Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
20 Juli 2021
Ein Science-Fiction-Dreiteiler, der mich nicht überzeugte
Vielleicht liegt es an der Handlung. Die Geschichte beginnt im Jahr 2814, in einer Zeit, in der sich die Menschen in der Milchstraße ausgebreitet haben. Man hat das Sternenreich in sogenannte Segmente unterteilt; ist ein Mensch sieben Jahre alt, wird er getestet und dann auf eine bestimmte Welt geschickt. Dort wird er für den Krieg, die Kunst oder die Arbeit erzogen und bleibt den Rest seines Lebens in dem für ihn bestimmten Segment.
Doch natürlich geht das nicht gut; es rührt sich Widerspruch. Zudem scheint ein genetisches Problem vorzuliegen – die gesamte Menschheit steht kurz davor, einfach auszusterben. Einige Verschwörer schmieden einen waghalsigen Plan ...
Soweit die Inhaltsangabe für drei Comic-Bände, die eigentlich nach einer Fortsetzung verlangen – der dritte Band endet mit einem Cliffhanger –, die mich aber nicht sonderlich interessieren dürfte. Das liegt sicher an der wirren Handlung und an einem Weltenbau, an dem so gut wie nichts stimmt.
Richard Malka, der Autor der Geschichte, hatte offenbar großen Spaß daran, etwa den Planeten der Lust oder den Planeten des Krieges auszugestalten. Ein Interesse daran, seinen Kosmos sinnvoll zu definieren, hatte er nicht.
Mal geht es um eine Galaxis, dann um das ganze Universum, mal bilden sieben Planeten das Sternenreich, dann sind es wieder ganz viele. Geschwindigkeiten oder Entfernungen im All interessieren den Autor auch nicht im Geringsten. Und warum die Menschheit innerhalb von wenigen Monaten aussterben wird, erklärt er nicht.
Irgendwann nervte mich das grenzenlos; ich wollte nur noch wissen, wie die Geschichte zu Ende geführt wird, und war beim Cliffhanger nach dem dritten Band echt enttäuscht. Leider ist die Grafik ebensowenig überzeugend: Gimenez weiß, was er tut, normalerweise zumindest, aber diesmal sind die Menschen häufig Zerrbilder, und die Action wirkt sehr gekleckst.
Insgesamt haben mich die drei Bände von »Segmente« nicht überzeugt, weder erzählerisch noch künstlerisch. Das ist Geschmackssache, und man kann sich ja durch einen Blick auf die Internet-Seite des Splitter-Verlages und die dort vorhandene Leseprobe selbst ein Bild machen. (Schöne Comic-Bände sind's ja allemal. Aber das ist bei diesem Verlag eh eine Selbstverständlichkeit.)
19 Juli 2021
Hüpfmusik mit internationalem Charakter
Streng genommen ist Bonaparte ein Mann, der mit begleitenden Musikern und Künstlern auftritt. Tobias Jundt stammt aus der Schweiz und trommelt für die Auftritte seiner Band immer seine Musiker zusammen. Ansonsten steckt er hinter der Musik der Band.
Das merkt man auch auf der vierten Platte, die unter dem Titel »Bonaparte« im Jahr 2013 veröffentlicht wurde – übrigens mit einem Karton-Umschlag, bei dem die Buchstaben ausgeschnitten wurden … wieder so ein Argument, warum Vinyl immer noch toll aussieht.
Die zehn Stücke der Platte wurden in New York aufgenommen und abgemischt, sie sind stilistisch recht abwechslungsreich. Wer mag, kann das Ganze in eine Schublade mit »Indie« stecken, aber das trifft natürlich nicht so richtig zu.
Die knalligen Stücke mit dem Sprechgesang erinnern mich manchmal an Art Brut, seltener habe ich das Gefühl bei der Musik, sie könnte mich an die Talking Heads erinnern. Manchmal sind die Lieder eher ruhig, fast im Stil eines Liedermachers, dann aber wieder ist es teilweise abwechslungsreiche und sehr dynamische Musik, die ein wenig punkig klingt und auf jeden Fall zum Hüpfen anregt.
Die englischsprachigen Texte sind witzig und manchmal sarkastisch. Sie enthalten keine politischen Aussagen, bleiben aber auch nicht an der Oberfläche, sondern erzählen manchmal skurrile, meist aber kurz gehaltene Geschichten. Das ist alles in allem sehr gelungen.
Bonaparte machen mir richtig viel Freude: eine Band mit einer großen Bandbreite, ein Sänger mit einem Sinn für Hüpfmusik, ein Gesamtpaket, das sich auf Platte gut anhört, das aber live auch zündet (oder eben gezündet hat …). Cool.
Miri In The Green im Garten
Im »Mikado« hatten zu Beginn der Nullerjahre auch einige Punk-Bands gespielt; das ist lang her. An diesem Tag spielten Miri In The Green auf. Die Band stand in einem Zelt – es sah aus, als ob es bald regnen könnte –, und das Publikum saß auf Bänken und in großem Abstand im Garten davor.
Wir saßen im Biergarten, ungefähr zehn Meter neben dem Konzert, und bekamen so alles mit. So konnten wir gut essen und trinken und bekamen einen kostenlosen Kulturgenuss. Das war dann sehr nett.
Die Band macht eine Mischung aus flottem Gitarren-Pop mit einigen Chanson-Einflüssen. Die Sängerin singt auf englisch und auf französisch, die Stücke sind melodiös und gefällig, man wackelt dazu gern mit dem Kopf und kommt in gute Laune.
Irgendwann regnete es dann doch, aber das störte nicht. Die Band brach ab, das Publikum floh, wir gingen ins Innere des Restaurants – und alle hatten trotzdem eine positive Stimmung. Für ein erstes Konzert nach so langer Zeit gefiel mir das doch ganz gut.
16 Juli 2021
Norman wurde 90
Er war vor allem unter seinem Pseudonym John Norman bekannt geworden. Von ihm stammten die »Gor«-Romane, von denen ich – heute kann ich es zugeben – als Jugendlicher einige mit heißen Ohren gelesen hatte, bevor mir klargeworden war, wie frauenverachtend sie eigentlich waren. Darauf sprach ich ihn aber nicht an, und wir trennten uns nach dem Programmpunkt mit einem höflichen Lächeln.
Im Juni feierte der Autor seinen neunzigsten Geburtstag. Es scheint ihm gut zu gehen; im Mai diesen Jahres veröffentlichte er den sechsunddreißigsten »Gor«-Roman. Ich muss den nicht lesen, um zu ahnen, worum es geht: um ein klassisches Fantasy-Abenteuer mit Schwert und Magie und – vielleicht – spinnenartigen Außerirdischen, vor allem aber um »Sklavinnen« von der Erde, die es offensichtlich genießen, von Männern unterdrückt, vergewaltigt und verkauft zu werden.
Als ich zuletzt in einen »Gor«-Roman hineinsah, fand ich die Darstellung der Geschlechter widerwärtig. Dabei hatte ich eine deutsche Übersetzung vor mir, die sicher gekürzt war und die weniger Sex und Gewalt enthielt. Vielleicht bin ich für diese Art von Fantasy einfach die falsche Zielgruppe – ein »Gor«-Fan werde ich sicher nicht mehr werden. Aber als ich von John Normans neunzigstem Geburtstag hörte, horchte ich dann doch positiv auf …
Im Penthouse der Schweine
Aber erst einmal der Reihe nach: Dorian Hunter ist mit seinen Begleitern in Rio de Janeiro unterwegs. Eigentlich suchen sie einen Mann, der mit seinen Umtrieben bereits in New York begonnen hat, bevor er sie im Dschungel fortgesetzt hat. Doch anstatt klaren Spuren zu folgen, müssen sich Hunter und seine Begleiter mit den sogenannten Schweinemenschen herumschlagen.
Parallel dazu beschäftigen ihn – gegen seinen Willen – allerlei Anrufe aus der Heimat. Das ist dann die Verbindung zu anderen Handlungsebenen. Ich fand das höchst interessant, vor allem, weil es ja gleich über das Doppelhörspiel hinausweist, denke aber, dass ein Gelegenheitshörer hier vor einige Herausforderungen gestellt wird …
Die letzten Minuten des Hörspiels sind dann auch prompt in London angesiedelt. Für den Serienkenner ergeben sich somit am Ende eine Reihe von neuen Fragen – ein echter Cliffhanger also.
In welcher Verbindung stehen der Agent Cohen und Hunters Frau Lilian mittlerweile? Welche Intrigen werden offensichtlich von Wien aus gesponnen? Und was ist eigentlich mit dem Spion im Secret Service, der anscheinend gegen Hunter und seine Leute arbeitet?
»Im Penthouse der Schweine« ist auf jeden Fall ein packendes Hörspiel für Kenner der »Dorian Hunter«-Serie. Wer sich nicht auskennt, wird massive Verständnisprobleme haben, fürchte ich.
15 Juli 2021
Oh, seliges Omega!
Trotzdem hatte ich Probleme mit dem seriösen Kulturbetrieb, von dem ich als junger Amateurschriftsteller immer wieder etwas mitbekam. Dabei hatte ich es nur mit »alten Leuten« zu tun, die auf sogenannte Trivialliteratur mit einem verächtlichen Lächeln schauten. Davon war ich aus unterschiedlichen Gründen eher angewidert.
Aus diesem Grund schrieb ich am 19. Oktober 1983 einen Text mit dem Titel »Oh, seliges Omega!«, den ich auch heute noch witzig finde. Über den literarischen Wert oder Unwert des Textes mögen bitte kritischere Menschen als ich diskutieren ...
Oh, seliges Omega
1.
Alpha Beta Gamma Delta
Epsilon Zeta Eta Theta
Tota Kappa Lambda My
Ny Xi Omikron
Pi Rho Sigma Tau
Ypsilon Phi Chi Psi
und …
na, was wohl?
Omega
2.
Und wenn ihr,
die ihr euch zu den
Kulturbeflissenen zählt,
diese sture Aufzählung
des griechischen Alphabets
für Kultur haltet,
so seid ihr Kultur-Halbaffen.
So.
The Damned im Lyceum
Aber ich mag auch Live-Aufnahmen wie etwa »Live at the Lyceum 1981«, die mit »Mindless, Directionless, Energy« noch einen eigenen Titel hatte. Die Aufnahmen wurden direkt in dem Londoner Konzerthaus aufgenommen und 1987 auf Vinyl gepresst. Enthalten sind neun Stücke mit erstaunlich guter Soundqualität, die einen Eindruck davon geben, wie die Band um diese Zeit unterwegs war: eigentlich schon weg vom Punk, hin zu neuen Ufern, aber trotzdem sehr dynamisch auf der Bühne.
Klassiker wie »Smash It Up« oder »Love Song« bollert die Band mit großer Freude heraus, eine Coverversion wie der »Ballroom Blitz« kann ebenso überzeugen. Insgesamt machen die damals schon nicht mehr ganz so jungen Herren keinen Schnickschnack, sondern spielen die Stücke mit rotziger Energie herunter. Da bereue ich es doch, dass ich die Band nie gesehen habe …
14 Juli 2021
Im milchigen Blau
Seltsamerweise atmete ich unter Wasser, obwohl ich weder eine Maske noch sonst eine Ausrüstung trug. Ich wunderte mich darüber ebensowenig wie über die Tatsache, dass ich mit Tauchen oder sogar nur Schnorcheln gar nicht viel anfangen konnte.
Ich genoss es, wie schwerelos durch das warme Wasser zu treiben. Langsam ging ich tiefer. Die Zweige von Wasserpflanzen erstreckten sich vom sandigen Boden aus in die Höhe, sie vibrierten leicht, wenn ich an ihnen vorüberschwamm, als ob sie mit mir sprechen wollten. Die feinen Enden der Pflanzen schienen zu tanzen, gleitend und langsam, elegant und schön.
Dann stellte ich fest, dass auf einer Sandbank, die sich über mindestens ein Dutzend Meter erstreckte, ganz besondere Pflanzen wuchsen. Sie hatten keine Zweige, sondern nur einen elastischen Stamm, der fast zwei Meter in die Höhe ragte, biegsam und recht kräftig, so dick wie eine Männerfaust und von einer dunkelblauen Farbe. Neugierig ließ ich mich auf sie zu treiben.
Probeweise hielt ich mich an einem dieser Stämme fest. Es fühlte sich warm an, nicht wie eine Pflanze, schon gar nicht wie ein Stamm. Verwundert zog ich an dem Ding … und es bewegte sich!
Auf einmal löste sich die Pflanze aus dem Untergrund. Wie es sich herausstellte, war es keine Pflanze, sondern ein Tier. Am unteren Ende kam keine Wurzel, sondern ein ovaler Körper mit schwarzen und dunkelblauen Streifen, dessen Oberfläche sich kräuselte. Ein Maul öffnete sich, Zähne wurden sichtbar, der Körper bewegte sich hin und her. Auch der Stamm, nein, der Schwanz des Tieres, den ich in der Hand hielt, blieb nicht mehr bei seinem leichten Tänzeln, sondern schlug buchstäblich um sich.
Mit Mühe konnte ich meine Position halten. Die Schläge wurden stärker, es schleuderte mich zur Seite. Ich überschlug mich mehrmals, konnte nicht mehr erkennen, was oben und unten war.
Dann erwachte ich.
Ein spannendes und unterhaltsames Geschichts-Sachbuch
Eigentlich hielt ich Florian Illies immer für einen pomadig wirkenden Mann, der mit »Generation Golf« ein Buch geschrieben hatte, das ich ziemlich dämlich fand. Er kam mir immer vor wie einer dieser Jungunionisten, die mich früher so genervt hatten. Zuletzt wirkte er einige Monate lang als Verlagschef, bevor er sich wieder auf die Schriftstellerei zurückzog. Das alles machte auf mich keinen positiven Eindruck.
Doch dann las ich endlich seinen Bestseller »1913«, der bereits im Jahr 2014 erschienen war, und muss seitdem sagen: Der Kerl kann schreiben! Mit »1913« hat Illies ein Buch hingelegt, das zwar irgendwie als Geschichte-Sachbuch bezeichnet werden kann, aber von der Machart und von der Schreibe her streckenweise an einen Roman erinnert.
Das Buch teilte der Autor in Kapitel ein, die immer dem jeweiligen Monat des Jahres entsprechen, und füllte diese Kapitel mit allerlei Verbindungen. Illies erzählt von Dichtern wie Franz Kafka und seiner unerfüllten Liebe oder Gottfried Benn und Rainer Marie Rilke. Er zeigt Künstler wie Oskar Kokoschka und Musiker wie Gustav Mahler, immer wieder jedoch Autoren mit all ihren Problemen und Sehnsüchten. Die große Politik spielt stets ihre Rolle, aber sie bleibt im Hintergrund.
Den Schwerpunkt des Buches bilden das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn; Wien und Paris sind ebenfalls wichtig, gelegentlich wird nach Russland oder Amerika geblickt. Die Protagonisten in »1913« reisen viel, sie bewegen sich kreuz und quer durch Europa, sie streiten und sie lieben sich. Die Gesellschaft verändert sich langsam, aber niemand kann sich den grauenvollen Krieg vorstellen, der ein Jahr später ganz Europa in Flammen setzen wird.
Ich gestehe, dass ich dieses Buch staunend und mit wachsender Begeisterung las. Illies schreibt extrem unterhaltsam. Auch wenn man wie ich bislang wenig Ahnung von den Künstlern des Jahres 1913 hatte und vor allem nichts über ihre Beziehungen und Affären wusste, erfährt man schnell recht viel über diese Themen.
Erstaunlicherweise fand ich das alles tatsächlich interessant, keine Sekunde lang irgendwie langweilig oder unnötig. Der Autor schafft es nämlich, über all diese Personen ein Sittenbild des Jahres 1913 zu entwickeln und vor dem Leser auszubreiten.
Ich wurde während der Lektüre neugierig auf manche der Figuren, die Illies in seinem Buch auftauchen lässt, und folgte ihren Lebensgeschichten, als seien sie Romanhelden. Das ist wohl eine Stärke des Sachbuches: Es vermittelt einen Abriss der Zeit, die es darstellt, so unterhaltsam, dass man sich auch auf Themen einlässt, die einen sonst nicht interessieren.
Legt man das Buch zur Seite, kann man sich allerdings selbst dabei zusehen, wie man Stück für Stück alles vergisst, was man zuvor gelesen hat. Diese Vielzahl an Details kann sich einfach kein Mensch merken. Aber auch darin unterscheidet sich »1913« nicht von einem dickleibigen Unterhaltungsroman.
Trotzdem: »1913« war hierzulande ein Bestseller, nicht zu Unrecht. Viele hunderttausend Menschen kauften das Buch; ob sie es alle lasen, weiß natürlich niemand. Ich tat es und empfehle es gern weiter: als ein Sachbuch mit großen Unterhaltungsqualitäten.
13 Juli 2021
Ein Radweg im Juli
Aus der Serie »Ein Bild und eine Geschichte«
Dieser Tage war ich mit dem Rad in der südlichsten Pfalz unterwegs und wollte bei dieser Gelegenheit mal wieder in das Naturschutzgebiet Goldgrund radeln. Weit kam ich nicht: Der Rhein hatte das gesamte Gebiet überschwemmt. Was vorher ein Radweg war, erwies sich jetzt als ein Paradies für Wasserratten und Reiher.
Auf dem Bild sieht man es nicht so richtig, aber es war eindeutig: Vor mir war kein stehendes Gewässer, kein Altrheinarm, der vor sich hindümpelte. Da floss der Rhein, und zwar mit einer ordentlichen Geschwindigkeit. Das fand ich respektabel.
Wenn es in den nächsten Tagen so weitergeht, werden die Naturschutzgebiete sicher weiter vollaufen. Man wird die Polder fluten müssen. Mal schauen, ob das hilft, die flussabwärts gelegenen Städte wie Koblenz oder Köln vor dem Hochwasser zu bewahren ...
Gesamtausgabe des Thriller-Erfolgs
In der Folge kaufte ich mir alle Bände der Album-Ausgabe, die im Carlsen-Verlag erschienen. Seit einiger Zeit gibt es die Gesamtausgabe in Hardcover-Form – ich habe davon mittlerweile den ersten Band gelesen.
Der Comic zieht einen sofort in ihren Bann: Ein Mann wird an einen Strand in den USA gespült, er ist verwundet. Wie sich herausstellt, hat er sein Gedächtnis verloren. Recht schnell findet er heraus, dass er offenbar in ein politisches Komplott verwickelt war.
Während es Gruppierungen gibt, die ihn anscheinend einfach nur umbringen möchten, will eine andere Fraktion nur Informationen aus ihm herauspressen. Menschen, die in seinem neuen Leben wichtig sind, werden rücksichtlos umgebracht; es gibt allerdings auch Menschen, die zu ihm halten.
Im ersten Band der Gesamtausgabe werden die wichtigsten Figuren von »XIII« vorgestellt, die im Prinzip die ganze Serie über relevant sein werden. Der Leser wird – wie die Hauptfigur – in eine spannende Handlung hineingestoßen, bei der er sich ständig fragen muss, was eigentlich wahr ist und was sich als Lüge erweisen wird. Immer wieder muss er um sein Leben kämpfen, häufig hat er es mit Verrätern zu tun.
Konzipiert und geschrieben wurde die Serie von Jean Van Hamme, der damit sicher seinen größten Erfolg ins Leben rief. Im Prinzip handelt es sich um packende Thriller-Geschichten, die nach dem gleichen Prinzip folgen wie die entsprechenden Romane und Filme: Bedrohung folgt auf Bedrohung, dazwischen wird geforscht, und ruhige Passagen sind selten.
William Vance, der schon in den 70er-Jahren zahlreiche Comics mit »realistischem« Charakter zeichnete, ist ein Meister dieser Comic-Richtung. Seine Figuren sind klar zu unterscheiden, Action bekommt er ebenso gut hin wie ruhige Landschaftsbilder. Ausdrucksstarke Gesichter, glaubhafte Szenen – das ist alles sehr klassisch und gleichzeitig sehr gut.
Die Gesamtausgabe von »XIII« gefällt mir, ich freue mich schon auf die Fortsetzungen. Und natürlich mag ich auch die redaktionellen Ergänzungen, die Hintergründe zu den Comics beisteuern.
12 Juli 2021
Einmal Mothern und zurück
Und so fuhr ich an diesem Wochenende zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie nach Frankreich. Das ist von Karlsruhe aus glücklicherweise nicht so weit entfernt: über die Rheinbrücke hinüber in die Pfalz und dann einfach nach Süden. Unweigerlich überschreitet man an irgendeinem Rheindamm die Landesgrenze, merkt es anfangs gar nicht und nimmt dann irgendwelche Schilder wahr, auf denen französische Wörter stehen.
Bei den Hafenanlagen von Lauterbourg hielt ich mich weiter in Richtung Süden und kam in die Gemeinde Mothern. Die kannte ich bislang nur aus der Ferne, fand sie sehr hübsch, stellte fest, dass es dort auch einen Berg gab und fuhr diesen – wie es sich für einen gelernten Schwarzwälder gehört – gleich mal hoch. Ich kam auf einer fruchtbaren Hochebene heraus, anders kann man es nicht nennen, die laut Beschilderung »die Ebéné« hier (mit den Akenten geschrieben, damit man es als Franzose auch richtig ausspricht).
Dort verfuhr ich mich zwischen lauter gleich aussehenden Wegen ziemlich, orientierte mich zuletzt nur noch an der Sonne, kam aber zurück nach Lauterbourg, um dann von dort aus zurück in die Pfalz zu fahren. Dort schaffte ich es, mich auf den teilweise schlammigen Wegen des Bienwalds noch einmal zu verfahren, bevor ich nach Hause kam.
Abenteuer heute ... zum Radfahren in Togo, Malaysia, Kamerun oder Vietnam reicht es halt nicht mehr. Aber das Elsass kann ja auch ein bisschen fremd sein, wenn man die Augen aufmacht.
The Offspring im Jahr 2021
Die Platte ist richtig gut, da war ich selbst baff. The Offspring können immer noch das, wofür sie in den 90er-Jahren berühmt wurden: Die Herren aus dem Orange County schreiben poppigen Punk, der flott nach vorne gespielt wird, der weder zu süßlich noch irgendwann metallisch wird. Das ist kompetent gemacht, ist schön abwechslungsreich und macht durchgehend Spaß.
Den Über-Hit habe ich auf dieser Platte nicht herausgehört. Das kann aber – so fair muss ich einfach sein – auch daran liegen, dass ich nicht mehr so begeisterungsfähig bin wie vor dreißig oder vierzig Jahren. Stücke wie »Army Of One« haben Ohrwurm-Charakter, das Titelstück ist auf jeden Fall schmissig und eingängig genug, und insgesamt hat mich die Platte nicht gelangweilt. Die Band variiert das Tempo ihrer Stücke, sie liefert gute Texte – was will ich mehr?
Ich bin sehr angetan von dem Werk. Das ist keine Alte-Männer-Rockmusik, aber es ist natürlich keine Rotzlöffel-Attacke mehr; das erwarte ich von Männern um die fünfzig nun auch nicht mehr. Aber wer so dynamisch altert wie The Offspring, der haut noch mal so ein Ding wie das hier raus. Respekt.
09 Juli 2021
Hundertzwanzig Jahre Cartland
Ich hatte tatsächlich mit ihr zu tun. Nicht nur einmal. Allerdings lernte ich sie nie persönlich kennen. Immerhin.
Als ich in den 80er-Jahren zum ersten Mal für den heutigen Pabel-Moewig Verlag tätig wurde, geschah das vor allem deshalb, weil man einen fixen Schreiber für Pressetexte suchte, der sich auch mit Science Fiction auskannte und bei der Organisation einer großen Veranstaltung in Saarbrücken helfen konnte.
Barbara Cartland war damals ein Star im Taschenbuchprogramm des Moewig-Verlages. Regelmäßig erschienen ihre Romane, die sich allesamt gut verkauften. Es rankten sich viele Geschichten um die damals schon alte Dame, die stets in Pink gekleidet fotografiert wurde und sich als »Lady In Pink« darstellen ließ.
Ich schrieb Rückentexte für Romane, die ich vorher lesen musste, ich erarbeitete eine Pressemappe, ich telefonierte mit ihrem Sekretariat. Als die alte Dame dann auf Deutschlandtour kam – organisiert und bezahlt von unserem Verlag –, wohnte sie unter anderem in »Brenners Park-Hotel« in Baden-Baden.
Zu den entsprechenden Veranstaltungen durfte ich dann nicht mit. Womöglich hätte mein Äußeres nicht zur gesamten Atmosphäre der Veranstaltung gepasst.
Die Killerpuppen
Ganz eindeutig handelt es sich um die Umsetzung eines sehr klassischen Heftromans. Die Dialoge sind trocken und lakonisch, John Sinclair als Inspektor beschäftigt sich gern mit dem Grillen von Würstchen, macht sich – das ist sicher neu hinzugefügt – auch über Tofu-Würste lustig und versucht ansonsten, bei einem Nachbarschaftsstreit zu ermitteln.
Gruselromane aus den 70er-Jahren finde ich heute eigentlich durch die Bank unlesbar. Faszinierend ist jedoch immer wieder, wie es Dennis Ehrhardt schafft, aus den klassischen Geschichten moderne Hörspiele zu machen. Das gilt auch hier: Klar ist die Geschichte um die Killerpuppen, die durch einige Überraschungen gekennzeichnet ist, ziemlich trivial; es geht um Eifersucht und Mord, um Schauspieler und ihre Marotten.
In Form eines Hörspiels ist das aber spannend. Es gibt Action, die mit den entsprechenden Geräuschen unterstützt wird; Schockeffekte werden erzählerisch gut eingesetzt. Dabei entsteht ein treibender Rhythmus, der die Geschichte mit viel Tempo vorantreibt. Ich hörte ihr mit viel Interesse zu, und ich wollte beständig wissen, wie es weitergeht und was hinter den monströsen Killerpuppen wirklich steckt.
Eine solche Umsetzung muss man erst mal hinbekommen – kein Wunder, dass die »John Sinclair«-Hörspiele bei Lübbe-Audio nach wie vor so erfolgreich sind und ihre Freunde nicht nur bei den »Alt-Fans« finden …
08 Juli 2021
Ein Häusle für mich allein
Ich setzte mit der Fähre vom Festland aus über, fuhr mit dem Bus einmal quer über die Insel und quartierte mich in einem winzigen »Hotel« ein, in dem man als Einzelperson oder auch paarweise kleine Häuser bewohnen konnte. Mit dem spitzen Dach sahen sie ein wenig aus wie Häuser in Mitteleuropa; sie standen auf Stelzen – und das war's.
Viel Platz war nicht in dem kleinen Haus. Eine Toilette oder Strom gab es nicht; Wasseranschlüsse standen nur im zentralen Gebäude zur Verfügung.
Aber eigentlich brauchte ich es ohnehin nur, um mein Gepäck sicher zu verwahren und nachts einen Schlafplatz zu haben. Tagsüber gammelte ich am Strand herum – wo ich unter anderem den Roman »Hot-Zone« von Richard Preston las, den ich mir von einer deutschen Touristin auslieh –, wenn ich nicht mit dem Rad über die Insel fuhr oder mich mit Leuten unterhielt.
Es waren schöne Tage in Langkawi. Auch wenn ich mir regelmäßig den Kopf an der Decke meines Häusles anschlug ...
Bash! mit gutem Oi!-Punk
Musikalisch ist das Oi!-Punk, der mal mit deutschen und mal mit englischen Texten aufwartet. Der Sound ist schlicht und rumpelig, aber teilweise mit guten Melodien und unterm Strich sehr gelungen. Für mich geht das gut ins Ohr, da wackle ich automatisch mit. Einige alberne Ausfälle wie »Fuchs, Du hast die Gans gestohlen« muss man als Zuhörer halt verkraften; da versuchte die Band, auch einen musikalischen Witz zu lang auszubreiten.
Textlich bleibt man auf der sicheren Seite: In beiden Sprachen geht es mehr ums allgemeine Leben, gibt es sarkastische Blicke auf das eigene Leben (»Wir haben immer Sommer, die Sonne scheint uns aus dem Arsch«), werden das Leben mit der Band und der Suff thematisiert Das hat man schon oft gehört, die Band bringt es aber sarkastisch auf den Punkt.
Bei einigen Stücken war Claus mit von der Partie, der in den 90er-Jahren als Sänger der Band Knochenfabrik recht bekannt geworden war. Seine charakteristische Stimme prägt manches Stück, auch die Texte hören sich teilweise schwer nach ihm an. Eine insgesamt sehr ordentliche Platte, die man sich auch zwanzig Jahre danach ohne Probleme anhören kann (sieht man vom einen oder anderen Ausfall ab …)
07 Juli 2021
Eine alte Serie kehrt zurück
Als es die Science-Fiction-Serie »Ufo-Akten« in den 90er-Jahren schon einmal gab, las ich einige der Romane. Zumeist fand ich sie gut bis sehr gut: unterhaltsam geschrieben, spannend erzählt, insgesamt eine gelungene Abwechslung. Ich habe die Serie also in guter Erinnerung.
Wenn es im Oktober nun wieder los geht – das ließ sich einigen Texten bei Facebook entnehmen –, sowohl mit alten Romanen als auch mit neuen Geschichten, werde ich mich um den einen oder anderen Band bemühen und mal »reinlesen«. Und ich wünsche den Kollegen viel Erfolg bei diesem neuen Versuch, eine Serie im Phantastik-Bereich in den Zeitschriftenhandel zu bringen.
Vier verheerende Jahre im Rückblick
Bierling war mir vorher unbekannt, was nichts zu sagen hat – ich kenne mich in diesem Segment nicht aus. Laut Verlagsangaben ist er Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Regensburg; er hat schon einige Bücher veröffentlicht und ist mit der amerikanischen Politik bestens vertraut. Entsprechend sachkundig liest sich sein Buch, zudem ist es erfreulich »leicht« geschrieben und auch für Laien gut verständlich.
Bierling arbeitet sich nicht unbedingt chronologisch an Donald Trump ab, sondern konzentriert sich auf Themen. Er zeigt, welche Schwerpunkte seiner Politik dieser Präsident hatte und in welchem Ausmaß er welche Richtungen einschlug. Und er macht klar, wie stark die konfuse »hire and fire«-Arbeitsweise dazu führte, dass Trumps Regierungszeit für alle Partner völlig unberechenbar wurde.
Dabei geht Bierling von einer Leserschaft aus, die im Großen und Ganzen gut informiert ist. Manche Dinge werden nicht erklärt, die muss man wissen. Aber da hat er sicher recht: Wer sich so ein Buch besorgt, hat schon ein gewisses Grundwissen in Sachen Politik und muss nicht alles nachgucken. Trotzdem ist sein Buch »einsteigerfreundlich« und weder sprachlich noch inhaltlich irgendwie kompliziert. Man kann dem Autor bei seiner Argumentation und Information stets gut folgen.
Für Menschen, die Sachbücher schätzen, die einen gewissen Tiefgang haben, dürfte das Buch zu »flach« sein; viele der beschriebenen Dinge hat man noch gut im Gedächtnis. Wer sich aber einen schnellen Überblick über die Ära Trump verschaffen möchte, ist mit diesem Buch gut beraten.
(Das Sachbuch ist als Taschenbuch bei C.H. Beck erschienen. Auf der Produkt-Seite des Verlages gibt es ein Inhaltsverzeichnis sowie Pressestimmen.)
06 Juli 2021
80er-Jahre-Verkaufstaktiken
»So kriegst du deine Hefte nicht los«, meinte sie, während ich noch versuchte, einige aktuelle ENPUNKT-Hefte zum Killerpreis von einer Mark an den Mann oder an die Frau zu bringen. »Gib mir mal einen Packen ab.«
Ich willigte ein, drückte ihr einige Hefte in die Finger, und sie zog allein los. Sie sprach die Leute direkt an: »Kauf mir ein Heft ab, sonst verprügelt er mich wieder.« Oder: »Kauf mir ein Heft ab, sonst schickt er mich wieder auf den Strich.«
Es gab viel Gelächter, sie verkaufte einige Hefte, ich gab ihr ein Bier aus, und der Abend endete sehr fröhlich. Eine schöne Erinnerung!
Das war in den 80er-Jahren, alle verstanden das als mehr oder weniger gelungenen Spaß. Es waren ja auch keine »szenefremden« Leute anwesend. In den 90er-Jahren hätte man mir für diese Verfehlung, die in Filderstadt begangen worden war, dann ein Strafplenum in Karlsruhe aufgebrummt.
In den Nuller-Jahren waren alle so ironisch, und niemand hätte das auch nur ansatzweise witzig gefunden. Und heute bekäme ich einen massiven Shitstorm bei Twitter. So ändern sich die Zeiten …
Abschluss eines starken Comic-Zweiteilers
Mit einem wesentlichen Unterschied: Die Hauptperson ist weiblich und schwarz – und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fällt Bessie Bates damit einfach auf. Doch sie ist eine gute Pilotin, sie ist frech und mutig, und sie sucht ihren Vater, der im Krieg über der Sahara verschollen ist.
Die Geschichte erzählen Jean-Blaise Djian und Pierre-Roland Saint-Dizier mit viel Freude am Abenteuer weiter. Libery Belle lernt Freunde kennen und stößt auf Einheimische, die ihr mal im Weg stehen und mal behilflich sind. Es kommt zu wagemutigen Flügen in alten Flugzeugen über der Wüste, zur einen und zur anderen Action-Szene und am Ende zu einem Happy-End.
Wieder ist Vincent für die Bilder zuständig. Ich mag den Stil dieses Comic-Künstlers, der zwar realitätsnah ist, das aber immer mit einem Hauch von »funny« verbindet. Seine Figuren sind dynamisch, die Szenen sowieso, und wenn er bewusst nur skizziert, stört das nicht im geringsten.
Mir hat der gesamte Zweiteiler sehr gut gefallen. Eine gelungene Abenteuergeschichte mit einer ungewöhnlichen Heldin!
Wichtig: Die beiden Bände gehören eng zusammen. Den zweiten Band versteht man kaum ohne Kenntnis des ersten, auch wenn die Geschichte an sich gut funktioniert. Ich blätterte den ersten Band vor der Lektüre noch einmal durch.
(Erschienen sind beide Bücher als Hardcover-Alben beim Splitter-Verlag. Auf deren Internet-Seite gibt es auch eine Leseprobe.)
05 Juli 2021
Treffen mit Christian
Auf dem Weg, den ich überquerte, kam ein Mann von rechts. Er war ein wenig kleiner als ich, vielleicht einige Jahre jünger – aber sein Gesicht erkannte ich sofort. Es ging ihm wohl ebenso.
Er lachte auf, ich grinste. Beide hoben wir grüßend die Hand, ich rief ihm ein »Hallo, Christian!« zu und flitzte mit meinem Rad weiter. Erst rund hundert Meter später, als ich immer noch mit ordentlich Tempo unterwegs war, wurde mir so einiges bewusst.
Hieß der Mann wirklich Christian? Wir hatten uns in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre kennengelernt. »Kennen« bedeutete in diesem Fall, dass wir uns bei zahlreichen Punk- und Hardcore-Konzerten gesehen hatten, bei winzigen Konzerten im Keller in Nagold oder sonstigen kleinen Konzertorten. Geredet hatten wir nicht so viel miteinander.
Er sah immer noch so aus wie damals. Klar, ein paar Jahre waren vergangen, und hätte ich genau hingesehen, wären mir sicher Falten im Gesicht und graue Haare aufgefallen. Auf die Entfernung und bei der Geschwindigkeit aber – alles war genauso wie damals. Und ich hatte ihn zuletzt vor bestimmt gut einem Dutzend Jahren gesehen.
Auch in Karlsruhe, wie mir in diesem Augenblick einfiel. Entweder war mein Gedächtnis besser, als ich dachte – seit 1986 waren doch schon einige Jährchen vergangen –, oder ich hatte ihn mit einem falschen Namen gegrüßt.
Vielleicht würde ich ihn in einem weiteren Dutzend Jahren wiedertreffen; dann konnte ich das ja überprüfen. Ich nahm mir vor, dann aber auf jeden Fall anzuhalten, um ein Schwätzchen zu halten.
Kali Masi mit viel Emotion
Die Band gründete sich 2015, hat seitdem viel getourt und einiges an Tonträgern veröffentlicht. 2021 erschien ihre Platte »Laughs«, die zehn Stücke enthält, teilweise recht lang, meist eher ruhig.
Wer mag, kann die Band sicher auch in die Schublade mit Emo-Punk stecken, allerdings ohne jegliche Weinerlichkeit. Die Stimmen sind kraftvoll, die Gitarren wuchtig und modern, die Stücke sehr abwechslungsreich. Nach vorne gebolzt wird nur selten, aber die Musik ist intensiv und richtig gut.
Ich habe mir die Langspielplatte geholt, weil zu dieser ein großes Textblatt gehört, das fast künstlerisch gestaltet ist: großformatig, die Texte locker verteilt, alles ein wenig anspruchsvoll. Das ist kein Sound für die Straßenpunks, sondern eher für »Punks mit Brille«, wie man früher spottete.
Hit-Qualitäten weist die Platte keine auf; die Melodien sind nicht so einfach, dass man sie gleich mitsingen kann. Wer aber gelegentlich Musik mag, die auch das Hirn anspricht, sollte die Band mal antesten. Ab und zu brauche ich dann doch so etwas …
04 Juli 2021
Im Skulpturengarten
Kultur in der südlichsten Pfalz – da war ich kurz überrascht. Ich bin aber auch ein Banause, was solche Dinge angeht … Schweigen-Rechtenbach ist ein Ort im südlichen Rheinland-Pfalz, direkt neben dem elsässischen Weißenburg/Wissembourg gelegen. Wenn man durch die Weinberge spaziert, kann es passieren, dass man plötzlich in Frankreich steht. Dort entfaltet ein örtlicher Verein ein ordentliches Kulturprogramm. Dazu zählt der Skulpturengarten, der im Gemeindepark errichtet worden ist. Zehn Künstlerinnen und Künstler präsentieren zwei Dutzend Skulpturen aus Holz und Stahl, aus Sandstein und Beton. Der Eintritt ist frei, man kann zwischen den Figuren herumspazieren, sie sich ansehen, sich neben eine von ihnen stellen – ideal für Selfies ... – und sich sonstwie mit den Kunstwerken beschäftigen.
Mir gefiel nicht alles, damit war aber kaum zu rechnen. Bei manchem Werk war ich schlicht irritiert und fragte mich nach dem Sinn, andere fand ich dafür schön. Aber so ist das halt, wenn man sich eine Ausstellung von Künstlern aus dem Südwesten der Republik anschaut, die unter freiem Himmel stattfindet ...
03 Juli 2021
Feuer und Flamme
Zwei Schausteller-Familien konkurrieren um die Kundschaft, und das im Jahr 1940 in Stockholm. Während man die politische Lage in Europa über Zeitungsjungen vermittelt bekommt, geht es für die Leute im Film nicht um Politik, sondern um das Geschäft – und um die Liebe. Im Prinzip ist es eine Romeo-und-Julia-Geschichte: Ein junger Mann und eine junge Frau verlieben sich, auch wenn das die Väter nicht wollen.
Der ganze Film hat seinen Charme, trotz mancher Länge und trotz manchmal überschwelgerischer Liebesschwüre. Immer wieder flammen phantastische Elemente auf, gibt es wunderbare Szenen – wenn die Liebenden beispielsweise für finnische Kriegsflüchtlingskinder eine spontane Show geben –, kann man sich einfach an einer schönen Geschichte berauschen.
Spannend erzählt, recht viel Herzschmerz, durchaus politisch: »Feuer und Flamme« ist ein erstaunlich gelungener Film mit einem kräftigen Hauch von Phantastik.
02 Juli 2021
Urlaub auf Balkonien
Das ist ein Luxusproblem, ich weiß. Viele Menschen können sich rein finanziell gar keine Urlaube leisten. Für einen Großteil der Weltbevölkerung ist der Gedanke, ein anderes Land zu bereisen, sowieso nicht einmal denkbar. Aber das ist an dieser Stelle nicht mein Thema.
In diesen Tagen bin ich einfach froh, dass wir einen schönen Balkon haben. Wenn ich den richtigen Blick einnehme, kann ich es bei spannender Lektüre und einem schönen Getränk auch gut auf »Balkonien« aushalten. Aus dieser Warte blicke ich der Urlaubszeit 2021 entspannt entgegen.
Von Kolportagen und Schutzumschlägen
Woher ich das weiß? Aus einem Artikel in dem immer wieder lesenswerten A5Heft »Blätter für Volksliteratur«, genauer gesagt, der Ausgabe 1/2021 dieser kleinen Zeitschrift, die vom Verein der Freunde der Volksliteratur veröffentlicht wird. Auf den insgesamt 48 Seiten dieser Ausgabe finden sich verschiedene Beiträge, nicht unbedingt wissenschaftlich geschrieben, aber voller Fakten, die ich interessant finde.
Den Science-Fiction-Autor Eric Frank Russell kannte ich natürlich schon, auch die Krimi-Serie »Das 87. Polizeirevier« von Ed McBain ist mir durch einige Romane bekannt. Trotzdem erfuhr ich in dem Heft einige neue Dinge zu diesen Themen.
Daneben gibt es Beiträge, die mich eher verwundern. So lese ich mit Staunen, dass es Leute gibt, die alte Schutzumschläge sammeln. Unter historischen Gesichtspunkten halte ich das sogar für wichrig – vor allem die Trivialliteratur wird kaum wissenschaftlich erforscht und geht zu schnell in Vergessenheit.
Spannend finde ich stets Artikel über alte Heftromane. In diesem Fall geht’s um »Frank Faber’s Abenteuer«, die in der Nazi-Zeit zu »Fred Faber’s Abenteuer« wurden – es sollte halt »deutscher« klingen –, oder um die Abenteuerseerie »Hein Class«; der betreffende Artikel verschweigt nicht den häufigen Rassismus dieser alten Romane.
Wie immer bieten die »Blätter für Volksliteratur« eine schöne Sammlung unterschiedlichster Beiträge. Die Lektüre der Zeitschrift lohnt sich eigentlich immer. (Wer sich für das Heft interessiert, sollte sich direkt mit dem Herausgeber in Verbindung setzen: peter.soukop@aon.at).
01 Juli 2021
Das Fellow’s Inn von 1979
Entsprechend stark trumpfte im März 1979 das Fanzine »Fellow’s Inn« auf, streng genommen die Ausgabe 11 des Fanzines »Phoenix« Solche Titeländerungen waren durchaus normal, und sie verwirrten nicht mehr als nötig.
Das Heft entstammte der PERRY RHODAN-Szene, sah aber aus wie eines der anspruchsvolleren Fanzines der allgemeinen Science-Fiction-Szene: im A5-Format sehr sauber gedruckt, mit 124 Seiten sehr umfangreich und mit einem Layout, das zwar mit einer Schreibmaschine erstellt worden war, das aber trotzdem sehr ordentlich wirkte.
Inhaltlich trumpfte das Heft ebenfalls auf. Kurzgeschichten von PERRY RHODAN-Autoren wie W. W. Shols und Walter Ernsting, von ATLAN-Autoren wie Horst Hoffmann und Wilfried Hary, von einem bekannten Fantasy-Autor wie Hubert Strassl. Dazu kam sogar ein Gedicht von J. R. R. Tolkien, das von Helmut W. Pesch übersetzt worden war. Das machte alles einen unglaublich professionellen Eindruck.
Der Mittelteil war auf farbigem Papier gedruckt und erzählte in unterhaltsamer Weise die Geschichte des Clubs. Zudem zeigte er recht kleine Fotos der wichtigsten Autoren dieser Zeit. Für die damalige Fan-Szene war das alles stark.
Warum es für das Fanzine, das angeblich eine Auflage von 800 Exemplaren erreichte, und für den Fan-Club keine große Zukunft gab, weiß ich nicht mehr. Der Club und das Fanzine existierten noch eine Weile länger, beide verschwanden dann spurlos.
Am Ende der 70er-Jahre präsentierte der Club »Fellow’s Inn« mit seinem Heft aber das damals sicher anspruchsvollste Fanzine aus dem weiten Feld der PERRY RHODAN-Clubs. Auch heute noch macht es einen sehr guten Eindruck!
Shocktrooper und noch eins
»Shocktrooper« und »Mush Room« sind knackig-schrammeliger Punk, bei dem die Stimme von Martin – dem Sänger von EA 80 – besonders hervortritt, der aber musikalisch absolut überzeugt. Der Rhythmus treibt die Stücke nach vorne, sie sind kurz und knackig, und die englischsprachigen Stücke sind schön lakonisch.
Eine gelungene Punk-Single mit eher künstlerischer Gestaltung: Ich mag so was immer noch!























