Mit »Das Blut des Königs« liegt der vierte und abschließende Band eines Comic-Vierteilers vor, der in seiner politischen Klarheit und in seiner spannenden Handlung absolut empfehlenswert ist. »Schloss der Tiere« wirkt auf den ersten Blick wie eine Tierfabel, ist aber eine, die sich eindeutig nicht an Kinder richtet, sondern an ein erwachsenes Publikum.
Die Handlung spielt im »Hier und Jetzt« und auf einem Landgut in Frankreich. Menschen leben dort keine mehr, die gibt es aber in einem nahegelegenen Dorf. Im Schloss haben sich Tiere angesiedelt: Ein Stier regiert mit eiserner Hand, beschützt von einer Leibgarde aus Hunden. Hühner und Kaninchen, Katzen und Ziegen sowie andere Tiere leben im Schloss, das vordergründig wie eine Demokratie strukturiert ist.
Silvio wohnt zwar in den prächtigen Gemächern des Gutsherrn, wird aber als Präsident bezeichnet. Seine Behauptung: Nur wenn er und die Hunde für die Sicherheit der Tiere sorgen, sind sie in der Lage, sie gegen die Wölfe zu beschützen, die durch die Wälder streunen. Deshalb sind die anderen Tiere dazu verdammt, knallharte Frondienste zu leisten, angetrieben von den Hunden und ausgenutzt von Silvio und seiner Familie.
Doch nicht alle Tiere sind mit dem System einverstanden. Eine Katze, ein Kaninchen und eine Ratte bilden eine Gruppe des Widerstands – mit allen friedlichen Mitteln wollen sie gegen Silvio antreten. Sie versuchen es mit Witz und Ungehorsam, sie riskieren Sabotage und fordern demokratische Wahlen. Der Kampf zwischen Solidarität und Tyrannei wird mit allen Mitteln ausgefochten …
In den vier Comic-Bänden exerziert Xavier Dorison allerlei politischen Gegensätze durch. Klar basiert sein »Schloss der Tiere« auf dem Klassiker »Farm der Tiere« von George Orwell, geht für meinen Geschmack aber weiter in die Tiefe. Dorison zeigt die Gründe, warum sich manche Menschen, pardon: Tiere, als feige erweisen und warum manche in der Gefahr über sich hinauswachsen – sehr spannend und sehr eindrucksvoll!
Félix Delep, der mir bisher als Zeichner nie aufgefallen ist, liefert mit diesem Comic-Vierteiler ein starkes Werk ab: Seine Tiere haben ausreichend menschliche Züge, so dass man ihre Emotionen lesen kann, werden von ihm aber dennoch stets als Tiere gezeigt. Er hält bei diesen Darstellungen hervorragend die Waage und schafft es, packende Szenen voller Dynamik zu erzeugen.
Alle vier Bände dieser Comic-Saga sind mitreißend erzählt und toll gestaltet. Sie überzeugen mich auf allen Ebenen – und sie sind auch für solche Menschen interessant, die sonst nicht so viel mit Comics anfangen können. Ich empfehle unbedingt, eine der Leseproben anzuschauen; vielleicht gleich für den vierten Band, den aktuellen also.
Die vier Bücher haben unterschiedliche Umfänge und Preise; sie sind als hochwertige Hardcover-Bände im Splitter-Verlag erschienen. Man kann sie überall im Comicfach- und im Buchhandel bestellen;.
(Diese Rezension wurde bereits im März auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion veröffentlicht; ich teile sie hier aus dokumentarischen Gründen.)

1 Kommentar:
Ich verlinke hier auf den ersten Band von »Schloss der Tiere«, wo es auch eine Leseprobe gibt – wie das der Splitter-Verlag ja immer anbietet:
https://www.splitter-verlag.de/schloss-der-tiere-1-miss-bengalore.html
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