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01 September 2026

Literarischer Blick auf die 70er-Jahre

Ein Roman auf zwei Zeitebenen, ein Roman über eine Epoche: Ich habe »Disko« gelesen, der die Mitte der 70er-Jahre auf besondere Weise lebendig macht. Verfasst wurde der Roman von Till Raether, der selbst Jahrgang 1969 ist und die 70er-Jahre nur als Kind mitbekam – er bringt dieses Jahrzehnt aber hervorragend auf den Punkt.

Die Geschichte beginnt im Hier und Jetzt: Eine Frau schreibt einen Brief an ihren Bruder, zu dem sie nur noch losen Kontakt hat. Dabei war er in ihrem Leben einmal wichtig, vor allem war er in den 70er-Jahren für eine gewisse Zeit ein kleiner Star. Er veröffentlichte Musik, und seine Schallplatten werden zur aktuellen Zeit im Oldie-Radio gespielt. Und während die Ich-Erzählerin schreibt und über ihr Leben nachdenkt, plaudert sie eben auch über das Jahr 1975 und über die Suche nach ihrem Bruder.

Die Geschichte innerhalb der Geschichte hat es in sich: Im November 1975 verlässt die vierzehn Jahre alte Schülerin ihr Elternhaus in Norddeutschland und begibt sich auf die weite Reise nach München. Dort ist ihr Bruder als Musikproduzent tätig, und sie muss ihn unbedingt treffen – ihrer Ansicht nach muss er zurück ins Elternhaus, um bei der Beerdigung der Mutter dabei zu sein.

Das Mädchen hat keinen Plan, schafft es aber trotzdem nach München. Dort stolpert die Vierzehnjährige durch die Nacht, trifft Leute aus der Szene, bei denen sie auch übernachten kann, lernt das Innere von Diskotheken und Tonstudios kennen und kommt so langsam ihrem Bruder näher. Am Ende trifft sie ihn endlich, doch die Begegnung verläuft nicht ganz so, wie sie es sich ausgemalt hat …

»Disko« ist ein gelungenes Werk, das nicht nur Leserinnen und Leser ansprechen sollte, die in den 70er-Jahren bereits alt genug waren, um die damalige Musik mitbekommen zu haben. Stilistisch zielt das Werk nicht unbedingt auf locker-leichte Lektüre ab: Es gibt praktisch keine Dialoge, viel wird in indirekter Sprache vermittelt.

Dadurch ergibt sich ein distanzierter Blick auf die jugendliche Hauptfigur und ihre Erlebnisse, was anfangs verwirren kann – ich war das so schlichtweg nicht gewohnt –, dann aber sehr fasziniert. Das Geschehen liest sich oft amüsant, wenngleich der Roman nie einen schenkelklopfenden Humor vermittelt.

Das München, das Till Raether präsentiert, ist voll von interessanten Charakteren, die aus der manchmal naiven Sicht eines Mädchens geschildert werden. Man bekommt bei der Lektüre einen lesenswerten Einblick in die Diskotheken-Szene der 70er-Jahre, die vielleicht wirklich so war, die man sich aber so auf jeden Fall gut vorstellen kann. Wer möchte, kann sich auf der Internet-Seite des Verlags mit einer Leseprobe einen Eindruck verschaffen.

Erschienen ist »Disko« als Hardcover-Band mit Schutzumschlag (das Taschenbuch kommt in diesem Herbst) bei btb; er ist 240 Seiten stark und kostet 24,00 Euro. Mithilfe der 978-3-442-75926-2 kann man ihn überall im Buchhandel bestellen. Das E-Book gibt’s für 18,99 Euro. 

(Die Rezension wurde auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht, bereits im Juni. Hier teile ich sie aus dokumentarischen Gründen.) 

06 Mai 2026

Briefe, die ein Mörder schreibt

Im Verlauf der Jahre las ich immer wieder Romane des viel zu früh verstorbenen Schriftstellers Jakob Arjouni (1964 bis 2012); ich mochte sie stets, egal welchem Genre man sie letztlich zuordnen konnte. Zuletzt fand ich das schmale Buch »Cherryman jagt Mr. White«, das man leider nur noch gebraucht kaufen kann, richtig gut.

Der Roman besteht im Prinzip aus Briefen, die ein Jugendlicher an einen psychologischen Gutachter und Arzt schreibt. Der Jugendliche, der offensichtlich einen schreckliche Mord oder mehr begangen hat, erzählt in diesen Briefen dem Arzt von seinem Leben und der Vorgeschichte seiner Taten. Dabei wird immer klarer, dass der Jugendliche nicht nur ein Täter ist, sondern ebenso ein Opfer.

Der Jugendliche lebt in einer fiktiven Kleinstadt in der Nähe von Berlin. Eine Gruppe von herumlungernden Jungmännern schikaniert und misshandelt ihn regelmäßig. Dann aber kommt er in Kontakt zu einem Mann, der ihm eine Lehrstelle in Berlin vermittelt und dafür eine Gegenleistung fordert: Der Junge soll im Auftrag des »Heimatschutzes« – offensichtlich eine rechtsradikale Organisation – mehr über einen jüdischen Kindergarten herausfinden …

Tatsächlich führt der Roman, der 2011 veröffentlicht wurde, in die Zeit der Baseballschlägerjahre, in denen in Brandenburg und anderen Regionen ganze Städte und Landkreise von Nazis terrorisiert wurden. Der Autor behält dabei immer die Perspektive eines Jugendlichen bei, der von einer positiven Zukunft träumt und sich verliebt, gleichzeitig aber zu einer gefährlichen Aufgabe gedrängt wird.

Das Mittel eines Briefromans ist ungewöhnlich, vor allem bei so einer Geschichte. Gleichzeitig passt sie auch: Durch die Briefe des Jugendlichen und seine einfache Sprache entblättert sich die Handlung anders, als wenn sie »normal« erzählt würde. Spannend ist das allemal, aber daran hätte ich bei Arjouni eh nie gezweifelt.

Sicher ist »Cherryman jagt Mr. White« kein Roman, den man kennen muss. Wer ihn aber mal sieht, sollte ihn sich schnappen: So spannend und gut geschrieben kann deutschsprachige Gegenwartsliteratur halt auch sein …

15 April 2026

Handlungsarm und trotzdem spannend

Über die Osterfeiertage las ich einen Roman, dessen Lektüre ich schon seit vielen Jahren vor mir herschiebe. Die Rede ist von »Judas«, einem Werk des israelischen Schriftstellers Amos Oz. Erschienen ist das Buch bereits 2015 in deutscher Übersetzung; damals erhielt es auch den Preis der Leipziger Buchmesse.

Wenn man die Geschichte ganz nüchtern und kurz erzählt, wirkt sie fast belanglos: Ein junger Mann, der antriebslos durchs Leben stolpert und in Geldnöten steckt, bekommt die Möglichkeit, auf leichte Weise sein Geld zu verdienen. Verbunden mit einer kostenlosen Wohnstatt in der Mansarde eines abgelegenen Hauses in der Altstadt von Jerusalem, soll er einem alten Mann zur Hand gehen und mit ihm Unterhaltungen führen.

Der junge Student und der alte Intellektuelle wohnen zusammen; mit ihm Haus ist eine Frau mittleren Alters, in die sich der Student verliebt. Und während er sich in seine Studien vertieft – sein Thema ist der Blick der Juden auf Jesus und der angebliche Verrat des Judas Ischariot –, bekommt er mehr über die familiären Umstände in diesem Haus mit. Das Ende des Romans ist dann sehr offen.

»Judas« hat wenig an echter Handlung, es gibt nicht einmal die Andeutung von Action. Der Roman besteht im Wesentlichen aus Gesprächen, inneren Monologen und der Suche in Bibliotheken sowie Archiven. Trotzdem entwickelt das Buch nach etwa fünfzig Seiten einen unwiderstehlichen Sog.

Es geht um Liebe, aber es geht auch um Verrat. Hat Judas wirklich Jesus verraten? Und hat er Vater der Frau – sie ist die Schwiegertochter des alten Mannes – wirklich den Staat Israel verraten, weil er einen Ausgleich mit den Palästinensern wollte? Und wie kommt man aus der unendlichen Spirale aus Gewalt und Zerstörung heraus?

Das Buch gibt keine Antworten, es wirft Fragen auf, und es gibt einen spannenden Einblick in die israelische Gesellschaft der späten fünfziger Jahre. Starke Lektüre – nicht nur zu Ostern sehr empfehlenswert!

24 März 2026

Ich war beim SERAPH dabei

Am Freitag, 20. März 2026, war es mir auf der Leipziger Buchmesse sehr wichtig, die Verleihung des SERAPH mitzubekommen. In früheren Jahren hatte ich das nie geschafft, diesmal wollte ich unbedingt dabeisein. Die Preisverleihung reizte es mich sehr.

Der Grund lag auf der Hand: Ich war zum ersten Mal seit langer Zeit wieder an einer Jury beteiligt. In diesem Fall hatte ich mein Votum für den »besten phantastischen Roman« abgegeben, der 2025 erschienen war. Ich hatte mehr als ein Dutzend Romane angelesen, einige hatte ich komplett durchgeschmökert, und einige wollte ich mir unbedingt noch vornehmen. Und ich war sehr von dem Niveau angetan, auf dem sich die phantastische Literatur im deutschsprachigen Raum bewegte.

In Halle fünf hatte man einen großen Bereich abgetrennt, eine Bühne eingerichtet und eine Tribüne aufgebaut. Ich bin sehr schlecht darin, Menschenmengen zu schätzen, ging aber davon aus, dass gut tausend Leute anwesend waren. So viele Leute interessierten sich also dafür, wer diesen Preis gewinnen würde. Das empfand ich als ein sehr gutes Zeichen.

Die Preisverleihung war sehr professionell und würdevoll. Die Laudatoren hielten gute Reden, die Moderation war humorvoll und positiv, und die Leute, die den Preis gewannen, zeigten sich ebenfalls von einer spannenden und positiven Seite. Ich klatschte ebenso begeistert wie die Leute um mich herum.

Nach dieser Buchmesse war mir um die Zukunft der Phantastik im deutschsprachigen Raum nicht mehr bange. Dazu trugen auch dieser Preis und seine Verleihung bei.

(Das Bild zeigt übrigens das Logo der Phantastischen Akademie. Sie vergibt den Preis offiziell.) 

18 März 2026

Der Aufbruch nach Hamburg

Den Musiker, Künstler und Schauspieler Rocko Schamoni sah ich ein einziges Mal bei einem Auftritt: Das war 1986, als er im Vorprogramm der Toten Hosen auftrat. Ich weiß noch, dass ich ihn schrecklich fand: Das Publikum war durch die Goldenen Zitronen vorher aufgepeitscht worden, wir wollten Pogo tanzen und schreien, und dann kam dieser Mann mit Sombrero auf die Bühne und sang Schlager.

Solche Szenen finden sich auch in Rocko Schamonis aktuellem Buch, allerdings aus seiner Sicht gespiegelt. Der Roman trägt den Titel »Pudels Kern«, liest sich wie eine Autobiografie und ist im Prinzip die Fortsetzung von »Dorfpunks«. Mit Punkrock und entsprechenden Aktivitäten hat er allerdings nur am Anfang zu tun.

Er spielt in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren. Ein junger Mann kommt vom Dorf in die Großstadt – in diesem Fall ist es Hamburg –, wo er sich auf die Punkrock- und die Avantgarde-Szene einlässt. Er lernt Musiker kennen, tritt irgendwann auf Bühne auf, sammelt Erfahrungen und geht auf Tour. Immer wieder macht ihm bei alledem seine Depression zu schaffen.

Das halte ich für einen interessanten Aspekt: Rocko Schamoni gehörte für mich immer zum Dunstkreis der Funpunks; er ging mit den Goldenen Zitronen auf Tour und machte eine skurrile Mischung aus Punk und Schlager, die mir nicht gefiel. Dass er in Wirklichkeit an Depressionen litt und oft tage- oder gar wochenlang nicht aus dem Haus kam – wenn wir davon ausgehen, dass das Buch eine Autobiografie ist –, verblüffte mich.

Die Geschichten um den Pudel Club und die Versuche, in Hamburg sesshaft zu werden, lesen sich unterm Strich sehr gut. Schamoni hat viel erlebt und kann erzählen. Sein Buch ist unterhaltsam und liest sich leicht; man sollte aber schon ein grundsätzliches Interesse an dem Musiker mitbringen und wesentliche Begriffe einordnen können – sonst kann man mit dem Buch womöglich nicht so viel anfangen …

Alles in allem ist »Pudels Kern« durchaus zu empfehlen. Ich hab’s gern gelesen, eine Pflichtlektüre oder ein relevantes Werk ist es allerdings nicht. (Ich habe die Hardcover-Version gekauft, die 2024 bei Hanser erschienen ist. Auf der Internet-Seite des Verlags gibt’s weitere Informationen. – Seit Ende 2025 gibt's übrigens das Taschenbuch im Heyne-Verlag.)

09 Februar 2026

Startnext für Hirnkost

Wie bereits im Dezember 2025 bekannt gegeben wurde, ist der Hirnkost-Verlag in die Insolvenz geraten. Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne soll der Verlag nun gerettet werden – Details kann man an den entsprechenden Stellen im Netz nachlesen.

Die Kampagne läuft noch in dieser Woche, und es fehlt eine Menge an Geld. Sie läuft über Startnext, und dort kann man relativ einfach auch bezahlen.

Ich finde: Hirnkost ist ein Verlag, der viele lesenswerte Bücher veröffentlicht. Man muss nicht alles gut finden, was dort herauskommt – Geschmäcker sind verschieden –, aber die Mixtur aus Punkrock und Science Fiction, aus Graphic Novel und Sachbuch, Roman und Kurzgeschichtensammlung ist schon sehr einmalig. Und es wäre extrem schade, wenn es die bald nicht mehr geben würde.

Deshalb hier mein Hinweis: Besucht die Startnext-Seite oder zumindest den Hirnkost-Shop und handelt entsprechend ...

16 Januar 2026

Verlagsmodelle für die Zukunft

Die Buch- und die Zeitschriftenbranche sind in einem starken Umbruch, und ich bekomme das beruflich durchaus mit. Da ist es für mich spannend, wenn ich sehe, wie sich manche Verlage oder Buchhandlungen neu aufstellen. Über ein schönes Modell hörte ich heute morgen, als ich der aktuellen Folge des »Lesart«-Podcasts lauschte.

In »Ein Modell für die Zukunft? Der mare Verlag wird Genossenschaft« geht es um den mare Verlag, von dessen Bücher ich einige daheim stehen habe. Die Bücher sind toll gemacht, aber sie sind nicht unbedingt massentauglich – kein Wunder, dass ein solcher Verlag um seine Existenz ringen muss.

Der Podcast zeigt auf, wie der Verlag versucht, sich mithilfe eines Genossenschaftsmodells für die Zukunft zu rüsten. Der bisherige Verleger hat den Verlag mit Zeitschriften- und Buchtenreich in die Hände des Teams gelegt, das nun als Genossenschaft gemeinsam in die Zukunft blickt.

Ob das für die gesamte Branche eine Lösung sein kann, muss man sehen. Genossenschaften wurden in jüngster Zeit wieder beliebter; allein in Karlsruhe sind mir einige Beispiele bekannt, die anscheinend ganz funktionieren. Ich empfehle, das nicht einmal elf Minuten lange Podcast-Interview anzuhören.

17 Dezember 2025

Schluss für Halle 1.2

Zwei Jahre lang bot die Frankfurter Buchmesse eine spezielle Fläche für Fantasy, Romantasy und New Adult. Damit ist 2026 Schluss. Für 2026 hat die Messe eine komplett neue und andere Planung, es wird sich viel ändern. Nachzulesen ist das in einem Interview im aktuellen »Börsenblatt«.

Nicht alle waren mit der Halle 1.2 einverstanden. Es gab Verlage, die fanden es gut, in einer eigenen Halle zu sein, die von Phantastik und Romantik dominiert wurde, in allen möglichen Spielarten. Andere fanden es schlecht; sie fühlten sich wie abgeschoben und an den Rand gedrängt.

Dabei war das nötig geworden, nachdem im Jahr 2023 die Autogrammschlangen bei manchen BookTok-Autorinnen so lang waren, dass die Hallen lahmgelegt wurden. Deshalb wurden Romantasy und die anderen »Randgebiete« ausgelagert. In den Jahren 2024 und 2025 war die Halle 1.2 der Treffpunkt für zahlreiche Leserinnen und Leser – mehrheitlich junge Frauen –, die sich an den Ständen ihrer Lieblingsautorinnen und -verlage versammelten.

Und 2026? Alles wird in das neue Gesamtkonzept integriert. Die Romantasy und der Bereich New Adult finden sich künftig in den Hallen 3.0, 4.0, 5.0 und 6.0 wieder, also auf der ganzen Messe verteilt.

Schauen wir mal, wie das ankommt – es kann ein neues und positives Erlebnis für viele Besucherinnen werden oder viel Gerenne zwischen den einzelnen Hallen ...

16 Dezember 2025

Hirnkost geht in die Insolvenz

Den Rundbrief, den Klaus Farin seit einiger Zeit an die Freundinnen und Freunde des Hirnkost-Verlags versendet, trägt den Titel »Farins Hirnkost«. Dem Schreiben von heute entnehme ich die traurige Tatsache, dass der Verlag insolvent ist. Bei einer Gesellschafterversammlung wurde gestern beschlossen, »zum Jahresende für Hirnkost die Insolvenz zu beantragen«.

Hirnkost ist ein Verlag, dem ich in mehrfacher Hinsicht verbunden bin. Klaus Farin kenne ich seit den 80er-Jahren; das Programm des Verlags bildet mit Science Fiction und allerlei Subkulturen meine privaten Interessen ab. Es gab immer wieder Bücher, die ich richtig toll fand, leider auch Bücher, die mir nicht gefielen – aber das ist normal.

Wenn Klaus Farin nun schreibt, er habe versagt, ist das nicht richtig. Er hat einen Verlag für engagierte Literatur aus dem Boden gestampft, er hat für die Bücher gekämpft, er hat sich vernetzt und unterm Strich ein spannendes Buchprogramm herausgegeben. Man kann nicht sagen, dass Klaus Farin oder der Hirnkost-Verlag versagt hätten – es gab schlicht nicht genügend Kunden. Warum das so war und ist, möchte ich an dieser Stelle nicht analysieren; dazu kann man ja unterschiedliche Meinungen haben.

Im Moment bin ich einfach ziemlich traurig. Das sind keine guten Nachrichten so kurz vor Weihnachten. 

10 Dezember 2025

Zwölf peruanisch-bayerische Texte

Die Autorin Ofelia Huamanchumo de la Cuba stammt eigentlich aus Peru, wohnt aber seit gut einem Vierteljahrhundert in München; ihre Texte sind in deutsch- und spanischsprachigen Anthologien erschienen. Mit »Nachtschichten« liegt im Maro-Verlag nun ein Buch vor, das ein Dutzend ihrer Kurzgeschichten in ausgesprochen schöner Gestaltung präsentiert.

Die Geschichten sind angenehm kurz, man kann sie gut zwischendurch lesen. Sie spielen in Peru, aber auch in München oder Frankfurt, sie haben ganz selten einen leicht phantastischen Anflug und überzeugen zumeist. Nicht alle gefielen mir bei der Lektüre – aber das ist letztlich Geschmackssache.

Schön sind Texte, die das Thema der Fremdartigkeit behandeln. Die Autorin, eine gebürtige Peruanerin, hat beispielsweise ein anderes Verhältnis zu Meerschweinchen als ein Kind aus Deutschland, das die Tiere nur als Kuscheltiere begreift und sie nicht als Nahrungsmittel betrachtet. In anderen Texten geht es um das Benutzen von Tarot-Karten oder um den extremen Gestank, der sich in einer südamerikanischen Großstadt ausbreitet, ohne dass die Anwohner die Ursache gleich herausfinden können.

Künstler und eine spezielle Farbe, die sie benutzen, treten in dieser Storysammlung ebenso auf wie Frauen, die nachts allein durch die Straßen gehen und sich unwohl fühlen. Die Lektüre ist abwechslungsreich, die künstlerische Gestaltung zumindest interessant.

»Nachtschichten« ist durchaus lesenswert. Ob man für 120 Taschenbuchseiten in extrem großzügigem Layout und mit vielen Bildern dann allerdings zwanzig Euro ausgeben möchte, muss sich jede*r selbst überlegen. Ich habe den Kauf nicht bereut.

28 November 2025

Horror und Feminismus

Ein durchaus empfehlenswerter Podcast, der sich mit Literatur beschäftigt, kommt vom Deutschlandfunk und trägt den schönen Titel »Lesart«. Eigentlich ist es ja ein Bestandteil der Radiosendung, der hinterher als Podcast für Leute wie mich angeboten wird, die tagsüber selten Radio hören, im Auto aber gerne mal einem Podcast lauschen.

Eine der Folgen, die am 26. November angelegt wurden – »ausgestrahlt« stimmt ja nicht ganz –, trägt den Titel »Der Feminismus ist im Horrorgenre angekommen«. Der Moderator und ein Gast sprechen über das Thema, und die Unterhaltung ist wirklich interessant. 

Man könnte kritisch einwenden, ob man zum Thema Feminismus unbedingt zwei Männer miteinander reden lassen musste – gab’s da keine Frau, die sich mit dem Thema ein bisschen beschäftigt? –, und die leichte Arroganz, die mitschwingt, wenn sich Literaturleute über Phantastik unterhalten, ist feststellbar, aber insgesamt fand ich die Sendung gut.

Die Podcast-Folge ist angenehm kurz, in nicht einmal sechs Minuten ist das Thema angerissen, und am Ende hatte ich den einen oder anderen neuen Literatur-Tipp. So muss das sein!

12 November 2025

Ein Kneipenabend als Punk-Roman

Drei Männer und zwei Frauen, alle schon über fünfzig Jahre alt, sitzen an einem Tisch, essen, trinken und reden. So ließe sich der Inhalt des Romans »Geschäftsschluss« zusammenfassen, der als Hardcover-Band im Hirnkost-Verlag erschienen ist. Das klingt bei so einer nüchternen Beschreibung ein wenig langweilig, ist aber höchst unterhaltsam – wenn man sich für Punk als Lebensstil und Punkmusik als Geschäftsmodell interessiert ...

Okay, das klingt jetzt eher negativ; ich versuch's andersherum. Der Autor Jörg Ingenpaß, der bereits auf einige Veröffentlichungen zurückblickt – unter anderem bei BOD, wenn ich es richtig gesehen habe –, veröffentlichte mit »Geschäftsschluss« einen Roman, der viel über Punk aussagt und ohne jegliche Action auskommt. Zum Ausgleich packt er ein echt großes Thema an: Einer der Protagonisten des Romans hat Krebs und weiß, dass er bald sterben wird; deshalb sitzt er mit den Leuten seiner kleinen Punk-Plattenfirmen zusammen.

In den Gesprächen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln präsentiert werden, geht's um Punk und die Geschichte der einzelnen Figuren. Der Autor erzählt vom Aufstieg einer kleinen Plattenfirma, die auch bescheuerte Vermarktungstricks macht – »die abgefahrene Platte« etwa –, um sich über Wasser zu halten. Nun aber wird die Firma geschlossen – das ist folgerichtig, wenn der Gründer und Betreiber bald an Krebs sterben wird.

Der Autor charakterisiert die Figuren sehr klar; sie sind alle höchst unterschiedlich, was dazu führt, dass sie sich auch mal streiten – damit sorgt Ingenpaß für Spannung. Ich fand das unterhaltsam und mitreißend. Für Leute, die gern Punkrock hören, ist das sicher ebenso lesenswert wie für Menschen, deren Wege einmal die Deutschpunk im weitesten Sinn gekreuzt haben ...

Erschienen ist »Geschäftsschluss« als ein schön gestalteter Hardcover-Band im Hirnkost-Verlag; es gibt auch eine E-Book-Version. Einige Informationen dazu bietet die Internet-Seite des Verlags.

22 Oktober 2025

Mal sarkastischer, mal trauriger Blick auf Israel und Palästina

Wieder mal ein Roman, bei dessen Titelbild ich eigentlich keinen Blick wagen würde. Das Motiv signalisiert mir, dass es sich um ein trauriges Frauenbuch handelt. Dabei ist »Who The Fuck Is Kafka?« von Lizzie Doron ein unglaublich unterhaltsamer Roman, der sich sehr leicht liest und mit all seiner Leichtigkeit eine Reihe von schweren Themen transportiert.

Die Autorin engagiert sich in ihrem Heimatland für den Frieden und für die Aussöhnung mit den palästinensischen Nachbarn. Bei einer Konferenz in Rom trifft sie auf einen Palästinenser. Die beiden sprechen miteinander, sie streiten sich, aber sie kommen sich auch näher. Und aus ihren Streitereien wird langsam eine Freundschaft, die aber ständig auf harte Proben gestellt wird.

Für einen Palästinenser scheinen alle Israelis nichts anderes als Besatzer zu sein. Für sie als Israelin ist ein Mann aus Palästina zuerst jemand, den sie als Terrorist verdächtigt. Jeder der beiden hat in seiner Familie und in seinem familiären Umfeld allerlei Opfer der langjährigen Konflikte. Man wohnt nebeneinander und ist sich gleichzeitig unglaublich fremd.

Die Schriftstellerin Lizzie Doron schafft es, aus diesem komplexen Thema einen Roman zu machen, in dem sich – wie man schnell merkt – persönliche und biografische Erfahrungen mit allerlei Themen verbinden, die sich die Autorin ausgedacht hat. Es handelt sich also im weitesten Sinn um einen autobiografischen Roman, der harte Themen mit viel Humor verbindet.

Man kann bei den scharfzüngigen Dialogen, die sich die Israelin und der Palästinenser liefern, immer mal wieder schmunzeln, aber gleichzeitig die Verzweiflung kaum unterdrücken: Wie soll auf so einer Basis voller Hass und Misstrauen irgendwann wirklich Frieden entstehen?

»Who The Fuck Is Kafka?« ist großartig. Das Buch unterhält hervorragend, und es gibt einen Blick auf einen Konflikt wieder, der für europäische Leser wie mich weit entfernt und trotzdem sehr nah wirkt. Man muss übrigens nicht alle Ansichten teilen, die Lizzie Doron äußert – man hat ihr teilweise eine zu große Nähe zu palästinensischen Organisationen vorgeworfen –, und kann sich trotzdem von dem Buch informieren und unterhalten lassen.

Klar: Wer Grundlagen über den Konflikt im Nahen Osten haben möchte, sollte vielleicht ein Sachbuch lesen. Als spielerische Annäherung an das Thema mit sehr vielen ernsten Bezügen ist das Buch aber sehr gut geeignet.

28 Juli 2025

Weltenbau in Karlsruhe

Stephan Waldscheidt ist mir persönlich bekannt, ich habe aber noch nie ein Seminar bei ihm besucht. Trotzdem finde ich es interessant, dass der Autor und Schreiblehrer im Oktober ein Schreibseminar in Karlsruhe veranstaltet. Ich finde es vom Ansatz her gut, und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es für Leute, die gern einen Roman schreiben oder ihr Handwerk verbessern wollen, sehr positiv sein könnte.

Es läuft am 25. und 26. Oktober 2025, also an einem Wochenende, die Gruppe soll klein sein, und es geht vor allem um das große Thema Weltenbau. Daran hapert es bei vielen Romanen und Geschichten schon im Manuskript, leider auch oft bei denen, die veröffentlicht werden.

Dabei konzentriert sich das Seminar nicht auf ein bestimmtes Genre. Ich zitiere: »Ob Liebesroman oder Fantasy-Epos, historischer Krimi oder Zukunftsthriller – jede packende Geschichte braucht eine Welt, die das Drama nicht nur möglich macht, sondern geradezu erzwingt. Selbst realistische Storys, die im Hier und Jetzt spielen, profitieren von Schauplätzen, die das Feuer der Handlung entfachen.«

Da kann ich an keiner Stelle widersprechen, ganz im Gegenteil: Das kann ich alles nur unterstreichen. Informationen dazu gibt es auf der Internet-Seite des Veranstalters, den man bei Fragen eh am besten direkt anschreibt.

07 Juli 2025

Phantastisches Bilderbuch

Dass Kinder einen Blick für nicht-realistische Themen haben, den Erwachsene oft verloren haben, habe ich schon oft gesagt und geschrieben. Mit dem wunderbaren Kinderbuch »Der Hüter des Mondes« besteht die Möglichkeit, phantastische Ideen mit starken Bildern und einer wunderbaren Handlung zu vereinen.

Der Reihe nach: Die Geschichte spielt auf dem Mond, der zwar weitestgehend so aussieht wie in Wirklichkeit, aber einen wichtigen Unterschied aufweist. Jemand hat ein Gebäude auf dem Mond errichtet, in dem sich ein Schalter befindet.

An diesem Schalter sitzt ein alter Mann und arbeitet tagaus, tagein. Schnell wird klar, dass er einem Beamten oder kommunalen Angestellten ähnelt. Der alte Mann sammelt das ein, was Menschen auf der Erde nicht mehr brauchen und ablegen – vor allem aber kümmert er sich um Träume.

Diese sammelt er akribisch. Er geht sorgsam mit ihnen um, er verwaltet sie. Er möchte diese Träume und Gedanken vor dem Vergessen bewahren, denn ab und zu kommt jemand in seinen Gedanken zu ihm und möchte sie wieder haben. Die Welt des alten Mannes ist von Ruhe und Beständigkeit geprägt, aber sie verändert sich, als auf einmal ein kleines Mädchen bei ihm auftaucht und nicht mehr verschwindet.

Hartnäckig behält es seinen Platz – und so gibt es nicht nur einen alten Mann auf dem Mond, sondern auch ein kleines Mädchen ...

Beinharte Science-Fiction-Fans haben mit einer solchen Idee vielleicht ihre Probleme, weil sie sich nicht mit den Regeln der Physik und der Astronomie verbinden lässt. Aber mit Wissenschaft und Technik hat dieses phantastische Kinderbuch nichts zu tun. In »Der Hüter des Mondes« geht es um Träume und ihre Wirkungen, und es zeigt letztlich eine zarte Freundschaft, die langsam wächst.

Die Autorin Charlotte Bellière und der Illustrator Ian De Haes wohnen und arbeiten beide in Brüssel. Gemeinsam schufen sie ein Kinderbuch, das eine gelungene Lektüre bietet. Die einfühlsam erzählte Geschichte und die wunderschöne Illustration formen eine Einheit, die über die gesamte Strecke trägt. Die Geschichte ist in erster Linie für Kindern gedact, man kann sich aber auch als Erwachsener auf die Welt und ihre Ideen einlassen.

Erschienen ist das Werk als großformatiger Hardcover-Band im Carl-Auer-Verlag. Das Buch ist 56 Seiten stark und kostet 27,00 Euro. Man kann es mithilfe der ISBN 978-3-96843-052-2 überall im Buchhandel bestellen.

(Diese Rezension wurde bereits im April 2025 auf der Internet-Seite von PERRY RHODAN veröffentlicht. Ich reiche sie hier aus dokumentarischen Gründen nach.)

02 Juli 2025

Zierfische und die 90er-Jahre

Ich erzähle immer mal wieder von meinem Fortsetzungsroman, den ich für das OX-Fanzine schreibe. Er trägt den Titel »Der gute Geist des Rock'n'Roll« und spielt im Juni 1996, in der letzten Woche der Fußball-Europameisterschaft. Es geht um Punkrock und Hardcore, um Jazz und Liebe und einen mysteriösen Mann mit schwarzen Klamotten.

Meine Geschichte ist leider nicht einmal halb so lustig wie »Zierfische in Händen von Idioten«. Dieser Roman von Manuel Butt, den ich zur Zeit lese, spielt zur selben Zeit wie der meine, also auch im Juni 1996 und während der EM. 

Der große Unterschied: Während ich versuche, einigermaßen nachvollziehbar zu erzählen, wie man als Punkrocker in den 90er-Jahren langsam älter und seriöser wurde, während man gleichzeitig versuchte, den »Spirit« alter Tage zu behalten, knallt Manuel Butt in seinem Roman eine irrwitzige Geschichte raus, die mich immer wieder zum Lachen bringt.

Ich gestehe neidlos ein: Der Roman biete großartige Sommerlektüre, und er verfügt über ausreichend anarchistischen Charme. Es geht um Jugendliche, die richtig viel Mist bauen, die sich mit der Polizei anlegen, die ein Auto klauen, die durch die Gegend fahren und eigentlich ziemlich viel ziemlich falsch machen. So kann man über den Juni 1996 also auch schreiben ...

03 Juni 2025

Künstlerische Umsetzung des Literatur-Klassikers

 »Moby Dick«. der große Roman von Hermann Melville, zählt zu den Klassikern der Weltliteratur. Bill Sienkiewicz ist einer der großen Comic-Künstler überhaupt, der mit seinem visionären Stil schon viele Werke veröffentlicht hat. Was geschieht, wenn ein Künstler wie er ein großes Literaturwerk umsetzt? Die Comic-Adaption von »Moby Dick« ist als starker Hardcover-Band im Splitter-Verlag erschienen.

Man muss fair sein: Der Roman ist umfangreich, und es ist schier unmöglich, ihn in einen Comic umzusetzen, ohne dass dabei viele Details verloren gehen. Sienkiewicz entschloss sich bei seiner Arbeit offensichtlich dazu, die Romanvorlage in Fragmente zu zerlegen, aus denen er einzelne Seiten machte. Man kann der Geschichte deshalb eigentlich nur folgen, wenn man den Roman oder zumindest eine Verfilmung kennt.

Die Geschichte des Matrosen Ismael, der sich Captain Ahab bei dessen Jagd auf den Weißen Wal anschließt, wird von Sienkiewicz in Gemälde mit wenig erklärendem Text und Sprechblasen zerlegt. Die Bilder sind sehr künstlerisch, deuten oft nur Umrisse an oder geben Szenerien als farbige Gemälde wieder. Der Comic-Maler interpretiert mehr, als das er erzählt.

Es ist – wenn man so will – eine künstlerische Annäherung an ein großes Werk. Das ist dann überzeugend, wenn man den Stil des Künstlers schätzt. Das ist aber verwirrend, wenn man darauf hofft, eine Graphic Novel über einen Literatur-Klassiker zu lesen. Ich fand's gut, fremdelte zeitweise aber schon. Deshalb empfehle ich unbedingt, die Leseprobe auf der Internet-Seite des Splitter-Verlags anzuschauen.

30 April 2025

Drei Schicksale in Marseille

Die »Aldebaran« ist ein Schiff, »gestrandet« in Marseille. Aus rechtlichen Gründen darf es nicht weiterfahren, die Besatzung wird entlassen und kann nach Hause. Doch zwei Männer bleiben an Bord: der libanesische Kapitän und der griechische Erste Offizier; später gesellt sich noch der türkische Funker dazu. Zwischen dem rostigen Rumpf des Schiffes und den Straßen von Marseille finden sie alle ihr Schicksal, mal tragisch, mal positiv.

Jean Claude Izzo wurde vor allem durch seine »Marseille-Trilogie« bekannt, für die er auch Literaturpreise bekam. Mit »Aldebaran« legte er Ende der 90er-Jahre ein Spätwerk vor, das ich endlich gelesen habe: ein packender Roman über Marseille und seine Menschen, das Mittelmeer und seine Seefahrt, weit entfernt davon, ein »normaler« Krimi zu sein, eher ein Stück faszinierender Literatur, streckenweise durchaus grob, dann aber doch voller Mitgefühl für die einzelnen Figuren.

Der Autor bleibt in seinem Roman, der sich flott lesen lässt, immer dicht an seinen Figuren dran, geht streckenweise tief in ihr Inneres hinein, wechselt dabei munter die Erzählperspektive – aber das macht er gekonnt, so dass ich damit gut klarkomme – und schafft es so, auf den vergleichsweise wenigen Seiten ein Sittenbild seiner Figuren und ihres Umfeldes zu zeichnen.

Dieses Sittenbild ist streckenweise heftig, unter anderem werden zwei Vergewaltigungen thematisiert. Sie werden nicht ausführlich geschildert, aber sie sind eindeutig genug.

Auf der anderen Seite schreibt der Autor immer wieder über die Liebe. Der Kapitän verzehrt sich nach seiner Frau, die er zurückgelassen hat und zu der er wohl nie zurückkehren wird. Die Ehe des Ersten Offiziers ist bereits zerbrochen, und in Marseille will er eine alte Liebe wiederfinden. Und der junge Funker, der nicht weiß, wohin er mit seinen Gefühlen soll, lässt sich in einer wirren Verliebtheit auf dumme und gefährliche Dinge ein.

Alles in allem ist »Aldebaran« ein sehr dicht erzählter Roman, der streckenweise zwar ein wenig grob ist, ansonsten aber die großen Gefühle ins Zentrum stellt und eine Stadt porträtiert. Ich fand ihn klasse.

(Erschienen ist er im Unionsverlag. Ich habe die Hardcover-Version, die schon vergriffen ist; es gibt ihn aber als Taschenbuch sowie als E-Book.)

25 April 2025

Subkultur bei Hirnkost

Über den Hirnkost-Verlag und sein umfangreiches Buchprogramm habe ich schon einige Male geschrieben. Aktuell freut mich wieder einmal sehr, was der Verlag alles an Büchern über Punkrock und andere Subkulturen veröffentlicht. Darüber informiert ein aktuelles Faltblatt vor, das den schlichten Titel »Subkultur« trägt.

Vorgestellt werden Sachbücher über Punk in der DDR, es gibt eine Seite, die »Schmöker« übertitelt ist – dort finden sich auch zwei meiner Bücher –, und natürlich gibt es Bücher zur Punk-Historie. Wichtig ist bei all diesen Titeln: Sie wurden nicht von Doktoren und Professoren geschrieben, die die jeweiligen Szenen von außen oder gar von oben betrachteten, sondern von den Menschen, die in den jeweiligen Szenen aktiv sind und waren.

Der Flyer lohnt sich; den schaut man sich gern an. Noch besser ist natürlich, sich die Bücher zu besorgen und sie zu lesen!

14 April 2025

Zahlen zu einem Phänomen

Viele kluge Leute schreiben seit einiger Zeit über das Phänomen #BookTok. Wer davon noch nie gehört hat, dem fasse ich es hiermit zusammen: Es handelt sich nicht um ein »neues Programm« oder gar eine »neue Anwendung«, wie besonders kluge Leute schon formuliert haben, sondern um einen »Namen«, wenn man es genau nimmt, unter dem auf der Videoplattform TikTok über Bücher gesprochen wird.

Mittlerweile gibt es in den Buchhandlungen ganze Tische mit den neuen #BookTok-Veröffentlichungen. #BookTok-Bestsellerlisten sollen Orientierung schaffen, aber ich habe das Gefühl, dass sich diese Listen vor allem an den Buchhandel richten, nicht an die Kundschaft.

Und die ist nicht so jung und so weiblich, wie man bislang dachte. Die Zeitschrift »Börsenblatt« hat einige Zahlen geliefert, die ursprünglich von MediaControl und von TikTok direkt kommen. Spannend finde ich eine Zahl: Rund 50 Millionen Beiträge unter dem Hashtag #BookTok wurden mittlerweile hochgeladen – das ist schon sehr viel.

2023 wurden allein in Deutschland rund zwölf Millionen Bücher verkauft, die über #BookTok empfohlen worden sind. 2024 waren es dann schon mehr als 25 Millionen Bücher. Wer auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig war, sah auch direkt, was das bedeutet: Immer mehr Verlage springen auf diesen Zug auf.

2023 betrug der Frauenanteil bei #BookTok noch 83 Prozent, 2024 sank er auf 75 Prozent. Man kann also von einem Viertel Männer ausgehen, die sich dafür interessieren. Die Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren ist übrigens mit 30 Prozent vertreten; es sind also nicht nur die ganz jungen Leute, die sich für Bücher unter dem Hachtag #BookTok interessieren.

Und welchen Schluss zieht man jetzt daraus? Das mag bitteschön jeder Mensch für sich selbst entscheiden. Vielleicht den hier: Manche Vorurteile halten sich hartnäckig und stimmen nicht immer zu hundert Prozent …