16 Oktober 2026

Chaos im Kaufhaus

Die aktuelle Ausgabe des OX-Fanzines ist schon am ersten Oktober erschienen. Dass ich mich heute erst dazu äußere, liegt schlicht an der Buchmesse: Ich kam vorher nicht dazu. Doch nun kann ich die aktuelle Ausgabe 188 mit unfassbaren 164 Seiten im A4-Format endlich durchblättern und teilweise lesen; komplett schaffe ich das seit langem nicht mehr.

Aber das sagt schon deutlich, wie sich im Verlauf der Jahrzehnte die Prioritäten verschoben haben. Vor dreißig Jahren fuhr ich zwar auch auf die Buchmesse, irgendwelche Punkrock-Aktivitäten gingen trotzdem vor. Das ist wohl eine Folge dieses Altwerdens, vor dem mich alle Leute immer gewarnt haben.

Hin wie her: In der Ausgabe 188 geht es um eine sogenannte Critical-Mass-Aktion. Viele Leute gehen in ein Kaufhaus und machen Quatsch. Das geht nicht lange gut, und bald tritt die Polizei auf den Plan. Die sorgt verlässlich dafür, dass aus einer Aktion, die vielleicht ein bisschen stressig war, sonst aber harmlos, etwas Größeres wird.

Die turbulenten Geschehnisse im Sommer 1996 hat es so nie gegeben; es handelt sich also gewissermaßen um eine phantastische Geschichte – oder so. Aber da es sich bei meinem Fortsetzungsroman, also »Der gute Geist des Rock'n'Roll« um einen Roman handelt, wird man mir diese Abschweifungen hoffentlich verzeihen.

15 Oktober 2026

Meine Rede über Doppelmoral

Die hier folgende Rede hielt ich im Frühjahr 1993 bei einer Demonstration in Freudenstadt. Es war einer meiner letzten »Auftritte« in meiner Heimatstadt. Der Applaus hielt sich in Grenzen, die meisten hörten nicht zu.

Bei der Demonstration gegen Rechtsradikale waren jugendliche Punks ebenso anwesend wie bürgerliche Menschen, die eher zu den Christdemokraten gehörten. Denen wollte ich den Spiegel vorhalten. Die Resonanz war allerdings gering.

Vieles aus dieser Rede würde ich heute nicht mehr sagen, einiges war sehr platt. Aber 1993 bot es sich meiner Meinung nach an, so zu argumentieren. Den Text brachte ich dann auch in der Ausgabe 22 meines Fanzines ENPUNKT, die im gleichen Jahr veröffentlicht wurde.

Die Morde von Solingen geschahen danach. Das sollte man zur Einordnung der Rede wissen, denke ich.

Eine Rede über Doppelmoral

Ich bin keiner von denen, die Vorträge gerne mit einem Manuskript halten – dieses Mal sei’s mir verziehen, weil das Thema zu ernst ist. Ich habe mein Manuskript mit dem eher programmatischen Titel »Rede über Doppelmoral« überschrieben, und in diese Richtung soll es auch gehen. Ich will kurz, nur kurz über die mehr als doppelte Moral sprechen, die seit gut einem Jahr die Auseinandersetzung mit den Faschisten bestimmt – auch diese Demonstration in Freudenstadt heute zeigt das.

Als am 31. Januar 1993 drei tamilische Flüchtlinge im hessischen Lambertsheim nach einem Brandanschlag verbrannten, interessierte das niemanden. Die Polizei verkündete voreilig, der Brand sei »zufällig« ausgelöst worden – und es gingen gut zwei Wochen ins Land, bis endlich auch offiziell durchsickerte, dass das Flüchtlingsheim von Nazis angezündet worden war. Das interessierte zu diesem Zeitpunkt so gut wie niemand – denn es waren ja nur drei Tamilen gestorben, braunhäutige Untermenschen, Asylanten, Menschen zweiter Klasse. Demonstriert hat kaum jemand.

Als im Januar 1993 im saarländischen Bexbach ein homosexueller Gastwirt von Nazi-Skinheads erstochen wurde, war das kein Thema. Warum auch? Es war nur ein Schwuler – und bei der Beurteilung von Schwulen sind in Deutschland Linke wie Rechte, Deutsche wie Türken einer Meinung: unwertes Leben. Wenn in Deutschland Obdachlose von randalierenden Nazis totgeprügelt werden, gibt’s in der »taz« eine Sechszeilenmeldung, in der rechtsgerichteten bis rechtsradikalen Bürgerpresse nicht mal einen Vermerk. Keine Frage: unwertes Leben eben.

Als am 23. Januar 1993 der Punkrocker Gamasche bei Mühlhausen in Thüringen von 15 Faschos abgestochen wurde, kamen 200 Leute zum Trauermarsch, alle aus der Punk-Szene. Der Mörder ist nach wie vor auf freiem Fuß, die Polizei ermittelte in Richtung »Todschlag unter randalierenden Jugendlichen« – und großartige Lichterketten gab’s natürlich nicht. Logisch: ein Punk, dann noch linksradikal-autonom – der hat’s verdient, das ist unwertes Leben.

Dabei sah es so aus, als würde die Republik nach dem 22. November 1992 aufwachen. Drei Menschen waren umgebracht worden, in Mölln, durch einen Brandanschlag, und die »Bösen« waren gleich zu orten: zwei offensichtlich knalldoofe Nazi-Glatzen, die von den anderen Glatzen nicht mal für voll genommen wurden.

Die Empörung war groß: Lichterketten bildeten sich, in jedem Kaff, sogar in Freudenstadt, Rastatt und ähnlichen Metropolen, gab es erschütternde Demos. Erschütternd vor allem wegen der Hirnlosigkeit der Teilnehmenden: »I mach halt mit, weil i schulfrei krieg«, sagte laut Angaben eines Pressevertreters in Freudenstadt eine Schülerin.

Warum gab’s solche Empörung nach den Möllner Morden? Warum keine nach den Lambertsheimer Morden? Logisch: In Mölln starben »drei unschuldige Frauen«. Die Formulierung ist aussagekräftig genug, um sie genauer zu analysieren. Waren die anderen Ermordeten in den Jahren seit der Wiedervereinigung etwa schuldig?

In Mölln starben »drei Türkinnen«. Stimmt ja, die Türkei ist ein wichtiger Handelspartner und ein Nato-Verbündeter – ganz schön scheiße für die Exportchancen der deutschen Industrie. Und, ganz entscheidend, liebe Leute: Zwei von den Ermordeten waren in Deutschland geboren worden. Die waren gewissermaßen schon richtig arisch. Fast echte Volksgenossen! Kein Wunder, dass sich da das Bürgervolk empört.

Jetzt muss ich einhaken, bevor die bürgerliche Betroffenheit in mir das neue Opfer findet. Es ist natürlich empörend, wenn drei türkische Frauen verbrennen – und es ist eine Schande für dieses Land, dass so etwas überhaupt geschehen kann. Es ist aber auch eine Schande für dieses Land, dass um diese drei Tote aus durchsichtigen Motiven ein dermaßiger Rabatz gemacht wird, die anderen Toten aber buchstäblich unter den Tisch fallen.

Krüppel und Obdachlose, Punks und Autonome, Asylanten oder überhaupt Schwarze – das sind eben im Weltbild des konservativ geprägten Bürgertums, das man heute auch gelegentlich mit betroffener Miene und rührseligem Schweigen auf der Straße angetroffen hat, keine wichtigen, keine wertvollen Menschen mehr. Wenn die verschwinden, ist’s zwar nicht gerade schön – aber schlimm ist es auch nicht.

Zudem lassen sich Mordopfer wie der Hausbesetzer Silvio Meier in Berlin oder die Punks Gamasche aus Verden oder Lampe aus Magdeburg wunderbar unter der Rubrik »jugendspezifische Gewalt« einordnen. Da liegen sie dann gut, und die Staatsanwaltschaft hat ebenso ihre Ruh’ wie die betroffene Bürgerseel’.

Heissa! Es ist etwas Schönes mit dem deutschen Obrigkeitsbürger.

Schön ist die bürgerliche Doppelmoral im Übrigen immer dann, wenn es darum geht, gegen die Nazis mal so richtig zu demonstrieren. So hat sich im hessischen Städtchen Immenhausen der SPD-Bürgermeister nicht etwa darüber empört, dass faschistische Mitglieder der Organisation »Blut und Ehre Immenhausen« Ausländer und Linke zusammenschlugen und terrorisierten, sondern darüber, dass bei einer Gegendemonstration »Hassparolen gegen praktisch jeden politisch Andersdenkenden verbreitet« worden seien.

Man kennt die Sprüche: »Schlag die Glatzen, bis sie platzen.« Das ist natürlich platt, aber ebenso ironisch. Aber da sind die bürgerlichen Politiker von CDU und SPD, FDP und Grünen immer gleich zur Hand: Der Widerstand gegen Nazis, so folgern sie, ist genauso faschistisch. Und deshalb schlecht.

Wer Eier auf Bundespräsident Weizsäcker schmeißt, ist mindestens so gefährlich wie jemand, der Asylantenheime abfackelt. Und wer sich einer Nazi-Bande auf der Straße mit dem Axtstiel in der Hand oder der bloßen Faust in den Weg stellt, ist in unseren ach so demokratischen Kreisen viel »faschistischer« als derjenige, der applaudierend dabeisteht, wenn Nazis eine Ausländer-Unterkunft angreifen.

Dass Täter von rechts weniger stark als Täter von links bestraft werden – dieses in linken Kreisen gerne verbreitete Pauschalurteil stimmt so nicht. Vor allem in letzter Zeit fällten Richter einige bemerkenswert harte Urteile gegen rechtsradikale Gewalttäter. Dass dies alles nicht nutzt, dass man den Faschismus nicht mit Gefängnis, sondern an ganz anderen Fronten bekämpfen muss, ist eine Binsenweisheit – aber sie ist unpopulär.

Die bürgerliche Moral fordert jetzt eines: härtere Gesetze, härteres Vorgehen. Das beruhigt zuerst das Gewissen und dann das Ausland.

So einfach ist das. Und während die Richter die Gewalttäter von Rostock und anderswo in den Jugend- oder gar Erwachsenen-Knast stecken, ohne über die Folgen eines solchen Knastes nachzudenken, brennen jedes Wochenende wieder Häuser und Wohnungen, werden Menschen angegriffen und umgebracht. Mit dem einen Unterschied: Die Meldungen sind wieder nur sechs bis acht Zeilen lang, sofern die Taten überhaupt registriert werden.

Doppelmoral zeigen sie doch alle. Mein liebstes Beispiel sind die Musiker, die zu all diesen ach so tollen Festivals anreisen, diese sozialdemokratischen Gefühlsduselheit-Rocker à la Bap und Münchner Freiheit, Herbert Grönemeyer und Prinzen. Man kann’s ihnen nicht mal verübeln: Auf diese Weise bekommen sie kostenlose Werbezeiten in Funk, Fernsehen und Presse, und sie erhalten gleichzeitig einen internationalen Persilschen in Sachen Zivilcourage und besonderem Mut.

Ich bitte darum, für diese Musikanten-Helden hinterher eine Schweigesekunde einzulegen. Eine wenigstens.

Da sind die rechtskonservativen Volksmusiktümler zumindest ehrlich: Bei ihren Konzerten sind biedere Lederhosenträger und gute Deutsche wenigstens »unter sich«. Ein Schwarzer, der sich da reinwagen würde, käme sicher lebend raus, und keiner würde ihm mit »Sieg Heil«-Rufen ein Messer an die Kehle setzen. Aber da traut sich schon aus musikalischen Gründen kein Schwarzer rein.

Der Spruch aber, »heute die morgen du«, den eines dieser so gut gemeinten Festivals vor sich hertrug, ist der Witz schlechthin. Ich hab’ mir die Musik im Radio angehört, und ich hab’ mir die Leute angeschaut: Diese Normalbürger, die dichtgedrängt in Frankfurt und Köln standen, um sich diese Langweilermusik, dieses teutonische Weinerlichkeits-Gesülze, anzuhören, anständig subventioniert von eben jenen Medien, die jahrelang den Ausländerhass und das Vierte Reich propagandistisch vorbereitet haben, diese Normalbürger mit ihren Schnauzbärten und 0815-Frisuren, die brauchen keine Angst haben vor den Nazis.

Macht euch doch um die keine Sorgen. Das sind ja keine Ausländer, das sind ja keine Schwule, das sind ja keine ausgewiesenen Linken, das sind keine Punks oder Waver, das sind anständige Deutsche, jawoll!

Und die wählen, wenn es sein muss, entweder gleich gar nicht oder zumindest die richtigen Parteien. Die ach so demokratischen Christdemokraten ebenso wie die ach so demokratischen Frei- und Sozialdemokraten oder die Grünen. Das ist staatstragend und gut.

Denn eins muss allen hier Anwesenden zum Schluss meiner Predigt sowieso klar sein: Wer sich als Antifa versteht, kann kein Mitglied in der CDU sein, denn die fördert den Faschismus heutzutage tatkräftig – und wäre es nicht verboten, würde ich sagen, dass unser Innenminister noch rechts von Franz Schönhüber steht. Ein Antifa kann auch nicht Mitglied der FDP sein, denn deren Liberalität erschöpft sich darin, dass jeder soviel Geld scheffeln darf, wie er will und kann.

Ein Antifa kann erst recht nicht Mitglied der SPD sein, denn deren Weichspülerkurs und deren Kuschen vor der faschistisch werdenden Gesellschaft, deren Kniefall vor all diesem lächerlichen »Sind doch alles verführte Jugendliche»-Gewäsch spielt den Faschisten in die Hände. Ein Antifa kann kein Grüner sein, denn ein Antifa muss irgendwann mal erkennen, dass Grüne Politik nur das Deckmäntelchen ist, unter dem diese vorgeblich bürgerliche Demokratie derzeit ihr braunes Süppchen köchelt.

Ein Antifa darf eigentlich nur eines sein, und das will ich jetzt durchaus weit ausgelegt haben, ein Antifa darf sich eigentlich nur derjenige oder diejenige nennen, wer antifaschistische Politik als autonome Politik und autonome Aktion versteht.

Denkt darüber nach.

14 Oktober 2026

Der Kalte Krieg und seine Folgen

Ein Spionage-Roman, der im Jahr 2014 spielt und sich auf Ereignisse aus der Mitte der 80er-Jahre konzentriert: Ich las endlich »Das Moskau-Spiel« von Christian von Ditfurth, den ich ansonsten vor allem von seinen Science-Fiction-Themen her kannte, und fand den Roman richtig gut – nicht nur wegen der originellen Aufklärung gegen Ende, sondern auch wegen der Tatsache, dass er heute noch gut funktioniert. Wladimir Putun ist schließlich nach wie vor im Amt.

Um die Handlung des dicken Romans kurz zu raffen: Im Jahr 2014 wird ein Agent des Bundesnachrichtendienstes nach Moskau geschickt, um einen Todesfall zu überprüfen. Ein Angehöriger der deutschen Botschaft kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben – doch weil es sich bei diesem Angehörigen um einen erfahrenen Geheimdienstler handelt, gibt es Fragen.

Wie sich schnell herausstellt, war dieser Agent vor allem in den 80er-Jahren aktiv. Es bestehen also Zusammenhänge über Jahrzehnte hinweg – die Zeit des Kalten Krieges wirkt auch im Jahr 2014.

Geschickt stellt der Autor beide Epochen gegenüber. Mal spielt die Handlung im Jahr 2014, mal in den 80er-Jahren; mal steht der Vater des Agenten im Zentrum, dann wieder er selbst. Das ist meist sehr spannend, wenngleich ich mir klarere Zeitangaben – etwa in Form von Überschriften – gewünscht hätte. Manchmal springt die Handlung praktisch auf einer Seite von der einen in die andere Zeit.

Christian von Ditfurth scheint gut recherchiert zu haben; beide Zeiten wirken auf mich sehr glaubhaft. Moskau als Hauptstadt der Sowjetunion und Moskau als Hauptstadt von Russland unterscheiden sich, aber die Geheimdienstleute sind dieselben. Heute kommt einem die ganze Geschichte sehr »alt« vor, und wer die 80er-Jahre nicht miterlebt hat, wird kaum die Kriegsangst jener Tage nachvollziehen können.

Ein spannender Roman ist »Das Moskau-Spiel« allemal – ein Spionage-Thriller der klassischen Art also. Ich las ihn sehr gern. Wer sich mit der sowjetischen Politik der 80er-Jahre (Breschnew, Tschernenko, Andropow, Gorbatschow …) nicht auskennt, wird allerdings nicht alles verstehen, fürchte ich.

13 Oktober 2026

Eine Soiree für einen Preis

Bei dieser Frankfurter Buchmesse war schon sehr früh klar, wo ich meinen Freitagabend verbringen würde: Die Phantastische Akademie veranstaltete die sogenannte Seraph-Soiree, und ich war eingeladen. Es ging also darum, diesen Preis für phantastische Literatur zu feiern, und ich durfte zugegen sein, weil ich bei der letzten Runde über den Siegertitel »allgemeiner Art« mitbestimmen konnte.

Das »Casablanca« ist eine Bar und ein Restaurant in Bockenheim, einem innerstädtischen Teil von Frankfurt, ein wenig versteckt im Hinterhof. Ich war recht früh da, sicherte mir einen Platz am Tisch, stand später aber auch viel an der Theke und unterhielt mich den ganzen Abend über prächtig. Weil die Lautstärke durch immer mehr Menschen immer mehr stieg, musste ich irgendwann – gefühlt – gegen den Lärm im Gastraum anschreien.

Aber seien wir ehrlich: Das levantinische Essen schmeckte mir sehr gut, die Stimmung war hervorragend. Ich unterhielt mich mit Autorinnen und Bloggern, mit Verlagsleuten und Übersetzern. Viele der Anwesenden kannte ich nicht, vor allem bei den »jungen Leuten« wusste ich oft nicht, wen ich vor mir hatte. Aber ich knüpfte eine Reihe von neuen Kontakten und hatte viel Spaß.

Wunderbare Veranstaltung!

12 Oktober 2026

Den Weltenbau im Blick

Während des BuchmesseCons in Dreieich, den ich am Samstag, 10. Oktober 2026, im Bürgerhaus der Stadt besuchte, fühlte ich mich zeitweise ein wenig unter Druck: so viele Leute, mit denen ich sprechen wollte, so viele Leute, die mit mir sprechen wollten … es ging natürlich nicht alles. Aber ich nutzte die Chancen, die sich mir boten, und unterhielt mich mit einigen Selfpublisherinnen an ihren Ständen, also mit eher jüngeren Autorinnen, die vor allem Fantasy schrieben.

Ich frage beispielsweise: »Worum geht es denn in deinem Buch?« Und mehrmals begann die Antwort in etwa so: »Meine Welt ist …« Oder auch: »Bei meiner Welt kann man …« Es kam mir vor, als wollten mir die Autorinnen zuerst den komplexen Weltenbau vorstellen, bevor es zur eigentlichen Geschichte ging.

Das finde ich ja gar nicht so interessant. Ich will eher wissen, was die Leute erleben, von denen die Geschichte handelt. Was macht Figur X, wie verhält sich Figur Y, welche Dramen durchlebt Figur Z? 

Ich bin sicher, dass die Autorinnen, mit denen ich redete, das auch auf dem Schirm hatten. Sie äußerten es im Gespräch aber nicht an erster Stelle – und das wirft möglicherweise einen Blick auf ihre Prioritäten. (Ohne das jetzt bewerten zu wollen.)

07 Oktober 2026

Eine Stunde am Online-Abend

Es ist schon wieder gut drei Wochen her, seit ich am PERRY RHODAN-OnlineAbend teilnahm. Ich stellte mich den kritischen Fragen von Roman Schleifer, und ich erzählte viel über meine Arbeit. Im Trubel der vergangenen Wochen ging das bei mir ein wenig unter.

Aber jetzt: Ich habe endlich selbst damit angefangen, das Video anzuschauen, das Roman Schleifer bei YouTube hochgeladen hat. Etwas mehr als eine Stunde gebe ich allerlei Antworten und rede viel. Ob das interessant ist, kann ich selbst nicht beurteilen – das müssen die Leute sagen, die sich das Video anschauen.

Beim nächsten Mal muss ich mir allerdings überlegen, ob ich die Beleuchtung anders einstelle. Weil das Licht meines Arbeitszimmers quasi hinter meinem Kopf ist, sieht das alles sehr »schattig« aus. Aber man kriegt einen netten Einblick in die Stapel und vollgestopften Regale, die die Wände meines Arbeitszimmers bedecken ...

Wer wissen will, wie es im »Maschinenraum« einer Science-Fiction-Serie zugeht, hat bei diesem Video eine gute Möglichkeit dazu. Finde zumindest ich. Und wer's angucken mag, dem oder der wünsche ich viel Freude dabei ...

06 Oktober 2026

Phantastische Comic-Achterbahnfahrt

Wenn Scott Snyder sich daran macht, einen Comic zu entwickeln, kann man davon ausgehen, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann. Das gilt auch für »Dudley Datson«: Die einzelnen Episoden erschienen in den USA als einzelne Hefte und wurden hierzulande vom Splitter-Verlag als schicker Hardcover-Band veröffentlicht.

Die Hauptfigur ist ein 15 Jahre alter Junge namens Dudley Datson. Sein großer Traum ist, als Erfinder berühmt zu werden. Der Hintergrund hierfür ist aber, dass er seinem schwerkranken Vater mit all seinen Erfindungen helfen will – es geht ihm also nicht um persönliche Bereicherung oder ähnliche eigensinnige Gedankengänge.

Doch Dudley ist alles andere als cool, sondern eher einer von der Sorte, die bei der falschen Gelegenheit stolpern und alles verschütten. Deshalb ist er auch sehr verwundert, als er auf einmal ein mächtiges Gerät besitzt und mit einem sprechenden Hund zu tun hat. Dudley kapiert, dass er in eine Intrige verwickelt ist, die seit Jahrtausenden andauert und in die Erfinder aus allen Jahrhunderten eingebunden sind …

Die Geschichte ist flott erzählt, hat ziemlich viel Action, die sich selbst nicht ernstnimmt, und bringt eine Reihe von coolen Dialogen. Dudley und der sprechende Hund sind ein Team, das erst langsam zusammenwachsen muss; sein Vater und ein schräger Freund spielen im weiteren Geschehen ebenfalls eine Rolle. Die Gegenspieler haben finstere Pläne – wie man das auch von Superhelden-Comics her kennt –, die man aber nicht sooo ernstnehmen kann.

Genial ist das alles nicht: Scott Snyder weiß, wie man eine Geschichte unterhaltsam erzählt, da gibt es nichts zu meckern. Der Weltenbau ist halt ein bisschen schlicht – aber man langweilt sich auf keiner Seite. Die Grafik von Jamal Igle ordnet sich der Geschichte unter: Die Bilder sind gut, berauschen aber nicht.

So entsteht unterm Strich der Eindruck einer gelungenen Science-Fiction-Geschichte, die man mit Vergnügen lesen kann. Für Begeisterung reicht »Dudley Datson« bei mir dann doch nicht ganz aus.

05 Oktober 2026

Wie ich fast ein König wurde ...

Im August war ich auf dem Fest der Fantasie in Bad Kissingen, und ich denke immer noch sehr gern und mit einem Lächeln an diese Veranstaltung zurück. Zwar fühlte ich mich dort nicht vierzig Jahre jünger – damit war nicht zu rechnen –, aber ich fühlte mich an meine Anfänge als junger Science-Fiction- und Fantasy-Fan erinnert.

Die unglaublich aktiven Leute im Einhorn-Clan hatten, weil es ja darum ging, einen neuen König oder eine neue Königin zu küren, aus der angeblichen Suche eine breit angelegte Geschichte gemacht. Unter anderem konnte man ein Sticker-Album kaufen und mit Aufklebern versehen – das muss ich ja noch machen, fällt mir eben ein! –, und natürlich konnte man für den König oder die Königin »voten«.

Dabei kamen die unglaublichsten und unglaubwürdigsten Kandidaten auf die Liste – darunter auch ich. Ds Foto, das mich zeigt, schmeichelt mir sehr, und die Krone sitzt wie angegossen, Photoshop sei Dank. Ich finde das Bild super, und ich amüsierte mich sehr darüber, als ich es zum ersten Mal sah.

Natürlich wurde ich nicht einmal »fast« ein König. Ich sah mein Bild zudem erst, nachdem ich erfahren hatte, war zur ersten Königin Clanthons wurde. Aber witzig finde ich es immer noch, und deshalb zeige ich es an dieser Stelle.

(Wer hier nichts kapiert hat, soll sich nicht grämen. Man packe es in die Rubrik »obskurer Fantasy-Kram« und lasse mir meine Freude an FOLLOW, Magira und Clanthon.) 

02 Oktober 2026

Sherlock im Theater

In den klassischen Geschichten um Sherlock Holmes, den englischen Meisterdetektiv, griff Arthur Conan Doyle auf ungewöhnliche Schauplätze zurück, um seinen Helden ermitteln zu lassen. Autorinnen und Autoren, die heute neue Geschichten zu dieser klassischen Figur entwerfen, nehmen ebenfalls gern originelle Schauplätze – und so wird in dem Hörspiel »Die drei Spiegel« ein Theater zum Schauplatz eines Falls.

Dort zerspringen drei große Spiegel, die man nach exakten Angaben auf der Bühne platziert hat, aber es gibt keine Toten und keine Verletzten. Während die Theaterleitung neue Spiegel in Auftrag gibt, interessiert sich Holmes für diesen Vorgang. Er befürchtet, dass ein Mordanschlag droht, der mit den Spiegeln in Verbindung steht. Seine Ermittlungen gestalten sich als kompliziert: Wie können solche Gerätschaften eigentlich zu einer Mordwaffe werden, und wer ist das potenzielle Opfer?

Das Hörspiel »Die drei Spiegel« wurde von Antares Bottlinger geschrieben und von Dennis Ehrhardt in Szene gesetzt. Ich finde die Umsetzung richtig spannend, auch deshalb, weil ich nicht weiß, was geschehen wird und wie die Geschichte wirklich ausgeht. Als Zuhörer bin dann von den Enthüllungen wirklich überrascht; beim Umsetzen einer originalen »Sherlock Holmes«-Geschichte passiert das eher selten.

Wie es sich für eine Produktion von Zaubermond Audio gehört, sind die Sprecher richtig gut; die Dialoge sind glaubhaft, die Geräusche ergänzen die Szenen. Die Aufnahmen sind ein wenig sparsamer als bei »Dorian Hunter«, die Umsetzung des neuen »Sherlock Holmes«-Stoffes ist dennoch mitreißendgeworden.

Die Reihe »Sherlock Holmes Baker Street« kann ich nur empfehlen- Ich freue mich auf die kommenden Hörspiele!

01 Oktober 2026

Ein Wandbild auf der Südinsel

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte« 

Spaziert man durch Stockholm, sieht man bemerkenswert wenige Graffiti. Es gibt ein wenig Street Art, beispielsweise immer wieder Bambi-Bilder, aber kaum Graffiti. Dafür überraschte mich das riesige Wandbild umso mehr, das ich unweit der Mosebacketerrassen – ein Aussichtspunkt und Veranstaltungsort auf der südlichen Insel Södermalm – fotografierte.

Das Bild ist riesig, gleich mehrere Stockwerke hoch, aber weil es in einer Seitenstraße liegt, stößt man nicht unbedingt darauf. Ich stand eine Weile davor und bewunderte es, versuchte vor allem, alle Details aufzunehmen und etwaige Anspielungen zu verstehen. Am Ende fand ich's schön und eindrucksvoll zugleich.

(Recherchiert man dazu ein bisschen im Internet, findet man schnell heraus, welche brasilianischen Künstler für das Bild verantwortlich sind und von wann es stammt. Aber irgendwie zerstört so eine Recherche das Staunen in mir, das ich verspüre, als ich vor dem Wandbild stand ...)