05 Juli 2007

Rockass rockt


Da der Herausgeber seit einiger Zeit keine neue Ausgabe herausgebracht hat (kein Wunder; er hat geheiratet), stört es hoffentlich nicht so sehr, daß ich mit mörderischer Verspätung auf Rockass 8 hinweise, die aktuelle Ausgabe acht des Punk- und Rock'n'Roll-Fanzines aus Münster. Schickes A4-Format, lesbares Zeitschriften-Layout, immer interessante Beiträge.

Klar, daß mir der Beitrag über die Avengers am besten gefallen hat: Penelope Houston fand ich schon vor einem Vierteljahrhundert gut, und live überzeugte mich die alte Dame des Punk unlängst in Frankfurt. Cool: ein Interview mit den Sunny Domestozs, der Psychobilly-Band aus Münster, von denen ich mir anno 1986 ein Tape kaufte – die gibt es jetzt wieder.

Dazu Bands wie die Lazy Cowgirls (ich erinnere mich noch gern an ein unglaubliches Konzert in den späten 80er Jahren in Schramberg im Schwarzwald) oder die Uralt-Band The Dicks (Interviews hier in Englisch!). Einen Tourbericht gibt es mit der coolen Rotzepunk-Band Hidden Charms aus Münster. Dazu die üblichen Besprechungen.

Eine sackgeile Mischung, die auf 32 A4-Seiten für einen Euro plus Porto präsentiert wird.

04 Juli 2007

Punkrock for Hell!


Es lohnt sich immer wieder, die Heftromane der Konkurrenz durchzublättern. Diese Woche war's dann mal ein JOHN SINCLAIR-Heft, das den wunderbaren Titel »Der Höllenpunk« trug. Ich zitiere aus der Beschreibung einer der zwei wichtigen Nebenfiguren:

»Lena war siebzehn. Ein heißer Feger, ein Punk mit grünen Haaren, die wie breite Stacheln auf dem Kopf wuchsen. Sie hatte eigentlihc ein nettes Gesicht, noch etwas kindlich und rund, aber durch die ebenfalls grün geschminkten Lippen wirkte es stets verfremdet. Sie sah so aus, als würde sie auf ihren Auftritt in der Manege warten. Aber dazu fehlte ihr die entsprechende Glitzerkleidung.

Sie trug Jeans mit bewusst hineingeschnittenen Löchern, ein verwaschenes Sweatshirt und eine dunkelgrüne Lederjacke, die sie erst am gestrigen Tag in einem Billig-Shop gestohlen hatte. Das war eigentlich nicht ihr Outfit, aber sie wusste, was auf sie zukam, und hatte sich dementsprechend angezogen.«

John Sinclair regelt alles, prügelt sich dann auch mit einigen »Punkern« herum und legt letzten Endes den »Höllenpunk« aufs Kreuz. Yes!, so geht das ab in Gruselkreisen, wenn die bösen Punker mal wieder so richtig gemein sind. Großartiger Lesespaß!

03 Juli 2007

Geläster über Punkrock

Keine Ahnung, welcher Teufel mich am Sonntag abend, 1. Juli, ritt: Es war meine monatliche Punkrock-Radiosendung im freien Radio Querfunk, und ich lästerte praktisch ununterbrochen über die aktuellen Punk-Platten aus Deutschland, die ich spielte.

»Kreuzlangweilig« war eines meiner Lieblingsattribute für Bands wie Montreal aus Hamburg oder Bitume aus Oldenburg, »Musik, die meine Mutter mit ihren 76 Jahren nicht mehr aufregt.« Oder zu Raketenhund aus Braunschweig: »ideal für junge Männer, diegerne Halsketten mit Holzperlen tragen.« Daß ich noch ein Konzert mit Kettcar und einigen anderen Emo-Kapellen ankündigte, paßte gut ins Läster-Bild.

Immerhin hatte ich auch Hallo Kwitten aus Flensburg am Start, die ich nicht belästern konnte. Und den Abschluß bildeten die herrvorragenden Nein Nein Nein, die immerhin rotzigen Punk mit deutschen Texten spielen – so etwas hört man hierzulande tatsächlich immer seltener.

Festzuhalten bleibt trotzdem: Die Sendung am Sonntag abend hatte aufgrund meines unaufhörlichen Spottes über Punkrock hoffentlich einen hohen Unterhaltungswert.

02 Juli 2007

Yipee-yi-yea, Schweinebacke!

Man muß über »Stirb langsam 4.0« nicht mehr viel sagen, die meisten werden die einschlägigen Kritiken und Berichte in allen nur erdenklichen Medien mitbekommen haben. Auch das Internet überschlägt sich mit der üblichen unkritischen Berichterstattung.

Sagen wir so: Ich habe mich am Samstag abend königlich amüsiert. Bruce Willis ballert sich im vierten Teil von »Die Hard« durch New York und Washington sowie West Virginia und noch mindestens zwei weitere Bundesstaaten an der amerikanischen Ostküste.

Daneben gibt es haufenweise Seitenhiebe auf Kung-Fu-Stars, auf Computerspieler und Handy-Experten, auf das doofe FBI und was einem sonst noch einfallen mag. McLane als knallharter Bulle setzt sich mit sturer Muskelkraft und lakonischem Humor gegen alles durch, knallt reihenweise Bösewichte ab und hat ganz nebenbei noch eine Tochter, die ihm in jeglicher Hinsicht nacheifert.

Zu viel nachdenken darf man bei diesem Film nicht – dazu hat man im übrigen keine Luft, da es immer ratzfatz vorangeht. Gelungene Kino-Unterhaltung mit knalligen Effekten, viel Licht- und Krachspektakel und allerlei Krimskrams gibt es haufenweise. Ich kann mir nicht vorstellen, daß so was auf Video und in der Glotze ebenso gut funktioniert.

Dieser Film ist ein erneutes Plädoyer fürs Kino. Reingehen, staunen und Spaß haben!

30 Juni 2007

Mensch, Heidelberg!

Hat wohl nicht so geklappt, Heidelberg, na? Unesco-Welterbe wolltest du werden – und jetzt haben sie dich auf den Stand zurückgestellt, der dir gebührt: Universitätsstadt, Touristensumpf, Japaner- und Amerikaner-Treffpunkt.

Seien wir ehrlich: Seit das Autonome Zentrum im letzten Jahrhundert (so lang ist das schon her!) seine Pforten schließen mußte, war in Heidelberg nicht mehr viel los. Kein Grund, Welterbe zu werden, nur weil die Studenten hier vor 200 Jahren »die Sau rausließen«, in dem sie besoffen und nachts irgendwelche Schweine aus den Ställen der Bauern und Landsleute durch die Straßen der Stadt trieben.

Okay, es gibt einen tollen Schokoladenladen und charmante Buchgeschäfte, nette Cafés und haufenweise Touristenscheiße in der Fußgängerzone. Es gibt ein China-Restaurant, das tatsächlich leckeres Essen anbietet, und das eine oder andere gutbürgerliche Restaurant, in das man gehen kann, ohne brechen zu müssen.

Aber Welterbe? Na ja ... Also, Heidelberg, da mußt du dich schon noch mal ein bißchen anstrengen. Ich meine: Karlsruhe ist Beamtenstadt, das klingt auch nicht viel cooler ...

29 Juni 2007

Spießer und Punks

Im Fernsehen markiert er ja den geradezu idealen Spießer (der jetzt konsequenterweise von einem blöden Schnösel weggemobbt wird), in Wirklichkeit hat er eine Punkrock-Vergangenheit: Manuel Andrack, der Redakteur der Harald-Schmidt-Show. Seit ich das entsprechende Interview auf der STERN-Homepage gelesen habe, bin ich deswegen geradezu baff.

Immerhin sieht er im Nachhinein seine Punk-Zeit als »Spaß, Freizeit, hemmungslose epikureische Verschwendung«. Na klasse, wenn das nicht punkig klingt ... Für mich war's irgendwie was anderes.

Die Vorstellung, daß ich irgendwann in den 80er und 90er Jahren, als es mich doch gelegentlich nach Köln verrschlug, neben Manuel Andrack im »Station« in Köln gesoffen haben könnte, erschüttert mich schon. Allerdings: Gucke ich heute in den Spiegel, sieht mich ja auch nicht gerade ein Punkrocker an.

Also darf der bürgerlich aussehende Herr Andrack seine rebellische Phase genauso pflegen wie ich – wir alten Spießer-Helden in gemeinsamer Eintracht vereint also ...

28 Juni 2007

Erinnerungsschübe

Am 9. Mai 2007 berichtete ich zum zweiten Mal über meine Kolumnen-Reihe, die auf der PERRY RHODAN-Homepage erscheint und den hübschen Titel »Der Redakteur erinnert sich« trägt. Das ist eine Kolumnen-Reihe, die mir selbst viel Spaß macht – deshalb gibt es bereits vier weitere Fortsetzungen.

Mein erster »schlimmer Job« behandelt das Jahr 1993: Ich war erst kurz im Verlag und mußte die vierte Auflage einstellen, genauer gesagt, ihre Einstellung bekannt geben. (Dieser Tage erst mußte ich die dritte Auflage dicht machen – das war jetzt wirklich mein Werk. Seufz.)

Exakt zehn Jahre her und vom Thema her wesentlich positiver: »Eine Party bei H.G. Francis« beschreibt tatsächlich eine Party, in diesem Fall bei dem Schriftsteller-Kollegen H.G. Francis in Barsbüttel, bei der ich viel Spaß hatte ... damals, im Sommer 1997.

Vom Jahr 1985 handelt die Kolumne »Das große PERRY RHODAN-Kompendium«, in der es um verlorene Gelegenheiten in der Mitte der 80er Jahre geht. Dazu könnte ich noch viel mehr schreiben, aber ... es geht halt nicht.

Noch mal ein Rückgriff auf meine frühere Jugend, genauer auf das Jahr 1979: »Die ersten Fan-Kontakte«, da geht es schlicht und ergreifend darum, welch großartiges Gefühl es in diesem Jahr, endlich einmal festzustellen, daß es außerhalb meines Dorfes noch mehr Leute gab, die sich für dieselben obskuren Themen interessierten wie ich.

Was Social Beat wirklich war


Im Jahr 2007 war ich nicht auf der Mainzer Minipressen-Messe; wahrscheinlich das erste Mal seit vielen Jahren. Der Grund: zu viel Arbeit, keine Zeit. Ich schäme mich schon dafür.

In einem der Zelte bei der Mainzer Minipressen-Messe habe ich sie vor vielen Jahren erstmals getroffen, erlebt und teilweise kennengelernt: die jungen Autoren, die sich unter dem Banner des Social Beat zusammenrotteten oder scharten. Leute wie Robsie Richter oder Kersten Flenter – und auch Oliver Bopp.

Oliver Bopp ist immer noch aktiv; sein kleiner aber feiner Ariel Verlag bietet nach wie vor »Underground«-Literatur auf gutem Niveau an. Immer wieder kaufenswert! Und dieser Tage kam ich endlich dazu, sein Buch »Bam Wam – Das versteckte Tal« zu lesen, das ich vor einigen Jahren auf der Mainzer Minipressen-Messe kaufte.

In einer Mischung aus Roman und Journalismus zeichnet das Buch die Geburtsstunde und gleichzeitig das Ende der Social-Beat-Welle nach. Oliver Bopp war von Anfang dabei, und seine Erinnerungen an diese aufwühlenden Jahre lesen sich heute noch sehr interessant. (Blöd ist nur, daß er die Namen der Original-Protagonisten alle veränderte. Jetzt kann ich bald 15 Jahre danach rätseln, wen er eigentlich meint. Grumbl!)

Auf einer zweiten Handlungsebene schreibt er von seinen Begegnungen mit amerikanischen Underground-Poeten wie Gerald Locklin oder Jack Micheline – ebenfalls sehr interessant. Erschütternd seine Erinnerungen an Josef Wintjes, den damals alle nur »Biby« nannten, dessen Heft »Ulcus Molle Info« anfangs der 80er Jahre eine wichtige Quelle für mich darstellte und der in »Bam Wam« als Papa chiffriert wird. Kein schlechtes Chiffre für einen so wichtigen Menschen, an den ich mich noch gut erinnere.

Das Buch gibt's immer noch. Sicher im Buchladen eurer Wahl, sicher bei irgendwelchen Versendern oder eben direkt beim Ariel Verlag. Wer sich für Underground-Literatur interessiert, für den ist das eine spannende und zugleich lehrreiche Lektüre.

27 Juni 2007

Das kann nur der Wagner

Was wäre unsereins ohne die BILD-Zeitung und ohne Franz Josef Wagner, den Kolumnisten des Blattes? Erfreulicherweise finden sich seine Kolumnen auch im Netz, was sie doppelt witzig macht. Wobei ich ja stets fürchte, daß der Mann das alles ernst meint.

In der aktuellen Kolumne greift er das Schicksal des Jugendlichen auf, der gerade im türkischen Knast sitzt (da will ich nicht mit ihm tauschen, brrrr). Und Wagner schenkt dem Jungen – gegen den zumindest ein Vergewaltigungsvorwurf vorliegt – gleich tröstende Worte.

»Tausende und Abertausende junge Menschen begehen diese Verbrechen jede Nacht. « So Wagner, der große Jungmännerversteher, der auch gleich noch eine Schippe in Sachen Frauenversteher nachlegt.

»Du bist der erste Junge, der im Gefängnis sitzt, weil er die Frauen nicht versteht. Wenn sie ja sagen, meinen sie nein. Und wenn sie nein sagen, meinen sie ja. Das, mein Lieber, kannst Du mit 17 nicht wissen – das kannst Du erst wissen, wenn Du so alt bist wie ich.«

Und dazu fällt mir ausnahmsweise dann doch nichts mehr ein.

26 Juni 2007

Comic-Magazin für die »Älteren«



Ich erinnere mich düster an meine erste »Sprechblase«. Das muß so anfang 1980 gewesen sein, und für mich als Jugendlichen war das Comic-Magazin eine respektable Erscheinung – immerhin gab's darin Conan-Comics und anderes Zeugs zu bewundern.

Das ist lange her. In den letzten 25 Jahren entwickelte sich das Heft des Hethke-Verlags immer mehr zu einer Sammlung für Nostalgiker; logisch, der Herausgeber verdiente sein Geld unter anderem damit, daß er alte Comics nachdruckte und erneut auf den Markt brachte. Am 13. April 2007 ist Norbert Hethke verstorben – für viele Comic-Fans ein echter Schock.

Die Ausgabe 208 der »Sprechblase« ist richtig gut geworden, unter anderem deshalb, weil die Western-Heftromanserie »Western-Legenden« vorgestellt wird – in die gucke ich regelmäßig rein, die ist für die Verhältnisse des Genres geradezu anspruchsvoll. Die Geschichte des »Zack«-Magazins wurde schon oft erzählt, aber irgendwie liest man sie immer mal wieder gern ...

Und so reiht sich ein lesenswerter Artikel an den nächsten, gibt es Comic-Besprechungen und sogar einen im uralten Wäscher-Stil gehaltenen und von Hansrudi Wäscher gezeichneten »Fenrir«-Comic, der mich zu unterhalten wußte. Aber ich habe ja auch schon anno 1967 beim Friseur die neuesten Wäscher-Piccolos gelesen.

68 Seiten für 6,90 Euro sind nicht preiswert, passen aber. Und ohne die »Sprechblase« wäre die Comic-Szene hierzulande definitiv ärmer.‚

25 Juni 2007

Widerstandskampf im Jahr 2007

Unter einem buschigen Schnauzbart erkannte ich dicke Lippen; das Gesicht des Taxifahrers sah aus wie eine Mischung aus Günter Grass und einer gestrandeten Seekuh. Immerhin waren seine Sätze verständlicher als die des SS-Nobelpreisträgers, und er benutzte korrekteres Deutsch als irgendwelche Tiere, die am Meer vor sich hin blöken.

»Wissen Sie«, schnodderte er mich an. »Man muß in Deutschland nicht alles mitmachen, man kann auch in kleinen Dingen seinen Widerstand leisten.«

Ich lehnte mich in meinem Sitz zurück und machte mich auf das übliche Gesabbel gefaßt. Manchmal ist mir das Radioprogramm lieber als ein schwätzender Taxifahrer, aber an manchen Tagen kann man einfach nicht alles haben.

Wie ich es gewohnt war, schnallte ich mich an. Der Fahrer grinste. »Sie machen's genau«, greinte er. »Immer schön an die Vorschriften halten.« Er griff in das Seitenfach seiner Tür. »Aber an die Regeln muß man sich ja immer halten, vor allem dann, wenn die Kiste hier die ganze Zeit piept.«

Aus dem Seitenfach zog er das abgeschnittene Schließteil eines Sicherheitsgurtes. Er wuchtete es über seinen Wanst und steckte es in das Gurtschloß; hörbar rastete es ein.

»Man muß in kleinen Teilen Widerstand leisten«, betonte er. »Und ich leiste Widerstand gegen die lästige Gurtpflicht, die ich hasse.« Dann startete er den Wagen.

24 Juni 2007

Einigermaßen fleißig

Meine Wochenenden werden immer bürgerlicher. So auch dieses: Anstelle mich heute ins Nachtleben zu stürzen (gestern abend stand ich immerhin noch im »Fünf« an der Theke und trank Bier), saß ich am Computer und schrieb. Immerhin soll das gewünschte Buch über Afrika zur Buchmesse 2007 erscheinen – da ist also noch viel zu tun.

Wobei ich heute keine neuen Texte schrieb: Komplett bearbeitet wurde »Ein Schutzengel zu wenig«, das schon mal im ENPUNKT erschienen ist. Und ziemlich neu geschrieben wurde »Auf einem Balkon in Hillbrow«, bei dem ich erstmal abwarten muss, ob das meiner Verlegerin überhaupt gefällt. Geschmäcker sind ja verschieden.

Die Arbeit machte mir sehr viel Spaß – und langweilig fand ich das keine Sekunde lang: Immerhin kamen viele positive Erinnerungen hoch, die auch durch den Überfall in Johannesburg nicht übertüncht werden konnten. Nach Südafrika würde ich gern noch einmal fahren; schauen wir mal, wann das mal wieder der Fall sein kann.

23 Juni 2007

Ost-Punk im Rückblick

Die aktuelle OX-Ausgabe 72 habe ich in diesem Blog schon mal erwähnt. Na logo, ist ja auch ein »Peter Pank«-Text von mir enthalten. Aber mittlerweile habe ich das Heft auch komplett durchgelesen.

Neben vielen Interviews und Besprechungen fand ich vor allem den großen Textblock zum Thema DDR-Punk total spannend. Obwohl ich durch Bücher wie »Auch im Osten trug man Westen« (oder so) sowie eigene Begegnungen ein bißchen etwas über die Szene in der ehemaligen DDR wußte, trugen die Interviews doch zahlreiche neue Details zum Geschehen bei. Sehr guter Beitrag von Meister Klarmann!

Zweitbester Beitrag: »Raketen in Rock« von Tom Tonk, der angeblich tatsächlich mal bei einer CDU-Veranstaltung landete und eine dort anwesende Dame aufreißen wollte. Ich wollte mich vor Begeisterung schon kreischend auf dem Boden wälzen, als mir auffiel, daß ich das OX auf dem Klo las.

Die musikalische Bandbreite des Heftes ist übrigens gigantisch: Billy Talent kommen ebenso zu Wort (hey, ich mag die!) wie die Straight-Edge-Kracher Earth Crisis (die ich schon vor zehn Jahren scheiße fand) oder Turbonegro (steinigt mich, aber ich fand die immer überbewertet), dazu haufenweise Bands, die eher »IndieRock« oder so spielen.

22 Juni 2007

Leben am Lidellplatz

Der Lidellplatz gehört zu jenen Plätzen in Karlsruhe, die ich nicht unbedingt immer wahrnehme. Und das, obwohl ich dort regelmäßig aufschlage: Der Querfunk, das Freie Radio Karlsruhe, hat dort seinen Sitz. Nur bin ich dort stets abends und meist angetrunken. Kein Wunde, daß ich den reizvollen Charakter des innerstädtischen Areals nicht so richtig zu würdigen weiß.

Bis der Mittwoch dieser Woche kam. Ich strandete – ein Handy-Anruf war schuld – im Café Bohne, direkt am Lidellplatz gelegen. Da das Wetter schön war (der Regen setzte pünktlich ein, als ich auf dem Rad in Richtung Heimat saß), pflanzten wir uns in die Stühle ins Freie, guckten abwechselnd ins Bier und auf die Straße, redeten viel Blech und amüsierten uns.

Da war richtig was los! Zwei ordentlich gepolsterte Matronen in geblümten Kleidern schaukelten auf ihren Rädern vorbei. Ein schwarzhaariger Mann im Kaftan schlenderte über die Straße. Ein schlacksiger Mann in auffallend buntem Anzug begeisterte kurzfristig. Zwei schwarze Frauen präsentierten blond eingefärbte Zöpfchen.

Bis irgendwann eine gute Bekannte aus unserer Gruppe fragte: »Gibt’s hier eigentlich einen Kostüm-verleih, oder was ist hier eigentlich los?«

Mag jetzt in der Lektüre nicht soo lustig sein, brachte uns aber schwer zum Lachen.

21 Juni 2007

Ein SF-Autor und ein Klangkünstler


Eine ungewöhnliche Veranstaltungs-Mixtur bot das Café Nun in Karlsruhes Oststadt. Bei subtropischen Temperaturen verschlug es mich am Dienstag, 19. Juni 2007, in das Café. Dort traf ich auf gekühltes, leckeres Bier und ein interessantes Programm.

Über die Lesung von Frank Borsch, seines Zeichens Science-Fiction-Autor und damit ein Kollege von meiner einer, schrieb meine Kollegin Miriam Hofheinz bereits einen Bericht auf der PERRY RHODAN-Homepage, dem ich mich nur anschließen kann.

Das Buch »Alien Earth« fand ich übrigens eh cool: ist auch was für Leute, die sonst Science Fiction eher doof finden, weil es vor allem um ganz normale Menschen geht, die in einer aus den Fugen geratenen Welt in naher Zukunft ums Überleben strampeln müssen.

In den Pausen spielte Bexar Bexar, ein Musiker aus Texas, der ziemlich seltsame Musik auftischte (oder las Frank in den Konzertpausen? egal!): irgendwelche Klangsinfonien, die er gelegentlich mit der Gitarre begleitete. Hörte sich zeitweise wie Ambient-Musik an, die man anfangs der 80er Jahre gelegentlich hörte. Das Foto zeigt einen nachdenklich blickenden Mann.

Nett, aber nix, was ich dauernd haben könnte – und auf einem Konzert irgendwann dann doch langweilig. Gut war in dem Zusammenhang, daß Franks Powerpoint-Vorführung hinten ablief und immer wieder neue Zitate aus »Alien Earth« an die Wand projiziert wurden.

20 Juni 2007

Dienstältestes Comic-Fanzine


Den oben stehenden Titel trägt das Fanzine Plop zu recht: Seit anno 1980 oder 1981 erscheint das im A5-Format erscheinende Heft. Ich bin seit Nummer 1 einer der Abonnenten und freue mich stets, wenn ein neues Heft raus kommt.

Dieser Tage trudelte die Nummer 78 ins Schließfach: 64 Seiten voller cooler Schwarzweiß-Comics und -Cartoons, mal richtig klasse, mal doof, halt alles von Amateuren. Was aus denen werden kann, sieht man an Walter Moers – der veröffentlichte anno 1981 auch seine ersten Comics im Plop.

Das Heft ist klassisch und damit in gewisser Weise ganz schon altmodisch. Mir gefällt das, aber daß die Auflage schlappe 150 Exemplare beträgt, spricht Bände. Deshalb mein Tipp an alle, die sich für Amateur-Comics interessieren: Mail an Andreas Alt (andreas_alt at t-online.de) schicken und nachhaken. Ein Abo über vier Ausgaben kostet übrigens schlappe zehn Euro.

17 Juni 2007

Keira rettet die Welt

Ich gestehe, daß Keira Knightley eine der Schauspielerinnen ist, wegen der ich schon in einen Film gehe, ohne mich um weitere Details zu kümmern. Im dritten Teil von »Pirates of the Caribbean«, wie die Serie jetzt auch in Deutschland offiziell heißt, stiehlt sie prompt den anderen Hauptdarstellern Orlando Bloom und Johnny Depp die Schau.

Wobei man sich auch im dritten Teil der Piratenserie um solche Details wie Handlungslogik nicht kümmern darf. Intellektuell ist die Ansammlung von Quatsch und Action, Special Effects und dramatischer Musik nicht gerade, trotzdem gelang es keinem aus unserem munteren Trio (darunter zwei Leute mit abgeschlossenem Studium ... nicht ich natürlich!), den verzwickten Plänen, Absichten und Fallen bis ins letzte Detail zu folgen.

Aber das ist gleichgültig. Die Piraten-Saga folgt ihrer eigenen Logik, ihrem eigenen »Kodex«, und sie hält sich konsequenterweise nicht mal an diese Logik. Da wechseln Helden wie Bösewichter in kunterbunter Mischung die Fronten, sind mal mit dem, mal mit jenem verbündet – Hauptsache, es läuft auf einen Showdown heraus, bei dem es ohne Ende kracht und scheppert.

Großartiges Kino-Vergnügen also!

Ein Vergnügen also, das nur auf einer riesigen Leinwand funktioniert. In der Glotze ist das nicht so überwältigend, da fällt einem der Quatsch sogar negativ auf, über den man sich bombig amüsiert, wenn er über die Leinwand stolziert.

A propos stolzieren: selten eine multiple Persönlichkeit derart dargestellt gesehen ...

16 Juni 2007

Das Auto vor mir ...

Die Musik ist der übliche umpf-umpf-umpf-Mist, den man immer aus derart aufgemotzten Fahrzeugen hört. Der Fahrer sieht aus, wie man sich solche Fahrer vorstellt.

Aber die riesige Klebebuchstaben-Aufschrift auf der Heckscheibe bringt mich fast zum Lachen: »Seat Tuning Freaks«.

Wie? Freaks, also Krüppel, die ihre Sitze aufmotzen? Oder was?

Ich brauche tatsächlich geschätzte fünf Sekunden, bis ich kapiere, daß mit Seat die Automarke gemeint ist.

15 Juni 2007

Saufen und Sex

Engländer saufen zu viel, nehmen zu viele Drogen und poppen dann blöd durch die Gegend, so daß sie mehr oder weniger gelungene Geschlechtskrankheiten abkriegen. Das meldet der Online-Spiegel auf Basis eines Berichtes der »Independent Advisory Group on Sexual Health and HIV«. Den Bericht gibt es auch online, aber ich habe ihn mir nicht durchgelesen.

Spiegel-Online bringt es dramatisch auf die Spitze: »Mitte März hatte eine Studie der europäischen Union gezeigt, dass in vielen Ländern Europas problematisches Trinkverhalten weit verbreitet ist: Jeder Zehnte, der trinkt, sucht den Vollrausch. Unter Jugendlichen, so das Ergebnis der Befragung von 25.000 Menschen, ist der Anteil gar doppelt so hoch.«

Unsereins forderte früher in der APPD das »Recht auf Vollrausch« und die »totale Rückverdummung«. Wie es aussieht, brauchen die Leute uns dafür nicht ...

14 Juni 2007

Bei so was kommen Erinnerungen hoch ...


Im Rahmen eines Heftroman-Austausches flattern mir immer die aktuellen Romane des Bastei-Lübbe-Verlags auf den Schreibtisch. Heute dabei: die aktuelle JERRY COTTON-ausgabe, genauer die Nummer 2609 mit dem Titel »www.Mordauftrag«.

Ich glotzte das Cover an und fiel fast nach hinten. Auf dem Titelbild sind die Warriors zu sehen. Hey, die Warriors! Natürlich hat das Cover nichts mit dem Inhalt zu tun, das ist normal - aber ich war dennoch platt.

»The Warriors« war anno 1979 der erste Kinofilm, den ich mir anschaute. Ich war 15 Jahre alt und radelte mit dem Fahrrad von Dietersweiler nach Freudenstadt, um mir den Streifen anzugucken. Und ich war begeistert. Total: die Action, die Gangs, die treibende Musik, die Schlägereien. Der Hammer!

Den Film habe ich noch einmal in den frühen 80er Jahren gesehen, seitdem nicht mehr. Aber ich glaube, ich könnte ihn glatt noch mitsprechen. Wenn ich nur das Bild anschaue, kommen zahllose Erinnerungen hoch.

Respekt. Und das wegen eines JERRY COTTON-Heftromans.

13 Juni 2007

Keine Entschuldigungen mehr!


Nach einem schwitzigen Arbeitstag litt ich am Dienstag, 12. Juni, unter Bewegungsmangel. Also schmiß ich mich nach Feiertag in kurze Hosen und T-Shirt, dann auf mein Rad und strampelte los.

Eine Stunde nur, und ich war klatschnaß. Die Knie zitterten, ich keuchte, und mein Herz raste. Hölle!, ich fühlte mich scheiße-alt.

Dann machte ich mir klar, daß ich zwar fast jeden Tag ein bißchen radle, aber seit dem Februar keine Radtour mehr gemacht hatte: damals, in Singapur und im East Coast Park. Lang, lang ist's her.

Dazwischen waren kaltes Wetter, Heuschnupfen und sonstige Unpäßlichkeiten. Und was mir sonst noch an Ausreden so einfällt.

Wird Zeit, daß ich wieder öfter aufs Rad springe und losfahre!

12 Juni 2007

»Welcome To Presence«


Ein wunderbarer Titel für ein Buch und ein Beispiel dafür, wie kreativ man in China mit der englischen Sprache umgeht ... und gleichzeitig das erste Buch eines neuen Verlags. Oliver Lutz Radtke ist der Autor des Buches »Welcome To Presence – Abenteuer Alltag in China«, das in unterhaltsamer Weise in die Mysterien des angeblichen Reiches der Mitte einführt.

Radtke selbst kennt sich aus; er studierte Sinologie unter anderem direkt in Shanghai und arbeitet derzeit als Redakteur in Singapur. Er kann sich also mit den Leuten in ihrer Sprache unterhalten und ist nicht auf Dolmetscher oder andere Hilfen angewiesen.

Man erfährt in seinem Buch in Anekdoten, Kurzgeschichten und Reportagen viel über China: über Essgewohnheiten und Musiker, über Politiker und Marktfrauen, über Bauernlieder und Comics. Der Autor ist neugierig, und diese Neugierde überträgt er auf seine Leser – das macht Leuten wie mir dann wiederum Spaß.

Dabei bleibt Radtke nicht unkritisch, sondern reflektiert stets, was er sieht. Meist äußert er seine Kritik mit Augenzwinkern, nicht mit erhobenem Zeigefinger, und das macht sie zumindest für mich sehr nachvollziehbar. Lesenswert für alle, die sich für China im besonderen und Reisen im allgemeinen interessieren.

(Ach ja: Mehrere Farbseiten ergänzen die Texte. Gefällt mir ebenfalls!) 294 Seiten für 12,95 Euro; gibt's mit der ISBN 978-3-9811327-0-0 in jedem Buchladen.

11 Juni 2007

Noch ein Rostock-Kommentar

Da ja in einem Kommentar zu meinem Blog-Eintrag »Kein Kommentar« jemand gleich wieder anonym was reinschreiben musste, verweise ich auf eine wunderbare Homepage. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier informiert hier über die Entwicklung einer Falschmeldung. Da soll noch einer sagen, die Polizei und die Medien würden seriös informieren wollen ...

Es geht ja auch noch weiter: Eine Woche nach den Steinewerfereien in Rostock, nach den unglaublichen 500 verletzten Polizisten (von denen zwei im Krankenhaus behandelt worden sind), werden die dreisten Lügen aufrecht gehalten und wird weiter gelogen, daß sich alle Balken von Rostock bis Genua biegen. Niggemeier informiert erneut dazu.

Sehr schick übrigens der Pantoffelpunk, der in seinem Blog über seine Versuche berichtet, die offensichtlichsten Lügen zu stoppen. Und natürlich der Spiegelfechter, der mit zu den ersten gehörte, die die Falschmeldung klarstellten.

Das neue OX und der Peter


Wieder eine neue Ausgabe des Fanzines (oder Magazins; sucht's Euch aus!) OX. Vom Cover gucken mich sechs Männer sehr ernsthaft und sehr langweilig an, im Inhalt gibt es einige layouttechnische Änderungen, die mir sehr gut gefallen – sieht aufgeräumter und professioneller aus.

Meine Fortsetzungsgeschichte mit Peter Pank in der Hauptrolle geht auch in dieser Ausgabe weiter. In der Folge 8 von »Und: Hardcore!« gibt es einen Rückblick an den Anfang des Jahres 1987, was in diesem Fall bedeutet, daß die Hardcore- und Punk-Kids von heute mal einen kleinen Einblick in die damalige Siff-Punk-Szene erhalten. (Wobei ich ja denke, daß das heute nicht anders ist, höchstens verschärfter in mancherlei Hinsicht.)

Keine Ahnung, wie viele Leute die Geschichten mit Peter Pank lesen. Mir macht zumindest das Schreiben viel Spaß, und irgendwann gibt es hoffentlich diese aktuellen Folgen auch als Buch zu lesen.

10 Juni 2007

Super-Musik für lange Fahrten

Wenn ich früher mit meinem Auto durch die Gegend fuhr, hörte ich Tapes. Meist kopierte ich Mix-Cassetten, die ich besonders gern hörte, oft aber hörte ich aktuelle Platten, die fast ununterbrochen lieferten.

Meine Lieblings-Cassette in den mittleren 80er Jahren bestand aus Neurotic Arseholes auf der einen und Blut und Eisen auf der anderen Seite. Ende der 80er Jahre war eine Mixtur von Negazione und So Much Hate das, was ich am liebsten hörte – Tapes, die buchstäblich Jahre in meinem Auto lagen und immer wieder abgespielt wurden.

Seit ich einen CD-Player habe, wechselt die Musik häufiger. Das liegt daran, daß ich heute viel mehr Musik habe als vor zwanzig Jahren, aber sicher auch daran, daß ich die Musik heute nicht mehr so aktiv höre wie in meiner früheren Zeit.

Ab und zu aber gibt es CDs, die sich richtig lange halten. Dazu dürfte die erste CD der Bottrops gehören: Die Band, der man nicht nachsagen darf, daß sie der illegitime Nachfolger der Terrorgruppe ist, hat mit der ersten Platte ein kleines Meisterwerk produziert: Deutschpunk mit viel Melodie und ironischen Texten, manchmal albern aber nie blöd, kritisch aber nie zeigefingererhoben, abwechslungsreich, aber nicht frickelig.

Einfach gelungen! Meine CD des Sommers, wenn das so weitergeht – bei der Fahrt nach Bonn und zurück hörte ich die Bottrops mehrfach, und die Musik wurde mir nicht langweilig.

09 Juni 2007

Ich und die Trekkies

Gestern besuchte ich »die« Con in Bonn. Ja, bei den Star-Trek- und Star-Wars-Fans heißt so was nicht »der« sondern »die« Con. Sei's drum, unterm Strich ist das ja auch egal. Bei der »FedCon« tummeln sich auf jeden Fall immer viele Leute, einige tausend dürften es sein. Und das »Maritim« im Bonner Stadtteil Bad Godesberg war voll von ihnen.

Leider war auch die Autobahn voll, und Parkplätze gab es nur noch im absoluten Halteverbot. So schaffte ich es immerhin, exakt zwei Minuten vor Beginn meines Vortrags an der Informationsstelle aufzulaufen - und eine nette junge Frau schleuste mich an den Türstehern (allesamt sehr freundlich, keine Frage) vorbei und in den Vortragsraum.

Dort warteten einige Dutzend Leute auf mich. Und dort hielt ich dann mal wieder einen Vortrag über meine Arbeit: die Geschichte der Science Fiction im allgemeinen und in Deutschland im besonderen und einiges zu PERRY RHODAN. Danach viele Fragen aus dem Publikum, und eineinhalb Stunden waren rum.

Naßgeschwitzt diskutierte ich vor der Tür noch weiter, und nach ungefähr zweieinhalb Stunden Aufenthalt auf der Veranstaltung, von der ich außer dem Eingangsbereich, der Toilette und »meinem« Vortragsraum nichts mitbekommen hatte, fuhr ich wieder zurück. Kurz vor halb elf Uhr abends war ich dann zu Hause, ausgelaugt und müde.

Manche Arbeitstage sind schon arg anstrengend.

08 Juni 2007

Kein Kommentar

Sind deutsche Fernsehjournalisten eigentlich hirntod oder einfach nur geil auf Manipulationen? Ich zappte heute viel herum.

Ein Sender zeigte Bilder von Demonstranten, die auf einen Vermummten einschlagen. Kommentar dazu: "Die Demonstranten sind gegen die vermummten Autonomen." Auf spiegel.de läßt sich das ganze anders angucken. Da wird der Vermummte als Zivilpolizist enttarnt und zu seinen Kollegen zurückgeschickt.

Man sieht Bilder von prügelnden Polizisten und Wasserwerfern, die Demonstranten vom Zaun zurückprügeln. Behandschuhte Hände drücken auf Nasen; das tut weh. Die Sprecher sagen dazu, "heute gab es keine Gewalt". Richtig: Wenn die Polizei prügelt und verletzt und misshandelt, ist das in Deutschland in diesen Tagen keine Gewalt.

Bei der Berichterstattung zu dem großen Open-Air-Konzert loben die Sprecher im Fernsehen unisono, dass es "so friedlich" geblieben sei. Na klar, die Polizei war ja weit weg, dann bleibt es immer friedlich.

Als Zuschauer packt einen angesichts der unaufhörlichen Lügenkampagne permanent die Wut. Wie gut, daß ich nicht nach Rostock gefahren bin.

07 Juni 2007

Fleißig schreiben

Der heutige Abend steht im Zeichen des Schreibens; ich versuche endlich mal wieder an neuen und alten Texten gleichermaßen zu arbeiten. Schließlich soll in diesem Jahr zur Frankfurter Buchmesse mein neues Buch erscheinen – dazu demnächst mehr.

Ich bearbeitete die Geschichte »Bewegung für KK«, die in Malawi spielt und von Duschen und Glühbirnen erzählt, und ich bearbeite die Geschichte »In Erwartung des Präsidenten«. In dieser geht es um einen Präsidenten und um ein Pferdegebiss; sie spielt auch in Malawi.

Die neue Story, an der ich heute arbeitete, heißt »Spion in der Wüste« und versucht ein Algerien-Abenteuer nachzuerzählen. Im Dezember 1986 wurde ich mitten in der Sahara für einen angeblichen Spion gehalten, weil ich mit einer alten Kofferschreibmaschine allerlei Notizen anfertigte, die sich auf Land und Leute bezogen.

Feiertage sind dafür da, daß man sich erholt. Und ich erhole mich von der Redakteursarbeit, indem ich an eigenen Texten schreibe. Für mich klingt das logisch.

06 Juni 2007

Mein liebstes Fußball-Fanzine



Von Fußball habe ich keine Ahnung, das gebe ich ja zu. Aber ich lese sehr gern den Übersteiger, das »antirassistische Zweitliga-Reise-Herzblatt rund um den FC St. Pauli«, von dem mir die Ausgabe 83 vorliegt. Der FC St. Pauli ist auch der einzige Zweitliga-Verein, bei dessen Spielen ich mehrfach im Stadion war; ich gebe zu, dass es unter anderem wegen der dritten Halbzeit war.

Der Übersteiger ist ein sehr kritisches Fanzine. In Artikeln mit Titeln wie »Schöne Schlammschlacht, schöne Scheiße« wird über vereinsinterne Diskussionen berichtet; dazu kommen viele andere Berichte, Reportagen und Interviews, ergänzt durch Platten- und Fanzine-Besprechungen.

Ich mag Auslandsreportagen. So erfährt man im aktuellen Heft etwas über die Szene in Bolivien oder Dublin. Sehr schön! Das Heft erscheint im A4-Format, kostet schlappe 1,60 Euro plus Porto und umfasst 44 Seiten.

05 Juni 2007

Einige Sätze zu Rostock

Ich war nicht in Rostock, ich weiß nicht, was dort genau vorgefallen ist. Aber ich glaube nicht so einfach, was mir erzählt wird: weder den Medien noch der Polizei.

Es gibt anscheinend eine Reihe von Indizen, die darauf hindeuten, daß die sogenannte Randale in Rostock von Provokateuren zumindest mit ausgelöst worden sein könnte (war das jetzt vorsichtig genug formuliert?). So gibt es auf Indymedia einen interessanten Beitrag, der zudem durch ein Video ergänzt wird.

Auch Telepolis berichtet durchaus kritisch und nicht ganz so massenkonform wie Spiegel-Online. Beim Spiegel empfiehlt sich die Lektüre des Online-Forums, wo sich manche Leser in begeisternden Vorschlägen zu überbieten versuchen, was man mit »randalierenden Protestierern« machen könnte.

Noch mal: Ich war nicht in Rostock, aber ich habe im Laufe der letzten 25 Jahre genügend Demonstrationen gesehen, um an der Darstellung von ZDF-SAT1-ARD-NTV-etc.pp. zu zweifeln ...

Börlin! Börlin! Börlin!

Der Sonntag abend, dritter Juni 2007, stand mal wieder im Zeichen meiner Radiosendung. Die läuft ja seit anno 1995 im lokalen Sender Querfunk in Karlsruhe, thematisch geht es logischerweise um Punkrock, Hardcore und artverwandte Klänge.

Diesmal gab's unter anderem die neue Platte der Bottrops (auch wenn's die Macher nicht so gern hören: die Nachfolger der Terrorgruppe), es ging um The Voice (alte Glatzen-Band) und ZSK (cooler Melodie-Polit-Punk). Ich spielte Frontkick und Radio Dead Ones, die beide klassischen Punkrock mit Klasse-Melodien zu bieten haben. Und um einige andere Kapellen, die jetzt nicht aufgezählt werden müssen.

Schöne Sendung wieder einmal. Wer Live-Stream auf seinem Rechner empfangen kann, kriegt das auch immer übers Internet - das nur als Tip!

04 Juni 2007

»Bäume im Sandmeer«

Zwar steht als Erscheinungsdatum im Impressum der Februar 2007, tatsächlich in mein Brieffach gekommen ist das Ding aber dieser Tage: die Hornsignale 254, die aktuelle Ausgabe des Fantasy-Fanzines.

Das Heft besteht im wesentlichen aus einer einzigen Geschichte. Die heißt »Bäume im Sandmeer« und stammt von mir. Die ursprüngliche Idee stammt aus dem Jahr 1983 – kein Witz! – und wurde so nie publiziert. Im November 2006 schrieb ich den alten Text komplett um, es blieb praktisch nichts vom Ur-Text übrig.

Und jetzt ist es publiziert: 28 Seiten in einem hübschen A5-Heft. Sehr schön, ich freue mich.

Zum Inhalt: Ghazir en Dnormest, der Held meiner Fantasy-Geschichten, die in der Welt Magira spielen, kommt in die Kleinstadt Terrikas. Dort im Land Clanthon machen Gerüchte von einem neuen Krieg die Runde, und die Leute freuen sich geradezu darauf. Ghazir en Dnormest gesellt sich zu den Leuten, und er erzählt ihnen eine Geschichte ...

... die Geschichte eines früheren Krieges, in den er damals verwickelt wurde ... als er noch im Wüstenland Esran lebte ... und als die Wüstenreiter den Konflikt mit den Bäume liebenden Korossern suchten ... im Prinzip also eine klassische Sword&Sorcery-Geschichte.

03 Juni 2007

Krokodilstränen

Ich war nicht in Heiligendamm oder eben Rostock. Für solche Reisen wegen einer Demonstration bin ich zu faul, vielleicht auch zu feige. Es war ja klar, daß es »krachen« würde, und für körperliche Auseinandersetzungen bin ich zu alt & gemütlich geworden.

Beurteilen kann ich also nicht, was bei der Großdemonstration wirklich passiert ist. Ich guckte gestern fleißig Randale-TV und schaute mir ebenso fleißig diverse Homepages an. Es ergibt sich dann doch ein gewisses Bild.

Krokodilstränen sind mittlerweile genug geflossen. Die Polizei habe ja eine Deeskalationsstrategie gefahren, und die bösen Autonomen haben alles kurz und klein geschlagen. »Autos brannten«, hieß es ständig. Soweit ich das alles überblicke, brannte genau ein Auto.

Erinnert mich alles an die Chaostage in den 90er Jahren: Die aufgetzte Presse-Meute freut sich über die Straßenschlacht, die Polizei provoziert ein bisschen (eine Wanne direkt neben den Zug der Autonomen zu stellen halte ich nicht für deeskalierend ...), dann rappelt es, und alle zerreißen sich's Maul.

Es ist immer dasselbe. Und ich muss nicht mal in Rostock sein, um zu ahnen, wer da mal wieder was gespielt hat.

02 Juni 2007

Spiderman zum dritten

Viele Kritiker haben den dritten Teil der »Spiderman«-Serie kritisiert: Er sei effekthascherisch, hieß es, und die Moral am Ende sei stark aufgesetzt. Da haben sie nicht unrecht, aber ...

Na und? »Spiderman 3« ist Unterhaltung, eine Comic-Verfilmung, die den Geist der Marvel-Comics aufgreift und ihn hervorragend umsetzt. Das gelingt so gut, daß sowohl Comic-Fans wie ich als auch viele Leute, die mit dem Genre nix anfangen können, fasziniert sind.

Hervorragende Special Effects etwa bei der Figur des Sandman – ich war echt beeindruckt! – und dynamisch-schnelle Verfolgungsjagden prägen die Handlung des Filmes. Die moralische Komponente bildet die andere Ebene des dritten Spinnen-Abenteuers; hier hat das Drehbuch durchaus seine Schwächen, aber das störte mich nicht sonderlich.

Daß der Hauptdarsteller sogar richtig was drauf hat, stellte sich vor allem im mittleren Teil des Films heraus: Wer einmal den leicht vertrottelten Peter Parker im Normal-Modus spielt und dann den energischen, von Venom beherrschten Peter Parker darstellt, der durch die Straßen New Yorks tänzelt, der kann was. Wobei das Tobey Maguiere auch schon in »American Beatury« und anderen Filmen bewiesen hat.

Um's kurz zu machen: Wer »Spiderman 3« nicht anschaute, weil er die Kritiken so abschreckend fand, hat was verpaßt.

01 Juni 2007

Ein Magazin, das ich leider nie erhalten werde


Schade, daß ich die Zeitschrift »Rich« wohl nie in den Händen halten werde. Die soll nämlich ab September – oder so – erscheinen. Zielgruppe sind dummerweise nicht Durchschnittstrottel oder durchs Leben stolpernde Menschen wie unsereins, sondern schlicht Millionäre.

Verantwortlich dafür ist die dafür gegründete Rich Germany AG, im Juni wollen die Macher Christian Müller und und Christian Geltenpoth eine erste Nullnummer vorlegen. Man plant großes: Lizenzausgaben in China und Russland sollen gleich im nächsten Jahr kommen.

Weia ... Aber der Plan ist genial – man will eh nicht das normale Fußvolk ansprechen, das man mit Werbung umgarnen muß, um es ins Bett zu zerren. Nein, man richtet sich an die Leser, die »ein flüssiges Privatvermögen von mehr als einer Million Dollar« besitzen. Dollar, wohlgemerkt – nicht Euro.

Man hat sogar einen »Pool« angelegt, in dem 533.000 Menschen aus Deutschland enthalten sind. Aus denen wiederum fischt der Verlag dann hunderttausend Leute aus, die das Blatt zwei Monate lang unverlangt und kostenlos erhalten werden.

Mist, da bin ich ja nicht dabei. Also werde ich nicht mitbekommen, was aus dem »exklusiven Ver-triebskonzept« wird, werde nicht erleben, wie man »eine neue Kategorie im Bereich der Luxus-Lifestyle-Medien etablieren« wird, eine Zeitschrift mit den Attributen »inspirierend, souverän, selektiv«. Es gehe um »multithematische Inhalte aus der Welt des Luxus«.

Und das auf 200 Seiten. »Durch dieses neuartige Vertriebskonzept und die bewusste Limitierung wird RICH zum Statussymbol einer klar definierten Leserschaft und hebt sich zudem deutlich von anderen Luxusformaten ab«, so meint der Verlag. »Unsere Leser protzen nicht, aber sie sind konsumbejahend. Es ist eine spannende Aufgabe, dieser selbstbewussten Klientel Monat für Monat die Themenwelten des Luxus zu zeigen.«

Demnächst geht die eigene Homepage online. Und ich mache mir lieber eine Dose Bier auf.

31 Mai 2007

Romeo und Kaugummi

Romeo und Julia gelten als ein Inbegriff von Romantik. Ihre Liebesbeziehung, sofern es diese überhaupt jemals gegeben hat, fasziniert und begeistert die Menschen seit Jahrhunderten. Und natürlich mußten wir uns in Verona auch den legendären Balkon anschauen, an dem angeblich die Liebeserklärung gemacht wurde.

Natürlich kommen alle Touristen auf dieselbe Idee. Daß man in der engen Einfahrt und in dem kleinen Hof nicht tot getrampelt wird, ist alles. Viel wichtiger ist allerdings, nicht gegen eine Wand zu fallen.

Die Wände des Durchgangs sind nämlich in ihrer gesamten Breite und Höhe beklebt mit Kaugummis, die Teenager aus der ganzen Welt angebracht haben. Kaugummis mit Liebesschwüren, dazu Zettel mit irgendwelchen Botschaften, aber vor allem Kaugummis in allen Größen, Formen und Farben.

Eigentlich schon wieder eine bizarre Geschichte, ein Beispiel dafür, was Tourismus letztlich aus Romantik macht. Julias Balkon dürfte so manche Reisende kurieren.

30 Mai 2007

Globalisierungsgegner?

Früher waren's die Chaoten; heute sind es die Globalisierungsgegner: Wenn die bürgerlichen Medien und die Polizei gemeinsam den »linken Feind« angreifen wollen, passen die Schubladen immer gut.

Da wird dann halt eine Barrikade vor der Roten Flora in Hamburg gleich zu einer »Anti-G-8-Randale«. Schöner selbstentlarvender Bericht im »Spiegel«, während einen die »Bild«-Zeitung in dieser Frage nicht überrascht. Mann ...

29 Mai 2007

Der Marionettenspieler von Venedig

Der Stefansplatz in Venedig ist groß und eindrucksvoll, wird von den meisten Touristen aber als Durchgangsstation benutzt. So kommt es zumindest uns vor, als wir zum zweiten Mal an diesem Tag über den Platz schlendern. Nur wenige halten an und setzen sich auf eine Bank, nur wenige betrachten die Statue in der Mitte des Platzes oder betreten den roten Bau der alten Kirche.

Wir bleiben spontan bei einem Mann stehen, der gerade sein Marionettentheater aufbaut; dann setzen wir uns hin und schauen zu. Mit einigen Kindern sind wir anfangs die einzigen, später sammeln sich Dutzende von Menschen um den Mann.

Und der ist wirklich klasse: ein verschmitztes Lächeln im bärtigen Gesicht, die langen schwarzen Haare zum Zopf gebunden, darüber ein Hut. Er läßt die Puppen buchstäblich tanzen, erzählt komplette Geschichten, die mal in Venedig spielen, mal in der römischen Vergangenheit, mal in einem orientalischen Harem.

Seine Figuren bewegen sich traumhaft, sie tanzen und hüpfen; er entlockt ihnen Gesten und Mimik, die uns wiederum Ausrufe der Begeisterung entlocken. Dazu exakt abgestimmte Musik vom Band, die jede Szene hervorragend umrahmt. Super!

Die Vorstellung geht schätzungsweise zwanzig Minuten, und ich bin hinterher total begeistert; ich klatsche, bis mir fast die Hände wehtun, und werfe hinterher auch was in den Hut. Mein persönliches Venedig-Highlight!

Hübsche kleine Stadt

Angesichts des heutigen Pißwetters ein Rückblick auf schöne Sonnentage ...

Soave war mir bisher als Weißwein ein Begriff: meist lecker schmeckend und schön leicht, ein idealer Sommerwein. Jetzt kenne ich auch die Stadt.

Eine alte Burg grüßt von ihrem Berg ins flache oder leicht hügelige Umland hinaus, überall auf den Hängen wird Wein angebaut. Die kleine Stadt schmiegt sich an den Burgberg, schmale Gassen hinter einer alten Stadtmauer.

Hinter Holztüren, die schon grau sind vom Alter, warten kleine Weinhandlungen auf die Besucher. Hier kann man verkosten, die Beratung erfolgt teilweise sogar in deutscher Sprache; ich kann nur wenige Worte italienisch.

Nach gut eineinhalb Stunden hat man alles gesehen, ist man praktisch durch alle Gassen und Sträßchen der kleinen Gemeinde spaziert. Aber ich glaube: Wer Ruhe und Erholung will, ist in Soave gar nicht mal schlecht aufgehoben. (Und Verona ist um die Ecke.)

28 Mai 2007

Ein Liebesroman, zumindest der Anfang

Letztes Jahr um diese Zeit versuchte ich mich an einem Liebesroman. Kein Witz!, es war auch einigermaßen ambitioniert gemeint.

41.000 Anschläge bekam ich auch hin, das fand ich nicht schlecht - entspricht etwa dem Fünftel eines Heftromans für diejenigen, die es etwas genauer wissen wollen. Dann machte ich aber nicht weiter, weil ich zu nichts mehr kam ...

Und weil ich feststellte, was für eine fiese Arbeit das für mich war: Ich mußte ja versuchen, etwas zu schreiben, das ich selbst kaum lesen würde. Eine Lektorin in einem Verlag fand's ganz brauchbar, aber nicht soo arg, und zwei Testleserinnen meinten, man würde halt merken, daß ich ein Mann sei.

Arrrgl. Als Pfingstmontags-Gruß jetzt einfach mal das erste Kapitel von »Hollywood Carmel«, so der Arbeitstitel - steht im Kommentar.

27 Mai 2007

Ich fühl' mich stets sehr sicher

Samstag nachmittag, Karlsruhe Innenstadt: Auf der Kaiserstraße ist wie immer viel los. Straßenbahnen fahren dicht hintereinander durch die sogenannte Fußgängerzone, rechts und links drängeln sich buchstäblich die Menschen.

Zwei Polizisten haben ihr Fahrzeug in den Fußgängerbereich gestellt, kein Dutzend Meter vom Europaplatz entfernt. Mit grimmiger Miene stehen die zwei erwachsenen Männer vor zwei Kid-Punks, vielleicht 17 Jahre alt, die lässig auf dem Boden herumgammeln. »Die haben wohl nichts besseres zu tun«, empört sich eine Passantin, die die Szene beobachtet.

Beim Vorbeigehen höre ich, wie einer der jungen Punks beteuert. »Nein, ich nehme keine Drogen. Ich habe rote Augen, weil ich Allergiker bin.« Der Polizist blafft irgendwas zurück.

Zehn Minuten später, hundert Meter weiter. Gleich zwei Polizeifahrzeuge stehen in der Fußgängerzone. Zwei Polizisten gehen gerade eben zu ihrem Wagen zurück, zwei andere kontrollieren die Pässe von Straßenmusikanten. Ich sehe, daß einer der Polizisten eine schutzsichere Weste trägt.

»Wohl Sicherheitsvorkehrungen wegen des G8-Gipfels«, spottet eine Passantin in meiner Nähe. »Terroristen bekämpfen, indem man Straßenmusiker verhört ...«

Fasziniertes Staunen

Merkwürdige Dinge gibt es im Fernsehen: Heute nacht beim Rumzappen stolperten wir - zum zweiten Mal in einem Halbjahr - über den sogenannten Verkaufssender HSE 24, in dem eben allerlei Zeugs an die Fernsehzuschauer verscherbelt wird. Und wieder ging es um die Modemarke »Pompöös« eines Modemachers namens Harald Glöckler, der lustigerweise aus der »Nachbarschaft« kommt, sprich aus der Nähe von Pforzheim.

Wir schmissen uns fast weg: weniger wegen der Moderation als wegen der Klamotten (die ich durch die Bank schrecklich fand) und der ach so erotisch durch die Gegend scharwenzelnden Models. Ein Highlight der Fernseh-Unterhaltung, besser als zwei Drittel aller sogenannten Comedians.

Mein Tipp für Nachtschwärmer: HSE 24 gucken; das ist immer lustig. Zu Harald Glöckler gibt es auf diversen Video-Seiten nette Outtakes; recht neu ist ein Filmchen bei myvideo, peinlich allerdings die meisten der darunter stehenden Kommentare.

25 Mai 2007

Höchst durchschnittliches Wührer

Das hat mich dann weniger überrascht: Das Wührer-Bier aus Rom schmeckt höchst durchschnittlich. Kühlt man es gut herunter, ist es allerdings trinkbar – und so kippte ich mir die Pulle recht flott hinunter.

Seien wir fair: Das Bier wird von einer Brauerei-Gruppe hergestellt, also eher ein Industriegesöff. Und solcherlei Getränke sind auch hierzulande alles andere als besonders lecker ...

Trotzdem rate ich Italien-Reisenden vom Wührer-Bier ab. Außer man ist knallharter Bier-Trinker und faßt keinen Wein an. Aber dann bekommt dieser Mensch eh eine Prise des Bedauerns von mir ab.

Ein feines Bier aus Mailand


Sage übrigens keiner mehr, die Italiener könnten nur leckeren Wein und tollen Kaffee machen. Die sind sogar in der Lage, brauchbares Bier herzustellen.

Ehrlich!

Ich war davon nicht sonderlich überzeugt. Aber aus sportlichen Gründen kaufte ich mir eine Flasche Birra Moretti, gebraut in Mailand.

Das Zeug schmeckt, vor allem gut gekühlt. 4,6 Umdrehungen hat es, die Flasche ist von einem etwas größeren Format, so daß ein netter Alkohol-Effekt feststellbar ist.

Sehr schön. Davon bringe ich vom nächsten Italien-Trip mehr mit. Das ist mal ein Mitbringsel der anderen Art ...

24 Mai 2007

Politik à la Pispers

Seit ich eine DVD mit einem älteren Programm des Kabarettisten Volker Pispers gesehen habe, bin ich ein echter Fan von ihm: knallharte politische Aussagen, bei denen man sich ausschütten will vor Lachen – nicht zuletzt deshalb, weil er meist nicht einmal übertreiben muß, sondern die Wahrheit schlicht satirisch zuspitzt.

Am Mittwoch, 16. Mai 2007, sah ich ihn: Er spielte in der Badnerlandhalle in Karlsruhe-Neureut. Ein Mann allein auf einer großen Bühne, viele hundert Leute im Saal. Und diese Leute lachten sich schlapp, schrieen vor Begeisterung oder wanden sich vor Grausen.

Pispers setzt seine Pointen manchmal drastisch bis zum Gehtnichtmehr und schreckt auch vor knallharten Beleidigungen zurück. Angela Merkel wird bei ihm zwischendurch mal zur »Schabracke«, bei Schäuble überlegt er sich nur noch, ob er ihn mit dem Kleinwagen oder mit dem Panzer überfahren will – und so weiter.

Das ist nicht jedermanns Sache, trifft das Elend der deutschen Politik aber manchmal direkter als manch feingeistige Diskussion. Pispers macht Polit-Kabaratt auf hohem Niveau, bei dem sich die Pointen zeitweise echt jagen. Der Kampf mit dem eleganten Florett ist allerdings nicht seine Sache.

23 Mai 2007

Lob für einen, der es verdient hat

Einer der Autoren, die mich geprägt haben, ist Ray Bradbury. Der Mann hat schon in den vierziger Jahren die Science Fiction zu einer anspruchsvollen Literaturgattung entwickelt – angesichts der damals vorherrschenden »Pulp-SF« eine absolute Leistung.

Am Montag, 21. Mai, erhielt er jetzt in New York einen Preis für sein Lebenswert. Hey, und das auch noch im Rahmen des Pulitzer Preises, das ist echt der Hammer.

Bekannt wurde Bradbury vor allem durch seine »Mars-Chroniken« oder durch »Fahrenheit 451«. Ich schützte auch seine großartigen Kurzgeschichten, die in Story-Sammlungen wie »Der illustrierte Mann« veröffentlicht wurden.

Im letzten Sommer sah ich den großen alten Mann der SF auf dem SF-WorldCon in Anaheim, Kalifornien. Bradbury, schon durch das Alter geschwächt, aber geistig immer noch hundertprozentig fit, hielt eine gut vierzig Minuten dauernde Rede ohne Vorlage und ohne Papier: witzig und warmherzig, intelligent und amüsant. Der Saal dankte es mit Standing Ovations. Ich war nicht der einzige, der Tränen in den Augen hatte.

Und jetzt dieser Preis. Da trifft es endlich einmal den Richtigen.

22 Mai 2007

Becks Dreamteam

Manchmal kann man bedauernd den Kopf wiegen, wenn man sich den Zustand der SPD anschaut. Die Partei verliert Mitglieder in Scharen, sie sackt in allen Umfragen ab, als sei alles zu spät, und in der Führungsspitze scheint die Ideenlosigkeit vorzuherrschen.

Man tut ja auch alles dafür, Mitglieder und Wähler zu vergraulen. Die Zustimmung zum sogenannten Asylkompromiß in der ersten Hälfte der 90er Jahre, nach welchem die SPD für jeden Antirassisten nicht mehr wählbar war, wurde mittlerweile zwar flächendeckend vergessen, wie mir scheint.

Anders ist es jedoch bei Hartz IV und den Unternehmenssteuergesetzen. Auch Menschen mit Alzheimer wird so schnell nicht aus dem Hirn bröseln, wie sich die angeblich sozialdemokratische Partei hier zum Erfüllungsgehilfen neoliberaler Wahn-Träume machte und alles tat, um ihre bisheriges Wähler- und Mitglieder-Klientel zu vergraulen.

Doch jetzt wird alles gut. Kurt Beck, den ich ja eigentlich ganz sympathisch finde (dickbäuchige Pfälzer, die mal PERRY RHODAN gelesen haben, mag ich als Menschen mal prinzipiell schon mal), hat politisch bislang nichts gerissen - außerhalb von Rheinland-Pfalz zumindest. Aber übers Wochenende hat er immerhin einen neuen Vorstand installiert.

Pleitegeier Peer Steinbrück (der sich so schön freut, weil die Steuereinnahmen ohne sein Zutun sprudeln), Foltervergesser Frank-Walter Steinmeier (den die Deutschen erstaunlicherweise für kompetent halten, wohl deshalb, weil er so würdevoll weißhaarig wirkt wie einst Silberlocke Weizsäcker) und Trekkie Andrea Nahles vertreten künftig die SPD nach außen.

Bei Andrea Nahles komme ich stets ins Stolpern. In meinem Bild ist sie immer noch die agile Juso-Vorsitzende, die »Star Trek« mag und mit Heftromanautoren öffentlich diskutierte - das fand ich gut. Den schlimmsten Neoliberalismus-Ausrutschern der Partei hat sie immer treu & brav widersprochen; also kann sie keine komplette Null geworden sein. Fragt sich nur, was weitere zehn Jahre in der Partei-Kandare aus der Frau machen.

Ich schaue zu. Und wähle weiterhin ungültig. Angesichts einer solchen SPD kann mich die CDU nicht sonderlich schrecken.

Sendepause in Italien

Einige Tage lang tat sich nichts in diesem Blog. Das ist nicht weiter schlimm, schließlich hält sich die Relevanz solcher Blogs ja arg in Grenzen. Zudem tun einige Tage Urlaub ohne Computer und ohne Internet-Anschluß auch mal ganz gut.

Wir waren in Italien. Genauer gesagt im Großraum Venetien. Das ist mit dem Auto von Kalrsruhe aus kein sooo großes Problem. Wären nicht überall bescheuerte Baustellen ...

Los ging's letzte Woche in der Nacht von Mittwoch, den 16. Mai, auf Donnerstag, den 17. Mai. Abfahrt um Mitternacht, durch den Gotthard-Tunnel irgendwann um vier Uhr morgens oder so, auf der italienischen Seite irgendwann eine Stunde oder zwei gepennt. Aufenthalt in der kleinen Stadt Dolo, zwischen Padua und Venedig gelegen.

Kurze Aufenthalte in Soave und Chioggia, in Viacenza und Mestre; ein Tag auf jeden Fall in Venedig; Einkaufsbummel in Padua; schöne Fahrt entlang der Brenta mit all den alten Villen; Bummeln in Verona.

Zuletzt eine Nacht in einem Kloster bei Mailand, ein Tag in Mailand - war extrem anstrengend! - und heute nacht zurück. Abfahrt in Mailand/Milano um zehn Uhr abends, Baustellen und Umleitungen über die Dörfer nachts inklusive, Eintreffen in Karlsruhe heute morgen um vier.

Bingo. Hat alles geklappt. Kleinere Berichte folgen bei Gelegenheit.

16 Mai 2007

Österreichisches Oi!-Heft


In einem ungewöhnlichen Format - irgendwas zwischen A4 und A5 - erscheint das aus Österreich stammende Skinhead-Fanzine Oi! The Print, dessen Nummer 22 auch schon vorliegt. Und guck' ich mir die Homepage an, weiß ich, daß bald schon wieder ein Heft auf mich zukommt - der Macher schreibt und publiziert schneller, als ich lesen kann.

Die vorliegende Ausgabe gefällt mir nicht unbedingt wegen des bunten Covers, sondern unter anderem wegen der Beiträge über Singapur. Da war ich kürzlich ja erst, wobei ich keine Skins gesehen habe. Ich war sicher in den falschen Stadtvierteln unterwegs ...

Neben den üblichen Platten- und Fanzine-Besprechungen gibt es haufenweise Interviews (unter anderem mit den Tower Blocks aus Berlin oder Sucubus aus Stuttgart, die durch rasantes Punkrock-Outfit optisch auf jeden Fall aus dem Rahmen fallen), einen Artikel über die österreichischen Pogo-Anarchisten, einen Beitrag zur Szene in Kolumbien und haufenweise anderes Zeugs.

Die 64 Seiten lesen sich ruckzuck; politische Ausfälle gibt es keine. Das Heft gehört auf jeden Fall zu den sympathischen Glatzen-Fanzines im deutschsprachigen Raum - gefällt mir gut und liegt immer mal wieder ganz oben auf meinem Lesestapel. (Gibt's für eineinhalb Euro.)

15 Mai 2007

Blogger im Visier

Die Headline ist gelungen: »Der Blogruf des Geldes«, so nennt sich ein Artikel im Online-Angebot des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel«. Gut geschrieben, auch pointiert formuliert, so präsentiert er zum wiederholten Mal den Blogger, das unbekannte Wesen im Internet.

Anscheinend versucht die Werbung jetzt stärker, auch Blogger in ihr Visier zu nehmen. Das liegt nahe, wenn man sich manche Blogs anschaut: Selbstdarsteller (wie ich) tummeln sich hier zu Hauf, daneben gibt es die üblichen Wirrköpfe, aber ebenso Mode- und Kultur-Interessierte, denen man sicher was verkaufen kann.

Bisher finanzierten sich viele Blogs durch Google- und Amazon-unterstützte Werbung. (Diese Seite hier natürlich nicht. Ich habe auch in meinem Punkrock-Heft ENPUNKT keine bezahlte Werbung drin. Aber der ENPUNKT-Blog ist – seien wir ehrlich – nicht gerade werberelevant.)

»Drei Blogger aus Berlin wollen nun die Vermarktung von Werbung selbst in die Hand nehmen«, schreibt »Der Spiegel«. Da bin ich ja mal gespannt.

Die entsprechende Firma nennt sich Adical. Sieht alles irgendwie ein bißchen rebellisch und punkig aus. Das sagen die Macher selbst: »Wir glauben, dass Werbung auf Blogs gut sein kann. Für die Kunden ebenso wie für die Blogger selbst.«

Na also. Herzlich willkommen in der Medienmärchenwelt.

14 Mai 2007

Freudenstadt, oh braune Heimat

Am Sonntag erzählte mir meine Mutter mit einiger Verunsicherung in der Stimme: »In Freudenstadt waren die Nazis. Die Straßenbahn war voll mit jungen Leuten, und ich wußte nicht, ob das jetzt Punker oder Nazis waren.« Und sie habe Angst bekommen, weil so viel Polizei am Bahnhof gestanden sei.

Na super: Ordnungshüter tragen dazu bei, daß eine 76 Jahre alte Frau in Angst und Schrecken versetzt wird.

Nach Durchsicht diverser Foto- und Textseiten bei Indymedia (inklusive alberner Diskussionen zwischen Nazis und Antifas), auf der Homepage des Südwestrundfunks (recht objektiv) und des Unabhängigen Infoportals (viele Fotos!) läßt sich feststellen: Tatsächlich machten die Nazis in Freudenstadt einen Aufmarsch, nicht zuletzt deshalb, weil sie in der Stadt Horb - wo das Ding ursprünglich geplant war - keinen Fuß auf den Boden bekamen.

Schon ein blödes Gefühl für mich, wenn ich sehe, dass ein Nazi-Mob vor »meinem« Jugendzentrum steht. Und wenn ich lese, dass die Polizei mal wieder gegen die »gewaltbereiten Linken« vorgeht. Klasse allerdings, dass in Horb die Bürger mobil gemacht haben - der Oberbürgermeister der Stadt, den ich aus den frühen 80er Jahren noch kenne, hat hier klar Flagge gezeigt.

Zu den wenigen positiven Überraschungen bei der schmierig-braunen Angelegenheit: Die besten Fotos schoß wieder mal Charly Kuball, mein ehemaliger Kollege bei der »Südwest-Presse«; ich wußte gar nicht, daß er noch aktiv ist. Seine Fotoseite prunkt mit großzügigen Nazi- und coolen Punk-Fotos.

Tapfere Kapelle


Drei Frauen, ein Mann: Die Rotten Apples aus Seattles erwiesen sich bei ihrem Auftritt in Karlsruhe als tapfer. Aber auch als ein bißchen anbiedernd.

Schätzungsweise 50 zahlende Gäste hatten sich in der Alten Hackerei eingefunden, dem neuen Punkrock-Laden meiner Heimatstadt. Dort stehen mit Plüschi (veranstaltete in den 90er Jahren zahllose legendäre Konzerte in der »Steffi«, spielte in vielen Bands) und Gunnar (Ex-Sänger der Hardcore-Legenden So Much Hate und Kafka Proses) zwei echte Szene-Prominente hinter der Theke.

Bei schönem Wetter blieb mindestens ein Dutzend der Besucher vor der Tür. Das Ambiente ist ja auch romantisch: ein alter Schlachthof, an dem nach wie vor Tiere zerlegt werden. Nix für beinharte Vegetarier - gottseidank bin ich nur ein gemütlicher Vegetarier.

Also feierten gut 30 Leute die Band aus Seattle ab. Die blieb tapfer und schmetterte einen Hit nach dem anderen in das gemütlich mit dem Kopf wackelnde Publikum. Wir blieben gemütlich; logisch, denn am nächsten Tag müssen ja alle arbeiten. Kein Wunder, bei einem Konzertbesucher-Durchschnittsalter von weit jenseits der 30.

Die Rotten Apples sind klasse. Ich mag ihren gelegentlich sehr rockigen Punkrock sehr. Wer Blondie covert, ist eh auf der richtigen Seite. Und dann dürfen gelegentlich ranschmeißende Ansagen wie »Kommt nach vorne, wir beißen nicht« auch erlaubt sein.

Schlimm wurde es erst nach dem Konzertende: Es regnete. Eine Ausrede für mich, unter dem Wellblechdach sitzenzubleiben und Bier zu trinken. Weia ...

13 Mai 2007

Ganz cool im Palais

Kaffezeit im Prinz-Max-Palais in Karlsruhe, während es vor den Fenstern nieselt. Am Nachbartisch, einem dieser typischen Zweisitzer-Tischchen für Paare, sitzt ein junger Mann.

Sieht aus wie ein Student, der noch seine BWL-Karriere planen muß. Schon recht schick gekleidet, ordentliche schwarze Haare, dazu eine Brille. Der aufgeklappte Laptop steht vor ihm, daneben ein Martini-Glas und eine leere Kaffeetasse. Sehr cool, ich bin beeindruckt.

Gelegentlich rührt er mit einem Plastiklöffelchen im Martini-Glas, trinkt manchmal einen winzigen Schluck. Alle zwei Minuten fährt er mit den Fingern über die Tastatur seines Computers und tippt etwas. Meist schaut er nachdenklich durch die Gegend.

Nach einiger Zeit winkt er mit einer lässigen Geste nach der Bedienung. Sie ist eine hübsche Blondine, im fürs Prinz-Max-Palais typischen schwarzen Outfit. »Wie darf ich dich nennen?« fragt er mit samtweicher Stimme.

Sie guckt nur eine Sekunde lang irritiert. »Eva«, sagt sie dann.

»Gut, Eva«, sagt er sehr locker, sehr leger. »Dann bring mir doch bitte mal die Rechnung.«

Und wieder erkenne ich, daß ich mit so richtig supercoolen Leuten einfach nicht mithalten kann ...

12 Mai 2007

Repressionswahn

Die Art und Weise, wie in Deutschland derzeit Angst geschürt wird, erfüllt mich mit blanker Wut. Wohnungen und Ladengeschäfte werden von gut tausend Polizisten durchsucht; als Begründung muß der internationale Terrorismus herhalten.

Daß diese Begründung haarsträubender Blödsinn ist, der durch dauerhafte Wiederholung aller möglicher CDU-Heinis nicht besser wird, liegt nahe. Viele kluge Leute haben dazu auch kluge Formulierungen veröffentlicht, so daß ich das nicht unbedingt alles nachbeten muß.

Die Absicht der Regierung, die ich den Herrschenden unterstelle, erinnert mich nicht nur den G8-Gipfel in Genua, sondern auch an die Chaostage Mitte der 90er Jahre. Wenn man die Bedrohung lange genug in die Köpfe hämmert, kann die Polizei nachher umso ungehinderter mit langen Knüppeln auf die Stöcke der Demonstranten und »Widerständler« hämmern.

Ich selbst fahre nicht zu irgendwelchen Demonstrationen gegen den G8-Gipfel. Friedlich und ruhig bleiben könnte ich angesichts der permanenten Provokationen durch die Polizei – und die sind zu erwarten – sicher nicht. Auf »Vorbeugehaft«, Knast und anderen Mist habe ich keine Lust, und für härtere »sportliche Aktivitäten« bin ich zu fett, zu faul und zu feige.

Also bleibe ich zu Hause und betreibe Gipfel-Tourismus mit Hilfe der Krawall-Fernsehsendungen. Die Faust ballt sich auch ganz gut in der Tasche, wenn man auf der Couch im Wohnzimmer sitzt.

11 Mai 2007

Coole Besprechung


Eine saugeile Besprechung fand ich mehr aus Zufall auf der Seite des Mannheimer Pogoradios: Dort wird nämlich mein Buch »Zwei Whisky für Neumann« besprochen, das sich erschütternderweise nicht besonders gut verkauft, um es mal vorsichtig zu formulieren. Kurzgeschichten sind tatsächlich nicht jedermanns Sache.

Oliver Obnoxious, den ich persönlich kenne und schätze, ist selbstverständlich kein »rein objektiver« Berichterstatter. Ich zitiere aus seiner umfangreichen Besprechung, die sich im Bereich »Review« bei den Büchern befindet: »Immer sehr persönlich, manchmal beinahe exhibitionistisch, bekommen wir hier Einblicke in das Leben von Klaus, dem scheinbar keine menschliche Gefühlsregung zu peinlich ist, um sie dem Leser zu offenbaren.«

Eine schöne Zusammenfassung zu den Geschichten und Themen liefert er auch: »Die Inhalte der einzelnen Geschichten kreisen um Klausens Kindheit und Jugend, seinen Punkrock-Alltag oder von Erlebnissen der ausgedehnten Reisen in aller Herren Länder Afrikas und Asiens. Teilweise sind sie zum Totlachen lustig, teilweise bleibt einem das Lachen im Hals stecken.«

Auf Lob verzichtet er ebensowenig. Aber das könnt Ihr ja selbst nachlesen. Oder gleich das Buch bestellen. Gibt's in jedem Buchladen zu bestellen, über diverse Versender wie amazon.de oder eben direkt beim Archiv der Jugendkulturen.

10 Mai 2007

Deutsche Band, unbekannte Lieder

Mittlerweile habe ich auch angefangen, mir gelegentlich legal MP3-Dateien zu saugen. Eine schnelle Datenleitung macht's auch mir möglich. Und ich stieß auf die Band Der Trick Ist Zu Atmen, die ich live stets gut fand, deren Emopunk-Platten ich mochte und deren Mitglieder sich im persönlichen Gespräch als sehr nett erwiesen.

Auf ihrer Homepage gibt es recht viele MP3-Dateien zum kostenlosen Runterladen: Aus dem 2001 erschienenen Debüt-Album »Auf schlechte Zeiten« stehen sage und schreibe acht Stücke zur Verfügung, und die EP »kopf / herz / beine« ausm Jahr 2002 steht mit allen drei Stücken kostenlos da.

Besonder cool: 2002 oder so spielte die Band live im »Anna & Arthur Infocafé« in Lüneburg. Das Konzert wurde live mitgeschnitten – und alle dreizehn Stücke stehen jetzt in einer guten Live-Qualität zur Verfügung.

09 Mai 2007

In Erinnerungen schwelgen

Zum ersten Mal berichtete ich über meine Redakteurs-Erinnerungen, die auf der PERRY RHODAN-Homepage publiziert werden, im März 2007. Mittlerweile sind zwei weitere Folgen erschienen.

Mit einer gewissen Wehmut unterlegt ist mein Beitrag über Walter Ernsting alias Clark Darlton. Der Mann überlebte den Zweiten Weltkrieg und die russische Kriegsgefangenschaft, war Nazi-Gegner und zeitweise in einer Strafkompanie, tanzte in der Nazi-Diktatur zu Swing-Musik und inszenierte sich in den 50er Jahren als cooler »Bohemien«. Ich mochte ihn, und ich bin froh darüber, mit ihm in seinen letzten Lebensjahren mehrfach gesprochen zu haben. Solche Leute gibt es zu selten.

Ganz neu jetzt mein Beitrag zu meinen fannischen Anfängen. 1977 hörte ich zum ersten Mal Punkrock, las ich zum ersten Mal PERRY RHODAN und interessierte ich mich erstmals für Mädels. 1979 gründete ich einen PERRY RHODAN-Club, kaufte meinen ersten Punkrock-Tonträger (müßte wirklich »Never Mind The Bollocks« beim Schallplatten-Haug in Freudenstadt gewesen sein) verliebte mich unglücklich in eine Klassenkameradin. Da paßt mein Beitrag zum ersten PERRY RHODAN-Club wie die Faust aufs Auge.

Weitere Fortsetzungen dieser Kolumnen-Reihe sind natürlich nicht ausgeschlossen ...

Schon veraltet, aber gut: der Alf

Schon über ein Jahr alt ist die neunte Ausgabe des Fanzines Alf Garnett, das sich im Untertitel mit treuherzigem Grinsen als »100% Pure Asshole Streetpunk Rag« bezeichnet, was immer ein »Rag« auch sein mag. Aber was kann ich dafür, dass Herausgeber Alan (alfgarnett-at-gmx.de) ein extrem lesenswertes Heft fabriziert, das aber so dick ist wie ein durchschnittliches Taschenbuch und von mir komplett durchgeschmökert werden möchte?

Der Schwerpunkt liegt auf Punkrock aus Frankreich, was man nicht allenthalben findet. Diverse Bands und Platten werden abgefeiert; sehr schön.

Dazu gibt es das übliche: haufenweise Plattenbesprechungen (allesamt gut geschrieben!) sowie Interviews mit Bands aus Punkrock- und Oi!-Kreisen. Der Macher hat klare politische Ansichten, kann Nazis nicht ausstehen und findet spießige Linke auch ziemlich blöd. Das alles wird in einer Manier erzählt und rübergebracht, die sympathisch ist. Und wenn dann en passant noch sexistische Alt-Punker angegriffen werden – sowohl von Alan selbst als auch von seiner Freundin Lotte –, paßt das gleich doppelt gut aufs Auge. Gerade Kritik an der eigenen Szene ist oftmals bitter nötig.

Mein Tip: kaufen und bestellen. 132 Seiten für zwo Euro plus Porto – ein Taschenbuch für denselben Preis in irgendeinem albernen Literatur-Kleinverlag kostet garantiert 14 Euro und bietet nicht einmal ein Zehntel des Lesespaßes!

Leider gibt es zu diesem famosen Fanzine nur eine völlig veraltete Homepage. Aber wer bin ich denn, der so was kritisiert? Meine ENPUNKT-Seite rührt sich seit fünf Jahren nicht mehr, arrrrgl.

08 Mai 2007

Regenwetter ohne Tänze

Den gesamten April über fiel praktisch kein einziger Tropfen auf Deutschland. Entsprechend trocken wirkten Flüsse und Bäche, während unsereins noch mehr Allergie-Probleme hatte. Seit gestern regnet es zumindest stellenweise und in schönen Schauern.

Die Luft riecht frischer, und mir kommen spontan Erinnerungen hoch. 1993 oder so in Südafrika: Nach einigen Tagen im Norden von Transvaal kam ich nach Johannesburg zurück, und an diesem Abend regnete es zum ersten Mal seit Monaten wieder.

In den Straßen von Hillbrow tanzten die Menschen unter den Tropfen, überall tobte richtiggehend die Freude. Einige Händler zogen schimpfend Dächer über ihre Marktstände, aber insgesamt herrschte große Freude.

Und es roch. Nein, es stank! Nach Monaten, in denen die Männer gegen Hauswände gepisst hatte und der Urin schön langsam eingetrocknet war, wurde das ganze endlich mal aufgeweicht, und die Gerüche entwichen an die Öffentlichkeit.

Seither ist in meinem Bewußtsein der Gedanken an einen Regen nach langer Wartezeit aufs engste verknüpft mit einem Geruch nach Pisse, der durch die Straßen treibt.

07 Mai 2007

Koppen, Niesen, Radio


Am Sonntag abend, 6. Mai 2007, litt meine Radiosendung im Querfunk massiv unter meinem Heuschnupfen: Wenn ich nicht gerade einen asthmatischen Hustanfall bekam, nieste und rotzte ich ins Mikrofon. Na super.

Und da ich mir zuvor in einem Imbiss auf der Kaiserstraße eine höchst unterdurchschnittliche Pizza-Schnitte eingepfiffen hatte, mußte ich mir zu allem Überfluß auch noch ein Rülpsen verkneifen. Gelegentliches »Hupsen« gab's trotzdem.

Das ist wahrscheinlich ja alles sehr punkig. Na also!

Thema der Sendung war Punkrock und Hardcore aus England, und ich spielte diesmal altes und neues Zeugs. Aus der alten Zeit gab's Heresy (rasantester Hardcore) und The Depraved (zu Unrecht vergessene Hardcore-Band) nebst Broken Bones (nach all den Jahren finde ich deren Metal-Punk ganz okay) und Serious Drinking (meine Lieblingsband an dem Abend).

Alte Männer wie TV Smith oder Wild Bill Childish rundeten die Sendung ab, dazu kamen neue Bands wie Chillerton oder die Arctic Monkeys. Ach, Radiomachen ist einfach toll.

Schickes Geschenk


Da guckte ich leicht verwundert in Berlin: Ich bekomme ein Geschenk.

Lothar Rämer ist Geschäftsführer der Firma Between The Stars, die das PERRY RHODAN- Sammelkartenspiel herausgibt. Ich verstehe nicht sonderlich viel von Sammelkartenspielen; das aber sieht auf jeden Fall sehr gut aus und ist anscheinend auch gut spielbar.

Seit Jahren ist Lothar einer der Aktivisten dieses Spiels, einer der Leute, die auch dafür gesorgt haben, daß es immer noch existiert. Das finde ich super! Nicht nur ich als Perry-Redakteur, sondern eben auch der Privat-Klaus, der solches Engagement immer bewundernswert findet.

Und wenn ich dann noch eine speziell angefertigte Sammelkarte in Großformat als Geschenk krieg', freue ich mich darüber auch. Das Bild steht jetzt bei mir im Bücherregal, direkt unter einem Dirk-Schulz-Original, und dort macht es sich sehr gut.

Das Foto zeigt Lothar Rämer, das Bild und mich, wie wir ganz offiziell im Planetarium am Insulaner in Berlin herumstehen.

06 Mai 2007

»Unser Schorf soll Döner werden«

Ich gebe zu, die Überschrift hier ist ein eher schwächerer Witz aus dem Kabarettprogramm von Hagen Rether. Aber es ist mir fast unmöglich, Details aus dem Programm zu zitieren, ohne seitenweise schreiben zu.

Gut drei Stunden saß der Mann auf der Bühne: anfangs im eleganten dreireihigen Anzug, später legte er das Jackett ab. Mal spielte er am Klavier, mal saß er auf dem Drehstuhl und »plauderte« - als ob er sich ganz normal mit uns unterhalten würde.

Und dabei brachte er knallharte Aussagen, bei denen mir manchmal die Spucke wegblieb, bei denen ich mich manchmal gleich danach wieder halb tot lachte. Rether schoß gegen den Papst im besonderen und die katholische Kirche im algemeinen, gegen Politiker aller Parteien und gegen eine immer seltsamer werdende Welt.

Eigentlich war das, was er brachte, nicht witzig: Er behandelte auf knallhart-kabarettistische Art und Weise die ernsthaften Themen unserer Zeit. Es blieb einem gelegentlich die Spucke weg, oder es fiel einem das Glas aus der Hand.

Ohne Scheiß: Am Abend des Samstag, 5. Mai 2007, sah ich im »Tollhaus« in Karlsruhe das bisher beste Kabarettprogramm meines Lebens!

05 Mai 2007

24 Stunden Berlin

Manchmal macht das ja Spaß, aber immer wollte ich das nicht tun: Freitag morgen um sechs Uhr aufstehen, dann in den Flieger nach Berlin, dort im Hotel einchecken und um elf Uhr den ersten Termin. Okay, beim Archiv der Jugendkulturen ist es nicht unbedingt anstrengend, sondern sehr nett, aber trotzdem.

Dafür der nächste Termin wieder richtig wichtig und business-like. Der letzte Nachmittags-Termin ist dafür rein privat, mit einer leichten Geschäftstarnung.

Um 18 Uhr dann im Zeiss-Planetarium im alten Westberlin: PERRY RHODAN-Hörspielabend. Ich lerne den Fernseh-Star Volker Lechtenbrink kennen, ein sehr sympathischer Mensch, der ebenso wie sein Alt-Kollege Volker Brandt viele coole Geschichten zu erzählen weiß. Die beiden sowie zwei weniger bekannte Kollegen (ausführlicher Bericht eh auf der PERRY RHODAN-Homepage demnächst) bestreiten die PERRY RHODAN-Hörspielnacht.

Hinterher noch Bier- und Cocktailtrinken. Um zwei Uhr nachts drängle ich zum Aufbruch, irgendwann um kurz vor drei Uhr liege ich im Bett. Heute morgen um 6.30 Uhr klingelt der Wecker: mit dem Flieger zurück nach Karlsruhe.

Dafür habe ich das ganze Wochenende für mich. Puha. Ich finde so was anstrengend, aber auch extrem unterhaltsam.

Nur: Es gibt Leute, die machen das nur so. Das ist ihr Job. Kurze Nächte, kurze Flüge, ständig Termine. So stressig muß ich's dann doch nicht die ganze Zeit haben.

03 Mai 2007

Nachts in der Stadt

In der Mai-Nacht unterwegs: Von Mai-Feiern trunkene Menschen trieben sich in Grüppchen auf der Straße herum, und ich steuerte mein Rad durch die Fußgängerzone. Eigentlich hatte ich Lust auf ein Bier und auf einen Döner, machte mir aber mit einem Blick auf meinen Bauch klar, daß ich es nicht übertreiben sollte.

Bis ich den Mann auf dem Gehsteig liegen sah. Sein runder Bauch hob sich wie eine Halbkugel in die Höhe, das T-Shirt so weit hoch- und die Hose so weit runtergerutscht, daß man sowohl den Bauchnabel als auch den Anfang der Sackbehaarung sehen konnte.

»Hier find' ich's gut«, beschloß ich, steuerte mein Rad an die Straßenecke. Es war nach zwei Uhr, und Kofflers Wiener Beisel hatte geöffnet – sicher deshalb, weil in der Mai-Nacht alle möglichen Regeln außer Kraft gesetzt wurden.

Die Pommes frites wurden frisch gemacht, also wartete ich. In der Zeit beobachtete ich die Umgebung; später stand ich am Rand, futterte die leckeren Pommes und guckte weiter anderen Leuten zu.

Nächtliches Kuriositätenkabinett: Der Besoffene, der auf dem Gehweg lag, verschwand irgendwann. Stattdessen kam eine Gruppe jugendlicher Gothic-Fans vorbei, Mädels und Jungs gemischt; die gewünschte düstere Wirkung schwarzer Klamotten und vieler Metallteile verflog ruckzuck, als die Leute schlimmsten Pfälzer Dialekt sprachen.

Und dann noch die zwei Typen, schätzungsweise 20 Jahre alt, die Arm in Arm vor der Theke standen und zu singen versuchten: »So wie wir, so hält keiner zusammen. Wir halten immer zusammen, weil wir die besten Freunde sind.« Klar, dachte ich, daß das die besten Freunde sind – die sind sicher die einzigen, die sich leiden können.

Ich glaube, ich sollte mich wieder öfter in solchen Nächten auf der Straße herumtreiben.

02 Mai 2007

Text zu einem SF-Klassiker

Endlich habe ich den fünften Band der Serie »Die interstellaren Freihändler« erhalten. Geschrieben wurde der Band vor sage und schreibe vierzig Jahren von Hanns Kneifel – er erschien damals als Heftroman.

Jetzt gibt es die Romane um die »Interstellaren Freihändler« wieder neu im Mohlberg-Verlag. Paperbacks in schönem Druck, die in punkto Optik absichtlich an die sechziger Jahre erinnern.

Und zu jedem der sechs Bände gibt es ein Vorwort, geschrieben von »Wegbegleitern« des Autoren. Mit Gisbert Haefs (preisgekrönter Autor und Übersetzer) und Michael Görden (Übersetzer und Programmleiter in diversen Verlagen) gibt es sogar richtige Prominenz.

Bei Band fünf hatte ich die Ehre, das Vorwort schreiben zu dürfen; deshalb habe ich mich über den fünften Band natürlich besonders gefreut. Mein Titel für den Text war ursprünglich »Zeitliche Dimensionen«.

Wer das Vorwort lesen mag: Ich habe es in den Kommentar zu diesem Blog-Eintrag gestellt. Viel Spaß damit! Und vielleicht hat jemand Bock darauf, die alten Schinken zu lesen – das macht manchmal richtig Spaß!

01 Mai 2007

Party im alten Autohaus

Wer nach einem Punk-Konzert noch durstig ist, sucht sich üblicherweise eine andere Tränke, wo es Bier gibt. Mich führte der Weg in der Nacht auf den ersten Mai in die Oststadt von Karlsruhe, wo das ehemalige Autohaus Zschernitz seit einiger Zeit leersteht und aus diesem Grund immer mal wieder »umgewidmet« wird.

Aus den Büros wurde eine Theke, an der es gekühltes Bier zu preiswerten Theken gab, sowie eine Mini-Diskothek; der Showroom ist neuerdings ein Ort, an dem Konzerte veranstaltet werden. Und häufig gibt es irgendwelche Party-Veranstaltungen.

So auch an diesem Montag abend. Die Musik war mir zeitweise zu elektronisch, dafür das Publikum umso besser. Vielleicht fünf Dutzend Leute tummelten sich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Autohauses, und das war angenehm und spaßig zugleich.

Den Elektrosound bekämpfte ich mit Bier und viel Gerede. So ließ es sich locker bis in die Nacht aushalten ...

Tanz in den Mai

Daß ich die Band Steakknife aus dem Saarland mag, habe ich in meinem Fanzine ENPUNKT schon mehrfach geschrieben: Lee Hollis ist ein großartiger Schreihals und Frontmann, und die Herren Musiker haben alle schon seit Jahren in den unterschiedlichsten Bands ihre Erfahrungen gesammelt.

Kein Wunder, daß ich am Montag abend, 30. April 2007, mit großer Erwartung ins »Substage« nach Karlsruhe ging. »Tanz in den Mai« der besonderen Art also.

Leider waren nicht so viele Menschen da wie erwartet. Rund 150 zahlende Gäste, so schätze zumindest ich – kein gutes Geschäft für die Veranstalter.

Die Vorband hatte ich verpaßt. Pascow aus dem Saarland mag ich eigentlich sehr gern, aber sie wurden vom Publikum komplett ignoriert.

Auch bei Steakknife war die Reaktion eher verhalten. Man klatschte anständig, immerhin, ansonsten aber gab es einen großen Woodstock-Halbkreis vor der Bühne. Diesen füllten zwei zottelige Mädels, die Ausdruckstänze vorführten.

Eines der Mädchen – Brille und kurze Dreadlocks – kam irgendwann her zu mir und wollte mich zum Tanzen auffordern. Kein Witz! »Komm! Pogo tanzen!« Ich guckte gebührend ablehnend. »Oder bist du dafür zu alt?« schob sie nach.

Später saß das Mädchen auf dem Bühnenrand, wurde dort von Lee Hollis verspottet. »Get off my stage« in Umwidmung des alten Spermbirds-Songs »Get on the stage«.

Dafür bewegte sich dann doch das Publikum. Sogar ich hüpfte fleißig herum und brachte den Wanst in Bewegung. Sehr schön! Gut verschwitzt und leicht angetrunken beendete ich das Konzert.