Eine schmale Stichstraße führt von der Bundesstraße 294 – diese verbindet Freudenstadt mit Pforzheim – zu der Landesstraße 339. Ich fahre sie gelegentlich gern, wenn ich das alte Elternhaus im Schwarzwald besucht habe und nicht die Murgtalstrecke zurück nach Karlsruhe fahren möchte. Die Straße ist ein wenig steil und ein wenig kurvig, und vor allem nachts macht sie einfach Spaß.
So auch an diesem Montag. Ich gab ordentlich Gas, ignorierte großzügig die Geschwindigkeitsbegrenzung, passte aber dennoch auf. Und hielt an, als ich eine Bewegung auf der Straße wahrnahm.
Mitten auf der Fahrbahn kauerte ein Fuchs. Er sah noch jung aus, und er schnüffelte an einem toten Kleintier, einer Ratte oder einer Maus. Interessiert blickte er in meine Richtung, seine Augen funkelten im Scheinwerferlicht. Dann hüpfte er zur Seite.
Da gerade eh kein Verkehr war, zog ich die Handbremse und machte den Motor aus, um das Tier nicht zu beunruhigen. Mit sanften Sprüngen glitt der Fuchs durch das hohe Gras zwischen Straßenrand und Böschung; immer wieder hielt er inne und schaute mich an.
Noch einmal blieb er sitzen und spähte ins Auto, dann verschwand er im Unterholz des Waldes. Ich startete mein Auto und fuhr weiter. Manchmal mag ich »meinen« Schwarzwald einfach.
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
05 Juli 2011
04 Juli 2011
Chaotisch-spontane Radiosendung
Wenn ich meine Radiosendung vorbereite, geschieht das meist recht gründlich: Ich erarbeite mir eine Liste der Stücke, die ich spielen möchte, ich suche die Platten heraus, ich überlege mir vorher genau, was ich eigentlich im großen und ganzen von mir geben möchte. Am gestrigen Sonntag, 3. Juli 2011, war alles anders.
Aus Gründen, die viel mit einem gewissen Weltraumfahrer zu tun haben, hatte ich in den letzten Tagen so gut wie keine Freizeit mehr. Das Vorbereiten der Radiosendung hätte mich gestresst, also strich ich es kurzerhand; zeitweise überlegte ich mir auch, die Sendung ganz ausfallen zu lassen.
Aber dann schnappte ich mir einen Stapel CDs, die ich daheim fand, und radelte ins Querfunk-Studio. Recht spontan und ein wenig sehr chaotisch produzierte ich live eine aktuelle Sendung des ENPUNKT-Radios.
Klassiker-Bands wie die Neurotic Arseholes oder die Spermbirds sind für mich eine sichere Bank; da kenne ich mich aus, also spielte ich sie. Ein unbekannter Klassiker, den ich sehr liebe, ist Ski Patrol, die 1980 eine einzige Single einspielten - so was spiele ich dann auch gern.
Ansonsten spielte ich viele Einzelstücke von Sampler-CDs: The Turbo ACs aus New York, die Generators aus Los Angeles, The Stattmatratzen aus Berlin, Love Academy aus Trier oder Bad Influence aus Antwerpen: Ich denke, die Mischung war gut und bunt, und so störte das leicht chaotische Programm niemanden.
Aus Gründen, die viel mit einem gewissen Weltraumfahrer zu tun haben, hatte ich in den letzten Tagen so gut wie keine Freizeit mehr. Das Vorbereiten der Radiosendung hätte mich gestresst, also strich ich es kurzerhand; zeitweise überlegte ich mir auch, die Sendung ganz ausfallen zu lassen.
Aber dann schnappte ich mir einen Stapel CDs, die ich daheim fand, und radelte ins Querfunk-Studio. Recht spontan und ein wenig sehr chaotisch produzierte ich live eine aktuelle Sendung des ENPUNKT-Radios.
Klassiker-Bands wie die Neurotic Arseholes oder die Spermbirds sind für mich eine sichere Bank; da kenne ich mich aus, also spielte ich sie. Ein unbekannter Klassiker, den ich sehr liebe, ist Ski Patrol, die 1980 eine einzige Single einspielten - so was spiele ich dann auch gern.
Ansonsten spielte ich viele Einzelstücke von Sampler-CDs: The Turbo ACs aus New York, die Generators aus Los Angeles, The Stattmatratzen aus Berlin, Love Academy aus Trier oder Bad Influence aus Antwerpen: Ich denke, die Mischung war gut und bunt, und so störte das leicht chaotische Programm niemanden.
03 Juli 2011
Vorsicht, Scientology
Es war eine seltsame Demonstration, der ich am Samstag nachmittag in der Innenstadt von Karlsruhe begegnete. Und sie war zugleich sehr klein: Gerade mal ein halbes Dutzend jung aussehender Menschen, die Gesichter hinter hässlichen Plastikmasken verborgen, zog unter wummernder Elektro-Musik aus einem tragbaren Gerät über den Lidellplatz und in Richtung Ettlinger Tor. Hinter ihnen rollte ein einzelnes Polizeifahrzeug.
Es war eine Demonstration, die unter dem Motto »Vorsicht, Scientology!« stand und vor dem Gebäude der Sekte anhielt. Dort wurden Flugblätter verteilt, ich griff mir auch eins und zog dann meiner Wege.
Unterwegs machte ich mir klar, wie gleichgültig man in der Stadt eigentlich auf die Sekte reagiert. Auch mich kümmern ihre Umtriebe nicht mehr, obwohl ich immer mal wieder an diesem Gebäude vorbeikomme. Es ist mir geradezu egal.
In den späten 80er und frühen 90er Jahren war das anders: Ich veröffentlichte Artikel über die sogenannte Science-Fiction-Sekte, ich sammelte Material von Aussteigern – und habe bis heute eine schöne Bibliothek der Organisation – und half mit, die Umtriebe der Scientologen in der Science-Fiction-Szene zu unterbinden.
Das ist lange her. Und weil ich keine Berührung mehr mit diesen Leuten hatte, waren sie mir egal. Angesichts der Tatsache, dass die Krake namens Scientology immer noch aktiv ist, erschrecke ich glatt vor meiner eigenen Passivität ...
Es war eine Demonstration, die unter dem Motto »Vorsicht, Scientology!« stand und vor dem Gebäude der Sekte anhielt. Dort wurden Flugblätter verteilt, ich griff mir auch eins und zog dann meiner Wege.
Unterwegs machte ich mir klar, wie gleichgültig man in der Stadt eigentlich auf die Sekte reagiert. Auch mich kümmern ihre Umtriebe nicht mehr, obwohl ich immer mal wieder an diesem Gebäude vorbeikomme. Es ist mir geradezu egal.
In den späten 80er und frühen 90er Jahren war das anders: Ich veröffentlichte Artikel über die sogenannte Science-Fiction-Sekte, ich sammelte Material von Aussteigern – und habe bis heute eine schöne Bibliothek der Organisation – und half mit, die Umtriebe der Scientologen in der Science-Fiction-Szene zu unterbinden.
Das ist lange her. Und weil ich keine Berührung mehr mit diesen Leuten hatte, waren sie mir egal. Angesichts der Tatsache, dass die Krake namens Scientology immer noch aktiv ist, erschrecke ich glatt vor meiner eigenen Passivität ...
02 Juli 2011
Dean Dirg rotzen raus
Hammer!, die neue Platte von Dean Dirg heißt »Verpisst«, und genau so klingt sie. Das Ding wurde im Dezember 2010 aufgenommen, enthält nicht einmal ein Dutzend rasanter Stücke, und es knallt richtig.
Die meisten Stücke sind in schnellem Stop-and-Go-Hardcore, wie man ihn schon anfangs der 80er Jahre gespielt hat, allerdings deutlich moderner, wie sich das gehört. Und bei zwei Stücken mengt die Band glatt noch Elektro-Zeugs rein, was den Reiz noch erhört.
Die »Verpisst« ist ein Kracher. Hardcore-Punk eben. Ich finde sie toll. (Für die Vinyl-Käufer liegt übrigens ein Download-Kode bei ...)
Die meisten Stücke sind in schnellem Stop-and-Go-Hardcore, wie man ihn schon anfangs der 80er Jahre gespielt hat, allerdings deutlich moderner, wie sich das gehört. Und bei zwei Stücken mengt die Band glatt noch Elektro-Zeugs rein, was den Reiz noch erhört.
Die »Verpisst« ist ein Kracher. Hardcore-Punk eben. Ich finde sie toll. (Für die Vinyl-Käufer liegt übrigens ein Download-Kode bei ...)
01 Juli 2011
Bei Favola besprochen
»Favola de Mezzanotte« - das ist der ungewöhnliche Titel eines Blogs, den die Autorin Monika De Giorgi betreut. Sie hat meinen Kurzroman »Der Schatten des Friedens« in ihrem Blog besprochen, und obwohl meine Art von Fantasy eigentlich nicht »ihr Ding« ist, fiel die Besprechung unterm Strich doch ganz gut aus.
Das Fazit finde ich schön: »Wenn ihr Eure Fantasy hart, unglorifiziert und actionreich mit 80ies Flair mögt habt ihr hier das perfekte, nur leider etwas kurze Lesevergnügen geboten.« Für die Rezensentin ist es ein zwar dünner, aber dafür gelungener Roman. Sehr schön.
Das Fazit finde ich schön: »Wenn ihr Eure Fantasy hart, unglorifiziert und actionreich mit 80ies Flair mögt habt ihr hier das perfekte, nur leider etwas kurze Lesevergnügen geboten.« Für die Rezensentin ist es ein zwar dünner, aber dafür gelungener Roman. Sehr schön.
Fahrenheit mit schlichtem Oi!
Fangen wir mit den fairen Tatsachen an: Die Band Fahrenheit hat einen guten Namen für ihr Projekt, und ich hoffe, dass sie sich nach dem Bradbury-Roman benannt hat. Die vier Burschen aus Magdeburg spielen seit 2010 zusammen und brachten im Januar 2011 ihre erste CD raus. Die heißt »Kranke Welt« und enthält neun Stücke zwischen Oi!, Deutschpunk und Schunkelmusik.
»Musikalisch ist die Band klar unpolitisch eingestellt«, verkündet das Label SN-Punx in seinem Info, was schon mal gut ist. »Aber da man manche Sachen nicht unter Tisch fallen lassen darf und wir in einem Staat leben, wo ne ganze Menge scheiße passsiert«, so geht es weiter, gebe es eben auch politische Aussagen.
Ich war erleichtert, als ich keine schlimmen politischen Aussagen hörte und sich die Texte auf den üblichen Skinhead- und Deutschpunk-Pathos beschränkten. Man findet Heroin scheiße und Zusammenhalt in der Szene halt einfach gut – einverstanden.
Musikalisch ist die Band arg schlicht. Da rumpelt halt alles so vor sich hin, was eigentlich auch in Ordnung ist. Aber auf CD hätte man das noch nicht packen müssen; das ist dann selbst mir zu schlicht und zu eindimensional. Gähn.
»Musikalisch ist die Band klar unpolitisch eingestellt«, verkündet das Label SN-Punx in seinem Info, was schon mal gut ist. »Aber da man manche Sachen nicht unter Tisch fallen lassen darf und wir in einem Staat leben, wo ne ganze Menge scheiße passsiert«, so geht es weiter, gebe es eben auch politische Aussagen.
Ich war erleichtert, als ich keine schlimmen politischen Aussagen hörte und sich die Texte auf den üblichen Skinhead- und Deutschpunk-Pathos beschränkten. Man findet Heroin scheiße und Zusammenhalt in der Szene halt einfach gut – einverstanden.
Musikalisch ist die Band arg schlicht. Da rumpelt halt alles so vor sich hin, was eigentlich auch in Ordnung ist. Aber auf CD hätte man das noch nicht packen müssen; das ist dann selbst mir zu schlicht und zu eindimensional. Gähn.
30 Juni 2011
Schwitzen in der Zirbelstube
Es war in den letzten zwei Jahren einer meiner meist angeklickten Blogbeiträge: der über die fünf nackten Männer in der Sauna in Erding. Offensichtlich suchen viele Menschen im Netz nach der Begriffskombination »nackte Männer«.
Vor wenigen Tagen war ich endlich in der Zirbelstube drin. Endlich mal in der echten Männer-Sauna, endlich mal schwitzen an Biertischen und auf Holzbänken. Es musste sein, und immerhin waren wir nach zwei Jahren wieder in der wunderbaren Therme in Erding.
Die Sauna war voll, einige Dutzend nackte Männer drückten sich buchstäblich Arsch an Arsch. Mir lief die Brühe herunter, und als der junge Mann in T-Shirt und kurzer Hose reinkam, freute ich mich richtig.
Er stellte zuerst Biergläser auf den Tisch, jeder schnappte sich eins. Dann bekam jeder eine Flasche mit eisgekühltem Erdinger Weißbier, allerdings in der alkoholfreien Version. Das schmeckte so lecker, das war sensationell – und ich mag eigentlich kein alkoholfreies Bier.
Danach lief mir die Brühe erst recht herunter. Ich schwitzte so, wie ich wohl noch nie in meinem Leben geschwitzt hatte. Insofern funktionierte der Bier-Aufguss. Und eines ist klar: Wenn ich wieder nach Erding komme, werde ich wieder in der Zirbelstube sitzen.
Vor wenigen Tagen war ich endlich in der Zirbelstube drin. Endlich mal in der echten Männer-Sauna, endlich mal schwitzen an Biertischen und auf Holzbänken. Es musste sein, und immerhin waren wir nach zwei Jahren wieder in der wunderbaren Therme in Erding.
Die Sauna war voll, einige Dutzend nackte Männer drückten sich buchstäblich Arsch an Arsch. Mir lief die Brühe herunter, und als der junge Mann in T-Shirt und kurzer Hose reinkam, freute ich mich richtig.
Er stellte zuerst Biergläser auf den Tisch, jeder schnappte sich eins. Dann bekam jeder eine Flasche mit eisgekühltem Erdinger Weißbier, allerdings in der alkoholfreien Version. Das schmeckte so lecker, das war sensationell – und ich mag eigentlich kein alkoholfreies Bier.
Danach lief mir die Brühe erst recht herunter. Ich schwitzte so, wie ich wohl noch nie in meinem Leben geschwitzt hatte. Insofern funktionierte der Bier-Aufguss. Und eines ist klar: Wenn ich wieder nach Erding komme, werde ich wieder in der Zirbelstube sitzen.
29 Juni 2011
Gelungener Superkurzfilm
Mit der Filmakademie in Baden-Württemberg hatte ich ja einmal zu tun. Ich hielt sogar einen Vortrag dort, allerdings über PERRY RHODAN, und unterm Strich kam außer einem Zwei-Minuten-Filmchen nicht viel heraus. Das ist lange her - und jetzt ist mir was schönes aufgefallen, das aus der Akademie kommt.
Verantwortlich für den kurzen, fast wie Kino wirkenden Film »We Miss You« ist die Filmstudentin Hanna Maria Heidrich, Jahrgang 1984 - und in dem professionell gemachten Streifen geht es um die Menschen und um die Natur. Geht los wie ein Krimi, hat ein knalliges Ende und eine gute Botschaft ... sehr schön!
Der kurze Film wurde in Frankfurt gedreht, was ich unglaublich finde: Beim Anschauen hätte ich jederzeit geglaubt, das Ding spiele in New York. Mittlerweile gibt es zu dem Filmchen eine schöne Seite im Netz, wo man den Streifen auch angucken kann. Lohnt sich!
Verantwortlich für den kurzen, fast wie Kino wirkenden Film »We Miss You« ist die Filmstudentin Hanna Maria Heidrich, Jahrgang 1984 - und in dem professionell gemachten Streifen geht es um die Menschen und um die Natur. Geht los wie ein Krimi, hat ein knalliges Ende und eine gute Botschaft ... sehr schön!
Der kurze Film wurde in Frankfurt gedreht, was ich unglaublich finde: Beim Anschauen hätte ich jederzeit geglaubt, das Ding spiele in New York. Mittlerweile gibt es zu dem Filmchen eine schöne Seite im Netz, wo man den Streifen auch angucken kann. Lohnt sich!
28 Juni 2011
Zehn gelungene Kurzgeschichten
Ich mag Kurzgeschichten. Vor allem mag ich sie, wenn sie wirklich kurz sind und im Gedächtnis längere Zeit gewissermaßen nachschwingen. Deshalb kaufe ich immer wieder Bücher von Autorinnen und Autoren, die mir nichts sagen, um ein wenig zu experimentieren.
Zuletzt war dies bei Fanny Morweiser der Fall. Die Autorin ist Jahrgang 1940, wohnt nicht soooo weit weg von mir und siedelt ihre Texte gern im Großraum Heidelberg und Mannheim an. Mit Lokalkrimis oder Lokalschmonzetten hat sie aber nichts am Hut, und das ist gut so.
Ich las ihre Kurzgeschichtensammlung »Der Taxitänzer«. Die ist mit nicht einmal 160 Seiten angenehm dünn, und weil sie großzügig gesetzt ist, lassen sich die Kurzgeschichten schön gemütlich durchschmökern: eine vor dem Einschlafen, eine vor der Fahrt ins Büro, eine mal auf dem Balkon in der Abendsonne – und zack!, das Buch ist durch.
Und jeder Text ist gelungen! Sprachlich ist das ganze sauber, vielleicht sogar ein wenig betulich; inhaltlich überzeugt es mich immer. Die Autorin stellt seltsame Personen vor, bringt mal ein bisschen Phantastik ins Spiel oder deutet einen Mordfall an.
Dabei bleibt sie stets kurz und knapp und ohne Geschwafel. Mit jammeriger Innensicht, wie ich sie leider in zu vielen Kurzgeschichten der letzten Jahre gesehen habe, hat sie ebensowenig zu tun wie mit den am Fließband entstehenden Dickbüchern der Bestsellerlisten. Sehr schön!
»Der Taxitänzer« erschien bei Diogenes, es war mit Sicherheit nicht das letzte Buch der Autorin für mich. Mal schauen, wann mir das nächste Werk von ihr in die Finger kommt ...
Zuletzt war dies bei Fanny Morweiser der Fall. Die Autorin ist Jahrgang 1940, wohnt nicht soooo weit weg von mir und siedelt ihre Texte gern im Großraum Heidelberg und Mannheim an. Mit Lokalkrimis oder Lokalschmonzetten hat sie aber nichts am Hut, und das ist gut so.
Ich las ihre Kurzgeschichtensammlung »Der Taxitänzer«. Die ist mit nicht einmal 160 Seiten angenehm dünn, und weil sie großzügig gesetzt ist, lassen sich die Kurzgeschichten schön gemütlich durchschmökern: eine vor dem Einschlafen, eine vor der Fahrt ins Büro, eine mal auf dem Balkon in der Abendsonne – und zack!, das Buch ist durch.
Und jeder Text ist gelungen! Sprachlich ist das ganze sauber, vielleicht sogar ein wenig betulich; inhaltlich überzeugt es mich immer. Die Autorin stellt seltsame Personen vor, bringt mal ein bisschen Phantastik ins Spiel oder deutet einen Mordfall an.
Dabei bleibt sie stets kurz und knapp und ohne Geschwafel. Mit jammeriger Innensicht, wie ich sie leider in zu vielen Kurzgeschichten der letzten Jahre gesehen habe, hat sie ebensowenig zu tun wie mit den am Fließband entstehenden Dickbüchern der Bestsellerlisten. Sehr schön!
»Der Taxitänzer« erschien bei Diogenes, es war mit Sicherheit nicht das letzte Buch der Autorin für mich. Mal schauen, wann mir das nächste Werk von ihr in die Finger kommt ...
27 Juni 2011
Popliteratur beleuchtet
Seit Jahren bespreche ich immer wieder Bücher auf der PERRY RHODAN-Seite. In der letzten Woche stellte ich die Rezensionen unter das Motto »Die Woche der Popkultur«, sprich, es gab keine Science Fiction oder Fantasy oder sonstige Genre-Literatur.
Den Anfang machte ein Buch über Jugger - das ist eine Sportart, die vielleicht sogar einmal zum Trend werden könnte. Sie spricht vor allem junge Leute aus Subkulturen an und sieht aus wie eine Mischung aus Fantasy-Rollenspiel, Endzeit-Science-Fiction und raubeiniger Rennerei auf dem Spielfeld. Ich besprach das Sachbuch »Jugger - Der Sport aus der Freizeit« von Ruben Philipp Wickenhäuser.
»Der Glücksdiabetiker« ist der erste Roman von Lars Lindigkeit. Der Autor verdient normalerweise seine Brötchen als Gagschreiber für Harald Schmidt oder Ina Müller. Er weiß also, wie das Showgeschäft funktioniert, und er kann Pointen so setzen, dass das Publikum mit hoher Wahrscheinlichkeit darüber lachen wird. Bei diesem ersten Roman, der im Eichborn-Verlag erschienen ist, klappt das auch weitestgehend sehr gut. Entsprechend positiv ist meine Rezension.
Die frühen 90er-Jahre in der schwäbischen Provinz: In einer kleinen Stadt unweit von Stuttgart leben Schmall und seine Freunde. Sie sind ein Haufen Schüler, die die Zeit totschlagen, Grunge-Rock und HipHop hören, illegale Drogen konsumieren und nicht so recht wissen, was sie mit ihrer Zukunft und ihrem Leben anfangen sollen. So ist die Ausgangsposition von »Lokalhelden«, einem typischen Popliteratur-Roman, den ich rezensierte. Verfasst wurde er von dem Journalisten Jörg Harlan Rohleder.
Zuletzt dann »Die Känguru-Chroniken« ... Es ist ein ziemlich merkwürdiges Dasein, das der Ich-Erzähler in Marc-Uwe Klings erstem Buch führt: Er lebt nämlich mit einem leibhaftigen Känguru in einer unfreiwilligen, aber sehr unterhaltsamen Wohngemeinschaft zusammen. Unfreiwillig deshalb, weil sich das Känguru gegen seinen Willen bei ihm einquartiert hat. Und unterhaltsam, weil das Känguru so gut wie nie seine Klappe halten kann, einen Unfug nach dem anderen anstellt und den Ich-Erzähler von einer schrägen Situation in die nächste stolpern lässt.
Den Anfang machte ein Buch über Jugger - das ist eine Sportart, die vielleicht sogar einmal zum Trend werden könnte. Sie spricht vor allem junge Leute aus Subkulturen an und sieht aus wie eine Mischung aus Fantasy-Rollenspiel, Endzeit-Science-Fiction und raubeiniger Rennerei auf dem Spielfeld. Ich besprach das Sachbuch »Jugger - Der Sport aus der Freizeit« von Ruben Philipp Wickenhäuser.
»Der Glücksdiabetiker« ist der erste Roman von Lars Lindigkeit. Der Autor verdient normalerweise seine Brötchen als Gagschreiber für Harald Schmidt oder Ina Müller. Er weiß also, wie das Showgeschäft funktioniert, und er kann Pointen so setzen, dass das Publikum mit hoher Wahrscheinlichkeit darüber lachen wird. Bei diesem ersten Roman, der im Eichborn-Verlag erschienen ist, klappt das auch weitestgehend sehr gut. Entsprechend positiv ist meine Rezension.
Die frühen 90er-Jahre in der schwäbischen Provinz: In einer kleinen Stadt unweit von Stuttgart leben Schmall und seine Freunde. Sie sind ein Haufen Schüler, die die Zeit totschlagen, Grunge-Rock und HipHop hören, illegale Drogen konsumieren und nicht so recht wissen, was sie mit ihrer Zukunft und ihrem Leben anfangen sollen. So ist die Ausgangsposition von »Lokalhelden«, einem typischen Popliteratur-Roman, den ich rezensierte. Verfasst wurde er von dem Journalisten Jörg Harlan Rohleder.
Zuletzt dann »Die Känguru-Chroniken« ... Es ist ein ziemlich merkwürdiges Dasein, das der Ich-Erzähler in Marc-Uwe Klings erstem Buch führt: Er lebt nämlich mit einem leibhaftigen Känguru in einer unfreiwilligen, aber sehr unterhaltsamen Wohngemeinschaft zusammen. Unfreiwillig deshalb, weil sich das Känguru gegen seinen Willen bei ihm einquartiert hat. Und unterhaltsam, weil das Känguru so gut wie nie seine Klappe halten kann, einen Unfug nach dem anderen anstellt und den Ich-Erzähler von einer schrägen Situation in die nächste stolpern lässt.
26 Juni 2011
Ein Tag mit Hardcore-Kids
Auch in diesem Jahr fuhr ich zum New Noise Festival nach Durmersheim; im Gegensatz zu den Vorjahren hatte ich aber keine Lesung, was dazu führte, dass ich mir die Sache schön gemütlich und rein privat anschauen konnte. Ein Freund, der mittags schon dort gewesen war, um sich die Karlsruher Bands anzugucken, warnte mich im voraus: »Da sind bloß Kinder.«
Das fand ich ein bisschen gemein. Als ich gegen 19 Uhr auf dem Festival-Gelände ankam, erhöhte ich schon ein wenig das Durchschnittsalter, aber ich war beileibe nicht der einzige der Hardcore-mit-über-40-Generation vor Ort. Das erleichterte mich ein wenig.
Nachdem in den letzten Jahren alle Bands in einem Zelt aufgetreten waren, wurden diesmal zwei Zelte als Auftrittsorte genutzt. So spielten zwischen 14 und 24 Uhr tatsächlich 24 Bands in Durmersheim auf – das finde ich schon ganz schön respektabel. Dass mir davon nicht alles gefiel, leuchtet bei diesem Angebot wohl ein.
Die meiste Zeit lungerte ich am Verkaufsstand von Twisted Chords herum, wo ich ich mehr oder weniger sinnvolle Gespräche führte, vegane Muffins und Pizza-Stücke schnorrte und ansonsten auch noch sinnvoll Geld in Vinyl investierte. So kann man ein Hardcore-Festival auf jeden Fall gut herumkriegen ...
Die erste Band, die ich mir anschaute, nannte sich The Black Heart Rebellion und entpuppte sich als gut gespielter Metal. Wummernd und aggressiv, gleichzeitig in gewisser Weise episch – irgendwie war das nix für mich.
Umso überzeugender dann Sailing On aus Karlsruhe. Ich kenne von denen niemand, kannte von der Sängerin bisher nur ihre Aussagen in einem Video-Interview, fand's dann aber live ziemlich klasse: wütend-emotionaler Brüllgesang, dazu wuchtiger Sound – nicht einmal die schlechte Anlage im kleinen Zelt konnte die Stimmung verderben. Entsprechend tobte auch der Mob, das gefiel mir.
Von Empowerment aus Stuttgart bekam ich live nichts mit, rein musikalisch erwies sich das ganze aber als gut gemachter New-York-Sound. Und vor lauter Gelaber verpasste ich komplett Trainwreck, die mir vor zwei Jahren in Durmersheim so gut gefallen hatten.
Dafür stand ich bei Just Went Black im kleinen Zelt – und die Band fand ich richtig geil. Emotionaler Hardcore mit viel Intensität, mit einem langsam immer mehr ausrastenden Publikum und einem kompakt wirkenden Sänger ... whow.
Erstaunlich gut fand ich die zwei Stücke, die ich von der Band Gold Kids und ihrem Hardcore-Geboller mitbekam. Als überbewertet empfand ich Zann, die sehr vertrackt waren, fast jazzig, und an diesem Abend ihr letztes Konzert spielten.
Zuletzt Punch, deren Sängerin derart ins Mikro keifte, dass ich mir schon um ihre Gesundheit Sorgen machte. Beim Circle Pit befürchtete wohl nicht nur ich, dass das Zelt einfallen würde; der zentrale Mast geriet ins Schwanken und wäre fast gekippt. Stimmungsvoller, rasanter Höhepunkt eines gelungenen Festivals.
Das fand ich ein bisschen gemein. Als ich gegen 19 Uhr auf dem Festival-Gelände ankam, erhöhte ich schon ein wenig das Durchschnittsalter, aber ich war beileibe nicht der einzige der Hardcore-mit-über-40-Generation vor Ort. Das erleichterte mich ein wenig.
Nachdem in den letzten Jahren alle Bands in einem Zelt aufgetreten waren, wurden diesmal zwei Zelte als Auftrittsorte genutzt. So spielten zwischen 14 und 24 Uhr tatsächlich 24 Bands in Durmersheim auf – das finde ich schon ganz schön respektabel. Dass mir davon nicht alles gefiel, leuchtet bei diesem Angebot wohl ein.
Die meiste Zeit lungerte ich am Verkaufsstand von Twisted Chords herum, wo ich ich mehr oder weniger sinnvolle Gespräche führte, vegane Muffins und Pizza-Stücke schnorrte und ansonsten auch noch sinnvoll Geld in Vinyl investierte. So kann man ein Hardcore-Festival auf jeden Fall gut herumkriegen ...
Die erste Band, die ich mir anschaute, nannte sich The Black Heart Rebellion und entpuppte sich als gut gespielter Metal. Wummernd und aggressiv, gleichzeitig in gewisser Weise episch – irgendwie war das nix für mich.
Umso überzeugender dann Sailing On aus Karlsruhe. Ich kenne von denen niemand, kannte von der Sängerin bisher nur ihre Aussagen in einem Video-Interview, fand's dann aber live ziemlich klasse: wütend-emotionaler Brüllgesang, dazu wuchtiger Sound – nicht einmal die schlechte Anlage im kleinen Zelt konnte die Stimmung verderben. Entsprechend tobte auch der Mob, das gefiel mir.
Von Empowerment aus Stuttgart bekam ich live nichts mit, rein musikalisch erwies sich das ganze aber als gut gemachter New-York-Sound. Und vor lauter Gelaber verpasste ich komplett Trainwreck, die mir vor zwei Jahren in Durmersheim so gut gefallen hatten.
Dafür stand ich bei Just Went Black im kleinen Zelt – und die Band fand ich richtig geil. Emotionaler Hardcore mit viel Intensität, mit einem langsam immer mehr ausrastenden Publikum und einem kompakt wirkenden Sänger ... whow.
Erstaunlich gut fand ich die zwei Stücke, die ich von der Band Gold Kids und ihrem Hardcore-Geboller mitbekam. Als überbewertet empfand ich Zann, die sehr vertrackt waren, fast jazzig, und an diesem Abend ihr letztes Konzert spielten.
Zuletzt Punch, deren Sängerin derart ins Mikro keifte, dass ich mir schon um ihre Gesundheit Sorgen machte. Beim Circle Pit befürchtete wohl nicht nur ich, dass das Zelt einfallen würde; der zentrale Mast geriet ins Schwanken und wäre fast gekippt. Stimmungsvoller, rasanter Höhepunkt eines gelungenen Festivals.
24 Juni 2011
Die 150 erreicht
Ich lese den Fanzine-Kurier seit den frühen 80er Jahren. Auch wenn sich in der deutschsprachigen Fan-Szene viel geändert hat, ist das Fanzine nach wie vor am Ball: Armin Möhle und seine Mitstreiter besprechen andere Fanzines in einer kompetenten, sachlichen und korrekten Art und Weise - das finde ich gut.
Jetzt ist die Ausgabe 150 erschienen, ein kleines Jubiläum ist zu feiern. Ich gratuliere den Kolleginnen und Kollegen für ihre Ausdauer und wünsche weiterhin viele gelungene Ausgaben - die Nummer 200 ist ja quasi schon im Zielfeld.
Übrigens kann man heute das Fanzine auch kostenfrei herunterladen. Ich selbst mag die klassische Variante im A5-Format (nur echt mit den Heftklammern) viel lieber, sehe aber ein, dass online bequemer und schneller ist. Auf der Internet-Seite des Fanzine-Kuriers lässt sich auf jeden Fall gut downloaden und noch besser stöbern.
Jetzt ist die Ausgabe 150 erschienen, ein kleines Jubiläum ist zu feiern. Ich gratuliere den Kolleginnen und Kollegen für ihre Ausdauer und wünsche weiterhin viele gelungene Ausgaben - die Nummer 200 ist ja quasi schon im Zielfeld.
Übrigens kann man heute das Fanzine auch kostenfrei herunterladen. Ich selbst mag die klassische Variante im A5-Format (nur echt mit den Heftklammern) viel lieber, sehe aber ein, dass online bequemer und schneller ist. Auf der Internet-Seite des Fanzine-Kuriers lässt sich auf jeden Fall gut downloaden und noch besser stöbern.
Fleischerei Kläffer
Ich bin kein unbedingter Freund der Tierschutzorganisation Peta. Manche ihrer Aktionen sind aber gut - und da ich Vegetarier bin, verbreite ich gewisse Aktionen auch gern weiter.
So gibt es jetzt den schönen Werbefilm der Fleischerei Kläffer. Ein sympathischer Metzger, der uns Zuschauern die Welt ein bisschen klarer macht. Unbedingt angucken, gibt's bei Youtube.
So gibt es jetzt den schönen Werbefilm der Fleischerei Kläffer. Ein sympathischer Metzger, der uns Zuschauern die Welt ein bisschen klarer macht. Unbedingt angucken, gibt's bei Youtube.
23 Juni 2011
Treefight For Sunlight und ihr IndiePop
Die dänische Band Treefight For Sunlight war mir bis vor wenigen Tagen völlig unbekannt. Kein Wunder, denn ihre Art, Pop zu machen ist recht schräg und nicht unbedingt das, was ich sonst ständig anhöre. Doch ich gewann ihre gleichnamige CD bei den warmen Tagen im Mai geradezu lieb ...
Die insgesamt zehn Stücke sind im weitesten Sinne IndiePop, allerdings von der völlig verspielten und zugleich überproduzierten Art. Beim Anhören fühlte ich mich nicht nur einmal an die spinnerten englischen Indie-Bands der 80er Jahre erinnert, an Deep Freeze Mice beispielsweise.
Dann wieder gibt es Stücke, die eher an den verspielten Fantasy-Sound der 70er Jahre erinnern, an das Perlen und Glitzern der Töne und den elfenhaften Gesang – an Bands wie Anyone's Daughter oder Mandala Band. Punk ist das definitiv nicht.
Aber schön ist es, und nach einiger Zeit gehen die Melodien der Band immer besser ins Ohr. Das ist alles ziemlich eigenständig und macht mit dem hohen Gesang irgendwann richtig Spaß; die Bandmitglieder hatten beim Singen und Musizieren sicher oft genug ein völlig verstrahltes Grinsen im Gesicht.
Okay, das ist nicht mehrheitsfähig, und das wird auch nie zu einer Massenmode werden. Cool.
Die insgesamt zehn Stücke sind im weitesten Sinne IndiePop, allerdings von der völlig verspielten und zugleich überproduzierten Art. Beim Anhören fühlte ich mich nicht nur einmal an die spinnerten englischen Indie-Bands der 80er Jahre erinnert, an Deep Freeze Mice beispielsweise.
Dann wieder gibt es Stücke, die eher an den verspielten Fantasy-Sound der 70er Jahre erinnern, an das Perlen und Glitzern der Töne und den elfenhaften Gesang – an Bands wie Anyone's Daughter oder Mandala Band. Punk ist das definitiv nicht.
Aber schön ist es, und nach einiger Zeit gehen die Melodien der Band immer besser ins Ohr. Das ist alles ziemlich eigenständig und macht mit dem hohen Gesang irgendwann richtig Spaß; die Bandmitglieder hatten beim Singen und Musizieren sicher oft genug ein völlig verstrahltes Grinsen im Gesicht.
Okay, das ist nicht mehrheitsfähig, und das wird auch nie zu einer Massenmode werden. Cool.
18 Juni 2011
Wie Spielzeug ...
Es war einer der ungewöhnlicheren Tage meiner eher kurzen »Karriere« als Lokalreporter: An einem feucht-regnerischen Tag im Jahr 1984 kletterten mein Kollege Ulrich, allgemein nur »Fool« genannt, und ich über einen Zaun, der die größte Baustelle von Freudenstadt gegenüber der Außenwelt abschirmte.
Wir wollten Fotos von dieser Baustelle machen, und die Idee war, dies einfach von oben zu tun: Warum sollten wir nicht einfach einen Kran erklettern und von oben herunter fotografieren. Wir waren jung, wir hatten das Abitur hinter uns, wir hatten den Kopf voller Flausen, und wir hatten viel zu wenig Gefahrensinn, um Angst zu entwickeln.
Einer der Arbeiter, der uns aufhielt, gab uns achselzuckend den Weg frei. »Auf euer Risiko«, meinte er nur, »ich übernehme keine Verantwortung.« Dann standen wir vor dem riesengroßen Kran und kletterten die Leiter hoch. Es nieselte, die Metallsprossen waren feucht, aber irgendwann waren wir oben.
Vom Führerhaus konnte man nicht viel sehen, also gingen wir vorsichtig auf einen der Ausleger hinaus. Tapfer hielten wir uns an der mittleren Führungsschiene fest, guckten ebenso tapfer in die Tiefe. Ich hielt Fools Kameratasche, er fotografierte, und dann ging es wieder nach unten.
Als wir am weitesten außerhalb standen, kam meine Mutter aus dem Kaufhaus Peters, das auf der anderen Straßenseite lag. Sie sah uns von unten, ich hatte ihr vorher gesagt, was wir vorhatten – und sie fiel fast um vor Schreck. Von unten sah das ganze supergefährlich aus, von oben empfanden wir es nicht als so.
Die Fotos wurden nett, der Bericht auch. Ob es das Risiko wert war, bezweifle ich. Heute ginge so etwas nicht mehr, heute würde ich mir in die Hosen machen vor Angst. Damals interessierte mich so was nicht ...
(Der Text ist in den Kommentaren zu lesen ... Veröffentlicht wurde der Text am 20. August 1984.)
Wir wollten Fotos von dieser Baustelle machen, und die Idee war, dies einfach von oben zu tun: Warum sollten wir nicht einfach einen Kran erklettern und von oben herunter fotografieren. Wir waren jung, wir hatten das Abitur hinter uns, wir hatten den Kopf voller Flausen, und wir hatten viel zu wenig Gefahrensinn, um Angst zu entwickeln.
Einer der Arbeiter, der uns aufhielt, gab uns achselzuckend den Weg frei. »Auf euer Risiko«, meinte er nur, »ich übernehme keine Verantwortung.« Dann standen wir vor dem riesengroßen Kran und kletterten die Leiter hoch. Es nieselte, die Metallsprossen waren feucht, aber irgendwann waren wir oben.
Vom Führerhaus konnte man nicht viel sehen, also gingen wir vorsichtig auf einen der Ausleger hinaus. Tapfer hielten wir uns an der mittleren Führungsschiene fest, guckten ebenso tapfer in die Tiefe. Ich hielt Fools Kameratasche, er fotografierte, und dann ging es wieder nach unten.
Als wir am weitesten außerhalb standen, kam meine Mutter aus dem Kaufhaus Peters, das auf der anderen Straßenseite lag. Sie sah uns von unten, ich hatte ihr vorher gesagt, was wir vorhatten – und sie fiel fast um vor Schreck. Von unten sah das ganze supergefährlich aus, von oben empfanden wir es nicht als so.
Die Fotos wurden nett, der Bericht auch. Ob es das Risiko wert war, bezweifle ich. Heute ginge so etwas nicht mehr, heute würde ich mir in die Hosen machen vor Angst. Damals interessierte mich so was nicht ...
(Der Text ist in den Kommentaren zu lesen ... Veröffentlicht wurde der Text am 20. August 1984.)
17 Juni 2011
Abwärts und Rom
In den frühen 80er Jahren mochte ich die Band Abwärts, denn sie gehörte zu den wichtigen deutschsprachigen Bands überhaupt. »Amok Koma« war geradezu ein Schlachtruf, und die Stücke von damals finde ich immer noch gut.
Höre ich mir eine Platte wie die CD »Rom« an, die 2007 erschienen ist, jetzt aber erst bei mir landete, bin ich irritiert. Das ist kompetent gespielter Hard- und Deutschrock, das rockt ganz ordentlich, und das Schlagzeug wird stoisch durchgebollert; gelegentlich merkt man die Punkrock-Wurzeln ja auch.
Die Texte erinnern oft an das Jahr 1981, aber eben eher so, als wollte die Band versuchen, krampfhaft an die »gute alte Zeit« anzuknüpfen. Dadurch bleiben sie im Banalen.
Erschreckend an der Platte ist übrigens vor allem, dass das beste Stück eine Cover-Version ist: Abwärts spielen »Caprifischer« in einer modernen Rockversion nach – das ist gut gemacht, aber unterm Strich genauso öde wie die ganze CD.
Höre ich mir eine Platte wie die CD »Rom« an, die 2007 erschienen ist, jetzt aber erst bei mir landete, bin ich irritiert. Das ist kompetent gespielter Hard- und Deutschrock, das rockt ganz ordentlich, und das Schlagzeug wird stoisch durchgebollert; gelegentlich merkt man die Punkrock-Wurzeln ja auch.
Die Texte erinnern oft an das Jahr 1981, aber eben eher so, als wollte die Band versuchen, krampfhaft an die »gute alte Zeit« anzuknüpfen. Dadurch bleiben sie im Banalen.
Erschreckend an der Platte ist übrigens vor allem, dass das beste Stück eine Cover-Version ist: Abwärts spielen »Caprifischer« in einer modernen Rockversion nach – das ist gut gemacht, aber unterm Strich genauso öde wie die ganze CD.
Zugfahrt mit Vampiren
Ich mag die »Dorian Hunter«-Hörspiele; das habe ich an dieser Stelle derart oft gesagt, dass ich mich mittlerweile wiederhole. Aber es ändert nichts daran, dass die Umsetzung der alten »Dämonenkiller«-Heftromane in moderne Hörspiele einfach hervorragend gemacht ist. Dennis Ehrhardt und seine Mitstreiter bei Zaubermond haben's drauf.
Das zeigt sich auch bei der aktuellen Nummer 14, die ein ungewöhnliches Setting aufweist. »Jagd nach Paris« spielt nicht in einer Stadt, zumindest zu einem großen Teil nicht, sondern in einem rasenden Zug sowie im Tunnel unter dem Ärmelkanal. In diesem Umfeld kommt es zum Duell des Dämonenjägers Dorian Hunters und seines Bruders, des Vampirs Frederic de Buer.
Das Duell ist spannend geschildert, und es wurde erfindungsreich in die aktuelle Zeit verlegt. Der ursprüngliche Roman, den ich nicht kenne, kam in den 70er Jahren heraus, und damals waren die Züge noch nicht so modern, von Mobiltelefonen und einem Tunnel zwischen Frankreich und England ganz zu schweigen.
Das macht »Dorian Hunter« eh klasse: Man greift die Geschichten aus vergangenen Jahrzehnten auf und übersetzt sie erfolgreich ins Hier und Heute.
Natürlich sind die Geräusche wieder klasse, ebenso die Sprecher. Jede Szene sitzt, jedes Detail faszinierte mich beim Anhören. Wer zum ersten Mal ein »Dorian Hunter«-Hörspiel im Ohr hat, wird womöglich nicht jedes Detail verstehen, vor allem wegen der Rahmenhandlung – aber wer die Serie einigermaßen kennt, wird erneut mit einem spannenden Abenteuer belohnt.
Klasse!
Das zeigt sich auch bei der aktuellen Nummer 14, die ein ungewöhnliches Setting aufweist. »Jagd nach Paris« spielt nicht in einer Stadt, zumindest zu einem großen Teil nicht, sondern in einem rasenden Zug sowie im Tunnel unter dem Ärmelkanal. In diesem Umfeld kommt es zum Duell des Dämonenjägers Dorian Hunters und seines Bruders, des Vampirs Frederic de Buer.
Das Duell ist spannend geschildert, und es wurde erfindungsreich in die aktuelle Zeit verlegt. Der ursprüngliche Roman, den ich nicht kenne, kam in den 70er Jahren heraus, und damals waren die Züge noch nicht so modern, von Mobiltelefonen und einem Tunnel zwischen Frankreich und England ganz zu schweigen.
Das macht »Dorian Hunter« eh klasse: Man greift die Geschichten aus vergangenen Jahrzehnten auf und übersetzt sie erfolgreich ins Hier und Heute.
Natürlich sind die Geräusche wieder klasse, ebenso die Sprecher. Jede Szene sitzt, jedes Detail faszinierte mich beim Anhören. Wer zum ersten Mal ein »Dorian Hunter«-Hörspiel im Ohr hat, wird womöglich nicht jedes Detail verstehen, vor allem wegen der Rahmenhandlung – aber wer die Serie einigermaßen kennt, wird erneut mit einem spannenden Abenteuer belohnt.
Klasse!
16 Juni 2011
Angriff am Hirschgraben
Ich war mit dem Rad unterwegs, und es war mir klar, dass wir hinterher noch gemeinsam weggehen wollten. Und streng genommen hatte ich nur eine Stunde Zeit – wobei ich großzügig mit »Luft« rechnete. Also strampelte ich wie ein Blöder, um eine möglichst große Strecke bei ordentlichem Tempo zurücklegen zu können.
Wie ein Bekloppter raste ich an Neureut und den folgenden Käffern vorbei, nahm hinter Hochstetten die Kurve und strampelte an der B 36 entlang und dann durch den Wald zurück. Hinter dem Forschungszentrum, auf Höhe des sumpfigen Gewässers, das – so denke ich – als Hirschgraben oder Pfinzentlastungskanal bezeichnet wird, erwischte es mich.
Ich sah noch die Insekten in der Luft, ein dichter Schwarm, der in der Sonne tanzte. Viele Möglichkeiten hatte ich nicht, umdrehen wollte ich nicht, aber ich wollte auch keine Stiche abbekommen. Also strampelte ich nur noch schneller.
Das Ergebnis: Es erwischte nur mein linkes Bein, warum auch immer. Aber das sah hinterher streckenweise aus wie ein Streuselkuchen, ein gutes Dutzend Stiche in eng begrenztem Raum. Eine schöne Erinnerung an eine rasante Radfahrt also ...
Wie ein Bekloppter raste ich an Neureut und den folgenden Käffern vorbei, nahm hinter Hochstetten die Kurve und strampelte an der B 36 entlang und dann durch den Wald zurück. Hinter dem Forschungszentrum, auf Höhe des sumpfigen Gewässers, das – so denke ich – als Hirschgraben oder Pfinzentlastungskanal bezeichnet wird, erwischte es mich.
Ich sah noch die Insekten in der Luft, ein dichter Schwarm, der in der Sonne tanzte. Viele Möglichkeiten hatte ich nicht, umdrehen wollte ich nicht, aber ich wollte auch keine Stiche abbekommen. Also strampelte ich nur noch schneller.
Das Ergebnis: Es erwischte nur mein linkes Bein, warum auch immer. Aber das sah hinterher streckenweise aus wie ein Streuselkuchen, ein gutes Dutzend Stiche in eng begrenztem Raum. Eine schöne Erinnerung an eine rasante Radfahrt also ...
Sick Mormons knallen
Es gibt immer wieder Bands, die von irgendwoher kommen, von denen ich nie zuvor was gehört habe und die ich klasse finde. Ganz aktuell: die Sick Mormons, vier Typen aus Amsterdam, die recht normal aussehen und einen Sound fabrizieren, der mit Hardcore-Punk unzureichend umschrieben ist.
Dafür sind die Stücke schlicht nicht schnell genug, allerdings werden sie mit der entsprechenden Energie und Wut rausgebollert, dass es doch passt. Ich habe zuletzt ihre zweite EP gehört, die den hübschen Titel »why does shit keep falling from the sky« trägt und vier Stücke liefert – allesamt gut, allesamt überzeugend.
Wie es sich gehört, haben die japanischen Titel nichts mit den englischsprachigen Texten zu tun, und natürlich stimmt die Reihenfolge der Titel auch nicht mit der überein, die auf der EP-Hülle draufsteht. Aber was interessiert mich das, wenn eine junge, überraschende Band so ein Gepfeffer abliefert?
Dafür sind die Stücke schlicht nicht schnell genug, allerdings werden sie mit der entsprechenden Energie und Wut rausgebollert, dass es doch passt. Ich habe zuletzt ihre zweite EP gehört, die den hübschen Titel »why does shit keep falling from the sky« trägt und vier Stücke liefert – allesamt gut, allesamt überzeugend.
Wie es sich gehört, haben die japanischen Titel nichts mit den englischsprachigen Texten zu tun, und natürlich stimmt die Reihenfolge der Titel auch nicht mit der überein, die auf der EP-Hülle draufsteht. Aber was interessiert mich das, wenn eine junge, überraschende Band so ein Gepfeffer abliefert?
15 Juni 2011
Flieger über Digne
Rückblick auf die Reise nach Südfrankreich im Juni 2010
Eigentlich war es gar nicht geplant, aber dann bot es sich doch an, in Digne-les-Bains einen Halt einzulegen. Wir waren auf der Rückfahrt von Cannes, und nach mehreren Stunden quer durch das wunderschöne Land, über kurvige Straßen mit beeindruckendem Fernblick, benötigten wir eine Pause.
Digne-les-Bains liegt direkt an der Route Napoléon, wie die Strecke zwischen Südfrankreich und Grenoble genannt wird - der große französische Kaiser zog hier vor gut zweihundert Jahren mit seiner Armee entlang. Eigentlich wussten wir nicht mehr über die Stadt, aber als wir sie durchquerten, sahen wir, dass Markt war.
Das Auto stellten wir in einer Seitenstraße ab, direkt zwischen eher hässlichen Wohnblocks. Von dort aus waren es keine fünfhundert Meter bis zum Place General de Gaulle; wir bummelten an den Marktständen vorbei, schauten uns alles interessiert an, waren aber zu faul und zu müßig, etwas zu kaufen.
Schöner war es, auf der Veranda des nebenan gelegenen Cafés zu sitzen. Wir frühstückten somit sehr spät, es gab Omelette und Getränke, und wir guckten auf den Markt hinunter, schauten uns das gemütliche Leben zwischen den kleinen Ständen an.
Bis wir auf die Idee kamen, mal nach oben zu gucken. Die Stadt liegt in einem Talkessel, sie ist rechts und links von wuchtigen Hügeln umgeben. Und einer davon schien der Ausgangspunkt für mehrere Dutzend Drachenflieger zu sein.
Sie schwebten in mehreren hundert Metern Höhe über unseren Köpfen, ein Ballett aus Eleganz und Stille, aus glitzerndem Metall und bunten Schirmen. Die Drachenflieger, manche nur noch als Punkte zu sehen, so hoch waren sie, schienen in einem eigenen Universum unterwegs zu sein, gleitend in einer beeindruckenden Höhe.
Das war der doppelte Eindruck, den Digne hinterließ: ein kleiner Markt und ein Heer von Fliegern ...
Eigentlich war es gar nicht geplant, aber dann bot es sich doch an, in Digne-les-Bains einen Halt einzulegen. Wir waren auf der Rückfahrt von Cannes, und nach mehreren Stunden quer durch das wunderschöne Land, über kurvige Straßen mit beeindruckendem Fernblick, benötigten wir eine Pause.
Digne-les-Bains liegt direkt an der Route Napoléon, wie die Strecke zwischen Südfrankreich und Grenoble genannt wird - der große französische Kaiser zog hier vor gut zweihundert Jahren mit seiner Armee entlang. Eigentlich wussten wir nicht mehr über die Stadt, aber als wir sie durchquerten, sahen wir, dass Markt war.
Das Auto stellten wir in einer Seitenstraße ab, direkt zwischen eher hässlichen Wohnblocks. Von dort aus waren es keine fünfhundert Meter bis zum Place General de Gaulle; wir bummelten an den Marktständen vorbei, schauten uns alles interessiert an, waren aber zu faul und zu müßig, etwas zu kaufen.
Schöner war es, auf der Veranda des nebenan gelegenen Cafés zu sitzen. Wir frühstückten somit sehr spät, es gab Omelette und Getränke, und wir guckten auf den Markt hinunter, schauten uns das gemütliche Leben zwischen den kleinen Ständen an.
Bis wir auf die Idee kamen, mal nach oben zu gucken. Die Stadt liegt in einem Talkessel, sie ist rechts und links von wuchtigen Hügeln umgeben. Und einer davon schien der Ausgangspunkt für mehrere Dutzend Drachenflieger zu sein.
Sie schwebten in mehreren hundert Metern Höhe über unseren Köpfen, ein Ballett aus Eleganz und Stille, aus glitzerndem Metall und bunten Schirmen. Die Drachenflieger, manche nur noch als Punkte zu sehen, so hoch waren sie, schienen in einem eigenen Universum unterwegs zu sein, gleitend in einer beeindruckenden Höhe.
Das war der doppelte Eindruck, den Digne hinterließ: ein kleiner Markt und ein Heer von Fliegern ...
14 Juni 2011
Kann ich dein Freund sein
Gelegentlich verlinke ich gern auf schöne Youtube-Filmchen, vor allem, wenn sie auch noch was mit meinem eigenen Leben zu tun haben. In diesem Fall geht es um »Can I Be Your Friend«, eine schöne Darstellung von sozialen Netzwerken im realen Leben. Wie sieht es denn eigentlich aus, wenn jemand herumläuft, Wilfremden seine Fotos zeigen will, mit irgendwelchen jungen Frauen eine Freundschaft möchte oder ihnen folgt?
Das alles zeigt ein schöner Youtube-Film, der mehr über aktuelle Freizeitbeschäftigung aussagt, als manchem lieb sein dürfte. Okay, es handelt sich um Werbung, und zwar für die Show »Two Boys« - aber ich habe selten eine so schöne Umsetzung des Fratzenbuches in die wirkliche Welt gesehen.
Das alles zeigt ein schöner Youtube-Film, der mehr über aktuelle Freizeitbeschäftigung aussagt, als manchem lieb sein dürfte. Okay, es handelt sich um Werbung, und zwar für die Show »Two Boys« - aber ich habe selten eine so schöne Umsetzung des Fratzenbuches in die wirkliche Welt gesehen.
11 Juni 2011
Erinnerungen an den Duke
Aus der Presse erfahre ich, dass es einen neuen Teil von »Duke Nukem« gibt. Wer nicht weiß, dass es sich hierbei um ein Computerspiel handelt, hat nicht unbedingt etwas verpasst. Für mich ist es so ziemlich das einzige Computerspiel, das mich richtig gepackt hat – und wer das jetzt psychoanalysieren will, hat sicher viel Spaß.
Ich fand immer, Computerspiele seien doof. Ich guckte da durchaus zu, hatte eine Phase, in der ich »Ballerburg« spielte (so um 1988 herum), eine Phase, in der ich »Tetris« ganz toll fand – und dann war's rum. Ich bekam in den 90er Jahren keine Entwicklung im Computerspiele-Bereich bewusst mit, weil es mich nicht interessierte.
Bis Lars mit »Duke Nukem« ankam. Bis er vor allem damit ankam, dass das Spiel in der WG mit zwei Computern und damit vernetzt zu spielen war. Bis ich zum ersten Mal vor dem Computer saß, die virtuelle Knarre in der Hand, und mich mit Gegnern herumplagte.
»Duke Nukem« apellierte an die niedrigsten Instinkte. Man konnte fliehenden Gegnern in den Rücken schießen, im Nacht-Club zerdepperten wir traditionell erst einmal die Klos, und der eine oder andere schoss erst einmal eine Tänzerin von der Bühne – alles schön stumpf und mit hämischem Gelächter garniert.
Ich war nicht besonders gut in dem Spiel. Wenn wir vernetzt spielten, verlor ich immer. Und nach einiger Zeit verlor ich den Spaß daran. Wenn wir aber »Duke Nukem« spielten, war ich hinterher schweißgebadet und hatte Finger, die vor Anspannung verkrampft waren.
Das war derart unkorrekt, derart jenseits von dem, was »in unseren Kreisen« als korrekt galt, dass es mich wirklich packte. Das ist jetzt mehr als ein Dutzend Jahre her, schätze ich, und meine Erinnerung ist schon recht verschwommen. Aber ich sehe immer noch die bewegten Bilder auf dem Schirm vor mir, und ich sehe mich, wie ich verschwitzt vor dem Bildschirm hocke.
Ganz klar: Ich kaufe mir »Duke Nukem Forever« - so der Titel des neuen Teils – natürlich nicht. Auf meiner lahmen Kiste läuft das nicht; mein Computer ist nicht mehr als eine Schreibmaschine mit Internet-Anschluss. Mehr brauche ich nicht. Aber ein bisschen in den Fingern juckt es mich schon, wieder mit dem Duke durchs Gelände zu rennen.
Ich fand immer, Computerspiele seien doof. Ich guckte da durchaus zu, hatte eine Phase, in der ich »Ballerburg« spielte (so um 1988 herum), eine Phase, in der ich »Tetris« ganz toll fand – und dann war's rum. Ich bekam in den 90er Jahren keine Entwicklung im Computerspiele-Bereich bewusst mit, weil es mich nicht interessierte.
Bis Lars mit »Duke Nukem« ankam. Bis er vor allem damit ankam, dass das Spiel in der WG mit zwei Computern und damit vernetzt zu spielen war. Bis ich zum ersten Mal vor dem Computer saß, die virtuelle Knarre in der Hand, und mich mit Gegnern herumplagte.
»Duke Nukem« apellierte an die niedrigsten Instinkte. Man konnte fliehenden Gegnern in den Rücken schießen, im Nacht-Club zerdepperten wir traditionell erst einmal die Klos, und der eine oder andere schoss erst einmal eine Tänzerin von der Bühne – alles schön stumpf und mit hämischem Gelächter garniert.
Ich war nicht besonders gut in dem Spiel. Wenn wir vernetzt spielten, verlor ich immer. Und nach einiger Zeit verlor ich den Spaß daran. Wenn wir aber »Duke Nukem« spielten, war ich hinterher schweißgebadet und hatte Finger, die vor Anspannung verkrampft waren.
Das war derart unkorrekt, derart jenseits von dem, was »in unseren Kreisen« als korrekt galt, dass es mich wirklich packte. Das ist jetzt mehr als ein Dutzend Jahre her, schätze ich, und meine Erinnerung ist schon recht verschwommen. Aber ich sehe immer noch die bewegten Bilder auf dem Schirm vor mir, und ich sehe mich, wie ich verschwitzt vor dem Bildschirm hocke.
Ganz klar: Ich kaufe mir »Duke Nukem Forever« - so der Titel des neuen Teils – natürlich nicht. Auf meiner lahmen Kiste läuft das nicht; mein Computer ist nicht mehr als eine Schreibmaschine mit Internet-Anschluss. Mehr brauche ich nicht. Aber ein bisschen in den Fingern juckt es mich schon, wieder mit dem Duke durchs Gelände zu rennen.
10 Juni 2011
Paradies in Kribi
Rückblick auf die Kamerun-Reise im November 1999
Je länger meine Reise durch Kamerun zurückliegt, desto stärker fange ich an, die Details in Gedanken zu verwischen und teilweise zu verklären. Schaue ich mir alte Rechnungen, handschriftlich auf »Facture«-Blocks notiert, muss ich mir bereits überlegen, von wann und wo sie sind.
Ich erinnere mich auf jeden Fall noch sehr gern an meinen Aufenthalt in Kribi, der kleinen Stadt im Süden des Landes, direkt an der Küste gelegen. Die Verkehrsmittel waren heftig – kleine Mopeds, die über Holzbrücken und verschlammte Wege rasten –, aber das kleine Hotel im Süden der Stadt fand ich tatsächlich zauberhaft.
Hielt ich mich direkt an der Küste auf, ging es mit den Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit, weil stets ein frischer Wind wehte. Ging ich aber nur einen Kilometer von der Küste weg, lief mir die Brühe in der hohen Luftfeuchtigkeit praktisch ununterbrochen am Körper herunter. Unangenehm war das.
Ich ließ es mir im »Hotel Gael II« gut gehen; ich war mehrere Tage dort und gehörte fast zur Familie. Die anderen Gäste waren ein Italiener mit seiner kamerunischen Frau; wir unterhielten uns in einer Mischung aus Französisch und ein wenig Englisch.
Und ich aß und trank lecker, saß auf der Veranda und blickte über den menschenleeren Sandstrand hinaus aufs Meer. Das Hotel war nicht preiswert, wenn ich mir die »Facture« vom 27. November 1999 anschaue. Ich trank Bier, ich aß eine Pampelmuse, ich trank Café, und der Spaß kostete 1800 CFA, also grob umgerechnet drei Euro; für Einheimische wäre das ein Vermögen. Für mich war's ein Paradies.
Je länger meine Reise durch Kamerun zurückliegt, desto stärker fange ich an, die Details in Gedanken zu verwischen und teilweise zu verklären. Schaue ich mir alte Rechnungen, handschriftlich auf »Facture«-Blocks notiert, muss ich mir bereits überlegen, von wann und wo sie sind.
Ich erinnere mich auf jeden Fall noch sehr gern an meinen Aufenthalt in Kribi, der kleinen Stadt im Süden des Landes, direkt an der Küste gelegen. Die Verkehrsmittel waren heftig – kleine Mopeds, die über Holzbrücken und verschlammte Wege rasten –, aber das kleine Hotel im Süden der Stadt fand ich tatsächlich zauberhaft.
Hielt ich mich direkt an der Küste auf, ging es mit den Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit, weil stets ein frischer Wind wehte. Ging ich aber nur einen Kilometer von der Küste weg, lief mir die Brühe in der hohen Luftfeuchtigkeit praktisch ununterbrochen am Körper herunter. Unangenehm war das.
Ich ließ es mir im »Hotel Gael II« gut gehen; ich war mehrere Tage dort und gehörte fast zur Familie. Die anderen Gäste waren ein Italiener mit seiner kamerunischen Frau; wir unterhielten uns in einer Mischung aus Französisch und ein wenig Englisch.
Und ich aß und trank lecker, saß auf der Veranda und blickte über den menschenleeren Sandstrand hinaus aufs Meer. Das Hotel war nicht preiswert, wenn ich mir die »Facture« vom 27. November 1999 anschaue. Ich trank Bier, ich aß eine Pampelmuse, ich trank Café, und der Spaß kostete 1800 CFA, also grob umgerechnet drei Euro; für Einheimische wäre das ein Vermögen. Für mich war's ein Paradies.
09 Juni 2011
In einer Festschrift
Seit über 15 Jahre bin ich schon Dozent an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel; in diesem Blog habe ich darüber oft genug geschrieben. Die Akademie ist mittlerweile 25 Jahre alt geworden, und dazu gibt es jetzt eine Festschrift, die dieser Tage erschien: 384 Seiten im schicken Paperback-Format.
Unter dem Titel »Die Vergangenheit ist ein Prolog« gibt's haufenweise Beiträge von Autoren und Zeichnern, Theaterleuten und Pädagogen. Unter anderem sind der Autor Andreas Eschbach und die Künstler-Legende F. W. Bernstein vertreten.
Das ist ein Umfeld, in dem ich mich sehr wohl fühle. Denn von mir ist auch ein kurzer Beitrag im Buch: zwar nur zwei Seiten lang, aber immerhin. Ich schreibe über »15 Jahre mit Science Fiction«, was mir angebracht erschien.
Unter dem Titel »Die Vergangenheit ist ein Prolog« gibt's haufenweise Beiträge von Autoren und Zeichnern, Theaterleuten und Pädagogen. Unter anderem sind der Autor Andreas Eschbach und die Künstler-Legende F. W. Bernstein vertreten.
Das ist ein Umfeld, in dem ich mich sehr wohl fühle. Denn von mir ist auch ein kurzer Beitrag im Buch: zwar nur zwei Seiten lang, aber immerhin. Ich schreibe über »15 Jahre mit Science Fiction«, was mir angebracht erschien.
08 Juni 2011
Comics, die ich besprach
Immer wieder stelle ich auf der PERRY RHODAN-Homepage auch Comics vor. Meist sind sie aus dem phantastischen Umfeld, aber nicht immer. Heute mal eine kleine Übersicht zu einigen Besprechungen der letzten Zeit.
Unter der Überschrift »Mystisch-grausiges Mittelalter in einem tollen Comic« nahm ich mir den tollen Fantasy-Dreiteiler »Gefährten der Dämmerung« vor. Als das Epos vor gut zwanzig Jahren zum ersten Mal in deutscher Sprache erschien, fand ich's schon klasse – und jetzt ist es bei Splitter noch besser.
Komplett anders gelagert ist die Serie »Horst«, die ich unter »Ein Hase wird zum Comic-Helden« vorstellte. Die Abenteuer des rammelnden Hasen erschienen früher als Hefte im Verlag Schwarzer Turm und jetzt als schicke Paperbacks bei Panini – wunderbar und witzig zugleich!
Als »Eine zum Heulen schöne Graphic Novel« bezeichnete ich »Oh, diese Mädchen!«: ein ziemlich toller Comic, der als kleinformatiges Buch im Splitter-Verlag erschienen ist. Im Prinzip ein moderner Film in Comic-Form, meinetwegen auch so was wie ein halbwegs anspruchsvoller Roman der Gattung Popliteratur.
»Einer der besten SF-Comics als Gesamtpaket«, so meine Überschrift ist tatsächlich die Serie »Valerian und Veronique« des Zeichners Jean-Claude Mézières und des Autors Pierre Christin. Ich finde die seit den späten 70er Jahren gut, und ich finde die Neuauflage im Carlsen-Verlag trotz einiger Probleme klasse; so etwas mag ich sehr!
Unter der Überschrift »Historisch-phantastische Geschichte um ein altes Geheimnis« besprach ich die zwei Bände der »Kapuzinerschule«. Der Comic spielt in der Mitte des 19. Jahrhunderts – schön geheimnisvoll und spannend, dazu toll gezeichnet.
Als »Melancholische Graphic Novel« stufte ich den Comic »Wilson« ein, der im Eichborn-Verlag erschien. Wer mag, kann das Werk eh als eine literarische Auseinandersetzung mit einem Menschen einstufen, der in sich gebrochen und dadurch ziemlich neurotisch ist.
Unter der Überschrift »Mystisch-grausiges Mittelalter in einem tollen Comic« nahm ich mir den tollen Fantasy-Dreiteiler »Gefährten der Dämmerung« vor. Als das Epos vor gut zwanzig Jahren zum ersten Mal in deutscher Sprache erschien, fand ich's schon klasse – und jetzt ist es bei Splitter noch besser.
Komplett anders gelagert ist die Serie »Horst«, die ich unter »Ein Hase wird zum Comic-Helden« vorstellte. Die Abenteuer des rammelnden Hasen erschienen früher als Hefte im Verlag Schwarzer Turm und jetzt als schicke Paperbacks bei Panini – wunderbar und witzig zugleich!
Als »Eine zum Heulen schöne Graphic Novel« bezeichnete ich »Oh, diese Mädchen!«: ein ziemlich toller Comic, der als kleinformatiges Buch im Splitter-Verlag erschienen ist. Im Prinzip ein moderner Film in Comic-Form, meinetwegen auch so was wie ein halbwegs anspruchsvoller Roman der Gattung Popliteratur.
»Einer der besten SF-Comics als Gesamtpaket«, so meine Überschrift ist tatsächlich die Serie »Valerian und Veronique« des Zeichners Jean-Claude Mézières und des Autors Pierre Christin. Ich finde die seit den späten 70er Jahren gut, und ich finde die Neuauflage im Carlsen-Verlag trotz einiger Probleme klasse; so etwas mag ich sehr!
Unter der Überschrift »Historisch-phantastische Geschichte um ein altes Geheimnis« besprach ich die zwei Bände der »Kapuzinerschule«. Der Comic spielt in der Mitte des 19. Jahrhunderts – schön geheimnisvoll und spannend, dazu toll gezeichnet.
Als »Melancholische Graphic Novel« stufte ich den Comic »Wilson« ein, der im Eichborn-Verlag erschien. Wer mag, kann das Werk eh als eine literarische Auseinandersetzung mit einem Menschen einstufen, der in sich gebrochen und dadurch ziemlich neurotisch ist.
07 Juni 2011
Mit den Skeezicks im Raum
Es musste ja endlich so weit kommen: In meinem Fortsetzungsroman »Und: Hardcore!«, der seit einigen Jahren im OX-Fanzine erscheint, gibt es jetzt eine Begegnung mit real existierenden Menschen. (Traurig ist ja, dass einer von diesen Personen bereits nicht mehr lebt.) Der Held meines Fortsetzungsromans trifft nämlich in Nagold auf die Band Skeezicks, die damals die Hardcore-Fahne sehr hoch hängte.
Es ist die Folge 32 meines Fortsetzungsromans, und zumindest auf einer Handlungsebene geht es jetzt rasch voran: Ich meine damit die emotionalen Verwicklungen meines Helden ... die anderen Probleme, die er so hat, müssen sich im Lauf der Zeit noch lösen. Aber da muss ich eine Reihe von Fortsetzungen schreiben, bis ich soweit bin.
Es ist die Folge 32 meines Fortsetzungsromans, und zumindest auf einer Handlungsebene geht es jetzt rasch voran: Ich meine damit die emotionalen Verwicklungen meines Helden ... die anderen Probleme, die er so hat, müssen sich im Lauf der Zeit noch lösen. Aber da muss ich eine Reihe von Fortsetzungen schreiben, bis ich soweit bin.
The Rudes zwischen Rock und Punk
Die Band The Rudes stammt irgendwo aus dem Raum Niederbayern und besteht aus fünf jungen Männern, die sehr normal aussehen; ihre zweite CD heißt »Elevator Up«, kam im April 2011 raus und lässt sich so richtig gut anhören. Dabei ist das Gebotene nicht gerade schreiend originell – die Band pendelt ein bisschen unentschlossen zwischen melodischem Punkrock und stinknormaler Rock-Musik hin und her.
Die englischen Texte sind okay, die Musik auch: Das Tempo ist gemäßigt, die Aufnahmen sind professionell, und der Sound ist letztlich so angelegt, dass er niemandem so richtig wehtun dürfte. Sauberes Schlagzeug, gelegentlich ein bisschen Gitarrengedudel, eine rockig klingende Stimme darüber – das alles ist einerseits überzeugend, haut mich aber nicht komplett um.
Vielleicht liegt es daran, dass ich ähnliche Musik schon zu oft gehört habe, vielleicht auch, weil es unterm Strich zu kompakt und professionell klingt. Die Burschen können's, das ist eindeutig, und mich würde interessieren, wie das live funktioniert. Manchmal spielen sie die Stücke schließlich ungestüm genug, dass ich das auf einer Bühne sicher geil fände.
Das Label hat mit der Band auf jeden Fall ein ordentliches Pferd im Stall; die Musik ist ja tatsächlich zeitlos. Bingo.
Die englischen Texte sind okay, die Musik auch: Das Tempo ist gemäßigt, die Aufnahmen sind professionell, und der Sound ist letztlich so angelegt, dass er niemandem so richtig wehtun dürfte. Sauberes Schlagzeug, gelegentlich ein bisschen Gitarrengedudel, eine rockig klingende Stimme darüber – das alles ist einerseits überzeugend, haut mich aber nicht komplett um.
Vielleicht liegt es daran, dass ich ähnliche Musik schon zu oft gehört habe, vielleicht auch, weil es unterm Strich zu kompakt und professionell klingt. Die Burschen können's, das ist eindeutig, und mich würde interessieren, wie das live funktioniert. Manchmal spielen sie die Stücke schließlich ungestüm genug, dass ich das auf einer Bühne sicher geil fände.
Das Label hat mit der Band auf jeden Fall ein ordentliches Pferd im Stall; die Musik ist ja tatsächlich zeitlos. Bingo.
06 Juni 2011
California Ueber Alles
Der Sonntag, 5. Juni 2011, war der erste Sonntag im Monat. Das hieß, dass ich Radio zu machen hatte – was ich nach wie vor gern tu'. Also pilgerte ich an diesem Abend in das schwülwarme Studio des Freien Radios Querfunk und lieferte eine Stunde ENPUNKT-Radio ab, live selbstverständlich.
Thema war dieses Mal Kalifornien, und ich setzte ein wenig auf Nummer sicher, indem ich bekannte MelodyCore-Bands wie NoFX oder Good Riddance spielte; dazu kam mal wieder Green Day, die ich tatsächlich nach all den Jahren immer noch mag. Unbekannter waren die ebenfalls »melodischen« Big Drill Car.
Mit Jello Biafra & The Guantanamo School Of Medicine brachte ich einen Punkrock-Altmeister mit seiner aktuellen Band, mit D.I. eine weitere Band aus der Frühzeit des kalifornischen Punks. Und damit die Zuhörer ein wenig verwirrt wurden, gab's noch Wave von Wall Of Voodoo zum Abschluss; danach klang die Jazz-Sendung sicher witzig.
Thema war dieses Mal Kalifornien, und ich setzte ein wenig auf Nummer sicher, indem ich bekannte MelodyCore-Bands wie NoFX oder Good Riddance spielte; dazu kam mal wieder Green Day, die ich tatsächlich nach all den Jahren immer noch mag. Unbekannter waren die ebenfalls »melodischen« Big Drill Car.
Mit Jello Biafra & The Guantanamo School Of Medicine brachte ich einen Punkrock-Altmeister mit seiner aktuellen Band, mit D.I. eine weitere Band aus der Frühzeit des kalifornischen Punks. Und damit die Zuhörer ein wenig verwirrt wurden, gab's noch Wave von Wall Of Voodoo zum Abschluss; danach klang die Jazz-Sendung sicher witzig.
05 Juni 2011
Die Affäre Saint-Fiacre
Dass ich die Romane von Georges Simenon mag, erzähle ich nicht zum ersten Mal. Zuletzt las ich »Maigret und die Affäre Saint-Fiacre«. Das war wieder einmal ein »besonderer« Roman mit dem Kommissar aus Paris in der Hauptrolle – der Roman spielt nämlich nicht in Paris oder sonst einer Großstadt, sondern auf dem Land, mitten im dörflichen Frankreich.
In dem Roman erfährt der Leser mehr über Maigret als in den Romanen zuvor. Es ist eine Reise in die Vergangenheit des Helden, dessen Vater im Schloss Saint-Fiacre als Verwalter tätig war. Eigentlich will Maigret nur die Stätten seiner Kindheit und Jugend besuchen, als er unversehens in einen Mordfall verwickelt wird.
Es ist wenig sinnvoll, an dieser Stelle die Details des Falles zu erläutern. Das schafft Simenon gleich zu Beginn seines gerade mal 171 Seiten starken Romans in einer einzigen Szene. Danach aber beginnen sowohl der Autor als auch der Kommissar mit der Ermittlungsarbeit. Dabei steigt man als Leser in Maigrets Vergangenheit ein und bekommt noch eine tüchtige Prise an Gesellschaftsbildern vermittelt.
Der Roman lebt streckenweise von Maigrets Versuchen, seine eigene Vergangenheit mit der trüben Gegenwart in Verbindung zu bringen. Die Schlossherrin ist pleite, der Verwalter musste in den Jahren zuvor zahlreiche Güter verkaufen, und Saint-Fiacre junior bringt das Geld mit irgendwelchen Lebedamen in der nahe gelegenen Stadt durch. Über allem hängt eine Atmosphäre der Trostlosigkeit und des Verfalls.
Als Leser taucht man in diese trostlose Atmosphäre ein; die Handlung ist nicht witzig, sondern macht eher einen trüben Eindruck. Trotzdem fängt einen dieser Stil, packt zumindest mich diese Darstellung. Das ist kein lustiger Hauruck-Krimi, sondern eine realistische Darstellung eines Provinzkaffs im Niedergang.
Ein starker Roman. Wieder einmal. Ich freue mich auf den nächsten Maigret!
In dem Roman erfährt der Leser mehr über Maigret als in den Romanen zuvor. Es ist eine Reise in die Vergangenheit des Helden, dessen Vater im Schloss Saint-Fiacre als Verwalter tätig war. Eigentlich will Maigret nur die Stätten seiner Kindheit und Jugend besuchen, als er unversehens in einen Mordfall verwickelt wird.
Es ist wenig sinnvoll, an dieser Stelle die Details des Falles zu erläutern. Das schafft Simenon gleich zu Beginn seines gerade mal 171 Seiten starken Romans in einer einzigen Szene. Danach aber beginnen sowohl der Autor als auch der Kommissar mit der Ermittlungsarbeit. Dabei steigt man als Leser in Maigrets Vergangenheit ein und bekommt noch eine tüchtige Prise an Gesellschaftsbildern vermittelt.
Der Roman lebt streckenweise von Maigrets Versuchen, seine eigene Vergangenheit mit der trüben Gegenwart in Verbindung zu bringen. Die Schlossherrin ist pleite, der Verwalter musste in den Jahren zuvor zahlreiche Güter verkaufen, und Saint-Fiacre junior bringt das Geld mit irgendwelchen Lebedamen in der nahe gelegenen Stadt durch. Über allem hängt eine Atmosphäre der Trostlosigkeit und des Verfalls.
Als Leser taucht man in diese trostlose Atmosphäre ein; die Handlung ist nicht witzig, sondern macht eher einen trüben Eindruck. Trotzdem fängt einen dieser Stil, packt zumindest mich diese Darstellung. Das ist kein lustiger Hauruck-Krimi, sondern eine realistische Darstellung eines Provinzkaffs im Niedergang.
Ein starker Roman. Wieder einmal. Ich freue mich auf den nächsten Maigret!
04 Juni 2011
Lecker beim Hammer
»Hammer's Restaurant« schreibt sich wirklich so, und das Logo des Gasthauses will ich erst gar nicht kommentieren; eigentlich wäre das ein Grund gewesen, die Räumlichkeiten nicht zu betreten. Aber dann hätte ich ja etwas verpasst – und das hatte ich im voraus schon gewusst.
Das Restaurant genießt einen hervorragenden Ruf, nicht nur in Karlsruhe, sondern weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Erwähnungen in internationalen Gastronomieführern sowie in Fachzeitschriften gehören für das Restaurant dazu.
Wir waren zu viert, und jeder wählte eigene Schwerpunkte – und alle waren zufrieden. Auf der Speisekarten sind keine vegetarischen Gerichte aufgeführt. Wer fragt, bekommt aber dennoch etwas sehr leckeres; in meinem Fall ein Gericht mit Spargel, in einer Zubereitungsart, wie ich das noch nie gegessen hatte.
Die anderen hatten Fleisch- oder Fischgerichte und äußerten sich alle lobend. Ebenso hervorragend waren die Beilagen, der Salat, das Dessert oder auch die Weine; alles in allem gab es nichts zu meckern, nicht einmal eine Chance dazu blieb.
Ebenso gut die Bedienung: Die beiden Herren waren charmant und witzig, berieten fachgerecht beim Wein und waren stets aufmerksam zur Stelle. Dass das ganze seinen Preis hatte, dürfte niemanden verwundern – ich war aber der Ansicht, dass die Menüs unterm Strich sogar preisgünstig waren.
Gerne mal wieder!, dann im Freien. Und ich bin dann bitteschön nicht der Trottel, der fahren muss.
Das Restaurant genießt einen hervorragenden Ruf, nicht nur in Karlsruhe, sondern weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Erwähnungen in internationalen Gastronomieführern sowie in Fachzeitschriften gehören für das Restaurant dazu.
Wir waren zu viert, und jeder wählte eigene Schwerpunkte – und alle waren zufrieden. Auf der Speisekarten sind keine vegetarischen Gerichte aufgeführt. Wer fragt, bekommt aber dennoch etwas sehr leckeres; in meinem Fall ein Gericht mit Spargel, in einer Zubereitungsart, wie ich das noch nie gegessen hatte.
Die anderen hatten Fleisch- oder Fischgerichte und äußerten sich alle lobend. Ebenso hervorragend waren die Beilagen, der Salat, das Dessert oder auch die Weine; alles in allem gab es nichts zu meckern, nicht einmal eine Chance dazu blieb.
Ebenso gut die Bedienung: Die beiden Herren waren charmant und witzig, berieten fachgerecht beim Wein und waren stets aufmerksam zur Stelle. Dass das ganze seinen Preis hatte, dürfte niemanden verwundern – ich war aber der Ansicht, dass die Menüs unterm Strich sogar preisgünstig waren.
Gerne mal wieder!, dann im Freien. Und ich bin dann bitteschön nicht der Trottel, der fahren muss.
03 Juni 2011
Mal wieder Minipressen-Messe
Irgendwann in den 80er Jahren war ich zum ersten Mal in Mainz, wo ich die Minipressen-Messe besuchte. Zwischendurch war ich immer mal wieder da, teils mit eigenem Stand, teils ohne; mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen und den unterschiedlichsten Zielen. Am heutigen Freitag, 3. Juni, war's eine Mischung aus privat und beruflich – wie so oft in letzter Zeit.
So viel hat sich seit den 80er Jahren nicht verändert: Wie damals stehen die zwei großen Zelte am Flussufer, und wie damals tummelt sich eine seltsame Mischung aus Kleinverlagen und Handpressen in den Zelten. Da finden sich künstlerische Miniverlage neben Esoterik-Heinis, ambitionierte Lyriker neben Regionalika.
Und selbstverständlich sind das optische wie auch das inhaltliche Niveau höchst unterschiedlich. Nicht jeder Kleinverlag ist gut, und nicht jeder Kleinverlag ist wirklich so ambitioniert, wie seine Macher meinen.
Ich kaufte dennoch einige Bücher ein. Bei manchen der kleinen Verlage genügte es mir, das Prospekt mitzunehmen; diese Titel kann ich später auch ganz regulär im Buchhandel bestellen. Bei anderen kaufte ich vor Ort, Titel eben, die mich spontan ansprachen.
Ob sich der Besuch in Mainz gelohnt hat? Das lässt sich nicht so einfach sagen. Ich hatte gute Gespräche mit dem Autorenkollegen Christian Humberg, von daher hat es sich gelohnt. Und ich sammelte einige neue Eindrücke, bestätigte alte Eindrücke und kaufte schön ein – alles in allem ein schöner Tagesausflug in eine schöne Stadt.
So viel hat sich seit den 80er Jahren nicht verändert: Wie damals stehen die zwei großen Zelte am Flussufer, und wie damals tummelt sich eine seltsame Mischung aus Kleinverlagen und Handpressen in den Zelten. Da finden sich künstlerische Miniverlage neben Esoterik-Heinis, ambitionierte Lyriker neben Regionalika.
Und selbstverständlich sind das optische wie auch das inhaltliche Niveau höchst unterschiedlich. Nicht jeder Kleinverlag ist gut, und nicht jeder Kleinverlag ist wirklich so ambitioniert, wie seine Macher meinen.
Ich kaufte dennoch einige Bücher ein. Bei manchen der kleinen Verlage genügte es mir, das Prospekt mitzunehmen; diese Titel kann ich später auch ganz regulär im Buchhandel bestellen. Bei anderen kaufte ich vor Ort, Titel eben, die mich spontan ansprachen.
Ob sich der Besuch in Mainz gelohnt hat? Das lässt sich nicht so einfach sagen. Ich hatte gute Gespräche mit dem Autorenkollegen Christian Humberg, von daher hat es sich gelohnt. Und ich sammelte einige neue Eindrücke, bestätigte alte Eindrücke und kaufte schön ein – alles in allem ein schöner Tagesausflug in eine schöne Stadt.
02 Juni 2011
Franz K. jammern öffentlich
Es gibt einfach richtig peinliche Platten, und eine davon kam dieser Tage von Franz K. raus. Wer die Band nicht kennt, ist wahrscheinlich zu jung. In den 70er Jahren machten sie mit »Bock auf Rock« so Lindenberg-mäßig die Rock-Musik hierzulande populär, in den 80er Jahre gerieten sie in Vergessenheit, seit einigen Jahren sind sie wieder unterwegs.
Die aktuelle Single, die ich geschickt bekam, heißt »Meine D-Mark«, und darin geht es darum, dass der Ich-Erzähler die D-Mark zurück möchte. »Meine D-Mark will ich zurück« wird gesungen, weil ja früher alles besser und billiger war und sich die Banken das ganze Geld unter den Nagel reißen.
Das ist nicht mal Sozialkritik, das ist plumpes Sozialgejammer auf dem Niveau schlechter – nicht guter! – BILD-Artikel. Musikalisch ist die Mischung aus harmlos-langsamem Alte-Männer-Rock so aufregend wie die Volksmusik-Hitparade, und der Gesang zu dem »deeeemaaahk« schunkelt durch die Gegend wie bei irgendeinem Schlagerfuzzi.
Schon seltsam, was heutzutage als »bodenständige Gitarren-Rockmusik« (so das Info) verkauft wird. Und gleichzeitig zum Schreien komisch ...
Die aktuelle Single, die ich geschickt bekam, heißt »Meine D-Mark«, und darin geht es darum, dass der Ich-Erzähler die D-Mark zurück möchte. »Meine D-Mark will ich zurück« wird gesungen, weil ja früher alles besser und billiger war und sich die Banken das ganze Geld unter den Nagel reißen.
Das ist nicht mal Sozialkritik, das ist plumpes Sozialgejammer auf dem Niveau schlechter – nicht guter! – BILD-Artikel. Musikalisch ist die Mischung aus harmlos-langsamem Alte-Männer-Rock so aufregend wie die Volksmusik-Hitparade, und der Gesang zu dem »deeeemaaahk« schunkelt durch die Gegend wie bei irgendeinem Schlagerfuzzi.
Schon seltsam, was heutzutage als »bodenständige Gitarren-Rockmusik« (so das Info) verkauft wird. Und gleichzeitig zum Schreien komisch ...
01 Juni 2011
Ein Traum vom Schnee
Mit meiner Lebensgefährtin war ich im Urlaub. Warum wir uns Mallorca ausgesucht hatten, wusste ich nicht. Aber ich genoss es, durch den Schnee der Insel zu stapfen. Die Sonne hing grell am Himmel und schien auf die Schnee- und Eisfelder herab; die Luft war frisch und kalt.
Wir gingen auf eine Hügelkuppe zu; flache Häuser standen hinter mit Schnee bedeckten Zypressen. Mein Atem ging schwer, als ich den Hügel bewältigte, und während ich ging, ließ ich meinen Blick schweifen. Überall standen Häuser in den Senken, Menschen standen vor der Tür, als seien sie erfroren.
Von der Hügelkuppe aus bot sich ein sensationeller Anblick: Im Hintergrund sahen wir die eisbedeckten Gipfel der Alpen wie eine graue Mauer, und zu unseren Füßen schlug das Mittelmeer gegen den vereisten Strand. Kinder lieferten sich eine Schneeballschlacht.
Mallorca ist ja gar nicht so hässlich, dachte ich. Und dann wachte ich auf.
Wir gingen auf eine Hügelkuppe zu; flache Häuser standen hinter mit Schnee bedeckten Zypressen. Mein Atem ging schwer, als ich den Hügel bewältigte, und während ich ging, ließ ich meinen Blick schweifen. Überall standen Häuser in den Senken, Menschen standen vor der Tür, als seien sie erfroren.
Von der Hügelkuppe aus bot sich ein sensationeller Anblick: Im Hintergrund sahen wir die eisbedeckten Gipfel der Alpen wie eine graue Mauer, und zu unseren Füßen schlug das Mittelmeer gegen den vereisten Strand. Kinder lieferten sich eine Schneeballschlacht.
Mallorca ist ja gar nicht so hässlich, dachte ich. Und dann wachte ich auf.
31 Mai 2011
Fit mit Roberto
Es ist mit die absurdeste Werbung, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Mir fiel sie zuerst auf der Rückseite eines Bastei-Heftromans auf, sie kann aber auch im Internet begutachtet werden.
»Ein bisschen Spaß muss sein« steht als Zitat auf der Anzeige, unterschrieben von Roberto Blanco, dem Schlagersänger, dessen große Erfolge in den 70er Jahren lagen. Auf dem Bild ist er mit einer Blondine zu sehen, er hält ein Fläschchen hoch. Es geht um »Premium-Produkte zur Steigerung von Lust & Ausdauer«, und diese werden »von Roberto Blanco« empfohlen.
Zur Qualität des Produktes kann ich nichts sagen, aber die geistige Verbindung finde ich schon lustig: Ein Mann mit schwarzer Haut wird mit einem Versprechung auf gesteigerte Lust verbunden. Ist das jetzt sexistisch oder rassistisch? Fragen über Fragen ...
»Ein bisschen Spaß muss sein« steht als Zitat auf der Anzeige, unterschrieben von Roberto Blanco, dem Schlagersänger, dessen große Erfolge in den 70er Jahren lagen. Auf dem Bild ist er mit einer Blondine zu sehen, er hält ein Fläschchen hoch. Es geht um »Premium-Produkte zur Steigerung von Lust & Ausdauer«, und diese werden »von Roberto Blanco« empfohlen.
Zur Qualität des Produktes kann ich nichts sagen, aber die geistige Verbindung finde ich schon lustig: Ein Mann mit schwarzer Haut wird mit einem Versprechung auf gesteigerte Lust verbunden. Ist das jetzt sexistisch oder rassistisch? Fragen über Fragen ...
30 Mai 2011
Neues aus deutschen Landen
Wenn der Monat einen fünften Sonntag aufweist, muss ich ins Studio; dann schlägt die Zeit fürs ENPUNKT-Radio. So auch am Sonntag, 29. Mai 2011, wo ich ein »faules Thema« wählte: Es ging um Punk und Hardcore aus deutschen Landen – und das waren zumeist aktuelle Bands.
Thematisch ging es kunterbunt durcheinander. So hatte ich mit Lousy aus Chemnitz, den Eastside Boys aus Dresden und den Ruckers aus Berlin gleich drei Bands, die sich dem Oi!-Punk verschrieben hatten – gutes Gerumpel also.
Eher hardcorig klangen hingegen Godzilla Was A Friend Of Mine oder Ehrenmord, während La Confianza schon in den Crossover-Bereich wechselten. Und damit's mir nicht zu langweilig wurde, gab's mit den Mad Monks noch flotten Skapunk und mit Supabond richtig geilen Punkrock mit Frauengesang.
Thematisch ging es kunterbunt durcheinander. So hatte ich mit Lousy aus Chemnitz, den Eastside Boys aus Dresden und den Ruckers aus Berlin gleich drei Bands, die sich dem Oi!-Punk verschrieben hatten – gutes Gerumpel also.
Eher hardcorig klangen hingegen Godzilla Was A Friend Of Mine oder Ehrenmord, während La Confianza schon in den Crossover-Bereich wechselten. Und damit's mir nicht zu langweilig wurde, gab's mit den Mad Monks noch flotten Skapunk und mit Supabond richtig geilen Punkrock mit Frauengesang.
29 Mai 2011
Abgeschottetes Leben?
Früher habe ich in Gesprächen immer von der »kleinen Welt« geredet, in der ich mich vorzugsweise bewege, eine Welt, in der es Punks und vernünftige Skins, Hardcore-Kids und Autonome gibt, in der man zwar Berührungen zur »normalen Welt« hat, weil man in dieser ja sein Geld verdienen muss, diese aber komplett ablehnt. Das war eigentlch schön bequem, weil es klare Feindbilder schuf.
In den letzten Jahren wurde ich sehr bürgerlich. Gehe ich privat aus, bin ich häufig mit Pädagogen und anderen gebildeten Menschen unterwegs.
In meinem sozialen Umfeld redet man über Politik und Literatur, und der Müll wird anständig getrennt. Ich bin also längst im bürgerlichen Mittelstand angekommen.
Man muss nur an einem durchschnittlichen Samstag abend in die Innenstadt von Karlsruhe gehen,um zu erkennen, wie weit weg man von der Masse der Gesellschaft sein kann. Schlecht tätowierte Muskelmänner, hysterisch lachende Dauerwellen-Fregatten, beides in Gruppen, dazwischen Heerscharen betrunkener Junggesellen-Abschiede ... Himmel hilf.
Mir war nicht bewusst, wie sehr ich schon normal geworden bin. Oder wie weit ich tatsächlich von anderen Leuten weg bin. Mein Leben kam mir auf einmal ebenso abgeschottet und fern der Realität vor wie 1989 oder 1992, als ich mich ausschließlich in Punkrockstadt und Hardcorehausen bewegte ...
»Back To The Roots« habe ich mir damals anders vorgestellt.
In den letzten Jahren wurde ich sehr bürgerlich. Gehe ich privat aus, bin ich häufig mit Pädagogen und anderen gebildeten Menschen unterwegs.
In meinem sozialen Umfeld redet man über Politik und Literatur, und der Müll wird anständig getrennt. Ich bin also längst im bürgerlichen Mittelstand angekommen.
Man muss nur an einem durchschnittlichen Samstag abend in die Innenstadt von Karlsruhe gehen,um zu erkennen, wie weit weg man von der Masse der Gesellschaft sein kann. Schlecht tätowierte Muskelmänner, hysterisch lachende Dauerwellen-Fregatten, beides in Gruppen, dazwischen Heerscharen betrunkener Junggesellen-Abschiede ... Himmel hilf.
Mir war nicht bewusst, wie sehr ich schon normal geworden bin. Oder wie weit ich tatsächlich von anderen Leuten weg bin. Mein Leben kam mir auf einmal ebenso abgeschottet und fern der Realität vor wie 1989 oder 1992, als ich mich ausschließlich in Punkrockstadt und Hardcorehausen bewegte ...
»Back To The Roots« habe ich mir damals anders vorgestellt.
Kein sturer Blick nach 1979
Seit etwa 2003 gibt's die Band Front, die ich in all den Jahren nie gesehen habe. Das sollte ich endlich mal ändern, denn einen schlechten Tonträger habe ich von den aus Wiesbaden, Mainz und Umgebung stammenden Burschen noch nie gehört. Das belegt auch die aktuelle LP »Zur Lage der Automation«, die 2010 rauskam.
Man orientiert sich musikalisch an alten Bands der späten 70er Jahre, vor allem Erinnerungen an Male werden wach, und mit »Risikofaktor« wird sogar ein Stück der Punk-Klassiker gecovert. Dabei bleiben Front aber nicht auf der Ebene der Nachahmer stehen; sie interpretieren den alten Sound und bringen ihn rein musikalisch in die Neuzeit. Was herauskommt, ist hektisch und treibend, von einem hektischen Schlagzeug angetrieben und vom Stakkato-Gesang des Sängers beherrscht – starke Mischung.
Dazu die Texte, die ziemlich schlau und zugleich rotzig sind. Wer über »Prada Meinhof« singt oder »Zur Lage der Automation« so Begriffe wie »Pop-Up« und »Twitter« ganz selbstverständlich aufgreift, schafft es auch, den Bogen aus den späten 70ern in die heutige Zeit zu schlagen.
Saugute Platte. Saucoole Band.
Man orientiert sich musikalisch an alten Bands der späten 70er Jahre, vor allem Erinnerungen an Male werden wach, und mit »Risikofaktor« wird sogar ein Stück der Punk-Klassiker gecovert. Dabei bleiben Front aber nicht auf der Ebene der Nachahmer stehen; sie interpretieren den alten Sound und bringen ihn rein musikalisch in die Neuzeit. Was herauskommt, ist hektisch und treibend, von einem hektischen Schlagzeug angetrieben und vom Stakkato-Gesang des Sängers beherrscht – starke Mischung.
Dazu die Texte, die ziemlich schlau und zugleich rotzig sind. Wer über »Prada Meinhof« singt oder »Zur Lage der Automation« so Begriffe wie »Pop-Up« und »Twitter« ganz selbstverständlich aufgreift, schafft es auch, den Bogen aus den späten 70ern in die heutige Zeit zu schlagen.
Saugute Platte. Saucoole Band.
28 Mai 2011
Bunter, knalliger Bilderreigen
Ich bekenne, dass ich Fan der »Fluch der Karibik«-Reihe bin. Klar handelt es sich hier um kommerzielles Hollywood-Kino und um nichts anderes als um eine Disney-Verarbeitung, aber die ersten drei Teile unterhielten mich wunderbar. Ohne Johnny Depps Verkörperung des Captains Jack Sparrow hätte ich allerdings sicher nicht so viel Spaß daran gefunden.
Gestern schauten wir uns jetzt den aktuellen Teil an. »Fremde Gezeiten« greift Motive des tollen Romans »In fremden Gezeiten« auf, der von dem Schriftsteller Tim Powers stammt. Powers ist hierzulande leider ziemlich untergegangen, dabei hatten alle Romane, die ich von ihm las, richtig tolle phantastische Elemente – leider ist nur ein Bruchteil davon in den Kinofilm übergeflossen.
Gelungen war das ganze dennoch: Die kunterbunte Jagd von England aus und über den Ozean sowie die Suche nach der Quelle der Ewigen Jugend – das war alles toll in Szene gesetzt. Die Meerjungfrauen und der Kampf gegen sie war ein Höhepunkt des Films, auch sonst wurde nicht an gelungenen Szenen gespart.
Der »boah ey«-Effekt des ersten Teils wird sich nie wieder herstellen lassen. Aber die Macher der Reihe schafften es auch bei der vierten Ausgabe, zumindest mich sehr gut zu unterhalten. Und das ist nach einer anstrengenden Arbeitswoche nicht das schlechteste ...
Gestern schauten wir uns jetzt den aktuellen Teil an. »Fremde Gezeiten« greift Motive des tollen Romans »In fremden Gezeiten« auf, der von dem Schriftsteller Tim Powers stammt. Powers ist hierzulande leider ziemlich untergegangen, dabei hatten alle Romane, die ich von ihm las, richtig tolle phantastische Elemente – leider ist nur ein Bruchteil davon in den Kinofilm übergeflossen.
Gelungen war das ganze dennoch: Die kunterbunte Jagd von England aus und über den Ozean sowie die Suche nach der Quelle der Ewigen Jugend – das war alles toll in Szene gesetzt. Die Meerjungfrauen und der Kampf gegen sie war ein Höhepunkt des Films, auch sonst wurde nicht an gelungenen Szenen gespart.
Der »boah ey«-Effekt des ersten Teils wird sich nie wieder herstellen lassen. Aber die Macher der Reihe schafften es auch bei der vierten Ausgabe, zumindest mich sehr gut zu unterhalten. Und das ist nach einer anstrengenden Arbeitswoche nicht das schlechteste ...
Wall Of Voodoo ausgegraben
Zu einer Zeit, als New Wave noch kein völlig verdorbener Begriff war, gründete sich die Band Wall Of Voodoo in Los Angeles. Die fünf jungen Männer machten eine Mischung aus hippeligem Sound, der verdächtig nach Pogo klingt, und dem für diese Zeit übliche »junge Männer«-Gesang. Der Sound gälte heute sicher noch als tanzbar, wenn er in einer sogenannten Indie-Disko liefe.
Ich habe die Platte »Dark Continent« von der Band seit Jahrzehnten im Schrank stehen und dieser Tage endlich mal wieder rausgekramt. Und ich fand sie immer noch – oder eben wieder – richtig gut! Das hat nichts mit tranigem Gruftie-Sound zu tun, das ist schneller, teilweise sehr auf den Punkt gebrachter Stoff, der in die Beine und in den Kopf geht.
Es war die erste Langspielplatte der Band, die 1981 rauskam und mit der Band nicht sonderlich erfolgreich war. Bekannt wurden sie mit der zweiten Platte – die habe ich prompt nicht. (Nach acht Jahren löste man sich auf; laut Wikipedia sind zwei der Bandmitglieder übrigens bereits gestorben.)
Ich würde jetzt nicht behaupten, dass es sich um ein Meisterwerk handelt, aber es war eine ziemlich coole Wave-Scheibe. Wenn ich bedenke, wie viele Bands sich heute bedenkenlos bei dem Repertoire der späten 70er und frühen 80er Jahre bedienen, ist es durchaus sinnvoll, mal wieder bewusst den alten Kram anzuhören ...
Ich habe die Platte »Dark Continent« von der Band seit Jahrzehnten im Schrank stehen und dieser Tage endlich mal wieder rausgekramt. Und ich fand sie immer noch – oder eben wieder – richtig gut! Das hat nichts mit tranigem Gruftie-Sound zu tun, das ist schneller, teilweise sehr auf den Punkt gebrachter Stoff, der in die Beine und in den Kopf geht.
Es war die erste Langspielplatte der Band, die 1981 rauskam und mit der Band nicht sonderlich erfolgreich war. Bekannt wurden sie mit der zweiten Platte – die habe ich prompt nicht. (Nach acht Jahren löste man sich auf; laut Wikipedia sind zwei der Bandmitglieder übrigens bereits gestorben.)
Ich würde jetzt nicht behaupten, dass es sich um ein Meisterwerk handelt, aber es war eine ziemlich coole Wave-Scheibe. Wenn ich bedenke, wie viele Bands sich heute bedenkenlos bei dem Repertoire der späten 70er und frühen 80er Jahre bedienen, ist es durchaus sinnvoll, mal wieder bewusst den alten Kram anzuhören ...
27 Mai 2011
Saugutes Fotobuch

Christoph Lampert und ich sind, ohne uns persönlich zu kennen, eigentlich seit vielen Jahren Kollegen. Gewissermaßen. Ich schrieb fürs ZAP, und ich schreibe fürs OX, und er hat für beide Fanzines über Jahre hinweg fotografiert. Zwanzig Jahre lang hat er Punk- und Hardcore-Konzerte besucht und dabei die Musiker sowie das Publikum abgelichtet.
Und 2009 entstand daraus ein Buch. Sein Titel: »We Call It Punk – When Energy Meets Attitude«. Eigentlich ist es kein ganz normales Buch, sondern ein echter Klopper: ein dicker, sehr gut aufgemachter Bildband, ein Hardcover für rund 30 Euro, das auf rund 180 Seiten exakt 77 Bands präsentiert. Dem Hardcover liegt sogar eine Vinyl-Schallplatte bei, eine Seven-Inch mit vier gelungenen Stücken.
Was ich sehr nett finde: Das Buch wird in zwei Bereiche eingeteilt. Der eine ist als »Classic Year« übertitelt und bringt – nachvollziehbar – vor allem Bilder aus den 80er und frühen 90er Jahren; der andere heißt »Digital Years« und meint den Zeitraum, in dem die Digitalkamera zum Einsatz kam.
Die musikalische Bandbreite ist groß; man merkt dem Fotografen aber an, dass er aus der Hardcore-Ecke kommt. Also gibt's viele amerikanische Bands zu bewundern, angefangen bei Youth Of Today oder Bad Religion bis hin zu Anti-Flag oder The Gaslight Anthem. Bands aus Deutschland wie Die Ärzte, Turbostaat oder Jingo de Lunch dürfen allerdings nicht fehlen.
Schön ist die Idee, dass die Texte zu den Bildern von der jeweiligen Band stammen. Die Musiker schreiben also über ihre eigenen Konzerte und Touren, und das ist teilweise sehr amüsant. Das Buch ist somit auch ein richtiger Schmöker, den man über Monate hinweg auf einem Tisch oder in einer Ecke liegen lassen kann und in dem man immer wieder gern blättert und liest.
Ich bin froh und geradezu glücklich, dass ich das Geld investiert und das Buch gekauft habe. Die Hardcover-Version ist auf sage und schreibe 444 Exemplare limitiert, und es sind sogar noch welche übrig. Wer sich's leisten kann, sollte hier unbedingt zuschlagen.
26 Mai 2011
Jo Henke ist tot
Am Dienstag abend erfuhr ich es per Telefon: Der Science-Fiction- und Fantasy-Fan und Fanzinemacher Jo Henke ist gestorben. Wie es aussieht, starb er an Herzversagen. Ich bin recht entsetzt wegen dieser Nachricht. Und ich kann keinen seriösen Nachruf schreiben.
Wir waren keine Freunde, aber wir kannten uns seit den frühen 80er Jahren. Wir sahen uns auf Cons, und wir gaben Fanzines heraus. Man redete miteinander, man trank Bier und saß an irgendwelchen Lagerfeuern.
Jo war immer einer der fannischen Fans, keiner von denen, die die Science Fiction bierernst nehmen, sondern einer, der das ganze augenzwinkernd betrachtete. Er brachte zusammen mit Wilmar Plewka und anderen Fans das wöchentlich erscheinende Fanzine »Fandhome Wheekly« heraus. 1981 war das, und sie benutzten einen alten Umdrucker. Später brachte er auch Egozines heraus, veröffentlichte 1986 eine recht seriöse Andromeda-Ausgabe und tummelte sich in den 90er Jahren sowie danach vor allem im Fantasy-Fandom.
Ich erinnere mich an eine Autofahrt von Köln nach Merzig im Saarland, zusammen mit der Familie Mader. Beim Kilometerstand 42 wurde angehalten und gefeiert, und es gab eine Reihe derartiger Stopps, bei denen Handtücher geschwenkt oder ein Glas auf Frodos Geburtstag gehoben wurde. Das ist lange her, über ein Vierteljahrhundert, aber ich werde diese Fahrt (und mein anschließendes Weiterreisen per Anhalter vom Saarland in den Schwarzwald) nie vergessen.
Oder auf Burg Stahleck, wo er mir in einer Silvesternacht (war's nicht 1999/2000) das geniale Spiel »Robot Rallye« erklärte. Oder manches Bier an einer »WunderBar« auf einem Fest der Fantasie.
Wenn ich an Jo Henke denke, und das mache ich in diesen Tagen häufig, sehe ich ihn auf einem Con von mir, fröhlich und freundlich lächelnd, immer mit einem wachen, intelligenten Gesichtsausdruck. So werde ich ihn im Gedächtnis bewahren.
Wir waren keine Freunde, aber wir kannten uns seit den frühen 80er Jahren. Wir sahen uns auf Cons, und wir gaben Fanzines heraus. Man redete miteinander, man trank Bier und saß an irgendwelchen Lagerfeuern.
Jo war immer einer der fannischen Fans, keiner von denen, die die Science Fiction bierernst nehmen, sondern einer, der das ganze augenzwinkernd betrachtete. Er brachte zusammen mit Wilmar Plewka und anderen Fans das wöchentlich erscheinende Fanzine »Fandhome Wheekly« heraus. 1981 war das, und sie benutzten einen alten Umdrucker. Später brachte er auch Egozines heraus, veröffentlichte 1986 eine recht seriöse Andromeda-Ausgabe und tummelte sich in den 90er Jahren sowie danach vor allem im Fantasy-Fandom.
Ich erinnere mich an eine Autofahrt von Köln nach Merzig im Saarland, zusammen mit der Familie Mader. Beim Kilometerstand 42 wurde angehalten und gefeiert, und es gab eine Reihe derartiger Stopps, bei denen Handtücher geschwenkt oder ein Glas auf Frodos Geburtstag gehoben wurde. Das ist lange her, über ein Vierteljahrhundert, aber ich werde diese Fahrt (und mein anschließendes Weiterreisen per Anhalter vom Saarland in den Schwarzwald) nie vergessen.
Oder auf Burg Stahleck, wo er mir in einer Silvesternacht (war's nicht 1999/2000) das geniale Spiel »Robot Rallye« erklärte. Oder manches Bier an einer »WunderBar« auf einem Fest der Fantasie.
Wenn ich an Jo Henke denke, und das mache ich in diesen Tagen häufig, sehe ich ihn auf einem Con von mir, fröhlich und freundlich lächelnd, immer mit einem wachen, intelligenten Gesichtsausdruck. So werde ich ihn im Gedächtnis bewahren.
Corps entpuppen sich als Rock-Punk-Maschine
Das Label benennt The Corps aus Sydney als »Heavy-Weight Band«, die einen Stil spielt, den man hier »Power-driven Streetpunk/Hardcore mixture in die famous Down under-Style« nennt. Seien wir ehrlich: Die Band spielt eine stramme Hardrock-Mischung, in die sich kleine Einsprengsel von Punk und vor allem Oi! mischen.
Die sechste Platte, die mir vorliegt, nennt sich »Bottle of Rock'n'Roll« und klingt genauso. In den Texten geht es um Frauen und Saufen, um Schlägereien und andere »Echte Männer«-Themen. Das muss man mögen, um die Platte abfeiern zu können – mir war's textlich recht schnell zu blöd.
Musikalisch treten die vier Australier allerdings ziemlich in den Arsch. Die wuchtige Mixtur aus allerlei harter Musik ist gut gemacht, und die sieben Stücke gehen ruckzuck vorbei. Davon sind allerdings zwei Coverversionen: »Ace of Spades« von Motörhead und das für Australier anscheinend unvermeidliche »Nice Boys« von Rose Tattoo.
Wer's braucht, kriegt die CD beim niederländischen Label Rebellion Records und die Vinyl-Version (auf 250 Exemplare limitiert, da zucke ich ja fast ...) beim deutschen Label Bandworm Records.
Die sechste Platte, die mir vorliegt, nennt sich »Bottle of Rock'n'Roll« und klingt genauso. In den Texten geht es um Frauen und Saufen, um Schlägereien und andere »Echte Männer«-Themen. Das muss man mögen, um die Platte abfeiern zu können – mir war's textlich recht schnell zu blöd.
Musikalisch treten die vier Australier allerdings ziemlich in den Arsch. Die wuchtige Mixtur aus allerlei harter Musik ist gut gemacht, und die sieben Stücke gehen ruckzuck vorbei. Davon sind allerdings zwei Coverversionen: »Ace of Spades« von Motörhead und das für Australier anscheinend unvermeidliche »Nice Boys« von Rose Tattoo.
Wer's braucht, kriegt die CD beim niederländischen Label Rebellion Records und die Vinyl-Version (auf 250 Exemplare limitiert, da zucke ich ja fast ...) beim deutschen Label Bandworm Records.
25 Mai 2011
Mein Buch als eBook
Kann es sein, dass ich noch nicht stolz vermeldet habe, dass es mein »Das Tier von Garoua« in allen möglichen Portalen zu kaufen gibt, die eBooks anbieten? Dann muss ich das hiermit nachholen.
Unter anderem gibt es das Buch bei Beam-Books; das ist ohnehin ein sehr sympathisches eBook-Portal. Dort kostet mein Buch dann auch 9,49 Euro, es ist also schon ein Stück weit preiswerter als die Print-Ausgabe. Es wird im Epub-Format ausgeliefert, ohne DRM-Schutz, und ist 3,39 MB groß.
Ebenfalls lieferbar ist das Buch über die Portalseiten von Libri.de; dort kostet es 9,50 Euro. Dort kann auch gleich die Leseprobe heruntergeladen werden.
Unter anderem gibt es das Buch bei Beam-Books; das ist ohnehin ein sehr sympathisches eBook-Portal. Dort kostet mein Buch dann auch 9,49 Euro, es ist also schon ein Stück weit preiswerter als die Print-Ausgabe. Es wird im Epub-Format ausgeliefert, ohne DRM-Schutz, und ist 3,39 MB groß.
Ebenfalls lieferbar ist das Buch über die Portalseiten von Libri.de; dort kostet es 9,50 Euro. Dort kann auch gleich die Leseprobe heruntergeladen werden.
24 Mai 2011
Im Nazri Nipah Camp
Zu meinen schönsten Reisen gehörte der Trip nach Malaysia, den ich im Dezember 1998 und Januar 1999 absolvierte. Ich hatte tolles Wetter, ich traf spannende Leute, und ich begann irgendwann, Rucksackreisende zu hassen. Das aber ist ein anderes Kapitel ...
Und ich besuchte die hübsche kleine Insel Pangkor, nur einige Kilometer von der Küste Malaysias entfernt und auch nicht weit weg von Sumatra, der indonesischen Großinsel. Ich setzte mit der Fähre über, ich fuhr mit einem öffentlichen Bus quer über die Insel und entschied mich dort, in das Camp zu gehen, das sich auf der linken Seite befand. (Der Lonely Planet empfahl das Camp auf der rechten Seite. Warum auch immer.)
Es war klein und beschaulich, meine Hütte war nicht größer als die Hütte für einen Dackel, und es wurde für meinen Geschmack zu viel gekifft. Aber ich hatte meine Ruhe, das Meer war nahe, und alles in allem war es ziemlich preiswert.
20 Rupien kostete der Spaß damals, und ich genoss jeden Tag in dem Camp, am Strand und in den nahe gelegenen Kneipen. Außer mir hielt sich vielleicht ein halbes Dutzend weiterer Reisender im Nazri Nipah Camp auf, und das genügte mir.
Wenn ich den alten Kassenzettel in der Hand halte, beschriftet in einer krakeligen Handschrift, denke ich gern an diesen Aufenthalt zurück. Ich will da nicht wieder hin und möchte meine schöne Erinnerung behalten.
Und ich besuchte die hübsche kleine Insel Pangkor, nur einige Kilometer von der Küste Malaysias entfernt und auch nicht weit weg von Sumatra, der indonesischen Großinsel. Ich setzte mit der Fähre über, ich fuhr mit einem öffentlichen Bus quer über die Insel und entschied mich dort, in das Camp zu gehen, das sich auf der linken Seite befand. (Der Lonely Planet empfahl das Camp auf der rechten Seite. Warum auch immer.)
Es war klein und beschaulich, meine Hütte war nicht größer als die Hütte für einen Dackel, und es wurde für meinen Geschmack zu viel gekifft. Aber ich hatte meine Ruhe, das Meer war nahe, und alles in allem war es ziemlich preiswert.
20 Rupien kostete der Spaß damals, und ich genoss jeden Tag in dem Camp, am Strand und in den nahe gelegenen Kneipen. Außer mir hielt sich vielleicht ein halbes Dutzend weiterer Reisender im Nazri Nipah Camp auf, und das genügte mir.
Wenn ich den alten Kassenzettel in der Hand halte, beschriftet in einer krakeligen Handschrift, denke ich gern an diesen Aufenthalt zurück. Ich will da nicht wieder hin und möchte meine schöne Erinnerung behalten.
23 Mai 2011
Ein Gedicht zum Universum
Zum Jahreswechsel 1979/80 begann mein »Einstieg« in das Science-Fiction-Fandom, in die Szene der Fans und Fanzines. Mit staunenden Augen las ich, welche Art von Texten andere Science-Fiction-Fans verfassten, und ich versuchte, das nachzuahmen und zu adaptieren, was ich in Heften wie »Phalanx« und »Exodus«, »Carthago« oder »solis orbita« las.
Das waren vor allem Kurzgeschichten, aber auch Gedichte. Zu der Zeit war ich ein frustrierter Zehntklässler, dem klar war, dass er die Schule bald verlassen würde, um eine kaufmännische Ausbildung zu beginnen. Gleichzeitig träumte ich davon, ein berühmter PERRY RHODAN-Autor zu werden, und malte ganze Schulhefte voll mit Geschichten, in denen kühne Raumfahrer zu fremden Galaxien flogen.
Und ich verfasste mein wohl erstes »Gedicht«. Am 14. Januar 1980 tippte ich es mit meiner Kofferschreibmaschine auf ein kariertes, gelochtes Blatt Papier, wie man es auch für den Unterricht benutzte.
Ich gab mir Mühe, für jeden »Absatz« immer sieben Zeilen zu nutzen, damit es regelmäßig und »lyrisch« aussah. Ansonsten aber entwickelte ich keinerlei Ehrgeiz, mich sprachlich auf eine lyrische Ebene zu bewegen. Das belegt auch der erste Absatz:
»Es ist eine dunkle Nacht
kann absolut nicht einschlafen
überlege mal wieder
zermartere mein Hirn
über den angeblichen
Sinn und Zweck des Universums.«
So geht es zehn Absätze lang. Insgesamt 70 Zeilen lang ist mein erstes Gedicht aus dem Jahr 1980. Ich reichte es wohl bei einem Fanzine ein, kann allerdings heute weder nachvollziehen, an welches Fanzine ich es schickte, noch ob es gedruckt worden ist.
Weil mir wohl klar war, dass es kein literarisches Highlight werden würde, schrieb ich eine umfangreiche Erklärung ans Ende des Textes, in dem ich das ganze noch einmal in das richtige Licht rücken wollte: »Ich habe dieses Ding aus einer Art innerer Antrieb oder wie immer man das nennen mag geschrieben, weil ich auch schon schlaflose Nächte über diesem Thema zugebracht habe.«
Das Blatt Papier ist zerknittert und sieht eben so aus, wie ein Papier aussieht, das mit der Post mehrfach durch Deutschland geschickt wurde und das pubertierende Jungs in den Händen hielten. Lese ich den Text durch, schüttle ich den Kopf über mich selbst. Wegwerfen würde ich es nie.
Das waren vor allem Kurzgeschichten, aber auch Gedichte. Zu der Zeit war ich ein frustrierter Zehntklässler, dem klar war, dass er die Schule bald verlassen würde, um eine kaufmännische Ausbildung zu beginnen. Gleichzeitig träumte ich davon, ein berühmter PERRY RHODAN-Autor zu werden, und malte ganze Schulhefte voll mit Geschichten, in denen kühne Raumfahrer zu fremden Galaxien flogen.
Und ich verfasste mein wohl erstes »Gedicht«. Am 14. Januar 1980 tippte ich es mit meiner Kofferschreibmaschine auf ein kariertes, gelochtes Blatt Papier, wie man es auch für den Unterricht benutzte.
Ich gab mir Mühe, für jeden »Absatz« immer sieben Zeilen zu nutzen, damit es regelmäßig und »lyrisch« aussah. Ansonsten aber entwickelte ich keinerlei Ehrgeiz, mich sprachlich auf eine lyrische Ebene zu bewegen. Das belegt auch der erste Absatz:
»Es ist eine dunkle Nacht
kann absolut nicht einschlafen
überlege mal wieder
zermartere mein Hirn
über den angeblichen
Sinn und Zweck des Universums.«
So geht es zehn Absätze lang. Insgesamt 70 Zeilen lang ist mein erstes Gedicht aus dem Jahr 1980. Ich reichte es wohl bei einem Fanzine ein, kann allerdings heute weder nachvollziehen, an welches Fanzine ich es schickte, noch ob es gedruckt worden ist.
Weil mir wohl klar war, dass es kein literarisches Highlight werden würde, schrieb ich eine umfangreiche Erklärung ans Ende des Textes, in dem ich das ganze noch einmal in das richtige Licht rücken wollte: »Ich habe dieses Ding aus einer Art innerer Antrieb oder wie immer man das nennen mag geschrieben, weil ich auch schon schlaflose Nächte über diesem Thema zugebracht habe.«
Das Blatt Papier ist zerknittert und sieht eben so aus, wie ein Papier aussieht, das mit der Post mehrfach durch Deutschland geschickt wurde und das pubertierende Jungs in den Händen hielten. Lese ich den Text durch, schüttle ich den Kopf über mich selbst. Wegwerfen würde ich es nie.
22 Mai 2011
Ein Band mit beeindruckenden Kurzgeschichten
Dass ich überhaupt den Namen Raymond Carver ins Hirn gehämmert bekam, ist die Schuld von Olaf Kutzmutz, dem literarischen Leiter der Bundesakademie in Wolfenbüttel. Mehrmals bei Seminaren sagte er mir, ich müsse unbedingt einmal Kurzgeschichten von Raymond Carver lesen. Einmal blätterte ich dann in der Bibliothek eines der dort herumstehenden Bücher durch, und dann wusste ich, dass ich Carver »probieren« musste.
Das tat ich jetzt: Ich las »Würdest du bitte endlich still sein, bitte«. Der Band enthält die frühen Geschichten des amerikanischen Schriftstellers, die in den USA bereits 1976 als Sammelband erschienen sind. Und ich war von jedem der Texte angetan, von manchen sogar gebührend beeindruckt.
Carver ist ein Autor, der die Widersprüche der Menschen in seinen Texten buchstäblich auslotet. Ganz normale Menschen mit ihren Schwierigkeiten, mit ihren täglichen Lügen und kleinen Verbrechen, mit ihrer Scham und ihrer Gemeinheit – sie sind die »Helden« seiner Geschichten, die meisten zwischen zehn und 15 Seiten lang sind.
Im Original habe ich das jetzt nicht gelesen, für mich gilt also die Übersetzung. Die fand ich aber sehr ansprechend; ich hatte nie das Gefühl, über einen Satz oder ein unpassendes Wort zu stolpern. Stattdessen geleitet einen die Übersetzung durch die Geschichten hindurch, als seien sie in deutscher Sprache geschrieben worden.
Oft geht es um Väter, die mit ihrer Rolle nicht klar kommen. In anderen Geschichten behandelt Carver wiederum Paare, deren Beziehung längst zerbrochen ist oder die eben zerbrechen. Und dann gibt es wieder Geschichten, die einfach nur einen armseligen, in seiner Existenz zweifelnden Menschen ins Zentrum rücken.
Oftmals ist das traurig zu lesen, viele Geschichten sind eher depressiv. Aber sie sind sprachlich wie inhaltlich von einer erzählerischen Kraft, die ich beneidensert finde.
Carver, der 1938 geboren wurde und bereits 1988 verstarb, gehört in den USA zu den großen Kurzgeschichten-Autoren. Umso peinlicher, dass ich ihn nie wahrgenommen habe. Nach der Lektüre dieser Geschichten werde ich auch die anderen Texte von ihm lesen; die anderen Bände liegen schon im Lese-Stapel.
Man findet die im Berlin Verlag veröffentlichten Bücher häufig im Antiquariat – das nur als Tipp!
Das tat ich jetzt: Ich las »Würdest du bitte endlich still sein, bitte«. Der Band enthält die frühen Geschichten des amerikanischen Schriftstellers, die in den USA bereits 1976 als Sammelband erschienen sind. Und ich war von jedem der Texte angetan, von manchen sogar gebührend beeindruckt.
Carver ist ein Autor, der die Widersprüche der Menschen in seinen Texten buchstäblich auslotet. Ganz normale Menschen mit ihren Schwierigkeiten, mit ihren täglichen Lügen und kleinen Verbrechen, mit ihrer Scham und ihrer Gemeinheit – sie sind die »Helden« seiner Geschichten, die meisten zwischen zehn und 15 Seiten lang sind.
Im Original habe ich das jetzt nicht gelesen, für mich gilt also die Übersetzung. Die fand ich aber sehr ansprechend; ich hatte nie das Gefühl, über einen Satz oder ein unpassendes Wort zu stolpern. Stattdessen geleitet einen die Übersetzung durch die Geschichten hindurch, als seien sie in deutscher Sprache geschrieben worden.
Oft geht es um Väter, die mit ihrer Rolle nicht klar kommen. In anderen Geschichten behandelt Carver wiederum Paare, deren Beziehung längst zerbrochen ist oder die eben zerbrechen. Und dann gibt es wieder Geschichten, die einfach nur einen armseligen, in seiner Existenz zweifelnden Menschen ins Zentrum rücken.
Oftmals ist das traurig zu lesen, viele Geschichten sind eher depressiv. Aber sie sind sprachlich wie inhaltlich von einer erzählerischen Kraft, die ich beneidensert finde.
Carver, der 1938 geboren wurde und bereits 1988 verstarb, gehört in den USA zu den großen Kurzgeschichten-Autoren. Umso peinlicher, dass ich ihn nie wahrgenommen habe. Nach der Lektüre dieser Geschichten werde ich auch die anderen Texte von ihm lesen; die anderen Bände liegen schon im Lese-Stapel.
Man findet die im Berlin Verlag veröffentlichten Bücher häufig im Antiquariat – das nur als Tipp!
21 Mai 2011
Sirenenübung
In Karlsruhe war heute offensichtlich eine Übung mit den örtlichen Sirenen. Ich stand mit meinem Rad an einer Kreuzung, als das Heulen anfing; es schallte zwischen den Häusern hindurch und echote ein wenig durch die Straßen. Und ich erinnerte mich daran, wie es gewesen war, wenn bei uns im Dorf die Sirenen getestet wurden.
Meine Mutter wurde aschfahl, als ich das zum ersten Mal bewusst mitbekam. Wir wohnten nicht weit von dem Haus entfernt, auf dessen Dach eine Sirene stand; von meinem Zimmer aus konnte ich sie sogar sehen. Und meine Mutter fand das Geräusch stets entsetzlich.
»So war's immer, bevor die Bomber kamen«, sagte sie. »Das ist jetzt der Fliegeralarm.« Sie konnte die einzelnen Signalfolgen unterscheiden, ich lernte das nie. Aber jede Sirenenübung erinnerte sie an den Krieg, egal wie lange dieser her war.
In Karlsruhe hörte die Sirene nach kurzer Zeit schon wieder auf. Der Verkehr floss weiter. Nichts war geschehen, die meisten Leute hatten das Heulen sogar ignoriert. Es war nur eine Übung, und die Welt des Jahres 2011 ist sehr weit entfernt von der Welt des Jahres 1971 – oder gar 1941.
Meine Mutter wurde aschfahl, als ich das zum ersten Mal bewusst mitbekam. Wir wohnten nicht weit von dem Haus entfernt, auf dessen Dach eine Sirene stand; von meinem Zimmer aus konnte ich sie sogar sehen. Und meine Mutter fand das Geräusch stets entsetzlich.
»So war's immer, bevor die Bomber kamen«, sagte sie. »Das ist jetzt der Fliegeralarm.« Sie konnte die einzelnen Signalfolgen unterscheiden, ich lernte das nie. Aber jede Sirenenübung erinnerte sie an den Krieg, egal wie lange dieser her war.
In Karlsruhe hörte die Sirene nach kurzer Zeit schon wieder auf. Der Verkehr floss weiter. Nichts war geschehen, die meisten Leute hatten das Heulen sogar ignoriert. Es war nur eine Übung, und die Welt des Jahres 2011 ist sehr weit entfernt von der Welt des Jahres 1971 – oder gar 1941.
20 Mai 2011
Eine Garoua-Rezension
Die Politikerin und Psychologin (oder andersrum?) Cornelia Mertens kenne ich schon richtig lange; es dürften jetzt auch bald zwanzig Jahre sein. Der gemeinsame Bezug ist die Science Fiction, vor allem aber jene Serie, die ich von Berufs wegen betreue.
Um so mehr hat mich gefreut, dass Cornelia in ihrem privaten Blog einige Zeilen über mein Taschenbuch »Das Tier von Garoua« geschrieben hat. Ihr Fazit: »Wer Afrika mag, oder einfach mal spannende Anekdoten lesen mag, dem ist dieses anregende Buch empfohlen.«
So ein Lob freut mich selbstverständlich sehr. Danke!
Um so mehr hat mich gefreut, dass Cornelia in ihrem privaten Blog einige Zeilen über mein Taschenbuch »Das Tier von Garoua« geschrieben hat. Ihr Fazit: »Wer Afrika mag, oder einfach mal spannende Anekdoten lesen mag, dem ist dieses anregende Buch empfohlen.«
So ein Lob freut mich selbstverständlich sehr. Danke!
19 Mai 2011
»Progressive Punk« von Rubberfresh
Lese ich den Marketing-Quatsch, den mir die Band Rubberfresh aus Österreich mit ihrer CD »Cirque de monde« mitschickt, wird mir schon schlecht. Man bezeichnet den Sound der Band als »progressive punk« und schreibt sich selbst »eine spannende mischung aus hardcore, punk, rock und funk!« auf die Fahnen. Das ganze wird mit einem vierfarbig gedruckten Pappkarton und eingehefteter CD präsentiert – die Klischee-Aussage »das ist doch kein Punk mehr!« darf ich hier doch hoffentlich aus der Schublade ziehen.
Musikalisch ist man gar nicht so schlecht. Im Prinzip machen die vier Österreicher eine anständig gespielte Rock-Musik, bei der es gelegentlich punkig lospoltern darf; bei Stücken wie »Peel Me« wird aber mit tief hängender Gitarre so gespielt, als wollte man im Vorprogramm von Faith No More auftreten (kennt die eigentlich noch jemand?)
Zeitweise versucht die Band wie die Red Hot Chilli Peppers zu klingen, mit Hüpfburgenmusik und allem drum und dran, und ganz selten knallt man ein bisschen punkig durch die Gegend. Was an dieser Musik progressiv oder punkig sein soll, erschließt sich mir nicht; aber ich muss ja auch nicht alles kapieren.
Um's kurz zu machen: Da versuchen einige junge Männer, kommerziell erfolgreiche Rockmusik zu machen. Das ist ehrenwert und nicht zu kritisieren. Gut spielen können die vier auf jeden Fall; ich habe die CD drei-, viermal gehört und mich nicht geärgert.
Ich finde die Band trotzdem musikalisch uninteressant und habe es dann gleich mal gelassen, auf die Texte zu achten. Braucht kein Mensch.
Musikalisch ist man gar nicht so schlecht. Im Prinzip machen die vier Österreicher eine anständig gespielte Rock-Musik, bei der es gelegentlich punkig lospoltern darf; bei Stücken wie »Peel Me« wird aber mit tief hängender Gitarre so gespielt, als wollte man im Vorprogramm von Faith No More auftreten (kennt die eigentlich noch jemand?)
Zeitweise versucht die Band wie die Red Hot Chilli Peppers zu klingen, mit Hüpfburgenmusik und allem drum und dran, und ganz selten knallt man ein bisschen punkig durch die Gegend. Was an dieser Musik progressiv oder punkig sein soll, erschließt sich mir nicht; aber ich muss ja auch nicht alles kapieren.
Um's kurz zu machen: Da versuchen einige junge Männer, kommerziell erfolgreiche Rockmusik zu machen. Das ist ehrenwert und nicht zu kritisieren. Gut spielen können die vier auf jeden Fall; ich habe die CD drei-, viermal gehört und mich nicht geärgert.
Ich finde die Band trotzdem musikalisch uninteressant und habe es dann gleich mal gelassen, auf die Texte zu achten. Braucht kein Mensch.
Irritierendes Geschenk
Mittagspause und Stresszeit: Da in Rastatt die Ladenöffnungszeiten als beinharte Gesetze verstanden werden, an denen nicht zu rütteln ist, rase ich im Eiltempo zur Apotheke, die gut eineinhalb Kilometer vom Verlag entfernt ist. Ich präsentiere mein Rezept, natürlich ein Antihistamin-Kram wegen meines Heuschnupfens, und erhalte das Medikament.
Die Dame hinterm Tresen fragt, »kann ich noch was dazu packen?«, und ich nicke in Gedanken, weil ich schon wieder dabei bin, an einem Roman rumzubasteln. Ich bezahle, nehme meine Tüte mit dem Rezept, dem Medikament und dem Geschenk und verlasse die Apotheke.
Erst Stunden später schaue ich mir mein Geschenk an. Und bin überrascht. Mal was anderes als die üblichen Papiertaschentücher mit Werbeaufdruck auf der Verpackung - na immerhin.
Ein »Schutzputz-Tuch« für »Glänzende Sauberkeit für unterwegs«. Der Beschrieb verrät mir: »für die schonende Reinigung und farblose Pflege von Glattleder«. Natürlich ist das ganze umweltschonend in besonders dicke Kunststoff-Folie verpackt.
Irritiert schaue ich an mir hinunter: Ich habe Stoffturnschuhe an, einen Converse-Abklatsch. Keine Spur von Leder, keine Spur von schwarz, nichts, was mit dem tollen Tuch geputzt werden könnte.
Seither rätlse ich und grüble: War das etwa eine Aufforderung der Apothekerin, mich endlich altersgerecht anzuziehen? Ein Hinweis, dass mir schwarze Lederschuhe auch stehen würden?
Die Dame hinterm Tresen fragt, »kann ich noch was dazu packen?«, und ich nicke in Gedanken, weil ich schon wieder dabei bin, an einem Roman rumzubasteln. Ich bezahle, nehme meine Tüte mit dem Rezept, dem Medikament und dem Geschenk und verlasse die Apotheke.
Erst Stunden später schaue ich mir mein Geschenk an. Und bin überrascht. Mal was anderes als die üblichen Papiertaschentücher mit Werbeaufdruck auf der Verpackung - na immerhin.
Ein »Schutzputz-Tuch« für »Glänzende Sauberkeit für unterwegs«. Der Beschrieb verrät mir: »für die schonende Reinigung und farblose Pflege von Glattleder«. Natürlich ist das ganze umweltschonend in besonders dicke Kunststoff-Folie verpackt.
Irritiert schaue ich an mir hinunter: Ich habe Stoffturnschuhe an, einen Converse-Abklatsch. Keine Spur von Leder, keine Spur von schwarz, nichts, was mit dem tollen Tuch geputzt werden könnte.
Seither rätlse ich und grüble: War das etwa eine Aufforderung der Apothekerin, mich endlich altersgerecht anzuziehen? Ein Hinweis, dass mir schwarze Lederschuhe auch stehen würden?
18 Mai 2011
Mark Brandis und die Kolibris
Ich habe mich in den letzten Jahren zu einem Freund gut gemachter Hörspiele entwickelt. Und da ich als Jugendlicher mit großer Begeisterung die »Mark Brandis«-Romane las, freue ich mich heute darüber, die Hörspiele zu dieser Science-Fiction-Serie aus den 70er Jahren zu hören. Die erscheinen bei Folgenreich, einem Label von Universal, und sind wirklich von herausragender Qualität.
Ein schönes Beispiel dafür sind die Folgen fünf und sechs, die schon länger auf dem Markt sind, die ich mir jetzt aber erst angehört habe. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Doppelfolge, also zwei CDs auf der Basis eines Romans. Der Titel: »Testakte Kolibri«.
Das Ding spielt im Jahr 2124, und der »Kolibri« ist nichts anderes als ein Ein-Mann-Raumschiff, mit dem man zwischen Mond und Erde pendeln, aber auch durch die Ozeane tauchen kann. Mark Brandis, seines Zeichens ein richtig guter Raumfahrer, wird zum Projektleiter für die »Kolibri«-Tests ernannt und geht dann daran, die offensichtlichen Probleme zu beseitigen: Bei Testflügen sterben Piloten, und niemand weiß, ob es technische Pannen, menschliches Versagen oder schlicht Sabotage ist.
Seien wir ehrlich: Die eigentliche Geschichte ist nicht so gut. Die Handlung plätschert ein wenig vor sich hin und löst sich am Ende recht plump auf. Dafür können aber die Hörspielmacher nichts, die sich am klassischen Roman orientieren – sie müssen schauen, dass sie das beste aus der Story machen.
Das tun sie allerdings! Hervorragende Geräusche, richtig gute Sprecher und eine stimmige Atmosphäre (im Hintergrund tut sich ständig was: Flugzeuge zischen vorbei, das Meer plätschert, Menschen plaudern) machen das Hörspiel zu einem echten Erlebnis. Und wenn Mark Brandis vor Begeisterung über einen Alarmstart johlt, hat das was von nachvollziehbarer, jugendlicher Begeisterung.
Schönes Hörspiel also, die Schattenseiten kommen von der Story. Ich freu' mich trotzdem aufs nächste.
Ein schönes Beispiel dafür sind die Folgen fünf und sechs, die schon länger auf dem Markt sind, die ich mir jetzt aber erst angehört habe. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Doppelfolge, also zwei CDs auf der Basis eines Romans. Der Titel: »Testakte Kolibri«.
Das Ding spielt im Jahr 2124, und der »Kolibri« ist nichts anderes als ein Ein-Mann-Raumschiff, mit dem man zwischen Mond und Erde pendeln, aber auch durch die Ozeane tauchen kann. Mark Brandis, seines Zeichens ein richtig guter Raumfahrer, wird zum Projektleiter für die »Kolibri«-Tests ernannt und geht dann daran, die offensichtlichen Probleme zu beseitigen: Bei Testflügen sterben Piloten, und niemand weiß, ob es technische Pannen, menschliches Versagen oder schlicht Sabotage ist.
Seien wir ehrlich: Die eigentliche Geschichte ist nicht so gut. Die Handlung plätschert ein wenig vor sich hin und löst sich am Ende recht plump auf. Dafür können aber die Hörspielmacher nichts, die sich am klassischen Roman orientieren – sie müssen schauen, dass sie das beste aus der Story machen.
Das tun sie allerdings! Hervorragende Geräusche, richtig gute Sprecher und eine stimmige Atmosphäre (im Hintergrund tut sich ständig was: Flugzeuge zischen vorbei, das Meer plätschert, Menschen plaudern) machen das Hörspiel zu einem echten Erlebnis. Und wenn Mark Brandis vor Begeisterung über einen Alarmstart johlt, hat das was von nachvollziehbarer, jugendlicher Begeisterung.
Schönes Hörspiel also, die Schattenseiten kommen von der Story. Ich freu' mich trotzdem aufs nächste.
17 Mai 2011
Im Hochzeitshotel
Rückblick auf den Italien-Trip im August 2010
Warum wir uns für die Villa Quaranta entschieden, wusste hinterher keiner so recht. Sicher war, dass wir völlig begeistert waren. Und das hatte ganz unterschiedliche Gründe, die nicht nur damit zu tun hatten, dass das Hotel am Rande des Valpolicella-Gebiets lag und daher sehr gute Verbindungen zu hervorragenden Winzern der Region hatte.
Es lag sicher daran, dass es einen wunderbaren Swimming-Pool mit Pool-Bar und schönem Rasen gab, aber nicht unbedingt am Zimmer; das war zwar bequem, aber ein wenig klein und hatte keinen Balkon. Aber wer braucht bei italienischem Sommer mit tollem Wetter und einem großzügigen Park eigentlich einen Balkon?
Überhaupt der Park: Er war für Hochzeitsgäste ausgelegt, die sich dort fotografieren lassen konnten. Ein Zierteich mit Brücke. Ordentlich geschnittene Bäume. Gitterzäune mit verschnörkeltem Design. Ein Wandelgang, der zwischen Hecken und Statuen hindurchführte. Es war so kitschig, dass es fast in den Augen wehtat, aber es passte alles.
Das Gebäude selbst ergänzte das ganze: In der einen Ecke steckte eine uralte Kirche mit mittelalterlichem Innenteil, in der geheiratet werden konnte, in der anderen Ecke war ein topmodernes Thermarium, in dem es eine Sauna, ein Hallenbad und dergleichen gab. Dazu ein Innenhof, in dem gefrühstückt wurde, und ein Vorgarten für den Restaurantbereich.
Im Prinzip stellte sich die Villa Quaranta als eine schöne Mischung aus Kongresszentrum, Top-Restaurant, klassischem Hoteltrakt und uraltem Kirchengemäuer heraus. Ich würde jederzeit wieder hinfahren. Mein Tipp für jeden Trip in die Region zwischen Gardasee und Verona - und ich bekomme nicht mal Geld dafür!
Warum wir uns für die Villa Quaranta entschieden, wusste hinterher keiner so recht. Sicher war, dass wir völlig begeistert waren. Und das hatte ganz unterschiedliche Gründe, die nicht nur damit zu tun hatten, dass das Hotel am Rande des Valpolicella-Gebiets lag und daher sehr gute Verbindungen zu hervorragenden Winzern der Region hatte.
Es lag sicher daran, dass es einen wunderbaren Swimming-Pool mit Pool-Bar und schönem Rasen gab, aber nicht unbedingt am Zimmer; das war zwar bequem, aber ein wenig klein und hatte keinen Balkon. Aber wer braucht bei italienischem Sommer mit tollem Wetter und einem großzügigen Park eigentlich einen Balkon?
Überhaupt der Park: Er war für Hochzeitsgäste ausgelegt, die sich dort fotografieren lassen konnten. Ein Zierteich mit Brücke. Ordentlich geschnittene Bäume. Gitterzäune mit verschnörkeltem Design. Ein Wandelgang, der zwischen Hecken und Statuen hindurchführte. Es war so kitschig, dass es fast in den Augen wehtat, aber es passte alles.
Das Gebäude selbst ergänzte das ganze: In der einen Ecke steckte eine uralte Kirche mit mittelalterlichem Innenteil, in der geheiratet werden konnte, in der anderen Ecke war ein topmodernes Thermarium, in dem es eine Sauna, ein Hallenbad und dergleichen gab. Dazu ein Innenhof, in dem gefrühstückt wurde, und ein Vorgarten für den Restaurantbereich.
Im Prinzip stellte sich die Villa Quaranta als eine schöne Mischung aus Kongresszentrum, Top-Restaurant, klassischem Hoteltrakt und uraltem Kirchengemäuer heraus. Ich würde jederzeit wieder hinfahren. Mein Tipp für jeden Trip in die Region zwischen Gardasee und Verona - und ich bekomme nicht mal Geld dafür!
16 Mai 2011
Bewundernswertes Jubiläum
Das Fanzine »Trust« wird 25 Jahre alt - das ist schon eine Sensation! Ich erinnere mich noch gut, was für ein Gefühl es war, die ersten Ausgaben des Heftes in den Händen zu haben: ein Fanzine für Hardcore-Punk, gemacht von Leuten aus Süddeutschland, die damals alle noch recht jung waren, sich aber schon als Szene-Veteranen fühlten.
Seit damals ist viel geschehen. Hardcore und Punk wurden kommerziell und sind in weiten Teilen längst ein offizieller Bestandteil der allgemeinen Musik-Kultur; gleichzeitig gibt es immer noch den Underground. Nur haben die »Trust«-Macher schon lange einen Großteil des Szene-Bezugs verloren, den sie vor einem Vierteljahrhundert hatten.
Das ist keine Kritik. Menschen verändern sich, ebenfalls der Blickwinkel, mit dem man die Außenwelt wahrnimmt. Und im Jahr 2011 ist sowieso alles anders als 1986.
Nur: Das »Trust« gibt es noch. Das ist eine enorme Leistung, vor der ich meinen Hut ziehe. Wenn ich könnte, käme ich sogar zur riesigen Party nach Bremen. Aber das klappt rein zeitlich dann doch nicht.
Seit damals ist viel geschehen. Hardcore und Punk wurden kommerziell und sind in weiten Teilen längst ein offizieller Bestandteil der allgemeinen Musik-Kultur; gleichzeitig gibt es immer noch den Underground. Nur haben die »Trust«-Macher schon lange einen Großteil des Szene-Bezugs verloren, den sie vor einem Vierteljahrhundert hatten.
Das ist keine Kritik. Menschen verändern sich, ebenfalls der Blickwinkel, mit dem man die Außenwelt wahrnimmt. Und im Jahr 2011 ist sowieso alles anders als 1986.
Nur: Das »Trust« gibt es noch. Das ist eine enorme Leistung, vor der ich meinen Hut ziehe. Wenn ich könnte, käme ich sogar zur riesigen Party nach Bremen. Aber das klappt rein zeitlich dann doch nicht.
Fashion Pigs und Killerladys
Das ist mal eine ungewöhnliche Platte: eine Single des EA80-Sängers Junge, die keinen Millimeter weit mit Punk zu tun hat, sondern schlichtweg ungewöhnliche und sehr schöne Musik präsentiert. Er nennt sich dabei Killerlady, und die zwei Stücke heißen »Fashion Pig« und »Minneapolis«.
Die düstere Stimme des Sängers, die schlichte Instrumentierung – das alles geht nicht in die Beine, sondern in den Kopf. Klingt wie der Soundtrack zu einem ungewöhnlichen Independent-Film, eine starke Sache! Und rein optisch sieht das ganze aus wie eine Mixtur aus Kunst-Fanzine der 80er Jahre und einer Emopunk-Single.
Whow.
Die düstere Stimme des Sängers, die schlichte Instrumentierung – das alles geht nicht in die Beine, sondern in den Kopf. Klingt wie der Soundtrack zu einem ungewöhnlichen Independent-Film, eine starke Sache! Und rein optisch sieht das ganze aus wie eine Mixtur aus Kunst-Fanzine der 80er Jahre und einer Emopunk-Single.
Whow.
15 Mai 2011
Deutschtümelnde Autoren?
Ich liebe Autoren-Arroganz. Aktuelles Beispiel: Johano Strasser, der Chef des Schriftstellerverbandes PEN: Nach einem Zitat des »Börsenblatts« hat er sich kritisch zur »literarischen Novitätenflut« geäußert, auf deutsch, hat er darüber gemault, dass es zu viele neue Bücher gibt.
Am Rande einer Tagung sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa, es gebe in Buchhandlungen zu viel von »irgendwelcher fragwürdiger amerikanischer Literatur, hastig übersetzt ins Deutsche«. Gleichzeitig vergessen viele Leute, »dass es so viele gute Literatur in Deutschland gibt, die nie auf so einen Stapel gerät«.
Grundsätzlich hat er recht: Es findet sich viel Genre-Literatur – vor allem Krimis und dergleichen – auf den Stapeln der Buchhandlungen, die aus dem englischsprachigen Raum kommt. Und es gibt viele gute Romane aus deutschen Landen, die nicht auf den Stapeln landen.
Nur: Gleichzeitig ist es kompletter Unfug, was er sagt. Wer sich die Stapel in den Buchhandlungen anschaut – vielleicht sollte so ein Groß-Literatur-Autor mal eine Buchhandlung betreten und nicht nur drüber schwadronieren –, sieht sehr schnell, dass es haufenweise Bücher deutschsprachiger Autoren auf irgendwelchen Stapeln gibt.
Im übrigen hat das eine mit dem anderen wenig zu tun. Wer sich über die mangelnde Qualität der veröffentlichten Literatur beschwert, urteilt arrogant und großkotzig über den Geschmack des Publikums.
Und vergisst im übrigen ganz nebenbei, dass der größte Unfug, der hierzulande in den letzten Jahren erfolgreich war, in deutscher Sprache verfasst worden ist. Ich erinnere an Bücher wie »Hummeldumm« oder den Salon-Rassismus eines ehemaligen Bundesbankers und Immernoch-SPD-Mitglieds.
Es ist seltsam, dass auch Autoren in dieses »Deutsche nach vorne!«-Gejammer einstimmen, in dem die Musikindustrie seit vielen Jahren immer wieder versackt. Heinz-Rudolf Kunze und Konsorten haben vor gut zwanzig Jahren schon eine Quote für deutschsprachige Musik im Radio gefordert (und da eher an ihre Murks-Mucke gedacht und sicher nicht an Tocotronic und dergleichen); jetzt folgt eben Johano Strasser mit seinem Plädoyer für Klugscheißer-Literatur.
Ich kapier' das nicht. Vielleicht bin ich deshalb auch kein guter Patriot.
Am Rande einer Tagung sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa, es gebe in Buchhandlungen zu viel von »irgendwelcher fragwürdiger amerikanischer Literatur, hastig übersetzt ins Deutsche«. Gleichzeitig vergessen viele Leute, »dass es so viele gute Literatur in Deutschland gibt, die nie auf so einen Stapel gerät«.
Grundsätzlich hat er recht: Es findet sich viel Genre-Literatur – vor allem Krimis und dergleichen – auf den Stapeln der Buchhandlungen, die aus dem englischsprachigen Raum kommt. Und es gibt viele gute Romane aus deutschen Landen, die nicht auf den Stapeln landen.
Nur: Gleichzeitig ist es kompletter Unfug, was er sagt. Wer sich die Stapel in den Buchhandlungen anschaut – vielleicht sollte so ein Groß-Literatur-Autor mal eine Buchhandlung betreten und nicht nur drüber schwadronieren –, sieht sehr schnell, dass es haufenweise Bücher deutschsprachiger Autoren auf irgendwelchen Stapeln gibt.
Im übrigen hat das eine mit dem anderen wenig zu tun. Wer sich über die mangelnde Qualität der veröffentlichten Literatur beschwert, urteilt arrogant und großkotzig über den Geschmack des Publikums.
Und vergisst im übrigen ganz nebenbei, dass der größte Unfug, der hierzulande in den letzten Jahren erfolgreich war, in deutscher Sprache verfasst worden ist. Ich erinnere an Bücher wie »Hummeldumm« oder den Salon-Rassismus eines ehemaligen Bundesbankers und Immernoch-SPD-Mitglieds.
Es ist seltsam, dass auch Autoren in dieses »Deutsche nach vorne!«-Gejammer einstimmen, in dem die Musikindustrie seit vielen Jahren immer wieder versackt. Heinz-Rudolf Kunze und Konsorten haben vor gut zwanzig Jahren schon eine Quote für deutschsprachige Musik im Radio gefordert (und da eher an ihre Murks-Mucke gedacht und sicher nicht an Tocotronic und dergleichen); jetzt folgt eben Johano Strasser mit seinem Plädoyer für Klugscheißer-Literatur.
Ich kapier' das nicht. Vielleicht bin ich deshalb auch kein guter Patriot.
14 Mai 2011
Schmeichelhaftes Interview
Im Fanzine Three Chords, genauer gesagt in der Ausgabe 10, die im Jahr 2008 veröffentlicht wurde, kam ein Interview mit mir. Unter dem Motto »Ü30 Hardcore« ging's da um Punkrock, Fanzines und Hardcore; zu den Aussagen stehe ich heute immer noch.
Die Fragen stellte der Kollege Herder, den ich in den 90er Jahren kennenlernte. Er war selbst Herausgeber eines A5-Fanzines zu jener Zeit, und wir leerten bei einem Fanzine-Treffen in Neuss das eine oder andere Bierlein. Und wenn ich mich düster erinnere, pennten wir beide in diesem ziemlich verdreckten Flur vor dem Konzertraum auf den Fußboden ...
Mittlerweile gibt der Kollege einen eigenen Blog heraus, der den schönen Namen Urbanwaste trägt. Und dort ist das Interview mit mir jetzt nachzulesen. Finde ich gut!
Die Fragen stellte der Kollege Herder, den ich in den 90er Jahren kennenlernte. Er war selbst Herausgeber eines A5-Fanzines zu jener Zeit, und wir leerten bei einem Fanzine-Treffen in Neuss das eine oder andere Bierlein. Und wenn ich mich düster erinnere, pennten wir beide in diesem ziemlich verdreckten Flur vor dem Konzertraum auf den Fußboden ...
Mittlerweile gibt der Kollege einen eigenen Blog heraus, der den schönen Namen Urbanwaste trägt. Und dort ist das Interview mit mir jetzt nachzulesen. Finde ich gut!
12 Mai 2011
Mitterrand zum dreißigsten
Am 10. Mai 2011 ist es dreißig Jahre her, seit Francois Mitterrand zum französischen Staatspräsidenten gewählt wurde. Ein Jubiläum, das vor allem in Frankreich durch die Medien ging, das aber hierzulande nicht zum Massenthema wurde. Auch ich hätte es eigentlich völlig übersehen, wäre ich nicht über einen Artikel gestolpert.
Ich erinnerte mich noch an den Abend, an dem klar geworden war, dass Mitterrand die Wahl gewonnen hatte. Mit anderen Jugendlichen aus Freudenstadt saß ich an diesem 10. Mai 1981 auf einer Wiese im Elsass, wo wir eine Jugendfreizeit mit Zelten, Biertrinken, Grillen und anderem Unfug verbrachten.
Die älteren Jugendlichen, die allesamt wesentlich politischer waren als ich, hörten an diesem Tag gespannt Radio. »Jetzt ist Mitterrand dran«, sagte später einer, der ständig ein Transistorradio am Ohr hatte. »Die Franzosen haben jetzt einen Sozialisten.« Es klang, als wollte er »alles ist gut« sagen.
Im nahe gelegenen Dorf wurde gefeiert. Viele Franzosen freuten sich über die Wahl eines Linken – und auch in unserer Gruppe gab es viele, die den Wahlsieg begrüßten. Eine seltsame Situation war das, wie auch der gesamte Aufenthalt damals seltsam war, inklusive eines Besuches im elsässischen Konzentraionslager und dergleichen.
Später stellte sich, was die Politik anging, selbstverständlich die Ernüchterung ein. Doch während wir Deutschen ein Jahr später in die lange Regentschaft von Helmut Kohl torkelten, hatten die Franzosen mit ihrem Mitterrand immerhin eine Mischung aus Charisma, Reformen und Größenwahn.
Ich erinnerte mich noch an den Abend, an dem klar geworden war, dass Mitterrand die Wahl gewonnen hatte. Mit anderen Jugendlichen aus Freudenstadt saß ich an diesem 10. Mai 1981 auf einer Wiese im Elsass, wo wir eine Jugendfreizeit mit Zelten, Biertrinken, Grillen und anderem Unfug verbrachten.
Die älteren Jugendlichen, die allesamt wesentlich politischer waren als ich, hörten an diesem Tag gespannt Radio. »Jetzt ist Mitterrand dran«, sagte später einer, der ständig ein Transistorradio am Ohr hatte. »Die Franzosen haben jetzt einen Sozialisten.« Es klang, als wollte er »alles ist gut« sagen.
Im nahe gelegenen Dorf wurde gefeiert. Viele Franzosen freuten sich über die Wahl eines Linken – und auch in unserer Gruppe gab es viele, die den Wahlsieg begrüßten. Eine seltsame Situation war das, wie auch der gesamte Aufenthalt damals seltsam war, inklusive eines Besuches im elsässischen Konzentraionslager und dergleichen.
Später stellte sich, was die Politik anging, selbstverständlich die Ernüchterung ein. Doch während wir Deutschen ein Jahr später in die lange Regentschaft von Helmut Kohl torkelten, hatten die Franzosen mit ihrem Mitterrand immerhin eine Mischung aus Charisma, Reformen und Größenwahn.
11 Mai 2011
Kartell der Caracoles mit gutem Demo
Woher aus dem Ruhrgebiet das Kartell der Caracoles genau stammt, weiß ich nicht; ich bekam die Demo-CD über das OX zugeschickt, für das ich auch eine positive Besprechung verfasste. Die Band besteht aus fünf Leuten, auf ihrer CD gibt es sieben Stücke, die im Prinzip in die Deutschpunk-Schublade zu packen sind.
Allerdings nicht zum stumpfen Deutschpunk, sondern eher zu dem, der ein wenig schlauer als bei vielen anderen Bands um die Ecke kommt. Die Band hat gute Texte, mit kurzen, lakonischen Sätzen, die aber immer gut knallen. Dazu kommt ein treibender Sound, der dank der Stimme immer ein wenig in die Emo-Ecke rüberguckt. Allerdings ohne jegliche Weinerlichkeit.
Mir fallen Vergleiche ein wenig schwer; man möge sich eine Mixtur aus Duesenjaeger und Trend vorstellen. Die CD gibt's für einige wenige Euro über die Homepage der Band – sollte man mal antesten!
Allerdings nicht zum stumpfen Deutschpunk, sondern eher zu dem, der ein wenig schlauer als bei vielen anderen Bands um die Ecke kommt. Die Band hat gute Texte, mit kurzen, lakonischen Sätzen, die aber immer gut knallen. Dazu kommt ein treibender Sound, der dank der Stimme immer ein wenig in die Emo-Ecke rüberguckt. Allerdings ohne jegliche Weinerlichkeit.
Mir fallen Vergleiche ein wenig schwer; man möge sich eine Mixtur aus Duesenjaeger und Trend vorstellen. Die CD gibt's für einige wenige Euro über die Homepage der Band – sollte man mal antesten!
10 Mai 2011
Für Computernostalgiker

Ich kenne mich mit Computern nicht aus. Seit über 25 Jahren arbeite ich mit Computern, aber ich habe wenig Ahnung davon, wie sie eigentlich funktionieren; ich bin also ein typischer Anwender. Umso interessierter blätterte ich dann ein Heft wie »Retro« durch, dessen Nummer 19 mir vorliegt.
Auf 92 farbigen Seiten, die im Layout allesamt einen besonderen Charme aufweisen, so eine Mixtur aus alt und neu, geht's vor allem um Computer und Technik, aber in einer sehr angenehmen Weise. Klar, die Macher sind Fans, und das merkt man, aber sie gehen an das Thema recht witzig und abwechslungsreich ran.
»Das Kulturmagazin für Computer, Videospiele und mehr« schreibt deshalb über olle C64-Themen, über den Karlsruher Verein Retrogames oder über die Subkultur der Computerspieler. Selbstverständlich werden alte Spiele vorgestellt und rezensiert; als zusätzliches Thema gibt es »Independent«, wo ein Punk-Vergleich nicht fehlen darf.
Kein Witz: ein spannendes Magazin. Es kostet stolze 6,95 Euro, und man sollte sich schon fürs Thema interessieren ...
09 Mai 2011
Radfahrerversuche
Es ist jedes Jahr dasselbe: Der verdammte Heuschnupfen plagt mich derart, dass ich im Frühjahr fast völlig lahmgelegt werde. Mit größeren Aktivitäten an der frischen Luft ist da kaum zu rechnen. Und so stockt der Versuch, durch körperliche Bewegung den Winterbauch zu reduzieren, in den Monaten März bis Mai sehr kläglich.
Am gestrigen Sonntag, 8. Mai, wollte ich dem Schicksal ein Schnäppchen schlagen. Frohgemut setzte ich mich aufs Rad, schob es in den Hof, hüpfte darauf und fuhr los. Einen konkreten Plan hatte ich nicht, also fuhr ich in den Schlossgarten durch den Wald, nach Neureut und ins Naturschutzgebiet und irgendwann wieder zurück.
Nach rund einer Stunde fühlte ich mich erschöpft und war durchgeschwitzt; ich hechelte en wenig, kam aber ohne zusätzliches Asthma-Spray aus. Nur der Hintern schmerzte, aber das wird sich hoffentlich im Lauf der nächsten Wochen von selbst regulieren.
Wenn ich mit dem Rad durch die Gegend fahre, wenn ich die warme Luft atme, tief den Geruch nach Wiesen und Bäumen einziehe - dann ist das für mich wie Sommer. Und da ist mir mein Heuschnupfen völlig schnuppe.
Am gestrigen Sonntag, 8. Mai, wollte ich dem Schicksal ein Schnäppchen schlagen. Frohgemut setzte ich mich aufs Rad, schob es in den Hof, hüpfte darauf und fuhr los. Einen konkreten Plan hatte ich nicht, also fuhr ich in den Schlossgarten durch den Wald, nach Neureut und ins Naturschutzgebiet und irgendwann wieder zurück.
Nach rund einer Stunde fühlte ich mich erschöpft und war durchgeschwitzt; ich hechelte en wenig, kam aber ohne zusätzliches Asthma-Spray aus. Nur der Hintern schmerzte, aber das wird sich hoffentlich im Lauf der nächsten Wochen von selbst regulieren.
Wenn ich mit dem Rad durch die Gegend fahre, wenn ich die warme Luft atme, tief den Geruch nach Wiesen und Bäumen einziehe - dann ist das für mich wie Sommer. Und da ist mir mein Heuschnupfen völlig schnuppe.
08 Mai 2011
Olle Hackerei zum zweiten
Am Samstag, 7. Mai 2011, war der zweite Tag des diesjährigen »Alte Hackerei«-Geburtstagsfestes. Ich kam zwar zeitig hin, verpasste aber dennoch die erste Band; interessanterweise war das Publikum deutlich anders als am Vorabend zusammengesetzt, weniger Rockabilly eben und mehr Punkrock.
Zu den Bone Idles aus Karlsruhe war ich im Saal. Die Band setzt sich zumindest teilweise aus Szene-Veteranen zusammen; musikalisch wird bollernder Hardcore-Punk geliefert, wie er in den späten 80er Jahren die Szene durchgewirbelt hat. Charakteristisch an der Band ist allerdings die Stimme des Sängers Gunnar, der in den 80er Jahren mit seinen damaligen Kapellen Kafka Proses und - vor allem! - So Much Hate richtig geilen Hardcore spielte.
Die Energie, die von der Band ins Publikum gepfeffert wurde, kam an. Frenetischer Jubel, euphorisches Gejohle, wildes Gehüpfe - ich kam mir zeitweise echt vor, als schriebe man 1988, und das ist jetzt absolut positiv gemeint. Saugute Band, großartige Stimmung!
Danach die Lombego Surfers aus Basel, die ich im Verlauf der letzten 22 Jahre ein paar Mal gesehen habe. Die alten Herren sind auf Platte schon ziemlich gut, hauen mit ihrer Musik aber vor allem live einen Knaller nach dem anderen raus.
Wobei sie an diesem Abend ein großartiges Publikum hatten. Im reichlich besoffenen Mob vor der Bühne entwickelte sich ein richtig schöner Pogo mit angenehmem Geschubse; überall grinsten die Leute und freuten sich, und die Band spielte, bis sie buchstäblich nicht mehr konnte.
Danach gab's Disco-Musik. Die DJs brachten musikalische Variationen, die in anderen Läden als Verbrechen gegolten hätten. Wer Slayer und Village People, Adriano Celentano und Dead Kennedys nacheinander spielt, kann aber kein schlechter Mensch sein.
Als ich die »Alte Hackerei« verließ, blendete mich die Morgensonne. Oder zumindest die schreckliche Helligkeit. Ich fand mein Fahrrad, schaffte es sogar, den Weg zu finden, und kroch gegen sieben Uhr ins Bett. Wunderbarer Geburtstag!
Zu den Bone Idles aus Karlsruhe war ich im Saal. Die Band setzt sich zumindest teilweise aus Szene-Veteranen zusammen; musikalisch wird bollernder Hardcore-Punk geliefert, wie er in den späten 80er Jahren die Szene durchgewirbelt hat. Charakteristisch an der Band ist allerdings die Stimme des Sängers Gunnar, der in den 80er Jahren mit seinen damaligen Kapellen Kafka Proses und - vor allem! - So Much Hate richtig geilen Hardcore spielte.
Die Energie, die von der Band ins Publikum gepfeffert wurde, kam an. Frenetischer Jubel, euphorisches Gejohle, wildes Gehüpfe - ich kam mir zeitweise echt vor, als schriebe man 1988, und das ist jetzt absolut positiv gemeint. Saugute Band, großartige Stimmung!
Danach die Lombego Surfers aus Basel, die ich im Verlauf der letzten 22 Jahre ein paar Mal gesehen habe. Die alten Herren sind auf Platte schon ziemlich gut, hauen mit ihrer Musik aber vor allem live einen Knaller nach dem anderen raus.
Wobei sie an diesem Abend ein großartiges Publikum hatten. Im reichlich besoffenen Mob vor der Bühne entwickelte sich ein richtig schöner Pogo mit angenehmem Geschubse; überall grinsten die Leute und freuten sich, und die Band spielte, bis sie buchstäblich nicht mehr konnte.
Danach gab's Disco-Musik. Die DJs brachten musikalische Variationen, die in anderen Läden als Verbrechen gegolten hätten. Wer Slayer und Village People, Adriano Celentano und Dead Kennedys nacheinander spielt, kann aber kein schlechter Mensch sein.
Als ich die »Alte Hackerei« verließ, blendete mich die Morgensonne. Oder zumindest die schreckliche Helligkeit. Ich fand mein Fahrrad, schaffte es sogar, den Weg zu finden, und kroch gegen sieben Uhr ins Bett. Wunderbarer Geburtstag!
07 Mai 2011
Vier-Jahres-Fete
Die »Alte Hackerei«, Karlsruhes gepflegte Punkrock-Bar, feiert an diesem Wochenende ihren vierten Geburtstag. Da durfte ich natürlich nicht fehlen und steuerte am Freitag abend, 6. Mai 2011, die Räumlichkeiten auf dem Schlachthofgelände an. Es war schönes Wetter, haufenweise Leute waren unterwegs, und der Raum war sehr gut gefüllt.
Die erste Band verpasste ich, weil ich buchstäblich stundenlang vor dem Eingang herumstand, Bier trank und mit Leuten laberte. Erst zur zweiten Kapelle kam ich endlich in den Kneipenraum hinein.
Es spielten The Wolfgangs aus Strasbourg, also von der anderen Rheinseite. Die Dame im hautengen Gummikleid und ziemlichem Sexy-Outfit und ihre drei Musikanten fabrizierten ruppigen Rockabilly-Sound, der sehr modern klang, nichts angeschwiemeltes, das nach den fünfziger Jahren roch.
Ein großartiger Spaß, auch deshalb, weil die Sängerin mit ihrem Sexy-Outfit immer wieder selbstironisch spielte, mit dem Hintern wackelte und entsprechende Ansagen machte. Mag sein, dass das jetzt sexistisch klingt - aber die Dame spielte auf der Bühne ziemlich mit Sexismus und coolem Aussehen.
Drei Männer enterten danach die Bühne, die Peacocks aus der Schweiz. Auch die gehören eher in die Rockabilly-Richtung, auch die machen's eher modern. Und sie schafften es, die »Alte Hackerei« zum Kochen zu bringen.
Schweißtreibende Temperaturen, ein besoffener, fröhlich tanzender Mob vor der Bühne - es war großartig. Ich hüpfte ein wenig herum, trank fleißig Bier und hatte das Gefühl, ein Grinsen sei in mein Gesicht gestanzt. Und als ich endlich den Heimweg antrat, war es kurz vor drei Uhr ...
Die erste Band verpasste ich, weil ich buchstäblich stundenlang vor dem Eingang herumstand, Bier trank und mit Leuten laberte. Erst zur zweiten Kapelle kam ich endlich in den Kneipenraum hinein.
Es spielten The Wolfgangs aus Strasbourg, also von der anderen Rheinseite. Die Dame im hautengen Gummikleid und ziemlichem Sexy-Outfit und ihre drei Musikanten fabrizierten ruppigen Rockabilly-Sound, der sehr modern klang, nichts angeschwiemeltes, das nach den fünfziger Jahren roch.
Ein großartiger Spaß, auch deshalb, weil die Sängerin mit ihrem Sexy-Outfit immer wieder selbstironisch spielte, mit dem Hintern wackelte und entsprechende Ansagen machte. Mag sein, dass das jetzt sexistisch klingt - aber die Dame spielte auf der Bühne ziemlich mit Sexismus und coolem Aussehen.
Drei Männer enterten danach die Bühne, die Peacocks aus der Schweiz. Auch die gehören eher in die Rockabilly-Richtung, auch die machen's eher modern. Und sie schafften es, die »Alte Hackerei« zum Kochen zu bringen.
Schweißtreibende Temperaturen, ein besoffener, fröhlich tanzender Mob vor der Bühne - es war großartig. Ich hüpfte ein wenig herum, trank fleißig Bier und hatte das Gefühl, ein Grinsen sei in mein Gesicht gestanzt. Und als ich endlich den Heimweg antrat, war es kurz vor drei Uhr ...
06 Mai 2011
Zauberspiegel-Interview
Der »Zauberspiegel« ist ein Online-Magazin, wie man so was neuerdings nennt. Diese Woche wurde in dem Magazin ein Interview mit mir veröffentlicht. Allerdings ging's nicht um mich als Privatperson, sondern um meinen Job, sprich, um den anstehenden PERRY RHODAN-Jubiläumsband und andere Dinge.
Wer sich dafür interessiert, kann ja unter der Überschrift »... über Perry, Feedback und Zukunft« nachlesen, was ich Kluges von mir gebe ...
Wer sich dafür interessiert, kann ja unter der Überschrift »... über Perry, Feedback und Zukunft« nachlesen, was ich Kluges von mir gebe ...
05 Mai 2011
Futtern beim Kaiser
Ist die Kantine geschlossen, weiß man als Arbeitnehmer erst so recht, was man bisher an ihr hatte. So geht es auch mir in diesen Tagen; ich bin gezwungen, mich in der Nachbarschaft des Verlages an irgendwelche Schnellimbisse oder halbwegs vernünftige Restaurants zu halten.
Am heutigen Tag schlug der Kollege aus dem Nachbarzimmer den nächstgelegenen Chinesen vor. Und da das Wetter schön war, bummelten wir hin.
Der Spaziergang zum »Kaiser Palast« (nur echt ohne Bindestrich) lohnte sich tatsächlich: Wir hatten ein Mittags-Menü, das wir direkt vom Buffet nahmen. Das heißt, dass man sich theoretisch so viel nehmen kann, wie man mag, und eben die Getränke zu bezahlen hat. Auch ein Nicht-Schwabe kommt da auf die Idee, mehr zu essen, als unbedingt nötig wäre ...
Für Vegetarier war die Auswahl nicht so überzeugend, aber ansonsten kamen wir auf unsere Kosten. Das Essen wird regelmäßig aufgefüllt, es ist somit recht frisch und für ein Buffet sehr gut. Ich mampfte, und ich futterte, ich holte mir mehrfach Nachschlag und hatte hinterher einen gerundeten Bauch. Noch gerundeter als eh schon.
Die dudelige Musik nahm ich nicht wahr. Die kitschige Einrichtung ignorierte ich. So schön kann es sein, sich einfach mal wieder den Wanst vollzuschlagen.
Am heutigen Tag schlug der Kollege aus dem Nachbarzimmer den nächstgelegenen Chinesen vor. Und da das Wetter schön war, bummelten wir hin.
Der Spaziergang zum »Kaiser Palast« (nur echt ohne Bindestrich) lohnte sich tatsächlich: Wir hatten ein Mittags-Menü, das wir direkt vom Buffet nahmen. Das heißt, dass man sich theoretisch so viel nehmen kann, wie man mag, und eben die Getränke zu bezahlen hat. Auch ein Nicht-Schwabe kommt da auf die Idee, mehr zu essen, als unbedingt nötig wäre ...
Für Vegetarier war die Auswahl nicht so überzeugend, aber ansonsten kamen wir auf unsere Kosten. Das Essen wird regelmäßig aufgefüllt, es ist somit recht frisch und für ein Buffet sehr gut. Ich mampfte, und ich futterte, ich holte mir mehrfach Nachschlag und hatte hinterher einen gerundeten Bauch. Noch gerundeter als eh schon.
Die dudelige Musik nahm ich nicht wahr. Die kitschige Einrichtung ignorierte ich. So schön kann es sein, sich einfach mal wieder den Wanst vollzuschlagen.
Zack Zack und ein Blick nach 1979
Seit kurzer Zeit gibt es eine Punk-Band, die aus Deutschland kommt und bewusst zurück in die späten 70er Jahre blickt. Die Rede ist von Zack Zack, und die Band setzt sich aus Leuten zusammen, die vorher bei den Shocks oder bei den Creeks mitspielten.
Ihre erste CD und LP mit dem Titel »wir haben Zeit« liegt seit Anfang 2011 vor, nachdem es kurz zuvor bereits eine Single gab. Enthalten sind darauf insgesamt elf Stücke, die zwischen Mod-Sound, rotzigem Früh-Punk und – meinetwegen! – rasantem Pop-Sound pendeln, dazu meistens deutschsprachige Texte.
Das macht Spaß, das geht in die Füße und in den Kopf, und es belegt vor allem, dass ein Rückblick auf vergangene Zeiten nicht langweilig oder altmodisch klingen muss. Zack Zack sind klasse, und ich möchte die Band demnächst endlich mal live sehen. Solange tröste ich mich mit der CD und hüpfe zu »Arkadengirl« durch mein Zimmer.
Ihre erste CD und LP mit dem Titel »wir haben Zeit« liegt seit Anfang 2011 vor, nachdem es kurz zuvor bereits eine Single gab. Enthalten sind darauf insgesamt elf Stücke, die zwischen Mod-Sound, rotzigem Früh-Punk und – meinetwegen! – rasantem Pop-Sound pendeln, dazu meistens deutschsprachige Texte.
Das macht Spaß, das geht in die Füße und in den Kopf, und es belegt vor allem, dass ein Rückblick auf vergangene Zeiten nicht langweilig oder altmodisch klingen muss. Zack Zack sind klasse, und ich möchte die Band demnächst endlich mal live sehen. Solange tröste ich mich mit der CD und hüpfe zu »Arkadengirl« durch mein Zimmer.
04 Mai 2011
Grusel, Sex und Remake

Manche Reflexe funktionieren einfach immer wieder aufs neue. Das zeigt die »neue« Heftromanserie, die von den Kollegen aus dem Bastei-Verlag veröffentlicht wird. Sie heißt »Vampira«, und ich habe das »neu« absichtlich in An- und Abführungszeichen gesetzt.
In den 90er Jahren kam die Serie schon einmal heraus, es handelt sich also um eine Neuauflage. Das wird allerdings nirgends kenntlich gemacht, was nicht weiter stört: In den 90er Jahren versuchte man es im Format der Taschenhefte, jetzt kommt die Serie als Heftroman heraus.
Schon die »Vampira«-Romane in den 90er Jahren, die übrigens sehr ordentlich geschrieben sind, setzten auf den klaren Zusammenhang von Sex und Horror. Die Vampire sind da nicht kuschelig und wollen küssen, sondern da wird teilweise richtig gefickt, und es geht auch sonst zur Sache.
Im Jahr 2011 setzt man dann auch bei Cover auf Nummer sicher. Die Brüste sind jetzt noch größer, die Pose ist noch eindeutiger. Allerdings gibt's im Inhalt dann doch keinen »echten« Geschlechtsverkehr; das wird die angepeilte mögliche Zielgruppe eventuell verwirren.
03 Mai 2011
Comics und ich
Bescheiden klingt das nicht: »Der deutschsprachige Comicmarkt: Berichte + Analysen« - so nennt sich der »Comic Report 2011« im Untertitel. Auf 144 Seiten geht es tatsächlich nur um Comics, und das ganze sieht auch ziemlich klasse aus.
Gelesen habe ich das Buch bislang nicht, das hole ich aber nach. Ich habe ein Belegxemplar erhalten, weil von mir einige Beiträge veröffentlicht worden sind. Nichts großes, aber immerhin einige Rezensionen.
Wer mehr über das Jahrbuch wissen will, sollte sich die Homepage der Macher angucken. Schöne Leseproben gibt's da zu bewundern!
Gelesen habe ich das Buch bislang nicht, das hole ich aber nach. Ich habe ein Belegxemplar erhalten, weil von mir einige Beiträge veröffentlicht worden sind. Nichts großes, aber immerhin einige Rezensionen.
Wer mehr über das Jahrbuch wissen will, sollte sich die Homepage der Macher angucken. Schöne Leseproben gibt's da zu bewundern!
02 Mai 2011
Käskopp-Punk
Am gestrigen Sonntag, 1. Mai, ging es in meiner Radiosendung im Querfunk vor allem um Punk und Hardcore aus den Niederlanden. Dabei ließ ich es - nach einer poppigen Einleitung durch die Travoltas - durchaus krachig zur Sache gehen.
Die schnellen neuen Bands Gewapened Beton und Brat Pack mit ihrem furiosen Mix aus frühem 80er-Hardcore und neuen Sounds gefallen mir; ich hoffe, den Lesern passte das ebenfalls. Dazu gab's mit Vitamin X und Antidote gleich noch mal zwei Bands, die ruppigen und schnellen Hardcore-Punk spielten.
Mehr in die Psychobilly-Richtung ging es mit den Cenobites, und die Oi!-Freunde dürften bei Close Combat und The Young Ones auf ihre Rechnung gekommen sein. Und zum Abschluss gab's noch schöne Melodien von den Bambix. Eine rundum gelungene Mischung, wie ich finde!
Die schnellen neuen Bands Gewapened Beton und Brat Pack mit ihrem furiosen Mix aus frühem 80er-Hardcore und neuen Sounds gefallen mir; ich hoffe, den Lesern passte das ebenfalls. Dazu gab's mit Vitamin X und Antidote gleich noch mal zwei Bands, die ruppigen und schnellen Hardcore-Punk spielten.
Mehr in die Psychobilly-Richtung ging es mit den Cenobites, und die Oi!-Freunde dürften bei Close Combat und The Young Ones auf ihre Rechnung gekommen sein. Und zum Abschluss gab's noch schöne Melodien von den Bambix. Eine rundum gelungene Mischung, wie ich finde!
01 Mai 2011
Literarisch-grafisches Vermächtnis
Bereits 2009 erschien »Der Junge von nebenan«, ein gezeichneter Kurzroman von Martin Büsser. Ich wollte das Werk gleich lesen, doch dann versackte es im Stapel, dann kam 2001, und Martin Büsser starb viel zu früh. Erschüttert wie ich war, ließ ich das Buch gleich noch mal im Stapel versacken und kam erst in den letzten Tagen dazu, es zu lesen.
Mit Martin Büsser verband mich in all den Jahren eine gewisse Szene-Vergangenheit. In den späten 80er und frühen 90er Jahren schrieb er wie ich für das Punk- und Hardcore-Magazin ZAP, eine Zeit, an die ich immer noch gern zurückdenke. Martin war vor allem für die kopflastigen Artikel zuständig, schrieb gern über sperrige Bands und Themen, die so gar nicht zu Punk und Hardcore passen wollten.
Ich mochte ihn, Freunde waren wir nie, dazu kannten wir uns zu wenig. Als letztes Jahr die Todesnachricht durch die Presse ging, war ich geschockt. Das macht die Lektüre von »Der Junge von nebenan« nicht leichter.
In einem bewusst krakeligen Comic-Stil und mit sehr lakonischen Sätzen schildert Büsser die fiktive Geschichte eines Jungen in den 70er Jahren. Die Eltern tauchen in den Untergrund ab und nehmen den Kampf gegen die Bundesrepublik auf, während der Junge das Schwulsein für sich entdeckt. Das ganze wird nicht »sauber« erzählt, sondern funktioniert mit Übertreibungen und grotesken Szenen.
Zeichnerisch ist das ganze kein Höhepunkt der Comic-Geschichte; das soll es auch nicht sein. Büssers Bilder sind bewusst unsauber und krakelig, sie wirken wie hingeschludert oder hingeschmiert und passen dadurch zu der Geschichte, in der es um eine seltsame Jugend geht. Das ist durchaus charmant, sprengt die Grenzen konventioneller Comics und gehört nur deshalb in die »Graphic Novel«-Schublade, weil jede andere nicht gepasst hätte.
»Der Junge von nebenan« erschien als kleinformatiges Taschenbuch im Verbrecher Verlag; es ist ein ungewöhnliches Werk und in gewisser Weise auch Martin Büssers Vermächtnis. Die 100 Seiten kosten 14 Euro, und wer sich dafür interessiert, kann das Buch mithilfe der ISBN 978-3-940426-40-6 in jeder Buchhandlung bestellen.
Mit Martin Büsser verband mich in all den Jahren eine gewisse Szene-Vergangenheit. In den späten 80er und frühen 90er Jahren schrieb er wie ich für das Punk- und Hardcore-Magazin ZAP, eine Zeit, an die ich immer noch gern zurückdenke. Martin war vor allem für die kopflastigen Artikel zuständig, schrieb gern über sperrige Bands und Themen, die so gar nicht zu Punk und Hardcore passen wollten.
Ich mochte ihn, Freunde waren wir nie, dazu kannten wir uns zu wenig. Als letztes Jahr die Todesnachricht durch die Presse ging, war ich geschockt. Das macht die Lektüre von »Der Junge von nebenan« nicht leichter.
In einem bewusst krakeligen Comic-Stil und mit sehr lakonischen Sätzen schildert Büsser die fiktive Geschichte eines Jungen in den 70er Jahren. Die Eltern tauchen in den Untergrund ab und nehmen den Kampf gegen die Bundesrepublik auf, während der Junge das Schwulsein für sich entdeckt. Das ganze wird nicht »sauber« erzählt, sondern funktioniert mit Übertreibungen und grotesken Szenen.
Zeichnerisch ist das ganze kein Höhepunkt der Comic-Geschichte; das soll es auch nicht sein. Büssers Bilder sind bewusst unsauber und krakelig, sie wirken wie hingeschludert oder hingeschmiert und passen dadurch zu der Geschichte, in der es um eine seltsame Jugend geht. Das ist durchaus charmant, sprengt die Grenzen konventioneller Comics und gehört nur deshalb in die »Graphic Novel«-Schublade, weil jede andere nicht gepasst hätte.
»Der Junge von nebenan« erschien als kleinformatiges Taschenbuch im Verbrecher Verlag; es ist ein ungewöhnliches Werk und in gewisser Weise auch Martin Büssers Vermächtnis. Die 100 Seiten kosten 14 Euro, und wer sich dafür interessiert, kann das Buch mithilfe der ISBN 978-3-940426-40-6 in jeder Buchhandlung bestellen.
Claudia Rudek mit herzzereißendem IndiePop
Eine junge Frau, die Gitarre spielt und dazu singt, dahinter weitere Musiker, die sie aber »nur« begleiten: Was Claudia Rudek macht, ist ausgesprochen angenehm. Sie hat eine tolle Stimme, und ihre Stücke sind locker, mit einer unangestrengten Haltung – und doch gehen sie nach einiger Zeit ins Ohr und kommen nicht mehr heraus.
Ich habe mir ihre erste CD, die einfach nur »Claudia Rudek« heißt, mehrfach angehört; am Anfang lief sie nur im Hintergrund, dann fraß sie sich in mich rein. Das Label steckt die Sängerin in die Folk-Ecke, was nicht falsch ist. Genausogut könnte sie aber die Bühnen der kleinen Indie-Clubs der Republik bespielen; das würde ebensogut funktionieren.
Die Stücke haben ihre Kanten und sind alles andere als glatt gespülter Kommerz-Pop; das ist keine Musik für die Massen. Ich könnte mir vorstellen, dass Leute, denen beispielsweise früher Kate Bush gefiel oder die heute Emiliana Torrini mögen, auch Gefallen an Claudia Rudek finden werden – und das ist nicht das schlechteste Kompliment. Sehr schön!
Ich habe mir ihre erste CD, die einfach nur »Claudia Rudek« heißt, mehrfach angehört; am Anfang lief sie nur im Hintergrund, dann fraß sie sich in mich rein. Das Label steckt die Sängerin in die Folk-Ecke, was nicht falsch ist. Genausogut könnte sie aber die Bühnen der kleinen Indie-Clubs der Republik bespielen; das würde ebensogut funktionieren.
Die Stücke haben ihre Kanten und sind alles andere als glatt gespülter Kommerz-Pop; das ist keine Musik für die Massen. Ich könnte mir vorstellen, dass Leute, denen beispielsweise früher Kate Bush gefiel oder die heute Emiliana Torrini mögen, auch Gefallen an Claudia Rudek finden werden – und das ist nicht das schlechteste Kompliment. Sehr schön!
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