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22 Juni 2026

Wenn die Agenten übernehmen

Ich lese in jüngster Zeit immer wieder Artikel und Interviews, in denen es um die Zukunft des Handels geht. Wie wird sich der verändern, wenn sich verschiedene KI-Lösungen stärker durchsetzen und von den Shops als »normal« eingesetzt werden? Da Nutzer und Kunden oft faul sind, liegt es nahe, dass sie bald zum Einkaufen einen KI-Lösung nutzen und sich beispielsweise von Gemini oder einem anderen Hilfsmittel unterstützen lassen.

Beim Einkaufen auf dem Wochenmarkt wird das wohl nie sinnvoll sein; Obst und Gemüse will man sich schließlich vor dem Kauf noch genauer anschauen. Aber wer ohnehin bereits bei Zalando seine Klamotten oder bei Conrad irgendwelche Elektroniksachen kauft, für den gehört es sicher bald zur Normalität, die KI zu fragen.

Bekanntlich leiden Suchmaschinen wie das allgegenwärtige Google bereits unter den KI-Lösungen: Viele Nutzer gehen auf die »Informationen« der KI ein, diese reichen ihnen, und sie klicken dann nicht auf einen der Links, die Google anbietet. Damit wird es für viele Firmen nicht mehr sinnvoll, bei Google gut gelistet zu sein, und man wird sich sehr genau überlegen, ob sich Werbung auf Google oder die Suchmaschinen-Optimierung wirklich lohnen.

Aktuell gehen die Leute, die sich für den Online-Handel interessieren und in diesem tätig sind, davon aus, dass künftig KI-Agenten viele Einkäufe erledigen werden. Sprich: Der Kunde geht nicht mehr auf eine Website oder in einen OnlinsShop und sucht dort sein Produkt, sondern er sagt seiner bevorzugten KI, sie möge ihm das Produkt liefern lassen. Sie wählt dann das Produkt aus und bestellt es idealerweise gleich – sie »kennt« ihn ja gut genug und kann seinen Geschmack einschätzen.

Aber was heißt das? Weil eine KI relativ nüchtern entscheidet, wird das Werbe-Blabla auf einmal nicht mehr so wichtig sein. Von zentraler Bedeutung sind dann echte Fakten – die kann man auch zusammentricksen, schon klar –, nach denen die KI auswählt.

Ich gestehe, dass ich auf all diese Entwicklungen persönlich keine Lust habe, dass ich sie aber – wenn ich von außen drauf gucke – sehr spannend finde. Wir leben in einer Science-Fiction-Welt. Aber in einer Science-Fiction-Welt, in der ich nie leben wollte.

Ich wollte die Science-Fiction-Welt mit 20-Stunden-Arbeitswoche und Urlaub auf dem Mond, mit fröhlichen kleinen Robotern und schwebenden Autos. Was wir jetzt bekommen, ist leider eher die Science-Fiction-Welt, die mir immer als negativ präsentiert wurde … Schauen wir mal.

22 April 2026

Sogar für Spam ungewöhnlich

Es ist normal in diesen Zeiten, Mails zu erhalten, in denen einem märchenhafte Gewinne versprochen werden. Zwar schreiben mir zwar keine Prinzen aus Nigeria mehr – die haben offensichtlich alle die Erben gefunden, die sie gesucht haben –, es kommt aber immer noch genügend seltsames Zeugs hier an.

Wobei das Schreiben, das dieser Tage hier eintraf, schon wieder besonders originell war. Meine Adresse sei für eine »Spende von 5.500.000,00 € ausgewählt« worden, und Spenden in dieser Höhe würden an zehn »glückliche Gewinner für wohltätige Zwecke und die Menschheit weltweit« gehen.

So weit so bekannt. Dann aber kam der Satz, der für mich alles veränderte. »Bitte ignorieren Sie diese Nachricht nicht, da es sich nicht um Betrug handelt.« Ein Spam-Versender also, der weiß, dass die meisten Leute solche Mails für Spam handeln und ersatzlos löschen. Man bat sogar um Rücksicht darauf, falls diese Nachricht in meinem Spam-Ordner lande; »dies könnte an einer langsamen Internetverbindung liegen«.

Man bat mich darum, für weitere Informationen einige Daten zu schicken. Aber: »Ich möchte Sie nicht nach Ihrem Ausweis fragen, da wir nicht den Eindruck erwecken wollen, Ihre Identität stehlen zu wollen.« Das klingt sehr edel und korrekt, da war ich extrem beeindruckt.

Den Rest der Mail muss ich nicht wiedergeben; da ging es um den lieben Gott und allerlei andere Themen, die mich nicht unbedingt davon überzeugt haben, dass das hier wirklich seriöser sei als ein nigerianischer Prinz mit zu viel Geld und einem offenen Herzen. Aber originell fand ich dieses Schreiben dann ja doch ...

24 Februar 2026

Der Machtwechsel wird aktiver

Ich wurde im Verlauf der vergangenen eineinhalb Jahre zu einem echten Fan des Podcasts »Machtwechsel«. Das merkt man daran, dass ich bei diesem Podcast auch Folgen nachhöre, die ich beispielsweise während eines Urlaubs verpasse. Er ist immer hörenswert, und ich bin gespannt darauf, wie sich das Projekt weiter entwickeln wird.

Verantwortlich für den Podcast sind Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander; die beiden waren bis Ende 2025 bei Verlagshäusern angestellt und haben sich mit ihrem Podcast selbständig gemacht. Robin Alexander dürfte für seine häufigen Auftritte im Fernsehen den einen oder anderen Euro erhalten, dazu kommen bei beiden Honorare aus Buchverkäufen, publizistischen Beiträgen und sonstigen Auftritten. Man muss sich wohl keine Gedanken darüber machen, dass einer der beiden demnächst im sozialen Elend landen wird.

Der Podcast gefällt mir deshalb so gut, weil Politik in lebendiger Weise erklärt wird. Da gibt es eben auch Hintergrundberichte zu einem CDU-Parteitag, die mir klarmachen, wie die Abläufe und die »Choreografie« dort sind. So etwas finde ich spannend, und anscheinend bin ich nicht der Einzige, der das so findet. Die beiden Journalisten hatten sogar den Bundeskanzler zum exklusiven Interview, das ich mir übrigens komplett anhören konnte.

Ganz klar: Die beiden sind nicht »links«, was immer das in diesen Zeiten auch heißen mag. Sie sind konservativ und beziehen durchaus mal Stellung; die Analysen des Politikbetriebs sind aber immer klarsichtig und journalistisch sauber.

Derzeit ist tatsächlich spannend, wie die beiden ihren Podcast ausbauen: Künftig soll er zweimal wöchentlich erscheinen; man will eine Community aufbauen und bietet ein eigenständiges Abonnement-Modell an. Schauen wir mal, wie sich das alles umsetzen lässt!

(Ach ja: Wer das auch mal anhören mag, gucke bei Spotify oder sonstwo nach dem Podcast. Man findet ihn überall dort, wo man auch sonst Podcasts finden kann.)

06 Februar 2026

Wenn Hermine anfragt …

Eigentlich betreibe ich mein privates »Social Media« sehr planlos und ohne viel Engagement. Ich will ja auch weder etwas verkaufen, noch meine politischen Ansichten stark unter die Menschheit werfen. 

Aus diesem Grund bekomme ich nicht sofort mit, wenn eine neue Freundschaftsanfrage eintrifft, und ich kümmere mich zu selten darum, diese Anfragen zu prüfen. Viele lehne ich ab, weil ich die Leute nicht zuordnen kann, bei anderen freue ich mich sehr.

Aber dann gibt es solche, bei denen ich mich eigentlich nur frage, wer den Bot eigentlich programmiert hat. So meldete sich dieser Tage eine attraktive junge Frau namens Hermine Ribbentrop bei mir. Das Profil schaute ich mir genauer an; das war schon eine Pflicht als historisch interessierter Mensch.

Ich meine … Hermine als Name ist ja ziemlich nett, da kommen alle möglichen »Harry Potter«-Erinnerungen in mir hoch. Aber »Ribbentrop«? Echt jetzt? Bei diesem Namen denkt jeder Mensch, der halbwegs gebildet ist, an den ehemaligen Nazi-Außenminister während des Dritten Reiches.

Schweren Herzens entschloss ich mich dann doch, Hermine Ribbentrop und ihre Freundschaftsanfrage abzulehnen. Ich glaube, wir wären keine richtig guten Freunde oder Freundinnen geworden …

02 Januar 2026

Sehnsucht nach Ruhe

Ich habe es wieder einmal geschafft: Seit ich am 19. Dezember meinen Computer ausschaltete, brachte ich es fertig, ihn auch die ganze Zeit auszulassen. Ich verzichtete in dieser Zeit zudem auf Nachrichten im Radio oder im Fernsehen und reduzierte die Zeitungslektüre auf homöopathische Dosen. Und so bekam ich nur wenig von dem mit, was die Welt umwälzte – wieder einmal.

Es tat gut, zum wiederholten Mal. Ob man das nun Digital Detox oder Internet-Faulheit nennt, weiß ich nicht und ist mir auch egal. Allein die Tatsache, dass ich es hinbekam, fast zwei Wochen auf soziale Netzwerke und dergleichen zu verzichten, war schon sehr angenehm. Ich musste den Zwang, auf irgendwelche Dinge zu reagieren, die ich im Netz las, nicht einmal unterdrücken – weil ich von allen möglichen Sozialen Netzwerken nichts las, sah und hörte.

Eigentlich mag ich das Internet, und ich mag vor allem das Chaotische daran. Unzählige Dinge, die mich interessieren, zahlreiche Menschen, deren Gedanken ich spannend finde, so viele Themen, um die ich mich gern kümmern würde. Aber es stresst halt gelegentlich ... Und so genieße ich es eben, zwei Wochen lang lieber das eine oder andere dicke Buch zu lesen oder in aller Ruhe irgendwelche Filme anzuschauen.

Die fast zwei Wochen sind vorüber, das neue Jahr hat angefangen. Heute morgen hörte ich zum ersten Mal seit 13 Tagen wieder die Nachrichten. Wie immer: Krieg in der Ukraine, Hetze gegen Flüchtlinge im eigenen Land – es war so, als ob die zwei Wochen auf fünf Minuten zusammenschrumpften.

Vielleicht sollte ich mich gleich wieder für die nächsten zwei Wochen vom Internet und von den Nachrichten verabschieden …

14 Oktober 2025

Browser History ist wieder da!

Im Juli klagte ich öffentlich darüber, dass ein Podcast, den ich sehr schätzte, auf einmal nicht mehr zu hören war. »Browser History« war Geschichte, und das fand ich sehr traurig. Die Gründe für die Einstellung des Podcasts sind mir nicht bekannt; ich könnte mir vorstellen, dass er sehr aufwendig zu produzieren war: Es musste schließlich viel recherchiert werden, und er bot auch nicht »einfach nur Gelaber«, sondern es gab immer wieder akustische Zitate, die ja jemand vorbereiten musste.

Seit einiger Zeit ist der Podcast wieder da. Aktuell kann man sich zwei neue Folgen anhören. Die zwei Leute, die den Podcast moderieren, machen auf eigene Faust weiter – also ohne eine Firma, die sie letztlich finanziert und unterstützt. Da kann man nur hoffen, dass sich das wirtschaftlich rechnet.

Wer den Podcast nicht kennt und meine Begeisterung dafür nicht nachvollziehen kann: »Browser History« erzählt die Geschichte des Internets in Form von Geschichten. Das heißt, es kann durchaus um einen Messenger-Dienst der späten 90er-Jahre gehen oder einen aktuellen Trend (»The Dress«), von dem ich dann garantiert noch nie gehört habe.

Manchmal werden Phänomene aufbereitet, die ich am Rand mitbekommen habe, ohne wirklich zu wissen, worum es da geht. Ein schönes Beispiel ist der Drachenlord (wer nicht weiß, wer oder was das ist, hat nicht viel verpasst – zeitweise war das echt ein wichtiges Internet-Thema), ein anderes der DogeCoin.

Das ist sowohl unterhaltsam als auch informativ. Nicht jede Folge war ein Knaller, auch nicht jede künftige Folge wird mich begeistern. Aber mich freut, dass der Podcast wieder da ist! (Wer ihn suchen mag: »Browser History« gibt’s überall da, wo man Podcasts hören kann.)

03 Juli 2025

Das Aus für Browser History?

Seit einem Jahr bin ich ein begeisterter Hörer des Podcasts »Browser History«, der sich – wie der Name schon andeutet – mit der Geschichte des Internets beschäftigt. Die Moderatorin und der Moderator beschäftigen sich mit Memes und zeigen Entwicklungen auf, sie berichten über Programme und Ereignisse – viele der Themen, über die sprechen, bekam ich nur am Rande mit, von anderen hatte ich nie gehört. (Ich habe seit 1996 einen Bezug zum Internet, weil wir 1996 unsere erste Website »gelauncht« haben.)

Das macht immer Spaß, weil die beiden das mit viel Freude vermitteln. Es wird viel gelacht, es wird auch mal »Scheiße« gesagt, man bezieht klar Stellung zu gesellschaftlichen Themen, ohne dabei in Parteipolitik zu verfallen, und man vermittelt viele Informationen. In der aktuellen Folge geht es um Kryptowährungen und den Erfolg von Dogecoin, der eigentlich als Witz gedacht war – bis hin zu Elon Musk und seinem DOGE, wie seine »Behörde« im Auftrag von Donald Trump hieß.

Das soll jetzt alles vorbei sein. In der aktuellen Folge erläutern die beiden, dass sie aufhören und es die vorerst letzte Folge ist. Zu den Gründen schweigen sie sich aus: War das Format nicht wirtschaftlich erfolgreich? Gab es internen Druck? Keine Ahnung – das geht mich ja vielleicht auch nichts. Aber dass sie nach einem Jahr und 52 Sendungen so sang- und klanglos aufhören, finde ich schon traurig.

Es gibt die Hoffnung, dass die beiden auf anderem Weg weitermachen können. Dann heißt der Podcast vielleicht nicht mehr Browser History und kommt von einer anderen Firma – aber der Blick in die wilde Geschichte des Internets geht hoffentlich weiter ... 

02 Juni 2025

Ich bin ein Systemling

Manche Leute sind schon wieder so seltsam, dass es lustig ist. Einer der Grüne, warum ich immer noch bei Twitter bin, ist ja die Tatsache, dass ich dort ständig mit Ansichten konfrontiert werde, die mich zum Kopfschütteln bringen. 

Heute amüsierte mich ein gewisser Martin. Der schreibt gern von den Machenschaften des Tiefen Staates und freut sich öffentlich darüber, nicht geimpft zu sein.

Er hatte mich öffentlich angegriffen. Ich sei ja Autor, er werde nie ein Buch von mir kaufen. Ich konterte höflich siezend – via Twitter –, worauf er mich beleidigte. Ich blieb höflich und schrieb wieder zurück. Daraufhin bezeichnete er mich als »Systemling«, was immer das sein mag, und blockierte mich.

So liebe ich die Brüder von der anderen Feldpostnummer: immer ein riesiges Geschrei anstimmen, und sobald ein bisschen Gegenwind kommt, wird blockiert und abgewiegelt. Ich glaube, ich bleibe weiterhin bei Twitter. Leider nicht mehr aus den Gründen, weshalb ich so lange auf dieser Plattform aktiv war ...

20 Januar 2025

Keine Meinungsfreiheit?

Weil einer meiner »Facebook-Freunde«, den ich nicht persönlich kenne, zu den Menschen gehört, die ständig über die heutige Zeit jammern, ging ich dieser Tage mal auf ihn ein. Es ging um die Meinungsfreiheit. Er war der Ansicht, so schloss ich aus seiner Aussage, dass es die bei uns nicht gäbe.

Ich schrieb: »Ich lebe in einem Land, in dem wir eine große Meinungsvielfalt haben, und zu dieser Meinungsvielfalt gehört eine vielfältige Presselandschaft, die nicht immer einer Meinung ist. Auch nicht meiner Meinung.«

Seine öffentliche Antwort war eindeutig: Er vermutete, dass ich »nunmehr nicht in der Realität« lebe, »sondern im Takatuka Land«. Man werde von ARD und ZDF belogen, und Bill Gates finanziere ja den »Spiegel«. Er verstehe nicht, wie so viel Ignoranz wie bei mir existieren könne.

Ich versuchte höflich zu bleiben, was nicht so einfach ist. Ein Auszug: 

»Wir leben in einem Land, in dem die Meinungsfreiheit gilt. Du darfst ja hier auch sagen und schreiben, was Du meinst, obwohl ich anderer Meinung bin. Du wirfst mir jetzt Ignoranz vor, lieferst für Deine Behauptungen aber nicht den geringsten Beweis. Meinungsfreiheit heißt, dass Du auch meine Meinung ertragen musst, selbst wenn ich Deiner Ansicht nach in einem Takatukaland lebe – was immer das sein mag.«

Dann wurde er ein wenig ausfällig. Seine längere Tirade gipfelte in einer Aussage, die ich noch nicht verstehe: »Die nächsten Wochen werden es zeigen, wohin alles läuft.« 

Ist das jetzt eine Drohung, oder verfügt er über geheimes Wissen=? Droht die Zombie-Apokalypse?

17 Januar 2025

Rottendotcom

Seit ich 1996 zum ersten Mal einen Blick in dieses neue Medium namens Internet werfen konnte, sah ich unzählige Internet-Seiten. Vor allem in der frühen Phase war ich von der riesigen Welt fasziniert, die sich vor mir auftat. Obwohl ich noch mit einem Netscape-Anschluss ins Netz ging und ständig vergleichsweise hohe Telefongebühren zu bezahlen hatte, verbrachte ich viel Zeit damit, durch das uferlose Netz zu surfen.

Wann ich zum ersten Mal auf eine Seite stieß, die mich so richtig schockierte, weiß ich nicht mehr. Jemand sagte mir, ich solle mir mal »rotten.dot.com« anschauen. Das tat ich, und ich war gebührend verwirrend. Es war Ende der 90er-Jahre, und die Ansammlung schrecklicher Fotos und unfassbarer Bilder war schwer zu verdauen. Man sah Leichen und Körperteile, viel Blut und auch eine Reihe von »Fake-Fotos«, wie man unschwer erkennen konnte.

Ich war nicht so oft auf dieser Seite, vielleicht ein halbes Dutzend Mal, dann nicht mehr. Mir war klar, dass das nicht gut für mich war und dass ich das nicht anschauen sollte. Und irgendwann vergaß ich die Seite völlig; sie wurde immer mal wieder genannt, wenn es um die Anfänge des Internets ging.

Dieser Tage hörte ich eine aktuelle Folge des Podcasts »Browser History«, in der es um »rotten.com« ging, und einige Erinnerungen kamen hoch. Ich hatte auf einmal Bilder vor meinem Auge, die ich verdrängt hatte, zumindest hatte ich das geglaubt.

Schon hart, wie lange so ein negativer und fieser Eindruck bleiben kann …

18 November 2024

Esswaren aus Thüringen?

Seit ich damit angefangen habe, den Podcast von »Broswer History« regelmäßig zu hören, stoße ich auf Dinge und Themen, die ich in all den Jahren offensichtlich verpasst habe. Der Podcast kümmert sich, wie der Name schon nahelegt, um die Vergangenheit des Internets, und deshalb geht es um skurrile Dinge, die einmal viele Leute beschäftigten – sehr häufig aber gehörte ich nicht zu diesen Leuten.

Vielleicht lag’s und liegt’s schlicht daran, dass ich schon »erwachsen« war, als es mit dem Internet losging. Ich erhielt meinen ersten privaten Internet-Anschluss, als ich schon weit über dreißig Jahre alt war. Da fängt man dann nicht mehr an, jede Marotte des neuen Mediums mitzumachen. Bei jüngeren Leuten ist das sicher anders.

Aber ich bekam manches Phänomen direkt mit, weil ich ab 1996 eben die Trends und Wellen im Internet und ihre Auswirkungen zu spüren bekam. So finde ich eine Podcast-Folge über StudiVZ spannend, wenngleich ich dort nie einen Account hatte. Die gesamte Entwicklung des Netzwerkes lässt sich so leicht und locker nachvollziehen. Das ist lustig gemacht und trotzdem informativ.

Besonders amüsant ist es, wenn es um Musik geht. So lernte ich in einer Folge viel über die Entstehung des K-Pop oder darüber, was Thüringer Klöße mit Musik zu tun haben. Danach mochte ich die Thüringer Klöße zwar immer noch nicht essen, hatte dafür aber das Lied im Kopf. Man kann nicht alles haben …

»Browser History« macht großen Spaß. Ich bin ein Fan dieses Podcasts geworden, echt!

29 Juli 2024

Ein paar Sätze zu Twitter

Als ich mich bei Twitter anmeldete, schrieb man das Jahr 2007. Es gab eine Twitter-Map, auf der man sehen konnte, wenn jemand irgendwo etwas schrieb. »Hurra!«, konnte man sich dann freuen, wenn jemand in Alaska einen Satz bei Twitter veröffentlichte – mit nicht mehr als 140 Zeichen war das durchaus kreativ. Diese Zeit war natürlich schnell vorüber, bald war Twitter echt groß.

Twitter war über lange Zeit hinweg mein liebstes Medium. Ich mochte es, weil ich schnell mitbekam, was Leute so machten, schrieben und trieben, die ich kannte oder denen ich aus bestimmten Gründen folgte. Ich belohnte mich selbst durch Twittern: Hatte ich einen Arbeitsgang erledigt, gab ich mir selbst die Zeit, etwas bei Twitter zu lesen oder zu schreiben.

Viele der großen Twitter-Diskussionen oder Streitereien bekam ich nicht mit. Die fanden außerhalb meiner privaten Blase statt. Bis heute wurde ich von rechtsradikalen Trollen nur selten behelligt; ich bin für diese Leute schlicht zu unwichtig.

Professionell nutzte ich Twitter auch, unter anderem schrieb ich eine Weihnachtskurzgeschichte: jeden Tag ein Tweet, bis zu einem 24. Dezember und bis zum Ende der Story. Das machte Spaß.

Mittlerweile macht Twitter aus den bekannten Gründen nicht mehr so viel Spaß. Viele nette Leute sind abgewandert, ich verbringe durchaus Zeit bei Bluesky, wo ich vor allem die Science-Fiction-Leute zu einem größten Teil wiedergetroffen habe.

Ich selbst habe Twitter immer noch nicht verlassen, und ich weigere mich auch, den neuen Namen zu benutzen. Das ist mir zu blöd. Was ich aber auch blöd finde: dass ich neuerdings dafür beschimpft werde, weil ich immer noch einen Twitter-Account habe.

Ganz ehrlich: Wahrscheinlich bin ich nur noch aus purem Trotz bei Twitter. Wenn mir jeden Tag gesagt wird, wie blöd ich sei, bei dieser Plattform zu sein, bestärkt mich das eher, dort zu bleiben. Das mag kindisch sein, aber so ist es. 

Soweit meine fünf Pfennig zu diesem Thema ...

17 Oktober 2023

Dialog mit einem Friedensfreund

Die Vorgeschichte ist bekannt: Ein fürchterlicher Angriff von Terroristen der Hamas, der sich fast ausschließlich gegen Zivilisten richtete, führte in Israel zu einem beispiellosen Gemetzel. Ich bekam mit, wie viele Leute diese Taten verharmlosten und relativierten, und war darüber fast noch ehr schockiert als über die eigentlichen Schreckenstaten. Bei Twitter reagierte ich auf entsprechende Äußerungen.

In einem Fall begann es damit, dass ein Mann namens »A« – ich kürze hier nur ab – am 10. Oktober Bilder bei Twitter einstellte, in denen er unter anderem Netanyahu zeigte und von 152.000 Palästinensern schrieb, die Israel seit 2008 getötet und verletzt habe. Ich sah mir an, was der Mann sonst so verbreitete. Bei Twitter ließ »A« gern entsprechende Tiraden gegen Israel los, das »fünf Millionen Menschen unter unwürdigsten Bedingungen wie Tiere behandelt«, oder sprach positiv von Russland.

Ich fragte in einem Tweet: »Und all das rechtfertigt neuerdings den Massenmord an den friedlichen Besuchern eines Musik-Festivals? Weil Netanyahu und die israelische Politik nicht korrekt sind, ist es in Ordnung, Frauen und Kinder zu massakrieren?« Dann kam ein Absatz, und ich ergänzte: »Ich frage ja nur.«

Ein »G« meldete sich nebst einigen anderen Leuten, die ich teilweise sofort blockierte. In seiner Timeline stellte »G« die USA als Kriegstreiber dar oder teilte die russische Sicht manch aktueller Themen. Sein Logo zierte eine Friedenstaube, und er äußerte sich nach wie vor gern zu Corona, wo er über »Klatscher« schwadronierte.

Auf meinen Tweet hin schrieb er: »Den Verantwortlichen für das was passiert ist« habe »die älteste Zeitung Israels am Tag danach« genannt. Ich vermutete, dass er damit erneut den israelischen Präsidenten mit seiner Politik meinte.

Aber ich wollte mehr wissen und ging am folgenden Tag darauf ein: »Oh. Ein Putin-Versteher«, schrieb ich sarkastisch und nicht gerade journalistisch. »Das ist spannend. Danke, dass mir hier erklärt wird, dass ein Israeli schuld am Massenmord an Israelis sein soll!«

Das war für »G« nicht in Ordnung. Schnell reagierte er und verwies erneut auf einen Artikel in der »ältesten Zeitung Israels«. Er verwehrte sich gegen »Zuschreibungen wie Putinversteher«; das belege nur »Denkfaulheit bzw. die eingeschränkte Denkfähigkeit des Absenders«.

Es ging an diesem Tag schnell. Ich reagierte sofort: »Nochmal nachgefragt: Es ist Deiner/Ihrer Ansicht nach also in Ordnung, dass jüdische Kinder, Frauen und Männer ermordet werden, nur weil sie Juden sind? Ich möchte diese Denkweise nur verstehen. Massenmord an Juden ist für Dich/Sie also eine gute Sache?«

Die Antwort kam nun noch schneller: »Mein Gott, bist Du irre? Wie bescheuert muss man sein, um so eine Conclusio zu ziehen? Ich erwarte eine Entschuldigung für eine derart abartige Unterstellung.«

Ich war verwundert, na ja, ich tat so: »Ich frage doch nur. Und ich hätte gern eine Antwort auf meine Fragen. Mehr nicht. –

Das ist doch ganz einfach. Beides Mal ›nein‹, und alles ist gut. – Zudem unterstelle ich ja gar nichts. Wo denn? Ich bin interessiert und frage nach.«

Diesmal reagierte »G« schnell: »Ich werte das mal als Entschuldigung. Danke.«

Ich wollte nachhaken, es war dann schon am nächsten Tag: »Ähm. Das war keine Entschuldigung. Ich habe nachgefragt und tu's immer noch: Ist für Sie/Dich der Massenmord an Juden gerechtfertigt (durch irgendwelchen ›Widerstand‹ oder so) oder nicht? --Auf diese Frage erhielt ich bislang keine Antwort. Ist doch ganz einfach, denke ich.«

Nun wurde er eindeutig sauer: Wenn ich zu »doof« sei, seine Antwort zu lesen, könne er mir auch nicht helfen. Das »Danke« nehme er natürlich zurück. »Und jetzt verpiss Dich mit Deinem Unfug.«

Ich versuchte es noch einmal: »Vielen Dank die Beleidigung«, schrieb ich: »Ich finde es auch nach wie vor interessant, dass ich KEINE Antwort auf meine Frage erhalten habe. Es kann doch nicht so schwer sein, sich auf eine Frage mit ›ja‹ oder ›nein‹ zu antworten. Es ist dann wohl einfacher zu beleidigen.«

Leider hörte ich seitdem nichts mehr von »G«. Ich hatte dann auch nicht die Energie, weiter bei ihm nachzufragen.

03 März 2023

Zehn Jahre Tolino

Manchmal glaubt man, so lange könne es doch nicht her sein, dann wieder denkt man, das gäbe es schon ewig. Die Rede ist von den E-Books. Ich erinnere mich an die ersten Gehversuche für diese Art, Bücher zu lesen, die in den späten 90er-Jahren stattfanden (den »Diskoman« als Vorläufer möchte ich nicht verschweigen).

Als es mit dem E-Book-Geschäft so richtig losging, hatten die Kollegen bei Amazon die Nase vorn. Ich erinnere mich, dass um 2011 herum das Thema E-Books praktisch mit dem Namen Amazon verbunden war. Und es dauerte einige Zeit, bis sich eine größere Alternative etablieren konnte.

Das war im März 2013, also vor genau zehn Jahren. Die sogenannte Tolino-Allianz trat an die Öffentlichkeit, damals noch aus Weltbild – kurze Zeit später insolvent –, Hugendubel, Thalia und dem Bertelsmann-Club (auch schon vergangen) bestehend. Einige Skeptiker lästerten, vor allem jene, die schon immer alles besser wussten.

Zehn Jahre danach gibt es Amazon mit seinem riesigen E-Book-Angebot immer noch, der Tolino hat sich aber gut entwickelt. Ganz nüchtern betrachtet schwören die Kunden mal auf das eine, mal auf das andere System. Dass es aber eine Konkurrenz zum großen Riesen aus Amerika gibt, finde ich auf jeden Fall sinnvoll.

Wie sich das alles weiterhin entwickeln wird, muss man sehen. Vor zehn Jahren hätte ich keine Prognose abgegeben, sondern beobachtete interessiert – sowohl privat als auch beruflich – die spannenden Entwicklungen. Und heute sowie für die Zukunft werde ich das wohl ebenfalls tun.

Alles Gute, liebe Tolinos!

21 April 2021

Paul Scheerbart und die SF-Werkstatt

Der Schriftsteller Paul Scheerbart zählt zu den Wegbereitern der deutschsprachigen Science Fiction, ist aber hierzulande so gut wie vergessen. Das liegt sicher daran, dass seine Werke entweder nirgends zu haben oder eben nur in teuren Sammlerauflagen etwa in der Edition Phantasia veröffentlicht worden sind. Da freut es mich doch, wenn ich eine frühe Scheerbart-Geschichte digital und »für umme« lesen kann.

Gemeint ist »Die neue Oberwelt«, und angeboten wird sie auf der Internet-Seite Wikisource. Auf dieser Seite werden urheberrechtsfreie Texte aus der analogen Welt in die digitale Welt überführt, sprich, man kann sie dann im Internet lesen. Wichtig ist den Leuten, die sich dafür engagieren, unter anderem, dass eine möglichst fehlerfreie Transkription hinbekommen wird.

Bei diesem Text handelt es sich um eine sogenannte Novellette. Veröffentlicht wurde sie in der Zeitschrift »Die Aktion«, die sich zu dieser Zeit auch als »Wochenschrift für freiheitliche Politik und Literatur« verstand. Ich finde es spannend, solche altenTexte zu lesen, die so alt sind. Die genannte Scheerbart-Geschichte stammt aus dem Jahr 1911.

Auf der Seite der Wikisource wurde mittlerweile eine »SF-Werkstatt« gegründet. Gesucht werden Leute, die gern mitarbeiten. Es geht um die Transkription historischer SF-Texte – da ist noch viel zu tun. Und machen wir uns nichts vor: In Buchform gibt es praktisch keinen »Markt« für solche Texte. Das ist etwas für Studierende oder Leute, die halt gern Klassiker lesen wollen …

Ein lohnenswertes Projekt, das unbedingt weitere Unterstützende bekommen sollte!

28 Oktober 2020

Die E-Book-Fusion

Heute ging die Nachricht durch den »digitalen Blätterwald: Die Firma Bookwire aus Frankfurt wird ab dem 1. November 2020 die Firma Readbox aus Dortmund übernehmen. Damit entsteht innerhalb des E-Book-Vertriebssystem ein echter Vertriebsriese.

Ich finde das aus verschiedenen Gründen interessant. Mit Bookwire arbeite ich als Angestellter unseres Verlages seit 2011 zusammen. Wir schlossen damals einen Vertrag mit der – zu jener Zeit – sehr kleinen Firma, und ich bin bis heute mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden. Bei Readbox sind mir ebenfalls Kollegen bekannt, man ist immer wieder im Gespräch.

Beide Firmen sorgen dafür, dass die E-Books von Verlagen und Selfpublishern bei den jeweiligen Plattformen zu kaufen sind, platzieren sie also bei Amazon und Beam, bei Thalia oder Osiander. Ohne Bookwire wäre beispielsweise für unsere Redaktion das digitale Geschäft nicht mehr zu leisten. Wie sich das Geschäft insgesamt künftig entwickelt, wenn zwei vertriebliche Schwergewichte zusammenarbeiten, muss man sehen – ich bin erst einmal ganz gespannt.

10 Juli 2019

Folge den Wolken nach Nord-Nordwest

Aus der Serie »Gratis Comic Tag 2019«

Das ist mal ein origineller Ansatz für einen Manga – von dieser Comic-Richtung verstehe ich allerdings zu wenig, um das seriös beurteilen zu können. Die Geschichte von »Folge den Wolken nach Nord-Nordwest« siedelt Aki Irie nämlich in Island an, sie wirkt recht erwachsen.

Dort lebt der Held dieses ungewöhnlichen Mangas, ein junger Mann, der offenbar mit Autos sprechen kann. In dem Heft, das es zum »Gratis Comic Tag 2019« gab, sitzt er allerdings recht lange auf einer Straße herum, wartet darauf, dass ihm jemand hilft, und führt Selbstgespräche.

Das klingt nicht sonderlich spannend, ist aber toll gezeichnet. Die Hauptfigur erweist sich als nachdenklicher junger Mann, eher schlacksig als muskulös, der einer geheimnisvollen Mission folgt. Die Zeichnungen sind recht realistisch, die phantastischen Elemente – die ich bislang vor allem vermuten kann – werden dezent eingesetzt, verbunden mit der beeindruckenden Natur in Island.

Tatsächlich ist »Folge den Wolken« sowohl erzählerisch als auch zeichnisch nicht mit den bisherigen Mangas zu vergleichen, die ich bislang kenne. Das Heft zeigt eine eher ruhig erzählte Geschichte, in der es zwar auch die typisch-dynamischen Bewegungsabläufe gibt, die aber bislang ohne überzogene Action auskommt. Ein interessantes Heft!

08 Juni 2019

Werbung mit Nerds

Die Definition eines »Nerds« erfülle ich in gewisser Weise schon. Ich interessiere mich für obskure Dinge wie Science-Fiction-Heftromane und Fantasy-Comics, lese Fanzines mit geringsten Auflagen und habe keinerlei Problem, mich auf Veranstaltungen wohlzufühlen, die von älteren Herren mit ebenfalls obskuren Hobbys gern frequentiert werden. (Andererseits fahre ich gern Rad und gehe auf Veranstaltungen, die nicht gerade nerd-affin sind. Egal.)

Deshalb kann ich auch schmunzeln, wenn »Nerds« im Zentrum einer ironischen Werbung stehen. Denn immer wieder gibt es Werbefilmchen, die mich überraschen und verblüffen, die ich auch witzig finde. Die Agentur Interlutions mit Sitz in Köln hat ein Filmchen produzieren lassen, dem sie den schönen Titel »The Power of Nerds« verliehen haben. Verantwortlich dafür: die Berliner Agentur Strobinski und die Filmprdoduktion Deli Creative Collective Berlin.

Der Film ist nur siebzig Sekunden lang, und es lohnt sich meiner Ansicht nach, ihn auch zweimal anzuschauen. Er ist flott, er ist durchaus witzig, er ist vor allem originell gemacht. Und echte Nerds sollten sich darüber freuen.

07 Juni 2019

Zu viel Hass im Netz?

Ich kenne Sibel Schick nicht persönlich, lese nur immer wieder ihre Texte in der »tageszeitung« oder bekomme mit, was sie bei Twitter schreibt. Am Dienstag veröffentlichte die »taz« ihren Artikel »Hass unter fast jedem Tweet«, den ich sehr lesenswert und auch sehr traurig finde. Man(n) macht sich da so seine Gedanken über sein eigenes Geschlecht.

Was auffällt: Es sind eigentlich immer Männer, die so beleidigend sind. Es sind stets Männer, die ihre Vergewaltigungs- und Mord-Phantasien im Netz austoben und sich dann auf die Meinungsfreiheit berufen. Häufig tarnen sie sich auch noch einigermaßen bürgerlich.

Was auch auffällt: Ihre Zielrichtung sind meist Frauen, gerne mit »Migrationshintergrund«. Es paart sich eine widerwärtige Mischung aus Frauen- und Ausländerhass. Es schüttelt einen, wenn man das liest. Und ich weiß tatsächlich nicht, was man(n) dagegen tun kann.