22 Mai 2026

Peinliche Hinterlassenschaften

2007 war ein Jahr voller Herausforderungen für mich, und das hatte ich schon ziemlich verdrängt. Meine Mutter starb, was mich emotional doch stärker belastete, als ich mir zuvor hatte vorstellen können, und was dazu führte, dass ich mich zusammen mit meiner Schwester um viele Dinge kümmern musste, die mir bisher fern lagen. Mein Arbeitszimmer wurde zudem komplett ausgeräumt und mit neuen Möbeln bestückt.

Weil das alles praktisch gleichzeitig lief, gingen viele Dinge unter. Vor einigen Tagen hatte ich einen Stapel Papier in der Hand, den ich aus einer Kiste fischte. Von diesem Stapel hatte ich schon nichts mehr gewusst, und ich blätterte ihn mit Staunen und teilweise voller Scham durch.

Der Stapel enthielt Unterlagen, die mit dem Tod meiner Mutter zu tun hatten, alte Versicherungsunterlagen beispielsweise, die ich wahrscheinlich entsorgen kann – darüber muss ich aber mit meiner Schwester sprechen. Ebenso lagen Fotos in diesem Stapel, bei denen ich teilweise keine Ahnung hatte, wer auf ihnen zu sehen war; es waren Bilder aus den 30er-Jahren, aber auch aus heutiger Zeit. Beschriftet war so gut wie keines.

Und ich fand Schriftwechsel, wie man das so schön nennt. Postsendungen, die ich verschickt hatte und die zurückgekommen waren. Briefe von anderen Leuten, die auf eine Antwort von mir gehofft hatten.

Besonders peinlich: Es gab einige Briefe, in denen Geld lag oder auch Briefmarken. Da hatten Leute also Exemplare meines Egozines ENPUNKT bestellt, es aber nie erhalten; ich hatte die Kohle nicht einmal eingesackt und selbst verbraucht, sondern sie in einer Kiste vergammeln lassen.

Nach gut zwanzig Jahren wohnen diese Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr an der gleichen Stelle. In der einen oder anderen »Personalie« werde ich trotzdem mal vorsichtig nachhaken. Sehr unangenehm ...

21 Mai 2026

Politische Tierfabel in Comic-Form

Mit »Das Blut des Königs« liegt der vierte und abschließende Band eines Comic-Vierteilers vor, der in seiner politischen Klarheit und in seiner spannenden Handlung absolut empfehlenswert ist. »Schloss der Tiere« wirkt auf den ersten Blick wie eine Tierfabel, ist aber eine, die sich eindeutig nicht an Kinder richtet, sondern an ein erwachsenes Publikum.

Die Handlung spielt im »Hier und Jetzt« und auf einem Landgut in Frankreich. Menschen leben dort keine mehr, die gibt es aber in einem nahegelegenen Dorf. Im Schloss haben sich Tiere angesiedelt: Ein Stier regiert mit eiserner Hand, beschützt von einer Leibgarde aus Hunden. Hühner und Kaninchen, Katzen und Ziegen sowie andere Tiere leben im Schloss, das vordergründig wie eine Demokratie strukturiert ist.

Silvio wohnt zwar in den prächtigen Gemächern des Gutsherrn, wird aber als Präsident bezeichnet. Seine Behauptung: Nur wenn er und die Hunde für die Sicherheit der Tiere sorgen, sind sie in der Lage, sie gegen die Wölfe zu beschützen, die durch die Wälder streunen. Deshalb sind die anderen Tiere dazu verdammt, knallharte Frondienste zu leisten, angetrieben von den Hunden und ausgenutzt von Silvio und seiner Familie.

Doch nicht alle Tiere sind mit dem System einverstanden. Eine Katze, ein Kaninchen und eine Ratte bilden eine Gruppe des Widerstands – mit allen friedlichen Mitteln wollen sie gegen Silvio antreten. Sie versuchen es mit Witz und Ungehorsam, sie riskieren Sabotage und fordern demokratische Wahlen. Der Kampf zwischen Solidarität und Tyrannei wird mit allen Mitteln ausgefochten …

In den vier Comic-Bänden exerziert Xavier Dorison allerlei politischen Gegensätze durch. Klar basiert sein »Schloss der Tiere« auf dem Klassiker »Farm der Tiere« von George Orwell, geht für meinen Geschmack aber weiter in die Tiefe. Dorison zeigt die Gründe, warum sich manche Menschen, pardon: Tiere, als feige erweisen und warum manche in der Gefahr über sich hinauswachsen – sehr spannend und sehr eindrucksvoll!

Félix Delep, der mir bisher als Zeichner nie aufgefallen ist, liefert mit diesem Comic-Vierteiler ein starkes Werk ab: Seine Tiere haben ausreichend menschliche Züge, so dass man ihre Emotionen lesen kann, werden von ihm aber dennoch stets als Tiere gezeigt. Er hält bei diesen Darstellungen hervorragend die Waage und schafft es, packende Szenen voller Dynamik zu erzeugen.

Alle vier Bände dieser Comic-Saga sind mitreißend erzählt und toll gestaltet. Sie überzeugen mich auf allen Ebenen – und sie sind auch für solche Menschen interessant, die sonst nicht so viel mit Comics anfangen können. Ich empfehle unbedingt, eine der Leseproben anzuschauen; vielleicht gleich für den vierten Band, den aktuellen also.

Die vier Bücher haben unterschiedliche Umfänge und Preise; sie sind als hochwertige Hardcover-Bände im Splitter-Verlag erschienen. Man kann sie überall im Comicfach- und im Buchhandel bestellen;.

(Diese Rezension wurde bereits im März auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion veröffentlicht; ich teile sie hier aus dokumentarischen Gründen.) 

20 Mai 2026

Zombies, Gruftis und andere Pädagogen

Mit ist der Autor Boris Koch seit vielen Jahren bekannt: Er veröffentlicht seine Romane und Kurzgeschichten, die im weitesten Sinn zur phantastischen Literatur gehören, in verschiedenen Verlagen, und ich lese sie gern. Die Handlung ist meist augenzwinkernd: Amüsante Drachen gehen auf Reisen, oder Kinder veranstalten spannende Rennen mit Kaninchen, wenn sie nicht gerade losziehen und einen Schatz suchen.

Mit »Schule des Schreckens« hat Boris Koch nun eine Reihe von Kinderbüchern gestartet. Der erste Band erschien bereits im Sommer 2025, der zweite folgt im Frühjahr 2026. Ich las das erste Buch mittlerweile und mochte es sehr.

Wer einmal Schüler war und sein Herz für kindliche Streiche bewahrt hat, könnte ebenfalls so empfinden: »Schule des Schreckens« spielt in einem Internat, das phantastische Elemente aufweist. Kein Vergleich übrigens zu »Harry Potter«, auch wenn der sich wegen des Internats anbieten würde: Boris Kochs Roman-Universum ist wesentlich witziger, es geht nicht um Zauberlehrlinge, und bei ihm nehmen Untote eine wichtige Rolle ein. Seine Hauptfigur ist ein Junge namens Kilian, der sich mit nervigen Schülern und verwirrenden Lehrern herumschlagen muss.

Die Geschichte spielt im Internat Buchenschlag, das im Teufelsforst liegt – Kilians Eltern hätten bei diesen Namen misstrauisch werden können, als sie mit ihm dorthin ziehen. Während sie dort arbeiten, geht er mit den Kindern reicher Eltern auf die Schule. Schnell merkt Kilian, dass einiges nicht so ist wie sonstwo: Direkt neben dem Internat liegt ein Friedhof, auf dem sich sowohl tagsüber als auch nachts allerlei seltsame Personen herumtreiben.

Tatsächlich hat man in der Schule eine Möglichkeit gefunden, dem Lehrermangel entgegenzutreten: Zombies werden als Pädagogen eingesetzt. Dabei handelt es sich um Lehrerinnen und Lehrer, die teilweise vor Jahrhunderten unterrichtet haben und sich im Tod langweilen; sie sind froh darüber, aus dem Friedhof ins Klassenzimmer zu spazieren und dort eine neue Aufgabe zu erhalten. Das sorgt natürlich für skurrile Situationen. Diese Zombies stehen übrigens nicht auf Menschenfleisch, sondern haben andere Interessen …

Boris Koch weiß einfach, wie man eine gute Geschichte erzählt, sodass sie glaubhaft wirkt – trotz aller phantastischen Punkte. Warum die Toten aus ihren Gräbern kommen und bereitwillig die Schüler von heute unterrichten, verrät der Autor noch nicht – das können ja spätere Romane der Serie erzählen. Der Autor stellt seine Figuren vor, präsentiert die Hintergründe zur Schule und sorgt dafür, dass die unterschiedlichsten Charaktere aufeinanderprallen.

Natürlich gibt es die üblichen Internats-Querelen, die man aus zahlreichen Romanen, Filmen und Fernsehserien kennt. Dazu kommen aber die Konflikte mit der neugierigen Presse, aber eben auch mit Untoten, die teilweise ihre sehr eigenen Vorstellungen haben. Das schildert Koch mit viel Sinn für Humor und schräge Situationen. Da seine Zielgruppe vor allem Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren sein dürften, ist manche Szene für einen Erwachsenen vielleicht zu albern – aber es ist sicher ein Roman, den man Kindern im entsprechenden Alter vorlesen kann.

Bei der Gestaltung hat sich der Verlag einiges einfallen lassen. Der Roman ist reichhaltig und gut illustriert, die Schrift wird immer mal wieder durch größere Buchstaben unterbrochen. Wichtige Aussagen von Figuren sind gerne auch mal fett gedruckt, womit jede Seite deutlich abwechslungsreicher aussieht als eine »Nur-Text-Seite«, wie das sonst in Büchern üblich ist. Das finde ich gut – Zielgruppe sind schließlich Kinder, die heute bekanntlich ein anderes Medienumfeld haben als Kinder der 80er- oder 90er-Jahre.

Der Auftaktband der neuen Serie trägt den Titel »Die Gruftis sind los« und umfasst 288 Seiten. Das Buch wurde vom Verlag WooW Books in einer schönen Hardcover-Ausgabe veröffentlich. Es kostet 15,00 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-03967-052-9 überall im Buchhandel bestellt werden. Versender wie der PERRY RHODAN-OnlineShop liefern es ebenfalls.

(Die Rezension stand bereits im Februar auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Ich komme leider heute erst dazu, sie auch an dieser Stelle abzubilden ...)

19 Mai 2026

Am Abend in der Bäckerei

Wir erreichten die kleine Stadt am späten Abend; die Sonne war gerade untergegangen. Mir fielen vor allem die großen roten Häuser auf, die in gewisser Weise die Stadt prägten. Über ihnen thronte die riesige Kathedrale, ebenfalls aus rotem Stein errichtet, die sich wie ein trutziges Mahnmal über die Häuser erhob.

Wir stellten unser Auto vor einem Wohnhaus ab, in dessen Erdgeschoss sich ein Ladengeschäft befand. Ich wurde zu einem Nebeneinfang gebracht, so dass ich das Türschild nicht erkennen konnte. Meine Begleiter kannten sich aus und eilten in einen Verkaufsraum. Dort wurden wir herzlich begrüßt, als seien wir alte Freunde.

Wie sich herausstellte, war die Bäckerei für eine lokale Spezialität zuständig, die man nur hier kaufen konnte. Es waren »alte Weible«, wie man mir erläuterte, Backstücke also, die entfernt einer alten Frau glichen. Sie bestanden aus einem leichten Teig und waren mit allerlei bunten Punkten besetzt.

Während meine Begleiter mit den Verkäufern schäkerten, schlenderte ich durch den Verkaufsbereich. Es war ein großer, höhlenartig anmutender Raum mit einer sehr hohen Decke; indirektes Licht fiel auf die Verkaufsflächen, die von Körben dominiert wurden, in denen wiederum die Waren lagen.

Es gab nicht nur die »alten Weible«, sondern auch andere Backwaren, die Menschen oder Tieren nachgebildet waren. Ich betrachtete die einzelnen Werke, die ich teilweise sehr anspruchsvoll fand, teilweise aber auch eher ideenlos und plump. Wahrscheinlich gab es für jede Produktgruppe eine eigene Zielgruppe, überlegte ich mir.

Am Ende meines Rundgangs stand ich vor einem Korb, in dem besonders schöne Figuren lagen. Sie waren langgliedrig, und um die stilisierten Köpfe hatten sie eine weiße Haube, die wohl aus Eischnee bestand.

»Das sind ja kleine Raumfahrer!«, rief ich erstaunt. Da wachte ich auf.

18 Mai 2026

Die dritte Staffel ist ein Film

Ich habe leider den Roman »Good Omens« von Terry Pratchett und Neil Gaiman nie gelesen. Die Fernsehserie, die auf Basis dieses Romans entstanden ist, fand ich aber großartig; man kann sie bei Prime anschauen, vielleicht auch auf anderen Streamingkanälen.

Weil diese Serie – die dann zur ersten Staffel wurde – so erfolgreich war, drehte man bald eine zweite Staffel. Die basiert dann nicht mehr auf dem Roman, die Grundzüge und das Drehbuch stammten trotzdem von Neil Gaiman. Der sarkastische Humor und die Anspielungen auf christliche Grundlagen blieben also.

Dann wurde eine dritte Staffel angekündigt, die dieser Tage anfing. Wie es sich herausstellte, gibt es diese dritte Staffel nicht: Wegen der Konflikte um Neil Gaiman – konkret: die Vorwürfe wegen sexuellem »Fehlverhalten«, um es zurückhaltend zu formulieren – entschloss man sich dazu, diese Staffel zu einem eineinhalbstündigen Film umzubauen und so die Serie abzuschließen.

Mein Eindruck ist: Das ist teilweise gelungen, teilweise nicht.

Immerhin taucht in der dritten Staffel Jesus auf, der zur Erde gelangt, sich in London mit einem Kleinkriminellen anfreundet und damit anfängt, Pizza an die Menschen zu verteilen. Wie das mit Jesus weitergeht, wäre sicher interessant zu sehen gewesen – dieser Handlungsstrang fällt leider völlig flach.

Immerhin wird die Geschichte um den Dämon und den Engel, die eigentlichen Hauptfiguren der Serie, zu einem konsequenten Ende gebracht. Satan und Gott spielen eine wichtige Rolle, und am Ende wird ein Buchladen in London zu dem Ort, an dem sich das Schicksal des Universums erfüllt.

Wie immer bei dieser Serie: Man kann sie auf zwei Wegen anschauen. Wer mag, kann sich auf die pointierten Dialoge und den Humor konzentrieren, und kommt damit auf seine Kosten. Wer mag, kann sich aber auch über philosophische Diskussionen über den freien Willen und dergleichen freuen – das ist in diesem Film gewissermaßen die Quintessenz.

Sagen wir so: Wer die ersten zwei Staffeln von »Good Omens« nicht gesehen hat, kann mit diesem Film wohl nicht viel anfangen. Ich fand ihn gelungen – ein schöner Abschluss, wenngleich nicht genial. Aber das kann man bei diesen Umständen ja auch nicht erwarten.

13 Mai 2026

Eine Absage an Künstliche Intelligenz

Mit dem Schriftsteller Christian Montillon arbeite ich seit vielen Jahren zusammen; ich schätze ihn als Autor und als Mensch, der seine Meinungen klar und deutlich, aber immer höflich vertritt. Das zeigt sich auch bei dem Buch, dass er in diesem Jahr veröffentlicht hat und das seine persönliche Ansicht präsentiert: »KI? Kein Interesse!« ist das, was der Untertitel auch aussagt: ein »Persönlicher Zwischenruf eines Autors«. Und die Inhaltsangabe liefert Montillon auch gleich auf der Titelseite mit: »Warum ich für meine Romane keine KI nutze«.

Im eigentlichen Text des Buches, das vor allem als E-Book verkauf wird, macht Montillon klar, warum er gegen KI ist und worin sich die Arbeit eines Schriftstellers von dem unterscheidet, was die KI alles ausspuckt. Ein Schriftsteller kämpft und arbeitet, er macht sicher auch Fehler und hat seine schwachen Tage – aber sein Text kommt aus seinem Innern und wird von seiner täglichen Form extrem stark beeinflusst.

Montillon ist ein Autor, der unterhaltsam schreiben kann. Das belegt er eindrucksvoll mit diesem Büchlein: Auf den 110 Seiten – ich habe die gedruckte Ausgabe durchgeschmökert –, die großzügig gesetzt sind, liefert er eine Reihe von Anekdoten, die seine Ansichten untermauern. Man erfährt also ganz nebenbei auch, wie ein Schriftsteller denkt und arbeitet.

Christian Montillons »KI? Kein Interesse!« will einen Standpunkt vermitteln. Das macht der Autor sehr klar und sehr eindeutig. Man muss ihm nicht bei jeder Aussage beipflichten, liest sie aber mit großer Faszination. Empfehlenswert!

(Zu beziehen ist das Buch in gedruckter Form sowie als E-Book bei diversen Plattformen. Mir sind unter anderem Amazon und Thalia bekannt.)

12 Mai 2026

Eine Geschichte um Fliegen und Lieben

Der Comic-Autor Scott Snyder ist mir allem durch seine Mitarbeit bei amerikanischen Superhelden bekannt; er verantwortete über viele Jahre hinweg die wesentlichen Helden und ihre Serien. Dass er auch ganz andere Stoffe in packende Comics übertragen kann, beweist »Barnstormers«. Der Comic wurde in den USA mit einem Eisner Award ausgezeichnet, einem echt renommierten Preis also, und liegt bei uns als schöner Hardcover-Band im typisch amerikanischen Format vor.

Die Geschichte spielt nach dem Ersten Weltkrieg und in den USA. Bei einem Barnstormer handelt es sich um einen Piloten, der mit seinem Flugzeug zu einem Akrobaten der Lüfte wird. Ein solcher Barnstormer verhilft einer jungen Frau zur Flucht aus einer Ehe, die sie nicht will. In der Folge setzen sich allerlei Leute auf ihre Spur. Die Flüchtigen schlagen sich gemeinsam als Barnstormers durch, während ihre Probleme immer größer werden …

In seiner Story fängt Snyder die Zeit nach dem Krieg ein; seine Figuren sind keine strahlenden Helden, sondern Leute mit Problemen, die sie nicht verarbeitet haben. Die Geschichte erzählt der Autor voller Drama und Emotion: Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte, natürlich wird das Drama immer größer – das ist so filmisch erzählt, dass man bei der Lektüre schon den großen Hollywood-Streifen vor sich sieht.

Von Tula Lotay kannte ich bislang noch nichts; die Bilder sind teilweise wild, die Seitengestaltung ist dynamisch. In den Bildern wird der Rausch des Fliegens eingefangen, ebenso gibt es Action und Hetzjagen sowie große Gefühle. Auch hier gilt: Das schreit nach einem großen Hollywood-Film.

»Barnstormers« ist ein Comic, der zu Recht mit einem Preis bedacht wurde. Packend und mitreißend – toll.

11 Mai 2026

Neuer Ort für den Traditions-Con

Seit den frühen 80er-Jahren fahre ich nach Köln, um den ColoniaCon zu besuchen. Früher erledigte ich das per Anhalter, später fuhr ich mit der Bahn oder mit dem eigenen Auto. Es ist also eine Tradition für mich und den ColoniaCon, und zwar eine der positiven Art.

Die meiste Zeit fand der Con im Jugendpark am Rheinufer statt: ein Jugendzentrum in fast schon idyllischer Umgebung, das auf zwei Stockwerken genügend Platz für Fans und Freunde der Science Fiction bot. Einmal wurde der Con in die Innenstadt verlagert, das war in den späten 90er-Jahren, und ich erinnere mich vor allem an das schlechte Wetter und das Ambiente einer leerstehenden Fabrikhalle. Aber das ist lange her.

In diesem Jahr war‘s also ein ehemaliger Wehrmachtsbunker in Köln-Mühlheim, der sich als ausgesprochen gelungenes Ambiente erwies. Es gab eine sehr nette Gastronomie, wo man gutes Essen bekam und alle möglichen Getränke zu sich nehmen konnte. Wem das zu teuer war, der konnte zu einer der Buden in der Nachbarschaft oder zum »Penny«-Markt gehen – allein die Gastronomie war also schon eine immense Verbesserung.

Und das Programm? Seien wir ehrlich: Ich bekam nur die zwei Programmpunkte mit, bei denen ich selbst auf der Bühne saß. Die klappten, und sie finden auch ausreichend Interesse im Publikum. Mehr kann ich nicht beurteilen, aber ich hörte während des ganzen Tages kein Gemaule.

Anscheinend waren 200 Leute vor Ort, was ich gern glaubte. Man sah halt nie mehr als fünfzig, sechzig Leute auf einem Haufen, weil sich alles auf drei Stockwerke mit Räumlichkeiten sowie gleich mehrere Außenbereiche verteilte. Aber der neue Ort für die traditionsreiche Veranstaltung kam sehr gut an, nicht nur bei mir!

08 Mai 2026

Ein Sonderheft über Reichsbürger

Immer mal wieder bestelle ich bei der Bundeszentrale für politische Bildung gedruckte Publikationen; manchmal sind darunter Ausgaben der Zeitschrift »Aus Politik und Zeitgeschichte«, für die es die wunderbare Abkürzung »APuZ« gibt. Die »APuZ«-Ausgabe 47-48/2025, die bereits im November 2025 veröffentlicht wurde, ist ein 48 Seiten starkes Heft, das sich mit den sogenannten Reichsbürgern beschäftigt.

Die nahm ich selbst bis vor zehn Jahren ebensowenig ernst, wie das die Sicherheitsbehörden taten. Für mich war das ein Haufen von Bekloppten, die den Kaiser wiederhaben wollten. Mittlerweile ist sicher, dass die angeblich Bekloppten auch im Besitz von Waffen sind und teilweise einen Umsturz planten. Diese »APuZ«-Ausgabe fasst die unterschiedlichen Strömungen der Reichsbürger sehr gut zusammen.

Ein Artikel in diesem Heft beschäftigt sich mit dieser Gruppe Reuß, die den Umsturz plante. Weitere Beiträge gehen auf die Geschichte und die Strömungen der Bewegung ein. Auch die Zusammenhänge zur Esoterik werden klar benannt.

Besonders lesenswert fand ich ein Interview mit einem Mann, der zeitweise in der Verwaltung von Magdeburg beschäftigt war und viel mit Reichsbürgern zu tun hatte. Er erlebte aus seiner Perspektive, wie abgedreht und auch gefährlich diese Leute sein können.

Eine lohnenswerte Lektüre!

07 Mai 2026

Eine Rechnung vom Nirwana

Im Februar 2007 verbrachte ich einige Tage auf der Insel Bintan, die zu Indonesien gehört und südlich von Singapur liegt. Ich war in den Nirwana Gardens untergebracht, allerdings nicht im eigentlichen Hotel, sondern in einer Strandhütte. Von dort aus sah ich direkt zum Meer, von dort aus konnte ich in wenigen Sekunden den Strand erreichen und ins Wasser hüpfen.

Ich las viel in diesen Tagen, ich ging viel spazieren. Ich war allein, und ich hatte kein Handy und so gut wie keinen Internet-Zugang. Man musste in ein »Business Center« gehen und sich dort an ein Terminal setzen, was natürlich Geld kostete.

Die Kommunikation mit den Angestellten beschränkte sich auf das Nötigste, man ließ mich weitestgehend in Ruhe. Und andere Touristen gab es so gut wie keine. Ich fand diesen Aufenthalt herrlich.

Schaue ich mir heute die Rechnung an, wird mir noch einmal klar, wie preiswert das alles war. Weder die Übernachtungen noch das Essen oder die Getränke kosteten sonderlich viel.

Allerdings schien ich die Angestellten mit meiner Adresse überfordert zu haben: Als »Mr Norbert, Frick Klaus« war ich in meinem Leben bislang nirgends registriert worden ...

06 Mai 2026

Briefe, die ein Mörder schreibt

Im Verlauf der Jahre las ich immer wieder Romane des viel zu früh verstorbenen Schriftstellers Jakob Arjouni (1964 bis 2012); ich mochte sie stets, egal welchem Genre man sie letztlich zuordnen konnte. Zuletzt fand ich das schmale Buch »Cherryman jagt Mr. White«, das man leider nur noch gebraucht kaufen kann, richtig gut.

Der Roman besteht im Prinzip aus Briefen, die ein Jugendlicher an einen psychologischen Gutachter und Arzt schreibt. Der Jugendliche, der offensichtlich einen schreckliche Mord oder mehr begangen hat, erzählt in diesen Briefen dem Arzt von seinem Leben und der Vorgeschichte seiner Taten. Dabei wird immer klarer, dass der Jugendliche nicht nur ein Täter ist, sondern ebenso ein Opfer.

Der Jugendliche lebt in einer fiktiven Kleinstadt in der Nähe von Berlin. Eine Gruppe von herumlungernden Jungmännern schikaniert und misshandelt ihn regelmäßig. Dann aber kommt er in Kontakt zu einem Mann, der ihm eine Lehrstelle in Berlin vermittelt und dafür eine Gegenleistung fordert: Der Junge soll im Auftrag des »Heimatschutzes« – offensichtlich eine rechtsradikale Organisation – mehr über einen jüdischen Kindergarten herausfinden …

Tatsächlich führt der Roman, der 2011 veröffentlicht wurde, in die Zeit der Baseballschlägerjahre, in denen in Brandenburg und anderen Regionen ganze Städte und Landkreise von Nazis terrorisiert wurden. Der Autor behält dabei immer die Perspektive eines Jugendlichen bei, der von einer positiven Zukunft träumt und sich verliebt, gleichzeitig aber zu einer gefährlichen Aufgabe gedrängt wird.

Das Mittel eines Briefromans ist ungewöhnlich, vor allem bei so einer Geschichte. Gleichzeitig passt sie auch: Durch die Briefe des Jugendlichen und seine einfache Sprache entblättert sich die Handlung anders, als wenn sie »normal« erzählt würde. Spannend ist das allemal, aber daran hätte ich bei Arjouni eh nie gezweifelt.

Sicher ist »Cherryman jagt Mr. White« kein Roman, den man kennen muss. Wer ihn aber mal sieht, sollte ihn sich schnappen: So spannend und gut geschrieben kann deutschsprachige Gegenwartsliteratur halt auch sein …

05 Mai 2026

Erotik und Literatur aus dem alten Rom

Zu den literarischen Klassikern, die ich endlich einmal lesen sollte, gehört »Der Goldene Esel«, der daheim im Stapel der ungelesenen Bücher liegt. Verfasst wurde er von einem römischen Schriftsteller namens Apuleius, der in diesem Werk allerlei erotische und sonstwie auffallende Szenen unterbrachte. Mittlerweile gibt es diesen Roman auch in einer Comic-Version, für die Milo Manara zuständig ist, und diese wurde im Splitter-Verlag veröffentlicht.

Man muss klar sagen: Die Geschichte ist schon ziemlich haarsträubend und eigentlich nur vor dem Hintergrund des römischen Reiches so richtig verständlich. Es geht um Sex und Verführung, aber auch um Macht und Geld. Der Mann, der in einen Esel verwandelt und daraufhin ständig gequält wird, ist sicher eine Figur, die einen inhaltlichen Bezug zur römischen Geschichte und Gesellschaft hat und diese quasi spiegelt.

Davon bleibt bei Manaras Comic-Version wenig übrig. Wenig überraschend: Der Autor und Künstler konzentriert sich auf die Erotik, die im Originaltext steckt, und macht streckenweise einen Porno aus der Geschichte. All diese Elemente sind im Original enthalten, keine Frage, werden bei Manara aber deutlicher in den Vordergrund geschoben.

Gut gezeichnet und gestaltet ist das allemal, was auch nicht überrascht. Manara steht als Comic-Künstler außer Frage, und sein Talent, nackte Frauen zu zeichnen, hat er nicht verloren. Die Geschichte wird unterhaltsam präsentiert, und sie ist gut gemacht.

Aber faktisch handelt es sich halt eher um geballte Erotik und weniger um literarisches Nacherzählen – wer das mag, kommt bei dieser Version des »Goldenen Esels« sicher auf seine Kosten.

04 Mai 2026

Mit der Sozialwissenschaft und der Science Fiction

Am 4. April 1941 wurde Rainer Eisfeld geboren, in einer Zeit, die wir »Nachgeborenen« uns heute nicht mehr vorstellen können. Sein Leben führte ihn zuerst zur Science Fiction, die ihn nie wieder loslassen sollte, und dann zur Politikwissenschaft, die sein Beruf wurde; er war in diesem Fall als Professor tätig.

Zu seinem 85. Geburtstag erschien ein Buch, das die beiden Seiten seines Lebens präsentiert. Es trägt den Titel »Sozialwissenschaft und Science Fiction« und den netten Untertitel »Dokumente eines ›Doppellebens‹«. Auf den über 300 Seiten des Buches, das ich noch nicht gelesen habe, finde sich haufenweise Artikel und Fotos zu Rainer Eisfeld, seinem Leben und Schaffen.

Ich bin stolz darauf, ebenfalls in diesem Buch vertreten zu sein: mit einem Interview, das ich mit Rainer Eisfeld zu Clark Darlton geführt habe – wobei man fairerweise anmerken muss, dass sein Anteil bei etwa 98 Prozent lag –, und einem Beitrag, den ich über ihn geschrieben habe. Die »Umgebung«, die meine Beiträge erhalten, finde ich höchst interessant und auch beeindruckend.

85 Jahre ist ein stolzes Alter. Ich hoffe, dass sich Rainer Eisfeld auch weiterhin meinungsstark zu Wort melden wird – zu politischen Themen ebenso wie zur Science Fiction.