhalt des Fanzines würde ich heute als »unentschlossen« bezeichnen. Es gab die Texte, die in ein Egozine gehören (etwa »allgemeines zur Situation des sogenannten Redaktörs«), Texte mit Punk-Bezug (das einzige Interview, das ich jemals im ENPUNKT brachte, war mit Jacke von LWS; dazu kam ein Konzertbericht), Reisenotizen, ein wenig Politik-Kram und Texte von fremden Autoren – in diesem Fall schrieb Jens Balzer unter dem Titel »Rein in die Ghettos!« über Musik. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt sichtlich nicht, ob ich weiterhin ein Egozine machen oder mein Heft in Richtung Musik-Fanzine entwickeln sollte.

Die Auflage betrug 200 Exemplare. Im Impressum stand, dass sich das Fanzine als ein »vervielfältigter Brief an Freunde & Bekannte« verstand. Und ich wollte dafür drei Dosen Bier, ein Austausch-Fanzine oder eben eineinhalb Mark. Ich bezeichnete das Heft als »Fanzine für Science Fiction, Chaos, Punk & Dosenbier«.) Das behielt ich dann doch einige Jahre bei …

14 August 2019

Vrisak Generacije aus Serbien

Es gibt Platten und Bands, über die weiß ich so gut wie gar nichts. Die serbische Punkrock-Kapelle Vrisak Generacije gehört dazu. Wobei man bei den Herren schon sagen müsste, sie seien Jugoslawen: Gegründet wurde die Band nämlich bereits 1983, und damals war der Mehrvölkerstaat noch nicht zerfallen, sondern wurde einigermaßen zusammengehalten.

Ihre Platte mit dem schönen Titel »Feel so good to forget some things, but ...« wurde 2002 veröffentlicht, hierzulande von Impact Records. Ich fand die CD damals ganz gut, hörte sie mir einige Male an und steckte sie dann in einen Stapel, aus dem ich sie erst viele Jahre später wieder herausfischte.

Und jetzt? Der Sound der Band klingt schwerstens nach 1983, das passt – sie klingt wie der Punk, der damals von der Insel kam, und wer Vergleiche sucht, ziehe die Schubladen Exploited und G.B.H.; damit kann man an dieser Stelle nichts falsch machen. Originell ist das nicht, aber das stört auch nicht.

Der Sänger röhrt und grölt, dass es eine wahre Freude ist. Das macht er gut, weil es sowohl kompakt als auch räudig klingt. Dazu sägt die Gitarre die Stücke zu Kleinholz, gelegentlich lassen die Musiker auch spüren, dass sie ebensogut Hardrock spielen könnten. Alles in allem rotzt das ziemlich gut.

Textlich lässt sich leider nicht viel sagen; die serbischen Texte verstehe ich nicht, und auf den Luxus einer Übersetzung wurde verzichtet. Wenn es englisch wird, klingt es klassisch; bei »Fuck off and die« könnte der Text von jeder anderen Band aus den frühen 80er-Jahren stammen. Seien wir fair: Für Freunde des fröhlichen Irokesen-Pogos ist das schon was, haben und kennen muss man die Platte echt nicht.

Zwei coole Heldinnen in amüsantem Krimi

Ich habe mich an einem sogenannten Frauen-Krimi versucht und mich dabei gut unterhalten. Das liegt sicher daran, dass die beiden Hauptfiguren witzig gezeichnet sind und dadurch geschlechtsübergreifend funktionieren. (Das liegt schon eine Weile zurück. Ich will diese Rezension trotzdem endlich mal veröffentlichen ...)

Die Autorin spannt eine harmlose Krankenschwester, die eigentlich ständig pleite ist, mit einer schrägen Künstlerfreundin zusammen, die theoretisch Geld hat, praktisch aber auch keines mehr besitzt – und die beiden jungen Frauen werden in einen Mordfall verwickelt, eine von ihnen ist natürlich gleich die Hauptverdächtige, und so müssen die beiden versuchen, einen Mörder zu finden.

Dass die Geschichte in London spielt, dass viele Szenen auf romantischen Hausbooten spielen und die Polizei selbstverständlich völlig borniert wirkt, passt zum Geschehen. Da stört es dann auch nicht, wenn am Anfang eine Nebenfigur namens Miles M. Munster eingeführt wird, die später dann Miles M. Myers heißt. (So etwas kann Autorinnen und Autoren passieren, und so etwas rutscht eben auch durchs Lektorat.)

Der Krimi trägt den hübschen Titel »London Calling« – eine nette Anspielung auf die geniale Platte von The Clash – und wurde von Anja Marschall geschrieben. Die Autorin schuf einen sehr netten Roman mit hübschen London-Details, der einen richtig neugierig auf die britische Hauptstadt macht.

Klar: Das ist kein beinharter Kriminalroman, keiner von der Sorte, bei denen man gespannt mitzuraten versucht oder bei denen einem die fiesen Bösewichte geradezu Angst einjagen. Die beiden Heldinnen stolpern durch das Geschehen, man folgt ihnen mit amüsiertem Blick und ist immer froh, wenn sie ihre Probleme irgendwie umschiffen.

Anja Marschall schildert ihre Figuren mit viel Blick aufs Detail; sie sind liebevoll überzogen, was nicht nur der angepeilten Zielgruppe gefallen dürfte. Stilistisch wird man nicht überfordert, die Sprache ist locker und luftig, was ich hier positiv meine.

Wer eine lockere Krimi-Unterhaltung sucht, ist bei »London Calling« sicher richtig. Mir hat die Lektüre echt Spaß gemacht, auch wenn ich sonst kein Fan von humorvollen Krimis bin. Aber wer die entsprechenden Romane kennt und mag, die in deutschen Landen spielen, hat sicher an dem kunterbunten Abenteuer von Kate und Luna – so heißen die zwei Hauptfiguren nämlich – ebenfalls eine große Freude.

Erschienen ist der Roman im Dryas-Verlag; es gibt ihn als E-Book und als Taschenbuch. Auf ihrer Internet-Seite informiert die Autorin über ihre Schriftstellerei und weitere Pläne.

13 August 2019

Dieter von Reeken macht weiter

Zu den positiven Nachrichten, die ich in diesen Tagen mitbekommen habe, zählt diese: Dieter von Reeken gibt seinen Verlag nicht, wie eigentlich geplant, zum Ende 2019 auf, sondern macht weiter. Darüber informierte er in seinem »Info-Brief für August 2019«. Allerdings verändert er sein Verlagsprogramm in einigen entscheidenden Punkten.

So möchte Dieter von Reeken künftig keine Romane und Erzählungen mehr veröffentlichen, sondern vor allem Sekundärliteratur. Der aktuelle Buchbestand wird ausverkauft.

In dem Verlag erschienen unter anderem klassische phantastische Romane von deutschsprachigen Autoren wie Albert Daiber, Carl Grunert oder Lazar Freiherr von Hellenbach, die mir häufig nicht viel sagten. Ebenso wurde eine wunderbare Gesamtausgabe des Werks von Kurd Laßwitz veröffentlicht, die ich fast komplett gekauft habe. Insgesamt finde ich es toll, dass sich jemand die Mühe macht, Romane neu herauszubringen, die vor dem Ersten Weltkrieg entstanden sind.

Spannend sind auch die Sachbücher. Ich habe alles von Rainer Eisfeld und Heinz J. Galle daheim stehen, wenngleich noch nicht komplett gelesen. Es gibt Biografien und Artikelsammlungen, spannende Hintergründe zur Science Fiction und Biografien. So sind in den Sammelbänden von Franz Rottensteiner viele Rezensionen des Science-Fiction-Experten zusammengefasst.

Ich finde es stark, dass Dieter von Reeken weitermacht, wenngleich eher mit eingeschränktem Programm. Und ich wünsche mir, dass noch einige Leute mehr auf diesen ungewöhnlichen Verlag aufmerksam werden!

12 August 2019

Die schreienden Pfauen von Rhodos

Einer der schönen Ausflüge, die wir auf Rhodos unternahmen, führte auf den Berg Filerimos (oder wie immer er genau heißt). Dort gibt es allerlei zu entdecken, am spannendsten waren aber tatsächlich die Tiere, die man dort überall sieht. Doch erst mal der Reihe nach …

Auf dem Berg befindet sich eine alte Klosteranlage, von der nur einige Teile erhalten sind. Man kann sich die Räume anschauen, die heute ein kleines Museum bilden; man kann ein wenig durch die Anlage spazieren und die ausgegrabenen Teile bewundern. Aber vor allem kann man von dem Berg aus direkt hinunter auf die Stadt Rhodos blicken, was sehr schön ist – ein wunderbarer Ausblick, den viele Touristen für Selfies nutzten.

Geht man vom Kloster weg, kommt man über eine Allee – ein Kreuzweg also –, die zu einem riesigen Kreuz führt. Das wurde von den Italienern errichtet, als diese die Herren auf Rhodos waren. Von dort aus hat man einen schönen Blick auf das Tal dahinter, so dass man große Teile der Insel überblicken kann.

Das Schönste aber sind die Tiere: Es wimmelt von Pfauen auf diesem Berg. Sie spazieren überall herum, sie kreischen und schreien, und sie schlagen ihr Rad. Kleine Pfauen sind – wie alle kleinen Tiere – unfassbar »goldig« und entlocken jedem Besucher spitze Schreie der Begeisterung. Die Tiere sind zahm, sie lassen die Besucher sehr nahe an sich heran.

Und würde man mich heute fragen, ob sich das Kreuz oder das Kloster eher lohnen, würde ich sagen: Fahrt auf diesen Berg, schaut euch die Pfauen an, amüsiert euch über sie, aber ärgert euch nicht, dass es überall nach ihrer Kacke stinkt.

09 August 2019

Eichhörnchen im Einsatz

Ich komme mit dem Rad von einer kleinen Tour durch den Hardtwald zurück, bin ein wenig außer Atem und völlig verschwitzt. Da die Gartentür verschlossen ist, fahre ich langsamer, weil ich vom Sattel steigen, mein Rad schieben und dann die Tür öffnen möchte. Wie ich das meistens mache.

Da sehe ich es: An dem Baum, vor dem der Zaun verläuft, sitzt ein Eichhörnchen. In den Pfoten hält es eine Kastanie, an der es eifrig knabbert. Ich verharre im Schritt, das Eichhörnchen sieht mich an, dann futtert es weiter. Als ich mich ein wenig bewege, nimmt es in Windeseile die Kastanie irgendwie zwischen die Zähne und flitzt den Baum hoch.

Von einem Ast aus sieht es auf mich herunter. Ich blicke zurück, einige Zeit sehen wir uns an. Dann verschwindet das Tier hinter dem Ast, und ich schiebe mein Rad weiter.

Als ich es abschließen möchte, hüpft auf einmal ein anderes Eichhörnchen auf mich zu. Ich bleibe erneut stehen, als sei ich vom Blitz getroffen. Das Tier hat offenbar zwei kleine Kastanien im Mund; rechts und links vom Kopf ragen die grünen Kugeln hervor. Es ignoriert mich und rennt an mir vorbei.

Dann flitzt es durch den Hof und hinaus auf die Straße, hält dort kurz inne und hüpft dann über die Straße, verschwindet in einem anderen Hof und springt nach kurzer Pause in die dortigen Grünanlagen. Andächtig sehe ich dem Tier nach, bis es verschwunden ist.

In solchen Momenten komme ich mir nicht vor wie in einer Stadt mit über 300.000 Einwohnern, sondern wie in einem Dorf. Und den Eichhörnchen in unserem Hof könnte ich ohnehin stundenlang zuschauen …

08 August 2019

Ich als Pogo-Anarchist

Leider erinnere ich mich nicht mehr genau, wann ich meinen Mitgliedsausweis der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands – kurz APPD – erhielt. Es war in den 90er-Jahren, weil ich erst an der zweiten Gründung der Partei teilnahm und in den frühen 80er-Jahren in Sachen Punk viel zu unbeleckt war.

Also gehe ich davon aus, dass mir dieser Ausweis entweder 1995 oder 1996 ausgestellt wurde. Er geriet ein wenig in Vergessenheit, weil mir die APPD irgendwann ziemlich auf die Nerven ging.

Dabei war ich gern dabei, vor allem am Anfang. Bei der Parteigründung im Zoo in Frankfurt lachte ich Tränen; die Zeremonie in der Paulskirche zählt zu den eindrucksvollsten Ereignissen der 90er-Jahre, und über diesen ganzen Tag könnte man eine lange Geschichte schreiben. Auch der eine oder andere »Aufmarsch« der Partei, die Busfahrt von Mannheim nach Hamburg und viele andere Ereignisse haben sich unauslöschlich in mein Gedächtnis gebrannt.

Ich fand viele Inhalte der Partei in ihrer übertriebenen Art völlig nachvollziehbar. Das Credo »Arbeit ist scheiße« angesichts der Tatsache, dass die meisten Menschen ihre Arbeit hassen, leuchtet mir nach wie vor ein, ebenso die Parole, man möge »das deutsche Volk« so schnell wie möglich »zurück verdummen«. In diesem Punkt sind ja viele Ziele der Partei ohne die APPD verwirklicht worden.

Deshalb freute ich mich, als ich damals den Mitgliedsausweis erhielt, und ich trug ihn stolz mit mir, zwischen Führerschein und Personalausweis. Bei Polizeikontrollen erregte er durchaus Interesse, ich zeigte ihn auch gern im Bekanntenkreis.

Als die APPD aber in sich zerfiel, weil manche Leute die »Politik« in der Partei zu ernst nahmen, verlor ich das Interesse. Auch mit Begriffen wie »Fick Heil!«, die gewissermaßen Mode wurden, hatte ich meine Probleme.

Seit den 90er-Jahren war ich auf keiner Veranstaltung mehr, ob das nun die Pogo-Partei oder die eigentliche APPD oder sonst etwas ist. Aber den Ausweis behielt ich – weil ich die Partei und ihre Aktionen über Jahre hinweg schätzte.

07 August 2019

Einmal Utrecht, einmal Köln

Ich mag Split-EPs von Punk-Bands: Im Idealfall packt jede Band ihre zwei besten Stücke auf je eine Seite der kleinen Platte, kann somit zeigen, was sie kann oder was nicht. Für den Käufer ist das optimal, man kann eigentlich nichts falsch machen. So ging's mir mit der Split-Platte der Band Auweia! aus Köln und Placebotox aus Utrecht in Holland.

Seien wir ehrlich: Auweia! macht das, was man seit den frühen 80er-Jahren aus deutschen Landen kennt. Es ist schnell und absichtlich rüpelig gespielter Deutschpunk mit rotziger Haltung und wütenden Texten. Da bleibt kein Raum für feinsinniges Gitarrenspiel oder sauber artikulierte Texte, da wird gerotzt – konsequent und gelungen.

Melodischer und trotzdem sehr knallig präsentieren sich die Holländer. Placebotox wildern ebenfalls musikalisch in den 80er-Jahren, schenken sich aber selbst einen Schuss Melodie ein. Die zwei Stücke sind abwechslungsreich, leisten sich auch mal einen Break zwischendurch und können von mir auch zehnmal hintereinander angehört werden, ohne dass sie langweilig sind.

Verantwortlich für die Split-EP, deren Aufnahmen man sicher auch im Internet finden kann, sind diverse Labels. Eine echte Gemeinschaftsproduktion also – und das in jeglicher Hinsicht.