Posts mit dem Label Kino werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kino werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

07 September 2026

Den Schafskrimi gesehen

Als ich den Roman »Glennkill« der deutschen Autorin Leonie Swann vor gut zwanzig Jahren las, fand ich ihn sehr erfrischend. Ich war nicht ganz so euphorisiert wie manche Leute in meinem sozialen Umfeld, mochte ihn aber sehr. Umso gespannter war ich nun auf die Verfilmung.

Der Film heißt im Original »The Sheep Detectives«, für den deutschen Markt hat man auf den sicheren Titel »Glennkill: Ein Schafskrimi« gesetzt. Mit Prominenten wie Hugh Jackman setzte man durchaus auf Stars; das war also keine billige Produktion. Wobei die eigentlichen Stars des Films eh die Schafe sind ...

Der Film kam in diesem Jahr heraus, ich sah ihn mir auf einem Streamingkanal an, also nicht im Kino. Seien wir fair: Er ist unterhaltsam, er hat seine schönen Seiten, aber man braucht ihn wirklich nicht.

Er hält sich vage an die Vorlage des Romans, vor allem in der Charakterisierung der Schafe, weicht aber in vielen Details stark ab. Das ist nicht schlimm, finde ich, das macht allerdings eine andere Geschichte daraus. Wer eine Eins-zu-Eins-Verfilmung des Bestsellers erwartet, ist vielleicht enttäuscht; mich störte das nicht so sehr.

Die Schafe und ihre Gedankengänge sind putzig, die Lösung des Krimis in sich auch schlüssig. Das passt schon gut zusammen, und man langweilt sich nicht unbedingt. So richtig spannend ist der Streifen allerdings nicht – eineinhalb Stunden kann man damit aber gut verbringen.

20 April 2026

Ein Dutzend Cartoon-Filme

Die Internationalen Filmfestspiele Karlsruhe sind eine Veranstaltung, die jedes Jahr ausgerichtet wird; in diesem Jahr gab es die Independent Days, wie die Reihe auch genannt wird, bereits zum 25. Mal. Und ich besuchte sie wieder, weil ich die Idee schon gut finde und es auch mag, völlig neue Sichtweisen zu bekommen.

Am Freitagabend, 17. April 2026, gab es einen Abend unter dem Titel »Achtung, jetzt kommt ein Cartoon!« Wie der Titel schon nahelegt, ging es um Trickfilme im weitesten Sinne; am Ende durfte das Publikum über einen Preis abstimmen.

Gut ein Dutzend Filme stand zur Auswahl, stilistisch wie inhaltlich waren die Streofen sehr verschieden, und keiner war schlecht. (Okay, der Stop-Motion-Film zu den »Ghostbusters« war wohl nur für beinharte Fans des Originals richtig gut; ich fand ihn viel zu lang und verstand viele Gags schlichtweg nicht.)

Man zeigte einen unglaublich poetischen Zeichentrickfilm aus China, in dem ein Wassertropfen auf Reisen geht. Wir sahen einen tragischen Film, der die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs aufgreift und mit einem verletzten Vogel und einem Klavierspiel in Zusammenhang bringt. Und ich fand die Science-Fiction-Version von »Herr Rossi sucht das Glück« – per Zeitreise aus den fünfziger Jahren in unsere Zeit – sehr amüsant.

Jeder Film wurde mit viel Applaus bedacht. Eine Moderatorin führte in englischer und deutscher Sprache durch den Abend; einige der Filmemacher*innen waren anwesend und wurden vor dem Publikum befragt. Es herrschte eine positive und freundliche Atmosphäre, das war richtig gut – ein wunderbarer Abend!

08 April 2026

Ein Astronaut im Kino

Ich bin wahrscheinlich einer der letzten Science-Fiction-Fans im deutschsprachigen Raum, die den Film »Der Astronaut« nun endlich im Kino gesehen haben. Wie spät ich damit war, merkte ich daran, dass der Saal erstaunlich leer wirkte; gut die Hälfte der Plätze war an diesem Abend nicht besetzt.

Zu sehen gab es einen richtig guten Spielfilm, der auch Leute zu faszinieren vermochte, die sonst nicht gerade Science-Fiction-Fans sind. Die Geschichte dürfte bekannt sein, man kann sie überall nachlesen. Ryan Gosling als Astronaut wider Willen, der sich mitten im All in einem Raumschiff auf einer Mission wiederfindet, von der letztlich das Überleben der Menschheit abhängt – das ist schon ein sehr großer »Stoff«. (Die Romanvorlage habe ich nie gelesen.)

Sie hätte scheitern können. Vielleicht ist das der Grund, warum ich nicht gleich in den Film gerannt bin. Ich sah in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu viele Science-Fiction-Filme, in denen stumpfes Geballer oder alberne Sprüche vorherrschten; da wird man im Verlauf der Zeit einfach ein bisschen misstrauisch.

Das haben die Macher von »Der Astronaut« anders gemacht. Ihr Film basiert auf Verzweiflung und Humor, er lebt von Witzen und einem ironischen Blick auf die Welt oder – in diesem Fall – das Universum. Sein Held ist keiner von der Sorte, die alles wissen und regeln, sondern einer, der ständig an sich selbst zweifelt und letztlich über sich hinauswachsen muss. Und der Außerirdische – so viel Spoiler muss dann doch sein – ist einfach allerliebst. 

Seien wir fair: Sobald man über die eine oder andere Prämisse des Films nachdenkt, wird es problematisch. Aber wenn man es schafft, angesichts der Flut der starken Bilder den kritischen Sinn auszuschalten, bleibt »Der Astronaut« als großartige Kino-Unterhaltung.

16 März 2026

Ein Leben in drei Akten

Bereits 2024 war der amerikanische Spielfilm »The Life of Chuck« erstmals präsentiert worden; in die amerikanischen und auch deutschen Kinos kam er 2025. Ich verpasste ihn damals, obwohl er mich interessierte, und war nun sehr froh darüber, dass er in einem Streaming-Kanal angeboten wurde.

Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King, und er wird in drei Akten erzählt. Diese unterscheiden sich gravierend: Während der Anfang den dritten Teil schildert, eine Art Weltuntergang mit stark emotionalem Anteil, besteht der mittlerweile Teil des Films vor allem aus einer unglaublichen Tanz-Szene, die weder kitschig noch peinlich oder sonstwie seltsam ist. Und der erste Teil des Films zeigt Szenen aus der Jugend des Titelhelden?

Klingt verwirrend? Ist es aber nicht.

Beim ersten Teil kapiert man vielleicht nicht gleich, wie alles zusammenhängt, ist aber von der tragischen und emotionalen Geschichte sehr gefesselt. Beim zweiten Teil kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus und musste einige Male grinsen. Und der erste Teil der Geschichte, der ja der dritte Akt des Films ist und Chuck als Jugendlichen zeigt, ist wirklich wunderbar.

Und ja, es ist eine Geschichte von Stephen King; sie hat einen phantastischen Zug, geht aber nicht in die Horror-Richtung. Es handelt sich also um einen phantastischen Film, vor allem aber um einen Film, der einen auf eine dramatische Reise mitnimmt.

»The Life of Chuck« ist einer der Film, die man nach einiger Zeit noch einmal anschauen kann; er hat das Zeug zu einem Klassiker. Und Tom Hiddleston als cooler Tänzer ist eine echte Überraschung! (Ach ja, und Mark Hamill ist diesmal kein »Star Wars«-Pilot, sondern spielt einen alten Mann.)

19 Januar 2026

Den Meister und die Margarita gesehen

Für meine Begriffe ist Bulgakows »Der Meister und Margarita« einer der besten Romane der phantastischen Literatur. Deshalb war ich gespannt auf die Verfilmung; im Kino hatte ich sie 2025 völlig verpasst, und ich sah sie mir dieser Tage endlich in einem Streaming-Kanal an. Es handelt sich um eine russische Verfilmung, auch wenn ein deutscher Schauspieler eine der zentralen Rollen übernommen hat.

Ich verzichte an dieser Stelle absichtlich auf eine Inhaltsangabe; das ist wohl beim Roman als auch beim Film echt knifflig. Die Geschichte spielt in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts; in Moskau herrscht der Stalinismus.

Eine mysteriöse Person ist in der Stadt unterwegs, bei der man irgendwann sicher ist, dass sie schlichtweg der Teufel ist. Und eine der zentralen Fragen, die sich durch die Geschichte ziehen, ist dann: Wenn in einem atheistischen Land der Teufel durch die Straßen spaziert, heißt das doch, dass es auch Gott geben muss?

Man muss klar sagen: Wer den Roman nicht kennt, wird den Film kaum verstehen. Aber auch wenn man ihn gelesen hat, bleibt vieles unklar. Manchmal nimmt er alle Anzeichen einer Groteske an, dann wieder wirkt er wie ein Fantasy-Film. Häufig aber wirkt er wie eine bissige Satire auf die Sowjetunion und ihre Geschichte – ich bin sowieso sicher, dass ich viele Anspielungen auf aktuelle und vergangene Politik nicht verstehen konnte.

Die Verfilmung ist nicht schlecht, empfehlen kann ich sie aber auch nicht. Wer ein Fan des schon klassischen Romans ist, sollte sich den Film anschauen; wer den Roman nicht kennt, sollte ihn eh auf seine »dringend zu lesen«-Liste setzen. Ansonsten ist die Verfilmung zeitweise sehr bildgewaltig, insgesamt aber nicht sonderlich überzeugend.

12 Januar 2026

Wenn ein Pinguin in ein Leben tritt

Ich gestehe, dass ich von dem Film »Der Pinguin meines Lebens« bis vor Kurzem nichts wusste. Er kam 2024 in den USA heraus, wurde bei uns 2025 wohl auch im Kino gezeigt, aber ich bekam es nicht mit. Dabei hätte mich die Geschichte schon gereizt. Deshalb war ich froh, ihn unlängst in einem Streamingkanal anschauen zu können. Der Film ist gelungen, auch und gerade wegen der Verbindung aus skurriler Handlung und politischem Hintergrund.

Mit dem Schauspieler Steve Coogan steht ein guter Darsteller zur Verfügung, dem man den Lehrer mit all seinen Problemen abnimmt. 1976 beginnt der Lehrer seine Arbeit in Argentinien, er soll englische Literatur lehren. Er sieht sich selbst als unpolitisch und bekommt den Militärputsch in seiner neuen Heimat nur am Rand mit. Doch ein Pinguin, der ihn als neuen Freund ansieht und ihm nicht von der Seite weicht, verändert den Lehrer und sein Leben.

Das klingt erst mal einigermaßen blöd, basiert aber auf einer wahren Geschichte, die zu einem Buch verarbeitet worden ist. Und erzählt wird es auf eine sympathische und sehr unterhaltsame Art und Weise, ohne erhobenen Zeigefinger, ohne überzogene Liebesgeschichten und ohne ein Heldenepos zu werden. Die Hauptfigur ist selbst kein Held, sondern eigentlich ein bequemer Mensch, der vom Schicksal gebeutelt worden ist und eigentlich nur noch seine Ruhe haben möchte.

Steve Coogan spielt das glaubhaft; die Regie des Films setzt ihn unaufgeregt in Szene. Die politischen Geschehnisse bleiben dabei immer im Hintergrund, was man durchaus kritisieren kann. Aber das passt zur Figur und ihrem Verhalten – ein schöner Film, der nebenbei auch die Literatur ins Zentrum setzt und viel Drama bietet. Lohnt sich durchaus!

01 Dezember 2025

Ein letzter Funke Hoffnung

Science Fiction aus Polen kommt mir nicht so oft vor die Augen; entsprechend neugierig war ich auf den Film »The Last Spark of Hope«, den es derzeit bei den Streamingdiensten zu sehen gibt. In Polen wurde er 2023 gedreht, in deutscher Sprache kam er wohl erst in diesem Jahr heraus.

Die Handlung spitzt sich auf zwei Figuren zu: Ewa, die letzte Überlebende nach den Klimakriegen, und Artur, ein Roboter, der auf sie aufpasst und sie ständig damit nervt, dass er von ihr ein Passwort will. Als sie aber irgendwann vergisst, sich das neue Passwort zu merken, gerät Ewa in eine lebensbedrohliche Situation ...

Tatsächlich gibt es mit Ewa nur einen einzigen Menschen in diesem Film. Sie bewegt sich zumeist auf dem Plateau eines Berges, wo sie ein Lager unterhält, das der Roboter Artur bewach; ab und zu fährt sie in die nahegelegene Stadt, wo sie in den Regalen nach verwertbaren Dingen sucht. Ansonsten versucht sie erfolglos, Kommunikation zu anderen Menschen aufzunehmen.

Der Film lebt von seinen Bildern: die triste Existenz am Rand einer toten Gesellschaft, der unaufhörliche Wind, die quietschenden Geräusche des alten, aber immer noch bewaffneten Roboters. Der Film ist allerdings ein bisschen zu lang: Wäre er etwa eine Dreiviertelstunde lang, käme die erzählerische Wucht stärker; so zieht er sich in manchen Szenen doch sehr.

Es gibt ernsthafte Vergleiche mit dem Kinder-SF-Film »Wall-E«. Das ist Unsinn. »The Last Spark of Hope« hat zwar einen gewissen Sarkasmus, aber der ist grimmig und überhaupt nicht für Kinder geeignet. Das Ende ist auch sehr unlustig.

»The Last Spark of Hope« wurde für sehr wenig Geld produziert und hat deshalb seine Schwächen. Als dystopische Science Fiction vermag er in weiten Teilen zu überzeugen, die Pointe fand ich ein wenig schlapp. Wer eine Chance hat, diesen Science-Fiction-Film anzugucken, sollte es zumindest mal versuchen.

02 September 2025

Die Show feierte ein Jubiläum

Ich weiß nicht, wann ich »The Rocky Horror Picture Show« zum ersten und zum letzten Mal gesehen habe. Ich sah den Kinofilm in den 80er-Jahren zweimal, daran erinnere ich mich sehr gut: Beides Mal saß ich mit Freunden in einem Kino in Freudenstadt und hatte einen großen Spaß an dem skurrilen Streifen und seiner schmissigen Musik. Ich kaufte mir in den 80er-Jahren auch die Schallplatte, die ich mir mal wieder anhören sollte.

Tatsächlich ist der Film ja viel älter; er kam im August 1975 in die Kinos, konnte in diesen Tagen also seinen fünfzigsten Geburtstag feiern. Dass es zu diesem Film eine Vorgeschichte gab, die bereits 1973 in einem Theater in London begonnen hatte, wusste ich damals natürlich nicht. So etwas kann man heute problemlos in der Wikipedia oder einschlägigen Film-Seiten im Netz nachlesen; damals war das kein allgemein verfügbares Wissen.

Ich erinnere mich, dass ich den Film beim ersten Mal verwirrend fand. Die queeren Szenen verstörten mich nicht, ich fand sie eher schräg und witzig. Aber weil mein Englisch so schlecht war, verstand ich die Dialoge teilweise schlicht nicht. Die Handlung erschloss sich trotzdem – und unterm Strich war’s für mich eben ein besonderer Science-Fiction-Film.

Bis heute habe ich den Film erstaunlich gut im Gedächtnis. Ich könnte ihn sicher weder mitsprechen noch die Lieder mitsingen, aber die wichtigsten Szenen kenne ich alle noch. Ob ich ihn mir einmal wieder anschauen würde? Vielleicht wäre es mal angebracht – mehr als vierzig Jahre nach dem ersten Mal …

26 Mai 2025

Die kleinen Dinge in einem Dorf

Was ich am französischen Kino immer wieder bewundere, ist die Tatsache, dass man es in unserem Nachbarland immer wieder schafft, Komödien zu drehen, die ganz nebenbei ernsthafte Themen verhandeln. So ist es auch mit dem Film »Es sind die kleinen Dinge«, der 2023 in Frankreich herauskam und 2024 in Deutschland veröffentlicht wurde – da verpasste ich ihn völlig. Nun ist er aber in diversen Streaming-Portalen zu sehen, also sah ich ihn mir an.

Der Film lebt von seinen Hauptdarstellern, die mir allesamt aus anderen Filmen bekannt waren. Julia Piaton spielt die Lehrerin Alice, die im Nebenberuf die Bürgermeisterin eines kleinen Dorfes ist. Michel Blanc wiederum spielt den Rentner Émile, der nicht lesen kann und sich als echter Sturkopf erweist. Und wie in solchen Fällen üblich: Die beiden müssen sich zusammenraufen.

Letztlich aber ist der Film vor allem das Porträt eines Dorfes, dessen Bewohner sich abgehängt fühlen. Es gibt keine Kneipe mehr, keinen Laden, nichts. Und wenn die Schule auch noch geschlossen wird, steuert das hübsche kleine Dorf auf sein Ende zu. Also versuchen die Bewohner alles, um ihre Schule zu retten.

Natürlich ist das letztlich ein Märchen. Dorfbewohner sind Menschen wie alle anderen auch – sie halten leider nicht so schön zusammen, wie es in diesem Film erzählt wird, sondern es gibt Nazis und Trottel unter ihnen, nette und engagierte Leute, Querköpfe und alles andere auch. Aber ich mag es dann doch, wenn mir in einem Film vermittelt wird, wie es sein könnte, wenn die Leute solidarisch wären und mit Witz und Engagement gegen blöde Bedingungen vorgehen würden.

So ist »Es sind die kleinen Dinge« ein Film, der keine große Geschichte erzählt, sondern Menschen in den Mittelpunkt stellt und sie vielleicht ein wenig schöner darstellt, als sie es wirklich wären. Es ist gut gemachte Unterhaltung mit einem ernsthaften Kern – und das ist das, was viele französische Komödien unterm Strich auszeichnet. Empfehlenswert!

14 Mai 2025

Dustin Hoffman als Cheyenne

Derzeit kann man sich in der ARTE-Mediathek einen Film anschauen, den ich vor gut vierzig Jahren einmal gesehen und seither nie vergessen habe. Es handelt sich um »Little Big Man«. Wer ihn noch nicht kennt, sollte unbedingt die Chance nutzen. Wer ihn kennt – so wie ich –, hat nun die Gelegenheit, ein klassisches Meisterwerk erneut zu betrachten.

»Little Big Man« gilt als Western, was nur eingeschränkt richtig ist. Wenn man wollte, könnte man den Streifen als Indianerfilm bezeichnen; andere bezeichnen ihn als Anti-Western oder als Western-Satire. Alles ist richtig – und doch nicht.

Zur Handlung nur so viel: Der Film spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein Junge wird von den Cheyenne adoptiert und wächst bei den »Menschenwesen« – so nennen sie sich selbst – auf, obwohl er ein Weißer ist. Er bekommt den Anfang der Indianerkriege mit, versucht sich bei den Weißen, ist zwischendurch Quacksalber und Revolverheld, landet wieder bei den Cheyenne und nimmt – gegen seinen Willen – am Washita-Massaker und an der Schlacht am Little Big Horn teil.

Der Film ist mal skurril und witzig, mal unglaublich tragisch; Dustin Hoffman spielt einen jungen Mann, der staunend und ein wenig tölpelhaft durch den sogenannten Wilden Westen stolpert und nie so richtig weiß, wohin er gehört. Der Film wurde 1970 gedreht; man kann ihn natürlich politisch deuten – oder eben als einen realitätsnahen Film über den Untergang der Prärie-Indianer anschauen.

Empfehlenswert. Immer noch!

23 April 2025

Sehr sehr kurze Filme

Ein deprimiertes Mädchen in Pars überlegt sich, ob es sich umbringen soll – allein sitzt es auf einer Treppe und hängt düsteren Gedanken nach.

Zwei Männer sitzen in einem Café und führen Gespräche über einen Urlaub – dabei hat der eine der beiden Männer eine absurde Kopfbedeckung, über die sich niemand zu wundern scheint.

Eine Frau fährt gezwungenermaßen allein in Urlaub – was anfangs anstrengend war, wird für sie zu einer positiven Überschreitung der Grenzen.

Das sind nur ganz grob die Inhaltseinblicke für die kurzen Filme, die im Rahmen des Short Shortfilm Awards in Karlsruhe gezeigt wurden. Die Veranstaltung beschloss am Sonntag, 13. April 2024, die Independent Days, das Filmfestival in Karlsruhe. Und wie im vergangene Jahr erwies sich die Veranstaltung als sehr unterhaltsam.

Die vielen kurzen Filme ließen sich kaum auf einen Nenner bringen; sie waren mal ernst, mal traurig, manche wirkten amateurhafte, manche sahen aus wie Kino-Produktionen. Es gab Zeichentrickstreifen und solche, die mit Schauspielern arbeiteten.

Zwischendurch wurde moderiert, man konnte Fragen stellen, und einige der Leute, die für die Filme verantwortlich waren, hatten sich auch persönlich eingefunden. Es wurde fleißig geklatscht, an den richtigen Stellen kam Gelächter im Publikum auf. Ich fand: eine rundum gelungene Abendveranstaltung!

04 April 2025

Zum Goldrausch mit Orchester

Ich erinnere mich düster daran, dass ich als Kind den Film »Der Goldrausch« sah. Mit meiner Mutter saß ich im Gastraum des »Grünen Baums« in Dietersweiler, wir hatten schließlich keinen Fernseher, und starrte gebannt auf den kleinen Bildschirm. Im Raum saßen noch andere Leute, gemeinsam sahen wir Charlie Chaplin im Schneesturm zu.

In diesem Frühjahr ergab sich die Gelegenheit, den Film erneut anzusehen: im Filmtheater »Babylon« in Berlin. Dort wurde der Stummfilm auf einer großen Leinwand gezeigt, und begleitet wurde er von einem richtigen Orchester.

Das »Babylon« kannte ich bislang nicht, es ist ein altes Theater, unweit der Volksbühne und des Rosa-Luxemburg-Platzes gelegen, in einer recht belebten Gegend also. Es gibt alte Sessel aus Plüsch, eine breite Treppe führt hinauf zu den oberen Rängen, alles sieht angestaubt und trotzdem schick aus; man kommt sich als Besucher vor, als sei man selbst in einer Filmkulisse unterwegs.

Bereits vor Beginn der Vorstellung wurde Musik gespielt. An der Orgel saß eine Frau, die Filmmusiken der ganz klassischen Art präsentierte, die auf dem alten Instrument hervorragend zur Geltung kamen. Das Orchester nahm währenddessen seinen Platz ein, und dann begann der Film.

Die Geschichte sollte bekannt sein. Charlie Chaplin spielt einem Goldsucher, der Ende des 19. Jahrhunderts versucht, in Alaska sein Glück zu machen. Dabei bekommt er es mit dem Wetter zu tun, aber auch mit mordlüsternen Goldsuchern und anderen menschlichen Problemen. Unvergessen ist beispielsweise die Szene, in der er seinen Schuh ist – der Filmklassiker lohnt sich immer noch.

Dank des Orchesters kam zwar eine Stummfilmstimmung auf, das war aber richtig schön. Die Live-Musik begleitete die Szenen, und am Ende gab’s einen verdienten Applaus. Toll!

17 Februar 2025

Schräge Biber im Schnee

Das »Bambi« ist der kleineste Saal in der »Schauburg«, dem schönen alten Kino in Karlsruhe. Dort laufen eigentlich die Filme, bei denen die Veranstalter vermuten, dass nicht viele Besucher kommen. Als ich an diesem Abend zu einer Vorstellung dort war, empfand ich’s als brechend voll. Wenn ich es richtig sah, war jeder Platz belegt, sogar die erste Reihe komplett gefüllt.

Gezeigt wurde »Hundreds Of Beavers«. Um es vorwegzunehmen: Ich hatte am Ende fast einen Krampf in der Gesichtsmuskulatur, weil ich so oft hatte lachen müssen. Der Film war sicher der witzigste und gleichzeitig bescheuertste Streifen, den ich seit Jahren gesehen hatte. Es ist ein Schwarzweißfilm, der ohne jeglichen Dialog auskommt und mit einem minimalen Budget von 150.000 Dollar gedreht worden ist.

Die haarsträubende Geschichte: Ein Mann versucht sich im tiefsten Winter als Trapper, und er will vor allem Biber jagen. Dabei geht alles schief. Er versagt auch bei der Jagd auf Waschbären und Hasen; doch langsam wird er besser. Am Ende muss er aber in die Stadt der Biber vordringen, um dort die von ihm erjagten Felle zurückzuholen.

Das klingt recht normal, ist aber unfassbar blöd – im positiven Sinn. Es geht damit los, dass die Tiere durch Menschen in albernen Kostümen dargestellt werden; so wird ein Pferd sogar von zwei Leuten verkörpert. Biber und Waschbären, Wölfe und Hasen – sie alle sehen albern und zum Schreien komisch aus.

Der Film vermengt ganz nebenbei alles, was dem verwirrten Hirn der Macher entsprungen ist: Es gibt eine zünftige Schlägerei im Wirtshaus, es gibt haarsträubende Verfolgungsjagden, es gibt Sequenzen, die eher an ein »Jump and Run«-Spiel erinnern und auch dank der Zeichentrick-Sequenzen so aussehen. Wer mag, kann den Film übrigens als Fantasy betrachten: Die Stadt der Biber mit all ihren Maschinen und dem Sägewerk geht zumindest in die Richtung.

Seien wir ehrlich: Der Film wirkt sicher noch stärker, wenn man ihn sich betrunken anguckt. Ich saß nüchtern im Saal, das war zeitweise anstrengend. Aber ich bin sicher, dass ich »Hundreds Of Beavers« so schnell nicht vergessen werde. Der Streifen lohnt sich!

09 Januar 2025

Mal wieder Blues Brothers

Als der Film »Blues Brothers« zu Beginn der 80er-Jahre in die Kinos kam, damals noch in Freudenstadt, sah ich ihn recht zeitnah. Ich war begeistert: Die Musik fand ich großartig, die Dialoge amüsierten mich, und die Karambolagen mit irgendwelchen Polizeifahrzeugen waren superlustig.

In der Schule wurden Sprüche aus dem Film ständig in Unterhaltungen eingebaut. »Hey, dein Zigarettenanzünder ist kaputt!« fanden wir nicht nur einmal komisch, und »Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs« wurde sogar in Science-Fiction- und Fantasy-Kreisen zu einem geflügelten Wort. Den Film sah ich in den späten 80er-Jahren noch einmal, als er im Kino quasi wiederholt wurde, und da mochte ihn immer noch.

Das ist alles sehr lange her. Dieser Tage sah ich den Film erneut, mehr als vierzig Jahre danach also. Meine Bilanz fällt heute durchwachsen aus – seither hat sich aber der Humor ebenso verändert wie meine Sicht auf die Welt. Alles andere wäre allerdings sehr verwunderlich ...

Die Musik mochte ich immer noch. Der schmissige Sound von Aretha Franklin oder Ray Charles funktioniert ebenso gut wie die Tanzeinlagen; das ist schmissig und macht gute Laune. Die Dialoge wirken heute teilweise falsch; das ist der Humor der späten 70er-Jahre in deutscher Übersetzung. Und manchmal fragte ich mich, wie das wohl im Original geklungen hätte.

Was ich mittlerweile blöd finde: die Karambolagen, die irrsinnigen Verfolgungsjagden, die Unmenge an zerstörten Fahrzeugen. Heute lache ich nicht mehr darüber, sondern frage mich ganz nüchtern: »Wenn sich so ein Auto überschlägt, was passiert denn mit den Fahrern?« Oder: »Sind die Leute nicht traumatisiert, wenn da einer mit voller Beschleunigung durch ein Einkaufszentrum fährt?«

Vielleicht bin ich humorlos geworden, vielleicht hat man heute andere Bilder im Kopf. Fakt ist: Der alte Film unterhält noch sehr gut, aber manche Albernheiten gehen heute nicht mehr.

30 Dezember 2024

Leise und große Töne

Das Szenario klingt zuerst ein wenig lahm, aber schon der Trailer deutet an, dass der Film interessant sein sollte. Tatsächlich entpuppte sich für mich der Kinofilm »Die leisen und die großen Töne« als ein großartiger Streifen, als eine Achterbahnfahrt durch Musik und Gefühle. Man lacht, man fiebert mit, und am Ende sitzt der ganze Saal voller Menschen da, ist still oder weint. Das mag arg klischeehaft klingen, aber ich brauchte am Ende auch ein Taschentuch.

Worum geht’s? Um einen begabten Dirigitenten und Komponisten, der zuerst erfährt, dass er Blutkrebst hat, und dann, dass er als kleines Kind adoptiert wurde und einen Bruder hat. Der wiederum lebt in einem kleinen Ort, wo die Menschen um die Existenz ihrer Fabrik kämpfen, und spielt in seiner Freizeit in einer Blaskapelle.

Die beiden Brüder nähern sich – anfangs wider Willen – langsam aneinander an. Soziale Unterschiede lassen sich halt nicht so einfach wegwischen, die Ungerechtigkeiten der Kindheit verschwinden nicht einfach, nur weil beide Brüder auf ihre Art Musik mögen und sogar den gleichen Jazz-Trompeter schätzen.

Dem Regisseur Emmanuel Courcol gelingt es mit diesem Streifen, eine packende Geschichte zu erzählen, die ohne Action-Effekte auskommt – okay, es gibt zwischendurch mal eine Schlägerei – und ganz auf Personen setzt. Die Schauspieler sind beeindruckend, die Geschichte ist grandios erzählt: ein Film, der mich gepackt hat und den ich unbedingt empfehlen muss.

02 Dezember 2024

Fiese Briefe vor historischem Hintergrund

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg, ein kleiner Ort in England: Eine unbekannte Person schreibt Briefe voller Schimpfwörter an eine »unbescholtene« Frau. Verdächtigt wird die Nachbarin, die vor allem durch einen lockeren Lebenswandel auffällt. Sie wird verhaftet und ins Gefängnis gesteckt, ihr soll der Prozess gemacht werden.

Der Kinofilm »Kleine schmutzige Briefe« wurde 2023 in England in die Kinos gebracht, lief im März 2024 in den deutschen Kinos an – doch dort bekam ich nichts von ihm mit. Nun sah ich ihn mir bei einem der Streaming-Anbieter an, fand ihn höchst unterhaltsam und möchte ihn empfehlen.

Das Ensemble hatte wohl seine Freude an der Mischung aus historischen Details und groben Schimpfwörtern. Es wird geflucht, und die Schimpfwörter sind teilweise sehr heftig. Gleichzeitig wird aber klar, dass das hauptsächliche Problem die superchristliche Moral ist: Die junge Frau, die zumindest zeitweise ins Gefängnis muss, ist definitiv nicht schuldig, soll aber zur Schuldigen gemacht werden – weil sie eben nicht so gottesfürchtig und zurückhaltend ist.

Toll erzählt ist der Streifen, mit eindrucksvollen Bildern; das schaut man sich gern an. Und er bleibt trotz der moralischen Komponente mitreißend und witzig. Sehr schön!

29 November 2024

Caligula als Kinofilm

Es war ein Skandal ersten Ranges. Auf der Schule wurde darüber getuschelt; es hieß, »Caligula« sei der schlimmste Film aller Zeiten. Und es wurde behauptet, in den großen Städten sei die Polizei aufmarschiert, um den Jugendschutz in den Kinos durchzusetzen. Und all das sorgte dafür, dass einige pubertierende Jugendliche – Jungs und Mädels – wie ich beschlossen, den Film unbedingt anzusehen.

Wann genau »Caligula« in Freudenstadt im Kino lief, weiß ich nicht mehr. War es gleich 1979 oder erst 1980? Ich war auf jeden Fall weit von der Volljährigkeit entfernt. Aber es gab keine Probleme für mich und meine Kumpels, in den Film zu kommen; das mit dem Jugendschutz nahm man damals sowohl beim Alkohol als auch bei Kinofilmen nicht so ernst.

Der Film war … er war bildgewaltig. Ich sah ihn seitdem nie wieder, aber ich habe einige Bilder bis heute plastisch vor Augen. Vor allem erinnere ich mich sehr gut, dass ständig Leute aufstanden und empört den Kinosaal verließen. Wir blieben. Wir ekelten uns an den richtigen Stellen, wir fanden einige Stellen echt widerwärtig, aber wir blieben.

Dass Malcolm McDowell mitspielte, den ich von »Uhrwerk Orange« her kannte, fand ich damals toll. Schauspielerinnen wie Helen Mirren, die später berühmt werden sollten, kannte ich einfach nicht. Aber der Film wurde von uns vor allem wegen seiner schockierenden Szenen angeschaut; er war noch lange danach ein Gesprächsthema.

Dann geriet er in Vergessenheit. Ich hatte ihn nicht mehr auf dem Schirm, bis ich dieser Tage einen Artikel über ihn las; es gibt eine neue Version. Aber die werde ich nicht anschauen. Mir reichen die Erinnerungen an diese frühen Jahre wohl fürs Leben.

04 September 2024

Die letzte Kneipe

Ich mag Filme, die ernsthafte Themen mit einer locker wirkenden Handlung verknüpfen; aus diesem Grund habe ich immer wieder gern Filme des Regisseurs Ken Loach angeguckt. Als »The Old Oak« im vergangenen Herbst im Kino kam, verpasste ich ihn – nun sah ich ihn mir bei einem Streamingdienst an und war davon sehr angetan.

Der Streifen spielt im Norden von England, in einer Gegend also, die seit den 80er-Jahren als verloren gilt: eine heruntergekommene Siedlung, in der viele Menschen arbeitslos oder arm sind und in der die Häuser verrotten. Nur eine Kneipe im Ort hat noch offen, die den Namen »The Old Oak« trägt. Als man in dem Ort immer mehr Flüchtlinge einquartiert, gibt es Ärger, und die Spannungen nehmen schnell zu.

Ken Loach ist ein Regisseur, der sich seit Jahren an soziale Themen heranwagt. Sein Film könnte mit einigen Unterschieden eigentlich auch im Norden von Frankreich oder in Teilen von Deutschland spielen: Verarmte Einheimische und Flüchtlinge stoßen aufeinander, und es gibt soziale Konflikte, die nicht immer von allen gelöst werden können. Dabei verzichtet der Regisseur auf Sozial-Kitsch.

Im Film gibt es Menschen, die sich engagieren, und Menschen, die hetzen und handgreiflich werden. Der Film bietet keine »Erlösung« an, er zeigt, wie sich die Verhältnisse entwickeln. Das ist oft bitter, manchmal aber auch skurril oder gar lustig. Am Ende sitzt man da und ist kurz vor dem Heulen – eine Reihe sehr emotionaler Szenen gibt’s am Schluss. Und klar ist: Solidarität ist letztlich das einzige, was in solchen Lagen helfen kann, denn Hass ist keine Lösung.

Alles in allem ist »The Old Oak« einer der Filme, die ich kaum mitbekomme. Ich bin froh, dass ich ihn nun endlich angesehen habe.

26 August 2024

Unheimliche Begegnung, unheimlich lahm

Es ist schon sehr lange her, seit ich »Unheimliche Begegnung der dritten Art« gesehen habe. Im Kino bekam ich den Streifen damals nicht mit, aus welchen Gründen auch immer. Wahrscheinlich war das vor Beginn meiner Kino-Zeit – ich gehe davon aus, dass ich den Film in den frühen 80er-Jahren mal auf einem Con gesehen habe, vielleicht auf einem Fernseher. Ich kannte ihn aber nie komplett.

Deshalb fand ich es gut, dass er derzeit in der Mediathek von 3sat zu sehen ist, und habe ihn mir endlich am Stück angeguckt. Wie soll ich es sagen? Ich erkannte auch 2024, warum die Geschichte vor bald fünfzig Jahren faszinierte, aber sie faszinierte mich heute nicht.

Die ganze Geschichte ist zäh erzählt, geradezu langweilig. Ich fand die Figuren nicht überzeugend, die Kommunikation mit den Aliens wirkt geradezu albern. Klar war das 1977 eine neue und spannende Geschichte, aber sie ist nicht gut gealtert. Sie wirkt nicht wie Science Fiction, sondern kommt einem sehr altmodisch vor.

Ich empfehle trotzdem, den Streifen anzuschauen. Die Faszination von damals lässt sich schon erahnen, auch wenn sie sich heute nicht mehr vermittelt.

23 August 2024

Paris ist auch kein Paradies

Weil ich Paris für eine beeindruckende Metropole halte, was zuletzt durch die großartige Eröffnung zu den Olympischen Spielen unterstrichen wurde, schaue ich mir gern Filme an, die in dieser Stadt spielen. Damit war es logisch, den aktuellen Kinofilm »Paris Paradies« in der »Schauburg« in Karlsruhe zu genießen. Ich wusste nicht so recht, was mich erwartete, und stellte mich auf eine eher flache Komödie ein ...

Mit dieser Erwartung lag ich ziemlich daneben. Der Film spielt mit allen möglichen Themen, unterm Strich geht es aber immer um den Tod und die Liebe, mal zusammen, mal als Gegensätze. Erzählt wird fast ein Dutzend Geschichten, die teilweise sehr berührend sind, die einen manchmal zum Lachen bringen, bei denen man aber auch die eine oder andere Träne verdrücken muss.

Regie führte Marjane Satraphi, die ein großes Ensemble an bekannten und weniger bekannten Schauspielern zusammenstellte. Beeindruckend fand ich Monica Bellucci, die früher als »sexy«-junger Filmstar vermarktet wurde und nun eine alternde Opern-Diva spielt, die den alten Zeiten hinterher trauert und nicht damit klarkommt, dass sie fast sechzig Jahre alt ist.

Teilweise grob fand ich die Geschichte um ein Teenager-Mädchen, das von einem Sadisten entführt wird, diesen aber fast ins Koma quasselt. Stark war die Geschichte mit dem Barbesitzer, der mit seinem Lokal gewissermaßen das Epizentrum der Geschichte bildet und seit vielen Jahren seiner toten Frau hinterher trauert, ohne etwas vom wirklichen Leben mitzubekommen.

Und so weiter.

Schon klar: Man muss das französische Kino mögen. Wer nur Action oder Science Fiction mag, ist hier womöglich falsch beraten. Ich fand den Film sehr gelungen – ein vielseitiger Film, dem vielleicht die zentrale Geschichte fehlt, der aber eine Reihe von tollen Geschichten schön bündelt.