Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
15 November 2021
Nosebleeder und ihre 2021er-Platte
Zwölf Stücke sind auf der Platte vorhanden, alle im weitesten Sinn als Emopunk zu bezeichnen. Die Stimme des Sängers ist rau, die Musik rockt im mittleren Tempo, und die Vergleiche zu Leatherface und Samiam liegen da einfach auf der Hand. Trotzdem ist das, was die Band macht, eigenständig genug; die Melodien sind stimmig und gefallen, und ein leichter Hauch von Melancholie kann in diesen Zeiten ja nicht schaden.
Die Texte sind in englischer Sprache und eher komplex; sie lassen sich beim ersten Lesen nicht gleich kapieren und bedürfen einiger Interpretation. Das ist aber auch sehr in sich stimmig und passt zum Gesamtkunstwerk.
Ohne jegliche Ironie: Wer ein Herz für gut gespielten Emopunk hat, wird diese Band lieben.
13 November 2021
Fantasy-Manga mit Kochrezepten
Verantwortlich für die Manga-Serie ist Ryoko Kui, sie erscheint seit 2014 in Japan und seit 2019 auch in deutscher Sprache. Dass ich mit Mangas nicht viel anfangen kann, erzählte ich schon öfter, und das ist auch bei diesem Comic so. Ich finde die Idee, die dahintersteckt, auf jeden Fall originell; das gab’s so noch nie.
Die Handlung ist schnell erzählt: Eine Gruppe von Abenteurern ist in einem unterirdischen Labyrinth unterwegs, ein klassisches Dungeon-Szenario, wie man es seit den frühen 80er-Jahren kennt (einige wenige kennen es schon seit den 70er-Jahren, ich weiß, aber das sind Ausnahmen). Nachdem die Abenteurer ein Monster umgebracht haben, verspeisen sie es – und dann zeigt der Comic eben, wie man aus Drachenfüßen oder irgendwelchem Schleim ein leckeres Gericht bereitet.
Gezeichnet ist das Ganze in einem sehr typischen Manga-Stil: mit weit aufgerissenen Mündern und extremen Speedlines. Wer diesen speziellen Stil mag, wird diesen Comic sicher mögen. Ich wurde damit trotz des originellen Fantasy-Charakters einfach nicht warm …
12 November 2021
Gesundheit als Schwerpunkt-Thema
Zuletzt las ich die aktuelle Ausgabe 326. Das Thema des 60 Seiten starken Heftes: »Indigene und Minderheiten kämpfen um ihre Gesundheit«. Neben dem Schwerpunkt gibt es natürlich allerlei andere Beiträge, wie sie sich für eine Zeitschrift empfehlen, die sich den Menschenrechten verschrieben hat. Den gesundheitlichen und auch religiösen Aspekt des Heftes finde ich auf jeden Fall spannend.
Interessant ist beispielsweise das Interview mit dem Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche, also der christlichen Minderheit in Ägypten, der eigentlich »gelernter« Arzt ist. Ich mag auch die Einblicke, die einzelne Artikel in das Heilwissen indigener Völker geben. Was ich als esoterischen Unfug ansehen würde, wenn es mir Leute in Deutschland erzählen, hat bei Menschen im Amazonas-Becken eine andere Bedeutung.
Deshalb mag ich das Magazin: Es gibt mir Einblicke, auf die ich sonst nirgends komme, die ich sonst an keinem Fleck lesen oder sehen kann. Zeitungen, Zeitschriften oder Fernsehberichte über indigene Völker sind selten, da ist diese Zeitschrift eine wohltuende Ausnahme. Und die Ausgabe 326 mit ihrem speziellen Thema noch in besonderer Weise …
Wiktor Bukato ist gestorben
Bukato war Jahrgang 1949 und seit den 70er-Jahren in der Science-Fiction-Szene seines Heimatlandes aktiv. Von 1991 bis 1993 war er »Chairman«, also eine Art Vorsitzender der European SF-Society und als solcher auch verantwortlich für die Verleihung von Preisen und Vergabe von Veranstaltungen. Selbst hatte er ein Jahr vor uns den EuroCon in Krakau veranstaltet, er kannte sich also aus.
In Polen arbeitete er als Übersetzer und Verlagsmensch, er war in der Szene seines Heimatlandes sehr aktiv und wirbelte ebenso in der internationalen Szene herum. Er starb bereits am 26. Juli 2021, und ich bekam es erst dieser Tage mit.
Wiktor Bukato war ein Funktionär, wie er im Buche steht: freundlich und immer ein wenig reserviert, sehr zurückhaltend und mit wunderbar altmodischen Umgangsformen. Für mich ist sein Name stets verbunden mit einer Zeit, in der ich mich in der internationalen Science-Fiction-Szene engagierte.
11 November 2021
SAGITTARIUS im Jahr 1986
Die Ausgabe 2/86 – wir verzichteten auf die Nummer 13 auf dem Titelbild – sollte hierfür einen guten Start bieten. Wir setzten auf drei große Namen, die wir prominent aufs Titelbild setzten und zu denen wir entsprechende Inhalte boten. Damit wollten wir die entsprechenden Schwerpunkte setzen.
Klar bot sich PERRY RHODAN an; im Heft gab es eine Vorberichterstattung zum WeltCon, einen allgemeinen, aber durchaus kritischen Artikel zur Serie und ein umfangreiches mit Horst Hoffmann, dem damaligen Chefredakteur. George Lucas als Name, der jedem Science-Fiction-Fan etwas sagte, und sein neuer Film »Labyrinth« gehörten natürlich zum Reigen hinzu. (Und ich erkannte auf einem Bild nicht David Bowie, was mir heute noch peinlich ist … andere Geschichte!)
Der Autor Brian W. Aldiss, den wir alle schätzten, wurde mit einem Interview und einer Kurzgeschichte prominent im Heft platziert. Dazu kamen Comics, Cartoons, ein kleines Poster auf den Mittelseiten und viele andere Dinge, die für die damalige Zeit richtig stark waren. Das Heft war teilweise farbig, und wir hofften darauf, unsere Auflage zu verdoppeln …
Genepool und ihr Komplex
Okay, ich habe mir das Vinyl gekauft, und das sicher auch aus Gründen meines Wahns, bei Schallplatten auf Optik zu achten. Die Vinylscheibe ist auf 300 Exemplare limitiert worden, und jedes Cover ist handgefertigt und bemalt. (Meine Platte ist die Nummer 338 und wurde von Chris gestaltet. Das hat was, finde ich.) Dazu kommt ein stark gestaltetes Beiheft, das optisch wirklich überzeugt.
Aber auch die Musik kann mich für sich einnehmen. Es ist kein Punkrock, sondern irgendwas zwischen Rock und Wave, zwischen wummernden Bässen und Keyboards, zwischen einer knalligen Gitarre und einem Sänger, der richtig singen kann. Wer hierfür die Schublade IndieRock aufziehen will, tut sicher nichts falsches, auch wenn das bei dieser abwechslungsreichen Band kaum die richtige Zuschreibung ist.
Jedes der zehn Stücke hat seine eigene Spannungskurve, jedes baut aufeinander auf und liefert eine gelungene Melodie. Das klingt manchmal nach den frühen 80er-Jahren, nach dem Gebräu, das auf Punk folgte und keine richtige Schublade fand, ist aber eigenständig genug. Die Band kann spielen, die Musiker lassen ihren Instrumenten freien Lauf, ohne in peinliches Muckertum zu verfallen.
Heraus kommt eine Platte, die mich überzeugt, die man sich – weil sie so abwechslungsreich ist – mehrfach anhören kann und die eigentlich hervorragend tanzbar wäre, wenn es Diskotheken gäbe, in denen solche Musik gespielt würde. (Und das meine ich an dieser Stelle absolut positiv!)
10 November 2021
Im schottischen Restaurant
Ich nickte und hielt mein Smartphone hoch, wollte ihr schon den QR-Code zeigen.
»Alles in Ordnung«, sagte sie, stellte mir mein Essen hin und ging. Sie sah sich mein Smartphone nicht einmal an.
Verwundert sah ich ihr nach. War ich ein Mensch, der so vertrauensvoll wirkte? Offensichtlich.
Es war das erste Mal seit Jahren, dass ich in dem »schottischen Spezialitätenrestaurant« war, wie es ein guter Bekannter von mir früher immer bezeichnet hatte. In der Nachbarschaft meiner Arbeitsstelle befand sich eine Filiale, und ich wollte endlich einem die angeblich leckeren Veggi-Burger dort probieren.
Das Essen war in Ordnung, und ich finde es auch in Ordnung, einmal pro Schaltjahr so ein Schnellrestaurant zu besuchen. Es reicht dann wieder für einige Jahre.
Mit der laxen Einstellung gegenüber dem Corona-Virus kam ich nicht unbedingt zurecht. »Man braucht sich nicht zu wundern, dass die Zahlen derzeit so in die Höhe schießen«, meinte meine Begleiterin, die erst gar nicht nach ihrem Impfstatus gefragt worden war ...
Ich liebe den Blick auf klassische SF
Seit 1953 werden mit diesem Publikumspreis die jeweils beliebtesten – und oft sind es auch die besten – Romane, Kurzgeschichten, Zeitschriften, Titelbilder und so weiter für Science Fiction ausgezeichnet. Dabei liegt der Schwerpunkt allerdings auf dem amerikanischen Markt.
In seinem Sachbuch »Die Hugo Awards 1953 bis 1984« gibt Hardy Kettlitz einen wunderbaren Einblick in die Science Fiction vergangener Jahrzehnte. Für jedes Jahr aus dem genannten Zeitraum stellt er die Werke vor, die einen Preis erhalten haben: die besten Romane und Kurzgeschichten, die besten Fan-Autoren und Zeichner und so weiter. Zu jedem Werk gibt es eine Inhaltsangabe, gelegentlich auch mit einer Würdigung dazu, wie man sie qualitativ einstufen könnte.
Um es klar zu sagen: Es ist eine unfassbare Fleißarbeit, die Kettlitz hier vorlegt. Seine Inhaltsangaben sind informativ, teilweise auch detailliert, aber nicht überladen. Sie geben einen guten Eindruck in die Entwicklung der Science Fiction. Ich kannte viele der erwähnten Romane und Storys natürlich schon, werde mir aber einige andere noch besorgen – weil ich sie nun gern lesen möchte.
Besonders gut gefällt mir, dass Kettlitz sich bei eigenen Urteilen zwar nicht zurückhält, aber nie dogmatisch wirkt. Man bekommt ein Gefühl dafür, welche Geschichte und welcher Roman sich auch für heutige Leser lohnt. Vor allem zeigt er an, welche Romane zur gleichen Zeit erschienen oder welche Filme den Preis nicht erhielten.
Ich habe das Buch – und damit rechnete ich nicht – von vorne bis hinten gelesen, obwohl es ja eigentlich nur aus Inhaltsangaben besteht. Die sind aber so interessant, dass ich die Lektüre nicht langweilig fand. Aber natürlich kann man das Buch als Nachschlagewerk benutzen, in dem man immer mal wieder blättert, um sich Notizen zu machen oder sich neuen Klassiker-Lesestoff zu erschließen.
»Die Hugo Awards 1953 bis 1984« ist der erste Teil einer Trilogie. In zwei weiteren Sachbüchern hat Kettlitz die gesamte Geschichte dieses Science-Fiction-Preises abgearbeitet. Die Bände zwei und drei habe ich mir bereits gekauft, und ich freue mich schon auf die Lektüre.
09 November 2021
Der Eierwurf von Halle
Mit »Der Eierwurf von Halle« ist ihm ein Höhepunkt der Fernsehunterhaltung gelungen, den ich gestern in der Mediathek zum ersten Mal gesehen habe. Mir stand über weite Strecken der Mund vor Staunen offen, und ich beneidete die Menschen glühend, die diese Sendung live im Studio hatten sehen können.
Es handelt sich nämlich um ein Musical. Männer küssen sich, es wird gesungen und getanzt, und ganz nebenbei wird ein historisches Element aus dem Jahr 1991 mit schmissigen Melodien in die heutige Zeit transportiert. Das ist extrem professionell gemacht, wirkt wie ein echtes Musical und hat nichts mit den üblichen Show-Programmen zu tun.
Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte sah ich einige Musicals: in London und Hamburg und Stuttgart. Wer noch nie ein Musical angeguckt hat, wird mit »Der Eierwurf von Halle« vielleicht nicht so viel anfangen können. Es ist künstlerisch auf jeden Fall vergleichbar – und der Beweis dafür, dass man auch ernsthafte Themen in einem unterhaltsamen Gewand präsentieren kann.
Ansehen!
Wenn Voodoo auf das Traumland trifft
Die Geschichte wurde von Neil Gaiman entwickelt und zeigte eine phantastische Welt, wie man sie zuvor nicht im Comic gesehen hatte. »Sandman« erzählte von Träumern und ihren Schicksalen, von Menschen und Göttern, Dämonen und Wunderwesen, die sich trafen und bekämpften, die sich liebten und umarmten. Bis heute zählt die Serie zu den Klassikern des phantastischen Comics.
Seit damals wurden die »Sandman«-Comics im deutschen Sprachraum mehrfach veröffentlicht, und sie haben hierzulande ihre Leser gefunden. Es liegt deshalb nahe, auch die neuen »Sandman«-Serien in deutscher Sprache herauszubringen. Bei Panini wurde bereits 2020 der erste Band von »House Of Whispers« in den Handel gebracht, und ich habe diesen Band endlich durchgeschmökert.
Um es vorsichtig anzudeuten: Das ist ein Comic, der nicht leicht zu lesen ist, der aber viele phantastische Ideen enthält. Das liegt unter anderem daran, dass sich eigentlich drei Welten vermischen: die Götterwelt des Voodoo, die wirkliche Welt in New Orleans und die Traumwelt, wie man sie aus den »Sandman«-Geschichten kennt. Ich musste mehrfach zurückblättern, um die Zusammenhänge klarer zu erkennen.
Künstlerisch ist das alles ansprechend; die Zeichnungen sind gut, der Aufbau der Seiten oft originell. Aber es fiel mir schwer, dem Verlauf der Geschichte zu folgen – das war mir teilweise zu verworren. Sicher liegt es auch daran, dass ich nach all den Jahren nicht mehr die Details des »Sandman«-Kosmos kenne. Wer mit wem in welcher Beziehung steht, weiß ich einfach häufig nicht.
Um es klar zu sagen: Für echte »Sandman«-Fans ist »House Of Whispers« sicher eine Empfehlung. Wer diesen Kosmos nicht kennt oder nicht so richtig gut, der kann damit nicht viel anfangen. Für mich schien’s wie eine verpasste Chance.
08 November 2021
Frontkick und der Berliner Glam
Tatsache ist, dass die geschätzte dritte LP den schönen Titel »the cause of the rebel« trägt, im Sommer 2007 herauskam und überhaupt nichts mehr mit dem ruppigen Oi! der frühen Tage zu tun hat. Das ist vielmehr Punkrock, der sich an den späten 70er-Jahren oder am Breitwand-Punkrock kalifornischer Prägung der Nuller-Jahre orientiert: sehr viel Melodie, ein bisschen Glam in den Stücken und eher zum Schunkeln als zum Stiefelpogo anregend.
Die Musiker nennen sich auf der Platte Marti Neurotic oder Stephan B., was in gewisser Weise eine Verneigung vor den späten 70er-Jahren ist; aber sie alle ballern eine richtig gelungene Platte zusammen: Die Stücke sind durch die Band melodisch und rockig und schmissig, sie gehen in die Beine und in die Ohren. Schöne Platte!
06 November 2021
Aus Palandt wurde Grüneberg
Dass der entsprechende Kommentar dazu, den wir nicht nutzten, ganz allgemein nur als »der Palandt« bezeichnet wurde, nahm ich nicht groß zur Kenntnis. Noch weniger interessierte mich damals, dass Otto Palandt, der offizielle Herausgeber dieses Kommentars, während des sogenannten Dritten Reiches ein strammer Nazi gewesen war.
Das störte auch sonst jahrzehntelang niemanden. Bis zur 80. Auflage des Grundlagenwerks galt es als »der Palandt«. Der Verlag C. H. Beck hat damit endlich ein Ende gemacht: Seit diesem Jahr ist das Grundlagenwerk nach Christian Grüneberg benannt, einem Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe und sicher unbelastet, was die Nazizeit angeht.
Gut, dass das endlich geändert wurde! Dann können sich künftige Generationen von Juristen und sonstigen Leuten, die sich für das Bürgerliche Gesetzbuch interessieren (müssen), ab sofort mit »dem Grüneberg« herumschlagen ...
05 November 2021
Züricher Preis für einen SF-Roman
Mir gefällt das besonders, weil es sich bei »Die Erinnerung an unbekannte Städte« um einen Science-Fiction-Roman handelt. Weinmann siedelt ihr Werk in der nahen Zukunft an, irgendwann in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts. Nach einer Katastrophe, über die man nicht viel erfährt, leben nur noch wenige Menschen. Sie werden von religiösen Fanatikern drangsaliert und leben von einem Leben in Freiheit; als Vision gilt die Reise nach Italien, wo es angeblich – am Ende eines Tunnels – so etwas wie eine wichtige Bildungseinrichtung geben soll.
Bei der Lektüre des Romans mache ich übrigens immer mal wieder einen Vergleich; ich nehme mir »Wasteland« zur Hand. Der Roman von Judith C. und Christian Vogt spielt ebenfalls in einer Zeit nach der Katastrophe, ich las ihn im vergangenen Jahr.
Beide Romane sind inhaltlich ein wenig vergleichbar, gehen aber ganz unterschiedliche Wege: Während der Vogt-Roman ein knackiges Abenteuer ist, in dem ganz nebenbei eine gesellschaftliche Utopie verhandelt wird, ist der Weinmann-Roman eher düster, fast beklemmend, in einer zeitweise nüchternen Sprache, die wenig Raum für Action und packende Kämpfe lässt. Inhaltlich und stilistisch sind beide Werke kaum vergleichbar; ich fand interessant, wie unterschiedlich eine ähnliche Ausgangssituation weitergeführt werden kann.
Und gut finde ich, wenn ein solcher Roman auch mit einem Literaturpreis ausgezeichnet wird, der von »außerhalb« kommt, also nicht von Science-Fiction-Lesenden verliehen wird. Ich hoffe, dass sich das positiv auf den Verkauf des Romans auswirken wird …
Fast 200 Seiten zur Markenbildung
Die aktuelle Ausgabe 15 trägt den schönen Untertitel »Menschen, Medien und Marken in Bewegung«, und die schmökerte ich komplett durch. Den Titel löst das Magazin dabei komplett ein: Es stehen Menschen aus verschiedenen Bereichen im Zentrum, es geht immer um Medien im weitesten Sinn und vor allem um Marken. Das interessiert mich beruflich, aber ich finde es auch darüber hinaus spannend, Einsicht in die Gedanken und Überlegungen anderer Leute zu finden.
So geht es in ausführlichen Interviews – alles ist immer sehr gut bebildert – um die Zukunft der Automobile oder um das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Die Politikerin Sawsan Chebli wird porträtiert, dazu viele andere Menschen, deren Namen mir teilweise nichts sagen, bei denen aber die Marken bekannt sind, für die sie stehen.
In Fotogeschichten werden Menschen vorgestellt, »die was bewegen«, wie es bei der »turi2 edition« heißt: ein Weichensteller etwa, eine Mitarbeiterin im Discounter, eine Frachtpilotin oder ein angehender Lokführer. Das ist alles interessant und lesenswert und gut gemacht.
Und so entpuppt sich das Buch eben doch eher als ein Magazin, in dem man beim Blättern und Lesen auf Themen stößt, die einen vielleicht gar nicht interessieren, die man dann aber liest und genauer betrachtet, weil sie in der Reihenfolge der Lektüre praktisch auf einen warten. Es gibt Gründe, warum ich Magazine und Zeitungen liebe, und eine solche Reihenfolge ist ein wesentlicher Grund dafür.
Ausgabe 15 der »turi2 edition« lohnt sich auf jeden Fall. Zumindest für mich. Und sicher auch für andere Leute, die sich für die genannten Themen interessieren und Freude daran haben, bewusst über den Tellerrand zu gucken.
03 November 2021
Der zweite Teil der coolen Hawthorne-Serie
Mir gefiel schon der erste Teil sehr gut, der hierzulande unter dem dämlichen deutschen Titel »Ein perfider Plan« veröffentlich worden ist. Der Originaltitel hieß damals »The Word Is Death«. Beim zweiten Buch machte man aus »The Sentence Is Death« das banale »Mord in Highgate«. Ich verstehe manche Verlagsentscheidungen nicht, habe aber lange genug in Verlagen gearbeitet, um zu wissen, dass sich nicht unbedingt die Intelligenz durchsetzt.
Glücklicherweise können weder ein dämlicher deutscher Titel noch eine schlecht geänderte Titelbildgestaltung den Inhalt eines Romans beschädigen. Horowitz kann schließlich erzählen, und das zeigt auch dieser zweite Teil der coolen Hawthorne-Serie.
Ein Scheidungsanwalt liegt tot in seinem Haus. Die Polizei ermittelt, kommt aber nicht weiter. Also wird Hawthorne eingeschaltet, und mit ihm im Gefolge kommt Horowitz. Die beiden beginnen mit ihrer eigenen Art der Ermittlung, was von der Polizei sehr kritisch gesehen wird. Die leitende Beamtin versucht sogar, Horowitz unter Druck zu setzen, um von ihm Informationen zu erhalten.
Zwischen seinem Privatleben, seinem eigentlichen Beruf als Drehbuchautor, dem Druck der Polizei und dem verwirrenden Mord versucht Horowitz, seinen Kurs zu halten. Das geht nicht nur einmal schief, aber langsam kommen die ungleichen Partner der Auflösung des Mordes näher.
Das alles wird in klassischer Manier erzählt. Informationen werden zusammengetragen, als Leser liegen einem irgendwann die Elemente des Falls vor – und man kann eifrig spekulieren, während der Schriftsteller versucht, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Horowitz lässt einen als Leser stets an der Entwicklung des Falles teilzuhaben; seine Figuren handeln nachvollziehbar, wenngleich nicht immer logisch.
Die Lektüre von »Mord in Highgate« hat mir große Freude bereitet. Ich freute mich über die Kniffe des Autors und die augenzwinkernden Einblicke in das Leben eines Schriftstellers. Dieser klassische Detektivroman, der ohne Brutalität auskommt, aber auch nie ins Alberne abgleitet, ist ein Stück wunderbarer Unterhaltung – empfohlen!
29 Oktober 2021
Neue Slogans braucht das Länd
Früher warb das Land mit Sprüchen »Wir können alles außer Hochdeutsch«, was auch witzig sein sollte, aber meist zu Albernheiten über die Schwaben und Badenern Anlass bot. Ob »The Länd« und andere englisch klingende Begriffe wirklich dabei helfen, das Image des angeblichen Musterländles zu modernisieren? Ich weiß es nicht.
Warum nicht gleich »The Ländle«? Das wäre wenigstens in sich schlüssig gewesen. Das hätten auch Menschen aus fernen Ländern verstehen können. So aber?
Fantasy mit allerschrägstem Charakter
Thomas Wellmann ist der Autor und Zeichner dieses Comics, und seine Arbeit ist wirklich originell – ich kann damit nur nichts anfangen. Die Zeichnungen sind bewusst seltsam gehalten; allein schon die Stellung der Augen verwirrt mich. Alles in allem wirkt das Ganze sehr künstlerisch, wenig an den klassischen Comic-Richtungen orientiert.
Das gilt auch für die Geschichte, der man anmerkt, dass Wellmann bewusst gegen die Fantasy-Klischees verstößt. Ich merke in solchen Fällen wieder einmal, wie konventionell mein Geschmack letztlich ist: Ich mag klar gezeichnete und linear erzählte Comics nun einmal lieber.
Ganz eindeutig bin ich hier nicht die Zielgruppe; ich könnte mir aber vorstellen, dass viele Comic-Freunde mit dieser Art von Fantasy-Geschichte eher klarkommen.
28 Oktober 2021
Shayawaya verblüffte mich
»Shayaway« war Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre etwas ganz Neues. Ein Zeichner – es war Christoph Roos aus der Schweiz – gestaltete allein sein Heft. Der Comic selbst war eine Mischung aus Science Fiction und klassischer Fantasy; ein Raumschiff am Anfang, viel Schwertgefuchtel später. Gezeichnet war das Ganze in Schwarzweiß, und für die damalige Zeit war es richtig stark.
»Shayawaya« unterschied sich grundlegend von klassischen Comics wie »Sigurd« oder »Tibor«, die ich zu diesem Zeitpunkt aus dem deutschsprachigen Raum kannte. Das Heft orientierte sich eher an modernen »Conan«-Zeichnungen aus den USA oder eben dem frankobelgischen Abenteuer-Comic. Ich war völlig fasziniert davon und las jedes »Shayawaya«-Heft mehrfach.
Schaue ich mir die Hefte heute an, finde ich sie nicht mehr so stark. Man merkt auch einem guten Zeichner wie Roos die Unsicherheiten bei manchen Bildern an, und das Lettering kommt mir heute krakelig vor. Von der etwas kruden Geschichte einmal ganz abgesehen. Aber für die späten 70er-Jahre war es ein herausragendes Fanzine für Comic- und für Fantasy-Fans!
27 Oktober 2021
Radio hören im Jahr 2021
Und es ist ja meist wirklich eine Qual! Viele der konventionellen Sender bringen unfassbare Musik: Der aktuelle Jammerlappen-Pop deutschsprachiger Sänger ist für mich nicht zu ertragen, beim HipHop komme ich mit der Musik sowie den meisten Texten nicht klar, und wenn ich auf einen Sänger mit Schwerpunkt Oldies schalte, kommt auch nur die Art von altmodischer Musik, die ich grauenvoll finde.
Und so lande ich dann erstaunlich oft bei zwei Sendern im DAB-Bereich, die vor allem neue Bands spielen. Das ist manch auch quälend, häufig aber interessant. Bands wie Siamese Elephants, Rikas oder Little Dragon würde ich nicht kennen, wäre ich nicht öfter als Hörer bei diesen Sendern vertreten – und diese Art von IndiePop oder IndieRock oder Alternative oder was auch immer kann ich mir schon immer anhören.
Ich bin oft bei EgoFM. Das »Radio für Musikentdecker« richtet sich an jüngere Hörerinnen und Hörer, ich komme mir den Moderatoren schon sehr alt vor. Aber die Musik ist sehr abwechslungsreich, sehr poppig, und die meiste Zeit läuft Zeugs, das ich vorher nicht kannte. Klar, von Punkrock ist das weit entfernt, und ich juble ja fast schon, wenn mal Bad Religion oder die Ärzte gespielt wird – aber trotzdem ist der Ansatz brauchbar.
Lieber mag ich derzeit Deutschlandfunk Nova. Keine Ahnung, um wie viele Jahrzehnte ich da über der angepeilten Zielgruppe bin. Das Programm richtet sich an junge Leute, weshalb man vor allem aktuelle Musik spielt. Zwischendurch gibt es Wissenschafts-Nachrichten und einfach produzierte Nachrichtenbeiträge, die nicht sehr weit in die Tiefe gehen, aber Informationen vermitteln. Mit der Musik komme ich meist gut bis sehr gut zurecht – es ist halt aktuelles Indie-Zeugs.
Und so stelle ich fest, dass ich mit 57 Jahren meist Sender einschalte, die sich an Leute richten, die Jahrzehnte jünger sind. Ist das ein Zeichen von verspäteter Midlife-Crisis?
Komisch-phantastisches Kinderbuch
Zuletzt freute ich mich über das Buch »Wir essen keine Mitschüler«, das für Kinder ab vier Jahren empfohlen wird. Nun … ich bin unwesentlich älter und fand’s großartig. Ein Grund: Die Hauptfigur ist sehr schön dargestellt.
Es handelt sich dabei um Penelope Rex, ein Mädchen, das nicht aussieht wie die anderen Schülerinnen und Schüler in der ersten Klasse, sondern ein kleiner T. Rex ist. Penelope freut sich sehr auf den ersten Schultag und beginnt diesen gleich damit, dass sie einen Mitschüler verspeist.
Man macht ihr klar, dass das nicht geht, und sie spuckt das Kind unbeschadet wieder aus. Aber weil Kinder so lecker schmecken, kommt es immer wieder vor, dass sie jemanden futtert. Das sorgt für die eine oder andere Spannung in der Klasse, und Penelope wundert sich, dass sie keine Freunde findet …
Die Geschichte ist kurzweilig und witzig. Klar, sie hat auch einen pädagogischen Aspekt, von wegen, Freunde findet man nicht so leicht und so – aber sie hat eine Reihe von witzigen Elementen, die wirklich Spaß machen. Gut gezeichnet ist das Ganze ohnehin: in einem kindlichen Stil, der aber sehr an Comics erinnert, die auch für Erwachsene gut tauglich sind.
Ein schönes Buch, ein phantastisches Buch. Gut geeignet auch als Geschenk!



















