12 August 2010

Altes Papier in Bergen

Bekommt man einmal Besuch von einem »richtig alten« Alt-Fan, macht mir das aus einem Grund ebenfalls so richtig Spaß: Ich kann meinem Hobby frönen, der Vergangenheit der Science-Fiction-Szene, alte Erinnerungen einfangen und vor allem alte Fanzines geschenkt bekommen.

So ging's mir diese Woche, als Axel Melhardt aus Wien zu Besuch war und mir einen Packen von Heften da ließ, alle aus den 60er Jahren, viele davon zu einer Zeit entstanden, als ich noch nicht einmal geboren war. Fanzine-Schätze, mit denen die meisten Leute nichts anfangen können, die mich aber komplett begeistern.

Seit Tagen wühle ich darin, sortiere, blättere und lese gelegentlich sogar. Es macht Spaß, in den alten Heften zu schmökern und von Leuten zu lesen, die teilweise schon lange tot sind, in den 60er Jahren aber mit riesiger Begeisterung dabei waren.

Ein Teil der Fanzines kommt in meine Sammlung, die damit auch in den 60er Jahren langsam immer »kompletter« wird. Ein Teil wandert nach Berlin, wo sie hoffentlich im Archiv der Jugendkulturen einen vernünftigen Platz findet.

Einige Schmuckstücke werde ich in die Ausstellung zum PERRY RHODAN-WeltCon packen, der nächstes Jahr stattfinden wird. Aber das meiste – und das freut mich – kann ich selbst nehmen.

Ist das dann schon Papier-Nekropholie, oder welche Krankheit habe ich eigentlich?

11 August 2010

Mein Level ist das eines Heftromans

Etwa ein Jahr nach dem Erscheinen ist jetzt im Blog »SF-Dinosaurier«, der innerhalb des Science-Fiction-Netzwerkes zu besuchen ist, eine Besprechung zu meinem Kurzroman »Der Schatten des Friedens« veröffentlicht worden. Das hat mich schon allein deshalb gefreut, weil sich auf der Seite vor allem solche Leute tummeln, die »Schundhefte« und deren Produzenten generell für ziemlich daneben halten (höflich formuliert).

Der Schreiber nennt sich »a3kHH«, und er findet durchaus nette Worte für mein Werk. Wer so exponiert wie ich sei, müsse allerdings »schon sehr von seinem Werk überzeugt sein, um damit in die Öffentlichkeit zu gehen«. Seltsame Argumentation, aber egal: Nur weil ich exponiert sei, was ich de facto nicht bin (höchstens innerhalb der ghettoisierten SF-Szene bin ich einigermaßen bekannt), muss ich doch keine übertriebene Scheu vor eigenem Geschreibel haben ...

Mein Roman sei »kein Meisterwerk«, stimmt, aber man könne sich »doch damit sehen lassen«. Der Rezensent versteht mein Buch »als Antikriegsroman im Fantasygewand« und attestiert mir freundlicherweise »auf dem Level eines Heftromans« geblieben zu sein. Das finde ich tröstlich.

(Wahrscheinlich könnte ich Lyrik veröffentlichen, und man würde sie in die Heftromanecke stecken. Einmal PERRY-Hefte rausgebracht, für immer den Stempel in der Fresse. Science-Fiction-Fans sind schon seltsam.)

10 August 2010

Skandal mit zwei Buchstaben

Man kann mich auch mit gelungener Werbung erfreuen. Mag sein, dass mich das manipuliert, in erster Linie aber finde ich es gut, wenn sich Leute was ausdenken: In diesem Sinn ist der angebliche Skandal um die missbrauchten Buchstaben L und G ein gelungener Film.

Wer's nicht kapiert, sollte den Youtube-Link klicken und sich das Filmchen anschauen. Geht nicht mal zwei Minuten und wirkt tatsächlich, als sei es ein halbwegs seriöser Bericht aus einem halbwegs seriösen Boulevard-Magazin im Fernsehen.

09 August 2010

Nazi-Aufmarsch in Karlsruhe geplant

Wer auch immer dahinter steckt: Die Freien Kräfte Karlsruhe sind eine Neonazi-Gruppierung, die für den Samstag, 21. August 2010, zu einem Aufmarsch in Karlsruhe aufruft. Da werde ich wohl auch auf die Straße gehen und versuchen, mich den »Kameraden« in den Weg zu stellen.

Ein erster Aufruf, den ich in den Fingern hielt, bezog sich auf irgendwelche Arbeiterrechte, also ein »soziales« Thema. Mittlerweile ist durchgesickert, dass es wohl eher eine »schlecht verbrämte Veranstaltung zum Todestag des Hitlerstellvertreters Heß« sei. Also mal wieder ein Rudolf-Heß-Gedächtnismarsch ...

Es gibt haufenweise Aufrufe zu Kundgebungen und Demonstrationen im Internet. Ich will die weder sprachlich noch inhaltlich kommentieren, sondern bleibe bewusst proletig: Keinen Fußbreit den Faschisten!

(Wir sehen uns dann auf der Straße. Ich bin der ältere Herr mit dem Bauchansatz und der braven Frisur im Jackett, der sich staatstragend-brav von sportlichen Aktivitäten fernhalten wird.)

07 August 2010

Warum ich Hasen mag


Zu meiner großen überraschung findet man in Buchhandlungen immer noch - oder immer wieder - das Kinderbuch »Die Häschenschule«. Das Ding stammt im Original aus den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, ist so ein richtig klassisches Bilderbuch mit gereimten Texten und steckt vor allem voller antiquierter Auffassungen von Schule, Erziehung und Geschlechterrollen.

Ich bekam das Buch selbstverständlich auch mal geschenkt. Meine Version war von einem »Alfred Hahn's Verlag K.G.« aus Hamburg (was auch heute noch auf dem Cover steht) und wurde bei te Neues gedruckt; das ist heute ein bekannter Kalenderverlag.

Ich nehme an, dass ich noch sehr klein war, als mir meine Eltern das Buch schenkten: vielleicht sechs oder sieben Jahre. Und dieser Tage hielt ich es wieder in den Händen. Abgegriffen sieht es aus, von fettigen und verschmierten Kinderhänden wohl einige hundert oder gar tausend Mal durchgeblättert.

Die im Buch erzählte Geschichte kommt mir heute völlig seltsam vor. (Punkrock ist das nicht.) Aber wenn ich das Buch anschaue, meine handschriftlichen Schmiereien vor Augen, bekomme ich nostalgische Gefühle.

Und das ist dann wahrscheinlich der einzige Grund, warum es dieses Buch immer noch auf dem Markt gibt: Irgendwo gibt es immer Menschen, die es als Kind einmal besaßen und die es jetzt vielleicht ihren Enkeln schenken wollen. Da ich keine Enkel habe, werde ich das Buch wohl einfach in mein Bücherregal stellen. Ein Platz wird sich wohl finden lassen ...

06 August 2010

Träume in Träumen

Auch ich habe mir jetzt endlich »Inception« angeschaut, den neuen Streifen von Christopher Nolan und mit Leonardo Di Caprio. Es geht um Träume, um Träume in Träumen und andere geheimnisvolle Dinge. Dazwischen wird fleißig geballert und gesprengt, gelegentlich in Erinnerungen geschwelgt und - erstaunlicherweise - auf Sex verzichtet.

Ganz ernsthaft: Ich fand den Film richtig klasse. Dabei hatte ich durchaus meine Schwierigkeiten, der teilweise sehr komplexen Handlung zu folgen, die mit superschnellen Schnitten, viel Action und bewusst ausgesparten Details vorangetrieben wurde. Aber angeblich ging's den Schauspielern bei den Dreharbeiten nicht anders.

Die Tricks sind sagenhaft: Kämpfe in der Schwerelosigkeit eines Hotelflurs, Schießereien in einer verschneiten Festung im Gebirge, sich aufbäumende Häuser und Straßen - das alles ist sensationell gemacht und ließ mich im Kino nur noch staunen. Da werde ich ganz zum Kind.

Dass das ganze auch noch mit einer komplexen Handlung verbunden wird, finde ich zusätzlich klasse. Neben der Action gibt's da noch Stoff fürs Hirn, und das kann nicht schaden.

Kein Wunder, dass wir nach dem Kinoabend noch eine Weile lang diskutierten und die Details gewissermaßen nacharbeiteten. Das war wohl nötig ... Wer noch nicht drin war, sollte »Inception« unbedingt anschauen!

Government Warning machen einfach Klasse-Hardcore

Manchmal denke ich, Government Warning aus Richmond in Virginia kann nichts falsch machen. Seit Mitte der Nullerjahre treiben die vier Burschen ihr Unwesen – mit ihrer furiosen Mischung aus knalligem Hardcore und ebenso knalligem Punk begeistern sie mich seit der ersten Platte. Die aktuelle Langspielplatte »Paranoid Mess«, bereits im Jahr 2009 auf dem Label Grave Mistake Records erschienen, bildet hier keine Ausnahme.

Die Stücke sind kurz und rotzig, machen aber nicht den Versuch, Hochgeschwindigkeits-Hardcore zu bringen, sondern lassen's durchaus auch mal rocken. Die immer noch jungen Kerle bedienen sich ohne zu zögern bei den spannenden Entwicklungen der letzten dreißig Jahre Punkrock- und Hardcore-Geschichte, bleiben dabei nicht verträumt in den 80er Jahren hängen, sondern zeigen, dass man auch 2009 konsequenten Hardcore-Punk spielen kann.

Klasse-Band, die ihre Platten auf einem Klasse-Label rausbringt. Super!, so was läuft bei mir dann tagelang durch!

05 August 2010

Peter zum siebenundzwanzigsten

Das aktuelle OX-Fanzine ist da; ich fischte es heute aus dem Briefkasten. Es ist schon die Nummer 91, was heißt, dass das große Jubiläum immer näher rückt, und vom Cover schreit einem Lee Hollis von den Spermbirds entgegen - sieht gut aus.

Im Innenteil gibt's wieder eineinhalb Seiten meines Fortsetzungsromans. Es ist die Folge 27, und diesmal ist es eher eine Zwischen-Episode. Peter Pank arbeitet im Wald, Peter Pank versöhnt sich mit seinem Kumpel, Peter Pank bekommt einen Anruf aus Nagold. Also alles eher beschaulich, aber es kann ja nicht immer Hauereien und Punk-Konzerte geben.

Dieser Tage habe ich übrigens mal ausgerechnet ... nein, der Computer hat's ausgerechnet: Wie lang ist eigentlich der dritte PETER PANK-Roman. Für ein ordentliches Buch reicht's auf jeden Fall schon mal aus, soviel ist sicher.

Nur kann ich beim besten Willen noch nicht sagen, bis wann das irgendwann erscheinen wird. Vorbestellungen bei amazon oder beim örtlichen Buchhändler sind somit schlicht nicht möglich.

04 August 2010

»Klaus schreibt 1« in der Hand

Irgendwann in der zweiten Hälfte der 80er Jahre beganh ich damit, meine Briefe öffentlich zu beantworten. Ich startete Briefbeantwortungs-Fanzines mit teilweise obskuren Namensgebungen; im März 1989 erschien so »Klaus schreibt 1«, was als erste Ausgabe dieser Reihe gedacht war.

Auf vier Seiten, die ich auf einer elektrischen Schreibmaschine im ANZEIGER-Verlagsbüro in Freudenstadt tippte, gab's öffentliche Verlautbarungen an Fans wie Matthias Hofmann oder Detlef Niemz, Punk-Leute wie Moses Arndt und sogar meine damalige Freundin Juliane. Dieses Mini-Fanzine fiel mir dieser Tage tatsächlich mal wieder in die Hände.

Es geht um Fan-Veranstaltungen wie den bevorstehenden FreuCon und mein Fanzine SAGITTARIUS, dessen Neustart damals noch unter dem Namen ENDLESS angekündigt wurde. Es geht um grundsätzliche Unterschiede zwischen Punk/Hardcore und Metal-Musik, die von mir als »absolut dumme und dumm-machende Musikart für Opel-Manta-Fahrer, primitive Macho-Typen und peinliche Kreisch-Tussis« bezeichnet wird.

Und schaue ich mir das ganze mit dem Abstand von vielen Jahren an, fällt auf, wie seltsam großkotzig das gesamte Egozine wirkt. Natürlich war die Arroganz aufgesetzt und nicht immer ernstzunehmen, selbstverständlich sollte das ganze witzig und amüsant sein. Solche Diskussionen und Äußerungen waren in der Fan-Szene der späten 80er Jahre durchaus üblich; heutzutage wundere ich mich, dass ich solchen Unfug bereitwillig mitmachte und befeuerte.

Manchmal ist es doch ganz gut, erwachsen und vernünftig zu werden ...

03 August 2010

Lennard mit Pop in britischer Tradition

Ich mag Pop-Musik, und das seit Jahren. Sie darf nicht zu sülzig sein, sie muss gute Melodien enthalten – und dann passt alles. Wohl deshalb mochte ich in all den Jahrzehnten guten Pop-Punk wie Snuff, und ich halte The Smiths oder The Cleaners From Venus aus den 80er Jahren immer noch für richtig gute Bands.

Ob ich mich in einem Vierteljahrhundert noch an Lennard erinnern kann, weiß ich nicht. Die aus dem Großraum Frankfurt stammende Vierkopfcombo macht Gitarren-Pop, der sich eindeutig an den 80er-Jahre-Vorbildern orientiert, gelegentlich aber auch mal Elektronik einsprengselt.

Manchmal ist der Sound richtig schwelgerisch, fast süßlich (was die Go-Betweens auch getan haben, und die mochte ich ebenfalls), manchmal knarzt und rockt es ein wenig. Die Melodien stimmen auf jeden Fall, wenngleich's mir zu glatt gebügelt erscheint. Die englischen Texte sind mal vertrackt, mal einfach nur nette »Erzählungen«.

Alles in allem eine ausgereifte Platte – man merkt der Band an, dass sie seit Jahren zusammenspielt. Den Kracher-Hit habe ich nicht gefunden, aber vielleicht muss die CD bei mir im Ohr auch noch ein wenig »reifen«. Schauen wir mal.

02 August 2010

Von Boston nach Karlsruhe

Der Sonntag, 1. August 2010, war der erste Sonntag im Monat - also war ich mal wieder dran damit, die ENPUNKT-Radiosendung im örtlichen freien Radio Querfunk zu machen. Als Thema hatte ich mir Boston ausgesucht, die alte Szene-Metropole von der Ostküste. Auf zwei bekannte Boston-Bands wie Slapshot oder auch Dropkick Murphys verzichtete ich, es gibt und gab ja schließlich genug andere.

Mit Deep Wound (die Band, in der J Mascis, der spätere Sänger von Dinosaur jr) und DYS (die erste Band von Dave Smalley, der später All oder Dag Nasty oder Down By Law hatte) brachte ich zwei sehr frühe Hardcore-Klassiker; dazu noch die guten alten F.U.s ... Nicht ganz so alt, nämlich aus der Mitte der 80er Jahre stammen die Dogmatics mit ihren Rock'n'Roll und leichtem Punk-Einfluss und die Eight Route Army mit stinknormalem Punk.

Wer's eher schunkelig mag, bekam von mir die Ducky Boys und die Street Dogs um die Ohren gehauen: Streetpunk mit viel Iren-Schmackes, das passt dann ja wirklich zu Boston. Aus der Reihe fielen dann die Ringers, zweifelsohne eine der besten Bands aus der Stadt, die sich aber den Schubladen ziemlich verweigert.

Aber so mag ich's ja: abwechslungsreich und flott, punkrockig und hardcorig, krachig und melodiös. War 'ne schöne Sendung.

01 August 2010

Hobbyautor im Frust

Meine schriftstellerische Bilanz fürs Jahr 2010 sieht bislang mies aus: Einige Kurzgeschichten konnte ich veröffentlichen, Geld gab's dafür keines, immerhin Belegexemplare. Aber so richtig schmücken mag mich das eh nicht.

Mit dem großen Romanprojekt hänge ich, wobei die Gründe durchaus verschieden sind. Einer der Gründe liegt darin, dass sich einige Punkte in dieser unserer Welt komplett geändert haben - schon blöd.

Ansonsten hapert es am andauernden Zeitmangel und an der Tatsache, dass die freien Stunden dann dafür benutzt werden, mit Freunden und Bekannten das eine oder andere Bier zu trinken oder gar auf Krachkonzerte zu gehen ... Wie es weitergeht, weiss ich derzeit nicht. Abwarten und jammern ...

30 Juli 2010

Geiz ist tot

Es muss in den späten 60er Jahren gewesen sein, als die Kunde von einem »Albrecht-Laden« bis in mein heimatliches Schwarzwalddorf drang; diesen Laden gäbe es in Gaggenau im Murgtal. Und da wir dort Verwandte hatten, wurde ein Verwandtschaftsbesuch mit einem Besuch in diesem Geschäft verbunden.

Das war eine Sensation: Waren wurden nicht ausgepackt, sondern standen in Kartons oder auf Paletten; alles wirkte ein wenig schmuddelig und chaotisch. Dafür war aber auch alles sensationell billig. Und so fuhren meine Eltern immer wieder in den »Albrecht-Laden« ... und ich bin wahrscheinlich seit gut vierzig Jahren ein Kunde bei »Aldi«.

Jetzt ist einer der beiden Albrecht-Brüder gestorben, es ging durch die Presse und muss in diesem Blog nicht wiedergekäut werden. Persönlich betroffen hat's mich nicht: Die ausbeuterischen Verhältnisse in den Discount-Märkten haben mich in all den Jahren nicht davon abgehalten, gelegentlich bei »Aldi« einzukaufen.

Der Aldi-Gründer ist als steinreicher Milliardär gestorben. Seine Milliarden verdiente er, weil Leute wie ich bei ihm einkauften und weil Leute wie ich (zumindest 1981 bis 1984) als schlecht bezahlte Arbeitskräfte in Supermärkten malochen.

Seine Erben übernehmen das Imperium, ändern wird sich wohl kaum etwas. Von daher ist jegliche Betroffenheit fehl am Platz. Und einmal alle zwei Monate werde ich wohl weiterhin mein Geld zu »Aldi« tragen, fürchte ich.

29 Juli 2010

Rollenspieler in der Heimat

Wann ich genau mein erstes Rollenspiel absolvierte, weiß ich nicht mehr hundertprozentig genau. Mein erstes »Live-Rollenspiel« - den Begriff gab es damals noch nicht - hatte ich im Sommer 1980 in Konstanz; man nannte das damals »FOLLOW-Marsch«, und ich rannte zwar mit Jeansjacke, aber mit einem Morgenstern als Waffe durch den Wald. Wir sehen garantiert sehr albern aus; heute ist das ja fast ein Massensport.

Das erste Rollenspiel war dann in Marburg beim Fest der Fantasie; es müsste 1981 gewesen sein. Und im Frühjahr 1982 gab es die erste Rollenspiel-Runde im Jugendzentrum »Murgtäler Hof« in Freudenstadt.

Warum ich das erzähle? Weil die »Runde der Ringgeister« am bevorstehenden Wochenende in genau diesem Jugendzentrum einen Rollenspiel-Con veranstaltet - es ist die fünfzehnte Veranstaltung der aktiven Rollenspieler aus meiner Heimatstadt, und ich bin sicher, dass es für sie ein riesiger Spaß sein wird. Wie vor bald dreißig Jahren für unsereins.

Schon seltsam, wenn man so sieht, was die »Nachgeborenen« so machen. Es juckt mich in den Fingern, da mal reinzugucken und zuzusehen, was die so treiben. Aber natürlich werde ich brav daheim bleiben. Obwohl ...

28 Juli 2010

Klare Unterschiede

Rückblick auf die Südfrankreich-Reise im Frühsommer 2010

Es war einer unserer Spaziergänge entlang der Ufer-Promenade von Cannes. Die Luft war warm, die Brise vom Meer her erfrischte, und die Hitze des Tages wich langsam erträglichen Temperaturen.

Um uns herum brodelte das Leben der bonzigen Stadt. Muskelmänner in dunklen Anzügen führten schlanke Blondinen in Kleidchen spazieren. Alte Damen in protzigen Kostümen führten kleine Hunde mit niedlichen Kulleraugen spazieren. Karriereorientierte Familienväter führten Kinder mit teuer wirkenden Klamotten spazieren.

Und wir stolperten dazwischen herum, fanden alles sehr unterhaltsam und hatten viel Spaß. Die Leute nannten wir mittlerweile nur noch die «Cannesen«, ohne uns einen Kopf darüber zu machen, ob sie da wirklich wohnten oder nur zum Urlaub da waren.

»Weißt du, worin wir uns wirklich von denen unterscheiden?«, fragte meine Begleiterin.

Ich erwartete eine größere intellektuelle Auseinandersetzung und schüttelte erst einmal den Kopf. »Keine Ahnung.«

»Die sind weiß«, kam die trockene Antwort, »und wir sind schwarz.«

Das stimmte. Wir trugen schwarze Turnschuhe (oder Sandalen), schwarze kurze Hosen, dunkle T-Shirts, ich gelegentlich noch eine schwarze Mütze. Die Cannesen zeigten viel weiß und hell. Wir stachen buchstäblich aus der Masse heraus, nur rein optisch und das nicht einmal absichtlich.

Ich war mir seit etwa 1995 nicht mehr so »punkig« vorgekommen.

27 Juli 2010

Wandern zwischen Ocker

Rückblick auf die Südfrankreich-Reise im Frühsommer 2010

Bevor ich dort war, kannte ich die Luberon-Region nicht einmal vom Namen her ... soviel zu meinen Geografie-Kenntnissen. Dabei besuchte ich in den 80er und 90er Jahren einige Male die Stadt Avignon, und in deren Umgebung ist das Luberon.

Dort landeten wir auch im Mai 2010, genauer gesagt mitten in der Pampa, in einer leicht hügeligen Landschaft zwischen den Dörfern Roussillon und Gargas. Und dort beschlossen wir an einem wunderbar sonnigen Tag, einen längeren Spaziergang zu unternehmen. Man macht im Urlaub manchen Unfug, und der gehörte dazu.

Wir spazierten durch einen herrlichen Wald mit alten Bäumen, vorbei an alten, halb verfallenen Ocker-Steinbrüchen. Die schauten wir uns natürlich an und begutachteten interessiert die Steine, ihre Farbe und ihre Beschaffenheit – und das alles ohne jegliche Kontrolle.

Die hatten wir dann in Roussillon; das ist die Stadt in Frankreich, die von den Ocker-Bergen lebt. Früher vom Abbau, heute vom Tourismus. Das Städtchen selbst strahlt in der Sonne in einer Mischung aus gelb, orange und rot; man kann dort schön durch die Gassen streifen und auch nett futtern.

Allerdings gehört man eben zu einer Heerschar von Touristen, die es dort immer gibt. Mit einer ähnlichen Heerschar besichtigten wir später sogar die Ocker-Berge: ein fantastischer Anblick, der an alte Filme erinnerte und mich immer wieder neu faszinierte.

Danach reichte es uns mit den Menschenmengen, wir spazierten los. Es wurde wärmer, aus dem Spaziergang wurde eine Wanderung, und wir legten im Verlauf dieses Tages dann doch an die zwanzig Kilometer zurück.

Ich begann, die Luberon-Region zu lieben. Der Duft der Wiesen und kleinen Wälder, die freie Landschaft, die Stille zwischen den Hügeln, die winzigen Ansiedlungen zwischen den Dörfern, die Handvoll Bauernhöfe dazwischen – und immer wieder der schöne Ausblick auf die Hügel in der Umgebung, auf denen andere Höfe und Dörfer kauerten ... ich bin sicher, dass ich da nicht zum letzten Mal war.

26 Juli 2010

Never Built Ruins rotzen

Wenn ich die Band Never Built Ruins in Freiburg verorte, ist das hoffentlich nicht völlig falsch; teilweise kommen die Herren auch aus anderen Städten oder sind zugezogen. Hin wie her: Ich habe übers Wochenende die EP »Schutt & Asche« angehört, die 2008 aufgenommen wurde und die ein ziemlich geiles Hardcore-Geprügel enthält.

Die Texte sind mal englisch, mal deutsch oder in Stücken wie »Never Surrender« glatt noch ein Mischmasch. Dieses Stück ist von den Texten her mein Liebstes: Nach viel Szene-Kritik kommt dann zuletzt das geradezu beruhigende »Ich lieb dich trotzdem / ich lieb dich immer noch / Punk«.

Druckvoll und hymnisch zugleich kommt die Musik daher, die Stimme des Sängers wechselt zwischen Gerotze und Geschrei, was aber immer gut passt. Und es ist eine Platte, die nach mehrerem Anhören immer besser wird, geradezu an Intensivität gewinnt. Starkes Ding, echt!

25 Juli 2010

Karlsruher Lesebuch ist da


Schön geworden ist es, das Karlsruher Lesebuch, das dieser Tage erschienen ist. Es wurde von Matthias Kehle und Thomas Lindemann herausgegeben und vom Info-Verlag veröffentlicht; es soll im Prinzip die Karlsruher Literatur-Szene vorstellen.

Ob das gelungen ist, kann ich noch gar nicht beurteilen, weil ich das Buch bislang noch nicht gelesen habe. Mit dabei sind auf jeden Fall eine Reihe von Leuten, die ich vom Namen her kenne, und von mir ist auch eine Kurzgeschichte enthalten. So was finde ich stets schmeichelhaft.

Bunt gemischt wirkt das Buch allemal: Gedichte gibt's, experimentielle Texte, aber auch ganz normale Kurzgeschichten, zu denen wohl auch mein Werk zählen wird. Und weil man die Autoren schön alphabetisch veröffentlicht hat, gibt es keinerlei Gewichtung. Finde ich gut!

Wer sich für das Buch interessiert, kriegt's natürlich überall im Buchhandel. Oder eben direkt beim Verlag und dort auf dessen Homepage.

24 Juli 2010

Mehr für uns?

»Wir müssen mehr für die Leute im eigenen Land tun«, erklärte mir die rundliche Dame. Ich kannte sie aus meiner Jugendzeit, und wir hatten uns viele Jahre lang nicht mehr gesehen. »Es gibt ja auch in Deutschland oder sogar hier bei uns in der Gegend viele arme Leute, denen man helfen muss, Kinder ohne Eltern und so.«

Es ging um das heikle Thema Entwicklungshilfe, und ich hatte einige Geschichten darüber erzählt, wie diese teilweise in Afrika zweckentfremdet oder völlig falsch eingesetzt wird. Vielleicht sollte ich mir das künftig verkneifen, überlegte ich bereits, wenn das die Leute völlig in den falschen Hals kriegen.

»Naja«, versuchte ich zu argumentieren, »es ist auch wichtig, den Leuten hier zu helfen, denen es schlecht geht. Aber normalerweise verhungern bei uns keine Kinder, und die sozialen Verhältnisse ..« Ich hielt ein kleines Referat über das allgegenwärtige Elend in der Sahelzone, stellte zu spät fest, dass ich in den »Ich weiß alles besser«-Modus gerutscht war und kurz davor war, zum besserwisserischen Arschloch zu mutieren, und bremste mich ein.

Kann man bei dem Thema eigentlich überhaupt nichts richtig machen?

Ich war einigermaßen glücklich darüber, als wir das Thema Kinderarmut in Afrika und in Baden-Württemberg verließen (wo die einen Kinder froh sind, einmal am Tag etwas zu essen haben, sind die anderen glücklich darüber, einen Gameboy oder ein Handy zu erhalten) und auf allgemeine Themen aus der gemeinsamen Jugend kamen. Die ließen sich glücklicher umschiffen ...

23 Juli 2010

Sinnvolle Stiftung

Stiftungen sind eine tolle Sache: Man kann mit ihnen sinnvolle Projekte fördern, Steuern sparen und so weiter. Wie sinnvoll Stiftungen sein können, sieht man daran, dass Fußballspieler wie Philipp Lahm eine für afrikanische Kinder gegründet haben oder gleich ein ganzer Konzern wie Bosch auf einem Stiftungsmodell basieren.

Jetzt ist aber ein grundsympathischer Verein dabei, eine Stiftung aufzubauen. Gemeint ist das Archiv der Jugendkulturen mit Sitz in Berlin. Das existiert seit 1998, ich bin Mitglied, und dort sind auch drei meiner Bücher erschienen. Wobei das eine mit dem anderen nichts zu tun hat: Ich war Mitglied, bevor ich auch nur daran dachte, dort meine »Peter Pank«-Sachen erscheinen zu lassen.

Das Archiv beschäftigt sich mit der Jugendforschung, publiziert deren Ergebnisse in teilweise extrem interessnten Büchern, bringt aber auch autobiografische Texte und Romane - wie eben mein Zeugs. Im Archiv werden zudem »Zeugnisse aus und über Jugendkulturen« gesammelt, wozu unter anderem Fanzines und Flyer gehören. Das alles kann man kostenlos angucken und teilweise auch ausleihen.

Das Archiv trägt sich bislang durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und unentgeltliche Arbeit. Staatskohle oder so gibt's praktisch keine, sprich, der Verein hängt immer kurz vor dem Exitus in der Luft.

Deshalb soll's die Stiftung geben. Die soll für »Sicherheit und Kontinuität« sorgen - klingt vernünftig, und ich will da auch spenden. Es wäre gut, wenn das mehr Leute täten. Weitere Informationen zum Thema gibt's auf der Homepage des Archivs.

22 Juli 2010

Nachgedruckt und empfehlenswert


In den späten 70er und frühen 80er Jahren las ich das Fanzine »Exodus« mit Begeisterung; ich glaube bis heute, dass es einen Teil meiner Sozialisation mit beeinflusst hat. Das Heft brachte Science Fiction mit politischem Anspruch, und das war ziemlich klasse.

Dann wurde das Heft eingestellt, bis es vor einigen Jahren eine Wiederauferstehung feierte. Das Feiern ist so intensiv ausgefallen, dass ich es mittlerweile für eine richtig herausragende Produktion halte. Wer sich ernsthaft für Science Fiction interessiert, kann an dem Heft eigentlich nicht mehr vorübergehen: Auch wenn ich nie alle Texte brillant finde, sind doch immer wieder sehr gute Kurzgeschichten enthalten.

Jetzt wurde sogar ein Heft nachgedruckt: Die Ausgabe 22, bereits Ende 2007 erschienen, gibt's neu - und zwar in Farbe. Der Slogan »Science Fiction Stories & phantastische Grafik« kommt in der Tat noch besser zur Geltung, wenn das Cover sowie der Mittelteil nicht schwarzweiß sind, sondern in toller Farbe glänzen.

Das Heft enthält Kurzgeschichten und Grafiken, alles von hohem Niveau und jederzeit empfehlenswert. Die 72 Seiten im A4-Format kosten im Inland 9,90 Euro; Lieferungen ins Ausland kosten wegen des Portos 11,00 Euro. Bestellungen über die Homepage bitteschön ...

21 Juli 2010

Comic-Rezensionen

In den letzten Wochen habe ich eine Reihe von Comics besprochen und empfohlen. Diese Rezensionen tauchen auf der PERRY RHODAN-Homepage auf - wo sonst? Aber ich will sie hier auch kurz erwähnen.

So habe ich die Comic-Umsetzung des Klassikers »Alice im Wunderland« vorgestellt. Diese erschien im Splitter-Verlag, verantwortlich dafür war französische Autor David Chauvel. Der Mann hielt sich zwar eng an die ursprüngliche Geschichte, veränderte sie aber an gewissen Stellen. Hübsch!

Ebenfalls aus dem Splitter-Verlag stammt die Trilogie »Das Reich Sienn«, von der es schon zwei Bände auf deutsch gibt. Ich habe den ersten Band besprochen, den ich in seiner Mischung aus Fantasy, bösem Humor und derber Gewalt sehr mochte.

Jonah Hex ist ein Western-Revolverveld, Spiderman eine Comic-Figur aus der Superhelden-Szene; beide gibt es auch in Verfilmungen. Und von beiden gibt es jetzt Neu-Interpretationen im Comic, über die ich geschrieben habe.

Vom Carlsen-Verlag kommt der neueste Streich aus der erfolgreichen Fantasy-Welt Troy des französischen Szenaristen Arleston: »Die Legenden von Troy« kamen im Frühjahr 2010 und bietet wieder einmal flotte Unterhaltung in leicht-lockerem Zeichenstil. Fantasy mit augenzwinkerndem Humor also ...

Zumeist ernsthafter geht es in der vierbändigen Serie »Alim der Gerber« aus dem Splitter-Verlag zu, die von einer jungen Fantasy-Künstlerin stammt. Das fand ich rchtig stark, und das habe ich entsprechend bejubelt.

Blut und Matsch dann im »Schattenkönigreich«, einer Neuentdeckung eines alten »Pulp«-Helden, in diesem Fall ist es »Kull von Atlantis«, im Original verfasst von Robert E. Howard. Von dem Autor Arvid Nelson und dem Zeichner Will Conrad kommt der neue Comic - hierzulande im Panini-Verlag.

20 Juli 2010

Bürger-Terror

Eigentlich hätte es ein richtig gemütlicher Sonntag werden können. Lang ausschlafen, schön auf dem Balkon frühstücken, später irgendwie in der Sonne rumgammeln und abends mit Freunden lecker futtern. Ein fauler Tag, ein gemütlicher Tag.

Ich rechnete nicht mit der Durchtriebenheit einiger Nachbarn. Gut zwei Gärten weiter, also vielleicht hundert Meter entfernt von unserem Balkon, mitten in dem bürgerlichen Wohngebiet gelegen, an dessen Rand wir wohnen, feierte jemand seinen Geburtstag - oder den Geburtstag seiner Ehefrau.

Ich wurde gegen elf Uhr morgens wach, also mitten in der Nacht an einem Sonntag vormittag. Eine Drehleiher spielte dröhnend laut, später stimmte eine quäkende Orgel ein. So klang es für meine Ohren, aber wahrscheinlich war es nur ein Alleinunterhalter.

Dieser Alleinunterhalter begann später zu singen. »Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt« ist ja ganz nett, nicht aber in dieser Lautstärke an einem Sonntag.

Schlager dieser Art wurden durch die Gegend geschmettert, dazwischen kam alle halbe Stunde ein »Happy Birthday«. Und damit wir uns zwischendurch nicht ausruhten, wurden wir mit Reden und laut erzählten Witzen beschallt.

Na klasse. Ich dachte über die Anschaffung von Raketensystemen nach und überlegte ernsthaft, die Polizei wegen Ruhestörung zu alarmieren. So laut waren anno 1995 nicht einmal die Chaostage in Hannover, aber echt!

Irgendwann gaben wir auf und flüchteten. Ein Punk-Konzert gab's an diesem Sonntag mittag leider nicht. Aber beim Klassik-Open-Air auf dem Turmberg von Durlach gab's leckeres Eis, dezente Beschallung mit klassischer Musik, viel Schatten und eine herrlich entspannte Stimmung.

Man nimmt ja alles, um deutschen Schlagern zu entfliehen ...

19 Juli 2010

Sunpower lassen's altmodisch krachen

Bei manchen Stücken klingt der Sänger der belgischen Band Sunpower tatsächlich wie der gute alte Jello Biafra von den Dead Kennedys. Das ist einerseits ziemlich klasse, andererseits verwirrt es mich dann doch ziemlich beim Anhören der aktuellen CD dieser Band, die den schlichten Titel »Bondage« trägt.

14 mal lassen's die Belgier ziemlich krachen. Durch die Bank klingt das so, als schriebe man 1981 in den USA: schneller, rotziger Hardcore-Punk ohne einen Funken von Metal-Gewichse und vor allem ohne jegliches Emo-Gejammer. Die Band streckt den Hörern den gereckten Zeigefinger entgegen und zerrt sie in einen Pit mit rasendem Stiefel-Pogo und ebenso rasendem Slamdance.

Das ist nicht schreiend originell, das habe ich vor allem vor bald 30 Jahren sehr oft gehört – aber es knallt so gut, dass es mir gut gefällt. Angesichts der Tatsache, dass mir Belgien ansonsten als Hort von Streetpunk- oder Anarchopunk-Bands bekannt geworden ist, empfinde ich die Band sogar als richtig erfrischend. Schön!

Phantastisch! Nummer 39


Es ist das beste Magazin, das derzeit im deutschsprachigen Raum sowohl Science Fiction als auch Fantasy in professioneller Weise beackert und sich schwerpunktmäßig auf die Literatur konzentriert: die Zeitschrift »phantastisch!« aus dem Verlag Achim Havemann. Zuletzt las ich die Ausgabe 39, die wieder einmal 68 Seiten im A4-Format stark war und ein Vierfarbcover aufwies.

Lesenswert sind diesmal die Interviews. Zwar ist mir das mit dem Fantasy-Autor Michael Peinkofer ein wenig zu oberflächlich, dafür macht das mit dem amerikanischen Schriftsteller Steven Savile durchaus neugierig auf seine Romane. Das ist ohnehin das, was ich an »phantastisch!« am besten finde: Die Artikel, Besprechungen und Interviews machen mich immer wieder auf neue Bücher aufmerksam, die ich sonst übersehen hätte.

»Wer wohnt eigentlich in Geisterhäusern?« ist ein Artikel, den ich nur überflog, weil mich das Thema »Geisterhäuser in Horror-Filmen« nicht sonderlich anspricht. Interessanter dann ein Artikel über Voltaire, der als Klassiker der Literaturgeschichte anerkannt ist, selbst aber auch phantastische Literatur verfasste.

Als Leser erfahre ich einiges über den Comic »Samurai«, über die Hörbuch-Umsetzung von Scheibenwelt-Romanen oder den amerikanischen Autor Avram Davidson. Ein Sammelsurium lesenswerter Artikel also, meist ordentlich geschrieben und mit vielen Informationen versehen. Sehr schön!

Albern finde ich höchstens die Abgrenzungsbemühungen mancher Mitarbeiter. Wenn Horst Illmer, dessen Sachkenntnis unbestritten ist, von »Heftchen« spricht, wird zu deutlich, wie peinlich es ihm ist, dass es »so etwas gibt« und um wieviel wohler er sich in Gegenwart gebundener Bücher fühlt. Ich find's allerdings gut, dass er Romane von Literaten wie Thomas Pynchon vorstellt und diese großzügig in den Science-Fiction-Kanon einordnet.

»phantastisch!« gibt's bei diversen Science-Fiction-Versendern oder in manchen Fachgeschäften. Wer sich für Science Fiction und Fantasy interessiert, sollte sich ein Abonnement besorgen – idealerweise über die Homepage – und damit eine gute Zeitschrift unterstützen.

17 Juli 2010

Volkszählung again

Mittlerweile ist es mir fast ein wenig peinlich, aber damals fand ich mich ziemlich stark: Der arme Mann, der 1987 mit den Volkszählungsbögen bei uns im Hof stand, wurde von mir übelst beschimpft, als »Staatsbüttel« und weniger nettes, und dann mit der Androhung, ihm Prügel zu verpassen, vom Gelände gejagt. Keine Heldentat, tatsächlich, aber der Schnüffelwahn des Staates nervte mich vor 23 Jahren so, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste. (Falls das eine Straftat war, ist die heute wohl verjährt. Meine Mutter war damals ziemlich entsetzt von mir.)

Später füllte ich dann doch einen Bogen aus, zähneknirschend zwar, aber immerhin. Die Hälfte aller Angaben war übrigens falsch. Von einem Kölner Kumpel, der heute fleißig Romane schreibt, erfuhr ich, dass er sein Haustür bei der Volkszählung angegeben hatte. 1987 dürfte also ein Teil der tollen Umfrage wegen des Unwillens vieler Leute eh nicht funktioniert haben.

2011 geht der Unfug von vorne los, und ich bin erstaunlich passiv. Mir ist klar, dass der Staat heute ganz andere Möglichkeiten hat, seine Bürger auszuspähen als damals. Gleichzeitig halte ich die führenden Personen in diesem Land für noch unfähiger als 1987, was ich mir damals nicht hätte vorstellen können.

Stellt sich jetzt nur die Frage, ob ich wirklich so passiv geworden bin. Oder hat unsereins 1987 so übertrieben mit seiner Ablehnung, dass es für 2011 dann endgültig egal ist? Oder gehe ich im Zeitalter der Facebookisierung davon aus, dass eh nichts mehr so richtig geheim bleiben kann?

Meinetwegen sollen die mich zählen. Ich werde mir schon den einen oder anderen Schwachsinn ausdenken.

16 Juli 2010

Der freundliche Ire ist tot

1992 veranstaltete ich mit einer Handvoll ähnlich begeisterungsfähiger Menschen (man könnte auch sagen, wir waren reichlich größenwahnsinnig) den FreuCon '92 in Freudenstadt, wo ich zu jener Zeit noch wohnte. Aufgrund politischer Wirren wurde der Con auf einmal zum offiziellen EuroCon, also zum Europäischen Science-Fiction-Kongress, und zudem hielt die Organsation World-SF ihre Versammlung bei uns ab.

Einer der Ehrengäste war ein gewisser James P. Hogan. Der Mann war damals anfangs fünfzig, und ich erlebte ihn als sympathischen Briten, stets höflich und freundlich. Er ließ sich bereitwillig für Programmpunkte einspannen, hielt Reden und Vorträge und erwies sich als einer der nettesten Gäste, die ich jemals offiziell begrüßen konnte.

Am Montag, 12. Juli 2010, ist er auf einmal gestorben. Ich hatte in den letzten Jahren nicht einmal mehr an ihn gedacht, wie ich gestehen muss – und ich erfuhr erst nach seinem Tod, dass er zuletzt mit extrem schrägen Meinungen sympathisierte und sogar über Holocaustleugner freundliches zu sagen wusste.

Das schmälert im Nachhinein sicher seinen Ruf. Hätte ich zu Lebzeiten davon erfahren, wäre ich entsetzt gewesen. Da ich seit Jahren nichts mehr von ihm gehört hatte, war mir das alles neu. Das passte alles nicht zusammen.

In meinem Gedächtnis wird er aber stets der freundliche Ire mit dem rundlichen Gesicht sein, mit dem man sich in Freudenstadt so gut unterhalten konnte. Das Bild bleibt dann.

15 Juli 2010

Derber Thriller mit Sex & Gewalt

Es gibt Bücher, die sind so finster, die kann man nicht jedem empfehlen. Es gibt Bücher, die haben so schlimme Titelbilder, die liest man am besten nicht in der Öffentlichkeit.

Ein solches Buch ist »Im Blutrausch« von Rex Miller, das im Original den schlichten Titel »Frenzy« trägt. Ich habe es gelesen, ich konnte es nicht weglegen, aber ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich es wirklich empfehlen kann.

Denn die Themen, um die es in diesem gnadenlosen Roman geht, sind ultrabrutal. Kindesmisshandlung und Vergewaltigung einer Minderjährigen, Folter und Zerstückelung, Schießerien und Gewalt ... und das zeitweise in einer Aneinanderreihung, die einen die Lektüre nicht gerade genießen lässt.

Der amerikanische Schriftsteller Rex Miller schrieb das Ding. Er hatte im Jahr 1987 seinen Roman »Slob« vorgelegt, für den er den Bram Stoker Award als bester Horror-Roman bekam – obwohl es gar kein Horror-Thema war.

Aber man packte das Buch in die Gattung »Splatterpunk«, die Ende der 80er Jahre für eine Weile existierte. 1988 schrieb er »Frenzy«, und das kam im Sommer 2009 hierzulande raus: ein schickes Paperback mit Klappenbroschur, verlegt von der kleinen, aber feinen Edition Phantasia.

»Held« des Buches ist der Ermittler Jack Eichord, ein schon alternder Bulle, der es in seinem Leben schon mit mehreren Serienkillern aufgenommen hat. Er jagt einen Mörder, der seine Opfer mit grauenvoller Bestialität umbringt und dessen Taten anfangs keinem Muster folgen. Doch dann stellt sich heraus, dass der Mörder eigentlich ein Profi-Killer namens Frank Spain ist, der diejenigen zur Strecke bringen will, die am Tod seiner Tochter schuld sind.

Der Roman wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, ist also alles andere als ein klassischer Polizeiroman. Ich mag's auch nicht, wenn ein Autor mit den Perspektiven zu wild wechselt oder die Zeitenfolge durcheinanderwirft.

Rex Miller macht das ständig – aber eben nicht trottelig wie viele deutsche Autoren, sondern bewusst. Damit schafft er einen Sog, in dem auch Assoziationen, wilde Gedankenflüsse und anderes ihren Platz finden, der mich nicht mehr aus der Handlung entlassen wollte.

Ein sauguter Roman – ernsthaft! Aber kein Roman, den man so »nebenbei« lesen kann. Die 318 Seiten gibt's für 17,90 Euro, die ISBN 978-3-937897-34-9. Bevor jemand das Ding in einer seriösen Buchhandlung bestellt, möge er zuerst das Cover auf der Verlags-Homepage anschauen, ob er wirklich mit dem Titelbild vor der Verkäuferin stehen mag ...

Absurde Hongkong-Boys

Immer wieder erfreue ich mich an seltsamen Mails. Heute war eine dabei, die den lustigen Betreff »geschäfts () Grüße« trug, in genau dieser Schreibweise.

Glücklicherweise ist mein Mailprogramm so schlau, dass es so was gleich in den Spam-Ordner verbannt. Ich möchte gerne schmunzeln und fische es wieder heraus ...

»Hallo, ich bin William C. aus Hongkong«, beginnt die Mail. Der Nachname ist natürlich ausgeschrieben; ich anonymisiere ein wenig, damit nicht jeder weiß, welche famose »Geschäftsidee« mir schon wieder vorgeschlagen hat.

Es geht um die schlappe Summe von »44,5 Millionen Dollar«, gegen die ich mich grundsätzlich nicht wehren würde. Klasse finde ich folgende Aussage: »Ich möchte Sie zu meinem Partner in diesem Geschäft sein.« Da packt mich der geschäftliche Ehrgeiz, und ich muss mich jetzt nur noch um die Details kümmern.

Anders gesagt: Wenn es irgendwann nicht mehr zu weiteren Blog-Einträgen kommt, vor allem in den letzten Tagen, liegt es wohl daran, dass ich die 44,5 Millionen Dollar irgendwo auf Hongkong in Saus und Braus verjuble. Ich glaube, das riecht nach einem richtig guten Plan ...

14 Juli 2010

Die erste Typenradschreibmaschine

Nachdem Günther Freunek ab etwa 1983 bei SAGITTARIUS eingestiegen war, änderte sich das Layout eines Fanzines grundsätzlich. Auf einmal gab es richtig saubere Schriften und Überschriften, und ein ordentlicher Spaltensatz war auf einmal normal. Günther machte aus dem inhaltlich ganz ordentlichen, optisch immer ein wenig schäbig wirkendem Fanzine ein richtig tolles Heft.

Ich wollte ihm aber das Layout nicht allein überlassen, das gebot mir meine Ehre. Zudem war ich neidisch auf seine tolle Typenradschreibmaschine, mit der seine Texte schrieb. Das sei einfach klasse aus – zudem konnte man die Typenräder austauschen und auf einmal kursiv schreiben. Vor allem diese Möglichkeit fand ich am spannendsten.

Also ging ich ins Fachgeschäft, damals in die Firma Pfaff in Freudenstadt, ließ mich beraten und kaufte eine Typenradschreibmaschine. Sie war von der Firma Olympia, ein richtig tolles Ding, das Modell »electronic report«, war richtig schwer und wurde in einem Koffer geliefert, der sie wuchtig und elegant zugleich wirken ließ. Und sie kostete 948 Deutsche Mark, inklusive der Mehrwertsteuer.

Man schrieb das Jahr 1984. Ein Jahr später kaufte sich Günther Freunek seinen ersten »Mac Würfel«, kurze Zeit später kaufte ich mir selbst einen Computer.

Und wenige Jahre danach verstaubte die Schreibmaschine. Zuerst stand sie auf dem Dachboden, dann auf dem Keller. Bei jedem Umzug schleppte ich das schwere Ding mit. Es war schließlich einmal sündhaft teuer gewesen, und ich wollte die Schreibmaschine nicht »einfach so« auf den Müll werfen.

2009 kapitulierte ich vor mir selbst und vor meinem Gewissen. Schweren Herzens stellte ich die Kiste hinaus zum Sperrmüll, ein Vierteljahrhundert, nachdem ich sie stolz vom Fachgeschäft nach Hause geschleppt hatte ...

13 Juli 2010

Auch mal nominiert

Das finde ich lustig: Bei der Wahl zum Deutschen Phantastik-Preis 2010 bin ich nominiert. Tatsächlich findet sich meine Kurzgeschichte »Papa feiert Weihnachten«, die ja vor allem viel negative Kritik erhielt, in der Rubrik »Beste deutschsprachige Kurzgeschichte«.

Mich selbst nominiert habe ich nicht; an der Sache bin ich also ausnahmsweise völlig unschuldig. Allerdings war's dann heute ein riesiges Vergnügen, für mich zu stimmen. Übrigens ohne zu zögern und ohne schlechtes Gewissen: Die einzige von den nominierten Kurzgeschichten, die ich gelesen habe, ist meine eigene ...

Hin wie her und ohne Blödsinn gilt: Wer mag, sollte sich an der Abstimmung beteiligen. Es gibt zwar nichts zu gewinnen, aber es ist jedes Jahr aufs neue amüsant, welche Themen sich durchsetzen.

12 Juli 2010

Comix präsentiert seine Erstausgabe

Wenn ich mich recht erinnere, hatte Karl Nagel die Idee schon vor bald zehn Jahren: ein Comic-Magazin, das mit billigem Papier auf den Markt kommt und deshalb deutlich preiswerter sein kann. Mit »Comix« gibt es jetzt ein solches Heft: Die Erstausgabe kam im Juni 2010 raus, wurde auf Zeitungspapier gedruckt und kostet trotz eines Umfangs von 80 Seiten im A4-Format nur zwei Euro.

Dahinter steckt die Redaktion der Fachzeitschrift »Comixene«, von daher ist das neue Heft alles andere als ein »einfaches« Fanzine. Die Beiträge sind professionell, die Mischung ist zumindest sehr abwechslungsreich und soll wohl alle möglichen Leser ansprechen. Mich hat sie eher verwirrt.

Ein eher seltsamer und vor allem kaum lesbarer Schwulen-Comic von Ralf König leitet das Heft ein, dann kommt eine zwar bunte, aber nicht brillante Umsetzung des Markus-Heitz-Romans »Collector«, also echte Science Fiction.

Auf einen gut gezeichneten Historien-Funny folgt ein deutscher Autoren-Comic oder ein intellektuell-künstlerischer Comic von David von Bassewitz. Klasse dann zum Schluss der autobiografische Comic »Ewiger Himmel« von David Boller, und dazwischen gibt es noch redaktionelle Beiträge aller Art.

Die Mischung ist seltsam und für meinen Geschmack nicht rund. Der Preis ist allerdings umwerfend, und ich wünsche dem neuen Magazin, dass es genügend Leser findet. Ein bisschen frisches Blut würde der Comic-Szene kaum schaden ... (Ach ja, das Heft kriegt man im Comic-Fachhandel.)

11 Juli 2010

Beeindruckendes Sisteron

Ein Rückblick auf die Südfrankreichreise 2010

Wer immer die Idee gehabt hatte, die Stadt Sisteron zu errichten, verlangte von seinen Untertanen zu dieser Zeit enorm viel ab. Die kleine Stadt klebt buchstäblich auf der Spitze eines Berges, unter einem Kloster, das die Ausmaße und die Optik einer Festung hat, und um diesen Berg sammeln sich die Häuser und Gassen.

Egal aus welcher Richtung man kommt: Wer die Route Napoleon fährt, entweder von Cannes nach Norden oder von Grenoble nach Süden – er kommt an Sisteron vorbei. Kommt man vom Süden her, wirkt die Stadt auf dem Berg wie eine Kulisse für einen Fantasy-Film, wie geschaffen für eine neue Version des »Herrn der Ringe«.

Obwohl wir die Stadt schon auf der Fahrt vom Norden her besucht hatten, blieben wir bei der Rückfahrt andächtig stehen und ließen das Panorama auf uns wirken. Aus der Ferne gibt Sisteron einfach ein beeindruckendes Bild ab.

Geht man näher ran, wird es zu einer typisch französischen Kleinstadt. Kleine Straßen und Gassen, einige Plätze mit schöner Aussicht, einige Cafés, Bäckereien und Kneipen, dazwischen haufenweise Andenkenläden für die Touristen, nichts besonders also – aber dennoch schön genug, um Halt zu machen, durch die Straßen zu spazieren und eine gemütliche Rast einzulegen.

Sisteron ist vor allem am Rand und außerhalb so richtig klasse: Der Blick von der Stadt auf den Fluss und die alte Brücke, das Panorama der Berge ringsum – eigentlich sollte ich da noch einmal hinfahren und dann den Aufenthalt von zwei Stunden auf zwei, drei Tage ausdehnen.

10 Juli 2010

Klimaunterschiede

Irgendwie hatte ich an diesem Samstag, 10. Juli 2010, einen klimatischen Unterschied von gut fünfzig Grad, und das brachte ich nicht komplett auf die Reihe. Der Grund liegt auf der Hand, und jeder Mensch, der diesen Tag nicht komplett aus dem Gedächtnis geschoben hat, erinnert sich an die hochsommerlichen Temperaturen.

Bei uns in Karlsruhe hatte es 36 oder 37 Grad; ich überprüfte die Temperaturen erst gar nicht, sondern hielt mich auf dem Balkon auf, solange es dort Schatten gab. Dort versuchte ich zu schreiben, weil ja auch Gelegenheitsautoren gelegentlich ihre Termine einhalten sollten. (Wenn es schon die Profis nicht tun. Kleiner gemeiner Scherz am Rande.)

Das Problem: Ich hatte die aktuelle Folge meines PETER PANK-Fortsetzungsromans zu verfassen, die dringend in die OX-Redaktion sollte. Dafür war sie gedacht, und dafür schrieb ich sie. Dummerweise spielte »Und: Hardcore!« im Januar 1987, und die Örtlichkeiten sind irgendwo am Rand der Schwäbischen Alb. Anders gesagt: In der Szene liegt Schnee, es herrschen Eis und Minusgrade vor, alles in allem immer um die zehn Grad Minus.

Das heißt: Ich schreibe bei 37 Grad plus über 13 Grad Minus. Das ist gar nicht so einfach, stelle ich fest. Okay, Science-Fiction-Autoren haben die Außerirdischen, die sie erfinden, im allgemeinen auch im wahren Leben noch nicht getroffen. Und wer über Serienkiller schreibt, hat normalerweise noch niemanden umgebracht.

Meine persönlichen fünfzig Grad Unterschied machten mir aber ausreichend zu schaffen ... Zu jammern gab's nicht: Wer sich so ein Hobby aussieht, ist selbst schuld.

09 Juli 2010

Ein Sportfest im Lager

Beim Aufräumen alter Unterlagen fand ich eine Urkunde, die mein Vater über Jahrzehnte hinweg aufgehoben hatte. Ein Loch im oberen Teil sowie entsprechende Verfärbungen deuten darauf hin, dass er die Urkunde wohl auch zeitweise aufgehängt hatte, vielleicht in seiner damaligen Werkstatt, in der er in den 60er Jahren unterschiedliche Erinnerungsgegenstände an der Wand hatte.

Der Text der schlicht gestalteten Urkunde ist einfach: »Frick Emil – errang beim Sportfest 1947 des Kgf.-Lager Bings im Weitsprung, Klasse 1, den 2. Preis.« Unterzeichnet hatte ein »Lagerführer«, die Unterschrift ist allerdings kaum lesbar.

1947 war mein Vater schon 22 Jahre alt; er hatte zwei Jahre Krieg und weitere zwei Jahre Gefangenschaft hinter sich. Das Kriegsgefangenenlager befand sich – das weiß ich aus seinen Erzählungen – in der Nähe von Bregenz und gehörte zur französischen Zone in Österreich. Da er Handwerker war, wurde er oft als Elektriker eingesetzt; seinen wenigen Erzählungen nach schien es ihm einigermaßen gut gegangen zu sein.

Sportfeste gehörten wohl zu den wenigen Vergnügungen der Kriegsgefangenen. Dass er die Urkunde bis zum Lebensende aufbewahrte, macht zusätzlich deutlich, wie wertvoll ihm diese Erinnerung wohl war. Darüber gesprochen wurde aber in all den Jahren nie ...

08 Juli 2010

Einsam trötet die Vuvuzela

Fußballgucken in Hamburg: Ich hatte keine Lust, auf ein riesiges Public Viewing zu gehen, wollte auch nicht schauen, bei welchen Bekannten ich mich kurzfristig einzecken konnte, und machte mich geistig moralisch schon darauf gefasst, das Halbfinal-Spiel zwischen Deutschland und Spanien allein im Hotelzimmer zu gucken. Für meine Nerven wäre es vielleicht auch besser gewesen ...

Ich stellte aber fest, dass es in dem stylishen Hotel, in das man mich einquartiert hatte - »25 hours« heißt es -, auch eine Art Public Viewing angeboten wird: In der Bar hatte man Stühle und Bierbänke vor einer Großleinwand aufgebaut, es gab kühles Flaschenbier, und der Raum war gut gefüllt. Trotzdem hatte ich von meinem Stehplatz aus einen guten Platz.

Mal was anderes, Fußball mit Leuten zu gucken, die man nicht kennt. Deutschland-Fanatiker hielten sich in Grenzen, auch wenn es Frauen in schwarz-rot-goldenen Kleidchen gab und viele die Nationalstreifen in ihr Gesicht gepinselt hatten. Eine Vuvuzela trötete gelegentlich durch den Raum, aber das ließ sich aushalten.

Die Stimmung war gut und angespannt, es wurde gejubelt und gestöhnt - letzteres mehr angesichts der zahlreichen Chancen der Spanier, das deutsche Tor zu treffen. Es war trotzdem sehr angenehm, und ich wurde bestens unterhalten. Nach dem Spiel leerte sich der Saal rasch, ich guckte noch eine Weile, bevor ich auf die Straße ging.

Ich brauchte Bewegung, und deshalb ging ich spazieren. Nicht viel, nur vielleicht zwei Kilometer. Einige wenige hupende Autos waren auf der Straße, offensichtlich versprengte spanische Fans. Hätten die Deutschen gewonnen, also »wir«, wäre die Straße sicher ein einziges Fahnenmeer gewesen. Fast vermisste ich es in diesen Minuten ...

07 Juli 2010

Hardcore am Sonntag

Es ist zwar einige Tage her, aber nicht zu spät: Aus halbwegs aktuellem Anlass gab's am Sonntag, 4. Juli 2010, ein spezielles Thema im Querfunk, dem freien Radio, und dort in der Sendung ENPUNKT-Radio. Ich spielte an diesem Abend halbwegs aktuelle Hardcore-Bands aus Deutschland.

Unter anderem ließ ich Not Enough aus der Weltstadt Lünen, Stressfaktor aus der Südpfalz-Metropole Landau oder The Target aus Mannheim und Heidelberg auf die Zuhörer los. Nicht fehlen durften Karlsruher Bands wie Warstreet - alles in allem gab's an diesem Abend also viel Geboller.

Interessant: Danach hatte ich ein Interview. Ein junger Mann, der in Karlsruhe ausgerechnet Filmjournalismus studiert, dreht gerade eine Dokumentation über "Hardcore in Karlsruhe". Und ich darf in dieser Dokumentation, wie es aussieht, nicht nur den Alterspräsidenten darstellen, sondern auch denjenigen, der seit über 15 Jahren diese Szene in seinem Fanzine und im Radio dokumentiert.

Was dabei herauskommt, muss man sicher noch eine Weile abwarten. Ich bin auf jeden Fall schon mal sehr gespannt auf das Ergebnis.

06 Juli 2010

Nazi-Rocker oder Rock-Nazis

Das Schwerpunkt-Thema in der aktuellen Ausgabe des »Antifaschistischen Infoblatts« aus Berlin hat es in sich. Unter dem Titel »Endlich mit den Großen spielen?« widmet sich die Nunmmer 87 der Zeitschrift dem Thema »Neonazis in der Rockerszene«. Mehrere Schwerpunkt-Artikel forschen nach Zusammenhängen und Hintergründen, stellen diese dar und nennen personelle Verbindungen. Sehr lesenswert!

Die anderen Beiträge sind fast schon »normal«. Ich finde die Auslandsberichterstattung immer gut: Wie geht der Staat in Dänemark gegen die Antifaschisten vor, was steckt eigentlich hinter der »Tea Party«-Bewegung in den USA?

Aber selbstverständlich geht es vorrangig um Nazis im Inland. Der braune Liedermacher Frank Rennicke wird vorgestellt, die Partei »Pro NRW« ebenfalls. Aktuelle politische Themen wie die Be- und Misshandlung von Asylbewerbern durch die Polizei finde ich zwar interessant, die suche ich aber nicht unbedingt im »Antifa Info«.

Egal wie: 60 Seiten im A4-Format, die sich wie immer lohnen. Gibt's für 3,10 Euro in jedem Infoladen oder eben direkt im Internet.

05 Juli 2010

Jubeln und Grillen

Nachdem der Sommer 2010 zur Irritation vieler Mitmenschen über die Bundesrepublik hereingebrochen ist, war klar, dass das Fußballgucken am Samstag kein »Zuckerschlecken« wird. Wir guckten im »Mikado« in der Nordstadt; der Veranstaltungsraum ist groß genug und war – weil es nicht jeder wusste – angenehm gefüllt. Man konnte sich bewegen, und zudem gab es kühle Getränke.

Über das Spiel zwischen Deutschland und Argentinien muss an dieser Stelle nicht mehr geschrieben werden als nötig. Szenen-Applaus gab's stets, wenn Angela Merkel mit ihrem tappsigen Jubel oder Diego Maradona mit seinem verzweifelten Blick ins Bild kamen.

Danach jubelte ich pflichtschuldig mit; es war ja auch ein schönes Spiel gewesen. Den Autokorso ignorierten wir, in dem wir in die andere Richtung fuhren: raus aus der Innenstadt und bis zum »Rewe« in Neureut. In einem gekühlten, fast menschenleeren Supermarkt lässt es sich gut aushalten.

Dann noch hektisches Vorbereiten des Essens in Ulfs Küche – wie wir in ein kleines Schlachfeld verwandelten – und schon landeten Berge von Fleisch und Fisch und Vegetarierfutter (für mich) auf dem Grill. Dazu Bier und Wein und später Schnaps und selbstgebastelte Cockteils, kluge und weniger kluge Gespräche und immer mal wieder der Blick auf den Fernseher, wo sich die Spanier ins Halbfinale quälten.

Alles in allem ein schöner Sommersamstag, mit Fußball und Bier und viel Spaß. Den Plan, die Fenster in der Wohnung zu putzen, verschoben wir erneut auf den Sanktnimmerleinstag ...

02 Juli 2010

New Noise Festival 2010

Strahlendes Wetter und hunderte von gut gelaunten, meist jungen Leuten: Das New Noise Festival, das am Samstag, 30. Juni, in Durmersheim bei Karlsruhe über die Bühne ging, empfand ich als eine rundum gelungene Veranstaltung. Und das, obwohl ich so viel ja gar nicht mitbekam.

Ich trudelte erst am späten Nachmittag auf dem Festival-Gelände neben dem Jugendzentrum der Stadt ein. Die meiste Zeit trieb ich mich am Stand von Twisted Chords herum, wo ich mit anderen Besuchern laberte und mehr oder weniger geistvolle Sätze in die Öffentlichkeit brachte. Bei den sommerlichen Temperaturen genügten zwei Bier, um mich in einen leicht angesoffenen Zustand zu versetzen. Praktisch und sparsam zugleich ...

Die erste Band, die ich mir ansah, waren Glasses: eine kleine blonde Frau, die wütenden Hardcore ins Publikum brüllte. Das war ziemlich klasse und begeisterte mich; auch die Ansagen waren okay.

Zwischendurch hatte ich meine Lesung. Leider hörte ich selbst mich gar nicht, da im anderen Zelt gerade Alpinist spielten und die Lautsprecher vor mir standen ... War aber trotzdem amüsant und klappte alles gut.

Später guckte ich mir Ritual an, wuchtig-schneller Hardcore. Danach No Turning Back: peinliche Leute im Publikum, teilweise seltsame Ansagen des Sängers; ich kam mir vor wie bei einer Hardcore-Tanzstunde, wo einem von der Bühne heruntergesagt wird, was man zu tun hat. Musikalisch war's die prollige New-York-Schiene, also völlig okay.

Die Karlsruher Band Kaishakunin war für eine Metal-Band ganz okay - das war für meine Ohren kein Hardcore mehr. Dann Celeste, die im dunklen Zelt und mit roten Lampen auf dem Kopf spielten, dazwischen wabernder Trockeneisnebel - sehr düsterer Sound, nicht mein Ding.

Ebenfalls sehr metallisch zuletzt noch Comadre; mich überraschte, wie textsicher das Publikum mitsang. Nicht meine Lieblingsmusik, aber super gemacht. Sehr zufrieden rollte ich dann vom Platz ...

Vampire und andere Tiere

Ich mag den Schriftsteller Neil Gaiman; der Mann hat tolle Romane geschrieben und bei den Comics ebenfalls Klasse-Arbeit geleistet. In einem Interview mit der Zeitschrift »Independent« (zitiert nach dem britischen Fanzine »Ansible«) wurde er auf die aktuelle Vampir-Schwemme angesprochen.

»Mein nächster großer Roman wird einen Vampir haben«, versprach er, um sich gleich zu korrigieren. »Ich werd's wahrscheinlich nicht tun. Die sind ja überall, die sind wie Kakerlaken.«

Vernünftige Ansicht.

01 Juli 2010

Spannung ohne Fußball

War das ein spannender Tag, dieser Mittwoch, 30. Juni 2010! Ob er in die Geschichte eingehen wird, bezweifle ich; es wurde weder Fußball gespielt noch gab es eine wirklich wichtige politische Entscheidung. Es stand die Wahl des neuen Bundespräsidenten an, die Ergebnisse sind allgemein bekannt, und Spötter lästern bereits, man müsse jetzt Schloss Bellevue in »Castle Wulffenstein« umtaufen.

Ich fand das spannend genug. Wir saßen in einem Besprechungsraum, klimatisiert natürlich, und machten uns den ganzen Tag über Gedanke über die Zukunft einer gewissen Romanserie, die sich erst recht mit der Zukunft beschäftigt. Der eine Kollege, der über ein iPhone verfügt, informierte uns über Zwischenstände und anderes - so waren wir über die sportlich-politischen Aktivitäten in Berlin bestens informiert.

Daheim guckte ich mir das politische Elfmeterschießen im Fernsehen an. Christian Wulff gewann und ist nun der neue Bundespräsident. Viel Schaden kann er nicht anrichten, aber das hat er bislang auch in Niedersachsen nicht geschafft.

Wulff ist immerhin der jüngste Präsident, den dieses Land mal hatte, kein Mann, der schon richtig alt ist und von dem man in den nächsten sechs Jahren allerlei Krankheitsgeschichten erwarten müsste. Das muss man mal positiv anrechnen ...

Und wenn sich jetzt alle darüber ärgern, dass Gauck doch in Facebook-undsoweiter die Mehrheit gehabt hätte, dann sollten diejenigen, die das bejammern, mal noch mal kurz in die allgemeine Staatsbürgerkunde gucken: Facebook und Co. ersetzen noch nicht den Bundestag, irgendwelche Parlemente und andere Orte für gewählte Leute - und das ist dann auch gut so.

(Die Vorstellung, Facebook-Abstimmungen könnten künftig über mein Leben bestimmen, empfinde ich als gruselig. Das wäre wahrscheinlich schlimmer als die Ansammlung von Unfähigen im Bundestag.)

30 Juni 2010

Der Salamander jubelt wieder

Als Kind freute ich mich stets, wenn ich ein Heft mit »Lurchis Abenteuer« in die Finger bekam. Ich erinnere mich kaum noch an Details, weiß aber noch, dass mich vor allem die bunten, lebendig wirkenden Zeichnungen faszinierten und ich außer dem Spruch »Salamander, lebe hoch!« nichts im Gedächtnis behielt.

Das ist bald vierzig Jahre her, unglaublich! Damals beneidete ich die Mitschüler, die sogar »Lurchi«-Bücher besaßen – diese konnte man so richtig durchstöbern. Es interessierte mich damals allerdings weder, wer die Zeichnungen anfertigte, noch von wem die Reime waren. Und wahrscheinlich machte sich niemand von uns Kindern einen Kopf darüber, dass wir eigentlich »nur« Werbe-Comics lasen.

Ich benötigte im letzten Jahr tatsächlich das herausragende Sekundärwerk »Magira 2009«, das Jahrbuch zur Fantasy, um mehr zu erfahren. Darin war ein toller Artikel enthalten: »Ein Lurch geht durch die Welt« präsentierte in wunderbarer Art und Weise die »Lurchi«-Geschichten und die Veränderungen in den achtzig Jahren ihres Bestehens – immerhin gibt es die Bildgeschichten seit den dreißiger Jahren.

Deshalb habe ich auch mit großem Vergnügen die Neuausgabe der »Lurchi«-Geschichten gelesen. Sie erschien im Esslinger-Verlag, der vor allem Kinderbücher herausgibt; es gibt bereits mehrere Bände, aber ich habe bislang nur den ersten durchgeschmökert.

Klar sind die Geschichten hanebüchen und zeitweise stark am Zeitgeist der Weimarer Republik orientiert, und natürlich sind die Reime unter heutigem Gesichtspunkt völlig veraltet und holperig. Aber die Zeichnungen sind immer noch klasse, sie sind richtig dynamisch, und sie strahlen tatsächlich Leben aus.

Es machte mir viel Spaß, über einen Zeitraum von einigen Wochen immer mal wieder eine »Lurchi«-Geschichte zu lesen. Meist sind es hübsche Abenteuer, unter anderem im Weinberg, in Indien oder im Wilden Westen; sie werden unbekümmert erzählt und noch unbekümmerter bebildert. Eine schöne Neuausgabe!

Übrigens ist das Buch auch richtig schick geworden: Es ist ein Hardcover, orientiert sich in der Optik an den alten »Lurchi«-Geschichten, und es enthält ein kurzes Vorwort. Ich glaube, ich besorge mir bald die Fortsetzung!

(Wer das Buch haben möchte: Es erschien im Esslinger-Verlag, ist 174 Seiten stark und kostet 12,90 Euro. Die ISBN ist die 978-3-480-22490-6, und man kann's mit deren Hilfe überall im Buchhandel bestellen.)

29 Juni 2010

Blog-Rückstau

Irgendwie komme ich nicht einmal mehr mit dem Schreiben meines Blogs hinterher. Das Wochenende war ereignisreich: Fußballgucken, Lesung machen, Hardcore-Festival besuchen, Grillen, Trinken, Fußballgucken.

Ich war am Montag auf einer Dienstreise, und insgesamt war die ganze Zeit so viel los, dass ich nicht einmal dazu kam, meine Texte zu liefern. Wundere sich also niemand, wenn mancher Inhalt hektisch oder verspätet kommt.

Immerhin klappte es mit dem Fußballgucken ... Der Freitag abend, 25. Juni, war nicht so erfolgreich. Ich sah einen Teil der Spiele, aber nur in der Zusammenfassung, und verbrachte den Rest des Abends mit Biertrinken und Unfuglabern.

Besser dann der Samstag, 26. Juni, an dem ich Teile des Spiels der Ghanaer gegen die USA sah - streckenweise spannend und richtig flott. Richtig Spaß machte mir am Sonntag, 27. Juni, das Spiel der deutschen gegen die englische Mannschaft, das die »Schland«-Mannschaft verdient gewann.

Abends sah ich mir - während des Grillens - Teile des Spiels Argentinien gegen Mexiko an. (So toll waren Maradonas Jungs dann auch nicht, man kann also Hoffnung haben.) Rasant dann die Brasilianer am Montag, 28. Juni: Wie die das gut spielende Team aus Chile auseinandernahmen, das war sehenswert. Hammer.

25 Juni 2010

Danielle Dax und ihr Cathouse

Warum ich mir 1988 die Maxi-Single von »Cathouse« kaufte, weiß ich beim besten Willen nicht mehr. Das Cover war's sicher nicht, denn das sah aus, als habe man es aus der Hippie-Zeit entnommen und mit irgendwelchen psychedelischen Farben der 80er Jahre verknüpft; wahrscheinlich war ich Opfer einer positiven Plattenbesprechung geworden. Denn von Danielle Dax hatte ich zuvor nichts gehört – und danach kam mir die Dame auch nicht mehr so oft unter.

Dabei hatte die zu dem Zeitpunkt schon eine beeindruckende Karriere hinter sich. Laut Wikipedia war sie Ende der 70er Jahre in einer mir unbekannten Punk-Band namens The Lemon Kittens, bevor sie diverse eigene Schallplatten rausbrachte, alles Popmusik im weitesten Sinne, vorangetragen durch ihre eindrucksvolle Stimme.

Und das ist auch das Herausragende an »Cathouse«: Zu einem treibenden Beat kommen sägende Gitarren und die über allem schwebende Stimme von Frau Dax. Das Stück ist devinitiv tanzbar und spielte in meinen »JuZ-Discos« Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre stets eine wichtige Rolle – die eines Stücks, das die Tanzfläche unweigerlich füllte. Die einen tanzten darauf harmlosen Hüpf-Pogo, die andere versuchten sich an modischem Ausdruckstanz.

Denn wenn's auch Popmusik war, so krachte und schepperte sie doch ziemlich. Danielle Dax war Pop mit einem Wave- und Punk-Anschein, der mir gut ins Ohr ging und den man in der heutigen Zeit noch gut anhören kann. Das war 1988 definitiv kein Fehlkauf, da bin ich mir jetzt sicher.

Romane und Hörbücher rezensiert

Ich lese trotz meines Jobs immer noch gern - und recht viel. Meist nutze ich Dienstreisen oder Urlaubsfahrten dazu, mich in ein Buch zu vertiefen; vor dem Einschlafen schmökere ich meist einige Seiten. Und wenn ich ein Buch gelesen habe, das mir gefallen hat, liefere ich eine Rezension, die dann auf der PERRY RHODAN-Homepage erscheint.

So habe ich unlängst den Roman »Collector« besprochen, der als Paperback bei Heyne erschienen ist. Verfasst wurde der SF-Action-Kracher von dem erfolgreichen Schriftsteller Markus Heitz, der lustigerweise aus Homburg an der Saar kommt, wo ich in den 90er Jahren häufig zu Besuch war. Normalerweise ist Markus Heitz ein Autor von Fantasy- und Mystery-Romanen, jetzt macht er SF - finde ich gut.

Dann eher Fantasy - und die nicht mal gedruckt: »Drachenglut« war der erste Roman des britischen Autors Jonathan Stroud, der durch seine Romane um den Zauberlehrling »Bartimäus« buchstäblich weltberühmt wurde. »Drachenglut« kam vor 15 Jahren raus, die Hörbuchversion liest Rufus Beck - ziemlich klasse übrigens.

Seit vielen Jahren kenne ich Hans Kneifel; seit vielen Jahren arbeiten wir zusammen. Der Mann schrieb über Jahrzehnte hinweg Science Fiction und Fantasy, jetzt kam mal wieder ein historischer Roman heraus: das Taschenbuch »Der Engel der Apokalypse« bei Bastei-Lübbe.

Überhaupt keine Phantastik ist der Roman »Befreiung« des ungarischen Schriftstellers Sándor Márai, der als Hardcover bei Piper erschienen ist. Er schildert die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in beklemmender Weise - aus der Sicht einer jungen Frau, die in Budapest im Bombenkeller sitzt und auf die Befreiung durch die Rote Armee wartet.

Und jetzt noch ein Klassiker der Fantasy: Robert E. Howard wurde durch »Conan« bekannt, schrieb aber haufenweise andere Sachen. Im Festa-Verlag gibt es die Reihe »H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens«, und in dieser sollen nun alle unheimlichen Howard-Geschichten veröffentlicht werden. Der erste Band liegt jetzt vor: »Volk der Finsternis« enthält insgesamt 16 Horror- und Abenteuergeschichten; das fand ich stark.

24 Juni 2010

Ghana ist auch schön

Als ich am Mittwoch, 23. Juni 2010, aus dem Büro kam, war ich eigentlich richtig gut in der Zeit. Ich kam pünktlich nach Hause, zog mich um - und radelte erst einmal ins Training. Das, so dachte ich, könnte ich locker vor dem Fußballgucken erledigen.

Das klappte einigermaßen; ich kam nur etwa zehn Minuten zu spät und verpasste nicht so viel. Das Spiel zwischen Deutschland und Ghana fand ich spannend, die Ghanaer hätten meiner Ansicht nach auch locker ein Tor verdient. Die deutsche Mannschaft hatte ein wenig mehr Glück und beharkte das Tor der Afrikaner so lange, bis irgendwann ein Schuss richtig treffen musste.

Erfreulich wie immer: Im »fünf« hielt sich die Zahl der Fußball-Idioten sehr in Grenzen. Es wurde gejubelt und geklatscht, aber niemand schrie »Schland« oder anderen Unfug durch die Gegend. So lasse ich mir's gefallen.

Und wenn Ghana gewonnen hätte, wäre ich jetzt eben für Ghana. Dann müssten die auf jeden Fall weiterkommen und meinetwegen auch Weltmeister werden. Vor über 15 Jahren habe ich das Land bereist und fand es sehr schön. Und da sollte ich auch mal wieder hin ...

23 Juni 2010

Western ungekürzt


Dass ich die Western-Serie »Comanche« absolut klasse finde, habe ich in diesem Blog schon mal geäußert. Dieser Tage erschien bereits der fünfte Band der absolut begeisternden Ausgabe im Splitter-Verlag.

Das Ding heißt »Das Tal ohne Licht« und ist in dieser Form bislang nicht im deutschsprachigen Raum veröffentlicht worden. Vor über dreißig Jahren gab es eine schwer zensierte Veröffentlichung im Rahmen der »Zack«-Comics, und als ich »Comanche« in den 80er Jahren kaufte, erschien der Band nicht in der Reihe der »großen Western-Comics«.

Jetzt ist er da, und es wird klar, warum man das nie veröffentlicht hat. Der Comic ist ziemlich heftig, und er ist eine Auseinandersetzung mit den Themen Gewalt und Selbstjustiz - ein sehr amerikanisches Thema, wenngleich es ein französischer Comic ist.

Spannend erzählt, super gezeichnet, dramatische Story - »Das Tal ohne Licht« setzt auf knallige Effekte im absolut realitätsnahen Stil. Klasse! Wer's nicht glaubt, soll auf der Splitter-Homepage die Leseprobe angucken!

22 Juni 2010

Gammeln in Grenoble

Ein Rückblick auf die Südfrankreich-Reise

Nette Straßencafés, eine ruckelnde Straßenbahn in der Fußgängerzone, eine entspannte Stimmung – und der grandiose Blick auf die schneeglitzernde Felsenkette der Alpen: Das ist Grenoble. Ich war ziemlich begeistert von der Stadt, ich wäre gern länger geblieben, und ich bin mir sicher, dass es nicht mein letzter Besuch in der Stadt war.

Wir hatten uns in einem eher schlichten Hotel in Innenstadt-Nähe einquartiert und bummelten stundenlang durch die Innenstadt. Schöne, alte Bürgerhäuser säumten die Straßen, überall tummelten sich auffallend viele junge Leute, die Stimmung machte einen gelösten Eindruck. In dem einen oder anderen Ladengeschäft ließen wir sogar Geld, und zum Café saßen wir nicht nur einmal an einem schönen Platz herum.

Am frühen Abend saßen wir im Stadtgarten unweit des Flusses, den Wanst mit Wein und leckerem Essen gefüllt, und ließen uns die Restsonne auf den Kopf scheinen. Überall in den Grünanlagen saßen junge Leute, wahrscheinlich Studenten. Wer den Karlsruher Schlossplatz mit seinen riesigen Ausmaßen gewohnt ist, würde sagen, dass die Studenten in Grenoble geradezu dicht aufeinandersaßen – aber es schien niemand zu stören.

Einige junge Männer spielten gut und engagiert Gitarre, was spanisch klang, und sangen so leise, dass es nur leicht ins Ohr drang. Ich hätte dort noch locker eine Stunde länger sitzen können. Ein optimaler, weil leichter Einstieg in eine Urlaubsreise ...

21 Juni 2010

Fußball-Wochenende

Man kann ein Wochenende tatsächlich im Geiste des Fußballs hinter sich bringen, ohne alle Spiele zu sehen, ohne auch nur einmal »schland!« zu brüllen und ohne peinliche Fähnchen. Wobei ich diverse Handicaps zu überstehen hatte.

Am Freitag, 18. Juni, machte ich schon um 13 Uhr Feierabend, um pünktlich zum Spiel der Deutschen gegen die Serbien im »fünf« zu sein. Ich rechnete nicht mit dem Chaos auf der Autobahn und damit auf den Landstraßen und noch weniger mit den Baustellen in Karlsruhe, und so benötigte ich für die knapp 25 Kilometer fast eine Stunde. Radfahren wäre schneller gewesen.

Aber die deutsche Mannschaft verlor auch ohne meinen Beistand, und in der zweiten Hälfte nutzte mein entsetztes Starren nicht mehr viel. Danach düste ich nach Hause, wo ich fleißig arbeitete, Texte schrieb und Manuskripte las; parallel dazu guckte ich gelegentlich Fußball. Das Feierabend-Bier gab's zu vorgerückter Stunde im »fünf«.

Am Samstag, 19. Juni, standen wichtige Dinge auf dem Plan, die mit Fußball nichts zu tun hatten. Aber man kann ja auch Besuche im Baumarkt oder Staubsaugen damit verknüpfen, dass man entweder nach den aktuellen Ergebnissen fragt oder eben die Glotze lauter stellt. So erlebte ich die Niederlage »meiner« Kameruner gegen Dänemark leider eben doch mit.

Bleibt der Sonntag, 20. Juni. Italien gegen die Neuseeland war auch im »fünf« kein sonderlich tolles Spiel; mir schmeckten weder Kuchen noch Kaffee. Zum Ausgleich futterten wir abends in einer Pizzeria in Durlach – aus reiner Solidarität nutzte ich jeden Gang zum Klo, um auf den Fernseher zu gucken. Half den Jungs von der Elfenbeinküste leider nicht ...

18 Juni 2010

Ich bin jetzt an Bord


Punk-Fanzines lese ich seit gefühlten dreißig Jahren, mitschreiben tu' ich seit gut einem Vierteljahrhundert. Und jetzt habe ich bei einem Blatt angeheuert, das auch schon einige Jahre alt ist: das Fanzine Punkrock! aus Mannheim. Wobei das Heft definitiv schöner ist als die Stadt selbst ...

Erschienen ist dieser Tage die Nummer 12, gelesen habe ich sie noch nicht. Ich bin Mitarbeiter: Von mir stammt ein netter Bericht über das »Freak'n'Art-Festival« vom März 2010. Geschrieben in dem Stil, den ich früher beim ENPUNKT-Fanzine hatte.

Ansonsten hat das Fanzine haufenweise interessanter Beiträge zu bieten. Bands wie Strike Anywhere aus Amiland kommen zu Wort, die Riot Brigade und Abfukk aus Deutschland werden interviewt, dazu gibt's coole Mitarbeiter wie Jan Off oder den Herrn Herder.

Das Ding ist hundert Seiten stark, passt in jede Lederjacken-Innentasche (oder meinetwegen auch ins Jackett des Anzugs) und kostet schlappe drei Euro. Gibt's bei guten Plattenverkäufern oder direkt auf der Homepage der Mannheimer Kollegen.

17 Juni 2010

Ich lese in Durmersheim


Zum mittlerweile fünften Mal wird das New Noise Festival im Großraum Karlsruhe veranstaltet: Am 26. Juni 2010 verwandelt sich die Umgebung des Jugendzentrums Durmersheim in eine Hardcore- und Punk-Party. Ich war letztes Jahr zugegen und fand das ganze ziemlich stark.

Diesmal spielen bei freiem Eintritt haufenweise Bands auf, von denen ich viele nicht kenne. Es ist, soweit ich informiert bin, auch teilweise ein sehr metallischer Hardcore, der gespielt wird – ich bin mal sehr gespannt, ob und wie mir die Bands gefallen. Mit Black Friday 29 ist auf jeden Fall eine Band beteiligt, die ich von der Platte her kenne und trotz des Metal-Einflusses stark finde.

Und ich bin da. Allerdings nicht als Band, sondern als Lesender. Genau, ich mache mal wieder eine Lesung. Nach bisherigem Plan ist diese um 19.55 Uhr angesetzt – zwischen zwei Bands quasi und in einem Zelt abseits der Hauptbühne.

Hardcore-Punk oder Punkcore von Starts

Früher nannte man den Sound, den die vierköpfige Band Starts aus dem sächsischen Torgau spielt, schlicht Hard-Core Punk. Also »Hard-Core« und nicht »Hardcore«, und mit »früher« meine ich so was wie 1982. Heutzutage nennt man das ganze dann »Punkcore« und meint damit den wütenden Irokesen-Punk der zweiten bis dritten englischen Punk-Generation, heute mit einem kräftigen Schuss Metal abgeschmeckt.

Damit wären die Starts auch schon ausreichend beschrieben: Auf ihrer zweiten CD/LP »The Next Attack« geht's rotzig und rüpelig zur Sache, wird geknüppelt, was das Zeugs hält, während der Sänger ein Stück nach dem anderen rausbrüllt. Auffallend ist, dass es dazwischen glatt mal ruhigere Töne gibt – und das Stück »Only One«, das mir am besten gefällt, entpuppt sich glatt als eine Mischung aus Liebeslied und Rockerballade.

Klingt jetzt ironisch, ist aber nicht im geringsten böse gemeint: Die Starts überzeugen durch ihre aggressive Ladung, die keinerlei Weicheiertum duldet. Textlich ist man auf der parolig-sicheren Seite, ist gesellschaftskritisch und wütend.

Auffallend dabei: Deutsche Textzeilen werden häufig mit englischen Titeln kombiniert – damit ist die Band auch tatsächlich international verständlich. Stücke wie »Leather, Spikes & Boots« oder »Flame Of Punk«, die an die Punk-Szene adressiert sind, kapiert man auch außerhalb der deutschen Sprachgrenze.

Filigranmusik ist das keine, originell wirkt der Sound auch nicht. Scheiß drauf – im Jahr 2010 macht mir so eine wütende Punk-Granate richtig Spaß. (Erinnert mich an die 90er Jahre, als Recharge und Rawside zum aggressiven Stiefel-Pogo einluden.) Respekt.

16 Juni 2010

St. Pauli und die WM


Endlich ist Weltmeisterschaft, seit einigen Tagen schon, und ich bereue bereits, den Übersteiger 99 nicht im voraus gelesen zu haben. Aber auch so ist es absolut lohnenswert, das »WM-Special« des hervorragenden Fußball-Fanzines durchzuschmökern: In subjektiven Berichten, meist mit augenzwinkerndem Humor, werden auf insgesamt 36 Seiten die Teams der WM vorgestellt; das im A5-Format gehaltene Heft macht richtig Spaß.

Aber auch sonst ist die Lektüre des »Ivanistischen Propaganda-Hetzblattes rund um den FC St. Pauli« wieder mal ein vergnügliches Lese-Abenteuer. Unter anderem wird über das Fan-Verhalten während eines Spiels gegen Rostock gestritten: in ausführlichen Artikeln, Kommentaren und Leserbriefen. Soviel Offenheit findet man in der Fußball-Szene selten.

Weitere Artikel beschäftigen sich mit dem Verein in der Nachkriegszeit, der aktuellen Darstellung im Internet oder auch mit der Tischtennis-Abteilung des FC St. Pauli. Buch- und Plattenbesprechungen runden das unterhaltsame und informative Fanzine ab.

Kosten tut's 1,60 Euro; erschienen ist es bereits im Mai 2010 – aber samt dem Sonderheft kann man's auch jetzt noch lesen. Aber der Besuch auf der Übersteiger-Homepage empfiehlt sich sowieso, auch und gerade für nicht St.-Pauli-Fans.

15 Juni 2010

Keine Strumpfhosen im Wald

Denke ich an »Robin Hood«, habe ich eine Verarschung von Mel Brooks oder eine seltsame Verfilmung mit Kevin Costner im Kopf. Aus dem Grund musste ich mir am Montag abend, 14. Juni 2010, die neue Verfilmung mit Russell Crowe und Cate Blanchett und von Ridley Scott anschauen – die Vorberichterstattung hatte mich tatsächlich neugierig gemacht.

Trotz Fußball-WM eilten wir also in den »Filmpalast«, was dazu führte, dass hinterher alle Informationen nachgeholt werden mussten ... Und ich wurde dabei gut unterhalten: Der Film ist nicht so vorhersehbar, weil viele bekannte Details anders dargestellt werden, und er ist bei allem Schlachtenlärm erstaunlich abwechslungsreich geworden.

Geistvolle Unterhaltung erwartete ich keine, und die bekam ich selbstverständlich nicht. Es war ein actiongeladenes Abenteuer, mit schmutzigen Rittern und noch schmutzigeren Bogenschützen, mit einem völlig verrratzt aussehenden London und fies-intriganten Bösewichten.

Darüber nachdenken, wie ein Bogenschütze aus dem unteren Stand auf einmal höfisches Verhalten kennt oder wieso Jugendliche mit angespitzten Holzstangen in einer Schlacht gegen hochgerüstete Ritter antreten und auch noch überleben, ist allerdings zwecklos. Der Film ist streckenweise beeindruckend, aber kein historisch korrektes Dokumentations-Ding.

Ob ich mir die zu erwartende Fortsetzung antu', weiß ich noch nicht. Aber eigentlich reizt es mich nach dem offenen Ende schon, weiter die Geschichte von Robin Longstride zu verfolgen ...

14 Juni 2010

Schland in der City

Fußball guckte ich im spontan eingerichteten WM-Studio »Beim Harald«. Es gab kühles Bier, der neue Fernseher machte sich auf dem Balkon gut, und die Stimmung war bestens. Nur dass zwei Vuvuzelas in schwarzrotgold durch das Gelände dröhnten, hätte vielleicht nicht sein müssen.

Danach radelte ich gemütlich durch die Nacht, von Mühlburg aus in Richtung Innenstadt. Auf der Kaiserallee waren Fußgänger und Autos unterwegs, dröhnend und trötend, in Fahnen gehüllt und Fahnen schwenkend. Ich fand zwar auch, dass die deutsche Mannschaft sehr gut gespielt und verdient gewonnen hatte, hielt die Euphorie aber für völlig aufgesetzt und übertrieben.

Auf der Höhe des »Sandkorn-Theaters« kam mir ein Mob übertrieben fröhlicher deutscher Volksgeno..., ähm ..., Fans entgegen. »Schland!«, gellte es mir entgegen, ein Meer von Fahnen wehte in meinem Weg.

Ich umkurvte die geballte Ansammlung von Intelligenz, Alkohol und Patriotismus einigermaßen geschickt. »Du bisch ja voll uncool!«, schrie mir ein junger Mann empört nach. Vielleicht muss ich nächstes Mal mit »Schland!« reagieren oder gleich »Oz! Oz! Oz« skandieren.

Den Rest des Abends genoss ich vor dem »Kebap-Express« am Mühlburger Tor. Die Pide schmeckte leidlich, die frische Luft tat gut, und ich genoss es, hupende und fahnenschwenkende Deutschland-Fans zu betrachten. Vor allem auffallend viele junge blonde Frauen hingen aus den Fenstern oder saßen in geöffneten Kofferräumen.

Vor allem, wenn sie an der roten Ampel standen, wo es nicht weiterging, sah das sehr erheiternd aus: Das mit dem Regelnbrechen-in-Feierlaune müssen wir in Deutschland dann doch noch eine Weile üben ...

13 Juni 2010

Hausarbeit versus Fußball

Kein leichtes Unterfangen, an einem Samstag wie dem 12. Juni 2010 ein halbwegs normales Leben mit der Fußball-Weltmeisterschaft zu koordinieren. Da die Spiele nicht sonderlich überzeugten, verpasste ich allerdings nicht so viel.

Immerhin schaffte ich es, parallel zum Spiel zwischen Südkorea und Griechenland ein wenig zu frühstücken und diverse Hausarbeiten zu erledigen. Irgendwann sollten ja mal Bad und Klo in einen halbwegs begehfähigen Zustand versetzt werden ...

Zum Spiel zwischen Argentinien und Nigeria arbeiteten wir auf dem Balkon; wenn die Glotze laut genug ist, bekommt man zumindest einen Teil mit. Spätestens als es darum ging, Grundnahrungsmittel einzukaufen, war's aber Essig mit Fernsehgucken. Dafür war der Supermarkt so gut wie leer, und es gab Super-Parkmöglichkeiten.

Einigermaßen spannend fand ich das Spiel zwischen England und den USA, und ich bedauerte gut fünf Minuten lang den unglückseligen englischen Torwart. In der Pause bastelten wir uns leckere Flammkuchen, und die wurden dann in der zweiten Halbzeit verspeist. Das ziemlich gute Timing klappte nicht ganz, dafür waren die Flammkuchen super – und so viel verpassten wir dann doch nicht.

Meinetwegen kann die WM so weiter funktionieren. Wie ich es aber im Verlauf der Arbeitswoche auf die Reihe bekommen soll, die relevanten Spiele mitzukriegen, ist noch herauszufinden ...

Erinnerungen an Schneller Autos Organisation

Es muss um 2004 gewesen sein, als die Hamburger Band mit dem sperrigen Namen Schneller Autos Organisation in Karlsruhe spielte, im damals besetzten Haus »Ex-Steffi« in der Schwarzwaldstraße beim Hauptbahnhof. Obwohl der Sound der Band im ersten Moment nicht sonderlich eingängig war, kam sie sehr gut an.

Wer mag, kann dazu Emopunk sagen: Die Texte sind ziemlich schlauköpfig, die Musik nicht gerade klassischer Deutschpunk – und auf der Bühne standen recht normal aussehende Typen, die beispielsweise Hemden trugen. Aber live war das klasse. Und auch auf Platte klingt das saugut, wie die Langspielplatte »World« beweist. Die kam 2003 bereits raus und schwankt zwischen »total eingängig« und verkopft.

Elf Stücke gibt's auf der Platte, teilweise unterstützt von einer fies quiekenden Schweineorgel, ansonsten aber durch die Bank mit einem treibenden Rhythmus und tatsächlich tanzbar – allerdings nicht gerade für Stiefel-Pogo geeignet. Wer einen literarischen Vergleich sucht, findet ihn vielleicht bei Dackelblut, wobei das immer hinkt.

»World« ist auf jeden Fall eine Platte, die ich mir nach mehreren Jahren noch anhören kann. Und Schneller Autos Organisation ist eine Band, an die ich gern zurückdenke. Immer noch empfehlenswert!

12 Juni 2010

Zwei Bier in Genf

Es war mein erster Abend in Genf – oder Genève –, und vielleicht lag es daran, dass ich zum ersten Mal da war. Aber irgendwie klappte es an diesem Abend nicht so richtig mit der Stadt und mir; wir wurden keine Freunde.

Dabei war alles gut verlaufen: Hotel gefunden, Auto in der piefigen Tiefgarage abgestellt, Klamotten im Zimmer deponiert, Wertsachen in den Safe gestopft. Dann zu Fuß in Richtung Innenstadt und Richtung See. Der Plan war, gemütlich etwas zu trinken, vielleicht auch eine Kleinigkeit zu essen.

Doch die Innenstadt war an diesem Abend so gut wie tot. Zwar waren Menschen unterwegs, die der warme Frühstommerwind durch die Straßen trieb, aber die Geschäfte hatten alle geschlossen, und nett aussehende Restaurants fanden wir ebensowenig wie normale Kneipen. Zumindest die erste Stunde lang gab es nichts, wo wir anhalten wollten.

Bis wir dann nach einigem Herumlatschen eine Kneipe fanden, in der ich mit meinem miesen Französisch kaum verstanden wurde und wo viele Leute auf wackeligen Stühlen und Tischen im Freien saßen. Dort gab es immer schön kühles »Carlsberg«-Bier, was ich auch in anderen Situationen mag, das mir an diesem Abend aber besonders mundete.

Und so fand dieser Abend dank dänischem Bier doch noch ein schönes Ende ...

11 Juni 2010

Unterwegs mit Monsieur Albert

Bisher mochte ich Navigationsgeräte überhaupt nicht; aus diesem Grund besitze ich so ein Ding auch nicht. Bisher, so dachte ich, finde ich meinen Weg auch ohne technische Hilfe, und nötigenfalls kann ich in einen Stadtplan schauen oder Leute nach dem Weg fragen. Vor allem letzteres ist so falsch nicht, und damit kommt man sogar im Ausland ganz gut durch.

Bei der Reise nach Südfrankreich hatten wir ein geliehenes »Navi« an Bord. Da wir es auf eine sympathisch klingende Männerstimme umgestellt hatten, gaben wir ihm einen Namen. Das Ding hieß jetzt »Monsieur Albert«, und ab und zu bedankte ich mich sehr höflich.

Monsieur Albert hatte seine guten Seiten. Zuverlässig lotste er mich durch das Dickicht französischer Städte (schon mal eine Nebenstraße in Cannes gesucht?), aber ebenso durch dörfliche Umgebung (zwei Meter breite Straßen zwischen Cavaillon und Sisteron). Ebenso zuverlässig verwies er auf Tankstellen, Einkaufszentren und Gaststätten, wenn wir ihn danach fragten. Geschmäcklerisch war er da eine Katastrophe, aber man kann nicht alles haben.

Manchmal war das durchaus gewöhnungsbedürftig. Manche Kreisverkehre kannte Monsieur Albert einfach nicht, und manchmal hätte ich gern mit ihm diskutiert, was die Entfernungsangaben betraf. »In zweihundert Meter rechts abbiegen« ist für mich offensichtlich anders definiert als bei ihm.

Da ich Landstraßen fahren und Autobahnen meiden wollte, lotste mich Monsieur zeitweise über beeindruckende Umwege. Das meine ich ohne Ironie: Die Straßen etwa, die ich zwischen Genf und Grenoble oder zwischen Marseille und Cannes fuhr, die hätte ich ohne Nav sicher nicht angesteuert. Teilweise traumhaft schön, wenngleich natürlich sehr eng und kurvig.

Alles in allem ein sympathischer Zeitgenosse, dieser Monsieur Albert. Am Ende mochte ich ihn geradezu, gab ihn aber leichten Herzens wieder her. Zwischen Rastatt und Karlsruhe und Stuttgart und Mannheim brauche ich so ein Hightech-Gerät dann doch eher selten ...

10 Juni 2010

Zwischen Eis und Schnee

Die Ausgabe 90 des Fanzines OX erschien dieser Tage, und enthalten ist wieder einmal mein Fortsetzungsroman »Und: Hardcore!«, der dritte Teil von »Peter Pank« also. Es handelt sich dabei um die 26ste Fortsetzungslieferung - und nach wie vor spielt die Handlung im eiskalten Januar 1987.

Der Held der Geschichte, der Punkrocker Peter Meißner, geht in dieser Folge mit seinem Kumpel Jörg in die Konfrontation mit den örtlichen Nazis. Das will Peter nicht, der eigentlich seine Ruhe haben möchte - aber Jörg ist stinksauer und sucht seinen privaten Rache-Feldzug. Dabei geht natürlich einiges schief.

Wieder mal spielt die Geschichte in der dörflichen Welt am Rand der Schwäbischen Alb. Die Dörfer sind übrigens ebenso erfunden wie die darstellenden Personen - aber vieles von dem, was ich in den »Peter Pank«-Geschichten erzähle, hätte ja in der Wirklichkeit tatsächlich so ablaufen können ...

Flux mit viel Gehippel

Ich habe erstaunlicherweise nur eine einzige Platte der alten englischen Punkrock-Band Flux of Pink Indians, und das ist eine Platte, die nach ihrer Punk-Phase aufgenomen wurde. Das Ding nennt sich »Uncarved Block«, kam 1986 raus, und für diese Platten kürzte die Band endlich ihren Namen zu Flux ab.

Musikalisch tat sich auch einiges. Anfangs waren die Briten ja auf Crass Records gewesen, hatten dort unter anderem für Vegetarismus und gegen den Krieg gepredigt, waren aber stets punkrockig gewesen. Mit der dritten Platte wandelte sich das ziemlich: Der Sound wurde hippelig, im weitesten Sinne zu einer Art IndieSound der 80er Jahre.

Ziemlich viel Funk, sofern ich das richtig kapiere, ziemlich viel Gehämmer und Getrommel, das alles recht manisch und recht hitzig, alles in allem ein Sound, der ins Ohr und auch in die Beine geht, der aber mit Punkrock nix mehr zu tun hat. Als ich die Platte einer Bekannten vorspielte, meinte sie irgendwann, das klänge wie Techno – und damit hatte sie ja nicht mal unrecht.

Im Prinzip war's wohl ein Bindeglied zwischen Punk und Techno, und von daher ist »Uncarved Block« ein durchaus interessantes Zeitdokument. Kann man sich auch 2010 noch locker anhören.

09 Juni 2010

Handbuch und Frick-Interview

Schick sieht es aus, schick und dick: Das »Handbuch für Autorinnen und Autoren« landete in meinem Urlaub auf meinem Schreibtisch, heute habe ich es endlich durchgeblättert und in den nächsten Wochen und Monaten werde ich es hoffentlich zum größten Teil auch lesen können. Das Handbuch ist längst das Standardwerk für Schriftsteller und andere Schreiberlinge - und ich finde es gut.

Nicht nur deshalb, weil es ein Interview mit mir enthält ... Titel des Interviews: »Science Fiction – ein Randthema für Minderheiten?« Die Fragen stellte Sandra Uschtrin, die das Buch auch im eigenen Verlag herausgibt.

Kern des neuen »Handbuchs für Autorinnen und Autoren« sind aber vor allem 15 Beispiel-Exposés (historischer Roman, Erotikroman, Heftroman, Fantasy, Krimi, Jugendbuch, Kinderbuch, zeitgenöss. Roman, Memoir/Reisebericht, Sachbuch, Ratgeber) mit Kommentaren der betreffenden Agenturen, LektorInnen und AutorInnen. Dazu kommt haufenweise anderes interessantes Lese-Zeugs.

704 Seiten stark ist das Ding - die 49,90 Euro sind da aber auch durchaus angemessen. Ein Nachschlagewerk, ein Standardwerk, ein wuchtiges Werk ... ich freue mich auf die Lektüre!

08 Juni 2010

Fast 2800 Kilometer

Kurzer Rückblick auf den zwei Wochen dauernden Urlaub in Frankreich: nichts spektakuläres, nichts besonderes, eher gemütlich. Wir fuhren mit dem Auto, keine Flugreise, wie früher also ... nur dass diesmal nicht im Auto oder auf dem Campingplatz im Schlafsack sondern eben in Hotels übernachtet wurde.

Nach Zwischenstopps in Genf (eher langweilig) und Grenoble (spannende Stadt) landeten wir im Luberon-Gebiet. Konkret zwischen Roussillon und Gargas, also in den sogenannten Ockerbergen. Traumhaft schöne Landschaft, leckeres Essen, tolle Wanderung.

Danach in die Camargue, mit einer Übernachtung im rein touristischen Port Camargue, dort aber in einem kleinen Hotel. Es gab zu viele Mücken, aber die schöne Landschaft und der gute Wein ließen mich die Stiche im Sumpf leicht ignorieren.

Zuletzt hatten wir eine winzige Ferienwohnung in Cannes, keine fünfzig Meter von einem Hafen entfernt, eher am Stadtrand und gut eineinhalb Kilometer bis zur Croisette. Selten so viele Bonzen gesehen - aber von dort aus unternahmen wir viele schöne Touren in die Umgebung.

Sobald ich es zeitlich auf die Reihe bekomme, gibt es weitere Berichte. Fotos habe ich so gut wie keine: Touristische Aufnahmen kann man sich heutzutage via Google zu jedem Thema einfacher besorgen, und irgendwelche »Quatschbilder« sind mir zumeist zu privat.

07 Juni 2010

Lena, Hotte, Koch und so

Da ist man für zwei Wochen im Ausland, und danach sieht die deutsche Welt ganz anders. Die Nation steht kopf, weil ein 18 Jahre altes Mädel mit einem gelungenen Pop-Song den Grand Prix gewollen hat - plötzlich bringt das glatt einen Nationalitätstaumel mit sich. Schön, dass sich so viele Deutsche mit einer Jugendlichen identifizieren ... oder habe ich das jetzt falsch verstanden?

Schön ist auch, dass Ronald Koch seine Ämter räumt. Damit wird Deutschlands Politik in diesem Jahr ein Stück weit weniger schlimm. Hoffen wir mal ...

Und auch Horst Köhler räumt sein Amt. Ich kann mich an keine vernünftige Aussage des Mannes erinnern, was an meinem schlechten Gedächtnis liegen mag; deshalb kann ich mir hierzu keine Aussage erlauben. Fehlen wird er mir nicht.

War sonst noch was? Offensichtlich muss ich nur das Land verlassen, damit einschneidende Dinge passieren. Ich glaube, ich muss öfter in Urlaub fahren.