02 Mai 2007

Text zu einem SF-Klassiker


Endlich habe ich den fünften Band der Serie »Die interstellaren Freihändler« erhalten. Geschrieben wurde der Band vor sage und schreibe vierzig Jahren von Hanns Kneifel – er erschien damals als Heftroman.

Jetzt gibt es die Romane um die »Interstellaren Freihändler« wieder neu im Mohlberg-Verlag. Paperbacks in schönem Druck, die in punkto Optik absichtlich an die sechziger Jahre erinnern.

Und zu jedem der sechs Bände gibt es ein Vorwort, geschrieben von »Wegbegleitern« des Autoren. Mit Gisbert Haefs (preisgekrönter Autor und Übersetzer) und Michael Görden (Übersetzer und Programmleiter in diversen Verlagen) gibt es sogar richtige Prominenz.

Bei Band fünf hatte ich die Ehre, das Vorwort schreiben zu dürfen; deshalb habe ich mich über den fünften Band natürlich besonders gefreut. Mein Titel für den Text war ursprünglich »Zeitliche Dimensionen«.

Wer das Vorwort lesen mag: Ich habe es in den Kommentar zu diesem Blog-Eintrag gestellt. Viel Spaß damit! Und vielleicht hat jemand Bock darauf, die alten Schinken zu lesen – das macht manchmal richtig Spaß!

1 Kommentar:

Enpunkt hat gesagt…

Zeitliche Dimensionen

Schaut man sich von der historischen Höhe des Jahres 2005 die angeblich so spannenden sechziger Jahre in Deutschland an, hängt es schlicht von der politisch-kulturellen Weltsicht ab, welchen Blick man auf diese Zeit gewinnt: Für die einen war es eine Zeit des kulturellen Aufbruchs, für die anderen eine Epoche des Umschwungs, die eine neue Schicht von Menschen mittels eines Marsches durch die Institutionen langfristig an die Spitze der westdeutschen Gesellschaft spülte.

Engt man seinen Blick ein – und als Redakteur einer Science-Fiction-Serie darf ich das hoffentlich –, bezieht man sich nur auf die fantastische Literatur, so stellt unsereins fest, daß sich in den sechziger Jahren ebenfalls viel tat. Anfangs des Jahrzehnts begann der Siegeszug der PERRY RHODAN-Serie, die – trotz aller Kritik gerade aus der eigenen Szene – bis heute das meistverkaufte SF-Produkt aus deutschen Landen darstellt. Und Ende des Jahrzehnts, als kritische Fans in kleinauflagigen Fanzines auf sich aufmerksam machten, entwickelte sich das, was in den 80er Jahre zur Blüte der deutschsprachigen Science Fiction führen sollte.

Beziehe ich meinen Blick streng subjektiv auf einen Protagonisten dieser Zeit, auf Hanns Kneifel nämlich, so stelle ich bei ihm einen ähnlichen Dualismus fest wie am gesamten Jahrzehnt: einerseits eigenständige Science Fiction, andererseits PERRY RHODAN. Oder: einerseits der Lebemann aus Schwabing, andererseits aber der Autor, der sich an den politischen Grabenkämpfen jener Zeit nicht beteiligte.

Kneifel wollte erzählen, wollte unterhalten. Eigene Vorstellungen vom persönlichen Glück und wie der Mensch danach zu streben habe, flossen selbstverständlich in seine Arbeit ein, ohne daß Kneifel explizit politisch wurde. Ich hätte ihn vor Niederschrift dieses Vorwortes noch einmal fragen können, unterließ es aber: Es bereitet eine gewisse diebische Freude, über die Motive eines Autors zu sinnieren, vor allem, wenn sich dieses Sinnieren auf Ereignisse aus den sechziger Jahren bezieht.

Die Kritiker jener Zeit fanden die zehn Heftromane um »Die interstellaren Händler« nämlich schrecklich. Klar: 1967 galt es in manchen Kreisen nicht als schick, den Aufstieger eines Händlerkonsortiums zu schildern oder gar darüber zu schreiben, wie sich Menschen der Hilfe von Militär und Geheimdiensten versichern, um ihre Ziele zu erreichen. Es ist davon auszugehen – um das Sinnieren weiter zu betreiben –, daß Kneifel mit diesen Romanen keine klaren politischen Absichten verfolgte. Er wollte unterhalten, mehr nicht.
Und so entstanden »Die interstellaren Händler«, eine abenteuerliche Science Fiction, die Hanns Kneifel viele Freunde, aber eben auch einige Feinde einbrachte. Das ist jetzt bald vierzig Jahre her – und es wird Zeit, auf diese Romane mit einem anderen Blick zu schauen: interessiert und neugierig für die Inhalte, vielleicht ein wenig nachsichtig für die Diskussionen jener Zeit.

Der Autor, der seit den 60er Jahren Hunderte von Heftromanen und zahlreiche »richtige Bücher« geschrieben hat, verdient einen vorurteilsfreien Blick aus der Höhe des Jahres 2005. Und die Leser verdienen es, die Abenteuer um »Die interstellaren Händler« noch einmal zu lesen!