19 Mai 2006

Dickes Lob von »INKA«


Darüber habe ich mich richtig gefreut: Das Karlsruher Stadtmagazin »Inka«, das im praktischen Taschenformat erscheint und das ich selbst sehr gern lese, hat über meinen Roman »Chaos en France« berichtet.

Das Magazin ist nicht lobhudelnd, was die andere Rezension auf derselben und der folgenden Seite belegt, sondern schreckt auch nicht davor zurück, einen Roman mal so richtig in die Pfanne zu hauen. Umso mehr freut mich deshalb, daß mein »Chaos en France« so gut wegkam.

Und so was dokumentiere ich in diesem Blog dann doch extrem gern ...

Ein Ei im »Schleusenkrug«

Berliner sind schon irgendwie cool. Ich glaube ja seit einiger Zeit, daß die Großkotzigkeit und diese Rotzigkeit nur gespielt sind; dieses penetrante »Weeßichnich« oder »Hamwanich«, dieses aufdringliche »Weeßte« und »Wa?« sind nur Ausdruck einer permanenten Unsicherheit. Die aber tarnen sie gut.

Was das mit dem Ei zu tun hat, über das ich gleich schreiben will, weiß ich nicht. Aber es paßt ganz gut. Letzte Woche war ich in Berlin. Unter anderem traf ich mich mit Frank Böhmert im »Schleusenkrug« in der Nähe des Tiergartens, worüber ich an anderer Stelle ja geschrieben habe.

Im »Schleusenkrug« kommt keine Bedienung an den Tisch und nimmt eine Bestellung auf. Nein, man muß sich an einem Fenster anstellen – wie bei einem Kiosk – und dann bestellen. Wenn man Glück hat und zeitig dran ist, geht das ratzfatz. Hat man Pech und es ist sonntags ab zwölf Uhr, kann man da durchaus auch ins Warten kommen und das Berliner Schlangestehen üben.

Ich wollte zu meinem Frühstück ein Frühstücksei und bestellte es. Was ich bekam, war ein Ei, das sicher mal heißes Wasser gesehen hat, aber nicht lange: Das Eiweiß war glibberig und durchsichtig und lauwarm.

Also stand ich auf, ging an den Schalter, stellte mich hin, wartete darauf, bis ich dran kam und höflich um ein neues Ei bitten konnte. Zwar wurde ich nicht angeschnauzt; den einen oder anderen blöden Blick bekam ich schon ab. »Wat willn der Touri?« oder so.

Sieben Minuten später hatte ich mein neues Ei. Berliner Art: Man hatte einfach meinen Eierbecher genommen, nicht mal die Reste des vorherigen Eis komplett rausgepult, sondern einfach ein neues draufgestellt.

Es war genauso glibberig und lauwarm.

Ich verzichtete auf eine Beschwerde oder eine weitere höfliche Anfrage. Das schien mir zu riskant zu sein. Aber ich hab' eins gelernt: Im »Schleusenkrug« bestelle man sicherheitshalber kein Frühstücksei.

18 Mai 2006

Vortrag in Fulda

Die hessische Stadt Fulda kenne ich nur daher, daß ich schon ein paarmal mit der Bahn durchgefahren bin. Und natürlich sind mir die Autobahnschilder bekannt. Mehr aber nicht.

Das wird sich am Samstag dieser Woche wohl ändern. Dann lerne ich nämlich auch das Kongresszentrum kennen. Es findet nämlich eine große Veranstaltung für Fans obskurer Science-Fiction-Filme statt, zu der einige tausend Leute erwartet werden. »Star Trek« ist definitiv noch angesagt, denke ich.

Und ich halte einen Vortrag. Natürlich nicht zu »Chaos en France« oder sonst was, sondern zu meinem Job, sprich zu PERRY RHODAN. Wobei ich nicht weiß, ob die Besucher der »Fedcon« sich für so etwas interessieren.

Notfalls spreche ich vor einem leeren Saal. Aber frustrierend wäre das natürlich schon.

14 Mai 2006

Konrad ist tot

Heute kam die Mail an: In der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 2006 verstarb Konrad Carls, den ich nur als Konrad geborener Kittner kannte, im Alter von 44 Jahren. Er brach laut Auskünften von Frank »Crazy United« am Donnerstag abend zusammen und kam nicht mehr zu sich.

Ich kann nicht einmal sagen, daß ich Konrad gut gekannt habe – trotzdem macht mich das schwer betroffen. Was für eine Scheiße! Wir haben uns zuletzt bei den Chaostagen 2000 in Hannover gesehen und dort kurz unterhalten.

Seinen Namen habe ich erstmals bewußt wahrgenommen, als er mit den Abstürzenden Brieftauben in den 80er Jahren in jedem Jugendzentrum der Republik spielte. Erst später kapierte ich, daß er in den frühen 80er Jahren bei der hervorragenden Punk-Band Klischee gespielt hatte.

Die beste Band, für die er meiner Meinung nach aktiv wurde, war Rasta Knast; seine aktuelle Band WKA gefiel mir leider nicht so. Aber das ist egal.

Konrad gehörte zu den alten Punkrockern, die ich immer respektierte. Der Beweis dafür, daß man mit über vierzig nicht scheiße sein muß. Der Beweis dafür, daß man Hannover nicht auf die Chaostage oder – in den frühen 90er Jahren – auf die Spirit Family reduzieren konnte.

12 Mai 2006

Extrem spannender Skinhead-Roman


Während meines Berlin-Trips habe ich den Roman »No llores, mi querida – Weine nicht, mein Schatz« gelesen, den ein gewisser André Pilz geschrieben hat. Das sollte ich endlich mal tun; immerhin ist das Buch im selben Verlag erschienen wie meine »Peter Pank«-Bücher.

Um's kurz zu machen: Ich fand es extrem spannend, konnte die Lektüre kaum beenden und verpaßte sogar einmal eine Bahn-Haltestelle, weil ich erst das Kapitel beenden wollte.

Dabei ist der Held namens Rico so ein richtiges Arschloch: ein eigentlich über das Böse in der Welt jammernder und hoch moralisch daherkommender Skinhead, der aber ständig säuft und sich mit anderen Leuten prügelt. Allerdings sind seine sogenannten Freunde ein Haufen von Widerlingen, lauter Glatzen voller Haß und Gewalt.

Lustigerweise halten sich sowohl der Held als auch seine Kumpels für unpolitische Skins, Begriffe wie »Kanake« oder »Fotze« benutzen sie trotzdem die ganze Zeit. Und als Feinde hat der Skin natürlich Punks oder die örtliche Türkenbande. Die Geschichte ist hart und kompromisslos, sprachlich dabei absolut überzeugend.

Gekrönt wird das Buch von einer Liebesgeschichte, die ich beeindruckend fand, die auch zeigt, daß es unter der Schicht des harten Prügelmannes auch einen einigermaßen vernünftigen Charakter gibt. Fürchterlich fand ich die angedeutete Musik; ständig werden Texte der unsäglichen Böhsen Onkelz zitiert, die der Held praktisch ununterbrochen hört.

Klasse finde ich, daß der Autor die Skinhead-Szene nicht verklärt, sondern eben in einer extrem realistischen Sprache schildert. Dabei entsteht zwar ein Zerrbild ersten Ranges, und wer hier eine Selbstdarstellung der Szene erwartet, liegt komplett falsch – aber hier handelt es sich ja auch um einen Roman und nicht um eine Dokumentation.

Beeindruckend. Sehr zu empfehlen für alle Leute, denen Ansammlungen von fieser Gewalt und vielen Schimpfworten nix auszmachen.

08 Mai 2006

Lesung in Berlin

Es ging mir am Samstag, 6. Mai, wirklich nicht besonders gut. Den ganzen Tag über plagte mich der Heuschnupfen, mittags legte ich mich tatsächlich auch für eine halbe Stunde ins Bett. Was für ein Mist!

Berlin blühte, und es ging ein strammer Wind, der Pollen in unglaublichen Mengen mit flottem Tempo durch die Straßen trieb. Heulend, schnupfend und niesend ging ich zur Kreuzberg-Apotheke am Merhingdamm, wo ich mir ein Vividrin akut besorgte. Als Überlebenselixier funktionierte es leidlich.

Zur Lesung um 18 Uhr waren rund 20 Leute anwesend. Fairerweise muß man dazu sagen, daß die meisten aus dem Umfeld des Archivs der Jugendkulturen kamen und sich wenig »Fremde« eingefunden hatten. Immerhin war eine Punkette mit Sohn sogar aus dem Brandenburgischen angerollt, das fand ich klasse.

Ich las eine Dreiviertelstunde, sabbelte zwischendurch viel Unfug und war nach nicht mal einer Stunde mit dem »Programm« durch. Meine Stimme gab eh nichts mehr her, ich quietschte nur noch. Aber ich hatte es immerhin geschafft.

Carsten und der Randale-Asi

Interessant sind die bisherigen Reaktionen auf meinen kurzen Eintrag »Streß vor dem Guru«: Einige Leute haben sich an entsprechender Stelle bereits in die Kommentarspalte eingetragen.

Und Carsten Scheibe hat in seinem eigenen Blog seine Sicht der Dinge wiedergegeben. Ich finde seinen Bericht sehr interessant, weil er streckenweise stark von meiner eigenen Erinnerung abweicht.

Da wir beide nicht besoffen waren, läßt das ja interessante Rückschlüsse zu: Zwei Leute bekommen die selbe Szene quasi hautnah mit. Beide schreiben kurz darauf einen Text dazu. Und es gibt eklatante Abweichungen. Finde ich spannend.

06 Mai 2006

Tag drei in Berlin

Rede mir keiner davon, in Deutschland werde nichts gebaut: Ich sitze im Internet-Café Ecke Meineckestraße und Ku'damm, es ist Samstag morgen, und von der Straße herein dröhnt der Lärm der Bagger und Preßlufthämmer. Infernalisch.

Und ich habe fiesen Heuschnupfen, der mir den Hals zuschnürt, die Augen zum Jucken bringt und die Nase zuschwellen läßt. Hervorragende Aussichten für die Lesung heute abend!

Immerhin brachte ich gestern die Termine alle gut rum: mittags im Hörspielstudio (tolle Effekte machen die!), später dann Treffen mit Hannes Riffel vom UFO-Buchladen, abends Essen mit Carsten Scheibe von Typemania.

Ich war kurz vor Mitternacht im Hotel, weil mein Gesicht komplett zugeschwollen wirkte (zumindest für mich), wo ich dann lieber Boris-Koch-Kurzgeschichten las. Heuschnupfen ist echt kacke, vor allem in einer Stadt wie Berlin, die zwei Wochen hinter dem Karlsruher Klima herhinkt.

05 Mai 2006

Streß vor dem »Guru«

Berlin-Kreuzberg, gegen 21 Uhr: Carsten und ich sitzen vor dem Restaurant »Guru« in der Körtestraße, ein Inder unweit des Südsterns. Gemütliche Stimmung, laue Abendluft, wir trinken Bier, warten aufs Essen und unterhalten uns über alles mögliche.

Bis es plötzlich klirrt. Der langhaarige Typ in weißen Sandalen, schmuddeliger Jogginghose und offener Jacke - so daß man seine unbehaarte pickelige Brust sieht -, der seit einiger Zeit auf dem Gehsteig herumstolziert, hat seine Bierflasche auf die Straße geworfen. Scherben knirschen laut, wenn Autos darüber rollen, aber es geht kein Reifen kaputt.

Wir schauen anscheinend zu lang zu dem Typen hin. Das merkt er, und keine Viertelstunde später steht er bei uns am Biertisch, stinkt so ein bißchen vor sich hin und sprich mit schludriger Stimme, »suchste Streit oder was?« Dann könne er uns auf die Fresse hauen.

Seltsam aber wahr: Nicht ich bin der Arsch, sondern Carsten ist's, der von ihm blöd angelabert wird. Der bleibt aber cool, reagiert mit wenigen Worten, und der Assi verzieht sich nach einigen Drohungen.

Wir werden nervös, als er weiter auf und ab marschiert, uns mal mit Zigarettenkippen bewirft und dann eine weitere Bierflasche in der Hand balanciert. Ein Scheißgefühl: Bewirft uns der Assi gleich mit seiner leeren Flasche?

Als sie dem besoffenen Deppen neben dem Pizza-Imbiß nebenan aus der Hand fliegt und auf dem Boden zerschellt, bin ich geradezu erleichtert. Am liebsten würde ich dem Typen ja das Freßbrett polieren. Aber ich bin dann noch erleichterter, als wir endlich abhauen.

Zweiter Tag in Berlin

Gestern ging's um acht Uhr los, die Bahn fuhr durch, und ich las fleißig ATLAN-Manuskripte. Sehr angenehme Lektüre, ich hatte die redigierten Versionen dabei, und empfand sie als spannend und unterhaltsam.

Am frühen Nachmittag war ich in Berlin und quartierte mich in einem Hotel in der Nähe des Bahnhofs ein. Den ersten Termin, gewissermaßen zwei Termine in einem, absolvierte ich mittags - man wird, wie immer bei solchen Terminen, sehen müssen, was unterm Strich dabei herauskommt.

Abends ging ich mit Jens und Atta weg - dazu schrieb ich im Blog-Eintrag vorher was. Und heute herrscht strahlender Sonnenschein über der Stadt, die Touristen schieben sich in Pulk am Fenster des Internet-Cafés in Ku'damm-Nähe vorüber. Um 13 Uhr habe ich den nächsten Termin, das sollte ich auch locker schaffen.

Bis dahin sind vielleicht sogar die Kopfschmerzen weg ...

Wie ich die Slits verpaßte ...

Die Slits ... englische Frauenband, die in den Jahren 1977 bis 1979 irgendwie zwei Platten rausbrachte, von denen ich auch eine besitze. Gestern abend sollten sie in Berlin-Kreuzberg spielen, und ich wollte hin.

Sie spielten auch, aber die Veranstalter wollten 18 Euro Eintritt. Das war mir zu viel, und Atta - mit der ich vor Ort war - ebenfalls. Jens kam gratis rein, der muß dafür heute auch was dazu für die Zeitung schreiben.

18 Euro - mag ja sein, daß ich ein geiziger Schwabe bin, aber das sah ich einfach nicht ein. Dann doch lieber in den »Würgeengel«, quasi um die Ecke, wo wir das gesparte Geld gewinnbringend anlegten: in Cocktails natürlich.

Kein Wunder, daß ich heute morgen einen schweren Kopf habe. Einer von den Gimlets war wohl zu viel. Aber besser als 18 Euro für ein Konzert auszugeben, bei dem ich aufgrund des Publikums vor der Tür nicht das Gefühl hatte, daß in diesem Saal dann der Bär steppt.

04 Mai 2006

Eine wunderbare Schnurre!

Endlich habe ich den Klassiker gelesen: »Cannery Row« von John Steinbeck, erstmals 1953 in deutscher Sprache erschienen – und diese Ausgabe des Züricher Steinberg-Verlages besitze ich sogar. Und seit ich im November 2005 in der Straße der Ölsardinen war, in der kalifornischen Stadt Monterey, hat diese Gegend für mich eine zusätzliche Bedeutung.

Was John Steinbeck in seinem Roman erzählt, ist eine wunderbare Schnurre: Bunte Charaktere werden vor den Augen des Lesers lebendig, die schräge Abenteuer erleben, die tragische Geschichten zu erzählen wissen, die vielleicht keine guten Menschen im Sinne der bürgerlichen Logik sind, die aber dennoch ein großes Herz besitzen – und die es vor allem verstehen, großartige Feste zu feiern.

Ein geradlinig erzählter Roman ist »Cannery Row« nicht. Aber einer der Bücher, für die ich getrost einen Altar bauen könnte. Das ist meinetwegen zwar »hohe Literatur«, aber derart unterhaltsam, daß ich das Buch bis nachts nach ein Uhr lesen mußte – obwohl ich am nächsten Tag um sechs Uhr aufzustehen habe.

Das nenne ich Begeisterung!

02 Mai 2006

Weniger hübsche Karlsruhe-Bilder

Daß die Stadtväter in Karlsruhe zu rabiater Vorgehensweise gegriffen haben, um das besetzte Haus hinter dem Hauptbahnhof wegzubekommen, berichtete ich in diesem Blog schon mehrmals. Die Homepage des Guten Königs, den ich bislang als Moderator und Kollege beim Freien Radio Querfunk kannte, zeigt jetzt neue Fotos.

Der Abriß der »Ex-Steffi« war dem Guten König jetzt eine Reihe von Fotos wert, die sich alle sehr schön auf seiner Homepage betrachten lassen. Keine Bildergalerie unbedingt, die Mut und Hoffnung auf bessere Zeiten macht.

Aber eine sehr gute Dokumentation eines Ereignisses, das nach rund 15 Jahren das Kapitel Hausbesetzung in Karlsruhe offensichtlich fürs erste komplett abschließt.

Hübsche Mannheim-Bilder


In der letzten Woche hatte ich erst meine Lesung in Mannheim, jetzt stehen schon die ersten Bilder im Netz. Die Macher des »flotten Dreiers« sind vor allem die Produzenten einer Punkrock-Radiosendung im örtlichen Bermuda-Funk, die eben nicht nur Musik spielen wollen, sondern darüber hinaus ihre Aktivitäten entfalten.

Auf ihrer Seite gibt es also Hinweise auf künftige Radiosendungen und Berichte von Veranstaltungen. Und im Bereich »Bilder« gibt es eine Reihe von wirklich gelungenen Aufnahmen meiner Lesung (im unteren Teil!), über die ich mich sehr gefreut habe. Sehr schön!

Hier gleich ein netter Text, den die Mannheimer Aktivisten im voraus in der örtlichen Presse plazie-ren konnten. So was schmeichelt natürlich ebenfalls.

01 Mai 2006

Tag der Arbeit

Der heutige Tag stand und steht ganz im Zeichen des neuen OX-Fanzines. Ich hörte diverse CDs und eine Cassette an, um sie für die nächste Ausgabe zu besprechen.

Überraschen war diesmal nur eines: Die neue Fahnenflucht-CD fand ich gar nicht schlecht. Die machen zwar immer noch fiesen Metal mit Deutschpunk gemischt, dafür sind die Texte besser geworden.

Wichtiger war mir, daß ich an »Und: Hardcore!« weiterschrieb. Die zweite Szene schloß ich ab, die dritte Szene konnte ich fertig schreiben, die vierte Szene fing ich an – fertig ist der zweite Teil des Fortsetzungsromans. Redigieren muß ich allerdings alles noch, und spätestens dann, wenn irgendwann auch daraus ein Buch gemacht werden soll, werde ich nochmal viel ändern.

Das Wetter war kühl, der Himmel war grau – da machte es gleich doppelt Spaß, einigermaßen kreativ zu sein. Nicht einmal die Tatsache, daß ich ein PERRY RHODAN-Manuskript las, bereitete mir schlechte Laune. Na also!

Letzte Sendung im April

Der Sonntag, 30. April, war der fünfte Sonntag im Monat. Also war ich ausnahmsweise doch wieder dran mit der Radiosendung: ENPUNKT-Radio im Querfunk auf Welle 104,8 in Karlsruhe und auf allerlei Kanälen im Internet und im Kabel.

Da es sich anbot, spielte ich Punk aus Berlin. Mit dabei waren Kracher wie The Shocks oder She Male Trouble, aber auch Oi!-Sound wie East Rebels und The Voice, ganz zu schweigen von den göttlichen Die Ärzte. Ein sehr gemischtes Programm also, das mit Deutschpunk à la Staatsfeindliche Hetze und Pop-Punk à la Germ Attack bunt gemengt wurde. Soll ja keiner sagen, daß ich den Hörern irgendeine Einheitskost biete.

Wie die Sendung wirklich war, kann ich kaum beurteilen, kann ich nie. Mir selbst gefiel’s. Und auf dieser Ebene kann ich wohl noch einige Jahre länger Querfunk-Sendungen machen.

Auch wenn es irgendwelche Leute gibt, die mich hinter meinem Rücken angeblich als »Punkrock-Stalin« bezeichnen. Cooles Schimpfwort, finde ich.

Karlsruhe wird noch schöner! Hurra!

Der Samstag, 29. April, war herrzereißend schön. Also schnappte ich mir mein neues Rad, um Karlsruhes schönste neue Seiten anzugucken.

Hinterm Hauptbahnhof: Das Gebäude, in dem bis vor wenigen Wochen noch die »Ex-Steffi« war, ist nur ein Trümmerhaufen. Sogar die Bagger und Raupen sind größtenteils abgezogen. Hinter den Baugerüsten liegen Steine und Dreck. Das Ärgernis Nummer eins für die Stadtväter konnte ausgemerzt werden, das bunthaarige Volk ist weg. Da freut sich ein gewisser Schnauzbartträger im Rathaus sicher so richtig.

In der Klotz-Anlage, der grünen Oase der Stadt: Wo im Sommer türkische Großfamilien, Jugendliche oder andere Erholungssuchende herumlungern, stehen Bagger, erstrecken sich Baugerüste. Hinter der Europahalle ist eine Grube ausgehoben, werden anscheinend auch neue Tennisplätze errichtet. Da dürfen sich die Karlsruher Mittelstandsmenschen über zusätzliche Möglichkeiten des Freizeitvertreibs freuen.

Ein Schelm, wer hier Parallelen zieht.

28 April 2006

Der »All-Mächtige«


Als sich Eckhard Schwettmann, Klaus Bollhöfener und ich im Frühjahr letzten Jahres beim Chinesen um die Ecke zusammensetzten, um über ein Buchprojekt des Hannibal-Verlages zu sprechen, hatte ich noch recht unklare Vorstellungen von den Dimensionen, die dieses Buch irgendwann einnehmen würde.

Seit der Leipziger Buchmesse ist es da, und ich habe »All-Mächtiger« noch nicht in diesem Blog vorgestellt. Eigentlich peinlich: Auf 380 großformatigen Seiten geht es um die Arbeit des Autorenteams und der Redaktionsmannschaft, zu der ich gehöre – alles Leute, die letztlich die Science-Fiction-Serie PERRY RHODAN herausbringen.

Das Buch ist extrem großzügig bebildert, ein tolles Bilderbuch zum Blättern und auch zum Schmökern. Sehr empfehlenswert! Und wer den Preis von 49 Euro und einigen Cent für übertrieben hält, gucke sich entsprechende Bücher vergleichbarer Art an.
Übrigens gibt es auch ein Interview mit mir. Leider wurde es ein bißchen gekürzt, weshalb ich es in purer Egozentrik im Kommentar zum Nachlesen anbiete.

27 April 2006

Lesung im Jungbusch

Die Jungbuschstraße ist das Zentrum des multikulturellen Teils von Mannheim: türkische und italienische Nachbarschaftsvereine, viele Migranten auf der Straße, viele Restaurants und Kneipen. Vor allem aber keine Parkplätze und eine Kneipe, das »Café Blau«. Dort hatte ich am Mittwoch abend, 26. April 2006, eine Lesung.

Schätzungsweise zwei Dutzend Leute hatten sich in der kleinen gemütlichen Kneipe eingefunden, gut die Hälfte davon kannte ich aus früheren Zeiten. Entsprechend familiär empfand ich die Stimmung: Ich las, hatte die üblichen Probleme mit dem Mikro und meiner Stimme, und hinterher verkaufte ich Bücher und Fanzines.

Gut kam die Zugabe an. Ich las »Mein erster Kuss hieß Monika«, eine bisher nur in einem Fanzine veröffentlichte Kurzgeschichte. Und eine junge Frau verwickelte mich anschließend wegen dieser Geschichte in eine Diskussion – sehr amüsant!

25 April 2006

Scheißblödes Gefühl

Gestern abend noch das übliche Ritual: »Laß uns noch Nachrichten gucken.« Meist gibt es ja genügend zu lachen, weil sich Merkel und Co ausreichend blamieren.

Am gestrigen Abend stierten wir aber entsetzt auf die Glotze, als wir die Bilder aus Dahab sahen. Was für eine Scheiße.

Auffallend dabei für mich persönlich: So ein Anschlag berührt einen gleich doppelt, wenn man eine »Beziehung« zu irgendwas hat. In diesem Fall zum Ort.

Es ist keine drei Jahre her, als meine Freundin und ich in Dahab waren. Ein schöner Ort auf der Halbinsel Sinai, bestehend aus drei Teilgemeinden, kleine Restaurants und Hotels, außerhalb die gar nicht mal so häßlichen Hotelburgen. Großartige Berge in der Umgebung, auf die man klettern kann.

Ich fuhr mit dem Rad durch die Wüste oder am Strand entlang, meine Freundin war tauchen. Abends futterten wir uns die Wampe voll, manchmal trieben wir uns in den Straßen von Dahab herum, tranken Kaffee oder spielten mit den Einheimischen Backgammon.

Genau da, wo jetzt die Bomben hochgekommen sind. Plötzlich geht mir so ein Attentat so richtig nahe. Mist.

Werbung in Mannheim


Am Mittwoch abend, 26. April, ist meine Lesung in Mannheim, auf die ich mich schon richtig freue. Darauf hingewiesen habe ich ja schon.

Hoffentlich hält sich mein Heuschnupfen in Grenzen. Derzeit bin ich den halben Tag am Rotzen und Niesen, das ist echt kein schöner Anblick. Den will ich den Leuten in der Mannheim ersparen.

Immerhin haben sie einen netten Flyer gebastelt. Den zeige ich hier gleich mal, damit das auch schön dokumentiert ist.

23 April 2006

Ich brauch' 'ne Digi-Cam

Am sonnigen Sonntag, 23. April 2006: Karlsruhe erwacht im Frühsommerwahn. Männer mit kurzen Hosen und mit peinlichen T-Shirts heizen auf schnittigen Rennrädern durch die Grünanlagen. Aufgemotzte Kleinwagen rollen langsam mit heruntergelassenen Scheiben durch die Straßen und pusten Deppenmusik in die Gegend.

Und ich? Ich versuche, den Heuschnupfen zu ignorieren, und fahre mit dem neuen Rad durch Karlsruhe, ab in Richtung Naturschutzgebiet. In Knielingen, dem Ortsteil zwischen Weststadt und Rheinhafen, sehe ich ein großartiges Graffito.

Und bereue, keine Digitalkamera zu haben ... »Gras-Dieler ...!« steht da.

Originalgetreu und in krakeliger Schrift, schön schwarz auf hellgrauer Wand. So was muß doch der Nachwelt erhalten bleiben.

21 April 2006

Quer rüber durchs Netz

Vor ziemlich genau fünf Jahren, also am 28. April 2001, erschien ein Artikel von mir in der »taz«. Titel war: »Ein Reigentanz zum Knüppeltakt«. Gemeint war eine durchaus ironische Betrachtung der Chaostage in einem Sonderteil zum Thema »Brauchtum«.

Für den Artikel erhielt ich ein einmaliges Honorar, und ohne meine Einwilligung brachte ihn die »tageszeitung« sowohl auf ihrer Sammel-CD-ROM als auch auf ihrer Homepage. Wer ihn jetzt dort direkt herunterladen will, muss Geld dafür bezahlen. Geld, das im Zweifelsfall nicht auf meinem Konto landet.

Kleine Anmerkung am Rande: Die Autoren, mit denen ich zusammenarbeite, werden für die elektronische Veröffentlichung ihrer Romane selbstverständlich honoriert.)

Eigentlich wäre es sehr einfach, auf diesen Artikel zu verlinken, damit ihn jeder nachlesen kann. Geht aber nicht so einfach ...

Aber es gibt ja diverse Suchmaschinen, eine davon fängt mit »Go« an und hört mit »gle« auf. Mir egal, dass die neuerdings die Bösen sind. Man gebe dort in den Suchbereich die drei Zauberworte »Frick Reigentanz Knüppeltakt« und erhält genau zwei Suchbegriffe – und dort lässt sich der Text von mir wunderschön nachlesen.

Fünf Jahre alt ... ich finde ihn immer noch gut.

20 April 2006

Lesung in Berlin

Bevor ich es ganz verpeile: Demnächst steht ja auch eine Lesung in Berlin vor der Tür. Genauer gesagt, findet sie in Berlin-Kreuzberg statt, im Hinterhof der Fidicinstraße 3.

Das ist unweit des Mehringdamms und der Bergmannstraße – für diejenigen, die sich ein bißchen auskennen. Eine tolle Gegend, durch die ich schon vor über zwanzig Jahren mit Frank Böhmert und anderen netten Menschen gestromert bin.

In diesem Hinterhof befinden sich die Büroräume des Archivs der Jugendkulturen, und in diesen ist meine Lesung. Und zwar nicht im oberen Bürotrakt, sondern unten drin im Veranstaltungsraum.

Die Lesung ist am Samstag, 6. Mai 2006, um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, und der Autor freut sich, wenn er hinterher frisch gekaufte Bücher signieren darf ...

Café Klatsch - ein Nachbericht

Meine Lesung im Café Klatsch in Wiesbaden ist so lange nicht her – ich schrieb darüber ja auch in diesem Blog und bin nach wie vor sehr begeistert von der guten Stimmung, die dort herrschte.

Mittlerweile gibt es einen schönen Bericht im Netz dazu. Geschrieben wurde er von Struppi, der bei der Mainzer Band Bildungslücke mitspielt und auch schon seit vielen Jahren in der Punkrock-Szene aktiv ist. Ich wußte natürlich nicht, daß er auch einen Blog schreibt.

Der Bericht vom 31. März ist sehr schmeichelhaft. Danke für die Blumen! Aber gerade deshalb darf er hier nicht fehlen ...

19 April 2006

Ein beeindruckendes Stück Literatur

Als ob das Leben des Weltreisenden und Schriftstellers Joseph Conrad nicht schon spannend genug gewesen wäre – er schrieb auch noch einen der faszinierendsten »Hochliteratur«-Romane, die ich jemals gelesen habe. Ich meine »Herz der Finsternis«, den ich über Ostern geradezu verschlungen habe; trotz aller möglicher Aktivitäten.

Das Buch gibt's in dieser Literatur-Edition der Süddeutschen Zeitung als schönes Hardcover für wenig Geld. Da es eigentlich nur eine Novelle und kein Roman ist, wurde dem Text noch ein sachkundiges Nachwort des Schweizer Schriftstellers Urs Widmer beigefügt, der »Herz der Finsternis« ein wenig länger nachwirken läßt.

In einer leicht verschachtelten Erzählung berichtet der Autor – teils autobiografisch – von einer Expedition den Flußlauf des Kongo hinauf. In ein Reich der Perversion anfangs des 20. Jahrhunderts, in dem Sklaverei, Massenmord und Gleichgültigkeit gegenüber schwarzen Menschen zum Standard gehören, geht die Fahrt, die zugleich eine Reise ins Innere des Menschen selbst ist.

Düstere Beschreibungen, labyrinthartige Sätze und Szenen, die ich angesichts des tollen Stils zwei- oder gar dreimal hintereinander las ... das Buch ist große Klasse: ein Afrika-Roman voller Intensität, der möglicherweise auch Menschen packen kann, die sonst nicht so sehr von Afrika beeindruckt sind wie ich.

(Übrigens: Wer den Film »Apoclalypse Now« kennt ... der spielt zwar in Vietnam, ist aber nicht unähnlich.)

15 April 2006

Und: Hardcore!


Das neue OX ist da, und ich habe es noch nicht einmal gelesen. Wer aber mag und es noch nicht kennt, sollte mal im Plattenladen seines Vertrauens oder eben in einem gut sortierten Bahnhofsbuchhandel stöbern: Dort läuft jetzt die Fortsetzung von »Vielen Dank Peter Pank« und »Chaos en France«.

Der erste Teil von »Und: Hardcore!« (so der Arbeitstitel) ist jetzt erschienen. Ein Roman, der im Schwarzwald beginnt, zumindest in einer ländlichen Region zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Kalt ist es in den ersten Szenen, und überhaupt nicht punkig sieht das ganze aus.

Aber ich hoffe, daß ich die Kurve krieg': Die neue PETER PANK-Story, der dritte Teil der Trilogie also, soll ja ins Jahr 1987 hinüberführen (na ja, da ist die Story schon) und den Übergang von Deutschpunk zu Hardcore schildern.

Hups, jetzt hab' ich glatt zu viel verraten.

Gescheitert!


Ich hab's mal wieder versucht: Wieder einmal las ich einen literarischen Roman. »Man will ja mitreden können« oder so.

In diesem Fall traf es einen Roman des mehrfach preisgekrönten Schriftstellers Arno Geiger, der das Wunderkind der deutschen Literatur ist und wirklich alle nur erdenklichen Preise und Lobreden der letzten fünf Jahre kassierte. Sein Buch »irrlichterloh« lag vier Jahre lang als Taschenbuch bei mir zu Hause herum – die freundliche Lektorin von dtv hatte es mir geschenkt –, bis ich es mir endlich vornahm.

Nach vierzig von nicht mal 200 Seiten gab ich auf. Gegenwartsprosa mit gedrechselten Dialogen, ohne daß auf den Seiten auch nur was passiert. Einige nette Ideen – der Held ist einer, der nachts mit der Spraydose loszieht und Schilder beschmiert – reißen die kreuzlangweilige Story nicht aus dem Sumpf der Langweilerliteratur heraus.

Ich gebe zu, daß es garantiert an mir liegt, daß ich damit nichts anfangen kann. So anspruchsvolle Literatur ist einfach nichts für mich, das ist eine traurige Tatsache. Ich habe »Irrlichterloh« in die Altpapiertonne geworfen, da gehört es hin.

Und ich werd' mich eben weiterhin ans Triviale halten müssen ...

08 April 2006

Zwischenstimmung

Ein seltsames Wochenende. Man merkt es daran, daß ich an diesem Samstag abend zu Hause bin.

Donnerstag und Freitag war Vertreterkonferenz. Sprich: Die Außendienstmitarbeiter des Buchverlags sind da, und die Lektoren erzählen etwas über ihre neuen Bücher. Ich erzählte also viel über geplante Titel im Jahr 2006 und vor allem mit einer Perspektive fürs Jahr 2007. Abendessen gab es am Donnerstag auch.

Viel Erholung habe ich nicht an diesem Wochenende. Heute habe ich die Autorenkonferenz vorbereitet. Die geht am Montag morgen um zehn Uhr los. Die Autorenkollegen rücken aber bereits am Sonntag abend an, also treffe ich mich mit ihnen im Hotel, um mit ihnen in lockerer Runde zu Abend zu essen und etwas zu trinken.

Richtig los geht es am Montag, zu Ende ist es irgendwann nachts, und am Dienstag morgen werden sicher einige zu Einzelgesprächen auftauchen.

Und wenn Ostern ist, bin ich platt.

06 April 2006

»Ex-Steffi« geräumt

Bei meiner Lesung in Wiesbaden in der letzten Woche habe ich den Leuten im Publikum noch von der Situation des besetzten Hauses in Karlsruhe erzählt. Auch davon, daß die Stadt Karlsruhe offensichtlich alles unternimmt, die Situation eskalieren zu lassen, und sich nicht bemüht, den Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses eine neue Heimat suchen zu lassen.

Ich zitiere aus der Karlsruher Online-Zeitung ka-news: »Heute am frühen Morgen um kurz nach 6 Uhr ist das als Ex-Steffi bekannte und besetzte Gebäude in der Schwarzwaldstraße 79 von Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei geräumt worden.«

Damit ist die Geschichte besetzter Häuser in Karlsruhe erst einmal zu Ende. In den 80er Jahren gab es erste Versuche – unter anderem in der Leopoldstraße, in der ich später auch wohnte. In den frühesten 90er Jahren wurden die zwei Häuser in der Stephanienstraße besetzt, aus denen die »Steffi« wurde.

Und nachdem die damaligen Besetzer abziehen mußten, konnten sie in das Nachfolgeprojekt hinterm Hauptbahnhof umziehen, in die »Ex-Steffi«. Die ist jetzt anscheinend auch Geschichte. Ein Investor für das Gelände ist wahrscheinlich noch nicht gefunden; davon redete die Stadt Karlsruhe ja die ganze Zeit.

Es ist ein schmutziges Spiel, bei dem mir echt schlecht wird.

Fotos von der Räumung gibt es übrigens schon auf der Homepage der »Ex-Steffi«. Ich gehe im übrigen davon aus, daß die Aussage der Ex-Besetzer stimmt, die Polizei habe alles kurz und klein geschlagen. Nach der kurzfristigen Besetzung eines Gebäudeflügels in der Nähe hat damals die Polizei sogar einzelne Waschbecken zertrümmert – für so einen Scheißdreck hat man anscheinend immer Geld.

04 April 2006

Ich lese in Mannheim!

Mittlerweile ist es hundertprozentig sicher: Ich bin als Gast im »Blau« in Mannheim, wo ich am Mittwoch, 26. April 2006, ab 20.30 Uhr aus meinem Buch »Chaos en France« sowie anderem Schmuddelkram vorlesen werde.

Super – in Mannheim habe ich schon mehrmals im Autonomen Zentrum gelesen, da ist es durchaus auch mal interessant, in ein Café zu gehen. Gespannt bin ich darauf, welches Publikum mich dort erwarten wird.

Auf der »Blau«-Homepage wird die Lesung übrigens sehr schön angekündigt: einfach unter der Rubrik »Kultur« nachschauen!

01 April 2006

Bedrückendes Thema

Ein Thema, das mir bislang nicht so recht bekannt war: Jugendliche, die während des Dritten Reiches ihre Begeisterung für amerikanischen Jazz und Swing mit frechem Auftreten und lauten Tanzveranstaltungen ausdrückten. Das böse Ende kam nach kurzen, rauschhaften Jahren: Die Gestapo löste die Tanzveranstaltungen auf, die Jugendlichen kamen zu einem großen Teil in Konzentrationslager.

Die »Swing Kids«, wie Jörg Ueberall die Jugendlichen im gleichnamigen Buch nennt, waren die Angehörigen der ersten selbständigen Jugendkultur in Deutschland. In einer Zeit, die ohne Übertreibung die finsterste der deutschen Geschichte ist, trotzten sie der Gleichmacherei und stellten sich rebellisch gegen Hitlerjugend und volkstümliche Marschmusik.

Das vorliegende Buch zeichnet die Geschichte der Swing-Jugendlichen nach, spezialisiert sich dabei stark auf die Szene in Hamburg. Beeindruckende Berichte über Tanzveranstaltungen, weniger fröhliche Aussagen über das Ende der Bewegung und ein hoffnungsvoller Blick auf die Zeit nach dem Krieg: Die Swing Kids waren echte Rebellen, vielleicht unpolitisch, aber auf jeden Fall antifaschistisch.

Die 110 Seiten lesen sich leicht, das Buch ist auf jeden Fall für diejenigen interessant, die mehr über Jugendkulturen wissen wollen. Gibt's mit der ISBN 3-936068-68-2 in jeder Buchhandlung oder direkt beim Archiv der Jugendkulturen.

31 März 2006

Lesung im Klatsch

In Wiesbaden goß es in Strömen, und einen Parkplatz mitten in einem Wohngebiet zu finden gehört nicht zu meinen beliebtesten Disziplinen. Aber es klappte alles, und gegen halb acht Uhr abends waren meine Freundin und ich im »Café Klatsch« in der Marcobrunnerstraße – ein schönes Alterna-tiv-Café mit sehr angenehmer Einrichtung, viel Lesestoff und allgemein guter Atmosphäre. So was wünsche ich mir auch für Karlsruhe!

Meine Lesung fand vor vielleicht vierzig Leuten statt; für mich selbst ist das immer schwer zu schätzen. Ich war supernervös und brauchte einige Zeit, bis ich mich gut fühlte. Die neuen Texte aus »Chaos en France« kenne ich noch nicht so gut, aber nach einiger Zeit flutschte es gut.

Als Zugabe lieferte ich noch das Gedicht »Maschinengewehr sing!« sowie eine Afrika-Geschichte aus dem Buch »Zwei Whisky mit Neumann«. Alles in allem eine Lesung, die ich okay fand, die aber auch ein gutes Publikum hatte – laute und witzige Zwischenrufe inklusive. Sehr schön!

Hinterher verkaufte ich wie ein Blöder aus meiner Bücherkiste: Fanzines und Bücher gingen weg wie warme Semmeln. Ich war völlig begeistert. Und da ich an diesem Abend eh aufgedreht wie sonstwas war, fuhr ich hinterher wie auf Wolken nach Hause. Klasse!

Herzlichen Dank nach Wiesbaden an Falk Fatal vom Gestreckten Mittelfinger und ans Team des Cafés.

27 März 2006

In Karlsruhe stinkt's zum Himmel

Sonntag nachmittag – und der Frühling ist da. Krokusse blühen, erste Blüten zeigen sich an Büschen und Bäumen. Eltern mit ihren Kindern tummeln sich in den Parks und Grünanlagen.

Und es stinkt.

In den Grünanlagen zwischen Kaiserstraße, Sophienstraße und Reinhold-Frank-Straße erheben sich mindestens drei Müllberge: quadratisch mit einer Länge von jeweils vier, fünf Metern – dazu gut eineinhalb Meter hoch. Aufgeplatzte Säcke, Dreck und Gestank.

Die warme Luft sorgt für enorme Geruchsentwicklung. Die gesamte Grünanlage riecht nicht nach Frühling sondern nach Müllhalde.

Der Streik bringt seine Folgen mit sich. Nur schade, daß niemand auf die Idee kommt, seinen Dreck vor die Rathaustür zu schmeißen. Stattdessen vermüllen die Assis die Grünanlagen.

Mannomann, so schlimm hausen nicht mal die bösen Punker bei den schrecklichen Chaostagen!

24 März 2006

Wolfgang Altendorf wurde 85!

Die meisten Leser dieser Zeilen werden mit dem Namen Wolfgang Altendorf nicht so viel anfangen können. In den 80er Jahren veröffentlichte er einen SF-Roman bei Heyne sowie diverse phantastische Erzählungen in verschiedenen Verlagen.

Am Donnerstag, 23. März 2006, ist der Mann 85 Jahre alt geworden. Ein respektables Alter – und er ist immer noch aktiv. Wolfgang Altendorf malt und schreibt immer noch, und es ist davon auszugehen, daß er immer noch seine Skulpturen gestaltet.

Ich lernte ihn anfangs der 80er Jahre kennen, als Teenager mit struppigen langen Haaren, durch eine Krawatte als Stirnband gebändigt. Da war er schon ein richtig bekannter Mann, Träger von irgendwelchen Bundesverdienstkreuzen und so. Unzählige Theaterstücke, Artikel, Bücher und Kurzgeschichten schrieb er, hinzu kamen ebenfalls unzählige Bilder.

Ein beeindruckendes Leben, vor dem ich größten Respekt habe.

Alles Gute zum 85. Geburtstag!

20 März 2006

Autogrammjägerinnen

Ein Nachtrag zur Leipziger Buchmesse, konkret, zum Donnerstag, 16. März 2006:

Kaum kam ich an, informierte mich auch schon Kollege Klaus B.: »Da waren eben zwei Mädels da, die wollten dein Buch signiert haben.« Sie seien sogar zwei-, dreimal am Stand gewesen.

Als ich mein Belegexemplar von »Chaos en France« am Stand des Archivs der Jugendkulturen abholte, erfuhr ich ähnliches. Ich fühlte mich schon sehr geschmeichelt.

Aber dann tauchten die Autogrammjägerinnen auf, und ich freute mich so richtig: zwei Mädchen, beide um die 15, 16 Jahre alt und leicht »angepunkt«. Sie kamen aus der Gegend von Gera, da, wo es, wie sie sagten, »eigentlich außer uns nur Nazis gibt«. Und sie hatten meine Bücher gekauft, wollten Autogramme haben.

Ins »Chaos en France«-Buch schrieb ich zur Widmung, es sei »nicht zur Nachahmung empfohlen«. Ein wenig unterhielt ich mich mit den beiden, es war sehr nett.

Und natürlich siezten sie mich. Logo. Ich bin wahrscheinlich so alt wie der Papa. Schon ein seltsames Gefühl für mich ...

19 März 2006

Chaostage in Leipzig

Gestern mittag um etwa 17 Uhr: Hunderte von Jugendlichen sitzen in Gruppen auf dem Boden herum, die Halle 2, in der wir unseren Messestand haben, vermüllt stellenweise.

Ich komme mir vor wie auf Chaostagen: Bunthaariges Volk mit Stiefeln und schrägen Klamotten bevölkert die Gänge, es läuft laute Musik (okay, eher HipHop oder Tokio Hotel und so, aber egal), und es sieht stellenweise aus wie Sau. Erwachsene ärgern sich über herumlungernde Jugendliche ...

Gruppen von Cosplay-Fans fotografieren sich gegenseitig. Sie begrüßen sich mit "Koniche-wa" (oder wie das auf Japanisch heißt), sie bedanken sich hinterher auf Japanisch, und sie haben einen riesigen Spaß dabei, sich gegenseitig ihre Klamotten vorzuführen.

Da ist in den letzten Jahren eine neue Jugendkultur entstanden, mit der ich schon aus Altersgründen nicht viel anfangen kann. Aber sie ist bunt, sie wird vorrangig von Mädchen gebildet, und sie hat eine eigene Kreativität.

Nicht mein Ding, aber cool. Ich wundere mich, dass es da noch nicht haufenweise Bücher und Untersuchungen dazu gibt.

Der letzte Tag

Müde fühle ich mich. Müde und zermatscht. Eine Messe schlaucht, selbst wenn man nicht so viel ernsthafte Arbeit leistet.

Der Lärm in der Halle. Die kreischenden Manga-Mädels. Die vielen Leute. Der zu enge Stand. Der Zigarettenrauch unserer Süchtigen.

Anstrengend.

Gleichzeitig finde ich es auch immer extrem lustig. Die Müdigkeit ist immer dann wie weggewischt, wenn ich mit vielen Leuten rede.

Und gestern abend gab ich sogar noch einem Hörbuchportal ein Interview. Wann das aber bei Claudio zu hören sein wird, weiß ich noch nicht. Trotzdem fand ich das eine nette Abrundung des Messetages.

Lesung in Leipzig

Ein seltsames Gefühl gestern mittag: Ich las auf der Leipziger Buchmesse. Nicht in einem schmuddeligen Jugendhaus oder in einem Autonomen Zentrum, sondern im Zentrum der hochgeistigen Bücherwelt.

Und ich war saumäßig nervös.

Vor allem auch deshalb, weil ich mein Buch ja noch nicht kannte. "Chaos en France" ist da, aber ich habe es in gedruckter Form selbst noch nicht gelesen und fühlte mich nicht so richtig "drin".

Das merkte ich auch, als ich vor etwa zwanzig Leuten (in einem Raum, der für 150 Leute Platz bietet) vorlas. Die erste Szene fand ich ganz gut, die zweite empfand ich beim Vorlesen als langweilig, die dritte war zu früh gewählt - da hätte ich später in den Text einsteigen sollen.

Und dann das Mikro. Ich spreche das "p" recht hart aus, und da ich mich mit dem Mikrofon nicht ordentlich anfreundete, klang jedes "p" in "Peter Pank", als ich ausspuckte. Es dauerte gut eine Viertelstunde, bis ich einigermaßen damit klarkam - und dann war die Lesung auch schon so gut wie rum.

Immerhin kauften einige Leute Bücher, ich signierte ein bisschen, es waren sogar junge Skins aus Halle und Leipzig anwesend. Da ließen die zittrigen Knie dann tatsächlich nach ...

18 März 2006

Buchmesse-Party in der Moritzbastei

Traditionell gehen Buchhändler und Verlagsleute während der Leipziger Buchmesse gerne einen trinken. Tun sie ja sonst nicht so oft ...

Freitags findet immer die Buchhändler-Party in der Moritzbastei statt. Die Moritzbastei ist ein uraltes Gewölbekeller-Labyrinth in der Leipziger Innenstadt; es gibt, nachdem man den Eintrittspreis bezahlt hat, haufenweise Essen und Trinken und viel schlechte Musik.

DJ Jürgen und wie sie alle hießen gaben sich redlich Mühe, Gassenhauer aus den 60er, 70er und 80er Jahre zu spielen. Immerhin gab es sogar einmal die Ramones mit "Rockaway Beach" auf die Ohren.

Um es kurz zu machen: Fünf Bier später hüpfte ich auch zwischen irgendwelchen Anzugstypen und Dauerwellenfregatten herum. Extrem lustig. Den Absacker - bei mir war's ein Grappa - heute morgen um halb fünf an der Hotelbar hätten wir uns allerdings ersparen sollen. Ich fühle mich ganz schön derangiert ...

17 März 2006

Leipziger Buchmesse Tag 2

Seit gestern bin ich auf der Leipziger Buchmesse. Angenehme Hallen, nettes Hotel, extrem mieses Wetter - ich rotze schon ein wenig herum.

Gestern holte ich beim Archiv der Jugendkulturen mein Exemplar von "Chaos en France" ab, dazu demnächst mehr. Sieht aber gut aus, ich bin stolz wie Harry.

Am Stand des Hannibal-Verlags holten mein Kollege Klaus Bollhöfener und ich zehn Belegexemplare des Buches "All-Mächtiger": ein riesiger Bildband über PERRY RHODAN, inklusive eines Porträts von mir (und natürlich allen anderen Kollegen - aber das hier ist ja ein egozentrisches Blog-Tagebuch).

Später noch ein sehr intensives Gespräch mit den Kollegen von Lübbe-Audio. Es ging um die PERRY RHODAN-Hörspiele, die im Sommer starten. Das wird eine große Sache, glaube ich!

Und beim Rausgehen aus der Halle: Eine Bekannte aus Karlsruhe - spielt unter anderem bei einer lokalen Krachkapelle - arbeitet bei den Technikern am "Blauen Sofa". Sehr lustig. Die Welt ist eben verdammt klein.

14 März 2006

Arbeitsessen mit meinem Verleger

So lobe ich mir das: Mein Verleger kommt nach Karlsruhe, wir gehen miteinander essen, und er bezahlt. So habe ich mir das Autorendasein immer vorgestellt.
Hm.

In Wirklichkeit war es ein bisschen anders: Klaus Farin vom Archiv der Jugendkulturen hielt am Dienstag, 14. März, einen Vortrag in Karlsruhe. Da er bereits am Vortag anreiste, bot es sich an, daß wir uns zu einem Bier treffen. Also gingen wir ins »Litfass« in der Karlsruher Innenstadt, wo wir leckere Spätzle futterten und zwei, drei Bierlein tranken.

Mein Buch »Chaos en France« sei bereits fertig, erzählte der Herr Verleger. Aber leider habe er es noch nicht dabei, weil er Berlin um elf Uhr verlassen habe, die Druckerei aber erst um zwei Uhr mittags geliefert habe. Da saß ich da und heulte ein bißchen in die Bartstoppeln.

Immerhin schmiedeten wir bereits Pläne – was bei Klaus Farin und mir öfter vorkommt, als den jeweiligen Terminkalendern gut tut. Aber die eine Idee zu einem spannenden Buch mit Interviews und Artikeln ... die hat schon was. Unser Thema für 2007 oder so ...

Zum »Litfass« gibt es übrigens einen hübschen Bericht, der im April 2002 in der Szene-Zeitschrift »Klappe auf« erschien.

12 März 2006

Der Clooney-Effekt

Daß einige Besucherinnen nicht unbedingt wegen des Themas, sondern wegen einem Hauptdarsteller ins Kino gegangen waren, merkte ich, als »Syriana« zu Ende war. Gähnend erhoben sich einige junge Frauen, die drei Reihen vor uns gesessen hatten.

»Boah, hab' ich gut geschlafen«, sagte die eine, und die andere pflichtete bei. »Da bin ich froh, daß ich nicht die einzige bin.« Und aus meiner Nachbarschaft, rund vier Plätze von mir entfernt, sagte eine andere zu ihrem Freund: »Ich war also nicht die einzige, der langweilig war und die eingepennt ist.«

Möglicherweise hatten die jungen Damen – übrigens alle blond, aber das soll jetzt nichts heißen – irgend etwas anderes erwartet. Sicher keinen George Clooney mit dickem Bauch und verfilztem Bart, sicher keine komplexe Geschichte, die im Nahen Osten spielt. (Nicht im »Mittleren Osten«, wie die Synchron-Deppen übersetzt haben. Der »Middle East« der Amis ist unser »Naher Osten«. Seufz.)

Ich fand den Film klasse, wenngleich nicht unbedingt die leichteste Unterhaltung. Kein lustiger Film, keine locker-flockige Kino-Unterhaltung. Vielleicht aber war das, was andere Leute gesucht hatten. Geschmäcker sind allerdings auch wirklich verschieden ...

09 März 2006

Ich lese in Wiesbaden


Mein Buch »Chaos en France« erscheint demnächst, und es wird Zeit, daß ich mit Lesungen auf das Werk aufmerksam mache. Die nächste Lesung, die ich festgemacht habe, findet am Donnerstag, 30. März 2006, um 20.30 Uhr in Wiesbaden statt.

Ort ist das Café Klatsch in der Marcobrunnerstraße 9. Ich kenne die Räumlichkeiten nur von Berichten, war selbst noch nie dort und bin entsprechend neugierig, was mich erwartet. Den Flyer, den Falk Fatal gebastelt hat, der sonst das famose Fanzine Der Gestreckte Mittelfinger herausgibt, finde ich schon jetzt ziemlich klasse.

Besucher sind natürlich gerne gesehen!

08 März 2006

Vogelgrippe im Blog

Unter die Blogger gegangen ist nun auch Till Geiger aus Karlsruhe, der schon seit vielen Jahren durch allerlei subkulturelle Szenen hüpft. Klare Aussagen, attraktive Bilder – so mag ich das. Ich bin auf die weitere Existenz neugierig.

Endlich ist »Der Lustige Lach Club 1977« somit im Netz vertreten.

Zur Vogelgrippe in Deutschland hat der Tillmister eine klare Aussage in seinem Blog. Da fällt mir auch nichts Schlaueres dazu ein ...

06 März 2006

The Clash! The Clash! The Clash!

Ich habe das ziemlich klasse zu lesende Buch »The Clash« von David Quantick übers Wochenende gelesen, das im Hannibal-Verlag erschienen ist. Auf rund 130 Seiten gibt es alle möglichen Informationen zu The Clash wieder, die schon immer zu meinen Favoriten gehörten.

Nach Lektüre des Buches weiß ich, daß es sich bei der Band um eine Ansammlung recht großkotziger Egomanen handelte, die schon 1977 ziemlich abgehoben waren. Nach Lektüre des Buches weiß ich auch, warum die Band manchmal so seltsame Stücke auf ihren Platten drauf hatte.

Na und?

»London Calling« ist ein Meisterwerk, sicher eine der zehn besten Platten aller Zeiten. »The Clash« ist ein tolles Erstlingswerk, sogar »Cut The Crap« und »Sandinista« sind auf ihre Art klasse.

The Clash spielten selbstbewußt mit allen möglichen stilistischen Richtungen, mixten Punk und Reggae, Rock'n'Roll mit englischer Volksmusik, hoben sich damit meilenweit vom Einerlei anderer Bands ab. Meiner Ansicht nach eine der besten Bands überhaupt.

Sagte ich schon, daß The Clash meine Lieblingskapelle ist?

05 März 2006

Winter im März

Die Nacht vom Samstag auf Sonntag, etwa ein Uhr. Ein fieser Nebel hat ganz Darmstadt in eine Glocke gepackt, die dicht und weich zugleich wirkt. Als ich Hermann Ritters Wohnung verlasse, kann ich mich noch an der Straßenbeleuchtung und an den Lichtern anderer Autos orientieren.

Auf der Bundesstraße in Richtung Autobahn wird es schwierig. Obwohl ich die Strecke schon einige Dutzend mal gefahren bin, muß ich doch jedesmal nach den Schildern schauen, um die richtige Abfahrt zu erwischen.

Das ist dann schwierig, wenn man aufgrund des Nebels die Schilder erst erkennen kann, wenn man quasi unter ihnen durchfährt. Im CD-Player rotzen Screeching Weasel, und ich stelle fest, daß ich schwitze ...

Durch die Kurven des Autobahnkreuzes fahre ich zuerst zu schnell, knalle fast in die Leitplanke, weil ich mich in den Entfernungen verschätze – Kunststück, wenn ich nicht mal die Kurve komplett sehen kann –, um dann mit Tempo 50 auf die A5 zu eiern. Na toll.

Auf Höhe Eberstadt wird es besser, und ich kann die üblichen 140 fahren, die ich mir bei minus fünf Grad zubillige. Weiß ich, ob es irgendwo auf dieser Autobahn feuchte Stellen gibt, die jetzt gefroren sind.

Bei Zwingenberg fiese Nebelbänke, und ich reduziere die Geschwindigkeit wieder auf 70. Mehr als zwei Pfosten weit kann ich nie sehen. (Das hält andere Fahrer nicht ab, mit lockeren 150 Stundenkilometern und ohne Nebelscheinwerfern durch die Nebelbank zu brettern.) Als ich die Raststätte passiere, sehe ich die Lichter der Tankstelle verschwommen – und das aus einer Entfernung von vielleicht fünfzig Metern.

Kacke.

Nein. Nebel!

An der hessisch-badischen Landesgrenze wird es besser. Wahrscheinlich erhöht der Gestank der überall in den Städten herumliegenden Müllsäcke die Temperatur (es geht bis zu 0 Grad hoch!) und vertreibt den Nebel. Gottseidank!

04 März 2006

Sonntags-Schreiberei?

»Papa feiert Weihnachten« ist richtig alt. Diese Kurzgeschichte habe ich anfangs der 90er Jahre schon mal in meinem eigenen SAGITTARIUS rausgebracht, wenn ich mich nicht irre.

Dieser Tage kramte ich sie noch mal hervor und fand sie gar nicht mal übel. Ich drucke die Geschichte neu aus und schmierte fleißig im Manuskript herum. Danach sah ich mehr blau als original-schwarz.

Morgen werde ich die Änderungen in die Datei übertragen. Mal schauen, wo ich diese Geschichte mal unterbringen kann.

Zum Wetter und zur allgemeinen politischen Lage paßt die Story allemal ...

Kein Gejammer, es geht um das Große!

Nein, ich will heute nicht jammern!

Es ist Samstag, die Karlsruher Innenstadt erstrahlt in winterlichem Weiß, das mir richtig gut gefällt. Ideal zum Schlittenfahren, schön für eine Schneeballschlacht. Die haben wir schon hinter uns: Ich verlor, weil ich als erster einen Schneeball abbekam. Lustig war's trotzdem.

Heute abend fahre ich auf eine kleine Geburtstagsparty nach Darmstadt, zu Hermann Ritter. Der Kerl ist auch schon 41 – unglaublich!

Und mit was werde ich den Sonntag verbringen? Na? Mit Arbeit natürlich.

Zwei PERRY RHODAN-Manuskripte sind eingetroffen, eben erst habe ich sie runtergeladen, und die werde ich morgen in aller Ruhe lesen. Muß sein, die Termine drängen.

So verbringt unsereins seine Wochenenden.

01 März 2006

Goodees und ich

In der aktellen Ausgabe von Goodees, einem kostenlosen Desktop-Portal, wie man das heutzutage nennt, findet sich mal wieder ein Blog-Eintrag von mir kopiert. Darüber freue ich mich immer, bringt das schließlich neue zufällige Besucher auf meine Seite.

Generell aber ist Goodees, das von Carsten Scheibe betreut wird, den ich auch seit über zwanzig Jahren kenne, ein sehr hübsches Portal. Es gibt neben meinem Blog noch weitere Blog-Einträge anderer Autoren (unter anderem von Monsieur Scheibe selbst), die sich gut lesen; dazu kommen haufenweise Besprechungen und Informationen.

Ich gucke mehr oder weniger regelmäßig auf diese Seite, habe mir allerdings den »kostenlosen Clienten« noch nicht heruntergeladen, den Carsten Scheibe anbietet. Das ist möglicherweise für andere Menschen interessant, für mich nicht unbedingt.

Ich genieße eher den Unterhaltungswert einer bunten Homepage; immer wieder ein Informationshäppchen zwischendurch.

Rettungskreuzer zum 25.


»Roderick Sentenza lag in einem Alptraum aus Rot.« Großartig! Das ist doch mal ein Anfang für einen SF-Roman. Da lese zumindest ich gleich weiter.

Was ich vielleicht wirklich mal tun sollte. Es ist nämlich der Anfang von »Kaisersturz«, einem Roman von Martin Kay, der in der famosen Reihe »Rettungskreuzer Ikarus« erscheint.

Wer die nicht kennt: Das ist eine Science-Fiction-Reihe, die ich hartnäckig zu Hause in meinem Archiv bei Fanzines einsortiere, die aber längst den reinen Amateur-Bereich verlassen hat und immer mal wieder richtige Perlen aufweist.

»Kaisersturz« ist der Roman Nummer 25 in dieser Reihe. Respekt!, damit hätte ich nie gerechnet. Als die von Dirk van den Boom gesteuerte Serie im Atlantis-Verlag anfing, hätte ich den Kollegen dieses Durchhaltevermögen nie zugetraut.

Herzliche Gratulation!

27 Februar 2006

Nervös in Leipzig?

Das finde ich klasse: Die offizielle Vorstellung von »Chaos en France« findet auf der Leipziger Buchmesse im Rahmen von »Leipzig liest« statt, lustigerweise im Unterbereich »Comics in Leipzig«.

So haben wir uns das zwar nicht vorgestellt, aber immerhin ...

Konkret: Samstag, 18. März, um um 17.30 Uhr im Forum Jugend und Bildung in Halle 2, dort dann am Stand A301/ B300. Ich werde da sein, und ich werde nervös sein. Falls sich jemand dafür interessiert, mich in meiner Nervosität zu begleiten, darf er/sie gerne vorbeigucken ...

26 Februar 2006

Der Duft der alten Damen

Freitag abend, 24. Februar 2006: Wir gehen ins Klassik-Konzert. Freiwillig wohlgemerkt. Und wir haben richtig gute Plätze in Reihe sechs. Gegeben werden von den Bonner Philharmonikern diverse Werke der Herren Brahms, Mozart, Beethoven und Haydn.

Das ist nicht Punkrock. Nein. Aber eine extrem interessante Erfahrung.

Die Musik schmettert laut, da gibt es nichts zu sagen. Ein junger Geiger fiedelt ein famoses Solo und legt eine Zugabe von Bach dazu. Auch gut.

Aber der Geruch ... Hunderte von Rentnern im Saal, wir gehören zu den zwei bis drei Prozent Anteil, die jünger als 60 Jahren sind - zumindest kommt es mir so vor. Süßliches Parfüm und fieses Rasierwasser ziehen wie Schwaden durch das Kongresszentrum Karlsruhe, in dem ich zuletzt anläßlich des PERRY RHODAN-Weltcons 1991 war.

Und so bin ich nach gut zwei Stunden klassischer Musik heilfroh, an der frischen Luft zu sein. Und hinterher schmeckt das Pils im »5« in der Karlsruher Nordstadt doppelt gut, in einer leicht verrauchten Atmosphäre, mit alten Punkrock- und Dub-Stücken aus den späten britischen 70er Jahren.

24 Februar 2006

Zwischen unzufrieden und »okay«

Eigentlich sollte ich unzufrieden sein, weil ich heute keine einzige Geschichte geschrieben habe. Eine Geschichte, die in Hollywood spielt, fing ich zwar an, aber mit dieser kam ich noch nicht weit.

Andererseits nutzte ich heute die Chance, liegen gebliebene Mails zu beantworten, eine Buchbesprechung zu schreiben und zu lesen. Zudem schlief ich aus (gestern nacht war's spät, und der Rotwein in der Kneipe schmeckte lecker) und fuhr zum Einkaufen.

Beschäftigt wurde ich heute durch einen PERRY RHODAN-Roman, den mir der Kollege hierher geschickt hat. Terminsache, also lese ich das Werk heute noch zu Ende. Okay.

Und heute abend gehen wir ganz gemütlich auf ein Konzert. Da werde ich also auch nicht zum Schreiben kommen. Aber vielleicht doch: Ich bin ziemlich gespannt auf das klassische Konzert, das wir uns angucken wollen.

Der nächste Schritt zur kompletten Bürgerlichkeit?

23 Februar 2006

Acht Stunden?

»Nun konzentriere dich wieder auf deine acht Stunden Schreibarbeit pro Tag«, schreibt mir Uwe Anton per Mail, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob das ironisch ist. Die acht Stunden habe ich heute nicht geschafft.

Es gab diverse Dinge zu erledigen, meine Mutter kam uns besuchen, und ständig klingelte das Telefon. Da war ich schon mal froh, zwischendurch Punkrock hören zu können (die Drunk-LP ist klasse!) und eine Buchbesprechung zu schreiben.

Immerhin ist die Fantasy-Geschichte, die bisher den Arbeitstitel »Jolani« trug, fertig geworden. Sie hat rund 24.000 Anschläge erreicht, womit ich nicht rechnete, als ich sie mir im Sommer letzten Jahres ausdachte. Von der ursprünglichen Idee blieb so viel ja auch nicht mehr übrig; der Titel ist jetzt auch völlig anders.

Jetzt muß ich das Ding »nur noch« redigieren. Arbeit für die nächste Woche ...

22 Februar 2006

Punk und Fantasy

Für heute bin ich nicht völlig unzufrieden, sieht man davon ab, daß ich mich den halben Tag mit Firmenproblemen beschäftigt habe (Stichwort: Autoren und Termine). Warum gehe ich eigentlich in Urlaub?

Immerhin ist die erste Folge des neuen »Peter Pank«-Romans fertig geschrieben. War gar nicht so einfach, weil ich mit einer Szene anfange, die viel mit harter körperlicher Arbeit zu tun hat. Ob mir das gelungen ist, weiß ich noch gar nicht, dazu fehlt mir die kritische Distanz. Es ist verdammt lange her, seit ich mit der Axt in der Hand gearbeitet und im Schwarzwaldwinter Bäume »ausgeputzt« habe.

Und ich habe mit einer Fantasy-Geschichte begonnen; Arbeitstitel »Jolani«. Das Gerüst steht mittlerweile komplett, es fehlt »nur noch« das Leben. Ich möchte die Geschichte dann MAGIRA anbieten. Die Story spielt nicht in der Fantasy-Welt Magira, sondern in einer sogenannten Wasserstadt. Hoffentlich gefällt das Endprodukt der Redaktion dann trotzdem.

21 Februar 2006

Wie die Revolution begann

Das Fanzine PANKERKNACKER gehört – ohne Schmarrn – zu den richtig guten Heften in dieser Republik. Umso schlimmer, daß die vorliegende Ausgabe elf die letzte sein soll. Das ist ein Grund zum Heulen.

Ich habe das Heft noch nicht mal komplett gelesen, was mir einigermaßen peinlich ist. Wird nachgeholt, versprochen!

Aber von mir ist tatsächlich eine Geschichte drin. Sie heißt »Die Revolution startet vor dem Hotel Post« und ist so eine halb autobiografische Geschichte. Einige Elemente stimmen also, der Rest ist frei erfunden.

Leider wurde die Geschichte ohne Absätze veröffentlicht. Damit kann sie nur unter größten Mühen gelesen werden. Deshalb dokumentiere ich sie hier im Kommentar, damit Ihr sie selbst nachlesen könnt.

Viel Spaß damit!

Fortschritte und Rückschläge

Auch mit dem heutigen Schreib-Tag bin ich nicht so zufrieden, wie es sein sollte. Schuld daran war der Hickhack um unsere Wohnung – heute mittag zwei Stunden Beratung durch einen Makler, danach und davor interne Beratung.

Heute morgen immerhin bearbeitete ich die Kolanuß-Geschichte noch mal. Nach der Bearbeitung gefiel sie mir besser, war aber auch einige tausend Anschläge länger. Seltsam, dabei strich ich doch so viel.

Und nach der ganzen Diskussion um Wohnungen, neue Vermieter und andere Dinge brauchte ich einige Zeit, bis ich wieder ins Schreiben kam. Bei »Und Hardcore!« habe ich jetzt einen Anfang gefunden, mit dem ich zufrieden bin. Rund 8000 Anschläge stehen, das ist ein brauchbares Fundament.

Aber jetzt ist erst mal Feierabend. »Six Feet Under« lockt mit fiktiven Problemen, die einzige Fernsehserie, die ich mag.

Kolanüsse

Die Kolanuß ist eine Frucht, die vor allem in Afrika gerne genutzt wird, um abends länger fitzubleiben – ein Wachmacher also. Heutzutage gibt es Extrakte dieser Frucht anscheinend sogar in Deutschland zu kaufen.

Gestern arbeitete ich recht lange an der Geschichte »Kolanüsse für die Nacht« (28.000 Anschläge mit, 23.000 Anschläge ohne Leerzeichen), die ich heute noch fertigmachen sollte und die ich irgendwann mal in einem Buch mit obskuren Reisegeschichten unterbringen will. Daß ich für das Buch noch keinen Verlag habe, versteht sich ja von selbst – aber zuerst will ich es einfach mal fertigstellen.

Und ich schrieb einen Text namens »Seniorentanztee« für den neuen ENPUNKT, der ja auch schon ewig überfällig ist. Immerhin.

Gescheitert bin ich mit einem zündenden Anfang für »Peter Pank – und Hardcore!«. Da weiß ich eigentlich, was ich schreiben will, aber es klappt noch nicht so richtig.

Soweit zum Stand der Schreibwoche.

20 Februar 2006

Erste Fortschritte

Mein Schreib-Urlaub soll nicht in Leistungsdruck ausarten, das hatte ich mir vorgenommen. Aber bis jetzt habe ich noch nicht so bombastisch viel hingekriegt.

Kein Wunder: Das Wochenende vertrödelt, heute eingekauft. Da fällt es schwer, grundlegende Dinge in den Computer zu tippen.

Immerhin gelang es mir, die von meiner Freundin schwerst kritisierte und redigierte Geschichte noch mal gründlichst zu bearbeiten. Und heute schrieb ich die Kurzgeschichte »Victor und seine Töchter« (rund 22.000 Anschläge) zu Ende, die ich vor sage und schreibe eineinhalb Jahren bei meinem Teneriffa-Urlaub angefangen hatte.

Ein bescheidener Anfang, ich gestehe es. Aber es besteht Hoffnung: Die Woche hat erst angefangen.

19 Februar 2006

Sex und Musik – und das im Trust

Das Fanzine Trust existiert seit anfang 1986. Es dürfte somit das älteste deutschsprachige Fanzine für Punkrock, Hardcore etc. sein.

Die aktuelle Nummer – es ist die 116 – erschien vor wenigen Tagen; sie hat das Thema »Sex und Musik«. Und ich bin extrem stolz darauf, ein Mitarbeiter dieser Ausgabe zu sein. Das habe ich seit über fünfzehn Jahren nicht mehr geschafft.

Mein Text trägt den netten Titel »Kurze Geschichte von Geschlechtsverkehr und lauter Musik« und wurde im September 2005 geschrieben, kurz vor der Bundestagswahl. Entsprechend ist auch die inhaltliche Ausrichtung.

Da sicher nicht jeder Leser dieses Blogs das Trust abonniert hat (wobei das Heft immer noch interessante Themen bietet!), bringe ich im Kommentar den Text zur Veröffentlichung. Dann kann ihn auch jede/r nachlesen.

Ludwig Hartmann

Der Name in der Überschrift ist auch der Name des Helden einer Kurzgeschichte, die ich geschrieben habe. Am Freitag abend gab ich sie meiner Freundin zum Lesen. Das hätte ich nicht so einfach tun sollen: Sie las mir die Leviten.

Hart aber gerecht. Der Spruch aus der sackdoofen Kino-Propaganda gegen Raubkopierer paßte hier wirklich.

Ich konnte mich zwar damit herausreden, daß der Text so noch nie redigiert worden war, trotzdem gab es einige haarsträubende Fehler. »Der Mann des Bauches« war ziemlich klasse – ich hatte stets »der Bauch des Mannes« gelesen, das stand aber nicht da. Klassischer Fehler, so etwas merken Autoren anscheinend nie.

Die Geschichte ist rund 13.000 Anschläge lang, und ich habe keine Vorstellung davon, was ich mit ihr machen werde. Aber zuerst muß sie ohnehin noch einmal gründlichst bearbeitet werden.

17 Februar 2006

Eine Woche Schreiburlaub

Ich habe frei! Hurra! Eine Woche (fast) unabhängig von den Zwängen, die das tägliche Büroleben mit sich bringt.

Wir fahren nicht weg, wir bleiben zu Hause. Und ich setze mich an den Computer. Jeden Tag, so habe ich mir vorgenommen, schreibe ich acht Stunden konzentriert.

Keinen Roman (na ja, vielleicht den Anfang eines Romans), sondern Kurzgeschichten und Artikel und anderes Zeugs. Freie Kreativität also.

Schauen wir mal, was dabei herauskommt. So ein Blog wie dieses kann ja auch zur eigenen Disziplinierung dienen ...

16 Februar 2006

Ich mach' mal Werbung ...

Ein kleiner Verlag, den ich wirklich schätze, ist die Edition Phantasia, die im reizenden Ort Bellheim in der südlichen Pfalz residiert. (Dort habe ich in den 90er Jahren übrigens eine Reihe eher obskurer amerikanischer Hardcore-Bands wie Unwound oder Merel gesehen, wie mir eben einfällt.)

Die Herren Körber und Kohnle bringen in ihrem Verlag eine Reihe hervorragender Paperbacks aus den Bereichen Science Fiction, Horror und Fantasy heraus, eher literarisch orientiert und definitiv kein Schund. Asimov, Ballard, Bradbury, Mamatas, LeGuin, Barker und so weiter ...

Der vom Verlag herausgegebene Phantasia Almanach ist zudem ein Beispiel für gute Kommunikation zu den Lesern: Die Nummer vier, bereits im November 2005 erschienen, hat den britischen Schriftsteller James Graham Ballard als Schwerpunkt. Zu seinem 75. Geburtstag gibt es grundlegende Artikel von ihm selbst sowie einige kurze Beiträge deutscher SF-Herausgeber über ihn – sehr schön! Darüber hinaus ist der Autor Nick Mamatas ein Thema des 32 Seiten umfassenden A5-Heftes.

Soweit ich es kapiert habe, ist es nur für Kunden der Edition Phantasia erhältlich – aber das Programm des kleinen (und extrem feinen) Verlages ist ohnehin wert, daß man es genauer betrachtet. Tut das mal!

14 Februar 2006

Lebensretter Al

Es ist ein Punkrock-Naturgesetz: Wer sich in einem vollbesetzten Konzertraum vorne am Bühnenrand aufhält und dort – trotz hohen Alters – fleißig hüpft, kommt irgendwann fürchterlich ins Schwitzen.

So ging es mir am Sonntag abend, 12. Februar 2006, als ich im Keller der »Au« (seit 23 Jahren besetztes Haus) in Frankfurt eine meiner Helden-Bands anschaute: The Avengers aus Kalifornien, nach unzähligen Jahren endlich mal auf Tour in Deutschland, wieder zusammen, nachdem Penelope Houston, die Sängerin, gut zwei Dutzend Jahre praktisch nix mehr von Punk hören wollte.

Das Konzert war klasse, ich amüsierte mich königlich, und ich schwitzte. Mir war klar, daß ich – verließ ich den Pogo-Mob – hinterher vom Tresen nicht mehr zum Bühnenrand kommen konnte. Da war guter Rat teuer.

In diesem Augenblick stolperte Al quasi über mich. Bewaffnet mit einem breiten Grinsen und einigen Bierflaschen, hatte er sich von seiner Theke, an der er an diesem Abend zeitweise Dienst hatte, zur Bühne durchgekämpft. Neben einigen anderen versorgte er auch mich mit frischem, kühlem Bier.

Und rettete mich damit vor einem Tod durch Austrocknen. Großartig!

13 Februar 2006

Film-Tip: »München«

Ich erinnere mich noch einigermaßen an den Schock, den damals das Attentat der palästinensischen Terroristen auf die israelischen Sportler auslöste. Das waren die 70er Jahre, und wir wuchsen als Kinder und Jugendliche in einer Atmosphäre auf, die von Terror-Angst geprägt war.

Diese Zeit greift der neue Spielberg-Film auf. Wir haben uns am Freitag abend »München« angesehen, der Film, der das Attentat zeigt, aber auch die unerbittliche Jagd eines israelischen Spezialkommandos auf die mutmaßlichen Drahtzieher des Massakkers.

Drei Stunden zeitweise atemloser Spannung, manchmal quälender Dialoge. Die Israelis, die sich auf die Spur der Killer setzen und selbst zu Killern werden, verändern sich – sie sind nicht mehr dieselben wie am Anfang. Paranoide Menschen, die von Alpträumen geplagt werden und wissen, daß dieser schmutzige Krieg weitergeht.

Und wenn in der letzten Einstellung des Filmes die zwei Türme des World Trade Centers zu sehen sind, das 1976 noch neu und frisch war, dann ist auch klar, dass der Regisseur hier einen Bogen spannt vom Terror der 70er Jahre zum Terror von heute. Und das er auch klar macht, daß es keine klaren Schuldigen und Unschuldigen mehr gibt.

Keine leichte Unterhaltung. Aber ein Film, der bei meiner Lebensgefährtin und mir noch lange nachwirkte.

10 Februar 2006

Lobgehudelt!


Mein Buch »Vielen Dank Peter Pank« ist ja seit Dezember in einer wunderschönen Neuauflage auf dem Markt. Das freut mich, wenngleich es bislang nur wenige Reaktionen gibt. Wird Zeit, daß ich wieder Lesungen mache. Da komme ich rum, und das macht mir Spaß.

Aber immerhin hat das OX jetzt mein Buch besprochen. »Cheffe« Joachim Hiller persönlich! Fairerweise muß ich schon sagen, daß ich ja fürs OX schreibe; okay, auch Joachim macht daraus keinen Hehl. Insofern tun wir nichts geheimnisvolles.

Trotzdem hab ich mich über die Besprechung sehr gefreut. Solche Lobhudeleien nagele ich mir normalerweise übers Bett. In diesem Fall tackere ich sie eben in meinen Blog. Auch gut!

Der Fandom Observer wird 200!


Ich erinnere mich noch gut, wie es mit dem FANDOM OBSERVER los ging. 1988 oder 1989 auf dem FreuCon, der damals im Jugendzentrum »Murgtäler Hof« in Freudenstadt veranstaltet wurde. Zwei Aktivisten namens Martin Kempf und Markus Sämisch bepflasterten alle Räume im JuZ – inklusive aller Toiletten – mit Werbezetteln für ihr neues Fanzine.

Dieser Tage erschien die Ausgabe 200. Jeden Monat ein Heft, und das 200 Ausgaben lang. Ein unglaubliches Jubiläum, ich bin echt beeindruckt.

Diesmal gab es sogar noch ein FO-Extra, das nicht nur auf die letzten hundert Ausgaben zurückblickt, sondern auch die aktuelle Redaktion mit Bild und Text vorstellt. Das fand ich klasse, weil es einen sehr guten Einblick verschaffte und sich zudem auch sehr gut las.

Mittlerweile wird jede aktuelle Ausgabe des FO gut tausend mal aus dem Netz heruntergeladen, während sich die gedruckte Auflage bei unter hundert Exemplaren bewegen dürfte (ich habe natürlich ein Post-Abo). Das ist respektabel und verdient allergrößtes Lob.

Auf die nächsten 200 Hefte!

09 Februar 2006

Sehnsucht nach Dreck

Unter die Blogger gegangen ist seit einiger Zeit der in Berlin lebende Fanzine-Kollege Andreas Kuttner. Sein Fanzine »Stuttgarter Scheißhaus-Journal«, das auch als »im Kreuzberger Exil« untertitelt ist, lese ich immer wieder gern – und jetzt bringt er seine Eindrücke von Punk-Konzerten, Eishockeyspielen und anderem Kram im eigenen Blog.

Es trägt den schönen Namen »Sehnsucht nach Dreck«, was ich schon ziemlich cool finde. Ebenso gut ist Andis Pseudonym: Als »Kongo-Otto« schreibt er dann eben auch über andere Andreas Kuttners auf dieser Welt.

Am besten finde ich sein Blog allerdings, wenn er kurz und lakonisch irgendwelche Zitate aufgreift und sie der lesenden Masse vor die Füße wirft. Das ist eher selten, und die Zusammenstellung der Aussagen – mal private Bekannte, mal Punkrock-Musiker – finde ich sehr amüsant.

Bingo!

08 Februar 2006

Peterles Abenteuer


Die aktuelle OX-Ausgabe flatterte dieser Tage ins Haus: Ausgabe 64 mit schrägem Cover und 140 vollgestopften Seiten, die ich noch nicht gelesen habe.

Mit enthalten ist zum sage und schreiben fünfunddreißigsten Mal mein Fortsetzungsroman »Tanz die Brücke – Peter Pank in Avignon«. Dieser erscheint ja zur Leipziger Buchmesse unter dem Titel »Chaos en France« als komplettes Buch im Archiv der Jugendkulturen.

Im OX 64 jetzt die letzte Folge. In der unredigierten Version oder eben in der halbwegs redigierten Version. Kann ja mal lustig sein, diese Folge mit den letzten Seiten im Buch zu vergleichen ...

Ich habe übrigens gleich die Fortsetzung angekündigt: Die weiteren Abenteuer von Peter Pank im OX laufen unter dem Arbeitstitel »Peter Pank – und Hardcore!«. Damit ist allerdings die Musik gemeint, sonst nichts ...

Punk aus Österreich

Im Querfunk gab's am Sonntag abend, 5. Februar, mal wieder ordentlich was auf die Ohren. In meiner Radiosendung ENPUNKT-Radio spielte ich Punk und Hardcore aus Österreich. Eine respektable Mischung.

Vom Label Burnside Records gab es die Bands Permanent Style, Sense of Justice und Bombsquad, alles sehr krachender, durchaus metallischer Hardcore. Knallt gut, derzeit auch in meinem Autoradio ...

Leo Lukas, der österreichische Kabarettist und PERRY RHODAN-Autor, wurde mit dem Stück »Zehnmal besser« gespielt. Definitiv kein Punk, aber eine echte Hymne für Leute, die Sozialarbeiter nicht leiden können.

Dazu Bands wie Skeptic Eleptic, Smelly Anchors oder Die Böslinge – ruppiger Punk aus Wien und St. Pölten also. Ich war selbst ganz begeistert.

29 Januar 2006

Langsamfahrer!

Autobahnauffahrt Rastatt - ich will nur heim. Es ist schon dunkel, und ich würde gerne vor 20 Uhr zu Hause sein. Ich beschleunige flott, biege in die Kurve ein, will weiter beschleunigen ...

... und vor mir schleicht ein Idiot mit dickem Daimler, wird in der Beschleunigungsphase auch noch langsamer ...

Fast wäre ich reingerauscht, aber ich bremse ab. Mit Tempo 70 schleiche ich hinter dem dicken Daimler her, auf den Beschleunigungsstreifen. Im Rückspiegel sehe ich, daß auf der rechten Autobahnspur ein LKW herandonnert.

Freundlicherweise weicht der Lastwagenfahrer auf die mittlere Spur aus. Mein Vor-Fahrer und ich können auf die rechte Spur - und er wird langsamer. Mit Tempo 65 schleichen wir über die rechte Spur der Autobahn, links kriecht der LKW auf der mittleren Spur mit Tempo 80 vorüber.

Hinter uns schert ein zweiter LKW aus, dann ein dritter. Drei LKWs, die uns mit Tempo 80 überholen - im Abstand von jeweils wenigen Metern. Im CD-Player im Auto läuft die neue D.O.A., ich drehe lauter, damit zumindest die Musik schnell ist. Ich wünsche mir eine Kanone ...

Als der vierte LKW ausschert und auf die mittlere Spur wechselt, drängle ich mich rüber. Ich ignoriere das aufflammende Fernlicht von hinten und mache D.O.A. einfach noch lauter.

Langsamfahrer sind die Pest!

Blutwurst und Schwitzebad

Unter dem Motto »Goldkettchen-Seuche '06« luden drei Bands aus der Region ins »Crazy Kong« in Karlsruhe. Nach dem Konzert in der »Stadtmitte« war das in der Samstag nacht der nächste Haltepunkt für Lars und mich.

Das »Kong« ist nicht viel größer als zwei Wohnzimmer zusammen, ein unbeheizter Raum in einer Bretterbude, angesichts der Minusgrade kein guter Konzertort. Aber es war rammelvoll, so daß niemand umfallen konnte und die Temperaturen sehr schnell kletterten.

Blutwurst spielte, Sänger Bär mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte, eine Frau am Schlagzeug, und die Saitenfraktion in szenischen T-Shirts: Descendents, Conflict und Jingo de Lunch (erstaunlich farbecht, wird wohl nur zu besonderen Gelegenheiten angezogen).

Großartige Ansagen: »Wir heißen zwar Blutwurst, sind aber Veganer fünften Grades. Wir essen nix, was einen Schatten wirft.« Großartige Show: Gegen Ende zerbiss Bär eine mit Blut gefüllte Wurst, Blut spritzte in die erste Reihe (ich weiß, warum ich eine Lederjacke auf Punk-Konzerte anziehe), und er verschmierte die Soße übers Gesicht und den nackten Oberkörper.

Sehr gelungener Abend!

Heroisches Gerocke

Halbleer sieht der Konzertraum in der »Stadtmitte« in Karlsruhe gleich nicht mehr so cool aus. Das merkte ich, als ich am Samstag abend, 29. Januar, mit Lars dort eintrudelte. Das Uni-Fest und das Konzert im »Crazy Kong« zogen wohl viel Publikum ab.

Zudem kannten wir niemand. »Ich komm mir vor wie in einer fremden Stadt«, maulte Lars – und hatte nicht unrecht. Außer dem Veranstalter Sascha und der Heroines-Sängerin kannten wir niemanden.

Vorgruppe waren The Great Below aus Karlsruhe, für meine Begriffe langweiliger Emorock mit Sängerin. Das tat nicht weh, brachte mich aber nicht mal zum Kopfwackeln.

Die Heroines hatten's danach schwer, mit ihrer Mischung aus Rock'n'Roll und Punkrock gegen die Trägheit des Publikums anzukämpfen. Sängerin Yvonne (das Pseudonym hab' ich vergessen) rotzte und rockte, die Band gab mehr oder weniger lustige Kommentare dazu, der Mixer vermischte alles zu einem Soundbrei.

Appelle, man möge doch bitte weiter nach vorne kommen, fruchteten weder bei mir noch bei den anderen. So gab es einen wunderbaren großen Halbkreis, in dem gelegentlich ein einsamer Pogo-Tänzer seine Kreise zog. Und dann gingen wir irgendwann.

28 Januar 2006

Hohe Deppenquote

Die neunziger Jahre sind lange vorüber. Das hielt die Karlsruher Hardcore-Band Pillbox nicht davon ab, ihr Abschiedskonzert am Freitag, 27. Januar 2006, im Karlsruher Club »Stadtmitte« zu absolvieren. Dabei gab es die Band »nur« von 1993 bis 1998. Schon seltsam ...

Egal. Das Konzert war klasse, die Band – vorneweg Frontmann Edde – rotzte auf der Bühnen ihren metallischen Hardcore runter, und im Publikum war ordentlich Bewegung.
Großartig allerdings die Deppenquote bei den Anwesenden. Ich wußte manchmal nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.

Mir ist ohnehin unklar, warum heute junge Männer ausgerechnet solche Hosen tragen müssen, die den halben Hintern zeigte. Der eine gefiel mir am besten: Da sah man echt den Ansatz der Arschritze. Sehr erotisch.

Noch besser aber war der andere Trottel, der immer Stagediven wollte, den aber keiner auffangen mochte, allem aufgeregten Winken zum Trotz. Als er dann endlich doch durfte – weil Pillbox-Sänger Edde das Publikum nötigte –, hing ihm der halbe Arsch aus der Hose. Sehr beeindruckend.

Es gab also viel zu lachen, die Musik dröhnte und krachte, das Bier schmeckte leidlich, und wir – meine Freundin, Ulf und ich – hatten verdammt viel Spaß. Sehr schön!

26 Januar 2006

50 Jahre BRAVO


Machen wir uns nichts vor: Jeder von uns hat irgendwann mal die BRAVO gelesen, die wohl wichtigste Jugendzeitschrift im deutschsprachigen Raum.

Ich auch. Am liebsten natürlich die Beiträge von Dr. Sommer, der mehr zu meiner Sexualaufklärung mehr beitrug als meine Eltern ...

Jetzt gibt es das wunderbare Buch über die fünfzigjährige Geschichte der Zeitschrift, die in diesem August tatsächlich ein großes Jubiläum feiern kann. Erschienen im Archiv der Jugendkulturen, wo man es übrigens auch kaufen kann. Beiträge über die Geschichte des Magazins gehören ebenso dazu wie Artikel über die Beatles, über Techno und Winnetou, zu Drogen und der DDR.

Und zu Punkrock. Und da – ha! – bin auch ich erwähnt. Andreas Kuttner stellte diversen Menschen Fragen zu ihrer Jugend, zur BRAVO und zu Punk, ich gehörte dazu und antwortete.

Und jetzt finden sich diese Fragen und Antworten in einem derart feudalen Buch wieder, daß ich richtig stolz darauf sein kann. Sehr schön!

25 Januar 2006

Nazi-Hochburg Karlsruhe

Ganz klammheimlich scheint sich meine Heimatstadt in eine Nazi-Hochburg zu verwandeln. Schon seit längerem gibt es die Karlsruher Kameradschaft, die immer mal wieder auf sich aufmerksam macht. Aufmärsche gab es bereits (der letzte war für den 3. Dezember 2005 angekündigt, scheiterte aber bereits in Rastatt), und allerlei Neonazi-Aufkleber verunzieren die Laternenpfähle und Plakatwände.

Für den Samstag, 28. Januar 2006, ist schon wieder ein Aufmarsch der sogenannten Freien Kameradschaften in der Stadt angekündigt. Derzeit gibt es ein Verbot, aber man kann damit rechnen, daß die Nazis dagegen klagen und es vielleicht doch zum Aufmarsch kommt.

Als ob das nicht genug sei, fand am letzten Samstag ein Nazi-Treffen im Rheinhafen statt. Ausgerechnet da, wo ich im Sommer x-mal mit dem Rad vorbeidüse.

Die Homepage ka-news berichtet darüber lakonisch: »Mit mehreren Hundertschaften löste die Polizei am Samstagabend im Karlsruher Rheinhafen ein Skinheadkonzert mit knapp 400 Besuchern aus dem rechtsextremen Spektrum auf.«

Die Nazi-Glatzen hatten sich im Elsaß konspirativ getroffen, fuhren dann im Auto-Konvoi nach Karlsruhe. Wie es hieß, waren richtig viele Polizisten im Einsatz, um die Sache aufzulösen. Nach Augenzeugenberichten war »die ganze Straße grün«.

Seltsam, aber so steht es geschrieben ...

23 Januar 2006

Ende eines Seminars

Der Sonntag, 22. Januar, war gewissermaßen der ruhige Abschlußtag des Seminars. Morgens besprachen wir mit den Autorinnen und Autoren noch ihre Exposés, diskutierten über Handlungsentwürfe und Romanideen, bevor Andreas Eschbach und ich noch einen Arbeitsblock einschoben, der in etwa »wie arbeiten eigentlich Verlage?« hätte heißen können.

Danach das gemeinsame Mittagessen und die Rückfahrt mit der Bahn. Ich schlief, ich las ein bißchen, und ich bewunderte das Chaos, das manche Menschen mit ihren Rucksäcken und Koffern anrichten können.

In Karlsruhe wurden Andreas und ich von meiner Freundin vom Bahnhof abgeholt. Im »Weißen Stern« nahmen wir ein köstliches Abendessen mit leckerem Wein zu uns, bevor wir bei uns in der Wohnung zusammensaßen. Bücher wurden geblättert, lustige Geschichten erzählt.

Kurz nach Mitternacht schnappte Andreas Eschbach dann seinen Zug zurück nach Frankreich. Das Seminar-Wochenende – spannnd, unterhaltsam, lustig und informativ – war jetzt endgültig vorüber.

21 Januar 2006

Der zweite Tag ist vorüber

Kurz nach elf Uhr nachts streichen wir die Segel. Ich habe zwar das Gefühl, daß Andreas Eschbach und ich noch fit sind, bemerke aber zusehends, wie einige Teilnehmer sich gelegentlich geistig aus dem Seminar verabschieden.

Frischluft-Zufuhr mit Hilfe offener Fenster half nur kurzfristig. Ein Bierlein zwischendurch erhellte zumindest mein Hirn.

Wir hatten auch ein durchaus anspruchsvolles Programm. Nach dem Mittagessen schrieben die Autorinnen und Autoren einige Seiten neu oder aber sie bearbeiteten ihre Szenen grundsätzlich. Und nach dem Abendessen inklusive sehr kurzer Pause wurde gleich darüber geredet, wie denn eine solche Arbeit sei.

In den letzten eineinhalb Stunden ging es um Exposés, um grundsätzliche Gedanken zum Schreiben eines Romans und anderes Zeugs. Klingt fürchterlich ernsthaft, arg schlimm anstrengend, aber alles in allem lachten wir auch oft genug.

Und ich lernte ebenfalls. Im Kopf entstand quasi die Struktur für einen dritten Roman mit Peter Meißner alias Peter Pank als Hauptperson, die ab diesem Frühjahr 2006 als Fortsetzungsgeschichte im OX erscheinen soll.

Aber jetzt gehe ich erst mal zum Bier ...

Szenen bearbeiten

Der zweite Tag des Seminars: Heute werden nicht nur die Autoren gequält, sondern auch die Computer und Kopierer.

Den Morgen über besprachen wir noch die Texte, zu denen wir am Vortag nicht gekommen waren. Stimmt die Szene? Paßt das Dekor? Sind die Personen sauber eingeführt? Versteht der Leser überhaupt, was der Autor sagen will?

Nach der Mittagspause, die wir unfairerweise gleich mal verkürzt haben (die Leute sind ja zum Arbeiten hier), gingen Andreas Eschbach und ich mit den Autorinnen und Autoren ins Schloß Wolfenbüttel. Dort gibt es andere Seminarräume, vor allem aber auch einen Multimedia-Raum mit verschiedenen Computern.

Anhand der diskutierten Punkte sollten die Autorinnen und Autoren ihre Texte bearbeiten. Hinterher mussten sie ausgedruckt und an die anderen verteilt werden. Die Pause (jetzt also!) sollen gefälligst alle nutzen, um die verschiedenen Texte zu lesen.

Ein erster Blick gibt Andreas' Bemühungen recht: Das kritische Feedback führte bei den meisten dazu, den Text grundlegend zu bearbeiten und dabei auch zu verbessern. Sehr schön!

20 Januar 2006

Szenen und Entwürfe

Das Seminar läuft. Genauer gesagt: Um 23.20 Uhr haben wir heute abend abgebrochen, weil einige Teilnehmer jetzt doch Ermüdungserscheinungen zeigen.

Es begann mit einem sehr informativen Einleitungsvortrag von Andreas Eschbach, in dem er erläuterte, wie sich ein Roman aus Szenen zusammensetzt und was die charakteristischen Eigenschaften einer jeder Szene sind: Es findet eine Veränderung statt, und Raum sowie Zeit sind klar definiert.

Das war jetzt sehr kurz dargestellt, vielleicht ist es trotzdem verständlich.

Danach besprachen wir die Texte der Teilnehmer, wobei wir vor allem die einzelnen Autorinnen und Autoren über die Texte diskutieren ließen. Wie immer, so ist es auch diesmal für mich faszinierend, welche verschiedenen Meinungen es zu den Texten gibt.

Im übrigen haben wir eine bunte Mischung hier: Journalisten, Drehbuchautorinnen, Rollenspiel-Autoren, Fan-Schriftsteller, ein Heftromanautor und so weiter.

Aber jetzt gehe ich zu den anderen. Die sitzen schon bei Bier und Wein zusammen ...

Mal wieder Wolfenbüttel

Freitag, kurz vor Beginn des Seminars: Ich bin seit gestern abend bereits in Wolfenbüttel. Ab heute geht hier in der netten alten Stadt das Science-Fiction-Autorenseminar los, das der Schriftsteller Andreas Eschbach und ich betreuen. Ort ist wie immer die Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel.

Gestern abend gemütliches Beisammensein in einer Kneipe, dummerweise bis zwei Uhr. Heute morgen gemeinsames Frühstück in einem echten Oma-Café.

Später dann interne Diskussion über Seminarziele, Ablauf, Aufgabenstellung und generell die Schriftstellerei; Ort war das Büro von Dr. Olaf Kutzmutz, dem Seminarleiter (die offiziellen Bezeichnungen in einer solchen Akademie sind mir leider nie geläufig).

Vor allem ging es darum, Einzelheiten für das Buch "Sie hatten 44 Stunden" festzulegen, das in diesem Jahr endlich mal erscheinen soll. Ein SF-Roman, geschrieben von 15 Autorinnen und Autoren - letzten Januar in Wolfenbüttel. Da bin ich schon mal extrem darauf gespannt!

18 Januar 2006

Winterfreuden


Das Wetter paßt dem durchschnittlichen Deutschen nie: Im Sommer schimpft man über die Hitze, im Winter über die Kälte. Ich persönlich hasse Regenwetter, vor allem feuchtes, wie es in den letzten zwei Tagen der Fall ist.

Davor war es klasse: eisig kalt und trocken. Weißgepuderte Sträucher und Bäume reckten sich in die klirrend-frische Luft; ich kam mir vor wie im Wintermärchenwald.

Und so ging es zur Teamtagung nach Umweg, über die ich an anderer Stelle geschrieben habe. Das Bild zeigt den PERRY RHODAN-Chefautor Robert Feldhoff und mich (frierend, mit Brille, links im Bild), wie wir meinen Dienstwagen vom Eis befreien. Nicht mal die Eis-, ähm Weinberge im Hintergrund machen da eine gute Figur.

Trotzdem ist Kälte besser als Pisswetter.

Der Ärgermacher

Es klang seltsam. »... möchte ich Sie im Namen der BohemiaFilmkunst sehr herzlich zu unserem Neujahresempfang einladen ...« Aber ich kannte zumindest zwei der drei Absender-Namen, also sagte ich zu.

Und landete am Dienstag abend, 17. Januar, mit meiner Freundin zusammen im Karlsruher Club »Stadtmitte«, der mir sehr gut gefällt (vorne schicke Kneipe, hinten cooler Veranstaltungsraum für Konzerte, Kabarett und – eben jetzt! – auch Film). Einige bekannte Gesichter waren da, Wasser und Sekt gab's umsonst, halbwegs trinkbares Bier (Hatz aus Rastatt) ebenfalls.

Nach einer Eröffnungsrede durch Michael Nagenborg, mir seit Jahren als »das Nagi« bekannt, kam auch schon der Film. »Der Ärgermacher« ist die Abschlußarbeit von Studenten an der Filmhochschule Ludwigsburg, wenn ich's richtig kapiert habe (hey, dort hielt ich sogar mal einen Vortrag!): ein schwarzweiß abgedrehter Streifen, der in Berlin spielt.

Und auch so reichlich »abgedreht« ist: Der Held, ein erfolgloser aber erfolgssüchtiger Schriftsteller namens Jochen Anthrazit, buddelt die Knochen von Franz Kafka, Hermann Hesse und Robert (oder so) Musil aus. Damit erpreßt er die Regierung: Er will einen Buchvertrag mit dem Fischerverlag, der das Buch in einer sechsstelligen Auflage auf den Markt bringen soll.

Anthrazit überfüllt ein Computergeschäft, nimmt eine tschechische Geisel (sehr hübsche Schauspielerin!), randaliert in der Volksbühne, nervt seine Eltern, stiehlt ein Auto und so weiter. Marcel Reich-Ranicki und Steffen Effenberg spielen indirekt auch mit – sehr schön.

Volles Programm; wir kicherten, lachten und staunten abwechselnd. Das war professionelles Kino, mit einigen Schwächen zwar, aber weitaus besser als die Grütze, die man sich allabendlich in der Glotze angucken kann.

Hinterher noch gemütliches Rumstehen, Biertrinken und Leutebelabern: So lasse ich mir das Programm für Dienstagabende gefallen.

17 Januar 2006

Salonpunker

Es gibt Beschimpfungen, die liebe ich einfach.

Mein Highlight in diesen Tagen - wenngleich der Text schon älter ist - kommt von dem Blog des Zeichners »Smiley«. Der Mann hat natürlich auch einen bürgerlichen Namen, aber der tut nichts zur Sache.

Er ist nämlich sehr mutig, indem er mich beschimpft. Ein »Salonpunker« sei ich, schreibt er in einem Artikel, der auf irgendwelche albernen Querelen innerhalb der Fan-Szene eingeht. »Pseudopunker Frick verkündet in mittelalterlicher großfürstlicher Tradition einen Bann gegen eine ihm unangenehme Publikation«, schreibt er über mich.

Noch besser ist aber die Beschimpfung als »Salonpunker«. Aber holla, das kannte ich noch gar nicht. »Pseudo-Punk«? Na klar! »Alter Sack«? Klaro. »Deppen-Punk« oder »Deutsch-Punker«? Kann ich gut mit leben.

»Salonpunker«. Großartig. Ich sollte ein neues Fanzine unter genau diesem Titel starten.

16 Januar 2006

Sunny ist tot

Man kann wirklich nicht behaupten, daß ich ihn gut gekannt hätte: Sunny war der Sänger der Hardcore-Band Skeezicks, die aus Nagold im Schwarzwald kam, rund 20 Kilometer von meinem Heimatdorf entfernt.

Auf der Bühne war Sunny der Hammer, die Skeezicks das Erlebnis schlechthin, das zwischen 1985 und 1991 zu mörderischem Slamdance hinriß. Stücke wie »We are Skeezicks« oder »Blast Away« waren Knaller; die Konzerte der Band brachten mich zu wahren Hüpf-Orgien. Das letzte Konzert gab die Band in Wertheim am Main, und danach waren die Skeezicks Geschichte.

Sunny sah ich gelegentlich, wir unterhielten uns nie großartig. Ich nahm ihn als stets freundlichen und gut gelaunten Riesenkerl wahr.

Am 28. Dezember 2005 ist er an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Er wurde nur 38 Jahre alt. Es gibt im Netz ein Kondolenzbuch.

Hart.

11 Januar 2006

Der große Affe

Ich kenne keine einzige der »alten« Verfilmungen, also war »King Kong« für mich neu. Die Story kannte ich natürlich, und Peter Jackson empfahl sich durch geniale Filme wie »Bad Taste« sowie die »Herr der Ringe«-Trilogie als durchaus brauchbarer Regisseur.

Um es kurz zu machen: Ich habe mich eigentlich sehr gut amüsiert.
Der Anfang war klasse, die Darstellung von New York durchgehend überzeugend, die Eingeborenen und die düstere Insel absolut beängstigend und faszinierend. Als gelungen empfand ich die Einführung der Haupt- und Nebenfiguren.

Dann aber das stundenlange Dinosaurier-Gerangel auf der Insel: zwar gut gemacht, aber auf die Dauer echt nervig. Umso cooler danach die King-Kong-Show auf dem Broadway, fliegende Blondinen inklusive.

Wunderschön die Liebes-Szene auf dem zugefrorenen See im Central Park, eindrucksvoll der Endkampf auf dem Empire State Building. (Nein, ich denke bei solchen Filmen weder darüber nach, wie die hübsche Blondine stundenlang barfuß durch den Dschungel rennen kann noch wie sie es schafft, im eisigen Winterwind in Stöckelschuhen und im Ballkleidchen auf die Spitze des Wolken-kratzers zu klettern.)

Ein Film mit Längen, natürlich. Aber toll gemacht war er.

10 Januar 2006

Die erste Sendung im Neuen Jahr

Schon ein seltsames Gefühl, nach bald zwei Monaten wieder im Studio des Querfunk zu sitzen, im freien Radio von Karlsruhe also. Dort mache ich seit 1995 die Sendung ENPUNKT-Radio.

Ein Schelm, wer sich über den Titel wundert.

Die ersten neun Jahre kam die Sendung jede Woche von mir. Jeden Sonntag abend von 22 bis 23 Uhr.

Seit 2004 bin ich nur noch alle vier Wochen dran, weil eine Gruppe jüngerer Leute mich erfreulicherweise unterstützt und auch ersetzt. Wenn ich im Urlaub bin oder auf Dienstreise, fällt meine Sendung aus.

Deshalb erst wieder am 1. Januar 2006 die erste Sendung im Neuen Jahr - ich hatte eben die Unterlagen noch mal in der Hand. Ich spielte Punk aus Kanada. Neue Bands wie die GENERATORZ oder die WEDNESDAY NIGHT HEROES, alte Helden wie D.O.A., dazu Blues-Punk von DANKO JONES, der eher kommerziell verwurschdelt wird.

Sieht man von den vielen technischen Fehlern ab, die ich nach zweimonatiger Pause einbastelte, war's wieder eine Radiosendung, die mir Spaß machte.

Auf die nächsten elf Sendungen in diesem Jahr!

08 Januar 2006

Es ist vollbracht!

Geschafft! »Chaos en France« ist im Verlag. Am Dreikönigstag, also am 6. Januar 2006, mailte ich das Manuskript an Klaus Farin vom Archiv der Jugendkulturen.

Eigentlich war es schon am 7. Januar, morgens um zwei Uhr oder so. Danach war ich auch gut erschlagen.

Was jetzt noch fehlt, ist das Einarbeiten der Farinschen Korrekturen, auf die ich mit Bangen warte, und das Schreiben eines musikalischen Nachwortes.

Die Leser des Buches sollen schließlich einen musikalischen Leitfaden bekommen, damit sie wissen, was sie bei der Lektüre von »Chaos en France« hören dürfen. Neuere französische Punk-Bands sind ebenso dabei wie die Klassiker, etwa WUNDERBACH oder THE BRIGADES.

Seit Tagen höre ich deshalb Franzosen-Punk. Coole Scheiße.

05 Januar 2006

Dieter Sachse ist tot

Mit großer Bestürzung las ich, daß Dieter Sachse am 21. November 2005 gestorben ist. Als Todesursache wird »plötzliches Herzversagen« angegeben.

Ich kannte Dieter nicht besonders gut – dafür aber lang. Vor über zwanzig Jahren lernten wir uns bei einem Science-Fiction-Con kennen: Er war damals schon einer der »Alten« in der Fan-Szene, ich einer von den Jungen, die glaubten, die Welt aus den Angeln heben zu können.

Mir gefiel in all den Jahren stets sein Humor, und ich freute mich immer, wenn ich ihn sah und einige Worte mit ihm redete. Gern »schweinigelte« er ein bißchen, aber immer auf höfliche Art, eher Gentleman-like. Und wenn er in den 80er Jahren auf Science-Fiction-Cons unter dem Tisch seine Kiste mit den Pornos hatte, die er mehr oder weniger heimlich an andere Fans verkaufte, hatte er stets ein fröhlich-schalkhaftes Grinsen im Gesicht.

Mir ist sein Vortrag in Erinnerung, den er einmal in Saarbrücken hielt. Ohne eine Miene zu verziehen, berichtete er über »Science Fiction-Pornos«, sprich Filme, in denen Porno-Szenen mit irgendwelchen SF- und Fantasy-Gags vermixt wurden. Sehr lustig, sehr interessant.

Das war Dieter Sachse. Zuletzt sah ich ihn auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2005, etwa vier Wochen vor seinem Tod. Wie so oft in den letzten Jahren, so kam er in diesem Jahr mit dem Heidelberger Uni-Prof Gerd Zech vorbei, auch ein »alter« SF-Fan. Weil ich Termine hatte, sprachen wir diesmal nicht viel: Wir gaben uns die Hand, sagten »Guten Tag«, und ich hetzte weiter.

Jetzt ist er tot. Verdammt.

Dieter Sachse war ein feiner Kerl!

Der Wiener Alt-Fan Alfred Vejchar hat einen Nachruf veröffentlicht, in den er auch Fotos integriert hat. So bleibt von Dieter zumindest eine Erinnerung.

02 Januar 2006

300 Gramm mehr

Auf dem Weg zur Arbeit höre ich gelegentlich Radio. Wegen des Verkehrsberichtes und wegen der Nachrichten. Und manchmal vergesse ich, hinterher wieder auf CD zu schalten, und lasse mich weiter zududeln.

Heute morgen hörte ich einen wichtigen Satz: Über die Feiertage, so hieß es, hätten die Deutschen im Durchschnitt 300 Gramm zugenommen.

Ein Beweis dafür, wie einen die Medien anlügen.

Nach Strich und Faden.

Unglaublich!

Denn ich bin der Beweis. Wenn ich mir meine Wampe so anschaue, sind es mehr als 300 Gramm.

Leckeres Essen an Weihnachten, großartiges Essen an Silvester. Dazwischen Weihnachtsgebäck, Neujahrsbrezeln, Schokoladen-Nikoläuse, Glücksschweinchen aus Marzipan, Pralinen.

Geplatzt bin ich nicht. Aber aufgegangen, glaube ich zumindest.

Und mehr als 300 Gramm sind es locker ...