Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
19 Dezember 2025
Als der Zeitgeist positiv war
2015 haben wir es tatsächlich geschafft. Deutschland schaffte es in diesem Jahr, endlich einmal eine menschliche Seite zu zeigen. Gut eine Million flüchtender Menschen wurde aufgenommen. Die meisten von ihnen kamen rasch in menschenwürdige Unterkünfte, viele von ihnen fanden Arbeit, viele wurden längst deutsche Staatsbürger und tragen zum Gemeinwesen bei.
2015 hatte ich einen kurzen Anflug von Nationalstolz, nur sehr kurz, aber immerhin. Zu diesem Land wollte ich gern gehören: ein Land, das Flüchtlinge aufnahm, ein Land, in dem sich Hunderttausende von Menschen aller politischen Richtungen engagierten, ein Land, in dem man anpackte, um anderen Leuten zu helfen. Das fand ich sympathisch. Der Zeitgeist war endlich einmal positiv und nicht der widerwärtige Griesgram, als den er sich heute präsentiert.
Was danach kam, ist bekannt. Heute tun die Faschisten von der AfD, die Putinisten vom BSW und die Erzreaktionäre bei den sogenannten Parteien der Mitte tatsächlich so, als seien Menschen mit nichtweißer Hautfarbe das zentrale Problem unseres Landes. Als ob man nur genügend von ihnen abschieben müsste, um das Land wieder an irgendeine Spitze zu führen. Als ob man nur der Welt seine hässliche Fratze präsentieren müsste, um im Konzert der Mächtigen mitspielen zu können.
Der Sommer 2015 war positiv. Zehn Jahre später gerät das ein wenig in Vergessenheit, schon klar. Aber diesen Zeitgeist von damals – den wünsche ich mir oft zurück.
18 Dezember 2025
Gedanken an John Varley
Dieser Tage las ich dann, dass John Varley am 10. Dezember 2025 gestorben war. Es war sicher das erste Mal seit vielen Jahren, dass mir sein Name bewusst wurde – ich hatte den Autor glatt vergessen.
Das finde ich verblüffend und traurig zugleich: Man findet als Leser einen Autor oder eine Autorin gut, dann vergisst man ihn oder sie aber doch irgendwann. Isaac Asimov, Robert A. Heinlein, K. H. Scheer oder William Voltz vergaß ich nie, die waren präsent – aber Varley war mir entfallen.
Vielleicht liegt’s in seinem Fall daran, dass seine erfolgreichen Texte in den 70er- und 80er-Jahre veröffentlicht wurden; seither wurden sie praktisch nie wieder im deutschsprachigen Handel angeboten. Da kann man jemanden doch vergessen, scheint mir. (Vielleicht erinnert sich jetzt ein Verlag an John Varley und bringt seine Text in einer schönen Auflage neu heraus.)
17 Dezember 2025
Schluss für Halle 1.2
Nicht alle waren mit der Halle 1.2 einverstanden. Es gab Verlage, die fanden es gut, in einer eigenen Halle zu sein, die von Phantastik und Romantik dominiert wurde, in allen möglichen Spielarten. Andere fanden es schlecht; sie fühlten sich wie abgeschoben und an den Rand gedrängt.
Dabei war das nötig geworden, nachdem im Jahr 2023 die Autogrammschlangen bei manchen BookTok-Autorinnen so lang waren, dass die Hallen lahmgelegt wurden. Deshalb wurden Romantasy und die anderen »Randgebiete« ausgelagert. In den Jahren 2024 und 2025 war die Halle 1.2 der Treffpunkt für zahlreiche Leserinnen und Leser – mehrheitlich junge Frauen –, die sich an den Ständen ihrer Lieblingsautorinnen und -verlage versammelten.
Und 2026? Alles wird in das neue Gesamtkonzept integriert. Die Romantasy und der Bereich New Adult finden sich künftig in den Hallen 3.0, 4.0, 5.0 und 6.0 wieder, also auf der ganzen Messe verteilt.
Schauen wir mal, wie das ankommt – es kann ein neues und positives Erlebnis für viele Besucherinnen werden oder viel Gerenne zwischen den einzelnen Hallen ...
16 Dezember 2025
Hirnkost geht in die Insolvenz
Hirnkost ist ein Verlag, dem ich in mehrfacher Hinsicht verbunden bin. Klaus Farin kenne ich seit den 80er-Jahren; das Programm des Verlags bildet mit Science Fiction und allerlei Subkulturen meine privaten Interessen ab. Es gab immer wieder Bücher, die ich richtig toll fand, leider auch Bücher, die mir nicht gefielen – aber das ist normal.
Wenn Klaus Farin nun schreibt, er habe versagt, ist das nicht richtig. Er hat einen Verlag für engagierte Literatur aus dem Boden gestampft, er hat für die Bücher gekämpft, er hat sich vernetzt und unterm Strich ein spannendes Buchprogramm herausgegeben. Man kann nicht sagen, dass Klaus Farin oder der Hirnkost-Verlag versagt hätten – es gab schlicht nicht genügend Kunden. Warum das so war und ist, möchte ich an dieser Stelle nicht analysieren; dazu kann man ja unterschiedliche Meinungen haben.
Im Moment bin ich einfach ziemlich traurig. Das sind keine guten Nachrichten so kurz vor Weihnachten.
15 Dezember 2025
Ein Lachen zur Begrüßung
Während ich die Mütze abnahm und zu den Handschuhen in die Jackentasche stopfte – die hatte ich vorher schon ausgezogen –, hörte ich das Gelächter. Ich brauchte einige Zeit, sicher eine Sekunde lang, bis ich kapierte, dass sich niemand über mich lustig machte, sondern dass hinter dem Schalter zwei Angestellte der Apotheke standen und schallend lachten. Ein weiterer Angestellter kam hinzu und lachte ebenfalls.
Ich trat näher, sicher mit einem Gesichtsausdruck völliger Ratlosigkeit. »Der Kunde, der eben rausging, hat mir eben ein schönes Wochenende gewünscht«, sagte die blonde Frau hinter dem Tresen, als ob ich sie gefragt hätte. »Ich habe vor zwei Minuten mit der Arbeit angefangen, und dann so was.«
»Nehmen Sie’s als ein gutes Zeichen«, riet ich trocken.
»Ja, das ist gut.« Sie wischte sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln. »Am besten wäre es ja, ich ginge gleich wieder ins Wochenende. Bei der Kälte und dem grauen Tag, da will man doch nicht arbeiten.«
»Auch da kann ich Sie verstehen.« Ich grinste.
Sie schaltete um. »Sie wollen ein Rezept einlösen?«, fragte sie professionell und seriös.
Ich nickte. Innerlich lächelte ich. Was für ein netter Start in die neue Woche: Man beginnt mit einem fröhlichen und lauten Lachen.
12 Dezember 2025
Gendersternchen und Soziopathen
Das aber sind alles Themen, die nicht so wichtig erscheinen. Worüber sich »die Leute« aufregen – zumindest in meiner Wahrnehmung –, sind »Ausländer« und Gendersternchen. Bei den Sternchen bin ich immer wieder verwundert über den Sturm der Entrüstung, der über einen hereinbricht, wenn man sie mal verwendet.
Manche Leser – männliche Form ist hier beabsichtigt; es sind ja nur Männer, die sich aufregen – scheinen zu glauben, das Abendland ginge unter, wenn man von »Leser*innen« schreibt. Andere belehren ausgiebig über die Rechtschreibung und verweisen auf angebliche Umfragen. Und einer schrieb gestern sogar, dass Leute, die Gendersternchen benutzen, allesamt »Soziopathen« seien.
Was stimmt nicht mit diesen Leuten? Haben die keine anderen Probleme? Haben die keine Dinge im Leben, über die sie sich freuen können? Woher kommt dieser Hass, woher diese Wut, andere Leute unbedingt belehren und bekehren zu müssen?
Ich benutze Gendersternchen normalerweise auch nicht; die Gründe sind vielfältig und füllen die Programme schlechter deutscher Komödianten. Ich will das übrigens nicht diskutieren; das kann jeder Mensch ja machen, wie er es möchte.
Aber diese Ausraster, wenn irgendwo ein Gendersternchen zu sehen ist, finde ich mittlerweile nur noch peinlich. Suche sich jeder einen Baum, an dem er sich ausheulen kann (männliche Form beabsichtigt!) …
11 Dezember 2025
Bereits der Teil 58
Der Roman spielt im Sommer 1996. Als ich mit der Arbeit daran anfing, war das also gut zwanzig Jahre her. Mittlerweile sind es fast dreißig Jahre, und ich merke, dass ich mit den Erinnerungen ins Trudeln geraten. Klar weiß ich noch, welche Musik ich damals hörte und zu welchen Konzerten wir gefahren sind.
Aber wie war das damals wirklich mit den Computern? Hatte ich schon einen Internet-Anschluss? Welche technischen Möglichkeiten, die heute selbstverständlich sind, waren damals reine Science Fiction? Tatsächlich stellen sich solche Fragen beim Schreiben eines fast schon historisch anmutenden Textes immer wieder aufs Neue.
Die Folge 58 kommt gut ohne technische Details aus. Meine Hauptfigur plagt sich mit dem Älterwerden herum – das machte mir 1996 tatsächlich mehr zu schaffen als heute, scheint mir … – und ärgert sich über politische Aktivisten auf der »linken Seite«, die er in Gedanken als »Automaten« beschimpft. Eine damals häufige Äußerung in den Kreisen von Leuten, die laute Musik hörten und in besetzten Häusern ihre Zeit verbrachten, aber nicht so begeistert von ausufernden Plenumssitzungen waren …
Aber das ist dann eine andere Geschichte!
10 Dezember 2025
Zwölf peruanisch-bayerische Texte
Die Geschichten sind angenehm kurz, man kann sie gut zwischendurch lesen. Sie spielen in Peru, aber auch in München oder Frankfurt, sie haben ganz selten einen leicht phantastischen Anflug und überzeugen zumeist. Nicht alle gefielen mir bei der Lektüre – aber das ist letztlich Geschmackssache.
Schön sind Texte, die das Thema der Fremdartigkeit behandeln. Die Autorin, eine gebürtige Peruanerin, hat beispielsweise ein anderes Verhältnis zu Meerschweinchen als ein Kind aus Deutschland, das die Tiere nur als Kuscheltiere begreift und sie nicht als Nahrungsmittel betrachtet. In anderen Texten geht es um das Benutzen von Tarot-Karten oder um den extremen Gestank, der sich in einer südamerikanischen Großstadt ausbreitet, ohne dass die Anwohner die Ursache gleich herausfinden können.
Künstler und eine spezielle Farbe, die sie benutzen, treten in dieser Storysammlung ebenso auf wie Frauen, die nachts allein durch die Straßen gehen und sich unwohl fühlen. Die Lektüre ist abwechslungsreich, die künstlerische Gestaltung zumindest interessant.
»Nachtschichten« ist durchaus lesenswert. Ob man für 120 Taschenbuchseiten in extrem großzügigem Layout und mit vielen Bildern dann allerdings zwanzig Euro ausgeben möchte, muss sich jede*r selbst überlegen. Ich habe den Kauf nicht bereut.
09 Dezember 2025
Carcosa zum sechsten
Kaufen und lesen kann ich nicht alles, was der Verlag veröffentlicht; das schaffe ich zeitlich nicht. Aber das sechste Carcosa-Programm, das im Frühjahr 2026 angeboten wird, enthält erneut einige Bücher, die ich unbedingt haben muss.
Großartig finde ich, dass ein Autor wie Kim Stanley Robinson mit neuen Romanen bei Carcosa präsentiert wird. Kurzgeschichten von Aiki Mira und Fantasy von Nicola Griffith – von ihr kenne ich bislang nichts – stehen ebenfalls auf dem »muss ich haben«-Zettel. Und wenn's im Frühsommer 2026 einen neuen Phantastischen Almanach gibt, freut mich das ebenfalls.
Verlage wie Carcosa füllen die Lücke, die von den großen Verlagen hinterlassen worden ist. Hier erscheinen nicht nur wertige Klassiker-Ausgaben, sondern hier gibt's zudem neue Phantastik mit Niveau. Das finde ich großartig!
08 Dezember 2025
Ein Glückskeks-Orakel
Seit vielen Jahren träume ich davon, endlich einmal eine dieser legendären Warnungen zu erhalten. »Hilfe, ich werde in einer Glückskekse-Fabrik gefangengehalten!« Bisher ist das nicht geschehen.
Mein anderer Traum ist ja immer noch, Texter in einer Glückskekse-Fabrik zu werden. Das muss sich ja jemand ausdenken, und wenn ich dieser Jemand wäre, könnte ich glatt philosophisch werden.
Solange diese beiden Träume nicht erfüllt werden, halte ich mich an den Glückskekse-Texten fest, die ich eben erhalte. In diesem Fall: »Iss nach Belieben, aber trinke mit Maß«. Da nirgends steht, welches Maß einzuhalten ist, übersetze ich diesen Spruch damit, dass ich weiterhin essen und trinken kann, wie mir beliebt.
Wenn das mal nicht ein wunderbares Orakel für mich ist!
05 Dezember 2025
Eine Folge über Malawi
Der Podcast »55 countries« widmet sich dem afrikanischen Kontinent, und das macht er sehr gut. In der aktuellen Folge 61 geht es um Malawi; die Folge ist angenehm kurz und fasst die Themen gut zusammen. Man bekommt einen vernünftigen Eindruck von den Problemen und Hoffnungen des kleinen Landes in Südostafrika.
Was mir besonders gut gefiel: Als Interviewpartner wurden zumeist Einheimische vorgestellt. Ihr O-Ton wird nicht untertitelt; weil die englische Aussprache manchmal ein bisschen schwierig ist, muss man sich beim Zuhören sehr konzentrieren. Kein Problem – dafür ist das eben authentisch.
Ein guter Podcast, eine sehr gute Folge! Wer mehr über Afrika wissen will, sollte sich »55 countries« mal anschauen! Oder eher anhören, schon klar …
04 Dezember 2025
Der Beginn der Suppenzeit
Im Sommer ist mir oft ein leichter Salat lieber. Allerdings kann man mich mit Pizza oder Käsespätzle trotzdem immer kriegen; da bin ich also sehr inkonsequent. Im Winter stehe ich auf jeden Fall auf Suppen. Und so begann in diesen Tagen wieder die Suppenzeit.
Der Asia-Supermarkt in unserer Stadt, in Spaziergang-Entfernung von meiner Wohnung, wird dabei immer wichtiger. Ich bin noch nicht so weit, dass ich ein Stammkunde wäre, und niemand dort kennt mich – aber ich bin immer öfter dort und kaufe allerlei Dinge fürs Haus.
Und manchmal kommt sogar etwas dabei heraus, was sehr lecker ist. In diesem Fall eine Pho, zumindest das, was unsereins nach vietnamesischem Rezept hinbekommt. Ob der Sake jetzt wirklich so genau dazu passt, weiß ich nicht – aber für schnöselige Süddeutsche schmelzen Vietnam und Japan zu einer asiatzischen Kücheneinheit zusammen.
Lecker war's allemal. So. Und nun können die anderen Suppen zackig folgen. (Heute abend Blumenkohl?)
03 Dezember 2025
Ein Essay über fehlende Empathie und die Folgen daraus
An dieser Stelle will ich nicht über den schrecklichen Gaza-Krieg und die offensichtlichen Fehler und Verbrechen der israelischen Führung schreiben; darum geht's hier nicht. Darum geht's auch Jens Balzer nicht, der in seinem Essay »After Woke« über die Erschütterung nach dem 7. Oktober schreibt.
Sein Text ist als Taschenbuch in der Reihe »Fröhliche Wissenschaft« erschienen, die der Verlag Matthes & Seitz herausgibt, und ist streckenweise durchaus komplex. Für jemanden wie mich, der Habermas oder Adorno nie gelesen hat, boten sich bei der Lektüre einige Stolperfallen – ich fand das Büchlein in seiner strengen Beweisführung aber sehr lesbar und vor allem lesenswert.
Balzer zeichnet nach, wie der Begriff »woke« entstanden ist, was er eigentlich bedeutet und warum er sich zu einem Kampfbegriff der Rechtskonservativen entwickelt hat. Er schildert Parallelen zu Befreiungsbewegungen der Schwarzen in den USA und zeigt auf, wieso Teile der antikolonialen Bewegung in Israel einen Vorposten des Kolonialismus und Imperialismus sehen.
Was mir an dem Buch sehr gut gefallen hat, ist die Art und Weise, wie Balzer die Zusammenhänge darstellt. Vieles von dem, was er schreibt, ist und war mir durchaus bekannt; die Zusammenstellung war aber neu und umfassend; das Quellenverzeichnis lädt zur weiteren Recherche ein.
»After Woke« ist ein sehr gutes Debattenbuch, nicht zu umfangreich und auch nicht zu komplex, dessen Lektüre ich allen Leuten empfehlen möchte, die sich für Politik interessieren.
02 Dezember 2025
Thalia setzt auf Spiele
Das Unternehmen will wachsen und erweitert sein Portfolio auf den Spielefachhandel. Zuletzt hat man eine Ladenkette übernommen, in Lüdenscheid wurde jetzt mit »Thalia Spielzeit« ein erster Spieleladen eröffnet.
Spieleläden und Spielefachgeschäfte gab es früher haufenweise; sie sind zu einem großen Teil »ausgestorben«. Grund eins: Es gibt keine Preisbindung für Spiele, was dazu führte, dass das Fachgeschäft gegen die Kaufhäuser mit ihrer Marktmacht unterlag. Grund zwei: Der Onlinehandel ist noch preiswerter; wenn ich bei Amazon ein Spiel zum halben Preis bekomme, für den es der Fachhandel anbietet, muss man sich schon überlegen, wo man dann einkauft.
Das hier ist kein Plädoyer dafür, bei der Thalia sein Geld zu lassen. Aber wenn Thalia als einziges Unternehmen offensichtlich in der Lage ist, für solche Geschäfte in den Innenstädten von Mittel- und Großstädten zu sorgen, kann ich das nur begrüßen.
Zwei Gallier in Portugal
Es ist ein typischer »Asterix«-Band: Die beiden gallischen Helden – also Asterix und Obelix sowie der kleine Hund Idefix – müssen wieder einmal in die Ferne reisen, um Leuten zu helfen, die von den Römern unterdrückt werden. Entsprechende Reisen zu Belgiern, Spaniern und Briten gab es in der Vergangenheit. Nun also geht’s nach Lusitanien, ins heutige Portugal.
Die Geschichte selbst ist nicht weiter erwähnenswert; viele Gags fand ich erwartbar. Durchaus witzig fand ich, dass man die portugiesische Aussprache von Wörtern in den Text integriert hat, was anfangs ein bisschen kompliziert anmutet, sich dann aber gut lesen lässt. Und witzig fand ich die Anspielungen auf portugiesische Kultur-Klischees, etwa auf den Fado.
Es gibt darüber hinaus Anspielungen auf die französische Politik; so wird das Thema Renten kurz angerissen. Insgesamt hält sich Fabcaro, der nun für den zweiten »Asterix« die Texte geschrieben hat, aber mit den Polit-Details zurück – oder sie fielen mir nicht zu sehr auf.
Didier Conrad als Zeichner hat sich bei den »Asterix«-Geschichten nach einigen Jahren etabliert. Seine Figuren sehen sehr gut aus, die Dekors sind stimmig, die Action passt – er soll ja auch keine Neuerungen bringen, sondern die klassischen Abenteuer fortsetzen.
Das ist gelungen: »Asterix in Lusitanien« ist sicher kein Meisterwerk und zählt nicht zu den besten Geschichten der Reihe – aber er bietet solide Unterhaltung, und man kann sich selbst bei nochmaliger Lektüre gut amüsieren. Was will ich mehr?
01 Dezember 2025
Ein letzter Funke Hoffnung
Die Handlung spitzt sich auf zwei Figuren zu: Ewa, die letzte Überlebende nach den Klimakriegen, und Artur, ein Roboter, der auf sie aufpasst und sie ständig damit nervt, dass er von ihr ein Passwort will. Als sie aber irgendwann vergisst, sich das neue Passwort zu merken, gerät Ewa in eine lebensbedrohliche Situation ...
Tatsächlich gibt es mit Ewa nur einen einzigen Menschen in diesem Film. Sie bewegt sich zumeist auf dem Plateau eines Berges, wo sie ein Lager unterhält, das der Roboter Artur bewach; ab und zu fährt sie in die nahegelegene Stadt, wo sie in den Regalen nach verwertbaren Dingen sucht. Ansonsten versucht sie erfolglos, Kommunikation zu anderen Menschen aufzunehmen.
Der Film lebt von seinen Bildern: die triste Existenz am Rand einer toten Gesellschaft, der unaufhörliche Wind, die quietschenden Geräusche des alten, aber immer noch bewaffneten Roboters. Der Film ist allerdings ein bisschen zu lang: Wäre er etwa eine Dreiviertelstunde lang, käme die erzählerische Wucht stärker; so zieht er sich in manchen Szenen doch sehr.
Es gibt ernsthafte Vergleiche mit dem Kinder-SF-Film »Wall-E«. Das ist Unsinn. »The Last Spark of Hope« hat zwar einen gewissen Sarkasmus, aber der ist grimmig und überhaupt nicht für Kinder geeignet. Das Ende ist auch sehr unlustig.
»The Last Spark of Hope« wurde für sehr wenig Geld produziert und hat deshalb seine Schwächen. Als dystopische Science Fiction vermag er in weiten Teilen zu überzeugen, die Pointe fand ich ein wenig schlapp. Wer eine Chance hat, diesen Science-Fiction-Film anzugucken, sollte es zumindest mal versuchen.
28 November 2025
Horror und Feminismus
Ein durchaus empfehlenswerter Podcast, der sich mit Literatur beschäftigt, kommt vom Deutschlandfunk und trägt den schönen Titel »Lesart«. Eigentlich ist es ja ein Bestandteil der Radiosendung, der hinterher als Podcast für Leute wie mich angeboten wird, die tagsüber selten Radio hören, im Auto aber gerne mal einem Podcast lauschen.
Eine der Folgen, die am 26. November angelegt wurden – »ausgestrahlt« stimmt ja nicht ganz –, trägt den Titel »Der Feminismus ist im Horrorgenre angekommen«. Der Moderator und ein Gast sprechen über das Thema, und die Unterhaltung ist wirklich interessant.
Man könnte kritisch einwenden, ob man zum Thema Feminismus unbedingt zwei Männer miteinander reden lassen musste – gab’s da keine Frau, die sich mit dem Thema ein bisschen beschäftigt? –, und die leichte Arroganz, die mitschwingt, wenn sich Literaturleute über Phantastik unterhalten, ist feststellbar, aber insgesamt fand ich die Sendung gut.
Die Podcast-Folge ist angenehm kurz, in nicht einmal sechs Minuten ist das Thema angerissen, und am Ende hatte ich den einen oder anderen neuen Literatur-Tipp. So muss das sein!
27 November 2025
Großmutter und die Wölfchen
An diesem Mittwochabend im Spätsommer 2004 war einiges anders: Bei schwülwarmem Wetter, das mir bei jeder Bewegung den Schweiß aus den Poren und ins T-Shirt trieb, bewegte ich meinen Körper zum Gutenbergplatz. Dass sich in meinem Schlepptau eine Reihe von Menschen aufhielt, die ebenso schwitzten, tröstete mich dabei nicht so arg.
Aber Micha hatte die Devise ausgegeben: »Auf dem Gutenbergplatz ist was los, da spielt eine Band, und das ist bestimmt lustig.« Sie musste es wissen, und sie war sehr überzeugend in dem, was sie sagte.
Ich hätte misstrauisch sein sollen: Eine Exil-Pfälzerin, die in einem Dorf außerhalb von Karlsruhe lebt, hat sicher andere Vorstellungen von Lustigkeit als ich ... Aber ich ging mit, und ich hatte die beste Absicht, mich bombig zu amüsieren.
Zwei Viertel pfälzischen Weißherbst, die ich mir schon ins Hirn geballert hatte, sorgten zudem für gute Laune. Bei der Temperatur sorgte auch ein leichter Wein dieser Sorte normalerweise für gute Laune.
Was ich nicht wusste, war die Tatsache, dass eine Bäckerei auf dem Gutenbergplatz ihr zehnjähriges Jubiläum feierte und in einem Anfall von klugem Marketing nicht nur sich selbst feiern wollte, sondern dazu alle Nachbarn einlud. Die Bäckerei mit dem hübschen Titel »Großmudder‘s« hatte es geschafft, den ganzen Platz in eine Party-Zone zu verwandeln.
In eine Party-Zone für fiftysomethings, um es genauer zu sagen. Unsere fröhliche Delegation senkte glatt den Altersdurchschnitt auf dem Gutenbergplatz, zumindest unter den Besuchern, die sich auf Bierbänken breitgemacht hatten oder begeistert jener Band zujubelte, die vor einem bunten Lieferwagen auf einer improvisierten flachen Bühne stand und wie wild rockte.
Die Band nannte sich Peter & The Wolves, und sie bestand aus vier Männern und einer Frau. Im Schnitt waren sie an die fünfzig Jahre alt, durchaus versiert auf ihren Instrumenten, also etwa auf dem Niveau einer durchschnittlichen Schülerband, und unter dem Jubel des Publikums war kaum zu vernehmen, dass viele Einsätze nicht stimmten, das sich Gitarre und Schlagzeug gelegentlich nicht überholten, sondern gegenseitig langsamer machten.
Immerhin schafften die fünf Leute auf der Bühne es, Stücke von den Rolling Stones und von AC/DC in einer Art zu spielen, dass sie von jedem wieder erkannt wurden, wenngleich manchmal arg augenzwinkernd und magenverrenkend. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder schreien sollte, während Manne bei jeder Gelegenheit einen neuen trockenen Spruch absonderte, der sich auf das mangelnde spielerische Können der Band bezog.
Punkrock ist nicht gerade die Musikrichtung, die dafür bekannt ist, filigrane Töne in die Welt zu spucken. Aber da wird eben musikalisches Unvermögen dadurch ausgeglichen, dass die Attitüde stimmt oder die Aussagen die knallige Musik ergänzen. Bei der Band auf der Bühne paarten sich musikalisches Unvermögen mit dem Anspruch, gut zu klingen und irgendwie wichtig zu sein. Zumindest kam es mir an diesem Abend so vor.
Weil ich mit der Musik und dem schunkelnden Publikum meine Probleme hatte, schüttete ich mir ein weiteres Viertel Wein in den Schlund, diesmal einen leichten Italiener, was bei den tropischen Temperaturen einen netten Effekt auslöste: Ich wurde noch alberner, als ich es wegen des bisherigen Trinkens schon gewesen war.
Leider reichte es nicht dazu, so richtigen Unfug zu treiben. Mein soziales Umfeld verschleppte mich tatsächlich ins Innere von »Großmudder's Bäckerei«, wo wir einen Platz am Fenster bekamen, mit gutem Blick auf die Band. Ich war schon angetrunken und hatte große Angst, die Fassung zu verlieren; also legte ich eine drastische Pause ein, blieb bei Apfelschorle und überlegte mir bereits, ob ich den Kopf auf den Tisch legen sollte.
Der Abend wurde noch skurril. Meine Begleiter fielen über den Kuchen her, den es in der Bäckerei gab. Abends um halb elf Uhr verspeisten sie Unmengen von süßem Zeugs und Kuchen, während ich mit schmerzenden Ohren auf den Gutenbergplatz schaute, Peter und seine Wolfbande abwechselnd verfluchte und verspottete und mir klarmachte, dass ich jetzt genau in dem Alter war, in dem man solche Veranstaltungen gefälligst gut zu finden hatte ...
(Der Text wurde im April 2005 in der Ausgabe 42 meines Egozines ENPUNKT veröffentlicht. Für diese Publikation wurde er noch einmal leicht bearbeitet. Mittlerweile bin ich so alt wie die Leute, die damals der Band zujubelten. Ich fände sie wahrscheinlich immer noch doof. Also die Band, nicht die Leute …)
26 November 2025
Ein Held der Pulp-Abenteuer
Das ist die Welt, die sich Leigh Brackett in den späten vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts ausdachte. Eric John Stark ist der Held dieser Abenteuer, die eine bizarre Mischung aus Science Fiction und Fantasy bilden. Sie wurden gelegentlich in Anthologien veröffentlicht, nun aber liegen die drei Novellen in einem Sammelband vor: »Schwelende Rebellion« erschien als schöne Ausgabe im Carcosa-Verlag. Die Texte wurden von Helmut W. Pesch neu übersetzt, der auch ein sachkundiges Nachwort beisteuerte.
Ich mag diese alte Science Fiction! Sie entspricht nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft, und sie war schon damals eher märchenhaft als an der »harten Physik« orientiert. Darum ging es Leigh Brackett offensichtlich auch nicht – hätte sie Hard-SF schreiben wollen, hätte sie das sicher gekonnt –, sondern ihr ging es um die Darstellung eines phantastischen Sonnensystems, das manchmal eher an die Schauplätze der klassischen »Conan«-Geschichten oder der epischen Fantasy wie in »Herr der Ringe« erinnert.
Farbige Beschreibungen, stimmungsvolle Einblicke, starke Szenen: Eric John Stark ist ein Außenseiter, der von allen auch so behandelt wird. Die Ureinwohner haben fremdartige Sitten, sehen aber weitestgehend menschlich aus; die Natur wird beeindruckend dargestellt.
»Schwelende Rebellion« ist eine Sammlung, die drei klassische Science-Fiction-Novellen enthält, die ich allesamt faszinierend fand. Schön, dass das das jetzt in einer kompletten und schön gemachten Ausgabe angeboten wird!
25 November 2025
Kein Fahrradjahr für mich
Es war die Hose, die ich zuletzt bei einer kleinen Radtour angezogen hatte. Diese Tour war bereits Wochen und Monate her. Als ich die Hose anschaute und mir überlegte, dass das Wetter eindeutig nicht mehr für kurze Hosen an der frischen Luft geeignet war, fiel mir ein, dass mein Fahrradjahr 2025 ziemlich depressiv verlaufen war.
Im vergangenen Jahr hatte ich eine »gute Ausrede«: Corona und als Folge eine Thrombose hatten zuverlässig dafür gesorgt, dass mir die Ärzte alle sportlichen Aktivitäten anfangs verboten und später nur eingeschränkt genehmigt hatten. Doch 2025? Da gab es solche Regeln nicht.
Und trotzdem hatte ich 2025 nicht viel geschafft: Ich war jeden Tag mit dem Rad unterwegs, aber eine Fahrt zum Bäcker oder ins Training konnte man kaum als Tour bezeichnen. So kam ich auf vielleicht ein Dutzend kurzer Touren, die zwischen einer Stunde und zwei Stunden gedauert hatten, aber nichts, das darüber hinaus ging. Ich war nicht in der Pfalz oder gar im Elsass, ich war nicht im Kraichgau, und ich fuhr keine Berge am Rand des Schwarzwalds hoch.
Als ich die kurze Hose in die Waschmaschine steckte, war mir das alles doch ein wenig peinlich. Kein gedanklicher Rückblick im Stolz also …


















