Zu den Dingen, die mich durchaus verblüffen, wenn ich alte Ordner durchwühle, zählt die Tatsache, dass ich in den 80er-Jahren sehr viel experimentierte: mit Sprachen, mit Formen, mit Sprache in allen möglichen Variationen. Viele der Texte, auf die ich stoße, sind heute eher verwirrend; manche der »Gedichte« empfinde ich als richtig gut, einige haben ihren eigenen Charme.
Der Text »Käpt'n Ahab« entstand am 20. Dezember 1982, offensichtlich musste eine Schulstunde dafür herhalten. Ich schrieb ihn mit der alten Schreibmaschine ab. Als ich ihn dieser Tage erneut abtippte, verbesserte ich einige Tippfehler, behielt die originalen Formulierungen aber bei.
Mir fiel auf, wie viele religiöse Anspielungen in diesem Text untergebracht wurden. Meine religiöse Erziehung kam da offenbar nicht nur einmal durch.
Die »Rotte Korach« war mir aus der Kirche bestens bekannt; damit waren die Abweichler gemeint, für die sich die Erde auftat, um sie zu verschlingen. Das Bild schien mich ebenso fasziniert zu haben wie die Städte Babylon und Ninive, die im Religionsunterricht stets eine wichtige Rolle spielten.
Na ja, hier ist er, der »Käpt'n Ahab« ...
Käpt'n Ahab
Wenn die Flüsse aufplatzen
und die Städte überquellen,
werden die Ratten
die stinkenden Stadtschiffe verlassen
und sich neue Häfen suchen
außer Sichtweite der
grauen, eintönigen Mauern
und all dem dicken, schmierigen Qualm –
bis sich dort
die Erde auftut
und die Rotte Korach
in ihren Schlund zieht.
Babylon und Ninive
werden dann zu neuer Blüte
auferstehen.
Für wen auch immer.
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
09 Januar 2020
08 Januar 2020
Die Stilts und ihre einzige Single
Eine der Bands aus den frühen 80er-Jahren, über die ich nichts weiß und bei denen ich keine Ahnung habe, aus welcher Kiste ich die Single irgendwann mal gekauft habe: Die Stilts sind nach einer einzigen Platte im Jahr 1981 wohl gleich wieder in der Versenkung verschwunden – zumindest verzeichnen auch die einschlägigen Online-Übersichten nicht viel mehr über die Band.
Die fünf Briten machten mit »Waiting For A Miracle« ein richtig schönes Stück; irgendwas zwischen Powerpop und ein bisschen Ska, nicht kommerziell genug für die Hitparaden, nicht kratzig genug für die damalige Indie-Szene. Beide Stücke auf der Single sind aber echt gelungen, ein Beispiel für die hohe Qualität der damaligen unabhängigen Musik-Szene in Großbritannien. (Veröffentlicht wurde die Platte bei Rondelet Records.)
Die fünf Briten machten mit »Waiting For A Miracle« ein richtig schönes Stück; irgendwas zwischen Powerpop und ein bisschen Ska, nicht kommerziell genug für die Hitparaden, nicht kratzig genug für die damalige Indie-Szene. Beide Stücke auf der Single sind aber echt gelungen, ein Beispiel für die hohe Qualität der damaligen unabhängigen Musik-Szene in Großbritannien. (Veröffentlicht wurde die Platte bei Rondelet Records.)
Eine Graphic Novel über Familie und Selbstbefreiung
Lulu ist eine durchschnittlich wirkende Frau, die drei Kinder und einen Mann hat und mit ihrem Leben nicht sehr glücklich ist. Eines Tages verändert sie alles und beschließt, aus dem bisherigen Korsett auszubrechen. Ohne Ankündigung verlässt sie ihre Familie und »streunt« durchs Land – die Zurückgebliebenen versuchen irritiert, sich die Ereignisse zu erklären.
Das ist in groben Zügen die Zusammenfassung des Comics »Lulu – die nackte Frau«, bei dem die Zuschreibung als »Graphic Novel« absolut zutreffend ist. Bei diesem Comic handelt es sich tatsächlich um einen Roman, der zudem ohne jegliche Genre-Konvention auskommt.
Étienne Davodeau ist sowohl der Autor als auch der Zeichner dieses ungewöhnlichen Comics, der seit einigen Jahren im Handel erhältlich ist. Seine Geschichte erzählt er ruhig, fast journalistisch, und die verschiedenen Ebenen, auf denen er sie präsentiert, verleihen nicht nur seiner Hauptfigur einen vielseitigen Charakter.
Eine Handlungsebene stellt er beispielsweise wie einen Erzählkreis dar: Freunde und Verwandte sitzen um einen Tisch und erzählen von Lulu und ihren Abenteuern. Die andere Ebene ist die von Lulu selbst. Es versteht sich von selbst, dass alle Berichte sehr subjektiv sind, sie widersprechen sich sogar teilweise. Aber sie alle erzählen von einer Frau, die irgendwann nach ihrem vierzigsten Geburtstag ein anderes Leben führen möchte.
Die Illustration unterstützt die Geschichte. In teilweise sehr kleinteiligen Bildern erzählt der Comic-Künstler von seiner Hauptfigur, ihrem Leben, ihren Träumen, ihren Abenteuern. Dabei kommt er ohne Action aus, ohne jegliches offensichtliche Spannungselement. Die Farben sind fast zart, die Linien der Bilder durchaus kräftig. (Ich empfehle auf jeden Fall die Leseprobe auf der Internet-Seite des Verlages.)
Die ruhigen Bilder und die gelassene Erzählsprache erinnern an einen Film, den man in einem kleinen Independent-Kino anschaut. »Lulu – die nackte Frau« bringt eine ganz gewöhnlich wirkende Geschichte so aufs Papier, dass sie besonders interessant wirkt. Eine Empfehlung für die Freunde gut gemachter Graphic Novels – und auch eine Empfehlung für Menschen, de ansonsten mit vielen Genre-Comics nichts anfangen können.
(Das kleinformatige Comic-Buch umfasst 160 Seiten und ist im Splitter-Verlag erschienen. Man kann es im Comic-Fachhandel oder Buchhandel beziehen, ebenso bei den bekannten Versandhändlern.)
Das ist in groben Zügen die Zusammenfassung des Comics »Lulu – die nackte Frau«, bei dem die Zuschreibung als »Graphic Novel« absolut zutreffend ist. Bei diesem Comic handelt es sich tatsächlich um einen Roman, der zudem ohne jegliche Genre-Konvention auskommt.
Étienne Davodeau ist sowohl der Autor als auch der Zeichner dieses ungewöhnlichen Comics, der seit einigen Jahren im Handel erhältlich ist. Seine Geschichte erzählt er ruhig, fast journalistisch, und die verschiedenen Ebenen, auf denen er sie präsentiert, verleihen nicht nur seiner Hauptfigur einen vielseitigen Charakter.
Eine Handlungsebene stellt er beispielsweise wie einen Erzählkreis dar: Freunde und Verwandte sitzen um einen Tisch und erzählen von Lulu und ihren Abenteuern. Die andere Ebene ist die von Lulu selbst. Es versteht sich von selbst, dass alle Berichte sehr subjektiv sind, sie widersprechen sich sogar teilweise. Aber sie alle erzählen von einer Frau, die irgendwann nach ihrem vierzigsten Geburtstag ein anderes Leben führen möchte.
Die Illustration unterstützt die Geschichte. In teilweise sehr kleinteiligen Bildern erzählt der Comic-Künstler von seiner Hauptfigur, ihrem Leben, ihren Träumen, ihren Abenteuern. Dabei kommt er ohne Action aus, ohne jegliches offensichtliche Spannungselement. Die Farben sind fast zart, die Linien der Bilder durchaus kräftig. (Ich empfehle auf jeden Fall die Leseprobe auf der Internet-Seite des Verlages.)
Die ruhigen Bilder und die gelassene Erzählsprache erinnern an einen Film, den man in einem kleinen Independent-Kino anschaut. »Lulu – die nackte Frau« bringt eine ganz gewöhnlich wirkende Geschichte so aufs Papier, dass sie besonders interessant wirkt. Eine Empfehlung für die Freunde gut gemachter Graphic Novels – und auch eine Empfehlung für Menschen, de ansonsten mit vielen Genre-Comics nichts anfangen können.
(Das kleinformatige Comic-Buch umfasst 160 Seiten und ist im Splitter-Verlag erschienen. Man kann es im Comic-Fachhandel oder Buchhandel beziehen, ebenso bei den bekannten Versandhändlern.)
07 Januar 2020
»Tolkien« angesehen
Das Grauen des Ersten Weltkriegs, eine Freundschaft zwischen Jungs und Fieberphantasien von fremden Welten: Schenkt man dem Spielfilm »Tolkien« glauben, sind aus dieser Mischung die Fantasy-Klassiker »Der kleine Hobbit« und »Der Herr der Ringe« entstanden. Der Film war 2019 in die deutschen Kinos gekommen, ich hatte ihn verpasst und schaute mir am Wochenende die DVD des Films an. Mir ist klar, dass es zu diesem Spielfilm ein geteiltes Medienecho gab – mir hat er aber sehr gut gefallen.
Weil es ein Spielfilm ist, habe ich wenige Probleme damit, dass er historische und literarische Elemente so zusammenfügt, dass sie eine spannende Handlung ergeben. Mir ist bewusst, dass die Geschichte des Waisenjungen J. R. R. Tolkien, der bei einer Pflegefamilie aufwächst, und die Geschichte des jungen Soldaten, der in der fürchterlichen Schlacht an der Somme mit seinem getreuen Kameraden Sam – ja, echt, der heißt so! – nach einem Freund sucht, viele Menschen nicht zufriedenstellen wird, die nach exakten Daten und genauen Darstellungen dürsten. Ich fand aber genau das spannend.
Der Film beschränkt sich auf Tolkiens Jugend und die Kriegsjahre, auf die große Liebe und seine Rückkehr nach England. Der große Sprung zur schriftstellerischen Karriere wird nur am Ende angerissen. Themen wie die »Inklings« wurden nicht aufgegriffen, die passten aber auch nicht zum Konzept des Streifens. Darauf hatte ich ein wenig gehofft, ich war aber nicht enttäuscht – das ist dann eben ein Thema für spätere Filme.
»Tolkien« ist ein starker Film. Die Szenen vom Ersten Weltkrieg sind fürchterlich, sie sind nicht unbedingt für schwache Mägen geeignet. Das Grauen des Stellungskrieges, in dem Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett gegen Maschinengewehrstellungen anrennen, in dem Gasangriffe und Flammenwerfer zur täglichen Realität gehören – das wird drastisch und klar gezeigt. Die Szenen mit den Freunden sind dagegen von einer gewissen Fröhlichkeit, sogar die Liebesgeschichte wird unterm Strich richtig positiv.
Die Schauspieler fand ich überzeugend, das Drehbuch setzte für mich die richtigen Akzente. Wer allerdings den »Herrn der Ringe« nicht kennt, also weder das Buch gelesen noch die Verfilmungen gesehen hat, der wird sicher nicht den Eindruck gewinnen, der sich mir bei diesem Film geradezu aufdrängte. Es ist einer der Filme, die man nach einigen Jahren auch wieder ansehen kann – lohnenswert!
Weil es ein Spielfilm ist, habe ich wenige Probleme damit, dass er historische und literarische Elemente so zusammenfügt, dass sie eine spannende Handlung ergeben. Mir ist bewusst, dass die Geschichte des Waisenjungen J. R. R. Tolkien, der bei einer Pflegefamilie aufwächst, und die Geschichte des jungen Soldaten, der in der fürchterlichen Schlacht an der Somme mit seinem getreuen Kameraden Sam – ja, echt, der heißt so! – nach einem Freund sucht, viele Menschen nicht zufriedenstellen wird, die nach exakten Daten und genauen Darstellungen dürsten. Ich fand aber genau das spannend.Der Film beschränkt sich auf Tolkiens Jugend und die Kriegsjahre, auf die große Liebe und seine Rückkehr nach England. Der große Sprung zur schriftstellerischen Karriere wird nur am Ende angerissen. Themen wie die »Inklings« wurden nicht aufgegriffen, die passten aber auch nicht zum Konzept des Streifens. Darauf hatte ich ein wenig gehofft, ich war aber nicht enttäuscht – das ist dann eben ein Thema für spätere Filme.
»Tolkien« ist ein starker Film. Die Szenen vom Ersten Weltkrieg sind fürchterlich, sie sind nicht unbedingt für schwache Mägen geeignet. Das Grauen des Stellungskrieges, in dem Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett gegen Maschinengewehrstellungen anrennen, in dem Gasangriffe und Flammenwerfer zur täglichen Realität gehören – das wird drastisch und klar gezeigt. Die Szenen mit den Freunden sind dagegen von einer gewissen Fröhlichkeit, sogar die Liebesgeschichte wird unterm Strich richtig positiv.
Die Schauspieler fand ich überzeugend, das Drehbuch setzte für mich die richtigen Akzente. Wer allerdings den »Herrn der Ringe« nicht kennt, also weder das Buch gelesen noch die Verfilmungen gesehen hat, der wird sicher nicht den Eindruck gewinnen, der sich mir bei diesem Film geradezu aufdrängte. Es ist einer der Filme, die man nach einigen Jahren auch wieder ansehen kann – lohnenswert!
05 Januar 2020
Eine weiße Hand
Eine phantastische Kürzestgeschichte
Wie kleine weiße Würste sehen sie aus, dachte ich und starrte auf die Finger vor mir. Die Nägel waren sauber geschnitten, die Haut wirkte gut gepflegt. Entweder hatte der Mensch, zu dem diese Hand gehörte, nie körperlich hart arbeiten müssen oder er – oder sie – hatte die Finger stets sehr gründlich gepflegt.
Ich betrachtete die Fingerkuppen. Was mir wohl die Fingerabdrücke verraten würden? Könnte ich Geheimnisse auslesen, wenn ich sie in einen Computer der Polizei einspeiste? Waren es die Finger eines Verbrechers oder einer Verbrecherin? Steckte hinter ihnen ein treusorgender Ehemann, eine liebevolle Mutter oder ein brutaler Mensch, der andere Menschen misshandelt und terrorisiert hatte?
Das wusste ich nicht, und ich würde es nie erfahren. Mich reizten Geheimnisse allerdings schon immer. Wenn ich auch nur andeutungsweise eines wahrnahm, dachte ich ständig daran und versuchte, weitere Informationen zu erlangen, die mir das Tor zu weiteren Geheimnissen öffneten.
Doch an diesem Tag war das nicht sinnvoll. Ich musste handeln, ich durfte nicht zögern, und ich durfte vor allem nicht zu lange nachdenken.
Ohne mich zu rühren, starrte ich auf die weißen Finger, die sich reckten und streckten. Die Gelenke schienen wie eingerostet zu sein, alle Bewegungen verliefen langsam und zäh, jeder Griff wirkte wie ein Kampf um Millimeter. Wie eine Maschine, die eingerostet war und erst langsam wieder in Gang kam. Es würde allerdings nicht lange dauern, bis sich die Hand besser bewegen konnte, bis ein Arm folgen würde, eine zweite Hand, vielleicht ein Körper.
Ich ließ meinen Blick schweifen. Der Friedhof war groß, der Vollmond ließ ihn wie ein Meer aus Steinen und Stelen, aus Büschen und Bäumen erscheinen. Das Grab vor mir war nur eines von vielen, die frisch waren, und ich hatte die Befürchtung, dass es nicht das einzige sein würde, in dem sich in dieser Nacht etwas regte, das besser für alle Ewigkeit in der Erde geblieben wäre.
In der Ferne begannen die Kirchenglocken zu läuten. Die Hand vor mir reckte sich weiter nach oben. Ich seufzte tief.
Dann griff ich nach dem Spaten, der neben mir lehnte, nahm ihn fest in die Hand und holte weit aus. So würde ich genügend Kraft entfalten können. Es wurde Zeit, dass ich dem Untoten in der Erde klarmachte, dass er ein weiteres Jahr in seiner unheiligen Ruhe bleiben musste.
Wie kleine weiße Würste sehen sie aus, dachte ich und starrte auf die Finger vor mir. Die Nägel waren sauber geschnitten, die Haut wirkte gut gepflegt. Entweder hatte der Mensch, zu dem diese Hand gehörte, nie körperlich hart arbeiten müssen oder er – oder sie – hatte die Finger stets sehr gründlich gepflegt.
Ich betrachtete die Fingerkuppen. Was mir wohl die Fingerabdrücke verraten würden? Könnte ich Geheimnisse auslesen, wenn ich sie in einen Computer der Polizei einspeiste? Waren es die Finger eines Verbrechers oder einer Verbrecherin? Steckte hinter ihnen ein treusorgender Ehemann, eine liebevolle Mutter oder ein brutaler Mensch, der andere Menschen misshandelt und terrorisiert hatte?
Das wusste ich nicht, und ich würde es nie erfahren. Mich reizten Geheimnisse allerdings schon immer. Wenn ich auch nur andeutungsweise eines wahrnahm, dachte ich ständig daran und versuchte, weitere Informationen zu erlangen, die mir das Tor zu weiteren Geheimnissen öffneten.
Doch an diesem Tag war das nicht sinnvoll. Ich musste handeln, ich durfte nicht zögern, und ich durfte vor allem nicht zu lange nachdenken.
Ohne mich zu rühren, starrte ich auf die weißen Finger, die sich reckten und streckten. Die Gelenke schienen wie eingerostet zu sein, alle Bewegungen verliefen langsam und zäh, jeder Griff wirkte wie ein Kampf um Millimeter. Wie eine Maschine, die eingerostet war und erst langsam wieder in Gang kam. Es würde allerdings nicht lange dauern, bis sich die Hand besser bewegen konnte, bis ein Arm folgen würde, eine zweite Hand, vielleicht ein Körper.
Ich ließ meinen Blick schweifen. Der Friedhof war groß, der Vollmond ließ ihn wie ein Meer aus Steinen und Stelen, aus Büschen und Bäumen erscheinen. Das Grab vor mir war nur eines von vielen, die frisch waren, und ich hatte die Befürchtung, dass es nicht das einzige sein würde, in dem sich in dieser Nacht etwas regte, das besser für alle Ewigkeit in der Erde geblieben wäre.
In der Ferne begannen die Kirchenglocken zu läuten. Die Hand vor mir reckte sich weiter nach oben. Ich seufzte tief.
Dann griff ich nach dem Spaten, der neben mir lehnte, nahm ihn fest in die Hand und holte weit aus. So würde ich genügend Kraft entfalten können. Es wurde Zeit, dass ich dem Untoten in der Erde klarmachte, dass er ein weiteres Jahr in seiner unheiligen Ruhe bleiben musste.
03 Januar 2020
Hundert Jahre Isaac Asimov
Heute spricht man nicht mehr so oft von Isaac Asimov, jüngeren Science-Fiction-Fans ist der Name womöglich nicht einmal mehr präsent. Aber es gab eine Zeit, da hielt ich ihn für einen der wichtigsten Science-Fiction-Autor der Welt. Am gestrigen 2. Januar 2020 wäre er hundert Jahre alt geworden, und ich habe seinen Geburtstag glatt verpasst.
Nachdem ich viele Heftromane gelesen hatte, begann ich Ende der 70er-Jahre damit, mich auch mit den Klassikern der Science Fiction zu beschäftigen. Recht schnell stieß ich auf Isaac Asimov; seine Romane erschienen in preiswerten Taschenbüchern bei Goldmann und Heyne. Ich las seine Robotergeschichten, die mich begeisterten, und ich schmökerte einige seine Science-Fiction-Krimis durch, die mich ebenfalls faszinierten. Richtig stark fand ich die drei Taschenbücher der »Foundation«-Trilogie.
Auch anfangs der 80er-Jahre war ich ein echter Fan dieses Schriftstellers. Bei Bastei-Lübbe erschienen seine wichtigsten Werke in schönen Paperback-Ausgaben, die noch heute in meinem Regal stehen. Wahrscheinlich nahm ich mir die Robotgeschichten und die »Foundation«-Trilogie damit zwei- bis dreimal vor. Ich las sogar ein populäres Sachbuch von ihm, das bei Ullstein erschien.
Seine neueren Romane, in denen er versuchte, die verschiedenen »Serien«, die er im Verlauf der Zeit geschrieben hatte, irgendwie zusammenzufassen, fand ich schlapp. Danach las ich nichts mehr von Asimov. Ab Mitte der 80er-Jahre fand ich andere Science Fiction wesentlich spannender; John Shirley und William Gibson verfassten Romane zwischen Punkrock und Science Fiction, und das fegte mich geradezu um.
In jüngster Zeit, also Jahrzehnte später, griff ich zu einigen der Asimov-Kurzgeschichten. Die Ideen fand ich immer noch gut, sie waren zu ihrer Zeit wegweisend. Der Autor schrieb keine ausgefeilten Charaktere, ihm ging es um die Ideen. In der heutigen Zeit wirken manche seiner Geschichten deshalb antiquiert; ich erkenne aber noch sehr gut, warum sie mich damals so beeindruckt haben.
Der Autor wäre also jetzt hundert Jahre alt. Er hat die Science Fiction geprägt, er hat mich als Leser beeindruckt. Vielleicht sollte ich die klassischen Robotgeschichten noch einmal alle lesen …
Nachdem ich viele Heftromane gelesen hatte, begann ich Ende der 70er-Jahre damit, mich auch mit den Klassikern der Science Fiction zu beschäftigen. Recht schnell stieß ich auf Isaac Asimov; seine Romane erschienen in preiswerten Taschenbüchern bei Goldmann und Heyne. Ich las seine Robotergeschichten, die mich begeisterten, und ich schmökerte einige seine Science-Fiction-Krimis durch, die mich ebenfalls faszinierten. Richtig stark fand ich die drei Taschenbücher der »Foundation«-Trilogie.
Auch anfangs der 80er-Jahre war ich ein echter Fan dieses Schriftstellers. Bei Bastei-Lübbe erschienen seine wichtigsten Werke in schönen Paperback-Ausgaben, die noch heute in meinem Regal stehen. Wahrscheinlich nahm ich mir die Robotgeschichten und die »Foundation«-Trilogie damit zwei- bis dreimal vor. Ich las sogar ein populäres Sachbuch von ihm, das bei Ullstein erschien.
Seine neueren Romane, in denen er versuchte, die verschiedenen »Serien«, die er im Verlauf der Zeit geschrieben hatte, irgendwie zusammenzufassen, fand ich schlapp. Danach las ich nichts mehr von Asimov. Ab Mitte der 80er-Jahre fand ich andere Science Fiction wesentlich spannender; John Shirley und William Gibson verfassten Romane zwischen Punkrock und Science Fiction, und das fegte mich geradezu um.
In jüngster Zeit, also Jahrzehnte später, griff ich zu einigen der Asimov-Kurzgeschichten. Die Ideen fand ich immer noch gut, sie waren zu ihrer Zeit wegweisend. Der Autor schrieb keine ausgefeilten Charaktere, ihm ging es um die Ideen. In der heutigen Zeit wirken manche seiner Geschichten deshalb antiquiert; ich erkenne aber noch sehr gut, warum sie mich damals so beeindruckt haben.
Der Autor wäre also jetzt hundert Jahre alt. Er hat die Science Fiction geprägt, er hat mich als Leser beeindruckt. Vielleicht sollte ich die klassischen Robotgeschichten noch einmal alle lesen …
02 Januar 2020
Mein erstes Impressum
Es ist jetzt vierzig Jahre her, seit ich mein erstes Fanzine in die Druckerei schickte. Wobei es keine Druckerei war, sondern ein Kopierladen in Hannover, zu dem einer meiner Science-Fiction-Brieffreunde besonders gute Beziehungen unterhielt – deshalb konnte er dort preisgünstig kopieren und heften lassen.
Ende Januar 1980 erschien die erste Ausgabe meines Fanzines SAGITTARIUS. Ich war gerade einmal 16 Jahre alt und glaubte, vor einer großen Karriere als Science-Fiction-Schriftsteller zu stehen.
Ich riskierte eine Auflage von hundert Exemplaren, was damals für ein neues Fanzine völlig in Ordnung war, sowie einen Umfang von 48 Seiten, was ebenfalls normal war. Davor hatte ich Preise vergleichen, Portokosten zusammengezählt und vor allem die Druckerei mit eingerechnet. Viele andere Kosten ignorierte ich bewusst, weil ich davon ausging, dass ich sowieso viele Briefe schreiben würde.
Der Preis von 2,80 Mark war nicht kalkuliert, sondern orientierte sich einfach an dem, was andere Fans für ihre Hefte wollten. Mir war schon damals bewusst, dass ich einen gewissen Teil nicht verkaufen, sondern als Belegexemplare verschenken und einen weiteren Teil mit anderen Fanzinemachern tauschen würde. Aber ich hatte die Hoffnung, nach der Erstausgabe bald eine höhere Auflage bei Folgenummern drucken und veröffentlichen zu können.
(So kam es dann ja auch. Die Nummer 6/7 ließ ich 800-mal drucken, was schon ziemlich wahnwitzig anmutete. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.)
Blättere ich das Heft heute durch, kommt mir vieles sehr fremd vor. Ich erkenne die Begeisterung eines jungen Science-Fiction-Fans, gepaart mit einer Prise von Großkotzigkeit. Aber das war ebenfalls normal für Fanzinemacher in jenen Tagen, würde ich heute sagen …
Ende Januar 1980 erschien die erste Ausgabe meines Fanzines SAGITTARIUS. Ich war gerade einmal 16 Jahre alt und glaubte, vor einer großen Karriere als Science-Fiction-Schriftsteller zu stehen.
Ich riskierte eine Auflage von hundert Exemplaren, was damals für ein neues Fanzine völlig in Ordnung war, sowie einen Umfang von 48 Seiten, was ebenfalls normal war. Davor hatte ich Preise vergleichen, Portokosten zusammengezählt und vor allem die Druckerei mit eingerechnet. Viele andere Kosten ignorierte ich bewusst, weil ich davon ausging, dass ich sowieso viele Briefe schreiben würde.
Der Preis von 2,80 Mark war nicht kalkuliert, sondern orientierte sich einfach an dem, was andere Fans für ihre Hefte wollten. Mir war schon damals bewusst, dass ich einen gewissen Teil nicht verkaufen, sondern als Belegexemplare verschenken und einen weiteren Teil mit anderen Fanzinemachern tauschen würde. Aber ich hatte die Hoffnung, nach der Erstausgabe bald eine höhere Auflage bei Folgenummern drucken und veröffentlichen zu können.
(So kam es dann ja auch. Die Nummer 6/7 ließ ich 800-mal drucken, was schon ziemlich wahnwitzig anmutete. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.)
Blättere ich das Heft heute durch, kommt mir vieles sehr fremd vor. Ich erkenne die Begeisterung eines jungen Science-Fiction-Fans, gepaart mit einer Prise von Großkotzigkeit. Aber das war ebenfalls normal für Fanzinemacher in jenen Tagen, würde ich heute sagen …
Tante Polly machen coole Musik
Keine Ahnung, wieso jemand auf die Idee kommt, die Musik von Tante Polly als Jazz zu bezeichnen – aber das hat sicher jemand fixiert, der sich besser mit Musik auskennt als ich. Für mich ist das, was die Band aus Hamburg macht, originelle Popmusik mit allerlei Einflüssen von Jazz über Schweineorgel-Rock bis hin zu Liedermacher-Sound, das Ganze mit schönen und skurrilen Texten in deutscher Sprache garniert.
Die Platte »Herzkotze« ist schon einige Jahre alt, gefällt mir aber immer noch. Man kann sie nicht als »richtigen« Tonträger kaufen, was ich bedauerlich finde; so etwas hätte ich ja gern als Langspielplatte im Regal. Aber bei Bandcamp steht sie komplett zur Verfügung, und ich höre sie dort wirklich gern an, nicht nur einmal, sondern mehrfach hintereinander.
Das Klavier klimpert, der Sänger hat eine herzzerreißende Stimme, die Texte behandeln alltägliche Szenen mit einem schrägen Blick, dann setzen Streicher oder ein Akkordeon ein, und es kommen andere Instrumente hinzu – so ist der Aufbau mancher Stücke. Die Lieder wirken manchmal verloren, und man kann sich den Sänger vorstellen, wie er in einer verrauchten Bar steht und vor einem spärlichen Publikum vom Saufen, vom Leben, von der Lüneburger Heide und verlorenen Träumen singt.
Ach egal – die Band ist eigenständig genug, als dass Genre-Grenzen wirklich wichtig wären. Meinetwegen darf man sie auch in die Jazz-Schublade stecken ... »Herzkotze« ist nicht nur ein starker Titel, sondern insgesamt eine starke »Platte«. (Veröffentlicht bei Off Ya Tree Records.)
Die Platte »Herzkotze« ist schon einige Jahre alt, gefällt mir aber immer noch. Man kann sie nicht als »richtigen« Tonträger kaufen, was ich bedauerlich finde; so etwas hätte ich ja gern als Langspielplatte im Regal. Aber bei Bandcamp steht sie komplett zur Verfügung, und ich höre sie dort wirklich gern an, nicht nur einmal, sondern mehrfach hintereinander.
Das Klavier klimpert, der Sänger hat eine herzzerreißende Stimme, die Texte behandeln alltägliche Szenen mit einem schrägen Blick, dann setzen Streicher oder ein Akkordeon ein, und es kommen andere Instrumente hinzu – so ist der Aufbau mancher Stücke. Die Lieder wirken manchmal verloren, und man kann sich den Sänger vorstellen, wie er in einer verrauchten Bar steht und vor einem spärlichen Publikum vom Saufen, vom Leben, von der Lüneburger Heide und verlorenen Träumen singt.
Ach egal – die Band ist eigenständig genug, als dass Genre-Grenzen wirklich wichtig wären. Meinetwegen darf man sie auch in die Jazz-Schublade stecken ... »Herzkotze« ist nicht nur ein starker Titel, sondern insgesamt eine starke »Platte«. (Veröffentlicht bei Off Ya Tree Records.)
30 Dezember 2019
Ein Meisterwerk der Phantastik
Zu den Romanen der phantastischen Literatur, die man gelesen haben sollte, zählt für mich schon seit vielen Jahren »Meister und Margarita« des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow. Ich kannte bislang nur die Ausgabe, die in den frühen 80er-Jahren in der DDR erschienen war; jetzt las ich mit großer Spannung und wachsender Begeisterung die Neuübersetzung des Werks, die im Verlag Galiani Berlin veröffentlicht worden ist.
Galiani hat den Roman auf »neue Beine« stellen lassen. Kein Wunder – der Verlag musste keine ideologische Rücksicht auf die Sowjetunion nehmen, die der Autor zwischen den Zeilen immer wieder kritisierte und satirisch hinterfragte.
Ein umfangreicher Fußnoten-Apparat erklärt im Anhang viele Details, die dem heutigen Leser nicht auffallen können; dazu kommt ein spannendes Nachwort. Der Roman wird damit in seine Zeit eingeordnet, und es wird klar, warum er – erstens – als Meisterwerk gilt und es – zweitens – so schwierig ist, eine »Endversion« anzufertigen.
Tatsächlich ist der Hintergrund des Werkes fast spannender als sein eigentlicher Inhalt. Der Autor schrieb an seinem Roman während der stalinistischen Ära. Zwischen 1928 und 1940 arbeitete er immer wieder daran, während er Kurzgeschichten veröffentlichte und für Zeitungen tätig war. Veröffentlicht wurde der Roman erst 1966, nach dem Tod seines Autors also, und damals auch in einer zensierten Version. Diese zensierte Version wurde rasch in den Westen übersetzt und faszinierte viele Menschen; laut Wikipedia schrieb Mick Jagger nach der Lektüre den Rolling-Stones-Song »Sympathy For The Devil«.
Warum ein phantastischer Roman einen so großen Einfluss haben konnte? Weil man so viel hineininterpretieren kann.
Ein Magier und ein sprechender Kater kommen nach Moskau und verwirren dort die Gesellschaft. Andere Kapitel zeigen das Jerusalem zur Zeit Christi, sie stellen die Herrschaft des Pontius Pilatus der Menschenliebe des Jesus Christus gegenüber. Jede Szene in diesem kunterbunten, extrem unterhaltsamen und immer wieder mit wunderbaren Szenen begeisternden Buch kann als Anspielung auf politische Ereignisse gelesen werden.
Die Version, die bei Galiani erschienen ist, versucht immerhin, einen Originaltext wiederherzustellen – das war wegen der Entstehungsgeschichte und der vielen Versionen des Werkes nicht einfach. Es entstand ein Buch, das sehr hochwertig ausgestattet ist: ein schicker Halbleinenband mit 608 Seiten Umfang, mit Lesebändchen, mit zahlreichen Illustrationen, einem lesenswerten Nachwort und den umfangreichen Anmerkungen. In diesem Fall lohnt es sich, die Hardcover-Version zu haben.
Selbstverständlich ist »Meister und Margarita« kein Fantasy-Roman, es ist vor allem eine satirisch verbrämte Darstellung der stalinistischen Zeit. Immer wieder finden sich Hinweise auf eine Zeit des Terrors und gleichzeitig der großen sozialen Not. Der Autor schaffte es aber, durch seine phantastische Handlung, in der Zauberei und Magie, Träume und Diskussionen gleichermaßen existieren, einen Roman zu schaffen, den ich für ein Meisterwerk der Phantastik halte.
(Übrigens ist der Wikipedia-Artikel zu diesem Roman sehr lesenswert. Ausführlich informiert er nicht nur über den Inhalt und die wichtigsten Figuren, sondern stellt auch die Entstehungsgeschichte dar und liefert Bezüge zu Goethes »Faust«. Lesenswert ist sowieso die Leseprobe auf der Internet-Seite des Verlages.)
Galiani hat den Roman auf »neue Beine« stellen lassen. Kein Wunder – der Verlag musste keine ideologische Rücksicht auf die Sowjetunion nehmen, die der Autor zwischen den Zeilen immer wieder kritisierte und satirisch hinterfragte.
Ein umfangreicher Fußnoten-Apparat erklärt im Anhang viele Details, die dem heutigen Leser nicht auffallen können; dazu kommt ein spannendes Nachwort. Der Roman wird damit in seine Zeit eingeordnet, und es wird klar, warum er – erstens – als Meisterwerk gilt und es – zweitens – so schwierig ist, eine »Endversion« anzufertigen.
Tatsächlich ist der Hintergrund des Werkes fast spannender als sein eigentlicher Inhalt. Der Autor schrieb an seinem Roman während der stalinistischen Ära. Zwischen 1928 und 1940 arbeitete er immer wieder daran, während er Kurzgeschichten veröffentlichte und für Zeitungen tätig war. Veröffentlicht wurde der Roman erst 1966, nach dem Tod seines Autors also, und damals auch in einer zensierten Version. Diese zensierte Version wurde rasch in den Westen übersetzt und faszinierte viele Menschen; laut Wikipedia schrieb Mick Jagger nach der Lektüre den Rolling-Stones-Song »Sympathy For The Devil«.
Warum ein phantastischer Roman einen so großen Einfluss haben konnte? Weil man so viel hineininterpretieren kann.
Ein Magier und ein sprechender Kater kommen nach Moskau und verwirren dort die Gesellschaft. Andere Kapitel zeigen das Jerusalem zur Zeit Christi, sie stellen die Herrschaft des Pontius Pilatus der Menschenliebe des Jesus Christus gegenüber. Jede Szene in diesem kunterbunten, extrem unterhaltsamen und immer wieder mit wunderbaren Szenen begeisternden Buch kann als Anspielung auf politische Ereignisse gelesen werden.
Die Version, die bei Galiani erschienen ist, versucht immerhin, einen Originaltext wiederherzustellen – das war wegen der Entstehungsgeschichte und der vielen Versionen des Werkes nicht einfach. Es entstand ein Buch, das sehr hochwertig ausgestattet ist: ein schicker Halbleinenband mit 608 Seiten Umfang, mit Lesebändchen, mit zahlreichen Illustrationen, einem lesenswerten Nachwort und den umfangreichen Anmerkungen. In diesem Fall lohnt es sich, die Hardcover-Version zu haben.
Selbstverständlich ist »Meister und Margarita« kein Fantasy-Roman, es ist vor allem eine satirisch verbrämte Darstellung der stalinistischen Zeit. Immer wieder finden sich Hinweise auf eine Zeit des Terrors und gleichzeitig der großen sozialen Not. Der Autor schaffte es aber, durch seine phantastische Handlung, in der Zauberei und Magie, Träume und Diskussionen gleichermaßen existieren, einen Roman zu schaffen, den ich für ein Meisterwerk der Phantastik halte.
(Übrigens ist der Wikipedia-Artikel zu diesem Roman sehr lesenswert. Ausführlich informiert er nicht nur über den Inhalt und die wichtigsten Figuren, sondern stellt auch die Entstehungsgeschichte dar und liefert Bezüge zu Goethes »Faust«. Lesenswert ist sowieso die Leseprobe auf der Internet-Seite des Verlages.)
27 Dezember 2019
Ghoul-Parasiten und andere Höllenmächte
Auf einen Titel wie »Ghoul-Parasiten« muss man erst einmal kommen ... 1983 erschien der Heftroman mit dem gleichnamigen Titel. Das Hörspiel auf Basis dieses Romans wurde 2015 veröffentlicht, mit einem unglaublichen Titelbild, das ebenso auf einem »schundigen« Science-Fiction-Roman hätte erscheinen können. Ich hörte es an, und ich amüsierte mich sehr dabei.
Tatsächlich ist das Hörspiel ein wüster Genre-Mix. Gestaltwandler treten auf, Dimensionstore spielen eine Rolle, man landet in einem fremden Universum – so weit kann man das als Science Fiction betrachten. Magie aller Art wird eingesetzt, sogar weiße Magie spielt eine Rolle – wer mag, kann das zur Fantasy rechnen.
Aber natürlich stammen menschenfressende Monster, die mit goldenen Revolvern schießen, eher aus dem Gruselroman, und dabei handelt es sich hier: Ich hörte mal wieder ein »John Sinclair«-Hörspiel, in dem es von überraschenden Wendungen, bizarren Beziehungen und knalligen Dialogen nur so wimmelt. Ganz nebenbei spielen nämlich noch ein Mafioso und seine Drogengeschäfte eine Rolle – der Genre-Mix wird also durch eine tüchtige Krimi-Prise abgeschmeckt.
Wie immer: Ernst nehmen kann man das zwar nicht, ich mag aber den »trashigen« Charakter dieser Hörspiele. Dennis Ehrhardt hat aus der alten Vorlage eine spannende Geschichte gemacht, Lübbe-Audio lieferte wieder einmal ein richtig gutes Hörspiel ab. Die Geräusche sind hervorragend, die Dialoge wirken nachvollziehbar, und der Handlungsverlauf ist knallig – ich muss mich dabei nicht gruseln, fühle mich aber gut unterhalten.
So ist der gute alte Gruselroman doch für eine Audio-Überraschung gut. Das mag ich!
Tatsächlich ist das Hörspiel ein wüster Genre-Mix. Gestaltwandler treten auf, Dimensionstore spielen eine Rolle, man landet in einem fremden Universum – so weit kann man das als Science Fiction betrachten. Magie aller Art wird eingesetzt, sogar weiße Magie spielt eine Rolle – wer mag, kann das zur Fantasy rechnen.
Aber natürlich stammen menschenfressende Monster, die mit goldenen Revolvern schießen, eher aus dem Gruselroman, und dabei handelt es sich hier: Ich hörte mal wieder ein »John Sinclair«-Hörspiel, in dem es von überraschenden Wendungen, bizarren Beziehungen und knalligen Dialogen nur so wimmelt. Ganz nebenbei spielen nämlich noch ein Mafioso und seine Drogengeschäfte eine Rolle – der Genre-Mix wird also durch eine tüchtige Krimi-Prise abgeschmeckt.
Wie immer: Ernst nehmen kann man das zwar nicht, ich mag aber den »trashigen« Charakter dieser Hörspiele. Dennis Ehrhardt hat aus der alten Vorlage eine spannende Geschichte gemacht, Lübbe-Audio lieferte wieder einmal ein richtig gutes Hörspiel ab. Die Geräusche sind hervorragend, die Dialoge wirken nachvollziehbar, und der Handlungsverlauf ist knallig – ich muss mich dabei nicht gruseln, fühle mich aber gut unterhalten.
So ist der gute alte Gruselroman doch für eine Audio-Überraschung gut. Das mag ich!
Guitar Gangsters zum zehnten Mal
Als sich die Guitar Gangsters vor dreißig Jahren gründeten, waren Oi! und Streetpunk eigentlich kein Thema mehr, vor allem in England. Doch die Band setzte damals mit schmissigem Sound und guten Melodien ihre Akzente. Und sie ist immer noch da, was mich tatsächlich verblüfft hat.
Im Herbst 2017 kam mit »Sex & Money« der zehnte Tonträger heraus, den ich mittlerweile auch angehört habe. Zwölf Stücke sind darauf, darunter eine Coverversion (»The Sound Of Silence« von Simon & Garfunkel; ob das wirklich hat sein müssen?). Und wenn ich fair sein soll: Einige Stücke sind großartig, einige sind schlapp – aber das muss wohl so sein.
Vor allem am Anfang begeistert mich die Platte. Stücke wie »Obsession« sind großartig, das ist schmissiger Punkrock der ganz alten Schule, der viele Melodien liefert und zum Mitgrölen anregt. Auch ein bierselig-knackiges Lied wie »Shut Up (And Get Me A Drink)« gefällt mir.
Manchmal eiert die Band leider auch. Stücke wie »Durnsford Wrecks« sind ziemlich schlapp und langweilen durch langsame Melodien und zu viel Gitarrengefiedel. Und sogar ein balladeskes Liebeslied hat die Band auf die Platte gepackt; das hätten sich die Guitar Gangsters sparen können.
Insgesamt aber eine gelungene Platte mit einigen leichten Schatten – wer auf klassischen Streetpunk steht, dürfte die Band dennoch mögen. (Veröffentlicht bei Wanda Records.)
Im Herbst 2017 kam mit »Sex & Money« der zehnte Tonträger heraus, den ich mittlerweile auch angehört habe. Zwölf Stücke sind darauf, darunter eine Coverversion (»The Sound Of Silence« von Simon & Garfunkel; ob das wirklich hat sein müssen?). Und wenn ich fair sein soll: Einige Stücke sind großartig, einige sind schlapp – aber das muss wohl so sein.
Vor allem am Anfang begeistert mich die Platte. Stücke wie »Obsession« sind großartig, das ist schmissiger Punkrock der ganz alten Schule, der viele Melodien liefert und zum Mitgrölen anregt. Auch ein bierselig-knackiges Lied wie »Shut Up (And Get Me A Drink)« gefällt mir.
Manchmal eiert die Band leider auch. Stücke wie »Durnsford Wrecks« sind ziemlich schlapp und langweilen durch langsame Melodien und zu viel Gitarrengefiedel. Und sogar ein balladeskes Liebeslied hat die Band auf die Platte gepackt; das hätten sich die Guitar Gangsters sparen können.
Insgesamt aber eine gelungene Platte mit einigen leichten Schatten – wer auf klassischen Streetpunk steht, dürfte die Band dennoch mögen. (Veröffentlicht bei Wanda Records.)
23 Dezember 2019
BWA vor Weihnachten
Man muss es klar sagen: Die große Zeit der auf Papier gedruckten Fanzines ist schon lange vorüber. Deshalb freue ich mich umso mehr, wenn ich eines in den Fingern halten und lesen kann. Die Auflagenzahlen sind ja leider auch nicht mehr mit den 80er-Jahren vergleichbar.
Zuletzt las ich die aktuelle Ausgabe von »Baden-Württemberg Aktuell«, locker mit »BWA« abgekürzt. Wem der Begriff »BWA« nichts sagt, muss sich
nicht grämen. Die Abkürzung steht für »Baden Württemberg Aktuell«, was
aber weder für die Politik noch die Wirtschaft des Bundeslandes steht,
in dem ich seit meiner Geburt lebe. Es handelt
sich um das Fanzine des Science Fiction Clubs Baden-Württemberg, in dem
ich viele Jahre auch Mitglied war, dessen Heft ich aber immer wieder
gern durchschmökere.
Die Ausgabe 435 hat ein nettes Weihnachtstitelbild und glänzt vor allem durch einige Leserbriefe. Ich las sicher nicht alles in diesem Heft, aber die Leserbriefe führte ich mir allesamt zu Gemüte. Martin Baresch, bekannter Science-Fiction- und Fantasy-Übersetzer und Autor in allen möglichen Bereichen, war in früheren Jahren sehr aktiv im Verein; damals äußerte er sich gern als »Doc Höhn«. An solche Glanzzeiten erinnert sein Brief in dieser Ausgabe.
Das Fanzine wird von Uwe Lammers herausgegeben, der zwar nicht in Baden-Württemberg wohnt, sich aber seit langem für den Verein engagiert. Auf seine Antwort in der nächsten »BWA«-Ausgabe bin ich gespannt. In Zeiten der schnellen Internet-Kommunikation und der flotten Streitereien via Twitter und Facebook fände ich ein altmodisches Duell mit Leserbriefen ja geradezu entspannend.
Ein schöner Jahresausblick für einen ollen Fanzine-Freund wie mich!
21 Dezember 2019
Alles vor Weihnachten
Wir dachten, es würde ein Alptraum, wenn wir versuchten, schlau zu sein. »Es wird anstrengend, aber wir behalten die Ruhe«, redete ich mir mehrfach ein; dann fuhren wir an diesem Samstag, 21. Dezember, tatsächlich los. Grundnahrungsmittel sollten ins Haus, damit wir nicht am Montag, 23. Dezember, noch einmal in die Läden müssten.
Es geschah, womit ich nicht gerechnet hatte. Karlsruhe schien am späten Vormittag wie leergefegt zu sein. An dem Ampeln mussten wir nicht lange warten, in den Läden herrschte kein Chaos. Die meisten Leute verhielten sich auch vernünftig.
Ich war verblüfft und fasziniert. Weil ich so erfreut war, kaufte ich mir noch ein schönes Weihnachtsbier und nicht nur Zeugs zum Essen. Man muss sich ja selbst belohnen, wenn es sonst niemand tut ...
Auch recht!
Es geschah, womit ich nicht gerechnet hatte. Karlsruhe schien am späten Vormittag wie leergefegt zu sein. An dem Ampeln mussten wir nicht lange warten, in den Läden herrschte kein Chaos. Die meisten Leute verhielten sich auch vernünftig.
Ich war verblüfft und fasziniert. Weil ich so erfreut war, kaufte ich mir noch ein schönes Weihnachtsbier und nicht nur Zeugs zum Essen. Man muss sich ja selbst belohnen, wenn es sonst niemand tut ...
Auch recht!
20 Dezember 2019
Ein Club für Cola-Fans
Aus der Serie »Dinge, die die Welt nicht braucht – oder vielleicht doch?« kommt diese Information: In den Vereinigten Staaten wurde jetzt der »Coca-Cola Insiders Club« ins Leben gerufen. Im Prinzip handelt es sich um ein Abonnement: Wer mag, kann monatlich eine Sendung mit Getränken erhalten, die allesamt neu sein sollen.
Dafür muss natürlich ein Abo-Gebühr bezahlt werden; nach bisherigen Informationen sind das zehn Dollar für drei »innovative« Getränke. Anders gesagt: Pro Getränk zahlt man über drei Dollar. Angeblich sind allein fürs kommende Jahre sage und schreibe zwanzig Getränke geplant, unter anderem wird von »Coke Energy« gesprochen.
Was ich dabei wirklich spannend finde: Der Ansturm auf das neue Angebot war so groß, dass die eigentlich limitierte Aktion ruckzuck ausverkauft war. Aber gut: Die Menschen lassen sich alles ins Haus liefern. Warum also nicht auch eine Brause?
Darüber kann man sich theatralisch aufregen, oder man nimmt es mit einem interessierten Lächeln zur Kenntnis. Das zumindest versuche ich bei einem solchen Phänomen …
Dafür muss natürlich ein Abo-Gebühr bezahlt werden; nach bisherigen Informationen sind das zehn Dollar für drei »innovative« Getränke. Anders gesagt: Pro Getränk zahlt man über drei Dollar. Angeblich sind allein fürs kommende Jahre sage und schreibe zwanzig Getränke geplant, unter anderem wird von »Coke Energy« gesprochen.
Was ich dabei wirklich spannend finde: Der Ansturm auf das neue Angebot war so groß, dass die eigentlich limitierte Aktion ruckzuck ausverkauft war. Aber gut: Die Menschen lassen sich alles ins Haus liefern. Warum also nicht auch eine Brause?
Darüber kann man sich theatralisch aufregen, oder man nimmt es mit einem interessierten Lächeln zur Kenntnis. Das zumindest versuche ich bei einem solchen Phänomen …
18 Dezember 2019
Crowdfunding für das SF-Jahr
Den Hirnkost-Verlag schätze ich seit vielen Jahren, nicht nur deshalb, weil er meinen Punkrock-Büchern eine verlegerische Heimat gibt, schicke Kalender veröffentlicht und in diesem Jahr sogar »Totengräbers Tagebuch« in den Buchhandel geschoben hat. Bei Hirnkost entsteht eine sehr interessante Mixtur aus Literatur und Sachbuch, die sich sehen lassen kann. Ich schaffe es leider nicht, alles zu lesen, was der Verlag veröffentlicht.
Ganz neu ins Programm des Verlages kommt – so hoffe ich – ein dicker Wälzer, der den schlichten Titel »Das Science Fiction Jahr« tragen wird. Erstmals wurde eine Publikation unter diesem Titel im Jahr 1986 veröffentlicht, damals im Heyne-Verlag. Unter der Ägide des unvergessenen Wolfgang Jeschke wurde das Buch zu einer zentralen Institution der deutschsprachigen Science Fiction, nicht immer durch die Bank lesbar und lesenswert, aber immer wieder mit beeindruckenden Texten.
Zuletzt wurde das Buch im Golkonda-Verlag veröffentlicht – dieser kann die aktuelle Ausgabe nicht mehr stemmen. Nun springt der Hirnkost-Verlag ein, kann aber auch nicht »einfach mal so« die Produktions- und Autorenkosten stemmen.
»Um die Zukunft des traditionsreichen Buchprojekts zu sichern, brauchen wir jedoch Unterstützung«, schreiben die Herausgeber'innen. Deshalb wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, für die noch Mitstreiter'innen gesucht werden. Es gibt ein hübsches Video, das ein wenig mehr informiert, und es gibt vor allem eine Seite bei Startnext, die weiter über das Thema informiert und zum Geldsammeln angelegt worden ist.
Alle weiteren Informationen stehen eh da. Ich finde das Projekt gut, und ich denke, man sollte das auch forcieren. Aber entscheidet einfach selbst!
Ganz neu ins Programm des Verlages kommt – so hoffe ich – ein dicker Wälzer, der den schlichten Titel »Das Science Fiction Jahr« tragen wird. Erstmals wurde eine Publikation unter diesem Titel im Jahr 1986 veröffentlicht, damals im Heyne-Verlag. Unter der Ägide des unvergessenen Wolfgang Jeschke wurde das Buch zu einer zentralen Institution der deutschsprachigen Science Fiction, nicht immer durch die Bank lesbar und lesenswert, aber immer wieder mit beeindruckenden Texten.
Zuletzt wurde das Buch im Golkonda-Verlag veröffentlicht – dieser kann die aktuelle Ausgabe nicht mehr stemmen. Nun springt der Hirnkost-Verlag ein, kann aber auch nicht »einfach mal so« die Produktions- und Autorenkosten stemmen.
»Um die Zukunft des traditionsreichen Buchprojekts zu sichern, brauchen wir jedoch Unterstützung«, schreiben die Herausgeber'innen. Deshalb wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, für die noch Mitstreiter'innen gesucht werden. Es gibt ein hübsches Video, das ein wenig mehr informiert, und es gibt vor allem eine Seite bei Startnext, die weiter über das Thema informiert und zum Geldsammeln angelegt worden ist.
Alle weiteren Informationen stehen eh da. Ich finde das Projekt gut, und ich denke, man sollte das auch forcieren. Aber entscheidet einfach selbst!
17 Dezember 2019
Abschluss des ironischen Western-Comics
Ich habe den Abschlussband der famosen Western-Tetralogie »Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte« gelesen. Wenn das kein Grund ist, noch einmal auf das Werk hinzuweisen! Verantwortlich dafür ist Wilfrid Lupano, der in den vergangenen zwei, drei Jahren hierzulande richtig bekannt geworden ist – vor allem dank seiner Serie »Die alten Knacker«, die haarsträubenden Humor mit durchaus ernsthaft-politischen Inhalten verbunden hat.
Ähnliches gilt für den Western-Vierteiler, um den es hier geht und der im Splitter-Verlag veröffentlicht worden ist. Die Handlung spielt Ende des 19. Jahrhunderts, zu einer Zeit also, in der die Indianerkriege bereits vorüber waren und die weißen Eroberer die Territorien endgültig unter sich aufteilten.
Anfangs sind auch die Wildwest-Regionen des Bundestaates Arizona der hauptsächliche Schauplatz der Geschichte, der letzte Band aber spielt in erster Linie in Washington. In der Hauptstadt der aufstrebenden USA wird das Spiel um Macht nämlich zu seiner Vollendung geführt.
In den vier Bänden spielen ein aristokratischer Engländer und mexikanische Banditen, eine coole junge Frau und indianische Kinder, haufenweise Intrigen und viel Geballer wesentliche Rollen. Humor und Entsetzen wechseln sich für den Leser durchaus ab; man kann zwischendurch breit grinsen, ist dann aber wieder von der spannenden Handlung gefesselt.
Ganz klar: »Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte« ist kein beinharter Western, sondern einer, der die Konventionen des Genres kennt und sie in einzelnen Bereichen aufbricht. Das geschieht nicht nur erzählerisch, sondern auch von den Zeichnungen her. Paul Salomone schafft die Balance zwischen Humor und ernsthafter Grafik; er ist ebenso weit entfernt von einem »Lucky Luke«-Westernspaß wie von einem »Durango«-Realismus.
Die Serie hat überraschende Momente und macht Spaß. Wer Western-Comics mag, sollte sich auf jeden Fall die Leseproben auf der Internet-Seite des Splitter-Verlages anschauen, vielleicht zuerst die vom ersten und dann die vom vierten Band. Und wer die politischen Comics von Lupano gern gelesen hat, sollte bei diesem Comic auf jeden Fall einen Blick wagen – denn um politische Inhalte geht es auch hier ...
Ähnliches gilt für den Western-Vierteiler, um den es hier geht und der im Splitter-Verlag veröffentlicht worden ist. Die Handlung spielt Ende des 19. Jahrhunderts, zu einer Zeit also, in der die Indianerkriege bereits vorüber waren und die weißen Eroberer die Territorien endgültig unter sich aufteilten.
Anfangs sind auch die Wildwest-Regionen des Bundestaates Arizona der hauptsächliche Schauplatz der Geschichte, der letzte Band aber spielt in erster Linie in Washington. In der Hauptstadt der aufstrebenden USA wird das Spiel um Macht nämlich zu seiner Vollendung geführt.
In den vier Bänden spielen ein aristokratischer Engländer und mexikanische Banditen, eine coole junge Frau und indianische Kinder, haufenweise Intrigen und viel Geballer wesentliche Rollen. Humor und Entsetzen wechseln sich für den Leser durchaus ab; man kann zwischendurch breit grinsen, ist dann aber wieder von der spannenden Handlung gefesselt.
Ganz klar: »Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte« ist kein beinharter Western, sondern einer, der die Konventionen des Genres kennt und sie in einzelnen Bereichen aufbricht. Das geschieht nicht nur erzählerisch, sondern auch von den Zeichnungen her. Paul Salomone schafft die Balance zwischen Humor und ernsthafter Grafik; er ist ebenso weit entfernt von einem »Lucky Luke«-Westernspaß wie von einem »Durango«-Realismus.
Die Serie hat überraschende Momente und macht Spaß. Wer Western-Comics mag, sollte sich auf jeden Fall die Leseproben auf der Internet-Seite des Splitter-Verlages anschauen, vielleicht zuerst die vom ersten und dann die vom vierten Band. Und wer die politischen Comics von Lupano gern gelesen hat, sollte bei diesem Comic auf jeden Fall einen Blick wagen – denn um politische Inhalte geht es auch hier ...
Militärisches zwischen den Welten
Was Andreas Suchanek in den vergangenen Jahren geschaffen hat, kann sich absolut sehen lassen: Vom jungen Autor, der seine eigenen Romane im Eigenverlag veröffentlichte, wurde er zu einem Verleger, der auch anderen Autorinnen und Autoren eine Chance gab. Und seine eigene Serie –»Heliosphere 2265« – wurde von ihm erfolgreich in andere Sprachen und Medien übertragen.
Unter anderem ins Hörspiel ... ich hörte dieser Tage endlich die CD »Zwischen den Welten«, den zweiten Teil der Hörspielserie. Weil ich seit der ersten CD eine so lange Pause eingelegt hatte, brauchte ich einige Zeit, bis ich wieder in die Handlung reinkam.
Viele Namen, die ich erst einsortieren musste, machten den Einstieg für mich durchaus schwierig. Wer sich für die Serie interessiert und mal reinhören möchte, sollte also auf jeden Fall mit dem ersten Hörspiel anfangen.
Die Handlung spielt auf dem Mars sowie in den Tiefen des Alls – das ist auch die Handlung, die ich spannender fand. Menschen von der Erde kommunizieren mit einem außerirdischen Volk, dann müssen sie in einen Konflikt eingreifen, der sich auf einmal entwickelt. An Bord des Raumschiffes, dessen Besatzung vermitteln oder kämpfen soll, machen allerdings Intrigen die Arbeit unnötig kompliziert ...
Natürlich hängt alles irgendwie zusammen; die Handlung blendet zwischen den einzelnen Schauplätzen hin und her. Das macht die Regie echt gut. Mit Balthasar von Weymarn und Interplanar-Produktion sind jene Menschen für das Hörspiel verantwortlich, die bereits »Mark Brandis« so soll umgesetzt haben. Geräusche und Dialogregie stimmen, das ist alles klasse.
Für mich knifflig ist die Häufung von Militärsprech – das dauernde »Aye, Sir« und das Englisch nerven mich einfach. Dass auch Admirale sehr jung klingen, ist dem jungen Team geschuldet; damit komme ich klar. Und bei manchen Dialogen raschelt mir das Papier noch zu sehr – hier hätte man stärker eingreifen sollen.
Aber seien wir ehrlich: Wer Science-Fiction-Hörspiele mag, sollte »Heliosphere« eine Chance geben. Aber dann beim ersten Hörspiel anfangen ...
Unter anderem ins Hörspiel ... ich hörte dieser Tage endlich die CD »Zwischen den Welten«, den zweiten Teil der Hörspielserie. Weil ich seit der ersten CD eine so lange Pause eingelegt hatte, brauchte ich einige Zeit, bis ich wieder in die Handlung reinkam.
Viele Namen, die ich erst einsortieren musste, machten den Einstieg für mich durchaus schwierig. Wer sich für die Serie interessiert und mal reinhören möchte, sollte also auf jeden Fall mit dem ersten Hörspiel anfangen.
Die Handlung spielt auf dem Mars sowie in den Tiefen des Alls – das ist auch die Handlung, die ich spannender fand. Menschen von der Erde kommunizieren mit einem außerirdischen Volk, dann müssen sie in einen Konflikt eingreifen, der sich auf einmal entwickelt. An Bord des Raumschiffes, dessen Besatzung vermitteln oder kämpfen soll, machen allerdings Intrigen die Arbeit unnötig kompliziert ...
Natürlich hängt alles irgendwie zusammen; die Handlung blendet zwischen den einzelnen Schauplätzen hin und her. Das macht die Regie echt gut. Mit Balthasar von Weymarn und Interplanar-Produktion sind jene Menschen für das Hörspiel verantwortlich, die bereits »Mark Brandis« so soll umgesetzt haben. Geräusche und Dialogregie stimmen, das ist alles klasse.
Für mich knifflig ist die Häufung von Militärsprech – das dauernde »Aye, Sir« und das Englisch nerven mich einfach. Dass auch Admirale sehr jung klingen, ist dem jungen Team geschuldet; damit komme ich klar. Und bei manchen Dialogen raschelt mir das Papier noch zu sehr – hier hätte man stärker eingreifen sollen.
Aber seien wir ehrlich: Wer Science-Fiction-Hörspiele mag, sollte »Heliosphere« eine Chance geben. Aber dann beim ersten Hörspiel anfangen ...
16 Dezember 2019
Schreibpläne für 2020
Ich kann nicht behaupten, ich sei im Jahr 2019 unproduktiv gewesen, was meine Hobby-Schriftstellerei angeht. Immerhin habe ich es geschafft, meine Arbeit an »Totengräbers Tagebuch« – wo ich ja nur ein Co-Autor war – zu einem vernünftigen Ende zu bringen und auch einige Folgen von »Der Gute Geist des Rock'n'Roll« zu veröffentlichen. Leider hemmt mich mein eigentlicher Beruf sehr oft daran, meinen eigenen Kram zu schreiben.
Für 2020 habe ich mir bereits ernsthafte Vorsätze genommen. Unter anderem soll endlich meine Sammlung von Fantasy-Geschichten fertigwerden, die ich bereits Ende 2018 finalisieren wollte – oder war es gar 2017? Derzeit arbeite ich sehr ernsthaft an einer Science-Fiction-Geschichte, die hoffentlich bald fertig wird, dann folgt direkt darauf eine zweite. Für beide Geschichten gibt es Anthologien, in denen sie publiziert werden können.
Und ich habe mir völlig ernsthaft als Schreibprojekt für 2020 einen Science-Fiction-Roman vorgenommen. Nichts, was im Universum der größten SF-Serie der Welt spielt, sondern in meiner eigenen »Future History«. Ich will bisher weder etwas über den Inhalt noch über den potenziellen Verlag erzählen – ja, es gibt einen interessierten Verlag –, sondern nur andeuten, dass ich es mir ernsthaft vornehme.
Was daraus wird? Keine Ahnung. Nachdem 2019 sehr perrystressig war, sollte es 2020 wieder ein bisschen um meine eigenen Ideen und Gedankenwelten gehen. Wenn das mal kein guter Vorsatz ist!
Für 2020 habe ich mir bereits ernsthafte Vorsätze genommen. Unter anderem soll endlich meine Sammlung von Fantasy-Geschichten fertigwerden, die ich bereits Ende 2018 finalisieren wollte – oder war es gar 2017? Derzeit arbeite ich sehr ernsthaft an einer Science-Fiction-Geschichte, die hoffentlich bald fertig wird, dann folgt direkt darauf eine zweite. Für beide Geschichten gibt es Anthologien, in denen sie publiziert werden können.
Und ich habe mir völlig ernsthaft als Schreibprojekt für 2020 einen Science-Fiction-Roman vorgenommen. Nichts, was im Universum der größten SF-Serie der Welt spielt, sondern in meiner eigenen »Future History«. Ich will bisher weder etwas über den Inhalt noch über den potenziellen Verlag erzählen – ja, es gibt einen interessierten Verlag –, sondern nur andeuten, dass ich es mir ernsthaft vornehme.
Was daraus wird? Keine Ahnung. Nachdem 2019 sehr perrystressig war, sollte es 2020 wieder ein bisschen um meine eigenen Ideen und Gedankenwelten gehen. Wenn das mal kein guter Vorsatz ist!
15 Dezember 2019
Positive Erinnerung an die späten 60er-Jahre
Als ich im Spätjahr 2019 beim MaroVerlag einige Bücher bestellte, erhielt ich kostenlos die »Jahresgabe 2015 für die Freunde des MaroVerlages«. Ich freute mich sehr darüber, immerhin würde ich mich wirklich als ein Freund dieses Verlages bezeichnen – die ersten Maro-Bücher dürfte ich mir 1981 gekauft haben.
Die Jahresgabe erwies sich als ein Heft, 28 Seiten stark, im A5-Format und sehr schön gestaltet, das einen Text des Schriftstellers Gert Heidenreich enthielt: »Nächte mit Leonard« ist eine literarische Erinnerung an die Jahre 1968/69, die Heidenreich – er ist Jahrgang 1944 – sicher bewusster erlebt hat als ich. (Zu der Zeit war ich im Kindergarten.)
Der Autor schafft es, die spannenden Tage mit einem Sänger zu verbinden. Die Schüsse auf Rudi Dutschke, die Straßenschlachten von Paris und der Vietnamkrieg werden mit der Musik von Leonard Cohen in eine Reihe gestellt, das Lebensgefühl einer Generation wird in wenigen Zeilen lebendig. Heidenreich schreibt schwungvoll, sein Text liest sich leicht und mit viel Vergnügen.
Ein wunderbares Heft! Es macht mich auf den Schriftsteller neugierig, den ich bisher nicht großartig wahrgenommen habe – dankeschön an den MaroVerlag!
Die Jahresgabe erwies sich als ein Heft, 28 Seiten stark, im A5-Format und sehr schön gestaltet, das einen Text des Schriftstellers Gert Heidenreich enthielt: »Nächte mit Leonard« ist eine literarische Erinnerung an die Jahre 1968/69, die Heidenreich – er ist Jahrgang 1944 – sicher bewusster erlebt hat als ich. (Zu der Zeit war ich im Kindergarten.)
Der Autor schafft es, die spannenden Tage mit einem Sänger zu verbinden. Die Schüsse auf Rudi Dutschke, die Straßenschlachten von Paris und der Vietnamkrieg werden mit der Musik von Leonard Cohen in eine Reihe gestellt, das Lebensgefühl einer Generation wird in wenigen Zeilen lebendig. Heidenreich schreibt schwungvoll, sein Text liest sich leicht und mit viel Vergnügen.
Ein wunderbares Heft! Es macht mich auf den Schriftsteller neugierig, den ich bisher nicht großartig wahrgenommen habe – dankeschön an den MaroVerlag!
14 Dezember 2019
Keine Science Fiction mehr
In der Science Fiction gehört es seit vielen Jahren zum guten Ton, apokalyptische Szenarien zu entwickeln: das Ende der Menschheit im Brand des Atomkrieges, das Ende der Erde durch einen Meteoriten, neuerdings auch das Ende der Zivilisation durch die Klimakatastrophe. Wobei das für mich keine Science Fiction mehr ist, sondern ein Blick in eine nahe Realität.
Man kann meinetwegen sagen, dass der Klimawandel nicht von Menschen ausgelöst worden ist; diesen Glauben kann man ja vertreten. Es kann aber keiner bestreiten, dass die Umwelt immer schmutziger wird und das extreme Wetter zugenommen hat. Auf welches Phänomen man das schiebt, ist mir erst einmal gleichgültig – faktisch geht die Umwelt langsam vor die Hunde.
Nur scheint den meisten nach wie vor nicht so richtig klar zu sein, was das bedeutet. In Mitteleuropa können wir wohl gut mit dem Klimawandel umgehen. Steigt der Meeresspiegel um einen Meter, bauen wir halt die Dämme höher; man wird Norddeutschland nicht so schnell im Meer versacken lassen.
Was aber ist mit einem Land wie Bangladesh? Wenn der Meeresspiegel dort um einen Meter oder mehr steigt, werden Millionen von Menschen ertrinken, auf jeden Fall ihre Heimat verlieren. Es wird zu Fluchtbewegungen kommen, die alles übersteigen, was wir derzeit auf der Welt sehen. Das Gleiche gilt für weite Teile Afrikas, bei denen allerdings nicht unbedingt Überflutungen drohen, sondern noch mehr Dürre und noch mehr Hunger.
Wollen wir ernsthaft zuschauen, wie Millionen und Abermillionen Menschen in den nächsten zwanzig Jahren sterben werden? Nein: Hunderte von Millionen werden es sein, wenn auf der einen Seite der Meeresspiegel steigt und auf der anderen Seite das Land verdorrt.
Ich habe keine Lösung für diese Frage anzubieten, sie treibt mich aber um. Ich spende an »Ärzte ohne Grenzen« und andere Organisationen, die dabei mithelfen, die Katastrophen ein wenig abzumildern. Aber ich weiß nicht, was ich wirklich tun kann, um die Katastrophe aufzuhalten, die auf uns zukommt, oder ihre Folgen zumindest zu reduzieren.
Nur habe ich das Gefühl, dass den meisten Leuten eben dieser Gedankngang nicht bewusst ist. Nicht einmal denen, die sich für Klimaschutz einsetzen, damit aber vor allem meinen, dass uns das Thema in naher Zukunft betreffe. Es wird aber vor allem Leute in der sogenannten Dritten Welt treffen, die dann nicht einmal eine Chance haben werden, in sichere Länder zu fliehen.
Das ist dann alles keine Science Fiction mehr. Das ist bittere Wirklichkeit und mehr »No Future«, als ich mir das Ende der 70er- und anfangs der 80er-Jahre vorstellen konnte.
Man kann meinetwegen sagen, dass der Klimawandel nicht von Menschen ausgelöst worden ist; diesen Glauben kann man ja vertreten. Es kann aber keiner bestreiten, dass die Umwelt immer schmutziger wird und das extreme Wetter zugenommen hat. Auf welches Phänomen man das schiebt, ist mir erst einmal gleichgültig – faktisch geht die Umwelt langsam vor die Hunde.
Nur scheint den meisten nach wie vor nicht so richtig klar zu sein, was das bedeutet. In Mitteleuropa können wir wohl gut mit dem Klimawandel umgehen. Steigt der Meeresspiegel um einen Meter, bauen wir halt die Dämme höher; man wird Norddeutschland nicht so schnell im Meer versacken lassen.
Was aber ist mit einem Land wie Bangladesh? Wenn der Meeresspiegel dort um einen Meter oder mehr steigt, werden Millionen von Menschen ertrinken, auf jeden Fall ihre Heimat verlieren. Es wird zu Fluchtbewegungen kommen, die alles übersteigen, was wir derzeit auf der Welt sehen. Das Gleiche gilt für weite Teile Afrikas, bei denen allerdings nicht unbedingt Überflutungen drohen, sondern noch mehr Dürre und noch mehr Hunger.
Wollen wir ernsthaft zuschauen, wie Millionen und Abermillionen Menschen in den nächsten zwanzig Jahren sterben werden? Nein: Hunderte von Millionen werden es sein, wenn auf der einen Seite der Meeresspiegel steigt und auf der anderen Seite das Land verdorrt.
Ich habe keine Lösung für diese Frage anzubieten, sie treibt mich aber um. Ich spende an »Ärzte ohne Grenzen« und andere Organisationen, die dabei mithelfen, die Katastrophen ein wenig abzumildern. Aber ich weiß nicht, was ich wirklich tun kann, um die Katastrophe aufzuhalten, die auf uns zukommt, oder ihre Folgen zumindest zu reduzieren.
Nur habe ich das Gefühl, dass den meisten Leuten eben dieser Gedankngang nicht bewusst ist. Nicht einmal denen, die sich für Klimaschutz einsetzen, damit aber vor allem meinen, dass uns das Thema in naher Zukunft betreffe. Es wird aber vor allem Leute in der sogenannten Dritten Welt treffen, die dann nicht einmal eine Chance haben werden, in sichere Länder zu fliehen.
Das ist dann alles keine Science Fiction mehr. Das ist bittere Wirklichkeit und mehr »No Future«, als ich mir das Ende der 70er- und anfangs der 80er-Jahre vorstellen konnte.
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