Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
25 November 2025
Kein Fahrradjahr für mich
Es war die Hose, die ich zuletzt bei einer kleinen Radtour angezogen hatte. Diese Tour war bereits Wochen und Monate her. Als ich die Hose anschaute und mir überlegte, dass das Wetter eindeutig nicht mehr für kurze Hosen an der frischen Luft geeignet war, fiel mir ein, dass mein Fahrradjahr 2025 ziemlich depressiv verlaufen war.
Im vergangenen Jahr hatte ich eine »gute Ausrede«: Corona und als Folge eine Thrombose hatten zuverlässig dafür gesorgt, dass mir die Ärzte alle sportlichen Aktivitäten anfangs verboten und später nur eingeschränkt genehmigt hatten. Doch 2025? Da gab es solche Regeln nicht.
Und trotzdem hatte ich 2025 nicht viel geschafft: Ich war jeden Tag mit dem Rad unterwegs, aber eine Fahrt zum Bäcker oder ins Training konnte man kaum als Tour bezeichnen. So kam ich auf vielleicht ein Dutzend kurzer Touren, die zwischen einer Stunde und zwei Stunden gedauert hatten, aber nichts, das darüber hinaus ging. Ich war nicht in der Pfalz oder gar im Elsass, ich war nicht im Kraichgau, und ich fuhr keine Berge am Rand des Schwarzwalds hoch.
Als ich die kurze Hose in die Waschmaschine steckte, war mir das alles doch ein wenig peinlich. Kein gedanklicher Rückblick im Stolz also …
15 August 2025
Fahrrad und Lieferwagen
Kaum war der Lieferwagen an mir vorbei, setzte er bereits seinen Blinker. Ich ging davon aus, dass er in die Akademiestraße abbiegen wollte, und ging auf die Bremse. Wenn ich etwas nicht brauchte, weder am frühen Morgen noch sonstwan, war es ein Duell mit einem motorisierten Fahrzeug.
Noch während ich langsamer wurde und noch während der Lieferwagen vor mir in das eigentliche Abbiegen überging, schoss von hinten ein Fahrrad heran. Der Fahrer – ein rundlicher Typ mit grauen Haaren und grauem Bart – fuhr mit hohem Tempo links von mir vorbei, schien sogar noch zu beschleunigen und fuhr dann direkt vor dem abbiegenden Lieferwagen weiter.
Der Lieferwagenfahrer trat in die Bremse und hupte; ich hielt auch an. Während ich mit erhöhtem Puls stehenblieb, hörte ich mir die Kanonade an Schimpfwörtern an, die der Fahrer von sich gab. Aber ich wartete brav, bis er abgebogen war, bevor ich wirklich weiterradelte …
31 Juli 2025
Eine echte Dame
Ich fuhr vorsichtig, trotzdem zügig. Mein Interesse, auf der feuchten Straße ins Rutschen zu geraten, war ausgesprochen gering. Auf die Autofahrer rechts und links der Radspur achtete ich noch stärker als sonst; die sahen durch ihre Windschutzscheibe schließlich auch nur eingeschränkt.
Auf einmal war die Frau vor mir. Sie saß in aufrechter Haltung auf einem klassischen Damenfahrrad, ihr geblümtes Kleid vom Regen klamm. Lange blonde Haare fielen ihr in Locken auf den Rücken. Wie sie es schaffte, mit ihren hochhackigen Schuhen auf den Pedalen zu bleiben, war mir ein Rätsel.
Sie balancierte einen Schirm in der rechten Hand, groß und hellblau. Damit schien sie durch den Regen zu schweben, aufrecht und gelassen und ungeachtet der Autos, die rechts und links an ihr vorbeifuhren.
Ich war völlig beeindruckt. So viel Stil in einer Person, so viel Coolness, ohne cool sein zu wollen! Auf einmal fühlte ich mich schmuddelig und vom Regen völlig durchnässt. Wie machte sie das?
Es nutzte nichts, ihr nachzustarren. Es wurde Zeit, dass ich ins Trockene kam und mich umziehen konnte. Mit neuem Elan strampelte ich weiter …
14 Juli 2025
Am Hattenkellenhohl
Das mit der flachen Stadt ist allerdings ein Irrtum, was immer dann festzustellen ist, wenn man hinter Durlach oder Grötzingen in den Wald kommt. Es ist eben doch ein Randgebiet des Schwarzwalds. Am Samstag gelangte ich zum ersten Mal in meinem Leben auf eine Straße, die den hübschen Namen Hattenkellenhohl trägt.
Sie erwies sich als geteert, und eigentlich konnte ich nach den letzten Häusern von Grötzingen gut auf ihr radeln. Es lag ein bisschen Unrat auf ihr herum, Berge von altem Laub und irgendwelche Äste und Zweige – aber ich kam gut voran. Allerdings benötigte ich alle Gänge meines Fahrrads: Die Straße war am Anfang moderat steil und wurde dann immer steiler.
Ich war ziemlich verschwitzt, als ich nach gerade mal einem Kilometer oben ankam. Dort aber war es dann sehr angenehm – und beim Riesenstuhl konnte ich mich mit Brom- und Himbeeren stärken, die an über mannshohen Hecken wuchsen …
30 Juni 2025
Am kleinen Bodensee
Derzeit bevorzuge ich eine Runde, die von Karlsruhe aus an den Kleinen Bodensee führt. Das ist, wenn man mal an der Müllsammelstelle vorbeigekommen ist, die meiste Zeit recht schön. Es geht bis vor an den Rhein – kurzer Blick auf den Ölhafen –, dann durch den Auenwald und vorbei an stehenden Gewässern, irgendwann zurück nach Karlsruhe.
Für die Strecke brauche ich etwas über eine Stunde, und ich vermute, dass das auch ein wenig schneller ginge. Ich fahre aber nicht auf Tempo, und irgendwelche Rekorde sind mir völlig egal.
Es ist bei dieser Strecke nicht ratsam, längere Pausen einzulegen und die Natur zu bewundern. Noch haben die Altrheinarme viel Wasser in sich, was bedeutet, dass es von Insekten nur so wimmelt. Auf Stiche kann ich gern verzichten.
Trotzdem freue ich mich immer wieder über den schönen Anblick, der sich bietet. Es ist eben doch ein kleines Naturschutzgebiet, wenngleich es direkt ans Industriegelände anschließt ...
19 Juni 2024
Hilfreiche Brille
Es war absolut hilfreich, eine Brille zu tragen, und es war notwendig, durch die Nase zu atmen. Ich fuhr zeitweise durch riesige Mückenschwärme, die über den Feldern und am Rand der Wälder schwirrten. Die Tiere klebten auf meiner Kleidung und in meinem Gesicht, es war schon ein wenig unangenehm.
Der Grund war optisch immer wieder klar festzustellen: Überall schimmerte die Wasseroberfläche von Tümpeln, die mitten in Wiesen oder Äckern in der Hitze dampften. Der Regen der vergangenen Tage und Woche hatte seine Spuren hinterlassen. Da überraschte es mich dann auch nicht, dass manche Wege in die Rheinauen noch völlig verschlammt waren oder das Gras so hoch wuchs, dass rechts und links das Dickicht in die Wege wucherte.
20 Februar 2024
Stress in der Virchow
Eine Person kommt mir auf dem Rad entgegen. Für ein Auto und ein Fahrrad ist die Straße zu schmal, also ziehe ich nach rechts und stelle mich soweit in die Einfahrt eines Hofes, dass sich genügend Platz zwischen meinem Auto und dem Gehsteig ergibt. Das mache ich nicht nur aus Gründen der Höflichkeit und Verkehrssicherheit – ich halte mich schlicht an die Verkehrsregeln. Als sich die Person nähert, erkenne ich, dass es sich um eine grauhaarige Frau handelt.
Von hinten rollt ein anderes Auto heran. Der Fahrer kann nicht an mir vorbei; dazu müsste er auf den Gehsteig, der an dieser Stelle recht hoch ist. Ich sehe im Rückspiegel, dass er fuchtelt; dann haut er mir die Lichthupe rein. Einmal, zweimal, dreimal flackert es hinter mir auf. Ich reagiere nicht.
Langsam fährt die Frau mit dem Rad auf mich zu; sie wirkt ein wenig unsicher. Als sie auf meiner Höhe ist, hebt sie grüßend die Hand. Ich grüße zurück, blicke in den Rückspiegel, warte die drei Sekunden, bis sie vorbei ist, und fahre dann weiter.
Während ich langsam die Straße weiterfahre, blicke ich erneut in den Rückspiegel. Die Frau hält nun mit dem Rad mitten auf der Straße an, sie kann nicht weiterfahren. Der Autofahrer steht ihr gegenüber und gibt ihr die Lichthupe. Einmal, zweimal.
Wie es weitergeht, erkenne ich nicht. Ich erreiche das Ende der Straße und biege rechts ab. »Zu viel Stress am frühen Morgen«, murmle ich.
09 Januar 2024
Wie ich schlagartig wieder 17 wurde
Als ich eine Handvoll Spaziergänger vor mir wahrnahm, wurde ich langsamer. Es waren ältere Menschen, allesamt grauhaarig, zwei Frauen und zwei Männer; sie führten einen Dackel an der Leine mit sich. Aus der anderen Richtung näherte sich ebenfalls ein Radfahrer. Die Frau mit dem Dackel stellte sich so hin, dass der Radler nicht weiterfahren konnte; ich sah, dass sie sich unterhielten und sie erst dann den Weg freimachte.
Vorsichtig rollte ich weiter und auf die Gruppe zu. Immerhin stellte sich mir niemand in den Weg.
Als ich auf der Höhe der grauhaarigen Frau war, schnauzte sie mich an: »Hier ist doch kein Radweg!« Sie wirkte zornig, das war kein lockerer Spruch. »Der Radweg ist dort drüben!« Sie zeigte auf einen anderen Weg, der sich keine zehn Meter von uns entfernt ebenfalls durch die Gegend schlängelte.
Schlagartig war alles klar: Ich war ein 17 Jahre alter Jugendlicher auf einem Rad, der von grauhaarigen Menschen öffentlich angemault wurde. Die Rollen waren eindeutig verteilt: dort die Alten, hier der Junge.
Ich versuchte, höflich zu bleiben, während ich langsam an der Gruppe vorbeirollte. »Wäre es nicht sinnvoll, da vorne ein Schild hinzustellen? Dann wüsste ich das auch.«
Die Frau wurde laut. Es sei eine Unverschämtheit von mir, so zu tun, als ob es da kein Schild gehe. Das sei doch nicht zu übersehen. Ich solle meine Brille putzen. Den Rest hörte ich nicht mehr, weil mir das Blut in den Kopf schoss.
Ich war nun endgültig 17 Jahre alt. Ohne auch nur nachzudenken, hob ich die rechte Hand, reckte den Mittelfinger in die Höhe und fuhr langsam weiter. Hinter mit ertönte ein wüstes Geschimpfe im breitesten Badisch, unterlegt mit vielen Schimpfwörtern. Meine Botschaft war angekommen. Ich erwartete schon, dass sie den Dackel hinter mir herhetzen würden.
Gut 200 Meter weiter endete der schmale Weg an einer Straße. Ich war mittlerweile deutlich älter geworden und hatte meine Ruhe wieder gefunden. Gelassen schaute ich mir alle Schilder in der Umgebung an. Wenn das ein reiner Fußweg war, musste das doch auf jeder Seite des Weges kenntlich gemacht werden. Ich sah kein Schild, das mir verbot, den Weg mit dem Rad zu benutzen, nichts dergleichen.
Achselzuckend fuhr ich weiter. Ich fühlte mich im Recht, kam mir vor wie ein Jugendlicher, der von »alten Leuten« schikaniert wurde. Was für alte Säcke, was für ein blödes Gemaule! Und was war ich für ein cooler Jungspund!
Weitere 200 Meter fuhr ich, bis sich mein geistiges Alter wieder dem biologischen Alter angepasst hatte. Mir wurde bewusst, dass meine Haare selbst grauer wurden, buchstäblich von Tag zu Tag. Wahrscheinlich waren die »alten Leute«, über die ich mich geärgert hatte, nicht viel älter als ich selbst.
Da schämte ich mich ein wenig für meinen Stinkefinger und für meinen Rückfall in Teenager-Zeiten. Aber nur ein wenig. Dann lachte ich über mich, meine unklare Selbsteinschätzung und über mein immer noch schnell überschäumendes Temperament – mit erhöhtem Tempo fuhr ich nach Hause.
27 November 2023
Schlappe Fahrradsaison '23
Wenn ich am heutigen Tag auf das Jahr 2023 zurückblicke – und bei diesem Thema kann ich das schon –, fällt mir zu meinen sprtlichen Aktivitäten nicht viel ein. Damit meine ich nicht die fast täglichen Fahrten mit dem Rad zum Einkaufen oder in die Kneipe. Gemeint sind Radtouren, wobei die bei mir bei einer Stunde losgehen – für echte Tourenradler ist das wohl eher albern.
Im Jahr 2023 hatte ich keine einzige Radtour, die länger war als eine Stunde. Ich war weder in der Pfalz, noch war ich im Elsass, ich fuhr nicht in den Schwarzwald hoch – die Bergdörfer bei Karlsruhe zählen noch nicht so richtig – und war nicht im Kraichgau unterwegs. Es reichte zu einigen kurzen Trips in die nähere Umgebung, und das führt am Ende zu einer enttäuschenden Bilanz.
Ausreden gibt es genug: Vor Juni kann ich kaum radeln, weil mich davor die Allergien zu sehr plagen. Im Juli hatte ich Corona, und die Spätfolgen plagten mich noch Wochen danach. Und im Sommer regnete es teilweise ergiebig, was auch kein Spaß machte. Als es wieder besser ging, legte ich mich mit dem Rad in den Dreck und fuhr danach erst mal zehn Tage lang nicht mehr in den Wald.
Aber seien wir ehrlich: Der Hauptgrund ist und war die Arbeit. Wer morgens in aller Frühe anfängt und trotzdem erst um 19 Uhr nach Hause kommt, kann sich größere sportliche Aktivitäten einfach abschminken. Unterm Strich waren mir also die Abenteuer eines Weltraumfahrers wichtiger als meine eigene Gesundheit. So schlau war das nicht.
Wenn ich also einen Vorsatz für 2024 äußern kann, sollte ich das früh tun: Das muss künftig – wieder – anders werden!
18 September 2023
Schutzengel für Radler
Doch diesmal erwischte es mich auf trockenem Boden. Ich hatte eine flotte, wenngleich nicht lange Tour hinter mir: von Karlsruhe zur Hedwigsquelle, von dort hoch zum Bismarckturm oberhalb von Ettlingen, auf der anderen Seite hinunter ins Albtal, ein wenig die Alte Steige hoch und dann wieder hinunter ins Tal. Weil es landschaftlich reizvoller war, als an den Straßen entlangzufahren, flitzte ich lieber durch den Weiherwald in Richtung Karlsruhe-Stadtmitte.
Ich hatte ein ordentliches Tempo drauf, weil ich nach Hause und unter die Dusche wollte. So bekam ich nicht gleich mit, dass sich von der anderen Seite einer Kurve her zwei ältere Leute näherten: ein Paar, beide mit grellbunten Radlerklamotten angetan, beide sehr behutsam. Weil ich nicht in sie hineinfahren, die Kurve aber trotzdem schaffen wollte, betätigte ich die Bremse.
Mein Hinterreifen rutschte auf dem sandigen Boden in der Kurve weg, und ich flog zur Seite, prallte – fast wie gelernt – mit der rechten Schulter auf den Boden und rutschte ein wenig durch den Dreck. Ich brüllte ein wütendes Schimpfwort, stand aber gleich wieder auf. Die beiden Rentner hielten neben ihren Fahrrädern und blickten mich erstaund an; ein Mann mit Bart und langen Haaren, der wohl einen Spaziergang unternommen hatte, eilte herbei.
Es war alles okay. Ich hatte ein aufgeschürftes Knie, dazu leichte Schürfwunden an den Händen und am rechten Ellbogen. Mein T-Shirt und meine Hose waren voller Staub und Dreck. Aber weder meinem Rad noch mir war etwas Ernsthafts passiert.
»Das sah spektakulär aus«, meinte der Mann mit Bart und zeigte auf den sandigen Boden. »Eine echte Rutschfalle. Und Sie hatten wohl einen Schutzengel.«
Nach kurzem Gerede fuhr ich weiter. Allerdings nicht so vorsichtig, wie es vielleicht angebracht gewesen wäre, sondern wieder schnell: Ich brauchte wirklich dringend eine Dusche.
23 August 2023
Schöner See eigentlich
Die Nachbarschaft wird von Wohnblocks beherrscht, zeitweise richtig ausgedehnt. Doch dazwischen wartet der See auf einen Besucher. Er wird sogar von Anglern genutzt, wie es scheint. In der Abenddämmerung wirkt er fast romantisch: Er wird von Strauchwerk gesäumt, und kleine Wege führen überall hindurch.
Leider wird das Areal offenbar auch als Hundeklo benutzt, wenn man den Blick ein wenig kritisch auf den Boden richtet. Der See an sich und seine Umgebung sind schön; allein die irrsinnige Menge an Stechmücken und anderen Insekten in der Luft trieb mich schnell in die Flucht. Und Romantik liegt wie immer im Auge des Betrachters, wie das Foto belegt ...
31 Juli 2023
Radfahren nach Corona
Mittlerweile scheint sich die Lage entspannt zu haben. Ich kann mittlerweile wieder ganz normal eine Treppe erklimmen und bin danach nicht nassgeschwitzt. Und als ich am Samstag eineinhalb Stunden lang mit dem Rad durch die Gegend fuhr, tat mir hinterher zwar der Hintern weh – weil ich völlig ungeübt war –, aber weder meine Lunge noch mein Herz bereiteten mir Probleme. Selbstverständlich fuhr ich sehr vorsichtig und holte noch nicht alles aus mir raus, was ich in mir vermutete.
Ins Training ging ich nach meiner Erkrankung bisher dreimal. Ich reduzierte die Gewichte, was gut war. Dass es nicht zu häufigerem Training gereicht hatte, lag nicht an meiner Gesundheit, sondern an der Arbeit, die in diesen Wochen viel Stress mit sich brachte. Aber auch das Training scheint gut zu verlaufen: Ich bin mit den Gewichten immer noch vorsichtig, bemerke aber keine echten Probleme.
Da ich von anderen Menschen weiß, wie lange sie teilweise unter den Folgen ihrer Corona-Erkrankung zu leiden hatten – von LongCovid wollen wir gar nicht reden –, bin ich im Augenblick recht optimistisch. Vielleicht klappt es bis Ende des Sommers zumindest, ein wenig vom Bauch wegzutrainieren ...
19 Juni 2023
Pollen im Juni
Als ich in Freudenstadt damit anfing, intensiver mit dem Rad durch die Gegend zu fahren, hatte ich keine Beschwerden. Okay, der Winter ging auch von Oktober bis April, aber wegen der Höhenlage blieben wohl allergene Belastungen aus. Als ich ins Flachland zog, dauerte es auch einige Zeit, bis sich Allergien ausbildeten. Vielleicht lag es daran, dass ich die meiste Zeit die Berge hoch fuhr.
Dann aber konzentrierten sich die Allergien auf das Frühjahr, und ich rotzte von März bis April. Wegen des wärmeren Wetters kann ich jetzt ab Februar – oder gar wie dieses Jahr: ab Januar – damit anfangen, Antihistamine zu schlucken-
Mittlerweile rotze und schniefe ich auch im Juni. Der Grund: Roggen … ich habe anscheinend eine schwache Allergie gegen Roggen. Beim letzten Test vor einigen Jahren kam heraus, dass ich diese Allergie habe. Mittlerweile scheint sie sich soweit verändert zu haben, dass ich nun auch im Juni meine Tabletten schlucken kann.
Wenn das so weitergeht, kann ich auf eine Jahresbehandlung umsteigen. Die Allergiesaison für das Jahr beginnt an Weihnachten mit der Hasel und endet im Oktober mit irgendwelchen Astern und dergleichen. Na super …
09 Januar 2023
Ein Turm am Stadtrand
Als ich mich der Bundesstraße näherte, zog Nebel auf. Ich hielt an und schaltete das Licht an meinem Rad ein, damit mich entgegenkommende Autofahrer sehen konnten. Vorsichtig fuhr ich weiter, nahm die Unterführung an der Bundesstraße und kam dann hinaus auf die Wiesen und Felder, die sich zwischen Freudenstadt und Wittlensweiler erstreckten. Alles war feucht, eine ungemütliche Stimmung.
Als sich vor mir ein Gebäude aus dem Nebel schälte, ließ ich mein Rad einfach weiterrollen und näherte mich so. Der Grundriss war quadratförmig, nicht groß, vielleicht acht auf acht Meter. Das Gebäude verlor sich in der Höhe im Nebel, als sei es ein riesiger Turm. Ich hatte kurz die Vorstellung, er rage weit über hundert Meter in die Höhe und sehe deshalb sehr dünn aus.
Das fand ich interessant. Ich stellte mein Rad am Rand der Straße ab und ging die paar Meter bis zu dem Turm. Seine Wände waren aus Beton, glatt und fast elegant, als habe man ihn sehr gleichmäßig und am Stück gegossen. Die Tür, vor der ich dann stand, sah aber ausgesprochen billig aus: einfaches Holz, grob verarbeitet.
Ich näherte mich, blieb aber überrascht stehen, als die Tür vor mir aufschwang. In der Öffnung stand eine Frau: schlank, schwarz gekleidet, mit schwarzen Haaren und einem sehr strengen Ausdruck im alterslos wirkenden Gesicht. »Was wollen Sie?«, fragte sie mich barsch.
»Ich war in der Nähe«, sagte ich und zeigte auf mein Fahrrad. »Und weil ich neugierig bin, dachte ich …«
»Wir wollen keine neugierigen Leute«, unterbrach sie mich, trat einen Schritt zurück und schlug mir die Tür vor der Nase zu. Da wachte ich auf.
10 Oktober 2022
In den Rheinauen unterwegs
Wenn sich das Jahr langsam neigt, nerven die Stechmücken nicht mehr so und nimmt die Gefahr von Zecken – zumindest subjektiv – stark ab. Das führt dann dazu, dass ich mit meinem Rad auf Strecken gehe, die nicht unbedingt zu einem schnellen Fahren einladen.
Gerade in den Wäldern entlang des Rheins, die gerne auch mal überschwemmt sind und in denen sich eine faszinierende Umwelt gehalten und auch neu entwickelt hat, gibt es viel zu sehen. Da macht es mir dann auch nichts aus, wenn ich sehr langsam fahren muss, weil die Wege schmal und feucht sein können, weil sogar mal ein umgestürzter Baum oder Äste auf dem Boden liegen.
Das Foto zeigt mein Fahrrad auf dem schmalen Weg, der auf eine Landzunge am Rhein zu führt. Links ist der Pfinz-Entlastungskanal, der kurz davor mit dem Schmugglermeer in Verbindung getreten ist, rechts ist der alte Leopoldshafen. Man kommt sich vor wie in einem Urwald. Auf den Gewässern sind Enten und Gänse unterwegs, zwischendurch kreuzen auch mal zwei Schwäne; es ist vor allem still, sieht man vom Plätschern des Wassers, dem Rascheln der Blätter und den Geräuschen der Tiere ab.
03 Oktober 2022
Am Knielinger See
Weil die Sonne schien und mich die frische Luft lockte, setzte ich mich aufs Rad. Unter anderem kam ich an den Knielinger See, den ich an diesem Tag sehr mochte. Es war vergleichsweise still, der Lärm der Straße war weit genug hinter mir. Vögel zwitscherten, die Sonne zauberte herrliche Reflexe auf das Wasser.
Auffallend war, dass die Gewässer nicht mehr so ausgetrocknet aussahen wie einige Wochen zuvor. Der Dauerregen der vergangenen Tage hatte den Pegel wieder steigen lassen.
Und im Hintergrund sah ich – wie so oft – wieder einmal eines der Wahrzeichen von Karlsruhe: das Heizkraftwerk. In einem Herbst, in dem alle Welt von der kommenden Energiekrise redet, ist so ein Schornstein auf einmal fast positiv.
30 September 2022
Radfahren im Jahr 2022
Mein Bewegungsdrang treibt mich auf die Straße und aufs Fahrrad. Bei Regen fahre ich aber nicht gern, und wenn es richtig kalt ist, erlahmt meine Freude am Radeln auch. Das heißt, dass eigentlich nur die Monate April bis September in Frage kommen, und wegen meiner Allergien kann ich eigentlich nie vor Juni mit »richtigen« Touren anfangen.
»Richtig« heißt in meinem Fall: mehr als eine Stunde. Jeder passionierte Radfahrer lächelt da verächtlich – aber ich backe in diesem Fall eben kleine Brötchen. Und 2022 blieben es zumeist kleine Brötchen.
Dabei hatte ich mir echte Pläne gesetzt. Ich wollte bis nach Bad Bergzabern in die Pfalz fahren, bis nach Bad Herrenalb in den Schwarzwald, bis nach Schwenningen und bis nach Baden-Baden – das sind übrigens alles Ziele, die sich in vernünftiger Zeit erreichen lassen.
»Vernünftig« heißt hier wieder: Man ist schon mal vier Stunden unterwegs. Und diese Zeit bekam ich praktisch nie freigeschaufelt, der Zeitdruck bei der Arbeit hielt mich erfolgreich davon ab. Immerhin bekam ich es endlich einmal auf die Reihe, mit dem Rad nach Bad Herrenalb zu fahren – das hatte ich zuletzt 1993 geschafft, als ich aus dem Murgtal hoch- und über Bad Herrenalb wieder vom Berg hinuntergefahren war.
Alle anderen großen Touren – »groß« für meine Verhältnisse – konnte ich mir abschminken. Einige Zweistünder gab’s, viel mehr aber nicht. Ich hoffe auf 2023. Oder ich zwinge mich bei trockenem Wetter auch in der kühlen Jahreszeit auf mein Rad und fahre mehr als nur eine halbe Stunde durch die Gegend ...
15 September 2022
Eine Brücke im Wald
So ist es, wenn ich der Alb entlang fahre. Die Alb ist ein Flüsschen, das sich durch Karlsruhe windet, bevor es in den Rhein mündet. Zwischen dem Rheinhafen sowie den Ortsteilen Grünwinkel und Daxlanden erstreckt sich ein kleines Waldstück, durch das die Alb fließt – es ist also inmitten der Stadt.
Verlässt man dort den offiziellen Weg und wechselt auf eine leicht verschlammte Strecke, ist man nach fünfzig Metern bereits in einem Gelände, das einem wie ein Bannwald oder zumindest ein leicht verwildertes Stück Schwarzwald vorkommt. Gras wuchert, es riecht nach Moder, Tiere rascheln im Gebüsch, Vögel fliegen aufgeschreckt herum.
Und weitere fünfzig Meter weiter steht man vor einer Brücke, die also mitten im Stadtgebiet zu finden ist. Es geht keine Straße darüber, und ich habe keine Ahnung, wofür sie einmal gedient haben mag. Vielleicht führte die Schmalspurbahn darüber, die vor hundert Jahren durch die Stadt führte. Spannend ...
11 September 2022
Wenn es Herbst wird ...
Aus der Reihe »Ein Bild und seine Geschichte«
Fahre ich in diesen Tagen mit dem Rad in den Wald oder auf die Wiesen rings um Karlsruhe, muss ich immer aufs Wetter achten: Leichter Nieselregen macht nichts, ein starker Regen verdirbt mir aber die Laune – obwohl ich weiß, wie wichtig es nach diesem langen heißen Dürresommer ist, dass es an einigen Tagen durchregnet.
Es fällt auf, wie sich der Wald in diesen Tagen verändert. Dank des Regens sprießt frisches Grün aus dem Boden. Überall lockern grüne Halme die dürren Stellen auf, und das kommt eine vor wie im Frühling.
Auf der anderen Seite wirken die Bäume oft, als hätten wir bereits Oktober: Die Blätter sind gelb und rot, an manchen Stellen fallen sie einfach herunter.
Aber die Luft ist anders. In den heißen Tagen im Juli und August roch der Wald oft nach Harz, er dampfte und schwitzte geradezu. Radle ich jetzt zwischen Bäumen und Büschen hindurch, nehme ich frische Gerüche war, aber auch den von Moder, von alten Bäumen und feuchtem Holz. Schön!
09 September 2022
Ein Blick auf Mordor
Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«
Da radelte ich also am frühen Abend über die Wiesen und durch den Wald, weil ich ein wenig Bewegung brauchte. Es nieselte immer wieder, was mich nicht störte – ich hatte ja eine Kappe auf. Die Temperaturen sanken beständig, aber weil ich mich bewegte, machte das auch nichts aus.
Als ich auf der Heimfahrt war, oberhalb von Neureut, also nördlich von Karlsruhe, zog sich der Himmel zu. Es sah aus, als blickte ich in Richtung Mordor. Schnell machte ich ein Foto. Ich beobachtete den Himmel eine Weile, stellte dann aber fest, dass sich kein flammendes Ungetüm zeigte, und fuhr beruhigt weiter.
Auf der anderen Seite der Stadt zeigte sich übrigens ein prachtvoller Mond. Zwischen Mond und Mordor kehrte ich dann nach Hause zurück ...





