Beim Fest der Fantasie, das ich in diesem Jahr im August besuchte, gab es einen sehr berührenden Moment für mich. Hermann Ritter nahm mich am Ärmel und sagte, er müsse mir unbedingt etwas zeigen. Dann geleitete er mich in einen Raum, in dem die Ahnenrolle hing – so wurden die drei Stoffstreifen genannt, die dort angebracht worden waren.
Auf den Streifen standen die Namen der Follower, die im Verlauf der sechzig Jahre verstorben sind, seit es FOLLOW als Fantasy-Vereinigung und Magira als phantastische Welt gibt. Mit Followern sind in diesem Fall die Menschen gemeint, die eine Figur auf der Fantasywelt Magira simulieren. Es sah sehr würdevoll aus: Die Streifen waren aus einem schweren Stoff in Schwarz, die Namen waren in Goldfarbe hineingestickt worden.
Hermann Ritter und ich saßen lang davor. Wir sprachen über die Leute, deren Namen wir lasen. Manche kannte ich nicht, weil ich schon zu lange inaktiv gewesen war, während Hermann alle kannten. Aber vor allem die älteren Namen waren mir ein Begriff. Darunter waren Menschen, die ich seit den 80er-Jahren gekannt hatte, mit denen ich manches Bier getrunken hatte.
Das war durchaus traurig, aber es hatte etwas Positives. Bei vielen Menschen fielen uns Begegnungen und gute Geschichten ein. Es war ein wirklich würdevoller Moment.
Seit einiger Zeit frage ich mich, ob so etwas in der Science-Fiction-Szene nicht auch möglich wäre. Ich erinnere mich noch an Udo Popp und Herbert Thiery, an Dieter Sachse und Uwe Luserke, an Eckhard D. Marwitz und Andreas Kuschke, an Waldemar Kumming und Axel Mehlhardt – ich könnte hier Dutzende von Namen nennen. Vielleicht wäre es angebracht, auch an diese Menschen – und ich habe ausdrücklich Namen von Menschen mitgenannt, die ich gar nicht gemocht hatte – in Form einer Ahnenrolle zu erinnern.
Science Fiction sollte in die Zukunft blicken. Aber sollte man nicht auch an fannische Weggefährten erinnern?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen