30 Juni 2026

Schönes SF-Detail

In diesen Tagen lese ich den Thriller »Quantico« des amerikanischen Schriftstellers Greg Bear. Mich als Science-Fiction-Fan erfreuen Details, die wohl nicht jedem auffallen.

So taucht im Kapitel 65 eine amerikanische Fregatte auf, die den schönen Namen »Robert S. Heinlein« trägt. Ein sehr schöner Name für ein Kriegsschiff, finde ich.

Die technische Bezeichnung für das Schiff lautet in der Überschrift »SF-TMS 41«. Auch das ist meiner Ansicht nach eine Anspielung: 1941 wurde die Zeitschrift »Science Fiction Times« aus der Taufe gehoben, ein einflussreiches Fanzine, in dem viele professionelle Autoren ihre ersten Gehversuche unternahmen.

Sehr nett!

29 Juni 2026

Reden wie ein Känguru

»Ich höre gerade das aktuelle Känguru-Buch«, erzählt mir eine gute Bekannte. »Ich finde ›Die Känguru-Rebelion‹ echt großartig.«

Ich habe das vierte Buch der Reihe von Marc-Uwe Klingt eher schlecht gefunden, ein Absturz nach dem dritten Buch, das mir schon nicht mehr gefallen hat. Deshalb habe ich bislang um den aktuellen Roman einen großen Bogen gemacht.

Meine Bekannte möchte ohnehin auf ein anderes Thema hinaus. »Wenn das Känguru spricht, erinnert mich das immer an dich«, sagt sie grinsend. »Die gleiche Art der Argumentation, der gleiche Spott über die Regierung und über die Mächtigen.«

Ich bin mir nicht sicher, wie ich diese Aussage einzuordnen habe. Ist das eine Kritik an mir oder ein halb verborgenes Kompliment? Wird mir unterstellt, meine Argumente aus einem politischen Humorbuch zu klauen?

»Früher hätte ich gesagt, dass der Autor und ich halt den gleichen Leuten bei Twitter folgen«, versuche ich es ein bisschen lahm. Twitter hat keine Relevanz mehr, und das wissen alle.

»Ist ja auch egal«, sagt meine Bekannte, die sich offenbar über meinen verlegenen Gesichtsausdruck amüsiert. »Ich höre ja eh das Hörbuch, das ist ja nicht deine Stimme, und es klingt eher berlinerisch als schwäbisch. Es ist halt die Art der Argumentation.«

Wir wechseln das Thema, und ich bin froh. Und ich rätsle noch Stunden später darüber, was diese Aussage nun wirklich zu bedeuten hat. Ich werde das Buch nun doch lesen müssen ...

26 Juni 2026

Klares Statement

Manche Graffiti im Stadtbild von Karlsruhe mag ich, weil sie schlichtweg gut gemacht sind und schön aussehen. Manche Graffiti finde ich hässlich und unnötig, vor allem, wenn irgendwelche schlechten Buchstabenkombinationen die Fassaden beschmieren. Ab und zu aber gibt es welche, die sind einfach gehalten und klar in der Aussage.

So diese schlichte und eindeutige Aussage, die man in der Weststadt finden kann. »Patriarchat tötet« stimmt einfach; über Details kann dann ja diskutieren, wer möchte. 

Eine gute Bekannte von mir kündigte an, sich eine Spraydose zu aufen und ein »stimmt!« daneben zu sprühen. Das wäre auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung.

25 Juni 2026

Inmitten des Con-Getümmels

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Der FreuCon '92, den wir im Kongresszentrum der Kleinstadt Freudenstadt veranstalteten, war vom 24. bis 26. April 1992 zugleich der EuroCon; entsprechend zahlreich trafen die Besucher aus dem In- und Ausland bei uns ein. Das Bild, das ich heute zeigen möchte, illustriert das sehr gut – es stammt von Peter Fleissner und wurde mitten im Con—Getümmel geschossen.

Man sieht (von links) LiYi und John Brunner, beide aus Großbritannien, Hermann Ritter – bei der Veranstaltung für das Programm zuständig –, Norman Spinrad (mit dem Rücken zum Betrachter), der damals in Paris lebte, und Matthias Hofmann, der sich um die Ehrengäste kümmerte.

Hermann Ritter erläutert offensichtlich den Ablauf einiger Programmpunkte. Wir hielten unser Programm zwar ein, aber unsere Personaldecke war nicht so üppig – so musste manches improvisiert werden. Unterm Strich klappte aber alles, und das ist bis heute ein Wunder für mich.

24 Juni 2026

Feministische Science Fiction

Ich gestehe: Als ich in den 80er-Jahren zum ersten Mal auf die Autorin Joanna Russ aufmerksam wurde, sprachen mich ihre Romane nicht an. Sie wurde in meiner Wahrnehmung derart stark als »Feministin« vermarktet, dass ich dachte, das könnte nichts für mich sein. Das war ein Irrtum, wie ich bemerkte, als ich endlich »In fernen Gefilden« las, den ersten Band einer Joanna-Russ-Ausgabe, die der Carcosa-Verlag herausgibt.

Enthalten sind die »Alyx«-Geschichten, Storys also, in denen eine Figur namens Alyx im Zentrum steht, dazu Rezensionen und grundsätzliche Artikel. Abgerundet wird das gelungene Buch durch ein Nachwort, das Joanna Russ und ihre Bedeutung für die Science Fiction noch einmal klar vorstellt. (Und mir ganz nebenbei klarmacht, wie sehr ich mich in den frühen 80er-Jahren täuschte, als ich Joanna Russ ignorierte.)

Die »Alys«-Geschichten sind vielseitig und unterhaltsam. Teilweise spielen sie in einem Fantasy-Setting; ein kurzer Roman, der quasi den Mittelteil der Geschichten bildet, ist eindeutig in einer Science-Fiction-Welt der fernen Zukunft angesiedelt. Als beste Erzählung empfand ich eine, in der eine Außerirdische als Besucherin bei einem »ganz normalen« Mädchen zu Gast ist und dessen Welt aus harmlosen Vergnügungen und strengen Sitten durcheinanderbringt.

Alyx ist keine typische Science-Fiction- oder Fantasy-Heldin. Ihre Moral ist durchaus zweifelhaft, sie bringt auch mal Leute um, weil sie diese nicht leiden kann. Als die Geschichten in den 60er-Jahren erstmals erschienen, müssen sie für ein ziemliches Aufsehen gesorgt haben – auch heute sind sie noch sehr gut zu lesen. Vor allem »Picknick auf Paradies« – nicht »im Paradies«! – zeigt eine andere Art, Hauptfiguren darzustellen.

Lesenswert fand ich die Rezensionsartikel, in denen Joanna Russ keine Rücksicht auf die großen Namen nahm und beispielsweise jemanden wie Ray Bradbury frontal angriff; so was lese ich heute mit großem Interesse, obwohl ich ja eigentlich Bradbury-Fan bin. Erhellend sind ihre Artikel über Frauen in der Science Fiction, wo sogar Ursula K. LeGuin von ihr kritisiert wird. Seit damals hat sich viel in der SF-Literatur getan, die gesellschaftlichen Grundprobleme aber sind geblieben.

Joanna Russ zeigte sich bei ihren Geschichten und bei ihren Sachtexten als eine Autorin, die Science Fiction neu definierte. Ihre feministischen Ansichten sind klar, man sollte sich einen Kopf über sie machen. Lesenswertes Buch!

23 Juni 2026

Die Nacht als Zentrum

Immer wieder gern lese ich die Zeitschrift »leibniz«, die von der Leibniz-Gemeinschaft herausgegeben wird, einer der großen Forschungseinrichtungen in Deutschland. Das Magazin stellt die einzelnen Institute und die Leute, die dort arbeiten, in lesenswerten Porträts vor und vermittelt so wissenschaftliche Themen in einer Art und Weise, die interessierte Laien wie mich sehr anspricht.

Die Ausgabe 1/2026 widmet sich dem Thema »Nacht«, was sich schon am dunklen Umschlag und am eher düster gehaltenen Layout zeigt. Für jemanden wie mich, der gern die Nacht zum Tag macht und immer noch staunen kann, wenn er zum nächtlichen Himmel blickt, ist das ein besonders schönes Heft.

Mein liebster Beitrag war der über Vampirismus: Es gibt wirklich einen Forscher, der sich um alten Volksglauben kümmert und die Ursprünge des Vampir-Mythos entschlüsselt. Gern las ich aber auch die Artikel über die Astronomie, wobei es in diesem Fall vor allem um die Leute ging, die in diesem Berufsumfeld tätig sind. Erforscht werden aber auch Fledermäuse oder Kaffee, der gesunde Schlaf im Allgemeinen und die nächtliche Arbeit mit ihren Auswirkungen im Besonderen.

Wie immer verblüffen und faszinieren mich die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Forschungsgebiete. Dass mich nicht alles gleichermaßen begeistert, liegt auf der Hand. Aber jeder Beitrag war sehr gut geschrieben und schön illustriert – wieder einmal ein lesenswertes Magazin!

22 Juni 2026

Wenn die Agenten übernehmen

Ich lese in jüngster Zeit immer wieder Artikel und Interviews, in denen es um die Zukunft des Handels geht. Wie wird sich der verändern, wenn sich verschiedene KI-Lösungen stärker durchsetzen und von den Shops als »normal« eingesetzt werden? Da Nutzer und Kunden oft faul sind, liegt es nahe, dass sie bald zum Einkaufen einen KI-Lösung nutzen und sich beispielsweise von Gemini oder einem anderen Hilfsmittel unterstützen lassen.

Beim Einkaufen auf dem Wochenmarkt wird das wohl nie sinnvoll sein; Obst und Gemüse will man sich schließlich vor dem Kauf noch genauer anschauen. Aber wer ohnehin bereits bei Zalando seine Klamotten oder bei Conrad irgendwelche Elektroniksachen kauft, für den gehört es sicher bald zur Normalität, die KI zu fragen.

Bekanntlich leiden Suchmaschinen wie das allgegenwärtige Google bereits unter den KI-Lösungen: Viele Nutzer gehen auf die »Informationen« der KI ein, diese reichen ihnen, und sie klicken dann nicht auf einen der Links, die Google anbietet. Damit wird es für viele Firmen nicht mehr sinnvoll, bei Google gut gelistet zu sein, und man wird sich sehr genau überlegen, ob sich Werbung auf Google oder die Suchmaschinen-Optimierung wirklich lohnen.

Aktuell gehen die Leute, die sich für den Online-Handel interessieren und in diesem tätig sind, davon aus, dass künftig KI-Agenten viele Einkäufe erledigen werden. Sprich: Der Kunde geht nicht mehr auf eine Website oder in einen OnlinsShop und sucht dort sein Produkt, sondern er sagt seiner bevorzugten KI, sie möge ihm das Produkt liefern lassen. Sie wählt dann das Produkt aus und bestellt es idealerweise gleich – sie »kennt« ihn ja gut genug und kann seinen Geschmack einschätzen.

Aber was heißt das? Weil eine KI relativ nüchtern entscheidet, wird das Werbe-Blabla auf einmal nicht mehr so wichtig sein. Von zentraler Bedeutung sind dann echte Fakten – die kann man auch zusammentricksen, schon klar –, nach denen die KI auswählt.

Ich gestehe, dass ich auf all diese Entwicklungen persönlich keine Lust habe, dass ich sie aber – wenn ich von außen drauf gucke – sehr spannend finde. Wir leben in einer Science-Fiction-Welt. Aber in einer Science-Fiction-Welt, in der ich nie leben wollte.

Ich wollte die Science-Fiction-Welt mit 20-Stunden-Arbeitswoche und Urlaub auf dem Mond, mit fröhlichen kleinen Robotern und schwebenden Autos. Was wir jetzt bekommen, ist leider eher die Science-Fiction-Welt, die mir immer als negativ präsentiert wurde … Schauen wir mal.

19 Juni 2026

Im Gitterkäfig der Minis

Ich schob mein Rad in einen der Ständer, die man zwischen der Kirche und der »Alten Bank« errichtet hatte. Wie immer war der Stellplatz völlig überfüllt, so dass ich meine Probleme hatte, das Fahrrad vernünftig abzustellen und abzuschließen. Meine Sporttasche, die ich über der Schulter trug, behinderte mich dabei ein wenig.

Während ich noch versuchte, alles vernünftig zu befestigen, hörte ich plötzlich die Stimme, die von der Seite erklang. »Hallo! Hallo!«, sagte sie. Da sich die Stimme nach einem kleinen Kind anhörte, ignorierte ich die zwei Wörter. Irgendwo wird ja eine Mutter oder ein Vater sein, dachte ich; um Kinder brauchte ich mich nicht zu kümmern.

Doch die Stimme erklang erneut. Das »Hallo! Hallo!« ertönte praktisch direkt neben mir. Ich richtete mich auf, mein Schloss hatte ich mittlerweile an der passenden Stelle befestigt.

Neben dem Fahrradständer erstreckte sich ein Spielplatz, der eigentlich aus zwei Teilen bestand. Der größere Teil war für die Kinder, die schon schaukeln und ein wenig turnen konnten. Aber es gab eine Art Gitterkäfig für die Kleinen, eine Fläche aus Sand, die mit einem Zaun aus stabilem Draht umgeben war, vielleicht einen halben Meter hoch. Wer älter als sieben Jahre war, konnte problemlos darüber klettern, die »Minis« waren damit überfordert.

Neben mir stand einer der Kleinen, ob es ein Junge oder ein Mädchen war, konnte ich nicht erkennen. Das Kind war vielleicht drei Jahre alt, höchstes vier, und trug einen Overall. Als es bemerkte, dass ich es anschaute, hob es beide Hände, grinste breit und zeigte mir die Mittelfinger.

Es sah nicht aggressiv aus, eher putzig; das Kind war klein und noch nicht in der Lage, einen stramm emporgereckten Mittelfinger zu zeigen. Die Fäuste waren putzig, der Mittelfinger wirkte ein wenig krumm. Aber die Geste war eindeutig.

Kurz sah ich mich um. Galt das mir? Wo waren die Eltern? Ich sah keine Aufsichtsperson. Die Erwachsenen, die in der Umgebung des Käfigs saßen oder standen, unterhielten sich oder guckten angestrengt auf ihr Smartphone.

Achselzuckend wandte ich mich ab und fixierte mein Schloss endgültig. Das galt wohl nicht mir.

Da ertönte die Stimme wieder. »Hallo! Hallo!«, sagte das Kind.

Reflexhaft ruckte ich zur Seite und blickte auf das Kind hinunter. Es stand direkt am Gitter, schaute mich an und zeigte mir mit einem leichten Grinsen wieder beide Stinkefinger.

Da konnte ich nicht mehr. Ich lachte los und schüttelte den Kopf. Wo hatte der oder die Kleine das denn her? Kopfschüttelnd verließ ich den Fahrradstände und ging zu dem Gebäude, in dem ich trainieren wollte. Das war dann doch wichtiger …

18 Juni 2026

Ein Thriller aus dem Jahr 2095

Der Schriftsteller Tom Hillenbrand war in den vergangenen Jahren sehr produktiv. Er verfasste erfolgreiche Krimis, die in Luxemburg spielen, und historische Romane, in denen es um das Stehlen von Kaffeepflanzen oder Kunstwerken geht. Als Science-Fiction-Fan mag ich es besonders, wenn er in die Zukunft blickt und von einer Welt erzählt, die keine hundert Jahre von der unseren entfernt liegt.

Bereits vor einem Jahr kam sein Roman »Thanatopia« in den Handel; diese Rezension ist also ein bisschen verspätet. Er spielt in der gleichen Welt wie auch die Hillenbrand-Bände »Hologrammatica« und »Qube«. Man muss diese Bücher aber nicht gelesen haben, um »Thanatopia« verstehen zu können, auch wenn es immer wieder Anspielungen gibt und Figuren auftauchen, die man kennen könnte. Letztlich handelt es sich um drei unterschiedliche Darstellungen einer relativ nahen Zeit.

Die schildert Hillenbrand durchaus kritisch, aber nicht als völlig dystopisch. In seiner Zukunft des Jahres 2095 hat die Klimakatastrophe bereits dazu geführt, dass weite Teile in Süd- und Mitteleuropa unbewohnt geworden sind; Millionen von Europäern siedeln in neuen Städten am Polarkreis.

Gleichzeitig haben sich die technischen Möglichkeiten rasant weiterentwickelt: Bewusstseine können auf Datenträgern gespeichert werden, das Klonen von Menschen ist bereits möglich, Raumschiffe sind am Rand des Sonnensystems unterwegs, Künstliche Intelligenzen spielen anscheinend ihre eigenen Spiele.

In dieser Zeit ereignen sich mysteriöse Morde, die nicht nur die Polizei in Wien verwundern. Wie es sich herausstellt, werden Klone gezüchtet, um sie möglichst schnell wieder zu töten. Dahinter steckt eine Bewegung, deren Mitglieder hinter das Geheimnis des Todes kommen wollen.

Doch schnell gibt es Fragen, die sich nicht leicht beantworten lassen: Wer stirbt eigentlich, wenn man einen Klon tötet und mit ihm ein Bewusstsein, das ihm »aufgespielt« worden ist? Was ist eigentlich der wahre Kern eines Menschen, wenn man gewissermaßen digital weiterleben kann?

Ganz klar: Tom Hillenbrands Roman ist in erster Linie ein Science-Fiction-Krimi, der in einer Zukunft spielt, die nicht mehr so weit von unserer heutigen Zeit entfernt ist. Es geschehen Morde, die Polizei ermittelt, es spielen mächtige Leute aus der Wirtschaft und der Politik mit.

Ganz nebenbei stellt man sich bei der Lektüre des Romans die eine oder andere Frage, die über den reinen Krimi hinausgeht. Letztlich geht es um die Grenzen zwischen Leben und Tod, ebenso um die Grenzen zwischen »echten« Menschen und künstlichen Bewusstseinen.

»Thanatopia« ist richtig spannend. Dank seines Weltenbaus kommen Science-Fiction-Fans auf ihre Kosten. Wer sich auf den Krimi konzentriert, wird mit einer mitreißenden Handlung und interessanten Charakteren belohnt. Der Stil ist klar, Beschreibungen und Dialoge fesseln einen bei der Lektüre.

Absolut empfehlenswert!

Der Roman erschien als Paperback bei Kiepenheuer & Witsch; er ist 384 Seiten stark und kostet 18,00 Euro. Man kann ihn mithilfe der ISBN 978-3-462-00872-2 in allen Buchhandlungen bestellen. Die E-Book-Version gibt’s für 12,99 Euro. Informationen zum Buch sowie eine Leseprobe gibt’s auf der Verlagsseite.

(Diese Rezension wurde im Mai 2026 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier wiederhole ich sie aus dokumentarischen Gründen und leicht verändert.)

17 Juni 2026

Seltsame Waffe

Bei der Lektüre von Romanen, die aus dem amerikanischen Englisch übersetzt worden sind, stolpere ich immer wieder über seltsame Formulierungen. Dabei weiß ich selbst, dass ich als Übersetzer völlig untauglich wäre – mein Englisch ist zu schlecht.

Aber heute fand ich diesen Satz in einem Roman: »Matty stieg mit einem Pump-Gewehr aus.« Was ist denn damit gemeint?

Schon klar, es ist ein Science-Fiction-Roman. Vielleicht ist ein Pump-Gewehr so etwas wie ein Thermostrahler oder ein Desintegrator? Vielleicht ist es irgendeine futuristische Waffe?

Oder es war schlicht so: Der Übersetzer oder die Übersetzerin wusste nicht, was eine Pumpgun auf deutsch sein soll, und überlegte sich dann eine Abweichung. Im Lektorat und Korrektorat des Verlags merkte diesen Unfug auch keiner.

Tatsächlich bin ich sehr oft froh, dass in anderen Verlagen ebenfalls Fehler passieren ...

16 Juni 2026

Jubiläum für ein zentrales Magazin

Seit einem Vierteljahrhundert versorgt Klaus Bollhöfener die deutschsprachige Szene für Science Fiction, Fantasy und andere phantastische Literatur mit der Zeitschrift »phantastisch!« und ihrem beeindruckenden Inhalt. Zu Beginn des Jahres 2026 kam die Ausgabe 100 heraus; Grund genug, wieder einmal genauer auf das Magazin und seine Inhalte zu blicken.

Ich mag in dieser Ausgabe vor allem das Interview mit Oliver Scholl. Der Designer, der vor gut vierzig Jahren als Risszeichner bei PERRY RHODAN angefangen hat und seit vielen Jahren in Kalifornien lebt und arbeitet, hat immer viel zu erzählen. Er schildert, wie er an Filmen arbeitet und welche Projekte ihm wichtig sind. Ergänzt wird das Interview durch zahlreiche Bilder.

Auch das Interview mit dem Comic-Künstler Sylvain Runberg lohnt die Lektüre. Runberg ist vor allem für seine Arbeiten im Science-Fiction-Umfeld bekannt geworden; im Interview erzählt er von seinen Einflüssen sowie der Lage im Comic-Geschäft.

Wenn Rüdiger Schäfer über ein Thema schreibt, kann man davon ausgehen, dass er es spannend und informativ vermittelt. Dieses Mal schildert der PERRY RHODAN NEO-Autor, welche Möglichkeiten es für die Medizin der Zukunft gibt – das ist dann keine Science Fiction, sondern ein wissenschaftlicher Ausblick auf die kommenden Jahre und Jahrzehnte.

Und so reiht sich ein lesenswerter Beitrag an den anderen. Zahlreiche Rezensionen lockern den Text auf, während sich die Artikel mit den unterschiedlichsten Themen beschäftigen. Kurzgeschichten und ein Comic von Olaf Brill und Michael Vogt, den Machern des »Kleinen Perry«, runden die abwechslungsreiche Lektüre ab.

Die »phantastisch!« ist ein Heft, das ich immer komplett zu lesen versuche; das klappt nicht immer. In jeder Ausgabe finde ich Themen, die mich überraschen oder die mich neugierig machen: auf einen neuen Roman, einen neuen Comic oder einen Klassiker, den ich noch nicht kannte. Das Magazin ist somit immer eine Fundgrube – die aktuelle Ausgabe 100 bildet hier keine Ausnahme.

Klaus Bollhöfener und sein Team sind nicht genug zu loben für dieses Heft. Seit diesem Jahr hat es eine neue verlegerische Heimat und erscheint nun in der Calliope Media GmbH in Frankfurt. Dem Inhalt hat das nicht geschadet, wie sich feststellen lässt – ich kann nur hoffen, dass die neue Zusammenarbeit erfolgreich und für alle Seiten positiv verläuft.

Mittlerweile liegt die Nummer 101 vor; dass meine Vorstellung der hundertsten Ausgabe so spät kommt, bitte ich zu entschuldigen. Das Heft lohnt sich allemal, und man kann es nachbestellen. Ich empfehle ohnehin ein Abonnement des Magazins.

Informationen zum Inhalt sowie zu den Bestellmöglichkeiten gibt es auf der Internet-Seite der »phantastisch!«

(Diese Rezension wurde bereits im April 2026 auf der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier bringe ich sie nun aus dokumentarischen Gründen.)

15 Juni 2026

Der Abschluss für den Commissario

Über Jahrzehnte hinweg war der italienische Schriftsteller Andrea Camilleri eine verlässliche Größe nicht nur für den deutschen Buchhandel. Er schrieb Kurzgeschichten und Essays, Krimis und historische Romane; seine Werke wurden hierzulande bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht. Besonders beliebt war vor allem seine Serie um den Commissario Montalbano, der in Sizilien ermittelt, der eigentlichen Heimat des Schriftstellers.

Im Alter von über neunzig Jahren starb der Autor erst vor einiger Zeit. Und 2025 wurde dann auch sein letzter »Montalbano«-Roman veröffentlicht. Er trägt den Titel »Riccardino«, fällt damit völlig aus dem Rahmen – die Serie zeichnete sich immer durch eher poetische Titel aus – und unterscheidet sich inhaltlich von den anderen Werken der Serie. Man kann ihn problemlos ohne Vorkenntnisse lesen, aber wer sich in der »Montalbano«-Welt auskennt, hat natürlich die größere Freude.

Spannend bei alledem ist: Den Roman verfasste Camilleri schon vor vielen Jahren; er verfügte, dass er nach seinem Tod und als letzter Band der Serie veröffentlicht werden sollte. Ohne auf die Details der Handlung eingehen zu wollen: Es gibt für diese Entscheidung einen inhaltlichen Grund – gleichzeitig sorgt dieser Grund dafür, dass »Riccardino« mehr ist als »nur« ein Kriminalroman, sondern streckenweise ein doppelbödiges Spiel mit der Literatur.

Die eigentliche Krimi-Handlung ist geradezu typisch. Commissario Montalbano hat es mit einem verworrenen Fall zu tun, während er wieder in einem Konflikt mit seinen Vorgesetzten steckt. Die üblichen Streitereien mit Kollegen und Vorgesetzten gehören zu dieser Serie dazu, und das gilt auch für den letzten Roman. 

Sie werden allerdings durch einen Umstand gesteigert, der früher nicht dabei war: Mittlerweile gibt es eine Serienverfilmung, und der reale Montalbano wird ständig mit dem Schauspieler verglichen, der deutlich jünger und agiler als er selbst ist. Das sorgt für zusätzliche Spannung und auch amüsante Konflikte.

Der Autor setzt noch eine weitere Ebene auf die Handlung drauf: Er selbst spielt mit. Montalbano telefoniert mit seinem Schöpfer. Der Commissaro hadert mit seiner Rolle, die ihm der Autor vorgibt, und er hat Probleme mit der Darstellung des Schauspielers, er steckt also in einer mehrfachen Identitätskrise. Das wiederum macht den Roman ausgesprochen originell.

Ich mochte »Riccardino« deshalb sehr, weil es eben kein typischer »Montalbano«-Roman ist, sondern über den Horizont dieser Serie hinausreicht. Der Autor spielt mit seiner Figur, und er spielt mit den Erwartungen des Lesers – damit ist der Roman ein literarisches Verwirrspiel mit verschiedenen Erzählebenen, das auch Leute interessieren sollte, die sonst kein großes Interesse an Krimis haben.

Gut erzählt ist der Roman allemal, unterhaltsam ist er sowieso. Wen ein origineller Roman mit verschiedenen Identitäten einer Hauptperson ansprechen könnte, sollte »Riccardino« zumindest mal anschauen. Auf der Internet-Seite des Verlags steht unter anderem eine Leseprobe zur Verfügung.

Erschienen ist der Roman als Hardcover mit Schutzumschlag bei Bastei-Lübbe. Er umfasst 304 Seiten und kostet 25,00 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-7577-0099-7 kann man ihn überall im Buchhandel kaufen; die E-Book-Version kostet derzeit 9,99 Euro. 

(Diese Rezension kam bereits im April 2026 auf der Internet-Seite von PERRY RHODAN. Hier wiederhole ich sie aus dokumentarischen Gründen.)

12 Juni 2026

Tote Pioniere, alternde Punkrocker

Die aktuelle Ausgabe 186 des OX-Fanzines zeigt die amerikanische Band Dead Pioneers auf dem Titelbild; die gefallen mir derzeit auch sehr gut. Im Inhalt bin ich wieder mit einer neuen Folge meines Fortsetzungsromans »Der gute Geist des Rock’n’Roll« zu finden; es ist bereits die Folge 61.

Im Wesentlichen spielt diese Folge im Innern eines Kaufhauses, wo in den 90erJahren eine sogenannte Critical-Mass-Aktion stattfindet. Ich hoffe, ich habe es geschafft, den turbulenten Charakter einer solchen Veranstaltung glaubhaft und interessant zu vermitteln.

Beim Schreiben hatte ich durchaus meine Probleme, mir das Innere eines solchen Kaufhauses vorzustellen – so oft bin ich nun mal doch nicht im Karstadt, und Kaufhof oder Kaufhalle gibt es schon lange nicht mehr. Aber das ist ja kein historischer Roman, bei dem die Details einer Innenausstattung ebenfalls stimmen sollten …

11 Juni 2026

Krach, Schlamm und Feuer

Im Sommer 1994 fuhr ich einige Male mit dem Fahrrad nach Karlsruhe, um ein Konzert zu besuchen. Für eine Strecke benötigte ich eine starke Stunde, eher eineinhalb Stunden, und ich kam verschwitzt an. Die meiste Zeit fuhr ich also doch mit dem Auto, wenngleich das hieß, dass ich kein Bier – oder nur ganz wenig – trinken durfte. So auch am Mittwoch, 8. Juni 1994, als die Veranstalter zu einem Abend mit internationalen Hardcore-Bands in die »Steffi« luden, das besetzte Haus in der Innenstadt.

Weil es ein Arbeitstag war und ich wieder viel zu spät aus dem Verlag kam, dauerte es seine Zeit, bis ich mit dem Auto in Karlsruhe war und dort einen Parkplatz fand. Damals gab es noch die Möglichkeit, in den Nebenstraßen zu parken, ohne ein Anwohner zu sein, und ich stellte mein Auto in direkter Nähe der »Steffi« ab.

Nachdem ich meinen Eintritt bezahlt hatte, eilte ich in den Keller, wo ich an der Haifischbr gleich mein erstes Bier bestellte. Punkrock bollerte aus den Boxen, die Bar war nur mäßig besetzt. Und weil ich zu viel mit den Leuten laberte, die ich an der Theke antraf, verpasste ich konsequenterweise die erste Band. Und weil der Umbau von der ersten zur zweiten Band so lang dauerte, trank ich an der Bar eben weiter Bier.

Als ich irgendwann in den eigentlichen Konzertraum ging, hatten wir bereits Mitternacht. Auf der Bühne standen Disaffect aus Schottland und knallten brachialen Punkrock in den Saal, in dem vielleicht 60 oder 70 Leute standen, die meisten mit Lederjacken und sehr »punkig« aussehend. Man merkte, dass die Schotten ihren Discharge-Einfluss nicht verleugneten: Zwei Gitarren sägten, ein Bass knatterte wuchtig, ein Schlagzeug hämmerte wild, dazu kamen ein Sänger und eine Sängerin, beide mit Glatze, denen man ansah, dass sie eine tüchtige Portion Wut in sich hatten.

Gepogt wurde nicht, das war bei dieser Art von Punk-Konzerten eher unüblich, aber es herrschte eine gute Stimmung, und es wurde laut gejohlt, applaudiert und nach einer Zugabe verlangt. Die Band gab uns noch, was wir wollten, und verschwand dann. Am Ende war mir klar, dass ich mit Disaffect eine Band gesehen hatte, von der man noch viel hören würde. »Was für ein Brett!«, sagten praktisch alle in dem Kellerraum.

Was dann kam, hatte ich so aber nicht erwartet: Die Musiker auf der Bühne waren teilweise geschminkt und sahen überhaupt nicht so aus, wie man sich eine Punk-Band vorstellte, und aus den Boxen drang ein Geboller, das sich wie eine Mixtur aus heftigem Techno und rasend schnellem Punk anhörte. Die Band nannte sich Tromatism, und ich hatte zuvor nie von ihr gehört.

Sie machte auch nicht lang herum, hielt sich nicht mit Vorreden und irgendwelchen Ansagen auf, sondern war sofort mittendrin. Der Sänger hatte eine Stakkato-Stil: In halsbrecherischem Tempo brüllte und belferte er in sein Mikrofon. Ich verstand kein Wort, und das lag nicht nur daran, dass er in französisch sang und schrie.

Neben ihm stand ein Geiger, der mit stoischer Miene fiedelte, leicht im Hintergrund hämmert ein Bassist auf sein Instrument ein. Am auffälligsten war aber ein Mann, der kein Instrument spielte, sondern vor allem für die Show zuständig war. Er trug nur eine Hose, sein muskulöser Oberkörper war nackt. Anfangs machte er auf der Bühne nur allerlei Verrenkungen und kletterte an der Wand hoch, dann aber veränderte sich sein Verhalten.

Aus einer Art Eimer, der auf einmal auf der Bühne stand, holte er sich eine schmierige Masse, die aussah wie ein schwarzer Schlamm. Den Schlamm verteilte er großflächig auf seinem Oberkörper, dann schleuderte er einige Handvoll ins Publikum. Ich war froh, dass ich eine Lederjacke anhatte; mich trafen einige Spritzer der schwarzen Masse, auch im Gesicht, aber der Beschuss hörte schnell auf.

Nachdem der Mann eine Weile auf der Bühne getanzt hatte, begann er damit, Feuer zu spucken. Ich hatte nicht mitbekommen, wo er auf einmal eine Flamme herhatte – aber auf einmal goss er sich eine Flüssigkeit in den Mund und spuckte sie über eine brennende Fackel hinweg ins Publikum. Eine Mikrosekunde lang überlegte ich mir, wie es denn eigentlich mit Fluchtwegen aussehen mochte, falls die Feuerspuckerei schiefgehen würde.

Dann aber war mir das auch egal. Die Musik wurde rasanter und lauter, das Spektakel zwischen Bühne und Zuschauern immer wilder. Irgendwann stand eine Schale im Zuschauerraum, in der ein Feuer brannte, der halbnackte Mann sprang zwischen uns herum, und der Sound wurde noch wütender und gnadenloser.

Das war keine Musik für Pogo; dazu war sie zu schnell und zu abgehackt. Hätte ich sie nur auf Schallplatte gehört, hätte sie mir vielleicht gar nicht gefallen. In dieser Nacht passte alles zusammen: ein rabiater Sound, wie man ihn selten hörte, ein recht kleines, aber verschworenes Publikum im Keller eines besetzten Hauses, und eine Show mit Schlamm und Feuer.

Als ich zu sehr weit vorgerückter Stunde durch die Nacht fuhr, vorbei an Ortschaften und durch den Wald, dröhnten meine Ohren, fühlte sich mein Körper erhitzt und verdreckt zugleich an. Mir war egal, was in dieser Nacht noch passieren würde, und über den kommenden Arbeitstag machte ich mir keine Sekunde lang Gedanken …

10 Juni 2026

Moderne Fantasy mit originellem Konzept

Munk wächst auf einer unbedeutenden Insel auf, die nur von wenigen Menschen bewohnt wird. Der Junge gilt als verschlossen und seltsam, Freundschaft schließt er eigentlich nur mit Vögeln. Eines Tages tauchen fremde Soldaten auf, die sogenannten Greifenkrieger, und nehmen ihn mit. Auf ihn wartet eine Bestimmung, so sagen sie, und eine große Zukunft.

Und während er in eine ferne Festung verschleppt wird, wo er bald ein grausiges Geheimnis entdeckt, beschließt seine Schwester Enna, ihm zu folgen und ihn zu retten …

Der Anfang des Fantasy-Romans »Die Kathedrale der Vögel« macht einen sehr klassischen Eindruck. Die phantastische Welt, die Wieland Freund vor seinen Leserinnen und Lesern ausbreitet, erinnert an Mittel- oder Nordeuropa. Die Kultur wirkt mittelalterlich, und nur langsam wird klar, wie sehr sich seine Welt von der unseren unterscheidet.

Der Autor macht das an seiner Hauptfigur fest. Munk ist ein Mensch, der die Vögel gewissermaßen spüren kann. Er versteht sich mit den Raben, er spürt einen Habicht, und so ist es wohl sein Schicksal, ein Falkner zu werden. Die besondere Beziehung, die sich zwischen Munk und den Tieren entwickelt, schildert der Autor in faszinierenden Bildern.

Im Gegensatz dazu steht die Reise der Schwester. Enna ist ein gewöhnliches Mädchen, sie verfügt über keine außergewöhnlichen Gaben, ist aber sehr mutig und in der Lage, rasch Freundschaften zu schließen. Während Munk im Innern eines Berges auf das Geheimnis der Greifenkrieger stößt, das mit Leben und Tod zu tun hat, erfährt Enna von außen immer mehr über die Hintergründe.

Auch wenn die Hauptfiguren sehr jung sind, eben zwei Jugendliche, handelt es sich bei »Die Kathedrale der Vögel« nicht um ein Jugend- oder gar Kinderbuch. Die Handlung ist erwachsen, obwohl der Autor auf Sex-Szenen oder ausufernde Gewalt verzichtet. Sein Augenmerk richtet sich auf die Figuren und ihre Entwicklung sowie die phantastische Welt, die er durch Munks Augen präsentiert.

Das wiederum finde ich sehr originell. Was auf den ersten zehn, zwanzig Seiten fast ein wenig beschaulich wirkt – eine sehr überschaubare Insel, eine kleine Gruppe von Kriegern –, wird schnell phantastischer und eindrucksvoller. Wieland Freund hat eigenständige Ideen, die ich so in der Fantasy-Literatur nicht gelesen habe. Letztlich geht’s in seinem Roman um den Tod und wie ein mögliches Weiterleben aussehen könnte; damit wird er fast philosophisch.

Ich las den Roman sehr gern, wurde von der Sprache wie von der Geschichte gepackt und folgte mit großer Faszination den zwei Hauptfiguren bei ihrer Reise durch die Wälder und Dörfer. Wer Fantasy mag und etwas lesen möchte, das abseits des Mainstreams dieser Literaturgattung liegt, ist bei »Die Kathedrale der Vögel« gut beraten. (Ich empfehle den Blick in die Leseprobe.)

Der Roman erschien als gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag bei Klett-Cotta. Er ist 400 Seiten stark und kostet 25,00 Euro – das E-Book gibt’s für 19,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-608-96629-9 kann man das Buch in jeder Buchhandlung bestellen. 

(Die Rezensiono wurde bereits im März 2026 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier bringe ich sie auch, aber halt aus dokumentarischen Gründen.) 

09 Juni 2026

Zehn Tage an der Düne

Es war ein fauler Urlaub, und dass ich faulenzen würde, war meine Ansage im Voraus. Kein Wunder: Die ersten Monate des Jahres 2026 waren sehr anstrengend, und das lag sicher nicht nur daran, dass ich älter geworden war und gewisse Anstrengungen nicht mehr so gut wegsteckte wie in früheren Jahren und Jahrzehnten. Die Belastungen im Arbeitsleben sind stärker, der terminliche Druck ist gewachsen.

Deshalb war es sinnvoll, nach Gran Canaria zu fliegen. Zehn Tage lang und das in einer Pauschalreise. Früher hätte mich allein schon die Vorstellung sehr gegruselt; im Jahr 2026 bedeutet das für mich: wenig tun, viel pennen, essen und herumgammeln. Garantiert keine Abenteuer, sondern viel Erholung.

Wir hatten ein Zimmer in einem dieser großen Hotels gebucht, die den Süden von Gran Canaria dominieren. Im Viertel Maspalomas, das sich als eine einzige Retortenstadt für Touristen erwies, gab es nicht viel zu tun; das Hotel lag aber direkt an den Dünen, die es im Süden der Insel gibt. Das war faszinierend: eine kleine Sandwüste mit wenig Bewuchs und imposanten Dünen, die sich über einige Kilometer erstreckten.

Anders gesagt: Wer zum Strand wollte, hatte einen Spaziergang von gut zwei Kilometern durch eine Wüstenlandschaft vor sich, durchaus anstrengend, aber faszinierend.

Ich fuhr mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Gegend, ich spazierte viel, ich gammelte am Pool herum, und ich las. Weil das Essen so gut war, nahm ich geschätzte zwei Kilogramm zu – aber unterm Strich war es eine großartige Zeit, in der ich mich einfach sehr gut erholen konnte. Das Ziel wurde also erreich!

Ob ich jemals wieder nach Gran Canaria reisen werde? Das weiß ich nicht. Die Düne ist toll, es gibt auch einige andere schöne Ecken auf der Insel; unterm Strich war es mir zu viel des Tourismus. Zumindest Maspalomas muss ich nicht noch einmal sehen …

08 Juni 2026

Allerlei zu Weinen

»Haben Sie eigentlich keinen Wein?«, fragte ich höflich.

Der Kellner sah mich verwirrt an. »Doch«, sagte er.

Ich zeigte auf die Getränkekarte. »Hier stehen aber keine Weine.« Wir saßen im Biergarten eines Lokals in Karlsruhe, das ich schon immer für seinen schönen Biergarten schätzte, in dem ich aber seit gut 15 Jahren nicht mehr war – obwohl ich durchschnittlich fünfmal in der Woche daran vorbeiradelte.

Der Kellner lächelte. »Die Weine, die wir als Schorle anbieten, die gibt es natürlich auch so.«

»Das leuchtet ein.« Die Sonne schien, ich war bester Laune. »Aber wenn Sie eine Weißweinschorle anbieten, weiß ich ja immer noch nicht, welchen Wein Sie haben.«

Der Kellner nickte. »Ach so. Sie wollen wissen, welche Sorte Weißwein wir haben.« Er zückte sein digitales Gerät, mit dem er die Bestellungen aufnahm, und las ab. »Wir haben Riesling, Chardonnay, Weißburgunder, Grauburgunder, Lugana und Pinot Grigio.« Den »Grigio« sprach er mit hartem »g« aus; ich hatte es also mit einem echten Fachmann zu tun.

Seine Aussage nutzte mir wenig; nicht jeder Riesling schmeckte gleich, nicht jeder Chardonnay. »Welchen Riesling haben Sie denn?«, fragte ich vorsichtig nach.

Er sah mich verwirrt an, dann strahlte er. »Ah, Sie meinen, welche Marke wir führen?« Er guckte wieder auf sein digitales Gerät, dann schüttelte er den Kopf. »Das kann ich hier nicht sehen. Ich werde innen an der Bar fragen, und wenn ich wieder bei Ihnen bin, kann ich es Ihnen sagen.«

Ich winkte ab. »Nein, das brauchen Sie nicht. Bringen Sie mir einfach ein alkoholfreies Weizenbier; das ist bei diesen Temperaturen immer gut.«

Und das war dann gut so …