Warum ich in San Francisco ausgerechnet in das »Green Tortoise Guest House« ging, kann ich heute nicht mehr sagen. Ich hatte Lust, im italienischen Viertel zu übernachten, das sich auf den Hügeln der Stadt erstreckte; ich erinnere mich daran, dass ich die Landkarte studiert und anhand des Stadtplans die Gegend ausgesucht hatte, in der ich nächtigen wollte. Von dort aus kam ich schnell zu den Fähren, in die eigentliche Innenstadt und vor allem auch zum einen oder anderen Laden, den ich aufsuchen wollte.
Das Hostel war sauber, die Leute waren freundlich. Ich hatte in diesem Spätjahr 2005 keine Lust mehr, mit zu vielen Leuten in einem Zimmer zu liegen; die Aufenthalte in Hollywood und Santa Barbara hatten mir gereicht. Also mietete ich mir ein kleines Zimmer, das ich allein bewohnte, womit ich sehr zufrieden war. So teuer war das auch nicht, und das Abenteuer der Gemeinschaftsdusche hatte ich trotzdem.
Das Publikum in dem Hostel war sehr international und gemischt. Ich war weder der einzige Deutsche noch war ich der einzige Mensch, der schon älter als vierzig Jahre war. Am Tisch saß oft ein Mann mit grauem Bart und langen grauen Haaren, der dünn und ein bisschen kränklich aussah, alle aus seiner großen Brille musterte und mit einem südeuropäisch klingenden Akzent sprach.
Das »Green Tortoise« gibt es immer noch, wie eine Internet-Recherche ergeben hat; es hat auch nicht seinen Standort gewechselt. Der große Gemeinschaftsrum im Erdgeschoss sieht auch noch so ähnlich aus wie 2005; bei den Zimmern wurde aber augenscheinlich kräftig renoviert. Das wirkt immer noch gastlich und freundlich – sicher nach wie vor eine gute Adresse in San Francisco …

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