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31 Juli 2026

Boomer saufen weniger

Ein Artikel in der »Wirtschaftswoche« belegt, dass immer weniger alkoholische Getränke konsumiert werden. Der Rückgang betreffe vor allem meine Generation, also die Boomer, auf die man sich bisher verlassen konnte: Unsereins hat schließlich immer gesoffen. Das aber lässt deutlich nach.

Man bezieht sich dabei auf eine Studie eines Marktforschungsunternehmens, das der Getränkebranche zuarbeitet; angeblich wurden mehr als 32.000 Leute befragt. Immerhin 71 Prozent der Boomer haben im vergangenen Halbjahr Alkohol konsumiert; das sind zwei Prozent weniger als vor drei Jahren.

Der Vergleich ist spannend: Bei der sogenannten Generation Z – also bei den jungen Leuten – sei die Quote auf 74 Prozent gestiegen; vor drei Jahren waren es da noch 66 Prozent. In der gesamten erwachsenen Bevölkerung konsumieren 76 Prozent alkoholische Getränke.

Auffallend ist der starke Rückgang – generell – beim Bier. Es scheint sich, so vermuten auch die Marktforscher, ein Trend zu mehr Gesundheit abzuzeichnen; deshalb sei Alkohol nicht mehr ganz so üblich.

Ich finde das interessant: In meinem sozialen Umfeld war der Konsum von Alkohol stets normal. Man trank schon als Jugendlicher viel Bier, aber auch Schnaps; später ging man zu Wein und feineren Alkoholika über. Betriebs- oder Geburtstagsfeiern ohne Sekt und sonstige alkoholische Getränke waren undenkbar, zum Abendessen gehörten ein Bier oder ein Wein immer dazu. Von Konzerten und anderen Freizeitvergnügungen ganz zu schweigen.

Es zeichnet sich ein Wechsel ab. Und das bei konservativen Leuten, die schon »über die 60« sind. Spannend …

26 Januar 2026

Gasthaus unter neuer Leitung

Seit ich in der Weststadt von Karlsruhe wohne, zählt der Gutenbergplatz zu den Ecken des Viertels, die ich gerne besuche: Die alten Häuser um den Platz machen einen schönen Eindruck, der Markt ist immer einen Besuch wert, und die eine oder andere gastronomische Einrichtung laden zu einem Besuch ein.

An einer Seite des Platzes befindet sich mit dem »Gutenberg« ein Gasthaus, in das ich seit vielen Jahren immer wieder einkehre. Im Sommer kann man im Biergarten oder an Tischen »auf der Straße« sitzen; ansonsten laden die Innenräume ein. Und weil die bisherigen Inhaber nach langem Engagement aufgehört hatten, war ich sehr gespannt darauf, wie sich das Gasthaus verändern würde.

Wie sich bei einem Besuch dieser Tage herausstellte: So viel haben die neuen Inhaber nicht geändert. Es gibt neuerdings ein Sofa im Gastraum, und einige dekorative Bilder wurden gegen neuen Wandschmuck ausgetauscht; auch die Karte wurde angepasst.

Klassiker wie die Fleischgerichte und die von mir sehr geschätzten Käsespätzle sind geblieben. Einige neue Gerichte mit eher mediterranem Einschlag ergänzen die Karte.

Interessant finde ich, dass man auf das Prinzip Tapas setzt: Ich kann mehrere kleine Gerichte bestellen, die man auf dem Tisch platziert und untereinander fleißig austauscht. Ich kann aber auch, wenn ich will, einfach eine Vorspeise und ein Hauptgericht zu mir nehmen.

An der Qualität hat sich nichts geändert; das Essen und die Getränke schmecken immer noch sehr gut. Der Service macht seine Aufgabe ordentlich, die Stimmung im Gasthaus ist gemütlich, und nicht einmal der laute Stammtisch hinter mir konnte mir die Laune verderben.

Ich würde sagen: Für mich ist der Neustart des »Gutenberg« gelungen. Mal schauen, wie es im Sommer wird, wenn die Biergartensaison anfängt ...

08 Januar 2026

Amarone zum Start

Das muss ich noch nachtragen: Der Start ins Jahr 2026 verlief für mich sehr ruhig und entspannt. Es gab keine Knallerei und keine Alkoholexzesse – das sieht alles nach Belegen dafür aus, dass ich echt alt geworden bin.

Aber zum Start ins neue Jahr bot es sich an, im Keller einen Rotwein aus dem Regal zu fischen, den ich 2008 gekauft hatte, damals »vor Ort«, also direkt im Weinkeller im Valpolicella-Gebiet. Von den damals gekauften Kartons ist nicht mehr so viel übrig – aber diese Flasche war einfach gut für den Start geeignet.

Ein Wein, der aus dem Jahr 2006 stammt, ist 2026 durchaus riskant. Aber ich war sehr beruhigt: Er schmeckte immer noch gut, fast schon wuchtig. Hoffen wir, dass »wuchtig« nicht das zentrale Wort für 2026 sein wird!

08 Dezember 2025

Ein Glückskeks-Orakel

Wer im einen oder anderen chinesischen Restaurant isst, wird am Ende der Mahlzeit mit einem Glückskeks beglückt. Ich gehöre zu den Leuten, die diese Kekse nicht nur essen, sondern auch mit Interesse lesen, was auf den Zetteln steht, die darin enthalten sind. 

Seit vielen Jahren träume ich davon, endlich einmal eine dieser legendären Warnungen zu erhalten. »Hilfe, ich werde in einer Glückskekse-Fabrik gefangengehalten!« Bisher ist das nicht geschehen. 

Mein anderer Traum ist ja immer noch, Texter in einer Glückskekse-Fabrik zu werden. Das muss sich ja jemand ausdenken, und wenn ich dieser Jemand wäre, könnte ich glatt philosophisch werden. 

Solange diese beiden Träume nicht erfüllt werden, halte ich mich an den Glückskekse-Texten fest, die ich eben erhalte. In diesem Fall: »Iss nach Belieben, aber trinke mit Maß«. Da nirgends steht, welches Maß einzuhalten ist, übersetze ich diesen Spruch damit, dass ich weiterhin essen und trinken kann, wie mir beliebt. 

Wenn das mal nicht ein wunderbares Orakel für mich ist!

04 Dezember 2025

Der Beginn der Suppenzeit

Ich bin, was die Ernährung und das Trinken angeht, stark von den Jahreszeiten abhängig. Das geht anderen Leuten auch so, schon klar. Im Sommer trinke ich gern ein Kristallweizen, weil das so schön erfrischt, oder auch einen leichten Weißwein. Im Winter greife ich eher zum Pils oder zum Rotwein.

Im Sommer ist mir oft ein leichter Salat lieber. Allerdings kann man mich mit Pizza oder Käsespätzle trotzdem immer kriegen; da bin ich also sehr inkonsequent. Im Winter stehe ich auf jeden Fall auf Suppen. Und so begann in diesen Tagen wieder die Suppenzeit.

Der Asia-Supermarkt in unserer Stadt, in Spaziergang-Entfernung von meiner Wohnung, wird dabei immer wichtiger. Ich bin noch nicht so weit, dass ich ein Stammkunde wäre, und niemand dort kennt mich – aber ich bin immer öfter dort und kaufe allerlei Dinge fürs Haus.

Und manchmal kommt sogar etwas dabei heraus, was sehr lecker ist. In diesem Fall eine Pho, zumindest das, was unsereins nach vietnamesischem Rezept hinbekommt. Ob der Sake jetzt wirklich so genau dazu passt, weiß ich nicht – aber für schnöselige Süddeutsche schmelzen Vietnam und Japan zu einer asiatzischen Kücheneinheit zusammen.

Lecker war's allemal. So. Und nun können die anderen Suppen zackig folgen. (Heute abend Blumenkohl?)

11 November 2025

Der Hype um die Zimtschnecke

Als Kind mochte ich – wie alle anderen Kinder auch – die Backwaren, die meine Mutter persönlich herstellte, besonders gern. Wenn sie Schneckennudeln backte, freute ich mich schon, während der Duft durch das Haus waberte, und ich hoffte immer darauf, die erste Schneckennudel noch lauwarm essen zu können.

Das ist lange her, und die Erinnerung der Kindheit wird so langsam überspült von dem, was in den meisten deutschen Bäckereien als Schneckennudel angeboten wird. Das sind oft irgendwelche Backwaren, auf denen gefühlt ein halbes Pfund Zuckerguss lagert und die nicht ansatzweise so schmecken wie die Schneckennudeln meiner Kindheit.

Seit einiger Zeit aber gibt es hierzulande eine andere Art von Backgerichten; sie erinnert entfernt an die Schneckennudel meiner Mutter, heißt aber anders. Gemeint sind die Zimtschnecken, die es mittlerweile in immer mehr Bäckereien gibt. Ihr Teig ist luftiger, die Zimtdosis ist hoch. Sie schmecken anders als die meiner Mutter, aber sie sind auf ihre Art sehr lecker.

Interessant finde ich: Vor fünf, sechs Jahren noch waren mir diese Zimtschnecken unbekannt. Entweder nahm ich sie nicht wahr, was ja durchaus sein kann, oder sie haben sich erst im Zuge der neuen »Hygge«-Welle durchgesetzt. Sie kommen mir vor wie so ein überraschend aufgetauchter Superheld, der mich immer wieder neu beeindruckt – ich prüfe gern in fremden Bäckereien, was die an »Cinnamons« anzubieten haben.

Kann es sein, dass ich einem Hype aufgesessen bin, dass ich gar bei einem Hype mitmache? Wenn diese Art von Zimtschnecken ein neuer Trend oder Hype sind, ist mir das aber egal: Ich finde sie lecker, und ich freue mich stets, wenn ich davon besonders gute bekomme ...

Endlich mal ein Hype für mich!

04 September 2025

Bei Manu auf der Straße

Wir waren ein bisschen hungrig und wollten vor allem etwas trinken. Die vielen Restaurants, Cafés, Bistros und Brasserien im Gassengewirr von Nantes sprachen uns zwar an, verwirrten uns aber auch: Wo sollte man sich da hinsetzen, wo würde es denn wirklich gut schmecken? Als wir in einer kleinen Straße an »Chez Manu« vorbeikamen, guckten wir interessiert, spazierten dann zuerst weiter und kehrten nach wenigen Metern wieder um: Das sah doch interessant aus!

Einige Tische standen auf der Straße, an denen Leute saßen, miteinander redeten, viel lachten und tranken. Im Innern der klein wirkenden Räumlichkeiten war niemand. Aber der erste Eindruck war der eines Ortes, an dem die Stimmung gut und die Gäste trinkfest waren.

»Chez Manu« war das, was meiner Vorstellung von einer Wein-Bart am nächsten kommt. Der Besitzer erwies sich als großer Mann mit Bauch und längeren grauen Haaren, der viel lachte und viel Wein trank, der ständig rauchte und mit allen Gästen gleichzeitig im Gespräch zu sein schien. Er trug ein verwaschenes schwarzes T-Shirt mit dem Logo einer Metal-Band, eine Jeans, deren Schwarz bereits verblichen war, und schwarze Stiefel, die in ihrem früheren Leben vielleicht einmal bei einer Armee zum Einsatz gekommen waren.

Der Wein, den er ausschenkte, war sehr gut, nicht unbedingt preiswert. Man konnte bei ihm natürlich auch ganze Flaschen bestellen, wir hielten uns an kleine Gläser mit Weißwein aus der Region und tranken uns vorsichtig durch die Karte. Wasser zum Trinken gab es keins: Er habe doch hier eine Wein- und keine Wasser-Bar, machte Manu uns klar.

Immerhin gab es zu essen: Wir bestellten einen Teller mit Käse, mehr nicht. Was wir bekamen, war ein großes Vesperbrett mit leckeren Käsestücken aus verschiedenen Regionen Frankreichs, die wir uns probieren konnte und die allesamt überzeugten. Dazu reichte er Brot, bei dem er auch nachlieferte, nachdem wir das erste Körbchen leergefuttert hatten. Am Ende waren wir pappsatt.

Es war ein richtig schöner Abend vor dieser Weinbar. Wir lachten viel, wir aßen und tranken, die Flugzeuge donnerten dicht über unsere Köpfe hinweg – zumindest gefühlt –, und irgendwann gewöhnten wir uns fast schon an sie. Der Weg zurück zum Hotel war dann nicht ganz einfach, glückte aber.

26 Juni 2025

Lobgesang aufs Minestrone

Wir saßen auf der großzügigen Terrasse des »Minestrone«; es war ein sonniger Abend, und Karlsruhe präsentierte sich von seiner besten Seite. Vor allem das »Minestrone« gefiel mir gut, in dem es war gelegentlich Konzerte gibt, das ansonsten aber ein kleines Restaurant mit übersichtlicher Speisekarte und guten Getränken ist. Vor allem aber gefiel mir die Umgebung.

Von unten dröhnte ein Schlagzeug, immer wieder hörte man das Publikum, das tobte und schrie und hüpfte. Eine Metal-Band ließ es ordentlich krachen; das »Substage« zu unseren Füßen war ausverkauft.

Blickte ich geradeaus, sah ich auf das Dach des »Aurum«. Weiß gekleidete Leute standen zwischen Stühlen und Tischen herum, einige DJs liefen sich noch warm; irgendwann würde die Afterwork-Party in eine Techno-Party umgehen, die bereits angekündigt worden war und die dann ein anderes Publikum anziehen würde.

Hätte ich mich umgedreht, hätte ich das Gottesauer Schloss gesehen, das sich praktisch hinter mir erhob. In seinen Räumlichkeiten war unter anderem die Musikschule untergebracht; dort wurden professionelle Musiker ausgebildet – in klassischer Musik natürlich.

Und hätte ich versucht, ein bisschen ums Eck zu gucken, hätte ich auf die »Alte Hackerei« hinunterblicken können. Die kleine Punkrock-Bar, in der ich selbst schon viele Konzerte besucht hatte, die an diesem Abend aber kein Konzert anbot.

Ich liebte es, das »Minestrone« zu besuchen und diese Atmosphäre zu genießen. So viel Musik, so viel Vielfältigkeit! Das war einer der Abende, an denen ich bemerkte, wie gern ich in Karlsruhe lebte …

06 Mai 2025

In Auerbachs Keller

Es gibt in Deutschland allerlei Legenden und sagenumwobene Orte. Der Mummelsee aus meiner Schwarzwald-Heimat gehört dazu, aber auch Auerbachs Keller in Leipzig, der schon vor Jahrhunderten zu literarischen Ehren kam. Ich schaffte es aber nie, das Lokal zu betreten, obwohl ich seit den späten 80er-Jahren einige Dutzend Male in Leipzig war.

Unlängst schaffte ich es doch. Ich hatte eine gewisse Angst vor dem Lokal, weil ich befürchtete, in eine Touristenfalle zu geraten. Aber ich wurde angenehm überrascht.

Das Kellergewölbe war groß, zahlreiche Tische standen um die wuchtige Säulen herum, und alle waren besetzt. Weil so viele Leute anwesend waren, herrschte eine ziemliche Lautstärke; wer sich unterhalten wollte, musste also laut sprechen und erhöhte damit den Lärmpegel noch weiter. Aber damit musste man wohl rechnen, wenn man das Lokal betrat.

Was die Ausstattung angeht, so orientiert man sich an klassischen Vorbildern: Es gibt viel Holz zu sehen, und der Keller sieht wirklich aus, als stamme er vom Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts oder sei tatsächlich noch viel älter. Modern oder cool sah in diesen Räumlichkeiten nichts aus, aber damit war nicht zu rechnen. Letztlich sind es ja Fotomotive für die Touristen, zu denen wir an diesem Abend faktisch gehörten.

Das Bier schmeckte gut, die Weine probierte niemand an unserem Tisch. Aber das Essen fand ebenfalls seine Zustimmung: Unter anderem wurden die Wildschweingerichte sehr gelobt. Ich als Vegetarier fand aber mein Nudelgericht, das ich auf den Tisch gestellt bekam, sehr lecker. Da gab es nichts zu meckern – das war eine sehr ordentliche Gasthausküche, bei der ein pragmatischer und flotter Service zum positiven Gesamtpaket passte.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mal wieder in dieses Kellergewölbe hinabsteigen werde. Schließlich gibt es in Leipzig genügend andere Lokale, in denen man zu Abend essen kann. Bereut habe ich es aber nicht.

14 Januar 2025

Elementare Erde

Am Sonntag ging es wieder zu einem Überraschungs-Menü ins »Fünf«; diesmal ging es innerhalb der Reihe »Region: Elementar« um das Element Erde. Ich hatte die vegetarische Version, die sehr gut war. Aber auch die fleischige Variante sah sehr ansprechend aus: Unter anderem gab es Steak vom Wildschwein.

Verblüffend fand ich den Rotwein. Bei Dornfelder aus der Pfalz hat man ja eine gewisse Erwartung, die in diesem Fall aber nicht erfüllt wurde. Der Wein erinnerte eher an einen sehr kräftigen Merlot aus Südfrankreich als an einen Dornfelder – klar, das macht der Barrique-Ausbau. Interessant war es trotzdem.

Auffallend war, wie viele Leute wir »vom Sehen her« kannten. Mit einigen Leuten war ich auf Demonstrationen gewesen, andere hatte ich schon im Pogo umgeschubst. Mehrheitlich herrschten mittlerweile graue Haare vor; »wir sind halt gemeinsam alt geworden«, wie nüchtern formuliert wurde.

03 Dezember 2024

Ein fischiges Menü

Seit wann ich Vegetarier bin, weiß ich gar nicht mehr. Ich erinnere mich dunkel daran, dass es um 1993 herum anfing, nachdem vorherige Versuche gescheitert waren. War ich als Reisender in afrikanischen Ländern unterwegs, aß ich allerdings immer, was ich eben bekam, und diskutierte nicht herum – ein Bekannter bezeichnete mich damals sarkastisch als »Euro-Vegetarier«, womit er nicht unrecht hatte.

Mittlerweile esse ich sogar regelmäßig Fisch, was ich lange Zeit vermied. Totes Tier ist schließlich totes Tier. Aber so einmal im Vierteljahr lasse ich mich dazu überreden; es soll ja auch gesund sein und hilft bei irgendwelchen Vitamin-B12-Haushalten. Und so ging ich mit großem Vergnügen zum Menü-Abend ins »fünf«.

Es war alles köstlich: die Dekoration, das Essen, der Wein, die Gespräche. Es war ein wunderbarer Abend, zugleich der erste Menp-Abend im »fünf«. Diesmal ging's um Wasser; mal schauen, was bei den anderen Elementen serviert und präsentiert wird ...

16 September 2024

Wein aus Slowenien

In diesen Tagen fühle ich mich, als sei der Herbst schon wirklich angebrochen. Es regnet, es ist kühl, die Menschen sind mit dicken Jacken, Wollmützen und Schals unterwegs. Dabei ist doch zumindest kalendarisch immer noch Sommer angesagt.

Bloß gut, dass es daheim die eine oder andere Flasche Wein gibt. Konkret: Wein aus Slowenien, vom Weingut Guerila – der geht langsam zur Neige, was ich schon jetzt traurig finde. Er ist schwer zu beschreiben, schmeckt einfach anders als ein Riesling, Burgunder oder Chardonnay.

Mit einem schönen Glas Wein, der an den Frühsommer 2022 erinnert, lässt sich die beginnende Herbst-Depression zumindest teilweise vertreiben. Finde ich ...

09 September 2024

Ein Abend bei Margarete

Wer in Karlsruhe auf »gehobenem Niveau« essen gehen möchte, hat mit dem Restaurant »Sein« eine hervorragende Wahl. Das Restaurant ist keine 500 Meter von meiner Wohnung entfernt, und wir waren dort schon zweimal: Das erste Mal aßen und tranken wir dort, als das Team noch keinen Stern hatte; beim zweiten Besuch hatten sie schon ihren ersten Stern ergattert. Mittlerweile hat das »Sein« zwei Sterne, und ich fürchte, dass es damit außerhalb meiner finanziellen Vorstellungen ist.

Aber das »Sein«-Team hat direkt nebenan – es gibt sogar eine Zwischentür – eine »einfachere Version« von sich eröffnet, das »Bistro Margarete«, dem wir dieser Tage einen Besuch abstatteten. Wir tranken eine Flasche Wein, die lecker schmeckte und nicht zu teuer war, und wir aßen jeder ein selbst zusammengestelltes Menü.

Wenn ein Bistro quasi das Anhängsel eines Zwei-Sterne-Restaurants ist, erwarte ich entsprechende kulinarische Höhenflüge. Das war an diesem Abend auch der Fall: Die Suppe war wunderbar, das Maultaschengericht eine tolle Abwandlung regionaler Küche, und die Zwischengänge sowie Grüße aus der Küche waren klasse.

Was mir besonders gefiel, war der nette Umgangston mit den Gästen, also mit uns. Wir wurden geduzt, völlig selbstverständlich, und es wirkte nicht aufgesetzt, sondern nett. Die beiden Menschen, die in dem Bistro arbeiteten, erwiesen sich als zugänglich und gaben beispielsweise eine sehr brauchbare Weinberatung.

Alles in allem ein wunderbarer Abend! Und eine Empfehlung für Leute, die mal »auf gehobenem Niveau« in Karlsruhe essen gehen wollen, ohne hinterher völlig verarmt zu sein. Gern wieder!

25 Februar 2024

Israelisch in Frankfurt

Das Restaurant ist klein, und es liegt in einem Gebiet von Frankfurt, in dem Wohnhäuser das Bild bestimmen: Dieser Tage war ich zum ersten Mal im »Jaffa Market«, einem israelischen Restaurant im Westend der Main-Metropole. Ich fand das Essen lecker, und ich kann das Lokal empfehlen.

Wobei ich nichts zur Weinkarte und dergleichen sagen kann: Es war am Mittag, und da verzichte ich meist auf Alkohol. Aber das Essen schmeckte: Wir gönnten uns je eine Suppe und je ein Hauptgericht; dazu gab's Wasser, Saft oder alkoholfreies Bier. Und einen Nachtisch gab's ebenfalls. 

Wie die Gerichte hießen, merkte ich mir nicht unbedingt; wer mag, kann sich ja die Speisekarte anschauen. Wir probierten gegenseitig, und ich fand alles lecker. (Wie Fleischgerichte sind, weiß ich logischerweise nicht.)

Die Räumlichkeiten sind schlicht, hier wird nicht geprotzt. Das kann man in Frankfurt ja auch anders haben; in der Stadt trumpfen manche Lokale rein optisch unglaublich auf. Das »Jaffa Market« bietet halt Tische und Stühle, im Sommer kann man draußen sitzen, und durch die große Scheibe kann man das überschaubare Treiben einer Wohnstraße betrachten.

Eine Unisex-Toilette entspricht sicher nicht dem Geschmack aller Leute, als Musik lief irgendwas aus dem Radio. Die Preise selbst sind – für Frankfurt sicher normal – nicht im Niedrigpreis-Sektor.

Ich würde einen Besuch im sympathischen »Jaffa Market« jederzeit wiederholen. Vielleicht steuere ich das Lokal im Rahmen der nächsten Buchmesse an; es ist eine echte Alternative. (Eine Viertelstunde zu Fuß ...)

10 November 2023

Original indisch

Ich kann wohl nichts dafür, ich habe einen eingebauten »Schreibfehlersucher«. Der hilft leider nur bei fremden Texten, bei eigenen Texten werde ich nie so richtig fündig. Aber manchmal sehe ich Plakate, bei denen es mich juckt, den Rotstift zu zücken und Korrekturzeichen anzubringen – glücklicherweise benutze ich als Redakteur nie einen Rotstift und habe auch nie einen in der Tasche.

Aber seit Wochen sehe ich in Karlsruhe immer wieder eine Aufschrift, und ich muss jedes Mal grinsen. Mir ist schon klar, was die Leute, die das Lokal betreiben, mit ihren drei Zeilen meinen, aber die »Original Indische Cousine« finde ich trotzdem sehr lustig …

08 August 2023

Flughafenhotel mit Waldblick

Wer vom Flughafen Düsseldorf aus in die weite Welt fliegen möchte und das Pech hat, dass die Reise schon in aller Herrgottsfrühe anfängt, kann sich verschiedene Optionen aussuchen. Die eine davon wählte eine Reisegruppe aus Süddeutschland, die ich lauthals klagen hörte: »Wir sind schon seit Mitternacht am Flughafen und warten immer noch« – sie mussten also die Stunden im Gebäude verbringen und saßen neben ihren Koffern, die sie noch nicht hatten aufgeben können, auf dem Fußboden herum.

Die andere Möglichkeit wählten wir: Wir fuhren in aller Ruhe am Vortag nach Düsseldorf und nahmen uns ein Zimmer im Hotel direkt am Flughafen. Es stehen mehrere zur Wahl, wir entschieden uns für das Sheraton, über das wir nicht viel wussten. Aber die Lage war sensationell: Wir fuhren mit der S-Bahn zum Hotel, und von dort aus hatten wir nur einen Spaziergang durch eine Garage, um in den Flughafen zu kommen.

Das Hotel befindet sich auf nur einer Etage, die Zimmer sind in einem riesigen Halbkreis angeordnet. Von den Fenstern aus sieht man entweder auf den Flughafen oder auf dessen Ränder; Romantik ist etwas anderes. Aber das war mir ja egal.

Interessant war das Restaurant. Das hat den hübschen Namen »Otto«, das Essen dort ist sehr ordentlich, und man genießt einen schönen Blick. Dieser fällt nicht auf den Flughafen, sondern richtet sich in die Ferne: bewaldete Hügel, vereinzelte Häuser. Dass man sich in der Nähe der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen aufhält, fällt einem da kaum auf.

Ich werde sicher nie ein Fan des Sheraton-Hotels werden. Für einen Aufenthalt am Flughafen von Düsseldorf fand ich es großartig.

18 Juli 2023

Bei Arnold in Offenburg

Am Rand der überschaubaren Fußgängerzone in Offenburg – bekannt als Sitz des Burda-Verlags, ansonsten zwischen Karlsruhe und Freiburg in der Rheinebene gelegen – findet man ein schönes kleines Café, dessen Besuch ich an dieser Stelle empfehlen möchte. Gemeint ist das Café Arnold, das sich auch als Kaffeemanufaktur bezeichnet, weil die Firma ihre Kaffees selbst röstet.

Um es vorwegzunehmen: Der Kaffee, den die Leute in dem Café anbieten, schmeckt sehr gut. Man bekommt auch nicht irgendwas eingeschenkt, sondern wird vorher nach den Vorlieben gefragt. Dazu kann man sich einen Kuchen gönnen und eine Limonade, und auf einmal sitzt man am Rand der Fußgängerzone und fühlt sich fast wie daheim.

Tatsächlich ist das Café recht verspielt eingerichtet. Die Möbel wirken alt, aber nicht verratzt, und die Einrichtung wirkt klassisch, aber nicht altmodisch. Das Café verströmt den Charme der »guten alten Zeit«, auch wenn es sonst nicht den Charakter eines »Oma-Cafés« hat. Und das ist in diesen Zeiten doch ausgesprochen nett – gern mal wieder!

11 Mai 2023

Essen und Müllen

Wieder einmal saß ich beim »Currymobil« im Zelt. Ich war allein, aß mein indisches Gericht mit viel Erbsen und einer kräftigen Soße und las dabei die Tageszeitung. Das Wetter war angenehm, und ich genoss die Pause.

Am Nachbartisch entstand Bewegung. Eine Gruppe von Schülern ließ sich lautstark nieder: sechs Jungs um die 16 Jahre, die ein Essen und ein Getränk gekauft hatten und nun miteinander aßen. Da ich fremde Gespräche gut ausblenden konnte, wenn ich das wollte, nahm ich ihr Gespräch nicht wahr.

Bis mir auffiel, dass sie alle »Mitnahme-Essen« hatten. Im »Currymobil« kann man vor Ort essen – man bekommt einen Teller und eine Schüssel, und in der Schüssel sind eine tüchtige Portion Reis mit allerlei Soße und Gemüse oder Fleisch dazu. Wer »zum Mitnehmen« bestellt, erhält einen Faltkarton, den man hinterher in den Müll wirft.

Ich ertappte mich bei dem Gedanken, dass ich mich über die jungen Leute ärgerte. Sie saßen direkt neben dem »Currymobil« und sorgten für zusätzlichen Müll. Das ist doch alles andere als ökologisch korrekt, schimpfte ich in Gedanken.

Bis ich mich an den Sommer 1981 erinnerte. Mit Viktor saß ich im großen »McDonald’s« in Stuttgart, keine 200 Meter vom Hauptbahnhof entfernt. In meinem Schwarzwaldstädtchen gab es so moderne Dinge wie einen »McDonald’s« noch nicht, und so war der Besuch in diesem Fresstempel eine Sensation für mich.

Seine Mutter hatte irgendwelche Coupons des schottischen Spezialitäten-Restaurants, und dank ihrer Hilfe konnten wir uns gratis den Magen füllen. Also aßen wir Unmengen von Pommes frites und allerlei Burger; wir tranken auch einiges. Am Ende saßen wir zu zweit vor unserem Tisch und starrten begeistert auf den riesigen Berg Müll, den wir produziert hatten. Das fanden wir toll.

Und während ich mich daran erinnerte, schämte ich mich ein wenig für meine kritischen Gedanken über die jungen Leute am Nachbartisch …

24 März 2023

Essen wie in einem Raumschiff

Als ich die Fotos des Restaurants sah, wusste ich, dass ich es unbedingt betreten musste: Auf seiner Internet-Seite inszeniert sich das »Fuji Yama« in Nürnberg, als stamme es aus einem anderen Jahrhundert oder gar von einer fremden Welt – eine Innenarchitektur, die ich vom ersten Eindruck her faszinierend fand.

Wir bekamen einen Platz, sogar am Fenster, und aßen dort an einem eher regnerischen und kühlen Abend miteinander. Das Lokal entpuppte sich als typisch für diese modernen Restaurants, die derzeit »asiatische Küche« mit einem weiten Spektrum anbieten, wie es offensichtlich derzeit in Deutschland populär ist. Man bekommt allerlei Arten von Sushi, aber eben auch vietnamesische und andere Gerichte.

Was wir bestellten, schmeckte gut. Der Sake passte dazu, auch der Nachtisch war lecker. Der Service war angenehm, die Lautstärke im Lokal stets von einer Art, wie man sie gut ertragen konnte. Alles war sehr ordentlich, kein Grund zur Kritik – gleichzeitig aber nicht auf einem auffallend hohen Niveau.

Letztlich überzeugte die Atmosphäre: Das »Fuji Yama« erwies sich als ein schön gestaltetes Restaurant, in dem ich mich gerne für zweieinhalb Stunden aufhielt. Als Science-Fiction-Fan isst man halt gern in einer Lokalität, die den Charakter eines Raumschiffs hat …

12 Dezember 2022

Kein Sauerbraten

Auf einmal stand der junge Mann am Tresen und sprach einen der Kellner an, der gerade einen Tisch abräumte und ein Tablett mit Gläsern abstellte. »Entschuldigen Sie bitte«, sagte er sehr höflich. »Haben Sie keinen Sauerbraten mehr?« Er hatte einen Vollbart und kurzgeschnittene Haare, trug eine sehr helle Hose und weiße Schuhe, dazu einen hellen Pullover, angesichts des grauen Wetters vor der Tür eine mutige Wahl der Kleidung.

Der Kellner sah ihn an, offensichtlich einen Augenblick verwirrt. »Sauerbraten?«, fragte er dann zurück. »Warum? Der steht doch nicht auf der Karte.«

Weil wir an der Theke saßen, bekamen wir manche Dinge besser mit, als wenn wir einen Tisch in der Ecke gehabt hätten. Das fand ich spannend. Ich löffelte meine Kartoffelsuppe, ich trank mein Bier, und ich lauschte dem Gespräch über den Sauerbraten.

Im »Fränk'ness«, einem Lokal in der Innenstadt von Nürnberg, das sehr hell und großzügig wirkte und dessen Ausstattung sich als eine Mischung aus Industrie-Design und lockerem Restaurant präsentierte, hatte ich allerlei Fleischgerichte auf der Karte entdeckt und war als Vegetarier ein wenig ins Grübeln geraten. Einen Sauerbraten hatte ich nicht bemerkt, aber ich hatte auch nicht danach gesucht.

»Ich war schon einmal bei Ihnen«, erzählte der junge Mann bereitwillig. »Da hatte ich einen wunderbaren Sauerbraten. Und wir sind heute deshalb hier, weil ich meinen Freunden von Ihrem Sauerbraten vorgeschwärmt habe.«

»Wann war das?«, hakte der Kellner nach, der sich offenbar auf das Gespräch einzustellen begann.

»Vor drei Jahren.«

»Aha. Vor drei Jahren also …«

Der junge Mann wurde unsicher. »Es kann auch vier Jahre her sein.«

Ich sah mich um. Das Lokal sah nicht einmal aus, als ob es so alt sein könnte. Aber er musste es ja wissen.

»Wir haben keinen Sauerbraten auf der Karte«, sagte der Kellner. »Also können wir keinen Sauerbraten anbieten.«

»Aber vor vier Jahren …«

»Na ja, wir wechseln die Karte schon gelegentlich.«

»Also gut.« Der junge Mann war enttäuscht. Das konnte man ihm ansehen. »Ich will nicht unhöflich sein, aber dann gehen wir jetzt. Wir sind ja nur wegen des Sauerbratens hier.«

Der Kellner verzog keine Miene. »Wie Sie wünschen.«

Während ich meine Kartoffelsuppe löffelte, die sehr gut schmeckte und in Verbindung mit dem Sauerteigbrot den Magen angenehm füllte, ging der junge Mann an einen Tisch im hinteren Teil des Lokals. Mit seinen Begleitern – drei Männer mit Bart, eine junge Frau – verließ er dann das Lokal.

»Sauerbraten«, sagte der Kellner zu sich selbst. »Vor vier Jahren.« Er schüttelte den Kopf, dann räumte er weiter den Tisch ab.