Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
07 Juni 2021
Peter und der alte Deutschpunk
Die Hauptfigur des Romans hält sich als »alter Sack« auf einer Studentenparty auf. Zusammen mit einigen Kumpels hört er zuerst schlechte deutsche Schlager und wird dafür angemault. Danach läuft alter Deutschpunkt, Bands wie die Cotzbrocken oder Normahl.
Und genau solche Szenen kenne ich aus den 90er-Jahren noch gut. Da hörte ich durchaus mal bei einer Party die Musik in genau dieser Reihenfolge, und es gab genau die Konflikte deswegen. Meine Bemühungen, in meinem Fortsetzungsroman ein wenig den »Geist« des Jahres 1996 einzufangen, sollte das dann auch entsprechen …
Schmissiger Sound der Berlin Blackouts
Die Band gibt's erst seit Ende 2014, es gab die üblichen Umbesetzungen und mittlerweile schon einige Platten. Derzeit sind es drei Leute, die es verstehen, einen knalligen Sound zu spielen, der sich ganz eindeutig vor dem frühen Punkrock verneigt.
Man bleibt immer auf der Melodie-Seite, hält sich textlich aus politischen Peinlichkeiten raus und hat offenbar einen Sinn für gutes Styling – wenn man sich die Gestaltung der Platte und des Textblattes anschaut. Der Sänger peitscht die Stücke nach vorne, die anderen machen immer wieder einen Chor dazu. Dabei kommt nicht unbedingt ein beinharter Pogo-Sound heraus, aber das stört nicht.
Die ganze Platte strahlt einen Charme aus, der nach den späten 70er- und frühen 80er-Jahren klingt, ohne unmodern zu sein. Alle elf Stücke gehen gut ins Ohr und versetzen mich unweigerlich in Bewegung. Wer einen neuen Trend sucht, ist hier falsch; wer aber guten Punkrock mag, ist bei dieser Platte hundertprozentig richtig. Klasse gemacht!
06 Juni 2021
Parkbank-Geschrei
»Du lügst mich die ganze Zeit an!«, schrie sie. »Und dann sagst du immer, du hilfst mir, und dann sitze ich wieder allein im Dreck.«
»Wo lüge ich dich an?«, brüllte ein Mann im gleichen Dialekt zurück. »Ich bin doch immer anständig zu dir.«
Ich bog um eine Kurve, und dann sah ich die beiden. Sie saßen auf einer Parkbank, romantisch im Grünen, während der leichte Nieselregen auf uns herunterfiel. Beide waren höchstens dreißig Jahre alt; sie hatte einen hellblonden Pferdeschwanz, er einen modisch-akkuraten Kurzhaarschnitt. Beide hielten Bierflaschen in der Hand, beide hatten gerötete Gesichter und fuchtelten mit der freien Hand durch die Luft.
Sie beachteten mich nicht, was mir recht war. »Du bist so krank, das tut mir echt weh, und du merkst es nicht mal selbst!«, schrie sie voller Wut, während ich an ihnen vorüberfuhr.
Seine Antwort hörte ich noch, dann bog ich um eine weitere Kurve, und das Rauschen der Alb links von mir wurde lauter. »Wer von uns beiden ist denn krank? Du bist besoffen, das ist alles!«
Ich schüttelte den Kopf und machte, dass ich schneller vorankam. Und ich machte mir eines klar: Als ich jung war, sahen Leute, die sich am hellichten Tag in einem Park besoffen und dann Streit bekamen, immer älter aus als ich; grauhaarige Männer und Frauen mit dicken Wänsten und dem Geruch nach altem Schnaps und billigen Zigaretten.
»So wird man älter«, knurrte ich. »Schon die Trunkenbolde sind nur noch halb so alt wie ich.«
05 Juni 2021
Die gefährliche Cancel Culture
Wie es sich gehört, lobt Skipis seinen Verband und seine eigene Arbeit sehr. Das ist bei einem Beitrag dieser Art nicht anders zu erwarten. Auch wenn er die Überschrift »Es geht nicht ums Schulterklopfen« trägt …
Schön ist seine Darstellung. Man habe »zwei Seiten derselben Medaille beleuchten« wollen. Ausdrücklich benennt Skipis »die Missachtung der Meinungsfreiheit in autoritären Staaten wie der Türkei, Saudi-Arabien und China«, fügt aber gleich hinzu: »aber auch die verheerende Entwicklung in unserer eigenen Gesellschaft.«
Da wird der Geschäftsführer konkret: »Stichwort Cancel Culture. Hass und Hetze führen zur Einschüchterung.« Soweit diese Zitate aus dem Interview.
Ich habe da echt einige Fragen, die ich aber nicht öffentlich stellen würde. (Wenn es GEGEN die angebliche Cancel Culture geht, die angeblich die Meinungsfreiheit bedroht, gibt es eine irrsinnig breite Koalition. Aber das ist wieder ein anderes Thema.)
Mal ernsthaft: Die angebliche Cancel Culture – was immer Skipis darunter genau verstehen mag – ist also genauso gefährlich wie das, was in Ländern wie der Türkei, China oder Saudi-Arabien vorgeht? Habe ich das richtig verstanden? Wenn also hierzulande Leute für ihre Aussagen öffentlich kritisiert werden, ist das genauso schlimm wie das Vorgehen staatlicher Organe, die in den genannten Ländern bekanntlich Journalisten oder Autorinnen und Autoren einsperren?
Vielleicht habe ich das alles falsch verstanden. Aber vielleicht wird hier doch mit zweierlei Maß gemessen.
02 Juni 2021
Von 6 bis 9 im 5
Ich radelte am späten Nachmittag zur Volkshochschule, wo ein Mobiles Testzentrum eingerichtet worden war. Ich hatte mir vorher einen Termin geben lassen, was sich als unnötig herausstellte: Es war nichts los. Ich bekam mein Nasenpopeln und die Zusicherung, mir würde das Ergebnis per Mail zugesandt.
Dann radelte ich wieder nach Hause, und bis ich mein Rad im Keller abgestellt hatte und wieder in der Wohnung war, lag auch das negative Ergebnis vor. Das druckte ich aus.
Frohgemut konnten wir also kurz nach 18 Uhr im Biergarten des »fünf« aufschlagen. Man musste entweder geimpft sein oder ein negatives Testergebnis mitbringen, so die neue Anordnung der Stadt Karlsruhe. Zudem waren die Abstände zwischen den Tischen vergrößert worden, und wer zum Platz ging, musste eine Maske tragen.
Wir trafen Bekannte, wir begrüßten die Leute im »fünf«, die wir in den vergangenen Monaten ab und zu gesehen hatten, und wir bestellten eine Flasche Wein. Später aßen wir sehr gut. Ich gönnte mir ein Spargel-Kartoffelsüppchen, dann Haselnuss-Kohlrabi-Millefeuille mit Karotten-Hummus und als Abschluss ein Salzmandel-Karamellparfait mit Schokokirschen. Danach war ich pappsatt und sehr zufrieden.
Vor 21 Uhr verließen wir den Biergarten, ab dieser Zeit musste er sowieso geschlossen sein. Wir radelten noch zum Alten Flugplatz und sahen dort den Karnickeln zu, die in der Abenddämmerung futterten, wühlten und durch die Gegend rannten. Ein schöner Abschluss an einem Abend, der ein wenig nach Normalität aussah.
Vampire, Zombies und andere Monsterviecher
Bei Emmerich Books & Media erschien das Taschenbuch »Wege der Unsterblichkeit«, das sechs Novellen des Autors präsentiert. Sie wurden im Verlauf der Nullerjahre in verschiedenen Verlagen publiziert und liegen nun erstmals als Sammlung vor. Der Autor hat sie hierfür auch ein wenig bearbeitet, sie aber in ihrem ursprünglichen Charakter belassen.
Seien wir ehrlich: Das ist keine anspruchsvolle Phantastik, nicht einmal andeutungsweise. Es handelt sich hier um Novellen, die der Autor als E-Book oder in Heftromanen veröffentlichte, zu einer Zeit, in der er schriftstellerisch noch nicht so weit war wie heute. Anders gesagt: Die Geschichten sind im klassischen Heftromanstil verfasst – aber bei diesem gibt es ja schließlich genügend Kollegen, die ihr Metier beherrschen und spannend zu unterhalten wissen.
Und das konnte der Autor schon zu der Zeit, als er diese Geschichten erstmals schrieb. »Eine Leiche auf Abwegen« variiert, wenn man möchte, den Zombie-Mythos, ist spannend und auch ein wenig amüsant erzählt und bietet eine Reihe von Wendungen. »Dunkle Erkenntnis« bringt Dämonen ins Spiel, die sich mit den Menschen anlegen – oder andersrum? –, aber in einer anderen Weise, als man das sonst kennt.
In »Monsterdämmerung« geht’s, wie der Titel schon andeutet, um Monster, die bekämpft werden müssen. Bei »Fluchbrecher« wiederum spielen verliebte Vampire eine Rolle. Und so weiter …
Die Geschichten variieren bekannte Themen, und das macht der Autor so, dass es sich gut lesen lässt. Montillons Horror-Novellen sind sehr kurzweilig, sie machen Spaß. Ich las immer mal wieder eine der Geschichten und fühlte mich jeweils gut unterhalten.
Ergänzt werden die sechs Novellen noch durch Anmerkungen Montillons zu jeder seiner Geschichten sowie einen Anhang: eine umfangreiche Bibliografie zum Schaffen des Autors. Das ist tatsächlich ebenfalls beachtenswert, zeigt es doch, wie die Laufbahn des Schriftstellers verlief.
Wege der Unsterblichkeit« ist sicher keine Muss-Lektüre. Wer sich für das Werk Christian Montillons interessiert, sollte das Buch auf jeden Fall antesten. Wer gut geschriebene Horror-Unterhaltung – ohne Splatter-Elemente – mag, wird auch auf seine Kosten kommen. Schönes Taschenbuch!
01 Juni 2021
Virusalarm bei Professor Zamorra
Das Heft wurde bereits am 11. Mai 2021 veröffentlicht, mir fiel es erst dieser Tage in die Hände. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das finden soll: Ist es effekthascherisch, so ein Thema für einen Grusel-Heftroman zu verwenden, oder ist es mutig und richtig, nicht die üblichen Monsterviecher aus der Schublade hüpfen zu lassen, sondern der Realität einen Platz einzuräumen?
Beim Blättern in diesem Heftroman wurde mir klar, dass der Autor noch ein aktuelles Thema verarbeitet hat: die Situation in einem Mastbetrieb. Es geht also auch um Tierhaltung und Tierquälerei. Spannend … ich glaube, den Roman sollte ich mir genauer anschauen.
Ein eisiger Comic vor historischer Kulisse
Wie der Titel schon klarmacht, spielt die Geschichte im Jahr 1709. Wieder einmal führt Frankreich einen Krieg gegen seine Nachbarn; weil aber ein schrecklicher Winter das Land lahmlegt, stocken alle Feldzüge. Ein einzelner Mann muss versuchen, Nahrungsmittel für die Truppen zu besorgen, zieht auf eigene Faust durchs Land und schlägt sich mit Banditen, Bauern und Soldaten herum.
Wenn man es genau nimmt, hat »Winter 1709« den Charakter eines Westerns. Wäre nicht die historische Kulisse des vereisten Frankreichs, könnte man sich Loys Rohan auch als einsamen Westernhelden vorstellen. Der Mann reitet allein, er wird mit allerlei Schrecken konfrontiert, er trifft eine attraktive Frau und legt sich mit Schurken und Helden gleichermaßen an.
Mit ihrem Szenario greift Nathalie Sergeef eine Epoche auf, die in Frankreich eine gewisse Popularität genießt. Die Zeit von Ludwig XIV. mit ihrem Prunk und ihren Intrigen bietet für viele populäre Geschichten einen starken Hintergrund. Davon sieht man in den zwei Bänden dieses Comics wenig: Die Autorin zeigt eine düstere Zeit, in der Kinder wegen eines Verdachts am Galgen aufgehängt werden, in der verzweifelte Menschen sich um die letzten Nahrungsmittel streiten und in der nichts von »edlen Rittern« zu sehen ist.
Ihre Geschichte ist spannend, ihre Dialoge sind stark. Unweigerlich ist man gefesselt und lässt sich in die derbe, zeitweise sehr harte Geschichte hineinziehen. Sie steigert sich im zweiten Band zu einem action-geladenem Ende, es gibt viele Tote und ein »Happy End«, das eher begrenzt ist. Streckenweise ist das alles recht brutal, was allerdings zu einer Zeit unaufhörlicher Kriege passt.
Die Optik finde ich beeindruckend. Vor allem die Darstellungen des Winters, von Eis und Schnee sind hervorragend. Philippe Xavier versteht sich darauf, Action zu zeigen, bringt die erbitterten Kämpfe klar aufs Papier. Manchmal unterscheiden sich die Gesichter nicht stark genug voneinande;, es sind letztlich immer wieder bärtige Männer, die sich gegenseitig totschlagen.
Die Farbgebung darf ich bei alledem nicht außer Acht lassen. Wie Jean-Jacques Chagnaud die verschiedenen Weiß- und Grau-Töne des Winters orchestriert, das ist schon sagenhaft. Dadurch entsteht eine spannende Kombination aus Bild und Text, die einen nicht so schnell loslässt.
Klar, man muss ein Fan historischer Comics sein, und man sollte ein Faible für die französische Geschichte haben. Dann ist »Winter 1709« echt großartig. Aber auch sonst handelt es sich um einen überzeugenden Comic, der in schöner Gestaltung veröffentlicht wurde.
31 Mai 2021
Ein Video-Interview mit mir
Mittlerweile kann und darf ich es ausplaudern: Auch ich habe daran teilgenommen. Von mir stammt die Kurzgeschichte »Das verdorbene Haus«, die eine weibliche Hauptperson aufweist. Dass sie von einem Mann verfasst wurde, konnten sich nur wenige vorstellen.
Mittlerweile gibt es ein Interview, das Sonja Rüther mit mir geführt hat. Sieht man von einigen technischen Problemen ab, ist es meiner Ansicht nach sehr unterhaltsam und auch informativ: Es geht um das Schreiben an sich, um Geschlechterklischees und auch ein wenig um die Serie, für die ich als Redakteur tätig bin.
The Fume aus Göteborg
Klar, jeden Tag kann ich mir nicht jedes Stück anhören. Manchmal wühlt der Sänger mit seiner gelegentlich überdrehten Stimme arg in den 70er-Jahren und beim damaligen Glam-Rock, dann wieder bolzt die Band richtig schönen Garagen-Punk heraus, und manchmal glaubt man, den skandinavischen Rock-Sound der 90er-Jahre zu hören. Die Band serviert auf jeden Fall eine abwechslungsreiche Mixtur aus verschiedenen Rock-Klängen, die ziemlich kompakt klingt. Keine unnötigen Soli, kein Gejammer, kein Metal-Gedöns.
Musikalisch ist das meist knalliger Sound, mal mehr in Richtung Hardrock, mal in Richtung Punk tendierend, immer wieder voll aufs Gaspedal und ohne Pausen durch die Ratzfatz-Stücke hindurch. Ich kann da kaum still sitzen und bedauere, diese Band nie live gesehen zu haben.
Was The Fume auf dieser Platte machen, ist wunderbar jung klingende Rock-Musik, die sich so anhört, als sei sie erst vor Kurzem erfunden worden, mit viel augenzwinkerndem Humor und ungekünstelter Spielfreude. Sehr cool!
28 Mai 2021
Zwei Vettern
Ich war ein wenig schockiert. So alt sei er doch gar nicht gewesen. »Gerade mal siebzig«, bestätigte meine Schwester. »Das ist doch kein Alter.« Er sei nicht an Corona gestorben, so viel wisse sie, mehr aber nicht.
Wir unterhielten uns ein wenig über Konrad, den wir beide gemocht hatten. Er hatte mehr als vierzig Jahre zur Familie gehört, und bei den Familienfeiern, die ich ansonsten gehasst hatte, war ich mit seiner konservativen schwäbischen Art sehr gut klargekommen.
Ich hasste Beerdigungen, aber zu seiner wäre ich sogar in das Dorf im Schwarzwald gefahren, wo er zu Grabe getragen wurde. Wegen der Pandemie war das allerdings nicht möglich.
Es war der zweite Vetter, der während der Pandemie gestorben war; der andere im vergangenen Herbst. In beiden Familienzweigen hatten wir also einen Todesfall, den wir nicht in der gewohnten Weise »zu Ende« bringen konnten. Beide wohnten in Dörfern im Schwarzwald, beide rund zwei Dutzend Kilometer von dem Dorf entfernt.
Familienfeiern mag ich nicht. Aber beides Mal handelte es sich um Verwandte, die ich gemocht hatte und die ich beide zuletzt bei Beerdigungen anderer Verwandter gesehen hatte. Da wäre ich »gern« bei der Trauerfeier erschienen. So schickt meine Schwester eben eine Karte, in die sie Geld packt, und ich gebe ihr später die Hälfte zurück.
Das ist distanzlos und irgendwie ohne echte Anteilnahme. Das macht es doppelt traurig, finde ich.
Yana Turmanyay
In der genannten Folge sind Hunter und seine Begleiter im Urwald von Südamerika unterwegs. Speyer, eine seiner Inkarnationen, trieb sich dort fünfhundert Jahre zuvor herum. Deshalb vermengen sich immer wieder Raum und Zeit: Leute tauchen im 21. Jahrhundert auf, die bereits im 16. Jahrhundert gestorben sind, und zum Ausgleich gibt es offenbar Dinge, die durch die Zeiten fallen.
Dazu kommen untote Inkakrieger, ein uralter Dämon, der seine Rache an den spanischen Konquistadoren verwirklichen möchte, eine schlafende Inkaprinzessin, die in ihren Träumen seit Jahrhunderten neue Wirklichkeiten erschaffen kann, eine fliegende Schlange und allerlei andere Dinge mehr – bei »Dorian Hunter« geht es sowieso immer ziemlich rund, und die Folge 39 liefert hierfür gute Beispiele.
Die Geschichte wird spannend erzählt, wie das üblich ist, bleibt dabei durchaus komplex und liefert vor allem phantastische Geräusche. Im Begleittext, das im Booklet zur CD abgedruckt ist, erklärt Andreas Meyer, der Musikexperte bei »Dorian Hunter«, welche Instrumente zu welchen Szenen und aus welchem Grund eingesetzt worden sind. Wenn man dann alles gehört und gelesen hat, möchte man eigentlich gleich wieder von vorne anfangen ...
27 Mai 2021
Weihnachten im Jahr 1943
In den vierziger Jahren fotografierten die Leute nicht so viel, wie das heute üblich ist. Man brauchte zudem meist einen offiziellen Fotografen, und häufig sehen die Leute eher steif und abweisend aus. Es gibt aber ein Foto, das meinen Vater zusammen mit seinen Eltern zeigt. Es wurde vor Weihnachten 1943 aufgenommen. Es zeigt den jungen Soldaten, der zu einem kurzen Besuch zurück in die Heimat fahren durfte. (Wenn ich es richtig im Kopf habe, verbrachte mein Vater den Heiligen Abend 1943 in einem Schützengraben in Weißrussland.)
Seine Mutter und sein Vater begrüßen ihn im Wohnzimmer – in dem ich ein Vierteljahrhundert später meine Carrera-Bahn aufbaute –, und die Freude meiner Großmutter lässt sich nicht verbergen. Der Weihnachtsbaum im Hintergrund sieht recht erbärmlich aus. Aber für einen »tollen Baum« hatte man damals sicher weder Geld noch Lust.
Teenagefrust bollern laut
Sechsmal bollern die vier jungen Männer aus Hannover wütenden Deutschpunk mit fetter Hardcore-Kante auf die Welt los. Das ist alles andere als Studenten-Punkrock, sondern nach vorne gebolzter Sound, der kaum eine Pause kennt: wütend und ruppig gespielt, dazu ein Sänger mit ziemlich viel Gebrüll. Ein guter Soundtrack zum Lederjacken-Springerstiefel-Pogo.
(Skurril sind die immer wieder eingeblendeten Sprüche, bei denen ich nicht weiß, wo sie aufgenommen worden sind. Auf der Straße? Beim Punk-Konzert?)
Textlich bleibt die Band ebenfalls auf der eindeutigen Seite: Man kotzt sich gegen deutsche Verhältnisse aus, ärgert sich über Techno-Mucke bei Demos oder lobt die DIY-Qualitäten der Punk-Szene, äußert sich auch allgemein zu gesellschaftlichen Verhältnissen. Bei aller knallig-rotzigen Attitüde sind die Texte punkig und klar.
»Das Volk, heißt es dann am Stammtisch / muss sich endlich wieder wehren / und aus Worten werden Taten / aus der Mitte kommt der Tod« – so heißt es im Stück »Minus Siebzehn Grad Soziale Kälte«. Das ist zwar nicht gerade gut gereimt, inhaltlich aber ganz schön zutreffend: Wenn die Band das Stück im Mai 2013 aufgenommen hat, entspricht das einem Blick in die Jahre nach 2015/16 ...
26 Mai 2021
Eine Story im »Phantast«
Ich bin mit einer Fantasy-Kurzgeschichte in dieser Ausgabe vertreten. Die Story trägt den Namen »Eine Hexe in Blau« und ist eher konventionell erzählt: also keinerlei stilistischen Experimente oder inhaltlichen Wagnisse. Sie ist angenehm kurz, würde ich sagen, und zählt zu dem »Universum«, in dem auch mein Roman »Das blutende Land« spielt, der 2017 erschienen ist.
Darüber hinaus bietet »Phantast« auch Interviews mit den Gebrüdern Orgel zu ihrem neuen Roman und der Autorin Nora Bendzko; es gibt weitere Kurzgeschichten, Rezensionen und Artikel – eine sehr vielseitige Mischung also, die ich mir noch genauer anschauen muss.
(Wer mag, kann das Magazin kostenlos auf der Internet-Seite »literatopia.de« herunterladen. Ich habe mir das PDF einfach auf meinen Desktop gezogen, wo ich immer mal wieder darin lese.)
Polizeiroman mit erzählerischer Dichte
Mit der Geschichte wirft einen der Autor hinein in das Geschehen auf einer Halbinsel in der Nähe von Melbourne, also im südlichen Australien. Hal Challis ist Polizist, verantwortlich für Mordermittlungen, und er muss mit einer Gruppe anderer Polizisten zusammenarbeiten. In der Vorweihnachtszeit – da ist es in Australien besonders warm – verschwindet eine junge Frau, offenbar ist ein Verbrechen geschehen ...
Das Interessante an dem Roman ist, wie viele Charaktere der Autor aufbietet. Klar ist Challis die Hauptperson, und der Inspector wird einem mit seiner Manie, Flugzeuge zu reparieren, und mit seiner Ehefrau, die im Gefängnis sitzt, recht schnell sympathisch, obwohl er ganz eindeutig einen Knacks hat. Dazu werden aber gut ein Dutzend weiterer Polizisten in das Geschehen eingeführt, alte und junge, korrupte und ehrliche, uniformierte und »zivile«.
Mit »Drachenmann« präsentiert Disher ein komplettes Polizeirevier. Klar, das ist der Ausgangspunkt für eine Serie – am Anfang stellt man sich als Leser aber erst einmal auf einen Haufen von Charakteren ein, mit denen man sich peu à peu vertraut machen muss. Schnell springen die Szenen, immer wieder aus einem anderen Blickwinkel erzählt, dabei aber stets so sauber und klar, dass man als Leser kaum die Orientierung verlieren kann.
Garry Disher weiß, was er tut. Er lenkt den Verdacht des Lesers, er legt aber auch Hinweise. Man kann herausbekommen, wer der Mörder ist; zumindest hatte ich irgendwann einen Verdacht. Aber letztlich ist die Suche nach dem Mörder nur ein Aspekt des Romans.
Daneben geht es um junge Männer, die sich auf der Straße herumtreiben und sich als Einbrecher versuchen, wenn sie nicht gerade Briefkästen abfackeln. Es geht um eine Frau, die offenbar in einem Zeugenschutzprogramm untergebracht ist. Und es geht um Polizisten, die zwischen ihrem Beruf und ihrem Privatleben zerrieben werden.
»Drachenmann« ist spannend erzählt, wirkt auf mich extrem glaubhaft und machte mich neugierig auf weitere Geschichten mit Inspector Challis. Ein echt gelungener Einstieg, Respekt!
25 Mai 2021
Der vierte Teil der H.-G.-Wells-Reihe ist schwach
Bei »Die Insel des Dr. Moreau«, die als vierter Teil der Reihe erschienen ist, habe ich meine Probleme. Vielleicht liegt es an der Geschichte an sich: Wer versucht, aus einem kompletten Roman ein Comic-Album zu machen, muss einfach drastisch raffen und kürzen. Da bleibt jegliche Psychologie womöglich auf der Strecke und macht blutiger Action Raum.
Als Comic-Autor versteht Dobbs sein Geschäft. Der Mann weiß, wie man einen Stoff so aufbaut, dass er die Leser packt. Die Geschichte des Schiffbrüchigen, der auf einer seltsamen Insel strandet, auf der ein Wissenschaftler seine unheimlichen Experimente betreibt, ist spannend erzählt – mit viel Action und Blut steuert sie auf einen drastischen Höhepunkt zu.
Zwischentöne bleiben dabei aus. Zwar sind die Zweifel des Helden klar, auch die Geschichte an sich ist klar erzählt, daran kann man nichts aussetzen. Aber von der erzählerischen Qualität anderer Wells-Umsetzungen bleibt »Die Insel des Dr. Moreau« weit entfernt.
Vielleicht liegt es an der Grafik? Fabrizio Fiorentino ist ein guter Zeichner, kein Zweifel, sein realitätsnaher Stil ist völlig in Ordnung. Von der spektakulären Optik der anderen Wells-Umsetzungen ist er allerdings weit entfernt. Sowohl Figuren als auch Hintergründe sind bei ihm gut, aber eben nicht sehr gut.
Seien wir fair: »Die Insel des Dr. Moreau« ist kein schlechter Comic. In der Reihe der Wells-Umsetzungen ist er aber der schwächste Band. Da man als braver Sammler aber alle sechs Bände im Regal stehen haben sollte, muss ich für diesen Comic trotzdem eine Empfehlung aussprechen ...
21 Mai 2021
Wolfgang Borchert wäre hundert
Der Autor war am 20. Mai 1921 geboren worden, er starb bereits 1947. In seinem Werk beschäftigte er sich vor allem mit dem Zweiten Weltkrieg und der Nazi-Diktatur. Seine Erlebnisse an der Ostfront, im Lazarett und in der Nazi-Haft prägten sein Werk.
Seine Kurzgeschichten entwickeln, wenn man sie heute liest, einen starken Sog. Der Autor wechselt sehr kurze mit langen Sätzen ab, kombiniert nüchterne Beschreibungen mit zurückhaltenden Dialogen. Man kann davon nicht zu viel am Stück lesen, die Texte wirken nach.
Sein Drama »Draußen vor der Tür« habe ich nur einmal gelesen, das sollte ich einmal wieder tun. Es packte mich damals – die Generation der Väter sprach ja nicht über die Erlebnisse im Krieg oder nur selten, aber sie waren alle an der Front und in Gefangenschaft gewesen, und sie alle litten sicher darunter. Das Drama gab mir mehr Antworten, als ich sie von den »Alten« bekam.
Fast hätte ich den hundertsten Geburtstag dieses Schriftstellers versäumt. So komme ich nur einen Tag zu spät um die Ecke. Ich nehme mir vor, wieder einige seiner Texte zu lesen.
Wenn Marucha auf Dorian trifft
Erzählt ist sie gut, wenngleich für meinen Geschmack etwas zu komplex. Ereignisse aus dem 16. Jahrhundert werden mit Geschichten aus dem 21. Jahrhundert vermengt, die Handlung springt durch Raum und Zeit.
Kein Wunder: Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart sind Expeditionen im Urwald unterwegs und suchen einen Zugang zur legendären Stadt El Dorado. In beiden Zeiten spielt ein Dämon eine wichtige Rolle, werden Menschen getötet und verhalten sich tote Menschen nicht gerade so, wie man es erwartet.
Lässt man sich auf die Phantastik-Geschichte ein und lauscht ihr konzentriert, kommt man natürlich gut mit. Spannend erzählt ist das Hörspiel allemal, wie alle aus dieser Serie; die Sprecher sind sehr gut, die Dialoge sind stets pointiert. Aber das gehört bei »Dorian Hunter« ja bereits zur Grundausstattung ...
20 Mai 2021
Gesucht wurde ein Fanzine-Redakteur
Die Anzeige erschien im März 1997, man erkennt die grafische Handschrift von Günther Freunek (mit dem ich in den 80er-Jahren zusammen an »Sagittarius« gearbeitet hatte) schon in der Gestaltung. Ich finde sie immer noch schön, und ich stelle erneut fest, dass mit ein Fanzine dieser Art heute sehr fehlt.
Um die Geschichte zu Ende zu bringen: Es fanden sich neue Redaktionsmitglieder, und der »Fandom Observer« erschien noch einige Jahre länger. Erst im Sommer 2014 war Schluss.
Rifu von 2005
»Bombs for food, mines for freedom« ist keine fröhlich und leichtverdauliche Partymusik, sondern wuchtiger und streckenweise anstrengender Hardcore. In elf Stücken plus einem Intro kotzt sich die Band aus, knallt mit unglaublicher Energie ihre Stücke hinaus; das empfand ich damals live als unglaublich intensiv, und das ist es eben auch auf Platte.
Der Sänger brüllt und kreischt und singt, die Band zelebriert dazu einen kompakten Sound mit einem manischen Schlagzeug, vielseitig eingesetzten Gitarren und einem knackigen Bassgewummer. Still auf meinem Hintern sitzen kann ich dabei nicht, wenngleich es keine pogotaugliche Musik ist.
In den englischsprachigen Texten ist die Band gesellschaftskritisch unterwegs. In »Let Them Eat Bombs« geht's um den Krieg gegen den Terror, in »Towards The End« geht's um die blutige Menschheitsgeschichte. Es lohnt sich, das Textblatt zu lesen.
2005 machten Rifu für mich einen modernen Hardcore-Sound. Wie das heute junge Leute finden, vermag ich nicht zu beurteilen. Für mich klingt es immer noch modern genug.
19 Mai 2021
Party an der Trinkhalle
(Vorbemerkung: Der folgende Text wurde am Freitag, 4. August 2000, um 2.35 Uhr auf der Internet-Seite der Chaostage veröffentlicht. Ich finde ihn immer noch interessant – und habe ihn für diese Veröffentlichung nur ein wenig an die neue Rechtschreibung angepasst.)
Gegen zwei Uhr verschwand der Berichterstatter, weil die letzte Bierbude zumachte. Aber die Party war noch im Gange, und irgendwelche HipHopper aus Mannheim und Techno-Heinis aus Hannover waren eifrig beteiligt.
Die legendäre Bierbude an der Lutherkirche hatte bereits um Mitternacht geschlossen, enttäuschend, aber wahr ... Dafür hatte bis gegen zwei Uhr um die Ecke beim ebenso legendären Penny-Markt eine Trinkhalle geöffnet, genau jene, die auch 1995 bis zum bitteren Ende Bier ausschenkte.
An dieser Ecke hingen bis gegen zwei Uhr nachts noch irgendwelche Punks herum: Punx aus Mannheim, die hervorragend als HipHopper getarnt waren, Punx aus Hannover, die ideal als Punx getarnt waren, Punx aus Heidelberg, die superkorrekt aussahen, Punx aus Stuttgart, die ihre Nietenlederjacken aus dem Rucksack packten und überzogen, alte Säcke aus Heidelberg und Karlsruhe, die zu klarer Artikulation kaum noch fähig waren, aber Party auf der Straße feierten.
Da an der Lutherkirche zu dieser Zeit maximal noch 40 Punx waren, fuhren die Bullen an dieser Ecke ihre etwa sechs Wannen nur für die fröhliche Party-Meute auf. Irgendwann kamen zwei Bulletten dazu und meinten ganz höflich: »Seid doch mal leiser. Und setzt euch bitte nicht die ganze Zeit auf die Autos.« Höfliche Polizisten – die Punx waren ganz baff und wurden ruhig.
Lustige Diskussionen mit irgendwelchen Techno-Kids schlossen sich an. Bester Spruch der Nacht: »Ich finde meinen Job ja auch scheiße. Deshalb schlucke ich Drogen und gehe auf Techno-Partys.«
Von Sex Pistol zum Fernsehstar
Jetzt endlich las ich seine Autobiografie, die den schönen Titel »Anger Is An Energy« sowie den Untertitel »Mein Leben unzensiert« trägt. Geschrieben hat Lydon das Buch sicher nicht, er dürfte es größtenteils diktiert haben – als Koautor ist konsequenterweise auch der Journalist Andrew Perry angegeben. So liest sich das Buch auch: nicht als stringentes Sachbuch, sondern als eine Erzählung, in der vor- und zurückgesprungen wird, die bewusst Dinge weglässt und die vor allem immer wieder abschweift.
Lydon ist und war wohl ein ziemliches Großmaul, und das merkt man diesem Buch an. Glaubt man ihm, war immer alles seine Idee: die Texte und das Auftreten seiner Bands, ihre Musik und ihre Veröffentlichungen. Damit muss man bei der Lektüre klarkommen – ich fand das sehr unterhaltsam und nahm eben nicht alles für bare Münze. Dass Lydon viele Jahre nach den damaligen Ereignissen immer noch ehemalige Mitstreiter angreift, finde ich unnötig, gleichzeitig ist es aber auch wieder amüsant.
Ganz klar: Dieses Buch ist keine seriöse Quelle, wenn man wissen möchte, wie sich ab 1975 Punkrock in England entwickelte, oder wenn man sehen will, wie daraus dann so etwas wie Postpunk oder New Wave entstanden ist. Wer aber einen höchst subjektiven Blick auf eine spannende Musik-Szene haben möchte, in der John Lydon natürlich ein wichtiger Protagonist war, der findet hier eine gelungene Lektüre.
Dieses Buch ist packender als so mancher Roman, enthält auch genügend fabulierte Stoffe – mehr als so mancher Krimi – und hat mir deshalb richtig viel Spaß gemacht. Eine absolute Empfehlung für Leute, die sich für Punkrock, New Wave oder allgemein populäre Musik interessieren!
(Ich habe die Hardcover-Ausgabe des Buches gelesen, die gut in der Hand liegt und auch cool aussieht. Man kann sie nur noch Secondhand kaufen. Es gibt eine E-Book-Version, aber bislang keine preiswerte Taschenbuch-Ausgabe in deutscher Sprache.)
18 Mai 2021
Als Polizisten in der Stadt der Superschurken
Die schön gemachten Comic-Bände erzählen große Geschichten, in denen es nicht nur um Kriminalität geht, sondern auch um das persönliche Leben von Polizisten, die vor großen Herausforderungen stehen. Wer die Welt von Gotham City aus den »Batman«-Comics und ihren Ablegern kennt – wie ich –, wird viele Namen und Örtlichkeiten wieder erkennen. Für alle anderen ist die Reihe »Gotham Central« ein Beispiel dafür, wie man spannende Comic-Krimis erzählen kann.
Klar ist es die Fernsehserie »Gotham«, die den Verlag dazu gebracht hat, die Comics in deutscher Sprache zu veröffentlichen. In den USA wurden die einzelnen Hefte bereits 2003 veröffentlicht. Es wird Zeit, dass die Serie auch hierzulande mehr Fans findet.
Als Autor ist Ed Brubaker ein Experte sowohl für Krimis als auch für Superhelden. Ich fand seine »Criminals«-Serie großartig. Der Mann versteht zu erzählen – und er zeigt die Polizisten in Gotham in Ausübung ihrer Pflicht.
Dabei geht es zwar auch immer wieder um Verbrecher, die man aus den »Batman«-Geschichten kennt; sie werden aber nicht von einem maskierten Rächer gestellt, sondern von ganz normalen Polizisten. Die wiederum haben ein Eigeninteresse daran, Fälle selbst zu lösen und nicht nur auf Superhelden zu warten.
Die spannenden Geschichten, in denen etwa auch das Coming-Out einer lesbischen Polizistin erzählt wird, unterstreichen hervorragende Bilder. Die Szenen spielen oft in der Nacht, sie sind düster und dramatisch. Ein realitätsnaher Blick auf das Verbrechen und der Kampf gegen die Täter – das macht die Serie absolut mitreißend. Polizeiarbeit in einem Universum, das ansonsten von allerlei seltsamen Wesen bevölkert wird ...
Mir gefällt das hervorragend. Das »Batman«-Universum spricht mich sowieso vor allem dann an, wenn die Superschurken und Superhelden so weit im Hintergrund sind wie möglich, wenn Fälle ohne den Einsatz von irgendwelchem Klimbim gelöst werden können.
»Gotham Central« ist eine Ergänzung, die man ohne jeglichen Hintergrund lesen kann. Wer sich – wie ich – in der Stadt Gotham durch langjährige Comic-Lektüre ein wenig zurechfindet, stolpert natürlich immer wieder über Details, die er oder sie wieder erkennt. Das erhöht den Reiz der Lektüre natürlich ...
Eine absolut lohnende Serie! Ich bin sicher, dass ich sie auch nicht nur einmal lesen werde!
17 Mai 2021
Alles Gute, Udo!
Als ich anfing, mich für Rockmusik zu interessieren, um alles in einen Sack zu stopfen, was mit lauten Gitarren zu tun hatte, war Udo Lindenberg schon früh dabei. Stücke wie »Alles klar auf der Andrea Doria« oder über Figuren wie »Rudi Ratlos«, »Bodo Ballermann« und »Johnny Controlletti« gehörten zu meiner Sozialisation in den späten 70er-Jahren einfach dazu.
Ich kaufte mir sogar eine Udo-Lindenberg-Platte, die es damals preisgünstig gab. Ich hörte sie hoch und runter, wenngleich ich nie richtig textsicher wurde – aber das schaffte ich nicht einmal beim schlichtesten Deutschpunk-Stück. Udo Lindenberg gehörte dazu.
Zweimal sah ich ihn live, beides Mal bei einem politischen Festival. Er spielte auf dem Festival in Burglengenfeld, bei dem gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf protestiert wurde, und ich sah ihn auf einer Veranstaltung in der Pfalz, in der es gegen Atomraketen ging und gegen die Aufrüstung der Bundesrepublik. Beides Mal war das in den 80er-Jahren, und da fand ich ihn schon ziemlich alt. Punkrock und Hardcore waren halt doch dynamischer und rasanter.
Irgendwann verlor ich ihn aus den Augen. Er wohnte in einem Hotel in Hamburg, er machte seltsame Kunst, und als Musiker oder Sänger blieb er mir vor allem durch platte Texte in Erinnerung. Höre ich heute die Stücke an, die ich vor vierzig Jahren – und mehr! – echt klasse fand, gruselt es mich zeitweise ganz schön.
Udo Lindenberg war in seiner frühen Zeit echt wichtig. Dass er heute noch erfolgreich ist, gönne ich ihm. Im Prinzip ist er sich treu geblieben – und das muss man über so eine lange Zeit erst einmal hinkriegen. Deshalb: alles Gute zum Geburtstag, Udo!
Karoshi aus Köln
Der Bass wummert, die Bläser setzen immer wieder einen drauf, ein schmissiger Punkrock-Rhythmus kommt dazu, der Sänger hat eine knatschige Stimme, die aber cool klingt – fertig ist das Gebräu, aus dem die Stücke von Karoshi bestehen. Zehn Stücke sind auf der Platte, teilweise mit starken Ska-Elementen durchsetzt, stets schmissig gespielt. Man schreckt nicht davor zurück, Mini-Zitate aus Filmen zu verarbeiten oder gar Filmmusik zum Start in ein Lied zu benutzen.
Die Kölner bezeichnen ihren Sound selbst als »Stunpunk«, was ich zumindest witzig finde; seit 2003 gibt es die Band, und irgendwie habe ich sie immer verpasst. Das ist ein Fehler: Die knallige Mixtur aus Punkrock und Ska, aus klaren Aussagen bei den Texten und schnellem Rhythmus – das hört sich nicht nur an, sondern sollte auch gut in die Beine gehen.
»Rabauken und Trompeten« ist keine Platte für die Ewigkeit. Aber der sogenannte Stuntpunk der Kölner macht Appetit auf mehr.
16 Mai 2021
Am Schmugglermeer
Ab und zu schaffe ich es doch aufs Rad und unternehme kurze Fahrten in die nähere Umgebung. Und manchmal ist es dann einfach schön, an einem schönen Punkt anzuhalten und ein wenig die Blicke schweifen zu lassen. Ohne Termindruck im Nacken, ohne die Hunderte von ungelesenen Mails im Gedanken, einfach nur ein Mensch mit seinem Rad und einem auch von Natur.
Das Bild zeigt das Schmugglermeer; dabei handelt es sich um einen See nördlich von Karlsruhe, der im Prinzip zum Altrhein gehört. Sieht man davon ab, dass es an diesem See von Fliegen gelegentlich nur so wimmelt, ist es ein sehr ruhiger und schöner Ort …
























