18 September 2007

Was zum Teufel ist denn Juggern?


Schon mal was vom Juggern gehört? Ich nicht. Okay: Ich nicht, bis mir der Verlag an der Ruhr das Buch »Juggern statt Prügeln« zuschickte, das ein gewisser Ruben Philipp Wickenhäuser verfaßt hat.

Ruben Wickenhäuser, der in äonenlang zurückliegender Zeit auch mal Fanzines gebastelt hat, ist heute ein studierter Historiker mit Bart, langen Haaren, Brille und Jackett. Auf dem offiziellen Foto sieht er auf jeden Fall sehr seriös aus; ich war schwer beeindruckt.

Und Juggern? Das ist eine Art Sport, bei dem sich meist sehr junge Leute drastisch verkleiden, um dann aufeinander loszurennen, sich mit Pompfen auf die Nase und sonstwo hinzuhauen und einen »Jugg« zu erringen. Klingt martialisch, sieht auf den Fotos auch sehr action-lastig aus und macht mich ziemlich neugierig. Ich glaube, das wäre endlich ein Sport für mich.

Das Buch kommt mit dem Untertitel »Der Trendsport für Aggressionsabbau und soziales Lernen« um die Ecke und ist im Prinzip eine Einführung in den Sport, inklusive der Darstellung seiner Regeln und der Möglichkeiten, die sich durch das Spiel ergeben.

Sieht alles in allem ziemlich cool aus; das macht sicher Spaß. Ein rotziges Layout spricht zudem an. Ein Buch, das eine neue Sportart präsentiert, also – und das auf recht witzige Art und Weise. Klingt auf jeden Fall spannend und unterhaltsam genug ...

17 September 2007

Karlsruhe, ein Fußball-Märchen?

So langsam muß ich mir Gedanken um meine Mitbürger machen: Nachdem der KSC, der örtliche Fußballverein, jahrelang im unteren Viertel der zweiten Liga herumkrauchte, hat er in der letzten Saison einen Aufschwung ohnegleichen hingelegt und sich ohne auffallende Probleme in die Bundesliga hinaufgearbeitet.

Und jetzt steht die junge Mannschaft und ihr bärbeißiger Trainer, eine Truppe von jungen Profis und Halb-Amateuren, auf einmal in direktem Duell mit Millionärstruppen. Ich ging – ganz ehrlich – davon aus, daß das ein Desaster wird. Und ein gewisses Spiel gegen Leverkusen, das die meisten Fans wohl schon verdrängt haben, zeigte durch sein desaströses Ergebnis den klaren Unterschied zwischen den Karlsruher Jungs und den Profis aus der Chemie-Metropole.

Doch jetzt? Das letzte Spiel gegen den VfB Stuttgart gewonnen, jetzt den VfL Wolfsburg geschlagen, beides Vereine, die Dutzende von Millionen Euro in neue Spieler investiert haben. Der KSC stellte diesen Profis eine Truppe entgegen, in der – soweit ich weiß – ein Spieler war, der letzte Woche noch in der Amateur-Liga spielte ...

Wo soll das noch hinführen? Größenwahn in Karlsruhe; ich krieg's mit der Angst. Aber nächste Woche treten die Jungs gegen die Bayern aus München an, und da muß ich schon aus Prinzip den Karlsruhern die Daumen drücken.

Werde ich jetzt doch noch Fußballfan?

16 September 2007

Mein Freund Günther O.

Günther Oettinger war mir schon 1983 unsympathisch. Kein Witz – schon damals mochte ich den heutigen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg nicht. Heute finde ich ihn richtig grausig und kann's immer noch nicht glauben, daß er es geschafft hat, seinen Vorgänger im Amt aus ebendiesem zu drängen, ohne daß es dafür irgendeinen relevanten Grund gab.

Damals hatte ich nur indirekt mit ihm zu tun. Als Schüler des örtlichen Wirtschaftsgymnasiums hatte ich viel mit jungen Männern zu tun, die in der Jungen Union mitmischten. Diese tat sich zu jener Zeit mit denselben populistisch-dümmlichen Meinungen hervor, die man auch heutzutage noch von der Jungen Union kennt.

Ihr Vorsitzender damals: Günther Oettinger. Ein Populist reinsten Wassers, der zwischendurch mal ein Motorrad-Verbot für gewisse Schwarzwaldstraßen forderte.

Er war sicher ein Grund dafür, daß ich damals tatsächlich bei den Jusos mitmischte. Das ist mir heute sehr peinlich, weshalb ich dieses Thema an dieser Stelle nicht weiter vertiefen möchte.

Zu jener Zeit gab es bei den Jusos wahrscheinlich auch schon Ute Vogt, die heutige Chefin der baden-württembergischen SPD. Ein bißchen jünger als ich und die Dauer-Gegenkandidatin für Oettinger. Theoretisch müßte ich sie kennen, praktisch habe ich sie aber wohl nie getroffen.

Und das ist wahrscheinlich das Schlimmste an Oettinger: Egal, welche Pannen er sich leistet – diese SPD mit dieser Kandidatin wird ihm nicht gefährlich werden.

Baden-Württemberg ist halt ein ganz spezielles »Muschderländle«.

14 September 2007

Keinerlei Zusammenhänge

Manchmal gibt es Medienberichte, die keinerlei Zusammenhang aufweisen, die sich aber in meinem Gehirn so einprägen, daß gewissermaßen indirekt ein Zusammenhang entsteht. Beide Ereignisse habe ich gestern erst mitgekriegt, beide Themen haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Oder doch?

In der gestrigen »taz« las ich ein Interview mit einem Sportwissenschaftler; das ist an und für sich nicht relevant. Aber ich erfuhr etwas über die eigentlich völlig überflüssige Sportart Beachvolleyball, die ja auch in allerlei Innenstädten – etwa in Karlsruhe – auf extra aufgeschütteten Sandflächen ausgetragen wird. Halbnackte Mädels, die stramm und sportbegeistert vor glotzenden Zuschauern auf und ab hüpfen.

Die für mich neue und relevante Information: Es ist festgelegt worden, daß die Damenbekleidung viel Haut zeigt. Konkret: Die Bikini-Höschen der Damen dürfen an der Seite nicht breiter als fünf Zentimeter sein. Ähm.

Die andere Nachricht betrifft Tschetschenien; hier zitiere ich der Einfachheit halber aus der österreichischen Zeitung »Der Standard«, allerdings auszugsweise:

»In Tschetschenien müssen Beamtinnen künftig das islamische Kopftuch tragen. (...) Präsident Ramsan Kadyrow teilte (...) mit, Frauen, die sich nicht an die Regel hielten, drohe die Entlassung. (...) Er beschuldigte Frauen zudem, die Ursache sämtlicher Verbrechen in der russischen Teilrepublik zu sein, da sie die Männer dazu einluden, Sex mit ihnen zu haben. (...) ›Das erschwert nur die Arbeit der Polizei‹, sagte Kadyrow.«

Zwei Meldungen, die nichts miteinander zu tun haben. Oder vielleicht doch?

13 September 2007

Rezension zu »Chaos«


Da ich in diesem Jahr viel Zeit und Energie in mein neues Buchprojekt »Das Tier von Garoua« gesteckt habe, sind meine letzten Buchprojekte fast in Vergessenheit geraten. Das bezieht sich auch auf »Chaos en France«, dem zweiten Teil meiner »Peter Pank«-Trilogie, der im Frühjahr 2006 erschienen ist.

Über jede Besprechung freut sich der Buchautor, das ist normal. Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, als im Fanzine Intravenös eine Rezension erschien.

Dieses Fanzine wird vom Atlan-Club Deutschland herausgegeben, ist also rein Science-Fiction-orientiert. Umso besser, daß auch »in diesen Kreisen« über mein Buch gesprochen und geschrieben wird.

Wobei ich in diesem Fall weiß, welchen Beruf die Autorin der Besprechung hat; es gibt tatsächlich inhaltliche Bezüge. Gefreut habe ich mich trotzdem, deshalb hier die Dokumentation.

12 September 2007

After Show Trinken

Gehörte ich zur Haute Jeunesse, wüßte ich, wie man sich bei einer After Work Party benimmt. Statt dessen gehe ich nach Feierabend eben heim und kümmere mich um meinen Kram.

Anders ist es mit Konzerten. Am Samstag abend schaffte ich es, eine Stunde zu spät zu kommen. Diverse Angelegenheiten gingen eben vor.

Und so trudelte ich in der »Alten Hackerei« ein, nachdem Kick Joneses und Steakknife fertig waren, und hörte mir von allen möglichen Leuten an, wieviel Spaß sie gehabt hätten und wie klasse alles gewesen sei. Na super!

Aber mit zwei Bieren und einer Ladung Bionade läßt sich das gut überstehen. Und so stand ich stundenlang im Vorraum herum, redete mit allen möglichen Bekannten, während Punkrock und Hardcore durch die Bude dröhnten.

Im Prinzip wie bei einem normalen Konzert auch. Mit dem einen Unterschied, daß das normale Reden und Trinken sonst vor und während eines Konzertes stattfinden und ich es jetzt einfach hinterher nachholte.

Hatte was.

11 September 2007

Ein Alptraum in Pink

Wieder mal im Zug, wieder mal in einem Großraumwagen. Die mag ich eher als die Abteile, weil man in diesen zu leicht »zugequatscht« wird. Doch diesmal habe ich Pech.

Schräg gegenüber, an einem Vierer-Tisch, sitzen zwei ältliche Frauen, von denen die eine besonders auffällig ist: Ihre hellroten Haare trägt sie mit einem Stich orange, was sehr apart wirkt; da hat sich der Friseur ein wenig vertan. Der dünne helle Lippenstift auf den dünnen Lippen paßt dazu; er scheint das runde, rosa Gesicht geradezu zu spalten.

Ebenso zum Stil paßt der leichte Pullover in Pink, den sie unter ihrer gelb-rosa gestreiften Jacke trägt. Wenn sie sich bewegt, rasseln die Glasperlen, die sie in einer dreifachen Reihe aus rötlich schimmernden Schnüren um den Hals geschlungen hat.

Die Frau neben ihr sieht richtig gewöhnlich aus: Jeans, dunkelblaue Jacke, ebenso rötlich gefärbte Haare. Sie ist still, was sie sehr sympathisch macht.

Dafür redet die Dame in Pink. Sie redet ununterbrochen, von Hannover bis Karlsruhe. Sie erzählt Details aus der Familie und aus der Vergangenheit. Der Blumenladen in einem Freiburger Vorort wird ebenso thematisiert wie die Leiden ihrer Enkel.

Nur wenn sie ein wenig Kaffee trinkt, hält sie für einige Augenblicke den Mund. Ich hätte ihr am liebsten fünf Liter Kaffee ausgegeben.

Ein kleiner Preis für ein bißchen Ruhe ...

10 September 2007

IndieSpießer, Nerds und Großkotze


Vieles von dem, was in der aktuellen »Indie«-Musik läuft, gefällt mir sehr gut: Gerade Bands wie Franz Ferdinand oder die göttlichen Arctic Monkeys haben zu Recht allen erdenklichen Ruhm und vor allem auch das gute Geld verdient; Kaiser Chiefs, The Rifles oder auch The Strokes (obwohl die dritte Platte saulahm ist) finde ich ebenfalls klasse.

Umso besser, daß es jetzt das Buch »Fuck Forever – der Tod des Indie-Rock« gibt, erschienen im famosen Hannibal-Verlag und geschrieben von Albert Koch, einem Musikjournalisten, der ein bißchen älter ist als ich und mit ähnlicher Musik sozialisiert wurde.

In seinem Sachbuch greift er in manchmal satirisch überspitzten Formulierungen die Entwicklung des Indie-Rock auf, vollzieht nach, mit welchen Marktmechanismen hier gearbeitet wird und warum sich manche Bands wie durchsetzen konnten. Wie konnte es geschehen, dass eine sich ehemals als alternativ aufführende Musikrichtung so ruckzuck von der Industrie zum Mainstrem gemacht werden konnte?

Dabei spart er nicht an heftig-ironischer Kritik an der Szene. »Indie-Spießer« werden präsentiert, Musikjournalisten durchaus selbstkritisch verhöhnt, die komplette Arie aus »wie grenze ich mich ab?« kritisch hinterfragt. Das ist lesens- und lobenswert zugleich, und und gerade deshalb, weil ich mich selbst oft genug wiedererkenne – so wird es auch anderen Leuten geben, die sich die Lektüre gönnen.

Eine schöne Ergänzung sind die Interviews: Der Sänger Adam Green, die Moderatorin Charlotte Roche und einige andere dienen als Kronzeugen für Kochs Argumentation.

Das Buch ist super-unterhaltsam geschrieben und liest sich so leicht wie ein Roman. Man sollte sich allerdings mit den entsprechenden Bands auskennen, weil man sonst nicht versteht, auf welche Kapellen sich Koch bezieht. Das 232 Seiten starke Paperback kostet 14,90 Euro und kann unter der ISBN 978-3-85445-282-9 in jedem Buchgeschäft bestellt werden.

Im netten Oma-Café

Einmal im Jahr etwa verschlägt es mich zu einem Zwischen-Halt nach Dortmund. Ich treffe mich in diesem Fall üblicherweise mit einem Schriftsteller-Kollegen am Bahnhof, und dann steuern wir schon traditionell das Café Kleimann an, das sich keine zweihundert Meter vom Bahnhof entfernt befindet. Immerhin wissen wir schon, was uns dort erwartet.

Das Café ist ein typisches »Oma-Café«, was die Einrichtung und das Publikum betrifft: alles ein bißchen ältlich und ein bißchen in den 70er Jahren hängend, aber nicht unsympathisch. Immerhin sind die Kuchen und Torten lecker; ich habe bei den bisherigen Besuchen immer ausgesprochen gut schmeckende Kalorienbomben auf den Tisch bekommen.

Woran die Damen des Cafés noch arbeiten sollten, ist der Service. Vielleicht ist es in solchen Cafés nicht üblich, freundlich zu den Gästen zu sein, vielleicht haben wir einfach den Altersschnitt zu sehr gesenkt und damit für Verwirrung gesorgt. Ein gelegentliches Lächeln würde nicht schaden, denke ich, und manchmal kann ein freundliches Wort die seltsam-altertümliche Atmosphäre auflockern.

Aber wahrscheinlich gehört das einfach dazu. Wobei wir fair sein müssen: Die Dame an der Kuchentheke war sehr nett, und eine weitere Bedienung, die leider nicht an unserem Tisch auflief, lächelte immer entschuldigend an uns vorbei.

Ich bin mir sicher, daß ich bald wieder im Café Kleimann landen werde; vielleicht probiere ich dann einen Apfelkuchen. Und wenn ... fällt mir gerade ein ... die entsprechende Dame im Service auf einmal lächeln könnte, bekäme ich womöglich einen Ohnmachtsanfall. Und das will ich dann doch auch nicht.

Langer Rede kurzer Sinn: sehr nettes Oma-Café. Gerne wieder mal!

09 September 2007

Ruppiger Hardcore im Dauerlauf

Seit Tagen laufen bei mir zu Hause zwei Vinyl-Scheiben praktisch in Dauer-Rotation auf dem Plattenspieler: beidesmal krachiger Hardcore, wie er vor zwanzig Jahren praktisch über Europa hinwegrollte, beidesmal dann auch noch aus Skandinavien. Man könnte meinen, die große Zeit des Euro-Hardcore sei wieder da.

Die eine Band heißt Kolokol, kommt aus Norwegen und klingt ziemlich wie So Much Hate, die damals aus Norwegen kamen und für mich die beste europäische Hardcore-Band waren. Ein entfesselter Sänger, der sich die Stimme aus dem Leib schreibt, dazu ein Sound zwischen ruppig und intensiv, das alles in einer schick gestalteten Plattenhülle mit tollem Beiheft – was will ich mehr?

Ähnliches gilt für die Band Armageddon Clock. Die Burschen sind aus Finnland, wo es haufenweise geiler Bands zu geben scheint, und sie spielen angeblich seit zehn Jahren zusammen. Mit »Armageddon macht frei« legen sie eine Platte vor, die alles in Grund und Boden rockt; das ist der Hammer.

Ein kreischiger Sänger, dazu abwechslungsreicher Hardcore-Sound, der treibt und rockt und wütet und Pausen macht und dann wieder nach vorne poltert – der Hammer. Ich könnte mir in den Arsch beißen, daß ich nicht auf dem Konzert war (aber die Geburtstagsparty war ja auch superlustig).

Wer mehr über die zwei Bands wissen und von ihr hören will, klicke auf ihre jeweiligen Homepages. Dort gibt es einige mp3-Dateien zum kostenlosen Download. Reinhören!

Übrigens sind beide Platten beim famosen Label Twisted Chords erschienen, bei dem es anscheinend gar keine schlechten Platten gibt. Einen Besuch der Homepage kann ich von daher nur anraten.

Fast eine Straßenlaterne

Sie trug einen blonden Pferdeschwanz und war groß, einen halben Kopf länger als der junge Mann mit kurzgeschorenen Haaren und Jogginghosen, der neben ihr ging. Und sie trug flache Schuhe; viel flacher als Converse-Turnschuhe geht's kaum.

Dazu eine sehr kurze Hose und ein T-Shirt, figurbetont, versteht sich. Und das an einem Donnerstag abend in der Innenstadt von Karlsruhe, zu Temperaturen, die nicht einmal mit viel Milde als angenehm bezeichnet werden können.

Respekt. Und das angesichts mancher Fregatten, die sonst in Dauerwellen-Ornat und Komplett-Gesichtsmasken durch die Innenstadt flanieren.

Ich war komplett irritiert und drehte mich während des Fahrens so auf meinem Fahrradsattel, daß ich fast gegen einen Laternenpfahl gerammt hätte. Man hat's schon schwer, wenn man ein Mann mit leichtem Hang zum Sexismus ist.

07 September 2007

Schwäbische Ulknudeln

Vier lustige Schwäbinnen im Zug, vom Dialekt her irgendwo aus dem Randgebiet der Schwäbischen Alb. Sie tragen Blusen und Jacken mit Blumenmuster, Dauerwellen und eine fürchterliche Lache; sie amüsieren sich sehr, sind lustig, und bereits nach fünf Minuten mit ihnen im selben Großraumwagen weiß ich, daß sie unterwegs zu »Starlight Express« sind. Kulturtouristen also.

Ein schwarzer Mann in der Uniform eines Bahn-Service-Angestellten verkauft Kaffee im Gang des Großraumwagens. »Mag jemand Kaffee?« fragt er in sauberem Deutsch, das einen leichten Akzent aufweist.

Die Damen stoppen ihn. »Wo sind Sie her?«, fragt ihn die eine. »Aus Kamerun oder woher?«

»Nein«, gibt der Mann trocken zurück. »Aus Dortmund.«

Ein kurzer Moment der Stille, dann lachen alle. Ich grinse in mich hinein.

»Nein«, hakt die Dame nach. »Wo sind Sie wirklich her?«

»Aus Gambia. Kennen Sie das?«

»Nein. Aber ich gehe auch nach Afrika. Nach Namibia.«

Der Schwarze bedankt sich höflich und geht weiter, gefolgt von dem fröhlichen Gelächter der Ulknudeln. Alltagsrassismus kann so lustig sein.

06 September 2007

Rauchfrei auf Reisen

Man gewöhnt sich schnell um. Zumindest daran, daß die Luft neuerdings besser ist, wenn man sich in geschlossenen Räumen aufhält.

Im Zug von Karlsruhe nach Mannheim sitze ich in einem ehemaligen Raucherabteil eines Großraumwagens. Der Geruch nach kaltem Rauch hängt noch in den Sitzen, es riecht alles ein bißchen alt und muffelig.

Der Schaffner kackt einen Mann an, der auf das »Raucher«-Schild zeigt und sich offensichtlich gerade eine Zigarette anzünden wollte. Der Mann verweist auf das Schild, das ausdrücklich das Rauchen verbiete, und der Schaffner verweist auf irgendwelche Gesetze. Herrliche Diskussion!

In Dortmund im Oma-Cafe, in dem ich mich mit Hartmut treffe, wird geraucht. Irgendwelche Leute sitzen an Tischen, haben Zigaretten in den Händen und qualmen Kuchen futternde Omas und Opas (und den Kuchen futternden Klaus) zu. Ich finde es ekelhaft.

In der Tat: Ich habe mich rasch daran gewöhnt, daß ich in rauchfreien Räumen sitze, wenn ich abends weggehe.

04 September 2007

Klassische und moderne Phantastik


Zu den Fanzines (ihr dürft gerne auch Literaturzeitschriften sagen), die ich abonniert habe, gehört das Arcana. Das Heft ist in streng seriösem Layout gehalten, hat A5-Format und dürfte nicht mehr als 200 Exemplare als Auflage haben.

Das ist schade, denn das Arcana, das sich zu Recht als »Magazin für klassische und moderne Phantastik« versteht, ist ein - im positiven Sinn - konservatives Fanzine. Die vorliegende Ausgabe präsentiert dabei Kurzgeschichten von bekannten Autoren wie Michael Siefener (hat schon mehrere Kriminalromane und fantastische Romane publiziert), Uwe Vöhl (Autor, Übersetzer und Herausgeber) sowie Malte S. Sembten. Alle Stories haben einen morbiden Charme, spielen mit den klassischen Regeln der fantastischen Literatur, auch wenn sie von heutigen Autoren stammen

Dazu kommen sachkundige Buchbesprechungen sowie ein echtes »Schmankerl«: eine Kurzgeschichte des böhmischen Autors Ladislaus Tarnowski, der im 19. Jahrhundert schrieb. Sehr schön, trotz der Patina gut lesbar.

Ich mag das Fanzine (oder die Literaturzeitschrift). Bedauerlich, daß solche Publikationen nur für ein extremes Minderheitenpublikum etwas zu sein scheinen. Einzelausgabe für drei Euro - direkt beim Verlag Lindenstruth.

Raucher-Ängste

Ich bin Nichtraucher. Natural Born Non-Smoker gewissermaßen. Geraucht habe ich praktisch nie, sogar beim Konsum illegaler Rauchwaren stellte ich mich meist recht doof an. Während der Bundeswehrzeit zog ich mir exakt sieben Zigaretten rein, dann verschenkte ich die von mir gekaufte »Marlboro«-Schachtel.

Ich müßte also völlig unbetroffen sein oder mich sogar freuen. Die aktuelle Anti-Raucher-Kampagne schlägt immer buntere Kapriolen.

Daß man im Restaurant nicht mehr raucht, halte ich für sinnvoll; dann qualmen mir die Nebentischsitzer nicht mehr das vegetarische Futter voll. Im Zug fand ich's immer nervig, wenn ich in der Nähe des Raucherabteils saß. Also okay, daß dort die Qualmerei verboten wird.

Aber daß Schüler nicht mehr rauchen dürfen, ist ein Skandal. Als Nichtraucher stand ich in jeder Großen Pause in der Raucherecke. Da trafen sich die Rebellen, die aufmüpfigen Jugendlichen, die hübschen Mädels und die halbstarken Mofarocker – da wollte ich immer hin.

Was macht denn jetzt ein durchschnittlicher Jugendlicher, wenn er nicht mehr in die Raucherecke darf? Das löst ja Alpträume aus.

Mitleidige Blicke in die junge Generation schicke ich in diesen Tagen ...

03 September 2007

Punk aus Downunder

In der ENPUNKT-Radiosendung, die ich im örtlichen Freien Radio Querfunk betreibe, ging es am Sonntag, 2. September, mal wieder um Punkrock und Hardcore aus Australien und Neuseeland. 1991 hatte ich Australien besucht; ich habe einen großen Teil der damaligen Reise vergessen, aber die Musik mag ich immer noch.

Da ich unter chaotischen Umständen meine Sendung begann (ich hatte meinen Schlüssel zum Studio vergessen - so was Blödes!), dauerte es einige Zeit, bis ich richtig loslegen konnte. Immerhin gab es aus Neuseeland eher neuere Bands wie die Datsuns oder Sommerset, während ich bei Australien durchaus in die Geschichtskiste griff.

Ich gestehe, daß Radio Birdman mittlerweile von niemandem mehr als Punk bezeichnet werden würde; 1977 gehörte die Band aber dazu, und ich spielte Stücke ausm Jahr 1978. Dazu kamen die Hard-Ons mit Aufnahmen von 1987 und Ratcat, die ich um 1990 sehr mochte.

Richtig prügeligen Hardcore gab's also nicht, eher ruhige Töne. Der Beweis dafür, daß das, was 1977 die Menschen entsetzte, heutzutage schon als »normale« Rock-Musik betrachtet werden kann.

Da sieht man's wieder: Ich betrachte meine Sendung geradezu als musikjournalistischen Auftrag, in dem ich eben nicht nur neuen Kram spiele, sondern bewußt alte Kamellen aus meiner Plattenkiste kruschdle. Bisher hat sich darüber noch niemand beschwert.

02 September 2007

Wenn Karlsruher zu sehr feiern ...

Sonntag abend, recht spät: Ich radle durch die Innenstadt, wie immer ein bißchen zu spät unterwegs. In Karlsruhe sind immer noch Gruppen von meist jungen Leuten auf der Straße, die offensichtlich in Feierlaune sind.

Kein Wunder: Der KSC hat das baden-württembergische Lokalderby gegen den VfB Stuttgart gewonnen, ein Ergebnis, mit dem eigentlich niemand gerechnet hat. Da dürfen die Karlsruher ja auch gerne feiern.

Unweit der Polizeiwache am Marktplatz falle ich fast vom Rad, als ein betrunkener junger Mann seine Tröte betätigt. Der dröhnende Laut hallt zwischen den Häusern wieder, wird somit viel lauter, als er es eigentlich wäre.

»Kaaaaaarsruuuuuuuh!«, schreit der junge Mann mit überkippender Stimme, die noch nicht so lange aus dem Stimmbruch raus ist.

Über ihm (und damit auch mir!) geht ein Fenster auf. »Halt's Maul, Arschloch, oder ich komm runter!«, bellt eine barsche Stimme im lokalen Dialekt auf die Straße herunter.

»Na komm doch, dumme Sau!«, gibt der Fußballfreund zurück.

Ach, es ist doch immer wieder schön, wenn sich fröhliche Badener unterhalten ...

31 August 2007

Herzschmerz und Gefühle


Als Jugendlicher neigt man dazu, seine Gefühle zu übersteigern. So heißt es in der Theorie. Ich erinnere mich aber düster daran, daß es bei mir durchaus so war: himmelhoch jauchzend, am nächsten Tag zu Tode betrübt. Vielleicht sind Jugendliche häufig manisch-depressiv, keine Ahnung – sie verlieben sich auf jeden Fall schneller als Erwachsen. Dafür sollte man sie eigentlich beneiden.

Im Archiv der Jugendkulturen ist das Buch »Schmetterlinge im Bauch« erschienen, herausgegeben von der Projektgruppe Herzenssache. Und im gesamten Buch geht es nur um das Thema »wenn Jugendliche sich verlieben«.

Haufenweise Interviews mit ganz unterschiedlichen Jugendlichen, mit Jungs und Mädchen, mit Migranten und Deutschen, mit Schwulen, Lesben und Heteros. Okay, es fehlen Nazis und ausgeprägte Szene-Leute, trotzdem gelingt ein guter Überblick.

Ich habe das Buch gerne geschmökert; es ist nicht unbedingt lustig, aber sehr interessant. Viele Gedanken kommen mir aus meiner eigenen Jugend sehr bekannt vor, bei anderen gucke ich irritiert und wundere mich darüber, was die jungen Leute heute so treiben. Spätestens da merkt man halt doch den Altersunterschied.

Na ja, wer's liest, wird auf jeden Fall mit vielen Einblicken belohnt: 180 Seiten mit vielen Fotos für 15 Euro – ein schicker Paperback-Band dazu!

30 August 2007

Mal schnell italienisch

Etwas ganz seltsames am Mittwoch abend: Ich war vor Mitternacht im »La Strada«, und ich kam mir wirklich völlig falsch vor. Aber es war eine spontane Geschichte: Wir hatten Hunger, wir konnten uns nicht so richtig entscheiden, und deshalb entschlossen wir uns, zu dem Italiener zu gehen, den unsereins früher vor allem nach Besuchen in der »Katakombe« oder nach anderen nächtlichen Aktivitäten ansteuerte.

Lag's am Rauchverbot oder an der frühen Tageszeit - vielleicht 21.30 Uhr -, aber es war wirklich nicht viel los: Mit uns besetzten drei Gruppen einen Tisch, was dazu führte, daß der Kellner ausnahmsweise im Schlendergang unterwegs war.

Die Pizza schmeckte gut, die Lasagne ebenfalls, das Bier ließ sich ebenfalls trinken, und die Portionen waren richtig groß. Das laute Radioprogramm störte ein wenig, gleichzeitig aber ist so was ja auch ein Teil des italienischen Flairs ...

Hungrige Menschen, die zu einem guten Preis eine anständige Qualität suchen, kommen im »La Strada« allemal auf ihre Kosten - zumindest Leute wie ich. Wer nur Feinschmeckergerichte mag oder gerne ausgefallenes ausprobieren möchte, ist definitiv falsch. Das Essen ist aber absolut in Ordnung und schmeckt den meisten, wie ich mir sagen lassen habe.

Das »La Strada« ist ein schlichtes Restaurant, das sehr moderate Preise hat: Zwei Personen kommen mit zwei Mahlzeiten und drei Getränken und einem angemessenem Trinkgeld mit exakt zwanzig Euro davon. Ein echter Tip - und zwar nicht nur nach Mitternacht, sondern auch zu normalen Essenszeiten!

29 August 2007

Krakelig und fit

Wenn ich die Frau ansah, fiel mir sofort dieser alberne Bilderwitz ein: Er zeigte einen Steinzeitmenschen, der unter einem krakeligen »Tattoo«-Logo einem anderen Steinzeitmenschen eine Tätowierung verpasste, selbstverständlich mit einem Faustkeil und einem grobschlächtigen Hammer.

Die blauen Markierungen, die die Dame auf ihrem Oberarm und auf den nackten Beinen spazierentrug, sahen wirklich aus, als seien sie mit genau so einem vorsintflutlichen Gerät angefertigt worden. Es war wie bei einer toten Katze: Ich mußte hingucken, auch wenn es mir selbst peinlich vorkam. Aber was soll man machen, wenn einen die Neugier packt?

Wobei es so schlimm ja nicht wirkte. Eher krakelig und falsch. Bei Männern nennt man es »Knast-Tätowierung«, und ich habe gelegentlich jemanden kennengelernt, der sein Tattoo hinter Gittern bekam.

Bei der Frau allerdings: seltsam. Sie wirkte nicht heruntergekommen, sondern recht fit. Leichtes Sommerkleid, der frisch-augustigen Frühherbst-Temperatur nicht unbedingt angemessen, ein munteres Grinsen im Gesicht, so eilte sie an mir vorbei durch die Innenstadt. Sportliche Schuhe mit Absatz, nichts außergewöhnliches.

Nur die Tätowierungen, die aussahen, als sei ihr blaue Farbe über den Arm, den Ausschnitt und die Beine gekippt worden. Vielleicht hatte sie eine heftige Jugend, dachte ich und zog meines Weges.

27 August 2007

Dick wie ein Buch – und lesenswert

Wer auf der Games Convention an den Stand von KochMedia kam, sah dort wahrscheinlich öfter mal einen Herrn mittleren Alters, der in einer schwarzen Jeans, irgendeinem T-Shirt und schwarzen Converse-Turnschuhen am Stand herumsaß und eifrig in einem Magazin las.

Der Herr war natürlich ich, und das Magazin war die OX-Ausgabe 73. Während einer solchen Messe gibt es immer wieder Leerlauf, und für mich war es praktisch, den Leerlauf stets für kleine homöopathische Lektüre-Dosen zu nutzen.

Auf diese Weise schaffte ich es, das 140 A4-Seiten starke Heft nahezu komplett zu lesen. Wobei die 140 Zeitschriftenseiten einem Buch von etwa 400 Seiten entsprechen dürften – eine beeindruckende Sammlung an Informationen, Interviews und Besprechungen.

Bei den Plattenbesprechungen hat jetzt ein anderer Mensch meine bisherige Rolle übernommen, schlechte Deutschpunk-Platten zu rezensieren. Das tut er sehr schön: Wo ich den Platten im Schnitt zwei bis drei Punkte gegeben habe, wenn ich gut drauf war, vergibt er auch noch für den letzten Deutschpunk-Rotz stramme acht Punkte. So unterschiedlich sind die Geschmäcker ...

Dafür gibt es aber haufenweise tolle Interviews, und das meine ich komplett nüchtern und ernsthaft. Der Fernsehmensch Manuel Andrack outet sich als Ex-Punk, die ollen Subhumans werden präsentiert, und natürlich kommen auch mal wieder EA80 und Social Distortion zu Wort. Dazu die göttlichen Agent Orange, die ebenfalls göttlichen Social Unrest und dann auch noch Mike Just – fertig sind die coolen 80er Jahre.

Gottseidank besteht das Heft nicht nur aus einem Rückblick auf alte Zeiten, es komnmen auch genug Bands zu Wort, die ich doof finde. Und einige, die mir gefallen ...

Wie immer ein rundum informatives Heft. Super!

26 August 2007

Geruhsamer Samstag

Nach den anstrengenden Tagen in Leipzig, die erst mitten in der Nacht von Freitag auf Samstag endeten (Zugfahren kann ja auch ermüdend sein), war der gestrige Samstag, 25. August, ein richtig schöner Sommersonnentag.

Mit ausschlafen war leider nichts, weil unsere Besucher sehr früh kamen. Nach gemeinsamem Frühstück ging's aber zum Baggersee nach Weingarten, wo wir uns unter die schönen Bäume ins Gras legten und das taten, was man an Baggerseen so tut: in die Luft gucken, ins Wasser hüpfen, fettige Pommes frites essen, trinken, Unsinn reden und lesen.

Boah, war das ein herrlich fauler Nachmittag!

Abends dann leckeres Essen im »Fünf«: wunderbares Dreigang-Menü, dazu Bier und hinterher flott Grappa. Wie ich in der Nacht noch mein Rad nach Hause schaukelte, war mir fast schleierhaft. Aber immerhin!

Kein Wunder, daß der heutige Tag erst um zwei Uhr mittags anfing. Im dunklen Zimmer fällt der Kreisel im Kopf nicht so auf ...

24 August 2007

Eine Band! Eine Band!

Eigentlich gibt es auf der Games Convention - genauer gesagt: parallel dazu - auch ein Open Air Festival, bei dem allerlei bekannte Kapellen aufspielen. Dafür hat ein Business-Mensch wie unsereins allerdings keine Zeit.

Also pilgerten wir in den Volkspalast, einem prunkmäßigen Bau im Süden der Messestadt, wo die Aussteller-Party stattfand. Überfüllte Räume, ein fieses Gedränge zeitweise, dafür Essen und Trinken im Eintritt enthalten. Was aber nützt das freie Essen, wenn es so dicht umlagert ist, und das freie Bier, für das man anstellen muß?

Okay, es gab Getränkeautomaten, die kostenloses Bier ausspuckten; das war praktisch. Und es spielte eine Band, lauter Männer in Anzug, die die ohnehin hitzige Atmosphäre in der Halle weiter aufheizten.

In Blues-Brothers-Outfit und entsprechendem Sound prügelten sie sich durch die fröhlichen Hits der 60er Jahre, sehr nett und überhaupt nicht so richtig passend zu einer in die Zukunft gerichteten Messe. Mir gefiel's, und das trotz der Hitze.

23 August 2007

Die höchste Dachterrasse ...

Das mußte ja sein: eine Einladung zu einer Party, die auf der höchsten Dachterrasse Deutschlands stattfindet. Es gab Freibier und einen tollen Ausblick auf das nächtliche Leipzig; wer unbedingt Aas futtern wollte, bekam haufenweise Fleischspeisen aller Art.

Dummerweise war für Musik gesorgt worden, und da einer der Veranstalter der Party ausgerechnet MTV war, hatte man zwei DJs organisiert, die grausige Musik auflegten. Anfangs Baller-Baller-Musik zwischen Techno und House, später dann HipHop, was erträglicher war. Da war der DJ dann angeblich der Ex-Freund der Sängerin Anastacia. Boah ey, voll der Promi-Bonus.

Immerhin gab es nette Leute und viele interessante Gespräche, und hinterher hatte ich definitiv die Bettschwere, die mir heute noch in den Knochen hängt.

22 August 2007

Schwitzen in Messehalle 1

Der erste Tag auf der Games Convention: Ich halte mich in der Messehalle 1 auf, dem sogenannten Business-Bereich der Messe, die Luft ist schlecht und überhitzt. Eine typische Messe also.

Mit dem einen Unterschied: Es geht nicht um Bücher und Musik, Bereiche also, in denen ich mich auskenne, sondern um Computerspiele. Anstrengende Sache das, wenn man sich privat für so etwas nicht interessiert und nur rein geschäftlich auf der Messe ist.

Im allgemeinen Bereich ist die Atmosphäre schon heute ein bisschen hitziger, inklusive halbnackter Mädels, die sich auf irgendwelchen Ferraris räkeln. Na ja, es geht letztlich darum, einer vorwiegend männlichen Publikumsschicht die neuesten Spiele zu präsentieren ...

Heute sind 5000 Leute auf der Messe, wie man mir sagte, morgen werden es dann 50.000 sein. Mir graust es fast schon, vor allem auch deshalb, weil ich jetzt schon verschwitzt bin und mir bevorsteht, daß morgen die Lautsprecher richtig aufgedreht werden.

Messe ist anstrengend. Aber das wußte ich ja schon im voraus.

21 August 2007

Auf geht's nach Leipzig

Games Convention - die größte Messe für Computerspiele im europäischen Raum, soweit ich weiß. Bisher mied ich solche Veranstaltungen, weil's mich nicht interessiert, aber heute fahre ich hin.

Der Grund: Das PERRY RHODAN-Computerspiel wird präsentiert, und das interessiert mich natürlich brennend. Die Bilder, die ich gesehen habe, und der Trailer machen einen sehr guten Eindruck, das bin ich schon mal gespannt.

Ich hoffe, daß ich von unterwegs wieder bloggen kann, gestehe aber gern ein, daß ich mir vorkomme wie vor meiner ersten Buchmesse. Neuland betreten kann sooo spannend sein.

20 August 2007

Schickes Werbeflugblatt


Geistig-moralisch bereite ich mich gerade darauf vor, morgen zur Games Convention zu fahren, der Messe für Computerspiele und anderen Kram in Leipzig. Ich war da noch nie und bin entsprechend gespannt darauf, was mich erwartet.

So lange kann ich mich aber darüber freuen, daß die Werbung des Dryas-Verlages für mein Buch anläuft. So gibt es beispielsweise einen sehr hübschen Flyer, der auf »Das Tier von Garoua« aufmerksam macht und hoffentlich auch eine gute Verbreitung findet.

Und da ich darauf stolz bin wie Harry, präsentiere ich das Ding auch hier in meinem Blog. Um möglichst weite Verbreitung wird gebeten ... ich freue mich also darauf, wenn die Werbung sich auch in anderen Blogs und Homepages finden wird.

19 August 2007

Endspurt für Afrika

Das Jahr 2007 geht für mich wohl in meine Biografie ein als ein Jahr, in dem ich nie zu Atem kam. Alle Bekannten, die sich darüber wundern, daß man seit Monaten nichts mehr von mir hört, haben das leider zu spüren bekommen.

Der Grund ist einerseits die Firma, die fürchterlich saugt und bei der die 50-Stunden-Woche als absolute Untergrenze zu gelten scheint. Aber darüber will ich nicht jammern, schließlich könnte ich ja meine Arbeit auch ein bißchen bequemer und weniger zeitintensiv betreiben.

Seit Monaten galt jede freie Viertelstunde dem Manuskript von »Das Tier von Garoua«, das ich in diesem Blog schon einige Male erwähnt habe. Am heutigen Sonntag lege ich letzte Hand an das Manuskript an.

Ich habe es verfaßt, und ich habe jede einzelne Geschichte gründlich bearbeitet. Dachte ich. Doch jetzt, zwei Wochen nachdem das Manuskript eigentlich längst beim Verlag liegt, gehe ich noch mal an die Detail-Korrekturen.

Mir wird echt schwindlig: Sooo viele Fehler, so viele Dinge, die ich noch ändern muß. Und ich weiß zu allem Überfluß, daß ich weitere Fehler sehen werde, nachdem das Ding aus dem Druck gekommen ist. Arrrrrrgggl.

18 August 2007

Kräuterküche und Bioweine

Denk ich an Bio in der Nacht, wird mir oft schwindlig: Mit Bio assoziiere ich körnerfressende Hippies und andere Dinge. Dabei mag ich selbst Körnerfraß und esse gerne Körnerbrötchen und anderen Kram in dieser Richtung. Ich hatte bloß in all den Jahrzehnten nie Lust, mich der grün-ökologischen Subkultur so richtig anzunähern ...

Glücklicherweise ist das in der »Kräuterküche« in der Karlsruher Innenstadt gar nicht nötig. Ich war nicht zum ersten Mal hier und verzichtete deshalb auf das leider nicht besonders gute Bio-Bier. Ich weiß aber, daß der Cola-Ersatz namens Bio-Zisch sehr lecker ist und empfehle durchaus die Weine, die aus biologisch-korrektem Anbau aus der Pfalz stammen.

Und dann das Essen. Ich hatte Nudeln mit vegegarischer Beilage - nein, keine Körner -, während sich die zahlreiche versammelte Fleischfresserfraktion auf Schweinebraten mit Kartoffeln und Gemüse stürzte. Allesamt herrschte große Begeisterung über das Essen vor.

Dazu noch die nette Bedienung, die stets zu Scherzen aufgelegt war, und der Chef/Koch, der uns Schwänke über seinen Hund erzählte. Und da wir auf der Karlstraße sehr bequem saßen, tratschten wir mit vorbeigehenden Menschen, erfuhren so die aktuellen Fußballergebnisse und waren somit mitten in der Karlsruher Tratsch-Kommunikation.

Anders gesagt: Mit dem Bio-Klischee hat die »Kräuterküche« nicht viel zu tun, eher mit schmackhaftem Essen, netten Leuten und gemütlicher Stimmung. Ein echter Ausgeh-Tipp für die Karlsruher Innenstadt!

17 August 2007

Denk ich an Washington, DC ...

... kommt mir tatsächlich nicht der doofe Präsident in den Sinn, der sich dort im Weißen Haus den Hintern breit sitzt. Da fallen mir vor allem Bands ein, deren Musik ich schon seit über zwanzig Jahre mag.

Dabei brauchte ich durchaus meine Zeit, bis mir klar wurde, welches musikalisches Potential tatsächlich in der amerikanischen Hauptstadt verborgen liegt. Washington, D.C., war in den 80er Jahren eine der wichtigsten Städte des US-Hardcore, aber ich bekam davon in meinem Dorf lange Zeit nichts mit.

Erst die Kontakte zur Szene in Nagold, vor allem zu Armin Hoffmann und einigen anderen Leuten, trugen dazu bei, daß mir Bands wie Minor Threat bekannt wurden. Dann kamen Fugazi und Ignition, ich entdeckte Fire Party, und dann fing ich auch an, mir ältere Platten aus der Stadt zu besorgen, die allesamt auf Dischord Records ihre Aufnahmen veröffentlichten.

Wie ich darauf komme? Ich höre seit Wochen, nein, Monaten praktisch ständig die Musik aus Washington. Emopunk, bevor er peinlich wurde, Bands wie Embrace oder Gray Matter, von Government Issue, Scream und den Bad Brains ganz zu schweigen - die nie Emocore oder Emopunk gespielt haben.

Schuld daran ist das Buch »Punk, DC«, erschienen im Ventil Verlag. Eine ausführliche Besprechung wird es noch in meinem ENPUNKT-Fanzine geben, das hoffentlich irgendwann in diesem Jahr mal wieder herauskommen wird.

Aber dieses Buch ist eben schuld daran, daß ich alte Platten aus dem Schrank krame und mit Staunen die Karriere mancher Leute nachvollziehe. Das interessierte mich früher ja alles nicht - es ist auch nicht immer wichtig.

Das Buch rockt. Und die Musik aus Washington, DC, auch!

16 August 2007

Ein durchaus selbstkritisches Vorwort


Endlich habe ich es erhalten: das PERRY RHODAN-Jahrbuch 2006. Hier und an dieser Stelle will ich nicht so viel über den Inhalt schreiben, das hier ist schließlich mein privater Blog.

Einen ausführlichen Jubelartikel liefere ich noch für die PERRY RHODAN-Homepage: Das Jahrbuch ist gut, und es erfüllt seinen Zweck. Hätte ich nicht diesen Job, würde ich es mit hoher Wahrscheinlichkeit privat kaufen und mir in die Sammlung stellen.

Von mir stammt eine Art Vorwort. Titel des Textes »Ein Rückblick mit Staunen«. Es ist nicht unbedingt positiv, sondern enthält eine Reihe von kritischen Äußerungen zum abgelaufenen Perry-Jahr 2006.

Aus diesem Grund dokumentiere ich das Vorwort hier – genauer gesagt in den Kommentaren zu diesem Posting. Damit klar ist, wo der Bezug vom privaten Blog zum geschäftlichen Kram ist ...

15 August 2007

Abenteuer Afrika – mein Buch kommt


Nachdem ich mein Manuskript abgeliefert habe und wir jetzt in der Korrekturphase stecken, kann ich endlich ein bißchen offensiver Werbung dafür betreiben: Im November (vielleicht auch schon früher ...) erscheint mein neues Buch.

Es trägt den Titel »Das Tier von Garoua« und erscheint unter dem Obergriff »Abenteuer Alltag in Afrika«, was auch den Inhalt sehr gut zusammenfasst. Publiziert wird es vom kleinen und feinen Dryas Verlag aus Mannheim.

Enthalten sind im Buch neben Erzählungen, Kurzgeschichten und Berichten auch gut ein Dutzend Farbfotos. In den Texten geht es um Kamerun und Malawi, um Algerien und Togo, um Senegal und Südafrika – eine bunte Mischung also.

Deshalb freue ich mich sehr, das Cover hier zeigen zu dürfen. Weitere Neuigkeiten zum Buch bringen ich peu à peu.

Dicke weiße Flusen

Ich war in Begleitung unterwegs, und wir hielten uns an einem Baggersee auf. Meine Begleitung – eine Gruppe eher jung wirkender Leute – blieb aber schattenhaft, so daß ich mich nicht an Gesichter oder Namen erinnern kann. Nicht einmal das Geschlecht der jeweiligen Menschen wurde mir bewußt.

Allein stand ich am Rand des Baggersees, die anderen waren bereits im Wasser. Ich packte meine Tasche aus und entrollte mein dunkelblaues Badetuch, legte es auf den sandigen Boden, der sich zwischen dem See und dem Strauchwerk dahinter erstreckte.

Dann wollte ich mich auf das Badetuch legen. Ich zog mein T-Shirt über den Kopf und beugte mich nach vorne. Da sah ich das weiße Zeugs, das auf dem Tuch lag: Flusen, die aussahen wie eine Mischung aus Schnee und Baumwolle, weiß und dick und recht stabil.

Ärgerlich nahm ich das Tuch zur Hand und schüttelte es kräftig. Die Flusen blieben darauf hingen, die meisten zumindest, und nur einige fielen auf den Boden. Und als ich das Tuch auf den Boden legte, stellte ich fest, daß jetzt überall solche weißen Flusen lagen, alle im Abstand von vielleicht zehn Zentimeter zum nächsten.

Es schüttelte mich. Wo kamen die Dinger auf einmal her? Ich hatte richtiggehend Angst und versuchte sie mit beiden Händen vom Boden wegzuwischen. Doch sie lagen überall, und sie flogen in Wolken her, um sich auf dem Tuch abzusetzen.

Ich schaute auf den See hinaus, wo meine Bekannten eigentlich schwimmen wollten. Doch ich sah nur weiße Flusen, die durch die Luft schwebten und sich auf dem Wasser niederließen, eine Mauer aus weißen leichten Flocken, die langsam alles zudeckten.

Dann wachte ich glücklicherweise auf.

14 August 2007

Frisuren und Bärte

Neuerdings machen sich die Presseleute wieder mal über einen Politiker und sein Aussehen lustig: Kurt Beck, der SPD-Obermacker, sei, so heißt es, ein gemütlicher Trottel mit Bart aus der Pfalz.

Gerne wird dann über seine Wampe, seinen Bart und seinen Pfälzer Akzent gelästert. Das Lästern kann ich verstehen, schließlich kenne ich das Dorf recht gut, in dem seine politische Karriere begann: Von Karlsruhe ist Steinfeld rund 25 Kilometer entfernt.

Das Lästern über Kurt Becks Bart paßt zum Geläster über Angela Merkels Frisur oder die Tatsache, daß Schäuble im Rollstuhl sitzt. Witze über Rollstuhlfahrer haben sogar in der ach so minderheitenfreundlichen »taz« Konjunktur.

Ich schüttle da nicht nur einmal den Kopf. Was bitte soll denn das? Schäuble, Merkel und Beck betreiben eine asoziale Politik, die das Gleichgewicht in diesem Land immer weiter verschiebt. Darüber könnte man sich aufregen, darüber sollte man Witze machen oder lästern.

Aber es ist halt einfacher, sich über Klamotten, Frisuren oder Behinderungen zu mokieren.

13 August 2007

Dan Shocker ist tot

Der Schriftsteller Jürgen Grasmück ist am Dienstag, 7. August 2007, gestorben. Er wurde 67 Jahre alt, und sein Tod ist wohl für viele Grusel-Fans das Ende einer Epoche.

Denn Grusel-Romane – das war das, womit Jürgen Grasmück alias Dan Shocker bekannt wurde. Nicht Horror, nein, Grusel nannte man das Genre, das vor allem in den 70er Jahren im deutschsprachigen Raum boomte. Ich weiß nicht, wie viele Heftromanserien es gab – aber der Grusel hatte einen großen Marktanteil, und innerhalb des Grusels war Dan Shocker ein Markenzeichen.

Dabei schrieb der Mann auch Science Fiction, hier unter Pseudonymen wie Jay Grams oder Jürgen Grasse; seine erste Veröffentlichung hatte der 1940 Geborene bereits 1956 im Fanzine ANDROMEDA. Und bereits im Alter von 17 Jahren publizierte er seine ersten Romane – schon zu diesem Zeitpunkt mußte der an einer Muskelschwundkrankheit leidende Jürgen Grasmück im Rollstuhl sitzen.

Er verfaßte haufenweise Heftromane und Leihbücher: Science Fiction und Krimis, sogar einen Western. 1967 erdachte er die Figur des Larry Brent – und spätestens danach war er auf Gruselhefte »abonniert«.

Das Genre Grusel bestand damals aus Elementen des Horror- und des Fantasy-Romans, angereichert durch Krimi-Elemente. In den 70er Jahren gab es sogar seltsame Reihen wie »Geister-Western« oder »Gespenster-Krimis«, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Häufig krude Geschichten verbargen sich hinter grausigen Titelbilder, die literarische Qualität der meisten Gruselhefte war unterirdisch. Gerade das machte wohl ihren Reiz aus, den ich allerdings nie nachvollziehen konnte.

Dan Shocker galt für seine Fans als der »Vater der Gruselromane«, es entwickelte sich sogar ein eigenes Fandom mit Fanzines und Clubs, das sich nur um ihn gruppierte. Die Reihe »Macabros« vermengte erfolgreich Science Fiction mit Grusel-Motiven und lieferte einen Genre-Mix aus allen möglichen Unterhaltungsreihen.

Den Höhepunkt seiner Beliebtheit erreichte Jürgen Grasmück, den alle nur als Dan Shocker kannten, in den frühen 80er Jahren: Seine Romane wurden mehrfach nachgedruckt, dazu kamen Hörspiele und zahlreiche andere Produkte. Als Mitte der 80er Jahre das große Heftromansterben begann, kam auch das Ende für die meisten Grusel-Hefte: Außer »John Sinclair« und »Professor Zamorra« ist aus dieser Zeit nichts übrig geblieben.

Immerhin hatte er längst eine esoterische Buchhandlung eröffnet, so daß er nicht vor dem Nichts stand. Leider ging es ihm gesundheitlich von Jahr zu Jahr schlechter. Immerhin gab es in all den Jahren noch einige seiner Fan-Kontakte, Leute also, die zu ihm hielten, weil er ihre Jugend durch seine Romane geprägt hatte.

Meine Jugend war's nicht unbedingt – aber Dan Shocker gehörte irgendwie immer dazu. Man las seinen Namen, man sah seine Romane. Dass er jetzt starb, mutet wirklich wie der Schlußstrich unter das Genre des Grusel-Romans.

Was ich in Köln nun wirklich tat ...

Meine Reise nach Köln, die ich in zwei anderen Blog-Beiträgen jetzt schon erwähnt habe, hatte einen rein geschäftlichen Nutzen. Also nix mit gemütlichem Biertrinken und Konzertebesuchen, nix mit Punkrock oder sonstigem Abenteuertum: brav Pressekonferenz machen und seriös aus der Wäsche gucken.

Es gibt bereits einen sehr schönen Bericht zu dieser Pressekonferenz im Netz; da gibt es auch einige Fotos von mir in seriös-rotem Business-Hemd. Da verlinke ich lieber auf die Homepage des Terranischen Clubs Eden, kurz TCE, als auf die PERRY RHODAN-Homepage, wo sich auch bald der eine oder andere Text zum Thema finden wird.

Aber ich wollt' ja eigentlich meinen Job aus diesem Blog so weit wie möglich raushalten ...

12 August 2007

Singende Köche

Seltsame Dinge passieren in Kölner Hotels. So am Donnerstag abend, 9. August, im Restaurant »Paparazzi« im Köln-Deutzer Radisson-Hotel: leckeres Essen übrigens auch für Vegetarier!

Irgendwann hielten die Köche eine Ansprache an das Publikum, die wir gebührend ignorierten, auf die sie aber viel Applaus erhielten. Und noch später sangen sie: fünf junge Männer, die einen auf »Comedian Harmonists« machten, mehrsprachigen Chorgesang auf deutsch und so.

Nett war's, aber eigentlich hätte es mir ja völlig gereicht, lecker zu essen und gut zu trinken. Köln ist schon anders ...

Streßfrei bei Ikea?

Mein erster Besuch bei Ikea in Walldorf war ein Alptraum – und das lag nicht daran, daß mich fürsorglich ein befreundetes Paar begleitete. Der Anblick der zahlreichen Möbel und der vielen Leute brachte mich geradezu durcheinander.

Das ist jetzt zehn Jahre her, und ich bin schon so verbürgerlicht, daß ich am Freitag abend – nachdem ich fast vier Stunden von Köln zurück gebraucht hatte – freiwillig und allein in das Ikea-Möbelhaus in Walldorf ging.

Allein, so dachte ich, sei es streßfreier: Schließlich wollte ich ausschließlich und allein nach Regalsystemen schauen, um damit dem Papierchaos in meinem Arbeitszimmer zuhause Herr werden zu können.

Aber ich machte meine Rechnung durch die Menschen aus einem Umkreis von rund 60 Kilometern: Ikea war voll. So richtig voll sogar. Mein Versuch, vom Eingang aus im Schnellgang zu den Regalen zu gehen, scheiterte kläglich.

Ganze Familienverbände aus Franken und Schwaben, Hessen und der Pfalz waren da, dazu Heerscharen von Badenern und Kurpfälzern, für die Ikea selbstverständlich ein Heimspiel ist. Einkaufswagen versperrten fast jeden Freiraum, so daß kaum ein Durchkommen war.

Verliebte Paare bummelten Hand in Hand durch das Gedränge, überall waren Menschen mit Maßbändern, Bleistiften und gelben Einkaufstaschen unterwegs. Und ich wollte doch nur gucken, ob das Besta-Regalsystem was taugt ... Arrrrrrrrgl!

Um's kurz zu machen: Ich bekam all die Informationen, die ich wollte, aber ich war hinterher naßgeschwitzt. Ikea ist kein Vergnügen, sondern eine Expedition.

09 August 2007

Amüsant, aber manchmal flach

Jaromir Konecny ist gebürtiger Tscheche, schreibt aber seit vielen Jahren in deutscher Sprache. Eigentlich sollte mir das Geburtsland eines Schriftstellers ziemlich egal sein – da der Autor aber ständig draufrum reitet und es in seinem Buch »Das Geschlechtsleben der Emigranten« mehrfach thematisiert, kann ich diese Tatsache nicht ignorieren.

Letztlich geht es in allen Kurzgeschichten des Buches (schon a bisserl älter, kam 2000 im Ariel-Verlag heraus) nur um den Autor, seine Erlebnisse als tschechischer Emigrant in Deutschland, als Asylbewerber im Lager, als Mann, der wilden Sex haben will, und als Schriftsteller, der fleißig Lesung abhält.

Ich bin mir sicher, daß die Geschichten zünden, wenn sie live vorgetragen werden. Konecny erzählt von Beziehungen, die scheitern, von haarsträubenden Begegnungen mit anderen Menschen, vom nicht erledigten Fick mit einer Prostiuierten oder vom seltsamen bayerischen Essen. Die Texte sind definitiv amüsant, und ich mußte bei der Lektüre mehrfach grinsen.

Das war's dann irgendwann mal. Das Buch lag immer wieder in der Ecke, da es haufenweise interessanteres Zeugs zu lesen gab. Jede Geschichte für sich ist amüsant und spaßig; insgesamt wird die Lektüre dann doch ein wenig flach und eintönig.

Soweit ich weiß, ist das 128 Seiten starke Taschenbuch derzeit eh vergriffen. Offiziell zumindest. Bei diversen Vertrieben solltet Ihr es aber noch erhalten, ebenso direkt beim Ariel-Verlag. Und wer gern Pop-Literatur schmökert, ist hier schon richtig!

08 August 2007

Bergradelträume, spät nachts

Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen war ich mit dem Rad unterwegs zwischen Dietersweiler – so heißt das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin – nach Wittlensweiler. Und als ich so aus dem Wald radelte, überlegte ich spontan, daß ich mal wieder meinen alten Kumpel Ulrich besuchen könnte, den wir ja früher immer nur den »Fool« nannten.

Also nahm ich die Straße nach rechts den Berg hoch, und mir fiel schon unterwegs ein, daß man die ja in den letzten Jahren komplett umgebaut hatte. Aber war die früher schon so steil gewesen? Sehr seltsam.

Ich keuchte und strampelte, und ich vergaß ganz, daß ich Fool besuchen wollte. Rechts und links erhoben sich hohe Gebäude aus Sandstein, die ein wenig an das alte Kepler-Gymnasium erinnerten, in dem ich bis 1979 unterrichtet worden war.

Der Berg war steil, fast hätte ich schieben müssen, aber mit letzter Gewalt schaffte ich es bis an eine T-Kreuzung: Die steile Straße endete, und es ging sowohl nach rechts als auch nach links weiter. Links ging es, wie ich wußte, nach Freudenstadt, und da kam ja auch schon der Wald, und das interessierte. Also fuhr ich langsam in die linke Richtung.

Ein grüner Gartenzaun grenzte Bürgerhäuser zum Gehweg hin ab, aber bei einer Einfahrt sah ich hindurch und stellte fest, daß ich in unbegrenzte Leere blickte – wie im Hochgebirge. Neugierig fuhr ich mit meinem Rad zu der Hofeinfahrt und betrat den Garten.

Vom Zaun aus bot sich mir ein überraschendes Bild. Ich blickte in die Ferne, denn zu meinen Füßen fiel der Fels nahezu senkrecht ab. Ich stellte fest, daß die Häuser, zwischen denen ich stand, gewissermaßen die obere Begrenzung eines gigantischen Steinbruches bildeten.

Mir wurde fast schwindlig, als ich in die Tiefe blickte, entlang der schroffen Wand, aus der einzelne Sandsteinblocks herausragten. Wenn ich in die Ferne blickte, sah ich die Dörfer der Region zu meinen Füßen liegen.

Ich drehte um und ging mit meinem Rad zurück zur Straße. »Schon interessant«, sagte ein alter Mann, der mich stark an den ehemaligen Dorbürgermeister von Dietersweiler erinnerte. »Da haben die lang dran gearbeitet.« Ich nickte und sprang aufs Fahrrad, um die Fahrt nach Freudenstadt fortzusetzen.

Verstört wachte ich auf und brauchte eine Weile, um mir klarzumachen, daß es in Wittlensweiler selbstverständlich keinen Sandsteinbruch gibt – so klar und deutlich hatte sich das Bild in meine Gedanken eingebrannt.

07 August 2007

Peter Pank und das neue OX


Das neue OX-Fanzine ist da, diesmal mit den verwirrten Gesichtern der Band Against Me! aus Florida auf dem Cover. Und mit einer aktuellen Folge meines Fortsetzungsromans »Peter Pank – Und: Hardcore!« im Innenteil.

Nach wie vor spielt die Handlung im Januar 1987; es ist saukalt in den Dörfern zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald, und Peter Pank erinnert sich mit Grausen an die ersten Januar-Tage dieses Jahres zurück – da lebte er unter Straßenpunks in Stuttgart. Damit's ihm im Dorf nicht langweilig wird, bricht er in Begleitung seines Kumpels Jörg und eines pummeligen Journalisten zu einer kleinen Expedition auf ...

Ich weiß sehr genau, wohin ich mit dem aktuellen Fortsetzungsroman will, bin aber trotzdem immer wieder sehr überrascht, was meine Hauptfigur mit ihren Kumpels mit mir und meinen Gedanken anstellen. Aber das ist nichts neues, das war auch bei »Vielen Dank Peter Pank« und »Chaos en France« nicht viel anders, den zwei Vorgänger-Romanen. Solange es mir weiter Spaß macht, sollte das auch nicht stören.

06 August 2007

Afrikanisch essen

Wie ich ja gelegentlich in diesem Blog geschrieben habe, war ich schon mehrfach in diversen afrikanischen Ländern (nachzulesen in meinem Buch »Das Tier von Garoua – Abenteuer Alltag Afrika«, das im November 2007 im Dryas-Verlag erscheint; demnächst mehr dazu!). Insofern habe ich mehrfach Eindrücke in die afrikanische Küche bekommen.

In Eritrea war ich allerdings noch nie - im Restaurant »Kilimandjaro« (so die Schreibweise auf dem Restaurant-Schild und auf dem Kassenbon) allerdings umso öfter. Gewundert habe ich mich nicht nur einmal, warum ein Lokal mit eritreischem Hintergrund sich ausgerechnet nach einem Berg benennt, der einige tausend Kilometer weiter südlich liegt ... Aber da ging man wohl schlicht nach dem Örtlichkeitsempfinden deutscher Restaurant-Besucher, die solche Dinge nicht wissen.

Genug gespottet: Das Restaurant ist nämlich gut. Wir waren unlängst wieder drin, und sowohl die Vegetarier als auch die Aasfresser kamen auf ihre Kosten. Gut gewürzt ist das Essen allemal, aber nicht zu scharf – das paßt alles gut zusammen.

Die Bedienungen sind freundlich, die Einrichtung stimmungsvoll. (Sieht halt so aus, wie man sich in Deutschland Afrika vorstellt; in meinen Augen ein durchaus heikler Stil-Mix aus verschiedenen Kulturkreisen.) Gelegentlich sitzt merkwürdiges Volk aus dem nachbarschaftlichen Umfeld des Restaurants an der Theke, aber das kann man gut ignorieren.

Um's kurz zu machen: Das "Kilimandjaro" ist das beste afrikanische Restaurant in Karlsruhe. Ich empfehle es sehr gern.

Deutschpunk-lastig

Die gestrige Radiosendung im Querfunk, dem freien Radion in Karlsruhe, gestaltete ich ein wenig hektisch: Da ich zu lange zu Hause mit der Waschmaschine beschäftigt war, war ich danach gezwungen, mein Fahrrad wie ein Geisteskranker durch die Fußgängerzone zu dreschen, um noch halbwegs rechtzeitig ins Studio zu kommen.

»Halbwegs«, das heißt in diesem Fall, daß ich mit gut sieben Minuten Verspätung anfing. Vom Computer lief gerade eine unserer intellektuellen Pop-Sendungen, in der ein mir persönlich nicht bekannter Moderator gerade Tocotronic abfeierte, daß mir schlecht wurde. Umso besser, daß ich mit dem Psychobilly-Punkrock-Gebräu von Up To Vegas anfing ...

Thema war Baden-Württemberg, und ich gestaltete das ganze zwar recht abwechslungsreich, trotzdem kam ein Schwerpunkt Deutschpunk heraus. Tut Das Not mit Emo-Töne, Oxydation mit Junge-Männer-machen-Krawall-Punkrock und Gewohnheitstrinker mit deutschsprachigem Oi! sorgten schon für einen Touch ins Deutsche.

Okay, ganz so schlimm war ich nicht: politischer Hardcore von Guerilla, Garagen-Sound von den Seducers, IndiePop (jajaja!) von Diego, Trompetenpunk von Yakuzi und klassischen Streetpunk von den Higgins (nur echt mit schwäbischem Akzent!) brachten ein bißchen mehr Abwechslung ins Programm.

Dazu noch schweißtreibende Atmosphäre im muffelnden Studio und lauwarmes Bier. Ich kam mir vor wie auf einem Pogo-Abend und das ohne großartige Bewegung. Herz, was willst du mehr?

05 August 2007

Frühstücksbrötchen und Straßenpunks

Sonntag morgens, kurz nach dem Aufstehen: In Karlsruhe ist es etwa 13 Uhr, und ich radle zum Europaplatz, wo es beim »Wiener Feinbäcker« zwar keine besonders guten, aber immerhin genießbaren Frühstücksbrötchen gibt.

Ich trage meine übliche Kleidung an einem warmen Sommertag: Converse-Turnschuhe, kurze schwarze Hose, ein T-Shirt mit Asta Kask vorne drauf, also von meiner Lieblings-Schweden-Punk-Band der 80er Jahre (kannte ich überhaupt eine andere? egal!).

Neben der Bäckerei kommt der McDonald's, und daneben sitzt eine Gruppe Punks auf der Straße herum: bunte Haare, Nietenlederjacken, Hunde und Bierflaschen. Einer trägt ein Exploited-T-Shirt.

Nachdem ich meinen Einkauf erledigt habe, werde ich angeschnorrt: »Können Sie uns ein paar Groschen geben?« Die siezen mich! Ich bin entsetzt, springe auf mein Rad und strample nach Hause.

Unterwegs muß ich lachen. Na klar siezen die mich: Die sehen einen Mann mittleren Alters, der sich mit kurzer Hose, abstehenden Haaren und irgendeinem albernen T-Shirt, dessen Aufdruck den meisten Punks heutzutage nichts mehr sagen dürfte, noch ein bißchen jugendlich anzieht, ansonsten aber einfach mehr als doppelt so alt ist.

Wieder mal eine Schlacht gegen den eigenen Jugendkult verloren ...

02 August 2007

Schlechtschreibreform

Jetzt isse durch: die sogenannte Rechtschreibreform. Seit über neun Jahren ärgere ich mich nun über den gesammelten Schwachsinn, den irgendwelche »amtlichen Stellen« sich in dieser Zeit ausgedacht haben.

Was haben wir in den neun Jahren alles diskutiert! Groß- und Kleinschreibung, getrennt und zusam-men, Wortstämme und Apostrophe, Neudefinitionen und allgemeines Rückrudern. Jetzt dürfen wir ja wieder das »Schwarz« im »Schwarzen Brett« groß schreiben, dafür wurde das Deppen-Apostroph (bei »Lisa's Lädle«) allen Ernstes genehmigt.

Ich gestehe, dass ich schon lange nicht mehr durchblicke. Bei der Arbeit müssen im Zweifelsfall die Korrektoren ran, und die sind häufig päpstlicher als der Papst, ziehen auch Regeln durch, die von der dpa und anderen Nachrichtenagenturen aus gutem Grund ignoriert werden. Aber ich versuche ernsthaft, mich nicht mehr von jedem Scheiß aufregen zu lassen.

Zwei Änderungen habe ich mittlerweile verinnerlicht, so sehr, daß ich mich zwingen muß, sie weiterhin »alt« zu schreiben: die »ß-ss«-Regelung, nach der man eben »muss« statt »muß« schreibt, und das schließende Komma nach dem Frage- und Ausrufezeichen in wörtlicher Rede (wer das jetzt nicht kapiert hat ... auch egal).

Und wegen solcher Lappalien hat dieses Land neun Jahre lang gestritten. Glückliches Deutschland, daß du keine anderen Probleme hast!

01 August 2007

Frank Böhmert ist schuld

Das vergangene Wochenende gehörte stundenweise einem anderen Mann: Robert B. Parker heißt der Kerl, und er ist Schriftsteller. Sein Privatdetektiv Spenser hat im Pendragon-Verlag eine neue Heimat gefunden, und Frank Böhmert, den ich seit über einem Vierteljahrhundert kenne, ist der neue Übersetzer.

Grund genug, mir das aktuelle Buch anzutun: »Der stille Schüler« kam dank einer Vermittlungsmission der freundlichen Kollegen Miriam in meinen Besitz, und ich las es in rasendem Tempo, obwohl ich ja – weiß Gott! – richtig wichtige Dinge zu tun gehabt hätte.

In diesem Roman geht es um einen siebzehn Jahre alten Schüler, der mit einem anderen Jungen zusammen seine Schule stürmte. Die beiden hatten Waffen dabei, schossen um sich und töteten mehrere Menschen. Beide wurden festgenommen, beide legten Geständnisse ab.

Die Großmutter des einen Jungen glaubt aber an die Unschuld ihres Enkels; sie bittet Spenser, gegen jegliche Wahrscheinlichkeit zu ermitteln und die Unschuld zu beweisen. Spenser, der sich darüber wundert, dass niemand mehr über die Hintergründe der Tat erfahren will, kümmert sich auf seine ganz spezielle Art darum.

Der Einstieg in den Roman ist nicht einfach, da Robert B. Parker einen sehr reduzierten Stil pflegt. Beschreibungen sind auf das nötigste reduziert, Dialoge stets pointiert und kurz, nach vorne getrieben und häufig sehr lakonisch. Nach einiger Zeit hatte ich mich aber eingelesen und folgte mit staunendem Mund der sich entwickelnden Geschichte.

Spenser ist ein echter Held mit Moral und Anstand, der aber eigenen Gesetzen folgt. Um Aussagen zu erhalten, verprügelt er zwischendurch mal einen Zeugen oder legt sich mit der Polizei an, bricht in eine Wohnung ein und schreckt nicht vor Erpressung zurück. Das ist drastisch geschildert und glaubhaft erzählt – sehr spannend, obwohl fast keine Action vorkommt.

Ich gestehe, daß ich jetzt auch Spenser-Fan bin. Und Frank Böhmert ist schuld daran.

Robert B. Parker
Der stille Schüler
Originaltitel: School Days
Übersetzung: Frank Böhmert
Pendragon-Verlag, Taschenbuch
214 Seiten / 9,90 Euro / ISBN 978-3-86532-068-1

31 Juli 2007

Teeniefreie Party

In Karlsruhe hingen die letzten Wochen überall Plakate; ich guckte sie mir leider erst gestern nacht genauer an, als ich im Dauerregen unterstand, weil ich nicht bis auf die Haut durchnäßt sein wollte. Am Samstag hatte ich eine »Megaparty« verpaßt, wie mir schien.

Die Plakate versprachen eine »Ü 27«-Veranstaltung, angeblich Karlsruhes »größte und schrägste Party für alle von 27 bis 150 Jahren«. Laut Info gab es dabei Musik von gestern, gemixt mit den aktuellen Klassikern aus Charts und House, unterstützt von Saxophonspielern und Sängern.

Die Vorstellung grauselte mich schon ziemlich. Ich versuchte mir die jung gebliebenen Menschen über 27 Jahren vorzustellen, die zu irgendwelcher Musik tanzten, die ich mit hoher Wahrscheinlichkeit schlecht fand.

Und wie muß man eigentlich drauf sein, wenn man allen Ernstes mit folgendem Slogan wirbt: »100 Prozent teeniefrei« ... Vielleicht hätte ich doch hingehen sollen, um mir das »Reste-Poppen« der über-27-jährigen Karlsruher in der Festhalle Durlach anzuschauen ...

30 Juli 2007

Die Geschichte mit dem Zungenkuß


Ich brauchte zwar einige Zeit, um das Heft zu lesen, hab's aber keine Sekunde bereut: Das Fanzine Punkrock! – nur echt mit dem Ausrufezeichen – aus Mannheim zeigt mit seiner dritten Ausgabe zwar einen ausgesprochen un-hübschen Cover-Boy, überzeugt dafür aber mit schick gestaltetem und sehr gut geschriebenem Inhalt. Und das nicht nur, weil die Jungs & Mädels mein Buch »Zwei Whisky mit Neumann« positiv besprechen ...

Mir gefallen natürlich die Interview, etwa mit der Band Die Rote Suzuki oder mit Tobi von Twisted Chords, und ich las auch die Besprechungen neuer Tonträger und Papierberge. Am besten ist das Fanzine auf seinen sage und schreibe 96 Seiten allerdings vor allem dann, wenn es ans Erzählerische geht.

So begeisterte mich die Geschichte vom ersten Zungenkuß am meisten, aber auch die Erlebnisberichte vom Force Attack Festival oder von einer Begegnung mit dem Nationalen Widerstand machten Spaß. Die hohe Kunst des Erzählens – sehr schön!

Zwei Euro kostet das Ding, und die sind super investiert. Kaufen und abonnieren! Checkt die Homepage!

Amerikanische Sounds

Sieht man von einigen technischen Pannen aufgrund eigener Vertrotteltheit ab, war die gestrige Radiosendung richtig gut; zumindest fand ich das. Thema im ENPUNKT-Radio des gestrigen Abends war »Punk/Hardcore aus den USA«, wobei ich meinen Schwerpunkt auf aktuellere und auch nicht so bekannte Bands legte.

Das hieß in diesem Fall, daß die poppigen The Unknown aus Cleveland, Ohio, liefen oder die nach 1977 klingenden Observers aus Portland, Oregon. Etwas bekannter sind wahrscheinlich die Messengers aus Cincinatti, Ohio, oder das sehr poppige Lo Fat Orchestra aus Detroit. Anarcho-Punk aus Minneapolis, Minnesota, gab's von The Provoked, Anarcho-Punk aus Salt Lake City, Utah kam von All Systems Fail.

Dazu noch eine Prise richtig guten Emo-Punk von North Lincoln aus Grand Rapids, Michigan, und anderer Kleinkram, und fertig war die gestrige Punk-Suppe im freien Radio Querfunk in Karlsruhe. Schön war's.

29 Juli 2007

Gelbe Monster in Alaska

Wir waren in »Die Simpsons«, jawoll! Und wir haben es keine Sekunde lang bereut. Man muß natürlich den schrägen Humor der amerikanischen Zeichentrickserie mögen, um ihn auch auf Leinwand genießen zu können – dann machdt es richtig Spaß.

Es gibt haufenweise interne Witze, in denen die Fernsehserie selbst oder ihre Vermarktung durch den Kakao gezogen werden. Und natürlich gibt es weitere Witze, in denen Green Day, Arnold Schwartzenegger, Hillary Clinton und andere amerikanische Prominente verarscht werden. Von der generellen Kritik an Medien und Politik mal ganz zu schweigen.

Als einzig negativ fielen mir einige deutsche Sprecher auf; so paßt Anke Engelke nicht gerade zu Marge Simpson. Aber das kommt davon, wenn die Studios irgendwelche Promis engagieren und nicht unbedingt gute Sprecher.

Es stört nicht ernsthaft. Dafür gab's genug zu lachen und zu grinsen, bis in den Abspann hinein übrigens. Wer noch nicht in dem Streifen war: Es gibt sogar blöde Witze nach dem Abspann. Hübsch.

27 Juli 2007

Geschmacksverwirrungen

Beliebt ist ja, über den schlechten Geschmack anderer Menschen zu lästern. Mache ich auch gern – schließlich weiß ja jeder von sich selbst, daß er einen guten Geschmack hat. Ob das jetzt Musik oder Comics, Klamotten oder Pizza angeht, das Prinzip ist dasselbe. Vor allem bei Musik einigt man sich dann gerne darauf, daß »Geschmäcker eben verschieden« seien.

Liberales Geschwätz!

Anders rum wird ein Schuh draus: Es geht nicht darum, wer einen guten oder schlechten Geschmack hat, sondern es geht darum, daß die meisten Leute überhaupt keinen Geschmack besitzen. Mir ist es egal, ob jemand grauenvollen Deathmetal, peinlichen HipHop oder gruseligen Gruftie-Scheiß hört – letztlich beweist ein Mensch, der sich mit diesen für mich grausigen Musikrichtungen beschäftigt, in gewissser Weise schlicht seinen eigenen Geschmack.

Und das begrüße ich. Angesichts der Tatsache, daß die meisten Leute anscheinend am liebsten »die größten Hits der 70er, 80er und 90er Jahre« hören oder das Autoradio plärren lassen, wenn sie sich nicht komplett dem Geschmacksdiktat von MTV oder SWR 1 unterwerfen, ist mir egal, welchen Geschmack jemand hat.

Ich kann den noch so gräßlich finden, das ist zweitrangig. Lieber eine Geschmacksverwirrung als gar keinen Geschmack!

25 Juli 2007

Harry Potter und die deutschen Verlage

Auf einer Veranstaltung lernte ich eine deutsche Verlagsangestellte kennen. Sehr belesen, sehr klug, sehr intellektuell, natürlich ein Doktor-Titel. Irgendwie kamen wir auf den Erfolg der »Harry Potter«-Bücher zu sprechen.

»Es gab ja deutsche Verlage, die haben das Buch abgelehnt«, lästerte ich nicht zum ersten Mal bei diesem Thema. »Die Lektoren dort werden sich doch heute schwarz ärgern.«

Sie schüttelte den Kopf. »Na ja«, wandte sie ein, »der eine Verlag, den ich kenne und der es abgelehnt hat, bekam nur die ersten hundert Seiten. Und nach diesen ersten hundert Seiten mußte eine Entscheidung fallen.«

Wer sich jetzt wundert: Das ist nicht ungewöhnlich. Häufig werden Bücher von Verlagen auch angekauft, obwohl noch keine einzige Zeile geschrieben worden ist. Man investiert da gewissermaßen in die Zukunft, weil man ja glaubt, irgendwann einen großen Erfolg zu landen.

»Aber«, so fügte die Kollegin hinzu, »ich hätte genauso gehandelt. Ich habe die ersten hundert Seiten nämlich auch gelesen. Eine Ansammlung von Klischees, lauter kindisches Zeugs.«

Jetzt schüttelte ich den Kopf. Mich hatte Harry gleich gepackt; ich fand die Geschichte des Jungen, der bei seinen grausigen Zieheltern und seinem blöden Vetter aufwachsen muß, packend. Aber ich habe auch in mancherlei Hinsicht ein kindliches Gemüt und stehe auf Unterhaltungsliteratur.

Schon blöd, wenn in deutschen Verlagen manchmal Leute über Bücher entscheiden müssen, die manchmal rein gar nichts mit dem Inhalt anfangen können ...

24 Juli 2007

Punkrock-Papa

Auch schon über ein Jahr als ist das Fanzine Punk is dad, dessen ungewöhnlicher Name sich zwar an den Exploited-Klassiker »Punk's not dead« anlehnt, das sich aber darauf bezieht, daß sein Macher tatsächlich Punkrocker und mehrfacher Vater ist. Das finde ich richtig respektabel, belegt es doch, daß man als Punk auch ausprobieren kann, inwiefern Elternklischees unbedingt »nötig« sind.

Das vorliegende Heft ist locker mal 60 Seiten dick und liest sich zeitweise richtig gut; der Macher Tobi hält eine geschickte Mischung aus Besprechungen, Konzertberichten und privaten Texten ein, vermengt dazu noch einiges an politischem Kram, so daß sein Heft originell genug ist.

Deutschtechnisch finde ich das Heft nicht immer gut, manche Beiträge interessieren mich rein gar nicht, und das Layout ist auch nicht immer überzeugend - aber die Mischung macht's. Zudem kostet es gerade mal eineinhalb Euro. Wer sich interessiert, wende sich vertrauensvoll an Punkisdad-at-hotmail.com oder versucht, den Macher mal bei einem Punk-Konzert in Regensburg anzusprechen ...

23 Juli 2007

Der rockende Schrecken

Ich war schätzungsweise 15, als ich die »Rocky Horror Picture Show« zum ersten Mal sah. In den 70er Jahren und in der Kleintadt war das ganz schön rotzig, fand ich: Männer in Strapsen, laute Rock-Musik, dazu die Verherrlichung von Sex und Drogen.

Zwischen 1979 und 1984 sah ich den Film noch zweimal im Kino - man ging in der Clique hinein - und einmal zur Hälfte auf Video. Als ich in den späten 80er Jahren im Jugendzentrum »Murgtäler Hof« in Freudenstadt gelegentlich Platten auflegte, gehörte der »Time Warp« aus diesem Film-Soundtrack zum subkulturellen Tanz-Inventar.

Seither habe ich den Film irgendwie nicht mehr vermißt. Als er aber unlängst im Fernsehen kam, war alles wieder da: Ich erinnerte mich an jede Szene, ich konnte manches mitsprechen, und ich ärgerte mich über die miesen Übersetzungen in den Untertiteln (na ja, heute ist mein Englisch auch ein wenig besser als zur Schulzeit).

Nur: Der Spaß von damals stellt sich nicht mehr ein. Die »Rocky Horror Picture Show« hat nicht subkulturelles mehr an sich. In Zeiten, in denen Marilyn Manson zur guten Sendezeit auf MTV läuft, kann ein Tim Curry als Frank N. Furter wirklich nicht mehr schocken. Das ganze wirkt heute trashig im unfreiwilligen Sinne.

Eine seltsame Zeitreise für mich!

22 Juli 2007

Sterben die Dummen nie aus?

Mal wieder eine Mail der besonderen Art. Ein gewisser Martins Weber Dito schrieb mich an, ich zitiere auszugsweise aus dem lustigen Schreiben, inklusive aller Schreibfehler natürlich:

»Ich bin bei einer routinen Überprüfung in meiner Bank (Standard Bank von Süd Afrika) wo ich arbeite, auf einem Konto gestoßen, was nicht in anspruch genommen worden ist, wo derzeit $12,500,000 (zwölfmillionenfünfhundert US Dollar) gutgeschrieben sind.

Dieses Konto gehörte Herrn Manfred Becker, der ein Kunde in unsere Bank war, der leider verstorben ist. Herr Becker war ein gebürtiger Deutscher.Damit es mir möglich ist dieses Geld $12,500,000 inanspruch zunehmen, benötige ich die zusammenarbeit eines Ausländischen Partners wie Sie,den ich als Verwandter und Erbe des verstorbenen Herrn Becker vorstellen kann,damit wir das Geld inanspruch nehmen können.

Für diese Unterstützung erhalten Sie 30% der Erbschaftsumme und die restlichen 70% teile ich mir mit meinen zwei Arbeitskollegen, die mich bei dieser Transaktion ebenfalls unterstützen.Wenn Sie interessiert sind, können Sie mir bitte eine E-Mail schicken, damit ich Ihnen mehr Details zukommen lassen kann.«

Ich hab's unterlassen, darauf zu reagieren. Aber vielleicht mag jemand martinsdito@aim.com anmailen und mit ihm dieses großartige Geschäft anbahnen ...

21 Juli 2007

Karlsruhe brodelt jugendlich

Als ich gestern von München zurück kam, fiel mir auf, wie viele junge Menschen in Karlsruhe unterwegs waren. Dutzende, nein, Hunderte von Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren strömten zu Fuß oder auf dem Fahrrad in Richtung Europahalle; die Straßenbahnen in diese Richtung waren alle voll.

Heute herrschte dasselben Bild. Der Grund: In der Günther-Klotz-Anlage tobt von Freitag bis Sonntag »das Fest«, die große Karlsruher Open-Air-Veranstaltung, die jährlich Zigtausende aus Süddeutschland und dem nahegelegenen Ausland anzieht. Für dieses Jahr rechnete man mit insgesamt 300.000 Besuchern – »umsonst und draußen« nannte man so etwas noch in den 80er Jahren.

Ohne mich allerdings. Schon im letzten Jahr verpaßte ich bewußt die Großveranstaltung, und das, obwohl ich sie jahrelang gern besucht hatte. Kein Wunder bei der Mixtur aus bekannten und unbekannten Bands.

Faithless und Asiandubfoundation, The Stranglers und Suzanne Vega, Simple Minds und New Model Army ... irgendwie spielte alles, was irgendwann mal Rang und Namen hatte, in Karlsruhe. Geile Sache.

Aber im Lauf der Jahre wurde aus einer Veranstaltung für einige tausend bis zehntausend Leute eine Großveranstaltung mit hunderttausenden. Wenn man irgendwann auf dem Festival-Gelände nicht mehr umfallen kann, weil es so voll ist, bleibe ich lieber daheim und schreibe.

Wobei es heute abend ohnehin regnete ...

19 Juli 2007

Essen in München - Teil 2

Das Kaffeehaus des Literaturhauses - gedacht für Literaten, aber dummerweise in absolut bonziger Umgebung platziert. Männer in Anzug und Krawatte und Frauen in teuer aussehenden Kostümen sitzen an den schicken Tischen.

Ein Salat kostet über zwölf Euro; die Portionen sind klein und sehen nach Nouvelle Cuisine oder anderem Quatsch aus. Eine Handvoll Nudeln mit Soße, die gut schmeckt, kosten in Tateinheit mit einem Glas Spezi und Trinkgeld dann auch gleich elf Euro.

Respekt. München ist eine teure Stadt, das wußte ich schon. Aber das Kaffeehaus als Treffpunkt für Autoren und Übersetzer wirkt schon arg teuer.

Essen in München - Teil 1

Der Elisenhof unweit des Hauptbahnhofs ist eine Mischung aus Einkaufszentrum und direkter Anbindung zu den S-Bahnen; unter anderem gibt es auch diverse Restaurants. Ich setze mich ins "New Saigon", das vietnamesische Restaurant, direkt neben dem Einkauf zum Edeka-Neukauf-Markt.

Männer sitzen dort herum, reden im schlimmsten Bayerisch mit dem vietnamesischen Kellner, trinken fleißig Hacker Pschorr aus Weizenbiergläsern und verschlingen Unmengen an Schnitzel mit Pommes frites. Ich futtere ein leckeres vietnamesisches Gemüse- und Reisgericht mit scharfer Curry-Soße; es erinnert mich an das leckere Essen während meines damaligen Urlaubs und ich werde für einen Moment glatt sentimental.

Neonlicht flimmert über den Steinplatten auf dem Fußboden und der Glasfront des Supermarkts. Stimmengewirr flattert durch die Gänge, es riecht nach Bier und Curry.

Über den Tischen hängen zwei kitschige Drachen aus Papier; sie bilden die optische Trennung zum Modemarkt Adler im Erdgeschoß, und sie scheinen auf die bayerischen Männer und mich herunterzugrinsen.

Hätte ich an ihrer Stelle wohl genauso gemacht.

17 Juli 2007

Gute Stube Gutenbergplatz

Ich mag Karlsruhe sehr, das merke ich an Tagen wie diesen: Sommerlich warm ist es, man kann auch spät abends auf der Straße herumsitzen und Bier trinken, solange es die Nachbarn nicht zu sehr stört.

Besonders ideal ist dabei der Gutenbergplatz ganz in der Nähe, den ich gern als "meine gute Stube" bezeichne: Kopfsteinpflaster, halbwegs alte Häuer drumrum, sehr nette Kneipen und Restaurants und überall die Möglichkeit, im Freien zu sitzen.

So auch gestern. Bei tropischen Temperaturen von über 34 Grad auch abends um halb elf Uhr schmeckt das kühle Weizenbier gleich doppelt gut, wenn man mit netten Leuten auf dem Gutenbergplatz sitzt.

16 Juli 2007

Comic-Fanzine aus der Schweiz


Immer wieder überraschend ist die bunte Mischung, die das Fanzine Kaufzwang für den Leser bereit hält. Schönes Beispiel: die aktuelle Ausgabe 4.

Manche Comics sind grottenschlecht, zumindest nach meinen Begriffen; vielleicht ist das auch nur künstlerisch wertvoll, das weiß ich nicht immer. Andere Comics sind originell und skurril zugleich.

Eine bunte Mischung auf 32 A4-Seiten auf jeden Fall, die es für zwei Euro oder gegen ein Austausch-Fanzine zu entdecken gibt. Direkt per Mail den Kontakt herstellen über: Captain_Cumulus@gmx.net. Oder die Blogspot-Seite mal gucken ...

15 Juli 2007

Harry zum fünften

Gelesen habe ich nur die ersten drei Abenteuer des jungen Zauberlehrlings Harry Potter. Mittlerweile kam die Verfilmung des fünften Buches ins Kino, und natürlich hab' ich mir das angeschaut.

Anfangs fand ich den Film ein wenig zerfasert (trotzdem gab's einige coole Effekte), gegen Ende wurde er arg schnell runtergehudelt. Unterhalten konnten wir uns trotzdem sehr gut - vor allem die bescheuerte Schulleiterin in pinkfarbenem Kostüm bereitete viel Freude.

Die beste Szene im Film war allerdings die eigentlich sehr punkrockige Einlage mit den zwei Brüdern, die mit einem Haufen von Knallkörpern alles durcheinander bringen, die Autoritäten bloßstellen und sich dann gemeinsam verpissen. Sehr schön - endlich mal ein Schlag gegen das eigentlich fürchterlich autoritäre System der Zaubererschule (ich wäre da längst abgehauen).

Amüsanter Film. Sicher nicht der beste Potter, aber auf jeden Fall brauchbar.

13 Juli 2007

Stress-Wochen

Eine Situation, die langsam an die Nerven geht: Ununterbrochen sind Termine einzuhalten, praktisch jeden Tag ist eine Besprechung - und wenn das nicht ist, wird garantiert ein Autor oder sonst ein freier Mitarbeiter krank, und irgendwelcher Mist bleibt an mir kleben.

Ich stelle fest, wie kurzatmig ich bin, wie angespannt und hektisch, wie dauernd genervt und auch aggressiv. Kein guter Umgang also für Kollegen/innen, für die Lebensgefährtin, für Freunde & Bekannte. Wobei deren freundliche Wünsche wie »Darfst halt nicht so viel arbeiten« ebensogut gemeint sind wie »Dann gib halt mal einen Roman in Druck, der deinem Qualitätsanspruch nicht genügt«.

Schwierige Sache, das. Vielleicht hätte ich mir doch einen Beruf aussuchen sollen, mit dem ich mich nicht identifizieren kann. Lagerarbeiter in einem Supermarkt (wie 1981 bis 1984) oder Landwirtschaftshelfer (wie 1979/80). Da hat man dann auch pünktlich Feierabend.

Aber: An diesem heiligen Wochenende soll ja endlich der Sommer kommen. Und ich hab' mir fest vorgenommen, kein Manuskript zu lesen.

12 Juli 2007

Blättern in den frühen 80er Jahren

Ausgelöst durch die Lektüre von »Bam Wam«, dem Roman Oliver Bopps, nahm ich mir in den letzten Tagen immer mal wieder zwei Klassiker der amerikanischen Underground-Literatur vor, die auch im eben erwähnten Buch vorkommen. Schon seltsam, nach einem Vierteljahrhundert mal wieder in Büchern zu blättern und zu lesen - ich fand anfangs der 80er Jahre praktisch alle Bücher aus dem Maro-Verlag genial.

Mit dem Abstand wächst auch das Unverständnis ... Jack Michelines Kurzgeschichten finde ich immer noch lesenswert; sie haben auch in der nicht sonderlich überzeugenden Übersetzung (das fand ich damals toll!) ihren eigenen »Drive« und machten mir erneut Spaß. Sehr gut, sehr spannend.

Ganz anders Gerald Locklin. Einigermaßen irritiert saß ich mit dem Buch da und versuchte, Gefallen an den Gedichten und Geschichten zu finden. Mit dem langweiligen Zeugs wurde der Mann in den 70er Jahren zuerst zum Underground-Star und dann zum Literatur-Professor? Unglaublich.

Die zwei Bücher landeten jetzt wieder im Regal. Vielleicht hole ich sie in weiteren 25 Jahren wieder raus. Ich will gar nicht ausrechnen, wie alt ich bis dahin bin. Aber mein Geschmack hat sich bis dahin auf jeden Fall weiter verändert ...

11 Juli 2007

Leopardenmuster

Bleibt man in diesem Sommer 2007 eigentlich vor nichts mehr verschont? Am heutigen Tag kurz nach 18 Uhr habe ich das Schreckliche wieder gesehen ...

Es war in der Karlsruher Innenstadt, und sie war vielleicht anfangs 50: eine rundliche Dame mit etwas zu viel Schminke im Gesicht und knallroten Fingernägeln. Sie trug eine Leggins mit Leopardenmuster.

Eine Leggins ... Leoparden-Schick ... Die Hose saß wie angegossen und betonte jede Krampfader. Und die schwarzen Flecken tanzten geradezu über den hellen Hintergrund. Fast wäre ich vom Rad gefallen.

Was sagt da eigentlich Innenminister Schäuble dazu?

Witze machen

Bevor ich die Filigranmusiker von Rudolfs Rache aus dem beschaulichen Wilhelmshaven kennenlernte, hielt ich Ostfriesen pauschal für dumme Menschen. Ein Erfolg, wie jahrelange dumme Witze einen jungen Menschen verderben können.

Heute wohne ich in Karlsruhe, und hier macht man Witze über Pfälzer, also die Bewohner des südlichen Teils von Rheinland-Pfalz. Aus dieser Region kommt übrigens Kurt Beck, der aktuelle Sozialdemokraten-Häuptling, und vieles, was man über die Pfälzer mit lästerhafter Zunge sagt, ist einfach wahr.

Die Pfälzer wiederum machen Witze über die Saarländer. Das kann ich gut verstehen, nachdem ich in den 80er und 90er Jahren viele Expeditionen in das kleine Bundesland unternahm, wo alte Menschen ja nun wirklich sagen, sie führen »ins Reich«, wenn sie die Grenzen nach Rheinland-Pfalz überschreiten.

Schon seltsam: Über wen machen eigentlich die Saarländer Witze?

09 Juli 2007

Bundeswehr, Literatur und Erinnerung


1981 bis 1985 las ich regelmäßig die aus Münster stammende Literaturzeitschrift Am Erker; ich hatte zeitweise sogar ein Abonnement, wenn ich das Heft nicht bei Josef Wintjes in Bottrop bestellte. Irgendwann lief das Abo aus, und ich bestellte nicht mehr nach, ohne daß ich heute wüßte, warum das so war.

1984/85 war ich bei der Bundeswehr, die mit Abstand dümmste und überflüssigste Zeit meines Lebens. Sicher auch mal Thema für ein Buch voller peinlicher Geschichten, aber nicht jetzt.

Am Erker habe ich Ende letzten Jahres wieder abonniert. Mittlerweile ein schickes Paperback, das kaum noch an das Fanzine von vor einem Vierteljahrhundert erinnert - sehr schön! Ich erfreue mich an Gedichten und Geschichten, Besprechungen und Artikeln, stoße auf unbekannte Autoren und stelle fest, was es alles an interessanter Lektüre gibt.

Und natürlich lese ich keine Ausgabe komplett, dazu fehlt mir die Zeit; ich sehe Am Erker schlicht als bereichernd.

So auch die Ausgabe 53 mit dem Themenschwerpunkt Bundeswehr. Verschiedene Autoren nehmen sich des Themas an, manchmal literarisch-verquast, manchmal aber ziemlich cool. Sogar eine Geschichte mit Afghanistan-Thematik ist enthalten.

Ein lesenswerter Band, wie ich finde. Nicht nur für Leute, die in den 80er Jahren so blöd waren, zur Bundeswehr zu gehen ... 178 Seiten für neun Euro, ein Vierar-Abo gibt's für 30 Euro

Endgültig gaga?

Daß in diesem Land so einige Leute langsam hohldrehen, ist nichts neues. Die Spirale aus Angst und Schrecken, aus Wahn- und Unsinn – die dreht sich immer schneller. Und ich krieg' das manchmal gar nicht mehr rasch genug mit.

So erfuhr ich am Wochenende nur am Rande, dass mein Lieblings-Badener mal wieder Sprüche klopfte, bei denen es mir die Schuhe auszieht: Wolfgang Schäuble, gewissermaßen ein Landsmann von mir (was man beim Sprechen ja durchaus hört ...), denkt mittlerweile öffentlich über Dinge nach, für die man ihn eigentlich sofort einsperren müßte.

Wer so was fordert, fordert im Prinzip doch nix anderes als die Abschaffung der Grundrechte. Und dann wird er auch noch allen Ernstes von irgendwelchen CDU-Superhilfsheriffs unterstützt.

Besonders lustig finde ich Schäubles Überlegungen, man könne künftig verdächtige Personen »gezielt töten«. Also zackzack irgendwelche Leute abknallen, die man für Terroristen, Extremisten oder vielleicht auch nur Falschparker hält – eine großartige Idee.

Früher wäre man für solche Ideen eingesperrt worden, heute darf ein Minister so einen Unsinn erzählen; für den er immerhin noch den Begriff »rechtliches Problem« findet – das man dann lösen müsse. Wer in diesem Land derzeit der Grundgesetz-Aushöhler und -Verletzer Nummer eins ist, steht spätestens nach solchen Aussagen fest.

08 Juli 2007

Fahrrad-Missionar

Samstag mittag in Karlsruhe. In Hausschuhen, CRASS-T-Shirt und mit einer zerrissenen Jeans (also in einer Kleidungsmischung aus spießig und punkig) gehe ich über den Platz von meinem Auto zum Gartentor.

Auf einmal hält ein Radfahrer neben mir: grauhaariger Mann in brauner Hose und brauner Jacke, darunter ein kariertes Hemd. »Entschuldigen Sie«, beginnt er, »daß ich Sie so einfach anspreche. Haben Sie kurz Zeit?«

Ich bleibe stehen und mustere ihn irritiert, ohne etwas zu sagen. Hat er sich vielleicht verfahren?

»Wissen Sie«, sagt er, »wenn ich einen jungen Mann wie Sie sehe, muß ich kurz anhalten.«

Junger Mann? Wohin guckt der? Offiziell gilt jemand wie ich als »Mann mittleren Alters«. Ha!

»Ich komme vom evangelischen Missionswerk und wollte mit Ihnen kurz über ...«

Ich halte ihm die gekreuzten Zeigefinger vor die Nase. »Halt! Kein Wort mehr! Ich will nichts von Kirchen wissen.«

Er stottert. »Aber ... aber ... ich wollte doch gar nicht ...«

Ohne ein weiteres Wort drehe ich mich um und ignoriere sein Gestammel. Ich glaub's einfach nicht: Am hellichten Tag überfallen einen die Sektierer schon vor der Haustür ...

07 Juli 2007

Ein alter Mann, der rockt

TV Smith ist seit 1977 in der Punkrock-Szene aktiv. Damals startete er mit den Adverts durch und hatte mit »Gary Gilmore's Eyes« sogar einen echten Hit. Seit Jahren tourt er solo.

Am Freitag, 6. Juli 2007, stand der mittlerweile über fünfzig Jahre alte Sänger mal wieder auf der Bühne des »Mikado«, des Kulturzentrums in der Karlsruher Nordstadt. Vor ihm zelebrierten die Jungs – und das eine Mädel – von der Garden Gang aus München ihre Mixtur aus 77er-Punk und Glamrock; sehr nett und zu recht mit viel Beifall belohnt.

Zum Toben und Johlen kam der Saal aber bei TV Smith. Wie es der alte Mann des Punkrock schafft, allein mit seiner Stimme und seiner Gitarre die Leute zum Tanzen, zum Mitsingen und zum Hüpfen zu bringen, das ist schon sagenhaft.

Einzig kritisch fand ich das hohe Durchschnittsalter im Saal – die Leute waren im Schnitt zwischen 30 und 40 Jahren alt. Das ist dann wirklich Senioren-Punkrock; da sage ich nichts dagegen, aber mit ordentlicher Werbung hätten sich auch noch einige aktive Jung-Punks in den Saal verirrt.

Scheißegal: TV Smith rockte wie Sau. Und sein Stück »The Future Used To Be Better« ist auch die ultimate Hymne für alternde Punkrocker.

06 Juli 2007

Gut Essen auf Badisch

Empfange ich im Büro irgendwelche Besucher, stellt sich oft die Notwendigkeit, mit diesen essen zu gehen. Meist gehen wir in die Kantine (damit habe ich kein Problem) oder zum nahegelegenen Italiener (schmeckt okay, ist nicht Weltklasse, aber völlig in Ordnung). Manchmal aber, wenn es besonders wichtig ist, müssen wir auswärts essen.

So auch gestern. Mit Gästen aus dem Norden muß man feudal essen gehen, so die Idee der Chefetage. Also eierten wir in zwei Autos über die Dörfer, bis wir die reizende Landgemeinde Hügelsheim erreichten.

Dummerweise sind gerade die Autobahnen rings um Karlsruhe eine einzige Baustelle, was dazu führt, daß die klugen Fahrer alle von der Autobahn runtergehen und über die Dörfer eiern. Wie wir auch ... Und alle stehen in denselben Dörfern vor denselben Ampeln in denselben Umgehungsstraßen-Staus. Na super!

Dafür gab's original badische Küche: fettreiche Soßen voller Geschmacksverstärker und Fleischfraß ohne Ende. Für den Vegetarier gab's einen Salat und eine blöde Bemerkung der Bedienung, als Vorspeise eine Pilzrahmsuppe, auf deren Fleischlosigkeit ich sowieso nicht gewettet hätte.

Das ganze dauerte inklusive An- und Abreise und der Besichtigung trottelig-badischer Autofahrer geschlagene zweieinhalb Stunden. Künftig schleppe ich meinen Besuch wieder in die Kantine.