Die Nacht war lang, weil ich auf der eigenen Party - dem Galaktischen Forum unserer Abteilung und unserer Freunde - bis halb zwei Uhr war und erst gegen halb drei Uhr langsam die nötige Bettschwere erlangt hatte. Und so ging ich davon aus, von drei Uhr bis acht Uhr gemütlich schlafen zu können.
Ach, wär' das schön gewesen. Leider hatte ich - bei dem warmen Wetter selbstverständlich - das Fenster offen, und ebenso leider ging mein Hotelzimmerfenster hinaus auf den Parkplatz.
Zehn Minuten nach sieben Uhr rollte der Reisebus vor den Eingang. Der Fahrer, den ich nicht zu Gesicht bekam, der aber so lautstark redete, daß ich mir schon einen dickbäuchigen Schnauzbart vorstellen konnte, legte wohl Wert auf laute Musik. Nicht daß ich mich auskennen würde, aber Amy Winehouse erkenne ich dann doch - laut dröhnte die Stimme der britischen Sängerin in mein Zimmer und weckte mich.
Mit Einschlafen war danach nix mehr. Fenster zu, Kopf lief weiter ... Ich lag im Bett, das Tageslicht sickerte langsam ins Fenster, von draußen dröhnte Amy Winehouse herein, und ich machte mir klar: »Nur noch heute, dann ist die Buchmesse vorüber.«
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
18 Oktober 2008
17 Oktober 2008
Wo ist das »kleine Schwarze«?
Jetzt werde ich ein wenig sexistisch und bitte um Verständnis. Aber früher gab's auf der Buchmesse viel zu gucken, da viele Lektorinnen, Buchhändlerinnen und sonstige Besucherinnen in kurzen Röcken kamen. In schwarz natürlich. Manche trugen auch Kleidchen, aber natürlich schwarz und knapp.
Zwischendurch gab's Jeans, aber dieses Jahr scheint auch bei den jungen Frauen das Kostüm oder der Business-Anzug - oder wie immer das jetzt heißt - vorzuherrschen. Die Haare sind oft streng zurückgekämmt. Seriös sieht das aus, wie eine Angestellte in der Derivatenabteilung einer internationalen Bank.
Mag sein, dass ich mich irre und ich in der falschen Halle bin. Vielleicht ist es bei den Esoterik-Verlagen besser, aber zu denen werde ich garantiert nicht kommen. Aber auffallend ist schon, wie sich die »Kleiderordnung« im Lauf der Jahre ändert ...
Zwischendurch gab's Jeans, aber dieses Jahr scheint auch bei den jungen Frauen das Kostüm oder der Business-Anzug - oder wie immer das jetzt heißt - vorzuherrschen. Die Haare sind oft streng zurückgekämmt. Seriös sieht das aus, wie eine Angestellte in der Derivatenabteilung einer internationalen Bank.
Mag sein, dass ich mich irre und ich in der falschen Halle bin. Vielleicht ist es bei den Esoterik-Verlagen besser, aber zu denen werde ich garantiert nicht kommen. Aber auffallend ist schon, wie sich die »Kleiderordnung« im Lauf der Jahre ändert ...
16 Oktober 2008
Das Pendeln zwischen den Welten
Gestern war ich den ganzen Tag auf der Buchmesse, dann fuhr ich durch strömenden Regen nach Karlsruhe, wo es schön trocken war, zog mich um, setzte mich aufs Rad und strampelte ins »fünf«. Nach einem extrem leckeren Abendessen und einem superben Nachtisch sowie drei Bieren ging's mir besser, und ich radelte durch das mittlerweile zu Nieselregen geronnene Herbstwetter nach Hause. Ein schöner Abend nach einem anstrengenden Tag.
Und heute morgen wieder über die Autobahn nach Frankfurt. Es ist fast so wie bei normaler Arbeit, wenn ich ins Büro fahre. Mit dem einen Unterschied: Meine Klamotten bei normaler Arbeit unterscheiden sich nicht von den Klamotten abends - hier schon, denn hier stolziere ich mit Kulturstrick um den Hals durch die heiligen Hallen der Kulturinstitution Buchmesse.
Und heute morgen wieder über die Autobahn nach Frankfurt. Es ist fast so wie bei normaler Arbeit, wenn ich ins Büro fahre. Mit dem einen Unterschied: Meine Klamotten bei normaler Arbeit unterscheiden sich nicht von den Klamotten abends - hier schon, denn hier stolziere ich mit Kulturstrick um den Hals durch die heiligen Hallen der Kulturinstitution Buchmesse.
15 Oktober 2008
Mal wieder unter Krawatten
Nachdem ich gerade mein erstes Brötchen gegessen habe - vier Euro teuer und nicht gut -, geht es mir wieder einigermaßen gut. Es ist Buchmesse, der Streß hat mich schon seit dem Aufstehen, und ich versuche den Tag gut zu bewältigen.
Irgendwie macht es abér auch viel Spaß, wie ich mir jedes Jahr aufs neue zu bestätigen versuche. Es dürfte meine zwanzigste Frankfurter Buchmesse sein, und ich komme mir schon richtig professionell vor.
Nur ist es eine massive Umgewöhnung für mich: erstmals ohne eigenen Parkplatz im Messegelände. Wie alle anderen laufe ich durch ein Parkhaus im Rebstock, wo ich zuletzt anno 1988 oder so geparkt habe, und fahre dann mit dem Bus. Schon seltsam, wie man sich an die Annehmlichkeiten des Lebens gewöhnt ...
Irgendwie macht es abér auch viel Spaß, wie ich mir jedes Jahr aufs neue zu bestätigen versuche. Es dürfte meine zwanzigste Frankfurter Buchmesse sein, und ich komme mir schon richtig professionell vor.
Nur ist es eine massive Umgewöhnung für mich: erstmals ohne eigenen Parkplatz im Messegelände. Wie alle anderen laufe ich durch ein Parkhaus im Rebstock, wo ich zuletzt anno 1988 oder so geparkt habe, und fahre dann mit dem Bus. Schon seltsam, wie man sich an die Annehmlichkeiten des Lebens gewöhnt ...
14 Oktober 2008
Rezension in der »Federwelt«

Die Literaturzeitschrift »Federwelt« schätze ich buchstäblich seit Jahren: Autoren erfahren viel über die Möglichkeiten, eigene Werke zu publizieren, und werden somit besser vernetzt; es gibt darüber hinaus Buchbesprechungen und andere Texte. Unter anderem werden auch Gedichte und Kurzgeschichten publiziert.
In der aktuellen Ausgabe findet sich eine schöne Besprechung meines Buches »Das Tier von Garoua«, das vor ziemlich genau einem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert wurde. Hat mich gefreut!
13 Oktober 2008
Masturbieren mit Palin
Ich schmeiß' mich weg - endlich einmal gibt es einen Wahlkampf, der so richtig lustig ist. Gemeint ist der Kampf um die amerikanische Präsidentschaft, der, wenn man den deutschen Kommentatoren glauben kann, schon gewonnen ist: von Obama, den über 60 Prozent der Deutschen als amerikanischen Präsidenten wünschen (hm, und ich dachte bisher, die Amis wählten ihren Presi selbst).
Aber dann kam Frau Palin, die Granate aus Alaska. Angeblich ein bißchen schlicht (kann ich nicht beurteilen, ich kenne die Dame nicht), angeblich sau hübsch (na ja, als ob das ein Kriterium für die Qualität eines Politikers oder einer Politikerin wäre) und angeblich ziemlich patent (kann ich auch nicht beurteilen).
Dank der BILD-Zeitung (die ich nicht kaufe, aber online immer mal wieder gern lese), weiß ich jetzt aber auch, dass es einen wunderbaren Wahlkampf-Spot gibt (ironisch natürlich), in dem Wähler bekennen, daß sie zu Frau Palin bereits masturbiert haben. Sehr schön, das Teil, ich habe sehr gegrinst. (Ja, mag sein, daß das sexistisch ist. Aber wer einen Wahlkampf so führt, daß er bzw. sie auf Äußerlichkeiten setzt, hat das verdient.)
Und jetzt wird auch noch ein Porno-Streifen gedreht, in dem Frau Palin in »Aktion« zu sehen ist. Auch darüber informierte mich verläßlich die BILD im Internet; wer weiß, wofür dieses Springer-Blatt sonst gut wäre. Der Link zeigt nicht den Porno an sich, macht aber einen hübschen Bericht darüber.
Der amerikanische Wahlkampf scheint wirklich amüsant zu sein. Bloß blöd, dass - egal wer rankommt - wir hierzulande die Folgen zu tragen haben.
Aber dann kam Frau Palin, die Granate aus Alaska. Angeblich ein bißchen schlicht (kann ich nicht beurteilen, ich kenne die Dame nicht), angeblich sau hübsch (na ja, als ob das ein Kriterium für die Qualität eines Politikers oder einer Politikerin wäre) und angeblich ziemlich patent (kann ich auch nicht beurteilen).
Dank der BILD-Zeitung (die ich nicht kaufe, aber online immer mal wieder gern lese), weiß ich jetzt aber auch, dass es einen wunderbaren Wahlkampf-Spot gibt (ironisch natürlich), in dem Wähler bekennen, daß sie zu Frau Palin bereits masturbiert haben. Sehr schön, das Teil, ich habe sehr gegrinst. (Ja, mag sein, daß das sexistisch ist. Aber wer einen Wahlkampf so führt, daß er bzw. sie auf Äußerlichkeiten setzt, hat das verdient.)
Und jetzt wird auch noch ein Porno-Streifen gedreht, in dem Frau Palin in »Aktion« zu sehen ist. Auch darüber informierte mich verläßlich die BILD im Internet; wer weiß, wofür dieses Springer-Blatt sonst gut wäre. Der Link zeigt nicht den Porno an sich, macht aber einen hübschen Bericht darüber.
Der amerikanische Wahlkampf scheint wirklich amüsant zu sein. Bloß blöd, dass - egal wer rankommt - wir hierzulande die Folgen zu tragen haben.
12 Oktober 2008
Praktischerweise Geld gespart
Der Science Fiction Club Deutschland e.V., abgekürzt SFCD, ist ein richtig alter Verein; er wurde 1955 gegründet, und das Durchschnittsalter der Mitglieder dürfte stramm auf die sechzig zugehen. Und seit vielen Jahren fristet er ein Dasein, das durch langweilige Zeitschriften, unbedeutende Veranstaltungen und wenig auffallende Vorstandsmitglieder gekennzeichnet ist.
Versuche, den Verein zu reformieren, gab es immer wieder. An einem war ich sogar ein wenig beteiligt; das war Ende der 80er Jahre und wurde als »Zyniker-Projekt« selbstverständlich kein Erfolg. Hätte ich mir eigentlich gleich denken können.
Den letzten Versuch, aus dem schnarchnasigen Verein etwas zu machen, unternahm in den letzten Monaten Michael Haitel. Der Mann ist extrem aktiv, ich halte ihn auch für fähig, weiß aber, daß er durchaus anstrengend sein kann. Haitel lieferte ein klares Programm, engagierte sich für das Club-Magazin und wirbelte so durch die Fan-Landschaft, daß ich mir vornahm, in den Verein wieder einzutreten, wenn er gewählt würde.
In letzter Minute stellte sich ein gewisser Stefan Manske zur Wahl – als Gegenkandidat ohne echtes Programm und ohne jegliche konkrete Aussage. Am 9. Oktober 2008 wurden die Stimmen der Briefwahl ausgezählt – Manske gewann mit 112 zu 49 Stimmen gegen Haitel. Die konservativen Schnarchsäcke, denen nichts schlimmer vorkommt als ein aktiver Verein, der sich für die Science Fiction einsetzt, haben gewonnen.
Mir auch recht. Dann spare ich das Geld für den SFCD-Mitgliedsbeitrag und investiere es in einige Bier.
Versuche, den Verein zu reformieren, gab es immer wieder. An einem war ich sogar ein wenig beteiligt; das war Ende der 80er Jahre und wurde als »Zyniker-Projekt« selbstverständlich kein Erfolg. Hätte ich mir eigentlich gleich denken können.
Den letzten Versuch, aus dem schnarchnasigen Verein etwas zu machen, unternahm in den letzten Monaten Michael Haitel. Der Mann ist extrem aktiv, ich halte ihn auch für fähig, weiß aber, daß er durchaus anstrengend sein kann. Haitel lieferte ein klares Programm, engagierte sich für das Club-Magazin und wirbelte so durch die Fan-Landschaft, daß ich mir vornahm, in den Verein wieder einzutreten, wenn er gewählt würde.
In letzter Minute stellte sich ein gewisser Stefan Manske zur Wahl – als Gegenkandidat ohne echtes Programm und ohne jegliche konkrete Aussage. Am 9. Oktober 2008 wurden die Stimmen der Briefwahl ausgezählt – Manske gewann mit 112 zu 49 Stimmen gegen Haitel. Die konservativen Schnarchsäcke, denen nichts schlimmer vorkommt als ein aktiver Verein, der sich für die Science Fiction einsetzt, haben gewonnen.
Mir auch recht. Dann spare ich das Geld für den SFCD-Mitgliedsbeitrag und investiere es in einige Bier.
11 Oktober 2008
Ambitionierte Comics

Eines der anspruchsvollsten Comic-Fanzines hierzulande ist das Panel aus Bremen. Die Nummer 27 ist nach wie vor die aktuelle, auch wenn sie schon seit über einem halben Jahr bei mir zu Hause liegt - aber es ist ja tröstlich, dass auch die Macher des »ambixious comix«-Heftes nicht mehr so schnell sind wie früher.
Ich lese das Heft immer gern, und die Ausgabe 27 gefiel mir vielleicht sogar mit am besten. Warum das so ist, muß ich mir zwar eine Weile überlegen - dann aber wird es klar: Die Zahl der »verständlichen« Comics ist höher als sonst, was schlicht bedeutet, daß auch ich einen Lesegenuß erleben kann und nicht zu oft irritiert vor den Zeichnungen sitze.
Zeichnerisch schwanken die Schwarzweiß-Comics zwischen »funnyhaft« und »künstlerisch«, wobei mir die Funny-Zeichnungen natürlich am besten gefallen. Großartig die »Schanzen-Babes«, toll die vielen Comic-Strips, brillant »der Mann aus dem 4. Stock« - kein Wunder, in diesem Heft gibt sich die Crème de la Crème der deutschsprachigen Szene ein Stelldichein, sind eben Zeichnungen von Harm Bengen, Moritz Stetter, Calle Claus oder Rautie vertreten.
Eine schöne Mischung, die's im Comic-Laden Deines Vertrauens oder sicherheitshalber direkt beim Panel selbst gibt. Auf der Homepage kann auch eine Reihe hübscher Bilder bewundert werden.
Nebel am Flugplatz
Freitag nacht, am nördlichen Stadtrand von Karlsruhe: Der erste Oktobernebel zieht in dicken Schwaden über den alten Flugplatz hinweg. Ich fahre diese Strecke, weil ich einige Bier zu viel getrunken habe und nicht unbedingt über die Erzbergerstraße eiern möchte. Dort treiben sich zu dieser Zeit sehr viele besoffene Jungmänner in aufgemotzten Kleinwagen herum, was immer mal wieder die Polizei auf den Plan ruft.
Die schmalen Seitenstraßen sind schön zu fahren, hier läuft oder fährt einem niemand vors Vorderrad, und ich kann flott strampeln. Doch der Nebel wird immer dichter, mein Licht stochert gerade mal zwei, drei Meter weit, bevor es irgendwo zwischen feinen Wassertropfen aufgesaugt wird.
Fast fliege ich aus einer Kurve, fast falle ich über einen Bordstein. Außerhalb der Straßenlaternen, die in dieser Gegend doch eher selten stehen, ist es stockfinster. Aber ich komme gut voran, auch deshalb, weil ich sehr langsam strample.
Als die Querallee kreuzt, nähere ich mich langsam der Heimat. Mein Atem geht regelmäßig, mein Rad schnurrt unter mir, und es kommt dieses Gefühl auf, das ich beim Radfahren so schätze: Man fühlt sich wohl, man hat das Gefühl, die Welt buchstäblich unter dem Gummi zu haben.
Zwei Radfahrer kommen von links; wie zwei schwarze Nachtmahre lösen sie sich aus der Finsternis. Sie fahren langsam, sie halten Händchen, als wollten sie sich so vor der Dunkelheit schützen. Grüßend hebe ich die Hand und zische über die Kreuzung.
Nebel im Oktober hat etwas besonderes. Die Welt ist wie in Watte gehüllt, und alles fühlt sich beschwingt an. Pfeifend fahre ich nach Hause.
Die schmalen Seitenstraßen sind schön zu fahren, hier läuft oder fährt einem niemand vors Vorderrad, und ich kann flott strampeln. Doch der Nebel wird immer dichter, mein Licht stochert gerade mal zwei, drei Meter weit, bevor es irgendwo zwischen feinen Wassertropfen aufgesaugt wird.
Fast fliege ich aus einer Kurve, fast falle ich über einen Bordstein. Außerhalb der Straßenlaternen, die in dieser Gegend doch eher selten stehen, ist es stockfinster. Aber ich komme gut voran, auch deshalb, weil ich sehr langsam strample.
Als die Querallee kreuzt, nähere ich mich langsam der Heimat. Mein Atem geht regelmäßig, mein Rad schnurrt unter mir, und es kommt dieses Gefühl auf, das ich beim Radfahren so schätze: Man fühlt sich wohl, man hat das Gefühl, die Welt buchstäblich unter dem Gummi zu haben.
Zwei Radfahrer kommen von links; wie zwei schwarze Nachtmahre lösen sie sich aus der Finsternis. Sie fahren langsam, sie halten Händchen, als wollten sie sich so vor der Dunkelheit schützen. Grüßend hebe ich die Hand und zische über die Kreuzung.
Nebel im Oktober hat etwas besonderes. Die Welt ist wie in Watte gehüllt, und alles fühlt sich beschwingt an. Pfeifend fahre ich nach Hause.
10 Oktober 2008
Rogue Steady Orchestra zitieren
Eine Band, die schon im Plattentitel auf geschickte Weise ein klassisches Zitat der alten Deutschpunk-Band Slime unterbringt, muß mir ja gefallen. Die Rede ist vom Rogue Steady Orchestra aus Göttingen und dessen Platte »ein Drittel Angst zwei Drittel Wut«, die flotten Skapunk mit kämpferischen Texten bringt.
Live fand ich die Band bei ihrem Auftritt auf der Einheizfeier im Oktober 2008 schon ziemlich gut; auf Platte gefällt mir das ganze besser, weil ich dann nicht von herum hampelnden Studenten abgelenkt werde (harhar) und ich mich besser auf die Texte konzentrieren kann.
Die haben's nämlich in sich: In »Europa lädt nach« geht's um das Flüchtlingselend an den Außengrenzen der Festung Europa, in »Gasgeruch« wird eine kommende Revolte thematisiert, und in »Mackerpogodarwinismus« gibt's handfeste Szene-Kritik. Das ganze wird in tanzbare Musik verpackt, und fertig ist eine gelungene Skapunk-Platte. Respekt!
Live fand ich die Band bei ihrem Auftritt auf der Einheizfeier im Oktober 2008 schon ziemlich gut; auf Platte gefällt mir das ganze besser, weil ich dann nicht von herum hampelnden Studenten abgelenkt werde (harhar) und ich mich besser auf die Texte konzentrieren kann.
Die haben's nämlich in sich: In »Europa lädt nach« geht's um das Flüchtlingselend an den Außengrenzen der Festung Europa, in »Gasgeruch« wird eine kommende Revolte thematisiert, und in »Mackerpogodarwinismus« gibt's handfeste Szene-Kritik. Das ganze wird in tanzbare Musik verpackt, und fertig ist eine gelungene Skapunk-Platte. Respekt!
Schlaues Print, doofes Netz
Die Veranstaltung »kress köpfe 2008«, bei der ich am Mittwoch abend war, schlägt in der Medienbranche tatsächlich gewisse Wellen. Nicht alles, was auf solchen Podien geredet wird, ist richtig genial - aber das wußte ich ja schon. Aber ich fand viele Gesichtspunkte sehr spannend.
Immerhin habe ich 1992 auf einem Schiff angeheuert, das damals schon viele totgesagt haben (der Heftroman als solcher), und habe gesehen, wie 1998 alle glaubten, irgendwann gebe es nur noch elektronische Medien (»Herr Frick, irgendwann werden Ihre Hefte nur noch ein kleiner Teil eines großen Medienbereiches sein«), um dann zu erleben, daß unsere Abteilung heute tatsächlich recht erfolgreich einen Bereich pflegt, den ich im weitesten Sinne als »Elektro« bezeichne. Klingt jetzt arg kompliziert - aber man kann mit dem Internet sehr wohl Geld verdienen, auch als alt eingesessenes Medienunternehmen.
In seinem Handelsblatt-Blog schreibt Thomas Knüwer (Reporter bei dieser renommierten Zeitschrift) sehr kritisch über einige dieser Aussagen. Unter anderem greift er Thomas Koch an, altgedienter Werbemann, der auf dem Podium saß und mit folgender Aussage glänzte: »Print lebt, weil es schlau macht. TV macht doof und Internet nur schnell.«
Ziemlich pointiert, ziemlich klasse in der zugespitzten Art, ziemlich arrogant. Vor etwa zehn Jahren, es können auch schon zwölf sein, schrieb ich in meinem Punkrock-Heft ENPUNKT einen Text unter dem Titel »Alles Internet-Idioten tagein tagaus«, was eine Anspielung auf die alten KFC war.
Im Januar 1996 ging »meine« Serie mit einer Homepage ins Netz, im Jahr 1998 hatte ich endlich meinen eigenen Anschluß. Und heute kann ich mir ein Informationsleben ohne Internet kaum noch vorstellen. Ich habe mich damals schlicht geirrt.
So irrt sich auch Thomas Koch. Print wird es weiterhin geben, weil es weiterhin Leute geben wird wie mich, die ein Heft wie »brand eins« oder »Humanglobaler Zufall« in der Hand halten und schmökern wollen, die gern ein dickes Buch auf dem Sofa oder im Bett lesen, die gern mal sogar einen Heftroman in die Badewanne mitnehmen. Fernsehen macht nur doof, wenn man Deppen-TV guckt; ich glaube, daß mich Fernsehen schlauer macht, weil ich versuche, eher eingeschränkt zu gucken.
Und Internet ist schnell. Und es ist schlau, wenn man es richtig nutzt. Und es ersetzt haufenweise unnötige Zeitschriften. Und vor allem erlaubt es schnelle und pointierte Diskussionen.
Immerhin habe ich 1992 auf einem Schiff angeheuert, das damals schon viele totgesagt haben (der Heftroman als solcher), und habe gesehen, wie 1998 alle glaubten, irgendwann gebe es nur noch elektronische Medien (»Herr Frick, irgendwann werden Ihre Hefte nur noch ein kleiner Teil eines großen Medienbereiches sein«), um dann zu erleben, daß unsere Abteilung heute tatsächlich recht erfolgreich einen Bereich pflegt, den ich im weitesten Sinne als »Elektro« bezeichne. Klingt jetzt arg kompliziert - aber man kann mit dem Internet sehr wohl Geld verdienen, auch als alt eingesessenes Medienunternehmen.
In seinem Handelsblatt-Blog schreibt Thomas Knüwer (Reporter bei dieser renommierten Zeitschrift) sehr kritisch über einige dieser Aussagen. Unter anderem greift er Thomas Koch an, altgedienter Werbemann, der auf dem Podium saß und mit folgender Aussage glänzte: »Print lebt, weil es schlau macht. TV macht doof und Internet nur schnell.«
Ziemlich pointiert, ziemlich klasse in der zugespitzten Art, ziemlich arrogant. Vor etwa zehn Jahren, es können auch schon zwölf sein, schrieb ich in meinem Punkrock-Heft ENPUNKT einen Text unter dem Titel »Alles Internet-Idioten tagein tagaus«, was eine Anspielung auf die alten KFC war.
Im Januar 1996 ging »meine« Serie mit einer Homepage ins Netz, im Jahr 1998 hatte ich endlich meinen eigenen Anschluß. Und heute kann ich mir ein Informationsleben ohne Internet kaum noch vorstellen. Ich habe mich damals schlicht geirrt.
So irrt sich auch Thomas Koch. Print wird es weiterhin geben, weil es weiterhin Leute geben wird wie mich, die ein Heft wie »brand eins« oder »Humanglobaler Zufall« in der Hand halten und schmökern wollen, die gern ein dickes Buch auf dem Sofa oder im Bett lesen, die gern mal sogar einen Heftroman in die Badewanne mitnehmen. Fernsehen macht nur doof, wenn man Deppen-TV guckt; ich glaube, daß mich Fernsehen schlauer macht, weil ich versuche, eher eingeschränkt zu gucken.
Und Internet ist schnell. Und es ist schlau, wenn man es richtig nutzt. Und es ersetzt haufenweise unnötige Zeitschriften. Und vor allem erlaubt es schnelle und pointierte Diskussionen.
09 Oktober 2008
Bei den Kress-Köpfen
Das war vielleicht eine interessante Veranstaltung am gestrigen Abend: Ich war bei »kress köpfe live 2008« in Heidelberg, das in den Räumlichkeiten der sogenannten Print Academy in Heidelberg stattfand und von der Fachzeitschrift »kress report« veranstaltet wurde.
Für meinen eigentlichen Job holte ich vielleicht gar nicht so viel für die Veranstaltung raus - es ging ja um Zeitschriften und deren Vermarktung in Print und Online -, interessant war das allemal. Chefredakteure von der »Frankfurter Rundschau«, der »Bunten« oder von »Cicero« auf der Bühne, haufenweise Leute aus Werbung, Marketing und Verlagshäusern im Publikum: Das war schon interessant und imposant.
Auffallend war bei alledem, wie wenig Frauen auf der Bühne waren: Genau eine wurde zwischen die Männer geladen, über ihre Zeitschrift etwas zu erzählen. Gemeint ist Patricia Riekel, die Chefin der Illustrierten »Bunte«: Man muß das Blatt nicht mögen, aber ich finde, daß es super gemacht ist - und ich bin nicht die Zielgruppe ... In dieser Männerwirtschaft glänzte sie mit pointierten Aussagen.
So richtig schlau wurden die Medienpersönlichkeiten übrigens nicht aus dem Internet: Mir kam's manchmal so vor, als wisse man nicht so recht, wie man auf die aktuelle Entwicklung reagieren könne. Da fand ich dann doch den »Cicero«-Chefredakteur Wolfram Weimer sehr erfrischend, der darauf hinwies, daß man hierzulande längst nicht nur eine »Subprime-Krise« bei den Finanzmärkten habe, sondern eben auch beim Journalismus, der immer mehr verflacht sei.
Eine respektable Veranstaltung, die vom organisierenden Verlag natürlich auch schön auf der eigenen Homepage präsentiert wird.
Für meinen eigentlichen Job holte ich vielleicht gar nicht so viel für die Veranstaltung raus - es ging ja um Zeitschriften und deren Vermarktung in Print und Online -, interessant war das allemal. Chefredakteure von der »Frankfurter Rundschau«, der »Bunten« oder von »Cicero« auf der Bühne, haufenweise Leute aus Werbung, Marketing und Verlagshäusern im Publikum: Das war schon interessant und imposant.
Auffallend war bei alledem, wie wenig Frauen auf der Bühne waren: Genau eine wurde zwischen die Männer geladen, über ihre Zeitschrift etwas zu erzählen. Gemeint ist Patricia Riekel, die Chefin der Illustrierten »Bunte«: Man muß das Blatt nicht mögen, aber ich finde, daß es super gemacht ist - und ich bin nicht die Zielgruppe ... In dieser Männerwirtschaft glänzte sie mit pointierten Aussagen.
So richtig schlau wurden die Medienpersönlichkeiten übrigens nicht aus dem Internet: Mir kam's manchmal so vor, als wisse man nicht so recht, wie man auf die aktuelle Entwicklung reagieren könne. Da fand ich dann doch den »Cicero«-Chefredakteur Wolfram Weimer sehr erfrischend, der darauf hinwies, daß man hierzulande längst nicht nur eine »Subprime-Krise« bei den Finanzmärkten habe, sondern eben auch beim Journalismus, der immer mehr verflacht sei.
Eine respektable Veranstaltung, die vom organisierenden Verlag natürlich auch schön auf der eigenen Homepage präsentiert wird.
08 Oktober 2008
Notiz zu Albufeira
Wie die Zeit rast ... Schon wieder vier Monate vergangen, seit ich im südlichen Portugal war; einige Tage Strandurlaub gönnten wir uns, mit Füße ausstrecken, ein wenig Baden und viel Spazierengehen. Von der Erholung des warmen Frühsommers ist nicht mehr viel übrig, der übliche Streß der Vorwoche zur Buchmesse hat mich eingefangen.
Und dann nehme ich einfach so ein Busticket zur Hand, ausgestellt am 8. Juni um 17.43 Uhr. Mit der Buslinie »Eva« fuhren wir rum, von Praia Falesia, wo wir im Hotel wohnten, bis nach Albufeira, der nächst gelegenen Stadt. Eine sonderlich schöne Linie war's nicht, weil der Bus nicht am Strand entlang rollte – geht ja nicht wegen der Steilküste –, sondern durch die völlig verbauten Dörfer, wo sich ein Touristen-Hotspot an den nächsten zu reihen scheint.
Aber es war warm und schön, der Bus rollte durch eine fremde Gegend, und wenn ich zum Fenster hinausschaute, sah ich den Menschen zu oder guckte irgendwelchen Vögeln nach, die zwischen dem Bergland und der Küste über die weite Ebene schwebten. Kleine Busfahrten für nur 2,60 Euro – das war billiger als Kino und interessanter allemal.
Vier Monate ist das her, und mir kommt's manchmal vor, als sei schon wieder das Jahr komplett vorüber. Irgendwie gibt's heutzutage Zeit-Verzerrer, fürchte ich ...
Und dann nehme ich einfach so ein Busticket zur Hand, ausgestellt am 8. Juni um 17.43 Uhr. Mit der Buslinie »Eva« fuhren wir rum, von Praia Falesia, wo wir im Hotel wohnten, bis nach Albufeira, der nächst gelegenen Stadt. Eine sonderlich schöne Linie war's nicht, weil der Bus nicht am Strand entlang rollte – geht ja nicht wegen der Steilküste –, sondern durch die völlig verbauten Dörfer, wo sich ein Touristen-Hotspot an den nächsten zu reihen scheint.
Aber es war warm und schön, der Bus rollte durch eine fremde Gegend, und wenn ich zum Fenster hinausschaute, sah ich den Menschen zu oder guckte irgendwelchen Vögeln nach, die zwischen dem Bergland und der Küste über die weite Ebene schwebten. Kleine Busfahrten für nur 2,60 Euro – das war billiger als Kino und interessanter allemal.
Vier Monate ist das her, und mir kommt's manchmal vor, als sei schon wieder das Jahr komplett vorüber. Irgendwie gibt's heutzutage Zeit-Verzerrer, fürchte ich ...
07 Oktober 2008
Skarface laden zum Tanz
Wenn ich's mir recht überlege, habe ich die französische Band Skarface noch nie gesehen; überraschend aber wahr. Dabei fabrizieren die Burschen aus Paris schon seit 1991 ihre furiose Mischung aus Ska und Punkrock, immer auf den Punkt gebracht und mit zackigem Feuer in den Beinen. Elf Platten sind in dieser Zeit entstanden, und keine davon fand ich irgendwie doof.
Hier jetzt die aktuelle, die im Juni 2008 rauskam: »Longlife Legendary Bastards« mit 21 Stücken, teils in englischer, teils in französischer Sprache. Überraschungen gibt es keine, die Band macht wie immer Spaß. Man wippt automatisch mit, wackelt mit dem Kopf und bewegt sich in Gedanken durch eine fröhlich tanzende Menge.
Textlich geht es um das Leben von Skinheads, es gibt einige politische Anklänge, und für die Freunde der gelungenen Cover-Version gibt es auch »Borstal Breakout«. Alles in allem gelungen und gut. Manchmal nervt die Orgel vielleicht ein wenig, aber das ist definitiv Geschmackssache.
Gute Platte wie immer – es wird Zeit, dass ich mich von den Live-Qualitäten der Band überzeuge. Vielleicht sollte ich mal wieder nach Paris fahren?
Hier jetzt die aktuelle, die im Juni 2008 rauskam: »Longlife Legendary Bastards« mit 21 Stücken, teils in englischer, teils in französischer Sprache. Überraschungen gibt es keine, die Band macht wie immer Spaß. Man wippt automatisch mit, wackelt mit dem Kopf und bewegt sich in Gedanken durch eine fröhlich tanzende Menge.
Textlich geht es um das Leben von Skinheads, es gibt einige politische Anklänge, und für die Freunde der gelungenen Cover-Version gibt es auch »Borstal Breakout«. Alles in allem gelungen und gut. Manchmal nervt die Orgel vielleicht ein wenig, aber das ist definitiv Geschmackssache.
Gute Platte wie immer – es wird Zeit, dass ich mich von den Live-Qualitäten der Band überzeuge. Vielleicht sollte ich mal wieder nach Paris fahren?
06 Oktober 2008
England gehört irgendwem
Am Sonntag, 5. Oktober 2008, war ich wieder mal als Moderator im ENPUNKT-Radio tätig, in der einzigen Punkrock- und Hardcore-Sendung im freien Radio Querfunk in Karlsruhe. Als Thema hatte ich mir Großbritannien ausgesucht, wobei ich diesmal eher neuere Bands aus dem Schrank holte.
So gab's unter anderem fettes Gebratze von den Restarts, aber auch Ska-Geplänkel von den Babylon Whackers oder die großartige Hardcore-Verarsche von Youth Of Strength. Alte Männer wie T.V. Smith dürfen in einer solchen Sendung ebenso wenig fehlen wie die von Destructors 666, die den definitiv dämlichsten Namen des Abends hatten.
Und dann noch neue Platten von den Active Minds und Deadline, die mir trotz ihres gegensätzlichen Stils immer noch gut gefallen. Irgendwo zwischen Geprügel und Gesinge kann man's in Punkrockien ganz gut aushalten ...
So gab's unter anderem fettes Gebratze von den Restarts, aber auch Ska-Geplänkel von den Babylon Whackers oder die großartige Hardcore-Verarsche von Youth Of Strength. Alte Männer wie T.V. Smith dürfen in einer solchen Sendung ebenso wenig fehlen wie die von Destructors 666, die den definitiv dämlichsten Namen des Abends hatten.
Und dann noch neue Platten von den Active Minds und Deadline, die mir trotz ihres gegensätzlichen Stils immer noch gut gefallen. Irgendwo zwischen Geprügel und Gesinge kann man's in Punkrockien ganz gut aushalten ...
05 Oktober 2008
Zweimal Frauenpunk
Sonst ist der Männeranteil bei Konzerten in der »Alten Hackerei« in Karlsruhe bei gefühlten 80 Prozent; am Samstag, 4. Oktober 2008, dürften es anfangs vielleicht 20 Prozent gewesen sein. Wenn »Girlpunk« auf dem Flyer steht, scheint das tatsächlich Männer abzuschrecken - anders ist das nicht zu denken ...
Als erste Band spielten Im Fall aus Zürich in der Schweiz; laut Darstellung der Sängerin erst das fünfte Konzert der Band überhaupt. Lustig der Einsatz einer kleinen Quietsche-Orgel, amüsant der Zwischenruf der Schlagzeugerin (»ihr bringt mich total durcheinander« oder so), großartig die Ansagen der Sängerin (»ich bin nicht so gut im Auswendiglernen von Texten, na ja, dabei hab' ich die selber geschrieben«). Alles in allem dilettantisch und sympathisch zugleich - die Band bekam auf jeden Fall viel Sympathie-Applaus.
Slux aus Göttingen sind schon einigermaßen bekannt, haben bereits zwei CDs gemacht und spielten vor einiger Zeit schon mal in Karlsruhe; kein Wunder, daß bei denen dann der Saal voller war. Eine sensationelle Schlagzeugerin, die nicht nur klasse spielte, sondern auch klasse sang; die anderen drei Frauen in der Band gerieten fast ein wenig in den Hintergrund, obgleich abwechselnd alle mal sangen.
Einige Stücke hatten echt Hitqualitäten; checkt mal die Myspace-Seite der Band und hört euch »Waiting« an! Die Band kam auf jeden Fall saugut an, zu Recht! (Im Verlauf ihres Auftritts kamen dann doch noch ein paar Männer, so dass der Geschlechteranteil irgendwann ausgeglichen war ...)
Danach gab's noch Konserven-Musik, die zwei Frauen servierten; eine ziemlich coole Mischung aus Dead Kennedys (hey, mal wieder zu »Holiday in Cambodia« hüpfen, das hat auch was!) und The Gossip, irgendwelchem Elektro-Kram und Indie-Hits.
Irgendwann wankte ich völlig verschwitzt und mit klatschnassen Haaren aus der »Hackerei«, fand mein Fahrrad und düste nach Hause; es war kalt und windig, und ich war von der Umzugsaktion und dem ganzen Tag ohnehin schon ziemlich erschlagen - aber als ich nachts um vier Uhr ins Bett purzelte, hatte ich das Gefühl, einen ziemlich vollgepackten Tag hinter mich gebracht zu haben.
Als erste Band spielten Im Fall aus Zürich in der Schweiz; laut Darstellung der Sängerin erst das fünfte Konzert der Band überhaupt. Lustig der Einsatz einer kleinen Quietsche-Orgel, amüsant der Zwischenruf der Schlagzeugerin (»ihr bringt mich total durcheinander« oder so), großartig die Ansagen der Sängerin (»ich bin nicht so gut im Auswendiglernen von Texten, na ja, dabei hab' ich die selber geschrieben«). Alles in allem dilettantisch und sympathisch zugleich - die Band bekam auf jeden Fall viel Sympathie-Applaus.
Slux aus Göttingen sind schon einigermaßen bekannt, haben bereits zwei CDs gemacht und spielten vor einiger Zeit schon mal in Karlsruhe; kein Wunder, daß bei denen dann der Saal voller war. Eine sensationelle Schlagzeugerin, die nicht nur klasse spielte, sondern auch klasse sang; die anderen drei Frauen in der Band gerieten fast ein wenig in den Hintergrund, obgleich abwechselnd alle mal sangen.
Einige Stücke hatten echt Hitqualitäten; checkt mal die Myspace-Seite der Band und hört euch »Waiting« an! Die Band kam auf jeden Fall saugut an, zu Recht! (Im Verlauf ihres Auftritts kamen dann doch noch ein paar Männer, so dass der Geschlechteranteil irgendwann ausgeglichen war ...)
Danach gab's noch Konserven-Musik, die zwei Frauen servierten; eine ziemlich coole Mischung aus Dead Kennedys (hey, mal wieder zu »Holiday in Cambodia« hüpfen, das hat auch was!) und The Gossip, irgendwelchem Elektro-Kram und Indie-Hits.
Irgendwann wankte ich völlig verschwitzt und mit klatschnassen Haaren aus der »Hackerei«, fand mein Fahrrad und düste nach Hause; es war kalt und windig, und ich war von der Umzugsaktion und dem ganzen Tag ohnehin schon ziemlich erschlagen - aber als ich nachts um vier Uhr ins Bett purzelte, hatte ich das Gefühl, einen ziemlich vollgepackten Tag hinter mich gebracht zu haben.
04 Oktober 2008
Real Turds provozieren mal wieder
Schon ein Klassiker ihres Labels sind die Real Turds: Die fünfköpfige Band aus Karlsruhe und Umgebung produziert treibenden Punkrock, bei dem man das ROCK idealerweise in Versalien schreibt. Die Stimme des Sängers und die quietschende Orgel sind das, was am meisten auffällt – und natürlich die Texte.
Mit »Leibstandarte Traci Lords« wurde bereits eine Porno-Darstellerin verewigt, jetzt schlachtet man eine weitere Heilige Kuh der Punk-Szene: Die neue Single heißt tatsächlich »Negerpunk«.
Musikalisch wie inhaltlich (logo, kein Rassismus!) knallt das ganze wie eh und je: schwungvoller Punk-ROCK mit viel Melodie, der in die Beine geht. Klasse-Single, die man sich auch mehrfach hintereinander anhören kann.
Mit »Leibstandarte Traci Lords« wurde bereits eine Porno-Darstellerin verewigt, jetzt schlachtet man eine weitere Heilige Kuh der Punk-Szene: Die neue Single heißt tatsächlich »Negerpunk«.
Musikalisch wie inhaltlich (logo, kein Rassismus!) knallt das ganze wie eh und je: schwungvoller Punk-ROCK mit viel Melodie, der in die Beine geht. Klasse-Single, die man sich auch mehrfach hintereinander anhören kann.
Kistenschlepper
Was macht unsereins am Samstag? Normalerweise bis zum Mittag ausschlafen, dann langsam zum Markt gehen und irgendwas zu futtern kaufen. Und abends idealerweise irgendwohin, wo es was leckeres zu hören und zu trinken gibt.
Zumindest der Anfang stimmte heute nicht. Kurz nach zehn Uhr stand ich leicht frierend in der Südstadt, packte mein Rad im leichten Nieselregen in eine Ecke und begann damit, Kisten und Möbel aus dem vierten Stock eines alten Mietshauses herunterzuschlappen und in einem Bus zu verstauen.
Mit dem Bus ging's in die Südweststadt, und dort durfte ich den ganzen Krempel in den dritten Stock tragen. Selbstverständlich war ich nicht allein, und ich betrachtete das ganze als Training, was zu meiner eigentlich ganz guten Laune beitrug. Aber froh war ich trotzdem, als ich irgendwann damit fertig war.
Die Sonne begann übrigens zu scheinen, als wir zum dritten Mal den Bus vollgepackt hatten. War ja logisch ...
Zumindest der Anfang stimmte heute nicht. Kurz nach zehn Uhr stand ich leicht frierend in der Südstadt, packte mein Rad im leichten Nieselregen in eine Ecke und begann damit, Kisten und Möbel aus dem vierten Stock eines alten Mietshauses herunterzuschlappen und in einem Bus zu verstauen.
Mit dem Bus ging's in die Südweststadt, und dort durfte ich den ganzen Krempel in den dritten Stock tragen. Selbstverständlich war ich nicht allein, und ich betrachtete das ganze als Training, was zu meiner eigentlich ganz guten Laune beitrug. Aber froh war ich trotzdem, als ich irgendwann damit fertig war.
Die Sonne begann übrigens zu scheinen, als wir zum dritten Mal den Bus vollgepackt hatten. War ja logisch ...
Kistenschlepper
Was macht unsereins am Samstag? Normalerweise bis zum Mittag ausschlafen, dann langsam zum Markt gehen und irgendwas zu futtern kaufen. Und abends idealerweise irgendwohin, wo es was leckeres zu hören und zu trinken gibt.
Zumindest der Anfang stimmte heute nicht. Kurz nach zehn Uhr stand ich leicht frierend in der Südstadt, packte mein Rad im leichten Nieselregen in eine Ecke und begann damit, Kisten und Möbel aus dem vierten Stock eines alten Mietshauses herunterzuschlappen und in einem Bus zu verstauen.
Mit dem Bus ging's in die Südweststadt, und dort durfte ich den ganzen Krempel in den dritten Stock tragen. Selbstverständlich war ich nicht allein, und ich betrachtete das ganze als Training, was zu meiner eigentlich ganz guten Laune beitrug. Aber froh war ich trotzdem, als ich irgendwann damit fertig war.
Die Sonne begann übrigens zu scheinen, als wir zum dritten Mal den Bus vollgepackt hatten. War ja logisch ...
Zumindest der Anfang stimmte heute nicht. Kurz nach zehn Uhr stand ich leicht frierend in der Südstadt, packte mein Rad im leichten Nieselregen in eine Ecke und begann damit, Kisten und Möbel aus dem vierten Stock eines alten Mietshauses herunterzuschlappen und in einem Bus zu verstauen.
Mit dem Bus ging's in die Südweststadt, und dort durfte ich den ganzen Krempel in den dritten Stock tragen. Selbstverständlich war ich nicht allein, und ich betrachtete das ganze als Training, was zu meiner eigentlich ganz guten Laune beitrug. Aber froh war ich trotzdem, als ich irgendwann damit fertig war.
Die Sonne begann übrigens zu scheinen, als wir zum dritten Mal den Bus vollgepackt hatten. War ja logisch ...
03 Oktober 2008
Einheizfeier 2008
Die Einheizfeier in der Nacht zum wichtigsten deutschen Feiertag hat sich in den letzten Jahren in Karlsruhe zu einem der wichtigsten subkulturellen Ereignisse gemausert. Das sah ich auch, als ich am Donnerstag abend, 2. Oktober 2008, in der »Rock'n'Roll-Bar« ankam. Hunderte von Leuten trieben sich vor dem Gebäude, in den Treppenhäusern, auf den Halfpipes und vor den Bars herum, viele von ihnen sehr jung - das Durchschnittsalter dürfte knapp unter zwanzig Jahren gelegen haben.
Und weil so viele Leute da waren, beschäftigte ich mich stundenlang mit Labern und Biertrinken. Was auch sonst. So verpaßte ich Biestig komplett, Karlsruhes rotzige Mädchen-Punk-Band; aber die beiden jungen Damen sah ich im Verlauf des Abends dann doch ständig irgendwo.
Von The Equal Men, einer neuen Hardcore-Band aus Karlsruhe, bekam ich nur den Rest mit. Das klang aber gut: wuchtiger Gitarren-Sound mit einem Schuß Melodie, der gegen Ende in einem fürchterlichen Feedback-Gewitter ausklang.
Ziemlich komplett sah ich dafür Lights Out aus Stuttgart, die sich komplett am frühen 80er-Jahre-Hardcore aus den USA orientierten. Wer alte Angry Samoans oder Minor Threat gut findet, wird diese Band lieben - so ging's zumindest mir. Auch die Show auf der Bühne paßte, und wer als junger Mensch ein Guns'n'Roses-Shirt von 1991 trägt, hat zumindest einen guten Anti-Geschmack.
Sehr nett dann noch The Rogue Steady Orchestra aus Göttingen; für die Ska-Band war die Bühne viel zu klein. Zwei Frauen und rund sechs Männer auf der Bühne, flotte Musik und deutsche Texte, ein frenetisch tanzendes Publikum - das war schon ziemlich klasse.
Ich verließ den Saal aber dann doch, weil mir das Labern und Biertrinken vor der Tür lieber war. Und als ich gegen drei Uhr nachts im Nieselregen stand und verzweifelt den Schlüssel zu meinem Fahrrad aus der Hosentasche zu friemeln versuchte, war mir klar, daß ich mal wieder einen gelungenen Konzertabend hinter mich gebracht hatte.
Und weil so viele Leute da waren, beschäftigte ich mich stundenlang mit Labern und Biertrinken. Was auch sonst. So verpaßte ich Biestig komplett, Karlsruhes rotzige Mädchen-Punk-Band; aber die beiden jungen Damen sah ich im Verlauf des Abends dann doch ständig irgendwo.
Von The Equal Men, einer neuen Hardcore-Band aus Karlsruhe, bekam ich nur den Rest mit. Das klang aber gut: wuchtiger Gitarren-Sound mit einem Schuß Melodie, der gegen Ende in einem fürchterlichen Feedback-Gewitter ausklang.
Ziemlich komplett sah ich dafür Lights Out aus Stuttgart, die sich komplett am frühen 80er-Jahre-Hardcore aus den USA orientierten. Wer alte Angry Samoans oder Minor Threat gut findet, wird diese Band lieben - so ging's zumindest mir. Auch die Show auf der Bühne paßte, und wer als junger Mensch ein Guns'n'Roses-Shirt von 1991 trägt, hat zumindest einen guten Anti-Geschmack.
Sehr nett dann noch The Rogue Steady Orchestra aus Göttingen; für die Ska-Band war die Bühne viel zu klein. Zwei Frauen und rund sechs Männer auf der Bühne, flotte Musik und deutsche Texte, ein frenetisch tanzendes Publikum - das war schon ziemlich klasse.
Ich verließ den Saal aber dann doch, weil mir das Labern und Biertrinken vor der Tür lieber war. Und als ich gegen drei Uhr nachts im Nieselregen stand und verzweifelt den Schlüssel zu meinem Fahrrad aus der Hosentasche zu friemeln versuchte, war mir klar, daß ich mal wieder einen gelungenen Konzertabend hinter mich gebracht hatte.
02 Oktober 2008
Terror-Mike
Mist: Das habe ich eben aus dem Newsletter von Twisted Chords erfahren. Michael Tilsner aus Hannover, den ich unter dem Namen »Terror-Mike« (verschiedene Schreibweisen) kannte, ist bereits am 1. September gestorben. Zuletzt sahen wir uns auf irgendwelchen Chaostagen in Hannover, kann 1996 gewesen sein, vielleicht sogar noch im Jahr 2000.
Mike saß seit seiner frühesten Kindheit im Rollstuhl; laut Rundschreiben konnte er zuletzt nur noch Kopf und Hände bewegen. Aber er war mehr Punkrock als viele andere: brachte Platten und Cassetten raus, organisierte Konzerte und Parties und war sowieso ein feiner Kerl. Er wollte sogar noch eine Lesung mit mir organisieren, aber das verpeilte ich mal wieder.
Mike saß seit seiner frühesten Kindheit im Rollstuhl; laut Rundschreiben konnte er zuletzt nur noch Kopf und Hände bewegen. Aber er war mehr Punkrock als viele andere: brachte Platten und Cassetten raus, organisierte Konzerte und Parties und war sowieso ein feiner Kerl. Er wollte sogar noch eine Lesung mit mir organisieren, aber das verpeilte ich mal wieder.
Peter, das OX und der Zeitmangel
Es ist unglaublich! Mittlerweile scheint das OX schneller zu erscheinen, als ich lesen und vor allem schreiben kann. Die letzten zwei Ausgaben liegen ungelesen (!) und größtenteils ungeblättert (!) zu Hause herum, und jetzt kommt schon die neue Ausgabe. Wird Zeit, dass ich mal wieder eine längere Reise unternehme - da habe ich die Muße, ein so umfangreiches Heft auch in aller Gemütsruhe zu lesen.
So lange erfreue ich mich an der aktuellen Nummer 80, die ich heute aus dem Postfach fischte. Enthalten ist die aktuelle Fortsetzung von »Und: Hardcore!«, die neuen Abenteuer des Kleinstadtpunks Peter Meißner alias Peter Pank.
Noch immer ist die Handlung im Ludwigshafen des Januars 1987; für viele OX-Leser dürfte das so sein wie früher, wenn mein Papa vom Krieg erzählte. Es gibt Auseinandersetzungen zwischen »Stirnband-Wichsern« und »Nietendeppen«, und es gibt eine hübsche Anspielung (finde ich) auf ein fickendes Punk-Pärchen aus der schwäbischen Kleinstadt Heidenheim - dort kommt übrigens der OX-Cheffe Joachim Hiller ursprünglich her.
Keine Ahnung übrigens, wie lange die »Peter Pank«-Geschichte noch geht. Irgendwann muß die Handlung ja wieder zurück zu Dorf-Nazis und kleinen Drogenhändlern ... Ob ich da noch mal die Kurve krieg'?
So lange erfreue ich mich an der aktuellen Nummer 80, die ich heute aus dem Postfach fischte. Enthalten ist die aktuelle Fortsetzung von »Und: Hardcore!«, die neuen Abenteuer des Kleinstadtpunks Peter Meißner alias Peter Pank.
Noch immer ist die Handlung im Ludwigshafen des Januars 1987; für viele OX-Leser dürfte das so sein wie früher, wenn mein Papa vom Krieg erzählte. Es gibt Auseinandersetzungen zwischen »Stirnband-Wichsern« und »Nietendeppen«, und es gibt eine hübsche Anspielung (finde ich) auf ein fickendes Punk-Pärchen aus der schwäbischen Kleinstadt Heidenheim - dort kommt übrigens der OX-Cheffe Joachim Hiller ursprünglich her.
Keine Ahnung übrigens, wie lange die »Peter Pank«-Geschichte noch geht. Irgendwann muß die Handlung ja wieder zurück zu Dorf-Nazis und kleinen Drogenhändlern ... Ob ich da noch mal die Kurve krieg'?
01 Oktober 2008
Nette Lala aus Italien
Von der Band The New Story aus Mailand habe ich noch nie zuvor gehört; seit einigen Tagen höre ich die aktuelle CD der Band ständig im CD-Player meines Computers. Dafür ist sie ideal geeignet: Es handelt sich um ausgesprochen nette Lala-Musik, eine schöne Mixtur aus viel Pop, einem Schuß Punkrock und viel Emotion.
Der Sänger kann richtig singen, die Band kann auch spielen, und ab und zu kracht es sogar; meist ist die Musik aber sehr poppig. Als Hintergrund-Geräusch ist »Different Ways« optimal geeignet; ich kann mir aber nicht vorstellen, daß sich da mal was dauerhaft in meinem Hirn festfressen kann.
Das hört sich vielleicht jetzt negativ an, ist es aber nicht. Lieber solche Pop-Musik als der Kruschd, der ständig im Radio läuft.
Der Sänger kann richtig singen, die Band kann auch spielen, und ab und zu kracht es sogar; meist ist die Musik aber sehr poppig. Als Hintergrund-Geräusch ist »Different Ways« optimal geeignet; ich kann mir aber nicht vorstellen, daß sich da mal was dauerhaft in meinem Hirn festfressen kann.
Das hört sich vielleicht jetzt negativ an, ist es aber nicht. Lieber solche Pop-Musik als der Kruschd, der ständig im Radio läuft.
30 September 2008
Hohn und Spott
Manchmal tun sie mir ja auch leid, die Partei-Engagierten in diesem Land: in diesem Fall die von der Christsozialen Union. Da fahren sie die miesesten Ergebnisse seit Jahrzehnten ein, und der Spott ist groß. Steinerne Gesichter im Internet, im Fernsehen und in den Zeitungen, es ist ein erschütterndes Bild.
Wobei mir nicht klar ist, warum sich die anderen so freuen: Die CSU bleibt in Bayern weiterhin an der Macht, die SPD hat ja trotz dieser verheerenden Niederlage für die Schwarzen ebenfalls verloren.
Bei 18 Prozent als Ergebnis sähe ich keinen Grund zum Jubeln. Aber vielleicht muß man Partei-Arithmetiker sein, um das wirklich gut zu finden.
Wobei mir nicht klar ist, warum sich die anderen so freuen: Die CSU bleibt in Bayern weiterhin an der Macht, die SPD hat ja trotz dieser verheerenden Niederlage für die Schwarzen ebenfalls verloren.
Bei 18 Prozent als Ergebnis sähe ich keinen Grund zum Jubeln. Aber vielleicht muß man Partei-Arithmetiker sein, um das wirklich gut zu finden.
29 September 2008
Die Moltkestraße ganz falsch
Das fanden wir alle skurril: Da stellen die in diesem »Baader-Meinhof«-Film jedes Detail bis zum Gehtnichtmehr nach, da basteln sie die originalen Transparente nach und verpassen nackten Schauspielerinnen sogar »Schamhaar-Toupets«, aber ausgerechnet bei Karlsruhe versagen sie gründlich.
Die Rede ist von der Moltkestraße, in der im Jahr 1977 der damalige Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen wurde. Die betreffende Kreuzung ist nicht mal einen Kilometer von meiner Wohnungtür entfernt, und ich fahre da regelmäßig mit dem Rad entlang.
Keine Ahnung, welche Straßenecke sie im Film nahmen – wie »unsere« Moltkestraße sah das ganze aber nicht aus. Und das empfand ich dann doch als ein wenig arg geschummelt ...
Die Rede ist von der Moltkestraße, in der im Jahr 1977 der damalige Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen wurde. Die betreffende Kreuzung ist nicht mal einen Kilometer von meiner Wohnungtür entfernt, und ich fahre da regelmäßig mit dem Rad entlang.
Keine Ahnung, welche Straßenecke sie im Film nahmen – wie »unsere« Moltkestraße sah das ganze aber nicht aus. Und das empfand ich dann doch als ein wenig arg geschummelt ...
28 September 2008
Per Zeichentrick in die Zukunft
Wir haben »Wall-E« angeschaut, und dieser Film ist wirklich großartig: ein Zeichentrick-Märchen über einen leicht vertrottelten Roboter, der die Aufgabe hat, nach dem Auswandern der Menschheit die Erde aufzuräumen, und der sich dann in ein Roboter-»Mädchen« namens Eva verliebt.
Derzeit ist die Presse voll mit Berichten über den Film, weshalb ich mir hier weitere Angaben ersparen kann. Ich fand die Verneigung vor verschiedenen Film-Klassikern wie etwa »2001« hervorragend, da freut sich natürlich der Science-Fiction-Fan. Aber auch so weiß der Film durch wunderbare Kamerafahrten durch die Reste der menschlichen Zivilisationen und zahlreiche Gags (der kleine Roboter hat sich ein Zuhause eingerichtet, wo er sogar seine Schuhe auszieht, bevor er zu Bett geht) zu überzeugen.
Die Unlogik beginnt irgendwann, wenn die Menschen auftauchen. Aber okay ... das ist Hollywood-Kino, da darf man nicht darüber nachdenken, wie das alles zusammenpaßt. Letztlich serviert der Film hier sogar noch einen Batzen Konsumkritik auf unterhaltende Weise, was ja nicht das schlechteste ist.
Großartige Kino-Unterhaltung! Ein Meisterwerk, das ich sicher mal wieder anschauen werde.
Wichtig scheint mir, rechtzeitig ins Kino zu kommen. Der Vorfilm ist in seiner komprimierten, rasanten Art eine Verneigung vor dem klassischen Zeichentrickfilm der fünfziger Jahre – super!
Und den Abspann auch nicht zu vergessen. Da kommen zwar keine witzigen Szenen mehr, aber en passant wird einem die Kulturgeschichte der Menschheit vorgeführt. Da muß man ja auch erst mal drauf kommen ...
Derzeit ist die Presse voll mit Berichten über den Film, weshalb ich mir hier weitere Angaben ersparen kann. Ich fand die Verneigung vor verschiedenen Film-Klassikern wie etwa »2001« hervorragend, da freut sich natürlich der Science-Fiction-Fan. Aber auch so weiß der Film durch wunderbare Kamerafahrten durch die Reste der menschlichen Zivilisationen und zahlreiche Gags (der kleine Roboter hat sich ein Zuhause eingerichtet, wo er sogar seine Schuhe auszieht, bevor er zu Bett geht) zu überzeugen.
Die Unlogik beginnt irgendwann, wenn die Menschen auftauchen. Aber okay ... das ist Hollywood-Kino, da darf man nicht darüber nachdenken, wie das alles zusammenpaßt. Letztlich serviert der Film hier sogar noch einen Batzen Konsumkritik auf unterhaltende Weise, was ja nicht das schlechteste ist.
Großartige Kino-Unterhaltung! Ein Meisterwerk, das ich sicher mal wieder anschauen werde.
Wichtig scheint mir, rechtzeitig ins Kino zu kommen. Der Vorfilm ist in seiner komprimierten, rasanten Art eine Verneigung vor dem klassischen Zeichentrickfilm der fünfziger Jahre – super!
Und den Abspann auch nicht zu vergessen. Da kommen zwar keine witzigen Szenen mehr, aber en passant wird einem die Kulturgeschichte der Menschheit vorgeführt. Da muß man ja auch erst mal drauf kommen ...
27 September 2008
Magira ist da!

Erschienen ist es, geblättert habe ich es, lesen konnte ich es aus Zeitgründen noch nicht: Die Rede ist von MAGIRA, dem Jahrbuch zur Fantasy, dessen Ausgabe fürs Jahr 2008 dieser Tage ins Haus trudelte.
Ich bin mit drei Beiträgen vertreten; einer davon ist eine Geschichte, die anderen zwei sind eher trauriger Natur. Von mir stammen die Nachrufe auf die verstorbenen Autoren Werner Kurt Giesa (»Ein Phantast im positiven Sinne«) und Ernst Vlcek (»Die andere Seite des Universums«); beide Autoren kannte ich lange Jahre, von beiden habe ich gern die Romane gelesen, und mit beiden habe ich zusammengearbeitet.
Positiver ist selbstverständlich in meinen Augen mein »literarischer Beitrag«: die Kurzgeschichte »Träumen von Tanelorn«. Es wird Leute geben, die sie nicht als Fantasy betrachten; ehrlich gesagt, gehe ich davon aus, daß sie von einigen Lesern geradezu gehaßt werden wird.
Denn: Sie spielt in Dietersweiler im Schwarzwald und im Jahr 1980. Mein Lieblingssatz: »In meinem Kopf tanzten Männer mit Schwertern und rosarote Flamingos ein seltsames Ballett.« Ja, es geht in dieser Geschichte um Fantasy, aber es geht ebenso um Träume von einer anderen Welt - und von einem anderen Leben.
Ich bin sicher, daß ich diese Geschichte künftig bei Lesungen dabei haben werde. Sie gefiel mir auch in der gedruckten Version noch sehr gut ...
Ende der 80er Jahre ...
Es gibt Tage, da falle ich musikalisch zurück; in diesen Tagen geht es in die späten 80er und frühen 90er Jahre – und dann nach England. Grund ist die Band Sofahead, die zu Unrecht völlig vergessen ist und deren Langspielplatten seit Tagen laufen.
Ende der 80er Jahre war Punkrock eigentlich ziemlich tot, zumindest in England. Die Briten hatten die erste Welle (1976/77) gut überstanden, die zweite (1980-82) war auch schon ziemlich rum, und zu der Zeit war Hardcore angesagt. Und trotzdem gab es haufenweise guter Punk-Bands, die ich damals gern hörte und die mir jetzt ununterbrochen im Kopf rumgehen.
Hölle und Teufel!, das war richtig gut damals. Ich höre mal wieder Dan und alte HDQ, natürlich die guten alten Thrilled Skinny und Mega City Four, die immer noch bekannten Leatherface und Snuff und natürlich The Abs. Viele der Platten habe ich seit Jahren nicht mehr in der Hand gehabt, und es macht richtig Spaß, sie wieder anzuhören.
Was sie gemeinsam haben, ist eine sehr lockere Art, den Punkrock zu betreiben; man ist weit entfernt vom bierernsten Exploited-Sound oder vom Männer-Oi!. Das ganze klingt locker, die Gitarre schrabbelt gemütlich, und dazu kommt beispielsweise bei Sofahead eine entspannt klingende Sängerin.
Daß die Texte saugut sind und das alles natürlich eine klar-punkige Attitüde hat, versteht sich von selbst. Sofahead ist eine Band, die zu Unrecht kaum bekannt ist. Die alten Herren und Damen über 40 kennen sie vielleicht noch von früher, den jüngeren wird sie hiermit ans Herz gelegt; die Platten sind auf Flohmärkten gelegentlich zu finden, und es gibt – wie ich eben bei einer Recherche im Internet festgestellt habe – tatsächlich eine CD mit den zwei Vinyl-Scheiben drauf. Na also!
Ende der 80er Jahre war Punkrock eigentlich ziemlich tot, zumindest in England. Die Briten hatten die erste Welle (1976/77) gut überstanden, die zweite (1980-82) war auch schon ziemlich rum, und zu der Zeit war Hardcore angesagt. Und trotzdem gab es haufenweise guter Punk-Bands, die ich damals gern hörte und die mir jetzt ununterbrochen im Kopf rumgehen.
Hölle und Teufel!, das war richtig gut damals. Ich höre mal wieder Dan und alte HDQ, natürlich die guten alten Thrilled Skinny und Mega City Four, die immer noch bekannten Leatherface und Snuff und natürlich The Abs. Viele der Platten habe ich seit Jahren nicht mehr in der Hand gehabt, und es macht richtig Spaß, sie wieder anzuhören.
Was sie gemeinsam haben, ist eine sehr lockere Art, den Punkrock zu betreiben; man ist weit entfernt vom bierernsten Exploited-Sound oder vom Männer-Oi!. Das ganze klingt locker, die Gitarre schrabbelt gemütlich, und dazu kommt beispielsweise bei Sofahead eine entspannt klingende Sängerin.
Daß die Texte saugut sind und das alles natürlich eine klar-punkige Attitüde hat, versteht sich von selbst. Sofahead ist eine Band, die zu Unrecht kaum bekannt ist. Die alten Herren und Damen über 40 kennen sie vielleicht noch von früher, den jüngeren wird sie hiermit ans Herz gelegt; die Platten sind auf Flohmärkten gelegentlich zu finden, und es gibt – wie ich eben bei einer Recherche im Internet festgestellt habe – tatsächlich eine CD mit den zwei Vinyl-Scheiben drauf. Na also!
26 September 2008
Zehn Jahre Historie
Es beginnt im Prinzip mit einer Knüppelorgie: Deutsche Polizisten schlagen mit enormer Brutalität die Demonstranten zusammen, die gegen den Schah-Besuch in Berlin protestieren. Am Ende fallen Schüsse, und der getötete Hans-Martin Schleyer liegt in einem Waldstück auf dem Boden.
Was im Film »Der Baader Meinhof Komplex« präsentiert wird, dürfte eigentlich nicht spannend sein: Die Chronologie der Jahre 1968 bis 1977 hat man in den letzten Monaten bis zum Erbrechen gehört. Trotzdem fand ich den Streifen gestern unglaublich spannend und beeindruckend.
Das liegt nicht nur an den heftigen Schießereien (keine Ahnung, ob Schleyers Fahrer wirklich so zusammengeschossen wurden) oder an den coolen »Terror-Mädchen« (Banküberfall im Mini-Rock ...), sondern daran, daß glaubhaft dargestellt wurde, wie aus euphorischen jungen Menschen, die von einer besseren Gesellschaft träumen, irgendwann eiskalte Mörder werden, die von ihren Gegnern nur noch als Schweinen reden. Auch die Gegenseite wurde nicht dämonisiert und eindeutig dargestellt.
Keine Ahnung, ob es wirklich so war - es ist ja auch ein Spielfilm und keine Dokumentation. Die Ohnmacht im Polizeigewahrsam oder angesichts durchdrehender Prügelbullen kann ich allerdings sehr gut nachvollziehen (ähm), das wirkte sehr glaubhaft.
Beste Schauspielerin im ganzen Film: Johanna Wokalek (mir bekannt aus »Barfuß«) als Gudrun Ensslin. Sie spielte die Terroristin mit einer derartigen Intensität, daß es mir echt den Atem verschlug.
Kein Witz: Diesen Film sollte jeder gesehen haben. Für mich der bisher beste Film des Jahres, besser noch als »Batman« (was für ein Vergleich ...)!
Was im Film »Der Baader Meinhof Komplex« präsentiert wird, dürfte eigentlich nicht spannend sein: Die Chronologie der Jahre 1968 bis 1977 hat man in den letzten Monaten bis zum Erbrechen gehört. Trotzdem fand ich den Streifen gestern unglaublich spannend und beeindruckend.
Das liegt nicht nur an den heftigen Schießereien (keine Ahnung, ob Schleyers Fahrer wirklich so zusammengeschossen wurden) oder an den coolen »Terror-Mädchen« (Banküberfall im Mini-Rock ...), sondern daran, daß glaubhaft dargestellt wurde, wie aus euphorischen jungen Menschen, die von einer besseren Gesellschaft träumen, irgendwann eiskalte Mörder werden, die von ihren Gegnern nur noch als Schweinen reden. Auch die Gegenseite wurde nicht dämonisiert und eindeutig dargestellt.
Keine Ahnung, ob es wirklich so war - es ist ja auch ein Spielfilm und keine Dokumentation. Die Ohnmacht im Polizeigewahrsam oder angesichts durchdrehender Prügelbullen kann ich allerdings sehr gut nachvollziehen (ähm), das wirkte sehr glaubhaft.
Beste Schauspielerin im ganzen Film: Johanna Wokalek (mir bekannt aus »Barfuß«) als Gudrun Ensslin. Sie spielte die Terroristin mit einer derartigen Intensität, daß es mir echt den Atem verschlug.
Kein Witz: Diesen Film sollte jeder gesehen haben. Für mich der bisher beste Film des Jahres, besser noch als »Batman« (was für ein Vergleich ...)!
25 September 2008
Unbekanntes Internet
Mein Gesprächspartner war ein Mann mittleren Alters, ein wenig älter als ich. Wir kamen vom einen zum anderen Thema und landeten irgendwann beim Internet.
»Wenn man junge Leute erreichen will, kommt man an Myspace nicht vorbei«, sagte ich großspurig.
Er guckte mich an und sagte nichts. Bevor ich weiterreden konnte, merkte ich das immerhin.
»Sie kennen Myspace nicht?«, fragte ich. Wie es sich herausstellte, nutzte er regelmäßig das Internet, hatte aber noch nie von Myspace gehört, wußte nichts von Napster und kannte keine Wikipedia. Einen Internet-Anschluß hat er an seinem Arbeitsplatz im Büro.
Vielleicht ist er viel glücklicher als unsereins. Und mir wurde mal wieder eins so richtig benutzt: Leute wie »unsereins«, die sich ständig im Netz tummeln, sind nicht die Mehrheit, sondern die Mehrheit. Im Meer der Blogger und Foristen kann einem diese Information gelegentlich durchrutschen ...
»Wenn man junge Leute erreichen will, kommt man an Myspace nicht vorbei«, sagte ich großspurig.
Er guckte mich an und sagte nichts. Bevor ich weiterreden konnte, merkte ich das immerhin.
»Sie kennen Myspace nicht?«, fragte ich. Wie es sich herausstellte, nutzte er regelmäßig das Internet, hatte aber noch nie von Myspace gehört, wußte nichts von Napster und kannte keine Wikipedia. Einen Internet-Anschluß hat er an seinem Arbeitsplatz im Büro.
Vielleicht ist er viel glücklicher als unsereins. Und mir wurde mal wieder eins so richtig benutzt: Leute wie »unsereins«, die sich ständig im Netz tummeln, sind nicht die Mehrheit, sondern die Mehrheit. Im Meer der Blogger und Foristen kann einem diese Information gelegentlich durchrutschen ...
24 September 2008
Interviews, die ich führte

Gelegentlich erlaubt mir die Zeitschrift Phantastisch!, einige Beiträge zu veröffentlichen. Damit schaffe ich es immerhin, neben meinem Job noch den einen oder anderen Satz zur Science Fiction oder artverwandter Literatur zu publizieren. Ein bißchen Journalismus muß im Leben noch bleiben ...
Die aktuelle Ausgabe 32 (oder: 4/2008) des Heftes, das sich im Untertitel als »neues aus anderen welten« bezeichnet, enthält zwei Interviews, die ich geführt habe. Beide haben mir Vergnügen bereitet, und ich hoffe, das wird sich auf die Leser übertragen.
Unter der Überschrift »Vom Fisch, der durch den Bodensee schwamm« interviewe ich Ulrich Magin, meinen ehemaligen Kollegen, dessen Roman »Der Fisch« ich sehr mochte und den ich auch in diesem Blog hier abgefeiert habe. Und unter der Überschrift »Von Taermon zu Gor« kommt Patrick J. Grieser zu Wort, der den Basilisk-Verlag leitet und selbst Fantasy verfaßt.
Das Heft dürfte dieser Tage erscheinen; zu kaufen ist es nur in wenigen Läden. Ich empfehle es aber allen, die sich ernsthaft für Science Fiction und Fantasy interessieren.
23 September 2008
Kapitalismus ist geil
Ehrlich gesagt, raucht mir da auch ein wenig der Kopf: 700 Milliarden Dollar pustet die amerikanische Regierung ihren Bankern in den Hintern, damit die Pleite nicht gar so groß ausfällt. Der Steuerzahler kann also dafür blechen, daß irgendwelche Krawattenfritzen vor lauter Geldgier jegliches Maß verpeilt haben.
Gerechtigkeit sieht anders aus. Ärgern kann ich mich darüber dann aber auch nicht. Es ist ja immer dieselbe Logik: Bahngesellschaften werden so lange auf Profit getrimmt, bis man sie verkaufen kann. Banken, die minus machen, werden vom Staat gestützt.
Man kann sich darüber theatralisch aufregen und Linkspartei wählen. Man kann es klammheimlich gut finden und auf den großen Knall sowie die folgende Revolution warten. Man kann sich öffentlich freuen und CDU/FDP wählen.
Oder man überlegt sich, sein kostbar erspartes Geld in Hang-Grundstücken anzulegen. Nur so mal als Vorschlag. Dann kann man darauf, wenn endlich die Klimakatastrophe eintritt, Sonnenkollektoren drauf pflanzen und sich so ein Zubrot verdienen.
Oder man verplempert sein Geld. Wie auch immer: Es ist UNSER System ... und es ist die Logik unseres Systems. Schon blöd.
Gerechtigkeit sieht anders aus. Ärgern kann ich mich darüber dann aber auch nicht. Es ist ja immer dieselbe Logik: Bahngesellschaften werden so lange auf Profit getrimmt, bis man sie verkaufen kann. Banken, die minus machen, werden vom Staat gestützt.
Man kann sich darüber theatralisch aufregen und Linkspartei wählen. Man kann es klammheimlich gut finden und auf den großen Knall sowie die folgende Revolution warten. Man kann sich öffentlich freuen und CDU/FDP wählen.
Oder man überlegt sich, sein kostbar erspartes Geld in Hang-Grundstücken anzulegen. Nur so mal als Vorschlag. Dann kann man darauf, wenn endlich die Klimakatastrophe eintritt, Sonnenkollektoren drauf pflanzen und sich so ein Zubrot verdienen.
Oder man verplempert sein Geld. Wie auch immer: Es ist UNSER System ... und es ist die Logik unseres Systems. Schon blöd.
21 September 2008
Camorra und Gomorrha
Ich habe ihn gesehen: »Gomorrha – Reise in das Land der Camorra«. Ein Film, den ich weiter empfehlen möchte, über eine Region in Italien, die ich mittlerweile furchterregend finde.
Es geht letztlich um eine Wohnblock-Siedlung in Neapel, wo sich die Organisation der Camorra in derber Weise breitgemacht hat. Und der Film zeigt in fünf Geschichten, die miteinander verwoben sind, aber keinen gemeinsamen Spannungsbogen haben, wie Menschen in diesem System leben und sterben, wie aus kleinen Handlangern irgendwann wohl dumpfe Killer werden und wie aus Jugendlichen zuerst Täter und später Opfer werden.
Ein großartiger Film, der mich sprachlos und ruhig zurückließ. Er ist streckenweise hart, manchmal sogar lustig und insgesamt beeindruckend. Spannend ist er, wenngleich er auf ausführliche Action verzichtet. Alles in allem ein Kinofilm, der ein wenig mit dem Hollywood-Streifen »Traffic« zu vergleichen ist – auch da verweben sich mehrere Schicksale zu einem Gesamtbild.
Keine Ahnung, wie Neapel wirklich ist und ob der Film der Realität nahe kommt. Er vermittelt aber sehr glaubhaft, daß es wirklich »genau so« ist. Gruselig.
Es geht letztlich um eine Wohnblock-Siedlung in Neapel, wo sich die Organisation der Camorra in derber Weise breitgemacht hat. Und der Film zeigt in fünf Geschichten, die miteinander verwoben sind, aber keinen gemeinsamen Spannungsbogen haben, wie Menschen in diesem System leben und sterben, wie aus kleinen Handlangern irgendwann wohl dumpfe Killer werden und wie aus Jugendlichen zuerst Täter und später Opfer werden.
Ein großartiger Film, der mich sprachlos und ruhig zurückließ. Er ist streckenweise hart, manchmal sogar lustig und insgesamt beeindruckend. Spannend ist er, wenngleich er auf ausführliche Action verzichtet. Alles in allem ein Kinofilm, der ein wenig mit dem Hollywood-Streifen »Traffic« zu vergleichen ist – auch da verweben sich mehrere Schicksale zu einem Gesamtbild.
Keine Ahnung, wie Neapel wirklich ist und ob der Film der Realität nahe kommt. Er vermittelt aber sehr glaubhaft, daß es wirklich »genau so« ist. Gruselig.
19 September 2008
Wenn harte Männer reimen
Als »hessische Granaten« bezeichnet das Label die Band Wilde Jungs und liefert auch gleich die positive Selbstbezichtigung: »brutal, genial und hammerhart«. Und ich sitze da und frage mich, wer allen Ernstes diese Mischung aus grobschlächtigem Hardrock, Onkelz-mäßigem Brüllgesang und schlichten Texten gut findet.
Ich bin kein PC-Kasper und habe durchaus Freude an einem groben Spruch. »Was für Titten, was für Beine, gehen von Sohle bis zum Hals« - das ist sogar mir zu dümmlich und sexistisch. Und wenn es der Band nicht ums Ficken geht, grölt sie übers Saufen (»König Alkohol«) und – natürlich – über Freundschaft und Zusammenhalt.
Musikalisch ist das kein Oi! und kein Punk, auch wenn ein Iro-Träger in der Band mitmischt. Es handelt sich schlicht um Hardrock, wie man ihn vor über zwanzig Jahren auch bei einem Biker-Treffen hätte hören können, dazu halt das übliche Gegröle, das deutsche Jungmänner gern anstimmen, wenn sie besoffen sind.
Unglaublich! Ich bin beeindruckt. Und ich habe vier Anläufe gebraucht, um die CD einmal durchzuhören. Dafür gibt's sicher einen Tapferkeitsorden.
Ich bin kein PC-Kasper und habe durchaus Freude an einem groben Spruch. »Was für Titten, was für Beine, gehen von Sohle bis zum Hals« - das ist sogar mir zu dümmlich und sexistisch. Und wenn es der Band nicht ums Ficken geht, grölt sie übers Saufen (»König Alkohol«) und – natürlich – über Freundschaft und Zusammenhalt.
Musikalisch ist das kein Oi! und kein Punk, auch wenn ein Iro-Träger in der Band mitmischt. Es handelt sich schlicht um Hardrock, wie man ihn vor über zwanzig Jahren auch bei einem Biker-Treffen hätte hören können, dazu halt das übliche Gegröle, das deutsche Jungmänner gern anstimmen, wenn sie besoffen sind.
Unglaublich! Ich bin beeindruckt. Und ich habe vier Anläufe gebraucht, um die CD einmal durchzuhören. Dafür gibt's sicher einen Tapferkeitsorden.
18 September 2008
Autonomes Zentralorgan
Ausführliche Interviews, ausführliche Besprechungen: Das Fanzine Underdog geht ziemlich in die Tiefe, was ich gut finde. Die Nummer 25 mit kopiertem Farbcover, die immer noch als »Autonomes Zentralorgan Wildeshausen« firmiert, fand ich streckenweise trotzdem ein wenig dröge.
Da geht's dannum Nazi-Aktivitäten in Delmenhorst oder Rassismus und Fußball, das ganze wird aber ein wenig in Form theoretischer Artikel abgehandelt. Lesenswert ist das Interview mit dem Regisseur Güclü Yaman über den Einbürgerungstest und andere Themen; amüsant das Interview mit der Punkrock-Band Supernichts.
Der Unterhaltungs-Aspekt kommt auf den 68 Seiten für meinen Geschmack zu kurz - das ist alles eher ernsthaft und seriös. Schade. Na ja, seien wir fair: Die Plattenbesprechungen verströmen einen Charme, den ich bislang selten fand - die Platten werden in Form von Texten gewürdigt, die oftmals Umwege nehmen und damit fast schon literarisch wirken.
Da geht's dannum Nazi-Aktivitäten in Delmenhorst oder Rassismus und Fußball, das ganze wird aber ein wenig in Form theoretischer Artikel abgehandelt. Lesenswert ist das Interview mit dem Regisseur Güclü Yaman über den Einbürgerungstest und andere Themen; amüsant das Interview mit der Punkrock-Band Supernichts.
Der Unterhaltungs-Aspekt kommt auf den 68 Seiten für meinen Geschmack zu kurz - das ist alles eher ernsthaft und seriös. Schade. Na ja, seien wir fair: Die Plattenbesprechungen verströmen einen Charme, den ich bislang selten fand - die Platten werden in Form von Texten gewürdigt, die oftmals Umwege nehmen und damit fast schon literarisch wirken.
17 September 2008
Groschenroman-Redakteur
Wer schon immer mal wissen will, mit was ich eigentlich meine Brötchen verdiene, kann das jetzt in einem hoch-seriösen Medium nachlesen: auf der einestages-Seite, die ja mit dem Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« verbunden ist.
Der Artikel ist ausgesprochen nett und auch weitestgehend sauber recherchiert. Daß die Autorin ständig von »Groschenromanen« redet und nicht einmal den Verlag, für den ich arbeite, richtig schreiben kann (obwohl ich ihr das extra noch mal in einer Mail mitteilte), ist irgendwie schon wieder ... nun ja ... amüsant.
Zumindest gibt es eine Reihe von hübschen Bildern, die zeigen, wie sich Heftromane im Verlauf der letzten fünfzig Jahre veränderten. Und das ist ja auch was wert.
Der Artikel ist ausgesprochen nett und auch weitestgehend sauber recherchiert. Daß die Autorin ständig von »Groschenromanen« redet und nicht einmal den Verlag, für den ich arbeite, richtig schreiben kann (obwohl ich ihr das extra noch mal in einer Mail mitteilte), ist irgendwie schon wieder ... nun ja ... amüsant.
Zumindest gibt es eine Reihe von hübschen Bildern, die zeigen, wie sich Heftromane im Verlauf der letzten fünfzig Jahre veränderten. Und das ist ja auch was wert.
16 September 2008
Wasser predigen
Ich erinnere mich noch gut an eine politische Diskussion in der Schule, etwa 1983. Auf der Bühne saßen die Kandidaten, im Saal saßen wir Schüler. Und einer von der Jungen Union stand auf und stellte die ultimate Frage: »Ich möchte die Kandidaten von der SPD und von den Grünen fragen, mit welchem Verkehrsmittel sie zu dieser Veranstaltung gekommen sind.« Gelächter im Saal ...
Ganz klar, was er wollte: Er wollte, dass sowohl der Sozialdemokrat als auch der Grüne zugaben, mit dem Auto gefahren zu sein. Beide redeten sich auf der Bühne aus der Klemme, so gut es ging, erzählten was von schlechtem Öffentlichen Personennahverkehr und anderem Kram. Alles Ausflüchte, die keiner glaubte. Der Jungunionist hatte einen klaren Punkt-Sieg errungen.
Der Krawattenheini von der CDU hätte mit einem Hubschrauber anreisen können oder mit einem Panzer, der hundert Liter Sprit für die Strecke brauchte - es hätte niemand interessiert. Der Mann setzte sich schließlich nur für Arbeitsplätze und seinen eigenen Geldbeutel und nicht für den Umweltschutz ein. Die anderen aber, die sich wenigstens ein bißchen engagierten, die sollten bitteschön einen kompletten Kotau leisten.
Der Trick funktionierte, und das tut er auch heute noch. Jungunionisten und andere Konservative betreiben das Spiel wunderbar: Wer selbst zynisch und selbstgerecht durchs Leben marschiert, hat leichtes Spiel damit, mit dem Zeigefinger auf andere zu weisen und diesen ihre Versäumnisse vorzuhalten.
Und schaut man sich die Pofallas und Oettingers dieser Republik an, diese Generation von ausgewachsenen Jungunionisten, die bereits mit zwölf Jahren mit Aktenköfferchen und Lederschlips in die Schule kamen, dann sieht man, daß sie immer noch verfahren wie mein Schulkamerad vor einem Vierteljahrhundert - und daß der Trick immer noch funktioniert. Und die Linken und Grünen und was auch immer sind so blöd, daß sie nach wie vor drauf reinfallen.
Der Trick heute ist: Heute sitzen die Jungunionisten und ihre Claquere in den Redaktionen und sonstigen Machtstuben dieser Republik. Sie betreiben alle dasselbe Spiel wie damalsl. Und so werden eben aus Arbeitslosen pauschal Arbeitverweigerer, wird aus dem Linken-Chef Lafontaine ein Demagoge und wird das Wort »Reform« zu einer Keule gegen all jene, die an klassischer Moral festhalten möchten.
Ganz klar, was er wollte: Er wollte, dass sowohl der Sozialdemokrat als auch der Grüne zugaben, mit dem Auto gefahren zu sein. Beide redeten sich auf der Bühne aus der Klemme, so gut es ging, erzählten was von schlechtem Öffentlichen Personennahverkehr und anderem Kram. Alles Ausflüchte, die keiner glaubte. Der Jungunionist hatte einen klaren Punkt-Sieg errungen.
Der Krawattenheini von der CDU hätte mit einem Hubschrauber anreisen können oder mit einem Panzer, der hundert Liter Sprit für die Strecke brauchte - es hätte niemand interessiert. Der Mann setzte sich schließlich nur für Arbeitsplätze und seinen eigenen Geldbeutel und nicht für den Umweltschutz ein. Die anderen aber, die sich wenigstens ein bißchen engagierten, die sollten bitteschön einen kompletten Kotau leisten.
Der Trick funktionierte, und das tut er auch heute noch. Jungunionisten und andere Konservative betreiben das Spiel wunderbar: Wer selbst zynisch und selbstgerecht durchs Leben marschiert, hat leichtes Spiel damit, mit dem Zeigefinger auf andere zu weisen und diesen ihre Versäumnisse vorzuhalten.
Und schaut man sich die Pofallas und Oettingers dieser Republik an, diese Generation von ausgewachsenen Jungunionisten, die bereits mit zwölf Jahren mit Aktenköfferchen und Lederschlips in die Schule kamen, dann sieht man, daß sie immer noch verfahren wie mein Schulkamerad vor einem Vierteljahrhundert - und daß der Trick immer noch funktioniert. Und die Linken und Grünen und was auch immer sind so blöd, daß sie nach wie vor drauf reinfallen.
Der Trick heute ist: Heute sitzen die Jungunionisten und ihre Claquere in den Redaktionen und sonstigen Machtstuben dieser Republik. Sie betreiben alle dasselbe Spiel wie damalsl. Und so werden eben aus Arbeitslosen pauschal Arbeitverweigerer, wird aus dem Linken-Chef Lafontaine ein Demagoge und wird das Wort »Reform« zu einer Keule gegen all jene, die an klassischer Moral festhalten möchten.
15 September 2008
Badischer Stammtisch
Manchmal treibt Regionalstolz seltsame Blüten. So beispielsweise in Baden, dem westlichen Teil des Bundeslandes Baden-Württemberg. In der Hauptstadt Karlsruhe wohne ich: ein Exil-Schwabe.
Für Badener, die es aus beruflichen oder anderen Gründen in die Landeshauptstadt Stuttgart verschlagen hat, wurde jetzt ein spezieller Stammtisch eingerichtet. Die Meldung fand sich in der letzten Woche in allen Lokalzeitungen und wird auch im Internet fleißig verbreitet.
Da fällt mir auch nur eines ein: Sonst haben die Leute wohl keine Probleme ...
Für Badener, die es aus beruflichen oder anderen Gründen in die Landeshauptstadt Stuttgart verschlagen hat, wurde jetzt ein spezieller Stammtisch eingerichtet. Die Meldung fand sich in der letzten Woche in allen Lokalzeitungen und wird auch im Internet fleißig verbreitet.
Da fällt mir auch nur eines ein: Sonst haben die Leute wohl keine Probleme ...
14 September 2008
Audio-Horror
Eigentlich finde ich ja Gruselromane der klassischen Art doof. Deshalb konnte ich früher mit dem »Dämonenkiller« nichts anfangen, auch wenn die Handlungsvorgaben von Ernst Vlcek stammten. Ich machte immer einen großen Bogen um die Serie.
Das ist jetzt anders geworden: Schuld daran sind die neuen Hörspiele, die unter dem Label »Dorian Hunter« erschienen sind. Ich bin nicht mal Hörspiel-Fan, und außer den PERRY RHODAN-Hörspielen habe ich in den letzten Jahren praktisch keine gehört.
Das hier ist aber der Hammer: Die Hörspiele kommen ohne einen Erzähler aus, sie haben tolle Geräusche, die Geschichte ist stimmig, und die Dinger sind sauspannend. Ich bin zweimal im Auto sitzen geblieben – da hörte ich sie an -, um die jeweils laufende Szene zu Ende zu hören.
Der Hammer!, ich bin begeistert. Da hat Zaubermond was richtig tolles produziert, whow! So verschwinden meine Vorurteile.
Das ist jetzt anders geworden: Schuld daran sind die neuen Hörspiele, die unter dem Label »Dorian Hunter« erschienen sind. Ich bin nicht mal Hörspiel-Fan, und außer den PERRY RHODAN-Hörspielen habe ich in den letzten Jahren praktisch keine gehört.
Das hier ist aber der Hammer: Die Hörspiele kommen ohne einen Erzähler aus, sie haben tolle Geräusche, die Geschichte ist stimmig, und die Dinger sind sauspannend. Ich bin zweimal im Auto sitzen geblieben – da hörte ich sie an -, um die jeweils laufende Szene zu Ende zu hören.
Der Hammer!, ich bin begeistert. Da hat Zaubermond was richtig tolles produziert, whow! So verschwinden meine Vorurteile.
13 September 2008
Doch nicht zu un-intellektuell
Eigentlich wollten wir den Streifen »Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra« anschauen, doch als wir in die »Schauburg« kamen, war der Streifen natürlich schon ausverkauft. Mist, diesen Krimi hätte ich mir gern angesehen. Als Alternative stand dann noch »39,90«, aber der wäre erst zwei Stunden später gekommen und reizte mich gar nicht, und noch ein Streifen, von dem ich glaubte, daß er wahrscheinlich intellektuell und damit langweilig wäre.
Spontan entschieden wir uns, in den »Filmpalast« zu gehen und unseren Trash-Instinkten zu folgen. »Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers« klang trashig und un-intellektuell genug, daß es uns gefallen könnte. Wir es sich bei einem solchen Film gehört, tranken wie vorher fleißig Bier und Cocktails und setzten uns dann - mit weiteren Getränken bewaffnet - in den Kinosaal.
Um es kurz zu machen: Der Film entlarvte sich als einziges Desaster aus schlechten Dialogen, dümmlicher Action und übertriebenen Computer-Effekten. Als irgendwelche Yetis durchs Bild hüpften, warfen wir uns fast weg vor Lachen - das Problem war aber, daß es kein Lachen über die Gags war, sondern ein Lachen der Verzweiflung. Nicht einmal der Trash-Faktor war in diesem Streifen hoch genug.
Einigermaßen gedemütigt saßen wir hinterher noch da; ich schüttete mir einen Zombie in den Schlund, um wenigstens dadurch an den Film anzuschließen. Und ich versprach, in den nächsten intellektuellen Film klaglos mitzugehen.
Spontan entschieden wir uns, in den »Filmpalast« zu gehen und unseren Trash-Instinkten zu folgen. »Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers« klang trashig und un-intellektuell genug, daß es uns gefallen könnte. Wir es sich bei einem solchen Film gehört, tranken wie vorher fleißig Bier und Cocktails und setzten uns dann - mit weiteren Getränken bewaffnet - in den Kinosaal.
Um es kurz zu machen: Der Film entlarvte sich als einziges Desaster aus schlechten Dialogen, dümmlicher Action und übertriebenen Computer-Effekten. Als irgendwelche Yetis durchs Bild hüpften, warfen wir uns fast weg vor Lachen - das Problem war aber, daß es kein Lachen über die Gags war, sondern ein Lachen der Verzweiflung. Nicht einmal der Trash-Faktor war in diesem Streifen hoch genug.
Einigermaßen gedemütigt saßen wir hinterher noch da; ich schüttete mir einen Zombie in den Schlund, um wenigstens dadurch an den Film anzuschließen. Und ich versprach, in den nächsten intellektuellen Film klaglos mitzugehen.
12 September 2008
Im Gedächtnis gegrübelt
In meiner Kolumnen-Reihe für die PERRY RHODAN-Homepage, die den schicken und völlig nachvollziehbaren Namen »Der Redakteur erinnert sich« trägt, ging es zuletzt unter anderem um meine frühesten fannischen Gehversuche.
»Fanzine-Vorahnungen« berichtet noch einmal darüber, wie ich versuchte, ein Fanzine zu starten, wie ich erste Kontakte knüpfte und wie ich hochtrabende Pläne schuf. In »SAGITTARIUS entsteht« geht's dann bereits darum, wie ich mein erstes Fanzine bastelte: mit einem Zehnpfennigstück und einem Filzstift beispielsweise, die fürs erste Layout unverzichtbar waren.
Lese ich das heute alles durch und erinnere mich zurück, finde ich es selbst lustig. Damals war ich aber superstolz auf meine Leistungen und hielt mich für einen richtig guten Fanzine-Macher. Okay, ich war ja erst 16 Jahre alt geworden ...
Eher um neuere Dinge geht es in »Die Idee zur PERRY RHODAN-FanEdition«, wo es genau darum geht: um den Start einer Reihe, mit der wir Amateur-Autoren unterstützen wollten. Ähnliches gilt für »Wie wir Atlans Jugend starteten ...«, wo es um die Jugendabenteuer des Romanhelden Atlan geht.
Das liest sich weniger amüsant als die frühe Vergangenheit. Aber die 90er Jahre waren ja auch nicht mehr so lustig wie die 70er Jahre ...
»Fanzine-Vorahnungen« berichtet noch einmal darüber, wie ich versuchte, ein Fanzine zu starten, wie ich erste Kontakte knüpfte und wie ich hochtrabende Pläne schuf. In »SAGITTARIUS entsteht« geht's dann bereits darum, wie ich mein erstes Fanzine bastelte: mit einem Zehnpfennigstück und einem Filzstift beispielsweise, die fürs erste Layout unverzichtbar waren.
Lese ich das heute alles durch und erinnere mich zurück, finde ich es selbst lustig. Damals war ich aber superstolz auf meine Leistungen und hielt mich für einen richtig guten Fanzine-Macher. Okay, ich war ja erst 16 Jahre alt geworden ...
Eher um neuere Dinge geht es in »Die Idee zur PERRY RHODAN-FanEdition«, wo es genau darum geht: um den Start einer Reihe, mit der wir Amateur-Autoren unterstützen wollten. Ähnliches gilt für »Wie wir Atlans Jugend starteten ...«, wo es um die Jugendabenteuer des Romanhelden Atlan geht.
Das liest sich weniger amüsant als die frühe Vergangenheit. Aber die 90er Jahre waren ja auch nicht mehr so lustig wie die 70er Jahre ...
11 September 2008
Endstation eines Klassikers

23 Ausgaben erreichte das Fanzine Raumschiff Wucherpreis; die aktuelle Ausgabe mit dem netten, auf alt getrimmten Gruppenbild wird die letzte sein. Ein Grund dafür: Willi Wucher, der Macher des Heftes, hatte fiese gesundheitliche Probleme und muss künftig kürzer treten.
Kein Wunder: Mit seiner Band Pöbel & Gesocks zieht der gute Mann seit Jahr und Tag durch die Lande; mit seinem Vertrieb und Label Scumfuck Mucke versorgt er Punkrocker und Oi!-Skins mit Platten, Papier und Klamotten, und dann hatte er bis vor kurzem auch noch das RWP, so die Abkürzung für das Fanzine.
Wobei die letzte Ausgabe noch mal so richtig klar macht, wo die Stärken und die Schwächen des Heftes liegen: Das Heft besteht aus einem Teil Fanzine und einem Teil Versandkatalog; von vielen Bands, die vorne besprochen werden, gibt's dann hinten die Tonträger zu kaufen. Man kann sich also durchaus streiten, ob das jetzt ein Fanzine mit Verkaufsliste oder eine Verkaufsliste inklusive Fanzine ist - den Preis von genau 0,00 Euro fand ich aber immer unschlagbar gut.
Vor allem ist das RWP immer auch Willis Egozine, und das zeigt diese bunte Ausgabe deutlich: Da schreibt der Herausgeber wie eh und je seine »Wuchers Worte« und informiert ausführlich über die Proberäume, in denen unter anderem seine Band Bier trinkt und Musik macht. (Vor geschätzten zwanzig Jahren war ich da auch mal drin ...).
Darüber hinaus gibt's Interviews, unter amderem mit dem Ex-Sänger der Oi!-Band Verlorene Jungs oder mit der Deutschpunk-Band Brigade S.; Konzertberichte und haufenweise Besprechungen runden das Heft ab. Unter »Oi! - die Zerlegung eines Songs« wird der Punkrock-Klassiker »If The Kids Are United« mit fettem Augenzwinkern und viel Ironie unter die Lupe genommen.
Ich finde: ein würdiger Abschluß, schade ist es trotzdem.
Ausflug in die 80er Jahre
Ein Brunnen plätschert, Wasser läuft in einen künstlichen Teich. Kleine Sitzgelegenheiten zwischen Grünpflanzen, darüber träufelt irgendwelche Musik: Auf Kitsch verstehen sich die Berliner tatsächlich auch.
Das »Café Tiffanys« ist im Europa-Center, quasi im Zentrum des alten Westberlin; in den 80er Jahren ließ ich mich von Menschen, die man damals noch ungestraft mit Verstümmelungen ihrer Nachnamen anreden durfte, hier in Läden wie das »Linientreu« schleppen.
Das Europa-Center ist ohnehin gewöhnungsbedürftig: viel Beton, viel Glas, viele Menschen, die durch die Gänge hasten, eine Ladenmischung aus Ramsch und »halbwegs okay«. Man merkt, daß die Zeit über dieses Laden-Zentrum hinweggezogen ist und die 80er Jahre auch im Westen Berlins schon lange vorüber sind.
Es gibt Eis und Kuchen, und ich bin hungrig, also setze ich mich an einen runden Tisch. Das Personal ist zackig, ich werde gleich bedient, und niemand stört sich daran, daß ich erst einmal mit dem Notebook ein wenig arbeite. Kaffee und Apfelschorle kommen; beides völlig okay. Später gibt's noch einen Salat, der nicht Weltklasse ist – aber was ist das schon in Berlin? –, der sich aber gut essen läßt.
Rings um mich sind viele Rentner, sowohl Einheimische als auch Touristen, die man am süddeutschen Dialekt erkennt. Kein Wunder, es ist Hauptarbeitszeit, da treiben sich wenige junge Menschen ausgerechnet in diesem Café herum. Die Musik nervt irgendwann, das Plätschern des Wassers lullt ein; schnell tippe ich meine Notizen in den Computer.
Ich esse, ich trinke, ich bezahle, ich gehe. Mein Magen ist gefüllt, meine Laune gut. Als Stammlokal würde ich das »Tiffanys« nicht empfehlen.
Das »Café Tiffanys« ist im Europa-Center, quasi im Zentrum des alten Westberlin; in den 80er Jahren ließ ich mich von Menschen, die man damals noch ungestraft mit Verstümmelungen ihrer Nachnamen anreden durfte, hier in Läden wie das »Linientreu« schleppen.
Das Europa-Center ist ohnehin gewöhnungsbedürftig: viel Beton, viel Glas, viele Menschen, die durch die Gänge hasten, eine Ladenmischung aus Ramsch und »halbwegs okay«. Man merkt, daß die Zeit über dieses Laden-Zentrum hinweggezogen ist und die 80er Jahre auch im Westen Berlins schon lange vorüber sind.
Es gibt Eis und Kuchen, und ich bin hungrig, also setze ich mich an einen runden Tisch. Das Personal ist zackig, ich werde gleich bedient, und niemand stört sich daran, daß ich erst einmal mit dem Notebook ein wenig arbeite. Kaffee und Apfelschorle kommen; beides völlig okay. Später gibt's noch einen Salat, der nicht Weltklasse ist – aber was ist das schon in Berlin? –, der sich aber gut essen läßt.
Rings um mich sind viele Rentner, sowohl Einheimische als auch Touristen, die man am süddeutschen Dialekt erkennt. Kein Wunder, es ist Hauptarbeitszeit, da treiben sich wenige junge Menschen ausgerechnet in diesem Café herum. Die Musik nervt irgendwann, das Plätschern des Wassers lullt ein; schnell tippe ich meine Notizen in den Computer.
Ich esse, ich trinke, ich bezahle, ich gehe. Mein Magen ist gefüllt, meine Laune gut. Als Stammlokal würde ich das »Tiffanys« nicht empfehlen.
10 September 2008
Wenn Westerwelle warnt
Es gibt wenig Politiker, vor denen ein halbwegs vernünftiger Mensch wenigstens einen Anschein von Respekt haben kann. Bei den meisten handelt es sich um arbeitsscheues Gesindel, das sich einen Namen dadurch macht, daß es populistischen Mist in die Gegend plärrt und vorzugsweise Kämpfe gegen »Sozialschmarotzer« und andere Untermenschen führt, idealerweise immer auf den Spuren der BILD-Zeitung. Wer diese Bagage freiwillig wählt, darf sich nicht wundern.
Wobei es einen Politiker gibt, den ich wegen seines Unterhaltungswertes schätze: Guido Westerwelle ist der Prototyp eines Politikers, der keine Inhalte vermittelt und nur wegen der Macht seine Wahlkämpfe führt. (Schon klar: Das hier ist die Betrachtung eines Laien, der alles nur von außen anguckt. Wahrscheinlich ist der Westerwelle ein sympathischer Kerl ...)
Großartig ist er zur Zeit: Sieht man ihn in der Glotze, hat er die Klappe noch weiter aufgerissen als sonst, das Gesicht ist gerötet, und es kommt ein Unfug nach dem anderen aus dem weit geöffneten Schlund.
Und er lebt in einem anderen Deutschland als ich. So warnt er neuerdings die SPD davor, nach »linksaußen« abzurutschen oder in Hessen »mit Grünen, Sozialisten und Kommunisten regieren« zu wollen. Und natürlich sei es eine riesige Gefahr für die Republik, wenn der Bundes-Hotte, parton, »unser im Volk hochangesehenes Staatsoberhaupt Horst Köhler« abgewählt werden könnte.
Seltsam: Wenn die SPD langsam andeutet, sie könnten zu einer Politik zurückkehren, die vor etwa zehn Jahren auch bei CDU und FDP als normal galt (also vor dem Gesamtverbrechen der Hartz-IV-Gesetze), ist sie »linksaußen«. Will man ein anderes Staatsoberhaupt wählen, was meiner Ansicht ja sehr demokratisch wäre, ist man wohl gleich Staatsfeind.
Schaue ich mir das alles so an, ist eigentlich der Westerwelle mit seinen Aussagen ein Fall für den Verfassungsschutz ...
Wobei es einen Politiker gibt, den ich wegen seines Unterhaltungswertes schätze: Guido Westerwelle ist der Prototyp eines Politikers, der keine Inhalte vermittelt und nur wegen der Macht seine Wahlkämpfe führt. (Schon klar: Das hier ist die Betrachtung eines Laien, der alles nur von außen anguckt. Wahrscheinlich ist der Westerwelle ein sympathischer Kerl ...)
Großartig ist er zur Zeit: Sieht man ihn in der Glotze, hat er die Klappe noch weiter aufgerissen als sonst, das Gesicht ist gerötet, und es kommt ein Unfug nach dem anderen aus dem weit geöffneten Schlund.
Und er lebt in einem anderen Deutschland als ich. So warnt er neuerdings die SPD davor, nach »linksaußen« abzurutschen oder in Hessen »mit Grünen, Sozialisten und Kommunisten regieren« zu wollen. Und natürlich sei es eine riesige Gefahr für die Republik, wenn der Bundes-Hotte, parton, »unser im Volk hochangesehenes Staatsoberhaupt Horst Köhler« abgewählt werden könnte.
Seltsam: Wenn die SPD langsam andeutet, sie könnten zu einer Politik zurückkehren, die vor etwa zehn Jahren auch bei CDU und FDP als normal galt (also vor dem Gesamtverbrechen der Hartz-IV-Gesetze), ist sie »linksaußen«. Will man ein anderes Staatsoberhaupt wählen, was meiner Ansicht ja sehr demokratisch wäre, ist man wohl gleich Staatsfeind.
Schaue ich mir das alles so an, ist eigentlich der Westerwelle mit seinen Aussagen ein Fall für den Verfassungsschutz ...
09 September 2008
Großartige Hardcore-Verarschung
Schon mal was von X One Way X gehört? Oder von Youth Of Strength? Ich bisher nicht, dabei haben die Bands dieser Tage eine Split-Platte herausgebracht, die es in sich hat: 59 kurze bis sehr kurze Hardcore-Stücke, die allesamt so klingen, als hätte man sie Ende der 80er Jahre in New York und Umgebung zusammengebraut.
Schaut man sich schon mal die Bandnamen an, wird klar, daß es sich um eine Verarschung handeln muß: Youth Of Today gekreuzt mit Chain of Strength, dazu die Manie, überall allerlei Kreuze zu setzen. Ganz klar, hier bekommt die Straight-Edge-Szene ihr musikalisches Fett weg.
In den Texten wird das »X« bejubelt, geht es um Unity und Solidarität, um Circle Pits und all die anderen wichtigen Themen, die mal halbwegs ernsthaft in der Szene von Wichtigkeit waren und durch all die Wichtigtuer in den letzten zwanzig Jahren arg verwässert wurden. Das ist sehr lustig, und manchmal trifft die Satire exakt auf den Punkt.
Kein Wunder bei den Titeln, die beide Teile der Split-LP bzw. -CD haben: »Start Whenever« erinnert an »Start Today« von den Gorilla Biscuits, eine großartige PosiCore-Platte übrigens, die man haben sollte. Und »We're not in this to break down the walls alone« ist eine wunderbar verarschende Vermengung aus Sick Of It All und Youth Of Today.
Spitzenplatte – weil sie so echt klingt. Und weil man den Musikern abnimmt, daß sie den Hardcore wirklich lieben, nur manche Auswüchse albern finden. Kam übrigens raus bei Rookie Records.
Schaut man sich schon mal die Bandnamen an, wird klar, daß es sich um eine Verarschung handeln muß: Youth Of Today gekreuzt mit Chain of Strength, dazu die Manie, überall allerlei Kreuze zu setzen. Ganz klar, hier bekommt die Straight-Edge-Szene ihr musikalisches Fett weg.
In den Texten wird das »X« bejubelt, geht es um Unity und Solidarität, um Circle Pits und all die anderen wichtigen Themen, die mal halbwegs ernsthaft in der Szene von Wichtigkeit waren und durch all die Wichtigtuer in den letzten zwanzig Jahren arg verwässert wurden. Das ist sehr lustig, und manchmal trifft die Satire exakt auf den Punkt.
Kein Wunder bei den Titeln, die beide Teile der Split-LP bzw. -CD haben: »Start Whenever« erinnert an »Start Today« von den Gorilla Biscuits, eine großartige PosiCore-Platte übrigens, die man haben sollte. Und »We're not in this to break down the walls alone« ist eine wunderbar verarschende Vermengung aus Sick Of It All und Youth Of Today.
Spitzenplatte – weil sie so echt klingt. Und weil man den Musikern abnimmt, daß sie den Hardcore wirklich lieben, nur manche Auswüchse albern finden. Kam übrigens raus bei Rookie Records.
08 September 2008
Baden-Württemberg »rult«
Der erste Sonntag im Monat: Ich mache ENPUNKT-Radio. So auch gestern. Wieder mal saß ich im Studio des freien Radios Querfunk in Karlsruhe, plapperte ins Mikrofon und legte Platten auf. Thematisch ging's um Baden-Württemberg, was eine entsprechende Bandbreite zur Folge hatte.
Rumpeligen Punk von Demo-CDs gab's von Subversiv und Grabsody aus Freiburg, flotten Ska-Punk lieferten No Authority aus Lahr, während Die Kleinen Götter aus Konstanz und Stuttgart ihren ziemlich schlauen Melodie-Punk servierten.
Für das heftige Hardcore-Brett sorgten War Street aus Karlsruhe, für Anarcho-Punk aus Deutschland dann Wärthers Schlechte aus Stuttgart. Den sehr netten Abschluß machten Wildbad Bahnhof aus ... na? ... Wildbad im Schwarzwald.
Rumpeligen Punk von Demo-CDs gab's von Subversiv und Grabsody aus Freiburg, flotten Ska-Punk lieferten No Authority aus Lahr, während Die Kleinen Götter aus Konstanz und Stuttgart ihren ziemlich schlauen Melodie-Punk servierten.
Für das heftige Hardcore-Brett sorgten War Street aus Karlsruhe, für Anarcho-Punk aus Deutschland dann Wärthers Schlechte aus Stuttgart. Den sehr netten Abschluß machten Wildbad Bahnhof aus ... na? ... Wildbad im Schwarzwald.
07 September 2008
Ein Jungens-Hardcore-Heft
Das »Three Chords« wird immer besser, finde ich: Die aktuelle Ausgabe zehn, die auch schon einige Wochen auf dem Buckel hat, las ich in den letzten Tagen endlich mal komplett durch. Mit einem schicken Farb-Titelbild, 108 Seiten Umfang und einem professionellen Layout dürfte das Heft so ziemlich das am besten aussehende Hardcore-Fanzine sein, das es derzeit gibt.
Inhaltlich gibt es die üblichen Interviews, viele davon mit Bands, die ich nicht kenne. So arg interessant wurden mir dann aber Bands wie die Brutal Knights oder No Turning Back dann doch nicht rübergebracht: Man erfährt häufig allerlei Albernheiten zum Thema Sex - alles nur ironisch gemeint - oder über Trinkgewohnheiten. Immerhin sind Sick Of It All vertreten, die alten Herren aus New York, oder auch Quest For Rescue, von denen ich schon lange nichts mehr gehört habe.
Im »Ü30 Hardcore«-Artikel bin ich dann auch vertreten; darüber hinaus gibt es schöne Fotostrecken von Konzerten und vom Skateboarden. Redaktionsmitglieder präsentieren sich, Barcelona wird abgefeiert, und natürlich werden Tonträger unter die Lupe genommen.
Alles in allem ein lesenswertes und auch lesbares Heft, das mir Spaß machte. Auffallend bei alledem: Frauen scheinen in der neuen Hardcore-Welt noch seltener zu sein als anfangs der 90er Jahre, als ich mich ständig auf Hardcore-Konzerten herumtrieb. Insofern ist »Three Chords« ein echtes Jungens-Heft, und wer mag, kann das jetzt auch kritisieren ...
Tu ich nicht. Wer sich für Hardcore interessiert, sollte das Heft mal antesten. Gibt's bei den üblichen Mailordern und direkt über die Homepage.
Inhaltlich gibt es die üblichen Interviews, viele davon mit Bands, die ich nicht kenne. So arg interessant wurden mir dann aber Bands wie die Brutal Knights oder No Turning Back dann doch nicht rübergebracht: Man erfährt häufig allerlei Albernheiten zum Thema Sex - alles nur ironisch gemeint - oder über Trinkgewohnheiten. Immerhin sind Sick Of It All vertreten, die alten Herren aus New York, oder auch Quest For Rescue, von denen ich schon lange nichts mehr gehört habe.
Im »Ü30 Hardcore«-Artikel bin ich dann auch vertreten; darüber hinaus gibt es schöne Fotostrecken von Konzerten und vom Skateboarden. Redaktionsmitglieder präsentieren sich, Barcelona wird abgefeiert, und natürlich werden Tonträger unter die Lupe genommen.
Alles in allem ein lesenswertes und auch lesbares Heft, das mir Spaß machte. Auffallend bei alledem: Frauen scheinen in der neuen Hardcore-Welt noch seltener zu sein als anfangs der 90er Jahre, als ich mich ständig auf Hardcore-Konzerten herumtrieb. Insofern ist »Three Chords« ein echtes Jungens-Heft, und wer mag, kann das jetzt auch kritisieren ...
Tu ich nicht. Wer sich für Hardcore interessiert, sollte das Heft mal antesten. Gibt's bei den üblichen Mailordern und direkt über die Homepage.
Justizpossen und Fandombeobachter
Die aktuelle Ausgabe des - wie immer zu lobenden - Informations-Fanzines FANDOM OBSERVER hat mehr aus Zufall einen gewissen Frick-Schwerpunkt erlangt. Neben einem Leserbrief, in dem ich mich auf eine frühere Ausgabe beziehe, gibt es in der Ausgabe 231 glatt noch vier weitere Texte.
Das eine ist eine Besprechung zu einem »Zamorra«-Hörspiel, dann kommen noch zwei längere Meldungen hinzu, und es gibt zudem ein Artikel über eine seltsame Justizposse. Den dokumentiere ich hier im Kommentar - ich finde ihn nämlich höchst amüsant und interessant.
Wer sich für den kompletten FO interessiert, kann das Ding ja entweder als Print-Heft abonnieren oder einfach auf der Homepage downloaden.
Das eine ist eine Besprechung zu einem »Zamorra«-Hörspiel, dann kommen noch zwei längere Meldungen hinzu, und es gibt zudem ein Artikel über eine seltsame Justizposse. Den dokumentiere ich hier im Kommentar - ich finde ihn nämlich höchst amüsant und interessant.
Wer sich für den kompletten FO interessiert, kann das Ding ja entweder als Print-Heft abonnieren oder einfach auf der Homepage downloaden.
06 September 2008
Freitags in der City
Freitag abend in der Innenstadt von Karlsruhe. Nach dem Training bin ich einigermaßen erschöpft und vor allem hungrig. In einem türkischen Imbiss halte ich an, kette mein Fahrrad an einen Laternenpfahl und setze mich nach der Bestellung an einen Tisch: innen drin, so daß ich das türkische Musikfernsehen in epischer Länge und Breite mitbekomme, aber direkt am Fenster, um die frische Luft mitzubekommen.
Ich erhalte meine Pide und mein Bier, ich esse und trinke, und immer wieder gehen Leute vorbei, die mich anschaue oder denen ich nachblicke. Es ist ein gemütlicher Freitag abend in der Innenstadt.
Auf einmal steuert eine junge Frau auf mich zu, vielleicht Mitte zwanzig; ein blonder Pferdeschwanz wippt von ihrem Kopf auf die Schulter. Sie strahlt mich mit einem Blendamed-Lächeln an. »Entschuldigen Sie, haben wir uns heute schon mal gesehen?«
Ich verschlucke mich fast an meinem Bier und gucke irritiert. Ihr weißes T-Shirt trägt ein kleines grünes Logo auf der Brust. Um die Schrift darin entziffern zu können, müßte ich sehr genau hingucken – das wäre dann doch ein wenig auffällig.
Bevor ich etwas sagen kann, tanzt auf einmal eine ganze Meute junger Frauen vor meinem Fenster auf. Ein Dutzend blonder Pferdeschwänze über gleich aussehenden T-Shirts, dazu breit grinsende Fratzen, die Zähne gebleckt. »Blair Witch Project« in der Fußgängerzone.
»Äh, nein«, stottere ich. Die Blondine strahlt weiter und fragt, ob ich noch einen Nachtisch wolle; sie hält mir einen Korb hin, in dem irgendwelcher Kram liegt. »Äh, nein«, stottere ich erneut.
Sie strahlt und bedankt sich, dann verschwindet der ganze Mob, lachend, gackernd und kichernd. Ich sehe die Aufschrift auf dem Rücken der jungen Frauen; es ist ein »Junggesellinnen-Abschied«.
Wahrscheinlich war das jetzt die Braut, denke ich und kippe mein Bier endgültig. Es gibt schon blöde Sitten in Deutschland.
Ich erhalte meine Pide und mein Bier, ich esse und trinke, und immer wieder gehen Leute vorbei, die mich anschaue oder denen ich nachblicke. Es ist ein gemütlicher Freitag abend in der Innenstadt.
Auf einmal steuert eine junge Frau auf mich zu, vielleicht Mitte zwanzig; ein blonder Pferdeschwanz wippt von ihrem Kopf auf die Schulter. Sie strahlt mich mit einem Blendamed-Lächeln an. »Entschuldigen Sie, haben wir uns heute schon mal gesehen?«
Ich verschlucke mich fast an meinem Bier und gucke irritiert. Ihr weißes T-Shirt trägt ein kleines grünes Logo auf der Brust. Um die Schrift darin entziffern zu können, müßte ich sehr genau hingucken – das wäre dann doch ein wenig auffällig.
Bevor ich etwas sagen kann, tanzt auf einmal eine ganze Meute junger Frauen vor meinem Fenster auf. Ein Dutzend blonder Pferdeschwänze über gleich aussehenden T-Shirts, dazu breit grinsende Fratzen, die Zähne gebleckt. »Blair Witch Project« in der Fußgängerzone.
»Äh, nein«, stottere ich. Die Blondine strahlt weiter und fragt, ob ich noch einen Nachtisch wolle; sie hält mir einen Korb hin, in dem irgendwelcher Kram liegt. »Äh, nein«, stottere ich erneut.
Sie strahlt und bedankt sich, dann verschwindet der ganze Mob, lachend, gackernd und kichernd. Ich sehe die Aufschrift auf dem Rücken der jungen Frauen; es ist ein »Junggesellinnen-Abschied«.
Wahrscheinlich war das jetzt die Braut, denke ich und kippe mein Bier endgültig. Es gibt schon blöde Sitten in Deutschland.
05 September 2008
Das faszinierende an Wissenschaften
Als zehnjähriger Junge bekam ich von meiner Mutter ein Humboldt-Taschenbuch geschenkt: Das war damals ein bekannter, superseriöser Ratgeber-Verlag, und das Buch beschäftigte sich mit Katzen - ich war als Kind ein echter Katzen-Narr.
Der Humboldt-Verlag versackte irgendwann in der Bedeutungslosigkeit, bis er von Eckhard Schwettmann aus dem Dämmerschlaf erweckt wurde. Seither hat sich der Verlag erneut zu einem seriösen Ratgeber-Verlag gemausert.
Dieser Tage erscheint bei Humboldt das Taschenbuch »Faszinierende Wissenschaften«, das ich auch schon als Belegexemplar vorliegen habe, selbst aber noch nicht lesen konnte. Verfaßt wurde es von Götz Roderer, mir persönlich natürlich auch bekannt. Im Untertitel verspricht das Buch aber »Die spannendsten Neuigkeiten aus der Welt der Forschung«.
Was das mit mir zu tun hat? Von mir stammt das Vorwort - ich interessiere mich für Wissenschaft und Forschung und fand das Konzept des Buches sowie die Textauszüge echt faszinierend. Zudem kenne ich den Autor ebenso wie den Verlagsleiter. Na also ... Jetzt bin ich also auch noch Vorwort-Autor für ein Forschungs-Werk.
Auf diese Weise hat sich also ein kleiner Kreis geschlossen ...
Der Humboldt-Verlag versackte irgendwann in der Bedeutungslosigkeit, bis er von Eckhard Schwettmann aus dem Dämmerschlaf erweckt wurde. Seither hat sich der Verlag erneut zu einem seriösen Ratgeber-Verlag gemausert.
Dieser Tage erscheint bei Humboldt das Taschenbuch »Faszinierende Wissenschaften«, das ich auch schon als Belegexemplar vorliegen habe, selbst aber noch nicht lesen konnte. Verfaßt wurde es von Götz Roderer, mir persönlich natürlich auch bekannt. Im Untertitel verspricht das Buch aber »Die spannendsten Neuigkeiten aus der Welt der Forschung«.
Was das mit mir zu tun hat? Von mir stammt das Vorwort - ich interessiere mich für Wissenschaft und Forschung und fand das Konzept des Buches sowie die Textauszüge echt faszinierend. Zudem kenne ich den Autor ebenso wie den Verlagsleiter. Na also ... Jetzt bin ich also auch noch Vorwort-Autor für ein Forschungs-Werk.
Auf diese Weise hat sich also ein kleiner Kreis geschlossen ...
02 September 2008
Perlen, Hunde und Hyänen
Wie man auf die Idee kommen kann, auf eine Sammlung von Kurzgeschichten den Untertitel »Erzählungen« zu bappen, wird mir wohl nie einleuchten. Der EDFC hat auf jeden Fall einen Band mit kurzen und sehr kurzen Geschichten der Autorin Cornelia Schneider herausgebracht, ist auch schon gut zwei Jahre her – aber über die Untertitelei muß ich mich immer noch ein wenig wundern.
Ich finde viele der Texte in »Von Perlen und Hunden« sehr gelungen; sie sind phantastisch im positiven Sinn, und sie bringen das Gehirn gewissermaßen zum »Schwingen«. Die Lektüre der Texte macht richtig Spaß, und das nicht nur deshalb, weil die Autorin aus Karlsruhe kommt und zeitweise Hausbesetzerin in Berlin war.
Auf den 140 Seiten gibt es halbseitige Texte, die sprachlich begeistern, sowie kleine Miniaturen und Kurzgeschichten von zwei bis drei Seiten. Alles in allem eine sehr bunte Sammlung, die unterhaltsam ist und wirklich Spaß macht.
Die Präsentation dürfte das Problem sein. Erschienen ist das Ding in der »Belletristischen Reihe« des EDFC, sprich als Ausgabe 194 des Fanzines FANTASIA (in einer sehr frühen Nummer war ich auch mal vertreten ...). Dank einer ISBN (978-3-932621-86-4) hat das Buch aber keinen Fanzine-, sondern seriösen Buch-Charakter.
Ob es außerhalb des EDFC allerdings jemals jemand zu Gesicht bekommen wird, ist fraglich. Und zugleich schade – denn für acht Euro ist die Story-Sammlung auf jeden Fall ihr Geld wert.
Ich finde viele der Texte in »Von Perlen und Hunden« sehr gelungen; sie sind phantastisch im positiven Sinn, und sie bringen das Gehirn gewissermaßen zum »Schwingen«. Die Lektüre der Texte macht richtig Spaß, und das nicht nur deshalb, weil die Autorin aus Karlsruhe kommt und zeitweise Hausbesetzerin in Berlin war.
Auf den 140 Seiten gibt es halbseitige Texte, die sprachlich begeistern, sowie kleine Miniaturen und Kurzgeschichten von zwei bis drei Seiten. Alles in allem eine sehr bunte Sammlung, die unterhaltsam ist und wirklich Spaß macht.
Die Präsentation dürfte das Problem sein. Erschienen ist das Ding in der »Belletristischen Reihe« des EDFC, sprich als Ausgabe 194 des Fanzines FANTASIA (in einer sehr frühen Nummer war ich auch mal vertreten ...). Dank einer ISBN (978-3-932621-86-4) hat das Buch aber keinen Fanzine-, sondern seriösen Buch-Charakter.
Ob es außerhalb des EDFC allerdings jemals jemand zu Gesicht bekommen wird, ist fraglich. Und zugleich schade – denn für acht Euro ist die Story-Sammlung auf jeden Fall ihr Geld wert.
Frecher Gürtel
Geht man einmal in ein Modegeschäft, um sich ein neues Kleidungsstück zu kaufen, erlebt man auch prompt desaströses. In meinem Fall war's die Tatsache, daß ich schlicht einen neuen Hosengürtel benötige; die alten zerfransen so langsam alle. Kein Wunder, wenn die alle über zehn Jahre alt sind und vor allem preiswert im Ankauf waren ...
Und so stand ich im Fachgeschäft und ließ mir einen Hosengürtel nach dem anderen zeigen. Viele hatten überladene, großkotzige Gürtelschnallen, die – hätte ich sie bei jemand anderen gesehen – sofort die Assoziation auslösten, hier wolle jemand einen kleinen Pimmel durch eine große Schnalle überpinseln. Also kamen sie nicht in Frage.
Dann gab es haufenweise Gürtel mit allerlei Muster oder irgendwelchen Löchern, die völlig sinnfrei in das Leder gestanzt worden waren. »Schauen Sie«, sagte die Verkäuferin, die langsam an meinem Unwillen verzweifelte, irgendwas Modisches zu kaufen, »dieser Gürtel, der hat so Karomuster, das sieht doch richtig frech aus.«
Ich guckte den Gürtel an, dann sie: Sie war Ende 30 oder Anfang 40, und sie hatte ihre kurzen blondierten Haaren zu einer Frisur aufgestellt, die man vor zehn oder fünfzehn Jahren noch hätte als »punkig« bezeichnen können; dazu kamen »flippige« Ohrringe. Ich war mir spontan sicher, daß die Dame ihr eigenes Outfit als »frech« bezeichnet hätte.
Frustriert gab ich irgendwann auf. Es gab anscheinend keinen halbwegs ordentlichen Gürtel in diesem Fachgeschäft: einfach nur schwarz und schlicht und ohne irgendwelchen Schnickschnack.
Ich war verzweifelt: War ich dazu verdonnert, »freche« Kleidungsstücke zu tragen, die ich auch vor zwanzig Jahren nicht mit der Beißzange angefaßt hätte, zu einer Zeit also, in der ich womöglich auch nach den Maßstäben einer Modefachgeschäfts-Verkäuferin »frech« ausgesehen hätte?
Einen neuen Gürtel habe ich bis heute nicht gekauft. Trage ich halt die alten Dinger weiter.
Und so stand ich im Fachgeschäft und ließ mir einen Hosengürtel nach dem anderen zeigen. Viele hatten überladene, großkotzige Gürtelschnallen, die – hätte ich sie bei jemand anderen gesehen – sofort die Assoziation auslösten, hier wolle jemand einen kleinen Pimmel durch eine große Schnalle überpinseln. Also kamen sie nicht in Frage.
Dann gab es haufenweise Gürtel mit allerlei Muster oder irgendwelchen Löchern, die völlig sinnfrei in das Leder gestanzt worden waren. »Schauen Sie«, sagte die Verkäuferin, die langsam an meinem Unwillen verzweifelte, irgendwas Modisches zu kaufen, »dieser Gürtel, der hat so Karomuster, das sieht doch richtig frech aus.«
Ich guckte den Gürtel an, dann sie: Sie war Ende 30 oder Anfang 40, und sie hatte ihre kurzen blondierten Haaren zu einer Frisur aufgestellt, die man vor zehn oder fünfzehn Jahren noch hätte als »punkig« bezeichnen können; dazu kamen »flippige« Ohrringe. Ich war mir spontan sicher, daß die Dame ihr eigenes Outfit als »frech« bezeichnet hätte.
Frustriert gab ich irgendwann auf. Es gab anscheinend keinen halbwegs ordentlichen Gürtel in diesem Fachgeschäft: einfach nur schwarz und schlicht und ohne irgendwelchen Schnickschnack.
Ich war verzweifelt: War ich dazu verdonnert, »freche« Kleidungsstücke zu tragen, die ich auch vor zwanzig Jahren nicht mit der Beißzange angefaßt hätte, zu einer Zeit also, in der ich womöglich auch nach den Maßstäben einer Modefachgeschäfts-Verkäuferin »frech« ausgesehen hätte?
Einen neuen Gürtel habe ich bis heute nicht gekauft. Trage ich halt die alten Dinger weiter.
01 September 2008
Froher Mix aus Schweden
Es war der fünfte Sonntag im Monat - das heißt, daß dann ausnahmsweise ich wieder dran bin, eine Radiosendung zu fahren: im freien Radio Querfunk in Karlsruhe und dort im ENPUNKT-Radio. Gestern abend nahm ich mir das skandinavische Land Schweden als Thema, nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal.
Es gab wütenden Anarcho-Punk von Svart Snö und Protestera, fröhlichen Pop-Punk von Psychotic Youth und Streetpunk von den Bombshell Rocks. Für die Freunde des finsteren Krachs gab es noch die Doughnuts, und mit Far Apart sollte die Emo-Fraktion auf ihre Kosten gekommen sein.
Ziemlich schepperig dann noch das Chuck Norris Experiment, und fertig war die sehr bunte Punk-Hardcore-Mischung an diesem Abend. Ich saß im Studio und schwitzte mir einen ab - das lag aber weniger an meiner stressigen Moderation als an der Tatsache, daß im Studio eine feuchtschwül-kühle Luft herrschte, die ich als gruselig empfand.
Es gab wütenden Anarcho-Punk von Svart Snö und Protestera, fröhlichen Pop-Punk von Psychotic Youth und Streetpunk von den Bombshell Rocks. Für die Freunde des finsteren Krachs gab es noch die Doughnuts, und mit Far Apart sollte die Emo-Fraktion auf ihre Kosten gekommen sein.
Ziemlich schepperig dann noch das Chuck Norris Experiment, und fertig war die sehr bunte Punk-Hardcore-Mischung an diesem Abend. Ich saß im Studio und schwitzte mir einen ab - das lag aber weniger an meiner stressigen Moderation als an der Tatsache, daß im Studio eine feuchtschwül-kühle Luft herrschte, die ich als gruselig empfand.
30 August 2008
Und noch'n Gedicht
Mal wieder ein Text zur Dokumentation: ein Text, den ich früher großkotzig als Gedicht bezeichnet habe und der aus dem Januar 1980 stammt. Nachlesen könnt ihr den in der Kommentar-Sparte – und bevor jetzt alle schallend lachen, möchte ich vorsichtig darauf hinweisen, daß damals der eine oder andere »Erwachsene« mindestens genau so schlimmen Quatsch verzapfte.
Der Text stammt aus meiner ganz frühen »Gedichts-Phase« zu stammen, als ich noch versuchte, Science-Fiction-Themen in moderne Lyrik zu packen. Und ich war damals dann gerade mal 16 Jahre alt. Da verzeihe ich dem Jungautor doch einiges ...
Auf dem Original steht handschriftlich an den Rand gekritzelt: »FUTURA 2«. Ganz unten ist ein Stempel der »Interessenvereinigung für Science Fiction«; dazu kommt eine handschriftliche Notiz ohne Unterschrift: »Da Du gesagt hast, Du brauchtest die Rezi nicht zurück, hier nur das Gedicht.« Von wem die Notiz ist, lässt sich leider nicht mehr herausfinden – es ist insgesamt davon auszugehen, dass »Frage« im Frühjahr 1980 im IVSF-Fanzine »Futura 2« publiziert wurde.
Den Zeilenfall und die Satzstellung habe ich gelassen; offensichtliche Schreibfehler habe ich verbessert, die alte Rechtschreibung blieb natürlich. Skurril finde ich so was auf jeden Fall.
Der Text stammt aus meiner ganz frühen »Gedichts-Phase« zu stammen, als ich noch versuchte, Science-Fiction-Themen in moderne Lyrik zu packen. Und ich war damals dann gerade mal 16 Jahre alt. Da verzeihe ich dem Jungautor doch einiges ...
Auf dem Original steht handschriftlich an den Rand gekritzelt: »FUTURA 2«. Ganz unten ist ein Stempel der »Interessenvereinigung für Science Fiction«; dazu kommt eine handschriftliche Notiz ohne Unterschrift: »Da Du gesagt hast, Du brauchtest die Rezi nicht zurück, hier nur das Gedicht.« Von wem die Notiz ist, lässt sich leider nicht mehr herausfinden – es ist insgesamt davon auszugehen, dass »Frage« im Frühjahr 1980 im IVSF-Fanzine »Futura 2« publiziert wurde.
Den Zeilenfall und die Satzstellung habe ich gelassen; offensichtliche Schreibfehler habe ich verbessert, die alte Rechtschreibung blieb natürlich. Skurril finde ich so was auf jeden Fall.
29 August 2008
Chaostage im Rückblick
Kira Schamania trägt natürlich nicht ernsthaft diesen Namen; sie nennt sich aber auf ihrer Homepage und auf ihren Büchern so, also lasse ich es. Die Frau, Jahrgang 1981, beschäftigt sich mit allerlei Esoterik, war aber auch mal Punk – und 1995 war sie 14 Jahre alt.
Damals tobten die sogenannten Chaostage in Hannover, und ihr erster Roman thematisiert genau das: »Wir kommen wieder, keine Frage! Nächstes Jahr sind Chaos Tage!« heißt das Ding, sie selbst bezeichnet es als Comedy-Roman.
Erschienen ist der Roman als Book On Demand, sprich im Eigenverlag, was man auch merkt: Niemand hat sich die Mühe gemacht, das teilweise grausig schlechte Deutsch zu korrigieren. Dabei könnte die Geschichte einer dauernd besoffenen Punk-Clique, die bis zum tragischen Ende geht, durchaus spannend, unterhaltsam und auch witzig sein – wenn die Sprache nicht so gruselig, langweilig und abschreckend wäre.
Wobei die Autorin die Wirklichkeit ganz schön dehnt. Da wird auf Seite 81 aus dem niedersächischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder auf einmal der Innenminister, und da wird behauptet, das legendäre Fake-Flugblatt, das termingenau unter anderem die »Vergewaltigung von Polizistinnen« als Programmpunkt nannte, stamme von einer der Roman-Heldinnen. Nun denn ...
Ich habe mich ziemlich durch die Seiten gequält. Kira Schamania scheint auf anderen Chaustagen gewesen zu sein als ich. Wer sich für den ersten Punk-Roman interessiert, der sich mit diesem epochalen Ereignis beschäftigt, wird wohl auf ihrer Homepage oder direkt bei amazon.de bestellen müssen; für die Punk-Sammlung ist das 146 Seiten umfassende Buch auf jeden Fall was.
Damals tobten die sogenannten Chaostage in Hannover, und ihr erster Roman thematisiert genau das: »Wir kommen wieder, keine Frage! Nächstes Jahr sind Chaos Tage!« heißt das Ding, sie selbst bezeichnet es als Comedy-Roman.
Erschienen ist der Roman als Book On Demand, sprich im Eigenverlag, was man auch merkt: Niemand hat sich die Mühe gemacht, das teilweise grausig schlechte Deutsch zu korrigieren. Dabei könnte die Geschichte einer dauernd besoffenen Punk-Clique, die bis zum tragischen Ende geht, durchaus spannend, unterhaltsam und auch witzig sein – wenn die Sprache nicht so gruselig, langweilig und abschreckend wäre.
Wobei die Autorin die Wirklichkeit ganz schön dehnt. Da wird auf Seite 81 aus dem niedersächischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder auf einmal der Innenminister, und da wird behauptet, das legendäre Fake-Flugblatt, das termingenau unter anderem die »Vergewaltigung von Polizistinnen« als Programmpunkt nannte, stamme von einer der Roman-Heldinnen. Nun denn ...
Ich habe mich ziemlich durch die Seiten gequält. Kira Schamania scheint auf anderen Chaustagen gewesen zu sein als ich. Wer sich für den ersten Punk-Roman interessiert, der sich mit diesem epochalen Ereignis beschäftigt, wird wohl auf ihrer Homepage oder direkt bei amazon.de bestellen müssen; für die Punk-Sammlung ist das 146 Seiten umfassende Buch auf jeden Fall was.
28 August 2008
Der wahre Goratschin
Als ich in jungen Jahren mit der Lektüre einer ganz bestimmten Heftromanserie begann, faszinierte mich die Figur des Iwan Goratschin sehr: ein Wesen mit zwei Köpfen, das monströs wirkte und über fürchterliche Mutantengaben verfügte. Das war was für einen Teenager, der mit seinem eigenen Leben ebenfalls nicht so recht klar kam.
Gestern und heute waren die Medien voll mit einem »Human Touch«-Thema: Ein Säugling mit zwei Köpfen wurde in Bangladesch geboren und ist mittlerweile auch schon wieder gestorben.
Ich frage mich da völlig ernsthaft, ob dieses Schicksal für das Kind nicht besser war: Als Mensch mit zwei Köpfen wäre es zeit seines Lebens den starken Anfeindungen seiner Mitmenschen ausgeliefert gewesen, wäre beschimpft und schikaniert worden - egal in welcher Gesellschaft es gelebt hätte.
Das wahre Leben ist eher selten wie ein Heftroman ...
Gestern und heute waren die Medien voll mit einem »Human Touch«-Thema: Ein Säugling mit zwei Köpfen wurde in Bangladesch geboren und ist mittlerweile auch schon wieder gestorben.
Ich frage mich da völlig ernsthaft, ob dieses Schicksal für das Kind nicht besser war: Als Mensch mit zwei Köpfen wäre es zeit seines Lebens den starken Anfeindungen seiner Mitmenschen ausgeliefert gewesen, wäre beschimpft und schikaniert worden - egal in welcher Gesellschaft es gelebt hätte.
Das wahre Leben ist eher selten wie ein Heftroman ...
27 August 2008
Fünf CDs und ein dicker Bildband
Ich weiß nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal The Jam hörte; es muß in den späten 70er Jahren gewesen sein. Seither mag ich die Band, die nie so richtig Punkrock spielte, aber irgendwie immer dazu gehörte. Eigentlich machten die drei nicht gerade hübschen Burschen aus England Pop-Musik, die ein bißchen flotter klang; unsereins steckte die aber immer in die Punk-Ecke.
Sei's drum: Stücke wie »In The City« oder »A Bomb In Wardour Street« sind Klassiker für die Ewigkeit. Und das hat mir tatsächlich ein sogenanntes Ear Book noch mal klargemacht: ein schicker Bildband von Edel (einem Verlag, mit dem ich ein wenig zusammenarbeite), der fünf CDs mit allen nur erdenklichen Stücken der Band enthält.
Titel des Bildbandes ist »Direction, Reaction, Creation«, geschrieben ist er in englischer Sprache, und er enthält haufenweise Bilder – teils absurde, teils coole. Live-Fotos ebenso wie gestellte Studio-Fotos, alles in allem eine bunte Mischung.
So richtig preiswert ist der Spaß sicher nicht. Ein Buch in derartig fettem Großformat mit entsprechend viel Musik kostet seinen Preis. Ich fand's trotzdem klasse: ein schönes Bilderbuch zum Blättern und klasse Musik zum Hören. Coole Scheiße.
Sei's drum: Stücke wie »In The City« oder »A Bomb In Wardour Street« sind Klassiker für die Ewigkeit. Und das hat mir tatsächlich ein sogenanntes Ear Book noch mal klargemacht: ein schicker Bildband von Edel (einem Verlag, mit dem ich ein wenig zusammenarbeite), der fünf CDs mit allen nur erdenklichen Stücken der Band enthält.
Titel des Bildbandes ist »Direction, Reaction, Creation«, geschrieben ist er in englischer Sprache, und er enthält haufenweise Bilder – teils absurde, teils coole. Live-Fotos ebenso wie gestellte Studio-Fotos, alles in allem eine bunte Mischung.
So richtig preiswert ist der Spaß sicher nicht. Ein Buch in derartig fettem Großformat mit entsprechend viel Musik kostet seinen Preis. Ich fand's trotzdem klasse: ein schönes Bilderbuch zum Blättern und klasse Musik zum Hören. Coole Scheiße.
26 August 2008
Serien-Junkie
Bedenkt man, daß ich erst 1998 meinen ersten Fernseher hatte und davor mein Leben mit einem durchschnittlichen Fernsehkonsum von zehn bis zwanzig Stunden pro Jahr gestaltete (inklusive Nachrichten, exklusive Fußball-Länderspiele, ähm), bin ich ganz schön runtergekommen: Ich gucke nämlich gern eine ganz bestimmte Fernsehserie, und fast ebenso gern gucke ich eine zweite Fernsehserie.
Bei der einen bin ich sogar ganz auf der »sicheren Seite«, gehöre also komplett zum bundesrepublikanischen Mainstream: Ich schaue mir gern »Dr. House« an, die Serie über den anstrengenden, aber genialen Arzt Dr. Gregory House, der allerlei obskure Fälle zu lösen hat. Damit bin ich in sehr guter Gesellschaft: Die Serie erreicht gigantische Einschaltquoten, und das sogar während der Zeit, als sie »nur« Wiederholungen zeigte - die ich mir natürlich alle anguckte.
Seit dem heutigen Dienstag, 26. August, gibt es neue Folgen. Der Herr Doktor sitzt ohne eigene Mannschaft da und muß gucken, wie er sich durchschlägt; er spielt Erpressungsspielchen mit seinem Kollegen und Freund Dr. Wilson und guckt der Krankenhaus-Chefin in den Ausschnitt. Alles wie gehabt, auch die popkulturellen Bezüge passen.
Brillant finde ich nach wie vor den Aufbau der Geschichten, die Dialoge, die zwei Stories, die pro Folge mindestens erzählt werden. Ich bin eigentlich immer begeistert und baff zugleich: So möchte man erzählen können - das ist wirklich hohe Kunst.
Die andere Serie, die ich gern anschaue, kommt übrigens gleich danach. Das ist »Monk«, die Serie über den Detektiv aus San Francisco, der komplett neurotisch und gleichzeitig genial ist. Das ganze wird schräger gebracht als »Dr. House«, ist nach meinen Begriffen aber auch ziemlich klasse.
Ich fürchte, ich habe mich zum Fernseh-Junkie evolutioniert ...
Bei der einen bin ich sogar ganz auf der »sicheren Seite«, gehöre also komplett zum bundesrepublikanischen Mainstream: Ich schaue mir gern »Dr. House« an, die Serie über den anstrengenden, aber genialen Arzt Dr. Gregory House, der allerlei obskure Fälle zu lösen hat. Damit bin ich in sehr guter Gesellschaft: Die Serie erreicht gigantische Einschaltquoten, und das sogar während der Zeit, als sie »nur« Wiederholungen zeigte - die ich mir natürlich alle anguckte.
Seit dem heutigen Dienstag, 26. August, gibt es neue Folgen. Der Herr Doktor sitzt ohne eigene Mannschaft da und muß gucken, wie er sich durchschlägt; er spielt Erpressungsspielchen mit seinem Kollegen und Freund Dr. Wilson und guckt der Krankenhaus-Chefin in den Ausschnitt. Alles wie gehabt, auch die popkulturellen Bezüge passen.
Brillant finde ich nach wie vor den Aufbau der Geschichten, die Dialoge, die zwei Stories, die pro Folge mindestens erzählt werden. Ich bin eigentlich immer begeistert und baff zugleich: So möchte man erzählen können - das ist wirklich hohe Kunst.
Die andere Serie, die ich gern anschaue, kommt übrigens gleich danach. Das ist »Monk«, die Serie über den Detektiv aus San Francisco, der komplett neurotisch und gleichzeitig genial ist. Das ganze wird schräger gebracht als »Dr. House«, ist nach meinen Begriffen aber auch ziemlich klasse.
Ich fürchte, ich habe mich zum Fernseh-Junkie evolutioniert ...
25 August 2008
Tiefsinnige Literatur
Mancherorts scheint man zu glauben, ich hätte Ahnung von Literatur, nur weil ich in einem Verlag arbeite und so viel Bücher lese. Normalerweise entgegne ich dann immer, daß ich mich eh »nur für Trivialliteratur« interessiere - was im übrigen ja so falsch eh nicht ist.
Aber diese Frage war doch gut. Eine Bekannte sollte ein Geschenk bekommen. Sie lese gern, »aber nicht so Krimis und so Zeugs«, sondern eher »tiefsinnige Bücher«. Da war ich dann doch überrascht.
Was stellt man sich denn so als junge Frau heutzutage unter »tiefsinnigen Büchern« vor? Liebesschnulzen von Cecilia Ahern vielleicht? Historienschmachtfetzen ohne jeglichen seriösen Hintergrund?
Oder doch eher sogenannte anspruchsvolle Literatur wie die preisgekrönte »Mittagsfrau« (das ich im übrigen für unlesbaren Quark halte, aber ich bin ja auch nicht Juror des Deutschen Bücherpreises oder wie das heißt)? Meint sie damit Lyrik-Bände? Oder Klassiker aus der Manesse-Bibliothek? Oder eben doch esoterischen Kram, in dem es um träumende Delphine und andere Dinge geht, die ein gewisser Typ von Leserin offensichtlich »berührend« findet?
Vielleicht will ich's gar nicht wissen. Ich hab' heute die Lektüre eines klassischen Krimis von Raymond Chandler beendet. Von dem Mann kann ich alles lesen - und ich kann die Lektüre alle fünf bis zehn Jahre wiederholen. Mag sein, daß es nicht »tiefgehend« ist. Aber Chandler konnte schreiben, und sein schmales Werk haut mich immer noch um.
Aber diese Frage war doch gut. Eine Bekannte sollte ein Geschenk bekommen. Sie lese gern, »aber nicht so Krimis und so Zeugs«, sondern eher »tiefsinnige Bücher«. Da war ich dann doch überrascht.
Was stellt man sich denn so als junge Frau heutzutage unter »tiefsinnigen Büchern« vor? Liebesschnulzen von Cecilia Ahern vielleicht? Historienschmachtfetzen ohne jeglichen seriösen Hintergrund?
Oder doch eher sogenannte anspruchsvolle Literatur wie die preisgekrönte »Mittagsfrau« (das ich im übrigen für unlesbaren Quark halte, aber ich bin ja auch nicht Juror des Deutschen Bücherpreises oder wie das heißt)? Meint sie damit Lyrik-Bände? Oder Klassiker aus der Manesse-Bibliothek? Oder eben doch esoterischen Kram, in dem es um träumende Delphine und andere Dinge geht, die ein gewisser Typ von Leserin offensichtlich »berührend« findet?
Vielleicht will ich's gar nicht wissen. Ich hab' heute die Lektüre eines klassischen Krimis von Raymond Chandler beendet. Von dem Mann kann ich alles lesen - und ich kann die Lektüre alle fünf bis zehn Jahre wiederholen. Mag sein, daß es nicht »tiefgehend« ist. Aber Chandler konnte schreiben, und sein schmales Werk haut mich immer noch um.
24 August 2008
Dunkle und strahlende Ritter
Hölle und Teufel! – der neue »Batman«-Film ist der Hammer. Wir waren am Wochenende drin, und wir waren völlig begeistert. Da ist nichts mehr übrig von den schrullig-schrillen Verfilmungen der Comic-Serie, die man vielleicht noch im Kopf hat, nichts von der schrägen Präsenz Jack Nicholsons als übertrieben durchgeknallter Joker.
Der Schwarze Ritter kämpft in »The Dark Knight« gegen den Joker, während sich Staatsanwalt Harvey Dent als »strahlender Ritter« und der Polizist Jim Gordon dafür einsetzen, daß die Gesetze sauber eingehalten werden. Natürlich müssen alle scheitern, natürlich kommt es zu einem finsteren Finale, und ebenso natürlich geht auf dem Weg dahin haufenweise Zeugs kaputt.
Autos werden gleich im Dutzend geschrottet, ein Lastwagen überschlägt sich in der Innenstadt von Gotham City, und ein riesiges Krankenhaus wird in die Luft gejagt: Wer Special Effects mag, kommt bei diesem Film gleich mehrfach auf seine Kosten.
Das ist aber nicht alles, und Spezialeffekte allein würden mich rasch langweilen. Was diesen Film auszeichnet, ist die Tatsache, daß die Charaktere funktionieren, daß er für eine Superhelden-Verfilmung unglaublich differenziert daherkommt und daß er letztlich eine Parabel auf Moral und Selbstjustiz ist.
Man mag anderer Meinung sein, aber es wird Nachdenkenswertes gesagt und auch entsprechend gehandelt. Man kann »The Dark Knight« aber einfach nur als knallharten Action-Film anschauen, wie ich es tat, und kann sich dabei wunderbar unterhalten.
Der Schwarze Ritter kämpft in »The Dark Knight« gegen den Joker, während sich Staatsanwalt Harvey Dent als »strahlender Ritter« und der Polizist Jim Gordon dafür einsetzen, daß die Gesetze sauber eingehalten werden. Natürlich müssen alle scheitern, natürlich kommt es zu einem finsteren Finale, und ebenso natürlich geht auf dem Weg dahin haufenweise Zeugs kaputt.
Autos werden gleich im Dutzend geschrottet, ein Lastwagen überschlägt sich in der Innenstadt von Gotham City, und ein riesiges Krankenhaus wird in die Luft gejagt: Wer Special Effects mag, kommt bei diesem Film gleich mehrfach auf seine Kosten.
Das ist aber nicht alles, und Spezialeffekte allein würden mich rasch langweilen. Was diesen Film auszeichnet, ist die Tatsache, daß die Charaktere funktionieren, daß er für eine Superhelden-Verfilmung unglaublich differenziert daherkommt und daß er letztlich eine Parabel auf Moral und Selbstjustiz ist.
Man mag anderer Meinung sein, aber es wird Nachdenkenswertes gesagt und auch entsprechend gehandelt. Man kann »The Dark Knight« aber einfach nur als knallharten Action-Film anschauen, wie ich es tat, und kann sich dabei wunderbar unterhalten.
22 August 2008
Modische Punk-Moden
Daß man bei Hardcore-Konzerten neuerdings brav klatscht, anstelle laut zu johlen und zu rufen, fiel mir in den letzten Jahren verstärkt auf, und darüber habe ich in diesem Blog auch schon gelegentlich gelästert. Aber Hardcore ist ohnehin eine andere Sache: Da stehen bei manchen Konzerten so viele Leute mit Digitalkameras und Fotoapparaten in der ersten Reihe, das eh niemand mehr Raum zum Tanzen hätte ...
Der Unfug greift immer mehr um sich: Da springt, wie am Mittwoch abend gesehen, der Sänger einer Band aus New York auf und ab, und das Publikum bemüht sich, gleichzeitig mit ihm zu springen. Was soll denn das bitte?
Noch besser: Da ist eine Irokesen-Punk-Band aus Boston unterwegs, und der Sänger fordert das Publikum auf, einen Cirle Pit zu bilden. Die Leute tun's und fangen an, im Kreis herumzurennen. Was soll denn das bitte?
Nichts gegen Hüpfen, nichts gegen Circle Pits. Aber doch bitteschön nicht auf Befehl und Anleitung durch den Sänger. Was soll denn bitteschön an einem solchen Verhalten noch Punk oder »unangepaßt« sein? Das ist eine Reihung von Rock-Klischees mit Stars auf der Bühne und Volk im Publikum, das tut, was die Stars wollen.
Überhaupt die Circle Pits: Die kannte unsereins aus Filmen über die amerikanische Szene, durchaus auch vom Hörensagen. Aber ich fand's schon immer geiler, daß alles durcheinander ging, daß irgendwann mal der Mob zu einer einzigen schwitzenden Masse verschmolz, daß man sprang und schrie, hüpfte und tobte – und nicht alle in einer Richtung im Kreis herum rennen.
Dieser Quatsch ist neu, den gab es bis vor zwei, drei Jahren noch nicht. Muß man eigentlich heutzutage, wenn man Punkrocker ist, nicht nur die neuesten T-Shirts, Platten und Aufnäher für die korrekt sitzende Nietenjacke haben, sondern auch noch die aktuellen Modetänze aus den USA mitmachen? Schon seltsam ...
Der Unfug greift immer mehr um sich: Da springt, wie am Mittwoch abend gesehen, der Sänger einer Band aus New York auf und ab, und das Publikum bemüht sich, gleichzeitig mit ihm zu springen. Was soll denn das bitte?
Noch besser: Da ist eine Irokesen-Punk-Band aus Boston unterwegs, und der Sänger fordert das Publikum auf, einen Cirle Pit zu bilden. Die Leute tun's und fangen an, im Kreis herumzurennen. Was soll denn das bitte?
Nichts gegen Hüpfen, nichts gegen Circle Pits. Aber doch bitteschön nicht auf Befehl und Anleitung durch den Sänger. Was soll denn bitteschön an einem solchen Verhalten noch Punk oder »unangepaßt« sein? Das ist eine Reihung von Rock-Klischees mit Stars auf der Bühne und Volk im Publikum, das tut, was die Stars wollen.
Überhaupt die Circle Pits: Die kannte unsereins aus Filmen über die amerikanische Szene, durchaus auch vom Hörensagen. Aber ich fand's schon immer geiler, daß alles durcheinander ging, daß irgendwann mal der Mob zu einer einzigen schwitzenden Masse verschmolz, daß man sprang und schrie, hüpfte und tobte – und nicht alle in einer Richtung im Kreis herum rennen.
Dieser Quatsch ist neu, den gab es bis vor zwei, drei Jahren noch nicht. Muß man eigentlich heutzutage, wenn man Punkrocker ist, nicht nur die neuesten T-Shirts, Platten und Aufnäher für die korrekt sitzende Nietenjacke haben, sondern auch noch die aktuellen Modetänze aus den USA mitmachen? Schon seltsam ...
21 August 2008
Punk-Attacke im Keller-Club
Es gab eine Zeit, da kannte ich mich in Stuttgart gut aus, wußte den Weg zu allen möglichen Veranstaltungsorten und hatte vor allem das Gefühl, sehr viele Menschen auf Konzerten zu kennen. Wie lange die 80er Jahre her sind, merkte ich so richtig deutlich, als ich am Mittwoch, 20. August, mit Ulf durch die Stuttgarter Innenstadt ging und den »Keller-Club« suchte.
Der erwies sich als ziemlich klasse wirkender Veranstaltungsraum im Keller – daher der Name! – und das auch noch mitten in der Stadt; wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, war ich ganz in der Nähe, quasi um die Ecke, anno 1981 in der »Alten Mausefalle«. Der »Keller-Club« ist vor allem deshalb so klasse, weil man die Chance hat, auf einer Art Empore vielleicht einen Meter oberhalb der Pogo-Fläche zu stehen. Für ältere Menschen wie mich eine sehr angenehme Möglichkeit, weit vorne zu stehen und die Brille aufzubehalten ...
Wir hatten die zwei Vorgruppen eh verpaßt und kamen gerade rechtzeitig, um die erste der zwei Ami-Bands zu sehen: The Unseen rotzten eine derartige Punk-Breitseite runter, daß es mir die Sprache verschlug. Die Amis orientieren sich in punkto Outfit und Sound am metallischen Teil des britischen 82er-Styles; wer eine Hausnummer mag, notiere sich »G.B.H. mit doppelter Geschwindigkeit« oder meinetwegen auch »Broken Bones auf 45« - damit kommt man hin.
Dem textsicheren Publikum gefiel's, der Pogo war geil und ruppig und komplett frauenfrei. (Ich könnte ja jetzt den Begriff »Macho-Pogo« benutzen, wüßte ich nicht, wie ich selbst früher gepogt habe.) Und The Unseen finde ich nach diesem Abend jetzt wirklich sehr gut: Das war ein volles Brett, räudig und punkig und ohne Umschweife.
Danach Leftöver Crack aus New York, die ich auf Platte genial finde, die aber live eine Schwäche hatten: den besoffenen Sänger. Heute finde ich das eben nicht mehr so lustig wie früher, als beispielsweise der Tarnfarbe-Sänger von der Bühne flog – mittlerweile empfinde ich Mitleid mit einem Mann, der sich öffentlich mit einer Flasche Whisky zulötet.
Musikalisch finde ich die Mischung aus politischen Texten, Ska und Hardcore immer noch beeindrucken; die Band ist eine der wenigen, auf die ich heute das Etikett »genial« kleben würde, in gewisser Weise die legitimen Nachfolger der False Prophets, die ja auch aus New York kamen. Das schon nicht mehr so zahlreich vertretene Publikum ging begeistert mit, gegen Ende mit immer mehr jungen Frauen in der ersten Reihe.
Um's kurz zu machen: ein genialer Punkrock-Abend. Um drei Uhr nachts war ich daheim – und ich hatte das Gefühl, der Ausflug nach Stuttgart habe sich mal wieder gelohnt. Einen Bericht vom Konzert inklusive eines Youtube-Filmchens gibt es übrigens im Skui-Blog.
Der erwies sich als ziemlich klasse wirkender Veranstaltungsraum im Keller – daher der Name! – und das auch noch mitten in der Stadt; wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, war ich ganz in der Nähe, quasi um die Ecke, anno 1981 in der »Alten Mausefalle«. Der »Keller-Club« ist vor allem deshalb so klasse, weil man die Chance hat, auf einer Art Empore vielleicht einen Meter oberhalb der Pogo-Fläche zu stehen. Für ältere Menschen wie mich eine sehr angenehme Möglichkeit, weit vorne zu stehen und die Brille aufzubehalten ...
Wir hatten die zwei Vorgruppen eh verpaßt und kamen gerade rechtzeitig, um die erste der zwei Ami-Bands zu sehen: The Unseen rotzten eine derartige Punk-Breitseite runter, daß es mir die Sprache verschlug. Die Amis orientieren sich in punkto Outfit und Sound am metallischen Teil des britischen 82er-Styles; wer eine Hausnummer mag, notiere sich »G.B.H. mit doppelter Geschwindigkeit« oder meinetwegen auch »Broken Bones auf 45« - damit kommt man hin.
Dem textsicheren Publikum gefiel's, der Pogo war geil und ruppig und komplett frauenfrei. (Ich könnte ja jetzt den Begriff »Macho-Pogo« benutzen, wüßte ich nicht, wie ich selbst früher gepogt habe.) Und The Unseen finde ich nach diesem Abend jetzt wirklich sehr gut: Das war ein volles Brett, räudig und punkig und ohne Umschweife.
Danach Leftöver Crack aus New York, die ich auf Platte genial finde, die aber live eine Schwäche hatten: den besoffenen Sänger. Heute finde ich das eben nicht mehr so lustig wie früher, als beispielsweise der Tarnfarbe-Sänger von der Bühne flog – mittlerweile empfinde ich Mitleid mit einem Mann, der sich öffentlich mit einer Flasche Whisky zulötet.
Musikalisch finde ich die Mischung aus politischen Texten, Ska und Hardcore immer noch beeindrucken; die Band ist eine der wenigen, auf die ich heute das Etikett »genial« kleben würde, in gewisser Weise die legitimen Nachfolger der False Prophets, die ja auch aus New York kamen. Das schon nicht mehr so zahlreich vertretene Publikum ging begeistert mit, gegen Ende mit immer mehr jungen Frauen in der ersten Reihe.
Um's kurz zu machen: ein genialer Punkrock-Abend. Um drei Uhr nachts war ich daheim – und ich hatte das Gefühl, der Ausflug nach Stuttgart habe sich mal wieder gelohnt. Einen Bericht vom Konzert inklusive eines Youtube-Filmchens gibt es übrigens im Skui-Blog.
19 August 2008
Echte Fans
»Fans sind konservativ in dem Sinne, dass sie sich an das klammern, was sie kennen, und Veränderungen oft ablehnen.« Das schreibt der SPIEGEL-Autor Lars-Olav Beier in der aktuellen Ausgabe 34/2008 auf der Seite 135. Interessante These ...
Den Artikel muß ich jetzt sicher nicht in epischer Länge und Breite zitieren. Das fiele ja dann auch nicht mehr unter das Zitierrecht, sondern wäre eine Raubkopie. Und so wichtig ist er auch nicht, geht es doch vor allem darum, wie wichtig mittlerweile Fans in Hollywood sind, weil sie es tatsächlich schaffen, große Filmstudios von ihrem Fachwissen zu überzeugen.
Ich finde dann noch diesen Satz sehr wichtig: »Fans ... sind die Fundamentalisten der Popkultur, die wörtlich nehmen, was geschrieben steht, und nicht dulden, dass es von Andersgesinnten interpretiert wird.«
Irgendwie kommt mir diese Geisteshaltung bekannt vor, und damit meine ich jetzt nicht die Fans irgendwelcher Bands, die sich darüber empören, wenn die beliebte Kapelle irgendwann den Stil meldet. Irgendwie bin ich ja letztlich auch ein Fan, und ich kann's verstehen.
Den Artikel muß ich jetzt sicher nicht in epischer Länge und Breite zitieren. Das fiele ja dann auch nicht mehr unter das Zitierrecht, sondern wäre eine Raubkopie. Und so wichtig ist er auch nicht, geht es doch vor allem darum, wie wichtig mittlerweile Fans in Hollywood sind, weil sie es tatsächlich schaffen, große Filmstudios von ihrem Fachwissen zu überzeugen.
Ich finde dann noch diesen Satz sehr wichtig: »Fans ... sind die Fundamentalisten der Popkultur, die wörtlich nehmen, was geschrieben steht, und nicht dulden, dass es von Andersgesinnten interpretiert wird.«
Irgendwie kommt mir diese Geisteshaltung bekannt vor, und damit meine ich jetzt nicht die Fans irgendwelcher Bands, die sich darüber empören, wenn die beliebte Kapelle irgendwann den Stil meldet. Irgendwie bin ich ja letztlich auch ein Fan, und ich kann's verstehen.
18 August 2008
Rotziger Frauenpunk aus Berlin
Bei meinem letzten Aufenthalt in der Hauptstadt habe ich die Band ja glatt verpaßt, was mich ärgerte. Mittlerweile ärgert es mich noch mehr: Die erste EP der Band The Statt Matratzen knallt richtig gut rein, begeistert mich geradezu, und die Band will ich unbedingt mal live sehen.
Vier Frauen, die unter Pseudonymen auftreten, machen Punk, der meinetwegen ein wenig an Hans-A-Plast erinnert, aber eigenständig genug ist und nicht altmodisch riecht. Die Texte sind konsumkritisch und ironisch; die Gestaltung der EP und ihres Beiblatts ist von Comics beeinflußt.
Fünf Stücke sind auf der EP, die mir allesamt gefallen; auch auf der Myspace-Seite der Band gibt es einiges anzuhören. Wer Bock auf rasanten Punkrock hat, sollte sich die Scheibe nicht entgehen lassen!
Vier Frauen, die unter Pseudonymen auftreten, machen Punk, der meinetwegen ein wenig an Hans-A-Plast erinnert, aber eigenständig genug ist und nicht altmodisch riecht. Die Texte sind konsumkritisch und ironisch; die Gestaltung der EP und ihres Beiblatts ist von Comics beeinflußt.
Fünf Stücke sind auf der EP, die mir allesamt gefallen; auch auf der Myspace-Seite der Band gibt es einiges anzuhören. Wer Bock auf rasanten Punkrock hat, sollte sich die Scheibe nicht entgehen lassen!
17 August 2008
Szene auf dem Platz des Volkes
Glaubt man allen möglichen Reiseführern, so ist die Piazza del Popolo, also der Platz des Volkes, eine der wichtigsten Örtlichkeiten der Stadt Rom. Ich glaubte das sofort, als ich da war, und man mußte mir nicht einmal erzählen, daß Goethe durch das Stadttor an dieser Stelle in die Heilige Stadt gekommen war. Obwohl: Was Goethe recht ist, kann mir ja nur ...
Wir saßen an diesem späten Nachmittag auf den Stufen eines großen Kirchengebäues, genossen es, daß die schlimmste Tageshitze langsam wich, und ich nutzte die Chance, mir ein wenig die römische Jugend-Szene anzuschauen. An diesem Platz nämlich sah ich endlich auch mal so etwas wie alternative Jugendliche und nicht die übliche Mischung aus Touristen aus Deutschland (die sich darüber freuten, einen McDonald's zu finden) oder normal aussehenden Italienern.
Hinter uns machte sich eine Gruppe von Skinheads breit. Sie sahen alle recht brav aus, unterhielten sich locker und verhielten sich friedlich. Mich irritierten die weißen Schnürsenkel in den hohen Stiefeln und der coole Blick, mit dem sie die Jugendlichen betrachteten, die über den Platz schlenderten - das sah nicht freundlich aus.
Die Jugendlichen, meist zwischen 14 und 19 Jahre alt wirkend, stammten aus allen möglichen Jugendkulturen - oder sie bedienten sich aus unterschiedlichem Jugendkultur-Fundus. Punkige Stiefel und Tätowierungen zu Gruftie-T-Shirts; emo-mäßiger Kajal und schwarz gefärbter Seitenscheitel zu Metal-Shirts. Mir kam es vor, als sei eine Szenen-Disco in der Nähe.
Es sah interessant aus, und wir veranstalteten ein kleines Rätselraten, wer denn nun den zu welcher Jugendkultur gehörte. Aber das war nicht so einfach ... Die Jugend von heute ist nicht mehr so festgefahren wie unsereins in den 80er Jahren - oder zumindest auf diesem Platz in Rom schien man sich nicht sonderlich um solche Details zu kümmern.
Wir saßen an diesem späten Nachmittag auf den Stufen eines großen Kirchengebäues, genossen es, daß die schlimmste Tageshitze langsam wich, und ich nutzte die Chance, mir ein wenig die römische Jugend-Szene anzuschauen. An diesem Platz nämlich sah ich endlich auch mal so etwas wie alternative Jugendliche und nicht die übliche Mischung aus Touristen aus Deutschland (die sich darüber freuten, einen McDonald's zu finden) oder normal aussehenden Italienern.
Hinter uns machte sich eine Gruppe von Skinheads breit. Sie sahen alle recht brav aus, unterhielten sich locker und verhielten sich friedlich. Mich irritierten die weißen Schnürsenkel in den hohen Stiefeln und der coole Blick, mit dem sie die Jugendlichen betrachteten, die über den Platz schlenderten - das sah nicht freundlich aus.
Die Jugendlichen, meist zwischen 14 und 19 Jahre alt wirkend, stammten aus allen möglichen Jugendkulturen - oder sie bedienten sich aus unterschiedlichem Jugendkultur-Fundus. Punkige Stiefel und Tätowierungen zu Gruftie-T-Shirts; emo-mäßiger Kajal und schwarz gefärbter Seitenscheitel zu Metal-Shirts. Mir kam es vor, als sei eine Szenen-Disco in der Nähe.
Es sah interessant aus, und wir veranstalteten ein kleines Rätselraten, wer denn nun den zu welcher Jugendkultur gehörte. Aber das war nicht so einfach ... Die Jugend von heute ist nicht mehr so festgefahren wie unsereins in den 80er Jahren - oder zumindest auf diesem Platz in Rom schien man sich nicht sonderlich um solche Details zu kümmern.
15 August 2008
Ludwigshafen im Januar
Auch in der aktuellen OX-Ausgabe wird der Fortsetzungsroman mit Peter Meißner alias Peter Pank fortgesetzt. Im mittlerweile fünfzehnten Teil von »Und: Hardcore!« geht es immer noch um das Klanghaus-Festival in Ludwigshafen am Rhein, wo im Januar 1987 allerlei Punkrock- und Hardcore-Bands aus Deutschland auftreten.
Thema der Folge ist das erste Spermbirds-Konzert, das der junge Held angucken darf. Er ist auch prompt gebührend beeindruckt und freut sich wie ein kleines Kind. Zwischendurch gibt es pseudo-historische Geschichten um die frühen Auseinandersetzungen zwischen »Nietendeppen« und »Stirnbandwichsern«, die heute keinem Menschen mehr etwas sagen, die aber in der zweiten Hälfte der 80er Jahre tatsächlich den einen oder anderen beschäftigten ...
Wie viele Folgen mit Herrn Meißner es noch geben wird, weiß ich nicht. Aber die Halbzeit dürfte ich noch nicht erreicht haben. Mehr dann im neuen OX, und das gibt's im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder auch bei allen möglichen Versendern.
Thema der Folge ist das erste Spermbirds-Konzert, das der junge Held angucken darf. Er ist auch prompt gebührend beeindruckt und freut sich wie ein kleines Kind. Zwischendurch gibt es pseudo-historische Geschichten um die frühen Auseinandersetzungen zwischen »Nietendeppen« und »Stirnbandwichsern«, die heute keinem Menschen mehr etwas sagen, die aber in der zweiten Hälfte der 80er Jahre tatsächlich den einen oder anderen beschäftigten ...
Wie viele Folgen mit Herrn Meißner es noch geben wird, weiß ich nicht. Aber die Halbzeit dürfte ich noch nicht erreicht haben. Mehr dann im neuen OX, und das gibt's im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder auch bei allen möglichen Versendern.
14 August 2008
Jazz-Konzert vor alter Villa
Es ist schon wieder fast zwei Wochen her: Am Samstag abend, 2. August, gingen wir auf das italienische Jazz-Festival in der Villa Celimontana. Die muss man nicht unbedingt kennen, wenn man noch nie in Rom war – wir taten's ja auch nicht. Aber ich bin sicher, daß ich den schönen Abend nie vergessen werde.
Die Villa Celimontana liegt, wie der Name schon andeutet, auf dem Celio-Hügel, der einige hundert Meter unweit des Colosseums und des Forum Romanum beginnt; mitten im klassischen Viertel der italienischen Hauptstadt also. Die Villa selbst sieht aus, als sei sie irgendwann im 17. Jahrhundert erbaut worden, und liegt in einem wunderschönen Park mit großen Bäumen.
An diesem Samstag abend war das alles beleuchtet; die Bäume wurden von unten angestrahlt, was ihnen in Verbindung mit den überall herumstehenden alten Gebäuden ein beeindruckendes Aussehen verlieh. Das Jazz-Festival selbst fand in einer Art Arena statt: Die Bands spielten auf einer Bühne, das Publikum saß auf Rängen.
Wir fanden einen kleinen Tisch mit Barhockern, ein bißchen weiter hinten, bestellten eine Flasche Wein und ließen alles auf uns zukommen. Den Preis von neun Euro pro Nase hätte ich ja glatt schon für das Areal und die Stimmung bezahlt ...
Die Haupt-Band gehörte nach den Plakaten zu den bekannteren Kapellen Italiens: vier Männer, die sehr gefälligen Jazz spielten, Kontrabass und Schlagzeug, Gitarre und diverse Saxophone. Das war nicht sehr aufgeregt und kam beim – im übrigens sehr gut gekleideten – Publikum bestens an; immer wieder wurde fleißig applaudiert. Auch mir gefiel das, es paßte alles.
Im Verlauf des schwülwarmen Abends zogen Wolken auf, die buchstäblich durch die Baumwipfel zogen, Nebelschwaden und feine Wolkenschleier also, die von den Lampen angestrahlt wurden. Mein Weinglas wurde feucht, meine Haut fühlte sich schmierig an, eine ganz seltsame Stimmung, und dann verschwanden die Wolken wieder, und der Himmel zeigte sich von seiner schönsten Stern-Seite.
Danach gab es noch eine Newcomer-Band, die eine Mischung aus Jazz und Rock-Musik spielte. Gar nicht mal schlecht, aber für den Geschmack des Publikums wohl zu rockig. Wir mußten eh verschwinden, weil wir noch eilen mußten, um die letzte Metro zu bekommen.
Rom ist schon klasse, und das Jazz-Festival ist auch für jemanden ein Erlebnis, der keine Ahnung von Jazz-Musik hat ...
Die Villa Celimontana liegt, wie der Name schon andeutet, auf dem Celio-Hügel, der einige hundert Meter unweit des Colosseums und des Forum Romanum beginnt; mitten im klassischen Viertel der italienischen Hauptstadt also. Die Villa selbst sieht aus, als sei sie irgendwann im 17. Jahrhundert erbaut worden, und liegt in einem wunderschönen Park mit großen Bäumen.
An diesem Samstag abend war das alles beleuchtet; die Bäume wurden von unten angestrahlt, was ihnen in Verbindung mit den überall herumstehenden alten Gebäuden ein beeindruckendes Aussehen verlieh. Das Jazz-Festival selbst fand in einer Art Arena statt: Die Bands spielten auf einer Bühne, das Publikum saß auf Rängen.
Wir fanden einen kleinen Tisch mit Barhockern, ein bißchen weiter hinten, bestellten eine Flasche Wein und ließen alles auf uns zukommen. Den Preis von neun Euro pro Nase hätte ich ja glatt schon für das Areal und die Stimmung bezahlt ...
Die Haupt-Band gehörte nach den Plakaten zu den bekannteren Kapellen Italiens: vier Männer, die sehr gefälligen Jazz spielten, Kontrabass und Schlagzeug, Gitarre und diverse Saxophone. Das war nicht sehr aufgeregt und kam beim – im übrigens sehr gut gekleideten – Publikum bestens an; immer wieder wurde fleißig applaudiert. Auch mir gefiel das, es paßte alles.
Im Verlauf des schwülwarmen Abends zogen Wolken auf, die buchstäblich durch die Baumwipfel zogen, Nebelschwaden und feine Wolkenschleier also, die von den Lampen angestrahlt wurden. Mein Weinglas wurde feucht, meine Haut fühlte sich schmierig an, eine ganz seltsame Stimmung, und dann verschwanden die Wolken wieder, und der Himmel zeigte sich von seiner schönsten Stern-Seite.
Danach gab es noch eine Newcomer-Band, die eine Mischung aus Jazz und Rock-Musik spielte. Gar nicht mal schlecht, aber für den Geschmack des Publikums wohl zu rockig. Wir mußten eh verschwinden, weil wir noch eilen mußten, um die letzte Metro zu bekommen.
Rom ist schon klasse, und das Jazz-Festival ist auch für jemanden ein Erlebnis, der keine Ahnung von Jazz-Musik hat ...
13 August 2008
Touristen-Party
Wer nach Rom fährt, hat den Trevi-Brunnen zu besuchen; das ist ein Naturgesetz seit Äonen. Und wer das ganze mit ein bißchen Muße betreibt, hat dabei auch noch einigen Spaß. Dann stellt man sich nämlich an den oberen Brunnenrand und guckt mal vom bequemen Schattenplatz aus den anderen Touristen zu.
Der Brunnen selbst ist eindrucksvoll; die Architektur ist toll, das gesamte Ensemble überzeugt tatsächlich. Wenn die Sonne fast senkrecht auf den Marmor strahlt, meint man fast, die Tiere und Menschen fingen an, sich zu bewegen.
Das einzige, was sich bewegt, sind die Hände der Touristen: Arm hoch, Münze werfen, fotografiert werden.
Und natürlich taten wir das ebenfalls: Angeblich ist das nicht erlaubt, angeblich streßt die Polizei deshalb herum, aber davon bekam ich nichts mit. Lustig war es, und die paar hundert Meter von der Metro-Station zu dem Brunnen sollte man tatsächlich zurücklegen.
Abonnieren
Posts (Atom)