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18 Mai 2026

Die dritte Staffel ist ein Film

Ich habe leider den Roman »Good Omens« von Terry Pratchett und Neil Gaiman nie gelesen. Die Fernsehserie, die auf Basis dieses Romans entstanden ist, fand ich aber großartig; man kann sie bei Prime anschauen, vielleicht auch auf anderen Streamingkanälen.

Weil diese Serie – die dann zur ersten Staffel wurde – so erfolgreich war, drehte man bald eine zweite Staffel. Die basiert dann nicht mehr auf dem Roman, die Grundzüge und das Drehbuch stammten trotzdem von Neil Gaiman. Der sarkastische Humor und die Anspielungen auf christliche Grundlagen blieben also.

Dann wurde eine dritte Staffel angekündigt, die dieser Tage anfing. Wie es sich herausstellte, gibt es diese dritte Staffel nicht: Wegen der Konflikte um Neil Gaiman – konkret: die Vorwürfe wegen sexuellem »Fehlverhalten«, um es zurückhaltend zu formulieren – entschloss man sich dazu, diese Staffel zu einem eineinhalbstündigen Film umzubauen und so die Serie abzuschließen.

Mein Eindruck ist: Das ist teilweise gelungen, teilweise nicht.

Immerhin taucht in der dritten Staffel Jesus auf, der zur Erde gelangt, sich in London mit einem Kleinkriminellen anfreundet und damit anfängt, Pizza an die Menschen zu verteilen. Wie das mit Jesus weitergeht, wäre sicher interessant zu sehen gewesen – dieser Handlungsstrang fällt leider völlig flach.

Immerhin wird die Geschichte um den Dämon und den Engel, die eigentlichen Hauptfiguren der Serie, zu einem konsequenten Ende gebracht. Satan und Gott spielen eine wichtige Rolle, und am Ende wird ein Buchladen in London zu dem Ort, an dem sich das Schicksal des Universums erfüllt.

Wie immer bei dieser Serie: Man kann sie auf zwei Wegen anschauen. Wer mag, kann sich auf die pointierten Dialoge und den Humor konzentrieren, und kommt damit auf seine Kosten. Wer mag, kann sich aber auch über philosophische Diskussionen über den freien Willen und dergleichen freuen – das ist in diesem Film gewissermaßen die Quintessenz.

Sagen wir so: Wer die ersten zwei Staffeln von »Good Omens« nicht gesehen hat, kann mit diesem Film wohl nicht viel anfangen. Ich fand ihn gelungen – ein schöner Abschluss, wenngleich nicht genial. Aber das kann man bei diesen Umständen ja auch nicht erwarten.

01 April 2026

Unerwarteter Sturm

Wir standen im Eingangsbereich eines ganz speziellen Fachgeschäftes. Ich selbst wusste gar nicht, was wir eigentlich kaufen wollten, aber wir mussten ohnehin warten. Mit einem anderen Paar standen wir in einer Halle; vor uns führte eine Treppe nach unten, wo sie an einer schlichten Tür mit Milchglasscheibe endete.

Ein großer kräftiger Mann mit dickem schwarzen Schnauzbart, gekleidet in einen langen Mantel in beiger Farbe, bildete eine Art Bollwerk für die Treppe und den Eingang, an ihm kam niemand vorbei. Er wirkte nicht unfreundlich, wenngleich er keine Miene verzog, aber es war eindeutig, dass er nicht weichen würde.

Meine Begleiterin bummelte ein wenig herum, während ich unsere Position in der Warteschlange hielt. Auf einmal eilte sie zu mir; wir seien völlig falsch und müssten zu einem anderen Geschäft. Hektisch verließen wir die Halle und begaben uns auf die Straße.

Dort herrschte ein starker Wind. Bäume bogen sich, dicke Tropfen prasselten auf uns herunter. Weil vor uns ein Bus hielt, sprangen wir rasch hinein und fuhren mit ihm durch die Fußgängerzone. 

Der Wind wurde stärker und wuchs sich zu einem Sturm aus. Einzelne Böen schleuderten Leute zu Boden, die Bäume rechts und links der Straße wurden schwer geschüttelt, der Himmel war pechschwarz.

Da hielt der Busfahrer an, öffnete seine Türen und machte eine Durchsage. Er könne nicht weiterfahren, es sei zu gefährlich, und wir sollten aussteigen. Die Leute im Bus protestierten, aber er blieb stur.

Noch während ich überlegte, was ich tun sollte, wachte ich auf.

02 März 2026

Ein mächtiger Gegner in Kanada

Kanada ist ein großes Land, das ich noch nicht bereist habe, über das ich seit Jahren aber immer wieder gerne lese. Da kommt mir eine Fernsehserie gerade recht, die in Kanada spielt, die als Thriller daherkommt und die unterm Strich ganz schön »Öko« ist. Ich meine »Ein mächtiger Gegner«, einen Sechsteiler, den man sich bei ARTE in der Mediathek anschauen kann und den ich hiermit empfehlen möchte.

Es geht um Lithium, das in der kanadischen Provinz Québec gefördert werden soll. Eine engagierte Anwältin soll für die Kanzlei, in der sie tätig ist, das entsprechende Geschäft abwickeln; es geht um richtig viel Geld. Doch auf einmal wird sie in einen Mordfall verwickelt, der auf den ersten Blick nichts mit ihrer Arbeit zu tun hat. Als sie anfängt, allerlei Fragen zu stellen, wird schnell klar, wie eng die Interessen der Wirtschaft mit denen der Politik verbunden sind.

Die Serie ist geradlinig erzählt, die Figuren handeln zumeist recht glaubwürdig, das ist alles gut gefilmt und gemacht. Der Wandel der Anwältin und ihres Partners geht mir ein wenig zu schnell, aber das ist Geschmackssache.

Was mir gut gefiel: Die Serie macht klar, dass nicht alles schwarzweiß ist. Das Lithium wird benötigt, wenn man die Energiewende gelingen soll – aber kann man dafür die Natur in einer großen Region einer kanadischen Provinz vernichten?

Eine spannende Serie, die starke Bilder von kanadischen Wäldern zeigt und einem klarmacht, dass eine solche Natur nicht zerstört werden darf!

03 November 2025

Drei Superheldinnen für Paris

Für einige Tage schien es für die Medien in Deutschland kaum ein anderes Thema zu geben: In den Louvre in Paris war eingebrochen worden, zudem auf eine besonders dreiste Art und Weise, und die Einbrecher hatten es geschafft, echte Wertsachen mitzunehmen. Wer die Fernsehserie »Cat’s Eyes« kennt, die unter anderem in Paris spielt, konnte sich darüber nicht wundern: Die drei Hauptfiguren sind ständig damit beschäftigt, irgendwelche Einbrüche zu begehen …

Tatsächlich ist die Serie, deren erste Staffel immer noch in der ZDF-Mediathek anzuschauen ist, sehr unterhaltsam, wenngleich nicht unbedingt hochgeistig. Aber das brauche ich echt nicht ständig; manchmal gefällt es mir einfach, eine spannende Geschichte zu sehen, in der drei junge Frauen auf dem Eiffelturm, im Louvre, in Versailles, in einem Schloss auf dem Land und in einem Ausflugsboot unterwegs sind. Es geht um Kunstdiebstahl und ihren Vater, der angeblich tot ist, aber offensichtlich in mysteriöse Machenschaften verwickelt war.

Die acht Folgen sind allesamt gut gemacht; kein Wunder, dass bereits an einer zweiten Staffel gedreht wird. Man darf nicht immer nach der Handlungslogik fragen; ich saß einige Male vor dem Fernseher und sagte verblüfft, »wo haben sie denn das jetzt her?« oder »seit wann können die das?« – aber solche Fragen stellt man sich ja auch nicht, wenn man irgendwelche Marvel- oder DC-Filme anguckt. Sobald man die drei coolen Frauen bei »Cat’s Eyes« als Superheldinnen betrachtet, wird alles ein bisschen einfacher …

Ernsthaft: Die Serie bietet kunterbunte Unterhaltung. Das ist Zeiten, in denen die Nachrichten von Zynikern der Macht beherrscht werden, nicht das Dümmste.

22 September 2025

Science Fiction oder Lovestory?

Wenn ein Film einen Titel wie »Zum Mars oder zu dir?« trägt, muss ich ihn unbedingt anschauen. Auch wenn mir durch die inhaltlichen Hinweise klarwurde, dass es sich um eine Liebeskomödie und nicht um einen Science-Fiction-Film handeln würde ... Er steht derzeit bei einem Streamingdienst zur Verfügung, dort guckte ich ihn mir am Wochenende an.

In den USA wurde der Film 2022 produziert. In Deutschland kam er 2024 in den Handel, dann aber nur als DVD, nicht im Kino. Er ist also recht aktuell, wirkt aber durch einen Umstand, als sei er aus der Zeit gefallen: Mehrmals wird auf den Klimawandel hingewiesen und auf die Tatsache, dass die Menschen den Planeten zerstören – all das sind Aussagen, die heutzutage als »links« oder »woke« oder sonstwie gefährlich gelten dürften.

Die Hauptperson ist ein junger Mann, der davon träumt, zum Mars zu fliegen. Er weiß, dass es eine Reise ohne Wiederkehr ist: Er soll zum Mars reisen, dort im Auftrag eines privaten Unternehmens die erste Marskolonie aufbauen, und am Ende irgendwann auf dem Mars sterben. Als er eine junge Frau kennenlernt, die ihn vom ersten Moment an bezaubert, sprich, in einen stammelnden Idioten verwandelt, ändert sich langsam sein Denken.

Seien wir ehrlich: Die Liebesgeschichte ist sehr vorhersehbar, was aber nicht stört. Die beiden junge Leute geben ein schönes Paar ab, und in Zeiten wie diesen muss man sich ja schon freuen, dass es ein »gemischtrassiges« Paar ist oder wie immer der politisch unkorrekte Fachausdruck dafür lautet.

Schön ist die Mars-Idee, an die der junge Held glaubt. Sie ist nicht blöd, sie klingt ein wenig utopisch, aber ich kann seinen Traum gut nachvollziehen. In jungen Jahren träumte ich schließlich selbst oft davon, mit einem Raumschiff durchs All zu gondeln. (Eher mit der SOL oder der MARCO POLO, aber das ist ein anderes Thema …)

Stark sind die familiären Konflikte. Die Eltern züchten Blumen, man wohnt irgendwo in Rhode Island, und es gibt ein Thema, über das niemand spricht: der viel zu frühe Tod des allseits beliebten Bruders. Hinter der harmlosen Liebesgeschichte gibt es also den einen oder anderen Abgrund.

Seien wir ganz ehrlich: »Zum Mars oder zu dir?« ist ein ausgesprochen netter Film, den man sich angucken kann, der nicht langweilt und einige richtig gelungene Szenen enthält. Ich mochte ihn.

14 März 2025

Douglas wird gecancelt

Ich muss an dieser Stelle unbedingt eine vierteilige Fernsehserie empfehlen, die derzeit bei ARTE in der Mediathek zu sehen ist: »Douglas Was Cancelled« kann man als Satire bezeichnen, ist streckenwese durchaus witzig, hat aber einen fiesen Unterton und behandelt unterm Strich ein wichtiges und ernsthaftes Thema. Ich betrachte die Serie als eine Mediensatire, aber eine von der Sorte, bei der einem das Lachen immer wieder im Hals stecken bleibt.

Hauptperson ist Douglas, ein erfolgreicher Fernseh-Moderator. Weil er bei einer Party angeblich einen sexistischen Witz erzählt hat, beginnt eine Kampagne über Twitter gegen ihn, die immer seltsamere Züge annimmt. Langsam erst wird klar, was wirklich hinter allem steckt. Alles steuert auf einen Höhepunkt hin, der dann aber sehr folgerichtig erscheint.

Die Serie greift die Themen »me too« und »cancel culture« auf, über die sich in den vergangenen Jahren viele Leute echauffiert haben. Aus unterschiedlichen Gründen … Macht und Medien werden thematisiert, vor allem aber Machtgefälle und Manipulation.

Wenn man es genau nimmt, geht es um fünf Personen und ihr Verhältnis zueinander, dazu kommen drei, vier Neben-Charaktere, die ebenfalls stark in Szene gesetzt werden. Douglas ist ein »alter weißer Mann«, der ein wenig onkelhaft wirkt. Seine Ehefrau ist Chefin einer Boulevard-Zeitung, die weiß, wie der Medienzirkus funktioniert. Seine Tochter ist eine junge Feministin. Seine Co-Moderatorin ist jung und attraktiv und selbstbewusst. Sein Produzent ist ebenfalls weißhaarig und erfolgreich.

Die Figuren stecken in einem spannenden Beziehungsgeflecht, das sich Stück für Stück entblättert. Ich fand das sehr glaubwürdig geschildert und toll gespielt – unbedingt ansehen!

12 Januar 2024

Zwischen Spitzbergen und Belgien

Weil mich die Szenerie interessierte, sah ich mir spontan die erste Folge der Miniserie »Die Saat« in der Mediathek der ARD an. Diese Dreiviertelstunde gefiel mir so gut, dass ich mir danach zügig alle sechs Folgen anschaute – für eine Serie, die eben Fernsehunterhaltung bietet, ist das gut gemacht und hat mich über die ganze Länge gefesselt.

»Die Saat« spielt auf der Inselgruppe Spitzbergen, in belgischen Städten wie Brüssel und Ostende und auch ein wenig in München. Vordergründig geht es um einen jungen Mann, der verschwunden ist; in Wirklichkeit aber steht im Hintergrund, wie man die wachsende Weltbevölkerung ernähren und Hungerkatastrophen verhindern kann. Das klingt jetzt ein wenig kompliziert, wird in den sechs Teilen aber sauber erzählt. (Das ist keine anspruchsvolle Serie, sondern ein Krimi fürs Fernsehen; da darf es nicht zu kompliziert sein.)

Der junge Mann hat sich als Reporter in Eigenregie für Saatgut und seine Entwicklung interessiert. Sein Ziel ist, die Machenschaften eines multinationalen Konzerns aufzudecken. Dabei kommt er mächtigen Leuten in die Quere. Und als er verschwindet, mischt sich ein deutscher Polizist ein.

Fasst man die Handlung so zusammen, klingt das ja ein wenig schlicht, ist aber spannend gemacht. Die Rolle des muffeligen und schlecht gelaunten Polizisten aus Deutschland wird von Heino Ferch verkörpert, der das sehr gut rüberbringt. Auch die anderen Rollen in den unterschiedlichen Ländern fand ich gut besetzt; nicht alle glaubhaft, aber trotzdem in sich stimmig. Es wird viel geforscht und gesprochen, Action gibt es nur selten; ab und zu wird gerannt, und sehr selten fällt ein Schuss.

Dass man »Die Saat« mit dem Untertitel »Tödliche Macht« versehen hat, der nicht aussagt, aber halt irgendwie spannend klingt, ist eigentlich schlapp. Die Miniserie hat so etwas nicht verdient. Sie bietet spannende Unterhaltung – und wer mag, kann sich hinterher noch Gedanken über das übergeordnete Thema machen. Die Miniserie kann also durchaus den einen oder anderen Denkanstoß bieten.

Was erwarte ich mehr von Fernsehunterhaltung?

25 September 2023

Mord auf Seite eins

Derzeit kann man sich bei ARTE im Streaming-Portal die britische Serie »Mord auf Seite eins« anschauen. Ich kannte sie noch nicht, obwohl sie schon 2003 entstand und vor vielen Jahren erstmals im deutschsprachigen Fernsehen gezeigt wurde. Aber ich fand die sechs Teile sehr spannend und empfehle sie jederzeit weiter.

Dabei ist die Serie mittlerweile ganz schön anachronistisch: Die Zeitung, um die es geht, entsteht ganz klassisch »auf Papier«. Zwar sitzen die Journalisten vor Computern, und sie benutzen Handys – aber der Höhepunkt ist die gedruckte Zeitung. Das könnte man heute nicht mehr in dieser Art und Weise erzählen.

In der heutigen Zeit ginge es um »online first« und die Anbindung an die Sozialen Medien. Die mediale Hetzjagd auf den Politiker, die vor allem am Anfang im Zentrum steht, fiele anders aus. Und man würde anders kommunizieren: mit der Bevölkerung wie mit der Polizei.

Die zentrale Frage aber ist: Wäre eine Zeitung – ob digital oder gedruckt – heute überhaupt noch in der Lage, ein komplettes Team von Journalisten auf einen derartigen Skandal anzusetzen? Immerhin legt man sich in einem solchen Fall mit der »großen Politik« an und pinkelt der Ölindustrie ans Bein – und die haben alle die größeren Truppen an Rechtsanwälten, die sie ins Gefecht führen können.

Und da macht eine Serie wie »Mord auf Seite eins« heute eben klar, wie wichtig unabhängiger Journalismus ist, trotz aller Schwächen, die diese Serie ja auch zeigt. In Zeiten von Fake-News und Populisten ist eine unabhängige Presse, die frei ermittelt – auch wenn einem die Ergebnisse nicht unbedingt passen – noch wichtiger als vor 20 oder 40 Jahren ...

11 August 2023

Achtet auf Karen Pirie!

Derzeit kann man sich in der Mediathek des ZDF einen Krimi-Dreiteiler anschauen, der es in sich hat und den ich unbedingt empfehlen möchte. Die Rede ist von »Karen Pirie«, was hierzulande von einem Untertitel ergänzt wird und somit »Karen Pirie – Echo einer Mordnacht« heißt. (Normalerweise lästere ich über so etwas ja gern. Hier hat’s einen Sinn, weil es sich um eine Romanverfilmung handelt.)

Die Serie besteht aus drei Teilen, jeder mit rund eineinhalb Stunden. Man kann die drei Teile mit Pausen dazwischen anschauen; ich fand sie aber so spannend, dass ich mich nach einem Teil immer zwingen musste, nicht gleich den nächsten anzuklicken. Dabei handelt es sich um einen »normalen« Fall und einen »normalen« Polizeikrimi, aber so erzählt, dass ich es mitreißend fand.

Karen Pirie ist eine junge Polizistin, die in Schottland Karriere machen will. Sie bekommt einen alten Fall zugeteilt, der ein Vierteljahrhundert zurückliegt. Damals wurde eine junge Frau ermordet, ein Täter konnte nie gefunden werden. Doch jetzt gibt es einen Podcast, und dessen Moderatorin greift den alten Fall auf. Die »oberste Etage« der Polizei fühlt sich von dem Podcast herausgefordert, also setzt man eine junge und unerfahrene Ermittlerin auf das Thema an, damit zumindest der Anschein vermittelt wird, man tue etwas …

Über den Inhalt muss ich nicht mehr erzählen; die Serie spricht für sich. Die Polizeiarbeit wird glaubhaft ermittelt. Die Beamten wälzen Akten, sie befragen Leute, sie wühlen in uralten Unterlagen. Und je tiefer sie graben, desto klarer wird, dass man vor 25 Jahren nicht sauber gearbeitet hat. Die junge Polizistin und ihr noch jüngerer Assistent kämpfen sich in die Untiefen des Falls, und das machen sie so zäh und energisch, dass es eine wahre Freude ist, ihnen dabei zuzuschauen.

Ernsthaft: Wer klassische Krimi-Unterhaltung mit Niveau mag, sollte »Karen Pirie« nicht verpassen!

21 Juli 2023

Deadloch ist cool

Die kleine Stadt Deadloch in Tasmanien ist ziemlich unauffällig. Dort passiert eigentlich nie etwas, die Polizeitruppe versieht ihren Dienst, und die Bürgermeisterin bereitet mit ihrem Team das sogenannte Winter Feastival vor. Doch dann liegt eine Leiche am Strand: Ein Mann ist ermordet worden.

Weil man der örtlichen Polizei nicht zutraut, einen Mordfall zu lösen, schickt man eine Ermittlerin zur Unterstützung. Die kommt aus Darwin, also von der anderen Seite Australiens, redet nur in gröbsten Sprüchen und hat ihre Probleme mit den gemütlichen Leuten in Deadloch. (Streng genommen wollte man sie in Darwin eh loswerden.)

Kein Wunder, dass es zu Konflikten kommt – vor allem, als klar wird, dass es nicht nur eine Leiche gibt, sondern dass man es mit einer Mordserie zu tun hat. Die Opfer sind allesamt weiße Männer.

»Deadloch« ist eine aus acht Teilen bestehende Krimi-Serie, die man bei Prime anschauen kann und die ich absolut empfehlen möchte. Die Serie glänzt durch ihren groben, sehr schwarzen Humor, ist aber ernsthaft erzählt; man hat es also nicht mit Geblödel zu tun, sondern durchaus ernsthafter Mordermittlung, die allerdings mit unfassbar coolen und rotzigen Dialogen verbunden ist.

Spannend sind die Hauptfiguren: Dabei handelt es sich um drei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein können. Überhaupt wird die Serie von den Frauenfiguren geprägt; halb Deadloch scheint aus lesbischen Paaren zu bestehen, und es gibt einen Konflikt mit Männern, die sich von den Frauen geradezu unterdrückt fühlen. Wer möchte, kann die Serie sicher als feministisches Statement verstehen oder sie in die queere Ecke stellen.

Man kann sie aber einfach als gelungene Unterhaltung betrachten. Starke Charaktere, eine sich über acht Folgen steigernde Spannung und rasante Dialoge prägen diese Serie, die ich großartig fand. (Auch wenn sie am Ende auserzählt ist, hätte ich nichts dagegen, noch einmal von der kleinen Stadt Deadloch und ihren Polizistinnen zu sehen und zu hören ...)

07 Juli 2023

The Dry – empfehlenswert!

Wie fühlt es sich an, eine »trockene« Alkoholikerin in einer Gesellschaft zu sein, in der permanent alkoholische Getränke konsumiert werden? Das ist wohl die grundlegende Frage hinter der irischen Fernsehserie »The Dry«, die hierzulande mit dem Untertitel »Sekt oder Selters« im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird. Ich habe sie in der Mediathek angesehen, fand sie richtig stark und möchte sie unbedingt empfehlen.

Die einzelnen Folgen sind nicht lang, sie sind leicht erzählt, auch wenn sie ein schwieriges Thema behandeln, und man kann sie echt flott anschauen. Gelegentlich kann man schmunzeln, häufig sitzt man aber da und denkt sich »Mädel, lass die Finger von dem Typen« und andere Dinge - die Identifikation mit der Hauptfigur funktioniert also.

Dabei handelt es sich um eine Frau, 35 Jahr alt, kinderlos und ohne Beziehung, die eigentlich als Künstlerin arbeiten will, in London quasi gescheitert ist und jetzt zur Familie nach Dublin zurück kommt. Die Ehe der Eltern – beide saufen ständig – ist praktisch gescheitert, der schwule Bruder ist ein wenig antriebslos, und die Schwester ist eine eiserne Karrierefrau. Und im Hintergrund schwebt wie so ein Schatten ein Bruder, den alle verherrlichen und der vor zehn Jahren auf mysteriöse Weise gestorben ist …

Der Blick in eine schräge Familie ist gelungen. Er ist intensiv, manchmal schmerzhaft, gelegentlich auch witzig. Schauspielerisch ist das alles sehr gut; auf unnötige Effekte wird ebenfalls verzichtet wie auf Tricks oder Action. »The Dry« ist einfach gut gemachte Unterhaltung mit Niveau – das sollte man gesehen haben!

23 April 2023

Es wurde immer langweiliger

Ich hatte in den vergangenen Wochen viel über die Verfilmung von »Der Schwarm« gelesen. Die meisten Kritiken waren negativ, sogar der Autor des Romans distanzierte sich von der acht Teile umfassenden Miniserie. Das machte mich alles erst recht neugierig. Den Roman hatte ich damals nicht gelesen, der Umfang hatte mich abgeschreckt.

Dieser Tage sah ich mir die erste Folge an. Ich war positiv überrascht. Die Aufnahmen der Forschungsstation im Norden Europas, die Szenen im Wasser und unter Wasser – das alles fand ich unterhaltsam und recht glaubhaft. Das war weit entfernt von dem, was ich in den Kritiken gelesen hatte. Also entschloss ich mich, die Serie komplett anzuschauen.

Auch die zweite Folge war noch ganz gut, danach ließ das Niveau nach. Weil ich wissen wollte, wie die Geschichte zu Ende geht, sah ich mir die Serie tatsächlich komplett an. Das war streckenweise echt anstrengend, und ich quälte mich sehr durch die Folgen.

Nach wie vor finde ich viele Szenen großartig: Wenn die Figuren unter Wasser sind oder wenn es zu Begegnungen mit der Natur kommt, bin ich nach wie vor davon angetan. Sonst aber wurde die Serie von Folge zu Folge langweiliger und zäher.

Gefühlt ein Drittel der Szenen bestehen daraus, dass die Figuren vor Monitoren sitzen und darauf starren. Ab und zu sagt jemand etwas, die meiste Zeit gucken sie betroffen oder sehen sich vielsagend in die Augen. Ein weiteres Drittel besteht aus zähem Beziehungsgerede. So etwas kann man gut erzählen, hier war es lahm bis zum Gehtnichtmehr.

Am Ende war ich gelangweilt und entsetzt. So kann man also viel Geld mit einer Fernsehserie vernichten. 

(Man kann Serie derzeit in der Mediathek des ZDF angucken. Da kann sich ja jeder ein Bild machen. In der Mediathek des ZDF befinden sich aber auch die ersten zwei Folgen der britischen Serie »Trigger Point«; da waren schon die ersten fünf Minuten in jeglicher Hinsicht besser als »Der Schwarm«.)

15 April 2023

Underdogs auf Frankreichs Straßen

Ich bin fast sicher, dass nicht jeder unbedingt verstehen wird, warum ich diese Fernsehserie so mag, aber … In der Mediathek des ZDF kann man die Serie »Derby Girl« ansehen – und ich habe beide Staffeln mit einem riesigen Vergnügen angeguckt.

Dabei bin ich mir sicher, dass ich einige Jahrzehnte über der angepeilten Zielgruppe bin und man auch ein anderes Geschlecht als Zielgruppe vor Augen hat. Erzählt wird nämlich die Geschichte einer Gruppe von jungen Frauen, die Roller Derby spielen wollen, alles andere als gut in diesem Sport sind und alles versuchen, um an ihr Ziel zu kommen.

Hauptfigur ist eine ehemalige Eiskunstläuferin, die eigentlich vom Leben frustriert ist und im Roller-Derby eine Chance sieht, dem Alltagstrott ihrer langweiligen Heimatstadt zu entfliehen. Sie ist kein unbedingt positiver Charakter: Sie lügt ihre Freundinnen an, wenn sie einen Vorteil darin sieht, sie trickst ihren Vater aus, sie ist wankelmütig in ihren Entscheidungen, und sie hat kein Problem damit, peinliche Auftritte hinzulegen.

Das alles legen die Macher der Serie aber mit viel Sinn für Eigenironie hin. Alle Heldinnen sind – wenn man es genau nimmt – Verlierertypen. Sie stecken in ihren Problemen und Lügen fest, sie kämpfen mehr mit sich selbst und ihren Gefühlen als mit ihrer Umwelt.

Das paart sich mit witzigen Dialogen, mit einer abwechslungsreichen Handlung und leider viel zu wenig Roller-Derby-Action. An solchen Stellen merkt man, dass es wohl schon eine sparsame Produktion war … Und natürlich darf man manche Szenen nicht ernst nehmen: Wenn in der zweiten Staffel die Gegensätze zwischen Staatsmacht und revoltierenden Jugendlichen in einer Schlacht vor dem Rathaus ausarten, ist die weit entfernt von handfesten sozialen Auseinandersetzungen.

Aber gut: Das hier ist Unterhaltung – und sie ist gut und temporeich. Ich habe mich gut amüsiert und empfehle die Serie sehr gern weiter.

15 November 2022

Tödliche und ein wenig lahme Klippen

Die Fernsehserie »Trom«, die den deutschen Untertitel »Tödliche Klippen« erhalten hat, besteht aus insgesamt sechs Folgen und wurde bei ARTE gezeigt. Der Sender hat die sechs Teile natürlich auch in seine Mediathek aufgenommen, wo man sie sich anschauen kann. Das habe ich mittlerweile getan.

Die Serie spielt auf den Färöer-Inseln, die eigentlich die Hauptfigur sind: Die Landschaft ist reizvoll, wenngleich sehr karg. Schroffe Klippen, sanfte Hügel mit saftigem Grün, kleine Ortschaften und nur wenige Menschen. Wenn in so einer Umgebung ein Mord passiert, ausgerechnet an einer Umweltaktivistin sorgt das für Aufregung.

Helden des Films sind ein Journalist, der erfährt, dass das Mordopfer seine Tochter ist, von der er noch nie zuvor gehört hat (um es sehr grob zusammenzufassen), eine Polizistin, die den Auftrag hat, das Verbrechen aufzuklären, und ein mächtiger Industrieller, der natürlich seine Probleme mit Aktivisten hat. Gut und Böse sind vordergründig gut verteilt, problematisch ist halt, dass man als Zuschauer zu den meist grauen Figuren kaum eine positive Beziehung aufbauen kann.

Erzählt wird eher ruhig, Action gibt es praktisch keine. Leute fahren mit dem Auto, es gibt durchaus kontroverse Gespräche, Verwicklungen werden deutlich, und am Ende ist auch klar, wer die junge Frau umgebracht hat. Aber dann endet die Staffel mit einem neuerlichen Cliffhanger, und es ist klar, dass man die Fortsetzung praktisch braucht.

Ich kann die Serie nur eingeschränkt empfehlen. Sie ist ernsthaft, die Figuren handeln nachvollziehbar, aber sie ist nicht sehr spannend, fast ein wenig lahm. Wenn man sich auf das sehr ruhige Erzähltempo einlässt, wird man mit starken Bildern und einer glaubhaften Handlung belohnt. Immerhin!

06 September 2022

Die zweite Staffel von »Guilt«

Eine Frau hat ein Problem: Ihr Mann konsumiert zu viel Kokain, und er scheint auch noch sein Geld zu verspielen. Ihre Probleme werden allerdings gleich viel größer, als nicht nur ihr Mann mit einer Kugel im Körper mausetot im Keller liegt, sondern daneben ein anderer Mann, den sie erschossen hat. In dieser Lage kann ihr nur einer helfen: ihr Vater, seines Zeichens ein Gangster, der große Teile der Geschäfte in Edinburgh kontrolliert …

Das ist der Ausgangspunkt für die zweite Staffel der Krimi-Fernsehserie »Guilt«. Die erste Staffel sah ich vor nicht allzulanger Zeit, als sie in der Mediathek bei ARTE zu finden war. Die zweite Staffel steht derzeit dort kostenlos zur Verfügung – frage mich keiner, zu welchen Zeiten man sie »live« im linearen Fernsehen und damit in der Glotze angucken kann.

Man braucht nicht unbedingt die Vorkenntnisse aus der ersten Staffel, um diese zweite Staffel zu kapieren. Schließlich kam ich auch ruckzuck in die Handlung rein, und ich besitze keinerlei dieser Vorkenntnisse mehr – nach der Zeit habe ich alles vergessen. Die Figuren und ihre Motivationen packen mich ja trotzdem gleich.

»Guilt« ist ungewöhnlich erzählt. Schnell wechseln die Szenen, der Humor ist sehr düster, Brutalität wird nur angedeutet. Auf spritzendes Blut und andere Sauereien wird verzichtet, die Serie setzt auf gute Dialoge und viele Andeutungen. Man muss als Zuschauer schon geistig dabei bleiben, sonst verliert man schnell den Anschluss.

Aber um es ganz klar zu sagen: »Guilt« packte mich bei der ersten Staffel schon, und die zweite fand ich auch großartig. Wer originelle Krimis und Fernsehunterhaltung mit Hirn mag, sollte mal einen Blick in die ARTE-Mediathek werfen …

06 Februar 2022

Dünnes Eis in Grönland

Manchmal werden Serien im Deutschen Fernsehen geradezu verheizt. So wurde die Serie »Thin Ice« – wen ich das richtig kapiert habe – an zwei Abenden in einem Regionalprogramm ausgestrahlt. Dabei wären ihr viele Zuschauer zu wünschen. Immerhin steht sie komplett in der Mediathek zur Verfügung, wo ich sie auch gesehen habe.

Bei der Serie handelt es sich um eine internationale Koproduktion: Schweden, Island und Frankreich haben zusammengearbeitet, und gedreht wurde vor Beginn der Pandemie. Die Handlung spielt zum allergrößten Teil auf Grönland, wobei es dort diverse Schauplätze gibt. Sie ist extrem vielschichtig.

Auffallend ist die starke politische Ausrichtung: Eine wichtige Figur ist die schwedische Außenministerin, die sich für den Klimaschutz stark macht und verhindern möchte, dass man weitere Ölquellen in der Arktis erschließt. Eine andere Figur ist die einer schwedischen Agentin, die hochschwanger ist und deren Mann auf einmal von Terroristen entführt wird. Das alles hängt zusammen … und während die Verhandlungen der Minister im Arktischen Rat laufen, werden einzelne Politiker erpresst.

Ebenso auffallend ist eine zweite Handlungsebene, in der es um Kolonialismus geht: Die Dänen sind für die Außenpolitik Grönlands verantwortlich, doch die eigentlichen Grönländer – die in der Serie meist ihre eigene Sprache benutzen, die dann untertitelt wird – wollen eine stärkere Unabhängigkeit und haben ihre eigene Agenda. Das schafft zusätzliche Spannungen.

Dazu kommen all die emotionalen Themen, die man in heutigen Serien immer stärker findet: Alkoholismus in der Gesellschaft, außereheliche Affären, Konflikte um die Erziehung. Das alles vermengt sich ständig aufs Neue; viele Menschen spielen ihre Rollen her unvollständig, und im Verlauf der Serie bekommt man von mancher Figur ein ganz anderes Bild.

Alles in allem ist das eine toll gemachte Serie: Die einzelnen Folgen sind jede für sich sehr spannend. Der politischen Haupthandlung – es geht mit dem Klimawandel und der Ölförderung um die ganz großen Themen – ordnen sich die emotionalen und persönlichen Themen unter. Beeindruckend sind die Landschaftsaufnahmen, auch die Schauspieler finde ich meist sehr gut.

Absolut empfehlenswert!