19 Juli 2010

Phantastisch! Nummer 39


Es ist das beste Magazin, das derzeit im deutschsprachigen Raum sowohl Science Fiction als auch Fantasy in professioneller Weise beackert und sich schwerpunktmäßig auf die Literatur konzentriert: die Zeitschrift »phantastisch!« aus dem Verlag Achim Havemann. Zuletzt las ich die Ausgabe 39, die wieder einmal 68 Seiten im A4-Format stark war und ein Vierfarbcover aufwies.

Lesenswert sind diesmal die Interviews. Zwar ist mir das mit dem Fantasy-Autor Michael Peinkofer ein wenig zu oberflächlich, dafür macht das mit dem amerikanischen Schriftsteller Steven Savile durchaus neugierig auf seine Romane. Das ist ohnehin das, was ich an »phantastisch!« am besten finde: Die Artikel, Besprechungen und Interviews machen mich immer wieder auf neue Bücher aufmerksam, die ich sonst übersehen hätte.

»Wer wohnt eigentlich in Geisterhäusern?« ist ein Artikel, den ich nur überflog, weil mich das Thema »Geisterhäuser in Horror-Filmen« nicht sonderlich anspricht. Interessanter dann ein Artikel über Voltaire, der als Klassiker der Literaturgeschichte anerkannt ist, selbst aber auch phantastische Literatur verfasste.

Als Leser erfahre ich einiges über den Comic »Samurai«, über die Hörbuch-Umsetzung von Scheibenwelt-Romanen oder den amerikanischen Autor Avram Davidson. Ein Sammelsurium lesenswerter Artikel also, meist ordentlich geschrieben und mit vielen Informationen versehen. Sehr schön!

Albern finde ich höchstens die Abgrenzungsbemühungen mancher Mitarbeiter. Wenn Horst Illmer, dessen Sachkenntnis unbestritten ist, von »Heftchen« spricht, wird zu deutlich, wie peinlich es ihm ist, dass es »so etwas gibt« und um wieviel wohler er sich in Gegenwart gebundener Bücher fühlt. Ich find's allerdings gut, dass er Romane von Literaten wie Thomas Pynchon vorstellt und diese großzügig in den Science-Fiction-Kanon einordnet.

»phantastisch!« gibt's bei diversen Science-Fiction-Versendern oder in manchen Fachgeschäften. Wer sich für Science Fiction und Fantasy interessiert, sollte sich ein Abonnement besorgen – idealerweise über die Homepage – und damit eine gute Zeitschrift unterstützen.

17 Juli 2010

Volkszählung again

Mittlerweile ist es mir fast ein wenig peinlich, aber damals fand ich mich ziemlich stark: Der arme Mann, der 1987 mit den Volkszählungsbögen bei uns im Hof stand, wurde von mir übelst beschimpft, als »Staatsbüttel« und weniger nettes, und dann mit der Androhung, ihm Prügel zu verpassen, vom Gelände gejagt. Keine Heldentat, tatsächlich, aber der Schnüffelwahn des Staates nervte mich vor 23 Jahren so, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste. (Falls das eine Straftat war, ist die heute wohl verjährt. Meine Mutter war damals ziemlich entsetzt von mir.)

Später füllte ich dann doch einen Bogen aus, zähneknirschend zwar, aber immerhin. Die Hälfte aller Angaben war übrigens falsch. Von einem Kölner Kumpel, der heute fleißig Romane schreibt, erfuhr ich, dass er sein Haustür bei der Volkszählung angegeben hatte. 1987 dürfte also ein Teil der tollen Umfrage wegen des Unwillens vieler Leute eh nicht funktioniert haben.

2011 geht der Unfug von vorne los, und ich bin erstaunlich passiv. Mir ist klar, dass der Staat heute ganz andere Möglichkeiten hat, seine Bürger auszuspähen als damals. Gleichzeitig halte ich die führenden Personen in diesem Land für noch unfähiger als 1987, was ich mir damals nicht hätte vorstellen können.

Stellt sich jetzt nur die Frage, ob ich wirklich so passiv geworden bin. Oder hat unsereins 1987 so übertrieben mit seiner Ablehnung, dass es für 2011 dann endgültig egal ist? Oder gehe ich im Zeitalter der Facebookisierung davon aus, dass eh nichts mehr so richtig geheim bleiben kann?

Meinetwegen sollen die mich zählen. Ich werde mir schon den einen oder anderen Schwachsinn ausdenken.

16 Juli 2010

Der freundliche Ire ist tot

1992 veranstaltete ich mit einer Handvoll ähnlich begeisterungsfähiger Menschen (man könnte auch sagen, wir waren reichlich größenwahnsinnig) den FreuCon '92 in Freudenstadt, wo ich zu jener Zeit noch wohnte. Aufgrund politischer Wirren wurde der Con auf einmal zum offiziellen EuroCon, also zum Europäischen Science-Fiction-Kongress, und zudem hielt die Organsation World-SF ihre Versammlung bei uns ab.

Einer der Ehrengäste war ein gewisser James P. Hogan. Der Mann war damals anfangs fünfzig, und ich erlebte ihn als sympathischen Briten, stets höflich und freundlich. Er ließ sich bereitwillig für Programmpunkte einspannen, hielt Reden und Vorträge und erwies sich als einer der nettesten Gäste, die ich jemals offiziell begrüßen konnte.

Am Montag, 12. Juli 2010, ist er auf einmal gestorben. Ich hatte in den letzten Jahren nicht einmal mehr an ihn gedacht, wie ich gestehen muss – und ich erfuhr erst nach seinem Tod, dass er zuletzt mit extrem schrägen Meinungen sympathisierte und sogar über Holocaustleugner freundliches zu sagen wusste.

Das schmälert im Nachhinein sicher seinen Ruf. Hätte ich zu Lebzeiten davon erfahren, wäre ich entsetzt gewesen. Da ich seit Jahren nichts mehr von ihm gehört hatte, war mir das alles neu. Das passte alles nicht zusammen.

In meinem Gedächtnis wird er aber stets der freundliche Ire mit dem rundlichen Gesicht sein, mit dem man sich in Freudenstadt so gut unterhalten konnte. Das Bild bleibt dann.

15 Juli 2010

Derber Thriller mit Sex & Gewalt

Es gibt Bücher, die sind so finster, die kann man nicht jedem empfehlen. Es gibt Bücher, die haben so schlimme Titelbilder, die liest man am besten nicht in der Öffentlichkeit.

Ein solches Buch ist »Im Blutrausch« von Rex Miller, das im Original den schlichten Titel »Frenzy« trägt. Ich habe es gelesen, ich konnte es nicht weglegen, aber ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich es wirklich empfehlen kann.

Denn die Themen, um die es in diesem gnadenlosen Roman geht, sind ultrabrutal. Kindesmisshandlung und Vergewaltigung einer Minderjährigen, Folter und Zerstückelung, Schießerien und Gewalt ... und das zeitweise in einer Aneinanderreihung, die einen die Lektüre nicht gerade genießen lässt.

Der amerikanische Schriftsteller Rex Miller schrieb das Ding. Er hatte im Jahr 1987 seinen Roman »Slob« vorgelegt, für den er den Bram Stoker Award als bester Horror-Roman bekam – obwohl es gar kein Horror-Thema war.

Aber man packte das Buch in die Gattung »Splatterpunk«, die Ende der 80er Jahre für eine Weile existierte. 1988 schrieb er »Frenzy«, und das kam im Sommer 2009 hierzulande raus: ein schickes Paperback mit Klappenbroschur, verlegt von der kleinen, aber feinen Edition Phantasia.

»Held« des Buches ist der Ermittler Jack Eichord, ein schon alternder Bulle, der es in seinem Leben schon mit mehreren Serienkillern aufgenommen hat. Er jagt einen Mörder, der seine Opfer mit grauenvoller Bestialität umbringt und dessen Taten anfangs keinem Muster folgen. Doch dann stellt sich heraus, dass der Mörder eigentlich ein Profi-Killer namens Frank Spain ist, der diejenigen zur Strecke bringen will, die am Tod seiner Tochter schuld sind.

Der Roman wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, ist also alles andere als ein klassischer Polizeiroman. Ich mag's auch nicht, wenn ein Autor mit den Perspektiven zu wild wechselt oder die Zeitenfolge durcheinanderwirft.

Rex Miller macht das ständig – aber eben nicht trottelig wie viele deutsche Autoren, sondern bewusst. Damit schafft er einen Sog, in dem auch Assoziationen, wilde Gedankenflüsse und anderes ihren Platz finden, der mich nicht mehr aus der Handlung entlassen wollte.

Ein sauguter Roman – ernsthaft! Aber kein Roman, den man so »nebenbei« lesen kann. Die 318 Seiten gibt's für 17,90 Euro, die ISBN 978-3-937897-34-9. Bevor jemand das Ding in einer seriösen Buchhandlung bestellt, möge er zuerst das Cover auf der Verlags-Homepage anschauen, ob er wirklich mit dem Titelbild vor der Verkäuferin stehen mag ...

Absurde Hongkong-Boys

Immer wieder erfreue ich mich an seltsamen Mails. Heute war eine dabei, die den lustigen Betreff »geschäfts () Grüße« trug, in genau dieser Schreibweise.

Glücklicherweise ist mein Mailprogramm so schlau, dass es so was gleich in den Spam-Ordner verbannt. Ich möchte gerne schmunzeln und fische es wieder heraus ...

»Hallo, ich bin William C. aus Hongkong«, beginnt die Mail. Der Nachname ist natürlich ausgeschrieben; ich anonymisiere ein wenig, damit nicht jeder weiß, welche famose »Geschäftsidee« mir schon wieder vorgeschlagen hat.

Es geht um die schlappe Summe von »44,5 Millionen Dollar«, gegen die ich mich grundsätzlich nicht wehren würde. Klasse finde ich folgende Aussage: »Ich möchte Sie zu meinem Partner in diesem Geschäft sein.« Da packt mich der geschäftliche Ehrgeiz, und ich muss mich jetzt nur noch um die Details kümmern.

Anders gesagt: Wenn es irgendwann nicht mehr zu weiteren Blog-Einträgen kommt, vor allem in den letzten Tagen, liegt es wohl daran, dass ich die 44,5 Millionen Dollar irgendwo auf Hongkong in Saus und Braus verjuble. Ich glaube, das riecht nach einem richtig guten Plan ...

14 Juli 2010

Die erste Typenradschreibmaschine

Nachdem Günther Freunek ab etwa 1983 bei SAGITTARIUS eingestiegen war, änderte sich das Layout eines Fanzines grundsätzlich. Auf einmal gab es richtig saubere Schriften und Überschriften, und ein ordentlicher Spaltensatz war auf einmal normal. Günther machte aus dem inhaltlich ganz ordentlichen, optisch immer ein wenig schäbig wirkendem Fanzine ein richtig tolles Heft.

Ich wollte ihm aber das Layout nicht allein überlassen, das gebot mir meine Ehre. Zudem war ich neidisch auf seine tolle Typenradschreibmaschine, mit der seine Texte schrieb. Das sei einfach klasse aus – zudem konnte man die Typenräder austauschen und auf einmal kursiv schreiben. Vor allem diese Möglichkeit fand ich am spannendsten.

Also ging ich ins Fachgeschäft, damals in die Firma Pfaff in Freudenstadt, ließ mich beraten und kaufte eine Typenradschreibmaschine. Sie war von der Firma Olympia, ein richtig tolles Ding, das Modell »electronic report«, war richtig schwer und wurde in einem Koffer geliefert, der sie wuchtig und elegant zugleich wirken ließ. Und sie kostete 948 Deutsche Mark, inklusive der Mehrwertsteuer.

Man schrieb das Jahr 1984. Ein Jahr später kaufte sich Günther Freunek seinen ersten »Mac Würfel«, kurze Zeit später kaufte ich mir selbst einen Computer.

Und wenige Jahre danach verstaubte die Schreibmaschine. Zuerst stand sie auf dem Dachboden, dann auf dem Keller. Bei jedem Umzug schleppte ich das schwere Ding mit. Es war schließlich einmal sündhaft teuer gewesen, und ich wollte die Schreibmaschine nicht »einfach so« auf den Müll werfen.

2009 kapitulierte ich vor mir selbst und vor meinem Gewissen. Schweren Herzens stellte ich die Kiste hinaus zum Sperrmüll, ein Vierteljahrhundert, nachdem ich sie stolz vom Fachgeschäft nach Hause geschleppt hatte ...

13 Juli 2010

Auch mal nominiert

Das finde ich lustig: Bei der Wahl zum Deutschen Phantastik-Preis 2010 bin ich nominiert. Tatsächlich findet sich meine Kurzgeschichte »Papa feiert Weihnachten«, die ja vor allem viel negative Kritik erhielt, in der Rubrik »Beste deutschsprachige Kurzgeschichte«.

Mich selbst nominiert habe ich nicht; an der Sache bin ich also ausnahmsweise völlig unschuldig. Allerdings war's dann heute ein riesiges Vergnügen, für mich zu stimmen. Übrigens ohne zu zögern und ohne schlechtes Gewissen: Die einzige von den nominierten Kurzgeschichten, die ich gelesen habe, ist meine eigene ...

Hin wie her und ohne Blödsinn gilt: Wer mag, sollte sich an der Abstimmung beteiligen. Es gibt zwar nichts zu gewinnen, aber es ist jedes Jahr aufs neue amüsant, welche Themen sich durchsetzen.

12 Juli 2010

Comix präsentiert seine Erstausgabe

Wenn ich mich recht erinnere, hatte Karl Nagel die Idee schon vor bald zehn Jahren: ein Comic-Magazin, das mit billigem Papier auf den Markt kommt und deshalb deutlich preiswerter sein kann. Mit »Comix« gibt es jetzt ein solches Heft: Die Erstausgabe kam im Juni 2010 raus, wurde auf Zeitungspapier gedruckt und kostet trotz eines Umfangs von 80 Seiten im A4-Format nur zwei Euro.

Dahinter steckt die Redaktion der Fachzeitschrift »Comixene«, von daher ist das neue Heft alles andere als ein »einfaches« Fanzine. Die Beiträge sind professionell, die Mischung ist zumindest sehr abwechslungsreich und soll wohl alle möglichen Leser ansprechen. Mich hat sie eher verwirrt.

Ein eher seltsamer und vor allem kaum lesbarer Schwulen-Comic von Ralf König leitet das Heft ein, dann kommt eine zwar bunte, aber nicht brillante Umsetzung des Markus-Heitz-Romans »Collector«, also echte Science Fiction.

Auf einen gut gezeichneten Historien-Funny folgt ein deutscher Autoren-Comic oder ein intellektuell-künstlerischer Comic von David von Bassewitz. Klasse dann zum Schluss der autobiografische Comic »Ewiger Himmel« von David Boller, und dazwischen gibt es noch redaktionelle Beiträge aller Art.

Die Mischung ist seltsam und für meinen Geschmack nicht rund. Der Preis ist allerdings umwerfend, und ich wünsche dem neuen Magazin, dass es genügend Leser findet. Ein bisschen frisches Blut würde der Comic-Szene kaum schaden ... (Ach ja, das Heft kriegt man im Comic-Fachhandel.)

11 Juli 2010

Beeindruckendes Sisteron

Ein Rückblick auf die Südfrankreichreise 2010

Wer immer die Idee gehabt hatte, die Stadt Sisteron zu errichten, verlangte von seinen Untertanen zu dieser Zeit enorm viel ab. Die kleine Stadt klebt buchstäblich auf der Spitze eines Berges, unter einem Kloster, das die Ausmaße und die Optik einer Festung hat, und um diesen Berg sammeln sich die Häuser und Gassen.

Egal aus welcher Richtung man kommt: Wer die Route Napoleon fährt, entweder von Cannes nach Norden oder von Grenoble nach Süden – er kommt an Sisteron vorbei. Kommt man vom Süden her, wirkt die Stadt auf dem Berg wie eine Kulisse für einen Fantasy-Film, wie geschaffen für eine neue Version des »Herrn der Ringe«.

Obwohl wir die Stadt schon auf der Fahrt vom Norden her besucht hatten, blieben wir bei der Rückfahrt andächtig stehen und ließen das Panorama auf uns wirken. Aus der Ferne gibt Sisteron einfach ein beeindruckendes Bild ab.

Geht man näher ran, wird es zu einer typisch französischen Kleinstadt. Kleine Straßen und Gassen, einige Plätze mit schöner Aussicht, einige Cafés, Bäckereien und Kneipen, dazwischen haufenweise Andenkenläden für die Touristen, nichts besonders also – aber dennoch schön genug, um Halt zu machen, durch die Straßen zu spazieren und eine gemütliche Rast einzulegen.

Sisteron ist vor allem am Rand und außerhalb so richtig klasse: Der Blick von der Stadt auf den Fluss und die alte Brücke, das Panorama der Berge ringsum – eigentlich sollte ich da noch einmal hinfahren und dann den Aufenthalt von zwei Stunden auf zwei, drei Tage ausdehnen.

10 Juli 2010

Klimaunterschiede

Irgendwie hatte ich an diesem Samstag, 10. Juli 2010, einen klimatischen Unterschied von gut fünfzig Grad, und das brachte ich nicht komplett auf die Reihe. Der Grund liegt auf der Hand, und jeder Mensch, der diesen Tag nicht komplett aus dem Gedächtnis geschoben hat, erinnert sich an die hochsommerlichen Temperaturen.

Bei uns in Karlsruhe hatte es 36 oder 37 Grad; ich überprüfte die Temperaturen erst gar nicht, sondern hielt mich auf dem Balkon auf, solange es dort Schatten gab. Dort versuchte ich zu schreiben, weil ja auch Gelegenheitsautoren gelegentlich ihre Termine einhalten sollten. (Wenn es schon die Profis nicht tun. Kleiner gemeiner Scherz am Rande.)

Das Problem: Ich hatte die aktuelle Folge meines PETER PANK-Fortsetzungsromans zu verfassen, die dringend in die OX-Redaktion sollte. Dafür war sie gedacht, und dafür schrieb ich sie. Dummerweise spielte »Und: Hardcore!« im Januar 1987, und die Örtlichkeiten sind irgendwo am Rand der Schwäbischen Alb. Anders gesagt: In der Szene liegt Schnee, es herrschen Eis und Minusgrade vor, alles in allem immer um die zehn Grad Minus.

Das heißt: Ich schreibe bei 37 Grad plus über 13 Grad Minus. Das ist gar nicht so einfach, stelle ich fest. Okay, Science-Fiction-Autoren haben die Außerirdischen, die sie erfinden, im allgemeinen auch im wahren Leben noch nicht getroffen. Und wer über Serienkiller schreibt, hat normalerweise noch niemanden umgebracht.

Meine persönlichen fünfzig Grad Unterschied machten mir aber ausreichend zu schaffen ... Zu jammern gab's nicht: Wer sich so ein Hobby aussieht, ist selbst schuld.

09 Juli 2010

Ein Sportfest im Lager

Beim Aufräumen alter Unterlagen fand ich eine Urkunde, die mein Vater über Jahrzehnte hinweg aufgehoben hatte. Ein Loch im oberen Teil sowie entsprechende Verfärbungen deuten darauf hin, dass er die Urkunde wohl auch zeitweise aufgehängt hatte, vielleicht in seiner damaligen Werkstatt, in der er in den 60er Jahren unterschiedliche Erinnerungsgegenstände an der Wand hatte.

Der Text der schlicht gestalteten Urkunde ist einfach: »Frick Emil – errang beim Sportfest 1947 des Kgf.-Lager Bings im Weitsprung, Klasse 1, den 2. Preis.« Unterzeichnet hatte ein »Lagerführer«, die Unterschrift ist allerdings kaum lesbar.

1947 war mein Vater schon 22 Jahre alt; er hatte zwei Jahre Krieg und weitere zwei Jahre Gefangenschaft hinter sich. Das Kriegsgefangenenlager befand sich – das weiß ich aus seinen Erzählungen – in der Nähe von Bregenz und gehörte zur französischen Zone in Österreich. Da er Handwerker war, wurde er oft als Elektriker eingesetzt; seinen wenigen Erzählungen nach schien es ihm einigermaßen gut gegangen zu sein.

Sportfeste gehörten wohl zu den wenigen Vergnügungen der Kriegsgefangenen. Dass er die Urkunde bis zum Lebensende aufbewahrte, macht zusätzlich deutlich, wie wertvoll ihm diese Erinnerung wohl war. Darüber gesprochen wurde aber in all den Jahren nie ...

08 Juli 2010

Einsam trötet die Vuvuzela

Fußballgucken in Hamburg: Ich hatte keine Lust, auf ein riesiges Public Viewing zu gehen, wollte auch nicht schauen, bei welchen Bekannten ich mich kurzfristig einzecken konnte, und machte mich geistig moralisch schon darauf gefasst, das Halbfinal-Spiel zwischen Deutschland und Spanien allein im Hotelzimmer zu gucken. Für meine Nerven wäre es vielleicht auch besser gewesen ...

Ich stellte aber fest, dass es in dem stylishen Hotel, in das man mich einquartiert hatte - »25 hours« heißt es -, auch eine Art Public Viewing angeboten wird: In der Bar hatte man Stühle und Bierbänke vor einer Großleinwand aufgebaut, es gab kühles Flaschenbier, und der Raum war gut gefüllt. Trotzdem hatte ich von meinem Stehplatz aus einen guten Platz.

Mal was anderes, Fußball mit Leuten zu gucken, die man nicht kennt. Deutschland-Fanatiker hielten sich in Grenzen, auch wenn es Frauen in schwarz-rot-goldenen Kleidchen gab und viele die Nationalstreifen in ihr Gesicht gepinselt hatten. Eine Vuvuzela trötete gelegentlich durch den Raum, aber das ließ sich aushalten.

Die Stimmung war gut und angespannt, es wurde gejubelt und gestöhnt - letzteres mehr angesichts der zahlreichen Chancen der Spanier, das deutsche Tor zu treffen. Es war trotzdem sehr angenehm, und ich wurde bestens unterhalten. Nach dem Spiel leerte sich der Saal rasch, ich guckte noch eine Weile, bevor ich auf die Straße ging.

Ich brauchte Bewegung, und deshalb ging ich spazieren. Nicht viel, nur vielleicht zwei Kilometer. Einige wenige hupende Autos waren auf der Straße, offensichtlich versprengte spanische Fans. Hätten die Deutschen gewonnen, also »wir«, wäre die Straße sicher ein einziges Fahnenmeer gewesen. Fast vermisste ich es in diesen Minuten ...

07 Juli 2010

Hardcore am Sonntag

Es ist zwar einige Tage her, aber nicht zu spät: Aus halbwegs aktuellem Anlass gab's am Sonntag, 4. Juli 2010, ein spezielles Thema im Querfunk, dem freien Radio, und dort in der Sendung ENPUNKT-Radio. Ich spielte an diesem Abend halbwegs aktuelle Hardcore-Bands aus Deutschland.

Unter anderem ließ ich Not Enough aus der Weltstadt Lünen, Stressfaktor aus der Südpfalz-Metropole Landau oder The Target aus Mannheim und Heidelberg auf die Zuhörer los. Nicht fehlen durften Karlsruher Bands wie Warstreet - alles in allem gab's an diesem Abend also viel Geboller.

Interessant: Danach hatte ich ein Interview. Ein junger Mann, der in Karlsruhe ausgerechnet Filmjournalismus studiert, dreht gerade eine Dokumentation über "Hardcore in Karlsruhe". Und ich darf in dieser Dokumentation, wie es aussieht, nicht nur den Alterspräsidenten darstellen, sondern auch denjenigen, der seit über 15 Jahren diese Szene in seinem Fanzine und im Radio dokumentiert.

Was dabei herauskommt, muss man sicher noch eine Weile abwarten. Ich bin auf jeden Fall schon mal sehr gespannt auf das Ergebnis.

06 Juli 2010

Nazi-Rocker oder Rock-Nazis

Das Schwerpunkt-Thema in der aktuellen Ausgabe des »Antifaschistischen Infoblatts« aus Berlin hat es in sich. Unter dem Titel »Endlich mit den Großen spielen?« widmet sich die Nunmmer 87 der Zeitschrift dem Thema »Neonazis in der Rockerszene«. Mehrere Schwerpunkt-Artikel forschen nach Zusammenhängen und Hintergründen, stellen diese dar und nennen personelle Verbindungen. Sehr lesenswert!

Die anderen Beiträge sind fast schon »normal«. Ich finde die Auslandsberichterstattung immer gut: Wie geht der Staat in Dänemark gegen die Antifaschisten vor, was steckt eigentlich hinter der »Tea Party«-Bewegung in den USA?

Aber selbstverständlich geht es vorrangig um Nazis im Inland. Der braune Liedermacher Frank Rennicke wird vorgestellt, die Partei »Pro NRW« ebenfalls. Aktuelle politische Themen wie die Be- und Misshandlung von Asylbewerbern durch die Polizei finde ich zwar interessant, die suche ich aber nicht unbedingt im »Antifa Info«.

Egal wie: 60 Seiten im A4-Format, die sich wie immer lohnen. Gibt's für 3,10 Euro in jedem Infoladen oder eben direkt im Internet.

05 Juli 2010

Jubeln und Grillen

Nachdem der Sommer 2010 zur Irritation vieler Mitmenschen über die Bundesrepublik hereingebrochen ist, war klar, dass das Fußballgucken am Samstag kein »Zuckerschlecken« wird. Wir guckten im »Mikado« in der Nordstadt; der Veranstaltungsraum ist groß genug und war – weil es nicht jeder wusste – angenehm gefüllt. Man konnte sich bewegen, und zudem gab es kühle Getränke.

Über das Spiel zwischen Deutschland und Argentinien muss an dieser Stelle nicht mehr geschrieben werden als nötig. Szenen-Applaus gab's stets, wenn Angela Merkel mit ihrem tappsigen Jubel oder Diego Maradona mit seinem verzweifelten Blick ins Bild kamen.

Danach jubelte ich pflichtschuldig mit; es war ja auch ein schönes Spiel gewesen. Den Autokorso ignorierten wir, in dem wir in die andere Richtung fuhren: raus aus der Innenstadt und bis zum »Rewe« in Neureut. In einem gekühlten, fast menschenleeren Supermarkt lässt es sich gut aushalten.

Dann noch hektisches Vorbereiten des Essens in Ulfs Küche – wie wir in ein kleines Schlachfeld verwandelten – und schon landeten Berge von Fleisch und Fisch und Vegetarierfutter (für mich) auf dem Grill. Dazu Bier und Wein und später Schnaps und selbstgebastelte Cockteils, kluge und weniger kluge Gespräche und immer mal wieder der Blick auf den Fernseher, wo sich die Spanier ins Halbfinale quälten.

Alles in allem ein schöner Sommersamstag, mit Fußball und Bier und viel Spaß. Den Plan, die Fenster in der Wohnung zu putzen, verschoben wir erneut auf den Sanktnimmerleinstag ...

02 Juli 2010

New Noise Festival 2010

Strahlendes Wetter und hunderte von gut gelaunten, meist jungen Leuten: Das New Noise Festival, das am Samstag, 30. Juni, in Durmersheim bei Karlsruhe über die Bühne ging, empfand ich als eine rundum gelungene Veranstaltung. Und das, obwohl ich so viel ja gar nicht mitbekam.

Ich trudelte erst am späten Nachmittag auf dem Festival-Gelände neben dem Jugendzentrum der Stadt ein. Die meiste Zeit trieb ich mich am Stand von Twisted Chords herum, wo ich mit anderen Besuchern laberte und mehr oder weniger geistvolle Sätze in die Öffentlichkeit brachte. Bei den sommerlichen Temperaturen genügten zwei Bier, um mich in einen leicht angesoffenen Zustand zu versetzen. Praktisch und sparsam zugleich ...

Die erste Band, die ich mir ansah, waren Glasses: eine kleine blonde Frau, die wütenden Hardcore ins Publikum brüllte. Das war ziemlich klasse und begeisterte mich; auch die Ansagen waren okay.

Zwischendurch hatte ich meine Lesung. Leider hörte ich selbst mich gar nicht, da im anderen Zelt gerade Alpinist spielten und die Lautsprecher vor mir standen ... War aber trotzdem amüsant und klappte alles gut.

Später guckte ich mir Ritual an, wuchtig-schneller Hardcore. Danach No Turning Back: peinliche Leute im Publikum, teilweise seltsame Ansagen des Sängers; ich kam mir vor wie bei einer Hardcore-Tanzstunde, wo einem von der Bühne heruntergesagt wird, was man zu tun hat. Musikalisch war's die prollige New-York-Schiene, also völlig okay.

Die Karlsruher Band Kaishakunin war für eine Metal-Band ganz okay - das war für meine Ohren kein Hardcore mehr. Dann Celeste, die im dunklen Zelt und mit roten Lampen auf dem Kopf spielten, dazwischen wabernder Trockeneisnebel - sehr düsterer Sound, nicht mein Ding.

Ebenfalls sehr metallisch zuletzt noch Comadre; mich überraschte, wie textsicher das Publikum mitsang. Nicht meine Lieblingsmusik, aber super gemacht. Sehr zufrieden rollte ich dann vom Platz ...

Vampire und andere Tiere

Ich mag den Schriftsteller Neil Gaiman; der Mann hat tolle Romane geschrieben und bei den Comics ebenfalls Klasse-Arbeit geleistet. In einem Interview mit der Zeitschrift »Independent« (zitiert nach dem britischen Fanzine »Ansible«) wurde er auf die aktuelle Vampir-Schwemme angesprochen.

»Mein nächster großer Roman wird einen Vampir haben«, versprach er, um sich gleich zu korrigieren. »Ich werd's wahrscheinlich nicht tun. Die sind ja überall, die sind wie Kakerlaken.«

Vernünftige Ansicht.

01 Juli 2010

Spannung ohne Fußball

War das ein spannender Tag, dieser Mittwoch, 30. Juni 2010! Ob er in die Geschichte eingehen wird, bezweifle ich; es wurde weder Fußball gespielt noch gab es eine wirklich wichtige politische Entscheidung. Es stand die Wahl des neuen Bundespräsidenten an, die Ergebnisse sind allgemein bekannt, und Spötter lästern bereits, man müsse jetzt Schloss Bellevue in »Castle Wulffenstein« umtaufen.

Ich fand das spannend genug. Wir saßen in einem Besprechungsraum, klimatisiert natürlich, und machten uns den ganzen Tag über Gedanke über die Zukunft einer gewissen Romanserie, die sich erst recht mit der Zukunft beschäftigt. Der eine Kollege, der über ein iPhone verfügt, informierte uns über Zwischenstände und anderes - so waren wir über die sportlich-politischen Aktivitäten in Berlin bestens informiert.

Daheim guckte ich mir das politische Elfmeterschießen im Fernsehen an. Christian Wulff gewann und ist nun der neue Bundespräsident. Viel Schaden kann er nicht anrichten, aber das hat er bislang auch in Niedersachsen nicht geschafft.

Wulff ist immerhin der jüngste Präsident, den dieses Land mal hatte, kein Mann, der schon richtig alt ist und von dem man in den nächsten sechs Jahren allerlei Krankheitsgeschichten erwarten müsste. Das muss man mal positiv anrechnen ...

Und wenn sich jetzt alle darüber ärgern, dass Gauck doch in Facebook-undsoweiter die Mehrheit gehabt hätte, dann sollten diejenigen, die das bejammern, mal noch mal kurz in die allgemeine Staatsbürgerkunde gucken: Facebook und Co. ersetzen noch nicht den Bundestag, irgendwelche Parlemente und andere Orte für gewählte Leute - und das ist dann auch gut so.

(Die Vorstellung, Facebook-Abstimmungen könnten künftig über mein Leben bestimmen, empfinde ich als gruselig. Das wäre wahrscheinlich schlimmer als die Ansammlung von Unfähigen im Bundestag.)

30 Juni 2010

Der Salamander jubelt wieder

Als Kind freute ich mich stets, wenn ich ein Heft mit »Lurchis Abenteuer« in die Finger bekam. Ich erinnere mich kaum noch an Details, weiß aber noch, dass mich vor allem die bunten, lebendig wirkenden Zeichnungen faszinierten und ich außer dem Spruch »Salamander, lebe hoch!« nichts im Gedächtnis behielt.

Das ist bald vierzig Jahre her, unglaublich! Damals beneidete ich die Mitschüler, die sogar »Lurchi«-Bücher besaßen – diese konnte man so richtig durchstöbern. Es interessierte mich damals allerdings weder, wer die Zeichnungen anfertigte, noch von wem die Reime waren. Und wahrscheinlich machte sich niemand von uns Kindern einen Kopf darüber, dass wir eigentlich »nur« Werbe-Comics lasen.

Ich benötigte im letzten Jahr tatsächlich das herausragende Sekundärwerk »Magira 2009«, das Jahrbuch zur Fantasy, um mehr zu erfahren. Darin war ein toller Artikel enthalten: »Ein Lurch geht durch die Welt« präsentierte in wunderbarer Art und Weise die »Lurchi«-Geschichten und die Veränderungen in den achtzig Jahren ihres Bestehens – immerhin gibt es die Bildgeschichten seit den dreißiger Jahren.

Deshalb habe ich auch mit großem Vergnügen die Neuausgabe der »Lurchi«-Geschichten gelesen. Sie erschien im Esslinger-Verlag, der vor allem Kinderbücher herausgibt; es gibt bereits mehrere Bände, aber ich habe bislang nur den ersten durchgeschmökert.

Klar sind die Geschichten hanebüchen und zeitweise stark am Zeitgeist der Weimarer Republik orientiert, und natürlich sind die Reime unter heutigem Gesichtspunkt völlig veraltet und holperig. Aber die Zeichnungen sind immer noch klasse, sie sind richtig dynamisch, und sie strahlen tatsächlich Leben aus.

Es machte mir viel Spaß, über einen Zeitraum von einigen Wochen immer mal wieder eine »Lurchi«-Geschichte zu lesen. Meist sind es hübsche Abenteuer, unter anderem im Weinberg, in Indien oder im Wilden Westen; sie werden unbekümmert erzählt und noch unbekümmerter bebildert. Eine schöne Neuausgabe!

Übrigens ist das Buch auch richtig schick geworden: Es ist ein Hardcover, orientiert sich in der Optik an den alten »Lurchi«-Geschichten, und es enthält ein kurzes Vorwort. Ich glaube, ich besorge mir bald die Fortsetzung!

(Wer das Buch haben möchte: Es erschien im Esslinger-Verlag, ist 174 Seiten stark und kostet 12,90 Euro. Die ISBN ist die 978-3-480-22490-6, und man kann's mit deren Hilfe überall im Buchhandel bestellen.)

29 Juni 2010

Blog-Rückstau

Irgendwie komme ich nicht einmal mehr mit dem Schreiben meines Blogs hinterher. Das Wochenende war ereignisreich: Fußballgucken, Lesung machen, Hardcore-Festival besuchen, Grillen, Trinken, Fußballgucken.

Ich war am Montag auf einer Dienstreise, und insgesamt war die ganze Zeit so viel los, dass ich nicht einmal dazu kam, meine Texte zu liefern. Wundere sich also niemand, wenn mancher Inhalt hektisch oder verspätet kommt.

Immerhin klappte es mit dem Fußballgucken ... Der Freitag abend, 25. Juni, war nicht so erfolgreich. Ich sah einen Teil der Spiele, aber nur in der Zusammenfassung, und verbrachte den Rest des Abends mit Biertrinken und Unfuglabern.

Besser dann der Samstag, 26. Juni, an dem ich Teile des Spiels der Ghanaer gegen die USA sah - streckenweise spannend und richtig flott. Richtig Spaß machte mir am Sonntag, 27. Juni, das Spiel der deutschen gegen die englische Mannschaft, das die »Schland«-Mannschaft verdient gewann.

Abends sah ich mir - während des Grillens - Teile des Spiels Argentinien gegen Mexiko an. (So toll waren Maradonas Jungs dann auch nicht, man kann also Hoffnung haben.) Rasant dann die Brasilianer am Montag, 28. Juni: Wie die das gut spielende Team aus Chile auseinandernahmen, das war sehenswert. Hammer.

25 Juni 2010

Danielle Dax und ihr Cathouse

Warum ich mir 1988 die Maxi-Single von »Cathouse« kaufte, weiß ich beim besten Willen nicht mehr. Das Cover war's sicher nicht, denn das sah aus, als habe man es aus der Hippie-Zeit entnommen und mit irgendwelchen psychedelischen Farben der 80er Jahre verknüpft; wahrscheinlich war ich Opfer einer positiven Plattenbesprechung geworden. Denn von Danielle Dax hatte ich zuvor nichts gehört – und danach kam mir die Dame auch nicht mehr so oft unter.

Dabei hatte die zu dem Zeitpunkt schon eine beeindruckende Karriere hinter sich. Laut Wikipedia war sie Ende der 70er Jahre in einer mir unbekannten Punk-Band namens The Lemon Kittens, bevor sie diverse eigene Schallplatten rausbrachte, alles Popmusik im weitesten Sinne, vorangetragen durch ihre eindrucksvolle Stimme.

Und das ist auch das Herausragende an »Cathouse«: Zu einem treibenden Beat kommen sägende Gitarren und die über allem schwebende Stimme von Frau Dax. Das Stück ist devinitiv tanzbar und spielte in meinen »JuZ-Discos« Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre stets eine wichtige Rolle – die eines Stücks, das die Tanzfläche unweigerlich füllte. Die einen tanzten darauf harmlosen Hüpf-Pogo, die andere versuchten sich an modischem Ausdruckstanz.

Denn wenn's auch Popmusik war, so krachte und schepperte sie doch ziemlich. Danielle Dax war Pop mit einem Wave- und Punk-Anschein, der mir gut ins Ohr ging und den man in der heutigen Zeit noch gut anhören kann. Das war 1988 definitiv kein Fehlkauf, da bin ich mir jetzt sicher.

Romane und Hörbücher rezensiert

Ich lese trotz meines Jobs immer noch gern - und recht viel. Meist nutze ich Dienstreisen oder Urlaubsfahrten dazu, mich in ein Buch zu vertiefen; vor dem Einschlafen schmökere ich meist einige Seiten. Und wenn ich ein Buch gelesen habe, das mir gefallen hat, liefere ich eine Rezension, die dann auf der PERRY RHODAN-Homepage erscheint.

So habe ich unlängst den Roman »Collector« besprochen, der als Paperback bei Heyne erschienen ist. Verfasst wurde der SF-Action-Kracher von dem erfolgreichen Schriftsteller Markus Heitz, der lustigerweise aus Homburg an der Saar kommt, wo ich in den 90er Jahren häufig zu Besuch war. Normalerweise ist Markus Heitz ein Autor von Fantasy- und Mystery-Romanen, jetzt macht er SF - finde ich gut.

Dann eher Fantasy - und die nicht mal gedruckt: »Drachenglut« war der erste Roman des britischen Autors Jonathan Stroud, der durch seine Romane um den Zauberlehrling »Bartimäus« buchstäblich weltberühmt wurde. »Drachenglut« kam vor 15 Jahren raus, die Hörbuchversion liest Rufus Beck - ziemlich klasse übrigens.

Seit vielen Jahren kenne ich Hans Kneifel; seit vielen Jahren arbeiten wir zusammen. Der Mann schrieb über Jahrzehnte hinweg Science Fiction und Fantasy, jetzt kam mal wieder ein historischer Roman heraus: das Taschenbuch »Der Engel der Apokalypse« bei Bastei-Lübbe.

Überhaupt keine Phantastik ist der Roman »Befreiung« des ungarischen Schriftstellers Sándor Márai, der als Hardcover bei Piper erschienen ist. Er schildert die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in beklemmender Weise - aus der Sicht einer jungen Frau, die in Budapest im Bombenkeller sitzt und auf die Befreiung durch die Rote Armee wartet.

Und jetzt noch ein Klassiker der Fantasy: Robert E. Howard wurde durch »Conan« bekannt, schrieb aber haufenweise andere Sachen. Im Festa-Verlag gibt es die Reihe »H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens«, und in dieser sollen nun alle unheimlichen Howard-Geschichten veröffentlicht werden. Der erste Band liegt jetzt vor: »Volk der Finsternis« enthält insgesamt 16 Horror- und Abenteuergeschichten; das fand ich stark.

24 Juni 2010

Ghana ist auch schön

Als ich am Mittwoch, 23. Juni 2010, aus dem Büro kam, war ich eigentlich richtig gut in der Zeit. Ich kam pünktlich nach Hause, zog mich um - und radelte erst einmal ins Training. Das, so dachte ich, könnte ich locker vor dem Fußballgucken erledigen.

Das klappte einigermaßen; ich kam nur etwa zehn Minuten zu spät und verpasste nicht so viel. Das Spiel zwischen Deutschland und Ghana fand ich spannend, die Ghanaer hätten meiner Ansicht nach auch locker ein Tor verdient. Die deutsche Mannschaft hatte ein wenig mehr Glück und beharkte das Tor der Afrikaner so lange, bis irgendwann ein Schuss richtig treffen musste.

Erfreulich wie immer: Im »fünf« hielt sich die Zahl der Fußball-Idioten sehr in Grenzen. Es wurde gejubelt und geklatscht, aber niemand schrie »Schland« oder anderen Unfug durch die Gegend. So lasse ich mir's gefallen.

Und wenn Ghana gewonnen hätte, wäre ich jetzt eben für Ghana. Dann müssten die auf jeden Fall weiterkommen und meinetwegen auch Weltmeister werden. Vor über 15 Jahren habe ich das Land bereist und fand es sehr schön. Und da sollte ich auch mal wieder hin ...

23 Juni 2010

Western ungekürzt


Dass ich die Western-Serie »Comanche« absolut klasse finde, habe ich in diesem Blog schon mal geäußert. Dieser Tage erschien bereits der fünfte Band der absolut begeisternden Ausgabe im Splitter-Verlag.

Das Ding heißt »Das Tal ohne Licht« und ist in dieser Form bislang nicht im deutschsprachigen Raum veröffentlicht worden. Vor über dreißig Jahren gab es eine schwer zensierte Veröffentlichung im Rahmen der »Zack«-Comics, und als ich »Comanche« in den 80er Jahren kaufte, erschien der Band nicht in der Reihe der »großen Western-Comics«.

Jetzt ist er da, und es wird klar, warum man das nie veröffentlicht hat. Der Comic ist ziemlich heftig, und er ist eine Auseinandersetzung mit den Themen Gewalt und Selbstjustiz - ein sehr amerikanisches Thema, wenngleich es ein französischer Comic ist.

Spannend erzählt, super gezeichnet, dramatische Story - »Das Tal ohne Licht« setzt auf knallige Effekte im absolut realitätsnahen Stil. Klasse! Wer's nicht glaubt, soll auf der Splitter-Homepage die Leseprobe angucken!

22 Juni 2010

Gammeln in Grenoble

Ein Rückblick auf die Südfrankreich-Reise

Nette Straßencafés, eine ruckelnde Straßenbahn in der Fußgängerzone, eine entspannte Stimmung – und der grandiose Blick auf die schneeglitzernde Felsenkette der Alpen: Das ist Grenoble. Ich war ziemlich begeistert von der Stadt, ich wäre gern länger geblieben, und ich bin mir sicher, dass es nicht mein letzter Besuch in der Stadt war.

Wir hatten uns in einem eher schlichten Hotel in Innenstadt-Nähe einquartiert und bummelten stundenlang durch die Innenstadt. Schöne, alte Bürgerhäuser säumten die Straßen, überall tummelten sich auffallend viele junge Leute, die Stimmung machte einen gelösten Eindruck. In dem einen oder anderen Ladengeschäft ließen wir sogar Geld, und zum Café saßen wir nicht nur einmal an einem schönen Platz herum.

Am frühen Abend saßen wir im Stadtgarten unweit des Flusses, den Wanst mit Wein und leckerem Essen gefüllt, und ließen uns die Restsonne auf den Kopf scheinen. Überall in den Grünanlagen saßen junge Leute, wahrscheinlich Studenten. Wer den Karlsruher Schlossplatz mit seinen riesigen Ausmaßen gewohnt ist, würde sagen, dass die Studenten in Grenoble geradezu dicht aufeinandersaßen – aber es schien niemand zu stören.

Einige junge Männer spielten gut und engagiert Gitarre, was spanisch klang, und sangen so leise, dass es nur leicht ins Ohr drang. Ich hätte dort noch locker eine Stunde länger sitzen können. Ein optimaler, weil leichter Einstieg in eine Urlaubsreise ...

21 Juni 2010

Fußball-Wochenende

Man kann ein Wochenende tatsächlich im Geiste des Fußballs hinter sich bringen, ohne alle Spiele zu sehen, ohne auch nur einmal »schland!« zu brüllen und ohne peinliche Fähnchen. Wobei ich diverse Handicaps zu überstehen hatte.

Am Freitag, 18. Juni, machte ich schon um 13 Uhr Feierabend, um pünktlich zum Spiel der Deutschen gegen die Serbien im »fünf« zu sein. Ich rechnete nicht mit dem Chaos auf der Autobahn und damit auf den Landstraßen und noch weniger mit den Baustellen in Karlsruhe, und so benötigte ich für die knapp 25 Kilometer fast eine Stunde. Radfahren wäre schneller gewesen.

Aber die deutsche Mannschaft verlor auch ohne meinen Beistand, und in der zweiten Hälfte nutzte mein entsetztes Starren nicht mehr viel. Danach düste ich nach Hause, wo ich fleißig arbeitete, Texte schrieb und Manuskripte las; parallel dazu guckte ich gelegentlich Fußball. Das Feierabend-Bier gab's zu vorgerückter Stunde im »fünf«.

Am Samstag, 19. Juni, standen wichtige Dinge auf dem Plan, die mit Fußball nichts zu tun hatten. Aber man kann ja auch Besuche im Baumarkt oder Staubsaugen damit verknüpfen, dass man entweder nach den aktuellen Ergebnissen fragt oder eben die Glotze lauter stellt. So erlebte ich die Niederlage »meiner« Kameruner gegen Dänemark leider eben doch mit.

Bleibt der Sonntag, 20. Juni. Italien gegen die Neuseeland war auch im »fünf« kein sonderlich tolles Spiel; mir schmeckten weder Kuchen noch Kaffee. Zum Ausgleich futterten wir abends in einer Pizzeria in Durlach – aus reiner Solidarität nutzte ich jeden Gang zum Klo, um auf den Fernseher zu gucken. Half den Jungs von der Elfenbeinküste leider nicht ...

18 Juni 2010

Ich bin jetzt an Bord


Punk-Fanzines lese ich seit gefühlten dreißig Jahren, mitschreiben tu' ich seit gut einem Vierteljahrhundert. Und jetzt habe ich bei einem Blatt angeheuert, das auch schon einige Jahre alt ist: das Fanzine Punkrock! aus Mannheim. Wobei das Heft definitiv schöner ist als die Stadt selbst ...

Erschienen ist dieser Tage die Nummer 12, gelesen habe ich sie noch nicht. Ich bin Mitarbeiter: Von mir stammt ein netter Bericht über das »Freak'n'Art-Festival« vom März 2010. Geschrieben in dem Stil, den ich früher beim ENPUNKT-Fanzine hatte.

Ansonsten hat das Fanzine haufenweise interessanter Beiträge zu bieten. Bands wie Strike Anywhere aus Amiland kommen zu Wort, die Riot Brigade und Abfukk aus Deutschland werden interviewt, dazu gibt's coole Mitarbeiter wie Jan Off oder den Herrn Herder.

Das Ding ist hundert Seiten stark, passt in jede Lederjacken-Innentasche (oder meinetwegen auch ins Jackett des Anzugs) und kostet schlappe drei Euro. Gibt's bei guten Plattenverkäufern oder direkt auf der Homepage der Mannheimer Kollegen.

17 Juni 2010

Ich lese in Durmersheim


Zum mittlerweile fünften Mal wird das New Noise Festival im Großraum Karlsruhe veranstaltet: Am 26. Juni 2010 verwandelt sich die Umgebung des Jugendzentrums Durmersheim in eine Hardcore- und Punk-Party. Ich war letztes Jahr zugegen und fand das ganze ziemlich stark.

Diesmal spielen bei freiem Eintritt haufenweise Bands auf, von denen ich viele nicht kenne. Es ist, soweit ich informiert bin, auch teilweise ein sehr metallischer Hardcore, der gespielt wird – ich bin mal sehr gespannt, ob und wie mir die Bands gefallen. Mit Black Friday 29 ist auf jeden Fall eine Band beteiligt, die ich von der Platte her kenne und trotz des Metal-Einflusses stark finde.

Und ich bin da. Allerdings nicht als Band, sondern als Lesender. Genau, ich mache mal wieder eine Lesung. Nach bisherigem Plan ist diese um 19.55 Uhr angesetzt – zwischen zwei Bands quasi und in einem Zelt abseits der Hauptbühne.

Hardcore-Punk oder Punkcore von Starts

Früher nannte man den Sound, den die vierköpfige Band Starts aus dem sächsischen Torgau spielt, schlicht Hard-Core Punk. Also »Hard-Core« und nicht »Hardcore«, und mit »früher« meine ich so was wie 1982. Heutzutage nennt man das ganze dann »Punkcore« und meint damit den wütenden Irokesen-Punk der zweiten bis dritten englischen Punk-Generation, heute mit einem kräftigen Schuss Metal abgeschmeckt.

Damit wären die Starts auch schon ausreichend beschrieben: Auf ihrer zweiten CD/LP »The Next Attack« geht's rotzig und rüpelig zur Sache, wird geknüppelt, was das Zeugs hält, während der Sänger ein Stück nach dem anderen rausbrüllt. Auffallend ist, dass es dazwischen glatt mal ruhigere Töne gibt – und das Stück »Only One«, das mir am besten gefällt, entpuppt sich glatt als eine Mischung aus Liebeslied und Rockerballade.

Klingt jetzt ironisch, ist aber nicht im geringsten böse gemeint: Die Starts überzeugen durch ihre aggressive Ladung, die keinerlei Weicheiertum duldet. Textlich ist man auf der parolig-sicheren Seite, ist gesellschaftskritisch und wütend.

Auffallend dabei: Deutsche Textzeilen werden häufig mit englischen Titeln kombiniert – damit ist die Band auch tatsächlich international verständlich. Stücke wie »Leather, Spikes & Boots« oder »Flame Of Punk«, die an die Punk-Szene adressiert sind, kapiert man auch außerhalb der deutschen Sprachgrenze.

Filigranmusik ist das keine, originell wirkt der Sound auch nicht. Scheiß drauf – im Jahr 2010 macht mir so eine wütende Punk-Granate richtig Spaß. (Erinnert mich an die 90er Jahre, als Recharge und Rawside zum aggressiven Stiefel-Pogo einluden.) Respekt.

16 Juni 2010

St. Pauli und die WM


Endlich ist Weltmeisterschaft, seit einigen Tagen schon, und ich bereue bereits, den Übersteiger 99 nicht im voraus gelesen zu haben. Aber auch so ist es absolut lohnenswert, das »WM-Special« des hervorragenden Fußball-Fanzines durchzuschmökern: In subjektiven Berichten, meist mit augenzwinkerndem Humor, werden auf insgesamt 36 Seiten die Teams der WM vorgestellt; das im A5-Format gehaltene Heft macht richtig Spaß.

Aber auch sonst ist die Lektüre des »Ivanistischen Propaganda-Hetzblattes rund um den FC St. Pauli« wieder mal ein vergnügliches Lese-Abenteuer. Unter anderem wird über das Fan-Verhalten während eines Spiels gegen Rostock gestritten: in ausführlichen Artikeln, Kommentaren und Leserbriefen. Soviel Offenheit findet man in der Fußball-Szene selten.

Weitere Artikel beschäftigen sich mit dem Verein in der Nachkriegszeit, der aktuellen Darstellung im Internet oder auch mit der Tischtennis-Abteilung des FC St. Pauli. Buch- und Plattenbesprechungen runden das unterhaltsame und informative Fanzine ab.

Kosten tut's 1,60 Euro; erschienen ist es bereits im Mai 2010 – aber samt dem Sonderheft kann man's auch jetzt noch lesen. Aber der Besuch auf der Übersteiger-Homepage empfiehlt sich sowieso, auch und gerade für nicht St.-Pauli-Fans.

15 Juni 2010

Keine Strumpfhosen im Wald

Denke ich an »Robin Hood«, habe ich eine Verarschung von Mel Brooks oder eine seltsame Verfilmung mit Kevin Costner im Kopf. Aus dem Grund musste ich mir am Montag abend, 14. Juni 2010, die neue Verfilmung mit Russell Crowe und Cate Blanchett und von Ridley Scott anschauen – die Vorberichterstattung hatte mich tatsächlich neugierig gemacht.

Trotz Fußball-WM eilten wir also in den »Filmpalast«, was dazu führte, dass hinterher alle Informationen nachgeholt werden mussten ... Und ich wurde dabei gut unterhalten: Der Film ist nicht so vorhersehbar, weil viele bekannte Details anders dargestellt werden, und er ist bei allem Schlachtenlärm erstaunlich abwechslungsreich geworden.

Geistvolle Unterhaltung erwartete ich keine, und die bekam ich selbstverständlich nicht. Es war ein actiongeladenes Abenteuer, mit schmutzigen Rittern und noch schmutzigeren Bogenschützen, mit einem völlig verrratzt aussehenden London und fies-intriganten Bösewichten.

Darüber nachdenken, wie ein Bogenschütze aus dem unteren Stand auf einmal höfisches Verhalten kennt oder wieso Jugendliche mit angespitzten Holzstangen in einer Schlacht gegen hochgerüstete Ritter antreten und auch noch überleben, ist allerdings zwecklos. Der Film ist streckenweise beeindruckend, aber kein historisch korrektes Dokumentations-Ding.

Ob ich mir die zu erwartende Fortsetzung antu', weiß ich noch nicht. Aber eigentlich reizt es mich nach dem offenen Ende schon, weiter die Geschichte von Robin Longstride zu verfolgen ...

14 Juni 2010

Schland in der City

Fußball guckte ich im spontan eingerichteten WM-Studio »Beim Harald«. Es gab kühles Bier, der neue Fernseher machte sich auf dem Balkon gut, und die Stimmung war bestens. Nur dass zwei Vuvuzelas in schwarzrotgold durch das Gelände dröhnten, hätte vielleicht nicht sein müssen.

Danach radelte ich gemütlich durch die Nacht, von Mühlburg aus in Richtung Innenstadt. Auf der Kaiserallee waren Fußgänger und Autos unterwegs, dröhnend und trötend, in Fahnen gehüllt und Fahnen schwenkend. Ich fand zwar auch, dass die deutsche Mannschaft sehr gut gespielt und verdient gewonnen hatte, hielt die Euphorie aber für völlig aufgesetzt und übertrieben.

Auf der Höhe des »Sandkorn-Theaters« kam mir ein Mob übertrieben fröhlicher deutscher Volksgeno..., ähm ..., Fans entgegen. »Schland!«, gellte es mir entgegen, ein Meer von Fahnen wehte in meinem Weg.

Ich umkurvte die geballte Ansammlung von Intelligenz, Alkohol und Patriotismus einigermaßen geschickt. »Du bisch ja voll uncool!«, schrie mir ein junger Mann empört nach. Vielleicht muss ich nächstes Mal mit »Schland!« reagieren oder gleich »Oz! Oz! Oz« skandieren.

Den Rest des Abends genoss ich vor dem »Kebap-Express« am Mühlburger Tor. Die Pide schmeckte leidlich, die frische Luft tat gut, und ich genoss es, hupende und fahnenschwenkende Deutschland-Fans zu betrachten. Vor allem auffallend viele junge blonde Frauen hingen aus den Fenstern oder saßen in geöffneten Kofferräumen.

Vor allem, wenn sie an der roten Ampel standen, wo es nicht weiterging, sah das sehr erheiternd aus: Das mit dem Regelnbrechen-in-Feierlaune müssen wir in Deutschland dann doch noch eine Weile üben ...

13 Juni 2010

Hausarbeit versus Fußball

Kein leichtes Unterfangen, an einem Samstag wie dem 12. Juni 2010 ein halbwegs normales Leben mit der Fußball-Weltmeisterschaft zu koordinieren. Da die Spiele nicht sonderlich überzeugten, verpasste ich allerdings nicht so viel.

Immerhin schaffte ich es, parallel zum Spiel zwischen Südkorea und Griechenland ein wenig zu frühstücken und diverse Hausarbeiten zu erledigen. Irgendwann sollten ja mal Bad und Klo in einen halbwegs begehfähigen Zustand versetzt werden ...

Zum Spiel zwischen Argentinien und Nigeria arbeiteten wir auf dem Balkon; wenn die Glotze laut genug ist, bekommt man zumindest einen Teil mit. Spätestens als es darum ging, Grundnahrungsmittel einzukaufen, war's aber Essig mit Fernsehgucken. Dafür war der Supermarkt so gut wie leer, und es gab Super-Parkmöglichkeiten.

Einigermaßen spannend fand ich das Spiel zwischen England und den USA, und ich bedauerte gut fünf Minuten lang den unglückseligen englischen Torwart. In der Pause bastelten wir uns leckere Flammkuchen, und die wurden dann in der zweiten Halbzeit verspeist. Das ziemlich gute Timing klappte nicht ganz, dafür waren die Flammkuchen super – und so viel verpassten wir dann doch nicht.

Meinetwegen kann die WM so weiter funktionieren. Wie ich es aber im Verlauf der Arbeitswoche auf die Reihe bekommen soll, die relevanten Spiele mitzukriegen, ist noch herauszufinden ...

Erinnerungen an Schneller Autos Organisation

Es muss um 2004 gewesen sein, als die Hamburger Band mit dem sperrigen Namen Schneller Autos Organisation in Karlsruhe spielte, im damals besetzten Haus »Ex-Steffi« in der Schwarzwaldstraße beim Hauptbahnhof. Obwohl der Sound der Band im ersten Moment nicht sonderlich eingängig war, kam sie sehr gut an.

Wer mag, kann dazu Emopunk sagen: Die Texte sind ziemlich schlauköpfig, die Musik nicht gerade klassischer Deutschpunk – und auf der Bühne standen recht normal aussehende Typen, die beispielsweise Hemden trugen. Aber live war das klasse. Und auch auf Platte klingt das saugut, wie die Langspielplatte »World« beweist. Die kam 2003 bereits raus und schwankt zwischen »total eingängig« und verkopft.

Elf Stücke gibt's auf der Platte, teilweise unterstützt von einer fies quiekenden Schweineorgel, ansonsten aber durch die Bank mit einem treibenden Rhythmus und tatsächlich tanzbar – allerdings nicht gerade für Stiefel-Pogo geeignet. Wer einen literarischen Vergleich sucht, findet ihn vielleicht bei Dackelblut, wobei das immer hinkt.

»World« ist auf jeden Fall eine Platte, die ich mir nach mehreren Jahren noch anhören kann. Und Schneller Autos Organisation ist eine Band, an die ich gern zurückdenke. Immer noch empfehlenswert!

12 Juni 2010

Zwei Bier in Genf

Es war mein erster Abend in Genf – oder Genève –, und vielleicht lag es daran, dass ich zum ersten Mal da war. Aber irgendwie klappte es an diesem Abend nicht so richtig mit der Stadt und mir; wir wurden keine Freunde.

Dabei war alles gut verlaufen: Hotel gefunden, Auto in der piefigen Tiefgarage abgestellt, Klamotten im Zimmer deponiert, Wertsachen in den Safe gestopft. Dann zu Fuß in Richtung Innenstadt und Richtung See. Der Plan war, gemütlich etwas zu trinken, vielleicht auch eine Kleinigkeit zu essen.

Doch die Innenstadt war an diesem Abend so gut wie tot. Zwar waren Menschen unterwegs, die der warme Frühstommerwind durch die Straßen trieb, aber die Geschäfte hatten alle geschlossen, und nett aussehende Restaurants fanden wir ebensowenig wie normale Kneipen. Zumindest die erste Stunde lang gab es nichts, wo wir anhalten wollten.

Bis wir dann nach einigem Herumlatschen eine Kneipe fanden, in der ich mit meinem miesen Französisch kaum verstanden wurde und wo viele Leute auf wackeligen Stühlen und Tischen im Freien saßen. Dort gab es immer schön kühles »Carlsberg«-Bier, was ich auch in anderen Situationen mag, das mir an diesem Abend aber besonders mundete.

Und so fand dieser Abend dank dänischem Bier doch noch ein schönes Ende ...

11 Juni 2010

Unterwegs mit Monsieur Albert

Bisher mochte ich Navigationsgeräte überhaupt nicht; aus diesem Grund besitze ich so ein Ding auch nicht. Bisher, so dachte ich, finde ich meinen Weg auch ohne technische Hilfe, und nötigenfalls kann ich in einen Stadtplan schauen oder Leute nach dem Weg fragen. Vor allem letzteres ist so falsch nicht, und damit kommt man sogar im Ausland ganz gut durch.

Bei der Reise nach Südfrankreich hatten wir ein geliehenes »Navi« an Bord. Da wir es auf eine sympathisch klingende Männerstimme umgestellt hatten, gaben wir ihm einen Namen. Das Ding hieß jetzt »Monsieur Albert«, und ab und zu bedankte ich mich sehr höflich.

Monsieur Albert hatte seine guten Seiten. Zuverlässig lotste er mich durch das Dickicht französischer Städte (schon mal eine Nebenstraße in Cannes gesucht?), aber ebenso durch dörfliche Umgebung (zwei Meter breite Straßen zwischen Cavaillon und Sisteron). Ebenso zuverlässig verwies er auf Tankstellen, Einkaufszentren und Gaststätten, wenn wir ihn danach fragten. Geschmäcklerisch war er da eine Katastrophe, aber man kann nicht alles haben.

Manchmal war das durchaus gewöhnungsbedürftig. Manche Kreisverkehre kannte Monsieur Albert einfach nicht, und manchmal hätte ich gern mit ihm diskutiert, was die Entfernungsangaben betraf. »In zweihundert Meter rechts abbiegen« ist für mich offensichtlich anders definiert als bei ihm.

Da ich Landstraßen fahren und Autobahnen meiden wollte, lotste mich Monsieur zeitweise über beeindruckende Umwege. Das meine ich ohne Ironie: Die Straßen etwa, die ich zwischen Genf und Grenoble oder zwischen Marseille und Cannes fuhr, die hätte ich ohne Nav sicher nicht angesteuert. Teilweise traumhaft schön, wenngleich natürlich sehr eng und kurvig.

Alles in allem ein sympathischer Zeitgenosse, dieser Monsieur Albert. Am Ende mochte ich ihn geradezu, gab ihn aber leichten Herzens wieder her. Zwischen Rastatt und Karlsruhe und Stuttgart und Mannheim brauche ich so ein Hightech-Gerät dann doch eher selten ...

10 Juni 2010

Zwischen Eis und Schnee

Die Ausgabe 90 des Fanzines OX erschien dieser Tage, und enthalten ist wieder einmal mein Fortsetzungsroman »Und: Hardcore!«, der dritte Teil von »Peter Pank« also. Es handelt sich dabei um die 26ste Fortsetzungslieferung - und nach wie vor spielt die Handlung im eiskalten Januar 1987.

Der Held der Geschichte, der Punkrocker Peter Meißner, geht in dieser Folge mit seinem Kumpel Jörg in die Konfrontation mit den örtlichen Nazis. Das will Peter nicht, der eigentlich seine Ruhe haben möchte - aber Jörg ist stinksauer und sucht seinen privaten Rache-Feldzug. Dabei geht natürlich einiges schief.

Wieder mal spielt die Geschichte in der dörflichen Welt am Rand der Schwäbischen Alb. Die Dörfer sind übrigens ebenso erfunden wie die darstellenden Personen - aber vieles von dem, was ich in den »Peter Pank«-Geschichten erzähle, hätte ja in der Wirklichkeit tatsächlich so ablaufen können ...

Flux mit viel Gehippel

Ich habe erstaunlicherweise nur eine einzige Platte der alten englischen Punkrock-Band Flux of Pink Indians, und das ist eine Platte, die nach ihrer Punk-Phase aufgenomen wurde. Das Ding nennt sich »Uncarved Block«, kam 1986 raus, und für diese Platten kürzte die Band endlich ihren Namen zu Flux ab.

Musikalisch tat sich auch einiges. Anfangs waren die Briten ja auf Crass Records gewesen, hatten dort unter anderem für Vegetarismus und gegen den Krieg gepredigt, waren aber stets punkrockig gewesen. Mit der dritten Platte wandelte sich das ziemlich: Der Sound wurde hippelig, im weitesten Sinne zu einer Art IndieSound der 80er Jahre.

Ziemlich viel Funk, sofern ich das richtig kapiere, ziemlich viel Gehämmer und Getrommel, das alles recht manisch und recht hitzig, alles in allem ein Sound, der ins Ohr und auch in die Beine geht, der aber mit Punkrock nix mehr zu tun hat. Als ich die Platte einer Bekannten vorspielte, meinte sie irgendwann, das klänge wie Techno – und damit hatte sie ja nicht mal unrecht.

Im Prinzip war's wohl ein Bindeglied zwischen Punk und Techno, und von daher ist »Uncarved Block« ein durchaus interessantes Zeitdokument. Kann man sich auch 2010 noch locker anhören.

09 Juni 2010

Handbuch und Frick-Interview

Schick sieht es aus, schick und dick: Das »Handbuch für Autorinnen und Autoren« landete in meinem Urlaub auf meinem Schreibtisch, heute habe ich es endlich durchgeblättert und in den nächsten Wochen und Monaten werde ich es hoffentlich zum größten Teil auch lesen können. Das Handbuch ist längst das Standardwerk für Schriftsteller und andere Schreiberlinge - und ich finde es gut.

Nicht nur deshalb, weil es ein Interview mit mir enthält ... Titel des Interviews: »Science Fiction – ein Randthema für Minderheiten?« Die Fragen stellte Sandra Uschtrin, die das Buch auch im eigenen Verlag herausgibt.

Kern des neuen »Handbuchs für Autorinnen und Autoren« sind aber vor allem 15 Beispiel-Exposés (historischer Roman, Erotikroman, Heftroman, Fantasy, Krimi, Jugendbuch, Kinderbuch, zeitgenöss. Roman, Memoir/Reisebericht, Sachbuch, Ratgeber) mit Kommentaren der betreffenden Agenturen, LektorInnen und AutorInnen. Dazu kommt haufenweise anderes interessantes Lese-Zeugs.

704 Seiten stark ist das Ding - die 49,90 Euro sind da aber auch durchaus angemessen. Ein Nachschlagewerk, ein Standardwerk, ein wuchtiges Werk ... ich freue mich auf die Lektüre!

08 Juni 2010

Fast 2800 Kilometer

Kurzer Rückblick auf den zwei Wochen dauernden Urlaub in Frankreich: nichts spektakuläres, nichts besonderes, eher gemütlich. Wir fuhren mit dem Auto, keine Flugreise, wie früher also ... nur dass diesmal nicht im Auto oder auf dem Campingplatz im Schlafsack sondern eben in Hotels übernachtet wurde.

Nach Zwischenstopps in Genf (eher langweilig) und Grenoble (spannende Stadt) landeten wir im Luberon-Gebiet. Konkret zwischen Roussillon und Gargas, also in den sogenannten Ockerbergen. Traumhaft schöne Landschaft, leckeres Essen, tolle Wanderung.

Danach in die Camargue, mit einer Übernachtung im rein touristischen Port Camargue, dort aber in einem kleinen Hotel. Es gab zu viele Mücken, aber die schöne Landschaft und der gute Wein ließen mich die Stiche im Sumpf leicht ignorieren.

Zuletzt hatten wir eine winzige Ferienwohnung in Cannes, keine fünfzig Meter von einem Hafen entfernt, eher am Stadtrand und gut eineinhalb Kilometer bis zur Croisette. Selten so viele Bonzen gesehen - aber von dort aus unternahmen wir viele schöne Touren in die Umgebung.

Sobald ich es zeitlich auf die Reihe bekomme, gibt es weitere Berichte. Fotos habe ich so gut wie keine: Touristische Aufnahmen kann man sich heutzutage via Google zu jedem Thema einfacher besorgen, und irgendwelche »Quatschbilder« sind mir zumeist zu privat.

07 Juni 2010

Lena, Hotte, Koch und so

Da ist man für zwei Wochen im Ausland, und danach sieht die deutsche Welt ganz anders. Die Nation steht kopf, weil ein 18 Jahre altes Mädel mit einem gelungenen Pop-Song den Grand Prix gewollen hat - plötzlich bringt das glatt einen Nationalitätstaumel mit sich. Schön, dass sich so viele Deutsche mit einer Jugendlichen identifizieren ... oder habe ich das jetzt falsch verstanden?

Schön ist auch, dass Ronald Koch seine Ämter räumt. Damit wird Deutschlands Politik in diesem Jahr ein Stück weit weniger schlimm. Hoffen wir mal ...

Und auch Horst Köhler räumt sein Amt. Ich kann mich an keine vernünftige Aussage des Mannes erinnern, was an meinem schlechten Gedächtnis liegen mag; deshalb kann ich mir hierzu keine Aussage erlauben. Fehlen wird er mir nicht.

War sonst noch was? Offensichtlich muss ich nur das Land verlassen, damit einschneidende Dinge passieren. Ich glaube, ich muss öfter in Urlaub fahren.

21 Mai 2010

Mquestionmark zwischen Punk und Elektro und ...


Seit 2005 gibt es die italienische Band Mquestionmark – dieser Tage habe ich endlich ihre erste Platte angehört. Die trägt den schlichten Titel »One For All All For One«, kam als CD und als LP raus und bringt einen furiosen Mix aus Elektro und Punk und Emo und IndieRock und was auch immer einem in den Sinn kommt.

Sängerin und Sänger wechseln sich ab, ein treibender Beat haut die meisten Stücke nach vorne, der Bass wummert, und die Musik geht zumindest bei mir unweigerlich in die Beine und in den Kopf; während das läuft, sitze ich wie ein Wackeldackel an meinem Schreibtisch. Das ist kein Punkrock, ganz sicher nicht, aber ziemlich geile Musik.

Die englischsprachigen Texte habe ich mir nicht übesetzt, aber das ganze wirkt doch eher skurril. Politik kommt nicht vor, stattdessen besingt die Band ihre »Dreams of Carrot« oder postuliert »I Hate My Work«; das klingt also alles sehr sympathisch. Coole Band, coole Platte.

Novelle aus der Victorianischen Zeit

Ich gestehe, dass ich bis vor wenigen Tagen weder von dem Schriftsteller James Rice noch von seinem Kollegen Sir Walter Besant gehört hatte. Die beiden Briten schrieben ihre Novellen und Romane, Artikel und anderen Texte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – und hierzulande sind sie so gut wie unbekannt, während man im englischen Sprachraum immer mal wieder Werke von ihnen nachgedruckt.

Nachdem ich »Der Heiratsrekordhalter« gelesen habe, fände ich es gut, wenn es mehr von den beiden zu lesen gäbe. Das schmale Taschenbuch (gerade mal 76 Seiten Text, aber sehr schön gebunden und hergestellt) ist im kleinen, aber sehr feinen Verlag Lindenstruth erschienen, und ich habe es unlängst gelesen – man bekam es als Abonnent der Zeitschrift »Arcana« als Dreingabe.

Der Inhalt ist rasch umrissen, folgt er doch dem damals häufig benutzten Schema einer Novelle: Der Ich-Erzähler trifft einen anderen Menschen, und dieser erzählt eine bizarre Geschichte. In diesem Fall treffen sich der Ich-Erzähler und sein Gegenüber gleich mehrfach im Zeitraum von mehreren Jahren.

Wie sich herausstellt, ist der Unbekannte ein Unsterblicher. Er ist ein Vierteljahrtausend alt, und es ist kein Ende in Sicht. Dank alchimistischer Techniken ist ihm die relative Unsterblichkeit geglückt – er muss nur aufpassen, dass er keine Fehler begeht. (Klingt manchmal wie bei der Science-Fiction-Serie, für die ich tätig bin ...)

Auf den ersten Blick klingt das banal, mir hat die Lektüre aber großen Spaß bereitet. Der Ich-Erzähler und sein Gegenüber liefern sich Wortgefechte, die spöttischen Bemerkungen über die aktuelle Zeit passen gut dazu. Gleichzeitig wird glaubhaft dargestellt, welche Probleme eine derartige Langlebigkeit mit sich bringen.

»Der Heiratsrekordhalter« ist eine klassisch-phantastische Geschichte, bei der eine schöne Idee aufgebaut, weiterentwickelt und konsequent zu Ende erzählt wird. Das Erzähltempo ist altmodisch und ein wenig langsam, bereitete mir aber viel Vergnügen.

Und wenn ich mir auf englischen Homepages so anschaue, was die beiden Autoren alles verfasst haben, kann ich nur hoffen, dass der Verlag Lindenstruth in nächster Zeit weitere Texte der beiden ausgräbt und publiziert. Gelegentlich, so denke ich, schadet es nämlich nicht, bewusst die Klassiker des Genres zu lesen ...

20 Mai 2010

Comanche endlich unzensiert


Als Jugendlicher stieß ich in den »ZACK-Comic-Boxen« und später in den regulären ZACK-Comics auf die Western-Serie »Comanche«, der ich tatsächlich verfiel. Ich mochte schon damals die Abenteuer der 666-Ranch, der attraktiven Chefin Comanche und des raubeinigen Cowboys Red Dust, und als die Comics anfangs der 80er in der Reihe der »Großen Western-Comics« bei Ehapa erschien, kaufte ich sie natürlich.

Schon damals fiel mir beim Abenteuer »Roter Himmel über Laramie« auf, das einiges nicht stimmte. Die Comic-Fanzines jener Tage lieferten die Berichte dazu: Für die deutschen Leser war der Comic entschärft worden, vor allem den Schluss hatte man komplett geändert. Damit, so glaubte man wohl, kann man den Helden sauber lassen und lässt das Kapitel der Selbstjustiz komplett weg.

Die Diskussion ist bald dreißig Jahre her – und jetzt liegt im Splitter-Verlag endlich mal eine Ausgabe des klassischen Comics vor, die lückenlos ist. Da hängt der Sheriff tot am Balken, ohne dass sinnlose Sprechblasen gnädig über die Leiche geklebt werden; da gibt es aber auch stimmungsvolle Seiten, die man uns Lesern anno dunnemals ebenso vorenthielt.

Was der Splitter-Verlag aus »Comanche« macht, ist sensationell. Das Buch ist super gedruckt, es sind alle Seiten enthalten, die Übersetzung ist tadellos, es gibt einen redaktionellen Anhang, und als zusätzlichen Effekt hat man sogar noch einen Kunstdruck beigefügt. Hammer. Nicht nur für Western-Fans ist dieser Comic eine absolute Empfehlung!

Nazi Dogs hüpfen nach 1977 und zurück

Gesehen habe ich die Nazi Dogs noch nicht, aber schon von ihnen gehört. Die vier Burschen kommen aus Aachen, das sich neuerdings als »Punkcity« bezeichnet, und mit ihrer aktuellen CD »Old Habits Die Hard« liegt bereits der zweite »große« Tonträger vor. Gefällt mir ziemlich gut!

Was die Nazi Dogs machen, ist ein gewagter Sprung ins Jahr 1977, aber nicht in abgeschmackter, langweiliger oder rückwärts gewandter Form. Stattdessen greifen die Burschen die rotzige Attitüde des frühen Punk auf, wobei der Sänger sich gelegentlich wie Iggy Pop anhört, und mischen das ganze mit einer Prise von ungestümem Ami-Hardcore der ersten Viertelstunde.

Das ganze ist nicht neu, knallt aber gut. Eine Platte, die ich mir noch öfter anhören werde und die mich neugierig auf die erste Platte macht. Mit den 15 Stücken der Nazi Dogs kann man aber echt nicht viel falsch machen!

18 Mai 2010

Berichte vom Autorentreffen

Schon wieder sind einige Tage seit dem Autorentreffen in Nürnberg vergangen. Ich habe in diesem Blog ja mehrfach darüber berichtet. Es gibt einige Berichte dazu im Internet, auf die ich gerne verlinke.

Die Veranstalter haben selbst einen Nachbericht erstellt, auf dem sich auch ein Link zu den Fotos befindet. Mit weiteren Kommentaren ist hier zu rechnen, einige der Bilder zeigen meine Nase.

Gut gefallen hat mir der Blog von Gerd Rau aus Österreich, der bereits in Wolfenbüttel auf einem »meiner« Seminare war. Er plaudert aus, dass ich vor meinem Vortrag noch auf der Toilette war, um ein »Angstwässerchen« abzulassen - nun denn ...

In seinem Eoraptor-Blog schreibt Volkmar Kuhnle ebenfalls über die Veranstaltung. Seiner Aussage zufolge haben ihm vor allem meine Anekdoten gefallen.

Die mir persönlich gar nicht bekannte Nora Günther schrieb einen unterhaltsamen Bericht über das Treffen. Und im Science-Fiction-Netzwerk ergänzte Petra Hartmann durch eigene Beobachtungen und Betrachtungen. Sehr schön.

17 Mai 2010

Sind das Chansons bei Bullfight?


Aus den Niederlanden kommt nicht nur rumpeliger Hardcore, sondern tatsächlich auch eine Band wie Bullfight. Das sind vier Männer und eine Frau, die mit Anzug und Krawatte auftreten und ihre Stücke mit Piano, dezentem Schlagzeug und zurückhaltender Rockmusik-Instrumentierung spielen. Ich habe ihre CD »Stranger Than The Night« zum Besprechen erhalten, die vom Label als »pop noir« bezeichnet wird.

Das ist nicht mal falsch. Was die Band macht, ist IndieRock – für diejenigen, die eine Schublade suchen – oder eben eine Mischung aus ein bisschen Jazz, ein bisschen Rock, viel Groove und guten Melodien, meinetwegen ist es sogar eine Art moderner Chanson.

Die melancholische Stimmung ist »fingerschnippend« und düster zugleich, man schwingt als Zuhörer gewissermaßen mit. Dazu passen die Texte, die sich immer mit Personen und ihren Schicksalen beschäftigen, gewissermaßen die Violent Femmes ins Jahr 2010 versetzt und mit Nick Cave gekreuzt. Starke CD, die ich noch oft hören werde!

Kreuzung der drei Witwen


Nicht zum ersten Mal bin ich von einem Simenon-Roman beeindruckt; so langsam glaube ich, dass der Mann in seiner aktiven Phase nichts schlechtes geschrieben hat. Am Wochenende las ich »Maigrets Nacht an der Kreuzung«, eine Geschichte, die manchen heutigen Lesern – die an Massenmord und Folterung in Krimis gewöhnt sind – vielleicht ein wenig langweilig vorkommt.

Ein Mord geschieht in der französischen Provinz, Kommissar Maigret muss ermitteln. Hauptverdächtigt ist ein dänischer Staatsbürger, doch im Verhör in Paris gibt er nichts preis. Also muss man ihn ziehen lassen, und Maigret fährt in die Provinz.

Die Kreuzung der drei Witwen ist der Schauplatz des Romans; hier stehen drei Häuser, um die offensichtlich unheimliche Dinge geschehen. Rasch passiert ein zweiter Mord, es folgen ungemütliche Verhöre aller Anwohner, die eine oder andere Schießerei, ein wenig angedeutete Erotik und zuletzt ein Gespräch mit allen, die sich derzeit an der Kreuzung aufhalten.

Das klingt nicht besonders aufregend, ist aber superspannend. Auf nicht mal 170 Seiten schafft es der Schriftsteller Georges Simenon, seine Charaktere allesamt glaubhaft und nachvollziehbar agieren zu lassen.

Dazu kommt der Charme der alten Technik: Wenn man telefonieren will, muss die Telefonverbindungsdame in Aktion treten, und die Polizei rückt im Taxi am Tatort an. Kein Wunder: Der Roman wurde 1931 geschrieben.

Ich bin echt süchtig nach Maigret-Romanen, so langsam befürchte ich das. Aber was soll ich machen? Der dickleibige Kommissar, der sich von Bier, dick abgeschnittenem Brot, Schinken und Zigaretten ernährt, der Verdächtige sofort duzt und ansonsten sehr autoritär auftritt, hat mich gewissermaßen »verhaftet« ...

Kreuzung der drei Witwen

Nicht zum ersten Mal bin ich von einem Simenon-Roman beeindruckt; so langsam glaube ich, dass der Mann in seiner aktiven Phase nichts schlechtes geschrieben hat. Am Wochenende las ich »Maigrets Nacht an der Kreuzung«, eine Geschichte, die manchen heutigen Lesern – die an Massenmord und Folterung in Krimis gewöhnt sind – vielleicht ein wenig langweilig vorkommt.

Ein Mord geschieht in der französischen Provinz, Kommissar Maigret muss ermitteln. Hauptverdächtigt ist ein dänischer Staatsbürger, doch im Verhör in Paris gibt er nichts preis. Also muss man ihn ziehen lassen, und Maigret fährt in die Provinz.

Die Kreuzung der drei Witwen ist der Schauplatz des Romans; hier stehen drei Häuser, um die offensichtlich unheimliche Dinge geschehen. Rasch passiert ein zweiter Mord, es folgen ungemütliche Verhöre aller Anwohner, die eine oder andere Schießerei, ein wenig angedeutete Erotik und zuletzt ein Gespräch mit allen, die sich derzeit an der Kreuzung aufhalten.

Das klingt nicht besonders aufregend, ist aber superspannend. Auf nicht mal 170 Seiten schafft es der Schriftsteller Georges Simenon, seine Charaktere allesamt glaubhaft und nachvollziehbar agieren zu lassen.

Dazu kommt der Charme der alten Technik: Wenn man telefonieren will, muss die Telefonverbindungsdame in Aktion treten, und die Polizei rückt im Taxi am Tatort an. Kein Wunder: Der Roman wurde 1931 geschrieben.

Ich bin echt süchtig nach Maigret-Romanen, so langsam befürchte ich das. Aber was soll ich machen? Der dickleibige Kommissar, der sich von Bier, dick abgeschnittenem Brot, Schinken und Zigaretten ernährt, der Verdächtige sofort duzt und ansonsten sehr autoritär auftritt, hat mich gewissermaßen »verhaftet« ...

16 Mai 2010

Bei der Caritas

Ich nächtige selten in kirchlichen Einrichtungen; das liegt daran, dass ich mit Kirchen nicht mehr so viel anfangen kann. Als Jugendlicher war das anders. Trotzdem kam ich jetzt auf eine Nacht im Caritas-Pirckheimer-Haus in der Altstadt von Nürnberg.

Sauber war's, ordentlich sowieso, und ein bisschen spartanisch. Im Raum gab's einen kleinen Tisch, auf dem ich den Computer abstellen konnte, und ein Bett, in dem ich ganz gut schlief. Und ich hatte ein Badezimmer mit Klo und Dusche - alles in Ordnung.

Auf die üblichen Hotel-Details wie Safe oder Kühlschrank wurde verzichtet, ich benötigte es auch nicht. Ein Frühstück bekam ich ebenfalls nicht, weil ich an einem Feiertag da war. Und vom Personal bekam ich so gut wie nichts mit.

Trotzdem werde ich das Caritas-Heim in guter Erinnerung behalten: Von hier aus war ich ruckzuck in allen Innenstadtgassen, die mich interessierten, und bei allen Punkten, die ich ansteuern musste und wollte. Und das ist was wert.

Von christlich-katholischer Missionierung wurde ich übrigens völlig verschont. Man schwatzte mir nicht einmal eine Bibel auf ...

15 Mai 2010

Nachts in Nürnberg

In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag konnte ich nicht gleich einschlafen, ich war unruhig und umtriebig zugleich. Also verließ ich die heiligen Hallen des Caritas-Heimes, in dem ich einquartiert worden war, und begab mich auf die Straße.

In der Nacht der Nürnberger Altstadt brodelte das Leben. Gruppen junger Leute waren unterwegs, ich kam mir richtig alt vor. Vor einer Diskothek zog sich eine lange Schlange über einen Platz, viele junge Leute, darunter auffallend viele junge Frauen mit kurzen Röcken und hochhackigen Schuhen. Es war kein sonderlich warmer Abend, und ich kam mir schon vor wie in Glasgow oder einer anderen britischen Stadt ...

Die meisten Kneipen hatten allerdings geschlossen, nur noch zwei Döner-Buden hatten offen. Ich stromerte durch schmale Gassen und über große Plätze, das Licht der Straßenlaternen glitzerte auf dem feuchten Kopfsteinpflaster, und überall um mich herum war Kichern und Lachen und Raunen und Sprechen.

Im Bahnhof, wohin es mich zuletzt - nach der Unterführung - auch verschlug, war die Stimmung angespannter. Eine Gruppe von Polizisten, die Knüppel teilweise schon in den Händen, stand mitten im Bahnhof, als ob ernsthafte Gefahr drohte.

Angesichts der vielen jungen Leute, die allesamt friedlich aussahen, wirkte das martialisch und übertrieben. Ich war mir sicher, dass es dafür einen nachvollziehbaren Grund gab, und verließ kopfschüttelnd wieder den Bahnhof.

Es reichte mir irgendwann, aber der fast eine Stunde dauernde Spaziergang mit all diesem unschlüssigen Schlendern und Bummeln hatte mir einen ganz anderen Eindruck von Nürnberg vermittelt als der Aufenthalt in der Buchhandlung und in einer Kneipe wenige Stunden zuvor. Wäre ja auch schlimm, wenn es nicht so wäre ...

14 Mai 2010

Autorentreffen absolviert

In den schönen Räumlichkeiten des Bildungszentrums Nürnberg wurde am Donnerstag, 13. Mai 2010, das Autorentreffen 2010 veranstaltet; zum bereits siebten Mal lud Ursula Schmid-Spreer Autorinnen und Autoren nach Nürnberg. Nachdem ich 2004 bereits einmal dort »aufgetreten« war, konnte ich diesmal erneut teilnehmen.

Schätzungsweise 80 Personen füllten den großen Raum angenehm aus. Kaffee, Säfte, Cola und Wasser sowie haufenweise Kekse standen zur Versorgung bereit, und die Organisation mit aller Technik geschah praktisch reibungslos. Das fand ich schon beim ersten Mal gut, und diesmal klappte alles noch besser.

Als erster berichtete der Drehbuchautor Oliver Pausch von seiner Arbeit: Er präsentierte eine Kurzgeschichte, die in einen kurzen Film verwandelt worden war, und erzählte darüber, welche Bedingungen beim Schreiben von Drehbüchern zu berücksichtigen waren. Da ich mich in diesen Bereichen so gut wie nicht auskenne, fand ich das richtig spannend.

Danach kam Titus Müller, ein Autor, den ich sehr gut leiden kann, der spannende Bücher schreibt und der auf der Bühne eine gelungene Mischung aus Information – wie baut man Szenen in einem Roman? – und Unterhaltung lieferte. Sehr schön.

Zwischendurch gab's Mittagessen, am späten Nachmittag war ich dran. Ich erzählte über Fantasy, gab mir Mühe, das ganze ein wenig ironisch und witzig zu gestalten, und hatte hinterher das Gefühl, das ganz gut hingekriegt zu haben.

Durch den fiesen Nieselregen fuhr ich irgendwann zurück, um kurz vor Mitternacht wieder daheim zu sein. Autobahnfahrten sind echt nicht meine Lieblingsbeschäftigung ...

13 Mai 2010

Lesung im Stressgefühl

Irgendwie war mir entgangen oder entfallen, dass am Donnerstag ein Feiertag war und deshalb viele Menschen den Mittwoch als ersten Urlaubstag für ein verlängertes Wochenende nutzen würden. Und so quälte ich mich am Mittwoch abend, 12. Mai 2010, durch einen grausigen Verkehr und über die A6 von Karlsruhe nach Nürnberg, die letzten vierzig Kilometer buchstäblich im Schrittempo.

Kein Wunder, dass ich völlig gehetzt in der Grauer’schen Antiquariatsbuchhandlung eintraf. Völlig hektisch futterte ich im China-Restaurant auf der anderen Straßenseite noch etwas, bevor ich mich ins Gewühl stürzte; schätzungsweise zwei bis drei Dutzend Zuhörer hatten sich eingefunden.

Vor mir lasen die Autoren Titus Müller (aus seinem aktuellen historischen Roman) und Oliver Pautsch (aus einem Krimi), und das Publikum war sehr gut aufgelockert. Es gab eine kleine Pause, und dann war ich dran - allerdings immer noch in einem totalen Stressgefühl.

Ich redete ein wenig, erzählte über meine berufliche Laufbahn und las dann die Kurzgeschichte "Träumen von Tanelorn" aus MAGIRA, den Jahrbuch zur Fantasy. Das Publikum lachte an den richtigen Stellen, und gegen Ende gab es ordentlichen Beifall - obwohl ich mich vergleichsweise häufig verlesen hatte.

Alles in allem eine gelungene Lesung, die mir Spaß gemacht hat. Mal was anderes als bei Punk-Konzerten oder in besetzten Häusern ...

12 Mai 2010

Das Wummern von Ausgang

Es gab mal eine Zeit, da war »Gothic« noch keine Beleidigung, sondern Ausdruck für eine durchaus interessante Musikrichtung nach Punkrock und Wave. Eine der Bands dieser Zeit waren Ausgang, vier Typen mit seltsamen Frisuren (zwischen Iro, langen Haaren und seltsamem Wave-Geschwurbel auf dem Kopf) aus Birmingham. Man gründete sich 1982 und löste sich 1987 nach einem Haufen Platten wieder auf.

Eine der Platten ist die EP »Hunt Ya Down«, die als Maxi rauskam: vom Format eine Langspielplatte, aber eben nur vier Stücke drauf. Musikalisch wummert das manchmal ganz schön, Schlagzeug und Bass sind stark betont, während der Sänger seine Stimme gelegentlich zum Kippen bringt, und die Gitarre klingt oft hektisch und abgehackt.

Mit lahmarschigem Gruftie-Sound, wie er oft üblich war, hat das nichts zu tun – die Platte zeigt vielmehr, wie sich Gothic-Rock vom Punk her weiter entwickelt hat. Und das kann man sich dann tatsächlich auch heutzutage noch anhören.

11 Mai 2010

Brasilianische Meldung

Das Internet ist schon eine tolle Erfindung: Da schreibt ein Leser in Brasilianer über mich, und ich kann das lesen, theoretisch sogar sofort-sogleich, wenn ich öfter meinen Namen googeln würde.

Tatsächlich hat eine brasilianische Fan-Homepage zu PERRY RHODAN einen Bericht über meinen kleinen Fantasy-Roman »Sardev - Schatten des Friedens« veröffentlicht. Die schöne Überschrift: »Publicado romance de fantasia de editor de Perry Rhodan«. Das versteht man sogar ohne Kenntnisse einer Fremdsprache, und es schmeichelt mir auf jeden Fall.

10 Mai 2010

Kino-Spektakel vom feinsten

Mag sein, dass »Iron Man 2« ein übertriebenes Spektakel für schlichte Gemüter ist. Mag sein, dass es sich um eine chiffrierte Darstellung der amerikanischen Paranoia handelt und um eine Anmerkung zur aktuellen Diskussion um Kopierschutz und geistiges Eigentum. Mag sein, dass alle Kritiker recht haben.

Mir doch egal.

Wir waren in dem Streifen, und ich war völlig begeistert. Klar handelt es sich bei dieser Superhelden-Verfilmung um ein überzogenes Stück Popcorn-Kino, mit einer Action, die teilweise nicht nachvollziehbar ist, und albernen Kämpfen gigantischer Roboter untereinander.

Aber die Schauspieler reißen's raus. Robert Downey Jr. gibt glaubhaft den großkotzigen und zugleich lustigen Industriellen Tony Stark, während Mickey Rourke einen russischen Bösewicht mit nachvollziehbaren Motiven spielt. Klasse ist wieder Gwyneth Paltrow, die allerdings Stöckelschuhe tragen muss, bei der sogar diese Dame ins Stolpern gerät.

Aber der Hammer ist Scarlett Johansson, die ich sonst für überbewertet und ein wenig langweilig halte. In diesem Streifen zeigt sie Action und Sex in einer Art und Weise, dass ich echt staunte.

Kein intellektueller Film, nein - aber das will »Iron Man 2« auch nicht sein. Aber geglückte Hollywood-Unterhaltung mit hohem Pop-Faktor, die richtig Spaß macht.

Featherlike mit Popper-Pop

Die Schweizer Band Featherlike war mir bisher unbekannt; jetzt habe ich ihre Single-CD (so was gibt's noch!) »Love Is A Minefield« gehört und finde die Band gut. Dabei müsste ich sie angesichts der Optik richtig schlimm finden: sieht alles wie in den 80er Jahren aus, vor allem das Cover der Single, das vier ernsthafte Männer mit kreuzlangweiligen Frisuren zeigt. Aber vielleicht geht das heutzutage als Emo durch.

Die Burschen wissen auf jeden Fall, wie man gelungenen Gitarren-Pop spielt, der trotz der Optik überzeugt: Gute Melodien, die »poppig« sind, ohne zu süßlich zu klingen, funktionieren einfach immer noch.

Ob das ganze live funktioniert, weiß ich nicht – das muss ich mir wohl erst mal angucken. Der erste Eindruck ist auf jeden Fall schon mal gelungen.

09 Mai 2010

Demo gegen Abschiebung

Auf Demonstrationen gehe ich seit Jahren eher selten; meist muss mich das Thema tatsächlich reizen. Zuletzt war ich vor zwei Jahren, wenn ich mich recht erinnere, als es um das geplante Nazi-Zentrum in Karlsruhe-Durlach ging. Am Samstag, 8. Mai, ging es um Abschiebung, genauer gesagt, ging es darum, einen Stopp der Abschiebungen zu fordern.

Ohne jetzt zu sehr ins politische Detail zu gehen (wer mag, kann sich im Internet zu Genüge informieren): Zur Zeit macht es sich der deutsche Staat mit seinen Verwaltungsbeamten sehr leicht - haufenweise werden Menschen abgeschoben und das in Länder, die ihnen weder Sicherheit noch eine halbwegs verträgliche Zukunft bieten.

Ganz konkret erwischt es Roma und andere Minderheiten aus dem Kosovo, denen in ihrer angeblichen Heimat nach 15 Jahren nichts als »ein Leben am Rand der Müllkippe« droht. Das Thema halte ich für wichtig, weil ich die deutsche Politik hier komplett widerwärtig finde: Für Banken, Politiker und anderen Mist haben wir Milliarden, auf der anderen Seite schieben wir Menschen ins Elend ab.

Wie viele Leute sich an der Demonstration beteiligten, ist schwer zu schätzen. Am Anfang schätzte ich rund 500, zwischendurch hätte ich selbst gesagt, wir seien an die tausend, am Ende schmolz das Häufchen in der erstaunlichen Sommerhitze ganz schön zusammen.

Insgesamt aber eine anständige Teilnahme, die mich positiv überraschte. Ebenso positiv: Es waren sehr viele junge Leute aus den unterschiedlichsten Richtungen dabei, viele junge Frauen auch. Sage noch einer, die heutige Jugend sei unpolitisch ...

Die Redner waren allerdings zu einem großen Teil grauhaarig und klangen dann auch wie aus den 80er Jahren. Auffallend, dass die einzig guten Redebeiträge bei der Demo von jüngeren Frauen aus Mannheim und einer anderen Stadt (keine Ahnung ... schäm!) kamen. Aber dass es bei Demonstrationen zu viel Gerede gibt, hat mich schon in den 80er Jahren genervt.

Als völlig nervig erwies sich wieder einmal die Polizei, die angesichts einer derart friedlichen Demonstration mit Knüppeln und starkem Robocop-Aufgebot aufmarschierte. Zwar liefen wir nicht im Schild-und-Knüppel-Spalier, aber vor der Demo kam zuerst einmal ein Mob von Uniformierten. In der Fußgängerzone dürfte das für Befremden gesorgt haben.

So sieht Meinungsfreiheit in Deutschland im Jahr 2010 also aus: Ein völlig überzogenes Aufgebot an Polizei schüchtert die Bürger ein und macht ihnen klar, dass ihr Protest und ihre Argumente absolut unerwünscht sind.

07 Mai 2010

Wissenschaftlicher Einblick in eine Szene

Über Street Art gab's in den letzten Jahren immer mehr zu lesen: Bücher, Zeitschriftenartikel und Fernseh-Reportagen beschäftigten sich mit den meist jungen Künstlern. Ein gutes Thema ist das, weil es sich immer schön bebildern lässt. Das Archiv der Jugendkulturen hat mit dem Buch »Street Art. Legenden der Straße« jetzt einen manchmal nüchternen und recht wissenschaftlichen Zugang zum Thema gewählt.

Katrin Klitzke und Christian Schmidt, die beiden Herausgeber des Buches, stellten dafür Bilderstrecken und Texte zusammen. Dabei kommen die Künstler selbst zu Wort, die mit ihren Bildern und Skulpturen die Mauern von Großstädten zumindest verändern, wenngleich nicht immer verschönern. Andere Beiträge stammen von Wissenschaftlern und Forschern.

Die wissenschaftlichen Texte sind naturgemäß ein bisschen komplex, zum Ausgleich sind die Texte der Künstler manchmal ein wenig seltsam. Da gibt es dann eben Gedichte, Mail-Kommunikation oder verschwurbelt zu lesende Statements. Die Wissenschaftler analysieren den kulturellen und sozialen Hintergrund von Street Art.

Das ist nicht immer einfach zu lesen, und manchen Text habe ich dann nur überblättert. Schön ist das Buch trotzdem, einen gelungene Mischung aus Sachtexten und schicker Bilderbuch-Ästhetik.

Erschienen ist es bereits im Sommer letzten Jahres: ein 226 Seiten starkes Hardcover im Großformat, das durch das schöne Layout und die zahlreichen Bilder schon rein optisch überzeugt und mit 28 Euro auch nicht zu teuer ist. Wer sich intensiv für Street Art interessiert, sollte das Buch haben – als »Einsteigerlektüre« empfiehlt es sich eher nicht.

Das Archiv der Jugendkulturen hat hier auf jeden Fall gezeigt, dass es die Nase auch im popkulturellen Wind hat: schöne Sache, eindrucksvoll und überzeugend!

Es gibt zu dem Buch sogar einen eigenen Blog, der unter anderem Rezensionen und andere Beiträge zum Thema zusammenfasst. Wer sich dafür interessiert, kann dort ja weiterlesen.

06 Mai 2010

Nazi-Treff beim Flughafen

Dass sich Nazis auch im Großraum Karlsruhe/Baden-Baden/Rastatt, wo ich lebe und arbeite, eifrig tummeln, ist nichts Neues. Neuerdings entwickelt sich für die »Kameraden« aus Karlsruhe und Umgebung die Landgemeinde Rheinmünster zu einem wichtigen Treffpunkt.

Wer Rheinmünster nicht kennt: Das ist der Ort, auf dessen Gemarkung der Baden-Airpark liegt, auch als Flughafen Karlsruhe bezeichnet. Hier hat sich jetzt die lokale Neonazi-Szene ein neues Zuhause in einem Landgasthof eingerichtet. Das ist nicht unbedingt eine Neuigkeit, auf den einschlägigen Nazi-Homepages wurde auch schon fleißig über Konzerte von Bands wie unter anderem Kommando Skin oder Endstufe berichtet.

Interessant ist aber das Verhalten der Polizei und der Öffentlichkeit, sprich der Presse. Am gestrigen Mittwoch, 5. Mai 2010, ging eine Information der Antifa raus, die auch auf der Indymedia-Homepage veröffentlicht wurde. Darin stehen die wesentlichen Einzelheiten, die ich ja jetzt nicht wiederkäuen muss.

Mit Datum von heute reagiert endlich die Polizei und schickt ihrerseits eine Presseerklärung ab. In dieser Erklärung wird in einem etwas seltsamen Sprachstil so getan, als habe die Polizei ermittelt und könnte nun endlich berichten, was Sache ist. Da sind die Beamten sicher auch sehr stolz auf ihre famose Ermittlungsarbeit ...

Und die Presse übernimmt dann die Polizeimeldung, ohne auch nur eine Sekunde selbst zu recherchieren. Garstig sein darf ich deshalb nicht. Man muss sich ja schon freuen, wenn Polizei und Presse diese Art von Umtrieben überhaupt wahrnehmen.

05 Mai 2010

Stress ist ...

... wenn man morgens die Zeitung aus dem Briefkasten fischt, sie ins Büro trägt, sie in der Mittagspause nicht anguckt, sie abends nach Hause trägt und am nächsten Morgen ungelesen in den Papierkarton stopft ...

... wenn man jeden Tag neue »bitte dringend rückrufen«-Telefonnotizen auf dem Schreibtisch sammelt, bis sie eine veritable Länge erreicht haben, um sie dann abends - nach kurzem Durchschauen - zähneknirschend wegwirft ...

... wenn einem Menschen, die man mag, Mails schicken, die mit »hast Du meine letzte Mail nicht erhalten« anfangen, um einem dann alles noch einmal zu senden ...

... wenn es geistig-moralisch noch reicht, um Blog-Einträge oder Twitter-Notizen zu verfassen, zu sonst aber wenig ...

04 Mai 2010

Großartige Werbung

Das Bier der Firma Heineken ist nicht das, welches ich bevorzuge ... um es vorsichtig zu formulieren. Wenn's irgendwo nur Heineken gibt, trinke ich meist Cola ... um es ein wenig klarer zu sagen.

Dabei machen die Jungs und Mädels mit die beste Bierwerbung überhaupt. Zumindest drei Spots sind absolut sehenswert.

Legendär immer noch die »Walk In Fridge«, also der begehbare Kühlschrank, bei dem ich zwar womöglich das Bier austauschen würde, über den ich mich aber ansonsten begeistern kann. Klasse gemacht.

Die Fortsetzung dazu ist dann die »Walk-In Fridge«, bei der auch die Gesichter der Darsteller sehenswert sind. Da bricht mir glatt das Science-Fiction-Herz.

Ganz neu sind die »Männer mit Talent« oder eben »Men With Talent«, das sich als eine wunderbare Verarschung irgendwelcher Talentsendungen im Fernsehen präsentiert. Großartige Wettbewerbe, tolle Show - klasse!

Kurzgeschichte zu Tobago

Im PERRY RHODAN-lastigen Fanzine »Bully«, das zur Leipziger Buchmesse erschienen ist, von mir aber erst dieser Tage gelesen werden konnte, wurde eine Kurzgeschichte von mir veröffentlicht. Das Ding heißt »In diesem Dreck hier?« und gehört zum bunten Reigen meiner Reisegeschichten, von denen es im Verlauf der letzten zehn Jahre sehr viele gab.

Die Kurzgeschichte spielt auf der Insel Tobago, also in der Karibik, und hat - wie nicht anders zu erwarten - einen biografischen Kern. Wobei ich keinerlei Rückschlüsse darauf habe, wie die PERRY RHODAN-Fans die Geschichte gefunden haben ...

03 Mai 2010

Hamburg im Fokus

Die gestrige ENPUNKT-Radiosendung im Querfunk, dem freien Radio für Karlsruhe, stand ganz im Zeichen von Hamburg: Ich spielte Punkrock und ein wenig Hardcore und Ska aus der Hansestadt, sehr bunt gemischt und eher neueres Zeugs - Klassiker fehlten völlig.

Viel deutschsprachiges gab es: Kommando Sonne-nmilch und Schneller Autos Organisation mit eher schlauen Texten und »intellektuellem Sound«, Feindbild dafür mit extrem ruppigem Deutschpunk und Leistungsgruppe Maulich mit Musik für den brillentragenden Irokesenpunk.

Englischsprachig tummelten sich die Varanes und die - nur teilweise aus Hamburg stammende - Kapelle Small Town Riot. Und ich stelle verduzt fest, dass es tatsächlich gar keinen Hardcore gab und die Ska-Fraktion durch ein bisschen Rantanplan vertreten war. Man kann nicht alles haben, auch in einer Punkrock-Radiosendung nicht.

02 Mai 2010

Ich lese demnächst in Nürnberg

Am Donnerstag, 13. Mai 2010, bin ich in Nürnberg, wo ich als Dozent am Autorentreffen teilnehme. Am Vorabend gibt's zudem eine Lesung in der Grauer’schen Antiquariatsbuchhandlung. Neben den Kollegen Titus Müller (historische Romane) und Autor Oliver Patsch (Krimis) bin ich von der Partie.

Es gibt allerdings keinen Punkrock-Kram zu hören; das wäre angesichts des zu erwartenden Publikums ein wenig fehlgeplant. Da ich als Science-Fiction- und Fantasy-Experte zu der Veranstaltung geladen bin, werde ich wohl schauen müssen, dass ich etwas aus diesen Themengebieten vorlese.

Wer sich dafür interessiert: Das ganze findet am Mittwoch, 12. Mai 2010, um 20 Uhr statt. Weitere Informationen gibt's auf der Homepage der Buchhandlung.

01 Mai 2010

AC4 mit Umea-Punk

Aus Schweden kam in den 90er Jahren die Band Refused, die ihren spannenden Hardcore mit politischen Texten gut auf die Bühne brachte und auch außerhalb der Szene auffiel; als Nachfolgeband gab es The International Noise Conspiracy, die immer noch politisch waren, sich aber musikalisch vom Hardcore-Punk entfernten. Und jetzt AC4, eine Band, die aus Leuten besteht, die in diesen Bands waren und seit vielen Jahren in Umea und Umgebung Punk und Hardcore machen.

Kein Wunder, dass die Band, die sich 2008 gegründet hatte, bereits 2009 eine erste Platte rausbrachte: großartiger Hardcore-Punk, wie man ihn Ende der 80er Jahre schon gespielt hat. Natürlich benutzt man moderne Studios, die Aufnahmen sind viel besser als früher, aber das schadet dem draufgängerischen Sound nicht. Die Stücke werden rasant nach vorne gespielt, sie tanzen buchstäblich in meinen Ohren – das ist klasse!

Erschienen ist die Platte bei dem schwdischen Label Nyvag Records; nach den Angaben des Labels ist die bereits vergriffen, während man die Vinyl-Version noch bei diversen Versendern kriegt. Lohnt sich!