Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
03 September 2026
Stille am Gambia
Bei meiner Reise durch Senegal und Gambia kam ich auch in den Nationalpark Niokolo-Koba im hintersten Winkel des Landes. Der Park liegt so weit von der Atlantik-Küste entfernt, dass er schon fast an Mali und Guinea stößt; eine sehr abgelegene Gegend also, in der es aber seltene Tiere und faszinierende Landschaften zu bestaunen gibt.
Unter anderem kam ich an eine sehr ruhige Stelle am Gambia. Der Fluss schlängelt sich erst eine Weile durch Senegal und dabei durch diesen Nationalpark, bevor er nach Gambia hineinfließt.
Ich war von der Lage und der Atmosphäre beeindruckt. Während ich am Ufer saß, hörte ich im Hintergrund eine große Gruppe von Affen zetern, während die Bäume im Wind rauschten und Vögel zwitscherten.
Im Flusswasser direkt vor mir waren Flusspferde, die ab und zu an die Oberfläche kamen und ihre riesigen Mäuler aufrissen. Einmal sprang ein Flusspferd sogar in die Höhe und landete mit einem riesigen »Platscher« wieder im Wasser.
Links ruhten auf einer Sandbank einige Krokodile. Die Echsen schienen in der Sonne zu dösen oder gar zu schlafen; es wirkte sehr friedlich. Und rechts bot sich der Blick in die Ferne: Wasser, Urwald und Himmel. Diesen Nachmittag am 15. November 1996 werde ich nie vergessen ...
02 September 2026
Knallig-blutiger Western-Comic
Das Kreativgespann aus Rogert Seiter und Chris Regnault ist mir durchaus bekannt: Die beiden haben in den vergangenen Jahren sowohl getrennt wie auch als Team eine Reihe von gelungenen Comics veröffentlicht. Mit »Leave Them Alone« liegt nun ein knalliger Western vor, den der Splitter-Verlag im kleinformatigen »Book«-Format veröffentlicht hat.
Die Story spielt im Jahr 1874 in Arizona. Eine Bande brutaler Mörder terrorisiert die Gegend. Postkutschen werden überfallen, es gibt Mord und Vergewaltigung. Eine kleine Poststation wird zum Schauplatz eines fiesen Kampfes, in dem sich unter anderem ein 18 Jahre altes Mädchen und seine Großmutter bewähren müssen ...
Das Szenario für den spannenden Comic stammt von Roger Seiter, und man kommt sich bei der Lektüre vor wie in einem klassischen Italo-Western. Die Figuren sind klar definiert, man kann Gut und Böse unterscheiden. Trotzdem gibt es »graue« Charaktere, zu denen eine Prostituierte und ein anfangs sehr schweigsamer Revolvermann gehören. Über die gesamte Länge der 160 Seiten hinweg ist die Geschichte spannend, auch deshalb, weil sie sich immer mehr zuspitzt und mit einer Reihe von Überraschungen aufwartet.
Chris Regnault verbindet die rasante Story mit einer bestechenden Grafik. Sie ist nicht hyperrealistisch; die Figuren erinnern manchmal eher an »Funnys«, ohne aber witzig zu sein. Landschaftsbilder überzeugen, Gesichter sind stark, Action wirkt heftig – Regnault hat einen modernen Stil, der nicht an die Western-Klassiker wie »Comanche« oder »Blueberry« erinnert, sondern eigene Wege einschlägt.
Starker top-aktueller Western-Comic! Checkt die Leseprobe!
01 September 2026
Literarischer Blick auf die 70er-Jahre
Die Geschichte beginnt im Hier und Jetzt: Eine Frau schreibt einen Brief an ihren Bruder, zu dem sie nur noch losen Kontakt hat. Dabei war er in ihrem Leben einmal wichtig, vor allem war er in den 70er-Jahren für eine gewisse Zeit ein kleiner Star. Er veröffentlichte Musik, und seine Schallplatten werden zur aktuellen Zeit im Oldie-Radio gespielt. Und während die Ich-Erzählerin schreibt und über ihr Leben nachdenkt, plaudert sie eben auch über das Jahr 1975 und über die Suche nach ihrem Bruder.
Die Geschichte innerhalb der Geschichte hat es in sich: Im November 1975 verlässt die vierzehn Jahre alte Schülerin ihr Elternhaus in Norddeutschland und begibt sich auf die weite Reise nach München. Dort ist ihr Bruder als Musikproduzent tätig, und sie muss ihn unbedingt treffen – ihrer Ansicht nach muss er zurück ins Elternhaus, um bei der Beerdigung der Mutter dabei zu sein.
Das Mädchen hat keinen Plan, schafft es aber trotzdem nach München. Dort stolpert die Vierzehnjährige durch die Nacht, trifft Leute aus der Szene, bei denen sie auch übernachten kann, lernt das Innere von Diskotheken und Tonstudios kennen und kommt so langsam ihrem Bruder näher. Am Ende trifft sie ihn endlich, doch die Begegnung verläuft nicht ganz so, wie sie es sich ausgemalt hat …
»Disko« ist ein gelungenes Werk, das nicht nur Leserinnen und Leser ansprechen sollte, die in den 70er-Jahren bereits alt genug waren, um die damalige Musik mitbekommen zu haben. Stilistisch zielt das Werk nicht unbedingt auf locker-leichte Lektüre ab: Es gibt praktisch keine Dialoge, viel wird in indirekter Sprache vermittelt.
Dadurch ergibt sich ein distanzierter Blick auf die jugendliche Hauptfigur und ihre Erlebnisse, was anfangs verwirren kann – ich war das so schlichtweg nicht gewohnt –, dann aber sehr fasziniert. Das Geschehen liest sich oft amüsant, wenngleich der Roman nie einen schenkelklopfenden Humor vermittelt.
Das München, das Till Raether präsentiert, ist voll von interessanten Charakteren, die aus der manchmal naiven Sicht eines Mädchens geschildert werden. Man bekommt bei der Lektüre einen lesenswerten Einblick in die Diskotheken-Szene der 70er-Jahre, die vielleicht wirklich so war, die man sich aber so auf jeden Fall gut vorstellen kann. Wer möchte, kann sich auf der Internet-Seite des Verlags mit einer Leseprobe einen Eindruck verschaffen.
Erschienen ist »Disko« als Hardcover-Band mit Schutzumschlag (das Taschenbuch kommt in diesem Herbst) bei btb; er ist 240 Seiten stark und kostet 24,00 Euro. Mithilfe der 978-3-442-75926-2 kann man ihn überall im Buchhandel bestellen. Das E-Book gibt’s für 18,99 Euro.
(Die Rezension wurde auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht, bereits im Juni. Hier teile ich sie aus dokumentarischen Gründen.)
31 August 2026
The Return of the Schnauzer
Zuerst fiel es mir in Schweden ganz deutlich auf, mittlerweile auch immer mehr in Deutschland, vor allem in den Städten: Der Schnauzbart ist wieder da. Alle möglichen Männer tragen zwischen Nase und Oberlippe seltsame Haare spazieren, und ich starre immer hin, als hätte ich einen Verkehrsunfall vor mir.
Mein Großvater väterlicherseits, den ich nie kennengelernt hatte und der noch den Ersten Weltkrieg mitmachen musste, trug als Oberlippenbart einen Kaiser-Wilhelm-Bart, einen von der Sorte, den man hochzwirbeln konnte. Mein Großvater mütterlicherseits trug eine typische »Rotzbremse«, so zwei, maximal vier Zentimeter unterhalb der Nasenlöcher. Das war beides in längst vergangenen Jahrzehnten.
Und zu meinen eigenen Peinlichkeiten gehört, dass ich in den 80er-Jahren zeitweise einen Oberlippenbart habe. Schaue ich mir entsprechende Fotos an, schüttelt es mich vor Scham und Entsetzen. Ich finde, dass ich damit einfach peinlich aussah.
Aber vielleicht würde man diese Bilder heute für modisch und aktuell halten? Mein peinlicher Oberlippenbart, der 1986 – nach der Bundeswehr – im Nachhinein gruselig war, könnte heute ja schick sein.
Aber ich glaube, das lasse ich lieber und hoffe darauf, dass der Schnauzbart eine Modetorheit ist, die nicht lange vorhält. Soll oder muss ich das Thema in mein Abendgebet einschließen?
28 August 2026
Verrückte Könige
Ich habe gelegentlich darüber geschrieben, wie gern ich den Podcast »Machtwechsel« höre, bei dem ich versuche, keine einzige Folge zu verpassen. Das liegt nicht daran, dass die Journalistin und der Journalistin, die ihn betreiben, politisch auf meiner Wellenlänge schwimmen – das tun sie nicht immer … –, sondern daran, dass die beiden sehr informiert wirken und ich das Gefühl habe, viele Hintergründe zu erfahren.
Das ist bei vielen anderen Podcasts nicht der Fall: Wenn ich nur Gelaber hören will, stelle ich mich an eine Pommesbude oder gehe zu vorgerückter Stunde in meine Stammkneipe.
Nun aber gibt es eine echte Konkurrenz für »Machtwechsel«. Sie heißt »Mad Kings«, kommt direkt aus der Redaktion der Zeitschrift »Der Spiegel« und stellt sich eher ein bisschen linksliberal auf. Wo also »Machtwechsel« eher konservativ daherkommt und sich manchmal zurückhält, wird »Mad Kings« klar: Hier wird die AfD klar als »rechtsextrem« bezeichnet, während man bei »Machtwechsel« gern den Begriff »rechtspopulistisch« benutzt.
Britta Sandberg arbeitete lange Jahre als Auslandskorrespondentin; ihr Kollege Christoph Hickmann leitet das »Hauptstadtbüros« der Zeitschrift. Beide haben also durchaus Ahnung von Politik und ganz offensichtlich auch klare Meinungen. Das finde ich gut.
In der ersten Folge, die in dieser Woche veröffentlicht wurde und die ich mir anhörte, geht es vor allem um die AfD, ihre Kontakte zu Russland und zu Putins Machtapparat sowie die anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt. Ich fand das spannend und werde mir sicher auch die nächste Folge anhören. Und dann muss ich schauen, wie ich drei Polit-Podcast-Folgen pro Woche schaffen kann …
(Ach ja: »Mad Kings« gibt es überall da, wo man Podcasts hören kann.)
27 August 2026
Acht Tage in Stockholm
Dass Stockholm die Hauptstadt von Schweden ist, das wusste ich. Und ich hätte das einen oder andere Detail aus der schwedischen Geschichte sowie aus der jüngeren Vergangenheit erzählen können. Sonst hatte ich keine Ahnung von Stockholm. Beste Voraussetzungen also, dort einige Tage den Sommerurlaub zu verbringen …
Ich will an dieser Stelle nicht zu sehr in die Details einsteigen; das kann ich hoffentlich im Verlauf der kommenden Wochen und Monate in kurzen Texten nachholen. Stockholm hat mich positiv überrascht, nicht nur wegen des angenehmen Wetters, das sich so deutlich von der krachigen und zeitweise sehr schwülen Hitze in Karlsruhe unterschied.
Die Stadt ist zwar teilweise eng bebaut, hat aber gleichzeitig riesige Grünflächen und wegen der Insellage – Stockholm besteht aus 14 Inseln – an vielen Stellen richtige Strände und viel Wasser. Es ist also völlig normal, dass Leute in der Stadt baden oder mit dem Kajak zwischen den Stadtteilen unterwegs sind; auf den Straßen sieht man teilweise sehr viele Radfahrer.
Wer will, kann sich in der Stadt hervorragend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen. Die transportieren einen sogar zuverlässig zu diversen Inseln hinaus in die Ostsee oder zu den Binnenseen; man steigt mit der gleichen Fahrkarte in die Fähre um, die man ansonsten für die Bahn benutzt. Ansonsten kann man viel zu Fuß gehen, und gerade die Altstadt oder die Kneipenviertel lohnen sich, zu Fuß erkundet zu werden.
Es war ein sehr gelungener Urlaub. Ich dachte nicht an den Stress am Arbeitsplatz, sondern war auf das »Hier und Jetzt« konzentriert. Das fand ich sehr gut – Stockholm lohnt sich wirklich …
11 August 2026
Mal wieder ein Fest der Fantasie
Mein erstes Fest der Fantasie besuchte ich 1981, das ist also 45 Jahre her. Zuletzt war ich 2004 auf einem Fest; mir war also klar, dass sich seitdem viel verändert hat. Trotzdem reiste ich mit großer Vorfreude nach Bad Kissingen, wo in diesem Jahr das Fest im Heiligenhof – so heißt das Areal am Rand der Kurstadt – veranstaltet wurde.
Das Fest der Fantasie konzentrierte sich früher auf ein Wochenende; heute sind es zwei Wochenenden und die gesamte Woche dazwischen. Das heißt: Viele Programmpunkte laufen unter der Woche. Als ich ankam, war das meiste schon vorüber. Aber das war mir nicht so wichtig; ich reiste ja an, um alte Bekannte zu treffen.
Im Prinzip verbrachte ich das Wochenende damit, auf Stühlen oder Mauern oder sonstwo zu sitzen, etwas zu trinken und zu essen und mit Leuten zu plaudern. Das waren nicht nur Leute, die ich teilweise seit 1981 kannte, sondern ebenso jüngere Menschen – tatsächlich hat FOLLOW mittlerweile einen Stamm von jungen Leuten, die zwischen 15 und 35 Jahren alt sind. Das fand ich sehr erfrischend, und es wächst bereits eine noch neuere und jüngere Generation heran.
So verbrachte ich meine Zeit zwischen Fantasy-Literatur, Fantasy-Klamotten, einem Magiranischen Abend – man stelle sich Theaterstücke, Lesungen und Tänze in lockerer Reihenfolge vor – und einem Zeremonienabend, in dem sich die einzelnen Völker der Fantasy-Welt vorstellten. Im Rahmen dieses Abends wurde auch die Königin von Clanthon vorgestellt und gekrönt, was ich sehr gut fand.
Am Ende blieb ziemlich viel Begeisterung. Ich fühlte mich nicht wie damals, als ich mit 16 Jahren zum ersten Mal in Kontakt mit dieser Fantasy-Welt trat – das wäre auch absurd –, aber ich fühlte mich wie daheim. Und ich fand’s großartig, mit so vielen spinnerten Leuten ein Wochenende zu verbringen!
10 August 2026
Die Schlosslichtspiele kommen
Am Zirkel hielt ich an, weil ich sah, dass am Schloss die Fassade flackerte. Also lenkte ich mein Fahrrad in den Bereich des Schlossparks, der sich zwischen der Fassade des Schlosses und der eigentlichen Innenstadt erstreckt. Tatsächlich: Über die Fassade des Schlosses flimmerten Bilder, die von riesigen Projektoren erzeugt wurden. Angestrahlt wurden nur die rechte Seite und das Zentrum, der Rest würde wohl erst später kommen.
Man bereitete ganz offensichtlich die diesjährigen Schlosslichtspiele vor, auf die ich mich schon freue. Zum wiederholten Mal wird die Fassade »unseres« Schlosses zur Bühne für Video-Installationen, die ich immer wieder beeindruckend fand. Im Verlauf der Jahre gab es selten Installationen, die ich als schwach empfand; die meisten imponierten mir aber.
Das wird in diesem Sommer sicher wieder der Anlass für manche Fahrt mit dem Rad oder manchen Spaziergang sein, um sich vor dem Schloss eine der kostenlosen Shows anzugucken. (Das lohnt sich auch für Leute, die nicht in Karlsruhe wohnen!)
06 August 2026
Bibi und Tina und ihr Freizeitpark
Zu den Medien-Phänomenen, die ich nur am Rande mitbekomme, zählt unter anderem das Duo Bibi und Tina, das verwirrenderweise im offiziellen Markennamen als »Bibi & Tina« dargestellt wird, also mit einem kaufmännischen Zeichen. Wer hat sich denn das ausgedacht?
Aber gut: Seit 1991 gibt es die Hörspiele und das dazu entstandenen Medienimperium. Zahlreiche Kinder haben sich in den vergangenen Jahrzehnten von den beiden Figuren und ihren Pferden Amadeus und Sabrina begeistern lassen. Mittlerweile gibt es über 120 Hörspiele, dazu Bücher, Filme, Serien und allerlei Merchandise. Das finde ich schon sehr imponierend.
Dass es zu den beiden Figuren nun sogar einen Freizeitpark geben wird, verblüfft mich echt. Anfang Juli wurde Richtfest für den »Bibi & Tina Freizeitpark« gefeiert, der im kommenden Sommer eröffnet wird. In der Nähe von Berlin werden nun rund 60 Millionen Euro investiert, um Fahrgeschäfte, ein Familienhotel, allerlei Gastronomie-Kram sowie eine tägliche Show am Abend bieten zu können.
Ich bin mir nicht sicher, wie erfolgversprechend das Konzept ist. »Pferdemädchen« und ihre Familien sollten in diesem Park auf ihre Kosten kommen, da bin ich mir sicher. Ob und wie schnell sich die Erwartungen der Investoren erfüllen lassen, muss man einfach sehen – für die Marke ist das ein starker Erfolg.
05 August 2026
Zwischen Salon-Linken und Kaufhausregalen
Aber gut: Dreißig Jahre danach sind wir noch am Start. Mit einigen grauen Haaren mehr und dickeren Brillengläsern zwar, aber immerhin … Und ich freue mich nach wie vor, meine Texte beisteuern zu können.
Die Geschichte spielt im Juni 1996, was nun auch schon einige Zeit her ist. Der Ich-Erzähler stolpert durch ein Kaufhaus, in dem eine skurrile »Critical Mass«-Aktion stattfindet, die langsam außer Kontrolle zu geraten scheint. Zumindest glaubt das wohl die Polizei, die mittlerweile anrückt. Wie es weitergeht, das erzählt dann hoffentlich die nächste Folge …
04 August 2026
Weltraum-Abenteuer in drei Comic-Bänden
Zusammen mit dem französischen Autor Richard Marazano entwickelte er »Die Chroniken des Universums«, einen dreibändigen Comic, der in einer fernen Zukunft spielt. Die drei Bände wurden in den vergangenen Jahren im Splitter-Verlag veröffentlicht, der dritte Band kam im Frühjahr 2025 heraus – eine lohnenswerte Entdeckung für Science-Fiction-Fans.
Die Geschichte beginnt mit einem Raumflug, den eine Gruppe von Studierenden zusammen mit ihrem Dekan unternimmt. Dabei werden die jungen Leute von einer Art Zeitstrudel erfasst und in die Zukunft geschleudert, weit weg von der Erde und allen bekannten Systemen. Sie müssen versuchen, irgendwie den Rückweg durch Zeit und Raum zu finden, erkennen dann aber, dass sie nebenbei ein großes kosmisches Rätsel lösen müssen.
Dabei ist die Gruppe in sich ziemlich zerstritten. Die Studierenden haben andere Ansichten als der Dekan, der sich tatsächlich als ein Kopf in einer Glasvitrine entpuppt, oder ein kleinwüchsiger Humanoider, der sich anscheinend von den Gefühlen anderer Lebewesen »ernährt«. Weiß der Dekan mehr über die Zukunft, in der die jungen Leute gestrandet sind, und kann sich die Gruppe wirklich zusammenraufen, um gemeinsam überleben zu können?
Richard Marazano entwickelt seine Geschichte über die drei Bände hinweg, die eng zusammenhängen. Bei der Lektüre bekam ich allerdings das Gefühl nicht los, dass er – als er die Trilogie anfing – einen anderen Ausgang plante als der nun am Ende entstanden ist. Letztlich dürfte das aber gleichgültig sein, weil die Geschichte an sich ja spannend genug ist.
Der Autor widmet sich immer wieder dem Innenleben der Gruppe. Er zeigt die Spannungen zwischen den einzelnen Menschen und eine sich entwickelnde Liebesgeschichte. Er stellt aber auch die Begegnung mit Aliens dar und bringt die Geheimnisse des Kosmos – um die es letztlich geht – vor allem im zweiten und dritten Band stärker ein.
Bis ins Detail klärt er sie aber nicht auf und gibt auch keine Antworten auf die Fragen, die sich wohl manch eine Leserin oder ein Leser stellen wird. Da bleibt einiges an der eigenen Phantasie hängen, oder es gibt irgendwann doch eine Fortsetzung. Nachdem die Trilogie ihr Ende erreicht hat, könnte problemlos eine weitere Trilogie anschließen …
Ingo Römlings Illustrationen stellen die Figuren und ihr Umfeld gut dar. Sie sind eigenständig, man erkennt immer, wer welche Rolle einnimmt. Das Raumschiff wird technisch glaubhaft gezeigt, die Außerirdischen und die fremden Planeten stellt Römling ebenfalls gut dar. Damit illustriert er die mal actiongeladene, mal abgedrehte Geschichte stets wirkungsvoll.
»Die Chroniken des Universums« ist eine gelungene Comic-Trilogie. Wer Science Fiction mit Raumschiffen und Sense of Wonder mag, sollte sich die Leseprobe auf der Internet-Seite des Splitter-Verlags anschauen – danach kann man ja entscheiden, ob und wie es gefällt. Ich habe mich bei der Lektüre der drei Bände sehr gut unterhalten.
Die drei Bände wurden als Hardcover im Album-Format veröffentlicht; sie umfassen 56 Seiten und kosten 16,00 oder 17,00 Euro. Bestellen und kaufen kann man sie überall im Buch- und Comicfachhandel.
(Die Rezension wurde im Juni bereits auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier bringe ich sie aus dokumentarischen Gründen.)
03 August 2026
Wunderbares Aquarium
Und so war es sicher einer der Höhepunkte des ansonsten faulen und sehr gemütlichen Urlaubs, den ich über die Pfingstferien auf der Urlaubsinsel Gran Canaria verbrachte: Ich besuchte das »Poema del Mar«, angeblich eines der größten Meeresaquarien weltwelt. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen; darum geht es aber auch nicht.
Auf Gran Canaria bietet es sich auf jeden Fall an, dieses Aquarium zu besuchen. Es gibt viele »kleine Dinge«, die man sich anschauen kann, und ich machte weidlich davon Gebrauch. Wenn ich beispielsweise einem Chamäleon zuschauen kann, das sich keine zwanzig Zentimeter von meiner Nasenspitze entfernt durch das Geäst eines Baums bewegt, staune ich eben wie ein kleines Kind.
Phantastisch waren die Anblicke in dem riesigen Aquarium, das das Zentrum der Anlage bildet. Dort schwimmen Haie und Mantas, aber auch eine Schildkröte, dazu kommen zahlreiche Fische. Eine Art Gang aus Glas führt das Aquarium, vor allem aber gibt es eine Frontscheibe, vor der man sitzen und staunen kann. Natürlich haben manche Leute da lieber ihr Smartphone in der Hand und schauen sich dort irgendwelche Dinge an – aber das muss jeder selbst wissen.
Wobei ich mich ebenso für Quallen begeistern kann, für Seepferdchen und Seedrachen, für allerlei Eidechsen und anderes Getier, das in verschiedenen Habitaten präsentiert wird. Ich war mehrere Stunden in diesem »Poema del Mar«, und ich weiß nicht, wie viele Besuchergruppen an mir vorbeiströmten.
Schnell, schnell musste ein Foto vom Chamäleon gemacht werden, dann ging es weiter. Klar, manche Leute haben Zeitdruck. Aber hatte ich ja nicht, und so genoss ich die Zeit.
Ich habe eben ein kindliches Gemüt und staune gern.
31 Juli 2026
Boomer saufen weniger
Man bezieht sich dabei auf eine Studie eines Marktforschungsunternehmens, das der Getränkebranche zuarbeitet; angeblich wurden mehr als 32.000 Leute befragt. Immerhin 71 Prozent der Boomer haben im vergangenen Halbjahr Alkohol konsumiert; das sind zwei Prozent weniger als vor drei Jahren.
Der Vergleich ist spannend: Bei der sogenannten Generation Z – also bei den jungen Leuten – sei die Quote auf 74 Prozent gestiegen; vor drei Jahren waren es da noch 66 Prozent. In der gesamten erwachsenen Bevölkerung konsumieren 76 Prozent alkoholische Getränke.
Auffallend ist der starke Rückgang – generell – beim Bier. Es scheint sich, so vermuten auch die Marktforscher, ein Trend zu mehr Gesundheit abzuzeichnen; deshalb sei Alkohol nicht mehr ganz so üblich.
Ich finde das interessant: In meinem sozialen Umfeld war der Konsum von Alkohol stets normal. Man trank schon als Jugendlicher viel Bier, aber auch Schnaps; später ging man zu Wein und feineren Alkoholika über. Betriebs- oder Geburtstagsfeiern ohne Sekt und sonstige alkoholische Getränke waren undenkbar, zum Abendessen gehörten ein Bier oder ein Wein immer dazu. Von Konzerten und anderen Freizeitvergnügungen ganz zu schweigen.
Es zeichnet sich ein Wechsel ab. Und das bei konservativen Leuten, die schon »über die 60« sind. Spannend …
30 Juli 2026
Bei der grünen Schildkröte
Das Hostel war sauber, die Leute waren freundlich. Ich hatte in diesem Spätjahr 2005 keine Lust mehr, mit zu vielen Leuten in einem Zimmer zu liegen; die Aufenthalte in Hollywood und Santa Barbara hatten mir gereicht. Also mietete ich mir ein kleines Zimmer, das ich allein bewohnte, womit ich sehr zufrieden war. So teuer war das auch nicht, und das Abenteuer der Gemeinschaftsdusche hatte ich trotzdem.
Das Publikum in dem Hostel war sehr international und gemischt. Ich war weder der einzige Deutsche noch war ich der einzige Mensch, der schon älter als vierzig Jahre war. Am Tisch saß oft ein Mann mit grauem Bart und langen grauen Haaren, der dünn und ein bisschen kränklich aussah, alle aus seiner großen Brille musterte und mit einem südeuropäisch klingenden Akzent sprach.
Das »Green Tortoise« gibt es immer noch, wie eine Internet-Recherche ergeben hat; es hat auch nicht seinen Standort gewechselt. Der große Gemeinschaftsrum im Erdgeschoss sieht auch noch so ähnlich aus wie 2005; bei den Zimmern wurde aber augenscheinlich kräftig renoviert. Das wirkt immer noch gastlich und freundlich – sicher nach wie vor eine gute Adresse in San Francisco …
29 Juli 2026
Absolut gut gesichert
Manchmal kommt es vor, dass ein Urinal beschädigt ist. Manchmal werden Gitter darüber geklebt, manchmal gibt es einen Plastiktüte, die man auf diese Weise zweckentfremdet. Unlängst sah ich ein schlichtes Modell für »außer Betrieb«, das mir ein bisschen imponierte.
Man nehme einen kartonierten Umschlag im Großformat, schreibe mit einem dünnen Stift etwas darauf und stecke ihn einfach in das Becken. Sieht zwar blöd und verwirrend aus, wird sicher auch irgendwann mal feucht – Papper zieht das Wasser schön rauf –, erfüllt aber offensichtlich seinen Zweck.
Solange niemand diesen Umschlag als einen Trichter betrachtet. Zumindest blieb der Karton an diesem Abend, an dem ich einige Male auf die Toilette musste – das Wasser treibt … –, immer ordentlich. Na also!
28 Juli 2026
Vergleichende Science Fiction
Interessant finde ich, dass »Erde 13« exakt das gleiche Szenario aufweist: Andreas Langer erzählt in »Aufbruch ins Ungewisse«, dem ersten Teil einer neuen Jugendbuchserie, ebenfalls von Kindern, die auf einer fremden Welt gestrandet sind und sich dort zurechtfinden müssen.
Beide Romane beginnen mit einer Notlandung, beide Romane zeigen, wie sich die Kinder durchschlagen, beide Romane schildern eine unbekannte Umgebung. Das ist eine interessante Parallele, die mir dieser Tage auffällt, während ich den ersten Band von »Erde 13« lese.
Westerboers Roman richtet sich trotz der jugendlichen Helden an ein erwachsenes Publikum, während Langer für ein Publikum schreibt, das zwischen zehn und zwölf Jahren alt sein sollte. Die Figuren sind um die elf Jahre alt, also dürfte die Leserschaft sogar jünger sein – dann aber ist das Buch womöglich zu anspruchsvoll für diese Altersgruppe. (Aber ich bin da kein Experte.)
Mir sind Ansätze wie »Erde 13« sehr recht. Fremde Welten, Abenteuer im Unbekannten, seltsame Lebewesen – das ist der Stoff, aus dem Abenteuer sind! Das sollte doch auch im Jahr 2026 noch Kinder beiderlei Geschlechts interessieren.
27 Juli 2026
Der orgelnde Krishna
Die Typen wurden einfach nicht müde. Wann immer ich in der Innenstadt von Miami zur zentralen Metrorail-Station kam, sah ich zwei junge Männer in der typischen Kleidung der Hare-Krishna-Anhänger: kahlrasierter Kopf, orangefarbene Kutte, barfuß.
Sie betrieben Arbeitsteilung: Einer der beiden saß auf einem Klappstuhl hinter einer elektrischen Orgel, die mit zwei blechern klingenden Lautsprechern verbunden war. Und der andere sang, tanzte und hüpfte, und das mit einer Ausdauer, die mich verblüffte.
Wenn ich in diesem Januar 1995 die Station am Government Center verließ, weil ich mir die Innenstadt von Miami anschauen wollte, sah ich die zwei Krishna-Fans. Wenn ich in der Telefonzelle stand und in meiner Unterkunft anrief, tanzte der Typ vor mir herum. Wenn ich an einem Imbiss in der Nähe etwas aß, hörte ich die quäkende Orgel und den eintönigen Gesang.
Der Typ tanzte im Kreis, er hüpfte auf und ab und hin und her. Es war eine wahre Pracht. Er hörte nicht auf, er zeigte keine Ermüdung. Es war ein einziges Auf und Ab und Hin und Her. Wenn die Sonne vom Himmel knallte, tanzte er. Ging ein frischer Wind, bewegte er sich zum Rhythmus der quäkenden Orgel.
Ich war beeindruckt. Das war Fanatismus oder Glaubensstärke oder beides zusammen.
Eine Sekunde lang überlegte ich mir, die beiden Typen anzusprechen, vor allem den Tänzer. Ob sie eine Spende wollten, vielleicht etwas zu trinken? Doch ich wagte nie, das Wort an sie zu richten. Ich hatte kein Interesse an einer Diskussion über Krishna oder irgendwelchen Bekehrungsversuchen.
Und so ließ ich die beiden Männer in Ruhe. Sie blieben in meinem Gedächtnis, auch viele Jahre, nachdem ich Miami längst verlassen hatte.
Zwei Krishnas auf dem Weg zu ihrer eigenen Vollendung.
24 Juli 2026
Klassischer Sherlock, gruseliges Hörspiel
Dass die Kollegen von Zaubermond Audio seit einiger Zeit an »Sherlock Holmes« arbeiten, habe ich mit positiver Überraschung zur Kenntnis genommen. Ich mag die Arbeit, die Dennis Ehrhardt und sein Team bei »John Sinclair« geleistet haben und bei »Dorian Hunter« immer noch erbringen.
Bei »Sherlock Holmes Baker Street«, so der korrekte Titel der Reihe, werden nun nicht nur die Originaltexte von Arthur Conan Doyle vertont, sondern auch neue Texte in Hörspiele umgesetzt. Einer davon ist gleich der zweite Teil, der den schönen Titel »Das Porzellanzimmer« trägt.
Um es vorwegzunehmen: Sprachlich haben sich Antares Bottlinger, der den Text verfasste, und Dennis Ehrhardt an den Klassikern orientiert. Die Dialoge und Beschreibungen wirken klassisch im positiven Sinn, aber nicht altmodisch. Es sind schöne Formulierungen, die auch vom Original stammen könnten.
Die Handlung passt ebenfalls, wenngleich sie einen leichten Hauch von Grusel aufweist: Weil ein alter Kollege von Dr. Watson fast einem Giftanschlag zum Opfer gefallen ist, reisen Holmes und Watson in die Provinz, wo sie in einem alten Herrenhaus ermitteln. Dabei wird ein Zimmer, in dem menschlich anmutende Puppen eine wichtige Rolle spielen, zu einem bedeutungsvollen Schauplatz.
Die Handlung des Hörspiels entwickelt sich behutsam und steigert sich langsam. Zwischendurch gibt es sogar ein wenig Action, und Watson muss seinen Armee-Revolver abfeuern. Am Ende löst aber natürlich Holmes mit seiner bekannten Kombinationsgabe den Fall.
Ein starkes Stück, finde ich. Mitreißend erzählt, textlich sauber gemacht, mit klaren Dialogen und zurückhaltend sowie treffend eingesetzten Geräuschen. Sehr gut!
23 Juli 2026
Ein »progressives« Fanzine
Vor allem hatte ich völlig verdrängt, dass ich selbst bei dieser Ausgabe engagiert mitwirkte. Im Impressum bin ich als Ressortleiter für die Storys verzeichnet, es gibt auch eine Anzeige für mein damaliges Fanzine »Sagittarius«. Darüber hinaus bin ich mit zwei Artikeln vertreten: ein Verriss eines Romans von H. Beam Piper, in dem es um ein Sternenkrieg-Szenario ging, und ein etwas längerer Artikel über die »Lensmen«, die ich damals zum zweiten Mal gelesen hatte – daran erinnere ich mich tatsächlich – und mit Begriffen wie »Faschismus« und »Klischeehaftigkeit« bezeichnete.
Der größte Teil des 80 Seiten im A5-Format umfassenden Fanzines wird natürlich nicht von Texten eingenommen, die ich verfasst hatte. Enthalten ist eine Kurzgeschichte des amerikanischen Schriftstellers Joe Haldeman – die sicher nicht ich »eingekauft« hatte –, dazu weitere Artikel, Rezensionen und Geschichten.
Die generelle Haltung aller Texte ist – so würde ich das heute nennen – eher »stramm links«. Man merkt meinen Texten an, dass ich in meiner Haltung nicht sehr gefestigt war, Militär und Nazis aber schon ziemlich bescheuert fand. Andere Artikel waren ideologisch klarer, da merkt man auch heute noch, dass die Autoren studiert hatten oder sich einschlägig einlasen. Natürlich darf ein überkritischer Artikel über PERRY RHODAN von zwei Seiten Länge nicht fehlen ...
Was mir heute auffällt, wenn ich so ein Heft durchblättere und anlese: Es sind nur männliche Schreiberlinge beteiligt; die meisten eher jung. (Ich war 17 Jahre alt.) Keine einzige Frau wirkte mit, kein einziges Mädchen. Die Science Fiction war schon sehr männerlastig in jenen Tagen – aber das war angesichts der Kritik an Faschismus und Militarismus nichts, das irgendwie auffiel.
22 Juli 2026
Leselöwen und Computer-Kids
Mit dem Autor Christoph Dittert arbeite ich seit vielen Jahren sehr gern zusammen. Mit Interesse verfolge ich darüber hinaus, was er macht, wenn er nicht für eine unserer Serien tätig ist: Er veröffentlicht Science Fiction als Selfpublisher und schreibt allerlei Bücher für die unterschiedlichsten Verlage.
»Auf geheimer Game-Mission« ist dabei ein ganz besonderer Titel, den ich mit Interesse gelesen habe. Er enthält ja wenig Text, und damit ist unsereins ja flott durch.
Die Geschichte ist für erfahrene Science-Fiction-Leser nicht gerade schreiend originell; die sind ja auch nicht die Zielgruppe. Sarah und Anton sind zwei Kinder, die es in das Computerspiel »Sternenfall« hineinzieht. Dort müssen sie einem Jungen helfen, seinen Planeten zu retten – gemeinsam kämpfen sie gegen einen Bösewicht, der aussieht wie eine überdimensionale Eidechse. Das ist ein bisschen klischeehaft, aber jederzeit kapierbar.
Dittert lieferte die Texte für die kurze, aber sehr flotte Comic-Geschichte; in Szene gesetzt wurde sie durch die Illustrationen von Marc-Alexander Schulze. Die sind dem Thema angemessen, wenngleich ein wenig schlicht. Aber auch hier gilt: Zielgruppe sind nicht erfahrene Comic- und Science-Fiction-Leser.
Der Comic richtet sich ausdrücklich an Leseanfänger ab sieben Jahren, erschienen ist er in der Reihe der »Leselöwen«. Grundschulkinder sollen durch die spannende Geschichte an das eigenständige Lesen herangeführt werden. Ich finde den Ansatz gut, und ich könnte mir vorstellen, dass es mit der Geschichte klappt.
Sie ist bunt, sie ist abwechslungsreich, sie ist klar erzählt, und ein Kind kann ihr gut folgen. Und damit haben wir ein Science-Fiction-Thema für die Kleinen – sehr cool!


















