20 August 2007

Schickes Werbeflugblatt


Geistig-moralisch bereite ich mich gerade darauf vor, morgen zur Games Convention zu fahren, der Messe für Computerspiele und anderen Kram in Leipzig. Ich war da noch nie und bin entsprechend gespannt darauf, was mich erwartet.

So lange kann ich mich aber darüber freuen, daß die Werbung des Dryas-Verlages für mein Buch anläuft. So gibt es beispielsweise einen sehr hübschen Flyer, der auf »Das Tier von Garoua« aufmerksam macht und hoffentlich auch eine gute Verbreitung findet.

Und da ich darauf stolz bin wie Harry, präsentiere ich das Ding auch hier in meinem Blog. Um möglichst weite Verbreitung wird gebeten ... ich freue mich also darauf, wenn die Werbung sich auch in anderen Blogs und Homepages finden wird.

19 August 2007

Endspurt für Afrika

Das Jahr 2007 geht für mich wohl in meine Biografie ein als ein Jahr, in dem ich nie zu Atem kam. Alle Bekannten, die sich darüber wundern, daß man seit Monaten nichts mehr von mir hört, haben das leider zu spüren bekommen.

Der Grund ist einerseits die Firma, die fürchterlich saugt und bei der die 50-Stunden-Woche als absolute Untergrenze zu gelten scheint. Aber darüber will ich nicht jammern, schließlich könnte ich ja meine Arbeit auch ein bißchen bequemer und weniger zeitintensiv betreiben.

Seit Monaten galt jede freie Viertelstunde dem Manuskript von »Das Tier von Garoua«, das ich in diesem Blog schon einige Male erwähnt habe. Am heutigen Sonntag lege ich letzte Hand an das Manuskript an.

Ich habe es verfaßt, und ich habe jede einzelne Geschichte gründlich bearbeitet. Dachte ich. Doch jetzt, zwei Wochen nachdem das Manuskript eigentlich längst beim Verlag liegt, gehe ich noch mal an die Detail-Korrekturen.

Mir wird echt schwindlig: Sooo viele Fehler, so viele Dinge, die ich noch ändern muß. Und ich weiß zu allem Überfluß, daß ich weitere Fehler sehen werde, nachdem das Ding aus dem Druck gekommen ist. Arrrrrrgggl.

18 August 2007

Kräuterküche und Bioweine

Denk ich an Bio in der Nacht, wird mir oft schwindlig: Mit Bio assoziiere ich körnerfressende Hippies und andere Dinge. Dabei mag ich selbst Körnerfraß und esse gerne Körnerbrötchen und anderen Kram in dieser Richtung. Ich hatte bloß in all den Jahrzehnten nie Lust, mich der grün-ökologischen Subkultur so richtig anzunähern ...

Glücklicherweise ist das in der »Kräuterküche« in der Karlsruher Innenstadt gar nicht nötig. Ich war nicht zum ersten Mal hier und verzichtete deshalb auf das leider nicht besonders gute Bio-Bier. Ich weiß aber, daß der Cola-Ersatz namens Bio-Zisch sehr lecker ist und empfehle durchaus die Weine, die aus biologisch-korrektem Anbau aus der Pfalz stammen.

Und dann das Essen. Ich hatte Nudeln mit vegegarischer Beilage - nein, keine Körner -, während sich die zahlreiche versammelte Fleischfresserfraktion auf Schweinebraten mit Kartoffeln und Gemüse stürzte. Allesamt herrschte große Begeisterung über das Essen vor.

Dazu noch die nette Bedienung, die stets zu Scherzen aufgelegt war, und der Chef/Koch, der uns Schwänke über seinen Hund erzählte. Und da wir auf der Karlstraße sehr bequem saßen, tratschten wir mit vorbeigehenden Menschen, erfuhren so die aktuellen Fußballergebnisse und waren somit mitten in der Karlsruher Tratsch-Kommunikation.

Anders gesagt: Mit dem Bio-Klischee hat die »Kräuterküche« nicht viel zu tun, eher mit schmackhaftem Essen, netten Leuten und gemütlicher Stimmung. Ein echter Ausgeh-Tipp für die Karlsruher Innenstadt!

17 August 2007

Denk ich an Washington, DC ...

... kommt mir tatsächlich nicht der doofe Präsident in den Sinn, der sich dort im Weißen Haus den Hintern breit sitzt. Da fallen mir vor allem Bands ein, deren Musik ich schon seit über zwanzig Jahre mag.

Dabei brauchte ich durchaus meine Zeit, bis mir klar wurde, welches musikalisches Potential tatsächlich in der amerikanischen Hauptstadt verborgen liegt. Washington, D.C., war in den 80er Jahren eine der wichtigsten Städte des US-Hardcore, aber ich bekam davon in meinem Dorf lange Zeit nichts mit.

Erst die Kontakte zur Szene in Nagold, vor allem zu Armin Hoffmann und einigen anderen Leuten, trugen dazu bei, daß mir Bands wie Minor Threat bekannt wurden. Dann kamen Fugazi und Ignition, ich entdeckte Fire Party, und dann fing ich auch an, mir ältere Platten aus der Stadt zu besorgen, die allesamt auf Dischord Records ihre Aufnahmen veröffentlichten.

Wie ich darauf komme? Ich höre seit Wochen, nein, Monaten praktisch ständig die Musik aus Washington. Emopunk, bevor er peinlich wurde, Bands wie Embrace oder Gray Matter, von Government Issue, Scream und den Bad Brains ganz zu schweigen - die nie Emocore oder Emopunk gespielt haben.

Schuld daran ist das Buch »Punk, DC«, erschienen im Ventil Verlag. Eine ausführliche Besprechung wird es noch in meinem ENPUNKT-Fanzine geben, das hoffentlich irgendwann in diesem Jahr mal wieder herauskommen wird.

Aber dieses Buch ist eben schuld daran, daß ich alte Platten aus dem Schrank krame und mit Staunen die Karriere mancher Leute nachvollziehe. Das interessierte mich früher ja alles nicht - es ist auch nicht immer wichtig.

Das Buch rockt. Und die Musik aus Washington, DC, auch!

16 August 2007

Ein durchaus selbstkritisches Vorwort


Endlich habe ich es erhalten: das PERRY RHODAN-Jahrbuch 2006. Hier und an dieser Stelle will ich nicht so viel über den Inhalt schreiben, das hier ist schließlich mein privater Blog.

Einen ausführlichen Jubelartikel liefere ich noch für die PERRY RHODAN-Homepage: Das Jahrbuch ist gut, und es erfüllt seinen Zweck. Hätte ich nicht diesen Job, würde ich es mit hoher Wahrscheinlichkeit privat kaufen und mir in die Sammlung stellen.

Von mir stammt eine Art Vorwort. Titel des Textes »Ein Rückblick mit Staunen«. Es ist nicht unbedingt positiv, sondern enthält eine Reihe von kritischen Äußerungen zum abgelaufenen Perry-Jahr 2006.

Aus diesem Grund dokumentiere ich das Vorwort hier – genauer gesagt in den Kommentaren zu diesem Posting. Damit klar ist, wo der Bezug vom privaten Blog zum geschäftlichen Kram ist ...

15 August 2007

Abenteuer Afrika – mein Buch kommt


Nachdem ich mein Manuskript abgeliefert habe und wir jetzt in der Korrekturphase stecken, kann ich endlich ein bißchen offensiver Werbung dafür betreiben: Im November (vielleicht auch schon früher ...) erscheint mein neues Buch.

Es trägt den Titel »Das Tier von Garoua« und erscheint unter dem Obergriff »Abenteuer Alltag in Afrika«, was auch den Inhalt sehr gut zusammenfasst. Publiziert wird es vom kleinen und feinen Dryas Verlag aus Mannheim.

Enthalten sind im Buch neben Erzählungen, Kurzgeschichten und Berichten auch gut ein Dutzend Farbfotos. In den Texten geht es um Kamerun und Malawi, um Algerien und Togo, um Senegal und Südafrika – eine bunte Mischung also.

Deshalb freue ich mich sehr, das Cover hier zeigen zu dürfen. Weitere Neuigkeiten zum Buch bringen ich peu à peu.

Dicke weiße Flusen

Ich war in Begleitung unterwegs, und wir hielten uns an einem Baggersee auf. Meine Begleitung – eine Gruppe eher jung wirkender Leute – blieb aber schattenhaft, so daß ich mich nicht an Gesichter oder Namen erinnern kann. Nicht einmal das Geschlecht der jeweiligen Menschen wurde mir bewußt.

Allein stand ich am Rand des Baggersees, die anderen waren bereits im Wasser. Ich packte meine Tasche aus und entrollte mein dunkelblaues Badetuch, legte es auf den sandigen Boden, der sich zwischen dem See und dem Strauchwerk dahinter erstreckte.

Dann wollte ich mich auf das Badetuch legen. Ich zog mein T-Shirt über den Kopf und beugte mich nach vorne. Da sah ich das weiße Zeugs, das auf dem Tuch lag: Flusen, die aussahen wie eine Mischung aus Schnee und Baumwolle, weiß und dick und recht stabil.

Ärgerlich nahm ich das Tuch zur Hand und schüttelte es kräftig. Die Flusen blieben darauf hingen, die meisten zumindest, und nur einige fielen auf den Boden. Und als ich das Tuch auf den Boden legte, stellte ich fest, daß jetzt überall solche weißen Flusen lagen, alle im Abstand von vielleicht zehn Zentimeter zum nächsten.

Es schüttelte mich. Wo kamen die Dinger auf einmal her? Ich hatte richtiggehend Angst und versuchte sie mit beiden Händen vom Boden wegzuwischen. Doch sie lagen überall, und sie flogen in Wolken her, um sich auf dem Tuch abzusetzen.

Ich schaute auf den See hinaus, wo meine Bekannten eigentlich schwimmen wollten. Doch ich sah nur weiße Flusen, die durch die Luft schwebten und sich auf dem Wasser niederließen, eine Mauer aus weißen leichten Flocken, die langsam alles zudeckten.

Dann wachte ich glücklicherweise auf.

14 August 2007

Frisuren und Bärte

Neuerdings machen sich die Presseleute wieder mal über einen Politiker und sein Aussehen lustig: Kurt Beck, der SPD-Obermacker, sei, so heißt es, ein gemütlicher Trottel mit Bart aus der Pfalz.

Gerne wird dann über seine Wampe, seinen Bart und seinen Pfälzer Akzent gelästert. Das Lästern kann ich verstehen, schließlich kenne ich das Dorf recht gut, in dem seine politische Karriere begann: Von Karlsruhe ist Steinfeld rund 25 Kilometer entfernt.

Das Lästern über Kurt Becks Bart paßt zum Geläster über Angela Merkels Frisur oder die Tatsache, daß Schäuble im Rollstuhl sitzt. Witze über Rollstuhlfahrer haben sogar in der ach so minderheitenfreundlichen »taz« Konjunktur.

Ich schüttle da nicht nur einmal den Kopf. Was bitte soll denn das? Schäuble, Merkel und Beck betreiben eine asoziale Politik, die das Gleichgewicht in diesem Land immer weiter verschiebt. Darüber könnte man sich aufregen, darüber sollte man Witze machen oder lästern.

Aber es ist halt einfacher, sich über Klamotten, Frisuren oder Behinderungen zu mokieren.

13 August 2007

Dan Shocker ist tot

Der Schriftsteller Jürgen Grasmück ist am Dienstag, 7. August 2007, gestorben. Er wurde 67 Jahre alt, und sein Tod ist wohl für viele Grusel-Fans das Ende einer Epoche.

Denn Grusel-Romane – das war das, womit Jürgen Grasmück alias Dan Shocker bekannt wurde. Nicht Horror, nein, Grusel nannte man das Genre, das vor allem in den 70er Jahren im deutschsprachigen Raum boomte. Ich weiß nicht, wie viele Heftromanserien es gab – aber der Grusel hatte einen großen Marktanteil, und innerhalb des Grusels war Dan Shocker ein Markenzeichen.

Dabei schrieb der Mann auch Science Fiction, hier unter Pseudonymen wie Jay Grams oder Jürgen Grasse; seine erste Veröffentlichung hatte der 1940 Geborene bereits 1956 im Fanzine ANDROMEDA. Und bereits im Alter von 17 Jahren publizierte er seine ersten Romane – schon zu diesem Zeitpunkt mußte der an einer Muskelschwundkrankheit leidende Jürgen Grasmück im Rollstuhl sitzen.

Er verfaßte haufenweise Heftromane und Leihbücher: Science Fiction und Krimis, sogar einen Western. 1967 erdachte er die Figur des Larry Brent – und spätestens danach war er auf Gruselhefte »abonniert«.

Das Genre Grusel bestand damals aus Elementen des Horror- und des Fantasy-Romans, angereichert durch Krimi-Elemente. In den 70er Jahren gab es sogar seltsame Reihen wie »Geister-Western« oder »Gespenster-Krimis«, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Häufig krude Geschichten verbargen sich hinter grausigen Titelbilder, die literarische Qualität der meisten Gruselhefte war unterirdisch. Gerade das machte wohl ihren Reiz aus, den ich allerdings nie nachvollziehen konnte.

Dan Shocker galt für seine Fans als der »Vater der Gruselromane«, es entwickelte sich sogar ein eigenes Fandom mit Fanzines und Clubs, das sich nur um ihn gruppierte. Die Reihe »Macabros« vermengte erfolgreich Science Fiction mit Grusel-Motiven und lieferte einen Genre-Mix aus allen möglichen Unterhaltungsreihen.

Den Höhepunkt seiner Beliebtheit erreichte Jürgen Grasmück, den alle nur als Dan Shocker kannten, in den frühen 80er Jahren: Seine Romane wurden mehrfach nachgedruckt, dazu kamen Hörspiele und zahlreiche andere Produkte. Als Mitte der 80er Jahre das große Heftromansterben begann, kam auch das Ende für die meisten Grusel-Hefte: Außer »John Sinclair« und »Professor Zamorra« ist aus dieser Zeit nichts übrig geblieben.

Immerhin hatte er längst eine esoterische Buchhandlung eröffnet, so daß er nicht vor dem Nichts stand. Leider ging es ihm gesundheitlich von Jahr zu Jahr schlechter. Immerhin gab es in all den Jahren noch einige seiner Fan-Kontakte, Leute also, die zu ihm hielten, weil er ihre Jugend durch seine Romane geprägt hatte.

Meine Jugend war's nicht unbedingt – aber Dan Shocker gehörte irgendwie immer dazu. Man las seinen Namen, man sah seine Romane. Dass er jetzt starb, mutet wirklich wie der Schlußstrich unter das Genre des Grusel-Romans.

Was ich in Köln nun wirklich tat ...

Meine Reise nach Köln, die ich in zwei anderen Blog-Beiträgen jetzt schon erwähnt habe, hatte einen rein geschäftlichen Nutzen. Also nix mit gemütlichem Biertrinken und Konzertebesuchen, nix mit Punkrock oder sonstigem Abenteuertum: brav Pressekonferenz machen und seriös aus der Wäsche gucken.

Es gibt bereits einen sehr schönen Bericht zu dieser Pressekonferenz im Netz; da gibt es auch einige Fotos von mir in seriös-rotem Business-Hemd. Da verlinke ich lieber auf die Homepage des Terranischen Clubs Eden, kurz TCE, als auf die PERRY RHODAN-Homepage, wo sich auch bald der eine oder andere Text zum Thema finden wird.

Aber ich wollt' ja eigentlich meinen Job aus diesem Blog so weit wie möglich raushalten ...

12 August 2007

Singende Köche

Seltsame Dinge passieren in Kölner Hotels. So am Donnerstag abend, 9. August, im Restaurant »Paparazzi« im Köln-Deutzer Radisson-Hotel: leckeres Essen übrigens auch für Vegetarier!

Irgendwann hielten die Köche eine Ansprache an das Publikum, die wir gebührend ignorierten, auf die sie aber viel Applaus erhielten. Und noch später sangen sie: fünf junge Männer, die einen auf »Comedian Harmonists« machten, mehrsprachigen Chorgesang auf deutsch und so.

Nett war's, aber eigentlich hätte es mir ja völlig gereicht, lecker zu essen und gut zu trinken. Köln ist schon anders ...

Streßfrei bei Ikea?

Mein erster Besuch bei Ikea in Walldorf war ein Alptraum – und das lag nicht daran, daß mich fürsorglich ein befreundetes Paar begleitete. Der Anblick der zahlreichen Möbel und der vielen Leute brachte mich geradezu durcheinander.

Das ist jetzt zehn Jahre her, und ich bin schon so verbürgerlicht, daß ich am Freitag abend – nachdem ich fast vier Stunden von Köln zurück gebraucht hatte – freiwillig und allein in das Ikea-Möbelhaus in Walldorf ging.

Allein, so dachte ich, sei es streßfreier: Schließlich wollte ich ausschließlich und allein nach Regalsystemen schauen, um damit dem Papierchaos in meinem Arbeitszimmer zuhause Herr werden zu können.

Aber ich machte meine Rechnung durch die Menschen aus einem Umkreis von rund 60 Kilometern: Ikea war voll. So richtig voll sogar. Mein Versuch, vom Eingang aus im Schnellgang zu den Regalen zu gehen, scheiterte kläglich.

Ganze Familienverbände aus Franken und Schwaben, Hessen und der Pfalz waren da, dazu Heerscharen von Badenern und Kurpfälzern, für die Ikea selbstverständlich ein Heimspiel ist. Einkaufswagen versperrten fast jeden Freiraum, so daß kaum ein Durchkommen war.

Verliebte Paare bummelten Hand in Hand durch das Gedränge, überall waren Menschen mit Maßbändern, Bleistiften und gelben Einkaufstaschen unterwegs. Und ich wollte doch nur gucken, ob das Besta-Regalsystem was taugt ... Arrrrrrrrgl!

Um's kurz zu machen: Ich bekam all die Informationen, die ich wollte, aber ich war hinterher naßgeschwitzt. Ikea ist kein Vergnügen, sondern eine Expedition.

09 August 2007

Amüsant, aber manchmal flach

Jaromir Konecny ist gebürtiger Tscheche, schreibt aber seit vielen Jahren in deutscher Sprache. Eigentlich sollte mir das Geburtsland eines Schriftstellers ziemlich egal sein – da der Autor aber ständig draufrum reitet und es in seinem Buch »Das Geschlechtsleben der Emigranten« mehrfach thematisiert, kann ich diese Tatsache nicht ignorieren.

Letztlich geht es in allen Kurzgeschichten des Buches (schon a bisserl älter, kam 2000 im Ariel-Verlag heraus) nur um den Autor, seine Erlebnisse als tschechischer Emigrant in Deutschland, als Asylbewerber im Lager, als Mann, der wilden Sex haben will, und als Schriftsteller, der fleißig Lesung abhält.

Ich bin mir sicher, daß die Geschichten zünden, wenn sie live vorgetragen werden. Konecny erzählt von Beziehungen, die scheitern, von haarsträubenden Begegnungen mit anderen Menschen, vom nicht erledigten Fick mit einer Prostiuierten oder vom seltsamen bayerischen Essen. Die Texte sind definitiv amüsant, und ich mußte bei der Lektüre mehrfach grinsen.

Das war's dann irgendwann mal. Das Buch lag immer wieder in der Ecke, da es haufenweise interessanteres Zeugs zu lesen gab. Jede Geschichte für sich ist amüsant und spaßig; insgesamt wird die Lektüre dann doch ein wenig flach und eintönig.

Soweit ich weiß, ist das 128 Seiten starke Taschenbuch derzeit eh vergriffen. Offiziell zumindest. Bei diversen Vertrieben solltet Ihr es aber noch erhalten, ebenso direkt beim Ariel-Verlag. Und wer gern Pop-Literatur schmökert, ist hier schon richtig!

08 August 2007

Bergradelträume, spät nachts

Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen war ich mit dem Rad unterwegs zwischen Dietersweiler – so heißt das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin – nach Wittlensweiler. Und als ich so aus dem Wald radelte, überlegte ich spontan, daß ich mal wieder meinen alten Kumpel Ulrich besuchen könnte, den wir ja früher immer nur den »Fool« nannten.

Also nahm ich die Straße nach rechts den Berg hoch, und mir fiel schon unterwegs ein, daß man die ja in den letzten Jahren komplett umgebaut hatte. Aber war die früher schon so steil gewesen? Sehr seltsam.

Ich keuchte und strampelte, und ich vergaß ganz, daß ich Fool besuchen wollte. Rechts und links erhoben sich hohe Gebäude aus Sandstein, die ein wenig an das alte Kepler-Gymnasium erinnerten, in dem ich bis 1979 unterrichtet worden war.

Der Berg war steil, fast hätte ich schieben müssen, aber mit letzter Gewalt schaffte ich es bis an eine T-Kreuzung: Die steile Straße endete, und es ging sowohl nach rechts als auch nach links weiter. Links ging es, wie ich wußte, nach Freudenstadt, und da kam ja auch schon der Wald, und das interessierte. Also fuhr ich langsam in die linke Richtung.

Ein grüner Gartenzaun grenzte Bürgerhäuser zum Gehweg hin ab, aber bei einer Einfahrt sah ich hindurch und stellte fest, daß ich in unbegrenzte Leere blickte – wie im Hochgebirge. Neugierig fuhr ich mit meinem Rad zu der Hofeinfahrt und betrat den Garten.

Vom Zaun aus bot sich mir ein überraschendes Bild. Ich blickte in die Ferne, denn zu meinen Füßen fiel der Fels nahezu senkrecht ab. Ich stellte fest, daß die Häuser, zwischen denen ich stand, gewissermaßen die obere Begrenzung eines gigantischen Steinbruches bildeten.

Mir wurde fast schwindlig, als ich in die Tiefe blickte, entlang der schroffen Wand, aus der einzelne Sandsteinblocks herausragten. Wenn ich in die Ferne blickte, sah ich die Dörfer der Region zu meinen Füßen liegen.

Ich drehte um und ging mit meinem Rad zurück zur Straße. »Schon interessant«, sagte ein alter Mann, der mich stark an den ehemaligen Dorbürgermeister von Dietersweiler erinnerte. »Da haben die lang dran gearbeitet.« Ich nickte und sprang aufs Fahrrad, um die Fahrt nach Freudenstadt fortzusetzen.

Verstört wachte ich auf und brauchte eine Weile, um mir klarzumachen, daß es in Wittlensweiler selbstverständlich keinen Sandsteinbruch gibt – so klar und deutlich hatte sich das Bild in meine Gedanken eingebrannt.

07 August 2007

Peter Pank und das neue OX


Das neue OX-Fanzine ist da, diesmal mit den verwirrten Gesichtern der Band Against Me! aus Florida auf dem Cover. Und mit einer aktuellen Folge meines Fortsetzungsromans »Peter Pank – Und: Hardcore!« im Innenteil.

Nach wie vor spielt die Handlung im Januar 1987; es ist saukalt in den Dörfern zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald, und Peter Pank erinnert sich mit Grausen an die ersten Januar-Tage dieses Jahres zurück – da lebte er unter Straßenpunks in Stuttgart. Damit's ihm im Dorf nicht langweilig wird, bricht er in Begleitung seines Kumpels Jörg und eines pummeligen Journalisten zu einer kleinen Expedition auf ...

Ich weiß sehr genau, wohin ich mit dem aktuellen Fortsetzungsroman will, bin aber trotzdem immer wieder sehr überrascht, was meine Hauptfigur mit ihren Kumpels mit mir und meinen Gedanken anstellen. Aber das ist nichts neues, das war auch bei »Vielen Dank Peter Pank« und »Chaos en France« nicht viel anders, den zwei Vorgänger-Romanen. Solange es mir weiter Spaß macht, sollte das auch nicht stören.

06 August 2007

Afrikanisch essen

Wie ich ja gelegentlich in diesem Blog geschrieben habe, war ich schon mehrfach in diversen afrikanischen Ländern (nachzulesen in meinem Buch »Das Tier von Garoua – Abenteuer Alltag Afrika«, das im November 2007 im Dryas-Verlag erscheint; demnächst mehr dazu!). Insofern habe ich mehrfach Eindrücke in die afrikanische Küche bekommen.

In Eritrea war ich allerdings noch nie - im Restaurant »Kilimandjaro« (so die Schreibweise auf dem Restaurant-Schild und auf dem Kassenbon) allerdings umso öfter. Gewundert habe ich mich nicht nur einmal, warum ein Lokal mit eritreischem Hintergrund sich ausgerechnet nach einem Berg benennt, der einige tausend Kilometer weiter südlich liegt ... Aber da ging man wohl schlicht nach dem Örtlichkeitsempfinden deutscher Restaurant-Besucher, die solche Dinge nicht wissen.

Genug gespottet: Das Restaurant ist nämlich gut. Wir waren unlängst wieder drin, und sowohl die Vegetarier als auch die Aasfresser kamen auf ihre Kosten. Gut gewürzt ist das Essen allemal, aber nicht zu scharf – das paßt alles gut zusammen.

Die Bedienungen sind freundlich, die Einrichtung stimmungsvoll. (Sieht halt so aus, wie man sich in Deutschland Afrika vorstellt; in meinen Augen ein durchaus heikler Stil-Mix aus verschiedenen Kulturkreisen.) Gelegentlich sitzt merkwürdiges Volk aus dem nachbarschaftlichen Umfeld des Restaurants an der Theke, aber das kann man gut ignorieren.

Um's kurz zu machen: Das "Kilimandjaro" ist das beste afrikanische Restaurant in Karlsruhe. Ich empfehle es sehr gern.

Deutschpunk-lastig

Die gestrige Radiosendung im Querfunk, dem freien Radion in Karlsruhe, gestaltete ich ein wenig hektisch: Da ich zu lange zu Hause mit der Waschmaschine beschäftigt war, war ich danach gezwungen, mein Fahrrad wie ein Geisteskranker durch die Fußgängerzone zu dreschen, um noch halbwegs rechtzeitig ins Studio zu kommen.

»Halbwegs«, das heißt in diesem Fall, daß ich mit gut sieben Minuten Verspätung anfing. Vom Computer lief gerade eine unserer intellektuellen Pop-Sendungen, in der ein mir persönlich nicht bekannter Moderator gerade Tocotronic abfeierte, daß mir schlecht wurde. Umso besser, daß ich mit dem Psychobilly-Punkrock-Gebräu von Up To Vegas anfing ...

Thema war Baden-Württemberg, und ich gestaltete das ganze zwar recht abwechslungsreich, trotzdem kam ein Schwerpunkt Deutschpunk heraus. Tut Das Not mit Emo-Töne, Oxydation mit Junge-Männer-machen-Krawall-Punkrock und Gewohnheitstrinker mit deutschsprachigem Oi! sorgten schon für einen Touch ins Deutsche.

Okay, ganz so schlimm war ich nicht: politischer Hardcore von Guerilla, Garagen-Sound von den Seducers, IndiePop (jajaja!) von Diego, Trompetenpunk von Yakuzi und klassischen Streetpunk von den Higgins (nur echt mit schwäbischem Akzent!) brachten ein bißchen mehr Abwechslung ins Programm.

Dazu noch schweißtreibende Atmosphäre im muffelnden Studio und lauwarmes Bier. Ich kam mir vor wie auf einem Pogo-Abend und das ohne großartige Bewegung. Herz, was willst du mehr?

05 August 2007

Frühstücksbrötchen und Straßenpunks

Sonntag morgens, kurz nach dem Aufstehen: In Karlsruhe ist es etwa 13 Uhr, und ich radle zum Europaplatz, wo es beim »Wiener Feinbäcker« zwar keine besonders guten, aber immerhin genießbaren Frühstücksbrötchen gibt.

Ich trage meine übliche Kleidung an einem warmen Sommertag: Converse-Turnschuhe, kurze schwarze Hose, ein T-Shirt mit Asta Kask vorne drauf, also von meiner Lieblings-Schweden-Punk-Band der 80er Jahre (kannte ich überhaupt eine andere? egal!).

Neben der Bäckerei kommt der McDonald's, und daneben sitzt eine Gruppe Punks auf der Straße herum: bunte Haare, Nietenlederjacken, Hunde und Bierflaschen. Einer trägt ein Exploited-T-Shirt.

Nachdem ich meinen Einkauf erledigt habe, werde ich angeschnorrt: »Können Sie uns ein paar Groschen geben?« Die siezen mich! Ich bin entsetzt, springe auf mein Rad und strample nach Hause.

Unterwegs muß ich lachen. Na klar siezen die mich: Die sehen einen Mann mittleren Alters, der sich mit kurzer Hose, abstehenden Haaren und irgendeinem albernen T-Shirt, dessen Aufdruck den meisten Punks heutzutage nichts mehr sagen dürfte, noch ein bißchen jugendlich anzieht, ansonsten aber einfach mehr als doppelt so alt ist.

Wieder mal eine Schlacht gegen den eigenen Jugendkult verloren ...

02 August 2007

Schlechtschreibreform

Jetzt isse durch: die sogenannte Rechtschreibreform. Seit über neun Jahren ärgere ich mich nun über den gesammelten Schwachsinn, den irgendwelche »amtlichen Stellen« sich in dieser Zeit ausgedacht haben.

Was haben wir in den neun Jahren alles diskutiert! Groß- und Kleinschreibung, getrennt und zusam-men, Wortstämme und Apostrophe, Neudefinitionen und allgemeines Rückrudern. Jetzt dürfen wir ja wieder das »Schwarz« im »Schwarzen Brett« groß schreiben, dafür wurde das Deppen-Apostroph (bei »Lisa's Lädle«) allen Ernstes genehmigt.

Ich gestehe, dass ich schon lange nicht mehr durchblicke. Bei der Arbeit müssen im Zweifelsfall die Korrektoren ran, und die sind häufig päpstlicher als der Papst, ziehen auch Regeln durch, die von der dpa und anderen Nachrichtenagenturen aus gutem Grund ignoriert werden. Aber ich versuche ernsthaft, mich nicht mehr von jedem Scheiß aufregen zu lassen.

Zwei Änderungen habe ich mittlerweile verinnerlicht, so sehr, daß ich mich zwingen muß, sie weiterhin »alt« zu schreiben: die »ß-ss«-Regelung, nach der man eben »muss« statt »muß« schreibt, und das schließende Komma nach dem Frage- und Ausrufezeichen in wörtlicher Rede (wer das jetzt nicht kapiert hat ... auch egal).

Und wegen solcher Lappalien hat dieses Land neun Jahre lang gestritten. Glückliches Deutschland, daß du keine anderen Probleme hast!

01 August 2007

Frank Böhmert ist schuld

Das vergangene Wochenende gehörte stundenweise einem anderen Mann: Robert B. Parker heißt der Kerl, und er ist Schriftsteller. Sein Privatdetektiv Spenser hat im Pendragon-Verlag eine neue Heimat gefunden, und Frank Böhmert, den ich seit über einem Vierteljahrhundert kenne, ist der neue Übersetzer.

Grund genug, mir das aktuelle Buch anzutun: »Der stille Schüler« kam dank einer Vermittlungsmission der freundlichen Kollegen Miriam in meinen Besitz, und ich las es in rasendem Tempo, obwohl ich ja – weiß Gott! – richtig wichtige Dinge zu tun gehabt hätte.

In diesem Roman geht es um einen siebzehn Jahre alten Schüler, der mit einem anderen Jungen zusammen seine Schule stürmte. Die beiden hatten Waffen dabei, schossen um sich und töteten mehrere Menschen. Beide wurden festgenommen, beide legten Geständnisse ab.

Die Großmutter des einen Jungen glaubt aber an die Unschuld ihres Enkels; sie bittet Spenser, gegen jegliche Wahrscheinlichkeit zu ermitteln und die Unschuld zu beweisen. Spenser, der sich darüber wundert, dass niemand mehr über die Hintergründe der Tat erfahren will, kümmert sich auf seine ganz spezielle Art darum.

Der Einstieg in den Roman ist nicht einfach, da Robert B. Parker einen sehr reduzierten Stil pflegt. Beschreibungen sind auf das nötigste reduziert, Dialoge stets pointiert und kurz, nach vorne getrieben und häufig sehr lakonisch. Nach einiger Zeit hatte ich mich aber eingelesen und folgte mit staunendem Mund der sich entwickelnden Geschichte.

Spenser ist ein echter Held mit Moral und Anstand, der aber eigenen Gesetzen folgt. Um Aussagen zu erhalten, verprügelt er zwischendurch mal einen Zeugen oder legt sich mit der Polizei an, bricht in eine Wohnung ein und schreckt nicht vor Erpressung zurück. Das ist drastisch geschildert und glaubhaft erzählt – sehr spannend, obwohl fast keine Action vorkommt.

Ich gestehe, daß ich jetzt auch Spenser-Fan bin. Und Frank Böhmert ist schuld daran.

Robert B. Parker
Der stille Schüler
Originaltitel: School Days
Übersetzung: Frank Böhmert
Pendragon-Verlag, Taschenbuch
214 Seiten / 9,90 Euro / ISBN 978-3-86532-068-1

31 Juli 2007

Teeniefreie Party

In Karlsruhe hingen die letzten Wochen überall Plakate; ich guckte sie mir leider erst gestern nacht genauer an, als ich im Dauerregen unterstand, weil ich nicht bis auf die Haut durchnäßt sein wollte. Am Samstag hatte ich eine »Megaparty« verpaßt, wie mir schien.

Die Plakate versprachen eine »Ü 27«-Veranstaltung, angeblich Karlsruhes »größte und schrägste Party für alle von 27 bis 150 Jahren«. Laut Info gab es dabei Musik von gestern, gemixt mit den aktuellen Klassikern aus Charts und House, unterstützt von Saxophonspielern und Sängern.

Die Vorstellung grauselte mich schon ziemlich. Ich versuchte mir die jung gebliebenen Menschen über 27 Jahren vorzustellen, die zu irgendwelcher Musik tanzten, die ich mit hoher Wahrscheinlichkeit schlecht fand.

Und wie muß man eigentlich drauf sein, wenn man allen Ernstes mit folgendem Slogan wirbt: »100 Prozent teeniefrei« ... Vielleicht hätte ich doch hingehen sollen, um mir das »Reste-Poppen« der über-27-jährigen Karlsruher in der Festhalle Durlach anzuschauen ...

30 Juli 2007

Die Geschichte mit dem Zungenkuß


Ich brauchte zwar einige Zeit, um das Heft zu lesen, hab's aber keine Sekunde bereut: Das Fanzine Punkrock! – nur echt mit dem Ausrufezeichen – aus Mannheim zeigt mit seiner dritten Ausgabe zwar einen ausgesprochen un-hübschen Cover-Boy, überzeugt dafür aber mit schick gestaltetem und sehr gut geschriebenem Inhalt. Und das nicht nur, weil die Jungs & Mädels mein Buch »Zwei Whisky mit Neumann« positiv besprechen ...

Mir gefallen natürlich die Interview, etwa mit der Band Die Rote Suzuki oder mit Tobi von Twisted Chords, und ich las auch die Besprechungen neuer Tonträger und Papierberge. Am besten ist das Fanzine auf seinen sage und schreibe 96 Seiten allerdings vor allem dann, wenn es ans Erzählerische geht.

So begeisterte mich die Geschichte vom ersten Zungenkuß am meisten, aber auch die Erlebnisberichte vom Force Attack Festival oder von einer Begegnung mit dem Nationalen Widerstand machten Spaß. Die hohe Kunst des Erzählens – sehr schön!

Zwei Euro kostet das Ding, und die sind super investiert. Kaufen und abonnieren! Checkt die Homepage!

Amerikanische Sounds

Sieht man von einigen technischen Pannen aufgrund eigener Vertrotteltheit ab, war die gestrige Radiosendung richtig gut; zumindest fand ich das. Thema im ENPUNKT-Radio des gestrigen Abends war »Punk/Hardcore aus den USA«, wobei ich meinen Schwerpunkt auf aktuellere und auch nicht so bekannte Bands legte.

Das hieß in diesem Fall, daß die poppigen The Unknown aus Cleveland, Ohio, liefen oder die nach 1977 klingenden Observers aus Portland, Oregon. Etwas bekannter sind wahrscheinlich die Messengers aus Cincinatti, Ohio, oder das sehr poppige Lo Fat Orchestra aus Detroit. Anarcho-Punk aus Minneapolis, Minnesota, gab's von The Provoked, Anarcho-Punk aus Salt Lake City, Utah kam von All Systems Fail.

Dazu noch eine Prise richtig guten Emo-Punk von North Lincoln aus Grand Rapids, Michigan, und anderer Kleinkram, und fertig war die gestrige Punk-Suppe im freien Radio Querfunk in Karlsruhe. Schön war's.

29 Juli 2007

Gelbe Monster in Alaska

Wir waren in »Die Simpsons«, jawoll! Und wir haben es keine Sekunde lang bereut. Man muß natürlich den schrägen Humor der amerikanischen Zeichentrickserie mögen, um ihn auch auf Leinwand genießen zu können – dann machdt es richtig Spaß.

Es gibt haufenweise interne Witze, in denen die Fernsehserie selbst oder ihre Vermarktung durch den Kakao gezogen werden. Und natürlich gibt es weitere Witze, in denen Green Day, Arnold Schwartzenegger, Hillary Clinton und andere amerikanische Prominente verarscht werden. Von der generellen Kritik an Medien und Politik mal ganz zu schweigen.

Als einzig negativ fielen mir einige deutsche Sprecher auf; so paßt Anke Engelke nicht gerade zu Marge Simpson. Aber das kommt davon, wenn die Studios irgendwelche Promis engagieren und nicht unbedingt gute Sprecher.

Es stört nicht ernsthaft. Dafür gab's genug zu lachen und zu grinsen, bis in den Abspann hinein übrigens. Wer noch nicht in dem Streifen war: Es gibt sogar blöde Witze nach dem Abspann. Hübsch.

27 Juli 2007

Geschmacksverwirrungen

Beliebt ist ja, über den schlechten Geschmack anderer Menschen zu lästern. Mache ich auch gern – schließlich weiß ja jeder von sich selbst, daß er einen guten Geschmack hat. Ob das jetzt Musik oder Comics, Klamotten oder Pizza angeht, das Prinzip ist dasselbe. Vor allem bei Musik einigt man sich dann gerne darauf, daß »Geschmäcker eben verschieden« seien.

Liberales Geschwätz!

Anders rum wird ein Schuh draus: Es geht nicht darum, wer einen guten oder schlechten Geschmack hat, sondern es geht darum, daß die meisten Leute überhaupt keinen Geschmack besitzen. Mir ist es egal, ob jemand grauenvollen Deathmetal, peinlichen HipHop oder gruseligen Gruftie-Scheiß hört – letztlich beweist ein Mensch, der sich mit diesen für mich grausigen Musikrichtungen beschäftigt, in gewissser Weise schlicht seinen eigenen Geschmack.

Und das begrüße ich. Angesichts der Tatsache, daß die meisten Leute anscheinend am liebsten »die größten Hits der 70er, 80er und 90er Jahre« hören oder das Autoradio plärren lassen, wenn sie sich nicht komplett dem Geschmacksdiktat von MTV oder SWR 1 unterwerfen, ist mir egal, welchen Geschmack jemand hat.

Ich kann den noch so gräßlich finden, das ist zweitrangig. Lieber eine Geschmacksverwirrung als gar keinen Geschmack!

25 Juli 2007

Harry Potter und die deutschen Verlage

Auf einer Veranstaltung lernte ich eine deutsche Verlagsangestellte kennen. Sehr belesen, sehr klug, sehr intellektuell, natürlich ein Doktor-Titel. Irgendwie kamen wir auf den Erfolg der »Harry Potter«-Bücher zu sprechen.

»Es gab ja deutsche Verlage, die haben das Buch abgelehnt«, lästerte ich nicht zum ersten Mal bei diesem Thema. »Die Lektoren dort werden sich doch heute schwarz ärgern.«

Sie schüttelte den Kopf. »Na ja«, wandte sie ein, »der eine Verlag, den ich kenne und der es abgelehnt hat, bekam nur die ersten hundert Seiten. Und nach diesen ersten hundert Seiten mußte eine Entscheidung fallen.«

Wer sich jetzt wundert: Das ist nicht ungewöhnlich. Häufig werden Bücher von Verlagen auch angekauft, obwohl noch keine einzige Zeile geschrieben worden ist. Man investiert da gewissermaßen in die Zukunft, weil man ja glaubt, irgendwann einen großen Erfolg zu landen.

»Aber«, so fügte die Kollegin hinzu, »ich hätte genauso gehandelt. Ich habe die ersten hundert Seiten nämlich auch gelesen. Eine Ansammlung von Klischees, lauter kindisches Zeugs.«

Jetzt schüttelte ich den Kopf. Mich hatte Harry gleich gepackt; ich fand die Geschichte des Jungen, der bei seinen grausigen Zieheltern und seinem blöden Vetter aufwachsen muß, packend. Aber ich habe auch in mancherlei Hinsicht ein kindliches Gemüt und stehe auf Unterhaltungsliteratur.

Schon blöd, wenn in deutschen Verlagen manchmal Leute über Bücher entscheiden müssen, die manchmal rein gar nichts mit dem Inhalt anfangen können ...

24 Juli 2007

Punkrock-Papa

Auch schon über ein Jahr als ist das Fanzine Punk is dad, dessen ungewöhnlicher Name sich zwar an den Exploited-Klassiker »Punk's not dead« anlehnt, das sich aber darauf bezieht, daß sein Macher tatsächlich Punkrocker und mehrfacher Vater ist. Das finde ich richtig respektabel, belegt es doch, daß man als Punk auch ausprobieren kann, inwiefern Elternklischees unbedingt »nötig« sind.

Das vorliegende Heft ist locker mal 60 Seiten dick und liest sich zeitweise richtig gut; der Macher Tobi hält eine geschickte Mischung aus Besprechungen, Konzertberichten und privaten Texten ein, vermengt dazu noch einiges an politischem Kram, so daß sein Heft originell genug ist.

Deutschtechnisch finde ich das Heft nicht immer gut, manche Beiträge interessieren mich rein gar nicht, und das Layout ist auch nicht immer überzeugend - aber die Mischung macht's. Zudem kostet es gerade mal eineinhalb Euro. Wer sich interessiert, wende sich vertrauensvoll an Punkisdad-at-hotmail.com oder versucht, den Macher mal bei einem Punk-Konzert in Regensburg anzusprechen ...

23 Juli 2007

Der rockende Schrecken

Ich war schätzungsweise 15, als ich die »Rocky Horror Picture Show« zum ersten Mal sah. In den 70er Jahren und in der Kleintadt war das ganz schön rotzig, fand ich: Männer in Strapsen, laute Rock-Musik, dazu die Verherrlichung von Sex und Drogen.

Zwischen 1979 und 1984 sah ich den Film noch zweimal im Kino - man ging in der Clique hinein - und einmal zur Hälfte auf Video. Als ich in den späten 80er Jahren im Jugendzentrum »Murgtäler Hof« in Freudenstadt gelegentlich Platten auflegte, gehörte der »Time Warp« aus diesem Film-Soundtrack zum subkulturellen Tanz-Inventar.

Seither habe ich den Film irgendwie nicht mehr vermißt. Als er aber unlängst im Fernsehen kam, war alles wieder da: Ich erinnerte mich an jede Szene, ich konnte manches mitsprechen, und ich ärgerte mich über die miesen Übersetzungen in den Untertiteln (na ja, heute ist mein Englisch auch ein wenig besser als zur Schulzeit).

Nur: Der Spaß von damals stellt sich nicht mehr ein. Die »Rocky Horror Picture Show« hat nicht subkulturelles mehr an sich. In Zeiten, in denen Marilyn Manson zur guten Sendezeit auf MTV läuft, kann ein Tim Curry als Frank N. Furter wirklich nicht mehr schocken. Das ganze wirkt heute trashig im unfreiwilligen Sinne.

Eine seltsame Zeitreise für mich!

22 Juli 2007

Sterben die Dummen nie aus?

Mal wieder eine Mail der besonderen Art. Ein gewisser Martins Weber Dito schrieb mich an, ich zitiere auszugsweise aus dem lustigen Schreiben, inklusive aller Schreibfehler natürlich:

»Ich bin bei einer routinen Überprüfung in meiner Bank (Standard Bank von Süd Afrika) wo ich arbeite, auf einem Konto gestoßen, was nicht in anspruch genommen worden ist, wo derzeit $12,500,000 (zwölfmillionenfünfhundert US Dollar) gutgeschrieben sind.

Dieses Konto gehörte Herrn Manfred Becker, der ein Kunde in unsere Bank war, der leider verstorben ist. Herr Becker war ein gebürtiger Deutscher.Damit es mir möglich ist dieses Geld $12,500,000 inanspruch zunehmen, benötige ich die zusammenarbeit eines Ausländischen Partners wie Sie,den ich als Verwandter und Erbe des verstorbenen Herrn Becker vorstellen kann,damit wir das Geld inanspruch nehmen können.

Für diese Unterstützung erhalten Sie 30% der Erbschaftsumme und die restlichen 70% teile ich mir mit meinen zwei Arbeitskollegen, die mich bei dieser Transaktion ebenfalls unterstützen.Wenn Sie interessiert sind, können Sie mir bitte eine E-Mail schicken, damit ich Ihnen mehr Details zukommen lassen kann.«

Ich hab's unterlassen, darauf zu reagieren. Aber vielleicht mag jemand martinsdito@aim.com anmailen und mit ihm dieses großartige Geschäft anbahnen ...

21 Juli 2007

Karlsruhe brodelt jugendlich

Als ich gestern von München zurück kam, fiel mir auf, wie viele junge Menschen in Karlsruhe unterwegs waren. Dutzende, nein, Hunderte von Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren strömten zu Fuß oder auf dem Fahrrad in Richtung Europahalle; die Straßenbahnen in diese Richtung waren alle voll.

Heute herrschte dasselben Bild. Der Grund: In der Günther-Klotz-Anlage tobt von Freitag bis Sonntag »das Fest«, die große Karlsruher Open-Air-Veranstaltung, die jährlich Zigtausende aus Süddeutschland und dem nahegelegenen Ausland anzieht. Für dieses Jahr rechnete man mit insgesamt 300.000 Besuchern – »umsonst und draußen« nannte man so etwas noch in den 80er Jahren.

Ohne mich allerdings. Schon im letzten Jahr verpaßte ich bewußt die Großveranstaltung, und das, obwohl ich sie jahrelang gern besucht hatte. Kein Wunder bei der Mixtur aus bekannten und unbekannten Bands.

Faithless und Asiandubfoundation, The Stranglers und Suzanne Vega, Simple Minds und New Model Army ... irgendwie spielte alles, was irgendwann mal Rang und Namen hatte, in Karlsruhe. Geile Sache.

Aber im Lauf der Jahre wurde aus einer Veranstaltung für einige tausend bis zehntausend Leute eine Großveranstaltung mit hunderttausenden. Wenn man irgendwann auf dem Festival-Gelände nicht mehr umfallen kann, weil es so voll ist, bleibe ich lieber daheim und schreibe.

Wobei es heute abend ohnehin regnete ...

19 Juli 2007

Essen in München - Teil 2

Das Kaffeehaus des Literaturhauses - gedacht für Literaten, aber dummerweise in absolut bonziger Umgebung platziert. Männer in Anzug und Krawatte und Frauen in teuer aussehenden Kostümen sitzen an den schicken Tischen.

Ein Salat kostet über zwölf Euro; die Portionen sind klein und sehen nach Nouvelle Cuisine oder anderem Quatsch aus. Eine Handvoll Nudeln mit Soße, die gut schmeckt, kosten in Tateinheit mit einem Glas Spezi und Trinkgeld dann auch gleich elf Euro.

Respekt. München ist eine teure Stadt, das wußte ich schon. Aber das Kaffeehaus als Treffpunkt für Autoren und Übersetzer wirkt schon arg teuer.

Essen in München - Teil 1

Der Elisenhof unweit des Hauptbahnhofs ist eine Mischung aus Einkaufszentrum und direkter Anbindung zu den S-Bahnen; unter anderem gibt es auch diverse Restaurants. Ich setze mich ins "New Saigon", das vietnamesische Restaurant, direkt neben dem Einkauf zum Edeka-Neukauf-Markt.

Männer sitzen dort herum, reden im schlimmsten Bayerisch mit dem vietnamesischen Kellner, trinken fleißig Hacker Pschorr aus Weizenbiergläsern und verschlingen Unmengen an Schnitzel mit Pommes frites. Ich futtere ein leckeres vietnamesisches Gemüse- und Reisgericht mit scharfer Curry-Soße; es erinnert mich an das leckere Essen während meines damaligen Urlaubs und ich werde für einen Moment glatt sentimental.

Neonlicht flimmert über den Steinplatten auf dem Fußboden und der Glasfront des Supermarkts. Stimmengewirr flattert durch die Gänge, es riecht nach Bier und Curry.

Über den Tischen hängen zwei kitschige Drachen aus Papier; sie bilden die optische Trennung zum Modemarkt Adler im Erdgeschoß, und sie scheinen auf die bayerischen Männer und mich herunterzugrinsen.

Hätte ich an ihrer Stelle wohl genauso gemacht.

17 Juli 2007

Gute Stube Gutenbergplatz

Ich mag Karlsruhe sehr, das merke ich an Tagen wie diesen: Sommerlich warm ist es, man kann auch spät abends auf der Straße herumsitzen und Bier trinken, solange es die Nachbarn nicht zu sehr stört.

Besonders ideal ist dabei der Gutenbergplatz ganz in der Nähe, den ich gern als "meine gute Stube" bezeichne: Kopfsteinpflaster, halbwegs alte Häuer drumrum, sehr nette Kneipen und Restaurants und überall die Möglichkeit, im Freien zu sitzen.

So auch gestern. Bei tropischen Temperaturen von über 34 Grad auch abends um halb elf Uhr schmeckt das kühle Weizenbier gleich doppelt gut, wenn man mit netten Leuten auf dem Gutenbergplatz sitzt.

16 Juli 2007

Comic-Fanzine aus der Schweiz


Immer wieder überraschend ist die bunte Mischung, die das Fanzine Kaufzwang für den Leser bereit hält. Schönes Beispiel: die aktuelle Ausgabe 4.

Manche Comics sind grottenschlecht, zumindest nach meinen Begriffen; vielleicht ist das auch nur künstlerisch wertvoll, das weiß ich nicht immer. Andere Comics sind originell und skurril zugleich.

Eine bunte Mischung auf 32 A4-Seiten auf jeden Fall, die es für zwei Euro oder gegen ein Austausch-Fanzine zu entdecken gibt. Direkt per Mail den Kontakt herstellen über: Captain_Cumulus@gmx.net. Oder die Blogspot-Seite mal gucken ...

15 Juli 2007

Harry zum fünften

Gelesen habe ich nur die ersten drei Abenteuer des jungen Zauberlehrlings Harry Potter. Mittlerweile kam die Verfilmung des fünften Buches ins Kino, und natürlich hab' ich mir das angeschaut.

Anfangs fand ich den Film ein wenig zerfasert (trotzdem gab's einige coole Effekte), gegen Ende wurde er arg schnell runtergehudelt. Unterhalten konnten wir uns trotzdem sehr gut - vor allem die bescheuerte Schulleiterin in pinkfarbenem Kostüm bereitete viel Freude.

Die beste Szene im Film war allerdings die eigentlich sehr punkrockige Einlage mit den zwei Brüdern, die mit einem Haufen von Knallkörpern alles durcheinander bringen, die Autoritäten bloßstellen und sich dann gemeinsam verpissen. Sehr schön - endlich mal ein Schlag gegen das eigentlich fürchterlich autoritäre System der Zaubererschule (ich wäre da längst abgehauen).

Amüsanter Film. Sicher nicht der beste Potter, aber auf jeden Fall brauchbar.

13 Juli 2007

Stress-Wochen

Eine Situation, die langsam an die Nerven geht: Ununterbrochen sind Termine einzuhalten, praktisch jeden Tag ist eine Besprechung - und wenn das nicht ist, wird garantiert ein Autor oder sonst ein freier Mitarbeiter krank, und irgendwelcher Mist bleibt an mir kleben.

Ich stelle fest, wie kurzatmig ich bin, wie angespannt und hektisch, wie dauernd genervt und auch aggressiv. Kein guter Umgang also für Kollegen/innen, für die Lebensgefährtin, für Freunde & Bekannte. Wobei deren freundliche Wünsche wie »Darfst halt nicht so viel arbeiten« ebensogut gemeint sind wie »Dann gib halt mal einen Roman in Druck, der deinem Qualitätsanspruch nicht genügt«.

Schwierige Sache, das. Vielleicht hätte ich mir doch einen Beruf aussuchen sollen, mit dem ich mich nicht identifizieren kann. Lagerarbeiter in einem Supermarkt (wie 1981 bis 1984) oder Landwirtschaftshelfer (wie 1979/80). Da hat man dann auch pünktlich Feierabend.

Aber: An diesem heiligen Wochenende soll ja endlich der Sommer kommen. Und ich hab' mir fest vorgenommen, kein Manuskript zu lesen.

12 Juli 2007

Blättern in den frühen 80er Jahren

Ausgelöst durch die Lektüre von »Bam Wam«, dem Roman Oliver Bopps, nahm ich mir in den letzten Tagen immer mal wieder zwei Klassiker der amerikanischen Underground-Literatur vor, die auch im eben erwähnten Buch vorkommen. Schon seltsam, nach einem Vierteljahrhundert mal wieder in Büchern zu blättern und zu lesen - ich fand anfangs der 80er Jahre praktisch alle Bücher aus dem Maro-Verlag genial.

Mit dem Abstand wächst auch das Unverständnis ... Jack Michelines Kurzgeschichten finde ich immer noch lesenswert; sie haben auch in der nicht sonderlich überzeugenden Übersetzung (das fand ich damals toll!) ihren eigenen »Drive« und machten mir erneut Spaß. Sehr gut, sehr spannend.

Ganz anders Gerald Locklin. Einigermaßen irritiert saß ich mit dem Buch da und versuchte, Gefallen an den Gedichten und Geschichten zu finden. Mit dem langweiligen Zeugs wurde der Mann in den 70er Jahren zuerst zum Underground-Star und dann zum Literatur-Professor? Unglaublich.

Die zwei Bücher landeten jetzt wieder im Regal. Vielleicht hole ich sie in weiteren 25 Jahren wieder raus. Ich will gar nicht ausrechnen, wie alt ich bis dahin bin. Aber mein Geschmack hat sich bis dahin auf jeden Fall weiter verändert ...

11 Juli 2007

Leopardenmuster

Bleibt man in diesem Sommer 2007 eigentlich vor nichts mehr verschont? Am heutigen Tag kurz nach 18 Uhr habe ich das Schreckliche wieder gesehen ...

Es war in der Karlsruher Innenstadt, und sie war vielleicht anfangs 50: eine rundliche Dame mit etwas zu viel Schminke im Gesicht und knallroten Fingernägeln. Sie trug eine Leggins mit Leopardenmuster.

Eine Leggins ... Leoparden-Schick ... Die Hose saß wie angegossen und betonte jede Krampfader. Und die schwarzen Flecken tanzten geradezu über den hellen Hintergrund. Fast wäre ich vom Rad gefallen.

Was sagt da eigentlich Innenminister Schäuble dazu?

Witze machen

Bevor ich die Filigranmusiker von Rudolfs Rache aus dem beschaulichen Wilhelmshaven kennenlernte, hielt ich Ostfriesen pauschal für dumme Menschen. Ein Erfolg, wie jahrelange dumme Witze einen jungen Menschen verderben können.

Heute wohne ich in Karlsruhe, und hier macht man Witze über Pfälzer, also die Bewohner des südlichen Teils von Rheinland-Pfalz. Aus dieser Region kommt übrigens Kurt Beck, der aktuelle Sozialdemokraten-Häuptling, und vieles, was man über die Pfälzer mit lästerhafter Zunge sagt, ist einfach wahr.

Die Pfälzer wiederum machen Witze über die Saarländer. Das kann ich gut verstehen, nachdem ich in den 80er und 90er Jahren viele Expeditionen in das kleine Bundesland unternahm, wo alte Menschen ja nun wirklich sagen, sie führen »ins Reich«, wenn sie die Grenzen nach Rheinland-Pfalz überschreiten.

Schon seltsam: Über wen machen eigentlich die Saarländer Witze?

09 Juli 2007

Bundeswehr, Literatur und Erinnerung


1981 bis 1985 las ich regelmäßig die aus Münster stammende Literaturzeitschrift Am Erker; ich hatte zeitweise sogar ein Abonnement, wenn ich das Heft nicht bei Josef Wintjes in Bottrop bestellte. Irgendwann lief das Abo aus, und ich bestellte nicht mehr nach, ohne daß ich heute wüßte, warum das so war.

1984/85 war ich bei der Bundeswehr, die mit Abstand dümmste und überflüssigste Zeit meines Lebens. Sicher auch mal Thema für ein Buch voller peinlicher Geschichten, aber nicht jetzt.

Am Erker habe ich Ende letzten Jahres wieder abonniert. Mittlerweile ein schickes Paperback, das kaum noch an das Fanzine von vor einem Vierteljahrhundert erinnert - sehr schön! Ich erfreue mich an Gedichten und Geschichten, Besprechungen und Artikeln, stoße auf unbekannte Autoren und stelle fest, was es alles an interessanter Lektüre gibt.

Und natürlich lese ich keine Ausgabe komplett, dazu fehlt mir die Zeit; ich sehe Am Erker schlicht als bereichernd.

So auch die Ausgabe 53 mit dem Themenschwerpunkt Bundeswehr. Verschiedene Autoren nehmen sich des Themas an, manchmal literarisch-verquast, manchmal aber ziemlich cool. Sogar eine Geschichte mit Afghanistan-Thematik ist enthalten.

Ein lesenswerter Band, wie ich finde. Nicht nur für Leute, die in den 80er Jahren so blöd waren, zur Bundeswehr zu gehen ... 178 Seiten für neun Euro, ein Vierar-Abo gibt's für 30 Euro

Endgültig gaga?

Daß in diesem Land so einige Leute langsam hohldrehen, ist nichts neues. Die Spirale aus Angst und Schrecken, aus Wahn- und Unsinn – die dreht sich immer schneller. Und ich krieg' das manchmal gar nicht mehr rasch genug mit.

So erfuhr ich am Wochenende nur am Rande, dass mein Lieblings-Badener mal wieder Sprüche klopfte, bei denen es mir die Schuhe auszieht: Wolfgang Schäuble, gewissermaßen ein Landsmann von mir (was man beim Sprechen ja durchaus hört ...), denkt mittlerweile öffentlich über Dinge nach, für die man ihn eigentlich sofort einsperren müßte.

Wer so was fordert, fordert im Prinzip doch nix anderes als die Abschaffung der Grundrechte. Und dann wird er auch noch allen Ernstes von irgendwelchen CDU-Superhilfsheriffs unterstützt.

Besonders lustig finde ich Schäubles Überlegungen, man könne künftig verdächtige Personen »gezielt töten«. Also zackzack irgendwelche Leute abknallen, die man für Terroristen, Extremisten oder vielleicht auch nur Falschparker hält – eine großartige Idee.

Früher wäre man für solche Ideen eingesperrt worden, heute darf ein Minister so einen Unsinn erzählen; für den er immerhin noch den Begriff »rechtliches Problem« findet – das man dann lösen müsse. Wer in diesem Land derzeit der Grundgesetz-Aushöhler und -Verletzer Nummer eins ist, steht spätestens nach solchen Aussagen fest.

08 Juli 2007

Fahrrad-Missionar

Samstag mittag in Karlsruhe. In Hausschuhen, CRASS-T-Shirt und mit einer zerrissenen Jeans (also in einer Kleidungsmischung aus spießig und punkig) gehe ich über den Platz von meinem Auto zum Gartentor.

Auf einmal hält ein Radfahrer neben mir: grauhaariger Mann in brauner Hose und brauner Jacke, darunter ein kariertes Hemd. »Entschuldigen Sie«, beginnt er, »daß ich Sie so einfach anspreche. Haben Sie kurz Zeit?«

Ich bleibe stehen und mustere ihn irritiert, ohne etwas zu sagen. Hat er sich vielleicht verfahren?

»Wissen Sie«, sagt er, »wenn ich einen jungen Mann wie Sie sehe, muß ich kurz anhalten.«

Junger Mann? Wohin guckt der? Offiziell gilt jemand wie ich als »Mann mittleren Alters«. Ha!

»Ich komme vom evangelischen Missionswerk und wollte mit Ihnen kurz über ...«

Ich halte ihm die gekreuzten Zeigefinger vor die Nase. »Halt! Kein Wort mehr! Ich will nichts von Kirchen wissen.«

Er stottert. »Aber ... aber ... ich wollte doch gar nicht ...«

Ohne ein weiteres Wort drehe ich mich um und ignoriere sein Gestammel. Ich glaub's einfach nicht: Am hellichten Tag überfallen einen die Sektierer schon vor der Haustür ...

07 Juli 2007

Ein alter Mann, der rockt

TV Smith ist seit 1977 in der Punkrock-Szene aktiv. Damals startete er mit den Adverts durch und hatte mit »Gary Gilmore's Eyes« sogar einen echten Hit. Seit Jahren tourt er solo.

Am Freitag, 6. Juli 2007, stand der mittlerweile über fünfzig Jahre alte Sänger mal wieder auf der Bühne des »Mikado«, des Kulturzentrums in der Karlsruher Nordstadt. Vor ihm zelebrierten die Jungs – und das eine Mädel – von der Garden Gang aus München ihre Mixtur aus 77er-Punk und Glamrock; sehr nett und zu recht mit viel Beifall belohnt.

Zum Toben und Johlen kam der Saal aber bei TV Smith. Wie es der alte Mann des Punkrock schafft, allein mit seiner Stimme und seiner Gitarre die Leute zum Tanzen, zum Mitsingen und zum Hüpfen zu bringen, das ist schon sagenhaft.

Einzig kritisch fand ich das hohe Durchschnittsalter im Saal – die Leute waren im Schnitt zwischen 30 und 40 Jahren alt. Das ist dann wirklich Senioren-Punkrock; da sage ich nichts dagegen, aber mit ordentlicher Werbung hätten sich auch noch einige aktive Jung-Punks in den Saal verirrt.

Scheißegal: TV Smith rockte wie Sau. Und sein Stück »The Future Used To Be Better« ist auch die ultimate Hymne für alternde Punkrocker.

06 Juli 2007

Gut Essen auf Badisch

Empfange ich im Büro irgendwelche Besucher, stellt sich oft die Notwendigkeit, mit diesen essen zu gehen. Meist gehen wir in die Kantine (damit habe ich kein Problem) oder zum nahegelegenen Italiener (schmeckt okay, ist nicht Weltklasse, aber völlig in Ordnung). Manchmal aber, wenn es besonders wichtig ist, müssen wir auswärts essen.

So auch gestern. Mit Gästen aus dem Norden muß man feudal essen gehen, so die Idee der Chefetage. Also eierten wir in zwei Autos über die Dörfer, bis wir die reizende Landgemeinde Hügelsheim erreichten.

Dummerweise sind gerade die Autobahnen rings um Karlsruhe eine einzige Baustelle, was dazu führt, daß die klugen Fahrer alle von der Autobahn runtergehen und über die Dörfer eiern. Wie wir auch ... Und alle stehen in denselben Dörfern vor denselben Ampeln in denselben Umgehungsstraßen-Staus. Na super!

Dafür gab's original badische Küche: fettreiche Soßen voller Geschmacksverstärker und Fleischfraß ohne Ende. Für den Vegetarier gab's einen Salat und eine blöde Bemerkung der Bedienung, als Vorspeise eine Pilzrahmsuppe, auf deren Fleischlosigkeit ich sowieso nicht gewettet hätte.

Das ganze dauerte inklusive An- und Abreise und der Besichtigung trottelig-badischer Autofahrer geschlagene zweieinhalb Stunden. Künftig schleppe ich meinen Besuch wieder in die Kantine.

05 Juli 2007

Rockass rockt


Da der Herausgeber seit einiger Zeit keine neue Ausgabe herausgebracht hat (kein Wunder; er hat geheiratet), stört es hoffentlich nicht so sehr, daß ich mit mörderischer Verspätung auf Rockass 8 hinweise, die aktuelle Ausgabe acht des Punk- und Rock'n'Roll-Fanzines aus Münster. Schickes A4-Format, lesbares Zeitschriften-Layout, immer interessante Beiträge.

Klar, daß mir der Beitrag über die Avengers am besten gefallen hat: Penelope Houston fand ich schon vor einem Vierteljahrhundert gut, und live überzeugte mich die alte Dame des Punk unlängst in Frankfurt. Cool: ein Interview mit den Sunny Domestozs, der Psychobilly-Band aus Münster, von denen ich mir anno 1986 ein Tape kaufte – die gibt es jetzt wieder.

Dazu Bands wie die Lazy Cowgirls (ich erinnere mich noch gern an ein unglaubliches Konzert in den späten 80er Jahren in Schramberg im Schwarzwald) oder die Uralt-Band The Dicks (Interviews hier in Englisch!). Einen Tourbericht gibt es mit der coolen Rotzepunk-Band Hidden Charms aus Münster. Dazu die üblichen Besprechungen.

Eine sackgeile Mischung, die auf 32 A4-Seiten für einen Euro plus Porto präsentiert wird.

04 Juli 2007

Punkrock for Hell!


Es lohnt sich immer wieder, die Heftromane der Konkurrenz durchzublättern. Diese Woche war's dann mal ein JOHN SINCLAIR-Heft, das den wunderbaren Titel »Der Höllenpunk« trug. Ich zitiere aus der Beschreibung einer der zwei wichtigen Nebenfiguren:

»Lena war siebzehn. Ein heißer Feger, ein Punk mit grünen Haaren, die wie breite Stacheln auf dem Kopf wuchsen. Sie hatte eigentlihc ein nettes Gesicht, noch etwas kindlich und rund, aber durch die ebenfalls grün geschminkten Lippen wirkte es stets verfremdet. Sie sah so aus, als würde sie auf ihren Auftritt in der Manege warten. Aber dazu fehlte ihr die entsprechende Glitzerkleidung.

Sie trug Jeans mit bewusst hineingeschnittenen Löchern, ein verwaschenes Sweatshirt und eine dunkelgrüne Lederjacke, die sie erst am gestrigen Tag in einem Billig-Shop gestohlen hatte. Das war eigentlich nicht ihr Outfit, aber sie wusste, was auf sie zukam, und hatte sich dementsprechend angezogen.«

John Sinclair regelt alles, prügelt sich dann auch mit einigen »Punkern« herum und legt letzten Endes den »Höllenpunk« aufs Kreuz. Yes!, so geht das ab in Gruselkreisen, wenn die bösen Punker mal wieder so richtig gemein sind. Großartiger Lesespaß!

03 Juli 2007

Geläster über Punkrock

Keine Ahnung, welcher Teufel mich am Sonntag abend, 1. Juli, ritt: Es war meine monatliche Punkrock-Radiosendung im freien Radio Querfunk, und ich lästerte praktisch ununterbrochen über die aktuellen Punk-Platten aus Deutschland, die ich spielte.

»Kreuzlangweilig« war eines meiner Lieblingsattribute für Bands wie Montreal aus Hamburg oder Bitume aus Oldenburg, »Musik, die meine Mutter mit ihren 76 Jahren nicht mehr aufregt.« Oder zu Raketenhund aus Braunschweig: »ideal für junge Männer, diegerne Halsketten mit Holzperlen tragen.« Daß ich noch ein Konzert mit Kettcar und einigen anderen Emo-Kapellen ankündigte, paßte gut ins Läster-Bild.

Immerhin hatte ich auch Hallo Kwitten aus Flensburg am Start, die ich nicht belästern konnte. Und den Abschluß bildeten die herrvorragenden Nein Nein Nein, die immerhin rotzigen Punk mit deutschen Texten spielen – so etwas hört man hierzulande tatsächlich immer seltener.

Festzuhalten bleibt trotzdem: Die Sendung am Sonntag abend hatte aufgrund meines unaufhörlichen Spottes über Punkrock hoffentlich einen hohen Unterhaltungswert.

02 Juli 2007

Yipee-yi-yea, Schweinebacke!

Man muß über »Stirb langsam 4.0« nicht mehr viel sagen, die meisten werden die einschlägigen Kritiken und Berichte in allen nur erdenklichen Medien mitbekommen haben. Auch das Internet überschlägt sich mit der üblichen unkritischen Berichterstattung.

Sagen wir so: Ich habe mich am Samstag abend königlich amüsiert. Bruce Willis ballert sich im vierten Teil von »Die Hard« durch New York und Washington sowie West Virginia und noch mindestens zwei weitere Bundesstaaten an der amerikanischen Ostküste.

Daneben gibt es haufenweise Seitenhiebe auf Kung-Fu-Stars, auf Computerspieler und Handy-Experten, auf das doofe FBI und was einem sonst noch einfallen mag. McLane als knallharter Bulle setzt sich mit sturer Muskelkraft und lakonischem Humor gegen alles durch, knallt reihenweise Bösewichte ab und hat ganz nebenbei noch eine Tochter, die ihm in jeglicher Hinsicht nacheifert.

Zu viel nachdenken darf man bei diesem Film nicht – dazu hat man im übrigen keine Luft, da es immer ratzfatz vorangeht. Gelungene Kino-Unterhaltung mit knalligen Effekten, viel Licht- und Krachspektakel und allerlei Krimskrams gibt es haufenweise. Ich kann mir nicht vorstellen, daß so was auf Video und in der Glotze ebenso gut funktioniert.

Dieser Film ist ein erneutes Plädoyer fürs Kino. Reingehen, staunen und Spaß haben!

30 Juni 2007

Mensch, Heidelberg!

Hat wohl nicht so geklappt, Heidelberg, na? Unesco-Welterbe wolltest du werden – und jetzt haben sie dich auf den Stand zurückgestellt, der dir gebührt: Universitätsstadt, Touristensumpf, Japaner- und Amerikaner-Treffpunkt.

Seien wir ehrlich: Seit das Autonome Zentrum im letzten Jahrhundert (so lang ist das schon her!) seine Pforten schließen mußte, war in Heidelberg nicht mehr viel los. Kein Grund, Welterbe zu werden, nur weil die Studenten hier vor 200 Jahren »die Sau rausließen«, in dem sie besoffen und nachts irgendwelche Schweine aus den Ställen der Bauern und Landsleute durch die Straßen der Stadt trieben.

Okay, es gibt einen tollen Schokoladenladen und charmante Buchgeschäfte, nette Cafés und haufenweise Touristenscheiße in der Fußgängerzone. Es gibt ein China-Restaurant, das tatsächlich leckeres Essen anbietet, und das eine oder andere gutbürgerliche Restaurant, in das man gehen kann, ohne brechen zu müssen.

Aber Welterbe? Na ja ... Also, Heidelberg, da mußt du dich schon noch mal ein bißchen anstrengen. Ich meine: Karlsruhe ist Beamtenstadt, das klingt auch nicht viel cooler ...

29 Juni 2007

Spießer und Punks

Im Fernsehen markiert er ja den geradezu idealen Spießer (der jetzt konsequenterweise von einem blöden Schnösel weggemobbt wird), in Wirklichkeit hat er eine Punkrock-Vergangenheit: Manuel Andrack, der Redakteur der Harald-Schmidt-Show. Seit ich das entsprechende Interview auf der STERN-Homepage gelesen habe, bin ich deswegen geradezu baff.

Immerhin sieht er im Nachhinein seine Punk-Zeit als »Spaß, Freizeit, hemmungslose epikureische Verschwendung«. Na klasse, wenn das nicht punkig klingt ... Für mich war's irgendwie was anderes.

Die Vorstellung, daß ich irgendwann in den 80er und 90er Jahren, als es mich doch gelegentlich nach Köln verrschlug, neben Manuel Andrack im »Station« in Köln gesoffen haben könnte, erschüttert mich schon. Allerdings: Gucke ich heute in den Spiegel, sieht mich ja auch nicht gerade ein Punkrocker an.

Also darf der bürgerlich aussehende Herr Andrack seine rebellische Phase genauso pflegen wie ich – wir alten Spießer-Helden in gemeinsamer Eintracht vereint also ...

28 Juni 2007

Erinnerungsschübe

Am 9. Mai 2007 berichtete ich zum zweiten Mal über meine Kolumnen-Reihe, die auf der PERRY RHODAN-Homepage erscheint und den hübschen Titel »Der Redakteur erinnert sich« trägt. Das ist eine Kolumnen-Reihe, die mir selbst viel Spaß macht – deshalb gibt es bereits vier weitere Fortsetzungen.

Mein erster »schlimmer Job« behandelt das Jahr 1993: Ich war erst kurz im Verlag und mußte die vierte Auflage einstellen, genauer gesagt, ihre Einstellung bekannt geben. (Dieser Tage erst mußte ich die dritte Auflage dicht machen – das war jetzt wirklich mein Werk. Seufz.)

Exakt zehn Jahre her und vom Thema her wesentlich positiver: »Eine Party bei H.G. Francis« beschreibt tatsächlich eine Party, in diesem Fall bei dem Schriftsteller-Kollegen H.G. Francis in Barsbüttel, bei der ich viel Spaß hatte ... damals, im Sommer 1997.

Vom Jahr 1985 handelt die Kolumne »Das große PERRY RHODAN-Kompendium«, in der es um verlorene Gelegenheiten in der Mitte der 80er Jahre geht. Dazu könnte ich noch viel mehr schreiben, aber ... es geht halt nicht.

Noch mal ein Rückgriff auf meine frühere Jugend, genauer auf das Jahr 1979: »Die ersten Fan-Kontakte«, da geht es schlicht und ergreifend darum, welch großartiges Gefühl es in diesem Jahr, endlich einmal festzustellen, daß es außerhalb meines Dorfes noch mehr Leute gab, die sich für dieselben obskuren Themen interessierten wie ich.

Was Social Beat wirklich war


Im Jahr 2007 war ich nicht auf der Mainzer Minipressen-Messe; wahrscheinlich das erste Mal seit vielen Jahren. Der Grund: zu viel Arbeit, keine Zeit. Ich schäme mich schon dafür.

In einem der Zelte bei der Mainzer Minipressen-Messe habe ich sie vor vielen Jahren erstmals getroffen, erlebt und teilweise kennengelernt: die jungen Autoren, die sich unter dem Banner des Social Beat zusammenrotteten oder scharten. Leute wie Robsie Richter oder Kersten Flenter – und auch Oliver Bopp.

Oliver Bopp ist immer noch aktiv; sein kleiner aber feiner Ariel Verlag bietet nach wie vor »Underground«-Literatur auf gutem Niveau an. Immer wieder kaufenswert! Und dieser Tage kam ich endlich dazu, sein Buch »Bam Wam – Das versteckte Tal« zu lesen, das ich vor einigen Jahren auf der Mainzer Minipressen-Messe kaufte.

In einer Mischung aus Roman und Journalismus zeichnet das Buch die Geburtsstunde und gleichzeitig das Ende der Social-Beat-Welle nach. Oliver Bopp war von Anfang dabei, und seine Erinnerungen an diese aufwühlenden Jahre lesen sich heute noch sehr interessant. (Blöd ist nur, daß er die Namen der Original-Protagonisten alle veränderte. Jetzt kann ich bald 15 Jahre danach rätseln, wen er eigentlich meint. Grumbl!)

Auf einer zweiten Handlungsebene schreibt er von seinen Begegnungen mit amerikanischen Underground-Poeten wie Gerald Locklin oder Jack Micheline – ebenfalls sehr interessant. Erschütternd seine Erinnerungen an Josef Wintjes, den damals alle nur »Biby« nannten, dessen Heft »Ulcus Molle Info« anfangs der 80er Jahre eine wichtige Quelle für mich darstellte und der in »Bam Wam« als Papa chiffriert wird. Kein schlechtes Chiffre für einen so wichtigen Menschen, an den ich mich noch gut erinnere.

Das Buch gibt's immer noch. Sicher im Buchladen eurer Wahl, sicher bei irgendwelchen Versendern oder eben direkt beim Ariel Verlag. Wer sich für Underground-Literatur interessiert, für den ist das eine spannende und zugleich lehrreiche Lektüre.

27 Juni 2007

Das kann nur der Wagner

Was wäre unsereins ohne die BILD-Zeitung und ohne Franz Josef Wagner, den Kolumnisten des Blattes? Erfreulicherweise finden sich seine Kolumnen auch im Netz, was sie doppelt witzig macht. Wobei ich ja stets fürchte, daß der Mann das alles ernst meint.

In der aktuellen Kolumne greift er das Schicksal des Jugendlichen auf, der gerade im türkischen Knast sitzt (da will ich nicht mit ihm tauschen, brrrr). Und Wagner schenkt dem Jungen – gegen den zumindest ein Vergewaltigungsvorwurf vorliegt – gleich tröstende Worte.

»Tausende und Abertausende junge Menschen begehen diese Verbrechen jede Nacht. « So Wagner, der große Jungmännerversteher, der auch gleich noch eine Schippe in Sachen Frauenversteher nachlegt.

»Du bist der erste Junge, der im Gefängnis sitzt, weil er die Frauen nicht versteht. Wenn sie ja sagen, meinen sie nein. Und wenn sie nein sagen, meinen sie ja. Das, mein Lieber, kannst Du mit 17 nicht wissen – das kannst Du erst wissen, wenn Du so alt bist wie ich.«

Und dazu fällt mir ausnahmsweise dann doch nichts mehr ein.

26 Juni 2007

Comic-Magazin für die »Älteren«



Ich erinnere mich düster an meine erste »Sprechblase«. Das muß so anfang 1980 gewesen sein, und für mich als Jugendlichen war das Comic-Magazin eine respektable Erscheinung – immerhin gab's darin Conan-Comics und anderes Zeugs zu bewundern.

Das ist lange her. In den letzten 25 Jahren entwickelte sich das Heft des Hethke-Verlags immer mehr zu einer Sammlung für Nostalgiker; logisch, der Herausgeber verdiente sein Geld unter anderem damit, daß er alte Comics nachdruckte und erneut auf den Markt brachte. Am 13. April 2007 ist Norbert Hethke verstorben – für viele Comic-Fans ein echter Schock.

Die Ausgabe 208 der »Sprechblase« ist richtig gut geworden, unter anderem deshalb, weil die Western-Heftromanserie »Western-Legenden« vorgestellt wird – in die gucke ich regelmäßig rein, die ist für die Verhältnisse des Genres geradezu anspruchsvoll. Die Geschichte des »Zack«-Magazins wurde schon oft erzählt, aber irgendwie liest man sie immer mal wieder gern ...

Und so reiht sich ein lesenswerter Artikel an den nächsten, gibt es Comic-Besprechungen und sogar einen im uralten Wäscher-Stil gehaltenen und von Hansrudi Wäscher gezeichneten »Fenrir«-Comic, der mich zu unterhalten wußte. Aber ich habe ja auch schon anno 1967 beim Friseur die neuesten Wäscher-Piccolos gelesen.

68 Seiten für 6,90 Euro sind nicht preiswert, passen aber. Und ohne die »Sprechblase« wäre die Comic-Szene hierzulande definitiv ärmer.‚

25 Juni 2007

Widerstandskampf im Jahr 2007

Unter einem buschigen Schnauzbart erkannte ich dicke Lippen; das Gesicht des Taxifahrers sah aus wie eine Mischung aus Günter Grass und einer gestrandeten Seekuh. Immerhin waren seine Sätze verständlicher als die des SS-Nobelpreisträgers, und er benutzte korrekteres Deutsch als irgendwelche Tiere, die am Meer vor sich hin blöken.

»Wissen Sie«, schnodderte er mich an. »Man muß in Deutschland nicht alles mitmachen, man kann auch in kleinen Dingen seinen Widerstand leisten.«

Ich lehnte mich in meinem Sitz zurück und machte mich auf das übliche Gesabbel gefaßt. Manchmal ist mir das Radioprogramm lieber als ein schwätzender Taxifahrer, aber an manchen Tagen kann man einfach nicht alles haben.

Wie ich es gewohnt war, schnallte ich mich an. Der Fahrer grinste. »Sie machen's genau«, greinte er. »Immer schön an die Vorschriften halten.« Er griff in das Seitenfach seiner Tür. »Aber an die Regeln muß man sich ja immer halten, vor allem dann, wenn die Kiste hier die ganze Zeit piept.«

Aus dem Seitenfach zog er das abgeschnittene Schließteil eines Sicherheitsgurtes. Er wuchtete es über seinen Wanst und steckte es in das Gurtschloß; hörbar rastete es ein.

»Man muß in kleinen Teilen Widerstand leisten«, betonte er. »Und ich leiste Widerstand gegen die lästige Gurtpflicht, die ich hasse.« Dann startete er den Wagen.

24 Juni 2007

Einigermaßen fleißig

Meine Wochenenden werden immer bürgerlicher. So auch dieses: Anstelle mich heute ins Nachtleben zu stürzen (gestern abend stand ich immerhin noch im »Fünf« an der Theke und trank Bier), saß ich am Computer und schrieb. Immerhin soll das gewünschte Buch über Afrika zur Buchmesse 2007 erscheinen – da ist also noch viel zu tun.

Wobei ich heute keine neuen Texte schrieb: Komplett bearbeitet wurde »Ein Schutzengel zu wenig«, das schon mal im ENPUNKT erschienen ist. Und ziemlich neu geschrieben wurde »Auf einem Balkon in Hillbrow«, bei dem ich erstmal abwarten muss, ob das meiner Verlegerin überhaupt gefällt. Geschmäcker sind ja verschieden.

Die Arbeit machte mir sehr viel Spaß – und langweilig fand ich das keine Sekunde lang: Immerhin kamen viele positive Erinnerungen hoch, die auch durch den Überfall in Johannesburg nicht übertüncht werden konnten. Nach Südafrika würde ich gern noch einmal fahren; schauen wir mal, wann das mal wieder der Fall sein kann.

23 Juni 2007

Ost-Punk im Rückblick

Die aktuelle OX-Ausgabe 72 habe ich in diesem Blog schon mal erwähnt. Na logo, ist ja auch ein »Peter Pank«-Text von mir enthalten. Aber mittlerweile habe ich das Heft auch komplett durchgelesen.

Neben vielen Interviews und Besprechungen fand ich vor allem den großen Textblock zum Thema DDR-Punk total spannend. Obwohl ich durch Bücher wie »Auch im Osten trug man Westen« (oder so) sowie eigene Begegnungen ein bißchen etwas über die Szene in der ehemaligen DDR wußte, trugen die Interviews doch zahlreiche neue Details zum Geschehen bei. Sehr guter Beitrag von Meister Klarmann!

Zweitbester Beitrag: »Raketen in Rock« von Tom Tonk, der angeblich tatsächlich mal bei einer CDU-Veranstaltung landete und eine dort anwesende Dame aufreißen wollte. Ich wollte mich vor Begeisterung schon kreischend auf dem Boden wälzen, als mir auffiel, daß ich das OX auf dem Klo las.

Die musikalische Bandbreite des Heftes ist übrigens gigantisch: Billy Talent kommen ebenso zu Wort (hey, ich mag die!) wie die Straight-Edge-Kracher Earth Crisis (die ich schon vor zehn Jahren scheiße fand) oder Turbonegro (steinigt mich, aber ich fand die immer überbewertet), dazu haufenweise Bands, die eher »IndieRock« oder so spielen.

22 Juni 2007

Leben am Lidellplatz

Der Lidellplatz gehört zu jenen Plätzen in Karlsruhe, die ich nicht unbedingt immer wahrnehme. Und das, obwohl ich dort regelmäßig aufschlage: Der Querfunk, das Freie Radio Karlsruhe, hat dort seinen Sitz. Nur bin ich dort stets abends und meist angetrunken. Kein Wunde, daß ich den reizvollen Charakter des innerstädtischen Areals nicht so richtig zu würdigen weiß.

Bis der Mittwoch dieser Woche kam. Ich strandete – ein Handy-Anruf war schuld – im Café Bohne, direkt am Lidellplatz gelegen. Da das Wetter schön war (der Regen setzte pünktlich ein, als ich auf dem Rad in Richtung Heimat saß), pflanzten wir uns in die Stühle ins Freie, guckten abwechselnd ins Bier und auf die Straße, redeten viel Blech und amüsierten uns.

Da war richtig was los! Zwei ordentlich gepolsterte Matronen in geblümten Kleidern schaukelten auf ihren Rädern vorbei. Ein schwarzhaariger Mann im Kaftan schlenderte über die Straße. Ein schlacksiger Mann in auffallend buntem Anzug begeisterte kurzfristig. Zwei schwarze Frauen präsentierten blond eingefärbte Zöpfchen.

Bis irgendwann eine gute Bekannte aus unserer Gruppe fragte: »Gibt’s hier eigentlich einen Kostüm-verleih, oder was ist hier eigentlich los?«

Mag jetzt in der Lektüre nicht soo lustig sein, brachte uns aber schwer zum Lachen.

21 Juni 2007

Ein SF-Autor und ein Klangkünstler


Eine ungewöhnliche Veranstaltungs-Mixtur bot das Café Nun in Karlsruhes Oststadt. Bei subtropischen Temperaturen verschlug es mich am Dienstag, 19. Juni 2007, in das Café. Dort traf ich auf gekühltes, leckeres Bier und ein interessantes Programm.

Über die Lesung von Frank Borsch, seines Zeichens Science-Fiction-Autor und damit ein Kollege von meiner einer, schrieb meine Kollegin Miriam Hofheinz bereits einen Bericht auf der PERRY RHODAN-Homepage, dem ich mich nur anschließen kann.

Das Buch »Alien Earth« fand ich übrigens eh cool: ist auch was für Leute, die sonst Science Fiction eher doof finden, weil es vor allem um ganz normale Menschen geht, die in einer aus den Fugen geratenen Welt in naher Zukunft ums Überleben strampeln müssen.

In den Pausen spielte Bexar Bexar, ein Musiker aus Texas, der ziemlich seltsame Musik auftischte (oder las Frank in den Konzertpausen? egal!): irgendwelche Klangsinfonien, die er gelegentlich mit der Gitarre begleitete. Hörte sich zeitweise wie Ambient-Musik an, die man anfangs der 80er Jahre gelegentlich hörte. Das Foto zeigt einen nachdenklich blickenden Mann.

Nett, aber nix, was ich dauernd haben könnte – und auf einem Konzert irgendwann dann doch langweilig. Gut war in dem Zusammenhang, daß Franks Powerpoint-Vorführung hinten ablief und immer wieder neue Zitate aus »Alien Earth« an die Wand projiziert wurden.

20 Juni 2007

Dienstältestes Comic-Fanzine


Den oben stehenden Titel trägt das Fanzine Plop zu recht: Seit anno 1980 oder 1981 erscheint das im A5-Format erscheinende Heft. Ich bin seit Nummer 1 einer der Abonnenten und freue mich stets, wenn ein neues Heft raus kommt.

Dieser Tage trudelte die Nummer 78 ins Schließfach: 64 Seiten voller cooler Schwarzweiß-Comics und -Cartoons, mal richtig klasse, mal doof, halt alles von Amateuren. Was aus denen werden kann, sieht man an Walter Moers – der veröffentlichte anno 1981 auch seine ersten Comics im Plop.

Das Heft ist klassisch und damit in gewisser Weise ganz schon altmodisch. Mir gefällt das, aber daß die Auflage schlappe 150 Exemplare beträgt, spricht Bände. Deshalb mein Tipp an alle, die sich für Amateur-Comics interessieren: Mail an Andreas Alt (andreas_alt at t-online.de) schicken und nachhaken. Ein Abo über vier Ausgaben kostet übrigens schlappe zehn Euro.

17 Juni 2007

Keira rettet die Welt

Ich gestehe, daß Keira Knightley eine der Schauspielerinnen ist, wegen der ich schon in einen Film gehe, ohne mich um weitere Details zu kümmern. Im dritten Teil von »Pirates of the Caribbean«, wie die Serie jetzt auch in Deutschland offiziell heißt, stiehlt sie prompt den anderen Hauptdarstellern Orlando Bloom und Johnny Depp die Schau.

Wobei man sich auch im dritten Teil der Piratenserie um solche Details wie Handlungslogik nicht kümmern darf. Intellektuell ist die Ansammlung von Quatsch und Action, Special Effects und dramatischer Musik nicht gerade, trotzdem gelang es keinem aus unserem munteren Trio (darunter zwei Leute mit abgeschlossenem Studium ... nicht ich natürlich!), den verzwickten Plänen, Absichten und Fallen bis ins letzte Detail zu folgen.

Aber das ist gleichgültig. Die Piraten-Saga folgt ihrer eigenen Logik, ihrem eigenen »Kodex«, und sie hält sich konsequenterweise nicht mal an diese Logik. Da wechseln Helden wie Bösewichter in kunterbunter Mischung die Fronten, sind mal mit dem, mal mit jenem verbündet – Hauptsache, es läuft auf einen Showdown heraus, bei dem es ohne Ende kracht und scheppert.

Großartiges Kino-Vergnügen also!

Ein Vergnügen also, das nur auf einer riesigen Leinwand funktioniert. In der Glotze ist das nicht so überwältigend, da fällt einem der Quatsch sogar negativ auf, über den man sich bombig amüsiert, wenn er über die Leinwand stolziert.

A propos stolzieren: selten eine multiple Persönlichkeit derart dargestellt gesehen ...

16 Juni 2007

Das Auto vor mir ...

Die Musik ist der übliche umpf-umpf-umpf-Mist, den man immer aus derart aufgemotzten Fahrzeugen hört. Der Fahrer sieht aus, wie man sich solche Fahrer vorstellt.

Aber die riesige Klebebuchstaben-Aufschrift auf der Heckscheibe bringt mich fast zum Lachen: »Seat Tuning Freaks«.

Wie? Freaks, also Krüppel, die ihre Sitze aufmotzen? Oder was?

Ich brauche tatsächlich geschätzte fünf Sekunden, bis ich kapiere, daß mit Seat die Automarke gemeint ist.

15 Juni 2007

Saufen und Sex

Engländer saufen zu viel, nehmen zu viele Drogen und poppen dann blöd durch die Gegend, so daß sie mehr oder weniger gelungene Geschlechtskrankheiten abkriegen. Das meldet der Online-Spiegel auf Basis eines Berichtes der »Independent Advisory Group on Sexual Health and HIV«. Den Bericht gibt es auch online, aber ich habe ihn mir nicht durchgelesen.

Spiegel-Online bringt es dramatisch auf die Spitze: »Mitte März hatte eine Studie der europäischen Union gezeigt, dass in vielen Ländern Europas problematisches Trinkverhalten weit verbreitet ist: Jeder Zehnte, der trinkt, sucht den Vollrausch. Unter Jugendlichen, so das Ergebnis der Befragung von 25.000 Menschen, ist der Anteil gar doppelt so hoch.«

Unsereins forderte früher in der APPD das »Recht auf Vollrausch« und die »totale Rückverdummung«. Wie es aussieht, brauchen die Leute uns dafür nicht ...

14 Juni 2007

Bei so was kommen Erinnerungen hoch ...


Im Rahmen eines Heftroman-Austausches flattern mir immer die aktuellen Romane des Bastei-Lübbe-Verlags auf den Schreibtisch. Heute dabei: die aktuelle JERRY COTTON-ausgabe, genauer die Nummer 2609 mit dem Titel »www.Mordauftrag«.

Ich glotzte das Cover an und fiel fast nach hinten. Auf dem Titelbild sind die Warriors zu sehen. Hey, die Warriors! Natürlich hat das Cover nichts mit dem Inhalt zu tun, das ist normal - aber ich war dennoch platt.

»The Warriors« war anno 1979 der erste Kinofilm, den ich mir anschaute. Ich war 15 Jahre alt und radelte mit dem Fahrrad von Dietersweiler nach Freudenstadt, um mir den Streifen anzugucken. Und ich war begeistert. Total: die Action, die Gangs, die treibende Musik, die Schlägereien. Der Hammer!

Den Film habe ich noch einmal in den frühen 80er Jahren gesehen, seitdem nicht mehr. Aber ich glaube, ich könnte ihn glatt noch mitsprechen. Wenn ich nur das Bild anschaue, kommen zahllose Erinnerungen hoch.

Respekt. Und das wegen eines JERRY COTTON-Heftromans.

13 Juni 2007

Keine Entschuldigungen mehr!


Nach einem schwitzigen Arbeitstag litt ich am Dienstag, 12. Juni, unter Bewegungsmangel. Also schmiß ich mich nach Feiertag in kurze Hosen und T-Shirt, dann auf mein Rad und strampelte los.

Eine Stunde nur, und ich war klatschnaß. Die Knie zitterten, ich keuchte, und mein Herz raste. Hölle!, ich fühlte mich scheiße-alt.

Dann machte ich mir klar, daß ich zwar fast jeden Tag ein bißchen radle, aber seit dem Februar keine Radtour mehr gemacht hatte: damals, in Singapur und im East Coast Park. Lang, lang ist's her.

Dazwischen waren kaltes Wetter, Heuschnupfen und sonstige Unpäßlichkeiten. Und was mir sonst noch an Ausreden so einfällt.

Wird Zeit, daß ich wieder öfter aufs Rad springe und losfahre!

12 Juni 2007

»Welcome To Presence«


Ein wunderbarer Titel für ein Buch und ein Beispiel dafür, wie kreativ man in China mit der englischen Sprache umgeht ... und gleichzeitig das erste Buch eines neuen Verlags. Oliver Lutz Radtke ist der Autor des Buches »Welcome To Presence – Abenteuer Alltag in China«, das in unterhaltsamer Weise in die Mysterien des angeblichen Reiches der Mitte einführt.

Radtke selbst kennt sich aus; er studierte Sinologie unter anderem direkt in Shanghai und arbeitet derzeit als Redakteur in Singapur. Er kann sich also mit den Leuten in ihrer Sprache unterhalten und ist nicht auf Dolmetscher oder andere Hilfen angewiesen.

Man erfährt in seinem Buch in Anekdoten, Kurzgeschichten und Reportagen viel über China: über Essgewohnheiten und Musiker, über Politiker und Marktfrauen, über Bauernlieder und Comics. Der Autor ist neugierig, und diese Neugierde überträgt er auf seine Leser – das macht Leuten wie mir dann wiederum Spaß.

Dabei bleibt Radtke nicht unkritisch, sondern reflektiert stets, was er sieht. Meist äußert er seine Kritik mit Augenzwinkern, nicht mit erhobenem Zeigefinger, und das macht sie zumindest für mich sehr nachvollziehbar. Lesenswert für alle, die sich für China im besonderen und Reisen im allgemeinen interessieren.

(Ach ja: Mehrere Farbseiten ergänzen die Texte. Gefällt mir ebenfalls!) 294 Seiten für 12,95 Euro; gibt's mit der ISBN 978-3-9811327-0-0 in jedem Buchladen.

11 Juni 2007

Noch ein Rostock-Kommentar

Da ja in einem Kommentar zu meinem Blog-Eintrag »Kein Kommentar« jemand gleich wieder anonym was reinschreiben musste, verweise ich auf eine wunderbare Homepage. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier informiert hier über die Entwicklung einer Falschmeldung. Da soll noch einer sagen, die Polizei und die Medien würden seriös informieren wollen ...

Es geht ja auch noch weiter: Eine Woche nach den Steinewerfereien in Rostock, nach den unglaublichen 500 verletzten Polizisten (von denen zwei im Krankenhaus behandelt worden sind), werden die dreisten Lügen aufrecht gehalten und wird weiter gelogen, daß sich alle Balken von Rostock bis Genua biegen. Niggemeier informiert erneut dazu.

Sehr schick übrigens der Pantoffelpunk, der in seinem Blog über seine Versuche berichtet, die offensichtlichsten Lügen zu stoppen. Und natürlich der Spiegelfechter, der mit zu den ersten gehörte, die die Falschmeldung klarstellten.

Das neue OX und der Peter


Wieder eine neue Ausgabe des Fanzines (oder Magazins; sucht's Euch aus!) OX. Vom Cover gucken mich sechs Männer sehr ernsthaft und sehr langweilig an, im Inhalt gibt es einige layouttechnische Änderungen, die mir sehr gut gefallen – sieht aufgeräumter und professioneller aus.

Meine Fortsetzungsgeschichte mit Peter Pank in der Hauptrolle geht auch in dieser Ausgabe weiter. In der Folge 8 von »Und: Hardcore!« gibt es einen Rückblick an den Anfang des Jahres 1987, was in diesem Fall bedeutet, daß die Hardcore- und Punk-Kids von heute mal einen kleinen Einblick in die damalige Siff-Punk-Szene erhalten. (Wobei ich ja denke, daß das heute nicht anders ist, höchstens verschärfter in mancherlei Hinsicht.)

Keine Ahnung, wie viele Leute die Geschichten mit Peter Pank lesen. Mir macht zumindest das Schreiben viel Spaß, und irgendwann gibt es hoffentlich diese aktuellen Folgen auch als Buch zu lesen.

10 Juni 2007

Super-Musik für lange Fahrten

Wenn ich früher mit meinem Auto durch die Gegend fuhr, hörte ich Tapes. Meist kopierte ich Mix-Cassetten, die ich besonders gern hörte, oft aber hörte ich aktuelle Platten, die fast ununterbrochen lieferten.

Meine Lieblings-Cassette in den mittleren 80er Jahren bestand aus Neurotic Arseholes auf der einen und Blut und Eisen auf der anderen Seite. Ende der 80er Jahre war eine Mixtur von Negazione und So Much Hate das, was ich am liebsten hörte – Tapes, die buchstäblich Jahre in meinem Auto lagen und immer wieder abgespielt wurden.

Seit ich einen CD-Player habe, wechselt die Musik häufiger. Das liegt daran, daß ich heute viel mehr Musik habe als vor zwanzig Jahren, aber sicher auch daran, daß ich die Musik heute nicht mehr so aktiv höre wie in meiner früheren Zeit.

Ab und zu aber gibt es CDs, die sich richtig lange halten. Dazu dürfte die erste CD der Bottrops gehören: Die Band, der man nicht nachsagen darf, daß sie der illegitime Nachfolger der Terrorgruppe ist, hat mit der ersten Platte ein kleines Meisterwerk produziert: Deutschpunk mit viel Melodie und ironischen Texten, manchmal albern aber nie blöd, kritisch aber nie zeigefingererhoben, abwechslungsreich, aber nicht frickelig.

Einfach gelungen! Meine CD des Sommers, wenn das so weitergeht – bei der Fahrt nach Bonn und zurück hörte ich die Bottrops mehrfach, und die Musik wurde mir nicht langweilig.