13 März 2021

Alkohol in diesen Zeiten

An diesem Nachmittag schleppte ich wieder einmal mein Altglas zum Glascontainer. Die Sonne schien, es ging ein leichter Nieselregen über die Stadt nieder, und über dem Schloss stand ein Regenbogen. Zumindest sah es aus, als ob er über dem Schloss stünde. Und ich machte mir Gedanken darüber, dass ich mittlerweile einmal pro Wochen leere Weinflaschen zum Glascontainer schleppe.

Es gibt wohl Studien, die belegen, dass manche Leute während der Pandemie mehr Alkohol konsumieren als sonst. Das kann ich kaum ernsthaft kommentieren. Was mir an mir aber auffällt: Ich konsumiere völlig anders als sonst. Und das ist extrem auffällig.

Ich mag alkoholische Getränke, und ich habe sie zumindest in manchen Phasen meines Lebens in Dosierungen konsumiert, die alles andere als gesund waren. Manches Punk-Konzert und manche Party arteten in ein fürchterliches Besäufnis aus, manche familiäre Veranstaltung ertrug ich früher sowieso nur besoffen.

Was ich feststelle: Seit dem ersten Lockdown im vorigen März ist mein Bierkonsum fast auf Null angelangt. Warum? Weil ich nicht mehr ausgehe. Bier ist ein Getränk, das ich gern in der Kneipe oder bei einem Konzert konsumiere, gern direkt aus der Flasche. Ein »Laufbier« gehört bei manchen Abenden einfach dazu.

Daheim trinke ich kein Bier – ich müsste es allein trinken, und das ist doof. Also trinke ich Wein: Mann und Frau sitzen beim Abendessen und genehmigen sich ein Glas Riesling oder Grauburgunder, vielleicht auch mal einen schweren Rioja oder einen fruchtigen St. Laurent – je nach Essen, je nach Laune.

Ich würde nicht sagen, dass ich mehr Alkohol zu mir nehme als vor einem Jahr. Aber die Verlagerung ist absolut eindeutig. Und auffällig: Gebe ich im Getränkemarkt mein Leergut ab, sind es Kisten mit leeren Mineralwasserflaschen …

12 März 2021

In der Wurf-Fabrik

Ich hatte einen ausgedehnten Spaziergang hinter mir, meine Füße schmerzten langsam, aber ich fühlte mich gut. Nachdem ich durch einen langen Gang spaziert war, erreichte ich eine riesige Halle, die offenbar im Erdgeschoss eines großen Gebäudes lag, vielleicht sogar im Keller. Es war laut darin, die hallenden Geräusche waren mir schon von Weitem aufgefallen. Und so trat ich neugierig näher.

Das erste, was ich sah, war ein dicker Mann mit einem ausgeprägten Schnurrbart, der in einem bequemen Lehnsessel saß, Marke Chefsessel: schwarzes Leder, eine stabile Kopfstütze. Vor sich hatte er ein Mikrofon, in das er immer wieder Befehle schnauzte. Die verstand ich allerdings nicht.

Rings um ihn türmten sich Koffer und Taschen aller Größe zu Bergen von gut zwei, drei Metern Höhe auf. Zwischen ihnen wuselte ein halbes Dutzend junger Männer herum, eher Jugendliche, die Koffer dazustellten oder wieder entfernten, nach einem System, das ich nicht durchblicken konnte.

Über dem dicken Mann erhob sich eine Art Empore, auf der ebenfalls Koffer und Taschen standen. Auch dort arbeiteten junge Männer; sie riefen sich Befehle zu, die ich nicht verstand, die aber einen eiligen Eindruck machten. Alles wirkte, als sei man im Zeitdruck.

Legte ich den Kopf in den Nacken, erkannte ich, dass ich am Fuß eines Rohres stand. Es ging anscheinend mehrere Dutzend Stockwerke in die Höhe, und weit über mir sah ich blauen Himmel. In diesem Rohr erstreckte sich eine Apparatur, die am Boden in der Nähe des dicken Mannes begann und irgendwo weit in der Höhe endete.

Erst da verstand ich, was gerade vor mir geschah. Der Typ mit dem Schnauzbart dirigierte die jungen Männer, er steuerte eine Maschine, und immer wieder packte diese mit einem Greifarm einen Koffer, nachdem dieser von einem der jungen Männer zum Greifarm geschleppt worden war, und dann schleuderte die Maschine den Koffer mit einem enormen Druck nach oben, wo er irgendwo verstand. Vielleicht wurde er verladen, in ein Flugzeug oder in einen Lastwagen, oder sonst wie weitertransportiert. Er verschwand auf jeden Fall aus der Halle, in der ich stand.

Der Typ mit dem Schnauzer sah mich und winkte mich heran. »Hast du Lust, mir zu helfen?«, fragte er.

Ich ging zu ihm, sah ihm währenddessen eine Weile zu. »Wieso denn?«, fragte ich. »So was hab ich doch noch nie gemacht.«

»Du siehst aus, als könntest du das schnell lernen«, meinte er. »Und ich brauche jemand, der hier ein wenig Tempo reinbringt.«

Ich nickte. »Okay, mach ich. Warum willst du aufhören.«

»Nur eine Pause«, versicherte er. »Ich muss dringend aufs Klo.«

Da merkte ich auch, dass ich pinkeln musste. Ich wachte auf.

Der neue Markt für Hörspiele

Vom Titelbild der aktuellen »Federwelt«-Ausgabe blickt mir ein ernsthaft wirkender Kai Meyer entgegen. Das Thema ist glücklicherweise positiv: Für Autorinnen und Autoren gibt es im wachsenden Audio-Markt neue Verdienstmöglichkeiten, und Kai Meyer erzählt bereitwillig davon.

Tatsächlich sind Audible und die neuen Möglichkeiten ein wichtigter Schwerpunkt der Ausgabe 146, für die wieder Anke Gasch als Chefredakteurin verantwortlich zeichnet. Ich habe mich sehr darüber gefreut, mit Hanka Leo eine weitere Bekannte in dem Heft vorzufinden: Wir kennen uns seit mehreren Jahren, sie ist nun als freie Mitarbeiterin für Audible tätig und erzählt, wie sie welche Projekte anschiebt.

Wie immer erweist sich die »Federwelt« als eine Fundgrube von Themen, und sie ist nicht nur für einen Gelegenheitsautor wie mich sehr lesenswert. In dem Beitrag über den Selfpublisher Marcus Hünnebeck traf ich mit Ruggero Leó gleich den nächsten Bekannten – ich hatte ihn als Lektor bei Bastei-Lübbe kennengelernt, mittlerweile ist er freiberuflich tätig und betreut als Lektor unter anderem Selfpublisher.

Sieht man von meinen Begegnungen ab, was ja doch ein sehr egoistischer Blick auf das Blatt ist, informiert die »Federwelt« über Lyrik ebenso wie über die Künstlersozialversicherung; es geht um ein erfolgreiches Bilderbuch und wie man Nebenfiguren sinnvoll in einem Roman unterbringt. Schönes Heft, wie immer lohnenswert!

Ich empfehle allen, die sich für das Schreiben interessieren, ein Abonnement der »Federwelt«. Nicht jede Ausgabe bringt denselben Erkenntnisgewinn – das hängt schließlich von den jeweiligen Interessen und Vorlieben ab –, jede Ausgabe enthält aber stets viele interessante Beiträge. Checkt mal die Internet-Seite!

11 März 2021

Wie Nena mit den Stripes zur Ekstase kam

Als »New Wave von einer deutschen Band« wurde die Single »Ecstasy« von The Stripes angepriesen. Sie wurde 1979 veröffentlicht, ich kaufte sie einige Jahre später sehr günstig, als ich sie in einer Plattenkiste auf einem Flohmarkt fand.

Dieser Tage legte ich die Single mal wieder auf. Das Stück »Normal Types« auf der B-Seite ist ein recht normales Rock-Stück, meinetwegen sogar Hardrock, ein wenig kantiger und kratziger gespielt als das, was zu der Zeit Bands wie die Scorpions als Rockmusik aus Deutschland verkauften. Mit der Neuen Deutschen Welle oder den Anfängen von Punkrock hatte das nichts zu tun.

Ein echter Hit ist allerdings das Titelstück »Ecstasy« ging mir vor bald vierzig Jahren sehr gut ins Ohr, ich bekam die Melodie nie raus, und ich finde das Stück heute noch recht schmissig. Klar, es ist zu lang – aus einer einzigen musikalischen Idee sollte man nicht unbedingt drei Minuten machen –, aber es ist gut gemachte Rockmusik, die für die damalige Zeit recht frisch war.

Nena Kerner sollte mit den Stripes mehrere Platten machen, bevor sie als Nena zum Weltstar wurde. Erfolgreich wurde sie kurz darauf mit Stücken wie »Nur geträumt« – was ja verwirrenderweise fast schon nach Punkrock klingt –, und heute muss sie sich im Fernsehen ungestraft als »Rock-Oma« bezeichnen lassen.

Trotzdem: coole Platte!

Eine »Longstory« von mir

Die Science-Fiction-Geschichte hieß »Zu neuen Gründen«, und ich fand sie ziemlich klasse. Damit stand ich wohl allein da. Dummerweise war sie für eine professionelle Anthologie zu schlecht und für ein normales Fanzine zu lang. 

In meinem jugendlichen Elan wusste ich nicht so recht, was ich mit dem Text machen sollte. Also schickte ich sie an einen der Verantwortlichen im PERRY RHODAN-Briefclub Bullys Schreibtisch: ob das nicht ein Thema für ein Sonderheft wäre?

Im Juni 1983 erschien die Ausgabe drei der »SCN«, der »Sonder-Clubnachrichten«. Mit einer Auflage von 90 Exemplaren und einem Umfang von 48 A5-Seiten war das Fanzine im Durchschnitt damaliger Veröffentlichungen des aktiven Science-Fiction-Clubs, der außer dem Namen wenig mit dem Weltraumhelden zu tun hatte, für den ich zehn Jahre später arbeiten sollte. Als Redakteur zeichnete Uwe Fastie verantwortlich, die Zeichnungen stammten von dem Grafiker Andreas Bartsch. 

Beim Layout machte es sich der Redakteur sehr einfach: Weil er aus verständlichen Gründen keine Lust hatte, alles abzutippen und die Geschichte in ein vernünftiges Layout zu bringen, übernahm er das Manuskript eins zu eins. Das erzeugte einen sehr großzügigen Satz mit viel Durchschuss. Aber so wurde meine Science-Fiction-Erzählung wenigstens gedruckt. 

An die Resonanz der Leser erinnere ich mich nicht mehr. Selbst gelesen habe ich sie seitdem auch nicht mehr. Ich erinnere mich noch, dass ich für die damaligen Verhältnisse viel Sex und Gewalt brachte. Vielleicht wurde der Text deshalb als »Longstory« bezeichnet und nicht als Erzählung oder Novelle. 

Für einen jungen Autor, der damals gerade 19 Jahre alt war, schien das alles wichtig zu sein … (Das Bild, das ich hier zeige, ist nicht das Cover, sondern die Rückseite des Fanzines. Das Cover finde ich heute nicht mehr »zeigbar«.)

10 März 2021

Kurze knackige Kurzgeschichten

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Autor Falk Fatal ist mir persönlich bekannt. Wir haben uns bei verschiedenen Gelegenheiten getroffen, er hat schon eine Lesung mit mir veranstaltet, und ich finde seine Punkrock-Band richtig gut. Ich war also sehr positiv gestimmt, als ich sein Buch »Im Sarg ist man wenigstens allein« erstmals in den Händen hielt.

Das Buch enthält 19 Kurzgeschichten und Kolumnen, die teilweise bereits in verschiedenen Punkrock-Heften erschienen sind, die der Autor aber allesamt für diese Textsammlung bearbeitet hat. Also kommt auch jemand wie ich, der die jeweiligen Hefte kennt, auf seine Kosten – die Lektüre bleibt damit kurzweilig und abwechslungsreich. Wer bislang keinen der Texte vor die Augen bekam, erhält sowieso 19 gelungene Storys.

Wunderbar ist beispielsweise die Geschichte, in der der Erzähler einen speziellen Besuch bekommt. Die »Bundeshilfsstelle zur Resozialisierung straffällig gewordener Bürger« schickt ihm einen Beamten ins Haus. Damit der Beamte einen Eindruck in das Leben des Erzählers bekommt, nimmt dieser ihn mit in »Gerdis Biertempel«. Dort geht dann auch prompt alles schief …

So verlaufen viele der Geschichten: Sie beginnen harmlos, es geht oft um Bier und Krachmusik, und nach einigen ruhig wirkenden Szenen entgleist die Situation. Das erzählt der Autor immer mit sehr viel Situationskomik, mit einer großen Freude an witzigen Formulierungen und vor allem mit richtig gelungenen Dialogen.

Ob es ein Fußballspiel ist, bei dem er in seiner Jugend im Dorf mitmischt, ein ganz spezieller Einkaufsbummel oder ien Besuch beim Zahnarzt – Falk Fatal schafft es, aus jeder Situation eine komische Geschichte zu machen. Die Texte sind kurz, man ist flott mit ihnen durch, und sie laden dazu ein, sie in absehbarer Zeit ein zweites oder drittes Mal zu lesen.

Mir hat »Im Sarg ist man wenigstens allein« richtig gut gefallen. Das Taschenbuch umfasst 136 Seiten, erschienen ist es in der Edition Subkultur, und kaufen kann man es überall im Buchhandel sowie bei den diversen Versandhändlern. Wer ein Herz für »Underground-Kultur« im weitesten Sinn hat und sich ein Herz für Punkrock hat bewahren können, ist bei diesem Buch bestens aufgehoben.

09 März 2021

Unterhaltsame Ergänzung zum »Lanfeust«-Erfolg

Mit seinen Geschichten um den abenteuerlustigen Lanfeust, der über die Welt Troy zieht, ins All vorstößt und am Ende wieder seine Abenteuer auf seinem Heimatplaneten erlebt, hat Christophe Arleston seit den Nuller-Jahren einen schönen Comic-Erfolg erzielt. Die Fantasy-Geschichten, die in einer sehr gelungenen Neuauflage beim Splitter-Verlag veröffentlicht worden sind, bieten eine muntere Mixtur aus Schwert und Magie, einer Prise Erotik und viel Humor, der häufig auch die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet.

Eine der beliebten Nebenfiguren der Serie ist Cixi, eine lebenslustige junge Frau, die zwischendurch die eine oder andere charakterliche Wandlung durchmacht. Wer die Serie kennt, weiß Bescheid; allen anderen muss ich das nicht im Detail erklären.

Mit »Cixi von Troy« gibt es eine drei Bände umfassende Miniserie, die die Hauptserie ergänzt. Bei Splitter ist sie als ein dicker Hardcover-Band erschienen, den ich dieser Tage zu Ende gelesen habe.

In der ziemlich abwechslungsreichen Geschichte erzählt Christophe Arleston, der Autor der »Troy«-Geschichten, wie Cixi zuerst zur Piratin wird, sich dann zur Geliebten eines mächtigen Mannes hochschläft, um dann als erbitterte Kämpferin für die Freiheit in den Untergrund zu gehen. Was sich in der Zusammenfassung ein wenig skurril anhört, wird im gesamten Comic aber durchaus schlüssig erzählt.

Arleston spart nicht an den Elementen, die seine Comics schon immer ausgezeichnet haben: Es gibt hübsche Fantasy-Ideen, es gibt eine Prise Erotik, es gibt sehr groben Humor und witzig verbrämte Brutalität. Wer den Comic als sexistisch brandmarkt, hat sicher nicht unrecht – junge Frauen werden gern in »pikante« Situationen gebracht, aus denen sie sich aber immerhin teilweise effektvoll befreien können.

Für die Zeichnungen sind Olivier Vatine und Adrien Floch verantwortlich, die sich in der Welt von Troy schon sehr gut auskennen. Es ist also auch keine Überraschung, dass ihre Bilder teilweise großartig, meist aber sehr gelungen sind. Sie setzen die turbulente Handlung klasse in Szene, da kann man nicht meckern.

Seien wir ehrlich: Wer die »Lanfeust«-Geschichten kennt, für den ist dieser Band eine gelungene Ergänzung. (Wer es genau wissen möchte: Die Geschichte ist zwischen den Bänden 6 und 7 der Serie »Lanfeust von Troy« anzusiedeln. Dort würde sie von der Chronologie sehr gut passen.)

Wer sich auf der Fantasy-Welt Troy nicht gut auskennt, wird nicht alle Anspielungen und Hinweise verstehen, die Geschichte allerdings trotzdem verstehen. Ein Muss ist diese Gesamtausgabe von »Cixi von Troy« allerdings nicht.

08 März 2021

Die erste Bande neu im Blick

Meine Geschichte »Die erste Bande« schrieb ich im November 2004 während eines Aufenthalts in Teneriffa. Ich saß auf dem Dach des kleinen Hotels, in das ich mich einquartiert hatte, schwamm immer mal wieder einige Bahnen in dem winzigen Pool, blickte hinaus über die Dächer von Puerta de la Cruz, hinaus aufs Meer oder hinauf zum Vulkanberg – und dann schrieb ich wieder einige Seiten.

Während dieses Aufenthalts entstanden viele Texte, die in späteren Jahren verloren gingen. Ich fand keinen Ort, sie sinnvoll zu veröffentlichen, und bei manchen dieser Texte ist es auch nicht schlimm. »Die erste Bande« ist aber so eine typische Dorfgeschichte: Sie erzählt von einem Jungen, der in die erste Klasse der Dorfschule geht und davon träumt, bei einer der großen Banden mitzumachen. Das darf er, aber gleich der erste Ausflug mit der Äbe-Bande endet in einem ziemlichen Chaos.

Die Geschichte wurde in einer Rohfassung tatsächlich veröffentlicht. Ich brachte sie 2005 in meinem eigenen Egozine heraus, in der Ausgabe 42 des »Enpunkt«. Dort brachte sie aber keine große Resonanz.

In den vergangenen Tagen gehörte sie zu den Texten, die ich mir vorknöpfte und noch einmal durcharbeitete. Vor allem stellte ich sie auf die neue Rechtschreibung um, ich strich einige unnötige Sätze heraus, ließ aber den größten Teil stehen. Und so habe ich nun eine Kurzgeschichte mit rund 30.000 Zeichen, bei der ich nach wie vor nicht weiß, was ich damit tun soll …

06 März 2021

Thilda und die beste Band der Welt

Ich mag Filme, in denen es um Rockmusik und Bands geht, um das Touren und die Erlebnisse, die es dabei zu erleben gibt. Dass die meisten dieser Filme nicht die Wirklichkeit wiederspiegeln, ist mir dabei egal. Zuletzt sah ich »Thilda und die beste Band der Welt«, den ich ziemlich großartig fand. Allein schon wegen der vier Hauptfiguren, die in diesem norwegischen Film mitspielen …

Grim ist der eigentliche Held: ein Junge von vielleicht von vierzehn Jahren, der wie ein Besessener trommelt und der größte Fan eines norwegischen Schlagzeugers ist. Aksel ist sein bester Freund – die beiden haben die Band »Los Bando Immortale« gegründet und träumen von einer großen Karriere als Rockmusiker. Aksel kann auch ganz gut Gitarre spielen, sieht mit seiner Zahnspange aber noch arg kindlich aus und kann halt – auch wenn er es selbst nicht glaubt – überhaupt nicht singen. 

Die beiden haben sich mit ihrer Band zu einem Rock-Wettbewerb angemeldet und wollen daran unbedingt teilnehmen. Weil sie dringend einen Basser brauchen, schließt sich ihnen Thilda an: ein gerade mal neun Jahre altes Mädchen, das seinem Cello allerdings die wildesten Töne entlocken kann. Zusammen mit dem 17 Jahre alten Martin, den alle für den »besten Rallyefahrer« der Stadt halten, fahren sie in den Norden. 

Die Fahrt der vier jungen Leute quer durch den Norden von Norwegen ist in mehrfacher Hinsicht sehenswert. Allein schon rein touristisch: Man sieht die beeindruckenden Landschaften, man sieht Fjorde und unendliche Wälder, klare Bäche und faszinierende Berge. Wahrscheinlich hat das Amt für Tourismus den Film eh gesponsert. 

Die Geschichte an sich ist aber sehr unterhaltsam. Im Prinzip handelt es sich um ein Roadmovie mit jungen Leuten, die unterwegs alle möglichen Abenteuer erleben und immer stärker zur Gruppe zusammenwachsen. Die Polizei setzt sich auf ihre Spur, sie schliddern von einem Problem ins nächste, und als sie am Ende auf der Bühne stehen, sieht es aus, als seien sie am tiefsten Punkt ihrer Reise angelangt. 

»Thilda und die beste Band der Welt« ist ein warmherziger Film über die Leiden und Freuden der Jugend, über Musik und Abenteuer, über Träume und Freundschaft, dabei natürlich ein Märchen, aber nicht völlig aus der Luft gegriffen. Im Kino hätte ich ihn verpasst, da wäre er aber wegen der Bilder sicher auch schön. 

Empfehlenswert!

05 März 2021

Mal wieder Lust auf »Luc«

Ich habe die zweite Ausgabe der Comic-Anthologie »Cozmic« dieser Tage endlich gelesen. Der Verlag hat angekündigt, dass in diesem Monat die dritte Ausgabe in Druck gehen wird – es wird also Zeit, dass ich mich dazu äußere.

Es gibt einige richtig tolle Comics in der aktuellen Ausgabe – mein Highlight ist wieder einmal »Ein seltsamer Tag« –, aber auch einige Geschichten, mit denen ich nicht viel anfangen konnte. Für meine Begriffe war das zu viel Kunst und zu wenig Comic, zu wenig erzählt und zu viel gewollt. Ich saß bei vielen Comics verwirrt vor dem Blatt und dachte irgendwann frustriert nur »Kunstkacke«. Das aber ist geschmäcklerisch, wie ich weiß: Was mir nicht gefällt, finden andere Leute vielleicht großartig.

Aber einen Beitrag fand ich richtig klasse. Olaf Brill schrieb sachkundig und mit vielen Details über die klassische Science-Fiction-Serie »Luc Orient«. Ich habe diese Comics komplett im Regal stehen, mochte sie schon »damals« in den Zeiten des »Zack«-Magazins, kaufte mir in den 80er-Jahren die Album-Ausgabe und in den Nuller-Jahren die damalige Gesamtausgabe. Dank des großen Artikels bekam ich wieder Lust darauf, die Serie ein weiteres Mal zu lesen – das ist dann nostalgisch, und ich freue mich darauf.

Und was »Cozmik« angeht: Ich hoffe darauf, dass mir die dritte Ausgabe besser gefällt. Aber ungeachtet meines persönlichen Geschmacks ist diese Anthologie sehr zu empfehlen!

Auf der Santa Maria

Ich bin ein Fan der Hörspielserie »Dorian Hunter«, seit sie gestartet worden ist. Dabei mochte ich die ursprüngliche Heftromanserie »Dämonenkiller« nie sonderlich, die in den 70er-Jahren erstmals veröffentlicht worden ist und die Grundlage für »Dorian Hunter« bildet. Aber die Art und Weise, wie das Team von Zaubermond Audio die klassischen Heftromane in moderne Hörspiele verwandelt, beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue.

Mit der Folge 36 beginnt ein neuer Handlungsabschnitt, der sogenannte Inka-Zyklus. Er führt nach Südamerika, und hat zudem einen starken Bezug zur Vergangenheit. Konkret: Dorian Hunter, der Dämonenkiller, folgt seinem Freund Jeff Parker, der offenbar versucht, in den Urwäldern Südamerikas das legendäre El Dorado zu finden. Dabei stoßen sowohl die Parker-Expedition als auch Hunter selbst auf seltsame Widerstände und geheimnisvolle Spuren.

Gleichzeitig werden in Hunter die ersten Erinnerungen an eines seiner früheren Leben wahr. In jenem Leben – er war als Georg Rudolf Speyer zu Beginn des 16. Jahrhunderts bereits aktiv – war er offenbar ebenfalls in Südamerika unterwegs, zuerst an Bord des Schiffes Santa Maria, später dann auch an Land.

Wie das alles zusammenhängt, werden die folgenden Hörspiele wohl zeigen. Die Folge 36 mit dem Titel »Auf der Santa Maria« eröffnet gewissermaßen das Terrain und macht klar, in welche Richtung sich die Handlung künftig weiter bewegen wird: in Vergangenheit und Gegenwart, mit vielen Verwicklungen. Immerhin bietet sich hier die Möglichkeit, dass auch Neulinge in die Serie hineinschnuppern können, weil man keine großen Vorkenntnisse benötigt ...

Die Machart ist wieder hervorragend, diesmal sogar von der Sprache her. Die Macher bei Zaubermond Audio haben versucht, die südamerikanischen Sprachen nachzuarbeiten, so dass die Dialoge authentisch klingen. Für mich funktioniert das – alles wirkt ein wenig fremdartig, ist aber dennoch gut verständlich.

Spannender Auftakt zu einem kurzen Zyklus!

04 März 2021

Es war ein europäisches SF-Magazin

In den 80er-Jahren unternahmen mehrere Verlage die unterschiedlichsten Versuche, Science Fiction in Form eines Magazins zu veröffentlichen. Keines dieser Projekte war so richtig erfolgreich. Zu den letzten Ausläufern zählte »Parsek«; dieser Tage hatte ich die Ausgabe zwei wieder einmal in den Händen – und die wiederholte Lektüre nach all den Jahren machte durchaus Freude.

Das Magazin wurde von Hans Joachim Alpers und Gerd Maximovic herausgegeben, die beiden hatten dafür den Parsek Verlag gegründet. Wie hoch die Auflage war, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen; mit sieben Mark war das 44 A4-Seiten umfassende Magazin recht hochpreisig für die damalige Zeit; es wurde im Herbst 1990 veröffentlicht.

Sieht man von dem etwas seltsamen Titelbild ab, erwies sich der Inhalt des Magazins als sehr lesenswert. »Machen wir die SF wieder bunt«, forderte Alpers in seinem Vorwort, in dem er sich auch für den Cyberpunk als – damals immer noch neue – wichtige Richtung der Science Fiction aussprach.

Mit John Shirley hatte das Magazin einen Protagonisten dieser Richtung im Heft. Ich mochte Shirleys Romane und Kurzgeschichten ebenfalls, wir korrespondierten damals miteinander, und er schickte mir sogar eine Cassette seiner damaligen Band zu. Im Interview äußert sich der Autor zum aufkeimenden Faschismus, der seiner Ansicht nach »auch mit Hilfe religiöser Motive« auf seine Anhänger einwirke.

Seine Geschichte »Schatten eines Schneesturms« spielte dann mit Cyberpunk-Motiven; auch der italienische Autor Franco Forte erzählte in »Sternenstaub« eine Geschichte mit Maschinen und ihren Motiven. Darüber hinaus enthielt das Magazin eine Geschichte von Robert Sheckley, zu jener Zeit noch ein populärer Autor von SF-Kurzgeschichten, und weitere Texte anderer Autoren. Mit Gerd Maximovic war zudem einer der zwei Herausgeber mit einem Text vertreten.

In meiner Sammlung finden sich nur zwei »Parsek«-Ausgaben, woraus ich schließe, dass es auch nicht viel mehr gab. Im Nachhinein: sehr schade – das Magazin hatte gute Ansätze. Vielleicht war der Untertitel »Das europäische Magazin für utopisch-phantastische Literatur« ein wenig zu groß gedacht, vielleicht fehlte schlichtweg das Publikum.

03 März 2021

Lakonische Kurzgeschichten vom Meister

Der Autor Raymond Carver ist mir seit langem ein Begriff, und ich habe einige Sammlungen mit Kurzgeschichten von ihm im Regal stehen. Aus mir nicht einsichtigen Gründen nahm ich sein bekanntestes Buch lange Zeit nicht zur Hand – und kam erst dieser Tage dazu, alle Texte in »Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden« zu lesen.

Mir lag die aktuelle Ausgabe vor, die als Hardcover im Berlin-Verlag erschienen ist, aber auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Man bekommt sie noch im Secondhand-Bereich.

Raymond Carver – er lebte von 1938 bis 1988 – gilt als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Kurzgeschichte. Oftmals verbinden sich in seinen Kurzgeschichten persönliche Erfahrungen mit fiktiven Personen. Für Literaturforscher ist sicher interessant, solchen persönlichen Verbindungen nachzuforschen; ich wollte in erster Linie die Geschichten lesen.

Auffallend ist trotzdem, wie oft es um Alkohol geht: Die Hauptfiguren der Geschichten sind Trinker, oder sie geraten durch das Trinken von Gin und Whisky außer Kontrolle. Das wird nie positiv geschildert, der Autor verfällt aber ebensowenig in eine Arie von Verurteilungen. Er bleibt in seinem nüchternen Tod, erzählt lakonisch vom Scheitern seiner Figuren. (Man merkt als Leser, dass der Autor weiß, was Alkohol anrichten kann.)

»Sag den Frauen, dass wir wegfahren« beginnt beispielsweise ganz harmlos mit dem Leben von zwei jungen Männern. Die Geschichte schildert distanziert, wie sie gemeinsam alt werden und wie sie irgendwann zu viel Alkohol trinken, und sie endet damit, dass Hände nach Steinen greifen und zum tödlichen Schlag bereit sind.

Die Titelgeschichte des Buches, die übrigens in dem spektakulären Kinofilm »Birdman« als Hintergrund benutzt wird, wiederum besteht zu einem großen Teil aus einem Dialog, der in einen Monolog ausartet und in dem es um Gewalt und Liebe, um Beziehungen und Alkohol geht. Sie endet ebenso offen wie viele andere Geschichten in diesem Buch, und würde man den Alkoholkonsum rausstreichen, würde ein großer Teil des Textes fehlen.

Immer wieder gibt es Texte in »Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden«, die ich faszinierend finde, die mich packen, auch wenn vorgeblich nicht so viel passiert. Andere empfinde ich als geschwätzig. (Es gibt ja längst eine literarische Diskussion darüber, welchen Einfluss der Lektor auf das Werk des Autors hatte, wieviel er gekürzt und geändert hat. Mir ist das insofern egal, dass ich nur den fertigen Text vor mir habe und lesen kann.)

»Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden« ist ein Buch, dessen Lektüre ich nach wie vor empfehlen kann. Ich bin sicher, dass ich immer mal wieder danach greifen werde, um eine der Geschichten neu zu lesen …

02 März 2021

Ein neues Team aus Superheldinnen?

Ich finde es immer wieder spannend, wie die Kollegen bei DC im Jahresabstand neue Impulse in die ollen Superhelden-Geschichten pumpen. Das kann mir nicht alles gefallen, muss es ja auch nicht, und lesen kann ich eh nicht alles – aber ich schau häufig rein und bin oft positiv überrascht.

Ganz aktuell las ich »Das Kartell der Teufelsbräute«, der zum Kosmos der »Birds Of Prey« gehört. Grob gesagt, handelt es sich bei diesen Vögeln um Teams aus Superheldinnen, die in Gotham City und Umgebung versuchen, gegen das organisierte Verbrechen und kostümierte Superschurken vorzugehen. Die immer wieder neu gestartete Heldinnen-Gruppe zeichnete sich im Verlauf der Jahre durch spannende Geschichen und teilweise tolle Zeicnungen aus. Entsprechend gespannt war ich dann auch …

Erzählt wird von Harley Quinn, die sich in den vergangenen Jahren zu einer sehr populären Figur entwickelt hat – was ich mir anfangs nicht vorstellen konnte. In diesem Comic kommt sie zurück nach Gotham City, wo sie beschließt, künftig die Verbrecher zu bekämpfen. Schnell kommt sie sie in Kontakt zu Huntress und Black Canary – zwei Mitgliedern der »Birds Of Prey« – und bekommt es mit einer schießwütigen Truppe von Killern zu tun.

Zwischen den Killern eines Drogenkartells und verkleideten Clowns, die für den Joker arbeiten, muss Harley Quinn ihren potenziellen Freundinnen und einer Polizistin zeigen, dass sie sich wirklich gewandelt hat. Das wird mit viel Action und knalligen Dialogen erzählt; es kracht und scheppert auf den Seiten dieses Comics praktisch ständig.

Diesen Comic für Action-Fans schrieb Brian Azzarello, der schon seit vielen Jahren im Comic-Geschäft aktiv ist und sich vor allem im Superhelden-Bereich sehr gut auskennt. Man merkt, dass er weiß, wie man die Akzente setzt; seine Geschichte ist rasant, zeichnet sich durch schnelle Wechsel der Schauplätze und einige coole Wendungen aus. Keine große Literatur – aber einfach gut erzählter Superhelden-Stoff.

Emanuela Lupacchino kannte ich bislang noch nicht; die italienische Künstlerin hat sich unter anderem bei »Wonder Woman« bewährt. Sie bekommt die Action bei diesem Band der »Birds Of Prey« sehr gut hin. Die Dynamik der Geschichte mit Verfolgungsjagden, heftigen Kämpfen und zugespitzten Dialogen überträgt sie in überzeugende Bilder.

Klar: Anspruchsvoll ist das alles nicht. Aber klasse gemacht Superhelden-Action hat auch was für sich! (Die Leseprobe auf der Panini-Seite hilft vielleicht weiter.)

01 März 2021

Landtagswahl in Sicht

In wenigen Tagen wird in Baden-Württemberg zur Landtagswahl aufgerufen. Wegen der Pandemie werde ich mich als Briefwähler daran beteiligen. Meine Unterlagen liegen seit einigen Tagen daheim, aber ich habe noch keine Ahnung, wo ich mein Kreuz setzen soll.

Schon klar: Parteien wie die CDU oder die FDP kommen nicht in Frage. Irgendwelche Nazi-Gruppierungen sowieso nicht, und bei manchen Kleinparteien weiß ich nicht einmal, für welche Inhalte sie stehen.

Faktisch bleiben drei Parteien, die für mich einigermaßen wählbar sind. Es sind die Grünen, die ich bei den vergangenen zwei Landtagswahlen gewählt habe, es ist die SPD, deren Oberbürgermeister ich in Karlsruhe gewählt habe, und es ist die Linke, bei der ich bei der Bundestagswahl mein Kreuz gesetzt habe. Mit allen drei Parteien fremdle ich aus den unterschiedlichsten Gründen, bei den genannten drei Wahlgängen setzte ich mein Kreuz immer mit lautem Zähneknirschen.

Und nun?

Mir wäre – bei allem Jammern und Wehklagen – sehr recht, wenn die Grünen weiterhin an der Regierung blieben. Mir graust es davor, dass irgendwann die CDU wieder allein regieren könnte oder in Zusammenarbeit mit der FDP. Bei den Grünen habe ich zumindest das Gefühl, dass Umwelt- und Naturschutz ein wichtiges Thema seien, auch wenn ich die Karlsruher Lokalpolitik teilweise sehr albern finde. (Was hilft es dem Klima, wenn ich die Parkgebühren erhöhe und die sogenannte Brötchentaste abschaffe?)

Die Grünen sind halt eine Bürgerpartei, die sich zu wenig um soziale Themen kümmert. Ich weiß, das ist ein Vorurteil, aber ich halte an diesem Vorurteil seit vierzig Jahren fest. Es muss ein soziales Korrektiv in die Regierung.

Wähle ich die Linkspartei, ist die Stimme in Baden-Württemberg schlicht verschenkt. Zudem weiß ich nicht so recht, wofür die Linkspartei steht. Die örtliche Kandidatin hat sich mit einem Antifa-Anstecker ablichten lassen, was mir sehr gut gefällt. Aber reicht das aus?

Bei der SPD wurde ich in den vergangenen Jahren eigentlich immer enttäuscht. Die örtliche sozialdemokratische Kandidatin macht auf mich einen dynamisch-fitten Eindruck. Über ihre persönlichen Einstellungen weiß ich allerdings nicht viel – meine Schuld, nicht ihre.

Letztlich tendiere ich derzeit zu den Sozialdemokraten. Nicht weil ich die neuerdings gut fände, sondern aus rein strategischen Erwägungen: Die einzig halbwegs sinnvolle Koalition, die ich mir für Baden-Württemberg vorstellen kann, ist Grün-Rot. Grün steht dann für das Kuscheln mit der Autoindustrie, verbrämt mit Umweltpolitik, während Rot immerhin für ein wenig soziales Engagement steht.

Hm.

Hardcore aus North Carolina

Die Zeiten, als Hardcore nur aus den großen Städten kam, sind seit dreißig Jahren vorüber. Trotzdem bin ich immer wieder überrascht, welche Städte auf der Landkarte auftauchen, in denen auf einmal Bands spielen, die mich begeistern. Eine dieser Städte, von der ich bislang noch nie den Namen gehört hatte, ist Asheville in North Carolina – von dort kommt die Band Just Die!

Die vier Typen, teils ordentlich tätowiert, machen Hardcore mit viel Gebrüll und noch viel mehr Energie; das ist schon sehr weit vom Punk klassischer Prägung entfernt, strahlt aber dieselbe punkige Energie aus, die ich bei dieser Musik so mag. Seit Mitte der Nullerjahre spielen die Burschen zusammen, sie haben diverse Tonträger veröffentlicht.

Ich habe mir ihre EP »since the day we were born« besorgt, die 2012 veröffentlicht worden ist, die das Label auf 500 Exemplare limitiert hat und die sechs Stücke enthält. Was mir dabei gut gefällt: Es gibt nicht nur Gebrüll und Geprügel, dazwischen schält sich immer mal wieder eine Melodie hervor, und auf Metal-Gedöns wird verzichtet. Gelegentlich gibt es halbwegs ruhige Passagen dazwischen, da klimpert die Gitarre ein wenig, bevor das Schlagzeug und der Bass einsetzen und dann der Sänger dazu kommt.

Das ist alles richtig gut gemacht, und die eher persönlichen Texte gefallen mir auch. Just Die! machen Hardcore, der nicht nach den »guten alten Zeiten« klingt, aber auch nicht krampfhaft nach neuen Impulsen sucht – das gefällt mir, und das packt mich immer noch.

26 Februar 2021

Roxy Music und der Geschmack

Im Autoradio begann ein neues Stück. Ich hörte nur die einleitenden Töne, das seltsame Geplunker am Anfang – und alles war wieder da. Die Stimme im Kopf, der Sänger, die schlurfende Musik und der Geschmack im Mund. Ich sah mich wieder, wie ich über dem Waschbecken hing, und ich war in Gedanken auf dieser Party im Winter 1979/80, bei der mir so unendlich schlecht war.

Roxy Music lief, das Stück hieß »Dance Away«. Zu diesem Stück versuchten wir uns im Tanzkurs in der »Tanzschule Herrmann« in Freudenstadt am Disco-Fox, und ich stellte mich mehr schlecht als recht an. Schon damals hätte mir klar sein müssen, dass ich vielleicht mal so Dinge wie Pogo oder Slamdance einigermaßen hinbekommen würde, aber sicher keinen Disco-Fox und schon gar keinen Cha-Cha-Cha oder was wir damals sonst so lernen mussten.

Aber Roxy Music. Das war damals neu und angesagt, die Band galt als »groß« und die Musik als durchaus intellektuell und »anspruchsvoller Pop«. Es lief aber auch bei dieser Party, die einer meiner Freunde veranstaltete und zu der er den halben Tanzkurs einlud. Ich war nach einigen Bieren völlig besoffen und musste kotzen, schaffte es zwar zum Waschbecken, hinterließ dort aber eine unfassbare Sauerei, die ich nicht wegwischen konnte.

Ich war gerade mal 17 Jahre alt, glaubte zu dieser Zeit noch, ich würde einmal ein berühmter Schriftsteller werden, und träumte davon, mit meinem eigenen Fanzine große Auflagen zu erreichen. Mit der Schule hatte ich meine Probleme, und zum Erwachsenwerden zählte in diesem Winter offensichtlich dazu, möglichst schnell möglichst viel Alkohol zu trinken.

Später hatte ich einen Filmriss und wurde heimgefahren; mein Fahrrad holte ich später ab. Aber zu allem lief im Hintergrund meines Kopfes dieses »Dance Away«. So brannte sich Roxy Music bei mir ins Hirn und in die Geschmacksnerven.

Dabei ist das Stück wirklich nicht so schlecht, wie ich dann feststellte, als ich es zu Ende hörte – zum ersten Mal seit gut vierzig Jahren …

Die »AN«-Ausgabe 272

Ich habe in jüngster Zeit immer mal wieder über das Fanzine »Andromeda Nachrichten« geschrieben, dessen Qualitäten ich dabei stets gelobt habe. Die Ausgabe 272 vom Januar 2021, zu deren Lektüre ich erst dieser Tage gekommen bin, zählt eindeutig dazu: Das Heft erstrahlt im A4-Format und einem farbigen Titelbild, die 148 Seiten weisen ein professionelles Layout auf, und auch den Inhalt finde ich meist richtig gut.

Klar gibt es Dinge, die mich nicht interessieren – den Beitrag über die »eGames« überblättere ich immer –, die ich aber grundsätzlich gut finde; so was muss in so ein Heft rein. Und ebenso gibt es Beiträge, die ich nur überfliege, weil sie mich eh ärgern; konkret meine ich dabei die Berichterstattung über die von mir betreute Science-Fiction-Heftromanserie.

Absolut lesenswert ist das Interview mit dem Schriftsteller Tom Hillenbrand, der nicht nur Science Fiction schreibt, sondern auch spannende Krimis und sogar historische Romane. Traurig ist die Lektüre der Nachrufe auf Dieter Steinseifer, der sich jahrzehntelang um die Fan-Szene im deutschsprachigen Land verdient gemacht hat und zum Ende des Jahres 2020 gestorben ist. Damit sind zwei wesentliche Schwerpunkte dieser Ausgabe genannt.

Wie es sich gehört, gibt es sehr viele Rezensionen: zu aktuellen Romanen und Anthologien, zu Fanzines und Comics. Das ist richtig viel, und es qualitativ recht unterschiedlich. Bei manchen Rezensionen habe ich hinterher den Wunsch, den Roman zu kaufen, bei anderen bin ich schon von der Inhaltsangabe gelangweilt. Aber das Heft verschafft mir einen schönen Überblick über aktuelle Publikationen im weiten Feld der Science Fiction – das ist auch im Internet-Zeitalter noch sehr sinnvoll.

Ich könnte, wenn ich wollte, über diese aktuelle Ausgabe nur auf einem sehr hohen Niveau meckern. Das muss aber nicht sein, also lasse ich es gleich. Ein gelungenes Heft!

25 Februar 2021

Ich schrieb über »Mister Dynamit«

Im Frühsommer 1986 begann mein erstes Engagement in Rastatt. Kurz zuvor hatte man eine Abteilung für Public Relations gegründet, die sich vor allem um die aktuellen Titel der Buchverlage kümmern sollte, aber auch um PERRY RHODAN. Da passte ich gut ins Bild, das waren schließlich Themen, bei denen ich mich einigermaßen auskannte.

Für die Heftroman- und Taschenbuchserien war die dreiköpfige Public-Relations-Abteilung aber ebenfalls zuständig. Und so schrieb ich Texte über Western und Liebesromane, wenn sich das anbot, aber ebenso über eine damals erfolgreiche Reihe: Gemeint ist »Mister Dynamit« – eine Reihe, die von dem deutschen Schriftsteller C. H. Guenter verfasst wurde.

Den Autor selbst lernte ich nicht kennen. Ich las einige seiner Romane, vertiefte mich in die Konzepte und sprach mit dem zuständigen Redakteur. Dann verfasste ich meinen Text, der im September 1986 an die Öffentlichkeit ging. Wie die Resonanz in der Presse darauf war, weiß ich allerdings nicht mehr …

Wenn Punks schon Walzer tanzen …

Als ich die False Prophets um 1990 endlich live sehen konnte, war die große Zeit der Band in gewisser Weise schon vorüber. Ihre Platte »Invisible People« kam ebenfalls 1990 heraus. Es ist eine Mini-LP, die sechs vergleichsweise lange Stücke enthält, mir aber trotz diesen Längen immer noch richtig gut gefällt. Veröffentlicht wurde die Platte damals übrigens bei dem niederländischen Label Konkurrel; seither folgten diverse andere Auflagen, auch auf CD.

Klar ist das alles oft entfernt vom knalligen Hardcore-Punk, wie er anfangs der 80er-Jahre aus den USA kam. Und es hat nichts zu tun mit dem, was Ende der 80er- und vor allem zu Beginn der 90er-Jahre an Hardcore aus New York zu uns nach Deutschland schwappte. Die False Prophets waren um 1990 alles andere als modern, und vielleicht trug das dazu bei, dass ich sie so gut fand und auch heute noch gern anhören kann.

Schon das erste Stück der Platte belegt das gut: »Never Again, Again« enthält tatsächlich Passagen, zu denen man Walzer tanzen kann. (Ich spielte zu der Zeit bei diversen Veranstaltungen den DJ; wenn das Stück lief, tanzten wirklich einige Leute einen witzigen Walzer dazu.)

Auch andere Stücke auf dieser Platte sind abwechslungsreich, sind nicht unbedingt typisch für Punkrock oder Hardcore, wechseln das Tempo und die Tonlage, haben eine »schwingende« Grundstimmung. Der Sänger moduliert seine Stimme, dass es einem zeitweise schwindlig wird, die Stücke haben zwar eine durchgehende Melodie, wechseln aber oft ihre Richtung.

Ich würde nicht sagen, dass die »Invisible People« eine wichtige Platte ist oder eine, mit der die Band besonders gut repräsentiert wird. Aber es ist immer noch eine gute Platte und mir längst lieber als vieles von dem, was zu dieser Zeit sonst in der Hardcore-City New York auf Vinyl gepresst wurde.