Denk ich an Köln und Punkrock, fallen mir heute Bands wie Chefdenker und Supernichts ein. Früher hätte ich an Cotzbrocken gedacht. So ändern sich die Zeiten; ich halte das für eine echte Verbesserung.
In der gestrigen Radiosendung ging es um die Kölner Szene, wobei ich vor allem aktuelle Bands spielte, die eben erwähnten natürlich mit dabei. Deutschpunk gab's auch von Keine Ahnung und Der Dicke Polizist, Ska lieferten die Slapstickers, ziemlich krawallig klangen die Nachwuchs-Punkrocker von Raptus.
Als beidseitigen Ausgleich gab's noch Emo-Indie-Kram von Endearment und krachigen Noise-Rock von Grandmal. Zur Dokumentation der Kölner Gegend (den Raum Köln fasste ich mit Frechen und Leverkusen ein bißchen größer) spielte ich noch ein Live-Stück von OHL. Muß dann auch sein, finde ich.
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
02 Juni 2008
Polit-Folk auf italienisch
In den 60er und 70er Jahren war die sogenannte Folk-Musik eine politische Angelegenheit; zumindest liest man das immer wieder. Ob's wirklich so war, weiß ich nicht. Aus Italien kommt die Band Modena City Ramblers, die genau solche Musik mit politischen Ambitionen spielt.
Insgesamt sind's acht Frauen und Männer, die aus der linken Szene von Modena stammen und allerlei unpunkige Instrumente wie eine Mandoline, eine Flöte oder eben ein Klavier benutzen. Textlich greifen sie auch tief in die Kiste: »Bella Ciao« ist das bekannteste Stück, das sie umsetzen, andere Songs kenne ich nicht. Kein Wunder, sind ja teilweise italienische und irische Lieder, irgendwelche Polit-Klassiker.
Nicht jedermanns Sache, anfangs für mich auch eher fremd. Nach einiger Zeit hörte sich die ruhige, von Klampfen betonte Musik aber ganz gut an. Mal eine Alternative zum Polit-Punk, von daher durchaus empfehlenswert; auf der Myspace-Seite gibt's ja nette Hörbeispiele.
Insgesamt sind's acht Frauen und Männer, die aus der linken Szene von Modena stammen und allerlei unpunkige Instrumente wie eine Mandoline, eine Flöte oder eben ein Klavier benutzen. Textlich greifen sie auch tief in die Kiste: »Bella Ciao« ist das bekannteste Stück, das sie umsetzen, andere Songs kenne ich nicht. Kein Wunder, sind ja teilweise italienische und irische Lieder, irgendwelche Polit-Klassiker.
Nicht jedermanns Sache, anfangs für mich auch eher fremd. Nach einiger Zeit hörte sich die ruhige, von Klampfen betonte Musik aber ganz gut an. Mal eine Alternative zum Polit-Punk, von daher durchaus empfehlenswert; auf der Myspace-Seite gibt's ja nette Hörbeispiele.
01 Juni 2008
Punkrock oder Indie oder ...
Sonntag mittag ist eigentlich nicht meine Zeit, um auf Konzerte zu gehen. Vor allem dann nicht, wenn es - so wie heute - ein richtig warmer Tag ist. Aber im »Kohi«, dem Kulturzentrum in der Karlsruher Südstadt, sollte ein Konzert sein, das um 16 Uhr beginnen sollte.
Das glaubte ich eh nicht, und bis ich aus dem Haus kam, war's zwei Stunden später. Als ich gegen halb sieben Uhr dort war, am frühen Abend also, spielte Schneller Autos Organisation bereits. Die Band aus Hamburg, die ich im weitesten Sinne in die Emo-Schublade stecken würde, hatte ich vor Jahren in der »Ex-Steffi« gesehen, und da hatte sie mir sehr gut gefallen.
An diesem Sonntag war's knalleheiß, und im kleinen Konzertraum standen vielleicht zwei bis drei Dutzend Emo-Jungmänner, einige wenige Frauen (drei?) und eben die Band. Die Stimmung war gut, die Band bewegte sich energisch auf der kleinen Bühne, sofern das angesichts der Enge des Raumes möglich war, und das Publikum gab reichlich Beifall.
Ich fand's musikalisch klasse; nicht mehr unbedingt Punkrock, sondern eher »Indie«, vor allem eben von der Art der Darbietung: Der Sänger klatschte in die Hände, drehte sich im Kreis und bewegte sich insgesamt nicht so, wie man das von Punk-Sängern so gewöhnt ist. Anfangs fand ich das auch befremdlich, im Nachhinein war's eigentlich cool in positivem Sinn.
Schönes Konzert! Hinterher saß ich rum, trank Bier und futterte Kuchen und redete mit Leuten von der Band. Der Sänger war früher bei Pankzerkreuzer Polpotkin (oder so) gewesen, die mich mit ihrem Radau-Punk überzeugt hatten - das fand ich dann auch sehr interessant.
Konzerte am Nachmittag haben doch was.
Das glaubte ich eh nicht, und bis ich aus dem Haus kam, war's zwei Stunden später. Als ich gegen halb sieben Uhr dort war, am frühen Abend also, spielte Schneller Autos Organisation bereits. Die Band aus Hamburg, die ich im weitesten Sinne in die Emo-Schublade stecken würde, hatte ich vor Jahren in der »Ex-Steffi« gesehen, und da hatte sie mir sehr gut gefallen.
An diesem Sonntag war's knalleheiß, und im kleinen Konzertraum standen vielleicht zwei bis drei Dutzend Emo-Jungmänner, einige wenige Frauen (drei?) und eben die Band. Die Stimmung war gut, die Band bewegte sich energisch auf der kleinen Bühne, sofern das angesichts der Enge des Raumes möglich war, und das Publikum gab reichlich Beifall.
Ich fand's musikalisch klasse; nicht mehr unbedingt Punkrock, sondern eher »Indie«, vor allem eben von der Art der Darbietung: Der Sänger klatschte in die Hände, drehte sich im Kreis und bewegte sich insgesamt nicht so, wie man das von Punk-Sängern so gewöhnt ist. Anfangs fand ich das auch befremdlich, im Nachhinein war's eigentlich cool in positivem Sinn.
Schönes Konzert! Hinterher saß ich rum, trank Bier und futterte Kuchen und redete mit Leuten von der Band. Der Sänger war früher bei Pankzerkreuzer Polpotkin (oder so) gewesen, die mich mit ihrem Radau-Punk überzeugt hatten - das fand ich dann auch sehr interessant.
Konzerte am Nachmittag haben doch was.
31 Mai 2008
Meine kürzeste Lesung
Das war heute eine stramme Leistung: Ich las in der Universität von Karlsruhe - ernsthaft! Ein bißchen bildete ich mir sogar was drauf ein: nie eine Uni von innen gesehen, dann aber eine Lesung dort machen.
Ernsthaft: Das AKK, ein Uni-Arbeitskreis, über den im Verlauf der letzten Jahre auch Punk-Konzerte gelaufen sind, feiert an diesem Wochenende seinen dreißigsten Geburtstag. Bands spielen, und recht spontan überlegte man sich, auch eine Lesung im Biergarten anzubieten.
Um 16.30 Uhr sollte es losgehen, kurz danach traf ich mich dem Rad ein. Das Wetter sah düster aus, als ob es gleich regnen könnte, aber unverdrossen standen Bierbänke herum und bereiteten sich alle auf ein Open-Air-Festival im Garten hinter dem AKK vor.
Nachdem zwei Kollegen kurze Texte vorgetragen hatten, kletterte ich auf die Bühne und stellte mich hinters Rednerpult. Das sah schon alles sehr professionell aus, fand ich, die zwei Boxen gaben einen tüchtigen Wumms von sich; nur vor mir verloren sich auf den Bierbänken vielleicht 15 Leute.
Unverdrossen begann ich mit meiner Lesung, nachdem ich einige Sätze zu mir gesagt hatte. Und geschätzte neunzig Sekunden später begann es zu regnen.
Na super.
Ins Gebäude konnten wir nicht, das war quasi der Backstage-Bereich, also mußten wir abbrechen. Es war die kürzeste Lesung aller Zeiten, dachte ich, als ich dann unter den Bäumen saß und noch mit einigen Leuten redete ...
Ernsthaft: Das AKK, ein Uni-Arbeitskreis, über den im Verlauf der letzten Jahre auch Punk-Konzerte gelaufen sind, feiert an diesem Wochenende seinen dreißigsten Geburtstag. Bands spielen, und recht spontan überlegte man sich, auch eine Lesung im Biergarten anzubieten.
Um 16.30 Uhr sollte es losgehen, kurz danach traf ich mich dem Rad ein. Das Wetter sah düster aus, als ob es gleich regnen könnte, aber unverdrossen standen Bierbänke herum und bereiteten sich alle auf ein Open-Air-Festival im Garten hinter dem AKK vor.
Nachdem zwei Kollegen kurze Texte vorgetragen hatten, kletterte ich auf die Bühne und stellte mich hinters Rednerpult. Das sah schon alles sehr professionell aus, fand ich, die zwei Boxen gaben einen tüchtigen Wumms von sich; nur vor mir verloren sich auf den Bierbänken vielleicht 15 Leute.
Unverdrossen begann ich mit meiner Lesung, nachdem ich einige Sätze zu mir gesagt hatte. Und geschätzte neunzig Sekunden später begann es zu regnen.
Na super.
Ins Gebäude konnten wir nicht, das war quasi der Backstage-Bereich, also mußten wir abbrechen. Es war die kürzeste Lesung aller Zeiten, dachte ich, als ich dann unter den Bäumen saß und noch mit einigen Leuten redete ...
30 Mai 2008
Biergarten-Saison ohne Weizen
Ich wechsle meine Bier-Vorliebe tatsächlich nach der Jahreszeit: Im Winter bevorzuge ich Pils, im Sommer, wenn es so richtig krachig heiß ist, trinke ich sehr gern Weizenbier. Da hab' ich das Gefühl, es erfrischt so richtig.
Völlig überhitzt vom Radfahren stolperte ich gegen 22 Uhr ins Karlsruher »Vogelbräu«. Der Biergarten war proppevoll, und ich fand meine »Bezugsgruppe« erst nach einigem Suchen. Seufzend und ächzend, wie es sich für einen älteren Herrn gehört, ließ ich mich bei den jüngeren Leuten nieder ...
Bei der ziemlich zackigen Bedienung bestellte ich ein Weizenbier. »Gibt's bei uns nicht«, gab sie zur Antwort. »Hier gibt's nur Pils oder Maibock.«
Ich guckte sie an und verstand. Richtig, im »Vogelbräu gibt« es nur selbstgebrautes Bier. Das leckere unfiltrierte Pils, auf das so viele Leute stehen und das die Brauerei plus Kneipe über die Grenzen Karlsruhes hinaus bekannt gemacht hat. Wieso hatte ich das vergessen?
Wieder was gelernt, dachte ich und bestellte mir ein Pils. Das schmeckte prompt auch gut, die Welt war wieder in Ordnung, ich saß auf meiner Bierbank unter dem schönen Dach aus Pflanzen, redete dummes Zeugs und genoß den Feierabend. (Na ja, kurz vor Mitternacht schnappte ich mir daheim dann doch noch ein Manuskript ...)
Völlig überhitzt vom Radfahren stolperte ich gegen 22 Uhr ins Karlsruher »Vogelbräu«. Der Biergarten war proppevoll, und ich fand meine »Bezugsgruppe« erst nach einigem Suchen. Seufzend und ächzend, wie es sich für einen älteren Herrn gehört, ließ ich mich bei den jüngeren Leuten nieder ...
Bei der ziemlich zackigen Bedienung bestellte ich ein Weizenbier. »Gibt's bei uns nicht«, gab sie zur Antwort. »Hier gibt's nur Pils oder Maibock.«
Ich guckte sie an und verstand. Richtig, im »Vogelbräu gibt« es nur selbstgebrautes Bier. Das leckere unfiltrierte Pils, auf das so viele Leute stehen und das die Brauerei plus Kneipe über die Grenzen Karlsruhes hinaus bekannt gemacht hat. Wieso hatte ich das vergessen?
Wieder was gelernt, dachte ich und bestellte mir ein Pils. Das schmeckte prompt auch gut, die Welt war wieder in Ordnung, ich saß auf meiner Bierbank unter dem schönen Dach aus Pflanzen, redete dummes Zeugs und genoß den Feierabend. (Na ja, kurz vor Mitternacht schnappte ich mir daheim dann doch noch ein Manuskript ...)
29 Mai 2008
Punkrock! aus Mannem

Mit coolem Comic-Cover wartet die sechste Ausgabe des Mannheimer Fanzines mit dem schlicht-genialen Namen »Punkrock!« auf. Ich habe das Heft von vorne bis hinten gelesen: layouttechnisch auf hohem Niveau, superschick gedruckt und trotzdem mit typischem Punk-Spirit, das macht richtig Laune.
Bocky, Oli und der Rest der Mannschaft, schon vorher auf einer guten Fahrt, haben sich verstärkt, und das Ergebnis gefällt nicht nur optisch. Es gibt allerlei Blödsinn zu lesen, unter anderem eine Art Dr.-Sommer-Fragebogen mit der Band Ultrafair, aber auch Politisches, etwa zur staatlichen Datensammelwut – und ebenso Artikel zu Musik, etwa zur Sängerin Lydia Lunch.
Klar müssen Interviews sein, und die Pestpocken als Aushängeschild der Nietenpunker-Szene machen sich gut; die Hessen geben aber zudem schlaue Antworten. Die kalifornische Band Time Again steht nach ihrem Interview jetzt auf dem »Kaufen!«-Zettel. Dazu noch Strawberry Blondes aus England, die göttlichen Supernichts aus Köln oder Riot Brigade aus dem beschaulichen Herrenberg (wo unsereins in den späten 80er Jahren oft genug herumhüpfte).
Dazu Konzertberichte, Platten- und Fanzine-Besprechungen; ich hab' jetzt nicht alles genannt. Die lesenswerte Mischung machte mir viel Spaß, empfehle ich gern weiter. »Punkrock! 6« gibt's übrigens für zwoeinhalb Euro direkt beim Fanzine oder bei diversen Mailordern.
15 Jahre nach dem Familienmord
Es ist schon 15 Jahre her; ich hätte es tatsächlich schon vergessen und wurde durch die »taz« daran erinnert. In Solingen brannte ein Haus, angezündet von rassistischen Mordbrennern, und in den Trümmern starb der größte Teil einer türkischen Familie. Es war der Höhepunkt der rassistischen Mordkampagne in den Jahren 1991 bis 1993, in deren Verlauf die staatstragenden Parteien vor den Mördern so weit zurückwichen, daß sie die Ausländergesetze verschärften.
Ich steckte voller Wut und Haß, als ich an jenem Wochenende nach Solingen fuhr; zusammen mit anderen Leuten. Wir gehörten nicht zu einer organisierten Autonomen Gruppe, aber wir wollten an der Trauerkundgebung teilnehmen.
Es war ein grausiger Tag, ein Tag der Steine und Scherben, der Knüppel und des Blutes, der sackdoofen grünbürgerlichen Weicheier und der prügelgeilen Polizei. Ich erinnere mich nicht mehr an viel Details, ich weiß nicht mehr genau, was ich alles gemacht habe an diesem Tag. Jemand sagte hinterher zu mir, ich hätte Schaum vor dem Mund gehabt.
Der Marsch zur Kundgebung wurde bereits von rechtsradikalen Türken angegriffen; wir wehrten uns, während die Polizei den örtlichen »McDonald's« gegen Demonstranten schützten. Ich erinnere mich an den Schlachtruf: »Wo – wo – wo wart ihr in Rostock?« Und es gab genügend Polizisten, denen man die Scham ansah.
Später rannte eine prügelnde Hundertschaft in Kampfroboter-Outfit in die friedliche Kundgebung – Zigtausende sitzender und stehender Leute – hinein, blutige Gesichter überall um mich herum. Es war das Signal zum Aufstand.
Ich erinnere mich an Steinhagel und durchdrehende Leute; ich sehe die zersplitterte Innenstadt von Solingen vor mit, und ich erinnere mich an türkische Gruppierungen von links bis ultralinks und rechtsradikal, die mit Dachlatten und Holzstangen aufeinander losgingen. Alles war völlig konfus.
Als wir Stunden später von Solingen aufbrachen, steckten wir immer noch voller Wut und Haß. Die Empörung, daß die Polizei es fertig gebracht hatte, eine Trauerkundgebung anzugreifen, bekam ich während der ganzen Rückfahrt nicht los. Und dann die Lügen der Medien – es paßte alles zusammen.
Ich steckte voller Wut und Haß, als ich an jenem Wochenende nach Solingen fuhr; zusammen mit anderen Leuten. Wir gehörten nicht zu einer organisierten Autonomen Gruppe, aber wir wollten an der Trauerkundgebung teilnehmen.
Es war ein grausiger Tag, ein Tag der Steine und Scherben, der Knüppel und des Blutes, der sackdoofen grünbürgerlichen Weicheier und der prügelgeilen Polizei. Ich erinnere mich nicht mehr an viel Details, ich weiß nicht mehr genau, was ich alles gemacht habe an diesem Tag. Jemand sagte hinterher zu mir, ich hätte Schaum vor dem Mund gehabt.
Der Marsch zur Kundgebung wurde bereits von rechtsradikalen Türken angegriffen; wir wehrten uns, während die Polizei den örtlichen »McDonald's« gegen Demonstranten schützten. Ich erinnere mich an den Schlachtruf: »Wo – wo – wo wart ihr in Rostock?« Und es gab genügend Polizisten, denen man die Scham ansah.
Später rannte eine prügelnde Hundertschaft in Kampfroboter-Outfit in die friedliche Kundgebung – Zigtausende sitzender und stehender Leute – hinein, blutige Gesichter überall um mich herum. Es war das Signal zum Aufstand.
Ich erinnere mich an Steinhagel und durchdrehende Leute; ich sehe die zersplitterte Innenstadt von Solingen vor mit, und ich erinnere mich an türkische Gruppierungen von links bis ultralinks und rechtsradikal, die mit Dachlatten und Holzstangen aufeinander losgingen. Alles war völlig konfus.
Als wir Stunden später von Solingen aufbrachen, steckten wir immer noch voller Wut und Haß. Die Empörung, daß die Polizei es fertig gebracht hatte, eine Trauerkundgebung anzugreifen, bekam ich während der ganzen Rückfahrt nicht los. Und dann die Lügen der Medien – es paßte alles zusammen.
28 Mai 2008
Entwaffnung aus der Schweiz
Daß es in der Schweiz, vor allem im deutschsprachigen Teil, viele gute Ska-Bands gibt, ist mir seit längerem bekannt. Das Label Leech Records versorgt mich schließlich auch seit einigen Jahren mit meist sehr gelungenen Tonträgern.
Dieser Tage erhielt ich die CD einer Band namens Entwaffnung, die den hübschen Titel »Live Is A Killer« trägt: Hardcore-Punk mit deutschen und englischen Texten, die mir richtig gut gefallen. Die Musik ist treibend, die wird nach vorne gehauen, der Sänger hat ein raues Organ, und trotz aller Hardcore-Klänge hat das Ding eine tüchtige Melodie am Start.
Das ist richtig gut gelungen, ich bin baff. So was kommt aus der beschaulichen Stadt Baden, die ich nur vom Namen her kenne. Und die Entwaffnung-CD höre ich garantiert nicht zum letzten Mal an.
Dieser Tage erhielt ich die CD einer Band namens Entwaffnung, die den hübschen Titel »Live Is A Killer« trägt: Hardcore-Punk mit deutschen und englischen Texten, die mir richtig gut gefallen. Die Musik ist treibend, die wird nach vorne gehauen, der Sänger hat ein raues Organ, und trotz aller Hardcore-Klänge hat das Ding eine tüchtige Melodie am Start.
Das ist richtig gut gelungen, ich bin baff. So was kommt aus der beschaulichen Stadt Baden, die ich nur vom Namen her kenne. Und die Entwaffnung-CD höre ich garantiert nicht zum letzten Mal an.
Abenteuerspielplatz
Die Bundesstraße zwischen Rastatt und Karlsruhe kannte ich nach all den Jahren ziemlich gut. Ich wußte, an welchen Stellen des vierspurigen Abschnitts die Radarfallen zu befürchten waren, und ich wußte, mit welcher Geschwindigkeit man rollen sollte, um an keiner roten Ampel stehen zu bleiben.
Ich rollte an diesem Tag gerade mit gemütlichen 82 Stundenkilometern durch die Tempo-70-Zone, vorbei an einem Lieferwagen mit Reutlinger Kennzeichen, als von hinten eine dunkelgraue Limousine heranschoß. Der Fahrer fuhr dicht auf, bis ich nur noch seine Windschutzscheibe sah, als ob er mich von der Straße schieben wollte.
Ich rollte gemütlich weiter und überholte den Lieferwagen. Da auf der rechten Spur bald wieder ein langsam fahrender Wagen kam, blieb ich links; die Limousine hinter mir fuhr noch dichter an mich heran. Unsere Stoßstangen waren wohl keine fünf Zentimeter mehr auseinander.
Dann zog der Fahrer hinter mir nach rechts hinüber, schoß an mir vorbei, um dann hinter dem blauen Kleinwagen auf der rechten Spur zu »kleben«. Ich sah nach rechts: Das Gesicht hinter der Seitenscheibe sah aus wie ein blutroter Mond mit Schnauzbart.
Während ich den blauen Kleinwagen überholte und hinter einem BMW auf der linken Spur blieb, zog die Limousine wieder nach links und setzte sich hinter mich. Der Mann hinter mir fuchtelte bereits mit beiden Händen. Er tat mir leid.
Das Spiel wiederholte sich zwischen Durmersheim und der Neuen Messe etwa drei mal. Dann schaffte er es, mich rechts zu überholen, sich vor mir einzuordnen und dann zwischen mir und dem BMW weiterzufahren. Ich wechselte auf die mittlere Spur und hielt Tempo 82, beschleunigte nach der Tempo-70-Zone auf 120 und schaute zu, wie die graue Limousine alle drei Spuren benutzte, um mit geschätzten 150 Stundenkilometern nach Karlsruhe zu fahren.
Auf der Kaiserallee trafen wir uns wieder. In der engen Doppelspur fuhr ich auf einmal wieder hinter ihm. Und als er an der Sparkassen-Filiale einparkte, rollte ich mit gemütlichen 60 Stundenkilometern an dem Fahrer der grauen Limousine vorbei.
Ich rollte an diesem Tag gerade mit gemütlichen 82 Stundenkilometern durch die Tempo-70-Zone, vorbei an einem Lieferwagen mit Reutlinger Kennzeichen, als von hinten eine dunkelgraue Limousine heranschoß. Der Fahrer fuhr dicht auf, bis ich nur noch seine Windschutzscheibe sah, als ob er mich von der Straße schieben wollte.
Ich rollte gemütlich weiter und überholte den Lieferwagen. Da auf der rechten Spur bald wieder ein langsam fahrender Wagen kam, blieb ich links; die Limousine hinter mir fuhr noch dichter an mich heran. Unsere Stoßstangen waren wohl keine fünf Zentimeter mehr auseinander.
Dann zog der Fahrer hinter mir nach rechts hinüber, schoß an mir vorbei, um dann hinter dem blauen Kleinwagen auf der rechten Spur zu »kleben«. Ich sah nach rechts: Das Gesicht hinter der Seitenscheibe sah aus wie ein blutroter Mond mit Schnauzbart.
Während ich den blauen Kleinwagen überholte und hinter einem BMW auf der linken Spur blieb, zog die Limousine wieder nach links und setzte sich hinter mich. Der Mann hinter mir fuchtelte bereits mit beiden Händen. Er tat mir leid.
Das Spiel wiederholte sich zwischen Durmersheim und der Neuen Messe etwa drei mal. Dann schaffte er es, mich rechts zu überholen, sich vor mir einzuordnen und dann zwischen mir und dem BMW weiterzufahren. Ich wechselte auf die mittlere Spur und hielt Tempo 82, beschleunigte nach der Tempo-70-Zone auf 120 und schaute zu, wie die graue Limousine alle drei Spuren benutzte, um mit geschätzten 150 Stundenkilometern nach Karlsruhe zu fahren.
Auf der Kaiserallee trafen wir uns wieder. In der engen Doppelspur fuhr ich auf einmal wieder hinter ihm. Und als er an der Sparkassen-Filiale einparkte, rollte ich mit gemütlichen 60 Stundenkilometern an dem Fahrer der grauen Limousine vorbei.
27 Mai 2008
Bundespräsidentenpeinlichkeiten
Riesengeschrei in der Republik; das Ende des Abendlandes droht. Der Grund: Die SPD, der man ansonsten nichts mehr zugetraut hätte, traut sich, gegen die Schlaftablette im Amt des Bundespräsidenten eine sehr intelligente, resolute Frau aufzustellen. Das verdient ausnahmsweise Respekt.
Nicht so bei der politischen Konkurrenz. Ausgerechnet der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, von dem die rassistische Kampagne »Kinder statt Inder« kam, behauptet, dies sei »das Ende der SPD als staatstragende Partei«. Andere Unionisten äußern sich ebenso.
Die SPD stelle sich gegen die eigene Bevölkerung. (Okay, das tut sie. Aber das tun doch derzeit eh alle Parteien.) Und so proletet und populisieren die Medien in Tateinheit mit Unionisten-Politikern (die sonst gern die Sprüche der Rechten aufgreifen, wenn es darum geht, gegen Ausländer zu hetzen), wie schrecklich es denn sei, wenn die SPD sich auf ihre Tradition als »linke« Partei besinne und mit den Stimmen der ach so fürchterlichen Linkspartei eine Frau wählen könnte.
Die nackte Angst geht um bei der CDU. Da haben sie es sich so schön eingerichtet mit einer geschwächten SPD, mit einer nicht existierenden Konkurrenz, mit kleinen Parteien, die sich an den Tisch der Macht schleimen, mit einer Kanzlerin, die schön tut und nichts leistet. Und jetzt droht glatt eine linke Mehrheit in diesem Land ... na ja, nicht heute, nicht nächstes Jahr, aber vielleicht 2010 oder 2011 ... eine Mehrheit, die vielleicht aufhören könnte mit dem permanenten Umverteilen von unten nach oben. (Mein Glaube an diese Theorie hält sich in Grenzen, aber immerhin ist sie vorhanden.)
Ich weiß nicht, was ich ekelhafter finden soll: das Geschrei der Rechten oder das widerliche Anbiedern der Medien, die in dieses Geschrei permanent einstimmen und die Linken zum gefährlichsten Feind seit 1945 stilisieren.
Nicht so bei der politischen Konkurrenz. Ausgerechnet der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, von dem die rassistische Kampagne »Kinder statt Inder« kam, behauptet, dies sei »das Ende der SPD als staatstragende Partei«. Andere Unionisten äußern sich ebenso.
Die SPD stelle sich gegen die eigene Bevölkerung. (Okay, das tut sie. Aber das tun doch derzeit eh alle Parteien.) Und so proletet und populisieren die Medien in Tateinheit mit Unionisten-Politikern (die sonst gern die Sprüche der Rechten aufgreifen, wenn es darum geht, gegen Ausländer zu hetzen), wie schrecklich es denn sei, wenn die SPD sich auf ihre Tradition als »linke« Partei besinne und mit den Stimmen der ach so fürchterlichen Linkspartei eine Frau wählen könnte.
Die nackte Angst geht um bei der CDU. Da haben sie es sich so schön eingerichtet mit einer geschwächten SPD, mit einer nicht existierenden Konkurrenz, mit kleinen Parteien, die sich an den Tisch der Macht schleimen, mit einer Kanzlerin, die schön tut und nichts leistet. Und jetzt droht glatt eine linke Mehrheit in diesem Land ... na ja, nicht heute, nicht nächstes Jahr, aber vielleicht 2010 oder 2011 ... eine Mehrheit, die vielleicht aufhören könnte mit dem permanenten Umverteilen von unten nach oben. (Mein Glaube an diese Theorie hält sich in Grenzen, aber immerhin ist sie vorhanden.)
Ich weiß nicht, was ich ekelhafter finden soll: das Geschrei der Rechten oder das widerliche Anbiedern der Medien, die in dieses Geschrei permanent einstimmen und die Linken zum gefährlichsten Feind seit 1945 stilisieren.
26 Mai 2008
Der Grand Prix, die ollen Schabracken und ich
Seit einigen Jahren verbindet mich eine Haßliebe mit dem Grand Prix oder dem European Song Contest, wie das alljährliche Treffen der europäischen Heulbojen neuerdings genannt wird. Ich bin mir nicht mal sicher, bei welcher Gelegenheit mein Interesse dafür begann; wahrscheinlich sind ein Kölner und eine Kölnerin daran schuld, die mich vor etwa zehn Jahren in meiner Wohnung in der Hirschstraße besuchten. Bewaffnet mit einem Kasten Bier, schauten wir uns den Grand Prix an, ekelten und amüsierten uns abwechselnd und hatten insgesamt sehr viel Spaß bei dieser Veranstaltung.
Und jetzt wieder. Samstag, 24. Mai - man hat ja sonst nix zu tun. Und diesmal live aus Belgrad. Moment mal, Belgrad, das ist doch die Hauptstadt des kleinen Landes, das ansonsten mit Europa seine Probleme hat. Egal, an diesem Abend zählte das nicht: Millionen schienen auf den Straßen zu sein und die Veranstaltung zu feiern.
Wir waren tapfer und guckten uns alles an: Bands und Sänger aus Armenien und Norwegen, aus Spanien und Serbien, aus Aserbeidschan und der Ukraine, dazwischen einige Briten (ganz grausig), Franzosen (großartig! Sängerinnen mit Vollbärten!) und auch Deutsche. Viel zu lachen gab es, und manchmal gruselte es mich einfach.
Bei einigen Sängerinnen waren die Röcke so kurz und die Ausschnitte so tief, dass sie auch nackisch hätten auftreten können. Beim russischen Preisträger wußte ich nicht, ob ich über die nackte, haarlose Brust, das grausige Englisch, den tanzenden Eiskunstläufer oder den fiedelnden Ungarn mehr lachen sollte. Spitze waren die Finnen, die eine 80er-Jahre-Metal-Band inklusive Kastratengesang aufboten, und mit den Türken war immerhin ein Land vertreten, das halbwegs anständige Musik lieferte.
Den letzten Platz belegte Deutschland mit den No Angels. »Was erwartest du von vier alten Schabracken?«, so der Kommentar einer mir bekannten Person: Die Damen trafen keinen Ton, standen peinlich auf der Bühne herum, bewegten die Hintern zu erbärmlichen 80er-Jahre-Disco und wunderten sich wahrscheinlich hinterher, daß sie überhaupt Punkte bekamen.
Nächstes Jahr ist wieder Grand Prix - mal schauen, wer sich da am besten blamiert.
Und jetzt wieder. Samstag, 24. Mai - man hat ja sonst nix zu tun. Und diesmal live aus Belgrad. Moment mal, Belgrad, das ist doch die Hauptstadt des kleinen Landes, das ansonsten mit Europa seine Probleme hat. Egal, an diesem Abend zählte das nicht: Millionen schienen auf den Straßen zu sein und die Veranstaltung zu feiern.
Wir waren tapfer und guckten uns alles an: Bands und Sänger aus Armenien und Norwegen, aus Spanien und Serbien, aus Aserbeidschan und der Ukraine, dazwischen einige Briten (ganz grausig), Franzosen (großartig! Sängerinnen mit Vollbärten!) und auch Deutsche. Viel zu lachen gab es, und manchmal gruselte es mich einfach.
Bei einigen Sängerinnen waren die Röcke so kurz und die Ausschnitte so tief, dass sie auch nackisch hätten auftreten können. Beim russischen Preisträger wußte ich nicht, ob ich über die nackte, haarlose Brust, das grausige Englisch, den tanzenden Eiskunstläufer oder den fiedelnden Ungarn mehr lachen sollte. Spitze waren die Finnen, die eine 80er-Jahre-Metal-Band inklusive Kastratengesang aufboten, und mit den Türken war immerhin ein Land vertreten, das halbwegs anständige Musik lieferte.
Den letzten Platz belegte Deutschland mit den No Angels. »Was erwartest du von vier alten Schabracken?«, so der Kommentar einer mir bekannten Person: Die Damen trafen keinen Ton, standen peinlich auf der Bühne herum, bewegten die Hintern zu erbärmlichen 80er-Jahre-Disco und wunderten sich wahrscheinlich hinterher, daß sie überhaupt Punkte bekamen.
Nächstes Jahr ist wieder Grand Prix - mal schauen, wer sich da am besten blamiert.
25 Mai 2008
Fan-Begeisterung für »Daredevil«
Ich weiß ja selbst, daß meine Comic-Begeisterung in diesem Land zu einer Minderheiten-Position gehört. Comics sind bei den meisten Leuten eher was doofes, was für Minderbemittelte.
Wenn man dann Comics mag, steht man als Jugendlicher vielleicht auf doofe Mangas, als Intellektueller auf eher seltsame Kritzel-Sachen, die auf der Rückseite von »le monde diplomatique« veröffentlicht werden, oder man sagt halt ganz cool, daß man Asterix doch eigentlich ganz erwachsen fände. (Übrigens das beste Zeichen dafür, daß sich jemand mit Comics nicht auskennt. »Asterix« hatte vielleicht 1970 noch eine Relevanz, seither abernicht mehr.)
Und dann gibt es noch die paar tausend Leute wie mich, die sich so sehr für Comics interessieren, daß sie sogar Geld dafür ausgeben. 25 Euro für ein Hardcover beispielsweise, das sich mit der Figur des blinden Helden Daredevil beschäftigt und unter dem Titel »Die Akte Murdock« erscheint. Das ist schon mal richtig viel Geld; ich glaube nicht, daß das Ding eine höhere Auflage als 500 Exemplare im Hardcover erreicht, weil sich dafür eben echt kaum jemand begeistern will.
Dabei verpassen die potentiellen Leser echt was. Das von mir erwähnte Hardcover - gibt's auch als normales Paperback - ist als Band 72 in der Reihe »Marvel Exklusiv« erschienen und enthält die letzten Stories des Kreativ-Duos Brian Brendis und Alex Maleev.
Was die beiden mit der Figur des Rechtsanwalts und Superhelden in den letzten Jahren angestellt haben, ist sagenhaft. Kein Wunder, daß dieser Roman - die angemessene Bezeichnung für das Werk - damit endet, daß der Held im Knast landet, wo ihn ein ungewisses Schicksal erwartet ...
Mit »Der Teufel in Zellenblock D« ist bereits eine Fortsetzung erschienen, ebenfalls genial gezeichnet und brutalstmöglich getextet. Der Verlag versucht damit, die »Daredevil«-Reihe zu einer richtigen Reihe zu machen; das Ding ist als Paperback erschienen, trägt die Nummer 1 und enthält sechs knallharte Comic-Hefte aus den USA. Der Autor ist Ed Brubaker, von dem ich zuletzt den ersten Band der Comic-Krimi-Reihe »Criminal« gelesen habe und der auch für »Batman« tätig geworden ist; der Zeichner Michael Lark war mir bislang nicht bekannt, macht aber seine Sache sehr gut.
Und sie fahren fort mit der Demontage des Superhelden Daredevil, sie arbeiten die Figur des Blinden namens Matt Murdock weiter heraus, und sie stellen aus ihrer Sicht dar, wie krank und gewalttätig das amerikanische Justiz-System ist. Kein Vergleich mit Fernsehserien wie »Law & Order«, in denen letztlich immer die gute Macht des braven Staates gegen die Gangster gewinnt.
Bei dieser Serie sind die guten und die schlechten Seiten nicht so klar auseinanderzuhalten, und das ist das, was mich an »Daredevil« seit Jahren mit wachsender Begeisterung fesselt. Mein Fan-Tip: Geht in einen Comic-Laden und schaut euch die zwei Bücher an. Teuer sind sie, das gebe ich zu - aber sie werden möglicherweise euer Bild von Superhelden-Comics verändern!
Wenn man dann Comics mag, steht man als Jugendlicher vielleicht auf doofe Mangas, als Intellektueller auf eher seltsame Kritzel-Sachen, die auf der Rückseite von »le monde diplomatique« veröffentlicht werden, oder man sagt halt ganz cool, daß man Asterix doch eigentlich ganz erwachsen fände. (Übrigens das beste Zeichen dafür, daß sich jemand mit Comics nicht auskennt. »Asterix« hatte vielleicht 1970 noch eine Relevanz, seither abernicht mehr.)
Und dann gibt es noch die paar tausend Leute wie mich, die sich so sehr für Comics interessieren, daß sie sogar Geld dafür ausgeben. 25 Euro für ein Hardcover beispielsweise, das sich mit der Figur des blinden Helden Daredevil beschäftigt und unter dem Titel »Die Akte Murdock« erscheint. Das ist schon mal richtig viel Geld; ich glaube nicht, daß das Ding eine höhere Auflage als 500 Exemplare im Hardcover erreicht, weil sich dafür eben echt kaum jemand begeistern will.
Dabei verpassen die potentiellen Leser echt was. Das von mir erwähnte Hardcover - gibt's auch als normales Paperback - ist als Band 72 in der Reihe »Marvel Exklusiv« erschienen und enthält die letzten Stories des Kreativ-Duos Brian Brendis und Alex Maleev.
Was die beiden mit der Figur des Rechtsanwalts und Superhelden in den letzten Jahren angestellt haben, ist sagenhaft. Kein Wunder, daß dieser Roman - die angemessene Bezeichnung für das Werk - damit endet, daß der Held im Knast landet, wo ihn ein ungewisses Schicksal erwartet ...
Mit »Der Teufel in Zellenblock D« ist bereits eine Fortsetzung erschienen, ebenfalls genial gezeichnet und brutalstmöglich getextet. Der Verlag versucht damit, die »Daredevil«-Reihe zu einer richtigen Reihe zu machen; das Ding ist als Paperback erschienen, trägt die Nummer 1 und enthält sechs knallharte Comic-Hefte aus den USA. Der Autor ist Ed Brubaker, von dem ich zuletzt den ersten Band der Comic-Krimi-Reihe »Criminal« gelesen habe und der auch für »Batman« tätig geworden ist; der Zeichner Michael Lark war mir bislang nicht bekannt, macht aber seine Sache sehr gut.
Und sie fahren fort mit der Demontage des Superhelden Daredevil, sie arbeiten die Figur des Blinden namens Matt Murdock weiter heraus, und sie stellen aus ihrer Sicht dar, wie krank und gewalttätig das amerikanische Justiz-System ist. Kein Vergleich mit Fernsehserien wie »Law & Order«, in denen letztlich immer die gute Macht des braven Staates gegen die Gangster gewinnt.
Bei dieser Serie sind die guten und die schlechten Seiten nicht so klar auseinanderzuhalten, und das ist das, was mich an »Daredevil« seit Jahren mit wachsender Begeisterung fesselt. Mein Fan-Tip: Geht in einen Comic-Laden und schaut euch die zwei Bücher an. Teuer sind sie, das gebe ich zu - aber sie werden möglicherweise euer Bild von Superhelden-Comics verändern!
23 Mai 2008
Verpaßte Punkrock-Chancen
Das hatte ich eigentlich ganz schlau geplant: Ich fahre nach Berlin, gehe auf die Hochzeit, zu der ich in diesem Blog noch was schreiben muß, düse dann ins Hotel, wo ich mich umziehe, und bin dann rechtzeitig in der KVU, um ein geiles Punkrock-Konzert mitzukriegen.
So war der Plan, und er klappte auch. Aber ich hatte meine Rechnung ohne den Wirt gemacht, sprich, ich hatte nicht die riesigen Entfernungen in Berlin einkalkuliert, nicht meine schlechte Ortskenntis des Kastanienallee-Kiezes und vor allem nicht die Nachbarn. So kam ich zwar irgendwie in die Nähe der KVU, latschte aber großmaßstäblich vorbei, um mich dann von einer freundlichen Blog-Kollegin (die an diesem Abend nicht fit war) noch in die richtige Richtung lotsen zu lassen.
Und als ich endlich da war, hatten sowohl die Statt-Matratzen als auch die Crumpets bereits gespielt. Krachmusik bollerte immerhin nach wie vor aus dem Keller, ich vergnügte mich bei lauwarmem bis pisswarmem Bier und netten Leuten und verbrachte dann doch einige Stunden in einem der nettesten Läden in der Bundeshauptstadt. Trotz alledem dann doch ein schöner Abend, na also!
So war der Plan, und er klappte auch. Aber ich hatte meine Rechnung ohne den Wirt gemacht, sprich, ich hatte nicht die riesigen Entfernungen in Berlin einkalkuliert, nicht meine schlechte Ortskenntis des Kastanienallee-Kiezes und vor allem nicht die Nachbarn. So kam ich zwar irgendwie in die Nähe der KVU, latschte aber großmaßstäblich vorbei, um mich dann von einer freundlichen Blog-Kollegin (die an diesem Abend nicht fit war) noch in die richtige Richtung lotsen zu lassen.
Und als ich endlich da war, hatten sowohl die Statt-Matratzen als auch die Crumpets bereits gespielt. Krachmusik bollerte immerhin nach wie vor aus dem Keller, ich vergnügte mich bei lauwarmem bis pisswarmem Bier und netten Leuten und verbrachte dann doch einige Stunden in einem der nettesten Läden in der Bundeshauptstadt. Trotz alledem dann doch ein schöner Abend, na also!
22 Mai 2008
Da bin ich glatt neidisch
Jahrelang war sein Büro bei uns im Verlag durch zwei Wände von meinem getrennt: Ulrich Magin, Lektor für Sachbücher und vor einigen Jahren aus unserem Verlag ausgeschieden. Mit schrägen Comics wurde er in der Comic- und SF-Szene ein bißchen bekannt; mit mir unterhielt er sich gern auch mal über seine Vorliebe für schräge Pop-Musik der frühen 80er Jahre. Sachbücher über Trolle, Tatzenwürmer und UFOs haben darüber hinaus gezeigt, daß der Mann es faustdick hinter den Ohren hat.
Und jetzt ein richtiger Roman – Respekt! Unter dem Titel »Der Fisch« und mit einem ziemlich ungewöhnlichen Cover ist sein erster Thriller erschienen. Als Taschenbuch im Aufbau-Verlag, schick ausgestattet und mit einem respektablen Aufwand auf den Markt geschoben. Da kann ich nur neidisch werden.
Das Buch ist übrigens ziemlich spannend; es geht um Monster – na, was wohl? – im Bodensee, und im wesentlichen kann man's sogar als fantastischen Thriller betrachten. Ich unterhielt mich bei der Lektüre während der Zugfahrt von Berlin nach Karlsruhe bombig, und das ist viel wert. Der Autor kann schreiben, und ich bin auf weitere Werke gespannt.
In einem sehr unterhaltsamen Interview auf der Seite der Ufo-Meldestelle sagt der Autor einiges über seine Forschungen und sein Interesse an Charles Fort sowie dessen Werk. Das finde ich spannend; ich erinnere mich an viele Gespräche auf dem Verlags-Flur, wenn wir genau auf dieses Thema kamen.
»Ich bastle also am Mythos mit«, sagt Magin, der derzeit an oberitalienischen Seen die dortigen Monster-Sichtungen nachvollzieht. Seine Artikel werden, so glaubt er, irgendwann das »Monsterbild« dieser Seen irgendwie echter aussehen lassen. Hoffen wir das mal ganz fest – ich will in zwanzig Jahren in der Presse von »Comi Magi« lesen, vom Magin-Seemonster des Comer Sees.
Und jetzt ein richtiger Roman – Respekt! Unter dem Titel »Der Fisch« und mit einem ziemlich ungewöhnlichen Cover ist sein erster Thriller erschienen. Als Taschenbuch im Aufbau-Verlag, schick ausgestattet und mit einem respektablen Aufwand auf den Markt geschoben. Da kann ich nur neidisch werden.
Das Buch ist übrigens ziemlich spannend; es geht um Monster – na, was wohl? – im Bodensee, und im wesentlichen kann man's sogar als fantastischen Thriller betrachten. Ich unterhielt mich bei der Lektüre während der Zugfahrt von Berlin nach Karlsruhe bombig, und das ist viel wert. Der Autor kann schreiben, und ich bin auf weitere Werke gespannt.
In einem sehr unterhaltsamen Interview auf der Seite der Ufo-Meldestelle sagt der Autor einiges über seine Forschungen und sein Interesse an Charles Fort sowie dessen Werk. Das finde ich spannend; ich erinnere mich an viele Gespräche auf dem Verlags-Flur, wenn wir genau auf dieses Thema kamen.
»Ich bastle also am Mythos mit«, sagt Magin, der derzeit an oberitalienischen Seen die dortigen Monster-Sichtungen nachvollzieht. Seine Artikel werden, so glaubt er, irgendwann das »Monsterbild« dieser Seen irgendwie echter aussehen lassen. Hoffen wir das mal ganz fest – ich will in zwanzig Jahren in der Presse von »Comi Magi« lesen, vom Magin-Seemonster des Comer Sees.
21 Mai 2008
Doublebass-Gewitter aus Moskau
Daß die Band Purgen als die »russischen Exploited« genannt werden, habe ich schon öfters gelesen; jetzt habe ich mir endlich mal was von denen anhören können – die aktuelle CD »Reinkarnazia« rappelt ohne Ende. Das Schlagzeug wummert, die Gitarren rotzen, der Sänger schreit drüber, und alles geht ruckzuck nach vorne; ein Schuß Metal ist ebenfalls drin.
Trotzdem hat die Band stellenweise was: Was manchmal stumpf wirkt, kriegt auf einmal einen Einschlag von Melodie oder den einen oder anderen originellen Effekt. Auf diese Weise ist die Band wesentlich eigenständiger als die genannten englischen Vorbilder. Ich gestehe, daß ich nicht viel erwartet habe und positiv überrascht wurde. Da hat das Label einen guten Griff getan.
Die Band wird sicher nicht meine Lieblingsband werden, aber der druckvolle Hardcore-Punk hat tatsächlich was. Das putzt die Ohren auf jeden Fall gründlich durch.
Trotzdem hat die Band stellenweise was: Was manchmal stumpf wirkt, kriegt auf einmal einen Einschlag von Melodie oder den einen oder anderen originellen Effekt. Auf diese Weise ist die Band wesentlich eigenständiger als die genannten englischen Vorbilder. Ich gestehe, daß ich nicht viel erwartet habe und positiv überrascht wurde. Da hat das Label einen guten Griff getan.
Die Band wird sicher nicht meine Lieblingsband werden, aber der druckvolle Hardcore-Punk hat tatsächlich was. Das putzt die Ohren auf jeden Fall gründlich durch.
Punk-Ausstellung besucht
Am Wochenende war ich in Berlin. Am Wochenende wurde im Archiv der Jugendkulturen auch die Ausstellung zum Punkrock eröffnet. Die Eröffnung (Fotos im Blog!) verpaßte ich, dafür guckte ich am Sonntag mittag rein.
Sieht alles in allem ziemlich schick aus. Schwerpunkte sind unter anderem »Frauen im Punk«, auch wenn das so explizit nicht gesagt wird, und die Berliner Band PVC, von der es sogar eine Original-Lederjacke aus den späten 70er Jahren zu bestaunen gibt. Dazu haufenweise Platten-Cover und sowie Schaufensterpuppen in Punk-Outfit. Lustige Kombination!
Es gibt einen sehr schönen Bericht mit drei Fotos im Blog der Kollegin Atta, den ich allen ans Herz legen will, die sich vielleicht für so 'ne Ausstellung interessieren würden. Hat mir geschmeichelt, und froh bin ich, daß die Fotos aus dem Punkrock-Jugendzimmer nicht veröffentlicht wurden (Männer über vierzig posen auf dem Sofa ...).
»Der feine Herr Chefredakteur (vor 12 Jahren in einer Bierlache vorm Mexikaner kennengelernt)« bin übrigens ich. Ich finde die Ausstellung wirklich gut und empfehle sie jedem und jeder, der/die nach Berlin fährt oder dort wohnt und sich für Punkrock und Artverwandtes interessiert.
Sieht alles in allem ziemlich schick aus. Schwerpunkte sind unter anderem »Frauen im Punk«, auch wenn das so explizit nicht gesagt wird, und die Berliner Band PVC, von der es sogar eine Original-Lederjacke aus den späten 70er Jahren zu bestaunen gibt. Dazu haufenweise Platten-Cover und sowie Schaufensterpuppen in Punk-Outfit. Lustige Kombination!
Es gibt einen sehr schönen Bericht mit drei Fotos im Blog der Kollegin Atta, den ich allen ans Herz legen will, die sich vielleicht für so 'ne Ausstellung interessieren würden. Hat mir geschmeichelt, und froh bin ich, daß die Fotos aus dem Punkrock-Jugendzimmer nicht veröffentlicht wurden (Männer über vierzig posen auf dem Sofa ...).
»Der feine Herr Chefredakteur (vor 12 Jahren in einer Bierlache vorm Mexikaner kennengelernt)« bin übrigens ich. Ich finde die Ausstellung wirklich gut und empfehle sie jedem und jeder, der/die nach Berlin fährt oder dort wohnt und sich für Punkrock und Artverwandtes interessiert.
20 Mai 2008
Kalte Fusion mit Elektrokram
Keine Ahnung, warum ich diese CD erhalten habe: elektronischer Kram, teilweise rhythmisch, teilweise sogar rotzig, dazu seltsame deutsche Texte, die manchmal auch nur reingesprochen werden. Die Band nennt sich Kalte Fusion, die Platte heißt »Beweg was«, die Homepage ist eher kryptisch, und die Texte verstehe ich nicht.
Mag sein, daß Elektro-Mucker und intellektuelle Musikfreunde das alles klasse finde – aber ich bin wahrscheinlich zu blöd dafür. Von jahrzehntelangem Punkrock-Konsum versaut, denke ich. Na ja, hört selbst rein; auf der Homepage gibt's ja einige Beispiele. Und ich greife lieber wieder zu einem OX-Sampler ...
Mag sein, daß Elektro-Mucker und intellektuelle Musikfreunde das alles klasse finde – aber ich bin wahrscheinlich zu blöd dafür. Von jahrzehntelangem Punkrock-Konsum versaut, denke ich. Na ja, hört selbst rein; auf der Homepage gibt's ja einige Beispiele. Und ich greife lieber wieder zu einem OX-Sampler ...
Kein Mitleid
Zu behaupten, mein Mitleid hielte sich in Grenzen, wäre eine schamlose Lüge. Ich habe kein Mitleid mit Kurt Beck und der SPD, auch wenn ich den Kurt als Südpfälzer und ehemaligen PERRY-Leser ja prinzipiell sympathisch finde. Aber wer so viel Mist in so kurzer Zeit baut, darf sich nicht wundern, daß er in den Umfragen immer weiter absackt.
Historisch tief ist das ganze, glaubt man dem Magazin »Stern«, dem Fernsehsender RTL und der «Spiegel«-Redaktion. Elf Prozent der Bundesbürger würden Beck wählen, stünde er zur Wahl als Kanzler; für die SPD wären auch nur rund 23 Prozent. Hammerhart.
Kein Wunder: Die Partei hat es mit Hartz IV und absurden Steuergesetzen geschafft, ihre Stammwählerschaft zu verprellen, während diejenigen, die von dem Mist profitieren, lieber gleich die »richtigen Parteien« wählen, sprich CDU und FDP. Und das unwürdige Hin und Her mit der Linkspartei in den letzten Wochen und Monaten gab nicht mal mehr Stoff für ein Provintheaterstück ab, so peinlich war es.
Auffallend allerdings ist: Die CDU leistet sich ja genausoviel Dummschwätzer in ihren Reihen, kommt aber besser weg. Wenn Pofalla und Co. die Klappe aufreißen, winde ich mich vor Entsetzen und ungläubigem Staunen. Als Politiker braucht man anscheinend nicht einmal ein Mindestmaß an Intelligenz.
Und dann noch Hotte Köhler, die Leerstelle als Bundespräsident. Alle Welt ist von dem Mann begeistert, man wird ihn wohl auf jeden Fall wiederwählen. Kein Wunder: Er gibt nur Dampfgeplauder von sich, tritt - das mag der Deutsche - in seinen Aussagen gerne auf Schwächere ein (indem er »Reformen« anmahnt, was in diesem Land in dieser Zeit ja nur bedeutet, daß man »unten« weiter Druck ausübt) und ist wahrscheinlich ein netter Kerl. Das scheint zu reichen.
Ein netter Kerl ist wahrscheinlich auch Kurt Beck. Ich bin sicher, bei einer Flasche Wein könnte ich mich bombig mit ihm unterhalten.
Ein Themengebiet würde ich allerdings meiden: Politik. Denn da muß ich kotzen.
Historisch tief ist das ganze, glaubt man dem Magazin »Stern«, dem Fernsehsender RTL und der «Spiegel«-Redaktion. Elf Prozent der Bundesbürger würden Beck wählen, stünde er zur Wahl als Kanzler; für die SPD wären auch nur rund 23 Prozent. Hammerhart.
Kein Wunder: Die Partei hat es mit Hartz IV und absurden Steuergesetzen geschafft, ihre Stammwählerschaft zu verprellen, während diejenigen, die von dem Mist profitieren, lieber gleich die »richtigen Parteien« wählen, sprich CDU und FDP. Und das unwürdige Hin und Her mit der Linkspartei in den letzten Wochen und Monaten gab nicht mal mehr Stoff für ein Provintheaterstück ab, so peinlich war es.
Auffallend allerdings ist: Die CDU leistet sich ja genausoviel Dummschwätzer in ihren Reihen, kommt aber besser weg. Wenn Pofalla und Co. die Klappe aufreißen, winde ich mich vor Entsetzen und ungläubigem Staunen. Als Politiker braucht man anscheinend nicht einmal ein Mindestmaß an Intelligenz.
Und dann noch Hotte Köhler, die Leerstelle als Bundespräsident. Alle Welt ist von dem Mann begeistert, man wird ihn wohl auf jeden Fall wiederwählen. Kein Wunder: Er gibt nur Dampfgeplauder von sich, tritt - das mag der Deutsche - in seinen Aussagen gerne auf Schwächere ein (indem er »Reformen« anmahnt, was in diesem Land in dieser Zeit ja nur bedeutet, daß man »unten« weiter Druck ausübt) und ist wahrscheinlich ein netter Kerl. Das scheint zu reichen.
Ein netter Kerl ist wahrscheinlich auch Kurt Beck. Ich bin sicher, bei einer Flasche Wein könnte ich mich bombig mit ihm unterhalten.
Ein Themengebiet würde ich allerdings meiden: Politik. Denn da muß ich kotzen.
19 Mai 2008
Imperialer Gang
Heute gab ich mir zum ersten Mal einen Blick auf das Berliner Regierungs- und Innenstadt-Viertel; so richtig, meine ich. Als ich anno 1984 erstmals in Ostberlin war und an der Friedrichstraße umstieg, sah alles ganz anders aus ... und als ich etwa 1991 mit einem von Herrn Böhmert geliehenen Fahrrad zwischen Brandenburger Tor und Tiergarten unterwegs war, durch kilometergroße Schlammflächen, da sah alles erst recht anders aus.
Heute hatte ich Zeit. Mein Termin auf Höhe der Museumsinsel war vorüber, und ich hatte noch zwei Stunden, bis mein Zug fuhr. Also bummelte ich: Zum ersten Mal guckte ich mir die Museen und Theater in der Gegend an. Von außen, versteht sich - ich bin schließlich doch eher ein Kulturbanause.
Und ich bummelte an der Spree entlang, von der Friedrichstraße aus. Nach der imperial-preußischen Pracht der Museumsinsel dann die bundesrepublikanische Pracht des neuen Regierungsviertels. Schon beeindruckend, wie sich die neue Großmacht (oder Mittelmacht oder was auch immer)Deutschland hier präsentiert: Betonbunker, Glasfassaden, als Krönung der neue Hauptbahnhof.
Ein riesiger Gegensatz zu diversen Straßenbereichen in Kreuzberg oder auch im Prenzlauer Berg, wo ich am Vortag und in der Nacht von Freitag auf Samstag unterwegs war. Das sah aus wie das »alte« Berlin.
Das »neue« Berlin erinnerte an die neuen Viertel in Paris: großkotzig und prächtig und modern. Wahrscheinlich »g'hört des so«, wie man in Schwaben sagt.
Heute hatte ich Zeit. Mein Termin auf Höhe der Museumsinsel war vorüber, und ich hatte noch zwei Stunden, bis mein Zug fuhr. Also bummelte ich: Zum ersten Mal guckte ich mir die Museen und Theater in der Gegend an. Von außen, versteht sich - ich bin schließlich doch eher ein Kulturbanause.
Und ich bummelte an der Spree entlang, von der Friedrichstraße aus. Nach der imperial-preußischen Pracht der Museumsinsel dann die bundesrepublikanische Pracht des neuen Regierungsviertels. Schon beeindruckend, wie sich die neue Großmacht (oder Mittelmacht oder was auch immer)Deutschland hier präsentiert: Betonbunker, Glasfassaden, als Krönung der neue Hauptbahnhof.
Ein riesiger Gegensatz zu diversen Straßenbereichen in Kreuzberg oder auch im Prenzlauer Berg, wo ich am Vortag und in der Nacht von Freitag auf Samstag unterwegs war. Das sah aus wie das »alte« Berlin.
Das »neue« Berlin erinnerte an die neuen Viertel in Paris: großkotzig und prächtig und modern. Wahrscheinlich »g'hört des so«, wie man in Schwaben sagt.
18 Mai 2008
Gäste-Klo
Hauptstadt sindse, Klos bauen könnense nicht. Das ging mir durch den Kopf, als ich das Gäste-Klo in dem Hotel aufsuchte, das ich derzeit in Berlin bewohne. Mein Zimmer war noch nicht fertig, und ich mußte mal. Also ab ins Gäste-Klo.
Ich machte die Tür auf, sie schlug gegen die Klobrille. Das Klo war so klein, daß nicht mal die Tür komplett aufging. Und rechts und links von der Schüssel blieben jeweils rund vierzig Zentimeter. Was machen da Leute, die ein wenig korpulenter sind als ich?, fragte ich mich.
Ganz einfach eigentlich: Man stellt sich zwischen Kloschüssel und Wand, schieb dann die Tür an sich vorbei, macht zu, und dann hat man sagenhafte 1,20 auf 1,20 Meter zur Verfügung. Der pure Luxus.
Früher bei uns im Dorf machte man gern Witze über die großmäuligen Berliner. (Die langen Tannen, so sagte mir mein Herr Vater, würde man zu Zahnstochern für Berliner verarbeiten - weil die eine so große Klappe hätten.) Jetzt weiß ich, daß sie zumindest in einem gewissen Gebäude vielleicht auch eine große Klappe, dafür ein verdammt winziges Klo haben.
Man lernt nie aus auf Reisen.
Ich machte die Tür auf, sie schlug gegen die Klobrille. Das Klo war so klein, daß nicht mal die Tür komplett aufging. Und rechts und links von der Schüssel blieben jeweils rund vierzig Zentimeter. Was machen da Leute, die ein wenig korpulenter sind als ich?, fragte ich mich.
Ganz einfach eigentlich: Man stellt sich zwischen Kloschüssel und Wand, schieb dann die Tür an sich vorbei, macht zu, und dann hat man sagenhafte 1,20 auf 1,20 Meter zur Verfügung. Der pure Luxus.
Früher bei uns im Dorf machte man gern Witze über die großmäuligen Berliner. (Die langen Tannen, so sagte mir mein Herr Vater, würde man zu Zahnstochern für Berliner verarbeiten - weil die eine so große Klappe hätten.) Jetzt weiß ich, daß sie zumindest in einem gewissen Gebäude vielleicht auch eine große Klappe, dafür ein verdammt winziges Klo haben.
Man lernt nie aus auf Reisen.
16 Mai 2008
Cashless rocken
Die Band Cashless aus dem Großraum Augsburg (wenn ich das richtig kapiert habe) läßt es schwer rocken: Auf »Living Between The Lines«, der aktuellen CD der Band, wird fleißig in den Schubladen Streetpunk und Punk-ROCK gewildert; »Rock« in diesem Fall bewußt großgeschrieben. Wenn man sich die CD so anhört, könnte man meinen, die Band käme aus Los Angeles und hänge pausenlos mit Bonecrusher und anderen ab.
Ich find's auf Dauer ein bißchen langweilig: Die Stücke sind zwar gut, bleiben aber nicht so richtig hängen. Wer aber darauf steht, daß die Gitarren tief hängen, daß Chöre sauber gesungen werden und alles mit treibendem Sound funktioniert, kommt hier total auf seine Kosten.
Anspieltipps gibt's auf der Myspace-Seite der Band und auf der Seite des selbst gegründeten Labels genug – einfach mal anchecken.
Ich find's auf Dauer ein bißchen langweilig: Die Stücke sind zwar gut, bleiben aber nicht so richtig hängen. Wer aber darauf steht, daß die Gitarren tief hängen, daß Chöre sauber gesungen werden und alles mit treibendem Sound funktioniert, kommt hier total auf seine Kosten.
Anspieltipps gibt's auf der Myspace-Seite der Band und auf der Seite des selbst gegründeten Labels genug – einfach mal anchecken.
Kurz erinnert
Zuletzt schrieb ich irgendwann im März in diesem Blog was über die Redakteurserinnerungen auf der PERRY RHODAN-Homepage; heute noch mal ein kurzer Hinweis auf zwei weitere Texte.
Am 21. April 2008 gab es Ein Blick in »solis orbita«, also einen Rückblick auf das erste Fanzine, in dem ich Texte veröffentlichte. Ist auch lange her, bald dreißig Jahre - das war im Herbst 1978.
Und am 13. Mai 2008 gab's einen Artikel über WeltCon-Planungen fürs Jahr 1996, sprich, der Text spielt dann im Jahr 1995. Auch ein interessantes Thema, wie ich finde.
Am 21. April 2008 gab es Ein Blick in »solis orbita«, also einen Rückblick auf das erste Fanzine, in dem ich Texte veröffentlichte. Ist auch lange her, bald dreißig Jahre - das war im Herbst 1978.
Und am 13. Mai 2008 gab's einen Artikel über WeltCon-Planungen fürs Jahr 1996, sprich, der Text spielt dann im Jahr 1995. Auch ein interessantes Thema, wie ich finde.
15 Mai 2008
60 Jahre Krach und eine Feier
Schaue ich mir die Berichterstattung über Israel und die Diskussion in der sogenannten linken Szene an, wird mir manchmal schlecht: Je nach Darstellung handelt es sich bei Israel um das Licht der Demokratie im Nahen Osten oder um eine blutrünstige Diktatur.
Ich war noch nie da, kann mir also kein wirkliches Urteil erlauben, stelle aber nach jahrelangem Medienkonsum fest: Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es israelische Soldaten und Siedler, die sich wie Schweine aufführen und die Palästinenser drangsalieren. Und mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit drangalisieren die palästinensischen Machthaber ebenfalls ihr eigenes Volk – da werden meiner Ansicht nach Millionen von Menschen in staatlicher Geiselhaft gehalten.
Was ich bei alledem nicht verstehe: Alle Welt ärgert sich über das Los der Palästinenser, die in unwirtlichen Unterkünften hausen und sechzig Jahre nach Kriegsende immer noch auf ihre Rückkehr hoffen, und es gibt genügend Leute, die Israel allen Ernstes dazu auffordern, diese Rückkehr auch zu erlauben – aber die Ursachen werden ausgeblendet.
(Wenn ich Laie übrigens eines sofort verstehe: Das geht nicht, dann wäre Israel rein militärisch sofort am Ende. Wie kann man so was als »neutraler« Mensch ernsthaft fordern?)
Hätte man nach Ende des Zweiten Weltkriegs die rund zwölf Millionen deutscher und »volksdeutscher« Flüchtlinge nicht – wenngleich unter großen Mühen – einigermaßen integriert, wäre eine Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen überhaupt nicht denkbar. Die von den Arabern vertriebenen Israelis, die gern vergessen werden (etwa genauso viel wie vertriebene Palästinenser, das mal ganz nebenbei gesagt ...), wurden im Verlauf der 60 Jahre auf jeden Fall sehr gut integriert, so gut, dass sich an sie niemand mehr zu erinnern scheint.
Und die Palästinenser? Die heldenhaften (und zugleich teilweise stinkereichen) arabischen Nationen lassen die armen Schweine über 60 Jahre lang in Lagern hausen, unter unmöglichen Bedingungen. Daß sich da der Zorn irgendwann mal Bahn bricht, leuchtet ein, und daß die Palästinenser dann blindlings Israelis angreifen und Raketen auf Zivilisten abfeuern, ist irgendwie sogar verständlich.
Was mich angesichts der gesamten Misere am meisten ärgert, ist die Unvernunft der Regierenden und das Kalkül, mit Millionen von Menschen über insgesamt 60 Jahre hinweg ein dreckiges Spiel zu betreiben.
Ich war noch nie da, kann mir also kein wirkliches Urteil erlauben, stelle aber nach jahrelangem Medienkonsum fest: Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es israelische Soldaten und Siedler, die sich wie Schweine aufführen und die Palästinenser drangsalieren. Und mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit drangalisieren die palästinensischen Machthaber ebenfalls ihr eigenes Volk – da werden meiner Ansicht nach Millionen von Menschen in staatlicher Geiselhaft gehalten.
Was ich bei alledem nicht verstehe: Alle Welt ärgert sich über das Los der Palästinenser, die in unwirtlichen Unterkünften hausen und sechzig Jahre nach Kriegsende immer noch auf ihre Rückkehr hoffen, und es gibt genügend Leute, die Israel allen Ernstes dazu auffordern, diese Rückkehr auch zu erlauben – aber die Ursachen werden ausgeblendet.
(Wenn ich Laie übrigens eines sofort verstehe: Das geht nicht, dann wäre Israel rein militärisch sofort am Ende. Wie kann man so was als »neutraler« Mensch ernsthaft fordern?)
Hätte man nach Ende des Zweiten Weltkriegs die rund zwölf Millionen deutscher und »volksdeutscher« Flüchtlinge nicht – wenngleich unter großen Mühen – einigermaßen integriert, wäre eine Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen überhaupt nicht denkbar. Die von den Arabern vertriebenen Israelis, die gern vergessen werden (etwa genauso viel wie vertriebene Palästinenser, das mal ganz nebenbei gesagt ...), wurden im Verlauf der 60 Jahre auf jeden Fall sehr gut integriert, so gut, dass sich an sie niemand mehr zu erinnern scheint.
Und die Palästinenser? Die heldenhaften (und zugleich teilweise stinkereichen) arabischen Nationen lassen die armen Schweine über 60 Jahre lang in Lagern hausen, unter unmöglichen Bedingungen. Daß sich da der Zorn irgendwann mal Bahn bricht, leuchtet ein, und daß die Palästinenser dann blindlings Israelis angreifen und Raketen auf Zivilisten abfeuern, ist irgendwie sogar verständlich.
Was mich angesichts der gesamten Misere am meisten ärgert, ist die Unvernunft der Regierenden und das Kalkül, mit Millionen von Menschen über insgesamt 60 Jahre hinweg ein dreckiges Spiel zu betreiben.
14 Mai 2008
Open Season machen meine Sommer-Platte
Ich glaube, ich habe meine Musik für den Autofahrer-Sommer 2008 gefunden: Seit Tagen läuft in meinem CD-Player die CD »Here We Go« der Deutsch-Schweizer Band Open Season, eine wunderbare Mischung aus Reggae, einem Schuß Ska und sogar einer tüchtigen Ladung HipHop. Nein, mit Punkrock oder sonstwas krachigem hat das nix zu tun, was aber nicht weiter stört.
Stattdessen klingt sie manchmal nach Bands wie Asiandubfoundation, und den Vergleich finde ich von Mal zu Mal besser. Es gibt Stücke, da ist sogar ein orientalischer Einschlag zu vernehmen, vor allem auch dann, wenn Gastmusiker mitmachen. Und ein Stück wie »Dubway«, das über zehn Minuten lang ist, ohne zu langweilen, strahlt mit jazzig-pulsierender Eleganz, als sei es der Soundtrack zu einem cool ausgeleuchteten Kinofilm.
Die Band wird sogar politisch, wenn sie in »Hidden Agenda« davon singt, daß die Angst, die einem die Regierenden und ihre Medien einhämmern, nur einer Propaganda-Aktion folgt. Das ganze wirkt sympathisch und mitreißend, lädt zum Singen und Hüpfen ein und sorgt morgens bei der Fahrt zur Arbeit für erstaunlich gute Laune.
Auf der Homepage der Band gibt es gleich zur Eröffnung ein nettes Video mit entsprechender Musik – ich finde das bockstark, und zu »I Lost My Phone« kann ich schon mitsingen. Spitze!
Stattdessen klingt sie manchmal nach Bands wie Asiandubfoundation, und den Vergleich finde ich von Mal zu Mal besser. Es gibt Stücke, da ist sogar ein orientalischer Einschlag zu vernehmen, vor allem auch dann, wenn Gastmusiker mitmachen. Und ein Stück wie »Dubway«, das über zehn Minuten lang ist, ohne zu langweilen, strahlt mit jazzig-pulsierender Eleganz, als sei es der Soundtrack zu einem cool ausgeleuchteten Kinofilm.
Die Band wird sogar politisch, wenn sie in »Hidden Agenda« davon singt, daß die Angst, die einem die Regierenden und ihre Medien einhämmern, nur einer Propaganda-Aktion folgt. Das ganze wirkt sympathisch und mitreißend, lädt zum Singen und Hüpfen ein und sorgt morgens bei der Fahrt zur Arbeit für erstaunlich gute Laune.
Auf der Homepage der Band gibt es gleich zur Eröffnung ein nettes Video mit entsprechender Musik – ich finde das bockstark, und zu »I Lost My Phone« kann ich schon mitsingen. Spitze!
13 Mai 2008
Während der Autorenkonferenz
Es ist unfair, finde ich: Gestern und heute war strahlend schönes Wetter, und ich verbrachte meine Zeit mit Arbeit. Zwar mit Arbeit, die mir Spaß macht, aber es bleibt dennoch Arbeit.
Gestern mittag mußte die aktuelle Folge von »Peter Pank« fürs OX fertig werden. Ging ganz gut und klappte auch - und um 18.30 Uhr saß ich im Auto nach Rastatt. Bei tropischen Temperaturen begann die diesjährige Autorenkonferenz mit einem Spargel-Abendessen: lecker und sehr nett.
Heute dann den ganzen Tag: inhaltliche Diskussionen, Arbeitsgruppen, Einzelgespräche, Ideenfindung, Kaffeetrinken und Essen. Ich bin erschöpft und müde und gleichzeitig zufrieden. Mein Job ist anstrengend, aber an solchen Tagen liebe ich ihn.
Gestern mittag mußte die aktuelle Folge von »Peter Pank« fürs OX fertig werden. Ging ganz gut und klappte auch - und um 18.30 Uhr saß ich im Auto nach Rastatt. Bei tropischen Temperaturen begann die diesjährige Autorenkonferenz mit einem Spargel-Abendessen: lecker und sehr nett.
Heute dann den ganzen Tag: inhaltliche Diskussionen, Arbeitsgruppen, Einzelgespräche, Ideenfindung, Kaffeetrinken und Essen. Ich bin erschöpft und müde und gleichzeitig zufrieden. Mein Job ist anstrengend, aber an solchen Tagen liebe ich ihn.
12 Mai 2008
Das gute Gewissen des deutschen Pop
Manchmal wundere ich mich über Vergleiche, die manche Journalisten ziehen. The Notwist, die Band aus dem bayerischen Weilheim, wird als »das gute Gewissen des deutschen Pop« bezeichnet. Auch nicht schlecht - wie geht man eigentlich als Band mit einem solch zweifelhaften Kompliment um?
Ich habe solche Probleme nicht und kruschdle lieber in meinen Erinnerungen. Irgendwann 1990 oder 1991 spielte die Band im Jugendzenturm »Murgtäler Hof« in Freudenstadt; ich weiß nicht mehr, ob sie mit den britischen Pop-Punkern Thrilled Skinny zusammen spielten oder allein auftraten.
Heute wäre die Kombination undenkbar, damals war sie schon seltsam: The Notwist galten nämlich als Hardcore-Band, die krachige Gitarren und lauten Gesang boten, weit entfernt von dem Elektronik- und Pop-Getüftel, das die Herren heute auf der Bühne und auf Platte entfalten.
Wenn ich mich recht erinnere, brachten wir die Band unter bescheidenen Umständen unter; möglicherweise in Schlafsäcken im Jugendzentrum. Klingt fies, war's aber nicht; wir pennten da ja auch. Sofern man von Schlaf reden kann: Ich erinnere mich an stundenlange Diskussionen bei Bier und Rauchwaren über Buffalo Tom und Dinosaur jr. und andere Bands.
Heute sind The Notwist ganz groß. Kennt eigentlich irgend jemand außer mir noch Thrilled Skinny?
Ich habe solche Probleme nicht und kruschdle lieber in meinen Erinnerungen. Irgendwann 1990 oder 1991 spielte die Band im Jugendzenturm »Murgtäler Hof« in Freudenstadt; ich weiß nicht mehr, ob sie mit den britischen Pop-Punkern Thrilled Skinny zusammen spielten oder allein auftraten.
Heute wäre die Kombination undenkbar, damals war sie schon seltsam: The Notwist galten nämlich als Hardcore-Band, die krachige Gitarren und lauten Gesang boten, weit entfernt von dem Elektronik- und Pop-Getüftel, das die Herren heute auf der Bühne und auf Platte entfalten.
Wenn ich mich recht erinnere, brachten wir die Band unter bescheidenen Umständen unter; möglicherweise in Schlafsäcken im Jugendzentrum. Klingt fies, war's aber nicht; wir pennten da ja auch. Sofern man von Schlaf reden kann: Ich erinnere mich an stundenlange Diskussionen bei Bier und Rauchwaren über Buffalo Tom und Dinosaur jr. und andere Bands.
Heute sind The Notwist ganz groß. Kennt eigentlich irgend jemand außer mir noch Thrilled Skinny?
Eisenmänner im Einsatz
Ich mag Comics und ich gehe gern ins Kino, aber im Verlauf der letzten Jahre gab es eine Reihe von Comic-Verfilmungen, die mir nicht gefielen (»Daredevil« oder »Hellboy«) oder die ich schlicht grausig fand (»Catwoman« war einfach nur peinlich). Entsprechend gering waren meine Erwartungen, als wir dann endlich in »Iron Man« gingen.
Den Comic selbst finde ich nicht berauschend: Die Geschichte eines Mannes, der sich in eine Rüstung aus Stahl zwängt, um in dieser das Verbrechen zu bekämpfen, spricht mich nicht an. »Iron Man« ist ein Superheld, den ich nicht ernst nehmen kann, vergleichbar dem »Hulk«, den ich weder gezeichnet noch auf der Leinwand überzeugend finde.
Da machten es die Produzenten bei der jetzigen Verfilmung richtig: Sie ignorierten den Großteil der originalen Geschichte und machten alles einfach »neu«. Tony Stark ist auch in der Verfilmung ein stinkereicher Typ, aber im Film wird er jetzt durch traumatische Erlebnisse in Afghanistan erst auf den Weg des »Helden« geführt.
Das ganze ist erstaunlich glaubhaft erzählt; die Roboter- und Computertechnik erweist sich als interessante Science Fiction, und die Charaktere von »Pepper« und »Tony« gefallen mir. (Daß Gwyneth Paltrow allerliebst aussieht, ist natürlich noch ein I-Tüpfelchen - für die Damenwelt gibt es ja Robert Downey jr., der in diesem Streifen eben mal nicht Ally MacBeals Füße massieren, sondern finstere Terroristen umlegen darf, aber trotzdem gut aussieht.)
Zwischendrin einige Prisen von Eigenironie und einige gute Lacher - fertig ist ein attraktiver Hollywood-Streifen, dem man die über 150 Millionen an Produktionskosten zwar ansieht, der aber auch eine attraktive Geschichte zu erzählen hat. Mit offenem Ende, wie sich das heutzutage gehört ... und ich freue mich angesichts dieser Vorlage glatt auf den zweiten Teil.
Den Comic selbst finde ich nicht berauschend: Die Geschichte eines Mannes, der sich in eine Rüstung aus Stahl zwängt, um in dieser das Verbrechen zu bekämpfen, spricht mich nicht an. »Iron Man« ist ein Superheld, den ich nicht ernst nehmen kann, vergleichbar dem »Hulk«, den ich weder gezeichnet noch auf der Leinwand überzeugend finde.
Da machten es die Produzenten bei der jetzigen Verfilmung richtig: Sie ignorierten den Großteil der originalen Geschichte und machten alles einfach »neu«. Tony Stark ist auch in der Verfilmung ein stinkereicher Typ, aber im Film wird er jetzt durch traumatische Erlebnisse in Afghanistan erst auf den Weg des »Helden« geführt.
Das ganze ist erstaunlich glaubhaft erzählt; die Roboter- und Computertechnik erweist sich als interessante Science Fiction, und die Charaktere von »Pepper« und »Tony« gefallen mir. (Daß Gwyneth Paltrow allerliebst aussieht, ist natürlich noch ein I-Tüpfelchen - für die Damenwelt gibt es ja Robert Downey jr., der in diesem Streifen eben mal nicht Ally MacBeals Füße massieren, sondern finstere Terroristen umlegen darf, aber trotzdem gut aussieht.)
Zwischendrin einige Prisen von Eigenironie und einige gute Lacher - fertig ist ein attraktiver Hollywood-Streifen, dem man die über 150 Millionen an Produktionskosten zwar ansieht, der aber auch eine attraktive Geschichte zu erzählen hat. Mit offenem Ende, wie sich das heutzutage gehört ... und ich freue mich angesichts dieser Vorlage glatt auf den zweiten Teil.
10 Mai 2008
Harte Dienstreise
Morgens um viertel vor fünf Uhr aufgestanden, dann geduscht, gegessen, rasiert und frisiert - raus auf die Straße und zum Hauptbahnhof. Um kurz vor fünf Uhr ging der Zug nach Frankfurt, von dort aus mit dem Flugzeug nach Wien, von dort aus mit dem Taxi nach Brunn.
Trauerfeier für Ernst Vlcek. Ein trauriger Anlaß und ein wunderbares Wetter; das paßte für meine Begriffe nicht zusammen. Als offizieller Vertreter des Verlags hielt ich auch eine kurze Trauerrede - da fühlte ich mich nicht besonders gut.
Gemütliches Beisammensein in einem Heurigen. Dann wieder Taxi zum Flughafen, Flug nach Frankfurt, Zugfahrt nach Karlsruhe, Kollegin nach Hause fahren und dann zum Feierabendbier ins »Fünf«.
Gegen 23 Uhr stellte sich dann endlich Feierabendstimmung ein. Zum Feiern war mir trotzdem nicht zumute.
Trauerfeier für Ernst Vlcek. Ein trauriger Anlaß und ein wunderbares Wetter; das paßte für meine Begriffe nicht zusammen. Als offizieller Vertreter des Verlags hielt ich auch eine kurze Trauerrede - da fühlte ich mich nicht besonders gut.
Gemütliches Beisammensein in einem Heurigen. Dann wieder Taxi zum Flughafen, Flug nach Frankfurt, Zugfahrt nach Karlsruhe, Kollegin nach Hause fahren und dann zum Feierabendbier ins »Fünf«.
Gegen 23 Uhr stellte sich dann endlich Feierabendstimmung ein. Zum Feiern war mir trotzdem nicht zumute.
07 Mai 2008
War Street aus Karlsruhe
Karlsruhe hat eigentlich eine interessante Hardcore-Geschichte: Vor allem in den neunziger Jahren gab es eine Reihe von aktiven Bands, die Hardcore in verschiedenen Ausprägungen spielten. In Erinnerung geblieben sind mir unter anderem Radical Development, die damals wohl bekannteste Band, aber eben auch Wawn oder Hooka Hey, um nur einige zu nennen.
Und jetzt War Street, eine Band, die mit einer martialisch aussehenden CD aufwartet. Auf »Watch Your Back« ist eine in Trümmern liegende Stadt zu sehen, anscheinend nach einem Bombenangriff. Ob es die Kriegsstraße in Karlsruhe ist, kann ich leider nicht erkennen - auf jeden Fall ein sehr »punkiges« Motiv.
Die Karlsruher Band, deren Homepage noch im Entstehen ist (seufz), die aber eine Myspace-Seite hat, läßt's ordentlich krachen. Wer Stücke wie »Drecksau« oder »Frustration« rausbrüllt, steht nicht auf subtile Texte oder dezente Klänge; hier wird gebollert, was das Zeugs hält.
Die New Yorker Schule läßt sich nicht verbergen, gelegentlich erinnert die Band stark an die Tubesuckers - na logo, da haben ja einige von War Street vorher auch mitgespielt. Es knallt und rappelt; zwingend originell ist das nicht, aber es macht Laune.
Wenn die CD bei mir läuft, wackelt das Auto - und das ist für Hardcore kein schlechtes Kompliment, wie ich finde. Antesten!
Und jetzt War Street, eine Band, die mit einer martialisch aussehenden CD aufwartet. Auf »Watch Your Back« ist eine in Trümmern liegende Stadt zu sehen, anscheinend nach einem Bombenangriff. Ob es die Kriegsstraße in Karlsruhe ist, kann ich leider nicht erkennen - auf jeden Fall ein sehr »punkiges« Motiv.
Die Karlsruher Band, deren Homepage noch im Entstehen ist (seufz), die aber eine Myspace-Seite hat, läßt's ordentlich krachen. Wer Stücke wie »Drecksau« oder »Frustration« rausbrüllt, steht nicht auf subtile Texte oder dezente Klänge; hier wird gebollert, was das Zeugs hält.
Die New Yorker Schule läßt sich nicht verbergen, gelegentlich erinnert die Band stark an die Tubesuckers - na logo, da haben ja einige von War Street vorher auch mitgespielt. Es knallt und rappelt; zwingend originell ist das nicht, aber es macht Laune.
Wenn die CD bei mir läuft, wackelt das Auto - und das ist für Hardcore kein schlechtes Kompliment, wie ich finde. Antesten!
Es sommert
Gestern abend konnte ich die Biergarten-Saison für 2008 offiziell eröffnen. Okay, in Straßencafés saß ich schon im März herum, zumindest erinnere ich mich an ein Ereignis ... Da konnte man sogar die Jacke ausziehen, so schön schien die Sonne.
Das tat sie gestern abend irgendwann nicht mehr, und es wurde doch recht zugig. Aber das Essen im schönen »fünf«-Biergarten schmeckte, und das frische Weizenbier ließ sich auch nett schlürfen. Dazu alberne Gespräche über allerlei Hopplahopp-Themen (von Friedhöfen über Nazis in Durlach und Fußball bis hin zu Motorradbildern auf Handys gucken) - so läßt sich ein Abend angenehm gestalten.
Wie lange isses noch bis zur EM?
Das tat sie gestern abend irgendwann nicht mehr, und es wurde doch recht zugig. Aber das Essen im schönen »fünf«-Biergarten schmeckte, und das frische Weizenbier ließ sich auch nett schlürfen. Dazu alberne Gespräche über allerlei Hopplahopp-Themen (von Friedhöfen über Nazis in Durlach und Fußball bis hin zu Motorradbildern auf Handys gucken) - so läßt sich ein Abend angenehm gestalten.
Wie lange isses noch bis zur EM?
05 Mai 2008
Griff in die Geschichtskiste
Das war ein Vergnügen, die Radiosendung am Sonntag, 4. Mai 2008, zusammenzustellen. Und es war ein zusätzliches Vergnügen, sie zu spielen: Ich kam mir vor wie im Oldie-Radio, wo betagte Herren die Gleichaltrigen über die Jugendsünden informieren ...
Die Rede ist vom Querfunk, wo ich in meiner Sendung ENPUNKT-Radio am gestrigen Sonntag abend das Thema England-Punk hatte. Als erstes Stück dann auch gleich »New Rose« von The Damned, im Herbst 1976 erschienen und damit die erste Punk-Single überhaupt.
Im Programm hatte ich dann mit den UK Subs und Menace zwei eher bekannte Bands. Ich bin mir aber sicher, daß Kapellen wie Penetration oder Eater nicht jedem etwas sagen. Eine Band wie The Jolt, die ohnehin eher Mod-Sound spielte, ist ohnehin ein Randgebiet.
Zu den Randgbieten gehören The Specials, aber gleichzeitig passen sie wunderbar in die Zeit: Ska wurde unter anderem von ihnen definiert. Schöner Abschluß für die Sendung: Ich spielte die göttlichen Rezillos - wunderbar.
Die Rede ist vom Querfunk, wo ich in meiner Sendung ENPUNKT-Radio am gestrigen Sonntag abend das Thema England-Punk hatte. Als erstes Stück dann auch gleich »New Rose« von The Damned, im Herbst 1976 erschienen und damit die erste Punk-Single überhaupt.
Im Programm hatte ich dann mit den UK Subs und Menace zwei eher bekannte Bands. Ich bin mir aber sicher, daß Kapellen wie Penetration oder Eater nicht jedem etwas sagen. Eine Band wie The Jolt, die ohnehin eher Mod-Sound spielte, ist ohnehin ein Randgebiet.
Zu den Randgbieten gehören The Specials, aber gleichzeitig passen sie wunderbar in die Zeit: Ska wurde unter anderem von ihnen definiert. Schöner Abschluß für die Sendung: Ich spielte die göttlichen Rezillos - wunderbar.
04 Mai 2008
Zwei Dutzend Jahre jünger
Die »Alte Hackerei« in Karlsruhe ist ein Jahr alt - Respekt! Und eine fette Gratulation an die Betreiber. Auch wenn ich nicht zu den Stammgästen gehöre, bin ich doch immer wieder gern in der gepflegten Punkrock-Bar im Schlachthausgelände, trinke Bier und höre und schaue mir Bands an.
So auch am Samstag, 3. Mai, der offiziellen Ein-Jahres-Fete der »Hackerei«. Keine Ahnung, wie viele Leute gekommen waren, aber das Gelände vor der Kneipe stand voll mit Leuten. Überall wurde Bier getrunken, ich traf zahlreiche Bekannte, und zeitweise hatte ich das Gefühl, wir hätten irgendwie 1995 - sogar Leute tauchten auf, die ich zuletzt um diese Zeit wohl in der alten »Steffi« gesehen hatte.
Deshalb verpasste ich die erste Band des Abends auch fast. Blitzstrumpf waren für Oiro eingesprungen, wie leider abgesagt hatten. Die Karlsruher Band, die mir mit ihrem klassischen Punkrock (mit leichtem Früh-80er-Jahre-Ami-Schuß) sehr gut gefallen, lieferten ein gutes Konzert mit minimaler Bewegung des Publikums im rappelvollen Konzertraum.
Nach viel Gerede und viel Bier quetschte ich mich zu Gewapend Beton wieder in den Raum. Die sehr jungen Burschen aus Amsterdam, deren CD ich seit Tagen im Auto laufen habe, knallten ihren Hardcore-Punk in den Raum, daß es eine wahre Freude war. Wer Anleihen braucht, ziehe auch hier die frühen 80er Jahre und Amerika aus dem Karton. Und eine Band, die Reagan Youth und Circle Jerks in furioser Weise covert, ist eh auf der richtigen Seite.
Saugut. Hammer. Eine der besten Bands seit langem!
Danach Möfahead ausm Saarland. Acht Leute (mindestens) drängten sich auf der winzigen Bühne, im Konzertraum konnte man nicht mehr umfallen, und sogar ich sah von hinten kaum etwas. Was tun da eigentlich kleinere Leute? Die Bandmitglieder, alle lustig als Mofa-Rocker verkleidet, spielten Hardrock mit deutschen Texten, der mich nach zwei Liedern schon langweilte.
Dann stand ich doch lieber vor der Tür herum, trank Bier und Bionade und redete mit Leuten. Durch die Fenster der »Hackerei« dröhnten dann Lieder wie »Ich gehe in die Dorfdisco« in unverminderter Lautstärke in den Hof.
Ein schöner Abend. Um drei Uhr ging's endlich Richtung Bett.
So auch am Samstag, 3. Mai, der offiziellen Ein-Jahres-Fete der »Hackerei«. Keine Ahnung, wie viele Leute gekommen waren, aber das Gelände vor der Kneipe stand voll mit Leuten. Überall wurde Bier getrunken, ich traf zahlreiche Bekannte, und zeitweise hatte ich das Gefühl, wir hätten irgendwie 1995 - sogar Leute tauchten auf, die ich zuletzt um diese Zeit wohl in der alten »Steffi« gesehen hatte.
Deshalb verpasste ich die erste Band des Abends auch fast. Blitzstrumpf waren für Oiro eingesprungen, wie leider abgesagt hatten. Die Karlsruher Band, die mir mit ihrem klassischen Punkrock (mit leichtem Früh-80er-Jahre-Ami-Schuß) sehr gut gefallen, lieferten ein gutes Konzert mit minimaler Bewegung des Publikums im rappelvollen Konzertraum.
Nach viel Gerede und viel Bier quetschte ich mich zu Gewapend Beton wieder in den Raum. Die sehr jungen Burschen aus Amsterdam, deren CD ich seit Tagen im Auto laufen habe, knallten ihren Hardcore-Punk in den Raum, daß es eine wahre Freude war. Wer Anleihen braucht, ziehe auch hier die frühen 80er Jahre und Amerika aus dem Karton. Und eine Band, die Reagan Youth und Circle Jerks in furioser Weise covert, ist eh auf der richtigen Seite.
Saugut. Hammer. Eine der besten Bands seit langem!
Danach Möfahead ausm Saarland. Acht Leute (mindestens) drängten sich auf der winzigen Bühne, im Konzertraum konnte man nicht mehr umfallen, und sogar ich sah von hinten kaum etwas. Was tun da eigentlich kleinere Leute? Die Bandmitglieder, alle lustig als Mofa-Rocker verkleidet, spielten Hardrock mit deutschen Texten, der mich nach zwei Liedern schon langweilte.
Dann stand ich doch lieber vor der Tür herum, trank Bier und Bionade und redete mit Leuten. Durch die Fenster der »Hackerei« dröhnten dann Lieder wie »Ich gehe in die Dorfdisco« in unverminderter Lautstärke in den Hof.
Ein schöner Abend. Um drei Uhr ging's endlich Richtung Bett.
30 April 2008
Deutsch-Hardrock
Es ist seltsam, was sich aus dem alten Punkrock alles entwickelt hat. Eine der neueren Abarten ist der neue harte deutsche Rock, von mir jetzt mal als »Deutsch-Hardrock« bezeichnet, der noch leichte Punk-Wurzeln aufweist, der irgendwie im Oi! und Streetpunk verwurzelt ist und der schwer nach der Musik der Böhsen Onkelz riecht. Hier und jetzt ein kurzer Blick auf zwei entsprechende Bands.
Sowohl Kaerbholz aus Sachsen als auch Frei.Wild aus Südtirol werden von dem Label Asphalt Records herausgebracht. Beide Bands machen grobschlächtige, sehr männliche Musik, die von einem gröhlenden Gesang und ruppigem Hardrock sowie einem Schuß Punk beherrscht wird. Das muß nichts schlechtes sein; ich erinnere mich gern an die erste Troopers-Platte, die mir immer noch gut im Ohr ist.
Bei Kaerbholz fallen mir vor allem die Texte auf, die zwischen kraftmeierisch und jammernd frei wechseln: »Ich ertrink in meinem Wahnsinn / ich ersauf in schalem Bier / Scheiß drauf, es wird schon werden / im Suff ist alles halb so schwer.«
Musikalisch rumpelt man sich durch den meist sehr schlichten Hardrock, der gelegentlich an Tempo zulegt, um dann ein bißchen nach Oi! zu klingen, der aber auch vor der grausigen Rockballade nicht zurückschreckt. Die häufig sehr langen Stücke gehen mir meist auf die Nerven; das ist Musik für harte Männer oder diejenigen, die gern welche wären, für frustrierte Jungs, die darüber jammern, daß sie keine Frau abkriegen und deshalb lieber saufen.
Nein, kein Rechtsrock. Politisch kann man bei Kaerbholz nicht maulen. Aber einen Intelligenzpreis wird die Band sicher nicht gewinnen ...
Auch Frei.Wild sind nicht rechts, mögen aber ihre Heimat doch sehr. Zwischen ruppigen Liedern, die immerhin einen stärkeren Oi!-Anteil in den Hardrock mixen, gibt es glatt ein Stück, das an die Heimat Südtirol erinnert und die hohen Berge besingt. Heimatlieder vor Punkrock-Hintergrund – davon habe ich 1981 auch schon geträumt ...
Pathetisch sind die Südtiroler auch; da wird an Gefühle apelliert, da hält man zusammen und ist eine dufte Clique. Musikalisch sind die Burschen aber durchaus versiert, da gibt es durchaus mal ein schönes Gitarrenspiel zwischendurch. Das Intro sollte allerdings jeder Mensch überspringen, der noch an einem 80er-Jahre-Rockmusik-Träume leidet (wie ich) ...
Generell frage ich mich bei CD-Titeln wie »gegen alles gegen nichts« aber auch, ob der Deutsch-Hardrock mittlerweile in bester FDP-Tradition steht: schön liberal und sich überall raushalten, aber gleichzeitig unartikulierte Abneigung in holperigen Reimen in die Welt grölen: »Schlägereien, gebrochene Knochen, hab die Szenen stets genossen, ne Kippe in der Hand, vom Kater überrannt.«
Seltsam ...
Sowohl Kaerbholz aus Sachsen als auch Frei.Wild aus Südtirol werden von dem Label Asphalt Records herausgebracht. Beide Bands machen grobschlächtige, sehr männliche Musik, die von einem gröhlenden Gesang und ruppigem Hardrock sowie einem Schuß Punk beherrscht wird. Das muß nichts schlechtes sein; ich erinnere mich gern an die erste Troopers-Platte, die mir immer noch gut im Ohr ist.
Bei Kaerbholz fallen mir vor allem die Texte auf, die zwischen kraftmeierisch und jammernd frei wechseln: »Ich ertrink in meinem Wahnsinn / ich ersauf in schalem Bier / Scheiß drauf, es wird schon werden / im Suff ist alles halb so schwer.«
Musikalisch rumpelt man sich durch den meist sehr schlichten Hardrock, der gelegentlich an Tempo zulegt, um dann ein bißchen nach Oi! zu klingen, der aber auch vor der grausigen Rockballade nicht zurückschreckt. Die häufig sehr langen Stücke gehen mir meist auf die Nerven; das ist Musik für harte Männer oder diejenigen, die gern welche wären, für frustrierte Jungs, die darüber jammern, daß sie keine Frau abkriegen und deshalb lieber saufen.
Nein, kein Rechtsrock. Politisch kann man bei Kaerbholz nicht maulen. Aber einen Intelligenzpreis wird die Band sicher nicht gewinnen ...
Auch Frei.Wild sind nicht rechts, mögen aber ihre Heimat doch sehr. Zwischen ruppigen Liedern, die immerhin einen stärkeren Oi!-Anteil in den Hardrock mixen, gibt es glatt ein Stück, das an die Heimat Südtirol erinnert und die hohen Berge besingt. Heimatlieder vor Punkrock-Hintergrund – davon habe ich 1981 auch schon geträumt ...
Pathetisch sind die Südtiroler auch; da wird an Gefühle apelliert, da hält man zusammen und ist eine dufte Clique. Musikalisch sind die Burschen aber durchaus versiert, da gibt es durchaus mal ein schönes Gitarrenspiel zwischendurch. Das Intro sollte allerdings jeder Mensch überspringen, der noch an einem 80er-Jahre-Rockmusik-Träume leidet (wie ich) ...
Generell frage ich mich bei CD-Titeln wie »gegen alles gegen nichts« aber auch, ob der Deutsch-Hardrock mittlerweile in bester FDP-Tradition steht: schön liberal und sich überall raushalten, aber gleichzeitig unartikulierte Abneigung in holperigen Reimen in die Welt grölen: »Schlägereien, gebrochene Knochen, hab die Szenen stets genossen, ne Kippe in der Hand, vom Kater überrannt.«
Seltsam ...
28 April 2008
Nazis in 3-D und Print
Man darf den Namen nicht öffentlich benutzen, ohne in einen Prozess hineingezogen zu werden, aber man darf es erwähnen: Hinter dem von mir gelegentlich in diesem Blog erwähnten geplanten NPD-Zentrum in Karlsruhe-Durlach steckt unter anderem ein Rechtsanwalt aus Rastatt (wo ich arbeite), der lustigerweise ein CDU-Mitglied ist. Darüber berichten erfreulicherweise jetzt auch örtliche Medien.
Ebenso erfreulich ist, dass die Polizei am Wochenende in Birkenfeld (30 bis 40 Kilometer von Karlsruhe entfernt) ein Rechtsrock-Konzert gestoppt hat. Sogar die konservativen Tageszeitungen berichteten darüber recht korrekt. Und wer bisher immer noch der Mär anhing, Endstufe seien doch eigentlich ganz nette Jungs im unpolitischen Umfeld, wird seine Meinung jetzt wohl ändern.
In diesem Zusammenhang möchte ich die aktuelle Ausgabe des Antifa-Infoblattes lobend erwähnen. In dem Schwerpunkt-Heft Nummer 78 geht es unter anderem um die aktuellen Aktivitäten der NPD; interessant sind auch die Betrachtungen der Nazi-Szene im Ausland. Wie immer gibt's einige Artikel auf der Homepage zum Lesen; das Heft selbst ist für meine Begriffe eine Pflichtlektüre für diejenigen, die ernsthaft gegen Nazis was tun wollen.
Ebenso erfreulich ist, dass die Polizei am Wochenende in Birkenfeld (30 bis 40 Kilometer von Karlsruhe entfernt) ein Rechtsrock-Konzert gestoppt hat. Sogar die konservativen Tageszeitungen berichteten darüber recht korrekt. Und wer bisher immer noch der Mär anhing, Endstufe seien doch eigentlich ganz nette Jungs im unpolitischen Umfeld, wird seine Meinung jetzt wohl ändern.
In diesem Zusammenhang möchte ich die aktuelle Ausgabe des Antifa-Infoblattes lobend erwähnen. In dem Schwerpunkt-Heft Nummer 78 geht es unter anderem um die aktuellen Aktivitäten der NPD; interessant sind auch die Betrachtungen der Nazi-Szene im Ausland. Wie immer gibt's einige Artikel auf der Homepage zum Lesen; das Heft selbst ist für meine Begriffe eine Pflichtlektüre für diejenigen, die ernsthaft gegen Nazis was tun wollen.
27 April 2008
Lieblings-Fanzine für Science Fiction

Ich habe das Heft schon in den 70er Jahren gelesen und halte es für das derzeit beste Fanzine im Science-Fiction-Bereich. Die Rede ist von »Exodus«, und das Heft liegt seit Monaten die Nummer 22 bei mir zu Hause rum. Endlich habe ich die Ausgabe mal gelesen. Der Untertitel »Science Fiction Stories & Phantastische Grafik« ist hier absolut zutreffend, das Heft sieht spitze aus und bietet meist richtig gute Inhalte.
Einige Ausfälle gibt es immer zu beklagen; so langweilte mich die ellenlange Story »Besucher aus der Ferne«, die irgendwie als Fantasy beginnt und dann bei der Science Fiction endet. Erfreulicherweise gibt es aber auch sehr pointierte und kurze Geschichten, die mir Spaß machten. Mein Lieblingstext stammt von Johanna und Günter Braun, die schon in den 80er Jahren zu den bekanntesten Science-Fiction-Autoren der damaligen DDR zählten.
Das Heft ist hundertprozentig zu empfehlen. Es ist eh schade, daß es diese Art Fanzines praktisch kaum noch gibt, umso unterstützenswerter ist »Exodus« deshalb. Die Einzelausgabe kostet sechs Euro; es gibt auch Abonnements. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage.
Daisy Chain macht Krachmusik
Originalitätspunkte wird die Berliner Band nicht gewinnen, aber dafür umso mehr Sympathie. Schon die LP von Daisy Chain gefiel mir mit ihrem charmant-rotzigen Punk, und das setzt sich bei der CD »She's A Boxer« fort: ruppiger Punkrock, der klingt, als stamme er von 1982, und der sich vor allem durch die klare Stimme der Sängerin auszeichnet.
Die Texte passen dazu, sie sind meist persönlich-politischer Natur, kommen ohne erhobenen Zeigefinger aus und sind größtenteils in englischer Sprache gehalten. Insgesamt eine sehr schöne CD, die auch in einem schön gestalteten DigiPack mit 16 Seiten umfassendem Booklet erschienen ist. (Kostenpunkt übrigens bis zum 31. Mai 2008 für acht Euro inklusive Porto.)
Wer sich die Homepage der Band oder des Labels anschaut, findet übrigens auch noch reihenweise MP3-Dateien von ihren Stücken: sowohl von der neuen CD, als auch von der LP. Ideal zum Antesten – und für diejenigen ohne viel Geld eine praktische Möglichkeit, sich was auf den Rechner zu ziehen.
Die Texte passen dazu, sie sind meist persönlich-politischer Natur, kommen ohne erhobenen Zeigefinger aus und sind größtenteils in englischer Sprache gehalten. Insgesamt eine sehr schöne CD, die auch in einem schön gestalteten DigiPack mit 16 Seiten umfassendem Booklet erschienen ist. (Kostenpunkt übrigens bis zum 31. Mai 2008 für acht Euro inklusive Porto.)
Wer sich die Homepage der Band oder des Labels anschaut, findet übrigens auch noch reihenweise MP3-Dateien von ihren Stücken: sowohl von der neuen CD, als auch von der LP. Ideal zum Antesten – und für diejenigen ohne viel Geld eine praktische Möglichkeit, sich was auf den Rechner zu ziehen.
26 April 2008
Bürger-Demo gegen Nazi-Haus
Über das geplante Nazi-Zentrum in Karlsruhe-Durlach habe ich schon einmal geschrieben. Deshalb hier keine komplette Wiederholung der Fakten, die sind schließlich in einem entsprechenden Text in diesem Blog nachzulesen.
Am Freitag, 25. April 2008, gab's die offizielle Kundgebung gegen das geplante Nazi-Zentrum. Aufgerufen dazu hatten diverse Organisationen, darunter die SPD und die Gewerkschaften; es versprach also von vorneherein, eine sehr brave und bürgerliche Demonstration zu werden. Auch recht, in diesem Fall sogar sehr brauchbar - es kann nicht im Interesse der braven Bürger in Durlach liegen, daß sich die Nazis in ihrem schicken Stadtteil breit machen.
Ich kam natürlich nicht pünktlich um 18 Uhr hin; es war wohl halb sieben, bis ich endlich in der Badner Straße ankam. Die Polizei sperrte großräumig die Straßen ab, buchstäblich hinter jeder Hecke stand ein grünweißes Fahrzeug. Ich war gezwungen, einen kilometerweiten Umweg durch die Schrebergärten zurückzulegen, immer wieder an Polizeikontrollen vorbei. Mich ließen die Beamten stets unkontrolliert passieren - es hat schon Vorzüge, als braver Bürger direkt nach der Arbeit zur Kundgebung zu kommen.
Dafür wurde ich von einigen Bekannten schwer gedisst. »Klaus, du bist ja nackt«, war noch das netteste. »Wo ist denn deine Lederjacke?« Jajaja, macht nur Witze, ihr jungen Hüpfer, pfffff.
Die Rednerin auf der Bühne nervte, indem sie gut eine Viertelstunde lang alle Anordnungen der Polizei herunterbetete. Kommentar eines Bekannten: »Ich hab's noch nie erlebt, daß auf einer Demo jemand den ganzen Kram der Bullen vorgelesen hat.« Bürger-Demos sind halt immer ein bißchen arg bürgerlich, denke ich.
Auf jeden Fall standen und saßen bei bestem Frühjahrswetter rund 700 Leute in der Sonne herum. Die Polizei hatte nichts zu tun, gammelte auf dem Gelände des Gartenbauamtes und in den Nebenstraßen herum. Und irgendwo in einem Gelände zwischen Innenstadt und Schrebergärten sammelten sich angeblich zwei Dutzend Nazis - die tauchten aber nicht auf, und ich bekam sie nicht zu Gesicht.
Das angekündigte Nazi-Konzert fiel auf jeden Fall aus, und jetzt kann in Karlsruhe zumindest niemand mehr sagen, er hätte von dem geplanten Zentrum nichts mitgekriegt. Ob die friedliche und ein bißchen langweilige Kundgebung jetzt ein Sieg war oder sonst was, kann ich nicht beurteilen; sie war auf jeden Fall mal ein positives Zeichen.
Nette Berichte gab's - mit Fotos, seufz - auf ka-news und im »stattweb«.
Am Freitag, 25. April 2008, gab's die offizielle Kundgebung gegen das geplante Nazi-Zentrum. Aufgerufen dazu hatten diverse Organisationen, darunter die SPD und die Gewerkschaften; es versprach also von vorneherein, eine sehr brave und bürgerliche Demonstration zu werden. Auch recht, in diesem Fall sogar sehr brauchbar - es kann nicht im Interesse der braven Bürger in Durlach liegen, daß sich die Nazis in ihrem schicken Stadtteil breit machen.
Ich kam natürlich nicht pünktlich um 18 Uhr hin; es war wohl halb sieben, bis ich endlich in der Badner Straße ankam. Die Polizei sperrte großräumig die Straßen ab, buchstäblich hinter jeder Hecke stand ein grünweißes Fahrzeug. Ich war gezwungen, einen kilometerweiten Umweg durch die Schrebergärten zurückzulegen, immer wieder an Polizeikontrollen vorbei. Mich ließen die Beamten stets unkontrolliert passieren - es hat schon Vorzüge, als braver Bürger direkt nach der Arbeit zur Kundgebung zu kommen.
Dafür wurde ich von einigen Bekannten schwer gedisst. »Klaus, du bist ja nackt«, war noch das netteste. »Wo ist denn deine Lederjacke?« Jajaja, macht nur Witze, ihr jungen Hüpfer, pfffff.
Die Rednerin auf der Bühne nervte, indem sie gut eine Viertelstunde lang alle Anordnungen der Polizei herunterbetete. Kommentar eines Bekannten: »Ich hab's noch nie erlebt, daß auf einer Demo jemand den ganzen Kram der Bullen vorgelesen hat.« Bürger-Demos sind halt immer ein bißchen arg bürgerlich, denke ich.
Auf jeden Fall standen und saßen bei bestem Frühjahrswetter rund 700 Leute in der Sonne herum. Die Polizei hatte nichts zu tun, gammelte auf dem Gelände des Gartenbauamtes und in den Nebenstraßen herum. Und irgendwo in einem Gelände zwischen Innenstadt und Schrebergärten sammelten sich angeblich zwei Dutzend Nazis - die tauchten aber nicht auf, und ich bekam sie nicht zu Gesicht.
Das angekündigte Nazi-Konzert fiel auf jeden Fall aus, und jetzt kann in Karlsruhe zumindest niemand mehr sagen, er hätte von dem geplanten Zentrum nichts mitgekriegt. Ob die friedliche und ein bißchen langweilige Kundgebung jetzt ein Sieg war oder sonst was, kann ich nicht beurteilen; sie war auf jeden Fall mal ein positives Zeichen.
Nette Berichte gab's - mit Fotos, seufz - auf ka-news und im »stattweb«.
25 April 2008
Nette Besprechung im »Inka«
Daß das Karlsruher Stadtmagazin »Inka« eine von mir sehr geschätzte Lektüre ist, habe ich in diesem Blog schon mal ausgesagt. In der aktuellen Ausgabe wird erfreulicherweise mein Buch »Das Tier von Garoua« präsentiert und besprochen.
Durchaus kritische Bemerkungen findet Felix Mescoli dazu: »Manche Sprachbilder sind vielleicht etwas schief, aber Frick erzählt stets anschaulich und spannend.«
Das mit den schiefen Sprachbildern trifft mich selbstverständlich schwer, aber ich habe mich über die Besprechung trotzdem gefreut. Wenn das Buch schon nicht in den Karlsruher Buchhandlungen ausliegt ...
Durchaus kritische Bemerkungen findet Felix Mescoli dazu: »Manche Sprachbilder sind vielleicht etwas schief, aber Frick erzählt stets anschaulich und spannend.«
Das mit den schiefen Sprachbildern trifft mich selbstverständlich schwer, aber ich habe mich über die Besprechung trotzdem gefreut. Wenn das Buch schon nicht in den Karlsruher Buchhandlungen ausliegt ...
Schon wieder in der »Space View«
Interviews mit mir scheinen in der Zeitschrift »Space View« zur Dauer-Einrichtung zu werden. Ha!, das schmeichelt natürlich dem Ego. Die aktuelle Ausgabe, die dieser Tage an die Kioske enthält, schreibt wieder einmal über Heftromane und andere Literatur, in diesem Fall als »lesen in serie« betitelt.
Unter dem Titel »Kaffeekränzchen im Universum« geht es um neues zu meinem Arbeitsplatz. PERRY RHODAN wird lustigerweise mit dem »berühmten Hasen aus der Batterie-Werbung« verglichen, der laufe ja auch ununterbrochen.
Mit mir wurde ein kurzes Interview auf der Leipziger Buchmesse geführt; es geht um die neue Serie und Hörbücher. Neben mir kommen auch dem Hörbuch-Produzent Hans Greis sowie Axel Ruske von der Computerspielefirma Braingame zu Wort.
Unter dem Titel »Kaffeekränzchen im Universum« geht es um neues zu meinem Arbeitsplatz. PERRY RHODAN wird lustigerweise mit dem »berühmten Hasen aus der Batterie-Werbung« verglichen, der laufe ja auch ununterbrochen.
Mit mir wurde ein kurzes Interview auf der Leipziger Buchmesse geführt; es geht um die neue Serie und Hörbücher. Neben mir kommen auch dem Hörbuch-Produzent Hans Greis sowie Axel Ruske von der Computerspielefirma Braingame zu Wort.
24 April 2008
Merkel-Bashing
Das Kongresszentrum in Pforzheim ist ein Musterbeispiel für grausige Architektur. Aber damit steht das Gebäude stellvertretend für die Innenstadt der Schmuck-Metropole, die nach der völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in einem fürchterlich häßlichen Stil wieder errichtet wurde. Am Abend des Mittwoch, 23. April 2008, war uns das egal: Wir wollten ja schließlich lachen.
Und das konnten wir – bis die Bauchmuskulatur schmerzte. Auf der Bühne stand und tobte Urban Priol. Der »Franke mit hessischem Migrationshintergrund« brachte eine über zwei Stunden gehende furiose Mischung aus gnadenlosem Kabarett voll Polit-Witz und haarsträubender Comedy.
Am liebsten prügelte er auf Angela Merkel, seine »Platitüdenmamsell«, ein, die er mit Schwester Ratched aus »Einer flog über das Kuckucksnest« vergleicht. Aber auch andere Politiker wie »der Dicke« oder Guido Westerwelle bekamen ausgiebigst ihr Fett weg. Großartig – ich war kurz davor, in die Hose zu machen.
Das Schlimmste bei so einem politischen Kabarett ist ja trotz alledem: Die Bande, die uns regiert, ist ja noch schlimmer als jedes Kabarett; was denen in Berlin und Stuttgart und sonstwo einfällt, kann von keinem Witzigmenschen auf irgendeiner Bühne übertroffen werden.
Und das konnten wir – bis die Bauchmuskulatur schmerzte. Auf der Bühne stand und tobte Urban Priol. Der »Franke mit hessischem Migrationshintergrund« brachte eine über zwei Stunden gehende furiose Mischung aus gnadenlosem Kabarett voll Polit-Witz und haarsträubender Comedy.
Am liebsten prügelte er auf Angela Merkel, seine »Platitüdenmamsell«, ein, die er mit Schwester Ratched aus »Einer flog über das Kuckucksnest« vergleicht. Aber auch andere Politiker wie »der Dicke« oder Guido Westerwelle bekamen ausgiebigst ihr Fett weg. Großartig – ich war kurz davor, in die Hose zu machen.
Das Schlimmste bei so einem politischen Kabarett ist ja trotz alledem: Die Bande, die uns regiert, ist ja noch schlimmer als jedes Kabarett; was denen in Berlin und Stuttgart und sonstwo einfällt, kann von keinem Witzigmenschen auf irgendeiner Bühne übertroffen werden.
23 April 2008
Beeindruckendes SF-Fanzine

Der Hammer: Andromeda Nachrichten 218/19 ist sage und schreibe 250 Seiten im A4-Format dick, ein großformatiges Buch also. Michael Haitel als neuer Chefredakteur krempelt das altehrwürdige Fanzine (existiert seit den fünfziger Jahren ... so in etwa, weil die »Nachrichten« sich später erst entwickelt haben ... aber egal) komplett um und verwandelt es in ein Magazin.
Schwarzweiß zwar, aber cool. Ein himmelweiter Unterschied zu den langweiligen Heften der letzten 15 Jahre, die ich stets nur blätterte und dann zur Seite packte.
Das übersichtliche Layout und der hervorragende Druck garantieren einen Augenschmaus; zahlreiche Illustrationen machen die Lektüre des Heftes zu einem Vergnügen. Es gibt haufenweise Informationen und Besprechungen aus allen Bereichen der Science Fiction und Fantasy; haufenweise Zeugs von mir, das ich fürs Internet verfaßt habe, wird hier nachgedruckt, was meinem Ego schmeichelt.
Der Science Fiction Club Deutschland e.V., den es seit 1955 gibt, hat endlich mal wieder ein richtig tolles Aushängeschild. Darauf hat man als SFCD-Mitglied oder auch - wie ich - als Ex-Mitglied lange gewartet.
22 April 2008
Mein erster Fanzine-Beitrag

Im Nachhinein fällt es mir selbstverständlich schwer, mich in den Jugendlichen hineinzuversetzen, der ich im Oktober 1979 war. Ich hielt in jenem Monat das erste Heft in den Händen, in dem Texte von mir veröffentlicht wurden: Es war die Ausgabe 2 von »solis orbita«. Aus der Wahrnehmung von damals gab es allerdings haufenweise Gründe, stolz auf das Erreichte zu sein.
Ich war 15 Jahre alt, und ich fand mich im Impressum in einer Reihe mit Menschen wieder, deren Arbeit ich bewunderte: der Filmemacher Rainer Erler, der damals sehr bekannte Fan-Autor Manfred Borchard und die Jung-Profis Falk-Ingo Klee und Michael Nagula. Kein Wunder, dass ich glaubte, nun für eine Laufbahn als berühmter Schriftsteller bestens gerüstet zu sein. »solis orbita« wurde in meinen Augen zu einem richtigen Magazin, zu einem Heft, das zwar nur aus schwarzweiß gedruckten Seiten bestand und keine Farbe aufwies, das aber prominente Inhalte bot.
Wer weiterlesen will, muß dies leider auf der PERRY RHODAN-Homepage tun ... da gibt es einen entsprechenden Beitrag von mir.
Ernst Vlcek ist tot
Die Nachricht schockte mich heute richtiggehend: Ernst Vlcek ist heute morgen verstorben. Der österreichische Schriftsteller, mit dem ich jahrelang zusammenarbeitete, ist - so heißt es - friedlich eingeschlafen. Meinen Schrecken mindert das nicht.
Ernst, im Jahr 1941 geboren, schrieb schon in den 60er Jahren Science Fiction. Seit den 70er Jahren hat er haufenweise Romane veröffentlicht: Science Fiction aller Art, eben auch PERRY RHODAN, Horror unter anderem für den »Dämonenkiller«, Fantasy für die MYTHOR-Serie. Er war ein produktiver Autor mit einer riesigen Fantasie, gelegentlich ein bißchen undiszipliniert, aber eben im Zweifelsfall von einer überschäumenden Schaffenswut.
Ich erinnere mich an viele tolle Romane und Kurzgeschichten, an schräge Figuren und bizarre Ideen. Und ich denke an viele Diskussionen zurück, die wir führten. Nicht alle waren positiv; wir haben uns oft über den »richtigen Weg« gestritten, wie das zwischen Lektor/Redakteur und Autor durchaus mal vorkommen kann.
Ich war zu Gast im Hause Vlcek, ich habe ihn auf seiner Hütte in den Alpen besucht, und wir haben zahlreiche Exposé-Besprechungen seit den frühen 90er Jahren miteinander bewältigt. Wir haben lustige Feste erlebt und manches Bier und manchen Schnaps miteinander getrunken, über gemeinsame Bekannte gelästert oder irgendwelche Ideen ausgebrütet.
Zuletzt telefonierten wir alle halbe Jahre miteinander. Nachdem er aus dem Autorenteam ausgestiegen war, nutzten wir die seltene Chance, miteinander zu »plaudern«, wie er es nannte. Das werde ich jetzt nie wieder machen können ...
Ernst, im Jahr 1941 geboren, schrieb schon in den 60er Jahren Science Fiction. Seit den 70er Jahren hat er haufenweise Romane veröffentlicht: Science Fiction aller Art, eben auch PERRY RHODAN, Horror unter anderem für den »Dämonenkiller«, Fantasy für die MYTHOR-Serie. Er war ein produktiver Autor mit einer riesigen Fantasie, gelegentlich ein bißchen undiszipliniert, aber eben im Zweifelsfall von einer überschäumenden Schaffenswut.
Ich erinnere mich an viele tolle Romane und Kurzgeschichten, an schräge Figuren und bizarre Ideen. Und ich denke an viele Diskussionen zurück, die wir führten. Nicht alle waren positiv; wir haben uns oft über den »richtigen Weg« gestritten, wie das zwischen Lektor/Redakteur und Autor durchaus mal vorkommen kann.
Ich war zu Gast im Hause Vlcek, ich habe ihn auf seiner Hütte in den Alpen besucht, und wir haben zahlreiche Exposé-Besprechungen seit den frühen 90er Jahren miteinander bewältigt. Wir haben lustige Feste erlebt und manches Bier und manchen Schnaps miteinander getrunken, über gemeinsame Bekannte gelästert oder irgendwelche Ideen ausgebrütet.
Zuletzt telefonierten wir alle halbe Jahre miteinander. Nachdem er aus dem Autorenteam ausgestiegen war, nutzten wir die seltene Chance, miteinander zu »plaudern«, wie er es nannte. Das werde ich jetzt nie wieder machen können ...
21 April 2008
Trinken auf des Turmes Spitze
Spät am Abend stolperte ich an diesem Donnerstag noch ins »Top Of Town«; das ist die Bar im Radisson Hotel in Hamburg, direkt am Dammtorbahnhof gelegen. Von hier aus hat man tatsächlich einen grandiosen Blick über das Lichtermeer der Stadt, weit geht der Blick hinaus, bis er am Horizont irgendwann zwischen den Sternen versickert. Beeindruckend.
Die Bar war voll während meines Besuchs; die freundlichen Bedienungen gaben ihr bestes und lächelten glaubhaft, wirkten aber trotzdem schwer gestreßt. Ich wäre ungern durch die Masse an schwitzenden Menschen geeilt, immer wieder frische Getränke auf dem Tablett.
Die Cocktails schmeckten wohl allen, ich blieb trotzdem beim Bier. Das 0,3-Glas mit Jever kostete stolze 4,90 Euro, ich gab Trinkgeld und kam mir sofort pleite vor.
Und dann saß ich da, versuchte den Tag ausklingen zu lassen, während laute Musik im Hintergrund wummerte und das Stimmengewirr immer mehr in meinen Ohren dröhnte. Es ging nicht, und so schüttete ich mein Bier hinunter und machte, daß ich in mein Zimmer kam ...
Die Bar war voll während meines Besuchs; die freundlichen Bedienungen gaben ihr bestes und lächelten glaubhaft, wirkten aber trotzdem schwer gestreßt. Ich wäre ungern durch die Masse an schwitzenden Menschen geeilt, immer wieder frische Getränke auf dem Tablett.
Die Cocktails schmeckten wohl allen, ich blieb trotzdem beim Bier. Das 0,3-Glas mit Jever kostete stolze 4,90 Euro, ich gab Trinkgeld und kam mir sofort pleite vor.
Und dann saß ich da, versuchte den Tag ausklingen zu lassen, während laute Musik im Hintergrund wummerte und das Stimmengewirr immer mehr in meinen Ohren dröhnte. Es ging nicht, und so schüttete ich mein Bier hinunter und machte, daß ich in mein Zimmer kam ...
Auf der Seebrücke im Wind
Als wunderbarer Ort erwies sich die Seebrücke in Heiligendamm, bekannt aus Film und Fernsehen, buchstäblich: Als ich am Freitag dort spazieren ging, wehte ein kühler, strammer Wind, während die Sonne schien.
Die leuchtenden Gebäude von Heiligendamm strahlten geradezu, die alten Villen rechts und links bildeten einen interessanten Kontrast. Hinter mir fuhr ein Schiff vorbei, und ich stellte mir vor, wie mich Touristen fotografierten. Ein seltsames Gefühl, aber mir gefiel es.
Auf Wikipedia gibt es ein tolles Bild, das dieser Empfindung aber kaum gerecht wird.
Die leuchtenden Gebäude von Heiligendamm strahlten geradezu, die alten Villen rechts und links bildeten einen interessanten Kontrast. Hinter mir fuhr ein Schiff vorbei, und ich stellte mir vor, wie mich Touristen fotografierten. Ein seltsames Gefühl, aber mir gefiel es.
Auf Wikipedia gibt es ein tolles Bild, das dieser Empfindung aber kaum gerecht wird.
20 April 2008
Nazi-Zentrum in Karlsruhe
Da ich persönlich nicht dabei war, kann ich selbst keinen Erfahrungsbericht zu den Ereignissen in Karlsruhe-Durlach liefern. In dem Stadtteil kam es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen Antifas und Autonomen auf der einen sowie der Polizei auf der anderen Seite.
Grund dafür: Die NPD nutzt ein ehemaliges Bordell jetzt als Schulungszentrum oder ist auf dem besten Weg dazu. Nachdem die Stadtverwaltung das Problem über Wochen hinweg entweder ignoriert oder »herunter geredet« hat, ist das doch sehr seltsam ...
Ein schöner Artikel auf der örtlichen Nachrichtenseite ka-news liefert einige Einblicke. Besonders hübsch mal wieder die Argumentation des Karlsruher Oberbürgermeisters: »Man kann nicht die Verteidigung des Rechtsstaates vorgeben, wenn man als gewaltbereite, vermummte Chaoten auftritt und handelt.«
Er vergaß leider die kleine Ergänzung, daß ohne diese Demonstration nach wie vor die Argumentation der Stadt gültig wäre, die NPD wollte sich in diesem bewußten Gebäude eben nicht breitmachen. Die Gleichsetzung rechtsradikaler Schlägertrupps mit den Angehörigen der Antifa hat in Karlsruhe und auch anderswo allerdings eine gewisse Tradition; da darf ich mich nicht wundern.
Wer die Sicht der Antifa kennen lernen will, muß sich die Seite der Karlsruher Antifaschisten direkt anschauen. Da gibt's einen kurzen Bericht mit Links. Einer dieser Links führt zu Indymedia, wo ein ausführlicher Artikel zu finden ist.
Auf der Seite der Freiburger Antifa gibt es zudem eine beeindruckende Fotogalerie. Ich habe schon lange keine Vermummten mehr in Karlsruhe gesehen ...
Grund dafür: Die NPD nutzt ein ehemaliges Bordell jetzt als Schulungszentrum oder ist auf dem besten Weg dazu. Nachdem die Stadtverwaltung das Problem über Wochen hinweg entweder ignoriert oder »herunter geredet« hat, ist das doch sehr seltsam ...
Ein schöner Artikel auf der örtlichen Nachrichtenseite ka-news liefert einige Einblicke. Besonders hübsch mal wieder die Argumentation des Karlsruher Oberbürgermeisters: »Man kann nicht die Verteidigung des Rechtsstaates vorgeben, wenn man als gewaltbereite, vermummte Chaoten auftritt und handelt.«
Er vergaß leider die kleine Ergänzung, daß ohne diese Demonstration nach wie vor die Argumentation der Stadt gültig wäre, die NPD wollte sich in diesem bewußten Gebäude eben nicht breitmachen. Die Gleichsetzung rechtsradikaler Schlägertrupps mit den Angehörigen der Antifa hat in Karlsruhe und auch anderswo allerdings eine gewisse Tradition; da darf ich mich nicht wundern.
Wer die Sicht der Antifa kennen lernen will, muß sich die Seite der Karlsruher Antifaschisten direkt anschauen. Da gibt's einen kurzen Bericht mit Links. Einer dieser Links führt zu Indymedia, wo ein ausführlicher Artikel zu finden ist.
Auf der Seite der Freiburger Antifa gibt es zudem eine beeindruckende Fotogalerie. Ich habe schon lange keine Vermummten mehr in Karlsruhe gesehen ...
Trendfarbe Gelb
Glaubt man irgendwelchen Modeschöpfern und Fachleuten in Sachen Farbgebung, wird Gelb die nächste Trendfarbe. Mir wäre das insofern recht, weil dann meine Augen nicht mehr von Blusen in Pink, Lippenstift in Rosa und anderen Grausigkeiten beleidigt würden. Allerdings kann Gelb durchaus seine Probleme mit sich bringen.
Dieser Tage sah ich die absolute Trendsetterin in Sachen Modefarbe: die Lady in Gelb oder so. Eine junge Frau, sorgfältig geschminkt und mit sorgfältig gezupften Augenbrauen, die sich vorrangig in Gelb kleidete. Nicht komplett, aber passend.
Gelbe Schuhe, eine schwarze Hose, eine gelbe Jacke, deren gelbe Knöpfe geschlossen waren. Ein gelber Schal schützte den Hals gegen den kühlen Wind, und auf dem Kopf saß eine strahlend gelbe Mütze. Das sah schon ... nun ... auffallend auf, ich guckte ständig hin, begeisterte mich ein wenig angesichts des Gesamtkunstwerkes vor mir und wartete darauf, daß sich Risse in der Fassade bildeten.
Sie wandte den Kopf und schenkte ihrer Umwelt ein sanftes Lächeln; ich sah, daß unter der Mütze drei sauber abgezirkelte Haarsträhnen hervorschauten, die in einem Bogen bis auf die Wange fielen. Auch da paßte alles: sauber gefärbtes Blond. Nur die Fingernägel enttäuschten mich: Sie waren nicht gelb, sondern strahlten in einem sehr hellen Weiß.
Ich glaube, Trendsetting ist ein ganz schön harter Job ...
Dieser Tage sah ich die absolute Trendsetterin in Sachen Modefarbe: die Lady in Gelb oder so. Eine junge Frau, sorgfältig geschminkt und mit sorgfältig gezupften Augenbrauen, die sich vorrangig in Gelb kleidete. Nicht komplett, aber passend.
Gelbe Schuhe, eine schwarze Hose, eine gelbe Jacke, deren gelbe Knöpfe geschlossen waren. Ein gelber Schal schützte den Hals gegen den kühlen Wind, und auf dem Kopf saß eine strahlend gelbe Mütze. Das sah schon ... nun ... auffallend auf, ich guckte ständig hin, begeisterte mich ein wenig angesichts des Gesamtkunstwerkes vor mir und wartete darauf, daß sich Risse in der Fassade bildeten.
Sie wandte den Kopf und schenkte ihrer Umwelt ein sanftes Lächeln; ich sah, daß unter der Mütze drei sauber abgezirkelte Haarsträhnen hervorschauten, die in einem Bogen bis auf die Wange fielen. Auch da paßte alles: sauber gefärbtes Blond. Nur die Fingernägel enttäuschten mich: Sie waren nicht gelb, sondern strahlten in einem sehr hellen Weiß.
Ich glaube, Trendsetting ist ein ganz schön harter Job ...
19 April 2008
Die Vielrednerin
Als die Frau in der roten Jacke die Straßenbahn bestieg, blickte ich kaum auf; ich las in einer Zeitschrift und wollte eigentlich nur noch heim. Aber dann hörte ich ihre Stimme, ihre im Stakkato hervorgestoßenen Worte, und ich mußte doch kurz hinschauen.
Sie sah unauffällig aus; rotblonde leicht lockige Haare umrahmten das das rundliche Gesicht. Aber sie redete ununterbrochen; sie redete, während sie an mir vorüberging, und sie redete, als sie sich schräg hinter mir niederließ.
»Das ist so ein Scheiß, sag' ich dir, und wenn der mir noch einmal quer kommt, dann kriegt der richtig Ärger.« So ging es los, und so sprach sie weiter, ohne Punkt und Komma und in badischem Dialekt, der sich in Schriftsprache nicht wiedergeben läßt.
Sie schimpfte auf Abwesende und sprach mit jemanden, den es offensichtlich gab. Ein Telefon oder sonst etwas, in das sie hineinsprach, gab es nicht. Sie saß auf ihrem Platz und redete vor sich hin, so laut, daß es garantiert jeder mitbekam.
Dann setzte sich ihr eine Frau mit Kind gegenüber, ich bekam es aus den Augenwinkeln mit. Die Frau mit den rotblonden Haaren sprach weiter, ohne sich um die beiden zu kümmern, eine einzige Abfolge von ohnmächtiger Wut und Zorn, von seltsamen Äußerungen, die zwar vernünftig klangen, aber keinen gesamten Sinn ergaben.
Der Mutter mit dem Kind schien es zu viel zu sein: Sie standen auf und wechselten auf einen anderen Platz. Die Vielrednerin schien irritiert. »Wieso setzt ihr euch um? Habt ihr Angst vor mir? Ich tu' euch nichts, und euer Geld will ich auch nicht. Da, guckt her, ich hab' noch zwanzig Euro in der Tasche.«
Die Mutter reagierte nicht. Ich schaute zu ihr hinüber. Sie starrte zum Fenster hinaus, als spiele sich im Karlsruher Nieselregen etwas unglaublich spannendes ab, und preßte ihr Kind eng gegen sich.
»Ich glaub', jetzt geht's los. Das Mißtrauen wird auch immer schlimmer, niemand vertraut einem mehr. So ein Mist aber auch.«
Der Europaplatz kam, und ich stieg aus. Die Mutter mit dem Kind verließ die Straßenbahn in einer Geschwindigkeit, als sei sie auf der Flucht.
Und die Frau in der roten Jacke redete weiter, als habe sich nichts verändert. Als die Bahn anfuhr, blickte ich zu ihrem Fensterplatz hoch. Ihr Mund bewegte sich hektisch, ihre Augen waren ins Leere gerichtet, ihr gesamter Körper wirkte ruhig und angespannt zugleich.
Sie sah unauffällig aus; rotblonde leicht lockige Haare umrahmten das das rundliche Gesicht. Aber sie redete ununterbrochen; sie redete, während sie an mir vorüberging, und sie redete, als sie sich schräg hinter mir niederließ.
»Das ist so ein Scheiß, sag' ich dir, und wenn der mir noch einmal quer kommt, dann kriegt der richtig Ärger.« So ging es los, und so sprach sie weiter, ohne Punkt und Komma und in badischem Dialekt, der sich in Schriftsprache nicht wiedergeben läßt.
Sie schimpfte auf Abwesende und sprach mit jemanden, den es offensichtlich gab. Ein Telefon oder sonst etwas, in das sie hineinsprach, gab es nicht. Sie saß auf ihrem Platz und redete vor sich hin, so laut, daß es garantiert jeder mitbekam.
Dann setzte sich ihr eine Frau mit Kind gegenüber, ich bekam es aus den Augenwinkeln mit. Die Frau mit den rotblonden Haaren sprach weiter, ohne sich um die beiden zu kümmern, eine einzige Abfolge von ohnmächtiger Wut und Zorn, von seltsamen Äußerungen, die zwar vernünftig klangen, aber keinen gesamten Sinn ergaben.
Der Mutter mit dem Kind schien es zu viel zu sein: Sie standen auf und wechselten auf einen anderen Platz. Die Vielrednerin schien irritiert. »Wieso setzt ihr euch um? Habt ihr Angst vor mir? Ich tu' euch nichts, und euer Geld will ich auch nicht. Da, guckt her, ich hab' noch zwanzig Euro in der Tasche.«
Die Mutter reagierte nicht. Ich schaute zu ihr hinüber. Sie starrte zum Fenster hinaus, als spiele sich im Karlsruher Nieselregen etwas unglaublich spannendes ab, und preßte ihr Kind eng gegen sich.
»Ich glaub', jetzt geht's los. Das Mißtrauen wird auch immer schlimmer, niemand vertraut einem mehr. So ein Mist aber auch.«
Der Europaplatz kam, und ich stieg aus. Die Mutter mit dem Kind verließ die Straßenbahn in einer Geschwindigkeit, als sei sie auf der Flucht.
Und die Frau in der roten Jacke redete weiter, als habe sich nichts verändert. Als die Bahn anfuhr, blickte ich zu ihrem Fensterplatz hoch. Ihr Mund bewegte sich hektisch, ihre Augen waren ins Leere gerichtet, ihr gesamter Körper wirkte ruhig und angespannt zugleich.
18 April 2008
Im selben Bett wie Angela
Selten so bonzös einquartiert gewesen: Ich residiere seit drei Stunden und bis morgen etwa um zehn Uhr im Grand Hotel in Heiligendamm. Genau, das Hotel, in dem der G8-Gipfel im letzten Sommer veranstaltet wurde. Ein seltenes Gefühl.
Ich bin dienstlich hier, sprich, die Firma zahlt es. Wahrscheinlich könnte ich mir die prunkvollen Hotelzimmer auch beim besten Willen nicht leisten.
Die Ostsee plätschert reizvoll gegen den Strand, und der Zaun ums Hotel sieht völlig normal aus. Zwischen klassisch-weißen Mauern gehe ich mit Kollegen spazieren, mit Anzug und Krawatte, wie es sich gehört, und habe das Gefühl, an geschichtlich-wichtigem Ort zu sein.
Manchmal habe ich schon ein schizophrenes Leben, denke ich in solchen Augenblicken.
Ich bin dienstlich hier, sprich, die Firma zahlt es. Wahrscheinlich könnte ich mir die prunkvollen Hotelzimmer auch beim besten Willen nicht leisten.
Die Ostsee plätschert reizvoll gegen den Strand, und der Zaun ums Hotel sieht völlig normal aus. Zwischen klassisch-weißen Mauern gehe ich mit Kollegen spazieren, mit Anzug und Krawatte, wie es sich gehört, und habe das Gefühl, an geschichtlich-wichtigem Ort zu sein.
Manchmal habe ich schon ein schizophrenes Leben, denke ich in solchen Augenblicken.
16 April 2008
Anhänger und Bonuskarten
Müde wie an jedem Morgen stolpere ich in die Tankstelle. Betankt habe ich meinen Wagen noch, jetzt muß nur noch bezahlt werden. Vor mir stehen zwei Menschen an der Kasse: Eine Frau kauft »Red Bull« und Schokolade, ein junger Mann in Handwerker-Klamotten ersteht drei belegte Brötchen.
Dann bin ich dran. Während des Bezahlvorgangs fragt mich die junge Frau hinter der Theke, ob ich denn eine »Bonuskarte« hätte.
»Nein, nein«, murmle ich und komme mir sehr übernächtigt vor, »so was habe ich nicht. Zu viele Karten.«
Sie lächelt kurz höflich und redet professionell weiter. »Sie haben für über dreißig Euro getankt. Dann können Sie einen Ferrari-Schlüsselanhänger für zwei Euro statt für acht Euro neunzig kaufen.«
Ich schau' sie an, glaub' nicht so recht, was ich höre, dann blicke ich auf das häßliche Metallding, das auf der Theke liegt und auf das sie zeigt. Dann schaue ich wieder die junge Frau an der Kasse an. »Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder?«, entfährt's mir.
Sie lacht auf. »Doch.« Sie lacht weiter, und ich lache auch.
Danach bin ich wach. Mit Skalariak in guter Lautstärke am Ohr geht's leichter voran.
Dann bin ich dran. Während des Bezahlvorgangs fragt mich die junge Frau hinter der Theke, ob ich denn eine »Bonuskarte« hätte.
»Nein, nein«, murmle ich und komme mir sehr übernächtigt vor, »so was habe ich nicht. Zu viele Karten.«
Sie lächelt kurz höflich und redet professionell weiter. »Sie haben für über dreißig Euro getankt. Dann können Sie einen Ferrari-Schlüsselanhänger für zwei Euro statt für acht Euro neunzig kaufen.«
Ich schau' sie an, glaub' nicht so recht, was ich höre, dann blicke ich auf das häßliche Metallding, das auf der Theke liegt und auf das sie zeigt. Dann schaue ich wieder die junge Frau an der Kasse an. »Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder?«, entfährt's mir.
Sie lacht auf. »Doch.« Sie lacht weiter, und ich lache auch.
Danach bin ich wach. Mit Skalariak in guter Lautstärke am Ohr geht's leichter voran.
Peter Pank tanzt Pogo
In der aktuellen OX-Ausgabe, immerhin schon die Nummer 77 (yep!), geht mein Fortsetzungsroman »Und: Hardcore!« in eine neue Runde. Immer noch hält sich Peter Meißner alias Peter Pank in der liebreizenden Stadt Ludwigshafen auf, wo er sich an einem Punk-Festival beteiligt.
Ich versuche, diese Fortsetzungen so authentisch wie möglich zu halten, was gar nicht so einfach ist: Welche Klamotten trug man denn 1987 im Januar wirklich? Es verwischt sich im Lauf der Jahre nämlich in meinem Gedächtnis, was wann und wie wirklich genau passierte, und ich möchte es trotzdem genau haben.
Nun denn: Bei Peter Panks Abenteuern stimmt das meiste, ob in der wirklich existierenden Stadt Ludwigshafen oder den frei erfundenen Dörfern auf der Schwäbischen Alb. Und irgendwann wird auch noch die ebenfalls real existierende Stadt Nagold eine Rolle in der Geschichte spielen - ich hab' dazu schon klare Überlegungen.
Wie viele Folgen der aktuelle Punk-Roman haben wird? Keine Ahnung. Aber die Trilogie ist dann im Frühjahr 1987 irgendwann zu Ende, das weiß ich.
Ich versuche, diese Fortsetzungen so authentisch wie möglich zu halten, was gar nicht so einfach ist: Welche Klamotten trug man denn 1987 im Januar wirklich? Es verwischt sich im Lauf der Jahre nämlich in meinem Gedächtnis, was wann und wie wirklich genau passierte, und ich möchte es trotzdem genau haben.
Nun denn: Bei Peter Panks Abenteuern stimmt das meiste, ob in der wirklich existierenden Stadt Ludwigshafen oder den frei erfundenen Dörfern auf der Schwäbischen Alb. Und irgendwann wird auch noch die ebenfalls real existierende Stadt Nagold eine Rolle in der Geschichte spielen - ich hab' dazu schon klare Überlegungen.
Wie viele Folgen der aktuelle Punk-Roman haben wird? Keine Ahnung. Aber die Trilogie ist dann im Frühjahr 1987 irgendwann zu Ende, das weiß ich.
14 April 2008
Nihilistische Punkrock-Literatur

Eines der derzeit besten Fanzines überhaupt kommt aus Berlin und haut mich jedesmal um. Die aktuell vorliegende Ausgabe 77 (die Numerierung hat nix mit einer wirklichen Erscheinungsweise zu tun) knallt mit vierfarbigem Titelbild, mit 84 Seiten Umfang und sogar mit einem schicken Anstecker. Das Heft heißt AntiEverything und erfreut sich mittlerweile sogar eines eigenen Merchandisings.
Den Schwerpunkt des Inhalts biltet eine sogenannte Trashromanserie. Die Begriffe »Trash« und »Roman« treffen's dabei knallhart. In der Serie »Glory White Trash« geht's um Gewalt und Sex und Terror. Autos explodieren, Polizisten rennen, Steine fliegen und so weiter. Es kracht und scheppert, und dieser Roman zieht sich in zehn Episoden durchs gesamte Heft. Respekt!
Das ist nicht alles. Darüber hinaus geht es um Filme, in denen Sex und Nazi-Gewalt verbunden werden, oder es wird in einem knallharten Artikel beschrieben, wie es der ehemalige Wehrmachtsoffizier Reinhard Gehlen zum CIA-Agenten und zum Gründer eines bundesdeutschen Geheimdienstes brachte. Alle Texte sind unterhaltsam geschrieben und in einem knalligen Layout gestaltet. Sehr cool, das ganze.
Das Heft gibt's bei diversen Punk-Vertrieben oder direkt bei der Nihilist Justice, die auch als Verleger genannt wird. Heftige Literatur wird garantiert, ich fand's spitze.
13 April 2008
Das doppelte L.A.
Der amerikanische Politikwissenschaftler Benjamin Barber wird in einer deutschsprachigen Zeitung interviewt. Im Verlauf des Gesprächs, das sich vor allem um den »Konsumismus« dreht, spricht Barber die Mobilität in Los Angeles an. Man könne sich ganz viele verschiedene Autos kaufen, um mobil zu sein, aber:
»Aber es gibt ein Ding, das nicht zur Auswahl steht: öffentlicher Personenverkehr. Das gibt es nicht.«
Ich belehre ungern einen amerikanischen Professor (der diesen Text eh nicht zu Gesicht kriegen wird), der sich in seinem Heimatland viel besser auskennt als ich, aber: Der öffentliche Personennahverkehr in Los Angeles ist völlig in Ordnung.
Eine supergut funktionierende schnelle Metro und zahlreiche Buslinien sorgten während meines Aufenthaltes in der Stadt dafür, daß ich überall hinkam, wo ich hinwollte. Das Netz der Stationen ist ein wenig lockerer als - um einen Vergleich zu ziehen - etwa in Karlsruhe, aber das liegt vielleicht auch daran, daß die meisten Leute wie Professor Barber denken und gar nicht auf die Idee kommen, in einen Bus oder in eine Bahn zu steigen.
Macht nichts. Fast alle Menschen, mit denen ich über L.A. gesprochen habe, glauben ja dasselbe, sogar Leute, die monate- oder jahrelang dort wohnten. Es gäbe in der Stadt keinen öffentlichen Personenverkehr, heißt es unisono.
Die einzige Antwort, die mir bisher auf dieses Mißverhältnis zwischen meinen Erlebnissen und den Ansichten von Leuten einfällt, die viel länger in der Stadt waren: Es muß zwei verschiedene Los Angeles geben. Ich war in der Stadt mit Bus und Bahn (und Gehwegen, auf denen man spazieren kann), die anderen in einer anderen Metropole.
Zwei Städte, zwei Universen.
»Aber es gibt ein Ding, das nicht zur Auswahl steht: öffentlicher Personenverkehr. Das gibt es nicht.«
Ich belehre ungern einen amerikanischen Professor (der diesen Text eh nicht zu Gesicht kriegen wird), der sich in seinem Heimatland viel besser auskennt als ich, aber: Der öffentliche Personennahverkehr in Los Angeles ist völlig in Ordnung.
Eine supergut funktionierende schnelle Metro und zahlreiche Buslinien sorgten während meines Aufenthaltes in der Stadt dafür, daß ich überall hinkam, wo ich hinwollte. Das Netz der Stationen ist ein wenig lockerer als - um einen Vergleich zu ziehen - etwa in Karlsruhe, aber das liegt vielleicht auch daran, daß die meisten Leute wie Professor Barber denken und gar nicht auf die Idee kommen, in einen Bus oder in eine Bahn zu steigen.
Macht nichts. Fast alle Menschen, mit denen ich über L.A. gesprochen habe, glauben ja dasselbe, sogar Leute, die monate- oder jahrelang dort wohnten. Es gäbe in der Stadt keinen öffentlichen Personenverkehr, heißt es unisono.
Die einzige Antwort, die mir bisher auf dieses Mißverhältnis zwischen meinen Erlebnissen und den Ansichten von Leuten einfällt, die viel länger in der Stadt waren: Es muß zwei verschiedene Los Angeles geben. Ich war in der Stadt mit Bus und Bahn (und Gehwegen, auf denen man spazieren kann), die anderen in einer anderen Metropole.
Zwei Städte, zwei Universen.
11 April 2008
Blick in die eigene Zukunft?
Keine Ahnung, was die nahe Zukunft für mich bereithält. Hauptsache, ich werde mich nie so entwickeln wie Schmalenbach. Der Mann ist der unfreiwillige Held einer Reihe von Kolumnen, die der Autor Wolfgang Brenner verfaßt hat und die man auch in einem Buch nachlesen kann: Das heißt »Die schlimmsten Dinge passieren immer am Morgen« und schildert das Leben eines Durchschnittsmenschen mittleren Alters.
Dieser ist durchaus mit mir vergleichbar: Er trauert gelegentlich alten Zeiten ab, hat aber längst einen gut situierten Job in der Medienbranche gefunden (in diesem Fall ist es die Werbung); gern sitzt er mit seinen Kumpels (in diesem Fall der Schriftsteller Germersheimer und der Zeichner Pfeifenberger) in einer Kneipe herum, philosophiert übers Leben und guckt anderen Frauen hinterher, obwohl er doch in einer glücklichen Beziehung lebt.
Tapfer stellt er sich den Herausforderungen, die der Alltag für ihn – und auch für mich, wie mir scheint – bereithält. Er ärgert sich über die Telefongesellschaft und hat Angst vor dem Zahnarzt, er denkt zu viel über Träume nach und gruselt sich vor den Erwartungen, die bei einem Klassentreffen gehegt werden.
Das alles beschreibt Wolfgang Brenner derart komisch und treffend, daß ich bei den meisten Geschichten ins Schmunzeln geriet. Na klar, ich erkannte mich zu oft wieder ... zumindest manchmal. Ich hoffe ja, daß ich noch nicht auf diesem Weg bin und die schlimmsten Pannen an mir vorübergehen.
Aber zum Erkennen eigener Schwächen und zu einem gruseligen Blick in eine mögliche Zukunft als Durchschnittsspießer bot das Buch eine wahrlich erhellende Lektüre.
Dieser ist durchaus mit mir vergleichbar: Er trauert gelegentlich alten Zeiten ab, hat aber längst einen gut situierten Job in der Medienbranche gefunden (in diesem Fall ist es die Werbung); gern sitzt er mit seinen Kumpels (in diesem Fall der Schriftsteller Germersheimer und der Zeichner Pfeifenberger) in einer Kneipe herum, philosophiert übers Leben und guckt anderen Frauen hinterher, obwohl er doch in einer glücklichen Beziehung lebt.
Tapfer stellt er sich den Herausforderungen, die der Alltag für ihn – und auch für mich, wie mir scheint – bereithält. Er ärgert sich über die Telefongesellschaft und hat Angst vor dem Zahnarzt, er denkt zu viel über Träume nach und gruselt sich vor den Erwartungen, die bei einem Klassentreffen gehegt werden.
Das alles beschreibt Wolfgang Brenner derart komisch und treffend, daß ich bei den meisten Geschichten ins Schmunzeln geriet. Na klar, ich erkannte mich zu oft wieder ... zumindest manchmal. Ich hoffe ja, daß ich noch nicht auf diesem Weg bin und die schlimmsten Pannen an mir vorübergehen.
Aber zum Erkennen eigener Schwächen und zu einem gruseligen Blick in eine mögliche Zukunft als Durchschnittsspießer bot das Buch eine wahrlich erhellende Lektüre.
10 April 2008
Interview in der SOL-Ausgabe 50
Das Heft ist noch gar nicht erschienen, aber ich habe es erfreulicherweise schon vorliegen: Die Rede ist von der SOL-Ausgabe, dem Jubelheft des Magazins der PERRY RHODAN-FanZentrale. Erfreulicherweise gibt es in diesem Heft ein umfangreiches Interview mit mir.
Das Interview ist sage und schreibe sieben Seiten lang und wurde von Roman Schleifer aus Wien geführt. Der Titel gefällt mir gut, denn er faßt das Interview passend zusammen: »Das Interessanteste an meinem Beruf ist die Mischung.«
Inhaltlich geht es natürlich in erster Linie um PERRY RHODAN und meine Rolle als Chefredakteur bei der größten SF-Serie der Welt. Roman Schleifer versucht mit verschiedenen Tricks, diverse Andeutungen aus mir herauszukitzeln, beißt aber auf Granit. Immerhin plaudere ich genügend Hintergründe aus, von denen ich denke, daß sie den einen oder anderen doch interessieren könnte.
Komplett kann ich dieses Interview hier nicht dokumentieren; so viel Text liest kein Mensch in einem Blog. Im Kommentar bringe ich aber einige Absätze als Auszüge; sie stammen eher aus dem hinteren Teil des Interviews.
Das Interview ist sage und schreibe sieben Seiten lang und wurde von Roman Schleifer aus Wien geführt. Der Titel gefällt mir gut, denn er faßt das Interview passend zusammen: »Das Interessanteste an meinem Beruf ist die Mischung.«
Inhaltlich geht es natürlich in erster Linie um PERRY RHODAN und meine Rolle als Chefredakteur bei der größten SF-Serie der Welt. Roman Schleifer versucht mit verschiedenen Tricks, diverse Andeutungen aus mir herauszukitzeln, beißt aber auf Granit. Immerhin plaudere ich genügend Hintergründe aus, von denen ich denke, daß sie den einen oder anderen doch interessieren könnte.
Komplett kann ich dieses Interview hier nicht dokumentieren; so viel Text liest kein Mensch in einem Blog. Im Kommentar bringe ich aber einige Absätze als Auszüge; sie stammen eher aus dem hinteren Teil des Interviews.
09 April 2008
»Nachts am Euro«

Mal wieder ist ein Pankernknacker erschienen, mittlerweile die Ausgabe 18 des Fanzines aus Süddeutschland, dessen Macher es jetzt nach Berlin verschlagen hat. Mit dabei als Mitarbeiter: ich.
Meine Kurzgeschichte heißt »Nachts am Euro«, spielt im Karlsruhe des Jahres 1994 und hat - na klar! - biografische Hintergründe. Es geht um eine »Nie wieder Deutschland«-Demonstration und um meine ersten Stunden in der neuen Heimatstadt.
Wer alles ernst nimmt, hat bei solchen Texten eh verloren. Mir hat es Spaß gemacht, die Geschichte zu verfassen, und ich hoffe, daß sie den Lesern des Fanzines auch gefällt. Schauen wir mal ...
08 April 2008
Geschichten aus der Provinz
Die Zeitschrift Am Erker gefällt mir immer besser. Die »Zeitschrift für Literatur«, wie sich die Publikation bezeichnet, erscheint in Form einer schicken Paperback-Ausgabe, und auch die Nummer 54 bietet mit 168 Seiten richtig viel Umfang.
Inhaltlich beschäftigen sich die meisten Texte mit dem Thema Provinz: Gedichte und Geschichten, die das Aufwachsen auf dem Land thematisieren; das kommt mir selbst natürlich sehr gut bekannt vor ... Viele Texte gefallen mir richtig gut, einige Ausfälle sind stets zu verschmerzen. Aber ein Text wie »Muss ja«, in dem ein Schreiberling vom Dorfjournalistmus erzählt, spricht mich immer an.
Was in den frühen 80er Jahren als Literatur-Fanzine begann, ist im Daedalus Verlag zu einer ernstzunehmenden Publikation geworden, die ich gerne lese und sammle. Schön!
Inhaltlich beschäftigen sich die meisten Texte mit dem Thema Provinz: Gedichte und Geschichten, die das Aufwachsen auf dem Land thematisieren; das kommt mir selbst natürlich sehr gut bekannt vor ... Viele Texte gefallen mir richtig gut, einige Ausfälle sind stets zu verschmerzen. Aber ein Text wie »Muss ja«, in dem ein Schreiberling vom Dorfjournalistmus erzählt, spricht mich immer an.
Was in den frühen 80er Jahren als Literatur-Fanzine begann, ist im Daedalus Verlag zu einer ernstzunehmenden Publikation geworden, die ich gerne lese und sammle. Schön!
Gratulation zur Nummer 40

Ich erinnere mich düster, wie die Zeitschrift Mephisto anfing: Ziemlich düster sah das Heft im Jahr 1994 aus, was zum Inhalt paßte. Und heute handelt es sich um ein richtig gutes Magazin.
Die Nummer 40 ist ein kleines Jubiläum für eine richtig gute Rollenspiel- und Literatur-Zeitschrift. In Mephisto geht es nach wie vor eher um die düstere Seite der Phantastik; der Schwerpunkt liegt immer noch auf den Rollenspielen.
Aber es wird eben auch der Autor Bernhard Hennen interviewt, oder es gibt umfangreiche Buchbesprechungen. Das alles wird schön bunt und auf hundert A4-Seiten präsentiert. Eine respektable Leistung, so lange durchzuhalten und das Qualitätsniveau zu erreichen! Da kann man nur gratulieren.
07 April 2008
Radau aus den Staaten
Hektisch zusammengestellt, aber dennoch gut krachig: meine gestrige Radiosendung im örtlichen Sender Querfunk. Ich nahm mir die USA als Schwerpunkt-Thema und pendelte mich inhaltlich stark auf die 90er Jahre ein - ohne daß dies im voraus so geplant gewesen wäre.
So gab's vor allem melodische Klänge von Horace Pinker aus Arizona, den Panic Buttons aus Alabama oder MU 330 aus ... ich hab' den Staat vergessen. Die Irokesenpunk-Fraktion kam mit Defiance und Total Chaos auf jeden Fall auf ihre Kosten, da bin ich mir sicher.
Dank der Oi!-Band Cut Throat aus Cleveland, Ohio, dürften ausnahmsweise sogar die Freunde des Glatzkopf-Sounds mit mir zufrieden gewesen sein. Und mit When Tigers Fight gab's noch was ordentliches für die Hardcore- und Metalcore-Fraktion; eine wüst-derbe Breitseite am Ende der Sendung.
War sonst noch was? Kalt war's, und regnerisch war's dazu. Selten ein solches Kackwetter erlebt, um mit dem Fahrrad ins Radio zu strampeln ...
So gab's vor allem melodische Klänge von Horace Pinker aus Arizona, den Panic Buttons aus Alabama oder MU 330 aus ... ich hab' den Staat vergessen. Die Irokesenpunk-Fraktion kam mit Defiance und Total Chaos auf jeden Fall auf ihre Kosten, da bin ich mir sicher.
Dank der Oi!-Band Cut Throat aus Cleveland, Ohio, dürften ausnahmsweise sogar die Freunde des Glatzkopf-Sounds mit mir zufrieden gewesen sein. Und mit When Tigers Fight gab's noch was ordentliches für die Hardcore- und Metalcore-Fraktion; eine wüst-derbe Breitseite am Ende der Sendung.
War sonst noch was? Kalt war's, und regnerisch war's dazu. Selten ein solches Kackwetter erlebt, um mit dem Fahrrad ins Radio zu strampeln ...
06 April 2008
Millerntaler und anderes Kleingeld

Nach wie vor scheint das Geschehen rings um den FC St. Pauli spannender zu sein als die Spiele selbst. Den Eindruck erhalte ich auf jeden Fall immer, wenn ich den Übersteiger lese, das – laut aktueller Unterzeile – »Sich-nackig-machendesTaler-Hetzblatt rund um den FC St. Pauli«.
Die mir vorliegende Ausgabe 87 zeigt auch prompt zwei nackte Männer aufm Cover, na also! Ob »sex sells« hier unbedingt stimmt, bezweifle ich.
Die internen Diskussionen um das neue Stadtion-Plastikgeld finde ich spannend, die Reise- und Spielberichte ebenfalls. Wieder mal ein lesenswertes Heft, dessen Lektüre einem nicht langweilig wird.
05 April 2008
Ein Tribut an AC/DC
Es gibt diese Abende, da will man nicht gleich heimgehen. So auch nach dem Deutschpunk-Festival in Durlach; danach mußte ein Bier in Karlsruhes gepflegter Punkrock-Kneipe einfach sein. Also strandeten wir noch in der »Alten Hackerei«, wo tatsächlich auch ein Konzert war.
Es spielte Big Gun, eine aus Frankfurt stammende AC/DC-Coverband. Die Haare wedelten, die Köpfe wackelten, die Band spielte die Klassiker der australischen Altherrenrocker wirklich stilecht nach. Sehr hübsch.
Warum ich dafür so viel Eintritt bezahlt hatte - genauer, er wurde für mich bezahlt, und ich gab dafür ein Radler aus -, wurde mir hinterher nicht ganz klar. Von der Band bekam ich nicht viel mit, die meiste Zeit stand ich vor der Tür.
Unter dem Wellblechdach war die Luft frischer, den Lärm aus der Kneipe bekam ich genauso mit, und der Blick in den kühlen Nieselregen hatte auch was.
Es spielte Big Gun, eine aus Frankfurt stammende AC/DC-Coverband. Die Haare wedelten, die Köpfe wackelten, die Band spielte die Klassiker der australischen Altherrenrocker wirklich stilecht nach. Sehr hübsch.
Warum ich dafür so viel Eintritt bezahlt hatte - genauer, er wurde für mich bezahlt, und ich gab dafür ein Radler aus -, wurde mir hinterher nicht ganz klar. Von der Band bekam ich nicht viel mit, die meiste Zeit stand ich vor der Tür.
Unter dem Wellblechdach war die Luft frischer, den Lärm aus der Kneipe bekam ich genauso mit, und der Blick in den kühlen Nieselregen hatte auch was.
A bissle Deutschpunk-Chaos
Durlach, die ehemalige badische Residenzstadt, ist heute ein Stadtteil von Karlsruhe. Es gibt die Festhalle Durlach, die für ihre schlechte Akustik berühmt ist, direkt in einem Wohngebiet gelegen, und es gibt ein ehemaliges Bordell, das jetzt im Gespräch ist, weil die NPD dort drin ein Schulungszentrum errichten möchte. Ideale Möglichkeit also, genau dort ein Deutschpunk-Festival zu veranstalten.
Entsprechend sah es aus, als wir am Freitag abend, 4. April 2008, dort eintrafen: genervte Nachbarn, überforderte Dorf- und Stadtpolizisten, dazu hunderte von Punks und Skinheads. Ich kam mir ein wenig vor wie bei Chaostagen, die in den späten 80er Jahren gerne in kleineren Städten ausgerufen wurden ...
Schätzungsweise 500 Leute dürften sich eingefunden haben. Wärthers Schlechte und Staatspunkrott (oder so) hatten wir bereits verpaßt, weil die Veranstalter tatsächlich einigermaßen pünktlich angefangen hatten. Ob da »verpaßt« das richtige Wort ist, mögen andere entscheiden ...
Dafür bekamen wir das letzte Drittel von Rasta Knast mit: Der treibende Deutschpunk der Band aus Hannover hat mir schon immer gefallen, ich hatte mir zu diesem Abend extra mein Asta Kast-Shirt angezogen. Die miese Anlage und die schauderhafte Akustik störten zwar den Hörgenuß, es hielt viele Punks aber nicht davon ab, fleißig Pogo zu tanzen.
Von der Bühne herunter schimpfte der Sänger noch über die schlechte Organisation, dann kam nach kurzer Umbau-, Trink- und Pinkelpause schon die nächste Band. Ich nahm an, daß es Fahnenflucht war: Die Männer an den Klampfen sahen aus wie Hardcore-Leute, der Sänger machte eine gute Show und wurde von einer vollbusigen Dame aus dem Publikum begrabscht. Sieht man vom bereits erwähnten Matsch-Sound ab, war die Band gut - weit besser als auf Platte, finde ich.
Chefdenker aus Köln glänzten danach mit schrecklichen Frisuren; das Volk feierte die Band trotzdem ab. Zwischendurch gingen wir immer mal wieder raus, wo die Stimmung stieg und nicht ganz sicher war, ob es zwischen Festhalle und künftiger Nazi-Kneipe nicht noch eine fröhliche Straßenschlacht geben würde.
Zum Abschluß Eisenpimmel: Anfangs fand das Prollpunk-Schauspiel nur eine Minderheit spannend. Nachdem sich aber die ersten Punks auf der Bühne entkleideten und nackte Schwänze baumelten, stieg die Stimmung; das Bier spritzte, und die Band wurde abgefeiert. Klamotten flogen ins Publikum, Sängerin Mona begeisterte mit unglaublichen Klamotten, und ich lachte Tränen.
Danach lungerten wir noch eine Weile vor der Tür herum. Die großzügig aufgestellte Kiste mit Leergut wurde erstaunlicherweise nicht auf die lockere Polizistentruppe abgefeuert, und als es zu nieseln begann, verzogen wir uns aus der romantischen Altstadt von Durlach.
Ein gelungener Deutschpunk-Abend, sehr schön!
Entsprechend sah es aus, als wir am Freitag abend, 4. April 2008, dort eintrafen: genervte Nachbarn, überforderte Dorf- und Stadtpolizisten, dazu hunderte von Punks und Skinheads. Ich kam mir ein wenig vor wie bei Chaostagen, die in den späten 80er Jahren gerne in kleineren Städten ausgerufen wurden ...
Schätzungsweise 500 Leute dürften sich eingefunden haben. Wärthers Schlechte und Staatspunkrott (oder so) hatten wir bereits verpaßt, weil die Veranstalter tatsächlich einigermaßen pünktlich angefangen hatten. Ob da »verpaßt« das richtige Wort ist, mögen andere entscheiden ...
Dafür bekamen wir das letzte Drittel von Rasta Knast mit: Der treibende Deutschpunk der Band aus Hannover hat mir schon immer gefallen, ich hatte mir zu diesem Abend extra mein Asta Kast-Shirt angezogen. Die miese Anlage und die schauderhafte Akustik störten zwar den Hörgenuß, es hielt viele Punks aber nicht davon ab, fleißig Pogo zu tanzen.
Von der Bühne herunter schimpfte der Sänger noch über die schlechte Organisation, dann kam nach kurzer Umbau-, Trink- und Pinkelpause schon die nächste Band. Ich nahm an, daß es Fahnenflucht war: Die Männer an den Klampfen sahen aus wie Hardcore-Leute, der Sänger machte eine gute Show und wurde von einer vollbusigen Dame aus dem Publikum begrabscht. Sieht man vom bereits erwähnten Matsch-Sound ab, war die Band gut - weit besser als auf Platte, finde ich.
Chefdenker aus Köln glänzten danach mit schrecklichen Frisuren; das Volk feierte die Band trotzdem ab. Zwischendurch gingen wir immer mal wieder raus, wo die Stimmung stieg und nicht ganz sicher war, ob es zwischen Festhalle und künftiger Nazi-Kneipe nicht noch eine fröhliche Straßenschlacht geben würde.
Zum Abschluß Eisenpimmel: Anfangs fand das Prollpunk-Schauspiel nur eine Minderheit spannend. Nachdem sich aber die ersten Punks auf der Bühne entkleideten und nackte Schwänze baumelten, stieg die Stimmung; das Bier spritzte, und die Band wurde abgefeiert. Klamotten flogen ins Publikum, Sängerin Mona begeisterte mit unglaublichen Klamotten, und ich lachte Tränen.
Danach lungerten wir noch eine Weile vor der Tür herum. Die großzügig aufgestellte Kiste mit Leergut wurde erstaunlicherweise nicht auf die lockere Polizistentruppe abgefeuert, und als es zu nieseln begann, verzogen wir uns aus der romantischen Altstadt von Durlach.
Ein gelungener Deutschpunk-Abend, sehr schön!
04 April 2008
Sozialstaatsromantiker
Wenn sich jemand dafür einsetzt, daß wenigstens halbwegs Gerechtigkeit herrscht, gilt er gleich als Sozialstaatsromantiker. Wenn sich jemand dafür engagiert, daß die Reichen immer wohlhabender und die Hartz-IV-Empfänger immer schlechter behandelt werden, so ist er realistisch und gehört zur »Mitte unserer Gesellschaft«.
Manchmal darf man keine politischen Kommentare lesen. Es gibt Gründe, warum ich einen großen Teil der Illustrierten-Landschaft hierzulande maile, in der immer mal wieder zur großen Hatz auf Sozialschmarotzer aufgefordert wird.
Damit meint man allerdings weder die regierende Clique in Berlin, Stuttgart und anderswo, die den Steuerzahlern immer mehr Geld aus der Tasche zieht, und auch nicht die Kapiteleigner, die für ihre Verzinsung buchstäblich über Leichen gehen - sondern man meint natürlich irgendwelche im wahrsten Sinne des Wortes armen Schweine, die mit ein bißchen Tricksen versuchen, ein paar Euro in die Tasche zu kriegen.
Vielleicht sollte ich nicht so viel nachdenken. Als ich mich in den 90er Jahren zeitweise stark für die APPD engagierte, erfand ich den Slogan »Dumm und glücklich«, und auf den bin ich noch heute stolz.
Manchmal darf man keine politischen Kommentare lesen. Es gibt Gründe, warum ich einen großen Teil der Illustrierten-Landschaft hierzulande maile, in der immer mal wieder zur großen Hatz auf Sozialschmarotzer aufgefordert wird.
Damit meint man allerdings weder die regierende Clique in Berlin, Stuttgart und anderswo, die den Steuerzahlern immer mehr Geld aus der Tasche zieht, und auch nicht die Kapiteleigner, die für ihre Verzinsung buchstäblich über Leichen gehen - sondern man meint natürlich irgendwelche im wahrsten Sinne des Wortes armen Schweine, die mit ein bißchen Tricksen versuchen, ein paar Euro in die Tasche zu kriegen.
Vielleicht sollte ich nicht so viel nachdenken. Als ich mich in den 90er Jahren zeitweise stark für die APPD engagierte, erfand ich den Slogan »Dumm und glücklich«, und auf den bin ich noch heute stolz.
03 April 2008
Rezession, Repression, Obsession
Das Feierabendbier an der Theke schmeckt besonders gut. Und so ging es mir am Donnerstag abend, 3. April.
Bis der Typ neben mir mich in ein Gespräch verwickelte. Was ich denn von der internationalen Bankenkrise halte und so. Immerhin spreche man auch schon in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung davon, daß man die Banken verstaatlichen müsse.
Das komme mir sehr bekannt vor, entgegnete ich. In meiner politischen Zeit in den 80er Jahre war das immer mal wieder ein Thema.
Irgendwann, so sagte ich, hätte ich es aber kapiert: In Deutschland werden notleidende Privatunternehmen gerne verstaatlicht, damit der Steuerzahler die Schulden der Kapiteleigner übernimmt. Gut gehende Staatsunternehmen werden aber pivatisiert, damit die von den Steuerzahlern finanzierten Unternehmen zu guten Zinsgewinnen in die Hände der Kapiteleigner gehen.
Darüber dürfe man sich nicht aufregen, fügte ich hinzu, ganz in der Schule des großen Kabarettisten Hagen Rether. »Wir sind ein Volk von Kleinaktionären, und da gehört das Scheitern eben zum Risiko.«
Der Kollege neben mir ließ nicht locker, und ich wollte doch nur in aller Ruhe mein Bier trinken. Ob ich denn glaube, daß in absehbarer Zeit eine Rezession komme, hakte er investigativ nach.
Ich war schon am zweiten Bier und wollte langsam heim. »Mir scheißegal«, versicherte ich, in klassischer Deutschpunker-Manier der späten 80er Jahre, »Politik und all der Mist interessieren mich nicht.«
Er ließ mich wirklich in Ruhe, ich trank mein Bier aus und ging. Als ich mich verabschiedete, war er dennoch freundlich zu mir. Und ich hatte keine Sekunde lang so richtig gelogen ...
Bis der Typ neben mir mich in ein Gespräch verwickelte. Was ich denn von der internationalen Bankenkrise halte und so. Immerhin spreche man auch schon in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung davon, daß man die Banken verstaatlichen müsse.
Das komme mir sehr bekannt vor, entgegnete ich. In meiner politischen Zeit in den 80er Jahre war das immer mal wieder ein Thema.
Irgendwann, so sagte ich, hätte ich es aber kapiert: In Deutschland werden notleidende Privatunternehmen gerne verstaatlicht, damit der Steuerzahler die Schulden der Kapiteleigner übernimmt. Gut gehende Staatsunternehmen werden aber pivatisiert, damit die von den Steuerzahlern finanzierten Unternehmen zu guten Zinsgewinnen in die Hände der Kapiteleigner gehen.
Darüber dürfe man sich nicht aufregen, fügte ich hinzu, ganz in der Schule des großen Kabarettisten Hagen Rether. »Wir sind ein Volk von Kleinaktionären, und da gehört das Scheitern eben zum Risiko.«
Der Kollege neben mir ließ nicht locker, und ich wollte doch nur in aller Ruhe mein Bier trinken. Ob ich denn glaube, daß in absehbarer Zeit eine Rezession komme, hakte er investigativ nach.
Ich war schon am zweiten Bier und wollte langsam heim. »Mir scheißegal«, versicherte ich, in klassischer Deutschpunker-Manier der späten 80er Jahre, »Politik und all der Mist interessieren mich nicht.«
Er ließ mich wirklich in Ruhe, ich trank mein Bier aus und ging. Als ich mich verabschiedete, war er dennoch freundlich zu mir. Und ich hatte keine Sekunde lang so richtig gelogen ...
01 April 2008
Religionswahn
Ein Thema bewegt derzeit - zumindest ab und zu - die Medien, und das ist jetzt kein alberner Aprilscherz: In einem hinterrussischen Kaff haben sich irgendwelche Sektierer in einer Höhle verbuddelt und warten dort auf den Weltuntergang. Dieser soll sich irgendwann in diesem Frühjahr oder Frühsommer ereignen.
Mittlerweile krabbeln die ersten Leute bei dauerndem Regenwetter aus ihrer Höhle, um nicht zu ertrinken und so den Weltuntergang bei Bewußtsein zu erleben. Für kirchenkritische Menschen und Satiriker ist das Thema natürlich ein gefundenes Fressen.
Mir tun die Leute leid, und das ohne jegliche Ironie. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß man sehr wohl Angst um sein Seelenheil und anderes haben kann.
So erinnere ich mich düster daran, daß meine Eltern irgendwann nicht pünktlich heimkamen - vom Einkaufen oder so. Ich war ein Kind, deutlich unter zehn Jahre alt, und ich glaubte dann natürlich, daß »der liebe Gott gekommen« sei und sie »zu sich genommen« habe, während die Sünder auf der Erde zurückbleiben mußten. Leute wie ich also ...
Religiöse Angst ist was schreckliches. Ich wundere mich immer wieder, daß Erwachsene auf solchen Unfug hereinfallen. Aber diverse Sekten reden auch hierzulande immer davon, daß demnächst der Weltuntergang bevorsteht. Nur buddeln sich deren Mitglieder nicht in Erdlöcher ein, sondern laufen frei und offen durch die Gegend.
Schlimm genug ist deren Paranoia allemal.
Mittlerweile krabbeln die ersten Leute bei dauerndem Regenwetter aus ihrer Höhle, um nicht zu ertrinken und so den Weltuntergang bei Bewußtsein zu erleben. Für kirchenkritische Menschen und Satiriker ist das Thema natürlich ein gefundenes Fressen.
Mir tun die Leute leid, und das ohne jegliche Ironie. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß man sehr wohl Angst um sein Seelenheil und anderes haben kann.
So erinnere ich mich düster daran, daß meine Eltern irgendwann nicht pünktlich heimkamen - vom Einkaufen oder so. Ich war ein Kind, deutlich unter zehn Jahre alt, und ich glaubte dann natürlich, daß »der liebe Gott gekommen« sei und sie »zu sich genommen« habe, während die Sünder auf der Erde zurückbleiben mußten. Leute wie ich also ...
Religiöse Angst ist was schreckliches. Ich wundere mich immer wieder, daß Erwachsene auf solchen Unfug hereinfallen. Aber diverse Sekten reden auch hierzulande immer davon, daß demnächst der Weltuntergang bevorsteht. Nur buddeln sich deren Mitglieder nicht in Erdlöcher ein, sondern laufen frei und offen durch die Gegend.
Schlimm genug ist deren Paranoia allemal.
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