Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
17 Dezember 2021
Das Januar-Seminar fällt aus
Vom 21. bis 23. Januar 2022 wären der Autor Uwe Anton und ich als Dozenten nach Wolfenbüttel gefahren. Wir hätten mit Autorinnen und Autoren unter dem Titel »Was wäre wenn …« eine »Werkstatt phantastische Kurzgeschichte« veranstaltet. Im Prinzip hatten wir das schon für das Jahr 2021 geplant, wo es wegen der zweiten Corona-Welle nicht stattfinden konnte.
Das Seminar wurde diesmal nicht komplett abgesagt, vielleicht kann man es verschieben und zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 2022 nachholen. Wenn es nicht anders geht, muss man es eben ins Jahr 2023 schieben … Die Sicherheit geht vor, und angesichts der aktuellen Corona-Lage kann man so ein Seminar auch unter strengsten Regeln kaum ohne Risiko veranstalten.
Lucky Luke als Magazin-Thema
Die Ausgabe 245, erschienen im Herbst des Jahres, zeigt unter anderem zu Lucky Luke die zumeist unbekannten Werbe-Comics. Der Cowboy hatte im Verlauf seiner Karriere den einen oder anderen Auftritt in der Produktwerbung; das liest sich heute wirklich witzig, unter anderem deshalb, weil die Texte ins Deutsche übersetzt und mit Erläuterungen versehen wurden.
Natürlich widmet sich das Magazin wieder den Klassikern. Die ollen »Winnetou«-Comics werden neu aufgelegt, es gibt ein Sachbuch über »Nick«, und der Zeichner von »Shayawaya« taucht aus der Versenkung auf – das sind alles Themen, die in den fünfziger oder siebziger Jahren relevant waren. Heute sprechen sie vor allem ältere Comic-Fans an. Wer sich für die Anfänge der Szene interessiert, ist damit bestens versorgt.
Der Artikel über die angebliche »Zensur in Entenhausen« greift ein Thema auf, das derzeit immer wieder die Comic-Fans entsetzt oder zu Diskussionen zwingt. Klassische Übersetzungen, die Dr. Erika Fuchs zu Carl-Barks-Geschichten anfertigte, werden heute teilweise entschärft: Was man 1955 witzig fand, nimmt man heute manchmal als rassistisch wahr. Manche Leute scheinen bei solchen Entschärfungen aber bereits eine Zensur zu wittern.
Mit 84 Seiten ist die aktuelle »Sprechblase« ein beeindruckendes Magazin; die Abbildungen sind allesamt bunt, und es gibt sie in allen Größen. Wer sich für Comics interessiert, vor allem für die klassischeren unter ihnen, ist mit diesem Magazin nach wie vor bestens beraten. Schön!
16 Dezember 2021
Frühstück in den Nirwana Gardens
Zum Frühstücken ging ich einige hundert Meter zu dem eigentlichen Hotelkomplex, der sich noch eher zurückhaltend an den Strand schmiegte. Dort saß ich dan in der Indra Maya Villa unter Bäumen, auf einer Holzbank und an einem Holztisch und genoss in aller Ruhe ein leichtes Frühstück mit viel Kaffee. Ich war zumeist allein; es waren nicht viele Touristen an diesem Strand und zu dieser Zeit unterwegs.
An die Qualität des Frühstücks erinnere ich mich gar nicht mehr, aber sehr an die Stimmung, in der ich mich befand: Sie war gelöst und sommerlich, einfach positiv. Und deshalb bewahrte ich den Breakfast Coupon über all die Jahre hinweg auf ...
Cream 8 mit düsterem Wave
1992 fing Boris Brosowski mit der Band an; anfangs nur ein Projekt, das er allein betrieb. 1993 brachte er im Alleingang die EP »The Crimson Dance« heraus, die durchaus melodisch ist, aber in einer depressiv wirkenden, sehr zurückhaltenden Stimmung. Die dunkle Stimme des Sängers, die schleppende Musik – das ist halt Gruftie-Sound, wie man ihn zu Beginn der 90er-Jahre durchaus gern hörte.
Ich allerdings nicht; zu der Zeit stand ich immer noch auf Hardcore-Punk. Wenn man sich die Platte mit dem Abstand von Jahrzehnten anhört, wirkt sie so, als sei sie schon damals aus der Zeit gefallen. Ein seltsames Zeitdokument also …
(Später wurde ja eine richtige Band aus Cream 8, die mehrere Tonträger veröffentlichte und auf Tour ging. Diese EP aber ist ein Solo-Werk, und das ist ja eigentlich bemerkenswert.)
15 Dezember 2021
Cons auf Sicht
Das Problem in den vergangenen zwei Jahren: Die Cons fielen wegen Corona aus. Veranstaltungen dieser Art ließe sich nicht ohne Risiko umsetzen und wurden deshalb überall abgeblasen. Für 2022 und 2023 rüsten aber die ersten Veranstalter ...
Der ColoniaCon in Köln soll beispielsweise am 14. und 15. Mai 2022 über die Bühne gehen. Wenn wir Glück haben, ist bis dorthin die aktuelle Corona-Welle erst einmal wieder vorüber. Wie es danach im Jahr 2022 weitergeht, muss man sehen. Wenn ich es einrichten kann, werde ich nach Köln fahren – immerhin war das in den ganz frühen 80er-Jahren einer der ersten Cons, die ich besuchte.
Weitere Cons stehen dann 2023 ins Haus. In Garching wird ein großes Treffen stattfinden, in Berlin rüstet der MetropolCon, der sich in der Unterzeile als »A multimedia Event for Science-Fiction, Fantasy and Horror« bezeichnet.
Das finde ich lustig, weil wir 1990 den FreuCon zum Multimedia-Con ausriefen. Dreißig Jahre, nachdem in einer kleinen Schwarzwaldstadt dieser Begriff erstmals benutzt wurde, taucht er nun in der Weltmetropole Berlin auf. Schauen wir mal, wie das wird ...
(Nur um es noch mal klarzustellen: Es heißt natürlich »der« Con und nicht »die« Con. Ein Con hat nichts mit einer Konvention zu tun, auch wenn das viele Leute zu glauben scheinen, sondern mit einem Konvent oder gar einem Kongress.)
70er-Jahre-Krimi, noch mal gelesen
Das Werk hat einen angenehmen Umfang, es sind keine 200 Seiten – okay, heute würde man es auf 320 Seiten mindestens aufblähen –, und es liest sich nach wie vor sehr gut. Die Übersetzung von Thomas Schlück, der den 1974 verfassten Roman ins Deutsche übertragen hatte, trägt sicher dazu bei, dass ich bei der neuen Lektüre viel Freude hatte.
Hauptperson des Romans ist ein spleeniger Detektiv namens Thackeray Phin, ein Amerikaner, der in England ermittelt und unter anderem durch seine schrille Kleidung auffällt. Er tritt in Kontakt zu den Angehörigen eines Krimi-Klubs, die sich selbst als die »Spürnasen« bezeichnen – genau in der Zeit kommt es nacheinander zu mehreren Morden.
Schon klar: Der Täter kann nur einer aus dem Kreis der potenziellen Opfer sein. Aber wie können die Morde geschehen? Entweder sterben die Opfer in einem verschlossenen Raum, oder jeder der anderen hat ein sicheres Alibi. Ein verwickelter Fall mit amüsanten Verwicklungen läuft so vor dem staunenden Auge der Leser ab …
John Sladek liefert einen Roman mit vielen Komplikationen, in dem ein skurriler Detektiv auf seine Weise ermittelt. Die Fälle sind trickreich und trotzdem in sich logisch, die Handlung verläuft in Windungen und ist stets unterhaltsam. Mir machte die erneute Lektüre richtig viel Spaß. Ein gelungener Roman, ein Krimi für Leute, die auch mal gern bei der Lektüre schmunzeln.
Nur schade, dass John Sladek heutzutage offensichtlich ganz schön in Vergessenheit geraten ist. Ich bin sicher, dass es da noch einiges zu entdecken gäbe …
14 Dezember 2021
Wir haben eine U-Bahn
Dann aber fuhr sie nicht geradeaus weiter, sondern verschwand in einem Loch. Erst in dem Moment wurde mir klar: Karlsruhe hat ja jetzt eine U-Bahn. Sie ist nicht groß, sie umfasst nur wenige Stationen, aber auf einmal ist die badische Metropole mit etwas ausgestattet, das man ansonsten von Weltstädten wie Paris und London, Moskau und New York kennt, mit einer Bahn, die auch unter der Erde verfährt.
Ich erinnerte mich noch gut an den Tag vor sechs Jahren, als wir staunend zusahen, wie sich die Tunnelmaschine an genau der Stelle aus der Erde bohrte. Ich erinnerte mich an die zwei Abstimmungen, bei denen ich jeweils gegen den Tunnel gestimmt hatte – ich war und bin der Ansicht, dass man eine Milliarde Euro auch in andere Dinge hätte stecken können, anstatt sie unter der Erde zu verbuddeln.
Aber jetzt hat Karlsruhe eine U-Bahn. Ich fahre innerhalb der Innenstadt alles mit dem Rad und werde sie so schnell nicht benutzen. Aber wenn sich die Leute jetzt darüber freuen, soll's mir recht sein ...
Comic-Künstler in Zeichen von Corona
Offiziell besteht die »Zebra«-Redaktion aus vier Männern, die seit vielen Jahren die Geschichten texten und zeichnen. Die Künstler gibt es – soweit ich das nach all der Zeit verstehe – eigentlich gar nicht, bei ihnen handelt es sich zumeist um Pseudonyme. Allein schon deshalb wird mit Rudolph Perez nur ein Herausgeber genannt. (Wer das jetzt nicht versteht, möge sich nicht grämen. Fürs Verständnis der Comics ist das auch nicht wichtig.)
Die Cartoons und Comic-Einseiter erzählen aus dem Leben der vier Künstler, von ihren Arbeiten, von ihren Problemen mit Corona und ihren Versuchen, mit der Pandemie im Alltag und im künstlerischen Leben irgendwie umzugehen. Der Alltag in der Redaktion ist fiktiv, spiegelt aber trotzdem einiges von dem wider, was viele Menschen in der andauernden Pandemie-Zeit betrifft: Man versucht mit allen Problemen irgendwie klarzukommen und sich den Humor nicht komplett nehmen zu lassen.
Viele Gags beschäftigen sich mit der Comic-Szene. Es geht um Signierstunden auf Messen, um Reaktionen von Lesern und Verlagsleuten. Manche Anspielung kann man nur verstehen, wenn man sich ein wenig in der Comic-Szene auskennt.
Den Stil mochte ich schon immer: Es ist ein »Funny«-Stil, also Stichmännchen mit großen Nasen, nicht unbedingt in der frankobelgischen Art, eher vielleicht am Stil amerikanischer Underground-Comics orientiert und doch sehr eigenständig. Zu den kurzen Geschichten und ihren teilweise sehr trockenen Pointen passt das auf jeden Fall hervorragend.
»In der Tusche liegt die Wahrheit« ist als »Zebra-Sonderband« 25 erschienen, umfasst 96 Seiten im Softcover und kostet neun Euro. Beziehen kann man die originelle Sammlung von Cartoons und kurzen Comics überall im Comic-Fachhandel; Versender wie der Independent-Comic-Shop führen das schöne Buch ebenfalls.
13 Dezember 2021
Alcala in aller Ruhe
An einigen Tagen wartete dort ein Markt, der nicht nur von den Einheimischen benutzt wurde, auf sein Publikum. Es gab einen Stand mit Klamotten sowie einige andere Stände; unter den großen Bäumen des Platzes konnte man es dabei gut aushalten. Ich bekam nicht heraus, zu welchen Zeiten der Markt aufgebaut wurde, aber so sehr interessierte es mich nicht.
Wenn mir der Trubel in dem Hotel zu stark wurde, spazierte ich die paar hundert Meter hinüber nach Alcala und setzte mich an einen der Tische vor der Carlos-Bar. Das Essen sah nicht so vertrauenserweckend aus, vor allem Tapas mit extrem viel Öl wurden angeboten. Aber ich bestellte mir schlichtweg einen Kaffee, ein starkes Getränk, das ich ungesüßt schlürfte und das einem den Schweiß aus den Poren trieb. Dann saß ich da, trank einen Kaffee oder auch zwei, danach eine Limonade, und sah dem gemütlichen Treiben unter den Bäumen und am Rand des Platzes zu.
Jeden Tag nahm ich mir vor, auch mal abends zu der Bar zu gehen und einen Wein oder ein Bier zu trinken. Aber letztlich tat ich dann doch das, was die anderen Touristen auch taten: Nach dem Abendessen ging ich höchstens noch vollgefressen an die Hotelbar.
Alcala auf der Insel Teneriffa ist sicher kein Ort, den man kennen muss und an den man zu reisen hat, wenn man irgendwie mitreden möchte. Die kleinen Bars empfand ich auch nicht als wirklich wichtig. Aber gelegentlich denke ich sehnsüchtig an einen Kaffee an der Bar in Alcala.
Eine Vision für 2020
Sagen wir so: Wer mit einem Zitat von Donald Trump anfängt, sagt auch gleich, in welche Richtung es geht. Die Band äußert sich auf dieser Platte wieder klar gegen Rassismus, christliche Nationalisten und eine bescheuerte Politik sowie für den Widerstand, den man als Punkrocker dagegen aufbringt. Mit dieser Art von Revolutionsmusik macht die Band natürlich ihr Geld, was immer ein wenig seltsam wirkt – aber für mich wirkt es nach wie vor authentisch.
Die Musik ist immer ein hymnischer Punkrock, der streckenweise überproduziert worden ist, aber immer dynamisch rüberkommt. Mache Stücke beginnen ruhig, mit Gitarrengeklimper und bravem Gesinge, bevor sie in schmissige Melodien wechseln. Bei anderen Stücken ist die Band schon in Richtung Hardcore unterwegs, da wird auch mal gebrüllt, während der Sound sehr aggressiv wird. Aber mehrheitlich herrschen Melodien vor, bei denen ich unweigerlich damit anfange, mich zu bewegen.
Anti-Flag machen mit »2020 Vision« auf jeden Fall ihre Art von Punkrock für ein neues Jahrzehnt. Das kann nicht jedem gefallen – und manche werden diese Musik als Kommerz-Punk betrachten –, aber ich finde die Platte stark.
12 Dezember 2021
Ich war ein Verschickungskind
Dass ich auch eines dieser Kinder war, hatte ich schon fast vergessen. Es gibt keine schriftlichen Unterlagen in meinem Besitz dazu, aber je mehr ich daran denke, desto mehr fällt mir ein.
Ich habe keine Erinnerungen an irgendwelche Misshandlungen oder dergleichen, aber wenn man als Erwachsener versucht, sich an seine Kindheit zurückzuerinnern, wird einiges seltsam. Die Pädagogik war zumindest grenzwertig. Wobei ich ja einer der »Großen« war … viele Kinder waren jünger als ich Jugendlicher mit meinen 13 Jahren.
Es muss Anfang 1977 gewesen sein; es lag zeitweise viel Schnee. Später kann es nicht gewesen sein, weil ich ab dem Sommer 1977 zum beinharten Fan einer Raketenheftchenserie aus Rastatt wurde. Früher kann es auch nicht gewesen sein, weil ich mich noch erinnere, dass ich in diesem Kinderheim im Radio zum ersten Mal »die neue Musik aus England« zu hören bekam, also Punkrock. Und ich verliebte mich ein wenig, das kann auch kaum früher gewesen sein.
Untergebracht war ich in einem christlichen Kindererholungsheim namens St. Hubertus in der Gemeinde Scheidegg im Allgäu. Von meinem Zimmer aus hatte ich einen tollen Blick in die Ferne, auf hohe Berge voller Wald, hinter denen irgendwo Österreich kam.
Ich bin sicher, dass ich dazu noch eine Reihe von Geschichten aus dem Hirn quetschen kann. Für einen schockierenden Enthüllungsroman wird es kaum reichen …
10 Dezember 2021
Wenn der Neffe sich meldet
Der Junge findet schon jetzt Raumschiffe und Außerirdische gut. Er mag vor allem kleine pelzige Außerirdische, die einen Nagezahn zeigen, aber er empfindet eine Faszination für Raketen und Sterne. Das Kunstwerk hat vielleicht noch die eine oder andere handwerkliche Schwäche – aber ich habe mich trotzdem sehr gefreut ...
Die neue Chefin und ihr erstes Heft
Rein optisch sieht das 120 Seiten starke Heft im DIN A 4-Format aus wie die Hefte in der Haitel-Ära. Klar, der scheidende Chefredakteur hat der neuen Chefin geholfen, so dass der Übergang so reibungslos wie möglich verlief. Wie Sylvana Freyberg das Heft künftig optisch gestalten wird, muss man sicher abwarten.
Die aktuelle Ausgabe ist inhaltlich völlig in Ordnung. Zahlreiche Romane aus allen möglichen Bereichen der phantastischen Literatur werden vorgestellt, dazu Filme und Computerspiele, und es gibt Berichte zu Veranstaltungen und allerlei Informationen. Thomas LeBlanc erhält die Ehrenmitgliedschaft des Science-Fiction-Clubs Deutschland, worüber selbstverständlich berichtet wird.
Ich finde den Start in die neue Ära erst einmal gelungen. Die neue Chefin führt eine Tradition fort, das ist in dieser Phase sinnvoll und gut. Sie wird sicher neue Akzente setzen und das Heft in ihre Richtung entwickeln. Die folgenden Ausgaben könnten also spannender werden.
(Der Bezug des Fanzines ist im Mitgliedsbeitrag des Vereins enthalten. Weitere Informationen zum Verkauf an Nichtmitglieder findet man auf der Internet-Seite des Vereins. Dort kann man sie auch herunterladen.)
09 Dezember 2021
Zum Meckes fahren
Für mich ist die Kette mit vielen Ereignissen und Erinnerungen verbunden. Eine davon bezieht sich auf die späten 80er-Jahre. In Freudenstadt gab es noch keinen McDonald’s, aber in Städten wie Baden-Baden und Böblingen lockten die Schnell-Restaurants.
Und so entwickelte sich unter einigen Jugendlichen der Kleinstadt, in der ich lebte, ein echtes »Meckes-Rennen«. Man traf sich auf dem Marktplatz, dann fanden sich zwei kleine Gruppen zusammen.
Jede startete mit einem Auto: Die eine Gruppe fuhr nach Böblingen, die andere nach Baden-Baden. Beide rasten über die Landstraßen, die einen durch den Schwarzwald, die andere durch das Gäu.
Das Ziel war, bei McDonald’s einzukaufen und zurück nach Freudenstadt zu fahren. Wer zuerst da war, hatte gewonnen. Danach wurde das mittlerweile erkaltete Essen gemeinsam auf dem Marktplatz verspeist.
So war das in den 80er-Jahren. Ich verstand das »Meckes-Rennen« übrigens schon damals nicht …
Karmacopter und California
Die EP »California« wurde 2010 veröffentlicht, enthält sieben Stücke, die häufig – was das Bassgewummer und das schnelle Geschrabbe angeht – an die ollen No Means No erinnern, dann aber auch wieder nach rotzigem Deutschpunk klingen. Die Stücke werden schnell rausgebolzt, die Musik ist rasant und wird bei jedem Anhören interessanter: Die Band spielt abwechslungsreich, da wird mal aufs Gaspedal gedrückt und auch mal absichtlich verlangsamt.
Bei den sarkastischen Texten braucht man entweder das Textblatt, oder man hört genau hin; der Sänger hat eine keifende Art, die Texte rauszuhauen: »California – du und ich im Sonnenschein«, heißt es im Titelstück, das die Platte sinnigerweise abschließt, »California – Alkohol und glücklich sein«.
Mit diesen Texten und dieser unfassbar abgeklärten und zugleich aufmüpfigen Art ist die Band auf jeden Fall Punk. Sie ist mehr Punk als manches von dem, was sich als harte Politpunk-Band gebärdet und eigentlich nur Phrasen liefert. Cool.
08 Dezember 2021
Ein neues Fandom?
»Ja«, gab ich zurück. »Den gibt es nach wie vor. Ich bin aber sicher, wäre ich in diesem Verein Mitglied, würde ich zu den Jungmitgliedern zählen.«
Er lachte und fragte, ob es denn überhaupt noch ein Fandom gäbe, also eine Szene von Science-Fiction-Fans. Das bejahte ich und erzählte von den Fan-Vereinigungen, mit denen ich zu tun hatte, von Fanzines und Cons. Aber das seien wohl eher die älteren Fans, folgerte er aus meinen Aussagen.
»Die Jungen treffen sich heute auf andere Weise«, erläuterte ich. Dann erzählte ich von Wattpad als eine recht neue Plattform, auf der man halt nicht nur schreiben, sondern auch lesen und über Texte diskutieren könnte. Wer mit Wattpad sozialisiert werde, der brauche keine Fanzines mehr.
Das gleiche gelte für Veranstaltungen wie das LiteraturCamp in Heidelberg. Ich erzählte von der Art der Veranstaltung, von der Struktur eines BarCamps und wie anders das sei gegenüber einem Con. »Wer mit BarCamps vertraut ist, wird einen Con eher langweilig finden, fürchte ich«, argumentierte ich.
Mein Fazit: Es gibt vielleicht kein Fandom mehr, wie es im deutschsprachigen Raum ab 1955 entstanden ist und in dem ich vor allem in den 80er-Jahren viel mitgewirkt habe. Aber es gibt genügend Leute, die sich für Science Fiction und Fantasy begeistern und sich in diesen Bereichen kreativ und kritisch austoben – halt nicht unbedingt da, wo sich unsereins tummelt …
Sein Fazit: »Dann muss ich mir wohl um die Zukunft keine Sorgen machen« – gemeint war nicht die Zukunft der Welt, sondern die der phantastischen Literatur.
Wie 1953 die amerikanische Literatur erklärt wurde …
Und mitgeschickt wurde das kleine Taschenbuch »Der amerikanische Roman 1850 - 1951«, das von Guy A. Cardwell verfasst worden war. Das Ziel der Aussendung war – so das Schreiben –, »die deutschsprachige Leserwelt mit einer Auswahl aus dem Prosaschrifttum Amerikas der letzten hundert Jahre bekannt zu machen«. Woher ich das kleine Buch habe, tut nichts zur Sache; ich habe es auf jeden Fall mit sehr großem Interesse gelesen.
Es werden Dutzende von Autorinnen und Autoren vorgestellt, immer mit kurzen Artikeln, in denen auch ihre wichtigsten Werke genannt werden. Auf 64 Taschenbuchseiten kann man nicht so viel unterbringen, trotzdem ist die Faktendichte enorm – und ich lernte einige Namen, die für mich neu waren.
James Fenimore Cooper, Mark Twain oder Jack London aus dem 19. Jahrhunderten sind mir bekannt, von ihnen habe ich einiges gelesen. Bei den moderneren Autoren sind mir natürlich William Faulkner, Ernest Hemingway oder F. Scott Fitzgerald ein Begriff, andere Schriftsteller wie John Hersey oder William Saroyan habe ich noch nie gelesen. Interessant ist, in welcher Art und Weise die jeweiligen Autoren und ihre Werke gewertet werden.
Genre-Literatur aus den Bereichen Science Fiction und Fantasy fehlt völlig, immerhin gibt es ein wenig Krimi und ansonsten eine ordentliche Ladung an historischen Romanen. Die Utopie »Looking Backward« von Edward Bellamy erfreute mich immerhin: Das Buch wurde 1888 geschrieben und spielt im Jahr 2000. James Branch Cabell mit »Jurgen« zählt für mich ebenfalls zur phantastischen Literatur.
Ich las »Der amerikanische Roman 1850 - 1951« tatsächlich komplett, weil ich die Urteile zu manchen Autoren recht amüsant fand. Guy A. Cardwell schreckte vor Kritik nicht zurück – und aus der heutigen Zeit liest sich eine Kritik aus den frühen fünfziger Jahren eben seltsam. Jack Londons Romane beispielsweise seien »hastig niedergeschrieben« und voller »Gewalttätigkeiten«.
Unterm Strich eine eindrucksvolle und auch spannende Lektüre. Dieses Sachbuch bleibt in meinem Bücherschrank – als Quelle für Literaturklassiker-Tipps!
07 Dezember 2021
Wie eine Art Revanche
Ich saß an einem schlichten Holztisch, an dem ich mein Abendessen zu mir genommen hatte. Der Teller war so gut wie leer, ich tunkte noch den Rest Soße mit einem Stück Weißbrot auf. Meine Bierflasche hatte ich erst zur Hälfte geleert. Ich hatte vor, nach dem Essen ein wenig sitzenzubleiben und auf die Straße zu schauen, bevor ich mich wieder ins Getümmel stürzte. Bezahlt hatte ich schon, man hatte mich gleich abkassiert.
»Entschuldigen Sie«, sprach mich auf einmal ein Mann an, der am Tisch neben mir saß. Seine Kopfbedeckung und seine eher arabisch anmutende Kleidung wies darauf hin, dass er Muslim war. Wer sich in Malawi zum Islam bekannte, trug gern Kleidung, die eher nach Nord- und weniger nach Ostafrika oder gar Europa aussah. »Ich sah, dass Sie mit dem Essen fertig sind, und …« Er lächelte freundlich.
Ich lächelte zurück. »Bitte. Gern.« Ich mochte es, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, wenn ich schon durch ein Land reiste, das ich als fremd empfand.
Jeder von uns blieb an seinem Tisch, jeder mit seinem leeren Teller und einem Getränk vor sich. Der Mann hatte ein Glas Wasser, ich eine Flasche Bier. Wie im Klischee, dachte ich.
Er fragte mich, woher ich komme, und ich erzählte in wenigen Sätzen von meiner Herkunft und von meiner Reise durch Malawi. Als er mich fragte, wie es mir gefalle, gab ich eine ehrliche und sehr positive Antwort. Ich musste mich dafür nicht verbiegen, den Aufenthalt in Malawi fand ich bislang sehr abwechslungsreich und angenehm.
Auch ich fragte ihn nach seiner Arbeit. Er sei Helfer in der örtlichen muslimischen Gemeinde, erzählte er. Wenn ich ihn richtig verstand, war er kein Imam, auch wenn er gelegentlich ein Gebet anleitete, sondern unterstützte den örtlichen Imam bei all seinen Tätigkeiten.
»Es gibt viel Armut in unserem Land«, sagte der Mann zurückhaltend.
Mir war nicht klar, welche Reaktion er von mir erwartete. »Das stimmt«, gab ich zu. »Viele Leute sind arm.«
Ich wusste, dass Malawi erst kürzlich eine Hungersnot in den nördlichen Landesteilen bewältigt hatte. Viele Menschen waren unter anderem deshalb gestorben, weil die Regierung – so sagte man – im Jahr davor auf Druck der ausländischen Partner einen Teil der Ernte ins Ausland verkauft hatte, um Staatsschulden zu bezahlen, und damit war nicht genug für die eigene Bevölkerung geblieben. Gleichzeitig grassierte Aids, in manchen Dörfern starb die halbe Erwachsenenbevölkerung weg.
Der Mann erzählte mir, wie sie in der Gemeinde versuchten, den Armen zu helfen. Es gab wohl eine Art Armenspeisung, die offensichtlich von Spendern aus dem Ausland finanziert wurden. Womöglich waren es die gleichen Spender, die dafür sorgten, dass überall im Land neue Moscheen gebaut wurden.
»Man muss den armen Menschen helfen, damit sie aus der Armut herauskommen«, sagte der Mann.
Ich pflichtete ihm bei. Glücklicherweise sei Malawi zwar ein armes Land, aber es gäbe keinen Krieg, alles sei friedlich. Kein Vergleich zu manch anderem Land.
»Viele Leute hier machen Europa und Amerika für unsere Probleme verantwortlich«, sagte er. »Und sie sagen, dass wir im Krieg sind. Europa und Amerika führen Krieg gegen uns.«
Vorsicht!, dachte ich. Ich muss echt aufpassen!
Es war nicht die erste Diskussion bei einer meiner Reisen nach Afrika, in der ich auf einmal in die Rolle gezwungen wurde, die Politik des sogenannten Westens zu verteidigen. Daheim hatte ich kein Problem damit, unsere politischen Führungen zu kritisieren; in Afrika tat ich mich damit schwer.
»Das kann man so nicht sagen«, widersprach ich höflich. »Es gibt Probleme, aber die Europäische Union und auch Deutschland unterstützen doch viele Entwicklungsprojekte.«
»Das schon. Aber sie festigen damit nur unser Abhängigkeit von euch. Und das mögen die Leute immer weniger, das wird sich rächen.« Er klang besorgt, nicht aggressiv, als ginge es ihm um die Probleme des reichen Westens. »Sehen Sie die Türme in New York, das war eine Folge Ihrer Politik. Also nicht die von Ihnen als Person, sondern die von Europa und Amerika.«
Er benötigte einige Sätze, um mir seine Weltsicht zu erläutern. Ich blieb still und unterbrach ihn nicht, vor allem aber deshalb, weil er durchgehend ruhig und höflich blieb. Meine Sicht auf den 11. September, auf den Terroranschlag in New York war offensichtlich völlig anders als der seine.
»Sie müssen das so sehen«, argumentierte er, »für viele Leute war das Attentat eine Revanche, eine Rache für die jahrzehntelange Politik, die der Westen in aller Welt betreibt. Jeden Tag sterben Menschen, weil Ihre Politiker das so wollen, und diesmal haben einige zurückgeschlagen.« Er hielt inne, dann wiederholte er es. »Es ist wie eine Art Revanche.«
Es war das erste Mal, dass ich diesen Standpunkt hörte. Der Tag, den die Amerikaner schlicht als »Nine Eleven« bezeichnete, lag nur einige Wochen zurück. Ich hatte nicht damit gerechnet, im November 2001 auf den September 2001 angesprochen zu werden.
»Aber es war doch Mord«, wandte ich ein. »Mord und Terror, und es starben Tausende von Menschen.«
»Das stimmt. Aber war es wirklich so viel anders als das, was das reiche Europa mit seiner Politik in Afrika und sonstwo anrichtet?«
Wir wurden keine Freunde an diesem Abend, aber wir stritten uns auch nicht. Wir diskutierten das Thema ebensowenig zu Ende. Er musste bald zu seiner Gemeinde zurück, wie er mir sagte, und wir trennten uns mit einem Handschlag und einer kurzen Verneigung.
Ich blieb an meinem Tisch stehen und betrachtete mein Essen. Seine Sicht der Dinge war nicht die meine, aber er hatte sie klar vermittelt. Ich konnte ihm nicht böse sein. Er hatte den Terroranschlag nicht verteidigt, mir aber gezeigt, warum ihn manche Leute nicht ablehnten.
In Gedanken ging ich zur Kasse, wo ich mir eine weitere Flasche Bier kaufte. »Alles in Ordnung?«, fragte der Jugendliche mit Baseballkappe, der hinter dem Tresen stand, nachdem ich bezahlt hatte.
Ich nickte. »Alles in Ordnung.«
Er wünschte mir einen schönen Abend, und ich ging. Mein Bier trank ich unweit des kleinen Restaurants. Ich saß auf einem großen Stein, betrachtete den Verkehr auf der Straße und nahm immer wieder einen Schluck. In meinem Kopf hallte ein Halbsatz. »Wie eine Art Revanche.«
Abenteuer in aller Welt
»Abenteuer in Manhattan« ist eigentlich eine Krimi-Geschichte. Andy Morgen ermittelt in New York; es geht um Gangster und vergleichsweise harmlose Gefahren. Richtig los geht es in den anderen zwei Alben: »Oase in Flammen« spielt an den Küsten von Nordafrika, in »Das Gesetz des Taifuns« verschlägt es die Helden in die Südsee. Überall stoßen sie auf gemeine Männer, die Macht und Einfluss wollen und dabei quasi über Leichen gehen.
Dazu kommen vier Kurzgeschichten, von denen ich »Die Rote Sonne« noch in sehr guter Erinnerung hatte: Der Autor wollte für die Hauptfigur des Seemannes Barney Jordan eine Vorgeschichte erschaffen und erzählte deshalb eine Episode aus dem Zweiten Weltkrieg. Sonst hält sich eine Serie wie »Andy Morgan« aus zeitaktuellen Themen heraus; damit wird zumindest für eine der Hauptfiguren einigermaßen ein biologisches Alter fixiert.
All diese Comics entstanden in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren; es ist und war die Zeit, in der sich die Comic-Szene in Frankreich und Belgien in Zeitschriften und Alben immer stärker professionalisierte. Viele Comics, die ich heute noch mag, entstanden damals. »Andy Morgan« ist ein gelungenes Beispiel für die Abenteuergeschichten jener Zeit: Man konnte sich als Junge die Reisen nicht leisten, die der Held und seine Freunde zurücklegen.
Heutzutage ist die Welt kleiner und zugleich übersichtlicher geworden, der Reiz der klassischen Geschichten für mich aber geblieben. »Andy Morgan« führt mich in meine Jugend zurück und zeigt, warum ich schon damals davon träumte, durch ferne Länder zu reisen.
Klasse finde ich übrigens, dass ich die Gesamtausgabe auch als Erwachsener noch mit viel Vergnügen las. Ich werde sie bestimmt nicht im Regal versauern lassen und immer mal wieder zur Hand nehmen.
06 Dezember 2021
Nur ein alter Gärtner
In dieser Anthologie bin ich mit einer Geschichte vertreten, die den Titel »Nur ein alter Gärtner« trägt. Es handelt sich um eine »richtige« Science-Fiction-Geschichte, die irgendwann in der fernen Zukunft spielt, in der es aber um Kommunikation im weitesten Sinne geht. Im schönen Layout des Buches wirkt die Geschichte dann auch recht lang; ich würde sie dennoch als Kurzgeschichte bezeichnen.
Wann ich dazu kommen werde, das Buch zu lesen, kann ich noch gar nicht sagen. Im Moment freue ich mich erst einmal darüber …
Das Blanke Extrem zum zweiten
Fangen wir mit der Musik an: Die hat nicht unbedingt gleich den Ohrwurm-Charakter, den ich als oller Schunkel-Punk mag. Gitarre und Schlagzeug orientieren sich am Emo-Sound der späten 90er-Jahre, würde ich sagen; die Melodien sind treibend, und sie bringen einen schon nach einiger Zeit dazu, mit dem Kopf zu wackeln. Manchmal ist es mir zu unpunkig und ruhig; die Stücke haben aber trotzdem eine innere Spannung und sind nicht langweilig.
Zum Mitsingen sind sie nicht unbedingt geeignet, zumindest nicht gleich – hört man die Platte ein zweites und drittes Mal an, gehen die Stücke aber immer besser ins Ohr und bleiben hängen. Dann ist es ja sogar gut, dass sie manchmal ein wenig sperrig wirken und die Melodie eine halbe Minute braucht, bis sie sich quasi entfaltet. Aber manchmal wird mir dann doch zu selbstverliebt auf der Gitarre herumgeklampft, etwa im Stück »Pop-Up Store«.
Textlich ist die Band sehr gut unterwegs. Die Stücke erzählen von der aktuellen Zeit, vom politisch-gesellschaftlichen Ungemach; sie sind kritisch und manchmal auch ironisch. Sie nähern sich den Themen durchaus trickreich an. »Was müssen das für Träume sein, wenn die Nationalisten zum Schlafen gehen?«, heißt es in »Das Zeitalter der Fische«, und gesungen wird darin unter anderem von »Stacheldraht und Schießgewehr«.
Wer sich Texte über das »Paradigma des Alltags« oder zu »Filterblasen« ausdenkt, verrät damit auf jeden Fall, dass er in der Lage ist, gründlicher als die meisten anderen über sein Leben und das Drumherum nachzudenken. Das ist dann weit entfernt vom Rumpelpunk alter Schule, der ja auch in Freiburg gern gepflegt wurde – für 2021 ist »Unheimlich nette Leute« auf jeden Fall eine Platte mit düsterer und intellektueller Note, die mir gefällt.
05 Dezember 2021
Buchpreise in der Diskussion
In einem Beitrag zum aktuellen »Börsenblatt« nennt der Verlagsmanager Markus Klose in dieser Woche einmal einige konkrete Zahlen, und die verblüfften mich schon. Man hat so etwas ja nicht selbst auf dem Schirm, wie sich im Verlauf der Jahrzehnte welche Dinge entwickelten.
Im Jahr 1999 veröffentlichte der Diogenes-Verlag einen neuen Roman von John Irving als sogenannten Jahresbestseller. »Witwe für ein Jahr« war fast 800 Seiten dick und ging für 49,90 Mark über den Ladentisch. Der Preis wurde damals akzeptiert.
Würde man das heute einfach nur im Verhältnis von eins zu zwei »umrubeln«, käme man auf rund 25 Euro. So viel kosten ab und zu mal Hardcover-Ausgaben aktueller Belletristik-Titel, meist bleiben die Verlage darunter. Buchpreise bewegen sich zwischen 20 und 25 Euro. Der aktuelle Roman von Nele Neuhaus liegt für 24,99 Euro in den Läden, um ein Beispiel zu nennen.
Das war mir nicht bewusst. Ich ging davon aus, dass die Buchpreise im Verlauf der vergangenen zwanzig Jahren so gestiegen seien wie alles andere. Aber offensichtlich hat sich ausgerechnet eine Branche, in der es doch viele gutverdienende Kunden gibt, mit einer Preisbremse abgefunden. Weil Literatur halt nicht viel kosten darf?
03 Dezember 2021
Punkrock im Büroalltag
Ich selbst führte ja nie ein »echtes« Punk-Leben, was immer das sein soll, weil ich ja eigentlich immer arbeitete. Trotzdem versuche ich, die Gegensätze zwischen dem Punkrock im Kopf und einer relativ normalen Arbeit auch in diesem Roman abzubilden. (Junge Punks, die noch bei ihren Eltern wohnen, haben einen andere Attitüde, als Mit-Dreißiger, die versuchen, ihre alten Ideale nicht zu verleugnen.)
Das zeigt sich auch in der aktuellen Folge 34 meines Romans, die in der Ausgabe 159 des OX-Fanzines veröffentlicht worden ist. Anfangs versucht mein Ich-Erzähler noch, sich ein wenig als Antifa-Kämpfer aufzuführen – wenngleich nur in Gedanken –, dann aber landet er in einer Büro-Unterhaltung, die ihn vor einige Schwierigkeiten setzt.
Dieses Gespräch ist natürlich völlig erfunden. Aber ich weiß noch gut, wie schwer ich mich in den 90er-Jahren tat, mich in die Regeln eines Büros einzugliedern. An den Wochenenden war ich auf Chaostagen oder sportlichen Demos, unter der Woche besuchte ich ständig Konzerte, und tagsüber versuchte ich, meiner Arbeit nachzugehen. Das klappte nicht immer … und vielleicht kann ich die Gedanken von damals in meiner Geschichte umsetzen.
Der erste Teil des Mars-Doppelbandes
Auffallend ist wieder einmal die grafische Gestaltung. Das umlaufende Titelbild präsentiert eine Marslandschaft im Rot des Marssandes, die beeindruckend aussieht. Dirk Berger gestaltete das Bild, und von diesem Künstler stammt auch die Galerie diese Ausgabe: prächtige Science-Fiction-Illustrationen in wunderbarem Farbdruck, die zeigen, wie abwechslungsreich Berger arbeitet. Klasse!
Bei den Geschichten gibt es – wie immer bei einer Textsammlung – solche, die mir sehr gut gefallen, und solche, die ich schlapp finde. Ein paar positive Beispiele gefällig?
Skurril ist beispielsweise »1879 – Die Reise nach dem Mars« von Arnold Spree, in dem die Autoren Jules Verne und Kurd Laßwitz ebenso auftauchen wie der Brexit, der in diesem Fall ein spezielles Element ist, und Nigel Farage, im britischen Politsystem eigentlich ein Rechtsausleger. Klar, die Geschichte muss man nicht gelesen haben; ich finde sie aber amüsant.
Traurig und persönlich zugleich mutet »Artefakte« von Axel Kruse an, der ein privates Thema in eine Science-Fiction-Geschichte überführt. Andreas Eschbach erzählt von einer Marsmission der besonderen Art: locker geplaudert, auf eine schöne Pointe zusteuert, sehr gelungen! Maike Braun fabuliert von den Menschen, die auf dem Mars mit dem Bierbrauen anfangen, und Roman Schleifer liefert eine Geschichte mit einer überraschend fiesen Pointe.
Eine gelungene Magazin-Ausgabe – wer sie noch nicht kennt, sollte sie sich unbedingt besorgen. Ich empfehle eh ein »Exodus«-Abonnement ... Die Ausgabe 40 gibt's für 15,90 Euro direkt bei der Redaktion des Magazins.
02 Dezember 2021
Werbung mit dem Jahr 1984
Das zeigte sich an einer Anzeigenseite, die Günther gestaltete. »1984 – das Jahr Orwells«, titelten wir, und wir schrieben auch »1984 – das Jahr der phantastischen Literatur«. Heute würde ich beide Vergleiche schwer in Zweifel ziehen, aber damals fanden wir sie nachvollziehbar und glaubhaft.
Abgebildet auf der Anzeige waren die SAGITTARIUS-Ausgaben 8 und 9, beide noch in schönem Schwarzweiß und im A4-Format. Den werblichen Text verfasste ich in Absprache mit Günther. Wo genau die Anzeige veröffentlicht wurde, weiß ich nicht mehr.
1984 war das Jahr, in dem ich mein Abitur ablegte, kreuz und quer durch Deutschland trampte und ab dem Herbst als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr-Kaserne einrückte. Ich arbeitete anfangs noch im Supermarkt, um mein Geld zu verdienen, war aber schon für die örtliche Tageszeitung tätig. Wie ich es damals schaffte, zusammen mit Günther »nebenbei« ein Fanzine herauszugeben, ist mir heute ziemlich schleierhaft ...
Die zweite der Ejected
Und eine Band wie The Ejected aus London brachte ein Lied heraus, das den Titel »Afghan Rebels« trug und ganz klare Sympathie für die afghanischen Widerstandskämpfer zeigte: Das waren zwar schon damals zumeist beinharte Islamisten, aber weil sie gegen die Russen kämpften, fand man sie in Westuropa sympathisch.
Höre ich mir die Stücke der zweiten Platte dieser Band an, die den schönen Titel »The Spirit of Rebellion« trägt, wird mir schon klar, warum unsereins solche eher schlichten Stücke damals gut fand. Manches klingt – unter heutigem Licht betrachtet – dann doch ein wenig seltsam.
In den Texten dieser Platte geht es um die Punk-Szene, um politische Themen wie die afghanischen Rebellen und auch um eher schlichte Themen, die man heute als »sexistisch« oder zumindest dümmlich bezeichnen würde. Ein Lied wie »Dirty Schoolgirls« fand ich schon früher seltsam, heute finde ich es unnötig. Die rebellische Attitüde der Band war recht ziellos, im Prinzip war man halt gegen alles mögliche, gegen den Staat und gegen das Militär, gegen junge und dumme Punks und gegen Pornografie.
In den kräftigen und vor allem punkigen Stücken ist die Platte richtig gut, da knallt sie und zeigt sich noch einmal als ein später Höhepunkt des Früh-80er-Jahre-England-Punks. Stücke wie »Mental Case« klingen für damalige Verhältnisse recht poppig und modern, das passt nicht zum Rest.
Insgesamt ist die Platte schon gut, ich kann sie mir heute immer noch anhören. Sie ist aber sicher keine der »wichtigen« Scheiben aus dieser Zeit.
01 Dezember 2021
Wie ich Metal auf einmal interessant fand …
Entsprechend skeptisch begann ich mit der Lektüre von »Metallisierte Welt«. Das Sachbuch wurde von Moritz Grütz erstellt, es erschien als schicker Hardcover-Band beim Hirnkost-Verlag, und es zeigt in verschiedenen Interviews die weltweite Metal-Szene. Der Untertitel »Auf den Spuren einer Subkultur« ist absolut zutreffend.
Wie fühlt es sich an, als Metalhead in Dubai seine Musik zu spielen? Gibt es eine Szene auf Madagaskar? Kann man im Bürgerkriegsland Syrien tatsächlich Metal-Fan sein? Wie sieht die Szene in Surinam aus – oder in Grönland?
Auch wenn man keine Ahnung von Metal hat oder die Musik nicht mag – wie ich –, wird man viel Freude an diesem Interview-Band haben. Die einzelnen Interviews und Artikel sind gut zu verstehen, sogar für Leute, die nicht viel Ahnung von Metal haben, und vermitteln einen Blick auf diese weltweite Musik-Szene.
Das Buch bietet sich für eine Zwischendurch-Lektüre an. Man liest immer mal wieder ein Interview und wird so nicht von der Fülle überwältigt, bekommt trotzdem einen schönen Einblick. Metal-Fans sollten dieses Buch auf jeden Fall antesten; wer darüber hinaus »open minded« ist und Spaß an krachiger Musik hat, hat daran aber ebenfalls seinen Spaß.
Der Hardcover-Band hat 180 Seiten Umfang und sieht schick aus (es gibt auch eine E-Book-Version, aber die ist natürlich nicht so eindrucksvoll). Kaufen kann man das Buch überall im Handel, aber ich empfehle die Bestellung im Hirnkost-Shop, wo es ohnehin viele andere interessante Bücher gibt.











