»Du hast doch so viele alte Texte«, sagte die gute Bekannte zu mir. »Stell die doch einfach zusammen und mach E-Books daraus. Das kostet dich eh nichts, unddann hast du ganz schnell einige E-Books auf dem Markt. Das bringt doch auch Kohle.«
Mehr Geld kann man in unserer kapitalistischen Gesellschaft ja immer brauchen; ich ebenso wie die meisten anderen auch. Und so überlegte ich einige Sekunden lang, ob ich das nicht einfach machen sollte: haufenweise E-Books aus altem Kram zusammenstellen und einfach »raushauen«.
Dann ließ ich es: Zu viele dieser Texte sind nicht so, dass ich sie einfach veröffentlichen würde. Gerade manche Punkrock-Texte sind vom Augenblick abhängig; sie haben funktioniert, als ich sie damals veröffentlichte, wären aber heute nicht mehr so einfach zu vermitteln. (Stichwort Gewalt ...) Und hinter vielen meiner Science-Fiction-Kurzgeschichten stehe ich beim besten Willen nicht.
Vielleicht mache ich mal eine kommentierte Ausgabe mit uralten Geschichten. Die Geschichten zu den Geschichten sind vielleicht eh interessanter als die eigentlichen Texte. Aber das werden wir sehen – »so einfach« will ich dann doch keine E-Books machen.
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
31 Mai 2015
29 Mai 2015
Serienmord und Modeterror
Für mich war der Roman »American Psycho« in all den Jahren eine Art Mythos. Seit er 1991 erstmals erschienen ist, nahm ich mir immer wieder mal vor, ihn zu lesen. Es klappte aus den unterschiedlichsten Gründen nie.
Da kam's mir gerade recht, dass ich das Hörbuch in die Finger kam – gelesen von Moritz Bleibtreu und in einer gekürzten Version. Trotz aller Kürzungen habe ich, so denke ich, den Roman damit sehr gut »erlebt«.
Verfasst wurde er von dem amerikanischen Schriftsteller Bret Easton Ellis. Nachdem das Buch in deutscher Sprache erschienen war, landete es erst einmal auf dem Index und ist erst seit Anfang der Nuller-Jahre hierzulande frei verkäuflich. Das Buch ist bei Kiepenheuer & Witsch zu haben, das Hörbuch stammt von Random House Audio.
Hauptfigur des Romans ist ein Yuppie namens Patrick Bateman. Ende der 80er-Jahre ist er gerade mal 26, später 27 Jahre alt; er schwimmt im Geld, wohnt in einer bonzigen Wohnung in New York, geht ständig teuer essen und trägt nur die feinsten Klamotten. Er verbringt die Tage und die Abende im Fitness-Studio, verlabert seine Zeit, indem er mit Kollegen die aktuellen Modethemen diskutiert oder sich Koks in die Nase pfeift – ein selbstgerechtes, reiches Leben voller Oberflächlichkeit.
Unter der Fassade aber spielt sich in Batemans Leben der wirkliche Horror ab. Er vergewaltigt und ermordet junge Frauen auf brutalste Art und Weise, er tötet auch Geschäftspartner, und in seinem Drogenwahn steigert er sich in immer schlimmere Fantasien hinein.
(Ich habe übrigens mal geschaut, welche Kapitel im Hörbuch gestrichen wurden, um den Roman einzukürzen. Es fehlt beispielsweise ein Besuch des Protagonisten bei seiner Mutter im Altersheim, auch der Bruder fehlt weitestgehend, ebenso seine Lieblingsband GENESIS. Das halte ich für vernachlässigbar.)
Durch die angenehme Stimme von Moritz Bleibtreu wird das Grauen erfassbar: sowohl das Grauen vor der entsetzlichen Oberflächlichkeit in Batemans Leben als auch das Grauen angesichts seiner Taten. Bleibtreu verleiht dem Ich-Erzähler einen lockeren Ton, lässt vor allem in den Dialogen die Stimme so hüpfen, dass man manchmal über den absurden Charakter der Gespräche schmunzeln muss, und bleibt bei den grausigen Mordtaten so ruhig, als beschreibe er ein Picknick.
Das Hörbuch war der Hammer. Das Vorlesen von unglaublich vielen Markennamen hat eine fast schon hypnotische Wirkung auf einen, der Sex und die Morde wirken verstörend. Alles in allem entfaltet die Geschichte aber einen ungeheuerlichen Sog auf einen – zumindest gilt und galt das für mich.
Ich bin sicher, dass es Leute geben wird, die das Hörbuch oder den Roman abstoßend finden und ihn deshalb ablehnen. Ich kann das sogar gut verstehen. Ich kann aber auch gut verstehen, warum es Leute gibt, für die dieser Roman wegweisend war. Selten zuvor wurde der »American Way Of Life« in derart drastischer Art und Weise dekonstruiert ...
Da kam's mir gerade recht, dass ich das Hörbuch in die Finger kam – gelesen von Moritz Bleibtreu und in einer gekürzten Version. Trotz aller Kürzungen habe ich, so denke ich, den Roman damit sehr gut »erlebt«.
Verfasst wurde er von dem amerikanischen Schriftsteller Bret Easton Ellis. Nachdem das Buch in deutscher Sprache erschienen war, landete es erst einmal auf dem Index und ist erst seit Anfang der Nuller-Jahre hierzulande frei verkäuflich. Das Buch ist bei Kiepenheuer & Witsch zu haben, das Hörbuch stammt von Random House Audio.
Hauptfigur des Romans ist ein Yuppie namens Patrick Bateman. Ende der 80er-Jahre ist er gerade mal 26, später 27 Jahre alt; er schwimmt im Geld, wohnt in einer bonzigen Wohnung in New York, geht ständig teuer essen und trägt nur die feinsten Klamotten. Er verbringt die Tage und die Abende im Fitness-Studio, verlabert seine Zeit, indem er mit Kollegen die aktuellen Modethemen diskutiert oder sich Koks in die Nase pfeift – ein selbstgerechtes, reiches Leben voller Oberflächlichkeit.
Unter der Fassade aber spielt sich in Batemans Leben der wirkliche Horror ab. Er vergewaltigt und ermordet junge Frauen auf brutalste Art und Weise, er tötet auch Geschäftspartner, und in seinem Drogenwahn steigert er sich in immer schlimmere Fantasien hinein.
(Ich habe übrigens mal geschaut, welche Kapitel im Hörbuch gestrichen wurden, um den Roman einzukürzen. Es fehlt beispielsweise ein Besuch des Protagonisten bei seiner Mutter im Altersheim, auch der Bruder fehlt weitestgehend, ebenso seine Lieblingsband GENESIS. Das halte ich für vernachlässigbar.)
Durch die angenehme Stimme von Moritz Bleibtreu wird das Grauen erfassbar: sowohl das Grauen vor der entsetzlichen Oberflächlichkeit in Batemans Leben als auch das Grauen angesichts seiner Taten. Bleibtreu verleiht dem Ich-Erzähler einen lockeren Ton, lässt vor allem in den Dialogen die Stimme so hüpfen, dass man manchmal über den absurden Charakter der Gespräche schmunzeln muss, und bleibt bei den grausigen Mordtaten so ruhig, als beschreibe er ein Picknick.
Das Hörbuch war der Hammer. Das Vorlesen von unglaublich vielen Markennamen hat eine fast schon hypnotische Wirkung auf einen, der Sex und die Morde wirken verstörend. Alles in allem entfaltet die Geschichte aber einen ungeheuerlichen Sog auf einen – zumindest gilt und galt das für mich.
Ich bin sicher, dass es Leute geben wird, die das Hörbuch oder den Roman abstoßend finden und ihn deshalb ablehnen. Ich kann das sogar gut verstehen. Ich kann aber auch gut verstehen, warum es Leute gibt, für die dieser Roman wegweisend war. Selten zuvor wurde der »American Way Of Life« in derart drastischer Art und Weise dekonstruiert ...
28 Mai 2015
Leftöver Crack von 2001
Als ich zum ersten Mal die amerikanische Band Leftöver Crack hörte, war ich völlig begeistert: Eine derart treibende Mischung aus Punk, Ska, einem Schuss Metal, einem fies klingenden Sänger und Politik hatte ich so noch nie gehört. Der einzige Vergleich, der mir zu dieser Band einfiel, war der zu den Dead Kennedys: nicht rein musikalisch, sondern von der Art, sich zu präsentieren und sich inhaltlich wie musikalisch zu positionieren.
Jetzt legte ich die Platte »Mediocre Generica« von 2001 mal wieder auf, die bei Hellcat Records erschienen ist – und bin begeistert von der Band. Die Aufnahmen zu dieser Platte entstanden laut dem Info, das auf der Platte steht, in einem Zeitraum von über zehn Jahren, was man nicht unbedingt merkt.
Die Qualität der Stück ist hoch, sie sind extrem abwechslungsreich und scheuchen den Hörer durch allerlei Stilrichtungen. Inhaltlich macht die Band die gewohnt klaren Aussagen zu Homophobie, zu Drogen und zur Szene; die Gestaltung ist gut, in klassischer Anarchopunk-Optik – das packt mich immer noch. Die Platte hat mich jetzt mehrere Tage lang morgens begleitet, der ideale Soundtrack vor einem langen Arbeitstag.
Jetzt legte ich die Platte »Mediocre Generica« von 2001 mal wieder auf, die bei Hellcat Records erschienen ist – und bin begeistert von der Band. Die Aufnahmen zu dieser Platte entstanden laut dem Info, das auf der Platte steht, in einem Zeitraum von über zehn Jahren, was man nicht unbedingt merkt.
Die Qualität der Stück ist hoch, sie sind extrem abwechslungsreich und scheuchen den Hörer durch allerlei Stilrichtungen. Inhaltlich macht die Band die gewohnt klaren Aussagen zu Homophobie, zu Drogen und zur Szene; die Gestaltung ist gut, in klassischer Anarchopunk-Optik – das packt mich immer noch. Die Platte hat mich jetzt mehrere Tage lang morgens begleitet, der ideale Soundtrack vor einem langen Arbeitstag.
27 Mai 2015
Tanith Lee war ein Idol
Auch wenn man persönlich nie mit ihnen zu tun hatte, trifft einen der Tod mancher Personen doch sehr. Das ist bei mir mit Tanith Lee so. Als ich gestern las, dass die Schriftstellerin dieser Tage gestorben ist, war ich für einen Moment schockiert, dann traurig. Dabei ist es gut zwanzig Jahre her, seit ich zum letzten Mal einen Roman von ihr gelesen habe.
Mit ihren Fantasy-Romanen hat Tanith Lee in meiner frühen Leser-Sozialisation einen großen Einfluss auf mich gehabt. Der erste Roman von ihr, den ich las, war »Vazkor«. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich ihn in der Buchhandlung im EKZ bei Gaggenau kaufte, wie ich ihn schon im Auto las, wie er mich in den Tagen danach fesselte.
Danach wollte ich alles von dieser Autorin lesen. Anfangs der 80er-Jahre wurden viele Romane von ihr in deutscher Sprache veröffentlicht; sie kamen bei Bastei und bei Heyne heraus. Sie waren mal träumerisch, mal knallig, mal märchenhaft, mal eher »Sword & Sorcery«. Und sie eröffneten mir phantastische Welten ohne Zahl, die ich heute noch in meinem Gedächtnis habe.
Tanith Lee war Jahrgang 1947 – viel zu jung, um im Jahr 2015 bereits zu sterben. Sie erhielt in ihrer Laufbahn als Autorin alle möglichen Preise, und auch wenn es in letzter Zeit ein wenig ruhig um sie geworden ist, hatte sie ihren Platz in der Liste der sehr guten Autoren immer sicher.
Es ist traurig, von ihr keine weiteren Romane mehr lesen zu können. Vielleicht sollte ich »Vazkor« mal wieder aus dem Regal fischen (und dann die anderen zwei Bände der Trilogie ebenfalls), um die Erinnerungen aufzufrischen.
Mit ihren Fantasy-Romanen hat Tanith Lee in meiner frühen Leser-Sozialisation einen großen Einfluss auf mich gehabt. Der erste Roman von ihr, den ich las, war »Vazkor«. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich ihn in der Buchhandlung im EKZ bei Gaggenau kaufte, wie ich ihn schon im Auto las, wie er mich in den Tagen danach fesselte.Danach wollte ich alles von dieser Autorin lesen. Anfangs der 80er-Jahre wurden viele Romane von ihr in deutscher Sprache veröffentlicht; sie kamen bei Bastei und bei Heyne heraus. Sie waren mal träumerisch, mal knallig, mal märchenhaft, mal eher »Sword & Sorcery«. Und sie eröffneten mir phantastische Welten ohne Zahl, die ich heute noch in meinem Gedächtnis habe.
Tanith Lee war Jahrgang 1947 – viel zu jung, um im Jahr 2015 bereits zu sterben. Sie erhielt in ihrer Laufbahn als Autorin alle möglichen Preise, und auch wenn es in letzter Zeit ein wenig ruhig um sie geworden ist, hatte sie ihren Platz in der Liste der sehr guten Autoren immer sicher.
Es ist traurig, von ihr keine weiteren Romane mehr lesen zu können. Vielleicht sollte ich »Vazkor« mal wieder aus dem Regal fischen (und dann die anderen zwei Bände der Trilogie ebenfalls), um die Erinnerungen aufzufrischen.
26 Mai 2015
Mein Fantasy-Kurzroman digital
An der einen oder anderen Stelle wurde schon darauf hingewiesen, in meinem Blog habe ich das Thema aber noch gar nicht abgefeiert: Im »Verlag In Farbe Und Bunt« ist mein Fantasy-Kurzroman »Der Schatten des Friedens« jetzt als E-Book erschienen, eine Hörbuch-Version wird in den nächsten Tagen ebenfalls erhältlich sein. Ich freue mich darüber schon ziemlich und hoffe – wie es sich für einen Autor gehört –, dass sich das E-Book entsprechend gut verkauft.
Es handelt sich um eine Fantasy-Geschichte, nicht unbedingt um einen riesigen Roman; wer mag, darf so etwas also auch in die Schublade »Novelle« stecken. Und wer nach weiteren Schubladen sucht, darf gern die mit »Sword & Sorcery« aufziehen. Es gibt auf jeden Fall weder Elfen noch Orks, weder Zwerge noch Goblins – und Zauberei gibt's in dem ganzen Kurzroman ebenfalls nicht.
Hier einige inhaltlichen Informationen:
Sein Name ist Sardev Örhun: ein Bandit und Räuber, der Führer einer Bande von Desperados, die sich Befreiungskrieger nennen. Seit vielen Jahren kämpfen er und seine Gefährten für die Freiheit ihres Heimatlandes Patloren. Jetzt naht die große Stunde: Die Besatzungstruppen aus dem fernen Eskoh ziehen nach Norden ab, aus dem Süden nähert sich die Befreiungsarmee des sogenannten Allvölkeraufstands. Im Chaos des ausgeplünderten Landes zwischen den marschierenden Armeen streiten sich heimatlose Söldner, großmäulige »Freiheitskämpfer« und streunende Banditen um Macht und Beute. Dazwischen: Sardev Örhun. Auf der Suche nach einer Zukunft für sich. Auf der Suche nach seiner letzten Rache. Auf der Suche nach einem Ziel fürs Leben.
Es handelt sich um eine Fantasy-Geschichte, nicht unbedingt um einen riesigen Roman; wer mag, darf so etwas also auch in die Schublade »Novelle« stecken. Und wer nach weiteren Schubladen sucht, darf gern die mit »Sword & Sorcery« aufziehen. Es gibt auf jeden Fall weder Elfen noch Orks, weder Zwerge noch Goblins – und Zauberei gibt's in dem ganzen Kurzroman ebenfalls nicht.
Hier einige inhaltlichen Informationen:
Sein Name ist Sardev Örhun: ein Bandit und Räuber, der Führer einer Bande von Desperados, die sich Befreiungskrieger nennen. Seit vielen Jahren kämpfen er und seine Gefährten für die Freiheit ihres Heimatlandes Patloren. Jetzt naht die große Stunde: Die Besatzungstruppen aus dem fernen Eskoh ziehen nach Norden ab, aus dem Süden nähert sich die Befreiungsarmee des sogenannten Allvölkeraufstands. Im Chaos des ausgeplünderten Landes zwischen den marschierenden Armeen streiten sich heimatlose Söldner, großmäulige »Freiheitskämpfer« und streunende Banditen um Macht und Beute. Dazwischen: Sardev Örhun. Auf der Suche nach einer Zukunft für sich. Auf der Suche nach seiner letzten Rache. Auf der Suche nach einem Ziel fürs Leben.
24 Mai 2015
Bilitis – yeah!
Als ich anfing, die »Bravo« zu lesen, bedeutete das damals, dass ich sie mir immer von Mitschülern ausleihen musste. Meine Eltern hätten mir nie das Heft gekauft, und ein Taschengeld bekam ich nicht. So war ich in die laufenden Diskussionen von pubertierenden Jugendlichen gar nicht richtig eingebunden.
Immerhin bekam ich mit, dass ein Skandalfilm der damaligen Zeit »Bilitis« hieß. Die Weichzeichner-Bilder wurden auch in der »Bravo« thematisiert, die Musik hörte ich irgendwann – aber den Film selbst sah ich nie. Er lief nie im Kino, und als ich älter wurde, verlor ich das Interesse an solchen Themen.
Dieser Tage sah ich ihn erstmals. »Bilitis« ist ein Softporno der 70er-Jahre; als ich »Bravo« las, schrieb man die Jahre 1976 bis 1979 etwa. Schaut man sich den Film heute an, versteht man nicht mehr, warum er einmal entweder als toll oder als schrecklich betrachtet wurde.
Die Musik ist erstaunlich zeitlos; die könnte heute als Elektropop laufen. Die Hauptdarstellerin ist hübsch, sie könnte auch heute noch in einem Film mitspielen. Aber die Handlung würde heute massive Diskussionen über »Sex mit Minderjährigen« auslösen.
Ständig fingern entweder die Internatsschülerinnen, um die es letztlich geht, aneinander herum, oder es kommt zu spontanem Sex mit Erwachsenen. Sex unter Erwachsenen ist eher brutal und schmutzig; Sex einer Schülerin mit einem Erwachsenen meist romantisch. Irritierend ist, dass man nie viel zu sehen kriegt: ständig nackte Brüste und nackte Hintern, aber nicht mehr.
Ich schaffte es übrigens nicht, den Film zu Ende zu gucken. Er ist wirklich kreuzlangweilig. Immerhin hatte ich danach die Musik wieder im Kopf – die hatte ich mehr als dreißig Jahr lang erfolgreich verdrängt. Na immerhin!
Immerhin bekam ich mit, dass ein Skandalfilm der damaligen Zeit »Bilitis« hieß. Die Weichzeichner-Bilder wurden auch in der »Bravo« thematisiert, die Musik hörte ich irgendwann – aber den Film selbst sah ich nie. Er lief nie im Kino, und als ich älter wurde, verlor ich das Interesse an solchen Themen.
Dieser Tage sah ich ihn erstmals. »Bilitis« ist ein Softporno der 70er-Jahre; als ich »Bravo« las, schrieb man die Jahre 1976 bis 1979 etwa. Schaut man sich den Film heute an, versteht man nicht mehr, warum er einmal entweder als toll oder als schrecklich betrachtet wurde.
Die Musik ist erstaunlich zeitlos; die könnte heute als Elektropop laufen. Die Hauptdarstellerin ist hübsch, sie könnte auch heute noch in einem Film mitspielen. Aber die Handlung würde heute massive Diskussionen über »Sex mit Minderjährigen« auslösen.
Ständig fingern entweder die Internatsschülerinnen, um die es letztlich geht, aneinander herum, oder es kommt zu spontanem Sex mit Erwachsenen. Sex unter Erwachsenen ist eher brutal und schmutzig; Sex einer Schülerin mit einem Erwachsenen meist romantisch. Irritierend ist, dass man nie viel zu sehen kriegt: ständig nackte Brüste und nackte Hintern, aber nicht mehr.
Ich schaffte es übrigens nicht, den Film zu Ende zu gucken. Er ist wirklich kreuzlangweilig. Immerhin hatte ich danach die Musik wieder im Kopf – die hatte ich mehr als dreißig Jahr lang erfolgreich verdrängt. Na immerhin!
Channel 3 leben noch
Das kleine, aber feine Label Hostage Records aus Huntington Beach, Kalifornien, feierte 2012 das Erscheinen seiner Platte mit der Nummer fünfzig. Das musste natürlich gefeiert werden, also verpflichtete man die alten Helden von Channel 3, eine Platte aufzunehmen – dabei handelt es sich um eine der uralten Punkrock-Kapellen aus den goldenen Jahren des 80er-Jahre-Sounds aus dem südlichen Kalifornien.
Zwei Stücke sind auf der Single, wie sich das gehört. »Land Of The Free« und »Make It Home« sind entspannte Punkrock-Stücke mit Melodie und Herz, nicht mit aller Gewalt auf Tempo getrimmt. Wenn man will, ist das altersgerechter Pogo, bei dem man nicht wild durch die Gegend springt, sondern cool mit dem Kopf wackelt.
»Land Of Te Free« ist zudem ein sarkastischer Blick auf das Amerika von heute. Priester und Facebook, Politik und Kultur – das alles in einem klar formulierten Statement. Erwachsener Punkrock muss echt nicht langweilig sein, und diese großartige Band beweist das.
Zwei Stücke sind auf der Single, wie sich das gehört. »Land Of The Free« und »Make It Home« sind entspannte Punkrock-Stücke mit Melodie und Herz, nicht mit aller Gewalt auf Tempo getrimmt. Wenn man will, ist das altersgerechter Pogo, bei dem man nicht wild durch die Gegend springt, sondern cool mit dem Kopf wackelt.
»Land Of Te Free« ist zudem ein sarkastischer Blick auf das Amerika von heute. Priester und Facebook, Politik und Kultur – das alles in einem klar formulierten Statement. Erwachsener Punkrock muss echt nicht langweilig sein, und diese großartige Band beweist das.
23 Mai 2015
Adicts, Glam und Glitter
Es hatte etwas von großem Rock-Theater, dieser Freitag abend, 22. Mai 2015, in der »Alten Hackerei« in Karlsruhe. Der Laden war proppevoll, er kochte zeitweise geradezu. Vor der Bühne war eine Sperre errichtet worden, so dass man nicht auf sie klettern konnte. Und es waren Besucher von weither angereist, unter anderem sogar Punks aus Frankreich. Der Eintrittspreis hatte dann auch eher etwas von einem »normalen« Konzert, wurde aber klaglos akzeptiert.
Weil ich so viele Bekannte traf, verpasste ich glatt die erste Band. Fondükotze aus Zürich lieferten ein gelungenes Konzert ab, sorgten dafür, dass das Publikum gut auf die »Hauptgruppe« eingestellt war. Ich schob mich langsam nach vorne, während sich die Kneipe füllte, und hatte einen halbwegs ordentlichen Platz im vorderen Bereich. Von dort aus konnte ich auch ohne Brille gut gucken – altersgerechter Punkrock hat durchaus seine Nachteile.
Die Adicts hatte ich in den 80er-Jahren einmal gesehen, damals fand ich sie eher schlapp und ohne Druck. Das war an diesem Abend anders. Vom ersten Ton an fand die Band, von deren Originalbesetzung aus den 70er-Jahren sichtlich nicht mehr so viele übrig sind, den Kontakt zum Publikum, drückte das Gaspedal ordentlich durch und pfefferte einen Punkrock-Klassiker nach dem anderen in den Raum.
Es war großartig. Viele Leute sangen mit; ich bin nicht so textsicher und ersparte mir etwaige Peinlichkeiten. Es wurde gehüpft und getanzt, der Schweiß floss, das Bier lief.
Von der Bühne aus wurde ein Feuerwerk aus Punkrock und Karneval abgefeuert. Glimmer flatterte durch den Saal, Glitzerkram wurde durch die Luft geschleudert, ich kam mir vor wie bei einer Karnevalsparty in meiner Kindheit. Und während ich Karneval normalerweise doof finde, passte es, vor allem auch deshalb, weil die Band mit sichtlicher Spielfreude am Start war.
Ein großartiger Abend!, er erinnerte in der Tat ein wenig an großes Rock-Theater. Aber das störte mich ausnahmsweise gar nicht, sondern begeisterte mich.
Weil ich so viele Bekannte traf, verpasste ich glatt die erste Band. Fondükotze aus Zürich lieferten ein gelungenes Konzert ab, sorgten dafür, dass das Publikum gut auf die »Hauptgruppe« eingestellt war. Ich schob mich langsam nach vorne, während sich die Kneipe füllte, und hatte einen halbwegs ordentlichen Platz im vorderen Bereich. Von dort aus konnte ich auch ohne Brille gut gucken – altersgerechter Punkrock hat durchaus seine Nachteile.
Die Adicts hatte ich in den 80er-Jahren einmal gesehen, damals fand ich sie eher schlapp und ohne Druck. Das war an diesem Abend anders. Vom ersten Ton an fand die Band, von deren Originalbesetzung aus den 70er-Jahren sichtlich nicht mehr so viele übrig sind, den Kontakt zum Publikum, drückte das Gaspedal ordentlich durch und pfefferte einen Punkrock-Klassiker nach dem anderen in den Raum.
Es war großartig. Viele Leute sangen mit; ich bin nicht so textsicher und ersparte mir etwaige Peinlichkeiten. Es wurde gehüpft und getanzt, der Schweiß floss, das Bier lief.
Von der Bühne aus wurde ein Feuerwerk aus Punkrock und Karneval abgefeuert. Glimmer flatterte durch den Saal, Glitzerkram wurde durch die Luft geschleudert, ich kam mir vor wie bei einer Karnevalsparty in meiner Kindheit. Und während ich Karneval normalerweise doof finde, passte es, vor allem auch deshalb, weil die Band mit sichtlicher Spielfreude am Start war.
Ein großartiger Abend!, er erinnerte in der Tat ein wenig an großes Rock-Theater. Aber das störte mich ausnahmsweise gar nicht, sondern begeisterte mich.
22 Mai 2015
Kurzroman gedruckt
Bei aller Freude darüber, dass es meinen Fantasy-Kurzroman »Der Schatten des Friedens« jetzt als E-Book gibt, möchte ich die Print-Ausgabe nicht vergessen. Es gibt durchaus noch Restexemplare des Werks im Basilisk-Verlag.
Wer sich dafür interessiert, gehe bitte auf die Internet-Seite des Verlages. Das Paperback kostet zwölf Euro, das sollte okay sein.
Wer sich dafür interessiert, gehe bitte auf die Internet-Seite des Verlages. Das Paperback kostet zwölf Euro, das sollte okay sein.
Redaktionell erinnert
Dass ich auf der Internet-Seite eine Kolumnenreihe habe, die den schönen Titel »Der Redakteur erinnert sich« trägt, habe ich gelegentlich erwähnt. Heute nutze ich mal wieder die Gelegenheit, auf einige dieser Erinnerungen zurückzublicken und sie an dieser Stelle zusammenzufassen. Oftmals ergeben diese Texte ganz nette Einblicke in das Verlagsgeschehen – auch wenn die Leser dieser Zeilen gar nichts mit Science Fiction im Allgemeinen und meinem Beruf im Besonderen zu tun haben.
»Werbetexte im Spätsommer 1997« standen erst dieser Tage auf dem Programm. In diesem Text ging es darum, wie ich in dem genannten Jahr versuchte, Texte aus dem Hirn zu kramen, die für eine Werbekampagne genutzt werden konnten. Das war damals nicht einfach, und es ist heute nicht einfach.
Ins Jahr 2004 führte »ATLAN-Minierien als E-Book«. Heutzutage sind E-Books nichts besonderes mehr, aber noch 2004 fristeten sie ein Randgruppendasein. Außerhalb unserer Redaktion schien niemand zu erkennen, welches Potenzial in der Möglichkeit des »digitalen Lesens« steckte.
»Sinzig im Oktober 1997« führte in vier Teilen ins Jahr 1997. Teil eins, Teil zwei, Teil drei und Teil vier – ich untergliederte das Thema in vier Fortsetzungen, weil es so leichter lesbar erschien – behandeln einen Science-Fiction-Con im Rheinland; die Texte sind in gewisser Weise mein Denkmal für den leider schon verstorbenen Fan und Beatles-Experten Werner Fleischer.
Das Jahr 2006 war nicht unwichtig für die Entwicklung der Serie PERRY RHODAN NEO, die 2011 in den Handel kam. Thema meiner Erinnerung ist »Ein Jour Fixe zu NEO«, und ich schreibe ein wenig über eine Besprechung mit der Verlagsleitung.
»Werbetexte im Spätsommer 1997« standen erst dieser Tage auf dem Programm. In diesem Text ging es darum, wie ich in dem genannten Jahr versuchte, Texte aus dem Hirn zu kramen, die für eine Werbekampagne genutzt werden konnten. Das war damals nicht einfach, und es ist heute nicht einfach.
Ins Jahr 2004 führte »ATLAN-Minierien als E-Book«. Heutzutage sind E-Books nichts besonderes mehr, aber noch 2004 fristeten sie ein Randgruppendasein. Außerhalb unserer Redaktion schien niemand zu erkennen, welches Potenzial in der Möglichkeit des »digitalen Lesens« steckte.
»Sinzig im Oktober 1997« führte in vier Teilen ins Jahr 1997. Teil eins, Teil zwei, Teil drei und Teil vier – ich untergliederte das Thema in vier Fortsetzungen, weil es so leichter lesbar erschien – behandeln einen Science-Fiction-Con im Rheinland; die Texte sind in gewisser Weise mein Denkmal für den leider schon verstorbenen Fan und Beatles-Experten Werner Fleischer.
Das Jahr 2006 war nicht unwichtig für die Entwicklung der Serie PERRY RHODAN NEO, die 2011 in den Handel kam. Thema meiner Erinnerung ist »Ein Jour Fixe zu NEO«, und ich schreibe ein wenig über eine Besprechung mit der Verlagsleitung.
21 Mai 2015
Lost In Desire legen mit einer CD nach
Seit 2008 gibt es die Band Lost In Desire aus Wien; vor über einem Jahr habe ich mit »Skin« die erste Platte fünf Leute besprochen. Seit Ende 2014 liegt die aktuelle CD vor, die fünf Stücke unter dem Titel »100 Grams Of Your Heart« enthält.
Musikalisch bewegt sich die Band dabei in den Bahnen, die sie vor Jahresfrist gelegt hat. Man pendelt zwischen dem Synthie-Pop der frühen 80er-Jahre und dem düsteren Gruftie-Sound, wie man ihn Ende der 80er-Jahre in den Schwarzlicht-Diskotheken hierzulande gern hörte.
Dabei bleibt die Band schön düster und melancholisch; die Stücke sind nie schnell, sondern werden von tragisch klingenden Sequenzen durchwabert. Das kann ich mir nicht jeden Tag anhören; lasse ich mich aber darauf ein, packen mich die Stücke sehr wohl.
Eigentlich ist das eine optimale Musik für einen kühlen Herbsttag, wenn es regnet und die Nächte langsam länger werden. Bei einem Anfall von Weltschmerz kann sie aber auch gut eingesetzt werden.
Das Beste: Die CD ist im Handel nur schwer zu finden. Die Band hat aber erfreulicherweise eine Bandcamp-Seite, wo man sie sich anhören oder auch legal herunterladen kann.
Musikalisch bewegt sich die Band dabei in den Bahnen, die sie vor Jahresfrist gelegt hat. Man pendelt zwischen dem Synthie-Pop der frühen 80er-Jahre und dem düsteren Gruftie-Sound, wie man ihn Ende der 80er-Jahre in den Schwarzlicht-Diskotheken hierzulande gern hörte.
Dabei bleibt die Band schön düster und melancholisch; die Stücke sind nie schnell, sondern werden von tragisch klingenden Sequenzen durchwabert. Das kann ich mir nicht jeden Tag anhören; lasse ich mich aber darauf ein, packen mich die Stücke sehr wohl.
Eigentlich ist das eine optimale Musik für einen kühlen Herbsttag, wenn es regnet und die Nächte langsam länger werden. Bei einem Anfall von Weltschmerz kann sie aber auch gut eingesetzt werden.
Das Beste: Die CD ist im Handel nur schwer zu finden. Die Band hat aber erfreulicherweise eine Bandcamp-Seite, wo man sie sich anhören oder auch legal herunterladen kann.
20 Mai 2015
Zu faul für Pegida
Am Dienstag, 19. Mai 2015, gingen die »Anhänger der Pegida-Bewegung«, wie es immer so schön heißt, in Karlsruhe zum mittlerweile neunten Mal auf die Straße. Diesmal ging der angebliche Spaziergang durch die zentrale Innenstadt; ich war allerdings nicht dabei.
Gründe gibt es viele dafür. Einer ist sicher, dass ich mir von der Anwesenheit irgendwelcher Pegidioten in der Stadt nicht die Wochenplanung bestimmen lasse. Letztlich war ich zu faul für die Pegida, und ich futterte zu der Zeit gerade eine kurdische Pide, als die Superpatrioten ihren menschenhassenden Unfug durch die Innenstadt brüllten.
Zu viel Arbeit hatte ich an dem Tag sowieso. Auch nach dem Abendessen eilte ich ein weiteres Mal an den Computer, um Texte zu schreiben und die gefühlt 250 Mails zu beantworten, die sich während des Wochenendes auf meinem Computer angesammelt hatten. Arbeit und Faulheit zugleich siegten in meinem Fall also über meinen Wunsch, mich der Pegida auf der Straße in den Weg zu stellen.
Das taten genügend andere Leute. Wie die Medien berichteten und am Dienstagabend sogar iim Teletext zu lesen war, kam es an einigen Stellen der Innenstadt sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Anti-Pegida-Demonstranten. Beurteilen kann ich das nicht, weil ich davon selbst nichts mitbekommen habe.
Gründe gibt es viele dafür. Einer ist sicher, dass ich mir von der Anwesenheit irgendwelcher Pegidioten in der Stadt nicht die Wochenplanung bestimmen lasse. Letztlich war ich zu faul für die Pegida, und ich futterte zu der Zeit gerade eine kurdische Pide, als die Superpatrioten ihren menschenhassenden Unfug durch die Innenstadt brüllten.
Zu viel Arbeit hatte ich an dem Tag sowieso. Auch nach dem Abendessen eilte ich ein weiteres Mal an den Computer, um Texte zu schreiben und die gefühlt 250 Mails zu beantworten, die sich während des Wochenendes auf meinem Computer angesammelt hatten. Arbeit und Faulheit zugleich siegten in meinem Fall also über meinen Wunsch, mich der Pegida auf der Straße in den Weg zu stellen.
Das taten genügend andere Leute. Wie die Medien berichteten und am Dienstagabend sogar iim Teletext zu lesen war, kam es an einigen Stellen der Innenstadt sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Anti-Pegida-Demonstranten. Beurteilen kann ich das nicht, weil ich davon selbst nichts mitbekommen habe.
Best Before aus Goslar
Die 90er-Jahre waren nicht unbedingt die Hoch-Zeit des Deutschpunk. Viele der Bands, die in diesem Jahrzehnt ihre Platten aufgenommen haben, sind spurlos verschwunden – das Interesse der Sammler und Forscher richtet sich aus nachvollziehbaren Gründen auf die frühen 80er-Jahre.
Deshalb ging eine Reihe von Bands geradezu unter. Dazu zählen auch Best Before; die stammten aus Goslar, blieben weitestgehend unbeachtet und veröffentlichten 1995 auf eigenem Label die Langspielplatte »schein sein«, die ich dieser Tage – weil ich sie im Radio spielte – mal wieder sehr genau anhörte.
Laut Textblatt handelte es sich um fünf Musiker, die Platte war auf 500 Exemplare limitiert; sicher deshalb, weil es einfach keinen größeren »Markt« gab. Musikalisch machte die Band ganz klassischen Punkrock, der schwer nach den ganz frühen 80er-Jahren klang: ein wenig rumpelig, ein wenig nach England klingend, nicht so schnell und ruppig wie der Deutschpunk um diese Zeit. Man erwartet geradezu, dass auf einmal eine Orgel zu plunkern anfängt oder ein Synthesizer allerlei Klänge auf die Ohren haut.
Auch textlich passt das in die frühen 80er-Jahre. Wenn die Band über den »Betonkoller« singt oder öffentlich ihr »Feindbild« hasst, klingt das in positiver Weise altmodisch. Andererseits haben die Texte eine starke Emo-Kante, und wer will, kann die Platte heute glatt als Vorläufer des später so erfolgreichen Emopunks bezeichnen.
Best Before ist eine Band, die in ihrer Zeit nie wichtig war; man hat sie nie großartig wahrgenommen. Mit »schein sein« hat die Band aber ein schönes Tondokument hinterlassen, das ich mir immer noch gern anhören mag.
Deshalb ging eine Reihe von Bands geradezu unter. Dazu zählen auch Best Before; die stammten aus Goslar, blieben weitestgehend unbeachtet und veröffentlichten 1995 auf eigenem Label die Langspielplatte »schein sein«, die ich dieser Tage – weil ich sie im Radio spielte – mal wieder sehr genau anhörte.
Laut Textblatt handelte es sich um fünf Musiker, die Platte war auf 500 Exemplare limitiert; sicher deshalb, weil es einfach keinen größeren »Markt« gab. Musikalisch machte die Band ganz klassischen Punkrock, der schwer nach den ganz frühen 80er-Jahren klang: ein wenig rumpelig, ein wenig nach England klingend, nicht so schnell und ruppig wie der Deutschpunk um diese Zeit. Man erwartet geradezu, dass auf einmal eine Orgel zu plunkern anfängt oder ein Synthesizer allerlei Klänge auf die Ohren haut.
Auch textlich passt das in die frühen 80er-Jahre. Wenn die Band über den »Betonkoller« singt oder öffentlich ihr »Feindbild« hasst, klingt das in positiver Weise altmodisch. Andererseits haben die Texte eine starke Emo-Kante, und wer will, kann die Platte heute glatt als Vorläufer des später so erfolgreichen Emopunks bezeichnen.
Best Before ist eine Band, die in ihrer Zeit nie wichtig war; man hat sie nie großartig wahrgenommen. Mit »schein sein« hat die Band aber ein schönes Tondokument hinterlassen, das ich mir immer noch gern anhören mag.
19 Mai 2015
Klare Statements als Geschichte
Wenn es ein Thema gibt, mit dem man in Deutschland immer noch provozieren kann, so ist es das Dritte Reich mit allem Drum und Dran. Das war mir schon in meiner Jugend bekannt, als ich gelegentlich mit Themen und Mitteln provozierte, die mir nach einigen Jahrzehnten sehr peinlich sind. Meine große Hoffnung dabei ist stets, dass sich außer mir hoffentlich niemand an gewisse Peinlichkeiten erinnert.
Über eine solche Provokation schrieb ich eine Kurzgeschichte, an der ich – obwohl sie keine 10.000 Anschläge lang ist – recht lange herum dokterte. Sie ist für die Anthologie mit Punkrock-Geschichten gedacht, an der ich immer wieder arbeite und die hoffentlich irgendwann auch erscheinen wird.
Tatsächlich ist eine Kurzgeschichte entstanden, die einen biografischen Kern hat, diesen aber sehr weit ausdehnt. Die geschilderten Geschehnisse haben so – in der geschilderten Zuspitzung – nie stattgefunden. Trotzdem weiß ich, dass viele Leser glauben werden, dass das eine Eins-zu-Eins-Geschichte ist, die einen durchaus kritischen Schwank aus meiner Jugend präsentiert.
Mittlerweile bin ich mir nicht sicher, ob ich die Geschichte »Klare Statements« wirklich für das Buch verwenden soll. Sie gefällt mir, aber sie wird durchaus dazu verleiten, sie völlig falsch zu verstehen. Mal schauen, ob die Feigheit gewinnt – oder nicht ...
Über eine solche Provokation schrieb ich eine Kurzgeschichte, an der ich – obwohl sie keine 10.000 Anschläge lang ist – recht lange herum dokterte. Sie ist für die Anthologie mit Punkrock-Geschichten gedacht, an der ich immer wieder arbeite und die hoffentlich irgendwann auch erscheinen wird.
Tatsächlich ist eine Kurzgeschichte entstanden, die einen biografischen Kern hat, diesen aber sehr weit ausdehnt. Die geschilderten Geschehnisse haben so – in der geschilderten Zuspitzung – nie stattgefunden. Trotzdem weiß ich, dass viele Leser glauben werden, dass das eine Eins-zu-Eins-Geschichte ist, die einen durchaus kritischen Schwank aus meiner Jugend präsentiert.
Mittlerweile bin ich mir nicht sicher, ob ich die Geschichte »Klare Statements« wirklich für das Buch verwenden soll. Sie gefällt mir, aber sie wird durchaus dazu verleiten, sie völlig falsch zu verstehen. Mal schauen, ob die Feigheit gewinnt – oder nicht ...
18 Mai 2015
Wie immer ein skurriler Kinky-Krimi
Weil ich es nicht geschafft hatte, den Musiker und Schriftsteller Kinky Friedman live in Karlsruhe zu sehen, musste ich notgedrungenerweise auf ein gedrucktes Buch zurückgreifen. Tatsächlich stellte sich heraus, dass ich einen ungelesenen Roman des amerikanisch-texanisch-jüdischen Schriftstellers im Stapel hatte – mit »Elvis, Jesus & Coca-Cola« hatte ich in der Folge dann auch viel Spaß ...
Es handelt sich um einen echt typischen »Kinky«-Roman, der sogar einen gewissen Fortsetzungscharakter aufweist. In seinem Verlauf führt der Autor nämlich eine Figur ein, die in späteren Romanen eine eher romantische Rolle spielen wird. (Ich muss die einzelnen Bände endlich einmal in der richtigen Reihenfolge lesen!)
Gleichzeitig ist es ein typischer »Kinky«-Roman, was die eigentliche Geschichte angeht. Das heißt: Die Handlung ist sehr verschlungen, verfolgt nicht immer den logischen Bahnen eines seriösen Krimis und macht gerade deshalb vielen Leuten viel Spaß.
Er beginnt mit dem Tod eines guten Freundes; dieser arbeitete zuletzt an einer Dokumentation über Elvis-Imitatoren. Dann verschwindet eine Ex-Freundin des Detektivs unter mysteriösen Umständen. Die Polizei wird aufmerksam, weil beide Personen Kinkys Namen kritzelten, bevor sie verschwanden.
Kinky schlussfolgert messerscharf: Das alles muss mit dem geplanten Elvis-Imitatoren-Film zusammenhängen. Wie genau, das weiß er noch nicht. Aber er aktiviert all seine Freunde, und gemeinsam wird ermittelt – dabei stolpern sie nicht nur in haarsträubende Gespräche, sondern auch über die Vergangenheit des Detektivs ...
Wer jetzt meint, das klinge seltsam, der hat recht. Kinky Friedmans Romane zeichnen sich durch streckenweise absurde Dialoge, skurrile Weltbeobachtungen und die weitestgehende Abwesenheit klassischer Detektivarbeit aus. Der Ermittler spricht lieber mit seiner Katze, die ihm eh nicht antwortet, als mit irgendwelchen möglichen Zeugen; mit denen unterhält er sich zwar auch, aber das findet in einem Ton statt, den man als Leser entweder zum Lachen oder zum Ärgern findet.
Ich habe mich bei »Elvis, Jesus & Coca-Cola« wieder einmal großartig amüsiert. Wer das Universum von Kinky Friedman nicht kennt, wird mit dem Roman wahrscheinlich nicht so viel anfangen können – ich halte die Schreibe dieses Autors für brillant und fand mich zum wiederholten Mal in dieser Einschätzung bestätigt. Sehr schön!
Es handelt sich um einen echt typischen »Kinky«-Roman, der sogar einen gewissen Fortsetzungscharakter aufweist. In seinem Verlauf führt der Autor nämlich eine Figur ein, die in späteren Romanen eine eher romantische Rolle spielen wird. (Ich muss die einzelnen Bände endlich einmal in der richtigen Reihenfolge lesen!)
Gleichzeitig ist es ein typischer »Kinky«-Roman, was die eigentliche Geschichte angeht. Das heißt: Die Handlung ist sehr verschlungen, verfolgt nicht immer den logischen Bahnen eines seriösen Krimis und macht gerade deshalb vielen Leuten viel Spaß.
Er beginnt mit dem Tod eines guten Freundes; dieser arbeitete zuletzt an einer Dokumentation über Elvis-Imitatoren. Dann verschwindet eine Ex-Freundin des Detektivs unter mysteriösen Umständen. Die Polizei wird aufmerksam, weil beide Personen Kinkys Namen kritzelten, bevor sie verschwanden.Kinky schlussfolgert messerscharf: Das alles muss mit dem geplanten Elvis-Imitatoren-Film zusammenhängen. Wie genau, das weiß er noch nicht. Aber er aktiviert all seine Freunde, und gemeinsam wird ermittelt – dabei stolpern sie nicht nur in haarsträubende Gespräche, sondern auch über die Vergangenheit des Detektivs ...
Wer jetzt meint, das klinge seltsam, der hat recht. Kinky Friedmans Romane zeichnen sich durch streckenweise absurde Dialoge, skurrile Weltbeobachtungen und die weitestgehende Abwesenheit klassischer Detektivarbeit aus. Der Ermittler spricht lieber mit seiner Katze, die ihm eh nicht antwortet, als mit irgendwelchen möglichen Zeugen; mit denen unterhält er sich zwar auch, aber das findet in einem Ton statt, den man als Leser entweder zum Lachen oder zum Ärgern findet.
Ich habe mich bei »Elvis, Jesus & Coca-Cola« wieder einmal großartig amüsiert. Wer das Universum von Kinky Friedman nicht kennt, wird mit dem Roman wahrscheinlich nicht so viel anfangen können – ich halte die Schreibe dieses Autors für brillant und fand mich zum wiederholten Mal in dieser Einschätzung bestätigt. Sehr schön!
17 Mai 2015
Im schicken Restaurant
Wir hatten einen Grund, etwas zu feiern, also besuchten wir ein schickes Restaurant in der Innenstadt von Karlsruhe. Es war nicht ganz billig, aber auch nicht in der finanziellen Oberklasse. Das anwesende Publikum wirkte ebenfalls schick, die weißen Tischdecken machten einen feierlichen Eindruck.
Was mit als erstes verwunderte: Die Weine in der Karte waren nur sehr grob aufgelistet. Es stand beispielsweise ein Gavi aus der Toskana, ohne dass man erfuhr, woher er genau kam, oder es wurde ein Chardonnay gelistet, ohne dass dabei stand, aus welchem Land er stammte.
Deshalb fragte ich nach: »Woher ist der Chardonnay?« Ich vermutete schon, dass er aus Italien kam, aber er hätte ebensogut aus dem Elsass, aus Baden oder der Pfalz kommen können.
Die nette Bedienung war ratlos. Sie müsse nachschauen, sagte sie – das fand ich schon ein wenig schwach. Wir sahen ihr zu, wie sie zur Theke ging, die Weißweinflasche aus dem Kühlschrank fischte und das Etikett studierte. Dann kam sie zurück.
»Er ist aus Venedig«, sagte sie.
Ich starrte sie an. »Nord- oder Südhang?«, brachte ich hervor.
Unter dem Tisch kassierte ich Tritte gegen das Schienbein. Die Bedienung war irritiert und sagte erst einmal kein Wort. Und ich bestellte den Chardonnay aus der Region Venetien.
Der Wein schmeckte, das Essen war lecker, aber ich war irgendwie froh, als ich hinterher wieder auf der Straße war. Für die ach so feine Gesellschaft, bei der dann zu oft nur Schein statt Sein vorherrscht, habe ich dann doch nicht so viel übrig.
Was mit als erstes verwunderte: Die Weine in der Karte waren nur sehr grob aufgelistet. Es stand beispielsweise ein Gavi aus der Toskana, ohne dass man erfuhr, woher er genau kam, oder es wurde ein Chardonnay gelistet, ohne dass dabei stand, aus welchem Land er stammte.
Deshalb fragte ich nach: »Woher ist der Chardonnay?« Ich vermutete schon, dass er aus Italien kam, aber er hätte ebensogut aus dem Elsass, aus Baden oder der Pfalz kommen können.
Die nette Bedienung war ratlos. Sie müsse nachschauen, sagte sie – das fand ich schon ein wenig schwach. Wir sahen ihr zu, wie sie zur Theke ging, die Weißweinflasche aus dem Kühlschrank fischte und das Etikett studierte. Dann kam sie zurück.
»Er ist aus Venedig«, sagte sie.
Ich starrte sie an. »Nord- oder Südhang?«, brachte ich hervor.
Unter dem Tisch kassierte ich Tritte gegen das Schienbein. Die Bedienung war irritiert und sagte erst einmal kein Wort. Und ich bestellte den Chardonnay aus der Region Venetien.
Der Wein schmeckte, das Essen war lecker, aber ich war irgendwie froh, als ich hinterher wieder auf der Straße war. Für die ach so feine Gesellschaft, bei der dann zu oft nur Schein statt Sein vorherrscht, habe ich dann doch nicht so viel übrig.
16 Mai 2015
Seminartag in der Mühle
In diesem Jahr mache ich das Jubiläum voll: 1995 war ich zum ersten Mal in Wolfenbüttel, um an der dortigen Bundesakademie für kulturelle Bildung etwas über Science Fiction zu erzählen. Seither war ich einige Dutzend Male in der Stadt in Niedersachsen, die dank ihrer schönen Innenstadt einen positiven Charme hat.
An diesem Wochenende geht es wieder einmal um die Kurzgeschichte, genauer gesagt, es geht um diejenige mit einem phantastischen Charakter, Science Fiction und Fantasy und allgemeinere Phantastik also. Am heutigen Samstag gab es die erste Schreibübung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mittlerweile haben wir auch alle Geschichten durchgesprochen, die wir im Vorfeld erhalten haben.
Mein Co-Dozent Uwe Anton und ich werden alsbald an die nächsten Aufgaben gehen. Wir wollen die Autorinnen und Autor schon ein wenig fordern; es ist ja kein Ferienlager. Also müssen sie heute abend noch einmal an einer Textaufgabe arbeiten, die wir anschließend im Team diskutieren werden.
Die Ergebnisse sind immer wieder verblüffend: Unter Druck arbeiten manche Leute echt besser ...
An diesem Wochenende geht es wieder einmal um die Kurzgeschichte, genauer gesagt, es geht um diejenige mit einem phantastischen Charakter, Science Fiction und Fantasy und allgemeinere Phantastik also. Am heutigen Samstag gab es die erste Schreibübung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mittlerweile haben wir auch alle Geschichten durchgesprochen, die wir im Vorfeld erhalten haben.
Mein Co-Dozent Uwe Anton und ich werden alsbald an die nächsten Aufgaben gehen. Wir wollen die Autorinnen und Autor schon ein wenig fordern; es ist ja kein Ferienlager. Also müssen sie heute abend noch einmal an einer Textaufgabe arbeiten, die wir anschließend im Team diskutieren werden.
Die Ergebnisse sind immer wieder verblüffend: Unter Druck arbeiten manche Leute echt besser ...
15 Mai 2015
Gedichte an der Wand
Seit mindestens fünf Jahren steht mitten in Wolfenbüttel ein Gebäude leer, das die »City« der reizvollen Kleinstadt geprägt hat. Ich meine das Gebäude, in dem jahrelang das Kaufhaus »Hertie« untergebracht war. Wann immer ich in Wolfenbüttel bin, um – wie an diesem Wochenende – in der Bundesakademie für kulturelle Bildung als Dozent tätig zu sein, versetzt mir der Anblick einen Stich.
Immerhin kam jemand auf die tolle Idee, riesige Plakate an die Wände und an die leeren Schaufenster zu pinnen und auf diese Gedichte zu drucken. Jetzt kann man immerhin Gedichte lesen, wenn man durch die Innenstadt spaziert und das marode Gebäude bewundert.
Das ist eine schlaue Idee. Noch schlauer wäre natürlich, das schöne Gebäude in irgendeiner Art wieder aufzumöbeln. Aber Gedichte oder Kunst sind oder wären schon mal ein brauchbarer Ansatz ...
Immerhin kam jemand auf die tolle Idee, riesige Plakate an die Wände und an die leeren Schaufenster zu pinnen und auf diese Gedichte zu drucken. Jetzt kann man immerhin Gedichte lesen, wenn man durch die Innenstadt spaziert und das marode Gebäude bewundert.
Das ist eine schlaue Idee. Noch schlauer wäre natürlich, das schöne Gebäude in irgendeiner Art wieder aufzumöbeln. Aber Gedichte oder Kunst sind oder wären schon mal ein brauchbarer Ansatz ...
14 Mai 2015
Papier im Internet
Es ist einer der schlechten alten Witze, die wir in der Redaktion immer mal wiederholen: »Dann druck ich jetzt mal das Internet für ihn aus« oder dergleichen. Laut Medienberichten haben das dann mal zwei britische Forscher ernsthaft gemacht – weniger ausgedruckt als berechnet.
Die zwei Männer von der University of Leicester checkten anscheinend, wieviel Papier man brauchen würde – in A4 oder dergleichen –, um das auszudrucken, was im Internet öffentlichen aufzufinden sei. Dabei gingen sie von rund viereinhalb Milliarden sichtbarer Seiten im Internet aus; wenn jede von diesen dreißig »Blätter« hat, kommt man auf die 136 Milliarden A4-Seiten.
Das kommt mir jetzt ein wenig vor, und ich frage mich, wofür Wissenschaftler eigentlich ihr Geld erhalten – aber jetzt wissen wir das halt auch ... Gefühlt habe ich allein davon eine Million Seiten gefüllt.
Die zwei Männer von der University of Leicester checkten anscheinend, wieviel Papier man brauchen würde – in A4 oder dergleichen –, um das auszudrucken, was im Internet öffentlichen aufzufinden sei. Dabei gingen sie von rund viereinhalb Milliarden sichtbarer Seiten im Internet aus; wenn jede von diesen dreißig »Blätter« hat, kommt man auf die 136 Milliarden A4-Seiten.
Das kommt mir jetzt ein wenig vor, und ich frage mich, wofür Wissenschaftler eigentlich ihr Geld erhalten – aber jetzt wissen wir das halt auch ... Gefühlt habe ich allein davon eine Million Seiten gefüllt.
13 Mai 2015
Erbärmlicher Haufen
Dass ich meinen Zeitplan nicht nach den Bedürfnissen der Pegida-Anmelder ausrichte, dürfte einleuchten. Der normale Beruf und das normale Leben gehen schließlich vor, und die Reihenfolge ist – mit einem gewissen Zähneknirschen – auch korrekt formuliert. Trotzdem begab ich mich am Dienstag, 12. Mai 2015, mal wieder zur Demonstration gegen den Pegida-Aufmarsch.
Als ich ankam, lief die Kundgebung der Rechten bereits. Schätzungsweise 80 bis 100 Leute standen unter Deutschlandfahnen auf der Amalienstraße und sangen das Deutschlandlied. Rings um die sie hatte sich die Polizei aufgebaut, und überall hinter und an den Sperrgittern standen Demonstranten, die pfiffen und brüllten und sonstwie Radau machte. Die Pegidioten wirkten wie ein erbärmliches Häufchen, und fast hätte ich mit ihnen Mitleid gehabt.
Die Gegendemonstration war diesmal wie ein Straßenfest aufgezogen worden. Ein Lastwagen war zur Bühne umfunktioniert worden, es gab Informationsstände politischer Gruppen, und es gab Essen sowie Getränke; alles in allem herrschte eine fröhliche Stimmung. Das herrliche Sommerwetter trug sicher dazu bei. Ich stand viel herum und redete mit Bekannten, guckte den Nazis ab und zu auch mal zu, ignorierte sie aber meist.
Als es später mal für einige Minuten regnete, flüchtete ich mich mit einigen Bekannten unter die Bäume. Aus den Lautsprechern drang zu diesem Zeitpunkt sogar klassische Musik, und dazu tanzten einige Leute – das hatte was im Sommerregen.
Das Wetter wurde besser, die Pegida lief los. Ich spazierte zur Straßenkreuzung zwischen Wald- und Sophienstraße, um dort mehr oder weniger lautstark zu protestieren; hier gab es ein wenig Geschubse mit der Polizei. Auf einem Balkon, unter dem die Pegida durchmarschiert, wurde ein »Gegen Nazis«-Transparent entrollt, und es lief »Imagine« von John Lennon aus den Boxen – das hatte was.
Später waren die Nazis wieder auf der Amalienstraße und wir auf dem Stephansplatz. Es war eher langweilig. Musik lief, die Polizei war eher entspannt und tat cool, das erbärmliche Häuflein Pegidioten hörte irgendwelchen Reden zu und wurde dann von der Polizei wegbegleitet. Alles in allem ein entspannter Frühsommerabend in der Innenstadt von Karlsruhe ...
Als ich ankam, lief die Kundgebung der Rechten bereits. Schätzungsweise 80 bis 100 Leute standen unter Deutschlandfahnen auf der Amalienstraße und sangen das Deutschlandlied. Rings um die sie hatte sich die Polizei aufgebaut, und überall hinter und an den Sperrgittern standen Demonstranten, die pfiffen und brüllten und sonstwie Radau machte. Die Pegidioten wirkten wie ein erbärmliches Häufchen, und fast hätte ich mit ihnen Mitleid gehabt.
Die Gegendemonstration war diesmal wie ein Straßenfest aufgezogen worden. Ein Lastwagen war zur Bühne umfunktioniert worden, es gab Informationsstände politischer Gruppen, und es gab Essen sowie Getränke; alles in allem herrschte eine fröhliche Stimmung. Das herrliche Sommerwetter trug sicher dazu bei. Ich stand viel herum und redete mit Bekannten, guckte den Nazis ab und zu auch mal zu, ignorierte sie aber meist.
Als es später mal für einige Minuten regnete, flüchtete ich mich mit einigen Bekannten unter die Bäume. Aus den Lautsprechern drang zu diesem Zeitpunkt sogar klassische Musik, und dazu tanzten einige Leute – das hatte was im Sommerregen.
Das Wetter wurde besser, die Pegida lief los. Ich spazierte zur Straßenkreuzung zwischen Wald- und Sophienstraße, um dort mehr oder weniger lautstark zu protestieren; hier gab es ein wenig Geschubse mit der Polizei. Auf einem Balkon, unter dem die Pegida durchmarschiert, wurde ein »Gegen Nazis«-Transparent entrollt, und es lief »Imagine« von John Lennon aus den Boxen – das hatte was.
Später waren die Nazis wieder auf der Amalienstraße und wir auf dem Stephansplatz. Es war eher langweilig. Musik lief, die Polizei war eher entspannt und tat cool, das erbärmliche Häuflein Pegidioten hörte irgendwelchen Reden zu und wurde dann von der Polizei wegbegleitet. Alles in allem ein entspannter Frühsommerabend in der Innenstadt von Karlsruhe ...
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