Mein Vater fotografierte in den 60er Jahren richtig gern. Er hatte eine kompliziert aussehende Kamera, die er sich vor den Bauch halten musste, um oben in sie hineinzuschauen; damit sah er das, was er fotografieren wollte, gewissermaßen verkehrt – das war damals wohl üblich. Ich erinnere mich an viele Momente, in denen er so seine Fotos schoss.
Manchmal sitze ich aber ratlos vor alten Bildern und kann nicht genau sagen, von wann sie sind. So halte ich ein Schwarzweiß-Foto in den Händen: Vier Frauen gehen spazieren, sie schieben einen dieser altmodischen Kinderwagen mit dünnen Rädern. Die Straße ist ohne Autos, auf der einen Seite stehen Einfamilienhäusern hinter Vorgärten, auf der anderen Seite erstreckt ich eine Streuobstwiese. Schönes Landleben. Im Hintergrund schiebt ein kleiner Junge einen Kinderwagen mit einem noch kleineren Kind.
»Spaziergang in Gaggenau«, schrieb meine Mutter auf die Rückseite des Fotos. »Im Hintergrund Klaus mit Andrea.«
Das bin ja ich! Auf diesem Foto hätte ich mich nicht erkannt. Immerhin hilft diese Aussage und die Tatsache, dass es meine Schwester und ich sind, das Datum einzugrenzen: dürfte 1967 sein.
Alte Bilder anzugucken ist manchmal ein kleines Detektivspiel. Eines, bei dem man auch ein wenig traurig wird ...
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
23 September 2010
Wenn Italo-Punks reifen ...
Immer wieder wird über Bands gesagt, dass sie in ihrer frühen Phase »so richtig gut« gewesen seien und dann abgebaut hätten. Auf manche mag das zutreffen, vor allem die frühen englischen Bands sind praktisch alle nach zwei Jahren ihrer Existenz entweder zu New Wave (Police) oder später schlimmem Hardrock (Cockney Rejects) gewechselt.
Höre ich mir aber die italienische Band Atarassia Gröp an, stelle ich fest, wie sich eine Band über Jahre hinweg immer besser entwickelt. Die Band stammt aus Como in Norditalien, und ich habe ihre CD in den letzten Tagen und Wochen oft gehört, wenn ich mit dem Auto unterwegs war. Das Label Mad Butcher Records hat nämlich bereits 2006 eine Art »best of« herausgegeben, die den schönen Titel »The Old The Bad And The Ugly« trägt und allerlei Aufnahmen aus den Jahren 1997 bis 2006 enthält.
Im Jahr 1997 war die Band noch ruppig, die erste Demo-CD belegt das. Da wird »Oi Oi Oi« gebrüllt, und der Sound schraddelt so richtig dynamisch-schnell vor sich hin. Nicht schlecht, aber eben höchstens Durchschnitt. Bereits bei der nächsten Demo-CD im 1999 wird's ausgereifter, bleibt aber immer noch schlicht.
Richtig klasse war die Band dann 2003; die Aufnahmen einer CD aus diesem Jahr sind einfach stark. Man wechselt zwischen Punkrock mit Melodie und Schmackes, zwischen Skapunk und Hardcore – das alles ist dynamisch gebracht und hat echt Hitqualitäten.
Mir passierte es irgendwann, dass ich die CD, die 25 Stücke enthält, nur noch zwischen Stück 16 und Stück 23 hörte – das sind alles Hits, sauber produziert und gut gespielt. Also nach klassischer Lesart weniger »punkig«. Seltsam, wie der Blick auf eine Band sich so ändert ... gut und anhörbar ist aber die gesamte CD, die sich noch einige Tage in meinem CD-Player aufhalten wird.
Höre ich mir aber die italienische Band Atarassia Gröp an, stelle ich fest, wie sich eine Band über Jahre hinweg immer besser entwickelt. Die Band stammt aus Como in Norditalien, und ich habe ihre CD in den letzten Tagen und Wochen oft gehört, wenn ich mit dem Auto unterwegs war. Das Label Mad Butcher Records hat nämlich bereits 2006 eine Art »best of« herausgegeben, die den schönen Titel »The Old The Bad And The Ugly« trägt und allerlei Aufnahmen aus den Jahren 1997 bis 2006 enthält.
Im Jahr 1997 war die Band noch ruppig, die erste Demo-CD belegt das. Da wird »Oi Oi Oi« gebrüllt, und der Sound schraddelt so richtig dynamisch-schnell vor sich hin. Nicht schlecht, aber eben höchstens Durchschnitt. Bereits bei der nächsten Demo-CD im 1999 wird's ausgereifter, bleibt aber immer noch schlicht.
Richtig klasse war die Band dann 2003; die Aufnahmen einer CD aus diesem Jahr sind einfach stark. Man wechselt zwischen Punkrock mit Melodie und Schmackes, zwischen Skapunk und Hardcore – das alles ist dynamisch gebracht und hat echt Hitqualitäten.
Mir passierte es irgendwann, dass ich die CD, die 25 Stücke enthält, nur noch zwischen Stück 16 und Stück 23 hörte – das sind alles Hits, sauber produziert und gut gespielt. Also nach klassischer Lesart weniger »punkig«. Seltsam, wie der Blick auf eine Band sich so ändert ... gut und anhörbar ist aber die gesamte CD, die sich noch einige Tage in meinem CD-Player aufhalten wird.
22 September 2010
Dorf- und andere Punks
»Dein Roman ist echt unterhaltsam«, sagte die junge Frau zu mir. »Aber er erinnert halt doch stark an ›Dorfpunks‹«. Sie meinte es nicht böse, aber ich wäre fast geplatzt.
Die junge Frau wurde ungefähr in dem Jahr geboren, in dem mein Roman »Vielen Dank Peter Pank« spielt. Sie konnte nicht wissen, dass sie mich ganz schön traf mit dem flapsigen Spruch.
Meinen Roman schrieb ich in der ersten Hälfte der 90er Jahre, die entscheidenden Szenen erschienen 1995. Im Jahr darauf, also 1996, wurde er erstmals als Paperback veröffentlicht; die Hardcover-Version folgte in den Nuller-Jahren - beides im Archiv der Jugendkulturen.
»Dorfpunks« kam 2004 heraus. Rocko Schamoni verarbeitete eigene Erfahrungen aus seiner Jugend, und offensichtlich waren die Erfahrungen von Jugendlichen, die auf Dörfern großwachsen und sich irgendwann für Krachmusik interessieren, sehr ähnlich. Abgeschrieben hat aber keiner vom anderen ...
Die junge Frau wurde ungefähr in dem Jahr geboren, in dem mein Roman »Vielen Dank Peter Pank« spielt. Sie konnte nicht wissen, dass sie mich ganz schön traf mit dem flapsigen Spruch.
Meinen Roman schrieb ich in der ersten Hälfte der 90er Jahre, die entscheidenden Szenen erschienen 1995. Im Jahr darauf, also 1996, wurde er erstmals als Paperback veröffentlicht; die Hardcover-Version folgte in den Nuller-Jahren - beides im Archiv der Jugendkulturen.
»Dorfpunks« kam 2004 heraus. Rocko Schamoni verarbeitete eigene Erfahrungen aus seiner Jugend, und offensichtlich waren die Erfahrungen von Jugendlichen, die auf Dörfern großwachsen und sich irgendwann für Krachmusik interessieren, sehr ähnlich. Abgeschrieben hat aber keiner vom anderen ...
21 September 2010
Hotelchen in Grenoble
Rückblick auf den Trip nach Südfrankreich im Mai 2010
Die Rue Thiers gehört sicher nicht zu den schönsten Straßen im inneren Stadtbereich von Grenoble; die Häuser sehen ein wenig abgewohnt aus, die Cafés und Läden wirken ein wenig sehr ... nun ja ... preiswert. Als wir im Mai 2010 dort eine Unterkunft fanden, wirkte das ganze nicht unbedingt berauschend - aber es war in der Nähe der Innenstadt und preiswert genug.
Das Hotel Splendid, in dem wir ein Doppelzimmer fanden, erwies sich als ein verwinkeltes Gebäude, das ordentlich renoviert und sauber war, von der Gesamtsubstanz seine besten Zeiten ein wenig hinter sich gelassen hatte. Durch mehrere Gänge kamen wir in unser Zimmer, das dafür am Hinterausgang lag - von diesem kamen wir in den Hof, in dem wir unser Auto auch sicher abstellen konnten.
Die Zimmer waren ordentlich, wenngleich nicht riesengroß; Duschen und Betten gefielen, und da das Fenster zum Hof ging, hatten wir's auch ruhig. Der Service an der Rezeption, die nicht immer besetzt war, war stets freundlich und hilfsbereit, und es gab sogar brauchbares Frühstück. Für den Preis (wir zahlten 60 Euro pro Nacht fürs Doppelzimmer, inklusive Frühstück) gab's eh nichts zu meckern.
Wer einen schicken Aufenthalt in Grenoble buchen möchte, ist hier nicht optimal aufgehoben. Wer einen langen Abend bummeln will und danach eh müde ins Bett fällt, wem es nichts ausmacht, in der Nacht durch eine nicht sehr helle Straße zu gehen, für den ist das Splendid Hotel eine preiswerte und vernünftige Alternative für die Stadt.
Die Rue Thiers gehört sicher nicht zu den schönsten Straßen im inneren Stadtbereich von Grenoble; die Häuser sehen ein wenig abgewohnt aus, die Cafés und Läden wirken ein wenig sehr ... nun ja ... preiswert. Als wir im Mai 2010 dort eine Unterkunft fanden, wirkte das ganze nicht unbedingt berauschend - aber es war in der Nähe der Innenstadt und preiswert genug.
Das Hotel Splendid, in dem wir ein Doppelzimmer fanden, erwies sich als ein verwinkeltes Gebäude, das ordentlich renoviert und sauber war, von der Gesamtsubstanz seine besten Zeiten ein wenig hinter sich gelassen hatte. Durch mehrere Gänge kamen wir in unser Zimmer, das dafür am Hinterausgang lag - von diesem kamen wir in den Hof, in dem wir unser Auto auch sicher abstellen konnten.
Die Zimmer waren ordentlich, wenngleich nicht riesengroß; Duschen und Betten gefielen, und da das Fenster zum Hof ging, hatten wir's auch ruhig. Der Service an der Rezeption, die nicht immer besetzt war, war stets freundlich und hilfsbereit, und es gab sogar brauchbares Frühstück. Für den Preis (wir zahlten 60 Euro pro Nacht fürs Doppelzimmer, inklusive Frühstück) gab's eh nichts zu meckern.
Wer einen schicken Aufenthalt in Grenoble buchen möchte, ist hier nicht optimal aufgehoben. Wer einen langen Abend bummeln will und danach eh müde ins Bett fällt, wem es nichts ausmacht, in der Nacht durch eine nicht sehr helle Straße zu gehen, für den ist das Splendid Hotel eine preiswerte und vernünftige Alternative für die Stadt.
20 September 2010
Japanische Phantastik ohne Manga-Stil

Denkt man an Comics, die in Japan spielen, fallen einem üblicherweise die unterschiedlichsten Manga-Stilrichtungen ein. Wer einmal etwas anderes sehen mag, sollte am besten nach den zwei Bänden der Reihe »Die Legende der scharlachroten Wolken« greifen, die bislang erschienen sind.
Verantwortlich für die Reihe ist der Splitter-Verlag. Das heißt von vorneherein, dass die Bücher sehr gut aussehen, super gedruckt sind und auf dem Umschlag diverse »Veredelungen« aufweisen. Ich habe beide Alben mit großem Interesse gelesen.
Enttäuscht war ich nicht unbedingt – aber was Saverio Tenuta in dieser Reihe bisher geliefert hat, reißt mich auch nicht vom Hocker. Es ist seine erste Serie, und vielleicht liegt es daran: Stilistisch sind seine Zeichnungen durchaus eigenständig, dennoch wirken sie oftmals unfertig und verraten bei den Gesichtern einige Schwächen.
Vor allem die Geschichte ist es aber, die mich nicht begeistert. Die Geschichte des Samurai, der mit weißen Wölfen und seiner Vergangenheit kämpft, mit phantastischen Elementen und Götterglauben – sie wirkt verwirrend und scheint mir nicht sauber erzählt. Zeitweise verstand ich bei der Lektüre nicht, was eigentlich geschah, und das ist bei einem Comic ziemlich ungeschickt.
Wer mal einen Blick auf besonderen Japan-Stil werfen möchte, sollte »Die Stadt, die zum Himmel spricht« und »Wie Blätter im Wind« einfach mal antesten. Auf der Splitter-Homepage gibt's schicke Leseproben. Vielleicht können andere Leser mit der zeitweise »lyrisch« erzählten Geschichte mehr anfangen als ich ...
19 September 2010
Brunzdumm, aber cool
Kurze Diskussion am Samstag abend, nach einem leckeren Abendessen und gutem Wein: Gehen wir noch ins Kino, und wenn ja, in welchen Film? Die Diskussion strandet recht schnell bei »ein alter Mann in ›The American‹« oder »viele alte Männer auf einem Haufen«.
Wir entscheiden uns für viele alte Männer und gehen in »The Expendables«. Sylvester Stallone und eine Handvoll anderer alter Haudegen im Großeinsatz. Explodierende Körperteile, viel Blut, brennendes Napalm - wir kamen uns vor wie in den 80er Jahren, wenn man sich solche Filme angucken ging; nur ist so was heute viel professioneller ...
Kein Schmarrn: Es war grandiose Unterhaltung. Nicht unbedingt geistvoll, sondern eher sackdoof, dafür aber mit enorm viel Krachbummbeng. Nachts um halb zwölf bis ein Uhr vielleicht nicht mal das dümmste Programm - vor allem, wenn man noch Bier dabei hat.
Allerdings ist »The Expendables« dann auch so ein Film, über den man anschließend nicht so viel zu diskutieren hat. Da sitzt man dann lieber mit neuem Bier zusammen und redet über Urlaub, die blöde Regierung und andere unsinnige Themen ...
Wir entscheiden uns für viele alte Männer und gehen in »The Expendables«. Sylvester Stallone und eine Handvoll anderer alter Haudegen im Großeinsatz. Explodierende Körperteile, viel Blut, brennendes Napalm - wir kamen uns vor wie in den 80er Jahren, wenn man sich solche Filme angucken ging; nur ist so was heute viel professioneller ...
Kein Schmarrn: Es war grandiose Unterhaltung. Nicht unbedingt geistvoll, sondern eher sackdoof, dafür aber mit enorm viel Krachbummbeng. Nachts um halb zwölf bis ein Uhr vielleicht nicht mal das dümmste Programm - vor allem, wenn man noch Bier dabei hat.
Allerdings ist »The Expendables« dann auch so ein Film, über den man anschließend nicht so viel zu diskutieren hat. Da sitzt man dann lieber mit neuem Bier zusammen und redet über Urlaub, die blöde Regierung und andere unsinnige Themen ...
18 September 2010
Jingo knapp verpasst
Ich gestehe, dass ich eigentlich keinerlei Lust darauf hatte, aufs Konzert von Jingo de Lunch in die »Alte Hackerei« zu gehen. Dass ich die Berliner Band mal klasse fand, ist über zwanzig Jahre her. Und das eine Konzert, das ich in den 90er Jahren von denen sah, war so grausig-metalmäßig, dass ich die Band seither weit in den Hinterkopf geschoben habe.
Dann juckte es mich aber doch, und nach einem Bier im »fünf« stolperte ich am Donnerstag abend, 16. September 2010, doch noch in das alte Fleischmarkt-Areal. Die »Hackerei« war brechend voll und ausverkauft, viele Leute standen im Freien, aber die Musik, die durch die Fenster drang, klang sehr gut.
Da am selben Tag nebenan das neue »Substage« seine Eröffnung feierte, guckte ich mir das auch noch an. Ich war in den letzten Jahren eher selten in den Konzertort in der Fußgänger-Unterführung gegangen, weil das Programm zu wenig für mich bereithielt, fand es aber schade, dass die Jungs und Mädels jetzt wegen des tollen »Karlsruhe 21«-Projektes (oder wie immer das bei uns heißt) umziehen mussten.
Das neue »Substage« sieht von außen fürchterlich aus, strahlt aber innen gemütliche Beton-Behaglichkeit aus. Ein guter Rock'n'Roll-Laden, in dem es nicht auffallen wird, wenn die ersten Besoffenen in die Ecke kotzen werden. Viel Beton und Steine, eine hohe Decke und eine lange Theke - das macht einen guten Eindruck, das gefällt mir. Ich bin auf das weitere gespannt!
Dann wieder in die »Alte Hackerei«. Mit einer Coverversion von Slime beendete Jingo de Lunch das Konzert. Verschwitzte Leute drängten in Massen heraus, alle wirkten glücklich und zufrieden. Offensichtlich hatte ich ein Klasse-Konzert verpasst.
Schade, aber nicht zu ändern. Dann doch lieber noch das eine oder andere Bier und vor allem das eine oder andere geistvolle Gespräch. Auch recht ...
Dann juckte es mich aber doch, und nach einem Bier im »fünf« stolperte ich am Donnerstag abend, 16. September 2010, doch noch in das alte Fleischmarkt-Areal. Die »Hackerei« war brechend voll und ausverkauft, viele Leute standen im Freien, aber die Musik, die durch die Fenster drang, klang sehr gut.
Da am selben Tag nebenan das neue »Substage« seine Eröffnung feierte, guckte ich mir das auch noch an. Ich war in den letzten Jahren eher selten in den Konzertort in der Fußgänger-Unterführung gegangen, weil das Programm zu wenig für mich bereithielt, fand es aber schade, dass die Jungs und Mädels jetzt wegen des tollen »Karlsruhe 21«-Projektes (oder wie immer das bei uns heißt) umziehen mussten.
Das neue »Substage« sieht von außen fürchterlich aus, strahlt aber innen gemütliche Beton-Behaglichkeit aus. Ein guter Rock'n'Roll-Laden, in dem es nicht auffallen wird, wenn die ersten Besoffenen in die Ecke kotzen werden. Viel Beton und Steine, eine hohe Decke und eine lange Theke - das macht einen guten Eindruck, das gefällt mir. Ich bin auf das weitere gespannt!
Dann wieder in die »Alte Hackerei«. Mit einer Coverversion von Slime beendete Jingo de Lunch das Konzert. Verschwitzte Leute drängten in Massen heraus, alle wirkten glücklich und zufrieden. Offensichtlich hatte ich ein Klasse-Konzert verpasst.
Schade, aber nicht zu ändern. Dann doch lieber noch das eine oder andere Bier und vor allem das eine oder andere geistvolle Gespräch. Auch recht ...
17 September 2010
Allerloi Oi!-Tips

Ich weiß, dass schon eine weitere Ausgabe erschienen ist, aber jetzt habe ich eben die Ausgabe 30 von Oi! The Print gelesen. Das Fanzine kommt aus dem schönen Österreich und feiert die Oi!-Szene so richtig gut ab. Der Untertitel »The One & Only Austrian Drinkingclass Fanzine« greift szene-interne Eigenklischees auch schön auf.
Das Fanzine ist unpolitisch im positiven Sinn; man hakt bei den Bands nicht unbedingt nach, wo sie politisch stehen, hält sich aber bewusst aus dem politischen Hickhack der aktuellen Zeit raus. Man steht allerdings eindeutig nicht im rechten Lager, und das ist gut so.
Stomper 98 aus Göttingen kommen ausführlich zu Wort (und auch aufs Cover), ebenso die Ska-Band The Valkyrians aus Finnland oder die alten England-Säcke von Red Alert. Wobei ... der Sänger stellt sich als ziemlichen Alkoholiker dar, und das ist unterm Strich dann doch nicht soo lustig.
Ich fand den Szene-Bericht zu Australien sehr interessant. Dass es »downunder« so viele Oi!-Bands gibt, wusste ich nicht. Ich benutzte den Bericht prompt zu einem kleinen Einkaufsbummel und bin von einigen der Bands sehr angetan ...
Selbstverständlich gibt's Plattenbesprechungen, Fanzine-Rezensionen und haufenweise anderes Zeugs. Geschichtsbeflissene freuen sich sogar über einen Bericht über Iron Cross, die erste amerikanische Skinhead-Band, deren Stück »Crucified« jede Glatze und jeder Hardcore-Mensch kennen dürfte.
Gelungenes Fanzine, das mit 68 sauber gestalteten Seiten im A5-Format und mit vierfarbigem Titelbild zu überzeugen weiß. Das Heft gibt's für zwoeinhalb Euro bei den einschlägigen Versendern; wer sich für Oi! begeistern kann, sollte es mal antesten.
16 September 2010
Angela und Stuttgart
Parlamentsdebatte im Bundestag, es ging rund. Meist erspare ich mir das Spektakel, dieses Mal hatte es aber doch hohen Unterhaltungswert. Vor allem deshalb, weil die Kanzlerin auch mal laut wurde.
Dann wurde auf einmal Stuttgart zum Thema, der schweineteure Bahnhofsumbau und der Widerstand der Bevölkerung. Angela Merkel argumentierte, dass die Landtagswahl im nächsten Frühjahr die Volksbefragung zu Stuttgart 21 werde. Man brauche keinen Volksentscheid, bei dem das durch die Großparteien, die Großindustrie und andere Gauner zusammengeschmierte Projekt vielleicht gestoppt werden könnte.
Wahrscheinlich hat sie da sogar recht. Baden-Württemberg steht in den Umfragen auf rot-grün, nicht mehr auf schwarz-gelb. Das liegt daran, dass »mein Ländle« mit Stefan Mappus einen absoluten Unsympathen als Ministerpräsidenten hat und dass man mit Stuttgart 21 ein echtes Reizthema an den Start schiebt, bei dem sogar konservative Leute auf einmal gegen die CDU sind.
Nur: Ich bin sicher, dass es die SPD wieder vergeigen wird. Ich habe die unfähige Figur, die vor vier Jahren gegen Öttinger antrat, schon fast vergesen, aber es geht 2010 und 2011 aso weiter: Das Personal, das die größte Oppositionspartei gegen Mappus aufbietet, ist von erschütternder Schlichtheit.
Ganz ehrlich: So sehr ich auch Mappus und Konsorten verabscheue – diese Bande von Dilettanten kann ich wieder mal nicht wählen. (Und jetzt komme keiner mit den Grünen oder gar der Linkspartei.)
Und so wird's womöglich ausgehen wie so oft: Ich (und viele andere) finde die CDU grauenvoll, die SPD ebenfalls und bleibe zuhause oder wähle ungültig. Dann bleibt der Dicke aus Pforzheim weiter an der Regierung, und alles geht so weiter wie bisher. Demokratie ist schon ein lustiges Spiel ...
Dann wurde auf einmal Stuttgart zum Thema, der schweineteure Bahnhofsumbau und der Widerstand der Bevölkerung. Angela Merkel argumentierte, dass die Landtagswahl im nächsten Frühjahr die Volksbefragung zu Stuttgart 21 werde. Man brauche keinen Volksentscheid, bei dem das durch die Großparteien, die Großindustrie und andere Gauner zusammengeschmierte Projekt vielleicht gestoppt werden könnte.
Wahrscheinlich hat sie da sogar recht. Baden-Württemberg steht in den Umfragen auf rot-grün, nicht mehr auf schwarz-gelb. Das liegt daran, dass »mein Ländle« mit Stefan Mappus einen absoluten Unsympathen als Ministerpräsidenten hat und dass man mit Stuttgart 21 ein echtes Reizthema an den Start schiebt, bei dem sogar konservative Leute auf einmal gegen die CDU sind.
Nur: Ich bin sicher, dass es die SPD wieder vergeigen wird. Ich habe die unfähige Figur, die vor vier Jahren gegen Öttinger antrat, schon fast vergesen, aber es geht 2010 und 2011 aso weiter: Das Personal, das die größte Oppositionspartei gegen Mappus aufbietet, ist von erschütternder Schlichtheit.
Ganz ehrlich: So sehr ich auch Mappus und Konsorten verabscheue – diese Bande von Dilettanten kann ich wieder mal nicht wählen. (Und jetzt komme keiner mit den Grünen oder gar der Linkspartei.)
Und so wird's womöglich ausgehen wie so oft: Ich (und viele andere) finde die CDU grauenvoll, die SPD ebenfalls und bleibe zuhause oder wähle ungültig. Dann bleibt der Dicke aus Pforzheim weiter an der Regierung, und alles geht so weiter wie bisher. Demokratie ist schon ein lustiges Spiel ...
15 September 2010
In den Bergen des Valpolicella
Rückblick auf den Trip nach Norditalien im August 2010
Dass es die Region Valpolicella gibt, war mir schon vorher bekannt. Sie liegt im Prinzip, wenn man auf die Landkarte guckt, rechts vom Gardasee und oberhalb von Verona, also mitten in Norditalien, und sie ist bekannt für ihre vielen Weine. Mehr wusste ich nicht über die gesamte Region.
Also schauten wir sie uns an, als wir eh da waren, und fuhren einen Nachmittag lang mit dem Auto kreuz und quer durch die Weinberge und Hügeldörfer. Über schmale, teilweise recht kurvige Straßen ging es hoch auf Hügel, von denen aus sich eine tolle Aussicht bot: bis zum Gardasee und den Alpen, bis hinunter ins Flachland der Poebene, hinweg über Weinberge und eine seit zweieinhalbtausend Jahren aktive Kulturlandschaft.
Kleine Dörfer wie Molina oder Montecchio, halb verborgen an den Felshängen klebend, zerstreute Weingemeinden wie Negrar mit einem alten Dorfkern und ausufernden Rändern, das winzige Dorf Castelrotto, bei dem ich mich nur wunderte, wo die Touristenbusse blieben, und wie sie alle hießen: Ich hatte manchmal das Gefühl, es sei überall schön.
Und da das Wetter mitspielte – es war gut warm, aber nicht hitzig –, machte die Fahrt gleich doppelt Spaß. Der Buschwald roch intensiv, die warme Luft drang in die Nase und in jede Pore, und wir fühlten uns wohl. Den Tag beschloss eine gute Flasche Wein, natürlich aus dem Valpolicella. Klasse.
Dass es die Region Valpolicella gibt, war mir schon vorher bekannt. Sie liegt im Prinzip, wenn man auf die Landkarte guckt, rechts vom Gardasee und oberhalb von Verona, also mitten in Norditalien, und sie ist bekannt für ihre vielen Weine. Mehr wusste ich nicht über die gesamte Region.
Also schauten wir sie uns an, als wir eh da waren, und fuhren einen Nachmittag lang mit dem Auto kreuz und quer durch die Weinberge und Hügeldörfer. Über schmale, teilweise recht kurvige Straßen ging es hoch auf Hügel, von denen aus sich eine tolle Aussicht bot: bis zum Gardasee und den Alpen, bis hinunter ins Flachland der Poebene, hinweg über Weinberge und eine seit zweieinhalbtausend Jahren aktive Kulturlandschaft.
Kleine Dörfer wie Molina oder Montecchio, halb verborgen an den Felshängen klebend, zerstreute Weingemeinden wie Negrar mit einem alten Dorfkern und ausufernden Rändern, das winzige Dorf Castelrotto, bei dem ich mich nur wunderte, wo die Touristenbusse blieben, und wie sie alle hießen: Ich hatte manchmal das Gefühl, es sei überall schön.
Und da das Wetter mitspielte – es war gut warm, aber nicht hitzig –, machte die Fahrt gleich doppelt Spaß. Der Buschwald roch intensiv, die warme Luft drang in die Nase und in jede Pore, und wir fühlten uns wohl. Den Tag beschloss eine gute Flasche Wein, natürlich aus dem Valpolicella. Klasse.
14 September 2010
»Inception« zum zweiten
Es gibt Filme, die sollte man nur einmal angucken. Sie verblüffen oder faszinieren beim ersten Mal und entsetzen einen beim zweiten Durchgang. Am Montag, 13. September 2010, dann doch der Versuch: Klappt »Inception« zum zweiten Mal?
Der Hauptgrund war, dass ich ihn endlich kapieren wollte. So richtig kapieren. Ohne dass Fragen übrig bleiben und ich diskutieren und überlegen muss.
Um es kurz zu machen: Der Film ist auch beim zweiten Mal noch klasse. Die offenen Fragen, die ich beim ersten Durchgang hatte, sind beim zweiten Mal geblieben. Was ist Realität, wo beginnt der Traum, und wer ist eigentlich in wessen Kopf drin?
Beeindruckende Action-Szenen, dramatisch sich steigernde Musik und ein verwirrendes Ende - »Inception« ist ein Film, den man sich wahrscheinlich ein drittes Mal ohne Gewissensbisse angucken könnte. Coole Scheiße.
Der Hauptgrund war, dass ich ihn endlich kapieren wollte. So richtig kapieren. Ohne dass Fragen übrig bleiben und ich diskutieren und überlegen muss.
Um es kurz zu machen: Der Film ist auch beim zweiten Mal noch klasse. Die offenen Fragen, die ich beim ersten Durchgang hatte, sind beim zweiten Mal geblieben. Was ist Realität, wo beginnt der Traum, und wer ist eigentlich in wessen Kopf drin?
Beeindruckende Action-Szenen, dramatisch sich steigernde Musik und ein verwirrendes Ende - »Inception« ist ein Film, den man sich wahrscheinlich ein drittes Mal ohne Gewissensbisse angucken könnte. Coole Scheiße.
13 September 2010
Veranstaltungen und Produkte
Wann immer sich die Gelegenheit bietet, krame ich in meinen Erinnerungen und Tagebüchern und schreibe einen Text dazu. Unter der Rubrik »Der Redakteur erinnert sich« erscheinen solche Texte dann auf der PERRY RHODAN-Homepage. Und da sich die Leser dort bislang noch nicht dagegen gewehrt haben, gibt's immer wieder Nachschub.
So am 9. September, also erst vor wenigen Tagen. Unter dem Titel »Ein freundlicher Anruf aus Hannover« ging es um meine Bekanntschaft mit Peter Schlenter sowie die Vorarbeiten zu einer Musik-CD - das war alles im Frühjahr 1996.
Eine Woche davor hieß der Titel »Erinnerungen an das Schattenland«. Ich blickte auf die MYTHOR-Heftromanreihe zurück, die ich als Jugendlicher gern gelesen hatte, und stellte die Versuche dar, die Reihe neu auf den Markt zu bringen - bis jetzt eben fünf Taschenbücher einen MYTHOR-Zyklus zusammengefasst haben.
»Der Sonderzug nach Mannheim« ist kein Versuch, alte Lieder von Udo Lindenberg unter neuem Titel zu veröffentlichen, sondern erinnert an das Jahr 1986. Damals fand der PERRY RHODAN-WeltCon in Saarbrücken statt, und deshalb ist der Titel auch falsch. Streng genommen müsste es »Der Sonderzug von Mannheim nach Saarbrücken« heißen - aber man kann ja nicht alles haben ...
In den Sommer 2000 blendet »Auf dem Medienforum«. Da war ich in Köln auf einer richtigen Wichtig-Wichtig-Messe, wo ich mich unwohl fühlte, aber dennoch einen Vortrag hielt. Selten zuvor und danach sah ich so viele wichtige Leute auf einem Haufen ...
So am 9. September, also erst vor wenigen Tagen. Unter dem Titel »Ein freundlicher Anruf aus Hannover« ging es um meine Bekanntschaft mit Peter Schlenter sowie die Vorarbeiten zu einer Musik-CD - das war alles im Frühjahr 1996.
Eine Woche davor hieß der Titel »Erinnerungen an das Schattenland«. Ich blickte auf die MYTHOR-Heftromanreihe zurück, die ich als Jugendlicher gern gelesen hatte, und stellte die Versuche dar, die Reihe neu auf den Markt zu bringen - bis jetzt eben fünf Taschenbücher einen MYTHOR-Zyklus zusammengefasst haben.
»Der Sonderzug nach Mannheim« ist kein Versuch, alte Lieder von Udo Lindenberg unter neuem Titel zu veröffentlichen, sondern erinnert an das Jahr 1986. Damals fand der PERRY RHODAN-WeltCon in Saarbrücken statt, und deshalb ist der Titel auch falsch. Streng genommen müsste es »Der Sonderzug von Mannheim nach Saarbrücken« heißen - aber man kann ja nicht alles haben ...
In den Sommer 2000 blendet »Auf dem Medienforum«. Da war ich in Köln auf einer richtigen Wichtig-Wichtig-Messe, wo ich mich unwohl fühlte, aber dennoch einen Vortrag hielt. Selten zuvor und danach sah ich so viele wichtige Leute auf einem Haufen ...
12 September 2010
Neue Ausgabe eines literarischen Heftes
Es dauerte einige Zeit, bis ich zur Lektüre kam, aber heute schaffte ich es endlich: Ich las die achte Ausgabe der Zeitschrift »Phantasia Almanach«, zu dem vielleicht auch eher die Bezeichnung Kundenmagazin passen würde. Das Heft wird von der Edition Phantasia verlegt, dem kleinen, aber feinen Verlag aus der Pfalz, und es wird Kunden des Verlags kostenlos zugeschickt.
Auf 24 Seiten geht es vor allem um die Autoren des Verlages – was nicht weiter überrascht. Einen Schwerpunkt bildet dabei James Graham Ballard, zu dem es gleich zwei Nachrufe gibt, einen von Verlagschef Joachim Körber selbst.
Die Kurzgeschichte von Stefan Blankertz ist so formuliert, dass ich mir das Buch dieses Schriftstellers kaum kaufen werde. Umso schöner dafür die klassische, sehr altmodisch wirkende Geschichte von Robert E. Howard – so was kann man immer noch lesen.
Wie immer ein gelungenes kleines Heft. Wer sich dafür interessiert, sollte die Homepage des Verlages checken. Das lohnt sich eh.
Auf 24 Seiten geht es vor allem um die Autoren des Verlages – was nicht weiter überrascht. Einen Schwerpunkt bildet dabei James Graham Ballard, zu dem es gleich zwei Nachrufe gibt, einen von Verlagschef Joachim Körber selbst.
Die Kurzgeschichte von Stefan Blankertz ist so formuliert, dass ich mir das Buch dieses Schriftstellers kaum kaufen werde. Umso schöner dafür die klassische, sehr altmodisch wirkende Geschichte von Robert E. Howard – so was kann man immer noch lesen.
Wie immer ein gelungenes kleines Heft. Wer sich dafür interessiert, sollte die Homepage des Verlages checken. Das lohnt sich eh.
11 September 2010
Gospel und Trottel
Freitag abend in der Karlsruher Innenstadt: Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen hatte ich vergessen, dass ein internationales Gospelsänger-Treffen veranstaltet wurde. Und wir Trottel hatten uns ausgerechnet die »Marktlücke« am Marktplatz ausgesucht.
Gar nicht so einfach: Der Marktplatz war voll mit Verkaufsständen, Bierzelten und mehr oder weniger lauten Menschen, die allesamt ein Schlüsselbändchen plus Namensschild (oder so was) um den Hals hielten. Sie sprachen in fremden Zungen, die meisten davon aber in deutschen Dialekten, wirkten teilweise schwer verwirrt oder eben einfach nur völlig christlich - und sie waren in Pulks unterwegs.
In der »Marktlücke« sang eine junge Blondine, während hinter ihr drei junge Männer ein wenig Jazz- und Pop-Gedudel veranstalteten. Da war guter Rat teuer. Aber da schönes Wetter war, gingen wir einige Meter um die Ecke und landeten in einer Espresso-Bar, wo wir im freien sitzen und Bier trinken konnten.
Auch recht. Stunden später saßen wir da immer noch, guckten Gospel-Fans nach, die auf der Straße vorbeigingen, tranken Bier, redeten über Sarrazin, andere Rassisten und schlechte Tätowierer, die alten Zeiten als Dorfpunker und andere wichtige Themen. Um halb zwei Uhr meinte die Bedienung, es wäre langsam ein bisschen spät - und dann war auch gut.
Wir hatten den Abend erfolgreich mit reden und trinken verbracht. Großartig. So muss es sein.
Gar nicht so einfach: Der Marktplatz war voll mit Verkaufsständen, Bierzelten und mehr oder weniger lauten Menschen, die allesamt ein Schlüsselbändchen plus Namensschild (oder so was) um den Hals hielten. Sie sprachen in fremden Zungen, die meisten davon aber in deutschen Dialekten, wirkten teilweise schwer verwirrt oder eben einfach nur völlig christlich - und sie waren in Pulks unterwegs.
In der »Marktlücke« sang eine junge Blondine, während hinter ihr drei junge Männer ein wenig Jazz- und Pop-Gedudel veranstalteten. Da war guter Rat teuer. Aber da schönes Wetter war, gingen wir einige Meter um die Ecke und landeten in einer Espresso-Bar, wo wir im freien sitzen und Bier trinken konnten.
Auch recht. Stunden später saßen wir da immer noch, guckten Gospel-Fans nach, die auf der Straße vorbeigingen, tranken Bier, redeten über Sarrazin, andere Rassisten und schlechte Tätowierer, die alten Zeiten als Dorfpunker und andere wichtige Themen. Um halb zwei Uhr meinte die Bedienung, es wäre langsam ein bisschen spät - und dann war auch gut.
Wir hatten den Abend erfolgreich mit reden und trinken verbracht. Großartig. So muss es sein.
10 September 2010
Zeitkristalle und Geschichten

Vor über vierzig Jahren gründete sich in Dresden ein Science-Fiction-Verein. Das klingt nach etwas relativ normalem, denn SF-Vereinigungen wurden in den späten 60er Jahren überall im deutschsprachigen Raum gegründet. Dresden gehörte damals aber zur DDR – und dort war eine solche Gründung nicht so einfach wie in Westdeutschland oder Österreich.
Das bekamen die Aktivisten des Stanislaw-Lem-Klubs bald zu merken. Nach einem kurzen Höhenflug kam bereits das Verbot – aber bis heute gibt es ehemalige Mitglieder, die in der Science-Fiction-Szene aktiv sind.
Diesem Verein, seinen Mitgliedern und den dort entstandenen Texten widmet sich eine Sonderausgabe von »Andromeda«, die bereits im September 2009 erschienen ist. Herausgeber ist Erik Simon, seit Jahrzehnten ein international anerkannter SF-Fachmann – und die Lektüre des 84 Seiten starken A4-Heftes empfiehlt sich für SF-Fans sowie für Menschen, die sich für die Geschichte der untergegangenen DDR interessieren.
Ich las vor allem die Rückblicke auf die Geschichte des Vereins sehr gern, inklusive der Porträts jener Menschen, die in den frühen 70er Jahren in Dresden aktiv waren – gegen einen Staat, der damit überhaupt nichts anzufangen wusste. Darüber hinaus finden sich in dem Heft aber auch Kurzgeschichten sowie der Fortsetzungsroman »Abenteuer auf Sakuntala«, der 1972 unter extrem schweren Bedingungen entstand. Das ist literarisch nicht unbedingt hochwertig, aber dennoch betrachtens- bis lesenswert.
Insgesamt ein Heft, das den herausgebenden Science Fiction Club Deutschland e.V. ausnahmsweise mal schmückt. Wer sich dafür interessiert, kann es für acht Euro bestellen – am besten über die Homepage des Vereins.
09 September 2010
Kurzer Nachruf auf HoPe
Man kann nicht sagen, dass ich ihn gut gekannt hätte – dennoch war ich sehr überrascht und auf einen Schlag traurig, als ich dieser Tage erfuhr, dass Horst-Peter Schwagenscheidt bereits im Juli 2010 verstorben ist. Der Science-Fiction-Fan, der in den 60er Jahren unter anderem das einflussreiche Fanzine »Science Fiction Times« herausgab, wurde 71 Jahre alt.
Ich lernte »HoPe«, wie man ihn im allgemeinen nannte, erst in den sogenannten Nuller-Jahren kennen. In den Jahrzehnten davor waren wir sicher teilweise auf denselben Veranstaltungen unterwegs, wir unterhielten uns aber nie.
Er schickte mir seine »Stammtisch-Post«, ein Fanzine, in dem sich nachgedruckte Fan-Artikel aus den 60er Jahren mit aktuellen Ansichten und Meinungen trafen, und ich machte ihm gelegentlich Kopien von Fanzines aus meiner Sammlung, die ihm fehlten. Und wir unterhielten uns einige Male kurz.
Seine Artikel in Fanzines wie dem »Fandom Observer« las ich gern, auch wenn die Science-Fiction-Serie, für die ich arbeite, in diesen Texte oft »ihr Fett weg« bekam. Kritisch ging er gegen deutschsprachige SF-Autoren alter und neuer Zeit vor, immer wieder hinterfragte er auch »rhodanische Legenden«.
Das mochte ich nicht immer, wofür man hoffentlich Verständnis hat. Aber ich schätzte seine kritische, seine bissige, seine stets nachbohrende Art, weil sie mit gesunder Ironie und viel Wissen daher kam und sich somit von dem oftmals »nur meckernden« Stil mancher Fan-Diskussion unterschied.
Horst-Peter Schwagenscheidt, der Fanzine-Herausgeber der 60er und frühen 70er Jahre, der Organisator der OldieCons in den Nuller Jahren – er ist tot. Und er wird dieser Science-Fiction-Szene tatsächlich fehlen.
Ich lernte »HoPe«, wie man ihn im allgemeinen nannte, erst in den sogenannten Nuller-Jahren kennen. In den Jahrzehnten davor waren wir sicher teilweise auf denselben Veranstaltungen unterwegs, wir unterhielten uns aber nie.
Er schickte mir seine »Stammtisch-Post«, ein Fanzine, in dem sich nachgedruckte Fan-Artikel aus den 60er Jahren mit aktuellen Ansichten und Meinungen trafen, und ich machte ihm gelegentlich Kopien von Fanzines aus meiner Sammlung, die ihm fehlten. Und wir unterhielten uns einige Male kurz.
Seine Artikel in Fanzines wie dem »Fandom Observer« las ich gern, auch wenn die Science-Fiction-Serie, für die ich arbeite, in diesen Texte oft »ihr Fett weg« bekam. Kritisch ging er gegen deutschsprachige SF-Autoren alter und neuer Zeit vor, immer wieder hinterfragte er auch »rhodanische Legenden«.
Das mochte ich nicht immer, wofür man hoffentlich Verständnis hat. Aber ich schätzte seine kritische, seine bissige, seine stets nachbohrende Art, weil sie mit gesunder Ironie und viel Wissen daher kam und sich somit von dem oftmals »nur meckernden« Stil mancher Fan-Diskussion unterschied.
Horst-Peter Schwagenscheidt, der Fanzine-Herausgeber der 60er und frühen 70er Jahre, der Organisator der OldieCons in den Nuller Jahren – er ist tot. Und er wird dieser Science-Fiction-Szene tatsächlich fehlen.
08 September 2010
Über die Kinder des Krieges
Obwohl ich Jahrgang 1963 bin, also lange nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde, war das Thema Krieg in meinem sozialen Umfeld immer gegenwärtig. Ich wuchs mit dem Schweigen meiner Eltern auf, den seltenen Aussagen zu wenigen Themen, dem Geschwätz anderer Menschen aus ihrer Generation – und im Nachhinein werden mir viele Konflikte meiner Jugend langsam klarer.
Zuletzt las ich ein spannendes Sachbuch, das sich mit genau diesem Thema auseinandersetzte: Die Journalistin Sabine Bode beschäftigt sich in »Die vergessene Generation« mit den sogenannten Kriegskindern, also jenen Menschen, die das Ende des Zweiten Weltkriegs als Kinder erlebten.
Dabei geht es ihr nicht darum, irgendwie revanchistisch zu sein oder gar das Leid der Nazi-Opfer mit dem Leid der Deutschen aufzurechnen – diesem Gedanken widerspricht sie klar. Aber sie weist darauf hin, dass es nach dem Krieg zig Millionen traumatisierter Menschen in den Besatzungszonen gab.
Diese Menschen bauten danach drei neue Staaten auf; was für die Erwachsenen als Trauma schon schlimm war, wurde für die Kinder zu einer lebenslangen Belastung, die sich teilweise erst im Alter von 60 Jahren oder noch älter klar zeigt. Die Kriegskinder oder gar die Kriegsenkel bekamen so noch die Spätfolgen des Krieges zu spüren.
Das Buch ist sachlich und zugleich unterhaltsam geschrieben; es arbeitet mit Aussagen von Betroffenen und versucht, deren Biografie mit späteren psychischen Belastungen in Einklang zu bringen. Menschen, die zeit ihres Lebens von Albträumen geplagt sind, waren gegen Kriegsende vielleicht drei oder vier Jahre alt, haben den Bombenkrieg also nicht bewusst mitbekommen, wurden aber von ihm geprägt.
Ein packendes Thema, das mich während der Lektüre nicht losgelassen hat. (Meine Eltern betrifft's dann doch nicht so sehr: Mein Vater erlebte das Ende nach zwei Jahren Ostfront mit zwanzig Jahren im Lazarett; meine Mutter war schon 13 Jahre alt und überlebte die Brandschatzung von Freudenstadt.) So biografisch war's nicht unbedingt, aber eine nachdrückliche Lektüre. Respekt!
Wen's interessiert: Das Taschenbuch ist bei Piper erschienen, ist 287 Seiten stark und sollte in jeder Buchhandlung zu haben sein. Menschen mit ähnlichen biografischen Hintergründen sollten es mal antesten – es lohnt sich.
Zuletzt las ich ein spannendes Sachbuch, das sich mit genau diesem Thema auseinandersetzte: Die Journalistin Sabine Bode beschäftigt sich in »Die vergessene Generation« mit den sogenannten Kriegskindern, also jenen Menschen, die das Ende des Zweiten Weltkriegs als Kinder erlebten.
Dabei geht es ihr nicht darum, irgendwie revanchistisch zu sein oder gar das Leid der Nazi-Opfer mit dem Leid der Deutschen aufzurechnen – diesem Gedanken widerspricht sie klar. Aber sie weist darauf hin, dass es nach dem Krieg zig Millionen traumatisierter Menschen in den Besatzungszonen gab.
Diese Menschen bauten danach drei neue Staaten auf; was für die Erwachsenen als Trauma schon schlimm war, wurde für die Kinder zu einer lebenslangen Belastung, die sich teilweise erst im Alter von 60 Jahren oder noch älter klar zeigt. Die Kriegskinder oder gar die Kriegsenkel bekamen so noch die Spätfolgen des Krieges zu spüren.
Das Buch ist sachlich und zugleich unterhaltsam geschrieben; es arbeitet mit Aussagen von Betroffenen und versucht, deren Biografie mit späteren psychischen Belastungen in Einklang zu bringen. Menschen, die zeit ihres Lebens von Albträumen geplagt sind, waren gegen Kriegsende vielleicht drei oder vier Jahre alt, haben den Bombenkrieg also nicht bewusst mitbekommen, wurden aber von ihm geprägt.
Ein packendes Thema, das mich während der Lektüre nicht losgelassen hat. (Meine Eltern betrifft's dann doch nicht so sehr: Mein Vater erlebte das Ende nach zwei Jahren Ostfront mit zwanzig Jahren im Lazarett; meine Mutter war schon 13 Jahre alt und überlebte die Brandschatzung von Freudenstadt.) So biografisch war's nicht unbedingt, aber eine nachdrückliche Lektüre. Respekt!
Wen's interessiert: Das Taschenbuch ist bei Piper erschienen, ist 287 Seiten stark und sollte in jeder Buchhandlung zu haben sein. Menschen mit ähnlichen biografischen Hintergründen sollten es mal antesten – es lohnt sich.
07 September 2010
Seminar-Planung für 2011
Wie schnell die Zeit voranschreitet, belegt dieser Tage die Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel: Bereits jetzt liegen die Termine fürs Jahr 2011 fest - und es ist ja noch sooooo lange bis dahin. Aber ich bin auch im Jahr 2011 in zwei Seminaren als Dozent dabei, und das ist eine erfreuliche Nachricht.
Das Motto vom 25. bis 27. März 2011 ist: »Phantastische Literatur schreiben - Langformen in Fantasy, Horror und Sciencefiction.« Meine Co-Dozentin hierfür ist Kathrin Lange.
Das Motto vom 16. bis 18. Dezember 2011 ist: »Vier Seiten für ein Universum - Die Sciencefiction-Kurzgeschichte.« Mein Partner bei diesem Seminar ist der Kollege Uwe Anton.
Das Motto vom 25. bis 27. März 2011 ist: »Phantastische Literatur schreiben - Langformen in Fantasy, Horror und Sciencefiction.« Meine Co-Dozentin hierfür ist Kathrin Lange.
Das Motto vom 16. bis 18. Dezember 2011 ist: »Vier Seiten für ein Universum - Die Sciencefiction-Kurzgeschichte.« Mein Partner bei diesem Seminar ist der Kollege Uwe Anton.
06 September 2010
Norditalien im Punkrock-Blick
Es ergab sich mehr aus Zufall, aber: Die Radiosendung am 5. September 2010 war im Prinzip eine direkte Antwort auf meinen Trip nach Italien eine Woche zuvor. Okay, ich spielte keine Musik aus der Oper »Carmen«, das wäre unglaubwürdig gewesen – aber ich brachte ausschließlich Punkrock und Ska aus dem Großraum Norditalien.
Da gibt's auch haufenweise gute Bands, angefangen von den eh schon bekannten Los Fastidios, die ich bereits gespielt habe. Großartigen Skapunk spielen Persiana Jones aus Turin, während die Atarassia Gröp die Vermengung von Ska und Oi! macht, die offensichtlich im nördlichen Italien beliebt ist.
Antifaschistische Skinheads finde ich gut, und in Italien gibt's da wohl viele – ich spielte aus dem Grund viele Bands, die auf Mad Butcher Records erschienen sind. Das Label publiziert solche Bands gerne, und die meisten davon kann man sich gut anhören. Dazu zählen Arpioni aus Bergamo, die schönen traditionellen Ska spielen. Oder Talco, bei denen's glatt noch einen Spritzer gibt.
Eher kommerziellen Punkrock spielen die Criminal Jokers oder auch Carryall – das kann man sich gut anhören, aber es klingt doch ein bisschen weichgespült. In die ENPUNKT-Sendung im Freien Radio Karlsruhe passten beide Bands. Und dann noch Mquestionmark mit ihrer Mixtur aus Elektro und Punk, IndieRock und Emo ... wieder mal eine abwechslungsreiche Mischung.
Da gibt's auch haufenweise gute Bands, angefangen von den eh schon bekannten Los Fastidios, die ich bereits gespielt habe. Großartigen Skapunk spielen Persiana Jones aus Turin, während die Atarassia Gröp die Vermengung von Ska und Oi! macht, die offensichtlich im nördlichen Italien beliebt ist.
Antifaschistische Skinheads finde ich gut, und in Italien gibt's da wohl viele – ich spielte aus dem Grund viele Bands, die auf Mad Butcher Records erschienen sind. Das Label publiziert solche Bands gerne, und die meisten davon kann man sich gut anhören. Dazu zählen Arpioni aus Bergamo, die schönen traditionellen Ska spielen. Oder Talco, bei denen's glatt noch einen Spritzer gibt.
Eher kommerziellen Punkrock spielen die Criminal Jokers oder auch Carryall – das kann man sich gut anhören, aber es klingt doch ein bisschen weichgespült. In die ENPUNKT-Sendung im Freien Radio Karlsruhe passten beide Bands. Und dann noch Mquestionmark mit ihrer Mixtur aus Elektro und Punk, IndieRock und Emo ... wieder mal eine abwechslungsreiche Mischung.
05 September 2010
Bierbörse und Folgen
Es war vielleicht ein Fehler, am Freitag abend, 3. September, nach einem langen Arbeitstag (zuerst im Büro, dann daheim) noch auszugehen. Aber die Anrufe auf dem Handy fühlten sich drängend an, das Bier lockte, und es schien eine halbwegs erträgliche Außentemperatur zu sein.
Also schnappte ich mir mein Rad und mein Ausgeh-Jackett und düste zum Karlsruher Schloss – die Bierbörse wartete. Als ich eintraf, tummelten sich schon viele Leute dort, geschätzt 80 bis 90 Prozent Männer, geschätzt 70 Prozent besoffen. Großartige Kulisse ... aber alles sehr lautstark und zugleich friedlich.
Wir tranken einige Biere, wir redeten viel dummes Zeugs, und wir saßen an einem Biertisch, bis uns die Security-Leute freundlich zu verstehen gaben, dass wir endlich verschwinden sollten. (»Wir haben's euch doch schon vor einer Stunde gesagt, dass Schluss ist. Ihr seid die letzten.«)
Am Samstag ging's mir schlecht. So richtig. Kopfschmerzen und Übelkeit. Dabei hatte ich nicht so viel getrunken, nur einige Biere, die aber durcheinander. Ich fürchte, dass ich mit dem Medium Bier nicht mehr so viel anfangen kann.
Immerhin schmeckte der Wein am Samstag abend. Ganz muss ich die Hoffnung also doch nicht aufgeben ...
Also schnappte ich mir mein Rad und mein Ausgeh-Jackett und düste zum Karlsruher Schloss – die Bierbörse wartete. Als ich eintraf, tummelten sich schon viele Leute dort, geschätzt 80 bis 90 Prozent Männer, geschätzt 70 Prozent besoffen. Großartige Kulisse ... aber alles sehr lautstark und zugleich friedlich.
Wir tranken einige Biere, wir redeten viel dummes Zeugs, und wir saßen an einem Biertisch, bis uns die Security-Leute freundlich zu verstehen gaben, dass wir endlich verschwinden sollten. (»Wir haben's euch doch schon vor einer Stunde gesagt, dass Schluss ist. Ihr seid die letzten.«)
Am Samstag ging's mir schlecht. So richtig. Kopfschmerzen und Übelkeit. Dabei hatte ich nicht so viel getrunken, nur einige Biere, die aber durcheinander. Ich fürchte, dass ich mit dem Medium Bier nicht mehr so viel anfangen kann.
Immerhin schmeckte der Wein am Samstag abend. Ganz muss ich die Hoffnung also doch nicht aufgeben ...
03 September 2010
Carmen und ihre Sängerknaben
Die Arena in Verona ist richtig alt, fast zweitausend Jahre. Und ich habe sie am Freitag, 27. August 2010, zum wiederholten Mal besucht. Allerdings zum ersten Mal während einer Vorstellung.
Die hatte es in sich: Es wurde die Oper »Carmen« gegeben. Jetzt kann man mir alles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Fan von Opern wäre. Trotzdem hielt ich es gut dreieinhalb Stunden auf steinernen Stufen aus, dankenswerterweise mit einem Kissen unter dem Popo und ein bisschen Rotwein versorgt.
Es war schlicht beeindruckend. Die Sänger hatten keine Mikrofone, die Instrumente keine Verstärkung. Dennoch war alles in der gigantischen Arena zu hören, Tausende von Leuten saßen da und ließen sich beschallen.
Was auf der Bühne geboten wurde, war auch jenseits der Musik eindrucksvoll. Dutzende von Sängern, die als Soldaten und Schmuggler, Zigeuner und Marktfrauen und was auch immer verkleidet waren, stolzierten über die Bühne, dazwischen ritt man sogar mit einem Pferd durch das Gelände.
Für die einzelnen Akte wurde aufwendig umgebaut. Vom Marktplatz zur Schmugglerkneipe zum Versteck im Gebirge zur Zirkusarena – jedesmal ein anderes Bild, jedesmal eine andere Kulisse.
Ob die Musik gut gespielt war oder die Sängerleistungen überzeugten, kann ich nicht beurteilen. Die Sachverständigen im Publikum klatschten Beifall und schrien häufig ein »Bravo« durch die Arena – es schien gut gewesen zu sein.
Und als wir später noch einen Wein in einer Kneipe am Rand der Arena tranken, kam eine der Sängerin vorbei, und die Leute standen teilweise auf und spendeten ihr nochmals Beifall. War schon irgendwie cool ...
Die hatte es in sich: Es wurde die Oper »Carmen« gegeben. Jetzt kann man mir alles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Fan von Opern wäre. Trotzdem hielt ich es gut dreieinhalb Stunden auf steinernen Stufen aus, dankenswerterweise mit einem Kissen unter dem Popo und ein bisschen Rotwein versorgt.
Es war schlicht beeindruckend. Die Sänger hatten keine Mikrofone, die Instrumente keine Verstärkung. Dennoch war alles in der gigantischen Arena zu hören, Tausende von Leuten saßen da und ließen sich beschallen.
Was auf der Bühne geboten wurde, war auch jenseits der Musik eindrucksvoll. Dutzende von Sängern, die als Soldaten und Schmuggler, Zigeuner und Marktfrauen und was auch immer verkleidet waren, stolzierten über die Bühne, dazwischen ritt man sogar mit einem Pferd durch das Gelände.
Für die einzelnen Akte wurde aufwendig umgebaut. Vom Marktplatz zur Schmugglerkneipe zum Versteck im Gebirge zur Zirkusarena – jedesmal ein anderes Bild, jedesmal eine andere Kulisse.
Ob die Musik gut gespielt war oder die Sängerleistungen überzeugten, kann ich nicht beurteilen. Die Sachverständigen im Publikum klatschten Beifall und schrien häufig ein »Bravo« durch die Arena – es schien gut gewesen zu sein.
Und als wir später noch einen Wein in einer Kneipe am Rand der Arena tranken, kam eine der Sängerin vorbei, und die Leute standen teilweise auf und spendeten ihr nochmals Beifall. War schon irgendwie cool ...
Destiny Program machen fiesen MetalCore
Eigentlich mag ich keinen Metal, nicht einmal dann, wenn er sich als Hardcore tarnt. Da macht die Band Destiny Program aus Husum keine Ausnahme. Doch nachdem ich mir die aktuelle CD »Gathas« zweimal angehört hatte, gefiel wie mir doch ganz gut: Das ist wütender Brüllaffen-Gesang mit wuchtiger Gitarre, schwer wummerndem Bass und knalligem Schlagzeug, da stimmt musikalisch alles.
In den Stücken steckt brutal viel Wut und Hass, schlechte Laune und Energie – das machen die ziemlich gut. Textlich macht das ganze einen guten Eindruck: Es sind eher Hardcore- und weniger Metal-Aussagen, was mir gefällt.
Fan dieser Band werde ich nicht werden, dazu ist mir der Punkrock-Aspekt zu gering. Aber ich ziehe den Hut vor der Energie, mit der die Burschen ans Werk gehen: Das knallt gut. Und ich bin sicher, dass ich mir die CD demnächst mal auf der Autobahn zu Gemüte führen werden ... wenn's mal schnell gehen soll ...
In den Stücken steckt brutal viel Wut und Hass, schlechte Laune und Energie – das machen die ziemlich gut. Textlich macht das ganze einen guten Eindruck: Es sind eher Hardcore- und weniger Metal-Aussagen, was mir gefällt.
Fan dieser Band werde ich nicht werden, dazu ist mir der Punkrock-Aspekt zu gering. Aber ich ziehe den Hut vor der Energie, mit der die Burschen ans Werk gehen: Das knallt gut. Und ich bin sicher, dass ich mir die CD demnächst mal auf der Autobahn zu Gemüte führen werden ... wenn's mal schnell gehen soll ...
02 September 2010
Supersüß und superlecker
Italien-Kurztrip im August 2010
Falls es mich jemals wieder an den Gardasee verschlagen wird, werde ich dort auf jeden Fall nach Salò fahren. Die Stadt liegt superschön am See, und als wir am Montag, 30. August, durch ihre Straßen und Gassen bummelten, herrschten angenehme Temperaturen.
Wir steuerten die Pasticcerie Vassali an, die in der Via San Carlo liegt, einer schmalen Straße, die im Prinzip entlang des Seeufers führt und in der sich die Geschäfte aneinander reihen. Die Konditorei – um es auf gut deutsch zu sagen, ha! – sieht von außen sehr spießig aus, ein echtes »Oma-Café« also, in dem sich entsprechendes Publikum herumtreibt.
Man kann innen sitzen und Kaffee und Kuchen konsumieren, man kann sich aber auch auf der Straße an einen Tisch setzen. Wer mag, guckt sich die edle Weinhandlung im hinteren Raum ein. Oder er macht es wie wir: Man stelle sich an die Theke, bestaune die unglaublichen Leckereien, die es dort gibt, und freue sich eine Weile daran – dann kauft man nach einiger Zeit ein.
Wir fragten nicht nach dem Preis, zu verhandeln gab es mangels Sprachkenntnissen eh nicht viel. Aber wir kauften haufenweise »Kleingebäck« und Kuchenkram, das wir in den Stunden und Tagen danach mit wachsender Begeisterung verspeisten.
Italienische »Dolci« sind einfach lecker – und bei Vassalli in Salò schmecken sie besonders gut!
Falls es mich jemals wieder an den Gardasee verschlagen wird, werde ich dort auf jeden Fall nach Salò fahren. Die Stadt liegt superschön am See, und als wir am Montag, 30. August, durch ihre Straßen und Gassen bummelten, herrschten angenehme Temperaturen.
Wir steuerten die Pasticcerie Vassali an, die in der Via San Carlo liegt, einer schmalen Straße, die im Prinzip entlang des Seeufers führt und in der sich die Geschäfte aneinander reihen. Die Konditorei – um es auf gut deutsch zu sagen, ha! – sieht von außen sehr spießig aus, ein echtes »Oma-Café« also, in dem sich entsprechendes Publikum herumtreibt.
Man kann innen sitzen und Kaffee und Kuchen konsumieren, man kann sich aber auch auf der Straße an einen Tisch setzen. Wer mag, guckt sich die edle Weinhandlung im hinteren Raum ein. Oder er macht es wie wir: Man stelle sich an die Theke, bestaune die unglaublichen Leckereien, die es dort gibt, und freue sich eine Weile daran – dann kauft man nach einiger Zeit ein.
Wir fragten nicht nach dem Preis, zu verhandeln gab es mangels Sprachkenntnissen eh nicht viel. Aber wir kauften haufenweise »Kleingebäck« und Kuchenkram, das wir in den Stunden und Tagen danach mit wachsender Begeisterung verspeisten.
Italienische »Dolci« sind einfach lecker – und bei Vassalli in Salò schmecken sie besonders gut!
01 September 2010
»Magira 2010« mit Story von mir

Die aktuelle Ausgabe 2010 von »Magira - Jahrbuch zur Fantasy« ist dieser Tage bei mir eingetrudelt. Das Buch sieht richtig stark aus, und ich bin stolz darauf, mit einem Text darin veröffentlicht worden zu sein.
Die Erzählung heißt »Am Meer der Blitze« und hat meinen »Helden« Ghazir und seinen getreuen Diener Raimund Riemenschneider als Hauptfiguren. Wenn ich's mir genau überlege, sind sie auch die einzigen beiden Figuren in der Geschichte.
Auf Kritiken warte ich gespannt. Wahrscheinlich wird man den Text als »heftromanig« bezeichnen ... Das Jahrbuch ist übrigens gut 500 Seiten stark und kostet 15,90 Euro. Es ist über den eigenen Shop lieferbar. Weitere Informationen zum Inhalt sowie den Bestellmöglichkeiten gibt es auf der Homepage des Jahrbuches.
31 August 2010
Nur vier Tage
In der Nacht auf den Donnerstag, 26. August 2010, fuhren wir relativ spontan wieder einmal in den Süden. Diesmal ging's nicht nach Südfrankreich, sondern nach Norditalien. Ausführliche Berichte folgen, wenn ich Lust & Nerven dazu habe.
Nur soviel: Rund 1700 Kilometer wurden gefahren, es wurde superlecker gegessen, ich war tatsächlich in einer Oper, und es hat sehr viel Spaß gemacht. Und das Hotel war sensationell ...
Punkrock war das nicht, aber erholsam. Die Kombination hat's ausgemacht, inklusive des schönen Wetters. Mal einige Tage mit kurzer Hose rumlaufen - oder mit der Badehose in den Pool hüpfen und schwimmen. Das Wetter in Deutschland holte mich seitdem wieder gut auf den Boden der Tatsachen zurück.
Nur soviel: Rund 1700 Kilometer wurden gefahren, es wurde superlecker gegessen, ich war tatsächlich in einer Oper, und es hat sehr viel Spaß gemacht. Und das Hotel war sensationell ...
Punkrock war das nicht, aber erholsam. Die Kombination hat's ausgemacht, inklusive des schönen Wetters. Mal einige Tage mit kurzer Hose rumlaufen - oder mit der Badehose in den Pool hüpfen und schwimmen. Das Wetter in Deutschland holte mich seitdem wieder gut auf den Boden der Tatsachen zurück.
25 August 2010
Stiere und Flamingos
Rückblick auf die Südfrankreichreise im Juni 2010
Méjanes ist eigentlich keine Gemeinde und schon gar keine richtige Ansiedlung, auch wenn man den Ort auf guten Landkarten von Südfrankreich eingezeichnet sieht. Es handelt sich im wesentlichen um einen Reiterhof mitten in der Camargue, am Rand eines großen Binnensees gelegen – und natürlich mussten wir uns das mal anschauen.
Es gibt eine Arena, in der unblutige Stierkämpfe stattfinden, aber nur in der Saison. In einem Café kann man herumsitzen, Getränke konsumieren und etwas essen, aber das nahmen wir nicht in Anspruch. Stattdessen bummelten wir durch die Gegend.
Auf schmalen Wegen geht es durch das Gelände. Gras wuchert teils mannshoch, die Luft ist warm und würzig, und überall schwirren Insekten. Man geht auf festgestampfter Erde, die nach einem Regen sicher zu einem Morast wird.
Rechts und links sind Zäune mit Stacheldraht; sie sind aber auch nötig, denn hinter ihnen lagern große Stiere im Schatten von Bäumen und Büschen. Während wir vorbeigehen, dösen die Tiere aber nur gelangweilt vor sich hin; keine Gefahr.
Wasserratten schlüpfen durch Kanäle, in einem Gehege gammeln einige Warzenschweine – oder dergleichen – vor sich hin. Von Aussichtspunkten haben wir eine tolle Sicht über den See, auf Schwärme von Flamingos, die im Wasser stehen. Ein beeindruckendes Bild, das mich begeistert.
Als wir weiterfahren, behalte ich Méjanes in guter Erinnerung, ein sehr schöner Ort. Und ein Ort voller Insekten: Die Stiche plagen noch Tage danach ...
Méjanes ist eigentlich keine Gemeinde und schon gar keine richtige Ansiedlung, auch wenn man den Ort auf guten Landkarten von Südfrankreich eingezeichnet sieht. Es handelt sich im wesentlichen um einen Reiterhof mitten in der Camargue, am Rand eines großen Binnensees gelegen – und natürlich mussten wir uns das mal anschauen.
Es gibt eine Arena, in der unblutige Stierkämpfe stattfinden, aber nur in der Saison. In einem Café kann man herumsitzen, Getränke konsumieren und etwas essen, aber das nahmen wir nicht in Anspruch. Stattdessen bummelten wir durch die Gegend.
Auf schmalen Wegen geht es durch das Gelände. Gras wuchert teils mannshoch, die Luft ist warm und würzig, und überall schwirren Insekten. Man geht auf festgestampfter Erde, die nach einem Regen sicher zu einem Morast wird.
Rechts und links sind Zäune mit Stacheldraht; sie sind aber auch nötig, denn hinter ihnen lagern große Stiere im Schatten von Bäumen und Büschen. Während wir vorbeigehen, dösen die Tiere aber nur gelangweilt vor sich hin; keine Gefahr.
Wasserratten schlüpfen durch Kanäle, in einem Gehege gammeln einige Warzenschweine – oder dergleichen – vor sich hin. Von Aussichtspunkten haben wir eine tolle Sicht über den See, auf Schwärme von Flamingos, die im Wasser stehen. Ein beeindruckendes Bild, das mich begeistert.
Als wir weiterfahren, behalte ich Méjanes in guter Erinnerung, ein sehr schöner Ort. Und ein Ort voller Insekten: Die Stiche plagen noch Tage danach ...
24 August 2010
Zwei Polizisten in der Camargue
Rückblick auf die Südfrankreichreise im Juni 2010
Die Straßen in der Camargue flimmerten in der Mittagssonne, rechts und links erhob sich meterhoch das Gras. Flamingos zogen in Schwärmen über das Land, und die durch die geöffneten Fenster eindringende Luft roch würzig. Ich genoss es, mit dem Auto durch die südfranzösische Region zu fahren.
Nur die ältere Dame vor mir nervte. Sie fuhr mit Tempo 60 über teilweise kerzengerade Straßen. Überholen konnte ich nicht, weil immer wieder Gegenverkehr kam. Ich wollte gar nicht rasen, hätte es aber gut gefunden, 80 oder 90 Stundenkilometer zu fahren – schließlich wollten wir an dem Tag noch bis nach Cannes kommen.
Als wir langsam auf einen Kreisverkehr zurollten, witterte ich meine Chance. Ich ignorierte die Tatsache, dass eine durchgezogene Linie eindeutig das Überholen verbot, setzte den Blinker und fuhr zügig an der Dame vorüber.
Erst als ich wieder auf die rechte Seite kam, bemerkte ich das Fahrzeug am Straßenrand – und den Polizisten, der auf einmal auf der Straße stand und mich herauswinkte ... Schön blöd. Zwei junge Polizisten, ein Mann und eine Frau, verhörten mich streng und in sehr sauberem Französisch.
Man belehrte mich über die Geschwindigkeitsbegrenzung, über die zu erwartende Strafe und die Punkte, die man auch in Flensburg bekäme. Meine Papiere wurden strengstens kontrolliert, mehrmals wurde der Finger streng erhoben. Ich stellte mich ein wenig blöder als normal und tat so, als verstünde ich nur zehn Prozent.
Mit der Dummheitsmasche hatte ich Glück. Unter vielen Mahnungen (»doucement, Monsieur!«) durfte ich weiterfahren – und ich sah mich schon in einem südfranzösischen Knast schmoren ...
Die Straßen in der Camargue flimmerten in der Mittagssonne, rechts und links erhob sich meterhoch das Gras. Flamingos zogen in Schwärmen über das Land, und die durch die geöffneten Fenster eindringende Luft roch würzig. Ich genoss es, mit dem Auto durch die südfranzösische Region zu fahren.
Nur die ältere Dame vor mir nervte. Sie fuhr mit Tempo 60 über teilweise kerzengerade Straßen. Überholen konnte ich nicht, weil immer wieder Gegenverkehr kam. Ich wollte gar nicht rasen, hätte es aber gut gefunden, 80 oder 90 Stundenkilometer zu fahren – schließlich wollten wir an dem Tag noch bis nach Cannes kommen.
Als wir langsam auf einen Kreisverkehr zurollten, witterte ich meine Chance. Ich ignorierte die Tatsache, dass eine durchgezogene Linie eindeutig das Überholen verbot, setzte den Blinker und fuhr zügig an der Dame vorüber.
Erst als ich wieder auf die rechte Seite kam, bemerkte ich das Fahrzeug am Straßenrand – und den Polizisten, der auf einmal auf der Straße stand und mich herauswinkte ... Schön blöd. Zwei junge Polizisten, ein Mann und eine Frau, verhörten mich streng und in sehr sauberem Französisch.
Man belehrte mich über die Geschwindigkeitsbegrenzung, über die zu erwartende Strafe und die Punkte, die man auch in Flensburg bekäme. Meine Papiere wurden strengstens kontrolliert, mehrmals wurde der Finger streng erhoben. Ich stellte mich ein wenig blöder als normal und tat so, als verstünde ich nur zehn Prozent.
Mit der Dummheitsmasche hatte ich Glück. Unter vielen Mahnungen (»doucement, Monsieur!«) durfte ich weiterfahren – und ich sah mich schon in einem südfranzösischen Knast schmoren ...
23 August 2010
Vom Essen und der Moral
Sonntag nachmittag, Kaffeezeit, im Garten bei netten Leuten, am Rand einer Kleinstadt im Schwäbischen: Der Kuchen schmeckt, die Sonne brennt, die Gespräche sind okay, und alle genießen den ruhigen Sonnentag. Auch die Katze, die auf einmal vorbeirennt und irgendwie verspielt wirkt.
Sie spielt ... mit einer Maus. Das kleine Tier, das zu allem Überfluss sehr jung wirkt, wird in die Luft geschleudert und wieder eingefangen, angestoßen und wieder eingefangen. Und es quiekt vor Entsetzen und Todesangst.
Ich bin auf dem Dorf groß geworden, da macht das nicht so viel aus. Vegetarismus hin oder her, Katzen jagen nun mal Mäuse, und richtig freundlich gehen sie mit denen nicht um. Also lade ich mir noch einmal Schlagsahne auf den Apfelkuchen.
Die anderen sind sensibler. »Ich kann keinen Kuchen essen, wenn nebenan ein Tier gequält wird«, tönt es von nebenan. Ich kann's verstehen und warte höflich ab. Irgendwann wird die blöde Katze entweder mit der Maus verschwinden oder sie futtern.
Das tut die Katze nicht. Demonstrativ spielt sie weiter. Wahrscheinlich erwartet sie hinterher ein fettes Lob für den Kampf an der Schädlingsfront. Und eine Extraladung »Brekkies« oder wie das Zeugs heißt.
Kurze Zeit danach erbarmt sich jemand. Die Maus wird der Katze weggenommen; sie sieht zersaust aus, aber ansonsten noch heil. Vorsichtig wird sie am Schwanz hochgehalten und durchs Wohnzimmer getragen. Auf der anderen Seite des Hauses gibt es auch Garten, dort wird sie unter einem Gebäusch sorgsam und in Sicherheit platziert.
Die Katze ist noch eine Stunde danach völlig konsterniert und sucht überall verzweifelt nach der Maus. Wahrscheinlich schämt sie sich. Und ich bin froh: Jetzt kann ich endlich ohne Gewissensbisse weiter schmausen.
Sie spielt ... mit einer Maus. Das kleine Tier, das zu allem Überfluss sehr jung wirkt, wird in die Luft geschleudert und wieder eingefangen, angestoßen und wieder eingefangen. Und es quiekt vor Entsetzen und Todesangst.
Ich bin auf dem Dorf groß geworden, da macht das nicht so viel aus. Vegetarismus hin oder her, Katzen jagen nun mal Mäuse, und richtig freundlich gehen sie mit denen nicht um. Also lade ich mir noch einmal Schlagsahne auf den Apfelkuchen.
Die anderen sind sensibler. »Ich kann keinen Kuchen essen, wenn nebenan ein Tier gequält wird«, tönt es von nebenan. Ich kann's verstehen und warte höflich ab. Irgendwann wird die blöde Katze entweder mit der Maus verschwinden oder sie futtern.
Das tut die Katze nicht. Demonstrativ spielt sie weiter. Wahrscheinlich erwartet sie hinterher ein fettes Lob für den Kampf an der Schädlingsfront. Und eine Extraladung »Brekkies« oder wie das Zeugs heißt.
Kurze Zeit danach erbarmt sich jemand. Die Maus wird der Katze weggenommen; sie sieht zersaust aus, aber ansonsten noch heil. Vorsichtig wird sie am Schwanz hochgehalten und durchs Wohnzimmer getragen. Auf der anderen Seite des Hauses gibt es auch Garten, dort wird sie unter einem Gebäusch sorgsam und in Sicherheit platziert.
Die Katze ist noch eine Stunde danach völlig konsterniert und sucht überall verzweifelt nach der Maus. Wahrscheinlich schämt sie sich. Und ich bin froh: Jetzt kann ich endlich ohne Gewissensbisse weiter schmausen.
22 August 2010
Ein genialer Autor wird 90
Eines der Highlights beim letzten Science-Fiction-WorldCon, den ich besucht habe, war die Rede, die Ray Bradbury hielt (komplett frei und absolut unterhaltsam) und die »standing ovations«, die der alte Mann hinterher bekam. Am heutigen Sonntag, 22. August 2010, wird Ray Bradbury sage und schreibe neunzig Jahre alt.
Wenn es einen Schriftsteller gibt, den ich seit vielen Jahren bewundere, ist es Bradbury. Er hat mit »Fahrenheit 451« einen absoluten Klassiker der Science Fiction geschrieben, der im Gegensatz zu vielen anderen Klassikern auch heute noch lesbar ist. Und mit seinen »Mars-Chroniken« hat er dem Gedanken, auf den Mars auszuwandern, eine literarische und zugleich phantastische Note verliehen.
Am besten fand ich immer seine Kurzgeschichten. Die Sammlung »Der illustrierte Mann« hielt ich im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte immer wieder in der Hand; die Geschichten darin kann man immer mal wieder lesen, und sie bleiben einfach gut.
Er war nie »nur« ein Science-Fiction-Autor, ganz im Gegenteil: Er kam zwar aus der phantastischen Literatur, und die Phantastik spielte immer eine Rolle in seinem schaffen – aber er schrieb zeitlose Literatur, die zum Besten gehört, was im zwanzigsten Jahrhundert veröffentlicht wurde.
Es wird wohl Zeit, dass ich erneut einen seiner Romane lese. Oder mich in die Kurzgeschichten vertiefe. Bradbury wird neunzig – ein großer alter Mann feiert einen hohen Geburtstag. (Mag sein, dass es Blasphemie ist, aber ich muss zu der Gelegenheit das wunderbare Lied »Fuck Me, Ray Bradbury« anhören ...)
Wenn es einen Schriftsteller gibt, den ich seit vielen Jahren bewundere, ist es Bradbury. Er hat mit »Fahrenheit 451« einen absoluten Klassiker der Science Fiction geschrieben, der im Gegensatz zu vielen anderen Klassikern auch heute noch lesbar ist. Und mit seinen »Mars-Chroniken« hat er dem Gedanken, auf den Mars auszuwandern, eine literarische und zugleich phantastische Note verliehen.
Am besten fand ich immer seine Kurzgeschichten. Die Sammlung »Der illustrierte Mann« hielt ich im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte immer wieder in der Hand; die Geschichten darin kann man immer mal wieder lesen, und sie bleiben einfach gut.
Er war nie »nur« ein Science-Fiction-Autor, ganz im Gegenteil: Er kam zwar aus der phantastischen Literatur, und die Phantastik spielte immer eine Rolle in seinem schaffen – aber er schrieb zeitlose Literatur, die zum Besten gehört, was im zwanzigsten Jahrhundert veröffentlicht wurde.
Es wird wohl Zeit, dass ich erneut einen seiner Romane lese. Oder mich in die Kurzgeschichten vertiefe. Bradbury wird neunzig – ein großer alter Mann feiert einen hohen Geburtstag. (Mag sein, dass es Blasphemie ist, aber ich muss zu der Gelegenheit das wunderbare Lied »Fuck Me, Ray Bradbury« anhören ...)
21 August 2010
Finsterer Fantasy-Comic

Ich mag Fantasy-Comics, und ich habe auch keinerlei Problem damit, wenn die mal ein bisschen derber sind als das neuerdings so moderne Kuschel- Zeugs. Mit der neuen Serie »Arawn« haben die Kollegen im Splitter-Verlag jetzt ein Ding gestartet, das ich noch nicht richtig einschätzen kann.
Im ersten Album mit dem Titel »Bran der Verdammte« geht's um den Unterweltskönig Arawn, der auf dem Thron der Hölle sitzt, mit dem Kopf eines Toten spricht und sich an seine Kindheit erinnert. Die war ziemlich finster, denn er ist der Sohn einer Vergewaltigung, wuchs unter Wölfen auf und erkämpfte sich seine Macht als König eines kleinen Reiches durch fiese Brutalität.
Im zweiten Band mit dem Titel »Blutsbande« entwickeln sich die Konflikte zwischen Arawn und seinen drei Brüdern. Nach einer Prophezeiung ist nur einer von den vieren dazu ausersehen, wirklich der oberste König zu werden – also rutschen sie in einen blutigen Krieg.
Klingt nicht sonderlich originell, ist von der Erzählung her auch nicht umwerfend. Die Story, die Ronan Le Breton erzählt, hat man in der Form schon öfter gehört – sie ist hier aber noch eine Spur brutaler.
Dazu der Stil von Sebastien Grenier: Die Bilder sind Gemälde, sie sehen aus, als hätte jemand mit fetten Ölfarben einen Comic gemalt. Schlachten und Kämpfe, Blutspritzer und verzerrte Gesichter, faszinierende Landschaften und düstere Städte – das ist nicht unbedingt mein Geschmack, sieht aber stark aus. Guckt euch die Leseprobe auf der Splitter-Homepage an!
So bleibt unterm Strich ein Comic, mit dem ich noch nicht »warm« geworden bin, der mir außer heftigen Kämpfen bisher nichts bietet, das mich so richtig anspricht. Gleichzeitig aber bin ich durchaus angetan von der Konsequenz, mit der die beiden Franzosen ihr Ding durchziehen.
Auf die Fortsetzung bin ich gespannt, Fan werde ich wohl keiner ...
20 August 2010
Seltsame Mailwechsel
Manche Menschen verwundern mich. In den letzten Tagen hatte ich mit jemanden einen Mailwechsel, den ich früher für einen »stramm links« stehenden Menschen hielt, für jemanden, der Grundsätze hat.
Diese Grundsätze scheint dieser Mensch jetzt zu verletzen, ohne dass ich in dieser Frage zu sehr ins Detail gehen möchte. Und deshalb schrieb ich ihn an, verwies darauf, dass man mit Menschen aus dem rechtsradikalen Umfeld doch idealerweise keine Geschäfte machen sollte.
Dagegen verwehrte er sich: »Bei den Nazis im 3. Reich hieß das, was du jetzt machst, Sippenhaftung«, schrieb er. Ein Vorwurf, der mich irritierte. Aber zur Antifa hat der Mensch auch eine seltsame Meinung.
Er sei »die Antifa«, so schrieb er: »nicht die schwarz maskierten Steinewerfer und Autoanzünder, die sich rotzfrech so nennen«. Da hat wohl jemand das eine oder andere verwechselt, fürchte ich ...
Diese Grundsätze scheint dieser Mensch jetzt zu verletzen, ohne dass ich in dieser Frage zu sehr ins Detail gehen möchte. Und deshalb schrieb ich ihn an, verwies darauf, dass man mit Menschen aus dem rechtsradikalen Umfeld doch idealerweise keine Geschäfte machen sollte.
Dagegen verwehrte er sich: »Bei den Nazis im 3. Reich hieß das, was du jetzt machst, Sippenhaftung«, schrieb er. Ein Vorwurf, der mich irritierte. Aber zur Antifa hat der Mensch auch eine seltsame Meinung.
Er sei »die Antifa«, so schrieb er: »nicht die schwarz maskierten Steinewerfer und Autoanzünder, die sich rotzfrech so nennen«. Da hat wohl jemand das eine oder andere verwechselt, fürchte ich ...
19 August 2010
Im künstlichen Port Camargue
Rückblick auf die Südfrankreichreise 2010
Im Reiseführer fand ich so gut wie nichts über die Ansiedlung namens Port Camargue; sie wurde als »Retortenstadt« geschmäht und damit abgehakt. Dafür bot sich dort ein Hotel an, das im Internet verführerisch aussah und das wir kurzerhand buchten.
Port Camargue ist in der Tat eine Retortenstadt, eine künstliche Ansiedlung par excellence, errichtet auf zahlreichen Buchten und Halbinseln, die man am Mittelmeerstrand aufgeschüttet hat. Es gibt einen weit angelegten Badestrand, der sich bis zur Nachbarstadt Le-Grau-de-Roi erstreckt, bei unserem Besuch aber nur wenig genutzt wurde, und es gibt zahlreiche Anlegemöglichkeiten für Jachten.
Auf den Halbinseln stehen Wochenendvillen, Appartementhäuser und wenige Hotels, nichts davon sieht alt aus, viele davon wirkten im Frühsommer noch leer. Die meist französischen Besitzer wohnen dort nur in den Ferien, wie man mir sagte, wenn sie aus Paris oder anderen Städten des Nordens in die Camargue kommen, um dort zu urlauben.
Entlang der Buchten sitzen die Angler und halten ihre Ruten ins Wasser, abends und nachts gern auch mithilfe von Lampen. Spaziert man auf den hölzernen Stegen oder geteerten Wegen entlang des Meeres, ist es merkwürdig still. Das Wasser klatscht leise gegen das Ufer, gelegentlich hört man Seevögel, und das Meer ist flach und grau.
Restaurants gibt's nicht viele; wer essen möchte, geht entweder nach Le-Grau-de-Roi oder direkt nach Aigues-Mortes. In Port Camargue übernachtet man, dort lässt man seine Jacht, und dort vergammelt man die Tage.
Ich war gern in Port Camargue und würde da sofort wieder hin. Ohne Fahrzeug ist man aufgeschmissen, aber das wusste ich im voraus. Man hat seine Ruhe, das Klima ist super, und die vielen Insekten muss man eben ertragen.
Wer in einem kleinen Hotel auf einer der Halbinseln sitzt, steckt auf jeden Fall mitten in der touristischen Infrastruktur und ist dennoch weit genug davon entfernt. Gar nicht mal doof.
Im Reiseführer fand ich so gut wie nichts über die Ansiedlung namens Port Camargue; sie wurde als »Retortenstadt« geschmäht und damit abgehakt. Dafür bot sich dort ein Hotel an, das im Internet verführerisch aussah und das wir kurzerhand buchten.
Port Camargue ist in der Tat eine Retortenstadt, eine künstliche Ansiedlung par excellence, errichtet auf zahlreichen Buchten und Halbinseln, die man am Mittelmeerstrand aufgeschüttet hat. Es gibt einen weit angelegten Badestrand, der sich bis zur Nachbarstadt Le-Grau-de-Roi erstreckt, bei unserem Besuch aber nur wenig genutzt wurde, und es gibt zahlreiche Anlegemöglichkeiten für Jachten.
Auf den Halbinseln stehen Wochenendvillen, Appartementhäuser und wenige Hotels, nichts davon sieht alt aus, viele davon wirkten im Frühsommer noch leer. Die meist französischen Besitzer wohnen dort nur in den Ferien, wie man mir sagte, wenn sie aus Paris oder anderen Städten des Nordens in die Camargue kommen, um dort zu urlauben.
Entlang der Buchten sitzen die Angler und halten ihre Ruten ins Wasser, abends und nachts gern auch mithilfe von Lampen. Spaziert man auf den hölzernen Stegen oder geteerten Wegen entlang des Meeres, ist es merkwürdig still. Das Wasser klatscht leise gegen das Ufer, gelegentlich hört man Seevögel, und das Meer ist flach und grau.
Restaurants gibt's nicht viele; wer essen möchte, geht entweder nach Le-Grau-de-Roi oder direkt nach Aigues-Mortes. In Port Camargue übernachtet man, dort lässt man seine Jacht, und dort vergammelt man die Tage.
Ich war gern in Port Camargue und würde da sofort wieder hin. Ohne Fahrzeug ist man aufgeschmissen, aber das wusste ich im voraus. Man hat seine Ruhe, das Klima ist super, und die vielen Insekten muss man eben ertragen.
Wer in einem kleinen Hotel auf einer der Halbinseln sitzt, steckt auf jeden Fall mitten in der touristischen Infrastruktur und ist dennoch weit genug davon entfernt. Gar nicht mal doof.
18 August 2010
Mitreißendes Buch über mitreisende Menschen

In den frühen 80er Jahren reiste ich mit großer Begeisterung »mit dem Daumen« durch Deutschland und das angrenzende Europa. Das Trampen machte mir einen riesigen Spaß: Ich kam preisgünstig herum, ich lernte viele Leute kennen, und ich sammelte viele Erfahrungen – meist sehr positiver Natur. Allerdings wäre ich nicht auf die Idee gekommen, mich auf einen Güterzug zu schwingen und illegalerweise als »Zug-Tramp« durch die Gegend zu reisen.
Das scheint eher ein amerikanisches Thema zu sein: Die sogenannten Hobos gehören dort gewissermaßen zur Folklore, werden in Liedern besungen und in Büchern thematisiert. Wer mit den Zügen reist, steht so in der Tradition von Cowboys und anderen amerikanischen Helden.
Der Schriftsteller Lucius Shepard, den ich vor allem wegen seiner Science-Fiction-Kurzgeschichten schätze, nahm sich dieses Themas an: Er verfasste eine umfangreiche Reportage über die Hobos, ebenso schrieb er sowohl eine Novelle als auch eine Kurzgeschichte zum Thema.
Zusammengefasst erschien dies in der Edition Phantasia unter dem Titel »Hobo Nation«; ich finde das Buch absolut klasse. Nicht nur wegen der Gestaltung – Hardcover mit Schutzumschlag –, sondern vor allem wegen des Inhalts. Shepard ist ein hervorragender Autor, und auch als Journalist überzeugt er: Er beobachtet genau, er notiert mit bestechender Schärfe, und er schafft es, solche Sprachbilder zu erzeugen, die beim Leser hängen bleiben und ihm einen klaren Eindruck vermitteln.
Nicht nur für Science-Fiction-Fans eine echte Empfehlung! Das 208 Seiten kosten 19 Euro, was nicht wenig ist, angesichts der geringen Verkaufserwartungen für das Buch aber völlig nachvollziehbar wird. Lohnt sich! (Die ISBN ist 978-3-937897-29-5.) Der Verlag hat eine Leseprobe auf seiner Homepage.
Übrigens hat das Buch seinen Punkrock-Anteil: Viele der heutigen Hobos rekrutieren sich aus den Reihen junger Punks. »schmutzige Jungs und Märchen mit Piercings und Tattoos« nennt sie der Autor in einer Szene, in der sie als Gruppe einen fahrenden Zug entern.
Subversivos aus Brasilien
Der Durchschnittsdeutsche muss erst einmal schauen, wo die Stadt Recife liegt. Das ging mir genauso, und ich fand die Stadt im Nordosten von Brasilien, quasi an der Stelle des Landes, die am weitesten nach Osten guckt. Und von dort kommt eine fünfköpfige Punkrock-Band, die sich Subversivos nennt und deren Platte »Lokomotiva Proletaria« mir jetzt vorliegt.
Fünfmal flotter Punkrock ist auf der EP enthalten, die Texte sind in brasilianisch, und ich verstehe kein Wort. Das ist alles sehr schwungvoll, macht Spaß und geht gut ins Ohr – schön!
Dankenswerterweise gibt's auf dem Beiblatt eine Übersetzung ins Englische, und die macht mir klar, dass die Band klare Aussagen hat, sich politisch gegen die Herrschenden stellt und auch ein Klassenbewusstsein aufweist. Workingclass Punkrock gewissermaßen, das also, was Oi! in seiner ursprünglichen Frühphase ja auch mal war und hatte. Und spätestens dann wird mir die Band sogar richtig sympathisch.
Wer auf klassischen Punk steht, wird diese Band lieben. Und ich würde sie wirklich sehr gern mal sehen – da interessiert's dann doch, wie der Sound auf der Bühne rüberkommt.
Fünfmal flotter Punkrock ist auf der EP enthalten, die Texte sind in brasilianisch, und ich verstehe kein Wort. Das ist alles sehr schwungvoll, macht Spaß und geht gut ins Ohr – schön!
Dankenswerterweise gibt's auf dem Beiblatt eine Übersetzung ins Englische, und die macht mir klar, dass die Band klare Aussagen hat, sich politisch gegen die Herrschenden stellt und auch ein Klassenbewusstsein aufweist. Workingclass Punkrock gewissermaßen, das also, was Oi! in seiner ursprünglichen Frühphase ja auch mal war und hatte. Und spätestens dann wird mir die Band sogar richtig sympathisch.
Wer auf klassischen Punk steht, wird diese Band lieben. Und ich würde sie wirklich sehr gern mal sehen – da interessiert's dann doch, wie der Sound auf der Bühne rüberkommt.
17 August 2010
Ein interessanter Mensch
Ich gestehe, dass ich bis vor wenigen Tagen nicht wusste, wer Florian Ulrich Stöhr ist. Das hat sich geändert, und seither habe ich eine gewisse Faszination für den jungen Mann entwickelt, der schon über 20.000 Euro für Schönheitsoperationen ausgegeben hat, als Beruf ernsthaft »Model & Jet-Setter« angibt und bei einer Körpergröße von 1,80 Metern gerade mal 59 Kilo wiegt.
(Das ist schon sehr schlank. Okay, er hat sich auch eine Rippe entfernen und den Magen verkleinern lassen, damit's klappt.)
Der junge Mann aus wohlhabendem Haus bemerkte schnell, dass er keine Lust auf arbeiten hat. Nachvollziehbare Begründung: »es ist schöner Dienstleistungen zu empfangen als sie zu geben«. Stattdessen kümmerte er sich um seine Karriere, stellte sich auf den roten Teppich und wurde offensichtlich ein sogenannter Promi. Dass ich noch nichts von ihm gehört habe, liegt daran, dass ich die einschlägigen Fernsehsendungen nicht angucke und die richtigen Hefte nicht lese.
»Viele kennen mich als Partymensch und mit meinem Champagnergläschen«, schreibt er auf seiner empfehlenswerten Homepage über sich selbst. Er sei aber auch ein engagierter Mensch und unterstütze allerlei Hilfsprojekte.
Alles in allem klingt das nach einem spannenden, abwechslungsreichen und absolut nachahmenswerten Leben. Da sage ich fröhlich »Daumen hoch!« und wünsche nur das beste. Übrigens will er sich Implantate in den Hintern einsetzen lassen. Da werde ich dann – nachdem ich den Daumen erst gehoben habe – ihm eifrig die Daumen drücken, dass alles gut klappt und die Karriere weiterhin so toll verläuft.
(Das ist schon sehr schlank. Okay, er hat sich auch eine Rippe entfernen und den Magen verkleinern lassen, damit's klappt.)
Der junge Mann aus wohlhabendem Haus bemerkte schnell, dass er keine Lust auf arbeiten hat. Nachvollziehbare Begründung: »es ist schöner Dienstleistungen zu empfangen als sie zu geben«. Stattdessen kümmerte er sich um seine Karriere, stellte sich auf den roten Teppich und wurde offensichtlich ein sogenannter Promi. Dass ich noch nichts von ihm gehört habe, liegt daran, dass ich die einschlägigen Fernsehsendungen nicht angucke und die richtigen Hefte nicht lese.
»Viele kennen mich als Partymensch und mit meinem Champagnergläschen«, schreibt er auf seiner empfehlenswerten Homepage über sich selbst. Er sei aber auch ein engagierter Mensch und unterstütze allerlei Hilfsprojekte.
Alles in allem klingt das nach einem spannenden, abwechslungsreichen und absolut nachahmenswerten Leben. Da sage ich fröhlich »Daumen hoch!« und wünsche nur das beste. Übrigens will er sich Implantate in den Hintern einsetzen lassen. Da werde ich dann – nachdem ich den Daumen erst gehoben habe – ihm eifrig die Daumen drücken, dass alles gut klappt und die Karriere weiterhin so toll verläuft.
16 August 2010
Pikes klingen fast wie The Jam
Vergleiche von heutigen Bands mit Bands aus früheren Jahrzehnten sind häufig unfair: Man kann einem heutigen Musiker kaum vorwerfen, dass er sich an einer alten Stilrichtung orientiert. Im Fall der Berliner Band The Pikes kommt mir aber sofort der Vergleich zu The Jam in den Sinn, und das ist weder negativ noch abwertend gemeint.
Ganz im Gegenteil: Die vier Berliner schaffen es in gelungener Art und Weise, den Mod-Spirit der ausgehenden siebziger Jahre in die heutige Zeit zu übertragen. Das macht Laune, das macht Spaß, das kann ich mir auch live auf der Bühne vorstellen.
Auf der ersten Platte, die den hübschen Namen »No-Name Street« trägt (als CD und als Mini-LP erschienen), gibt's gleich sechs Stücke: nicht punkig, aber ungestüm nach vorne losgehende Gitarren-Musik, stets melodiös und stets voller Energie. Und es riecht nicht mal nach Vergangenheitsbeweihräucherung, sondern nach eigenem Spaß und einem vernünftigen Blick aufs Hier und Heute. Cool.
Ganz im Gegenteil: Die vier Berliner schaffen es in gelungener Art und Weise, den Mod-Spirit der ausgehenden siebziger Jahre in die heutige Zeit zu übertragen. Das macht Laune, das macht Spaß, das kann ich mir auch live auf der Bühne vorstellen.
Auf der ersten Platte, die den hübschen Namen »No-Name Street« trägt (als CD und als Mini-LP erschienen), gibt's gleich sechs Stücke: nicht punkig, aber ungestüm nach vorne losgehende Gitarren-Musik, stets melodiös und stets voller Energie. Und es riecht nicht mal nach Vergangenheitsbeweihräucherung, sondern nach eigenem Spaß und einem vernünftigen Blick aufs Hier und Heute. Cool.
Mehr als tausend Texte
Dieser Tage recherchierte ich im Internet nach einem Autor und stieß auf die Seite »Bibliographie deutschsprachiger Science Fiction-Stories und Bücher«, die mich mit ihrem Umfang und ihrer Detailfülle buchstäblich umhaute. Christian Pree, so heißt der Macher, hat unglaublich viel Material zusammengetragen, darunter so viele Details, von denen ich nichts wusste, dass ich echt begeistert bin.
Dabei stapelt er in seinem Vorwort auch noch reichlich tief: »Diese Bibliographie enthält schon einen sehr großen Teil der erschienenen Werke, aber eins ist auch klar: Absolut vollständig ist sie nicht.« Logisch ist sie das nicht - aber bemerkenswert bleibt die Zusammenstellung trotzdem.
Ich sehe es, wenn ich meinen eigenen Namen und den darunter befindlichen Eindruck anschaue. Laut dieser Aufzählung habe ich 63 Stories und sieben Bücher veröffentlicht, dazu 45 Bücher herausgegeben. Ganz zu schweigen von 1062 Artikeln, die ich geschrieben habe.
Weia. Ich habe das nicht nachgeprüft. Aber ich habe ewig lang in den Einträgen herum geklickt und Dinge gefunden, die ich seit vielen Jahren vergessen habe ... Hammer!
Dabei stapelt er in seinem Vorwort auch noch reichlich tief: »Diese Bibliographie enthält schon einen sehr großen Teil der erschienenen Werke, aber eins ist auch klar: Absolut vollständig ist sie nicht.« Logisch ist sie das nicht - aber bemerkenswert bleibt die Zusammenstellung trotzdem.
Ich sehe es, wenn ich meinen eigenen Namen und den darunter befindlichen Eindruck anschaue. Laut dieser Aufzählung habe ich 63 Stories und sieben Bücher veröffentlicht, dazu 45 Bücher herausgegeben. Ganz zu schweigen von 1062 Artikeln, die ich geschrieben habe.
Weia. Ich habe das nicht nachgeprüft. Aber ich habe ewig lang in den Einträgen herum geklickt und Dinge gefunden, die ich seit vielen Jahren vergessen habe ... Hammer!
14 August 2010
Detektive, Druiden und Killer

Aberystwyth gibt's wirklich: Es handelt sich bei der Stadt mit dem zungenbrecherischen Namen um eine wirklich existierende Stadt in Wales, also an der britischen Westküste. Dort siedelt der Autor Malcolm Pryce seine Krimis an, von denen bisher vier in englischer Sprache erschienen sind. Im deutschen Shayol-Verlag, der sich sonst vor allem auf Science Fiction konzentriert, wurden zwei davon publiziert.
Das passt ganz gut, denn das Aberystwyth, das im Erstlingsroman »Aberystwyth mon amour« als Kulisse für die reichlich abgefahrene Handlung dient, unterscheidet sich in einigen Punkten vom Original: In dem Roman gibt's nämlich Druiden, die das Leben in der Stadt unter Kontrolle haben, es gibt Hexen, die auch getestet werden, und es gibt vor allem eine Kolonialvergangenheit. Wales hatte nämlich Kolonien in Patagonien, die sich nach einem blutigen Krieg für unabhängig erklärt haben.
Anders gesagt: Der Autor nimmt eine reale Stadt, frischt die mit haufenweise phantastischen Ideen auf und lässt vor diesem Hintergrund einen chaotischen Detektiv ermitteln. Der Mann heißt Louie Knight, ist eindeutig nach dem Vorbild klassischer Detektive wie Marlowe gestaltet und rutscht von einer schwierigen Situation in die nächste.
Frauen begleiten seinen Weg: die rotzige Schülerin Calamity Jane, die Sängerin Myfanwy Montez oder die eifrige Putzfrau Mrs. Llantrisant. Und dann stolpert er über eine Leiche nach der anderen, wird von der Polizei verdroschen und kommt einer Intrige auf die Spur, die mit der Vergangenheit zusammenhängt und die ihn das Leben kosten wird.
Es ist wenig sinnvoll, den Inhalt des Romans nachzuerzählen. Ich brauchte einige Zeit, um ins Thema reinzukommen, dann aber packte es mich – trotz der zungenbrecherischen Namen und der zahlreichen schrägen Anspielungen.
Der Roman ist klasse, und er macht von Seite zu Seite mehr Spaß. Dass er in der Reihe »funny crimes« herausgekommen ist, passt. Genausogut hätte man ihn in einer Reihe namens »funny fantasy« publizieren können. Sehr schön!
Den Roman gibt's direkt beim Golkonda-Verlag, der das Programm von Shayol übernommen hat, und wer schräges Zeugs mag, sollte hier glatt zugreifen.
13 August 2010
Christian Death
Okay, wer sich auskennt, der weiß, daß diese Band von Rikk Agnew mitbegründet worden ist, der vor allem mit knallendem California-Hardcore von sich reden machte. Aber bei Christian Death machten er und seine Mitmusiker, die allesamt unter seltsamen Pseudonymen auftraten, vor allem düsteren Wave-Sound; man kann gerne auch Art Rock dazu sagen. Ich besitze nur die Platte »Ashes«, die 1985 herauskam und im Laufe der Jahre immer mal wieder zur Unterstreichung negativer Stimmungslagen herhalten mußte; da war Rikk Agnew schon nicht mehr dabei, wenn ich mich nicht irre.
Es gibt nervöse Stücke wie »Face« darauf, die schon punkig sind, deren Schlagzeug schnell durch das Stück eilt. Das Titelstück selbst und einige andere Songs wirken eher wie Hörspiele, mit hohen Frauenstimmen und schleppendem Gitarrengezirpe, wodurch der langsame Gesang noch faszinierender klingt. Herausragend aber das Stück »Lament«, das deutschen und englischen Text besitzt und eine Wehklage zum Thema Krieg enthält.
Die Band arbeitete sich generell oft an dem Thema Krieg ab, was sich am schön gestalteten Beiheft zur LP zeigt. Dabei blieb man nicht an der Oberfläche und beschreibt die Greuel, wie es Metal-Bands gerne tun, sondern hielt dem Zuhörer einen unterkühlten Spiegel vor, der – Interesse vorausgesetzt – zur Auseinandersetzung mit Kirche, Krieg und dem Menschsein zwang.
Es gibt nervöse Stücke wie »Face« darauf, die schon punkig sind, deren Schlagzeug schnell durch das Stück eilt. Das Titelstück selbst und einige andere Songs wirken eher wie Hörspiele, mit hohen Frauenstimmen und schleppendem Gitarrengezirpe, wodurch der langsame Gesang noch faszinierender klingt. Herausragend aber das Stück »Lament«, das deutschen und englischen Text besitzt und eine Wehklage zum Thema Krieg enthält.
Die Band arbeitete sich generell oft an dem Thema Krieg ab, was sich am schön gestalteten Beiheft zur LP zeigt. Dabei blieb man nicht an der Oberfläche und beschreibt die Greuel, wie es Metal-Bands gerne tun, sondern hielt dem Zuhörer einen unterkühlten Spiegel vor, der – Interesse vorausgesetzt – zur Auseinandersetzung mit Kirche, Krieg und dem Menschsein zwang.
12 August 2010
Altes Papier in Bergen
Bekommt man einmal Besuch von einem »richtig alten« Alt-Fan, macht mir das aus einem Grund ebenfalls so richtig Spaß: Ich kann meinem Hobby frönen, der Vergangenheit der Science-Fiction-Szene, alte Erinnerungen einfangen und vor allem alte Fanzines geschenkt bekommen.
So ging's mir diese Woche, als Axel Melhardt aus Wien zu Besuch war und mir einen Packen von Heften da ließ, alle aus den 60er Jahren, viele davon zu einer Zeit entstanden, als ich noch nicht einmal geboren war. Fanzine-Schätze, mit denen die meisten Leute nichts anfangen können, die mich aber komplett begeistern.
Seit Tagen wühle ich darin, sortiere, blättere und lese gelegentlich sogar. Es macht Spaß, in den alten Heften zu schmökern und von Leuten zu lesen, die teilweise schon lange tot sind, in den 60er Jahren aber mit riesiger Begeisterung dabei waren.
Ein Teil der Fanzines kommt in meine Sammlung, die damit auch in den 60er Jahren langsam immer »kompletter« wird. Ein Teil wandert nach Berlin, wo sie hoffentlich im Archiv der Jugendkulturen einen vernünftigen Platz findet.
Einige Schmuckstücke werde ich in die Ausstellung zum PERRY RHODAN-WeltCon packen, der nächstes Jahr stattfinden wird. Aber das meiste – und das freut mich – kann ich selbst nehmen.
Ist das dann schon Papier-Nekropholie, oder welche Krankheit habe ich eigentlich?
So ging's mir diese Woche, als Axel Melhardt aus Wien zu Besuch war und mir einen Packen von Heften da ließ, alle aus den 60er Jahren, viele davon zu einer Zeit entstanden, als ich noch nicht einmal geboren war. Fanzine-Schätze, mit denen die meisten Leute nichts anfangen können, die mich aber komplett begeistern.
Seit Tagen wühle ich darin, sortiere, blättere und lese gelegentlich sogar. Es macht Spaß, in den alten Heften zu schmökern und von Leuten zu lesen, die teilweise schon lange tot sind, in den 60er Jahren aber mit riesiger Begeisterung dabei waren.
Ein Teil der Fanzines kommt in meine Sammlung, die damit auch in den 60er Jahren langsam immer »kompletter« wird. Ein Teil wandert nach Berlin, wo sie hoffentlich im Archiv der Jugendkulturen einen vernünftigen Platz findet.
Einige Schmuckstücke werde ich in die Ausstellung zum PERRY RHODAN-WeltCon packen, der nächstes Jahr stattfinden wird. Aber das meiste – und das freut mich – kann ich selbst nehmen.
Ist das dann schon Papier-Nekropholie, oder welche Krankheit habe ich eigentlich?
11 August 2010
Mein Level ist das eines Heftromans
Etwa ein Jahr nach dem Erscheinen ist jetzt im Blog »SF-Dinosaurier«, der innerhalb des Science-Fiction-Netzwerkes zu besuchen ist, eine Besprechung zu meinem Kurzroman »Der Schatten des Friedens« veröffentlicht worden. Das hat mich schon allein deshalb gefreut, weil sich auf der Seite vor allem solche Leute tummeln, die »Schundhefte« und deren Produzenten generell für ziemlich daneben halten (höflich formuliert).
Der Schreiber nennt sich »a3kHH«, und er findet durchaus nette Worte für mein Werk. Wer so exponiert wie ich sei, müsse allerdings »schon sehr von seinem Werk überzeugt sein, um damit in die Öffentlichkeit zu gehen«. Seltsame Argumentation, aber egal: Nur weil ich exponiert sei, was ich de facto nicht bin (höchstens innerhalb der ghettoisierten SF-Szene bin ich einigermaßen bekannt), muss ich doch keine übertriebene Scheu vor eigenem Geschreibel haben ...
Mein Roman sei »kein Meisterwerk«, stimmt, aber man könne sich »doch damit sehen lassen«. Der Rezensent versteht mein Buch »als Antikriegsroman im Fantasygewand« und attestiert mir freundlicherweise »auf dem Level eines Heftromans« geblieben zu sein. Das finde ich tröstlich.
(Wahrscheinlich könnte ich Lyrik veröffentlichen, und man würde sie in die Heftromanecke stecken. Einmal PERRY-Hefte rausgebracht, für immer den Stempel in der Fresse. Science-Fiction-Fans sind schon seltsam.)
Der Schreiber nennt sich »a3kHH«, und er findet durchaus nette Worte für mein Werk. Wer so exponiert wie ich sei, müsse allerdings »schon sehr von seinem Werk überzeugt sein, um damit in die Öffentlichkeit zu gehen«. Seltsame Argumentation, aber egal: Nur weil ich exponiert sei, was ich de facto nicht bin (höchstens innerhalb der ghettoisierten SF-Szene bin ich einigermaßen bekannt), muss ich doch keine übertriebene Scheu vor eigenem Geschreibel haben ...
Mein Roman sei »kein Meisterwerk«, stimmt, aber man könne sich »doch damit sehen lassen«. Der Rezensent versteht mein Buch »als Antikriegsroman im Fantasygewand« und attestiert mir freundlicherweise »auf dem Level eines Heftromans« geblieben zu sein. Das finde ich tröstlich.
(Wahrscheinlich könnte ich Lyrik veröffentlichen, und man würde sie in die Heftromanecke stecken. Einmal PERRY-Hefte rausgebracht, für immer den Stempel in der Fresse. Science-Fiction-Fans sind schon seltsam.)
10 August 2010
Skandal mit zwei Buchstaben
Man kann mich auch mit gelungener Werbung erfreuen. Mag sein, dass mich das manipuliert, in erster Linie aber finde ich es gut, wenn sich Leute was ausdenken: In diesem Sinn ist der angebliche Skandal um die missbrauchten Buchstaben L und G ein gelungener Film.
Wer's nicht kapiert, sollte den Youtube-Link klicken und sich das Filmchen anschauen. Geht nicht mal zwei Minuten und wirkt tatsächlich, als sei es ein halbwegs seriöser Bericht aus einem halbwegs seriösen Boulevard-Magazin im Fernsehen.
Wer's nicht kapiert, sollte den Youtube-Link klicken und sich das Filmchen anschauen. Geht nicht mal zwei Minuten und wirkt tatsächlich, als sei es ein halbwegs seriöser Bericht aus einem halbwegs seriösen Boulevard-Magazin im Fernsehen.
09 August 2010
Nazi-Aufmarsch in Karlsruhe geplant
Wer auch immer dahinter steckt: Die Freien Kräfte Karlsruhe sind eine Neonazi-Gruppierung, die für den Samstag, 21. August 2010, zu einem Aufmarsch in Karlsruhe aufruft. Da werde ich wohl auch auf die Straße gehen und versuchen, mich den »Kameraden« in den Weg zu stellen.
Ein erster Aufruf, den ich in den Fingern hielt, bezog sich auf irgendwelche Arbeiterrechte, also ein »soziales« Thema. Mittlerweile ist durchgesickert, dass es wohl eher eine »schlecht verbrämte Veranstaltung zum Todestag des Hitlerstellvertreters Heß« sei. Also mal wieder ein Rudolf-Heß-Gedächtnismarsch ...
Es gibt haufenweise Aufrufe zu Kundgebungen und Demonstrationen im Internet. Ich will die weder sprachlich noch inhaltlich kommentieren, sondern bleibe bewusst proletig: Keinen Fußbreit den Faschisten!
(Wir sehen uns dann auf der Straße. Ich bin der ältere Herr mit dem Bauchansatz und der braven Frisur im Jackett, der sich staatstragend-brav von sportlichen Aktivitäten fernhalten wird.)
Ein erster Aufruf, den ich in den Fingern hielt, bezog sich auf irgendwelche Arbeiterrechte, also ein »soziales« Thema. Mittlerweile ist durchgesickert, dass es wohl eher eine »schlecht verbrämte Veranstaltung zum Todestag des Hitlerstellvertreters Heß« sei. Also mal wieder ein Rudolf-Heß-Gedächtnismarsch ...
Es gibt haufenweise Aufrufe zu Kundgebungen und Demonstrationen im Internet. Ich will die weder sprachlich noch inhaltlich kommentieren, sondern bleibe bewusst proletig: Keinen Fußbreit den Faschisten!
(Wir sehen uns dann auf der Straße. Ich bin der ältere Herr mit dem Bauchansatz und der braven Frisur im Jackett, der sich staatstragend-brav von sportlichen Aktivitäten fernhalten wird.)
07 August 2010
Warum ich Hasen mag

Zu meiner großen überraschung findet man in Buchhandlungen immer noch - oder immer wieder - das Kinderbuch »Die Häschenschule«. Das Ding stammt im Original aus den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, ist so ein richtig klassisches Bilderbuch mit gereimten Texten und steckt vor allem voller antiquierter Auffassungen von Schule, Erziehung und Geschlechterrollen.
Ich bekam das Buch selbstverständlich auch mal geschenkt. Meine Version war von einem »Alfred Hahn's Verlag K.G.« aus Hamburg (was auch heute noch auf dem Cover steht) und wurde bei te Neues gedruckt; das ist heute ein bekannter Kalenderverlag.
Ich nehme an, dass ich noch sehr klein war, als mir meine Eltern das Buch schenkten: vielleicht sechs oder sieben Jahre. Und dieser Tage hielt ich es wieder in den Händen. Abgegriffen sieht es aus, von fettigen und verschmierten Kinderhänden wohl einige hundert oder gar tausend Mal durchgeblättert.
Die im Buch erzählte Geschichte kommt mir heute völlig seltsam vor. (Punkrock ist das nicht.) Aber wenn ich das Buch anschaue, meine handschriftlichen Schmiereien vor Augen, bekomme ich nostalgische Gefühle.
Und das ist dann wahrscheinlich der einzige Grund, warum es dieses Buch immer noch auf dem Markt gibt: Irgendwo gibt es immer Menschen, die es als Kind einmal besaßen und die es jetzt vielleicht ihren Enkeln schenken wollen. Da ich keine Enkel habe, werde ich das Buch wohl einfach in mein Bücherregal stellen. Ein Platz wird sich wohl finden lassen ...
06 August 2010
Träume in Träumen
Auch ich habe mir jetzt endlich »Inception« angeschaut, den neuen Streifen von Christopher Nolan und mit Leonardo Di Caprio. Es geht um Träume, um Träume in Träumen und andere geheimnisvolle Dinge. Dazwischen wird fleißig geballert und gesprengt, gelegentlich in Erinnerungen geschwelgt und - erstaunlicherweise - auf Sex verzichtet.
Ganz ernsthaft: Ich fand den Film richtig klasse. Dabei hatte ich durchaus meine Schwierigkeiten, der teilweise sehr komplexen Handlung zu folgen, die mit superschnellen Schnitten, viel Action und bewusst ausgesparten Details vorangetrieben wurde. Aber angeblich ging's den Schauspielern bei den Dreharbeiten nicht anders.
Die Tricks sind sagenhaft: Kämpfe in der Schwerelosigkeit eines Hotelflurs, Schießereien in einer verschneiten Festung im Gebirge, sich aufbäumende Häuser und Straßen - das alles ist sensationell gemacht und ließ mich im Kino nur noch staunen. Da werde ich ganz zum Kind.
Dass das ganze auch noch mit einer komplexen Handlung verbunden wird, finde ich zusätzlich klasse. Neben der Action gibt's da noch Stoff fürs Hirn, und das kann nicht schaden.
Kein Wunder, dass wir nach dem Kinoabend noch eine Weile lang diskutierten und die Details gewissermaßen nacharbeiteten. Das war wohl nötig ... Wer noch nicht drin war, sollte »Inception« unbedingt anschauen!
Ganz ernsthaft: Ich fand den Film richtig klasse. Dabei hatte ich durchaus meine Schwierigkeiten, der teilweise sehr komplexen Handlung zu folgen, die mit superschnellen Schnitten, viel Action und bewusst ausgesparten Details vorangetrieben wurde. Aber angeblich ging's den Schauspielern bei den Dreharbeiten nicht anders.
Die Tricks sind sagenhaft: Kämpfe in der Schwerelosigkeit eines Hotelflurs, Schießereien in einer verschneiten Festung im Gebirge, sich aufbäumende Häuser und Straßen - das alles ist sensationell gemacht und ließ mich im Kino nur noch staunen. Da werde ich ganz zum Kind.
Dass das ganze auch noch mit einer komplexen Handlung verbunden wird, finde ich zusätzlich klasse. Neben der Action gibt's da noch Stoff fürs Hirn, und das kann nicht schaden.
Kein Wunder, dass wir nach dem Kinoabend noch eine Weile lang diskutierten und die Details gewissermaßen nacharbeiteten. Das war wohl nötig ... Wer noch nicht drin war, sollte »Inception« unbedingt anschauen!
Government Warning machen einfach Klasse-Hardcore
Manchmal denke ich, Government Warning aus Richmond in Virginia kann nichts falsch machen. Seit Mitte der Nullerjahre treiben die vier Burschen ihr Unwesen – mit ihrer furiosen Mischung aus knalligem Hardcore und ebenso knalligem Punk begeistern sie mich seit der ersten Platte. Die aktuelle Langspielplatte »Paranoid Mess«, bereits im Jahr 2009 auf dem Label Grave Mistake Records erschienen, bildet hier keine Ausnahme.
Die Stücke sind kurz und rotzig, machen aber nicht den Versuch, Hochgeschwindigkeits-Hardcore zu bringen, sondern lassen's durchaus auch mal rocken. Die immer noch jungen Kerle bedienen sich ohne zu zögern bei den spannenden Entwicklungen der letzten dreißig Jahre Punkrock- und Hardcore-Geschichte, bleiben dabei nicht verträumt in den 80er Jahren hängen, sondern zeigen, dass man auch 2009 konsequenten Hardcore-Punk spielen kann.
Klasse-Band, die ihre Platten auf einem Klasse-Label rausbringt. Super!, so was läuft bei mir dann tagelang durch!
Die Stücke sind kurz und rotzig, machen aber nicht den Versuch, Hochgeschwindigkeits-Hardcore zu bringen, sondern lassen's durchaus auch mal rocken. Die immer noch jungen Kerle bedienen sich ohne zu zögern bei den spannenden Entwicklungen der letzten dreißig Jahre Punkrock- und Hardcore-Geschichte, bleiben dabei nicht verträumt in den 80er Jahren hängen, sondern zeigen, dass man auch 2009 konsequenten Hardcore-Punk spielen kann.
Klasse-Band, die ihre Platten auf einem Klasse-Label rausbringt. Super!, so was läuft bei mir dann tagelang durch!
05 August 2010
Peter zum siebenundzwanzigsten
Das aktuelle OX-Fanzine ist da; ich fischte es heute aus dem Briefkasten. Es ist schon die Nummer 91, was heißt, dass das große Jubiläum immer näher rückt, und vom Cover schreit einem Lee Hollis von den Spermbirds entgegen - sieht gut aus.
Im Innenteil gibt's wieder eineinhalb Seiten meines Fortsetzungsromans. Es ist die Folge 27, und diesmal ist es eher eine Zwischen-Episode. Peter Pank arbeitet im Wald, Peter Pank versöhnt sich mit seinem Kumpel, Peter Pank bekommt einen Anruf aus Nagold. Also alles eher beschaulich, aber es kann ja nicht immer Hauereien und Punk-Konzerte geben.
Dieser Tage habe ich übrigens mal ausgerechnet ... nein, der Computer hat's ausgerechnet: Wie lang ist eigentlich der dritte PETER PANK-Roman. Für ein ordentliches Buch reicht's auf jeden Fall schon mal aus, soviel ist sicher.
Nur kann ich beim besten Willen noch nicht sagen, bis wann das irgendwann erscheinen wird. Vorbestellungen bei amazon oder beim örtlichen Buchhändler sind somit schlicht nicht möglich.
Im Innenteil gibt's wieder eineinhalb Seiten meines Fortsetzungsromans. Es ist die Folge 27, und diesmal ist es eher eine Zwischen-Episode. Peter Pank arbeitet im Wald, Peter Pank versöhnt sich mit seinem Kumpel, Peter Pank bekommt einen Anruf aus Nagold. Also alles eher beschaulich, aber es kann ja nicht immer Hauereien und Punk-Konzerte geben.
Dieser Tage habe ich übrigens mal ausgerechnet ... nein, der Computer hat's ausgerechnet: Wie lang ist eigentlich der dritte PETER PANK-Roman. Für ein ordentliches Buch reicht's auf jeden Fall schon mal aus, soviel ist sicher.
Nur kann ich beim besten Willen noch nicht sagen, bis wann das irgendwann erscheinen wird. Vorbestellungen bei amazon oder beim örtlichen Buchhändler sind somit schlicht nicht möglich.
04 August 2010
»Klaus schreibt 1« in der Hand
Irgendwann in der zweiten Hälfte der 80er Jahre beganh ich damit, meine Briefe öffentlich zu beantworten. Ich startete Briefbeantwortungs-Fanzines mit teilweise obskuren Namensgebungen; im März 1989 erschien so »Klaus schreibt 1«, was als erste Ausgabe dieser Reihe gedacht war.
Auf vier Seiten, die ich auf einer elektrischen Schreibmaschine im ANZEIGER-Verlagsbüro in Freudenstadt tippte, gab's öffentliche Verlautbarungen an Fans wie Matthias Hofmann oder Detlef Niemz, Punk-Leute wie Moses Arndt und sogar meine damalige Freundin Juliane. Dieses Mini-Fanzine fiel mir dieser Tage tatsächlich mal wieder in die Hände.
Es geht um Fan-Veranstaltungen wie den bevorstehenden FreuCon und mein Fanzine SAGITTARIUS, dessen Neustart damals noch unter dem Namen ENDLESS angekündigt wurde. Es geht um grundsätzliche Unterschiede zwischen Punk/Hardcore und Metal-Musik, die von mir als »absolut dumme und dumm-machende Musikart für Opel-Manta-Fahrer, primitive Macho-Typen und peinliche Kreisch-Tussis« bezeichnet wird.
Und schaue ich mir das ganze mit dem Abstand von vielen Jahren an, fällt auf, wie seltsam großkotzig das gesamte Egozine wirkt. Natürlich war die Arroganz aufgesetzt und nicht immer ernstzunehmen, selbstverständlich sollte das ganze witzig und amüsant sein. Solche Diskussionen und Äußerungen waren in der Fan-Szene der späten 80er Jahre durchaus üblich; heutzutage wundere ich mich, dass ich solchen Unfug bereitwillig mitmachte und befeuerte.
Manchmal ist es doch ganz gut, erwachsen und vernünftig zu werden ...
Auf vier Seiten, die ich auf einer elektrischen Schreibmaschine im ANZEIGER-Verlagsbüro in Freudenstadt tippte, gab's öffentliche Verlautbarungen an Fans wie Matthias Hofmann oder Detlef Niemz, Punk-Leute wie Moses Arndt und sogar meine damalige Freundin Juliane. Dieses Mini-Fanzine fiel mir dieser Tage tatsächlich mal wieder in die Hände.
Es geht um Fan-Veranstaltungen wie den bevorstehenden FreuCon und mein Fanzine SAGITTARIUS, dessen Neustart damals noch unter dem Namen ENDLESS angekündigt wurde. Es geht um grundsätzliche Unterschiede zwischen Punk/Hardcore und Metal-Musik, die von mir als »absolut dumme und dumm-machende Musikart für Opel-Manta-Fahrer, primitive Macho-Typen und peinliche Kreisch-Tussis« bezeichnet wird.
Und schaue ich mir das ganze mit dem Abstand von vielen Jahren an, fällt auf, wie seltsam großkotzig das gesamte Egozine wirkt. Natürlich war die Arroganz aufgesetzt und nicht immer ernstzunehmen, selbstverständlich sollte das ganze witzig und amüsant sein. Solche Diskussionen und Äußerungen waren in der Fan-Szene der späten 80er Jahre durchaus üblich; heutzutage wundere ich mich, dass ich solchen Unfug bereitwillig mitmachte und befeuerte.
Manchmal ist es doch ganz gut, erwachsen und vernünftig zu werden ...
03 August 2010
Lennard mit Pop in britischer Tradition
Ich mag Pop-Musik, und das seit Jahren. Sie darf nicht zu sülzig sein, sie muss gute Melodien enthalten – und dann passt alles. Wohl deshalb mochte ich in all den Jahrzehnten guten Pop-Punk wie Snuff, und ich halte The Smiths oder The Cleaners From Venus aus den 80er Jahren immer noch für richtig gute Bands.
Ob ich mich in einem Vierteljahrhundert noch an Lennard erinnern kann, weiß ich nicht. Die aus dem Großraum Frankfurt stammende Vierkopfcombo macht Gitarren-Pop, der sich eindeutig an den 80er-Jahre-Vorbildern orientiert, gelegentlich aber auch mal Elektronik einsprengselt.
Manchmal ist der Sound richtig schwelgerisch, fast süßlich (was die Go-Betweens auch getan haben, und die mochte ich ebenfalls), manchmal knarzt und rockt es ein wenig. Die Melodien stimmen auf jeden Fall, wenngleich's mir zu glatt gebügelt erscheint. Die englischen Texte sind mal vertrackt, mal einfach nur nette »Erzählungen«.
Alles in allem eine ausgereifte Platte – man merkt der Band an, dass sie seit Jahren zusammenspielt. Den Kracher-Hit habe ich nicht gefunden, aber vielleicht muss die CD bei mir im Ohr auch noch ein wenig »reifen«. Schauen wir mal.
Ob ich mich in einem Vierteljahrhundert noch an Lennard erinnern kann, weiß ich nicht. Die aus dem Großraum Frankfurt stammende Vierkopfcombo macht Gitarren-Pop, der sich eindeutig an den 80er-Jahre-Vorbildern orientiert, gelegentlich aber auch mal Elektronik einsprengselt.
Manchmal ist der Sound richtig schwelgerisch, fast süßlich (was die Go-Betweens auch getan haben, und die mochte ich ebenfalls), manchmal knarzt und rockt es ein wenig. Die Melodien stimmen auf jeden Fall, wenngleich's mir zu glatt gebügelt erscheint. Die englischen Texte sind mal vertrackt, mal einfach nur nette »Erzählungen«.
Alles in allem eine ausgereifte Platte – man merkt der Band an, dass sie seit Jahren zusammenspielt. Den Kracher-Hit habe ich nicht gefunden, aber vielleicht muss die CD bei mir im Ohr auch noch ein wenig »reifen«. Schauen wir mal.
02 August 2010
Von Boston nach Karlsruhe
Der Sonntag, 1. August 2010, war der erste Sonntag im Monat - also war ich mal wieder dran damit, die ENPUNKT-Radiosendung im örtlichen freien Radio Querfunk zu machen. Als Thema hatte ich mir Boston ausgesucht, die alte Szene-Metropole von der Ostküste. Auf zwei bekannte Boston-Bands wie Slapshot oder auch Dropkick Murphys verzichtete ich, es gibt und gab ja schließlich genug andere.
Mit Deep Wound (die Band, in der J Mascis, der spätere Sänger von Dinosaur jr) und DYS (die erste Band von Dave Smalley, der später All oder Dag Nasty oder Down By Law hatte) brachte ich zwei sehr frühe Hardcore-Klassiker; dazu noch die guten alten F.U.s ... Nicht ganz so alt, nämlich aus der Mitte der 80er Jahre stammen die Dogmatics mit ihren Rock'n'Roll und leichtem Punk-Einfluss und die Eight Route Army mit stinknormalem Punk.
Wer's eher schunkelig mag, bekam von mir die Ducky Boys und die Street Dogs um die Ohren gehauen: Streetpunk mit viel Iren-Schmackes, das passt dann ja wirklich zu Boston. Aus der Reihe fielen dann die Ringers, zweifelsohne eine der besten Bands aus der Stadt, die sich aber den Schubladen ziemlich verweigert.
Aber so mag ich's ja: abwechslungsreich und flott, punkrockig und hardcorig, krachig und melodiös. War 'ne schöne Sendung.
Mit Deep Wound (die Band, in der J Mascis, der spätere Sänger von Dinosaur jr) und DYS (die erste Band von Dave Smalley, der später All oder Dag Nasty oder Down By Law hatte) brachte ich zwei sehr frühe Hardcore-Klassiker; dazu noch die guten alten F.U.s ... Nicht ganz so alt, nämlich aus der Mitte der 80er Jahre stammen die Dogmatics mit ihren Rock'n'Roll und leichtem Punk-Einfluss und die Eight Route Army mit stinknormalem Punk.
Wer's eher schunkelig mag, bekam von mir die Ducky Boys und die Street Dogs um die Ohren gehauen: Streetpunk mit viel Iren-Schmackes, das passt dann ja wirklich zu Boston. Aus der Reihe fielen dann die Ringers, zweifelsohne eine der besten Bands aus der Stadt, die sich aber den Schubladen ziemlich verweigert.
Aber so mag ich's ja: abwechslungsreich und flott, punkrockig und hardcorig, krachig und melodiös. War 'ne schöne Sendung.
01 August 2010
Hobbyautor im Frust
Meine schriftstellerische Bilanz fürs Jahr 2010 sieht bislang mies aus: Einige Kurzgeschichten konnte ich veröffentlichen, Geld gab's dafür keines, immerhin Belegexemplare. Aber so richtig schmücken mag mich das eh nicht.
Mit dem großen Romanprojekt hänge ich, wobei die Gründe durchaus verschieden sind. Einer der Gründe liegt darin, dass sich einige Punkte in dieser unserer Welt komplett geändert haben - schon blöd.
Ansonsten hapert es am andauernden Zeitmangel und an der Tatsache, dass die freien Stunden dann dafür benutzt werden, mit Freunden und Bekannten das eine oder andere Bier zu trinken oder gar auf Krachkonzerte zu gehen ... Wie es weitergeht, weiss ich derzeit nicht. Abwarten und jammern ...
Mit dem großen Romanprojekt hänge ich, wobei die Gründe durchaus verschieden sind. Einer der Gründe liegt darin, dass sich einige Punkte in dieser unserer Welt komplett geändert haben - schon blöd.
Ansonsten hapert es am andauernden Zeitmangel und an der Tatsache, dass die freien Stunden dann dafür benutzt werden, mit Freunden und Bekannten das eine oder andere Bier zu trinken oder gar auf Krachkonzerte zu gehen ... Wie es weitergeht, weiss ich derzeit nicht. Abwarten und jammern ...
30 Juli 2010
Geiz ist tot
Es muss in den späten 60er Jahren gewesen sein, als die Kunde von einem »Albrecht-Laden« bis in mein heimatliches Schwarzwalddorf drang; diesen Laden gäbe es in Gaggenau im Murgtal. Und da wir dort Verwandte hatten, wurde ein Verwandtschaftsbesuch mit einem Besuch in diesem Geschäft verbunden.
Das war eine Sensation: Waren wurden nicht ausgepackt, sondern standen in Kartons oder auf Paletten; alles wirkte ein wenig schmuddelig und chaotisch. Dafür war aber auch alles sensationell billig. Und so fuhren meine Eltern immer wieder in den »Albrecht-Laden« ... und ich bin wahrscheinlich seit gut vierzig Jahren ein Kunde bei »Aldi«.
Jetzt ist einer der beiden Albrecht-Brüder gestorben, es ging durch die Presse und muss in diesem Blog nicht wiedergekäut werden. Persönlich betroffen hat's mich nicht: Die ausbeuterischen Verhältnisse in den Discount-Märkten haben mich in all den Jahren nicht davon abgehalten, gelegentlich bei »Aldi« einzukaufen.
Der Aldi-Gründer ist als steinreicher Milliardär gestorben. Seine Milliarden verdiente er, weil Leute wie ich bei ihm einkauften und weil Leute wie ich (zumindest 1981 bis 1984) als schlecht bezahlte Arbeitskräfte in Supermärkten malochen.
Seine Erben übernehmen das Imperium, ändern wird sich wohl kaum etwas. Von daher ist jegliche Betroffenheit fehl am Platz. Und einmal alle zwei Monate werde ich wohl weiterhin mein Geld zu »Aldi« tragen, fürchte ich.
Das war eine Sensation: Waren wurden nicht ausgepackt, sondern standen in Kartons oder auf Paletten; alles wirkte ein wenig schmuddelig und chaotisch. Dafür war aber auch alles sensationell billig. Und so fuhren meine Eltern immer wieder in den »Albrecht-Laden« ... und ich bin wahrscheinlich seit gut vierzig Jahren ein Kunde bei »Aldi«.
Jetzt ist einer der beiden Albrecht-Brüder gestorben, es ging durch die Presse und muss in diesem Blog nicht wiedergekäut werden. Persönlich betroffen hat's mich nicht: Die ausbeuterischen Verhältnisse in den Discount-Märkten haben mich in all den Jahren nicht davon abgehalten, gelegentlich bei »Aldi« einzukaufen.
Der Aldi-Gründer ist als steinreicher Milliardär gestorben. Seine Milliarden verdiente er, weil Leute wie ich bei ihm einkauften und weil Leute wie ich (zumindest 1981 bis 1984) als schlecht bezahlte Arbeitskräfte in Supermärkten malochen.
Seine Erben übernehmen das Imperium, ändern wird sich wohl kaum etwas. Von daher ist jegliche Betroffenheit fehl am Platz. Und einmal alle zwei Monate werde ich wohl weiterhin mein Geld zu »Aldi« tragen, fürchte ich.
29 Juli 2010
Rollenspieler in der Heimat
Wann ich genau mein erstes Rollenspiel absolvierte, weiß ich nicht mehr hundertprozentig genau. Mein erstes »Live-Rollenspiel« - den Begriff gab es damals noch nicht - hatte ich im Sommer 1980 in Konstanz; man nannte das damals »FOLLOW-Marsch«, und ich rannte zwar mit Jeansjacke, aber mit einem Morgenstern als Waffe durch den Wald. Wir sehen garantiert sehr albern aus; heute ist das ja fast ein Massensport.
Das erste Rollenspiel war dann in Marburg beim Fest der Fantasie; es müsste 1981 gewesen sein. Und im Frühjahr 1982 gab es die erste Rollenspiel-Runde im Jugendzentrum »Murgtäler Hof« in Freudenstadt.
Warum ich das erzähle? Weil die »Runde der Ringgeister« am bevorstehenden Wochenende in genau diesem Jugendzentrum einen Rollenspiel-Con veranstaltet - es ist die fünfzehnte Veranstaltung der aktiven Rollenspieler aus meiner Heimatstadt, und ich bin sicher, dass es für sie ein riesiger Spaß sein wird. Wie vor bald dreißig Jahren für unsereins.
Schon seltsam, wenn man so sieht, was die »Nachgeborenen« so machen. Es juckt mich in den Fingern, da mal reinzugucken und zuzusehen, was die so treiben. Aber natürlich werde ich brav daheim bleiben. Obwohl ...
Das erste Rollenspiel war dann in Marburg beim Fest der Fantasie; es müsste 1981 gewesen sein. Und im Frühjahr 1982 gab es die erste Rollenspiel-Runde im Jugendzentrum »Murgtäler Hof« in Freudenstadt.
Warum ich das erzähle? Weil die »Runde der Ringgeister« am bevorstehenden Wochenende in genau diesem Jugendzentrum einen Rollenspiel-Con veranstaltet - es ist die fünfzehnte Veranstaltung der aktiven Rollenspieler aus meiner Heimatstadt, und ich bin sicher, dass es für sie ein riesiger Spaß sein wird. Wie vor bald dreißig Jahren für unsereins.
Schon seltsam, wenn man so sieht, was die »Nachgeborenen« so machen. Es juckt mich in den Fingern, da mal reinzugucken und zuzusehen, was die so treiben. Aber natürlich werde ich brav daheim bleiben. Obwohl ...
28 Juli 2010
Klare Unterschiede
Rückblick auf die Südfrankreich-Reise im Frühsommer 2010
Es war einer unserer Spaziergänge entlang der Ufer-Promenade von Cannes. Die Luft war warm, die Brise vom Meer her erfrischte, und die Hitze des Tages wich langsam erträglichen Temperaturen.
Um uns herum brodelte das Leben der bonzigen Stadt. Muskelmänner in dunklen Anzügen führten schlanke Blondinen in Kleidchen spazieren. Alte Damen in protzigen Kostümen führten kleine Hunde mit niedlichen Kulleraugen spazieren. Karriereorientierte Familienväter führten Kinder mit teuer wirkenden Klamotten spazieren.
Und wir stolperten dazwischen herum, fanden alles sehr unterhaltsam und hatten viel Spaß. Die Leute nannten wir mittlerweile nur noch die «Cannesen«, ohne uns einen Kopf darüber zu machen, ob sie da wirklich wohnten oder nur zum Urlaub da waren.
»Weißt du, worin wir uns wirklich von denen unterscheiden?«, fragte meine Begleiterin.
Ich erwartete eine größere intellektuelle Auseinandersetzung und schüttelte erst einmal den Kopf. »Keine Ahnung.«
»Die sind weiß«, kam die trockene Antwort, »und wir sind schwarz.«
Das stimmte. Wir trugen schwarze Turnschuhe (oder Sandalen), schwarze kurze Hosen, dunkle T-Shirts, ich gelegentlich noch eine schwarze Mütze. Die Cannesen zeigten viel weiß und hell. Wir stachen buchstäblich aus der Masse heraus, nur rein optisch und das nicht einmal absichtlich.
Ich war mir seit etwa 1995 nicht mehr so »punkig« vorgekommen.
Es war einer unserer Spaziergänge entlang der Ufer-Promenade von Cannes. Die Luft war warm, die Brise vom Meer her erfrischte, und die Hitze des Tages wich langsam erträglichen Temperaturen.
Um uns herum brodelte das Leben der bonzigen Stadt. Muskelmänner in dunklen Anzügen führten schlanke Blondinen in Kleidchen spazieren. Alte Damen in protzigen Kostümen führten kleine Hunde mit niedlichen Kulleraugen spazieren. Karriereorientierte Familienväter führten Kinder mit teuer wirkenden Klamotten spazieren.
Und wir stolperten dazwischen herum, fanden alles sehr unterhaltsam und hatten viel Spaß. Die Leute nannten wir mittlerweile nur noch die «Cannesen«, ohne uns einen Kopf darüber zu machen, ob sie da wirklich wohnten oder nur zum Urlaub da waren.
»Weißt du, worin wir uns wirklich von denen unterscheiden?«, fragte meine Begleiterin.
Ich erwartete eine größere intellektuelle Auseinandersetzung und schüttelte erst einmal den Kopf. »Keine Ahnung.«
»Die sind weiß«, kam die trockene Antwort, »und wir sind schwarz.«
Das stimmte. Wir trugen schwarze Turnschuhe (oder Sandalen), schwarze kurze Hosen, dunkle T-Shirts, ich gelegentlich noch eine schwarze Mütze. Die Cannesen zeigten viel weiß und hell. Wir stachen buchstäblich aus der Masse heraus, nur rein optisch und das nicht einmal absichtlich.
Ich war mir seit etwa 1995 nicht mehr so »punkig« vorgekommen.
27 Juli 2010
Wandern zwischen Ocker
Rückblick auf die Südfrankreich-Reise im Frühsommer 2010
Bevor ich dort war, kannte ich die Luberon-Region nicht einmal vom Namen her ... soviel zu meinen Geografie-Kenntnissen. Dabei besuchte ich in den 80er und 90er Jahren einige Male die Stadt Avignon, und in deren Umgebung ist das Luberon.
Dort landeten wir auch im Mai 2010, genauer gesagt mitten in der Pampa, in einer leicht hügeligen Landschaft zwischen den Dörfern Roussillon und Gargas. Und dort beschlossen wir an einem wunderbar sonnigen Tag, einen längeren Spaziergang zu unternehmen. Man macht im Urlaub manchen Unfug, und der gehörte dazu.
Wir spazierten durch einen herrlichen Wald mit alten Bäumen, vorbei an alten, halb verfallenen Ocker-Steinbrüchen. Die schauten wir uns natürlich an und begutachteten interessiert die Steine, ihre Farbe und ihre Beschaffenheit – und das alles ohne jegliche Kontrolle.
Die hatten wir dann in Roussillon; das ist die Stadt in Frankreich, die von den Ocker-Bergen lebt. Früher vom Abbau, heute vom Tourismus. Das Städtchen selbst strahlt in der Sonne in einer Mischung aus gelb, orange und rot; man kann dort schön durch die Gassen streifen und auch nett futtern.
Allerdings gehört man eben zu einer Heerschar von Touristen, die es dort immer gibt. Mit einer ähnlichen Heerschar besichtigten wir später sogar die Ocker-Berge: ein fantastischer Anblick, der an alte Filme erinnerte und mich immer wieder neu faszinierte.
Danach reichte es uns mit den Menschenmengen, wir spazierten los. Es wurde wärmer, aus dem Spaziergang wurde eine Wanderung, und wir legten im Verlauf dieses Tages dann doch an die zwanzig Kilometer zurück.
Ich begann, die Luberon-Region zu lieben. Der Duft der Wiesen und kleinen Wälder, die freie Landschaft, die Stille zwischen den Hügeln, die winzigen Ansiedlungen zwischen den Dörfern, die Handvoll Bauernhöfe dazwischen – und immer wieder der schöne Ausblick auf die Hügel in der Umgebung, auf denen andere Höfe und Dörfer kauerten ... ich bin sicher, dass ich da nicht zum letzten Mal war.
Bevor ich dort war, kannte ich die Luberon-Region nicht einmal vom Namen her ... soviel zu meinen Geografie-Kenntnissen. Dabei besuchte ich in den 80er und 90er Jahren einige Male die Stadt Avignon, und in deren Umgebung ist das Luberon.
Dort landeten wir auch im Mai 2010, genauer gesagt mitten in der Pampa, in einer leicht hügeligen Landschaft zwischen den Dörfern Roussillon und Gargas. Und dort beschlossen wir an einem wunderbar sonnigen Tag, einen längeren Spaziergang zu unternehmen. Man macht im Urlaub manchen Unfug, und der gehörte dazu.
Wir spazierten durch einen herrlichen Wald mit alten Bäumen, vorbei an alten, halb verfallenen Ocker-Steinbrüchen. Die schauten wir uns natürlich an und begutachteten interessiert die Steine, ihre Farbe und ihre Beschaffenheit – und das alles ohne jegliche Kontrolle.
Die hatten wir dann in Roussillon; das ist die Stadt in Frankreich, die von den Ocker-Bergen lebt. Früher vom Abbau, heute vom Tourismus. Das Städtchen selbst strahlt in der Sonne in einer Mischung aus gelb, orange und rot; man kann dort schön durch die Gassen streifen und auch nett futtern.
Allerdings gehört man eben zu einer Heerschar von Touristen, die es dort immer gibt. Mit einer ähnlichen Heerschar besichtigten wir später sogar die Ocker-Berge: ein fantastischer Anblick, der an alte Filme erinnerte und mich immer wieder neu faszinierte.
Danach reichte es uns mit den Menschenmengen, wir spazierten los. Es wurde wärmer, aus dem Spaziergang wurde eine Wanderung, und wir legten im Verlauf dieses Tages dann doch an die zwanzig Kilometer zurück.
Ich begann, die Luberon-Region zu lieben. Der Duft der Wiesen und kleinen Wälder, die freie Landschaft, die Stille zwischen den Hügeln, die winzigen Ansiedlungen zwischen den Dörfern, die Handvoll Bauernhöfe dazwischen – und immer wieder der schöne Ausblick auf die Hügel in der Umgebung, auf denen andere Höfe und Dörfer kauerten ... ich bin sicher, dass ich da nicht zum letzten Mal war.
26 Juli 2010
Never Built Ruins rotzen
Wenn ich die Band Never Built Ruins in Freiburg verorte, ist das hoffentlich nicht völlig falsch; teilweise kommen die Herren auch aus anderen Städten oder sind zugezogen. Hin wie her: Ich habe übers Wochenende die EP »Schutt & Asche« angehört, die 2008 aufgenommen wurde und die ein ziemlich geiles Hardcore-Geprügel enthält.
Die Texte sind mal englisch, mal deutsch oder in Stücken wie »Never Surrender« glatt noch ein Mischmasch. Dieses Stück ist von den Texten her mein Liebstes: Nach viel Szene-Kritik kommt dann zuletzt das geradezu beruhigende »Ich lieb dich trotzdem / ich lieb dich immer noch / Punk«.
Druckvoll und hymnisch zugleich kommt die Musik daher, die Stimme des Sängers wechselt zwischen Gerotze und Geschrei, was aber immer gut passt. Und es ist eine Platte, die nach mehrerem Anhören immer besser wird, geradezu an Intensivität gewinnt. Starkes Ding, echt!
Die Texte sind mal englisch, mal deutsch oder in Stücken wie »Never Surrender« glatt noch ein Mischmasch. Dieses Stück ist von den Texten her mein Liebstes: Nach viel Szene-Kritik kommt dann zuletzt das geradezu beruhigende »Ich lieb dich trotzdem / ich lieb dich immer noch / Punk«.
Druckvoll und hymnisch zugleich kommt die Musik daher, die Stimme des Sängers wechselt zwischen Gerotze und Geschrei, was aber immer gut passt. Und es ist eine Platte, die nach mehrerem Anhören immer besser wird, geradezu an Intensivität gewinnt. Starkes Ding, echt!
25 Juli 2010
Karlsruher Lesebuch ist da

Schön geworden ist es, das Karlsruher Lesebuch, das dieser Tage erschienen ist. Es wurde von Matthias Kehle und Thomas Lindemann herausgegeben und vom Info-Verlag veröffentlicht; es soll im Prinzip die Karlsruher Literatur-Szene vorstellen.
Ob das gelungen ist, kann ich noch gar nicht beurteilen, weil ich das Buch bislang noch nicht gelesen habe. Mit dabei sind auf jeden Fall eine Reihe von Leuten, die ich vom Namen her kenne, und von mir ist auch eine Kurzgeschichte enthalten. So was finde ich stets schmeichelhaft.
Bunt gemischt wirkt das Buch allemal: Gedichte gibt's, experimentielle Texte, aber auch ganz normale Kurzgeschichten, zu denen wohl auch mein Werk zählen wird. Und weil man die Autoren schön alphabetisch veröffentlicht hat, gibt es keinerlei Gewichtung. Finde ich gut!
Wer sich für das Buch interessiert, kriegt's natürlich überall im Buchhandel. Oder eben direkt beim Verlag und dort auf dessen Homepage.
24 Juli 2010
Mehr für uns?
»Wir müssen mehr für die Leute im eigenen Land tun«, erklärte mir die rundliche Dame. Ich kannte sie aus meiner Jugendzeit, und wir hatten uns viele Jahre lang nicht mehr gesehen. »Es gibt ja auch in Deutschland oder sogar hier bei uns in der Gegend viele arme Leute, denen man helfen muss, Kinder ohne Eltern und so.«
Es ging um das heikle Thema Entwicklungshilfe, und ich hatte einige Geschichten darüber erzählt, wie diese teilweise in Afrika zweckentfremdet oder völlig falsch eingesetzt wird. Vielleicht sollte ich mir das künftig verkneifen, überlegte ich bereits, wenn das die Leute völlig in den falschen Hals kriegen.
»Naja«, versuchte ich zu argumentieren, »es ist auch wichtig, den Leuten hier zu helfen, denen es schlecht geht. Aber normalerweise verhungern bei uns keine Kinder, und die sozialen Verhältnisse ..« Ich hielt ein kleines Referat über das allgegenwärtige Elend in der Sahelzone, stellte zu spät fest, dass ich in den »Ich weiß alles besser«-Modus gerutscht war und kurz davor war, zum besserwisserischen Arschloch zu mutieren, und bremste mich ein.
Kann man bei dem Thema eigentlich überhaupt nichts richtig machen?
Ich war einigermaßen glücklich darüber, als wir das Thema Kinderarmut in Afrika und in Baden-Württemberg verließen (wo die einen Kinder froh sind, einmal am Tag etwas zu essen haben, sind die anderen glücklich darüber, einen Gameboy oder ein Handy zu erhalten) und auf allgemeine Themen aus der gemeinsamen Jugend kamen. Die ließen sich glücklicher umschiffen ...
Es ging um das heikle Thema Entwicklungshilfe, und ich hatte einige Geschichten darüber erzählt, wie diese teilweise in Afrika zweckentfremdet oder völlig falsch eingesetzt wird. Vielleicht sollte ich mir das künftig verkneifen, überlegte ich bereits, wenn das die Leute völlig in den falschen Hals kriegen.
»Naja«, versuchte ich zu argumentieren, »es ist auch wichtig, den Leuten hier zu helfen, denen es schlecht geht. Aber normalerweise verhungern bei uns keine Kinder, und die sozialen Verhältnisse ..« Ich hielt ein kleines Referat über das allgegenwärtige Elend in der Sahelzone, stellte zu spät fest, dass ich in den »Ich weiß alles besser«-Modus gerutscht war und kurz davor war, zum besserwisserischen Arschloch zu mutieren, und bremste mich ein.
Kann man bei dem Thema eigentlich überhaupt nichts richtig machen?
Ich war einigermaßen glücklich darüber, als wir das Thema Kinderarmut in Afrika und in Baden-Württemberg verließen (wo die einen Kinder froh sind, einmal am Tag etwas zu essen haben, sind die anderen glücklich darüber, einen Gameboy oder ein Handy zu erhalten) und auf allgemeine Themen aus der gemeinsamen Jugend kamen. Die ließen sich glücklicher umschiffen ...
23 Juli 2010
Sinnvolle Stiftung
Stiftungen sind eine tolle Sache: Man kann mit ihnen sinnvolle Projekte fördern, Steuern sparen und so weiter. Wie sinnvoll Stiftungen sein können, sieht man daran, dass Fußballspieler wie Philipp Lahm eine für afrikanische Kinder gegründet haben oder gleich ein ganzer Konzern wie Bosch auf einem Stiftungsmodell basieren.
Jetzt ist aber ein grundsympathischer Verein dabei, eine Stiftung aufzubauen. Gemeint ist das Archiv der Jugendkulturen mit Sitz in Berlin. Das existiert seit 1998, ich bin Mitglied, und dort sind auch drei meiner Bücher erschienen. Wobei das eine mit dem anderen nichts zu tun hat: Ich war Mitglied, bevor ich auch nur daran dachte, dort meine »Peter Pank«-Sachen erscheinen zu lassen.
Das Archiv beschäftigt sich mit der Jugendforschung, publiziert deren Ergebnisse in teilweise extrem interessnten Büchern, bringt aber auch autobiografische Texte und Romane - wie eben mein Zeugs. Im Archiv werden zudem »Zeugnisse aus und über Jugendkulturen« gesammelt, wozu unter anderem Fanzines und Flyer gehören. Das alles kann man kostenlos angucken und teilweise auch ausleihen.
Das Archiv trägt sich bislang durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und unentgeltliche Arbeit. Staatskohle oder so gibt's praktisch keine, sprich, der Verein hängt immer kurz vor dem Exitus in der Luft.
Deshalb soll's die Stiftung geben. Die soll für »Sicherheit und Kontinuität« sorgen - klingt vernünftig, und ich will da auch spenden. Es wäre gut, wenn das mehr Leute täten. Weitere Informationen zum Thema gibt's auf der Homepage des Archivs.
Jetzt ist aber ein grundsympathischer Verein dabei, eine Stiftung aufzubauen. Gemeint ist das Archiv der Jugendkulturen mit Sitz in Berlin. Das existiert seit 1998, ich bin Mitglied, und dort sind auch drei meiner Bücher erschienen. Wobei das eine mit dem anderen nichts zu tun hat: Ich war Mitglied, bevor ich auch nur daran dachte, dort meine »Peter Pank«-Sachen erscheinen zu lassen.
Das Archiv beschäftigt sich mit der Jugendforschung, publiziert deren Ergebnisse in teilweise extrem interessnten Büchern, bringt aber auch autobiografische Texte und Romane - wie eben mein Zeugs. Im Archiv werden zudem »Zeugnisse aus und über Jugendkulturen« gesammelt, wozu unter anderem Fanzines und Flyer gehören. Das alles kann man kostenlos angucken und teilweise auch ausleihen.
Das Archiv trägt sich bislang durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und unentgeltliche Arbeit. Staatskohle oder so gibt's praktisch keine, sprich, der Verein hängt immer kurz vor dem Exitus in der Luft.
Deshalb soll's die Stiftung geben. Die soll für »Sicherheit und Kontinuität« sorgen - klingt vernünftig, und ich will da auch spenden. Es wäre gut, wenn das mehr Leute täten. Weitere Informationen zum Thema gibt's auf der Homepage des Archivs.
22 Juli 2010
Nachgedruckt und empfehlenswert

In den späten 70er und frühen 80er Jahren las ich das Fanzine »Exodus« mit Begeisterung; ich glaube bis heute, dass es einen Teil meiner Sozialisation mit beeinflusst hat. Das Heft brachte Science Fiction mit politischem Anspruch, und das war ziemlich klasse.
Dann wurde das Heft eingestellt, bis es vor einigen Jahren eine Wiederauferstehung feierte. Das Feiern ist so intensiv ausgefallen, dass ich es mittlerweile für eine richtig herausragende Produktion halte. Wer sich ernsthaft für Science Fiction interessiert, kann an dem Heft eigentlich nicht mehr vorübergehen: Auch wenn ich nie alle Texte brillant finde, sind doch immer wieder sehr gute Kurzgeschichten enthalten.
Jetzt wurde sogar ein Heft nachgedruckt: Die Ausgabe 22, bereits Ende 2007 erschienen, gibt's neu - und zwar in Farbe. Der Slogan »Science Fiction Stories & phantastische Grafik« kommt in der Tat noch besser zur Geltung, wenn das Cover sowie der Mittelteil nicht schwarzweiß sind, sondern in toller Farbe glänzen.
Das Heft enthält Kurzgeschichten und Grafiken, alles von hohem Niveau und jederzeit empfehlenswert. Die 72 Seiten im A4-Format kosten im Inland 9,90 Euro; Lieferungen ins Ausland kosten wegen des Portos 11,00 Euro. Bestellungen über die Homepage bitteschön ...
21 Juli 2010
Comic-Rezensionen
In den letzten Wochen habe ich eine Reihe von Comics besprochen und empfohlen. Diese Rezensionen tauchen auf der PERRY RHODAN-Homepage auf - wo sonst? Aber ich will sie hier auch kurz erwähnen.
So habe ich die Comic-Umsetzung des Klassikers »Alice im Wunderland« vorgestellt. Diese erschien im Splitter-Verlag, verantwortlich dafür war französische Autor David Chauvel. Der Mann hielt sich zwar eng an die ursprüngliche Geschichte, veränderte sie aber an gewissen Stellen. Hübsch!
Ebenfalls aus dem Splitter-Verlag stammt die Trilogie »Das Reich Sienn«, von der es schon zwei Bände auf deutsch gibt. Ich habe den ersten Band besprochen, den ich in seiner Mischung aus Fantasy, bösem Humor und derber Gewalt sehr mochte.
Jonah Hex ist ein Western-Revolverveld, Spiderman eine Comic-Figur aus der Superhelden-Szene; beide gibt es auch in Verfilmungen. Und von beiden gibt es jetzt Neu-Interpretationen im Comic, über die ich geschrieben habe.
Vom Carlsen-Verlag kommt der neueste Streich aus der erfolgreichen Fantasy-Welt Troy des französischen Szenaristen Arleston: »Die Legenden von Troy« kamen im Frühjahr 2010 und bietet wieder einmal flotte Unterhaltung in leicht-lockerem Zeichenstil. Fantasy mit augenzwinkerndem Humor also ...
Zumeist ernsthafter geht es in der vierbändigen Serie »Alim der Gerber« aus dem Splitter-Verlag zu, die von einer jungen Fantasy-Künstlerin stammt. Das fand ich rchtig stark, und das habe ich entsprechend bejubelt.
Blut und Matsch dann im »Schattenkönigreich«, einer Neuentdeckung eines alten »Pulp«-Helden, in diesem Fall ist es »Kull von Atlantis«, im Original verfasst von Robert E. Howard. Von dem Autor Arvid Nelson und dem Zeichner Will Conrad kommt der neue Comic - hierzulande im Panini-Verlag.
So habe ich die Comic-Umsetzung des Klassikers »Alice im Wunderland« vorgestellt. Diese erschien im Splitter-Verlag, verantwortlich dafür war französische Autor David Chauvel. Der Mann hielt sich zwar eng an die ursprüngliche Geschichte, veränderte sie aber an gewissen Stellen. Hübsch!
Ebenfalls aus dem Splitter-Verlag stammt die Trilogie »Das Reich Sienn«, von der es schon zwei Bände auf deutsch gibt. Ich habe den ersten Band besprochen, den ich in seiner Mischung aus Fantasy, bösem Humor und derber Gewalt sehr mochte.
Jonah Hex ist ein Western-Revolverveld, Spiderman eine Comic-Figur aus der Superhelden-Szene; beide gibt es auch in Verfilmungen. Und von beiden gibt es jetzt Neu-Interpretationen im Comic, über die ich geschrieben habe.
Vom Carlsen-Verlag kommt der neueste Streich aus der erfolgreichen Fantasy-Welt Troy des französischen Szenaristen Arleston: »Die Legenden von Troy« kamen im Frühjahr 2010 und bietet wieder einmal flotte Unterhaltung in leicht-lockerem Zeichenstil. Fantasy mit augenzwinkerndem Humor also ...
Zumeist ernsthafter geht es in der vierbändigen Serie »Alim der Gerber« aus dem Splitter-Verlag zu, die von einer jungen Fantasy-Künstlerin stammt. Das fand ich rchtig stark, und das habe ich entsprechend bejubelt.
Blut und Matsch dann im »Schattenkönigreich«, einer Neuentdeckung eines alten »Pulp«-Helden, in diesem Fall ist es »Kull von Atlantis«, im Original verfasst von Robert E. Howard. Von dem Autor Arvid Nelson und dem Zeichner Will Conrad kommt der neue Comic - hierzulande im Panini-Verlag.
20 Juli 2010
Bürger-Terror
Eigentlich hätte es ein richtig gemütlicher Sonntag werden können. Lang ausschlafen, schön auf dem Balkon frühstücken, später irgendwie in der Sonne rumgammeln und abends mit Freunden lecker futtern. Ein fauler Tag, ein gemütlicher Tag.
Ich rechnete nicht mit der Durchtriebenheit einiger Nachbarn. Gut zwei Gärten weiter, also vielleicht hundert Meter entfernt von unserem Balkon, mitten in dem bürgerlichen Wohngebiet gelegen, an dessen Rand wir wohnen, feierte jemand seinen Geburtstag - oder den Geburtstag seiner Ehefrau.
Ich wurde gegen elf Uhr morgens wach, also mitten in der Nacht an einem Sonntag vormittag. Eine Drehleiher spielte dröhnend laut, später stimmte eine quäkende Orgel ein. So klang es für meine Ohren, aber wahrscheinlich war es nur ein Alleinunterhalter.
Dieser Alleinunterhalter begann später zu singen. »Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt« ist ja ganz nett, nicht aber in dieser Lautstärke an einem Sonntag.
Schlager dieser Art wurden durch die Gegend geschmettert, dazwischen kam alle halbe Stunde ein »Happy Birthday«. Und damit wir uns zwischendurch nicht ausruhten, wurden wir mit Reden und laut erzählten Witzen beschallt.
Na klasse. Ich dachte über die Anschaffung von Raketensystemen nach und überlegte ernsthaft, die Polizei wegen Ruhestörung zu alarmieren. So laut waren anno 1995 nicht einmal die Chaostage in Hannover, aber echt!
Irgendwann gaben wir auf und flüchteten. Ein Punk-Konzert gab's an diesem Sonntag mittag leider nicht. Aber beim Klassik-Open-Air auf dem Turmberg von Durlach gab's leckeres Eis, dezente Beschallung mit klassischer Musik, viel Schatten und eine herrlich entspannte Stimmung.
Man nimmt ja alles, um deutschen Schlagern zu entfliehen ...
Ich rechnete nicht mit der Durchtriebenheit einiger Nachbarn. Gut zwei Gärten weiter, also vielleicht hundert Meter entfernt von unserem Balkon, mitten in dem bürgerlichen Wohngebiet gelegen, an dessen Rand wir wohnen, feierte jemand seinen Geburtstag - oder den Geburtstag seiner Ehefrau.
Ich wurde gegen elf Uhr morgens wach, also mitten in der Nacht an einem Sonntag vormittag. Eine Drehleiher spielte dröhnend laut, später stimmte eine quäkende Orgel ein. So klang es für meine Ohren, aber wahrscheinlich war es nur ein Alleinunterhalter.
Dieser Alleinunterhalter begann später zu singen. »Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt« ist ja ganz nett, nicht aber in dieser Lautstärke an einem Sonntag.
Schlager dieser Art wurden durch die Gegend geschmettert, dazwischen kam alle halbe Stunde ein »Happy Birthday«. Und damit wir uns zwischendurch nicht ausruhten, wurden wir mit Reden und laut erzählten Witzen beschallt.
Na klasse. Ich dachte über die Anschaffung von Raketensystemen nach und überlegte ernsthaft, die Polizei wegen Ruhestörung zu alarmieren. So laut waren anno 1995 nicht einmal die Chaostage in Hannover, aber echt!
Irgendwann gaben wir auf und flüchteten. Ein Punk-Konzert gab's an diesem Sonntag mittag leider nicht. Aber beim Klassik-Open-Air auf dem Turmberg von Durlach gab's leckeres Eis, dezente Beschallung mit klassischer Musik, viel Schatten und eine herrlich entspannte Stimmung.
Man nimmt ja alles, um deutschen Schlagern zu entfliehen ...
19 Juli 2010
Sunpower lassen's altmodisch krachen
Bei manchen Stücken klingt der Sänger der belgischen Band Sunpower tatsächlich wie der gute alte Jello Biafra von den Dead Kennedys. Das ist einerseits ziemlich klasse, andererseits verwirrt es mich dann doch ziemlich beim Anhören der aktuellen CD dieser Band, die den schlichten Titel »Bondage« trägt.
14 mal lassen's die Belgier ziemlich krachen. Durch die Bank klingt das so, als schriebe man 1981 in den USA: schneller, rotziger Hardcore-Punk ohne einen Funken von Metal-Gewichse und vor allem ohne jegliches Emo-Gejammer. Die Band streckt den Hörern den gereckten Zeigefinger entgegen und zerrt sie in einen Pit mit rasendem Stiefel-Pogo und ebenso rasendem Slamdance.
Das ist nicht schreiend originell, das habe ich vor allem vor bald 30 Jahren sehr oft gehört – aber es knallt so gut, dass es mir gut gefällt. Angesichts der Tatsache, dass mir Belgien ansonsten als Hort von Streetpunk- oder Anarchopunk-Bands bekannt geworden ist, empfinde ich die Band sogar als richtig erfrischend. Schön!
14 mal lassen's die Belgier ziemlich krachen. Durch die Bank klingt das so, als schriebe man 1981 in den USA: schneller, rotziger Hardcore-Punk ohne einen Funken von Metal-Gewichse und vor allem ohne jegliches Emo-Gejammer. Die Band streckt den Hörern den gereckten Zeigefinger entgegen und zerrt sie in einen Pit mit rasendem Stiefel-Pogo und ebenso rasendem Slamdance.
Das ist nicht schreiend originell, das habe ich vor allem vor bald 30 Jahren sehr oft gehört – aber es knallt so gut, dass es mir gut gefällt. Angesichts der Tatsache, dass mir Belgien ansonsten als Hort von Streetpunk- oder Anarchopunk-Bands bekannt geworden ist, empfinde ich die Band sogar als richtig erfrischend. Schön!
Abonnieren
Posts (Atom)