13 Juni 2014

Zwischen Horror-Groteske und Splatter

Dass ich ein Fan der »Dorian Hunter«-Hörspiele bin, habe ich schon mehrfach erzählt. Dieser Tage hörte ich die aktuelle Folge 20, die den schönen Titel »Devil's Hill« trägt und streckenweise ganz schön heftig ist.

Dabei geht alles so harmlos und skurril los. Die weltweit wichtigsten Dämonen treffen sich zu einer streng bürokratischen Versammlung auf einem abgeschirmten Schloss. Dabei geht es unter anderem darum, einen neuen Oberdämon zu wählen, was angesichts der Tatsache, dass sich die meisten spinnefeind sind, kein einfaches Unterfangen ist.

Dann aber kommt es zu Morden unter den Dämonen. Es ist klar, dass unter ihnen ein Mörder sein muss – und während die Gruppe dezimiert wird, intrigiert man fleißig gegeneinander und sucht gleichzeitig den Mörder.

Wie immer ist das ganze hervorragend gemacht; die Zaubermond-Hörspiele mag ich sowieso, und »Dorian Hunter« ist stets große Klasse, was die Geräusche angeht. Die Stimmen klingen spannend, die Geräusche sowieso, und die Musik wird gut eingesetzt. Spannend ist das Hörspiel sowieso, bis zum Ende folgte ich sehr interessiert der Handlung.

Am Ende wird's dann auch reichlich derb; Splatter-Effekte gibt es zumindest zu hören. Das ist dann nicht so amüsant wie der Anfang, bei dem es sich wie eine Groteske auf das Horror-Genre anhört. Da muss man halt durch ...

12 Juni 2014

Schland-Alarm

Dass die Fußball-Weltmeisterschaft jetzt endlich losgeht, finde ich gut. Ich freue mich auf hoffentlich spannende Spiele, die ich in unterschiedlichen Biergärten in Karlsruhe anschauen möchte; schauen wir mal, wie das wird.

Was jetzt schon nervt, ist die Tatsache, dass man an jeder Ecke wegen Fußball angeplärrt wird. Die Werbung ist darauf eingestiegen; von der Fußball-Musik habe ich bislang nichts mitbekommen, weil ich weder die einschlägigen Fernsehsendungen noch das entsprechende Deppenradio höre. Ansonsten aber kann man ja nicht einmal zum Bäcker gehen, ohne Werbung vor den Latz geknallt zu bekommen.

Aber gut: Da müssen wir durch.

Was mir positiv auffällt: Es gibt weniger Deutschlandfahnen als vor vier oder gar vor acht Jahren. Die schlimmsten Patrioten sind nach wie vor dabei, aber es sind definitiv weniger Fahnen. Vielleicht ist der übertriebene Wahn einfach schon vorüber.

Ein möglicher Grund ist, dass der aktuellen Mannschaft niemand zutraut, den Titel zu holen. Da die Deppen immer gern mit den Siegern feiern wollen, hängen sie die deutsche Fahne nur raus, wenn sie denken, dass die deutsche Mannschaft gewinnen wird. Wenn das so ist, soll's mir recht sein.

Mein durch keine Statistik unterfüttertes Bauchgefühl sagt übrigens, dass die deutsche Mannschaft immer dann eine Chance hatte, ein großes Turnier zu gewinnen, wenn keiner damit rechnete. Als Favoriten sind sie immer gescheitert (siehe 1992 gegen Dänemark); wenn keiner mit ihnen rechnete, waren sie gut (1996 ... waren doch eher Rumpelkicker, oder?).

Ich wette nicht. Aber die Chancen für gute und spannende Spiele steigen, wenn der Patriotismus-Anteil wieder auf ein vernünftiges Maß gesunken ist ...

11 Juni 2014

300-mal hab' ich mich gefreut ...

... wenn die jeweils aktuelle Ausgabe des FANDOM OBSERVER in meinem Briefkasten lag. Diese Aussage stimmt nicht ganz, weil sie in der Nummer 300 veröffentlicht wird, aber um solche Feinheiten muss sich im Sommer 2014 hoffentlich niemand mehr kümmern.

Ich könnte jetzt ausrechnen, wie viele Prozent meines Lebens ich damit verbracht habe, mich Monat für Monat auf den FANDOM OBSERVER zu freuen. Es wäre aber Unfug, vor allem wäre es nicht korrekt. Aber das Fanzine hat mich auf jeden Fall ein ganzes Stück weit in meinem Leben begleitet, nicht unbedingt lebensbeherrschend, aber lebensergänzend.

Der FANDOM OBSERVER war mein Bindeglied zum Fandom, zu der eigentlich schon ausgestorbenen Szene der Science-Fiction-Fans, die irgendwann in den 80er-Jahren ihren Höhepunkt erreichte und sich heute als winziges Refugium zwischen sogenannten Media- und ebenso sogenannten SciFi-Fans geradezu versteckt.

Die Szenen rings um Science Fiction und die Fantasy, wie ich sie in den späten 70er-Jahren kennengelernt und an denen ich vor allem in den 80er- und frühen 90er-Jahren mit großer Begeisterung mitgewirkt habe, existieren so nicht mehr. Das ist eine Art von Evolution – viele Dinge aus dieser Zeit haben die Zeiten nicht überstanden. Der FANDOM OBSERVER bildete jahrelang eine Ausnahme, dass er weiter existierte, obwohl seine Basis verschwand.

Von daher ist es konsequent, dass die Macher beschlossen haben, mit der Nummer 300 den Stecker zu ziehen. Ich kann es nachvollziehen und verstehen. Das ändert aber nichts daran, dass ich es traurig finde. Schon jetzt kann ich sagen: Ich werde den FANDOM OBSERVER vermissen – und das jeden Monat

Ach ja ... der Direkt-Link zum Kostenlos-Download: http://www.fandomobserver.de/pdf/300.pdf

10 Juni 2014

Phantastisch! – die 53

Zwar ist mittlerweile schon eine aktuelle Ausgabe erschienen, aber ich komme jetzt erst dazu, die Ausgabe 53 der Zeitschrift »phantastisch!« zu besprechen. Das Heft liegt bereits seit Beginn des Jahres bei mir daheim. Da ich jede Ausgabe fast komplett lese, dauert das einfach seine Zeit.

Stolz ist die Redaktion auf die deutsche Erstveröffentlichung einer Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Mike Resnick. Seien wir fair: Die Geschichte ist gut, aber sie stammt von 1980 und ist von daher nicht mehr so richtig taufrisch – meinetwegen soll die Redaktion aber gerne im Fundus der amerikanischen Science Fiction stöbern. Es gibt haufenweise Kurzgeschichten, die man in deutscher Sprache noch nicht lesen konnte.

Immer wieder lesenswert: Artikel über »Sun Koh« und die Projekte, die auf der Basis dieser uralten Science-Fiction-Serie erscheinen. Ein schöner Artikel gibt dazu ebenso einen Überblick wie über den Autor Arno Schmidt, den viele nur als »Hochliteraten« kennen, aber nicht als Phantastik-Autor einstufen.

Kürzere Artikel beschäftigen sich mit den Romanen des Schriftstellers Dan Simmons, die außerhalb von phantastischen Welten zu finden sind, mit dem Comic-Künstler Mateus Santolouco, den »Scheibenwelt«-Romanen des Terry Pratchett oder dem Horror-Schriftsteller Tim Curran. Dann geht es noch um das Schlaraffenland in der klassischen Phantastik und Zeitreisegeschichten, um Superheldenfilme oder den verstorbenen Auor Frederik Pohl ...

Es wird erschütternd viel an Inhalt geboten, was mir wieder einmal klar macht, wie weit aufgefächert die phantastische Literatur heute erscheint. Das ist ein Schlaraffenland, und die »phantastisch!« bahnt mir einen Weg durch das Angebot.

Natürlich gibt es haufenweise Buchbesprechungen, Informationen und andere Kleinigkeiten, die das Heft prägen, die ich aber nicht einzeln aufführen möchte. Sie gehören dazu, ich lese sie auch – aber es ist bezeichnend, dass ich Texte, die bei anderen Heften besonders auffallen, bei der »phantastisch!« schon gar nicht mehr würdige.

Alles in allem hat mich die Nummer 53 wieder einmal gepackt; ich empfehle allen Science-Fiction- und Fantasy-Interessierten das Abonnement der Zeitschrift. Und ich packe mir gleich mal die Nummer 54 auf die Spitze meines »Noch-zu-lesen«-Stapels.

09 Juni 2014

Digitale Ergebnisse

Glaubt man den aktuellen Zahlen, die eine Studie der Gesellschaft für Konsumgüterforschung ergibt, wächst das Interesse an E-Books nach wie vor. Die Studie, die im Auftrag des Börsenvereins erstellt wurde, greift auf Daten von rund 10.000 Privatpersonen in Deutschland zurück, sollte also einigermaßen stimmig sein.

Der Anteil, den die E-Books am sogenannten Publikumsmarkt hat, stieg von 2,4 Prozent im Jahr 2012 auf 3,9 Prozent im Jahr 2013. Das ist ordentlich, wenngleich der Anstieg nicht mehr so rasant verläuft wie in den Jahren zuvor. Kein Wunder: Fängt man bei Null an, sind auch kleine Steigerungen enorm.

Die absoluten Zahlen finde ich ebenfalls interessant. Angeblich sind es gerade mal 3,4 Millionen Kunden, die 2013 E-Books kauften – und die wiederum kauften dann 21,5 Millionen Exemplare. Das ist viel, keine Frage.

Dennoch muss man sie in Relation setzen zu den 9,54 Milliarden Euro, die laut einer Börsenvereins-Statistik die Buchbranche insgesamt im Jahr 2013 umsetzte. Statistiken sind immer spannend, und sie sagen viel aus – aber man kann aus ihnen keine Zukunft ableiten.

Sicher scheint mir zu sein, dass alle Zukunftsprognosen in Sachen E-Books falsch sind. Keiner weiß, wohin der Hase läuft; jeder stochert ein wenig im Nebel. Festhalten kann man allerdings eines: An E-Books kann man aber im Jahr 2014 nicht mehr vorbeigehen, wenn man sich als Autor oder Redakteur für Bücher und deren Inhalte interessiert.

08 Juni 2014

Die Hitze in Limbé

Am 24. November 1999 notierte ich in mein Tagebuch: »Mir leuchtet so langsam ein, warum die weißen Kolonisten in dieser Gegend wie die Fliegen starben und kaum einer viel älter als dreißig Jahre wurde.« Es war ein mörderisch heißer Tag, einer jener Tage in Arika, an denen mir ununterbrochen die Brühe herunterlief, auch wenn ich mich nicht einmal bewegte.

Ich war in Limbé, einer Kleinstadt im englischsprachigen Teil von Kamerun, wo ich mich im Victoria Guest House eingemietet hatte. Das Gasthaus war sauber, mit dem Personal kam ich gut klar, und ich saß stundenlang auf der Veranda und versuchte, mich an die unglaubliche Schwüle zu gewöhnen.

Der Himmel hing meist voller Wolken, und das lud mich zu selten dazu ein, mit dem Bus an einen Strandabschnitt zu fahren. Durch die Straßen entlang der Küste fuhren gelegentweiße lich Soldaten, die französisch miteinander sprachen; ich vermutete, dass die Fremdenlegion in der Kleinstadt eine Kaserne unterhielt.

Abends, wenn die Hitze ein wenig nachließ, schleppte ich mich in eine Bar in der Nachbarschaft. Meist lief laute Musik, manchmal spielte eine Band, und fast immer musste ich einer Prostituierten erklären, dass ich weder Lust auf eine »Massage« hatte noch ihr glaubte, mich »unendlich« zu lieben.

In Limbé vertrödelte ich meine Tage. Ich tat wenig, und wenn ich etwas tat, machte ich es mit einer unendlichen Gemütlichkeit. Wenn ich durch die Straßen ging, trottete ich geradezu – und als ich nach einigen Tagen weiterreiste, freute ich mich richtig, wieder in Bewegung zu sein.

07 Juni 2014

Peter Pank wird fünfzig

Seit wie vielen Jahren ich nun schon meine Fortsetzungsgeschichten im OX-Fanzine veröffentliche, mögen bitte andere Leute ausrechnen – ich habe damit auf jeden Fall in den 90er-Jahren angefangen, dürfte die zwanzig Jahre also bald »vollmachen«. Tatsächlich schreibe ich nach wie vor mit viel Spaß an meinem Fortsetzungsroman »Und: Hardcore!«, dem dritten Teil der »Peter Pank«-Trilogie; die ersten zwei Teile der Trilogie liegen bekanntlich seit vielen Jahren als Bücher vor.

Im OX-Fanzine konnte ich dieser Tage ein kleines Jubiläum feiern. Die OX-Ausgabe 114, die mir ins Haus flatterte, enthielt den fünfzigsten Teil des laufenden Romans. Und so viel kann ich schon mal verraten: Die Handlung ist in die Zielgerade eingebogen; es wird nicht mehr lange dauern, bis der Roman beendet ist.

In dieser Folge hat es Peter Meißner, den alle nur Peter Pank nennen, im Januar des Jahres 1987 immer noch mit den örtlichen Dorf-Skinheads zu tun, die ihn ordentlich verprügelt haben. Doch dann kommt tatsächlich Rettung in letzter Minute, aber von einer Seite, mit der Peter nicht rechnen konnte – die Leser hoffentlich auch nicht.

Soweit so gut. Mir steht jetzt die Folge 51 ins Haus, an der ich in den nächsten Tagen die Grundsteine legen werde. Mal schauen, was ich dann mit meinem gelegentlich vertrottelten Helden anstellen werde ...

06 Juni 2014

Schunkelpunk mit Melodiefaktor

Als in den 90er-Jahren die Welle des MelodyCore über die Musikwelt hereinbrach und über zehn Jahre lang die Musikkanäle vollstopfte, ging mir das flotte Melodiegedaddel vieler schnieker Punkrock-Kapellen schwer auf den Nerv. Und als ich mir dieser Tage die CD »Not Alone« der Band A.F. anhörte, die bereits 2006 erschienen war, erinnerte ich mich wieder.

Die Band aus der Schweiz hatte in den 90er-Jahren angefangen und konnte 2006 schon auf sieben Tonträger zurückblicken. Die vier jungen Männer, die alle sehr brav aussahen, konnten gut spielen. Schöne Gitarrenläufe, guter Gesang, immer mal wieder unterbrochen durch eine Prise Gebrüll oder sanftere Töne – für jeden Geschmack war da theoretisch etwas geboten.

Wenn es nicht unterm Strich so langweilig und vorhersehbar gewesen wäre! Man kann die Platte, die übrigens konsequenterweise in Kalifornien aufgenommen und abgemischt worden war, problemlos durchhören, ohne dass sie einen ärgert. Es bleibt allerdings nichts hängen, höchstens das Stück »Punk Means« mit seinem schmissigen Refrain.

Das klingt jetzt alles ein bisschen fies, ich weiß, und gegen die Band und ihre Mitglieder sage ich nichts. Es ist – oder war – eben der Versuch, kalifornische Melodycore-Bands nachzuahmen. Und wenn man wie ich schon die Originale langweilig findet, packt einen der Abklatsch erst recht nicht ...

05 Juni 2014

Baby-Einhörner

Ich habe bei der Kommunalwahl nicht Die Partei gewählt, obwohl ich die Plakate super fand: Meist hingen sie unter den albernen Plakaten der CDU, die ein »Besser für Karlsruhe« forderte, was von der Partei mit einem »Noch besser für Karlsruhe« gekontert wurde. Ähnlich wurden die hirnrissen Wahlversprechungen der CDU geködert.

Unter anderem fordert die Partei, im Hardtwald bei Karlsruhe endlich Baby-Einhörner (andere Schreibweise möglich: Babyeinhörner ... sieht aber unschick aus) anzusiedeln. Der Erfolg gab der neuen Partei recht: Im Gemeinderat von Karlsruhe ist künftig ein zwanzig Jahre alter Schüler vertreten – er heißt Max Braun und macht in ersten Interviews einen schlauen Eindruck.

In einem Interview äußerte er sich zur aktuellen Baustellensituation. Sein Vorschlag: Die baustellengeplagte Kaiserstraße auch in den Untergrund zu verlegen. Das Ziel: Dann könnte man oben weitere Baustellen schaffen, ebenso einen Baustellen-Freizeitpark.

Irgendwie finde ich die Idee sympathisch – vielleicht wähle ich die Partei beim nächsten Mal dann doch. Aber erst, wenn es die Baby-Einhörner im Wald wirklich gibt. Ich verspreche, sie dann auch für diesen Blog hier zu fotografieren ...

04 Juni 2014

Riesengroße Fußstapfen

»Jason Dark« ist einer der erfolgreichsten Autoren deutscher Sprache: Seit über vierzig Jahren schreibt der Autor Helmut Rellergerd, der sich hinter diesem Pseudonym verbirgt, die Serie »John Sinclair«. Früher gab es immer wieder Gerüchte, dass er eine Reihe von Ghostwritern habe, die in Wirklichkeit die Romane schrieben; seit Jahren aber scheint es so zu sein, dass er sie wirklich allein verfasst.

Damit ist zwar noch nicht Schluss, aber der Autor tritt kürzer. Er wolle sich in Zukunft, so der Verlag, »etwas mehr Zeit für die einzelnen Romane gönnen«. Anders gesagt: zwei Wochen statt bisher einer Woche pro Roman.

In Band 1874 der »John Sinclair«-Serie werden die Leser darüber informiert, dass »eine Reihe bekannter Autoren« nun mithilft, dem Serienschriftsteller zur Seite zu stehen. Das Lektorat bittet seine Leser dabei auch, den neuen Autoren eine Chance zu geben – sie würden ja in »riesengroße Fußstapfen« treten.

Ungeachtet der literarischen Qualität einzelner »John Sinclair«-Romane bleibt festzuhalten, dass es wirklich eine enorme Leistung ist, eine Serie dieser Art so lange durchzuziehen und im Handel zu halten. Da winke ich mal fröhlich nach Köln hinüber und sage artig »Herzliche Gratulation zu der erfolgreichen Arbeit« an den Altautor sowie »Daumen hoch, Jungs!« an die neuen Autoren, die ich zumeist persönlich kenne.

03 Juni 2014

Neues und Punkiges

Meine Radiosendung am Sonntag, 1. Juni 2014, widmete sich einem vergleichsweise banalen Thema: Ich stellte neue Punkrock-Platten aus deutschen Landen vor – wobei »neu« in diesem Fall den Zeitraum der vergangenen eineinhalb Jahre umfasst. So streng sehe ich das im Freien Radio Querfunk in Karlsruhe schließlich nicht.

Ein großer Teil der Musik, die ich spielte, war deutschsprachig. Unter anderem gab es Pascow zu hören, die derzeit beste Punkrock-Band aus deutschen Landen; dazu aber die norddeutschen Bands Bitume aus Oldenburg und Turbostaat aus Husum. Woher die Supersieger genau kommen, weiß ich nicht einmal. Zu Kommando Sonne-nmilch aus Hamburg bieten sie auf jeden Fall eine schöne Ergänzung.

Die French Nails aus der nahen Pfalz sowie die immer wieder überzeugenden Conmoto schlossen die Sendung in gewisser Weise ab. Ich fand die Mixtur gut. Wem es zu viel deutsche Texte und und zu wenig Hardcore war, der bekommt bald wieder andere Themen serviert ...

02 Juni 2014

District 9

Endlich habe ich den Science-Fiction-Film »District 9« gesehen. Als der Streifen vor über vier Jahren in die Kinos kam, wollte niemand mit mir ins Kino, also verpasste ich ihn – dankenswerterweise hat ihn mir der Kollege aus dem Nachbarbüro ausgeliehen, und ich konnte ihn endlich sehen.

»District 9« ist endlich einmal ein realistischer Science-Fiction-Film. So realistisch natürlich, wie ein Streifen dieser Art sein kann. So ist mir nicht ganz klar, wie kompliziert oder eben einfach es ist, die Gene eines Außerirdischen mit denen eines Menschen zu verbinden, um diesen dann Stück um Stück in das Alien zu verwandeln. Aber schlucke ich diese Prämisse, ist alles andere streng logisch und realistisch.

Hintergrund des Films sind Flüchtlinge, die mit einem Raumschiff zur Erde kommen, dann als Asylanten ausgerechnet im südafrikanischen Johannesburg angesiedelt werden und dort dann in einem riesigen Slum leben müssen. Regelmäßig stresst die Polizei, ebenso regelmäßig kommt es zu rassistischen Angriffen der Nachbarn.

Allein das ist schon sehr realitätsnah dargestellt, ebenso glaubhaft finde ich die Medien, die in diesem Film eine starke Rolle einnehmen und nicht so gut wegkommen. Der Held des Films selbst ist ebenfalls kein toller Typ: anfangs eher eine Mischung aus Bürokrat und Rassist, später ein Verzweifelter auf der Flucht, letztlich ein Held wider Willen, der seine Überzeugungen ändert.

Das ist spannend geschildert und wird rasant erzählt. Die Aliens wirken fremd, die Kommunikation ist so gut wie unmöglich. Fremde Waffentechnik wird meist behutsam eingesetzt – die Splatter-Effekte sind nicht übertrieben.

Letztlich ist der Film in weiten Teilen eine Parabel auf das Flüchtlingselend auf unserem Planeten. Was macht man mit einer Million Flüchtlinge, wie verhält man sich korrekt ihnen und ihrem Schicksal gegenüber?

Ein spannender Film, der tatsächlich das Science-Fiction-Genre bereichert. In einem Genre, in dem schlichte Streifen den Ton angeben, ist das geradezu anspruchsvoll. Angucken!

01 Juni 2014

Gedenken an Michael Szameit

Ende 1989 war die Mauer zwar bereits gefallen, aber es gab nach wie vor eine Deutsche Demokratische Republik und eine Bundesrepublik Deutschland. Wohin sich die beiden deutschen Staaten entwickeln würden, wusste niemand.

Aber ein Haufen von Science-Fiction-Fans, die in Freudenstadt im Schwarzwald einen Con veranstalteten – darunter ich –, entschlossen sich, selbst etwas für »deutsche Belange« zu tun: Wir luden explizit Science-Fiction-Fans aus der DDR ein, nach Freudenstadt zu fahren. Eines der Ziele sollte sein, auf dem FreuCon 10 über die Zukunft der deutschsprachigen Science Fiction zu diskutieren.

Zwei besondere Gäste hatten wir auf unserer Liste: Sie waren staatsfern und kritisch, hatten in der DDR bereits einiges an Science Fiction veröffentlicht, machten zudem in den Briefen einen offenen Eindruck. Also luden wir Karsten Kruschel und Michael Szameit ein.

Unser Angebot: Honorar oder Spesen würden wir nicht bezahlen, der Eintrittspreis für drei Tage Con – inklusive Übernachtung im Schlafsack – betrug gerade mal fünf Deutschmark und deckte keinerlei Extrakosten ab. Aber wir würden selbstverständlich die Unterkunft in einem nahegelegenen Gasthaus übernehmen.

Beide Autoren lehnten ab. Ihr Argument: »Wenn unsere Leser aus der DDR auf dem Fußboden in eurem Jugendzentrum übernachten, tun wir das auch. Wir bringen Luftmatratze und Schlafsack mit.«

Und so schliefen die zwei Science-Fiction-Autoren »aus dem Osten« im Frühjahr 1990 im selben alten Jugendzentrum wie wir auch. Ich pennte hinter der Theke der JuZ-Kneipe, fünf Meter von mir entfernt schlugen die beiden Autoren hinter dem Billardtisch ihr Quartier auf.

An diesem Wochenende lernte ich unter anderem Michael Szameit kennen. Ich fand ihn sympathisch und kompetent. Am 30. Mai 2014 ist er gestorben – er war Jahrgang 1950. Das ist traurig.

31 Mai 2014

Sagittarius-Satzspiegel

Mein Fanzine SAGITTARIUS, das ich Ende 1979 aus der Taufe gehoben hatte und von dem im Februar 1980 die erste Augabe erschienen war, wurde professioneller, nachdem Günther Freunek eingestiegen war. Das äußerte sich auch in einer klaren Planung der Inhalte und der Seiten.

Das belegt der Seitenspiegel, den ich für SAGITTARIUS 10 anlegte. Das Heft erschien im August 1984, es hatte einen starken Fantasy-Schwerpunkt und sollte insgesamt 36 Seiten im A4-Format umfassen. Diese wollte ich diesmal sauber planen.

In der Druckerei, in der Günther beschäftigt war, besorgte er Vordrucke für einen Satzspiegel. In diesen trug ich mit meiner engen und damals noch besser lesbaren Handschrift die Doppelseiten ein, ebenso die Seiten, auf denen ich Bilder platzieren wollte.

Ein Artikel über die Fantasy-Heftromanserie »Mythor« sollte drei Seiten umfassen, ein Artikel über die Fantasy-Serie »Gor« auf vier Seiten kommen. Einen Schwerpunkt sollten die Beiträge von professionellen Fantasy-Schaffenden einnehmen, um die sich vor allem Günther Freunek kümmerte.

Als ich die Planung fertig hatte, war ich sehr stolz auf mich. Und schaue ich mir nach all den Jahrzehnten das Fanzine an, bin ich immer noch sehr zufrieden mit der damaligen Arbeit ...

30 Mai 2014

Der calvinistische Impuls

Seit wie vielen Jahren ich nun ins Kieser-Training gehe, weiß ich gar nicht. Es sind mindestens sechs, wenn nicht sogar sieben Jahre. Und ich kann nicht behaupten, dass es mir Spaß macht, im Schnitt zweimal pro Woche in das Studio zu gehen und mich an grausig aussehenden Maschinen selbst zu quälen.

Ein befreundeter Autor, der ebenfalls »zum Kieser« geht, brachte es einmal auf den Punkt: »Es ist so schön calvinistisch.« Was er damit meinte: Im Kieser-Training steht nicht der Spaß im Vordergrund, sondern es geht um das Training.

Also läuft keine doofe »Bum-tschak-bum«-Musik, es gibt keine aufgedrehten Leute, es gibt keine lustigen Mixgetränke und keine Sauna. Man geht ins Training, zieht sich um, absolviert schweigend seine Übungen, sagt ab und zu mal zwischendurch »Hallo« oder – wenn man sich einige Jahre kennt – ein »na, auch wieder da?« und geht.

Ganz einfach. Mehr nicht. Ich glaube übrigens fest daran, dass mir das Training gut tut. Es stärkt meine Muskulatur, die ansonsten durch langes Sitzen am Schreibtisch unweigerlich erschlafft. (Und wer jetzt sagt, dass ein anständiger Box-Club oder wieder – wie früher – ordentlicher Kampfsport auch hülfe, vor allem gegen meine Aggressionen, hat natürlich recht. Nur bekomme ich das nicht auf die Reihe.)

29 Mai 2014

Gelassener Folk-Punk

In den 80er-Jahren gehörten The Men They Couldn’t Hang zu den britischen Bands, die dazu beitrugen, dass die Mischung aus Punkrock und Folk auch in Mitteleuropa populär wurde. Seit ihrer Gründung im Jahr 1984 produzierte die Band mehrere Tonträger, ging häufig auf Tour und beeinflusste – zusammen mit den bekannteren Pogues – viele andere Bands.

Mit »Rain, Steam & Speed« wurde 1989 eine Maxi-EP veröffentlicht, eine »große Platte« also, auf der sich nur drei Stücke befanden, darunter das fünf Minuten lange Titelstück. Es behandelt – wie viele andere Stücke der Band auch – das Schicksal von Arbeitern, in diesem Fall an der Eisenbahn. Auch wenn es eher ruhig klingt und die Instrumentierung schwer in die Folk-Richtung geht, ist das Stück doch kraftvoll.

Auf der B-Seite sind zwei Live-Aufnahmen aus dem Jahr 1988, in denen es ebenfalls um Arbeiter und ihren Stolz geht. Erstaunlicherweise sind die Stücke nicht peinlich, trotz allem Arbeiterklasse-Pathos, und man macht sich beim Anhören irgendwann mal klar, dass solche Texte heutzutage fast ausgestorben sind – entweder ist man platt-politisch, oder alles versinkt in einer unpolitischen Party-Soße.

Die 12-Inch-Platte ist auf jeden Fall gut: keine Kracherplatte, aber eine, die man auch nach Jahrzehnten noch auflegen kann. Schön!

28 Mai 2014

Romanheft-Seminar

»Heftromane zu schreiben ist eine handwerkliche Herausforderung.« So beginnt die Ausschreibung für ein Seminar, das für den Herbst 2014 geplant ist und in dem ich als Dozent wirken soll. »In kaum einer anderen literarischen Gattung sind Zielgruppe, Handlungsrahmen und Stil so exakt definiert. In diesem Rahmen Texte zu verfassen, fordert von den Autoren die souveräne Beherrschung Ihres Handwerks.«

Das Seminar selbst ist am 22. November 2014; es findet in Frankfurt statt. Es ist also ein typisches Tagesseminar: Morgens geht's los, abends kommt man heim, ich hoffentlich dann ebenfalls. Wer sich dafür interessiert, findet auf der Seite der Romanmentoren weitere Informationen.

Ich bin selbst sehr gespannt auf das Seminar und seine Ergebnisse, natürlich auch auf seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bisher habe ich noch nichts vorbereitet, das muss in diesem Fall aber sein. Damit ich auch zu solchen Genres vernünftige Informationen geben kann, von denen ich nicht so viel verstehe.

27 Mai 2014

Mal wieder eine Woche mit Krimis

Dass ich auf der PERRY RHODAN-Seite immer wieder Bücher bespreche, habe ich an dieser Stelle oft genug erwähnt. Zuletzt hatte ich eine »Woche der Krimi-Tipps«, auf die ich hier auch nohc mal eingehen möchte. Die meisten Bücher waren eh 2013 erschienen, was allerdings nix an der Qualität ändert.

Ich begann mit einem echten Bestseller: Hinter Robert Galbraith steckt die Bestsellerautorin J.K. Rowling; der Krimi »Der Ruf des Kuckucks« zeigt, dass die Autorin sich auch in anderen Genres gut zu bewegen weiß.

Den Roman »Freakshow« des Schriftstellers Jörg Juretzka fand ich echt witzig: Er paart einen schrägen Ruhrgebiets-Humor mit rasanter Spannung und erinnert in seinen besten Momenten an Kinky Friedman.

Wie es sich gehört, guckte ich mir sogar einen Klassiker an. So las ich tatsächlich mal wieder einen originalen »Sherlock«-Roman. Den »Hund der Baskervilles« finde ich auch heute noch gut.

Warren Ellis wurde vor allem als Comic-Autor bekannt. Seinen abgedrehten Krimi »Gun Machine« – mit phantastischen Anteilen – mochte ich ebenfalls. Ein ausgefallenes Ding, echt!

Wenn drei italienische »Schwergewichte« im literarischen Bereich – nämlich Andrea Camilleri, Giancarlo De Cataldo und Carlo Lucarelli – gemeinsam ein Buch veröffentlichen, kommt so etwas wie »Richter« heraus. Ich fand's stark, aber ich mag die drei Autoren sowieso.

26 Mai 2014

Politische Hochburgen

»Spiegel-Online« hat am heutigen Tag einige Aussagen zur Europawahl getroffen, die mich amüsieren und nicht einmal so sehr überraschen. Einige Kommentare dazu kann ich mir nicht verkneifen – es passt eigentlich alles gut zusammen.

So ist es beispielsweise kein Schock für mich, wenn ich lese, dass die Alternative für Deutschland ausgerechnet in Pforzheim erzielt hat – dort stimmten 14,5 Prozent für die Partei, die sich gerne gegen Charakterisierungen wie »rechts« und »links« sperrt und die für mich auch einfach nur unter »widerwärtig« läuft. Pforzheim ist eine konservative Stadt mit teilweise erschütternd spießigen Bürgern.

Nazis machen dort alljährlich einen Fackelmarsch, um an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg zu erinnern; konservative CDU-Politiker à la Mappus prägen die Region. Dass es in Pforzheim über Jahrzehnte hinweg ein rebellisches und rotziges Autonomes Jugendzentrum gab, in dem haufenweise starke Punkrock-Konzerte veranstaltet wurden, ist hier kein Widerspruch – bei so viel Spießigkeit hatten die Jugendlichen einen echt guten Grund, Punk zu werden.

Wenig überraschend ist übrigens das Abschneiden der FDP in meiner ehemaligen Heimatstadt Freudenstadt – übrigens nur wenige Dutzend Kilometer von Pforzheim entfernt. Zumindest in den Jahren, wo ich die Kommunalpolitik in Freudenstadt mitbekam, hatten die Liberalen eine Reihe von honorigen Bürgern in ihren Reihen, die allgemein akzeptiert waren und gute Werbung für die eigene Partei machten. Das scheint heute noch so zu sein ...

Dass die SPD in Gelsenkirchen so stark ist, wundert mich übrigens nicht mehr. Im vergangenen Jahr hatte ich eine Lesung in der Stadt, lernte einen wichtigen örtlichen Sozialdemokraten kennen und hatte hinterher echt das Gefühl, das eigentliche Machtzentrum der Stadt getroffen zu haben. In Gelsenkirchen ist die SPD das, was in Landshut die CSU ist – eben eine echte Volkspartei mit allem, was nun mal dazu gehört.

25 Mai 2014

Polnisches Kochbuch gesucht

Ernsthafte Frage, liebe Leute – vielleicht kann mir hier von euch jemand helfen: Ich benötige ein Kochbuch in polnischer Sprache (kann selbst kein Wort polnisch), das einigermaßen »gesunde Küche« bringen soll.

Bevor ich mir einen Ast suche, frage ich hier: Weiß jemand, wo ich solche Kochbücher finden und kaufen kann? Gedruckt muss es sein, E-Book funktioniert nicht.

Wäre schön, wenn mir jemand helfen könnte.

Noch einmal zu den Wahlen

Ich schleppte meinen müden Körper die paar hundert Meter zum Wahllokal. Ich machte mein Kreuz bei der Europawahl, und ich schob einen Wahlzettel für eine Partei in die Wahlurne – ohne dort für einzelne Kandidaten panaschiert oder kumuliert zu haben. Zu mehr konnte ich mich an diesem Sonntag nicht aufraffen: Ich erfüllte meine Wahlpflicht, weil ich es für richtig halte, wählen zu gehen.

Bei der Europawahl stimmte ich für eine Partei, die mich schon oft enttäuscht hat und deren Spitzenpersonal ich ziemlich grausig finde – die Grünen. Aber damit meine Stimme nicht ganz verschenkt wird, bekommen's zumindest die, bei denen ein Rest von Chance besteht, dass Umweltschutz nicht komplett untergeht.

Bei der Kommunalwahl votierte ich nach langem Nachdenken tatsächlich für einen Partei, die ich im Bund, im Land und in Europa für völlig unwählbar halte – für die Sozialdemokraten. Nicht weil ich die neuerdings wieder gut fände, eigentlich nur deshalb, damit der sozialdemokratische Oberbürgermeister, der einen ganz vernünftigen Eindruck macht, in dieser Stadt zumindest einen Hauch von Chance hat, seine Ziele umzusetzen.

Und dann schleppte ich meinen Körper wieder nach Hause. Nach einem Wahlkampf, in dem ich mal abgestoßen war und mich mal amüsierte, hatte ich meine Bürgerpflicht erfüllt. Mich interessieren politische Vorgänge tatsächlich – aber so schlimm wie diesmal war's schon lange nicht mehr gewesen.

24 Mai 2014

Driving Mrs Satan sind super

Das ist ja mal genial: Zwei Italiener und eine Italienerin nehmen Klassiker aus dem Heavy-Metal-Umfeld der vergangenen Jahrzehnte und machen was neues draus, nämlich liebliche IndiePop-Klänge mit deenter Gitarre, feinem Gesang und allerlei schönen Klängen. Das ist mal witzig, mal schräg, aber immer klasse. Die Band nennt sich Driving Mrs. Satan, kommt aus Neapel und hat mit »Popscotch« jetzt die erste Platte raus.

Klar, das ist nicht mehr so schreiend neu, seit vor einigen Jahren die Franzosen von Nouvelle Vague sich drangemacht haben, Klassiker des Punkrock und der New Wave in Bossanova und Elektro-Pop zu verwandeln. Da war's für mich allerdings einfacher, die Originalstücke zu erkennen – diesmal habe ich es deshalb nicht so einfach, weil ich mich mit Metal nicht so gut ausken
ne.

Wer es aber schafft, »Caught In The Mosh« von Anthrax zu nehmen und zu einem piepsig-klimpernden Melodiegesäusel umzubauen, das komplett eigenständig klingt, ist echt klasse. Die Band nimmt auch Motörhead oder AC/DC, verwurstet Slayer und Metallica und andere Bands, die ich nur vom Namen her kenne.

Wer jetzt denkt, dass albern sei, irrt – die Band scheint die Originale zu mögen und macht daraus eben sehr eigenwillige Interpretationen. Viel bleibt von der Original-Melodie nicht übrig, meist werden die Texte und die Struktur übernommen, aber das ist dennoch unterhaltsam und absolut gelungen. Derzeit meine liebste Pop-CD, ohne Schmarrn!

Alarmstufe rot für Kids

Als ich vor vielen Jahren, eher Jahrzehnten, die ersten Romane las, in denen die »drei Fragezeichen« als Hauptfiguren auftraten, glaubte ich selbstverständlich daran, dass Alfred Hitchcock höchstpersönlich die Romane verfasst hatte. Das ist lange her – und in den Jahren danach hatte ich wenig mit den »???« zu tun.

Seit mein Kollege Christoph Dittert alias Christian Montillon aber für die Kinderkrimiserie schreibt, ist mein Interesse daran erwacht. Und deshalb las ich in den vergangenen Tagen den Band »Alarmstufe rot!« aus der Reihe »'Die drei ??? Kids«.

Wie der Reihentitel schon nahelegt, handelt es sich hierbei um die Kinderausgabe der Jugendbuchserie; am Prinzip hat sich aber nichts geändert: Justus, Peter und Bob sind neunmalkluge Detektive, die in Rocky Beach so ziemlich jeden Fall lösen, bei dem die Täter nicht bei drei auf dem Baum sind. Das fand ich vor vierzig Jahren toll, und das finden heutige Kinder ebenfalls toll – na also.

Das vorliegende Buch fasst zwei kurze Fälle zusammen, die vorher als Mini-Büchlein erschienen sind. Jetzt wurden sie zu einem Hardcover mit 192 Seiten vereint: großzügig gesetzt, reichhaltig illustriert, optimal für Jungs und Mädels im Alter von acht bis zehn Jahren. In »Monster-Trucks« haben's die Burschen mit Truckrennfahrern zu tun, in »Insekten-Alarm« mit ekligen kleinen Viechern.

Ohne Schmarrn: Das war stets unterhaltsam zu lesen und ist spannend gemacht. Für einen Erwachsenen sind die Fälle leicht zu lösen, für die Kinder dürften genug Wendungen enthalten sind. Die Dialoge sind schnell, die drei jungen Helden sind ständig in Bewegung, und am Ende wendet sich alles zum Guten.

Das alles gefällt mir gut, das macht sogar einem Erwachsenen so richtig Spaß. Und wenn die Serie so dazu beiträgt, dass einige »drei Fragezeichen«-Fans auch Spaß am Lesen bekommen, ist das gleich doppelt gut. Sehr schön!

23 Mai 2014

Selfpublishing als Erfolgsrezept

In jüngster Zeit nimmt das Thema »Selfpublishing« einen immer breiteren Raum ein. (Warum es hier noch keinen vernünftig klingenden deutschsprachigen Begriff gibt?) Ich selbst finde das höchst interessant und überlege mir immer wieder, eigenes Zeugs einfach selbst zu veröffentlichen. Aus Zeitgründen habe ich hierfür derzeit keinen Plan.

Mit Interesse lese ich aber, dass die Kolleegen von Lübbe jetzt die Firma BookRix übernommen haben. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Selfpublishing-Plattform, also eine Firma, die allerlei Dienstleistungen für Autoren anbietet und dafür sorgt, dass deren Werke als E-Book veröffentlicht werden. Man wolle, so ein Lübbe-Vorstandsmitglied, »konsequent in einen innovativen und wachstumsstarken digitalen Bereich« investieren.

Die Entwicklung klingt spannend: Bei Lübbe gibt es bereits eine Autorenschule, wo angehende Autoren von Bestsellerautoren unterrichtet werden. Ihre eigenen Bücher können sie dann bei Lübbe auf der eigenen Buchplattform veröffentlichen. Im Idealfall bindet der Verlag so die Autoren an sich, im schlimmsten Fall kassiert man zumindest die Vermittlungsgebühren.

Wenn das dann gut klappt, kann Lübbe aus den Romanen auch Heftromane, Taschenbücher oder gebundene Ausgaben in praktisch jedem Genre machen. Und die Geschenkartikel dazu bastelt dann ebenfalls eine Lübbe-Tochter, die man vor einigen Jahren übernommen hat.

Ob das alles so funktioniert, wie man sich das bei Lübbe vorstellt, wird sich in den nächsten drei, vier Jahren zeigen. Die Kollegen in Köln gehen auf jeden Fall in eine Richtung, die ich moderner finde als die in vielen anderen Buchverlagen. Schön.

22 Mai 2014

Das erste Weizen

Wir spazierten durch den Park, es dämmerte bereits, aber es war immer noch sommerlich-warm. Ich bewunderte den Mammutbaum, den man so gar nicht am Rand des Schwarzwaldes vermutet hätte, und kam in bester Laune in den Biergarten des »Watt's« in Ettlingen. Dort saßen wir dann später bequem in Sommerstühlen, aßen und tranken, amüsierten uns bei mehr oder weniger gelungenen Gesprächen und ärgerten uns nicht einmal über die Insekten.

Das Essen war gut, Fisch- und Fleischesser kamen ebenso auf ihre Kosten wie Vegetarier. Preislich war man nicht unbedingt auf dem Billigpreis-Sektor unterwegs, ich fand das ganze aber auch nicht überteuert. Die Weinkarte probierte ich nicht durch, die Weißweine wurden aber als ordentlich bewertet.

Ich hielt mich lieber ans Bier – und trank das erste Weizenbier in diesem Jahr. Weizenbier ist ein Sommergetränk, in der kalten Jahreszeit halte ich mich lieber an Pils. Aber bei den herrlichen Temperaturen – mittags hatten wir 26 Grad, abends immer noch über 20 – im Großraum Karlsruhe rief ich einfach mal fürsorglich den Sommer aus und wechselte das Hauptgetränk.

Als Biergarten-Tipp würde ich das »Watt's« jederzeit empfehlen. Der Schnöselfaktor hält sich im Rahmen, die übliche Ansammlung von Karrieristen und Jungunionisten, die man in Karlsruher Biergärten viel zu oft antrifft, blieb im Rahmen. Und so konnte ich das Essen, das Trinken, die gute Gesellschaft und das schöne Wetter so richtig genießen.

Wunderbar!

Ultraman von 1988

Es war ein großartiges Konzert im »Z« in Filderstadt-Bernhausen: Die Band tobte über die Bühne, im Jugendzentrum tobte der Pogo, Bier spritzte, und die ausgelassene Stimmung hielt noch Stunden nach dem Auftritt an. Ultraman aus dem Mittleren Westen der USA räumte in den späten 80er-Jahren ziemlich ab. (Später sah ich die Band noch einmal; in dem fast leeren »Komma« in Esslingen.)

Der rasante Skate-Punk, den die Band zelebrierte, gibt die Platte »Freezing Inside« hervorragend wieder. Sie kam 1988 raus, ich hörte sie dieser Tage wieder mal an und verliebte mich erneut in den treibenden Sound.

Die Gitarren singen geradezu, der Sänger presst die Stücke hervor, lässt die Textzeilen gelegentlich richtig explodieren, und das alles wird mit einer knalligen Energie präsentiert, die mich in den späten 80er-Jahren umriss. Dass man so einen Sound damals unter »Hardcore« rubrizierte, kommt einem heute echt irritierend vor – ein Beleg dafür, wie unnötig manche Genre-Eingrenzung ist.

21 Mai 2014

Weitere Geschichten aus der Asimov-Kellerbar

Nachdem bereits vor zwei Jahren das gelungene Taschenbuch »Geschichten aus der Asimov-Kellerbar« erschienen ist, liegt seit einigen Monaten nun eine zweite Sammlung mit satirischen Texten von Klaus Marion vor. Unter dem Titel »Kein Raumhelm an der Bar«, der auf mich und meinen Beruf anspielt, gibt es hier zahlreiche Geschichten über Science-Fiction-Fans und deren Sitten sowie Unsitten.

Man muss ein wenig Ahnung von der Szene haben, um alle Witze und Anspielungen zu verstehen. Und man sollte viel Spaß an der Science Fiction haben, um wenigstens einen Teil überhaupt mitzubekommen. Alle Menschen, die völlig »außenstehend« sind, dürften ihre Probleme haben.

Dabei sind die Geschichten gelungen. Mit augenzwinkerndem Humor greift Klaus Marion die Themen auf, die Science-Fiction-Fans im Verlauf der letzten Jahrzehnte beschäftigt haben. Wie gründet man einen Club, wie veranstaltet man einen Con, welche Arbeiten sind für ein Fanzine zu erledigen?

Bei der Lektüre musste ich mehrfach schmunzeln; ich erkannte mich und mein eigenes Verhalten mehrfach wieder. Dass ich auch »in persona« ein wenig durch den Kakao gezogen werde, liegt an meinem Arbeitsplatz.

Ergänzt wird das Buch durch einige ernsthafte Science-Fiction-Texte, beispielsweise von dem bekannten Schriftsteller John Varley, einigen hintergründigen Artikeln zur Asimov-Kellerbar sowie einem Beitrag meines ehemaligen Kollegen Horst Hoffmann. Alles i
n allem eine sehr gelungene Lektüre.

Das Taschenbuch ist 230 Seiten stark, wurde als Print On Demand veröffentlicht und kostet 12,80 Euro. Wer sich dafür interessiert, kann es mithilfe der ISBN 978-3-7322-4429-4 überall im Buchhandel bestellen, ebenso bei amazon.de. Eine Edition für den Kindle gibt es übrigens für 6,99 Euro.

20 Mai 2014

Europa find ich toll, aber ...

Seit Wochen fahre ich tagtäglich an Wahlplakaten vorbei, die mich dazu auffordern, an der Europawahl teilzunehmen. Da sie sich alle ähneln, was mangelnde Aussagen und blödsinnige Versprechungen angeht, finde ich sie durch die Bank widerlich. Dabei bin ich überzeugt davon, dass Europa »unsere« Zukunft ist, und würde sehr gern wählen – doch bin ich diesmal genauso frustriert und angeekelt wie vor der Bundestagswahl.

Europa ist eine derart begeisternde Sache, dass ich gar nicht sagen kann, wie sehr mich der geeinte Kontinent freut und fasziniert. Mein Großvater und mein Vater mussten im Ersten und Zweiten Weltkrieg noch auf andere Europäer schießen, wahrscheinlich auch mein Urgroßvater, bei dem ich es nicht genau weiß – seit Jahrzehnten leben wir im Frieden, haben es mehrheitlich sehr gut und genießen so Dinge wie Reisefreiheit.

Will ich nach Frankreich oder nach Belgien, benötige ich keine Reisedokumente; ich kann grenzüberschreitend reisen und Leute besuchen. Die Freiheit, italienischen Wein, belgische Waffeln oder französischen Käse ohne jegliches ernsthaftes Problem genießen zu können, ist unglaublich klasse. Dass die europäischen Behörden manchen Schwachsinn ausgeheckt haben – ich sag' nur Energiesparlampen –, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Nur: Wo steht die Partei, die für dieses Europa kämpft? Wo sehe ich eine positive Utopie, eine Vision von einem geeinten Europa, in dem es friedlich und weitestgehend gerecht zugeht? Auf Wahlplakaten nicht, in den Fernsehspots nicht, wahrscheinlich irgendwo versteckt in den Wahlprogrammen.

Da man keine Stimme verschenken soll und viele Leute dafür gestorben sind, dass wir heute überhaupt wählen dürfen, werde ich zur Wahl gehen. Ich werde irgendwo mein Kreuz setzen, zähneknirschend und im festen Bewusstsein, dass ich nicht will, dass diese Parteien an die Macht kommen, aber weil ich will, dass zumindest die Opposition ein bisschen stärker wird.

Derzeit schwanke ich ernsthaft noch zwischen den Linken (nicht, dass ich die gut fände – aber irgend jemand muss doch für Gerechtigkeit einstehen) und den Grünen (bei denen muss ich eigentlich brechen – aber irgend jemand muss doch für die Natur streiten). Vielleicht muss ich in der Wahlkabine spontan wieder das »große Kreuz« über den ganzen Wahlzettel machen; ich weiß es noch nicht.

Ist das nicht frustrierend?

Pascow begeistern wieder

Ich weiß ja nicht, wie die Burschen aus dem Saarland das machen – aber mit ihrer fünften Langspielplatte (oder CD) haben Pascow ein echtes Meisterwerk vorgelegt. Das ist nach den hervorragenden Tonträgern, die es von der Band davor schon gibt und gab, eine echte Überraschung ...

»Diene der Party« setzt die bisherige Tendenz fort, originellen Punk mit deutschen Texten zu spielen, sich der Deutschpunk-Tradition zu verweigern, ohne zu verkopft durch die Gegend zu schippern. Klar sind Pascow echte Schlauköpfe, das merkt man immer wieder, aber sie schmeißenn einem originelle Reime und Metaphern so vor die Füße, dass es wie »nebenbei« wirkt und nicht wie harte Arbeit.

Musikalisch geht die Band auch mal neue Wege: Das Schlagzeug und der Bass bleiben so stoisch wie zuvor, klingen streckenweise nach dem frühen Wave der späten 70er-Jahre, monoton und immer auf den Punkt. Dazu die rasante Gitarre und der auffallende Gesang, dazwischen aber gelegentlich mal ein geringeres Tempo oder irgendwelche Soundeffekte.

Punk bleibt das noch immer, aber eben Punk für das Jahr 2014, der seine Herkunft aus den 80er-Jahren nicht verleugnet, aber nicht die ganze Zeit nach hinten guckt. Starke Platte, starke Band, bisher ist das für mich die Platte des Jahres.

19 Mai 2014

1975er-Horror frisch vertont

In Ägypten findet man bei Ausgrabungsarbeiten die Mumie eines Pharao, die ein düsteres Geheimnis umgibt. Der Chefarchäologe schmuggelt die Mumie in ihrem Sarg – über alle Regeln und Gesetze hinweg – nach England, wo sie in einem Museum in London der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Doch die Mumie ist nicht völlig tot; der Pharao wurde damals lebendig mumifiziert und erwacht zu unheiligem Leben. Einen Amoklauf – wie im Titel – gibt es nicht, aber die Mumie hinterlässt eine Reihe von Leichen. Doch glücklicherweise kann John Sinclair von Scotland Yard das monströse Wesen stoppen – bei einem finalen Duell in einem Sumpf.

Soweit die Handlung des Hörspiels »Amoklauf der Mumie«, das ich dieser Tage gehört habe. Grundlage ist ein 1975 veröffentlichter Heftroman, der als Band 85 der »Gespenster-Krimi« erschienen war. Im Rahmen der Reihe »Sinclair Classics« wurde der olle Roman von Zaubermond-Audio für die heutige Hörergeneration aufgemotzt.

Meist ist das ganze herrlich trashig, vor allem die beschreibenden Passagen; mich wundert, dass die Erzählerin beim Vorlesen der Texte nicht einen Lachkrampf nach dem anderen bekommt. Gut sind aber die Dialoge, die trotz des inhaltlichen Unfugs erstaunlich klar und glaubhaft klingen, ergänzt durch die sehr guten Geräusche.

Mir hat auch dieses »John Sinclair«-Hörspiel tatsächlich gefallen – vor allem im Auto und bei entsprechender Lautstärke entfaltet so ein Stück echt seine Faszination. Gruselstimmung kommt bei mir nicht auf, die akustischen Schockeffekte sind mir manchmal zu derb (wenn etwa ein Kopf abgerissen wird), aber es schockiert natürlich nicht.

Spaß machte es trotzdem, und mir wird immer klarer, warum die »John Sinclair«-Hörspiele so gut funktionieren. So kann man den klassischen Heftroman-Horror aus alten Zeiten genießen ...

18 Mai 2014

Ein Haufen Hits aus Berlin

Keine Ahnung, wie viele Punk-Bands es mit dem Namen Offenders gab; in meinem Schrank habe ich auf jeden Fall jetzt mal zwei Bands mit diesem Namen. Hier und heute geht es um vier Italiener, die in Berlin leben und dort ihre großartige Musik machen. Ich habe »Generation Nowhere« gehört; das ist die fünfte Platte der Band, die es als CD und Langspielplatte gibt und die mich echt begeistert hat.

Laut Info wurde die Band 2005 in Italien gegründet, seit 2009 sitzen die Jungs in Berlin. Das Label bezeichnet das ganze als Ska und Soulpunk, was nicht falsch ist; wer gern einen Vergleich hat, darf The Movement hinzuziehen.

Die Offenders beweisen auf dieser Platte ein Herz für Melodien, schlaue Texte und auch augenzwinkernden Humor. Zwölfmal zeigen sie, was sie selbst komponieren und schreiben; mit »Pogo in Togo« liefern sie zudem eine witzige Coverversion.

Der Sänger wirkt oft atemlos, der Bass hört sich zum Ausgleich auffallend unabhängig an. Dazu kommen eine wummernde Orgel, klassische Gitarrenläufe und ein gut dazu passendes Schlagzeug – insgesamt entsteht so ein Gebräu, das mich gut gepackt hat. Die anderen Platten der Band werde ich mir wohl auch besorgen müssen.

16 Mai 2014

Schreibschulen und dergleichen

Als ich im Mai 1995 zum ersten Mal nach Wolfenbüttel fuhr, um an der dortigen Bundesakademie für kulturelle Bildung als Dozent zu arbeiten, war ich schrecklich nervös. Ich hatte noch nie zuvor über das Schreiben von Romanen referiert und zog mich während des Seminars vor allem auf die Position zurück, die Sicht des Redakteurs zu bilden.

Das ist lange her, und damals wollten wir im deutschsprachigen Raum »so etwas ähnliches wie die Clarion Workshops« anbieten. Zumindest war das meine Vision. Ob uns das in Wolfenbüttel gelungen ist, mögen bitteschön andere Leute beurteilen.

Nur: Mittlerweile gibt es überall in der Republik allerlei Schreibschulen, in Österreich gibt es darüber hinaus beispielsweise das Schreibcamp. Und mittlerweile steigen auch die Verlage in das Thema ein, was ich höchst interessant finde. Waren es bislang vor allem amerikanische Verlage, die sich im Bereich der »Autorenschulung« tummelten, gibt es jetzt mindestens zwei deutsche Anbieter.

Die Rowohlt Krimischule richtet sich – wie der Name schon nahelegt – vor allem an Autorinnen und Autoren, die Krimis schreiben wollen. Bisher fand sie einmal statt; man muss gespannt sein, wie das weitergeht.

Wesentlich »breiter« ist die Bastei Lübbe Academy (nur echt mit englischem Begriff und fehlenden Bindestrichen) aufgestellt. Hier unterrichten bekannte Schriftsteller und Verlagslektoren in den unterschiedlichsten Genres.

Die Richtung finde ich interessant: Autoren werden auf diese Weise vielleicht professioneller, vielleicht werden sie auch dazu erzogen, »stromlinienförmig«  zu schreiben. Es mangelt nicht an kritischen Stimmen, die darüber lauthals jammern und wehklagen.

Ich sehe es eh entspannt. Der Untergang des Abendlandes wird nicht kommen, nicht dadurch ... Wenn es mehr deutschsprachige Autoren gibt, die packende Romane liefern, ist sicher öfter einer dabei, dessen Werke ich ebenfalls gerne lese.

15 Mai 2014

Mit dem Bus nach Kribi

Erinnerung an Kamerun im November 1999

Zum ersten Mal in meinem Leben kam ich bei einer Busfahrt in einem afrikanischen Land in Zeitdruck: Das war am 4. November 1999 in Douala, der Hauptstadt von Kamerun. Ich war zum Busbahnhof geschlendert, nachdem ich mich von einem Moped-Taxi eine gute Strecke hatte fahren lassen, und war gemütlich zum richtigen Bus gebummelt.

In einem Kassenhaus löste ich das Ticket nach Kribi, einer kleinen Stadt am Atlantik. Und während ich noch durch die Gegend schlenderte, kam auf einmal ein gewisser Stress auf: Die Leute eilten zum Bus, stiegen ein, und bevor ich mich versah, stand auch schon ein Junge vor mit und drängelte, ich solle bitteschön auch einsteigen.

Ultrapünktlich fuhr der Bus los. Man hatte mein Gepäck auf dem Dach korrekt verstaut, ich hatte einen Sitz für mich allein, den ich mir nicht mit Ziegen, Kleinkindern oder irgendwelchen Mehlsä-cken teilen musste, und der Fahrer schien sich ernsthaft an Zeitpläne zu handeln.

Und so trat ich meine erste Fahrt durch Kamerun an: bei großer Hitze und bei bester Laune, begierig darauf, dieses große afrikanische Land zu durchreisen. Es sollte meine schönste und beeindruckendste Afrikareise werden, und der Ticketkauf in Douala war in gewisser Weise der Einstieg dazu.

14 Mai 2014

Erinnerungen an den Observer

Eigentlich klingt es nach einer einfachen Aufgabe: Schreib doch etwas über die 300 Ausgaben des Fanzines »Fandom Observer«, schildere vielleicht einige nette und lustige Szenen und stelle sie ins Netz. So in etwa lautet die Aufforderung durch die Macher des noch existierenden Fanzines – und mir will einfach nichts richtig Lustiges und Wichtiges einfallen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mit dem »Fandom Observer« viel verbinde. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem ich zum ersten Mal von diesem Fanzine etwas mitbekam: Das war in Freudenstadt, im Jugendzentrum »Murgtäler Hof«, im Rahmen eines FreuCons – irgendwann im Frühjahr 1989.

Markus Sämisch und Martin Kempf, zwei junge und recht clevere Fans, plakatierten überall im Jugendzentrum, dass sie ein neues Fanzine herausgeben würden. Es sollte »Fandom Observer« heißen, jeden Monat erscheinen und über die Science-Fiction-Szene berichten, mit einem schönen Schwerpunkt auf die Fan-Szene. Die A4-Flugblätter klebten überall, sogar in der Kloschüssel – als ich am Sonntag den ganzen Kram aufräumte, fluchte ich nicht nur einmal.

Seitdem erschien das Fanzine tatsächlich jeden Monat. An einigen Dutzend Ausgaben arbeitete ich mit, indem ich Artikel und Rezensionen lieferte. In einigen Ausgaben wurde auch über mich berichtet – spätestens nachdem ich Redakteur einer gewissen Raketenheftchenserie wurde.

Und in all den Jahren mochte ich den »Fandom Observer«. Nicht jede Ausgabe, nicht jeden Beitrag, aber doch das Gesamtkunstwerk. Das wird in wenigen Wochen zu Ende sein. Die Nummer 300 erscheint anfangs Juni, wenn ich richtig gerechnet habe, und dann ist rum. Das finde ich echt traurig, aber ich muss damit leben.

Nur ... mir fällt nichts Witziges ein, das ich dazu schreiben kann. Dazu ist der Anlass zu ernst: Ein lieb gewonnenes Fachblatt verschwindet, und es ist kein Nachfolgeprojekt in Sicht. Ich verdrückte jetzt erst mal wieder einige Tränen.

13 Mai 2014

Auf den Bühnen von Düsseldorf

Dass ich die Hörspiel-Serie »Sonderberg & Co« sehr mag, habe ich schon gelegentlich bekannt gegeben: in meinem Blog oder in längeren Besprechungen für die PERRY RHODAN-Homepage. Wie Dennis Ehrhardt es schafft, historische Krimis, die am Ende des 19. Jahrhunderts in Düsseldorf spielen, so in Hörspiele zu verwandeln, dass sie einen auch wirklich packen, das finde ich immer noch klasse.

Mit »Sonderberg & Co. und faustische Pakt« geht's diesmal ins Theatermilieu. Ein bekannter Schauspieler kommt ums Leben, es stellt sich heraus, dass er ermordet wurde, und Dr. Friedrich Sonderberg muss in diesem Fall ermitteln. Wie immer hilft ihm dabei seine Assistentin Minnie Cogner, die zu mancherlei Methoden ihre ganz eigene Meinung hat.

Den Fall fand ich diesmal nicht so packend wie die vorherige Folge, dafür hatte er mehr witzige Momente. Die Dialoge zwischen Detektiv und Assistentin sind erfrischend, die Einblicke in das Theatermilieu lassen einen immer wieder schmunzeln. Im Hörspiel prallen unterschiedliche Charaktere aufeinander, sie alle sind auf ihre Art flott und haben einen »eigenen Kopf«.

Der Anhang »Aus Sonderbergs Notizen« dürfte übrigens für Theaterfreunde interessant sein: Es gibt einen Traum, garniert mit allerlei »Faust«-Anspielungen. Er schließt einen »Sonderberg«-Fall ab, der ungewöhnlich wirkt und mir nicht so gut gefiel wie andere Folgen, aber dennoch prächtig unterhielt.

12 Mai 2014

Einige Anmerkungen zu Boko Haram

Ich bin weit davon entfernt, mich ernsthaft zur aktuellen Situation im Norden von Nigeria äußern zu können: Nigeria habe ich  nie besucht. Aber ich lese seit Jahren immer wieder die Artikel, in denen über die Machenschaften von Boko Haram berichtet wird, jener angeblichen Sekte, die im Nordosten des Landes immer wieder Attentate verübt, Menschen hinrichtet oder – wie unlängst – Mädchen und junge Frauen entführt.

Immerhin war ich im Norden von Kamerun (in den 90er-Jahren) und im Süden von Niger (in den 80er-Jahren), wo ich mit vielen Einheimischen gesprochen habe. Damals war von islamistischem Terror keine Rede, in den 80er-Jahren sowieso nicht und später ebensowenig. Ich sah die Armut in der Gegend, bekam mit, wie hart die Leute dort arbeiten müssen, um sich einen kleinen Lebensstandard zu sichern.

Die meisten Leute, die ich traf, waren freundlich und aufgeschlossen; der Islam erschien mir als vergleichsweise offen. Man konnte mit Muslimen offen über allerlei Themen reden. Wie sehr sich eine Bevölkerungsgruppe in so kurzer Zeit radikalisieren kann, bereitet mir Unbehagen.

(Okay, gewisse Themen lässt man als Europäer auch weg ... Homosexualität ist in Afrika zu schwierig, als dass man so ein Thema einfach im Gespräch quasi nebenbei bringen könnte. Und irgenwelche Golfstaaten finanzierten schon in den 90er-Jahren massiv allerlei islamistische Prediger in der Region. Das wusste jeder, der dort unterwegs war.)

Bei meiner Reise durch den Norden Kameruns war ich rund 200 Kilometer von der Gemeinde entfernt, wo unlängst die Mädchenschule überfallen wurde. Ich fuhr mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Dörfer in Kamerun, auch mal mit dem Fahrrad, und ich fühlte mich stets sicher; ich hatte nie das Gefühl, dass irgend jemand in dieser Gegend eine echte Gefahr drohte. (Die übliche Kriminalität gab's selbstverständlich, ebenso korrupte Polizisten und andere Beamte.)

Wenn ich jetzt in den Medien verfolge, wie die Terroristen von Boko Haram die Region terrorisieren, wenn ich lese, wie es zu grenzüberschreitenden Aktionen kommt (direkt neben Garoua und Maroua, den Städten, die ich unter anderem besuchte, liegt quasi die Grenze zur Zentralafrikanischen Republik, wo es zuletzt Gemetzel gab), macht mich das ganz elend und so hilflos.

Ich habe keine Lösung. Ich habe keine Antwort. Ich habe nur Fragen. Und ich glaube nicht, dass man dem Problem dort mit rein militärischen Aktionen beheben kann. Irgend jemand rüstet diese Terroristen aus, von irgendwoher bekommen sie ihre Waffen, ihr Geld und ihre Informationen. Vielleicht wäre es besser, nach den Hintermännern zu fahnden.

Ob es den entführten Mädchen nutzt, denen mutmaßlich ein schreckliches Schicksal droht, ist fraglich. Schaue ich auf meine Karte von Westafrika, fühle ich mich betroffen und hilflos ...

11 Mai 2014

Sieben Jahre zu feiern

Seit sieben Jahren gibt es die »gepflegte Punkrock-Bar« in der Oststadt von Karlsruhe, seit sieben Jahren veranstaltet die »Alte Hackerei« Punkrock-Konzerte und Disco-Abende, Lesungen und sonstige Veranstaltungen. Ich bin nicht so oft dort, wie ich es gerne wäre, würde mich aber schon als Stammgast – wenngleich in großen Abständen – bezeichnen. Und so war es selbstverständlich, dass ich am Samstag, 10. Mai 2014, zur Jahresfeier in dem Punkrock-Schuppen auftauchte.

Als ich eintraf, waren schon Hunderte von Leuten da. Ich verlaberte mich völlig im Nieselregen vor dem Eingang und kam erst rein, als die erste Gruppe schon vorbei war. Aber zumindest kam ich in den Genuss, den kompletten Fondükotze-Auftritt mitzubekommen.

Die Band aus Zürich und Karlsruhe kam mir an dem Abend kompakter und druckvoller vor; mit viel Energie wurden die Stücke ins Publikum gepfeffert, Hardcore-Punk eben mit viel Wumms, vor der Bühne entstand sogar ein bisschen Pogo-Bewegung. Und am Ende wurde als Zugabe sogar G.B.H. geliefert – das passte.

Danach verlaberte ich mich. Da es die ganze Zeit regnete, machte es wenig Spaß, den neuen Biergarten aufzusuchen, den es jetzt hinter der »Alten Hackerei« gibt. Der Punkrock-Karaoke-Bus aus der Schweiz stand einsam im Regen, ein Mikrofon auf der kleinen Bühne wirkte wie ein trotziges Statement im Nass ...

Dann aber die Sex Pistols Experience, vier junge Männer, die sich redlich Mühe gaben, wie die Originale aus dem Jahr 1977 zu klingen. Mit dem Aussehen klappte das gut, die englischsprachigen Ansagen waren auch nett, ansonsten aber wirkte die Interpretation sehr konservativ: Die Stücke wurden so lahm heruntergespielt, wie sie auch auf Platte klingen; auf Bühne klang das vor 37 Jahren sicher aggressiver.

Ein netter Auftritt war das, es wurde in den vorderen Reihen fleißig gehüpft und getrunken; eine kurze körperliche Auseinandersetzung wurde energisch beendet, und dann feierten die meisten weiter. Mit dem Feiern hatte ich es an diesem Abend nicht so sehr, ich trank sogar alkohlfreies Bier, und gegen halb drei Uhr verließ ich die Oststadt – zu diesem Zeitpunkt tobte das Volk bereits euphorisch zur Punkrock-Disco. Na also ...

10 Mai 2014

Redakteur erinnert sich öffentlich

Seit einigen Jahren habe ich eine Kolumnenreihe auf der PERRY RHODAN-Seite, die den schönen Titel »Der Redakteur erinnert sich« trägt. Darin schreibe ich über Geschichten aus früheren Jahren – mal über Arbeit, mal über die Fan-Zeit.

Ich gestehe, dass ich gerne in der Vergangenheit wühle und mich darüber amüsiere, was unsereins früher spannend oder toll gefunden hat. Dann schreibe ich auch gern einen Text dazu. Im Verlauf der Jahre sind Dutzende von Texten entstanden.

Wenn ich es richtig überblicke, sind es bereits einige 100.000 Zeichen; man könnte theoretisch ein Buch daraus machen, vom Umfang her ginge das. Aber es wäre im jetzigen Stadium sinnlos, da zu viele »Löcher« in der Historie enthalten sind. Dennoch trage ich mich so langsam mit dem Gedanken, eine Art Biografie zu schreiben – die Biografie eines Menschen, der vom Science-Fiction-Fan zum Science-Fiction-Redakteur wurde.

Bevor sich jetzt einige gruseln: So schnell wird das nicht geschehen – es fehlt an der Zeit und am nötigen Elan, die vielen Lücken zu stopfen. Und so werde ich weiterhin in unregelmäßigen Abständen etwas in »Der Redakteur erinnert sich« schreiben. Solange es mir gefällt ...

09 Mai 2014

Feministische Superheldin?

Wer derzeit wissen möchte, wo die amerikanischen Superhelden-Comics stehen, kommt kaum drum herum, sich die aktuellen Hefte und Sonderbände der »Batman«-Familie anzusehen. Wie da Geschichten erzählt werden, ist oftmals sensationell, und es zeigt, dass man auch alte Heldenfiguren gut entstauben kann.

Wobei mir persönlich vor allem die Frauenfiguren gefallen – in diesem Fall geht's um Batgirl, die schon in den ursprünglichen »Batman«-Serien eine Rolle spielte, in der Neuauflage aber wesentlich aufgefrischter, moderner und selbständiger wirkt. Schuld daran ist vor allem die Autorin Gail Simone, die – wenn man den aktuellen Hintergrundberichten glaubt – durchaus ihre Probleme mit dem Management bei DC Comics hat, aber ihre Comic-Geschichten auf höchstmöglichem Niveau liefert.

Zur Story, für diejenigen, die sich im Universum von Batman und Gotham City nicht so gut auskennen: Batgirl heißt in Wirklichkeit Barbara Gordon, ist die Tochter des örtlichen Polizeichefs und geht nachts in der Maskierung als Batgirl auf die Jagd nach Verbrechern. Dabei arbeitet sie gelegentlich mit Batman zusammen, hat aber auch ihre eigenen Ziele – und gerät immer wieder in Beziehungskonflikte.

Zuletzt las ich das vierte Paperback, das hierzulande erschienen ist und aktuelle Hefte der amerikanischen Originalausgabe zusammenfasst. Batgirl schlägt sich nicht nur mit allerlei Gaunern herum, sondern auch mit ihrem psychopathischen Bruder – am Ende schleudert sie ihn von einer Brücke hinunter in die Tiefe. Ihr Vater, der nicht weiß, wer sich hinter ihrer Maske verbirgt, schwört in der Folge Rache und will künftig Batgirl jagen.

Das klingt recht einfach, ist auch nicht unbedingt super-psychologisch gelöst. Für eine Superhelden-Geschichte verbindet sich in diesem »Batgirl«-Band ein mitreißender, sehr »realistisch« anmutender Zeichenstil mit einer rasanten Erzählweise. Da spielen Beziehungsprobleme eine wichtige Rolle, da geht die Superheldin auch mal mit einem ehemaligen Gauner ganzen oder hat Stress mit ihrem Vater.

Superhelden-Comics zeichnen sich durch die dynamische Geschichte aus, da bildet »Batgirl« keine Ausnahme. Gail Simone erzählt das alles aber so packend und spannend, dass gelegentliche Klischees – die unvermeidbar sind – überhaupt nicht stören. Ich fand's super und freue mich schon auf den nächsten Band.

Mein Tipp: Schaut euch mal die Leseprobe an!

08 Mai 2014

Sichere Zukunft in Tübingen

Beim Aufräumen fiel mir eine Ausgabe von »S-Aktuell« in die Hände. Das war eine ganz spezielle Zeitschrift, für die ich als Redakteur mitverantwortlich zeichnete. Herausgegeben wurde sie von der Kreissparkasse Tübingen, ich trug den Inhalt zusammen und sorgte dafür, dass das Blatt regelmäßig erschien.

Ich arbeitete in einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit; von meinem Büro aus hatte ich es einige hundert Meter zu Fuß bis zu dem Büro der Sparkasse, in dem die Immobilienleute saßen. Und für die wurde die Zeitschrift gemacht.

Die Ausgabe vom Oktober 1992 hatte lustigerweise das Thema »Sichere Zukunft« als Titelgeschichte. Es ging um Geldanlagen, und damals empfahl man allen Ernstes so Dinge wie das »Vorzugssparen«, für die man zehn Jahre später in den Banken ausgelacht wurde. Aber die Zinssituation war in diesen Tagen eine andere, und Aktien waren etwas für einige Experten ...

Neben Texten zu aktuellen Immobilien und Spar-Tipps hatte ich immer ein wenig Raum für Kultur. Unter anderem empfahl ich Konzerte – in dieser Ausgabe waren das unter anderem Alice Cooper einerseits und Philip Boa & The Voodoo Club anderseits.

Wegen dieser Empfehlung bekam die Sparkasse später Beschwerden aufgeregter Eltern, und ich musste bei den Verantwortlichen in der Öffentlichkeitsarbeit antanzen: Alice Cooper sei schließlich Satanist, und Voodoo sei eine Teufelsreligion ... aber das wiederum ist eine andere Geschichte.

Front machen Front

Es ist eigentlich erstaunlich, dass ich Front unlängst erst zum allerersten Mal gesehen habe; die Platten der Band aus Mainz mag ich ja seit langem. Die aktuelle Langspielplatte, die schlicht »Front« betitelt ist, bildet da keine Ausnahme.

Nach wie vor ist die Band vom Uralt-Deutschpunk der späten 70er-Jahre beeinflusst – an diesem Erfolgsrezept wird nicht gerüttelt. An die alten Fehlfarben erinnern dann sogar Stücke wie »Onanie und Alltag«, wo die Annäherung an die Vorbilder sogar mittels eines Titels funktioniert.

Front ist eigenständig genug, keine Sorge. Man nimmt die Vorbilder und macht sein eigenes Ding draus – dabei entsteht ein zackiger Sound, der alle zwölf Stücke auf der Platte beherrscht. Textlich ist das alles große Klasse, man schwankt zwischen Ironie und durchaus ernsthaften Texten à la »Das geht vorbei / Wenn die Vorstadt brennt«.

Wer auf Titel wie »Sieg Smile« oder »Derrick SS« kommt, weiß auf jeden Fall zu texten; das ist nicht platt, auch wenn es auf manchen so nach dem ersten Blick wirken könnte. Und auf witzig getrimmt ist hier ebenfalls nichts. »Soviel Spaß und nichts zu lachen«, meinen Front dazu, und das passt bei dieser hervorragenden Platte wie die Faust aufs Auge.

07 Mai 2014

Musik zur Ukraine

Wer sich derzeit mit der politischen Situation in der Ukraine und drumherum nicht zu helfen weiß, dem empfehle ich die wundere Band Ifa Wartburg, die in den 90er-Jahren die fulminante Platte »Im Dienste des Sozialismus« veröffentlichte. Jemand hat die Stücke der Band bei Youtube eingestellt, so dass man die sich heute noch anhören kann.

Schmissig ist beispielsweise »Volksfest in Ukraina«, unbedingt anhören! »Es ist nicht so schlimm auf der Insel Krim« passt politisch, wenngleich es geografisch durchaus heikel ist; musikalisch wird es ein wenig hibbelig.