09 Juni 2007

Ich und die Trekkies

Gestern besuchte ich »die« Con in Bonn. Ja, bei den Star-Trek- und Star-Wars-Fans heißt so was nicht »der« sondern »die« Con. Sei's drum, unterm Strich ist das ja auch egal. Bei der »FedCon« tummeln sich auf jeden Fall immer viele Leute, einige tausend dürften es sein. Und das »Maritim« im Bonner Stadtteil Bad Godesberg war voll von ihnen.

Leider war auch die Autobahn voll, und Parkplätze gab es nur noch im absoluten Halteverbot. So schaffte ich es immerhin, exakt zwei Minuten vor Beginn meines Vortrags an der Informationsstelle aufzulaufen - und eine nette junge Frau schleuste mich an den Türstehern (allesamt sehr freundlich, keine Frage) vorbei und in den Vortragsraum.

Dort warteten einige Dutzend Leute auf mich. Und dort hielt ich dann mal wieder einen Vortrag über meine Arbeit: die Geschichte der Science Fiction im allgemeinen und in Deutschland im besonderen und einiges zu PERRY RHODAN. Danach viele Fragen aus dem Publikum, und eineinhalb Stunden waren rum.

Naßgeschwitzt diskutierte ich vor der Tür noch weiter, und nach ungefähr zweieinhalb Stunden Aufenthalt auf der Veranstaltung, von der ich außer dem Eingangsbereich, der Toilette und »meinem« Vortragsraum nichts mitbekommen hatte, fuhr ich wieder zurück. Kurz vor halb elf Uhr abends war ich dann zu Hause, ausgelaugt und müde.

Manche Arbeitstage sind schon arg anstrengend.

08 Juni 2007

Kein Kommentar

Sind deutsche Fernsehjournalisten eigentlich hirntod oder einfach nur geil auf Manipulationen? Ich zappte heute viel herum.

Ein Sender zeigte Bilder von Demonstranten, die auf einen Vermummten einschlagen. Kommentar dazu: "Die Demonstranten sind gegen die vermummten Autonomen." Auf spiegel.de läßt sich das ganze anders angucken. Da wird der Vermummte als Zivilpolizist enttarnt und zu seinen Kollegen zurückgeschickt.

Man sieht Bilder von prügelnden Polizisten und Wasserwerfern, die Demonstranten vom Zaun zurückprügeln. Behandschuhte Hände drücken auf Nasen; das tut weh. Die Sprecher sagen dazu, "heute gab es keine Gewalt". Richtig: Wenn die Polizei prügelt und verletzt und misshandelt, ist das in Deutschland in diesen Tagen keine Gewalt.

Bei der Berichterstattung zu dem großen Open-Air-Konzert loben die Sprecher im Fernsehen unisono, dass es "so friedlich" geblieben sei. Na klar, die Polizei war ja weit weg, dann bleibt es immer friedlich.

Als Zuschauer packt einen angesichts der unaufhörlichen Lügenkampagne permanent die Wut. Wie gut, daß ich nicht nach Rostock gefahren bin.

07 Juni 2007

Fleißig schreiben

Der heutige Abend steht im Zeichen des Schreibens; ich versuche endlich mal wieder an neuen und alten Texten gleichermaßen zu arbeiten. Schließlich soll in diesem Jahr zur Frankfurter Buchmesse mein neues Buch erscheinen – dazu demnächst mehr.

Ich bearbeitete die Geschichte »Bewegung für KK«, die in Malawi spielt und von Duschen und Glühbirnen erzählt, und ich bearbeite die Geschichte »In Erwartung des Präsidenten«. In dieser geht es um einen Präsidenten und um ein Pferdegebiss; sie spielt auch in Malawi.

Die neue Story, an der ich heute arbeitete, heißt »Spion in der Wüste« und versucht ein Algerien-Abenteuer nachzuerzählen. Im Dezember 1986 wurde ich mitten in der Sahara für einen angeblichen Spion gehalten, weil ich mit einer alten Kofferschreibmaschine allerlei Notizen anfertigte, die sich auf Land und Leute bezogen.

Feiertage sind dafür da, daß man sich erholt. Und ich erhole mich von der Redakteursarbeit, indem ich an eigenen Texten schreibe. Für mich klingt das logisch.

06 Juni 2007

Mein liebstes Fußball-Fanzine



Von Fußball habe ich keine Ahnung, das gebe ich ja zu. Aber ich lese sehr gern den Übersteiger, das »antirassistische Zweitliga-Reise-Herzblatt rund um den FC St. Pauli«, von dem mir die Ausgabe 83 vorliegt. Der FC St. Pauli ist auch der einzige Zweitliga-Verein, bei dessen Spielen ich mehrfach im Stadion war; ich gebe zu, dass es unter anderem wegen der dritten Halbzeit war.

Der Übersteiger ist ein sehr kritisches Fanzine. In Artikeln mit Titeln wie »Schöne Schlammschlacht, schöne Scheiße« wird über vereinsinterne Diskussionen berichtet; dazu kommen viele andere Berichte, Reportagen und Interviews, ergänzt durch Platten- und Fanzine-Besprechungen.

Ich mag Auslandsreportagen. So erfährt man im aktuellen Heft etwas über die Szene in Bolivien oder Dublin. Sehr schön! Das Heft erscheint im A4-Format, kostet schlappe 1,60 Euro plus Porto und umfasst 44 Seiten.

05 Juni 2007

Einige Sätze zu Rostock

Ich war nicht in Rostock, ich weiß nicht, was dort genau vorgefallen ist. Aber ich glaube nicht so einfach, was mir erzählt wird: weder den Medien noch der Polizei.

Es gibt anscheinend eine Reihe von Indizen, die darauf hindeuten, daß die sogenannte Randale in Rostock von Provokateuren zumindest mit ausgelöst worden sein könnte (war das jetzt vorsichtig genug formuliert?). So gibt es auf Indymedia einen interessanten Beitrag, der zudem durch ein Video ergänzt wird.

Auch Telepolis berichtet durchaus kritisch und nicht ganz so massenkonform wie Spiegel-Online. Beim Spiegel empfiehlt sich die Lektüre des Online-Forums, wo sich manche Leser in begeisternden Vorschlägen zu überbieten versuchen, was man mit »randalierenden Protestierern« machen könnte.

Noch mal: Ich war nicht in Rostock, aber ich habe im Laufe der letzten 25 Jahre genügend Demonstrationen gesehen, um an der Darstellung von ZDF-SAT1-ARD-NTV-etc.pp. zu zweifeln ...

Börlin! Börlin! Börlin!

Der Sonntag abend, dritter Juni 2007, stand mal wieder im Zeichen meiner Radiosendung. Die läuft ja seit anno 1995 im lokalen Sender Querfunk in Karlsruhe, thematisch geht es logischerweise um Punkrock, Hardcore und artverwandte Klänge.

Diesmal gab's unter anderem die neue Platte der Bottrops (auch wenn's die Macher nicht so gern hören: die Nachfolger der Terrorgruppe), es ging um The Voice (alte Glatzen-Band) und ZSK (cooler Melodie-Polit-Punk). Ich spielte Frontkick und Radio Dead Ones, die beide klassischen Punkrock mit Klasse-Melodien zu bieten haben. Und um einige andere Kapellen, die jetzt nicht aufgezählt werden müssen.

Schöne Sendung wieder einmal. Wer Live-Stream auf seinem Rechner empfangen kann, kriegt das auch immer übers Internet - das nur als Tip!

04 Juni 2007

»Bäume im Sandmeer«

Zwar steht als Erscheinungsdatum im Impressum der Februar 2007, tatsächlich in mein Brieffach gekommen ist das Ding aber dieser Tage: die Hornsignale 254, die aktuelle Ausgabe des Fantasy-Fanzines.

Das Heft besteht im wesentlichen aus einer einzigen Geschichte. Die heißt »Bäume im Sandmeer« und stammt von mir. Die ursprüngliche Idee stammt aus dem Jahr 1983 – kein Witz! – und wurde so nie publiziert. Im November 2006 schrieb ich den alten Text komplett um, es blieb praktisch nichts vom Ur-Text übrig.

Und jetzt ist es publiziert: 28 Seiten in einem hübschen A5-Heft. Sehr schön, ich freue mich.

Zum Inhalt: Ghazir en Dnormest, der Held meiner Fantasy-Geschichten, die in der Welt Magira spielen, kommt in die Kleinstadt Terrikas. Dort im Land Clanthon machen Gerüchte von einem neuen Krieg die Runde, und die Leute freuen sich geradezu darauf. Ghazir en Dnormest gesellt sich zu den Leuten, und er erzählt ihnen eine Geschichte ...

... die Geschichte eines früheren Krieges, in den er damals verwickelt wurde ... als er noch im Wüstenland Esran lebte ... und als die Wüstenreiter den Konflikt mit den Bäume liebenden Korossern suchten ... im Prinzip also eine klassische Sword&Sorcery-Geschichte.

03 Juni 2007

Krokodilstränen

Ich war nicht in Heiligendamm oder eben Rostock. Für solche Reisen wegen einer Demonstration bin ich zu faul, vielleicht auch zu feige. Es war ja klar, daß es »krachen« würde, und für körperliche Auseinandersetzungen bin ich zu alt & gemütlich geworden.

Beurteilen kann ich also nicht, was bei der Großdemonstration wirklich passiert ist. Ich guckte gestern fleißig Randale-TV und schaute mir ebenso fleißig diverse Homepages an. Es ergibt sich dann doch ein gewisses Bild.

Krokodilstränen sind mittlerweile genug geflossen. Die Polizei habe ja eine Deeskalationsstrategie gefahren, und die bösen Autonomen haben alles kurz und klein geschlagen. »Autos brannten«, hieß es ständig. Soweit ich das alles überblicke, brannte genau ein Auto.

Erinnert mich alles an die Chaostage in den 90er Jahren: Die aufgetzte Presse-Meute freut sich über die Straßenschlacht, die Polizei provoziert ein bisschen (eine Wanne direkt neben den Zug der Autonomen zu stellen halte ich nicht für deeskalierend ...), dann rappelt es, und alle zerreißen sich's Maul.

Es ist immer dasselbe. Und ich muss nicht mal in Rostock sein, um zu ahnen, wer da mal wieder was gespielt hat.

02 Juni 2007

Spiderman zum dritten

Viele Kritiker haben den dritten Teil der »Spiderman«-Serie kritisiert: Er sei effekthascherisch, hieß es, und die Moral am Ende sei stark aufgesetzt. Da haben sie nicht unrecht, aber ...

Na und? »Spiderman 3« ist Unterhaltung, eine Comic-Verfilmung, die den Geist der Marvel-Comics aufgreift und ihn hervorragend umsetzt. Das gelingt so gut, daß sowohl Comic-Fans wie ich als auch viele Leute, die mit dem Genre nix anfangen können, fasziniert sind.

Hervorragende Special Effects etwa bei der Figur des Sandman – ich war echt beeindruckt! – und dynamisch-schnelle Verfolgungsjagden prägen die Handlung des Filmes. Die moralische Komponente bildet die andere Ebene des dritten Spinnen-Abenteuers; hier hat das Drehbuch durchaus seine Schwächen, aber das störte mich nicht sonderlich.

Daß der Hauptdarsteller sogar richtig was drauf hat, stellte sich vor allem im mittleren Teil des Films heraus: Wer einmal den leicht vertrottelten Peter Parker im Normal-Modus spielt und dann den energischen, von Venom beherrschten Peter Parker darstellt, der durch die Straßen New Yorks tänzelt, der kann was. Wobei das Tobey Maguiere auch schon in »American Beatury« und anderen Filmen bewiesen hat.

Um's kurz zu machen: Wer »Spiderman 3« nicht anschaute, weil er die Kritiken so abschreckend fand, hat was verpaßt.

01 Juni 2007

Ein Magazin, das ich leider nie erhalten werde


Schade, daß ich die Zeitschrift »Rich« wohl nie in den Händen halten werde. Die soll nämlich ab September – oder so – erscheinen. Zielgruppe sind dummerweise nicht Durchschnittstrottel oder durchs Leben stolpernde Menschen wie unsereins, sondern schlicht Millionäre.

Verantwortlich dafür ist die dafür gegründete Rich Germany AG, im Juni wollen die Macher Christian Müller und und Christian Geltenpoth eine erste Nullnummer vorlegen. Man plant großes: Lizenzausgaben in China und Russland sollen gleich im nächsten Jahr kommen.

Weia ... Aber der Plan ist genial – man will eh nicht das normale Fußvolk ansprechen, das man mit Werbung umgarnen muß, um es ins Bett zu zerren. Nein, man richtet sich an die Leser, die »ein flüssiges Privatvermögen von mehr als einer Million Dollar« besitzen. Dollar, wohlgemerkt – nicht Euro.

Man hat sogar einen »Pool« angelegt, in dem 533.000 Menschen aus Deutschland enthalten sind. Aus denen wiederum fischt der Verlag dann hunderttausend Leute aus, die das Blatt zwei Monate lang unverlangt und kostenlos erhalten werden.

Mist, da bin ich ja nicht dabei. Also werde ich nicht mitbekommen, was aus dem »exklusiven Ver-triebskonzept« wird, werde nicht erleben, wie man »eine neue Kategorie im Bereich der Luxus-Lifestyle-Medien etablieren« wird, eine Zeitschrift mit den Attributen »inspirierend, souverän, selektiv«. Es gehe um »multithematische Inhalte aus der Welt des Luxus«.

Und das auf 200 Seiten. »Durch dieses neuartige Vertriebskonzept und die bewusste Limitierung wird RICH zum Statussymbol einer klar definierten Leserschaft und hebt sich zudem deutlich von anderen Luxusformaten ab«, so meint der Verlag. »Unsere Leser protzen nicht, aber sie sind konsumbejahend. Es ist eine spannende Aufgabe, dieser selbstbewussten Klientel Monat für Monat die Themenwelten des Luxus zu zeigen.«

Demnächst geht die eigene Homepage online. Und ich mache mir lieber eine Dose Bier auf.

31 Mai 2007

Romeo und Kaugummi

Romeo und Julia gelten als ein Inbegriff von Romantik. Ihre Liebesbeziehung, sofern es diese überhaupt jemals gegeben hat, fasziniert und begeistert die Menschen seit Jahrhunderten. Und natürlich mußten wir uns in Verona auch den legendären Balkon anschauen, an dem angeblich die Liebeserklärung gemacht wurde.

Natürlich kommen alle Touristen auf dieselbe Idee. Daß man in der engen Einfahrt und in dem kleinen Hof nicht tot getrampelt wird, ist alles. Viel wichtiger ist allerdings, nicht gegen eine Wand zu fallen.

Die Wände des Durchgangs sind nämlich in ihrer gesamten Breite und Höhe beklebt mit Kaugummis, die Teenager aus der ganzen Welt angebracht haben. Kaugummis mit Liebesschwüren, dazu Zettel mit irgendwelchen Botschaften, aber vor allem Kaugummis in allen Größen, Formen und Farben.

Eigentlich schon wieder eine bizarre Geschichte, ein Beispiel dafür, was Tourismus letztlich aus Romantik macht. Julias Balkon dürfte so manche Reisende kurieren.

30 Mai 2007

Globalisierungsgegner?

Früher waren's die Chaoten; heute sind es die Globalisierungsgegner: Wenn die bürgerlichen Medien und die Polizei gemeinsam den »linken Feind« angreifen wollen, passen die Schubladen immer gut.

Da wird dann halt eine Barrikade vor der Roten Flora in Hamburg gleich zu einer »Anti-G-8-Randale«. Schöner selbstentlarvender Bericht im »Spiegel«, während einen die »Bild«-Zeitung in dieser Frage nicht überrascht. Mann ...

29 Mai 2007

Der Marionettenspieler von Venedig

Der Stefansplatz in Venedig ist groß und eindrucksvoll, wird von den meisten Touristen aber als Durchgangsstation benutzt. So kommt es zumindest uns vor, als wir zum zweiten Mal an diesem Tag über den Platz schlendern. Nur wenige halten an und setzen sich auf eine Bank, nur wenige betrachten die Statue in der Mitte des Platzes oder betreten den roten Bau der alten Kirche.

Wir bleiben spontan bei einem Mann stehen, der gerade sein Marionettentheater aufbaut; dann setzen wir uns hin und schauen zu. Mit einigen Kindern sind wir anfangs die einzigen, später sammeln sich Dutzende von Menschen um den Mann.

Und der ist wirklich klasse: ein verschmitztes Lächeln im bärtigen Gesicht, die langen schwarzen Haare zum Zopf gebunden, darüber ein Hut. Er läßt die Puppen buchstäblich tanzen, erzählt komplette Geschichten, die mal in Venedig spielen, mal in der römischen Vergangenheit, mal in einem orientalischen Harem.

Seine Figuren bewegen sich traumhaft, sie tanzen und hüpfen; er entlockt ihnen Gesten und Mimik, die uns wiederum Ausrufe der Begeisterung entlocken. Dazu exakt abgestimmte Musik vom Band, die jede Szene hervorragend umrahmt. Super!

Die Vorstellung geht schätzungsweise zwanzig Minuten, und ich bin hinterher total begeistert; ich klatsche, bis mir fast die Hände wehtun, und werfe hinterher auch was in den Hut. Mein persönliches Venedig-Highlight!

Hübsche kleine Stadt

Angesichts des heutigen Pißwetters ein Rückblick auf schöne Sonnentage ...

Soave war mir bisher als Weißwein ein Begriff: meist lecker schmeckend und schön leicht, ein idealer Sommerwein. Jetzt kenne ich auch die Stadt.

Eine alte Burg grüßt von ihrem Berg ins flache oder leicht hügelige Umland hinaus, überall auf den Hängen wird Wein angebaut. Die kleine Stadt schmiegt sich an den Burgberg, schmale Gassen hinter einer alten Stadtmauer.

Hinter Holztüren, die schon grau sind vom Alter, warten kleine Weinhandlungen auf die Besucher. Hier kann man verkosten, die Beratung erfolgt teilweise sogar in deutscher Sprache; ich kann nur wenige Worte italienisch.

Nach gut eineinhalb Stunden hat man alles gesehen, ist man praktisch durch alle Gassen und Sträßchen der kleinen Gemeinde spaziert. Aber ich glaube: Wer Ruhe und Erholung will, ist in Soave gar nicht mal schlecht aufgehoben. (Und Verona ist um die Ecke.)

28 Mai 2007

Ein Liebesroman, zumindest der Anfang

Letztes Jahr um diese Zeit versuchte ich mich an einem Liebesroman. Kein Witz!, es war auch einigermaßen ambitioniert gemeint.

41.000 Anschläge bekam ich auch hin, das fand ich nicht schlecht - entspricht etwa dem Fünftel eines Heftromans für diejenigen, die es etwas genauer wissen wollen. Dann machte ich aber nicht weiter, weil ich zu nichts mehr kam ...

Und weil ich feststellte, was für eine fiese Arbeit das für mich war: Ich mußte ja versuchen, etwas zu schreiben, das ich selbst kaum lesen würde. Eine Lektorin in einem Verlag fand's ganz brauchbar, aber nicht soo arg, und zwei Testleserinnen meinten, man würde halt merken, daß ich ein Mann sei.

Arrrgl. Als Pfingstmontags-Gruß jetzt einfach mal das erste Kapitel von »Hollywood Carmel«, so der Arbeitstitel - steht im Kommentar.

27 Mai 2007

Ich fühl' mich stets sehr sicher

Samstag nachmittag, Karlsruhe Innenstadt: Auf der Kaiserstraße ist wie immer viel los. Straßenbahnen fahren dicht hintereinander durch die sogenannte Fußgängerzone, rechts und links drängeln sich buchstäblich die Menschen.

Zwei Polizisten haben ihr Fahrzeug in den Fußgängerbereich gestellt, kein Dutzend Meter vom Europaplatz entfernt. Mit grimmiger Miene stehen die zwei erwachsenen Männer vor zwei Kid-Punks, vielleicht 17 Jahre alt, die lässig auf dem Boden herumgammeln. »Die haben wohl nichts besseres zu tun«, empört sich eine Passantin, die die Szene beobachtet.

Beim Vorbeigehen höre ich, wie einer der jungen Punks beteuert. »Nein, ich nehme keine Drogen. Ich habe rote Augen, weil ich Allergiker bin.« Der Polizist blafft irgendwas zurück.

Zehn Minuten später, hundert Meter weiter. Gleich zwei Polizeifahrzeuge stehen in der Fußgängerzone. Zwei Polizisten gehen gerade eben zu ihrem Wagen zurück, zwei andere kontrollieren die Pässe von Straßenmusikanten. Ich sehe, daß einer der Polizisten eine schutzsichere Weste trägt.

»Wohl Sicherheitsvorkehrungen wegen des G8-Gipfels«, spottet eine Passantin in meiner Nähe. »Terroristen bekämpfen, indem man Straßenmusiker verhört ...«

Fasziniertes Staunen

Merkwürdige Dinge gibt es im Fernsehen: Heute nacht beim Rumzappen stolperten wir - zum zweiten Mal in einem Halbjahr - über den sogenannten Verkaufssender HSE 24, in dem eben allerlei Zeugs an die Fernsehzuschauer verscherbelt wird. Und wieder ging es um die Modemarke »Pompöös« eines Modemachers namens Harald Glöckler, der lustigerweise aus der »Nachbarschaft« kommt, sprich aus der Nähe von Pforzheim.

Wir schmissen uns fast weg: weniger wegen der Moderation als wegen der Klamotten (die ich durch die Bank schrecklich fand) und der ach so erotisch durch die Gegend scharwenzelnden Models. Ein Highlight der Fernseh-Unterhaltung, besser als zwei Drittel aller sogenannten Comedians.

Mein Tipp für Nachtschwärmer: HSE 24 gucken; das ist immer lustig. Zu Harald Glöckler gibt es auf diversen Video-Seiten nette Outtakes; recht neu ist ein Filmchen bei myvideo, peinlich allerdings die meisten der darunter stehenden Kommentare.

25 Mai 2007

Höchst durchschnittliches Wührer

Das hat mich dann weniger überrascht: Das Wührer-Bier aus Rom schmeckt höchst durchschnittlich. Kühlt man es gut herunter, ist es allerdings trinkbar – und so kippte ich mir die Pulle recht flott hinunter.

Seien wir fair: Das Bier wird von einer Brauerei-Gruppe hergestellt, also eher ein Industriegesöff. Und solcherlei Getränke sind auch hierzulande alles andere als besonders lecker ...

Trotzdem rate ich Italien-Reisenden vom Wührer-Bier ab. Außer man ist knallharter Bier-Trinker und faßt keinen Wein an. Aber dann bekommt dieser Mensch eh eine Prise des Bedauerns von mir ab.

Ein feines Bier aus Mailand


Sage übrigens keiner mehr, die Italiener könnten nur leckeren Wein und tollen Kaffee machen. Die sind sogar in der Lage, brauchbares Bier herzustellen.

Ehrlich!

Ich war davon nicht sonderlich überzeugt. Aber aus sportlichen Gründen kaufte ich mir eine Flasche Birra Moretti, gebraut in Mailand.

Das Zeug schmeckt, vor allem gut gekühlt. 4,6 Umdrehungen hat es, die Flasche ist von einem etwas größeren Format, so daß ein netter Alkohol-Effekt feststellbar ist.

Sehr schön. Davon bringe ich vom nächsten Italien-Trip mehr mit. Das ist mal ein Mitbringsel der anderen Art ...

24 Mai 2007

Politik à la Pispers

Seit ich eine DVD mit einem älteren Programm des Kabarettisten Volker Pispers gesehen habe, bin ich ein echter Fan von ihm: knallharte politische Aussagen, bei denen man sich ausschütten will vor Lachen – nicht zuletzt deshalb, weil er meist nicht einmal übertreiben muß, sondern die Wahrheit schlicht satirisch zuspitzt.

Am Mittwoch, 16. Mai 2007, sah ich ihn: Er spielte in der Badnerlandhalle in Karlsruhe-Neureut. Ein Mann allein auf einer großen Bühne, viele hundert Leute im Saal. Und diese Leute lachten sich schlapp, schrieen vor Begeisterung oder wanden sich vor Grausen.

Pispers setzt seine Pointen manchmal drastisch bis zum Gehtnichtmehr und schreckt auch vor knallharten Beleidigungen zurück. Angela Merkel wird bei ihm zwischendurch mal zur »Schabracke«, bei Schäuble überlegt er sich nur noch, ob er ihn mit dem Kleinwagen oder mit dem Panzer überfahren will – und so weiter.

Das ist nicht jedermanns Sache, trifft das Elend der deutschen Politik aber manchmal direkter als manch feingeistige Diskussion. Pispers macht Polit-Kabaratt auf hohem Niveau, bei dem sich die Pointen zeitweise echt jagen. Der Kampf mit dem eleganten Florett ist allerdings nicht seine Sache.

23 Mai 2007

Lob für einen, der es verdient hat

Einer der Autoren, die mich geprägt haben, ist Ray Bradbury. Der Mann hat schon in den vierziger Jahren die Science Fiction zu einer anspruchsvollen Literaturgattung entwickelt – angesichts der damals vorherrschenden »Pulp-SF« eine absolute Leistung.

Am Montag, 21. Mai, erhielt er jetzt in New York einen Preis für sein Lebenswert. Hey, und das auch noch im Rahmen des Pulitzer Preises, das ist echt der Hammer.

Bekannt wurde Bradbury vor allem durch seine »Mars-Chroniken« oder durch »Fahrenheit 451«. Ich schützte auch seine großartigen Kurzgeschichten, die in Story-Sammlungen wie »Der illustrierte Mann« veröffentlicht wurden.

Im letzten Sommer sah ich den großen alten Mann der SF auf dem SF-WorldCon in Anaheim, Kalifornien. Bradbury, schon durch das Alter geschwächt, aber geistig immer noch hundertprozentig fit, hielt eine gut vierzig Minuten dauernde Rede ohne Vorlage und ohne Papier: witzig und warmherzig, intelligent und amüsant. Der Saal dankte es mit Standing Ovations. Ich war nicht der einzige, der Tränen in den Augen hatte.

Und jetzt dieser Preis. Da trifft es endlich einmal den Richtigen.

22 Mai 2007

Becks Dreamteam

Manchmal kann man bedauernd den Kopf wiegen, wenn man sich den Zustand der SPD anschaut. Die Partei verliert Mitglieder in Scharen, sie sackt in allen Umfragen ab, als sei alles zu spät, und in der Führungsspitze scheint die Ideenlosigkeit vorzuherrschen.

Man tut ja auch alles dafür, Mitglieder und Wähler zu vergraulen. Die Zustimmung zum sogenannten Asylkompromiß in der ersten Hälfte der 90er Jahre, nach welchem die SPD für jeden Antirassisten nicht mehr wählbar war, wurde mittlerweile zwar flächendeckend vergessen, wie mir scheint.

Anders ist es jedoch bei Hartz IV und den Unternehmenssteuergesetzen. Auch Menschen mit Alzheimer wird so schnell nicht aus dem Hirn bröseln, wie sich die angeblich sozialdemokratische Partei hier zum Erfüllungsgehilfen neoliberaler Wahn-Träume machte und alles tat, um ihre bisheriges Wähler- und Mitglieder-Klientel zu vergraulen.

Doch jetzt wird alles gut. Kurt Beck, den ich ja eigentlich ganz sympathisch finde (dickbäuchige Pfälzer, die mal PERRY RHODAN gelesen haben, mag ich als Menschen mal prinzipiell schon mal), hat politisch bislang nichts gerissen - außerhalb von Rheinland-Pfalz zumindest. Aber übers Wochenende hat er immerhin einen neuen Vorstand installiert.

Pleitegeier Peer Steinbrück (der sich so schön freut, weil die Steuereinnahmen ohne sein Zutun sprudeln), Foltervergesser Frank-Walter Steinmeier (den die Deutschen erstaunlicherweise für kompetent halten, wohl deshalb, weil er so würdevoll weißhaarig wirkt wie einst Silberlocke Weizsäcker) und Trekkie Andrea Nahles vertreten künftig die SPD nach außen.

Bei Andrea Nahles komme ich stets ins Stolpern. In meinem Bild ist sie immer noch die agile Juso-Vorsitzende, die »Star Trek« mag und mit Heftromanautoren öffentlich diskutierte - das fand ich gut. Den schlimmsten Neoliberalismus-Ausrutschern der Partei hat sie immer treu & brav widersprochen; also kann sie keine komplette Null geworden sein. Fragt sich nur, was weitere zehn Jahre in der Partei-Kandare aus der Frau machen.

Ich schaue zu. Und wähle weiterhin ungültig. Angesichts einer solchen SPD kann mich die CDU nicht sonderlich schrecken.

Sendepause in Italien

Einige Tage lang tat sich nichts in diesem Blog. Das ist nicht weiter schlimm, schließlich hält sich die Relevanz solcher Blogs ja arg in Grenzen. Zudem tun einige Tage Urlaub ohne Computer und ohne Internet-Anschluß auch mal ganz gut.

Wir waren in Italien. Genauer gesagt im Großraum Venetien. Das ist mit dem Auto von Kalrsruhe aus kein sooo großes Problem. Wären nicht überall bescheuerte Baustellen ...

Los ging's letzte Woche in der Nacht von Mittwoch, den 16. Mai, auf Donnerstag, den 17. Mai. Abfahrt um Mitternacht, durch den Gotthard-Tunnel irgendwann um vier Uhr morgens oder so, auf der italienischen Seite irgendwann eine Stunde oder zwei gepennt. Aufenthalt in der kleinen Stadt Dolo, zwischen Padua und Venedig gelegen.

Kurze Aufenthalte in Soave und Chioggia, in Viacenza und Mestre; ein Tag auf jeden Fall in Venedig; Einkaufsbummel in Padua; schöne Fahrt entlang der Brenta mit all den alten Villen; Bummeln in Verona.

Zuletzt eine Nacht in einem Kloster bei Mailand, ein Tag in Mailand - war extrem anstrengend! - und heute nacht zurück. Abfahrt in Mailand/Milano um zehn Uhr abends, Baustellen und Umleitungen über die Dörfer nachts inklusive, Eintreffen in Karlsruhe heute morgen um vier.

Bingo. Hat alles geklappt. Kleinere Berichte folgen bei Gelegenheit.

16 Mai 2007

Österreichisches Oi!-Heft


In einem ungewöhnlichen Format - irgendwas zwischen A4 und A5 - erscheint das aus Österreich stammende Skinhead-Fanzine Oi! The Print, dessen Nummer 22 auch schon vorliegt. Und guck' ich mir die Homepage an, weiß ich, daß bald schon wieder ein Heft auf mich zukommt - der Macher schreibt und publiziert schneller, als ich lesen kann.

Die vorliegende Ausgabe gefällt mir nicht unbedingt wegen des bunten Covers, sondern unter anderem wegen der Beiträge über Singapur. Da war ich kürzlich ja erst, wobei ich keine Skins gesehen habe. Ich war sicher in den falschen Stadtvierteln unterwegs ...

Neben den üblichen Platten- und Fanzine-Besprechungen gibt es haufenweise Interviews (unter anderem mit den Tower Blocks aus Berlin oder Sucubus aus Stuttgart, die durch rasantes Punkrock-Outfit optisch auf jeden Fall aus dem Rahmen fallen), einen Artikel über die österreichischen Pogo-Anarchisten, einen Beitrag zur Szene in Kolumbien und haufenweise anderes Zeugs.

Die 64 Seiten lesen sich ruckzuck; politische Ausfälle gibt es keine. Das Heft gehört auf jeden Fall zu den sympathischen Glatzen-Fanzines im deutschsprachigen Raum - gefällt mir gut und liegt immer mal wieder ganz oben auf meinem Lesestapel. (Gibt's für eineinhalb Euro.)

15 Mai 2007

Blogger im Visier

Die Headline ist gelungen: »Der Blogruf des Geldes«, so nennt sich ein Artikel im Online-Angebot des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel«. Gut geschrieben, auch pointiert formuliert, so präsentiert er zum wiederholten Mal den Blogger, das unbekannte Wesen im Internet.

Anscheinend versucht die Werbung jetzt stärker, auch Blogger in ihr Visier zu nehmen. Das liegt nahe, wenn man sich manche Blogs anschaut: Selbstdarsteller (wie ich) tummeln sich hier zu Hauf, daneben gibt es die üblichen Wirrköpfe, aber ebenso Mode- und Kultur-Interessierte, denen man sicher was verkaufen kann.

Bisher finanzierten sich viele Blogs durch Google- und Amazon-unterstützte Werbung. (Diese Seite hier natürlich nicht. Ich habe auch in meinem Punkrock-Heft ENPUNKT keine bezahlte Werbung drin. Aber der ENPUNKT-Blog ist – seien wir ehrlich – nicht gerade werberelevant.)

»Drei Blogger aus Berlin wollen nun die Vermarktung von Werbung selbst in die Hand nehmen«, schreibt »Der Spiegel«. Da bin ich ja mal gespannt.

Die entsprechende Firma nennt sich Adical. Sieht alles irgendwie ein bißchen rebellisch und punkig aus. Das sagen die Macher selbst: »Wir glauben, dass Werbung auf Blogs gut sein kann. Für die Kunden ebenso wie für die Blogger selbst.«

Na also. Herzlich willkommen in der Medienmärchenwelt.

14 Mai 2007

Freudenstadt, oh braune Heimat

Am Sonntag erzählte mir meine Mutter mit einiger Verunsicherung in der Stimme: »In Freudenstadt waren die Nazis. Die Straßenbahn war voll mit jungen Leuten, und ich wußte nicht, ob das jetzt Punker oder Nazis waren.« Und sie habe Angst bekommen, weil so viel Polizei am Bahnhof gestanden sei.

Na super: Ordnungshüter tragen dazu bei, daß eine 76 Jahre alte Frau in Angst und Schrecken versetzt wird.

Nach Durchsicht diverser Foto- und Textseiten bei Indymedia (inklusive alberner Diskussionen zwischen Nazis und Antifas), auf der Homepage des Südwestrundfunks (recht objektiv) und des Unabhängigen Infoportals (viele Fotos!) läßt sich feststellen: Tatsächlich machten die Nazis in Freudenstadt einen Aufmarsch, nicht zuletzt deshalb, weil sie in der Stadt Horb - wo das Ding ursprünglich geplant war - keinen Fuß auf den Boden bekamen.

Schon ein blödes Gefühl für mich, wenn ich sehe, dass ein Nazi-Mob vor »meinem« Jugendzentrum steht. Und wenn ich lese, dass die Polizei mal wieder gegen die »gewaltbereiten Linken« vorgeht. Klasse allerdings, dass in Horb die Bürger mobil gemacht haben - der Oberbürgermeister der Stadt, den ich aus den frühen 80er Jahren noch kenne, hat hier klar Flagge gezeigt.

Zu den wenigen positiven Überraschungen bei der schmierig-braunen Angelegenheit: Die besten Fotos schoß wieder mal Charly Kuball, mein ehemaliger Kollege bei der »Südwest-Presse«; ich wußte gar nicht, daß er noch aktiv ist. Seine Fotoseite prunkt mit großzügigen Nazi- und coolen Punk-Fotos.

Tapfere Kapelle


Drei Frauen, ein Mann: Die Rotten Apples aus Seattles erwiesen sich bei ihrem Auftritt in Karlsruhe als tapfer. Aber auch als ein bißchen anbiedernd.

Schätzungsweise 50 zahlende Gäste hatten sich in der Alten Hackerei eingefunden, dem neuen Punkrock-Laden meiner Heimatstadt. Dort stehen mit Plüschi (veranstaltete in den 90er Jahren zahllose legendäre Konzerte in der »Steffi«, spielte in vielen Bands) und Gunnar (Ex-Sänger der Hardcore-Legenden So Much Hate und Kafka Proses) zwei echte Szene-Prominente hinter der Theke.

Bei schönem Wetter blieb mindestens ein Dutzend der Besucher vor der Tür. Das Ambiente ist ja auch romantisch: ein alter Schlachthof, an dem nach wie vor Tiere zerlegt werden. Nix für beinharte Vegetarier - gottseidank bin ich nur ein gemütlicher Vegetarier.

Also feierten gut 30 Leute die Band aus Seattle ab. Die blieb tapfer und schmetterte einen Hit nach dem anderen in das gemütlich mit dem Kopf wackelnde Publikum. Wir blieben gemütlich; logisch, denn am nächsten Tag müssen ja alle arbeiten. Kein Wunder, bei einem Konzertbesucher-Durchschnittsalter von weit jenseits der 30.

Die Rotten Apples sind klasse. Ich mag ihren gelegentlich sehr rockigen Punkrock sehr. Wer Blondie covert, ist eh auf der richtigen Seite. Und dann dürfen gelegentlich ranschmeißende Ansagen wie »Kommt nach vorne, wir beißen nicht« auch erlaubt sein.

Schlimm wurde es erst nach dem Konzertende: Es regnete. Eine Ausrede für mich, unter dem Wellblechdach sitzenzubleiben und Bier zu trinken. Weia ...

13 Mai 2007

Ganz cool im Palais

Kaffezeit im Prinz-Max-Palais in Karlsruhe, während es vor den Fenstern nieselt. Am Nachbartisch, einem dieser typischen Zweisitzer-Tischchen für Paare, sitzt ein junger Mann.

Sieht aus wie ein Student, der noch seine BWL-Karriere planen muß. Schon recht schick gekleidet, ordentliche schwarze Haare, dazu eine Brille. Der aufgeklappte Laptop steht vor ihm, daneben ein Martini-Glas und eine leere Kaffeetasse. Sehr cool, ich bin beeindruckt.

Gelegentlich rührt er mit einem Plastiklöffelchen im Martini-Glas, trinkt manchmal einen winzigen Schluck. Alle zwei Minuten fährt er mit den Fingern über die Tastatur seines Computers und tippt etwas. Meist schaut er nachdenklich durch die Gegend.

Nach einiger Zeit winkt er mit einer lässigen Geste nach der Bedienung. Sie ist eine hübsche Blondine, im fürs Prinz-Max-Palais typischen schwarzen Outfit. »Wie darf ich dich nennen?« fragt er mit samtweicher Stimme.

Sie guckt nur eine Sekunde lang irritiert. »Eva«, sagt sie dann.

»Gut, Eva«, sagt er sehr locker, sehr leger. »Dann bring mir doch bitte mal die Rechnung.«

Und wieder erkenne ich, daß ich mit so richtig supercoolen Leuten einfach nicht mithalten kann ...

12 Mai 2007

Repressionswahn

Die Art und Weise, wie in Deutschland derzeit Angst geschürt wird, erfüllt mich mit blanker Wut. Wohnungen und Ladengeschäfte werden von gut tausend Polizisten durchsucht; als Begründung muß der internationale Terrorismus herhalten.

Daß diese Begründung haarsträubender Blödsinn ist, der durch dauerhafte Wiederholung aller möglicher CDU-Heinis nicht besser wird, liegt nahe. Viele kluge Leute haben dazu auch kluge Formulierungen veröffentlicht, so daß ich das nicht unbedingt alles nachbeten muß.

Die Absicht der Regierung, die ich den Herrschenden unterstelle, erinnert mich nicht nur den G8-Gipfel in Genua, sondern auch an die Chaostage Mitte der 90er Jahre. Wenn man die Bedrohung lange genug in die Köpfe hämmert, kann die Polizei nachher umso ungehinderter mit langen Knüppeln auf die Stöcke der Demonstranten und »Widerständler« hämmern.

Ich selbst fahre nicht zu irgendwelchen Demonstrationen gegen den G8-Gipfel. Friedlich und ruhig bleiben könnte ich angesichts der permanenten Provokationen durch die Polizei – und die sind zu erwarten – sicher nicht. Auf »Vorbeugehaft«, Knast und anderen Mist habe ich keine Lust, und für härtere »sportliche Aktivitäten« bin ich zu fett, zu faul und zu feige.

Also bleibe ich zu Hause und betreibe Gipfel-Tourismus mit Hilfe der Krawall-Fernsehsendungen. Die Faust ballt sich auch ganz gut in der Tasche, wenn man auf der Couch im Wohnzimmer sitzt.

11 Mai 2007

Coole Besprechung


Eine saugeile Besprechung fand ich mehr aus Zufall auf der Seite des Mannheimer Pogoradios: Dort wird nämlich mein Buch »Zwei Whisky für Neumann« besprochen, das sich erschütternderweise nicht besonders gut verkauft, um es mal vorsichtig zu formulieren. Kurzgeschichten sind tatsächlich nicht jedermanns Sache.

Oliver Obnoxious, den ich persönlich kenne und schätze, ist selbstverständlich kein »rein objektiver« Berichterstatter. Ich zitiere aus seiner umfangreichen Besprechung, die sich im Bereich »Review« bei den Büchern befindet: »Immer sehr persönlich, manchmal beinahe exhibitionistisch, bekommen wir hier Einblicke in das Leben von Klaus, dem scheinbar keine menschliche Gefühlsregung zu peinlich ist, um sie dem Leser zu offenbaren.«

Eine schöne Zusammenfassung zu den Geschichten und Themen liefert er auch: »Die Inhalte der einzelnen Geschichten kreisen um Klausens Kindheit und Jugend, seinen Punkrock-Alltag oder von Erlebnissen der ausgedehnten Reisen in aller Herren Länder Afrikas und Asiens. Teilweise sind sie zum Totlachen lustig, teilweise bleibt einem das Lachen im Hals stecken.«

Auf Lob verzichtet er ebensowenig. Aber das könnt Ihr ja selbst nachlesen. Oder gleich das Buch bestellen. Gibt's in jedem Buchladen zu bestellen, über diverse Versender wie amazon.de oder eben direkt beim Archiv der Jugendkulturen.

10 Mai 2007

Deutsche Band, unbekannte Lieder

Mittlerweile habe ich auch angefangen, mir gelegentlich legal MP3-Dateien zu saugen. Eine schnelle Datenleitung macht's auch mir möglich. Und ich stieß auf die Band Der Trick Ist Zu Atmen, die ich live stets gut fand, deren Emopunk-Platten ich mochte und deren Mitglieder sich im persönlichen Gespräch als sehr nett erwiesen.

Auf ihrer Homepage gibt es recht viele MP3-Dateien zum kostenlosen Runterladen: Aus dem 2001 erschienenen Debüt-Album »Auf schlechte Zeiten« stehen sage und schreibe acht Stücke zur Verfügung, und die EP »kopf / herz / beine« ausm Jahr 2002 steht mit allen drei Stücken kostenlos da.

Besonder cool: 2002 oder so spielte die Band live im »Anna & Arthur Infocafé« in Lüneburg. Das Konzert wurde live mitgeschnitten – und alle dreizehn Stücke stehen jetzt in einer guten Live-Qualität zur Verfügung.

09 Mai 2007

In Erinnerungen schwelgen

Zum ersten Mal berichtete ich über meine Redakteurs-Erinnerungen, die auf der PERRY RHODAN-Homepage publiziert werden, im März 2007. Mittlerweile sind zwei weitere Folgen erschienen.

Mit einer gewissen Wehmut unterlegt ist mein Beitrag über Walter Ernsting alias Clark Darlton. Der Mann überlebte den Zweiten Weltkrieg und die russische Kriegsgefangenschaft, war Nazi-Gegner und zeitweise in einer Strafkompanie, tanzte in der Nazi-Diktatur zu Swing-Musik und inszenierte sich in den 50er Jahren als cooler »Bohemien«. Ich mochte ihn, und ich bin froh darüber, mit ihm in seinen letzten Lebensjahren mehrfach gesprochen zu haben. Solche Leute gibt es zu selten.

Ganz neu jetzt mein Beitrag zu meinen fannischen Anfängen. 1977 hörte ich zum ersten Mal Punkrock, las ich zum ersten Mal PERRY RHODAN und interessierte ich mich erstmals für Mädels. 1979 gründete ich einen PERRY RHODAN-Club, kaufte meinen ersten Punkrock-Tonträger (müßte wirklich »Never Mind The Bollocks« beim Schallplatten-Haug in Freudenstadt gewesen sein) verliebte mich unglücklich in eine Klassenkameradin. Da paßt mein Beitrag zum ersten PERRY RHODAN-Club wie die Faust aufs Auge.

Weitere Fortsetzungen dieser Kolumnen-Reihe sind natürlich nicht ausgeschlossen ...

Schon veraltet, aber gut: der Alf

Schon über ein Jahr alt ist die neunte Ausgabe des Fanzines Alf Garnett, das sich im Untertitel mit treuherzigem Grinsen als »100% Pure Asshole Streetpunk Rag« bezeichnet, was immer ein »Rag« auch sein mag. Aber was kann ich dafür, dass Herausgeber Alan (alfgarnett-at-gmx.de) ein extrem lesenswertes Heft fabriziert, das aber so dick ist wie ein durchschnittliches Taschenbuch und von mir komplett durchgeschmökert werden möchte?

Der Schwerpunkt liegt auf Punkrock aus Frankreich, was man nicht allenthalben findet. Diverse Bands und Platten werden abgefeiert; sehr schön.

Dazu gibt es das übliche: haufenweise Plattenbesprechungen (allesamt gut geschrieben!) sowie Interviews mit Bands aus Punkrock- und Oi!-Kreisen. Der Macher hat klare politische Ansichten, kann Nazis nicht ausstehen und findet spießige Linke auch ziemlich blöd. Das alles wird in einer Manier erzählt und rübergebracht, die sympathisch ist. Und wenn dann en passant noch sexistische Alt-Punker angegriffen werden – sowohl von Alan selbst als auch von seiner Freundin Lotte –, paßt das gleich doppelt gut aufs Auge. Gerade Kritik an der eigenen Szene ist oftmals bitter nötig.

Mein Tip: kaufen und bestellen. 132 Seiten für zwo Euro plus Porto – ein Taschenbuch für denselben Preis in irgendeinem albernen Literatur-Kleinverlag kostet garantiert 14 Euro und bietet nicht einmal ein Zehntel des Lesespaßes!

Leider gibt es zu diesem famosen Fanzine nur eine völlig veraltete Homepage. Aber wer bin ich denn, der so was kritisiert? Meine ENPUNKT-Seite rührt sich seit fünf Jahren nicht mehr, arrrrgl.

08 Mai 2007

Regenwetter ohne Tänze

Den gesamten April über fiel praktisch kein einziger Tropfen auf Deutschland. Entsprechend trocken wirkten Flüsse und Bäche, während unsereins noch mehr Allergie-Probleme hatte. Seit gestern regnet es zumindest stellenweise und in schönen Schauern.

Die Luft riecht frischer, und mir kommen spontan Erinnerungen hoch. 1993 oder so in Südafrika: Nach einigen Tagen im Norden von Transvaal kam ich nach Johannesburg zurück, und an diesem Abend regnete es zum ersten Mal seit Monaten wieder.

In den Straßen von Hillbrow tanzten die Menschen unter den Tropfen, überall tobte richtiggehend die Freude. Einige Händler zogen schimpfend Dächer über ihre Marktstände, aber insgesamt herrschte große Freude.

Und es roch. Nein, es stank! Nach Monaten, in denen die Männer gegen Hauswände gepisst hatte und der Urin schön langsam eingetrocknet war, wurde das ganze endlich mal aufgeweicht, und die Gerüche entwichen an die Öffentlichkeit.

Seither ist in meinem Bewußtsein der Gedanken an einen Regen nach langer Wartezeit aufs engste verknüpft mit einem Geruch nach Pisse, der durch die Straßen treibt.

07 Mai 2007

Koppen, Niesen, Radio


Am Sonntag abend, 6. Mai 2007, litt meine Radiosendung im Querfunk massiv unter meinem Heuschnupfen: Wenn ich nicht gerade einen asthmatischen Hustanfall bekam, nieste und rotzte ich ins Mikrofon. Na super.

Und da ich mir zuvor in einem Imbiss auf der Kaiserstraße eine höchst unterdurchschnittliche Pizza-Schnitte eingepfiffen hatte, mußte ich mir zu allem Überfluß auch noch ein Rülpsen verkneifen. Gelegentliches »Hupsen« gab's trotzdem.

Das ist wahrscheinlich ja alles sehr punkig. Na also!

Thema der Sendung war Punkrock und Hardcore aus England, und ich spielte diesmal altes und neues Zeugs. Aus der alten Zeit gab's Heresy (rasantester Hardcore) und The Depraved (zu Unrecht vergessene Hardcore-Band) nebst Broken Bones (nach all den Jahren finde ich deren Metal-Punk ganz okay) und Serious Drinking (meine Lieblingsband an dem Abend).

Alte Männer wie TV Smith oder Wild Bill Childish rundeten die Sendung ab, dazu kamen neue Bands wie Chillerton oder die Arctic Monkeys. Ach, Radiomachen ist einfach toll.

Schickes Geschenk


Da guckte ich leicht verwundert in Berlin: Ich bekomme ein Geschenk.

Lothar Rämer ist Geschäftsführer der Firma Between The Stars, die das PERRY RHODAN- Sammelkartenspiel herausgibt. Ich verstehe nicht sonderlich viel von Sammelkartenspielen; das aber sieht auf jeden Fall sehr gut aus und ist anscheinend auch gut spielbar.

Seit Jahren ist Lothar einer der Aktivisten dieses Spiels, einer der Leute, die auch dafür gesorgt haben, daß es immer noch existiert. Das finde ich super! Nicht nur ich als Perry-Redakteur, sondern eben auch der Privat-Klaus, der solches Engagement immer bewundernswert findet.

Und wenn ich dann noch eine speziell angefertigte Sammelkarte in Großformat als Geschenk krieg', freue ich mich darüber auch. Das Bild steht jetzt bei mir im Bücherregal, direkt unter einem Dirk-Schulz-Original, und dort macht es sich sehr gut.

Das Foto zeigt Lothar Rämer, das Bild und mich, wie wir ganz offiziell im Planetarium am Insulaner in Berlin herumstehen.

06 Mai 2007

»Unser Schorf soll Döner werden«

Ich gebe zu, die Überschrift hier ist ein eher schwächerer Witz aus dem Kabarettprogramm von Hagen Rether. Aber es ist mir fast unmöglich, Details aus dem Programm zu zitieren, ohne seitenweise schreiben zu.

Gut drei Stunden saß der Mann auf der Bühne: anfangs im eleganten dreireihigen Anzug, später legte er das Jackett ab. Mal spielte er am Klavier, mal saß er auf dem Drehstuhl und »plauderte« - als ob er sich ganz normal mit uns unterhalten würde.

Und dabei brachte er knallharte Aussagen, bei denen mir manchmal die Spucke wegblieb, bei denen ich mich manchmal gleich danach wieder halb tot lachte. Rether schoß gegen den Papst im besonderen und die katholische Kirche im algemeinen, gegen Politiker aller Parteien und gegen eine immer seltsamer werdende Welt.

Eigentlich war das, was er brachte, nicht witzig: Er behandelte auf knallhart-kabarettistische Art und Weise die ernsthaften Themen unserer Zeit. Es blieb einem gelegentlich die Spucke weg, oder es fiel einem das Glas aus der Hand.

Ohne Scheiß: Am Abend des Samstag, 5. Mai 2007, sah ich im »Tollhaus« in Karlsruhe das bisher beste Kabarettprogramm meines Lebens!

05 Mai 2007

24 Stunden Berlin

Manchmal macht das ja Spaß, aber immer wollte ich das nicht tun: Freitag morgen um sechs Uhr aufstehen, dann in den Flieger nach Berlin, dort im Hotel einchecken und um elf Uhr den ersten Termin. Okay, beim Archiv der Jugendkulturen ist es nicht unbedingt anstrengend, sondern sehr nett, aber trotzdem.

Dafür der nächste Termin wieder richtig wichtig und business-like. Der letzte Nachmittags-Termin ist dafür rein privat, mit einer leichten Geschäftstarnung.

Um 18 Uhr dann im Zeiss-Planetarium im alten Westberlin: PERRY RHODAN-Hörspielabend. Ich lerne den Fernseh-Star Volker Lechtenbrink kennen, ein sehr sympathischer Mensch, der ebenso wie sein Alt-Kollege Volker Brandt viele coole Geschichten zu erzählen weiß. Die beiden sowie zwei weniger bekannte Kollegen (ausführlicher Bericht eh auf der PERRY RHODAN-Homepage demnächst) bestreiten die PERRY RHODAN-Hörspielnacht.

Hinterher noch Bier- und Cocktailtrinken. Um zwei Uhr nachts drängle ich zum Aufbruch, irgendwann um kurz vor drei Uhr liege ich im Bett. Heute morgen um 6.30 Uhr klingelt der Wecker: mit dem Flieger zurück nach Karlsruhe.

Dafür habe ich das ganze Wochenende für mich. Puha. Ich finde so was anstrengend, aber auch extrem unterhaltsam.

Nur: Es gibt Leute, die machen das nur so. Das ist ihr Job. Kurze Nächte, kurze Flüge, ständig Termine. So stressig muß ich's dann doch nicht die ganze Zeit haben.

03 Mai 2007

Nachts in der Stadt

In der Mai-Nacht unterwegs: Von Mai-Feiern trunkene Menschen trieben sich in Grüppchen auf der Straße herum, und ich steuerte mein Rad durch die Fußgängerzone. Eigentlich hatte ich Lust auf ein Bier und auf einen Döner, machte mir aber mit einem Blick auf meinen Bauch klar, daß ich es nicht übertreiben sollte.

Bis ich den Mann auf dem Gehsteig liegen sah. Sein runder Bauch hob sich wie eine Halbkugel in die Höhe, das T-Shirt so weit hoch- und die Hose so weit runtergerutscht, daß man sowohl den Bauchnabel als auch den Anfang der Sackbehaarung sehen konnte.

»Hier find' ich's gut«, beschloß ich, steuerte mein Rad an die Straßenecke. Es war nach zwei Uhr, und Kofflers Wiener Beisel hatte geöffnet – sicher deshalb, weil in der Mai-Nacht alle möglichen Regeln außer Kraft gesetzt wurden.

Die Pommes frites wurden frisch gemacht, also wartete ich. In der Zeit beobachtete ich die Umgebung; später stand ich am Rand, futterte die leckeren Pommes und guckte weiter anderen Leuten zu.

Nächtliches Kuriositätenkabinett: Der Besoffene, der auf dem Gehweg lag, verschwand irgendwann. Stattdessen kam eine Gruppe jugendlicher Gothic-Fans vorbei, Mädels und Jungs gemischt; die gewünschte düstere Wirkung schwarzer Klamotten und vieler Metallteile verflog ruckzuck, als die Leute schlimmsten Pfälzer Dialekt sprachen.

Und dann noch die zwei Typen, schätzungsweise 20 Jahre alt, die Arm in Arm vor der Theke standen und zu singen versuchten: »So wie wir, so hält keiner zusammen. Wir halten immer zusammen, weil wir die besten Freunde sind.« Klar, dachte ich, daß das die besten Freunde sind – die sind sicher die einzigen, die sich leiden können.

Ich glaube, ich sollte mich wieder öfter in solchen Nächten auf der Straße herumtreiben.

02 Mai 2007

Text zu einem SF-Klassiker

Endlich habe ich den fünften Band der Serie »Die interstellaren Freihändler« erhalten. Geschrieben wurde der Band vor sage und schreibe vierzig Jahren von Hanns Kneifel – er erschien damals als Heftroman.

Jetzt gibt es die Romane um die »Interstellaren Freihändler« wieder neu im Mohlberg-Verlag. Paperbacks in schönem Druck, die in punkto Optik absichtlich an die sechziger Jahre erinnern.

Und zu jedem der sechs Bände gibt es ein Vorwort, geschrieben von »Wegbegleitern« des Autoren. Mit Gisbert Haefs (preisgekrönter Autor und Übersetzer) und Michael Görden (Übersetzer und Programmleiter in diversen Verlagen) gibt es sogar richtige Prominenz.

Bei Band fünf hatte ich die Ehre, das Vorwort schreiben zu dürfen; deshalb habe ich mich über den fünften Band natürlich besonders gefreut. Mein Titel für den Text war ursprünglich »Zeitliche Dimensionen«.

Wer das Vorwort lesen mag: Ich habe es in den Kommentar zu diesem Blog-Eintrag gestellt. Viel Spaß damit! Und vielleicht hat jemand Bock darauf, die alten Schinken zu lesen – das macht manchmal richtig Spaß!

01 Mai 2007

Party im alten Autohaus

Wer nach einem Punk-Konzert noch durstig ist, sucht sich üblicherweise eine andere Tränke, wo es Bier gibt. Mich führte der Weg in der Nacht auf den ersten Mai in die Oststadt von Karlsruhe, wo das ehemalige Autohaus Zschernitz seit einiger Zeit leersteht und aus diesem Grund immer mal wieder »umgewidmet« wird.

Aus den Büros wurde eine Theke, an der es gekühltes Bier zu preiswerten Theken gab, sowie eine Mini-Diskothek; der Showroom ist neuerdings ein Ort, an dem Konzerte veranstaltet werden. Und häufig gibt es irgendwelche Party-Veranstaltungen.

So auch an diesem Montag abend. Die Musik war mir zeitweise zu elektronisch, dafür das Publikum umso besser. Vielleicht fünf Dutzend Leute tummelten sich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Autohauses, und das war angenehm und spaßig zugleich.

Den Elektrosound bekämpfte ich mit Bier und viel Gerede. So ließ es sich locker bis in die Nacht aushalten ...

Tanz in den Mai

Daß ich die Band Steakknife aus dem Saarland mag, habe ich in meinem Fanzine ENPUNKT schon mehrfach geschrieben: Lee Hollis ist ein großartiger Schreihals und Frontmann, und die Herren Musiker haben alle schon seit Jahren in den unterschiedlichsten Bands ihre Erfahrungen gesammelt.

Kein Wunder, daß ich am Montag abend, 30. April 2007, mit großer Erwartung ins »Substage« nach Karlsruhe ging. »Tanz in den Mai« der besonderen Art also.

Leider waren nicht so viele Menschen da wie erwartet. Rund 150 zahlende Gäste, so schätze zumindest ich – kein gutes Geschäft für die Veranstalter.

Die Vorband hatte ich verpaßt. Pascow aus dem Saarland mag ich eigentlich sehr gern, aber sie wurden vom Publikum komplett ignoriert.

Auch bei Steakknife war die Reaktion eher verhalten. Man klatschte anständig, immerhin, ansonsten aber gab es einen großen Woodstock-Halbkreis vor der Bühne. Diesen füllten zwei zottelige Mädels, die Ausdruckstänze vorführten.

Eines der Mädchen – Brille und kurze Dreadlocks – kam irgendwann her zu mir und wollte mich zum Tanzen auffordern. Kein Witz! »Komm! Pogo tanzen!« Ich guckte gebührend ablehnend. »Oder bist du dafür zu alt?« schob sie nach.

Später saß das Mädchen auf dem Bühnenrand, wurde dort von Lee Hollis verspottet. »Get off my stage« in Umwidmung des alten Spermbirds-Songs »Get on the stage«.

Dafür bewegte sich dann doch das Publikum. Sogar ich hüpfte fleißig herum und brachte den Wanst in Bewegung. Sehr schön! Gut verschwitzt und leicht angetrunken beendete ich das Konzert.

30 April 2007

Punkrock aus dem Saarland

In meinen Bemühungen, in meiner Radiosendung auch obskure Themen zu behandeln, war am Sonntag, 29. April 2007, das Saarland dran – wie immer im örtlichen Radio Querfunk. Der Grund lag sogar auf der Hand: Ich wollte entsprechend auf das Steak Knife-Konzert am heutigen Montag hinweisen.

Entsprechend krachen ließ ich es auch: Steakknife sowieso, aber eben auch Ska-Punk von Skafield oder Emopunk von A Martinez, um einige neue Bands zu nennen. Den Blick in die Vergangenheit gab es mit der Challenger Crew (Hardcore von 1987, damals sang Moses, der später das ZAP-Fanzine machte) und mit 2 Bad (hier sang Lee Hollis).

Eine gute Mischung, wie ich finde.

29 April 2007

Unglaublich bescheuert

Sage mir noch einer, die Deutschen hätten einen Hakenkreuz-Knacks. Die Amis sind da nicht besser, zumindest machen sie manchmal den Eindruck.

Geht einfach auf den angegebenen Link oder gebt die Zauberworte "Swastika on Naval Base" in einem euch genehmen Suchprogramm ein: Im Hafen von San Diego, direkt an der Tulagi Road und in direkter Nähe des Silver Strand Boulevards - dort findet sich ein Gebäude, dessen Form von oben so aussieht, daß ich mir nicht getraue, das entsprechende Bild auf dieser Homepage zu kopieren.

Selten so ein derart korrektes Hakenkreuz auf einer Luftaufnahme gesehen ...

Gratulation an die KSC-Fans

Wer in Karlsruhe wohnt, entwickelt irgendwann mal ein Verhältnis zum Karlsruher Sport-Club, kurz KSC genannt. Das Hin und Her des Vereins bekomme ich seit vierzehn Jahren mit – und obwohl ich kein Fan des Vereins bin, litt ich in gewisser Weise immer mit. Kein Wunder, wenn im Bekannten- und Freundeskreis einige KSC-Fans sind.

Jahrelanges Kämpfen in der Zweiten Liga, dreimal am letzten Spieltag noch den Klassenerhalt geschafft – und in dieser Saison anscheinend alles richtig gemacht. Mit einem kleinen Etat, mit einem Trainer, der zuvor die Amateure trainiert hatte, und einer Mannschaft, die vor allem aus »Jungs« aus der Region besteht: der Beweis, daß Geld und internationales Gehabe nicht alles sein müssen.

Das heutige Spiel sichert jetzt den Aufstieg der Mannschaft in die Erste Bundesliga. Gegen Unterhaching gelang der endgültige Sieg - nachdem die Mannschaft die komplette Saison über den Spitzenplatz in der Zweiten Liga nicht hergegeben hatte.

Von unserem Balkon aus hört man das Hupen und Jubeln vom Stadion her, ebenso von den Straßen, die in die Innenstadt ziehen. Die Kaiserstraße verwandelt sich im Augenblick in eine Party-Meile, auf der gefeiert wird, bis der Arzt kommt.

Hey, KSC-Fans, ich gönn's Euch!

28 April 2007

Geänderte Lebensgewohnheiten

Früher war das Samstagabend-Programm immer einfach: Mit einigen Kumpels zog ich los (oder auch allein mit dem Auto), idealerweise auf ein Punk-Konzert, ich redete viel dummes Zeugs, trank viel Bier, idealerweise hüpfte ich pogenderweise durch die Gegend, und hinterher hatte ich vielleicht einen Filmriss, aber auf jeden Fall das Gefühl, viel erlebt zu haben.

Heute sieht das so aus (wie heute eben): Die kleine Gruppe langsam älter werdender Männer, denen man teilweise noch ansieht, daß sie eine subkulturelle Vergangenheit haben (hüstel), sitzt gemeinsam mit den weiblichen Begleiterinnen auf einer Terrasse. Man trinkt Bier, man redet dummes Zeugs - und man spielt gemeinsam Gesellschaftsspiele.

Ich gestehe: Das macht mir mitunter extrem viel Spaß. Die Albernheit stellt sich von selbst ein, und unterhaltsam ist das auch. Mit Punkrock hat's vielleicht nicht mehr soo viel zu tun. Aber ... na und?

27 April 2007

Im seriösen Herz von Frankfurt

Man hat als Normalsterblicher manchmal so seine seltsamen Vorstellungen von gewissen Institutionen. Das fiel mir heute wieder ganz besonders auf, als ich die Redaktionsräume der Frankfurter Allgemeinen Zeitung besuchte.

Bisher hielt ich das Blatt für konservativ, also ging ich instinktiv davon aus, dass auch die Mitarbeiter einen eher langweiligen Eindruck hinterlassen. So kann man sich täuschen.

Helle Wände, offene Türen, ein toller Fahrstuhl mit Ausblick: Das ging schon mal richtig gut los. Das Büro, das ich besuchte, sah »vollgekruschdelt« aus, schlimmer als mein Arbeitszimmer: Bücher, Zeitschriften, Prospekte. Papier bis zur Decke.

Und überall nette, freundliche Leute: Man begrüßte mich mit Handschlag, und alle machten den Eindruck, sich tatsächlich über meinen Besuch zu freuen. So mag ich das, so schätze ich das.

Ohne Schmarrn: Wenn ich künftig eine »FAZ« in der Hand halte, sehe ich die Gesichter der Menschen, die das Blatt gestalten - und mein Eindruck wird ein anderer sein.

25 April 2007

Bei den Alten Kommerziellen

Der Laden nannte sich "Old Commercial Room" und lag direkt in der Hamburger Innenstadt, direkt gegenüber des Langen Michels, wie die Einheimischen die olle Kirche gern nennen. Und alt wirkte auch das Restaurant, in das es mich bei meinem letzten Hamburg-Besuch verschlug: holzgetäfelte Wände, an denen die Bilder von Prominenten hingen, die von dem schon altgedienten Bekanntheitheitsgrad des Restaurants zeugten, dazu Tische und Stühle in schwerem Holz.

Das Essen schmeckte lecker, sogar das vegetarische Futter, das ich mir extra bestellen mußte. Durchaus kritisch bewertete ich das Turbinenöl, ein grünes Gesöff, das es kostenlos vom Haus gab, das durchaus Alkohol enthielt, ansonsten aber eher schlabberig schmeckte.

Kurzum: ein gelungener Abend, den ich mit viel Bier und drei Schnäpsen auch stilgerecht beging. Immerhin verzichtete ich auf den Labskaus, das Lokalgericht Hamburgs, für das der "Old Commercial Room" angeblich bekannt ist. Was ich bei den Kollegen auf dem Tisch sah – Hackfleisch, Spiegelei, Rote Beete und sonstiges Zeugs – reichte mir in der Kombination auch so.

Selbst ein Schwabe muß nicht alles gut finden, obwohl man es gratis bekommt.

24 April 2007

Sprung nach vorne für drei Akkorde


Meine »große« Hardcore-Zeit war Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre. Bands wie Youth Of Today ballerten mich live weg, ebenso die englischen Heresy und natürlich Negazione aus Italien und So Much Hate aus Norwegen. Das ist lange her, es hat sich viel verändert, und Mitte der 90er Jahre verlor ich den größten Teil der Hardcore-Szene aus den Augen.

Wenn ich aber, wie heute geschehen, die Ausgabe neun des Fanzines Three Chords durchlese, schreibe ich mir myspace-Adressen raus und notiere mir Bandnamen, weil ich gucken und hören will, was sich tut.

In hervorragendem Layout, das professionell aber eben nicht schleimig-kommerziell aussieht, präsentiert die in Münster sitzende und mir persönlich völlig unbekannte Redaktion allerlei Bands, von denen ich die meisten nicht mal vom Namen her kenne. Okay, es werden The Explosion aus Boston interviewt, die ich sehr mag, und auch The Spits aus Seattle, John Joseph von den alten Cro-Mags (die ich ja nie mochte) kommt zu Wort, und das wegweisende Label Revelation Records wird ausführlich vorgestellt - da ist auch für einen alten Sack wie mich viel geboten.

Apropos alter Sack: Amüsant finde ich die Betrachtungen verschiedener Szene-Menschen zum Thema »Hardcore über 30«, was - wenn ich mich recht erinnere - mal bei einem Fanzine-Treffen in Neuss ein Thema war. Das aber ist auch schon gut zehn Jahre her.

Das Heft hat geschlagene 128 Seiten Umfang. Im A4-Format wohlgemerkt. Und ich habe mich nicht gelangweilt, sogar das x-te Interview mit einer mir unbekannten Band las ich zum größten Teil durch (ein bißchen kürzen hätte trotzdem oftmals nicht geschadet). Ein hervorragendes Heft, das ich allen empfehlen muß und möchte, die sich für Hardcore im weitesten Sinne interessieren. Kostet schlappe drei Euro.

Schlipsträger unterwegs

Zum ersten Mal in meinem Leben fuhr ich in der Ersten Klasse mit der Deutschen Bundesbahn: Dummerweise saß ich in einem Abteil und nicht im Großraumwagen, in dem man normalerweise mehr Beinfreiheit hat. Trotzdem gab es genügend Gelegenheit, den Leuten zuzuschauen.

Der Homo Ersteklassereisenderis ist vorwiegend männlich und mittleren Alters, er trägt Anzug und Krawatte und guckt meist wichtig. Handy und Laptop gehören zum unverzichtbaren Reisemittel.

Sieht man von diesen Statussymbolen ab, ist das Reisen in der Ersten Klasse nicht sonderlich anders als das Reisen in der Zweiten Klasse: Immerhin gibt es keine quengelnden Kinder, und Horden von besoffenen Bundeswehrsoldaten können sich die Luxusklasse schlicht nicht leisten.

Aber sonst? Der Kaffee wird einem auch in der Zweiten Klasse an den Platz gebracht und schmeckt nicht beschissener. Beim nächsten Mal fahre ich auf jeden Fall wieder Zweite Klasse.

22 April 2007

Mörderjagd in Neureut

Ich wußte bislang nicht, wer Georg Uecker ist. Der Mann ist Schauspieler und verkörpert die Figur des Dr. Carsten Flöter in der Fernsehserie »Lindenstraße«. Da ich die aber seit gut einem Dutzend Jahren nicht mehr gesehen habe, nützt mir eine solche Information wenig.

Georg Uecker ist aber auch der Moderator der Show »Fang den Mörder«. Die Mischung aus Kabarett, Mitmach-Quiz und interaktivem Theater ist seit einigen Jahren auf Tour und gastierte am Samstag, 21. April 2007, in der Badnerlandhalle in Karlsruhe-Neureut. Und da die freundlichen Kollegen der Internet-Agentur Trilobit mir eine Eintrittskarte schenkten, ging ich gern zu der Veranstaltung. (Dafür noch mal danke schön!)

Der Moderator war dabei der Hammer! Wie Georg Uecker über die Bühne schwänzelte, wie er sein Publikum und die mehr oder zwangsweise auf die Bühne verfrachteten Gäste in Gespräche verwickelte und wie er als Stand-up-Comedien die Einleitung machte - das war schon ziemlich perfekt. Ich amüsierte mich königlich.

Die Theaterstücke fand ich nur teilweise gelungen: Der historische Krimi enttäuschte mich sogar, dafür fand ich den zeitgenössischen Krimi, der im Schweizer Nobelskiort St. Moritz spielt, umso besser.

Das Highlight der Show war aber stets das Raten des Publikums. Die Diskussionen mit Freunden und Bekannten. Das Biertrinken in der Pause. Das Einwerfen der Karte in das entsprechende Kästchen. Und das Mitfiebern, wer denn nun wirklich der Mörder sein könnte.

Um es kurz zu machen: Mit meinen waghalsigen Theorien lag ich stets daneben. Als Kriminalkommissar wäre ich allerdings fehl am Platz.

Lustig und höchst unterhaltsam waren die dreieinhalb Stunden in der Badnerlandhalle aber trotzdem. Sehr schön!

Lyrik-Fanzine

In Zeiten, wo Poetry Slams sogar im Fernsehen kommen, sollte ich mal wieder auf ein Fanzine hinweisen, das vorrangig Gedichte veröffentlicht. Gemeint ist die Ausgabe 15 des Fanzines My Choice, das der unermüdliche Jerk Götterwind aus Groß-Gerau herausgibt.

40 Seiten mit allerlei Texten; manche finde ich gut, und bei manchen frage ich mich stets, warum die Zeilenbrüche an genau den Stellen sind, wo sie sitzen - wahrscheinlich eine reine Laune.

Und manche Texte sind mir dann doch zu schlicht: »Natürlich bemerkt sie mein Zögern. / Sie ist verletzt und wütend. / Die Ohrfeige nehme ich gleichgültig hin.« Da ist der Autor meiner Ansicht einfach zu faul, sich einen ordentlichen Text auszudenken, und reiht einfach einige Zeilen aneinander.

Schon passender sind Zeilen wie die: »Vor mir weiße Flächen / Ebenen vor gezacktem Horizont / Schnee gefriert zu Stein«. Da macht mir die Lyrik richtig Spaß.

Eine bunte Mischung. Keiner der Texte hat den Anspruch, »anspruchsvoll« zu sein. Deshalb gefällt mir die Mischung wahrscheinlich trotz aller Einzelkritik recht gut. Das Heft gibt's für einen Euro plus Porto.

21 April 2007

Körperliche Arbeit

Manchmal hat meine Mama seltsame Ideen: Haus streichen, Garten umgraben, Hecken schneiden. All so ein Zeugs, das ich als Großstädter, der ich mittlerweile bin, schon gar nicht mehr kenne.

In diesem Fall setzt sich Sohnemann Klaus ins Auto, düst in den Schwarzwald, ackert fleißig und wird dafür mit Kaffee und Kuchen, selbstgebackenem Brot und anderen Neckereien belohnt.

Davor aber haben die Götter den Schweiß gesetzt: Steinplatten schleppen, Löcher buddeln, Zement von Hand anrühren - kurzum, lauter Dinge, die ein Büromensch schon gar nicht mehr kennt. Und zwischendurch dem Hauskater noch die Zecken aus dem Fell drehen, das kann Mama nicht allein.

Hinterher leichte Gliederschmerzen und fieser Schweißgeruch, aber das Gefühl, »ebbis gschafft« zu haben. Auch mal schön. Und auf den Kaffee, den es irgendwann auf der neuen Veranda gibt, freue ich mich schon jetzt.

20 April 2007

Ein wunderbarer Film!

Gestern abend auf DVD geguckt: »Cinema Paradiso«, kein Genre-Film, sondern ein Streifen, den ich schon jetzt zu meinen Top Ten des Kinofilms zählen werde. Ein wunderbarer Streifen, bei dem man eigentlich heulen müßte.

Es geht um ein Kino, das nach dem Zweiten Weltkrieg in einem kleinen Ort in Sizilien zum Zentrum der Gemeinde wird. Ein Ort, an dem die Menschen fiebern und leiden, an dem sie lachen und jubeln. Und vor allem der Ort, in dem der kleine Junge Toto – ein großartiger Nebendarsteller! – vergißt, daß sein Vater im Krieg geblieben ist.

Ich will den Lesern die Details verschweigen, die lassen sich auf den einschlägigen Homepages eh nachlesen; es gibt sogar eine Lehrer-Analyse des Streifens. Ich will ihn empfehlen: als einen Film, den ich als unglaublich intensiv empfand, als »wertvoll« in positivem Sinn.

Zurecht gab es für diesen wunderbaren Film einen Oscar. Dem Regisseur des »Cinema Paradiso« haben wir übrigens auch »Die Legende des Ozeanpianisten« zu verdanken, ebenfalls ein absolutes Meisterwerk.

19 April 2007

Seltsame Spam ...

Irrwitzige bis bescheuerte Spam bin ich ja gewöhnt. Aber die heutige Mail-Ladung übertraf einiges. Gleich dreimal bekam ich eine Mail mit dem Absender Web-Nachrichten Deutschlands und der damit angegebenen Adresse info@focus.de (na, die werden sich beim FOCUS darüber aber freuen!).

Und natürlich macht das Betreff richtig neugierig: »In Muenchen ist Trauer angekuendigt.« Immerhin ist das Hauptthema der heutigen Presse die Schießerei in den USA. Noch besser dann aber der Text, den ich hier reinkopiere.

Innerhalb von einer Stunde beging ein Asiater 6 brutale Morde und verschwand in der unbestimmten Richtung. Der Moerder schlich sich in ein Wohnhaus ein und schlachtete all seine Bewohner inklusive 2 kleiner zehnjaehrigen Maedchen, die heimgegangen sind. Ermordet waren auch alle Haustiere. Die Polizei ist schockiert und macht nun alles Moegliche, um diesen Taeter so schnell wie moeglich finden zu koennen. Dank einiger Passanten gibt es nun eine kurze Beschreibung des Verbrechers. Es wurde eine Belohnung angekuendigt, wenn jemand etwas zu diesem Fall mitteilen kann. Naeheres dazu sowie ein Roboterbild unter http://geocities.com/SelaElvira1305

Seien Sie bitte vorsichtig! Danke fuer ihre Aufmerksamkeit


Stellt sich eigentlich nur die Frage, was ein »Asiater« ist. Und wer so blöd ist, auf den angegebenen Link zu klicken ...

Strenge schicke Dame



Guckt man sich in Karlsruhe um, sieht man alles mögliche. Leider nicht nur schöne Dinge. Aber das ist wohl überall so.

Cool finde ich manches Graffito. Hier eines aus einer Unterführung.

Schicke Dame, wie ich finde. Guckt nu rein bisschen streng.

18 April 2007

Autorenkonferenz

Seltsame Sache: Vor fast 30 Jahren habe ich meinen ersten PERRY RHODAN-Roman gelesen. Sommer 1977, ein Roman, in dem ein kleiner Mausbiber mit seltsamen Eigenschaften, ein schwarzhäutiger Riese mit vier Armen und drei Augen und so ein Wasserstoffatmer vorkamen. Das fand ich unglaublich beeindruckend; ich träumte nachts von Raumschiffen und Außerirdischen.

Und jetzt bin ich Chefredakteur der PERRY RHODAN-Serie, auch schon seit einigen Jahren, wie mir eben auffällt. Dieses Jahr bin ich 15 Jahre »an Bord« der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Wenn ich mir das laut vorsage, klingt es sogar für mich sehr beeindruckend.

Schließlich ist es häufig auch ein Job, der nicht beeindruckt, sondern der anstrengt. Welcher Beruf ist das nicht? Außerdem hab' ich mir das ausgesucht.

Wichtig aber: Die letzten zwei Tage hatten wir Autorenkonferenz. Zehn Autoren und die Redaktion, zeitweise auch noch zwei Zeichner. Das war spannend: Ideen austauschen und Quatsch reden, Bier trinken und Spargel futtern, über »American Psycho« und »300« diskutieren - und fleißig Ideen ausbrüten, die Stoff für die nächsten Jahre bieten sollen.

Toll. Das ist eines der Highlights meines Arbeitsplatzes.

17 April 2007

Moloko Plus 31 – ein Tipp!


Es bedarf anscheinend immer einer Dienstreise, um ein Punkrock-Fanzine so richtig komplett durchzulesen. Das klingt komisch, ist auch seltsam, stimmt aber. Also: Ich las das Moloko Plus, die aktuelle Ausgabe 31.

Porträtiert werden das Label Halb 7 Records und das Fanzine Pankerknacker. In Interviews präsentieren sich Oi!- und Punkrock-Bands wie die Young Ones aus Holland, Goldblade aus England, Strongbow oder The Shoemakers aus Deutschland nebst einigen anderen.

Ergänzt wird das Heft, das im coolen Quadrat-Format erscheint, durch die üblichen Besprechungen von Platten und Fanzines, dazu kommen allerlei Artikel, etwa über den »Bloody Sunday« im Jahr 1972, der in vielen Musikstücken verarbeitet wurde, oder den Fußballer Arthur Friedenreich. Mein Lieblingsartikel: ein Text über die schreckliche 70er-Jahre-Band Bay City Rollers.

Das Heft ist saugut geworden, man merkt den Schreibern sowohl die Szene-Erfahrung als auch die Sachkenntnis an. Klare Trennung von Faschisten und anderen Deppen inklusive. Meine Empfehlung – das kann man/frau sich gern zulegen. 64 arschgeil gestaltete Seiten für zweieinhalb Euro sind auch super-okay.

15 April 2007

Wie der Vater, so der Sohn

Punk-Konzert im »Art Canrobert«. Ich stehe mit Frankie und einer ziemlich fröhlichen Punkette im Flur, wir trinken Bier und reden Blödsinn.

Eine Gruppe jugendlicher Glatzköpfe bewegt sich durch den Gang, offensichtlich schon einige Biere zu viel in den prallen Bäuchen. Und sie singen »Korrekte Drinks«, zumindest der vordere grölt das.

Frankie und ich gucken uns an. Das ist doch ..., denken wir wahrscheinlich beide. »Das sind die Presidenten!«, rufe ich begeistert aus. »Und die spielen heute abend eigentlich in Karlsruhe.«

»Au ja«, meint Frankie, »wir fahren jetzt nach Karlsruhe, gucken uns die Band im Crazy Kong an, dann kommen wir wieder hierher.«

Ich stupse den vordersten der Jung-Skins an. »Hey, die Band spielt heut' abend in Karlsruhe.«

Daraufhin sagt er in breitestem Pfälzisch. »Des weeß ich doch. Der Sänger isch mei Babba.«

Einige Nachfragen mehr glauben wir das. Der Sohn des »Presi«, so der Name des Sängers der mehr oder weniger legendären (und eher stumpfen und auch eher ... ähm ... Ficken und Saufen grölenden) Punk-Band aus Landau in der Pfalz folgt in gewisser Weise seinem Papa (»Babba«) nach.

Find' ich irgendwie lustig.

Sex und Skins, oi! oi! oi!

Das »Art Canrobert« ist ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in Rastatt. Als ich am Abend des Samstag, 14. April 2007, recht spät dort ankam, traf ich typische Jugendzentrums-Atmosphäre dort an: unglaublich viele junge Leute, eine friedliche und spaßige Stimmung und viel Spaß. Ich kam mir vor wie Mitte der 80er Jahre, als der Punkrock langsam immer stärker in die deutschen Provinzstädte einsickerte.

Die Band Currysau Kartel hatte ich wohl zu meinem Glück verpaßt, dafür bekam ich die Explorerzs aus Straßburg mit: eine sehr nette Mischung aus Ska und Punk. Die Band war mit einem ganzen Pack französischer Nietenpunker angekommen, die trinkfest und fröhlich wirkten.

Die Higgins aus Aalen und Umgebung provozierten das Publikum mit einem VfB-Shirt und ballerten fleißig ihren Punk ins Publikum, mal streetpunkig und eher langsam, dann aber durchaus mal ruppig schnell und mit einem Schuß Hardcore. Der Pogo war sehr jugendlich, vor allem Kids tummelten sich auf der Tanzfläche in tropischer Hitze.

Danach die Hauptband des Abends, die Tower Blocks aus Berlin. Der Sänger hatte eine derb röhrende Stimme, die überzeugte, dazu der ruppige Oi!-Sound – hier paßte alles. Und nur Skinheads dürfen bei so einer Bierwampe ihr T-Shirt auf der Bühne ausziehen. Doch, das war schon sexy.

Zumindest schien das die junge Dame mit ... ähm ... sehr tiefem und sehr gut gefülltem Dekolleté zu meinen, die schon sehr alkoholisiert war und immer mal wieder den einen oder anderen aus der Band angrabschte. Die Sex-Avancen schienen den Tower Blocks in dem Moment aber nicht so gut zu gefallen.

Weniger sexy dann übrigens die Rastatter Polizei, die mit bellenden Kötern am Eingang zum »Art Canrobert« aufgefahren war. Na super, und das in einer Stadt mit aktiver Nazi-Kameradschafts-Szene ...

14 April 2007

»Das ist Sparta!«

Was wurde nicht alles über »300« gesagt. Der Film sei politisch nicht korrekt, er sei brutal, er bringe die Geschichtsschreibung durcheinander, er sei ein Affront gegen den Iran – und so weiter.

Alles Quatsch. Alles Gerede von Leuten, die den Film wahrscheinlich nicht gesehen haben.

»300« ist eine Comic-Verfilmung. Und genau diesen Look hat der Streifen auch: pixelige Bilder, grobkörnige Aufnahmen, übertriebene Darstellungen und manchmal extreme Kameraführung. Rein technisch ein Meisterwerk.

Die Dialoge sind manchmal erschütternd blöd, manchmal bloß sau-pathetisch, dass es wehtut. Halbnackte Männer in Unterhosen sehen manchmal auch arg peinlich aus. Aber damit folgt der Film schlicht dem Comic und dieser der angeblich wahren Geschichte. Man kann davon ausgehen, daß die Wahrheit komplexer ist, aber darum ging's ja den Machern dieses Streifens nicht.

Daß sich irgendwelche Mullah-Deppen im Iran jetzt wieder aufführen, überrascht niemanden. Diese Leute brauchen die permanente Aufregung, um das Volk einzulullen und auf seiner Seite zu haben. Insofern unterscheiden sie sich nicht von den Amerikanern (deren System mir im Zweifelsfall natürlich lieber ist als das irgendwelcher Ayatollahs).

»300« ist eine Comic-Verfilmung. Punkt. Und ein filmisches Meisterwerk. Vielleicht kann man sich den Streifen ja auch mal ohne Dialoge angucken ...

13 April 2007

Autogrammjäger


Es interessierte mich in meinem bisherigen Leben nie sonderlich, ein Autogramm von einem bekannten Star oder so zu erhalten. Okay, ich freue mich darüber, wenn ein Buch signiert ist oder wenn ich eine schöne Zeichnung in einem Comic habe - aber ich würde mich nicht in eine lange Schlange stellen oder gar irgendwelche Leute belabern.

Das alles erzählte ich auf der Leipziger Buchmesse wohl irgendwann auch Dirk Schulz, einem »unserer« Zeichner. Lammfromm hörte der gute Mann sich eh ein ganzes Wochenende mein Gerede an und protestierte meist nur sehr zahm.

In diesem Fall schaute er mich ein wenig mitleidig an. »Weißt du was«, sagte er dann, »dann sollst du wenigstens ein Autogramm von mir haben.« Und er malte mir ein schönes Autogramm auf seine offizielle Autogrammkarte.

Das darf ich der Nach- und Außenwelt nun wirklich nicht verschweigen, finde ich.

Zwei Dosen Bier und kein Blick

Dienstreise nach Hamburg. Zu viel Arbeit im Gepäck, zu wenig Zeit, sich privat zu verlustieren. Also tigere ich vom InterCityHotel, in dem ich abgestiegen bin, in die Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofes, um mir im Laden zwei Dosen Bier und einen Mars-Riegel zu kaufen.

»Das glaubste nich!« schreit die stark geschminkte, mittelalte Verkäuferin, als ich direkt vor ihr stehe. Noch während ich glaube, ich sei irgendwie gemeint, sagt sie zu mir in ruhigem Tonfall ein höflich-kühles »Macht 4,47 der Herr«.

Ich krame in meiner Geldbörse, murmele ein verwirrtes »Kleinen Moment bitte«.

In der Zwischenzeit schreit die Dame weiter. Ich kapiere mittlerweile, daß hinter mir irgendwo im Laden eine Kollegin sein muß, die vielleicht gerade ein Regal auffüllt.
»Da steht der Typ direkt vor mir, keinen Meter entfernt, und dann steckt der sich doch echt die Zigaretten direkt in die Hose. Die war schon ganz gepolstert, kann ich dir sagen!«

Ich schiebe der Dame einen Fünfeuroschein über den Tresen. Ohne mit ihrem Geschrei aufzuhören, nimmt sie ihn in Empfang. Während sie weitere Details durch den Laden brüllt, bekomme ich 53 Cent Rausgeld. Ich erfahre nichts Relevantes mehr, sie ließ den Ladendieb völlig verwirrt laufen.

Schade. Dieser Ausgang der Geschichte hätte mich auch interessiert.

12 April 2007

Oetinger, Filbinger und Co.

Natürlich ist Günther Oettinger, der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, weit davon entfernt, ein Nazi zu sein oder auch nur Sympathien für das braune Pack zu hegen. Aber man übertreibt wohl kaum, wenn man ihn als Karrieristen bezeichnet: ein Mann, der die knallharte Schule der Jungen Union durchlebt hat (von daher »kenne« ich ihn), der schon in den späten 80er Jahren mit populistischen Sprüchen für Aufsehen sorgte und der zuletzt seinen Vorgänger aus dem Amt des Ministerpräsidenten gedrängt hat.

Welcher Teufel ihn geritten hat, bei der Trauerrede auf Hans Filbinger den ehemaligen Nazi-Richter als Widerstandskämpfer darzustellen, ist mir schleierhaft. Daß er den Mann, der auch mal Ministerpräsident des »Muschderländles« war, nicht nachträglich angreifen konnte, leuchtet ja ein. Aber ihm dieses Loblied zu singen, das war peinlich.

Oder war's eher nachvollziehbar?

Dieses Land ist in den letzten zehn Jahren so weit nach rechts gerutscht, dass man sich als CDU-Wichtigmensch wieder so postieren muß, damit man den rechten Rand der Partei noch einigerma-ßen unter Kontrolle hält. Nach dieser Logik wird halt ein strammes NSDAP-Parteimitglied, das 1978 wegem aufgetauchtem Nazi-Mist noch aus dem CDU-Amt geworfen wurde, im Jahr 2007 zu einem Helden gegen den Faschismus.

Und das ist das Widerliche an der Geschichte.

Country-Sänger-Morde

Ich liebe Kinky Friedman. Nicht ihn persönlich, schon klar, schließlich stehe ich nicht gerade auf schnauzbärtige Texaner. Nein, ich stehe auf seine Bücher, finde seine haarsträubenden Romane einfach klasse.

»Lone Star« ist der Titel des Friedman-Krimis, den ich über Ostern gelesen habe. 1987 erstmals erschienen, 1993 erstmals in deutscher Sprache verlegt, 2006 in einer halbwegs preiswerten Ausgabe bei Rotbuch noch mal – und die hab' ich mir gekauft.

Das »Lone Star« ist ein Country-Club in New York. Und dort werden nacheinander diverse Country-Musiker umgebracht. Also muss Kinky selbst ermitteln: Er ist schließlich nicht nur Privatdetektiv, sondern war in seinem früheren Leben auch Country-Sänger. Der Name seiner Band: »Kinky Friedman and the Texas Jewboys«.

Der Humor des Buches ist schrill, die vielen Wortwitze in der deutschen Sprache leider nicht alle opimal wiedergegeben, die vielen Anspielungen kann man eh nicht übersetzen. Trotzdem war's wieder eine haarsträubende Geschichte, die ich komplett genossen habe. Sehr schön!

Zu viel auf einmal sollte man von Kinky Friedman übrigens nicht lesen. Ich brauche immer eine gewisse Pause zwischen zwei Büchern – dann aber machen die so richtig Spaß.

10 April 2007

Heuschnupfen-Kagge

Die Headline sollte der geneigte Leser dieser Zeilen bitte nachsprechen. Das geht ganz einfach: Man öffnet den Mund zur Hälfte (weil man durch die Nase eh keine Luft kriegt), kneift die Augen zusammen (weil die jucken wie Sau), und man drückt die Nase zur Hälfte zu (damit alles stimmt). Spricht man dann das obige Wort aus, klingt es reichlich gequetscht.

Und genauso fühle ich mich nach dem herrlichen Oster-Wochenende. Komme mir keiner mehr mit schönem Wetter ... Meinetwegen hätte es mal einen Tag lang regnen können. Nur mit der doppelten Dosis Antihistamine und anderem Scheiß ging es einigermaßen.

Aber jetzt kein Gejammer - war ja trotzdem ein nettes Wochenende. Wer abwechselnd niest und Nase putzt, kann dennoch viel Spaß haben.

05 April 2007

Zum letztem Mal: Leipzig-2007-Nachlese

Wer gern noch mal alberne Bilder von mir, meinen Kollegen und meinem sonstigen beruflichen Umfeld sehen will (unter anderem ich beim Staubsaugen und beim Wichtig-in-die-Gegend-gucken), dem muss ich jetzt doch wieder die offizielle Homepage der PERRY RHODAN-Serie empfehlen.

Es handelt sich um vier Logbücher, von denen die ersten bereits online sind. Das erste Logbuch zeigt allgemeine Impressionen vom Messestand, unter anderem eben mit jungen Lesern und meinem Staubsauger.

Im zweiten Logbuch geht es eher um die Zeichner und ihre Aktivitäten an unserem Messestand. Schicke Bilder ... teilweise von mir, entsprechend matschig die Qualität. Aber egal.

Das dritte Logbuch behandelt das Thema »Fachgespräche«: wir und unsere mehr oder weniger prominenten Besucher. Ein viertes Logbuch zum Thema ATLAN erscheint in den nächsten Tagen.

04 April 2007

Der zweite Pilz-Roman ist Pflicht


Meine Lektüre während der Leipziger Buchmesse: der Roman »Bataillon d'Amour«, geschrieben vom sympathischen Autor André Pilz und erschienen im Archiv der Jugendkulturen.

Ich fing das Buch vor der Messe an, und ich beendete es auf der Messe. Ich las in dem Buch, wenn ich im Hotelzimmer war, ich las sogar am Messestand, wenn ich ein wenig Zeit hatte. Ich konnte es nicht zur Seite legen, und ich beendete es mit einem Seufzen – immerhin gab es einen Schein von Happy-End.

Unfreiwillige Heldin des Buches ist Mechibel aus Kolumbien, eine junge Frau, die den Erzählungen von der großen Liebe glaubt, die nach Europa kommt und dort in einem Bordell landet. Dort wird sie »eingeritten«, bevor sie von zahlreichen Männern – sogenannten Freiern – mehrfach vergewaltigt wird, über Wochen hinweg.

Es gibt tatsächlich Leute, die daran glauben, daß Prostituierte ihren Beruf aus Freude am Sex ausüben. (Solche Frauen mag es ja sogar geben, ich kenne mich da nicht aus; sie sind aber wohl die Minderheit.) Es gibt auch Politiker, die kein Problem damit haben, mit ukrainischen Zwangsprostituierten und viel Kokain im Hotelzimmer rumzumachen.

Und irgendwie ist das kein Skandal, scheint mir. Ich werde künftig den Leuten, die an die Unschuld der Prostitution glauben, dieses Buch in die Hand drücken.

Die Wut steigt in einem auf, wenn man diesen ungewöhnlichen Roman liest. Er ist in einer direkten Sprache geschrieben, mit heftigen Beschreibungen (aber keine Pornografie!), mit knallharten Dialogen und einer unmittelbaren Spannung. Mechibel wird in diesem Buch nur zu einer Frau unter vielen, die ein solches Schicksal erleiden.

Klar: Das hier ist ein Roman, kein Sachbuch. Aber ein Roman, bei dem einem übel wird. Und der einen doch dazu bringt, weiter zu lesen. Mein ausdrücklicher Tip: Kaufen und lesen!

03 April 2007

Punkrock-Hintergründe

Die Jungle World ist nicht gerade meine Leib- und Magenzeitung, zu obskur sind mir manche politischen Artikel und Meinungen. Ganz anders aber ein aktueller Beitrag, der sich mit der Vorgeschichte des Punkrock beschäftigt.

Das Interview empfehle ich jedem, der sich für das Thema interessiert. Zitat gefällig?

The Dictators waren fünf jüdische Typen, die coole Poser sein wollten. Sie imitierten den Style italienischer Straßen­jungs, trugen Lederjacken kombiniert mit einem »Jewfro«, produzierten Lieder wie »Master Race Rock«. Es war Richard Meltzer, der Vater des Rockjournalismus, der Richard Blum alias Handsome Dick Manitoba vom Roadie zum Sänger der Band machte. Gerüchte­weise betätigte er sich als Wrestler und war stolzer Jude.

Und noch ein Zitat, gleich darauf:

Im Vergleich dazu waren die Ramones viel avancierter. In dem Song »Comman­do« zeigt sich die Balance aus Aggres­sion und Ironie, die die Ramones so genial machte: »First rule is: The laws of Germany! Second rule is: Be nice to mommy! Third rule is: Don’t talk to commies! Fourth rule is: Eat kosher salamies!« Später haben sie das verloren, waren nur noch eine Parodie ihrer selbst.

Sehr guter Artikel!

02 April 2007

Radio Italiano

Gestern abend mal wieder Querfunk, das einzig Freie Radio in Karlsruhe. Mein Heuschnupfen plagt mich sogar im Kellerloch, das wir als Studio benutzen – und ich fahre die aktuelle Enpunkt-Radiosendung. Eine Stunde lang Punkrock.

Diesmal Italien als Schwerpunkt, mal wieder, und erneut mit fettem Dank an das Label Mad Butcher Records und seine tollen Veröffentlichungen. Entsprechend streetpunkig richtete ich deshalb auch die Sendung aus.

Berenice Beach und Los Fastidios, Klasse Kriminale (diesmal nicht Mad Butcher, huch!) und Atarassiagröp, No Relax und Derozer (meine Favoriten in der Sendung!); es krachte ordentlich. Im Zuge des Punkrock-Geschichtsunterrichts gibt's noch Kina ausm Jahr 1984 und Block Of Flats ausm Jahr 1993.

Soll keiner sagen, ich könnte die alten Helden vergessen.