Hölle und Teufel! Die Juggling Jugulars gibt es seit Äonen, so scheint mir; ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann ich mir ihre erste Single gekauft habe. Und die Finnen sind immer noch aktiv, Respekt!
Die aktuelle Platte heißt »Salute No One« und ist ein komplettes Brett: wuchtiger Punkrock, bei dem sich der Sänger und die Sängerin abwechseln, der immer nach vorne geht und trotzdem genügend Raum für druckvolle Melodien läßt. Großartig, da will ich am liebsten durch die Wohnung pogen oder irgendwelche sportlichen Übungen in der Innenstadt vollbringen.
Die kämpferischen Texte sind auf englisch, es gibt ein schick gestaltetes Textblatt, und selbstverständlich lohnt es sich, die Band auch mal live anzugucken. Wer also unbedingt den Geist des »alten« Anarcho-Punk mal wieder spüren will, sollte diese Viny-Scheibe unbedingt mal anchecken. Das hier riecht definitiv nicht nach Kommerz-Punk und nach der »großen weiten Waren-Welt«.
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
12 August 2008
11 August 2008
Ein Jahrbuch über meinen Job

Ach ... der Beruf eines PERRY RHODAN-Redakteurs hat schon so seine schattigen und seine sonnigen Seiten. Zu den sonnigen gehört ganz eindeutig, wenn man so ein PERRY RHODAN-Jahrbuch in seinen Händen halten kann: Heute kam das Paket mit den Belegexemplaren an.
Die Bücher sehen todschick aus, das Cover ist umwerfend. Da hat Ralph Voltz ganze Arbeit geleistet. Wie auch die Aktivisten des SF-Clubs Universum, die für das Buch verantwortlich sind. Seitenweise gibt es Hintergründe zur Serie, zu den Romanen des letzten Jahres - und so weiter.
Über 400 Seiten für nur zwölf Euro; das ist für eine Publikation im kleinauflagigen Bereich der absolute Hammer! Ich bin begeistert.
Von mir ist übrigens ein einziger Beitrag enthalten: ein Rückblick aufs Jahr 2007. Und der fiel dieses Jahr besser aus als im letzten Sommer ...
10 August 2008
In der Sauna mit Frisören
Geht man heutzutage auf ein Punk- oder Hardcore-Konzert, kann durchaus sein, daß man keine Punkrocker mehr zu Gesicht bekommt. »Die sehen alle aus, als arbeiten sie auf der Bank«, meinte Lars und wies auf eine Gruppe von Hardcore-Jungmännern mit anständigem Kurzhaarschnitt, sauberen Propagandhi- und Strike Anywhere-Shirts und kurzen Hosen.
»Oder sie sehen aus wie Frisöre«, konterte Ulf und zeigte auf einen jungen Mann, dessen 70-Euro-Haarschnitt mit sauber gegelten Strähnchen aussah, als wolle er als Inkarnation von Rod Stewart durch die Welt pendeln.
»Und diejenigen, die ein bißchen punkig aussehen, arbeiten wohl alle als Verkäufer bei H&M«, lästerte ich. Alte Männer, die über junge Leute herziehen: Es war Samstag abend, 9. August, und im »Substage« hatten sich Propagandhi angesagt.
Mehrere hundert Leute waren da, der Männer-Anteil lag bei 80 Prozent, und die Leute kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus österreich und der Schweiz, aus Italien und Frankreich. Die kanadische Band zieht echt viel Publikum.
Und das ignorierte die Vorbands: Die zwei jungen Frauen von Biestig waren tapfer und spielten ihren rotzigen Punkrock vor einigen Dutzend Leuten. Die Band Red Tape Parade begeisterte mich mit ihrem druckvollen Hardcore, brachte aber kaum jemand zum Kopfwackeln. Bei den unsäglichen Kafkas und ihrem bierernsten Deutschpunk mußte ich rasch wieder den Konzertraum verlassen.
Propagandhi ließen dann das Publikum im vollbesetzten Konzertraum gut eine halbe Stunde warten (Rockstar-Allüren?), bevor sie loslegten. Vom ersten Ton an herrschte kollektive Begeisterung. Das sehr textsichere Publikum sang lauthals mit, der Pogo-Mob tobte wie blöd, und innerhalb kürzester Zeit herrschte Sauna-Atmosphäre.
Ich hielt mich am Rand des Mobs, blieb sehr zurückhaltend und schwitzte dennoch, als hüpfte ich selbst durch die Menge. Als das Konzert irgendwann rum war und die kanadische Band mit tosendem Beifall verabschiedet wurde, war ich triefend naß.
Trotz zeitweise nervigem Publikum ein großartiger Konzertabend!
»Oder sie sehen aus wie Frisöre«, konterte Ulf und zeigte auf einen jungen Mann, dessen 70-Euro-Haarschnitt mit sauber gegelten Strähnchen aussah, als wolle er als Inkarnation von Rod Stewart durch die Welt pendeln.
»Und diejenigen, die ein bißchen punkig aussehen, arbeiten wohl alle als Verkäufer bei H&M«, lästerte ich. Alte Männer, die über junge Leute herziehen: Es war Samstag abend, 9. August, und im »Substage« hatten sich Propagandhi angesagt.
Mehrere hundert Leute waren da, der Männer-Anteil lag bei 80 Prozent, und die Leute kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus österreich und der Schweiz, aus Italien und Frankreich. Die kanadische Band zieht echt viel Publikum.
Und das ignorierte die Vorbands: Die zwei jungen Frauen von Biestig waren tapfer und spielten ihren rotzigen Punkrock vor einigen Dutzend Leuten. Die Band Red Tape Parade begeisterte mich mit ihrem druckvollen Hardcore, brachte aber kaum jemand zum Kopfwackeln. Bei den unsäglichen Kafkas und ihrem bierernsten Deutschpunk mußte ich rasch wieder den Konzertraum verlassen.
Propagandhi ließen dann das Publikum im vollbesetzten Konzertraum gut eine halbe Stunde warten (Rockstar-Allüren?), bevor sie loslegten. Vom ersten Ton an herrschte kollektive Begeisterung. Das sehr textsichere Publikum sang lauthals mit, der Pogo-Mob tobte wie blöd, und innerhalb kürzester Zeit herrschte Sauna-Atmosphäre.
Ich hielt mich am Rand des Mobs, blieb sehr zurückhaltend und schwitzte dennoch, als hüpfte ich selbst durch die Menge. Als das Konzert irgendwann rum war und die kanadische Band mit tosendem Beifall verabschiedet wurde, war ich triefend naß.
Trotz zeitweise nervigem Publikum ein großartiger Konzertabend!
Vorab-Abgesang aufs »Substage«
Bevor das »Substage« in der Innenstadt seine Pforten schließen und in die Oststadt ziehen muß, noch eine kurze Lobrede auf den Musik-Club, den ich auch seit über einem Dutzend Jahren immer mal wieder besuche. (Die Ü-30- und 80er-Jahre-Partys meide ich allerdings wie die Pest. Für die gelten andere »Regeln«.)
Das »Substage« ist ein Konzertort, der für diese Zwecke ideal geeignet ist. Wenn der Laden voll ist, kommt aufgrund der niedrigen Decke ruckzuck Sauna-Atmosphäre auf. Da das Publikum in Karlsruhe durchaus auch mal zurückhaltend sein kann, ist die Hitze dann doch ein Stimmungsmerkmal ...
Musikalisch geht man eher in die härtere Richtung, sprich, es gibt alle Arten von Rock-Musik: Punkrock und Hardcore, klassischen Metal und Stoner-Rock, gelegentlich richtig gut abgehangenen 70er-Jahre-Rock oder auch Blues-Rock (eher selten), zwischendurch dann auch mal Reggae, Ska oder anderes. Bunt gemischt ist das alles, und die Bands bewegen sich meist im oberen Drittel des Independent-Bereiches.
Preislich ist das ganze auch angepaßt: 15 Euro sind leider heutzutage für eine halbwegs bekannte Band mit Vorgruppe an der Abendkasse üblich. Das »Substage« ist halt doch ein halbkommerzieller Laden, kein Jugendzentrum, schon gar kein Autonomes Zentrum und erst recht kein besetztes Haus. Man muß in Karlsruhe derzeit nehmen, was man kriegt ...
Getränke stimmen, die Toiletten sind okay, der Zugang zum »Substage« stimmt, und die dort arbeitende Mannschaft ist sympathisch. Größtenteils alles sehr nett da, und ich werde traurig sein, wenn das »Substage« irgendwann mal zwei Kilometer weiter östlich sein wird ...
Das »Substage« ist ein Konzertort, der für diese Zwecke ideal geeignet ist. Wenn der Laden voll ist, kommt aufgrund der niedrigen Decke ruckzuck Sauna-Atmosphäre auf. Da das Publikum in Karlsruhe durchaus auch mal zurückhaltend sein kann, ist die Hitze dann doch ein Stimmungsmerkmal ...
Musikalisch geht man eher in die härtere Richtung, sprich, es gibt alle Arten von Rock-Musik: Punkrock und Hardcore, klassischen Metal und Stoner-Rock, gelegentlich richtig gut abgehangenen 70er-Jahre-Rock oder auch Blues-Rock (eher selten), zwischendurch dann auch mal Reggae, Ska oder anderes. Bunt gemischt ist das alles, und die Bands bewegen sich meist im oberen Drittel des Independent-Bereiches.
Preislich ist das ganze auch angepaßt: 15 Euro sind leider heutzutage für eine halbwegs bekannte Band mit Vorgruppe an der Abendkasse üblich. Das »Substage« ist halt doch ein halbkommerzieller Laden, kein Jugendzentrum, schon gar kein Autonomes Zentrum und erst recht kein besetztes Haus. Man muß in Karlsruhe derzeit nehmen, was man kriegt ...
Getränke stimmen, die Toiletten sind okay, der Zugang zum »Substage« stimmt, und die dort arbeitende Mannschaft ist sympathisch. Größtenteils alles sehr nett da, und ich werde traurig sein, wenn das »Substage« irgendwann mal zwei Kilometer weiter östlich sein wird ...
09 August 2008
Dümmster Film des Jahres
Wir standen im Kino, eine spontane Entscheidung, und die Wahl fiel schwer. Die neueste »Hulk«-Verfilmung reizte nicht, der dritte Teil der »Mumie« gleich zweimal nicht, nach dem ersten »Narnia«-Debakel machte der zweite Teil der C-S-Lewis-Verfilmung auch nicht sonderlich an. Also blieb nach gründlichstem Nachdenken nur »Superhero Movie«, der neueste Streifen mit Lesnie Nielsen.
Vorher noch einen knalligen Cocktail, und das Kinovergnügen konnte beginnen. Im Publikum wimmelte es von Intelligenzbestien, da paßten wir gut rein. Und all meine Erwartungen wurden erfüllt.
Der Humor des Filmes ist primitiv (furzende Tanten, pissende Superhelden, kalauernde Schurken), die Witzfrequenz sehr hoch (angeblich drei Witze pro Minute), das Niveau insgesamt extrem niedrig. Der dämlichste Film des Jahres.
Und ich lachte Tränen. Ich japste nach Luft, schlug mir angesichts der grassierenden Doofheit gegen die Stirn und machte mir fast in die Hosen. Es war herrlich.
Wer in der Lage ist, für neunzig Minuten das Hirn weitestgehend auszuschalten, kann sich mit »Superhero Movie« bestens unterhalten. Und weiß dann beispielsweise endlich, was im Internat der X-Men wirklich los ist und wie sich Wolverine den Hintern abwischen läßt ...
Vorher noch einen knalligen Cocktail, und das Kinovergnügen konnte beginnen. Im Publikum wimmelte es von Intelligenzbestien, da paßten wir gut rein. Und all meine Erwartungen wurden erfüllt.
Der Humor des Filmes ist primitiv (furzende Tanten, pissende Superhelden, kalauernde Schurken), die Witzfrequenz sehr hoch (angeblich drei Witze pro Minute), das Niveau insgesamt extrem niedrig. Der dämlichste Film des Jahres.
Und ich lachte Tränen. Ich japste nach Luft, schlug mir angesichts der grassierenden Doofheit gegen die Stirn und machte mir fast in die Hosen. Es war herrlich.
Wer in der Lage ist, für neunzig Minuten das Hirn weitestgehend auszuschalten, kann sich mit »Superhero Movie« bestens unterhalten. Und weiß dann beispielsweise endlich, was im Internat der X-Men wirklich los ist und wie sich Wolverine den Hintern abwischen läßt ...
08 August 2008
Im Garten des Celio

Der Platz lag geschickt: rund 800 Meter vom Colosseum entfernt, am Fuß des Celio-Hügels. Große Wohnblocks umgaben einen etwa dreieckigen großen Platz, in dessen Nähe sich der Autoverkehr stark in Grenzen hielt.
Das war die Piazza Celimontana, und wir strandeten eher zufällig dort. Die Musik lockte uns an, die aus einem umzäunten Gelände drang. Und als wir feststellten, dass es dort keinen Eintritt kostete und es statt dessen zu essen und zu trinken gab, gingen wir hinein.
Wir landeten im »I Giardini del Celio«, einem Musik- und Kino-Festival in kleinem Rahmen. Es gab Bier und Wein, Pizza und Salate, und auf der Leinwand lief »Sweeny Todd«, der aktuelle Streifen mit dem Schauspieler Johnny Depp.
Natürlich in italienischer Synchronisation, allerdings blieben die Sing-Stücke in englischer Sprache und wurden mit Untertiteln versehen. Sehr lustig, sehr stimmungsvoll – ein wunderbarer Abend!
07 August 2008
Die Villa Morgagni
»In Rom sind die Hotels entweder teuer oder schmuddelig.« Das sagten uns mehrere Leute, und uns wurden mehrmals irgendwelche Kloster oder katholische Pilgerstätten empfohlen. Dank hotels.com kamen wir dann auf die Villa Morgagni, und wir bereuten es keine Stunde lang.
Die Zimmer sind klein, das verwundert angesichts des erstaunlich guten Preises nicht. Da man sich angesichts der vielen Attraktionen in Rom aber eh kaum im Zimmer aufhält (zum Schlafen und Ausruhen eben), stört das nicht weiter. Wenn ich mich recht daran erinnere, haben wir auch den Fernseher nie gebraucht; ansonsten gab es aber ein kleines, aber praktisches Bad sowie eine Klimaanlage, die zeitweise nötig war.
Mich hat vor allem die Lage begeistert: keine hundert Meter von der Metro-Station an der Poliklinik entfernt, von dort aus sind es zwei Stationen bis zum Termini, also dem Hauptbahnhof. Und es fahren zwei Straßenbahnen sowie haufenweise Busse direkt vor der Hoteltür vorbei; wenn man das mit den Bussen mal kapiert hat, ist das System richtig klasse.
Und der Hammer ist das Frühstück auf dem Dachbalkon: Es erwies sich als richtig anständiges Frühstück mit allem Drum und Dran (okay, die Eier waren meist schon kalt, wenn wir kamen – das aber lag eher an uns), und beim Frühstücken hatten wir einen schönen Blick über das Dächermeer. Jeden Morgen ergab das eine wunderbare Einstimmung auf einen gelungenen Tag.
Gerne wieder komme ich in dieses Hotel – alles in allem super!
Die Zimmer sind klein, das verwundert angesichts des erstaunlich guten Preises nicht. Da man sich angesichts der vielen Attraktionen in Rom aber eh kaum im Zimmer aufhält (zum Schlafen und Ausruhen eben), stört das nicht weiter. Wenn ich mich recht daran erinnere, haben wir auch den Fernseher nie gebraucht; ansonsten gab es aber ein kleines, aber praktisches Bad sowie eine Klimaanlage, die zeitweise nötig war.
Mich hat vor allem die Lage begeistert: keine hundert Meter von der Metro-Station an der Poliklinik entfernt, von dort aus sind es zwei Stationen bis zum Termini, also dem Hauptbahnhof. Und es fahren zwei Straßenbahnen sowie haufenweise Busse direkt vor der Hoteltür vorbei; wenn man das mit den Bussen mal kapiert hat, ist das System richtig klasse.
Und der Hammer ist das Frühstück auf dem Dachbalkon: Es erwies sich als richtig anständiges Frühstück mit allem Drum und Dran (okay, die Eier waren meist schon kalt, wenn wir kamen – das aber lag eher an uns), und beim Frühstücken hatten wir einen schönen Blick über das Dächermeer. Jeden Morgen ergab das eine wunderbare Einstimmung auf einen gelungenen Tag.
Gerne wieder komme ich in dieses Hotel – alles in allem super!
Überfüllter Reisebus
Es war mein erster Flug mit der irischen Linie Ryanair. Ich wußte im voraus Bescheid, daß vieles nicht mit dem übereinstimmte, was ich von anderen Fluggesellschaften her kannte – aber dann war ich doch Bescheid.
Direktflug vom Baden-Airpark (beim Dorf Hügelsheim zwischen Baden-Baden und Rastatt) nach Rom, das alles zu einem sehr anständigen Preis, da mußte ich als guter Schwabe einfach zuschlagen. Über die Ökobilanz macht man sich als Durchschnittsdeutscher dann erst hinterher wieder Gedanken.
Das Flugzeug war gut besetzt, es blieb praktisch kein Platz frei. Jeder Furz kostet extra, so muß für Gepäckstücke irgendwie bezahlt werden, und jedes Getränk an Bord kostet richtig Geld. Kein Unterschied zu einer Fahrt mit der Deutschen Bahn. Höchstens darin, daß bei der die Plätze tatsächlich bequemer sind.
Und daß man dort Plätze reservieren kann. Das geht bei der Ryanair nicht mal gegen Aufpreis. Also gibt es tatsächlich einen »Run« auf das Flugzeug, und man muß sich tummeln, wenn man nebeneinander sitzen will.
Zwischendurch kam ich mir vor wie auf einer Werbeveranstaltung: Ständig gab es Durchsagen, man könne Lotterielose oder etwas zu essen und zu trinken kaufen. Na super! Und bei der Landung ertönte eine Fanfare, während das Publikum begeistert applaudierte.
Seltsamer Flug, seltsame Gegebenheiten – aber so kam ich preiswert für vier Nächte nach Rom. Man darf nicht über alles meckern ...
Direktflug vom Baden-Airpark (beim Dorf Hügelsheim zwischen Baden-Baden und Rastatt) nach Rom, das alles zu einem sehr anständigen Preis, da mußte ich als guter Schwabe einfach zuschlagen. Über die Ökobilanz macht man sich als Durchschnittsdeutscher dann erst hinterher wieder Gedanken.
Das Flugzeug war gut besetzt, es blieb praktisch kein Platz frei. Jeder Furz kostet extra, so muß für Gepäckstücke irgendwie bezahlt werden, und jedes Getränk an Bord kostet richtig Geld. Kein Unterschied zu einer Fahrt mit der Deutschen Bahn. Höchstens darin, daß bei der die Plätze tatsächlich bequemer sind.
Und daß man dort Plätze reservieren kann. Das geht bei der Ryanair nicht mal gegen Aufpreis. Also gibt es tatsächlich einen »Run« auf das Flugzeug, und man muß sich tummeln, wenn man nebeneinander sitzen will.
Zwischendurch kam ich mir vor wie auf einer Werbeveranstaltung: Ständig gab es Durchsagen, man könne Lotterielose oder etwas zu essen und zu trinken kaufen. Na super! Und bei der Landung ertönte eine Fanfare, während das Publikum begeistert applaudierte.
Seltsamer Flug, seltsame Gegebenheiten – aber so kam ich preiswert für vier Nächte nach Rom. Man darf nicht über alles meckern ...
06 August 2008
Eva Pflug ist tot
Ich entnahm's dem Nachrichtendienst Phantastik-News, der bei solchen Dingen immer hervorragend informiert: Die Schauspielerin Eva Pflug ist gestorben. Heute. Sie wurde 79 Jahre alt.
Wer nicht weiß, wer das war: Mit einer unglaublichen Betonfigur in Blong spielte sie die nervige Polit-Kommissarin Tamara Jagellovsk in der Fernsehserie »Raumpatrouille«, die ich auch größtenteils kenne.
Als Kind und Jugendlicher bekam ich, obwohl wir keinen Fernseher hatten, einige »Orion«-Folgen mit. Die gute Tamara fand ich schon ziemlich spannend. In Erinnerung blieben mir die schrägen Space-Tänze: elektronische Musik und abgehackte Bewegungen.
Unvergessen bleibt mir der Abend, an dem wir »Orion«-Folgen auf dem FreuCon '92 zeigten. Das war im April 1992, und im Saal bogen sich die englischen Fans vor Lachen. So einen Unfug hatten sie noch nie gesehen – gleichzeitig fanden sie's cool.
Irgendwann in den späten 90er Jahren saß ich mit Eva Pflug in einem Studio des Südwestfunks in Stuttgart; wir waren gemeinsam in einer Radio-Talkshow. Unter der Moderation von Jo Müller redeten wir über PERRY RHODAN (ich) und »Orion« (sie).
Es war sehr lustig, ich fand sie sympathisch und verquasselte mich oft; im Radio kam wohl erstaunlich viel Gelächter. Später saßen wir in einer Kneipe zusammen, wo sie Geschichten vom Besten gab (über den ständig besoffenen Harald Juhnke, der damals noch lebte und den sie vom Theater her gut kannte) und zu vorgerückter Stunde obskure Esoterik-Theorien auftischte.
Wer nicht weiß, wer das war: Mit einer unglaublichen Betonfigur in Blong spielte sie die nervige Polit-Kommissarin Tamara Jagellovsk in der Fernsehserie »Raumpatrouille«, die ich auch größtenteils kenne.
Als Kind und Jugendlicher bekam ich, obwohl wir keinen Fernseher hatten, einige »Orion«-Folgen mit. Die gute Tamara fand ich schon ziemlich spannend. In Erinnerung blieben mir die schrägen Space-Tänze: elektronische Musik und abgehackte Bewegungen.
Unvergessen bleibt mir der Abend, an dem wir »Orion«-Folgen auf dem FreuCon '92 zeigten. Das war im April 1992, und im Saal bogen sich die englischen Fans vor Lachen. So einen Unfug hatten sie noch nie gesehen – gleichzeitig fanden sie's cool.
Irgendwann in den späten 90er Jahren saß ich mit Eva Pflug in einem Studio des Südwestfunks in Stuttgart; wir waren gemeinsam in einer Radio-Talkshow. Unter der Moderation von Jo Müller redeten wir über PERRY RHODAN (ich) und »Orion« (sie).
Es war sehr lustig, ich fand sie sympathisch und verquasselte mich oft; im Radio kam wohl erstaunlich viel Gelächter. Später saßen wir in einer Kneipe zusammen, wo sie Geschichten vom Besten gab (über den ständig besoffenen Harald Juhnke, der damals noch lebte und den sie vom Theater her gut kannte) und zu vorgerückter Stunde obskure Esoterik-Theorien auftischte.
Kürzestbericht zu einer Lesung
Früher habe ich für die »Neckar-Chronik« geschrieben, heute schreibt die Tageszeitung, die ihren Mantelteil von der »Südwest-Presse« übernimmt und zum »Schwäbischen Tagblatt« gehört, immerhin über mich. Das freut mich, auch wenn die Überschrift »BILD 1_Namen« mehr als seltsam wirkt.
Ärgerlich ist allerdings die neue Marotte, daß sogar solche Artikelchen, die keine große Relevanz haben, nur für Abonnenten komplett zu lesen sind. So erfahren die Leser also nur dann mehr über meine dolle Lesung, wenn sie die Zeitung abonniert habe. Das nenne ich Kundenfreundlichkeit in Zeiten des Internet.
Seien wir aber fair: Der Artikel ist jetzt nicht so wichtig, daß ich ihn unbedingt komplett hier zitieren müßte.
Ärgerlich ist allerdings die neue Marotte, daß sogar solche Artikelchen, die keine große Relevanz haben, nur für Abonnenten komplett zu lesen sind. So erfahren die Leser also nur dann mehr über meine dolle Lesung, wenn sie die Zeitung abonniert habe. Das nenne ich Kundenfreundlichkeit in Zeiten des Internet.
Seien wir aber fair: Der Artikel ist jetzt nicht so wichtig, daß ich ihn unbedingt komplett hier zitieren müßte.
05 August 2008
Magira 2008 ist im Anflug

Da freue ich mich schon richtig darauf: In den nächsten Tagen sollte MAGIRA erscheinen, das Jahrbuch für Fantasy, konkret die Ausgabe für das Jahr 2008. Das Cover stammt von Hubert Schweizer, den ich anno 1988 auch mal in seinem Wohnhaus in Freiburg besuchte und mit dem ich mal eine Kunstausstellung in Freudenstadt veranstaltete.
Ich zitiere aus dem Info: »In der anstehenden neuen Ausgabe von MAGIRA finden sich wieder viele Helden, Heroinen, Drachen, Zauber und Unmögliches.«
Und ich bin extrem stolz darauf, mit einer Kurzgeschichte in einem Buch vertreten zu sein, in dem auch Neil Gaiman veröffentlicht wird. Und Falko Löffler - das freut mich ebenfalls! Es kann nur noch wenige Tage dauern ... und das Buch könnte bzw. sollte sich ein interessierter Fantasy-Fan einfach schon mal vorbestellen!
Ich war im Krankenhaus
»Kultur im Krankenhaus«, so heißt eine Reihe im Kreiskrankenhaus Freudenstadt. In dieser treten in unregelmäßigen Abständen auch Autoren auf, die aus ihren Werken vorlesen. Am Mittwoch, 30. Juli 2008, war ich dran - abends um 20 Uhr in der Caféteria des Krankenhauses.
Ein seltsames Gefühl für mich: Obwohl ich schon einige Dutzend Lesungen gegeben habe, war meine Geburtsstadt nicht auf meiner bisherigen Landkarte. Entsprechend nervös tanzte ich deshalb auch im Krankenhaus an.
Rund zwanzig Leute fanden sich tatsächlich ein; einige waren mir persönlich bekannt, andere erinnerten sich an mich »von früher«. Darunter war eine Frau, die mir früher im Frisörgeschäft die Haare geschnitten hatte (muß rund 25 Jahre her sein), oder ein Ehepaar, das meine frühesten Gehversuche als Jung-Autor im Großraum Freudenstadt miterleben mußte (dazu andermal mehr).
Ein Mann mit grauen Strähnen im Vollbart und schütterem Haupthaar gab sich als jemand zu erkennen, mit dem ich in der Oberstufe in einer Schülerzeitung mitgewirkt hatte. Peinlich aber wahr: Ich erinnerte mich weder an ihn noch an die Schülerzeitung; meine gymnasialen Oberstufenjahre habe ich größtmaßstäblich verdrängt, wie mir scheint.
Ich las aus meinem Buch »Das Tier von Garoua«, so war ich schließlich auch angekündigt worden; insgesamt gab ich vier Geschichten zum besten, allesamt die kürzeren aus dem Buch. Ein bißchen Malawi, ein bißchen Kamerun, ein bißchen Togo und noch ein bißchen Kamerun. Dazwischen redete ich viel, erzählte irgendwas und beantwortete Fragen.
Nach eineinhalb Stunden war alles vorüber; ich redete mit den Leuten und signierte einige Bücher. Mein Gastspiel in der »alten Heimat« war somit erfolgreicher verlaufen, als ich gedacht und anfangs befürchtet hatte.
Ein seltsames Gefühl für mich: Obwohl ich schon einige Dutzend Lesungen gegeben habe, war meine Geburtsstadt nicht auf meiner bisherigen Landkarte. Entsprechend nervös tanzte ich deshalb auch im Krankenhaus an.
Rund zwanzig Leute fanden sich tatsächlich ein; einige waren mir persönlich bekannt, andere erinnerten sich an mich »von früher«. Darunter war eine Frau, die mir früher im Frisörgeschäft die Haare geschnitten hatte (muß rund 25 Jahre her sein), oder ein Ehepaar, das meine frühesten Gehversuche als Jung-Autor im Großraum Freudenstadt miterleben mußte (dazu andermal mehr).
Ein Mann mit grauen Strähnen im Vollbart und schütterem Haupthaar gab sich als jemand zu erkennen, mit dem ich in der Oberstufe in einer Schülerzeitung mitgewirkt hatte. Peinlich aber wahr: Ich erinnerte mich weder an ihn noch an die Schülerzeitung; meine gymnasialen Oberstufenjahre habe ich größtmaßstäblich verdrängt, wie mir scheint.
Ich las aus meinem Buch »Das Tier von Garoua«, so war ich schließlich auch angekündigt worden; insgesamt gab ich vier Geschichten zum besten, allesamt die kürzeren aus dem Buch. Ein bißchen Malawi, ein bißchen Kamerun, ein bißchen Togo und noch ein bißchen Kamerun. Dazwischen redete ich viel, erzählte irgendwas und beantwortete Fragen.
Nach eineinhalb Stunden war alles vorüber; ich redete mit den Leuten und signierte einige Bücher. Mein Gastspiel in der »alten Heimat« war somit erfolgreicher verlaufen, als ich gedacht und anfangs befürchtet hatte.
30 Juli 2008
Ein Zebra wird 25
Das Comic-Fanzine »Zebra« wird in diesem Sommer tatsächlich 25 Jahre alt. Unglaublich - und das in Zeiten, wo es praktisch keine Comic-Fanzines von Belang mehr gibt. Aber was von Belang ist oder nicht, das hat die Macher des »anspruchsvollen deutschen Comic-Magazins«, wie es im Impressum heißt, ja ohnehin nie sonderlich gekümmert.
Jetzt also die Ausgabe 17, wie immer schwarzweiß und im A4-Format, wie immer ohne bezahlte Werbung. Inhaltlich ist »Zebra« auf insgesamt 52 Seiten skurril und selbstironisch, läßt sich für das Vierteljahrundert feiern und macht allerlei Quatsch, an dem sich Zeichner, Texter und Herausgeber beteiligen. Mag sein, daß mancher Witz selbstreferentiell ist, aber ich finde das Heft dennoch sehr gelungen.
»Zebra« ist etwas besonderes, und das kann ich nicht mal klar belegen. Ich habe mich gefreut wie sonst was, als ich das Heft erhielt, und wünsche ihm viel Käufer. Wer mag, kann die Redaktion unter GoGer-at-web.de mal anschreiben oder im Comic-Laden seines Vertrauens stöbern.
Jetzt also die Ausgabe 17, wie immer schwarzweiß und im A4-Format, wie immer ohne bezahlte Werbung. Inhaltlich ist »Zebra« auf insgesamt 52 Seiten skurril und selbstironisch, läßt sich für das Vierteljahrundert feiern und macht allerlei Quatsch, an dem sich Zeichner, Texter und Herausgeber beteiligen. Mag sein, daß mancher Witz selbstreferentiell ist, aber ich finde das Heft dennoch sehr gelungen.
»Zebra« ist etwas besonderes, und das kann ich nicht mal klar belegen. Ich habe mich gefreut wie sonst was, als ich das Heft erhielt, und wünsche ihm viel Käufer. Wer mag, kann die Redaktion unter GoGer-at-web.de mal anschreiben oder im Comic-Laden seines Vertrauens stöbern.
29 Juli 2008
Madstateworld mit viel Emotion
Aus Karlsruhe und Umgebung stammen Madstateworld, eine Band, die ich schon seit einigen Jahren kenne. Live haben sie mich zweimal enttäuscht, das war mir immer zu viel »lala« und zu wenig »echtem« Punk, was immer das sein mag; auf Platte ist das dann doch was anderes.
Schon die zwei CDs, die ich zu Hause habe, waren ganz anständig. Mit »Routine Kills« gibt es seit etwa 2006 oder so eine EP mit vier Stücken, die von den Jungs eingespielt wurden – die Platte bekam ich erst im Frühjahr 2008 in die Finger, was natürlich nicht gerade für mein Engagement in Sachen Punkrock aus Karlsruhe spricht.
Musikalisch ist das ganze Emopunk, ohne daß ich das jetzt als Schimpfwort meine. Der Sound ist rockig und treibend zugleich, die Stimme des Sänger sehr rauh; die Band erinnert im weitesten Sinne an Bands aus Gainesville, Florida, und könnte locker bei No Idea Records erscheinen. Respekt! – da hat das kleine, aber feine Label Red Lounge Records eine unauffällige, aber dennoch gute Band im Stall.
Schon die zwei CDs, die ich zu Hause habe, waren ganz anständig. Mit »Routine Kills« gibt es seit etwa 2006 oder so eine EP mit vier Stücken, die von den Jungs eingespielt wurden – die Platte bekam ich erst im Frühjahr 2008 in die Finger, was natürlich nicht gerade für mein Engagement in Sachen Punkrock aus Karlsruhe spricht.
Musikalisch ist das ganze Emopunk, ohne daß ich das jetzt als Schimpfwort meine. Der Sound ist rockig und treibend zugleich, die Stimme des Sänger sehr rauh; die Band erinnert im weitesten Sinne an Bands aus Gainesville, Florida, und könnte locker bei No Idea Records erscheinen. Respekt! – da hat das kleine, aber feine Label Red Lounge Records eine unauffällige, aber dennoch gute Band im Stall.
28 Juli 2008
Sonnenschirmchen und Regen
Die meiner Ansicht nach zweitbeste Eisdiele in Karlsruhe befindet sich - von uns aus gesehen - auf der »anderen Seite« der Innenstadt. Das führt dazu, daß ich eher selten dort zu sehen bin. Am Sonntag verschlug es uns dann doch mal dahin, zum ersten Mal im Jahr 2008, wie ich kritisch feststellte.
Die Bedienung war italienisch-freundlich und flott, die Kaffees und Espressi schmeckten lecker. Ein Hammer waren die Eisbecher: Sowohl das Spaghetti-Eis (»ich will heute mal wieder Teenager« sein, sagte die junge Dame am Tisch) als auch der Wildbeeren-Becher (oder so, auf jeden Fall haufenweise Beeren drin) oder der Maronen-Becher (oder so, auf jeden Fall mit Maronen-Creme und anderen leckeren Dingen) sahen toll aus, machten einen massigen Eindruck und stillten alle Gelüste in Sachen Eis, Sahne und Soße.
Und während wir so unter den Sonnenschirmen saßen und unser Eis löffelten, dabei dummes Zeugs redeten und ab und zu auf unsere Fahrräder guckten, damit die nicht versehentlich verschwanden, begann es zu regnen. Zuerst sanft und tröpfelnd, dann immer stärker, bis es ein schöner Platzregen wurde. Nettes Gefühl, so unter einem Sonnenschirm, wenn das Wasser von der Straße hereinspritzt.
Aber gleichzeitig war es auch gemütlich - Eisessen macht wohl in fast jeder Lage Spaß …
Die Bedienung war italienisch-freundlich und flott, die Kaffees und Espressi schmeckten lecker. Ein Hammer waren die Eisbecher: Sowohl das Spaghetti-Eis (»ich will heute mal wieder Teenager« sein, sagte die junge Dame am Tisch) als auch der Wildbeeren-Becher (oder so, auf jeden Fall haufenweise Beeren drin) oder der Maronen-Becher (oder so, auf jeden Fall mit Maronen-Creme und anderen leckeren Dingen) sahen toll aus, machten einen massigen Eindruck und stillten alle Gelüste in Sachen Eis, Sahne und Soße.
Und während wir so unter den Sonnenschirmen saßen und unser Eis löffelten, dabei dummes Zeugs redeten und ab und zu auf unsere Fahrräder guckten, damit die nicht versehentlich verschwanden, begann es zu regnen. Zuerst sanft und tröpfelnd, dann immer stärker, bis es ein schöner Platzregen wurde. Nettes Gefühl, so unter einem Sonnenschirm, wenn das Wasser von der Straße hereinspritzt.
Aber gleichzeitig war es auch gemütlich - Eisessen macht wohl in fast jeder Lage Spaß …
26 Juli 2008
Langsamer Start, grandioser Abend
Freitag, 25. Juli 2008, 16 Uhr: Mit einer Handvoll Leute sitze ich im Weiherhof in Karlsruhe-Durlach, einen Packen Flugblätter unterm Arm. Es ist heiß, und wir warten auf Leute, die auf der Suche nach der Kundgebung »Beats Against Fascism« sind. Die war am Weiherhof geplant, die Stadt Karlsruhe hat sie dort aber untersagt, und deshalb ist sie in der Innenstadt.
Das muß den Leuten aber jemand sagen, und deshalb sitze ich am Weiherhof. Gelegentlich kommt jemand vorbei, ansonsten ist tote Hose. Die einzigen, die sich auffällig für uns interessieren, sind regelmäßig vorbeifahrende Polizeistreifen. Ich finde auch, daß wir unglaublich gefährlich aussehen, wie wir Eis lutschend im Schatten sitzen ...
19.20 Uhr: Ich hab's endlich in die Innenstadt geschafft. Mein Fahrrad steht am Stephansplatz, auf der Bühne stehen die Rapper Chaoze One und Lotta C und heizen dem meist jugendlichen Publikum mit politischem HipHop ein. Ich bummle herum, trinke Bier, rede mit Leuten - schätzungsweise 500 bis 800 Besucher verteilen sich auf dem Platz.
20.30 Uhr: Keine Ahnung, wieviel Uhr es genau ist, aber irgendwann fangen Across The Border an. Die Folkpunk-Band zieht immer noch das Publikum an, zu Recht!, und viele Kids tanzen. Endlich mal was anderes los auf dem Stephansplatz als die sonst üblichen Werbeveranstaltungen. Viele »normale Bürger« bleiben interessiert stehen, es werden immer mehr Leute.
22 Uhr: Across The Border hören auf; der Stephansplatz ist richtig gut gefüllt. Ich schätze, daß es rund 1500 Leute sind, andere kommen auf 2000 Besucher. Wie man die Fluktuation einschätzen soll, weiß keiner - aber damit käme man auf bis zu 3000 Besucher. Respekt.
0 Uhr: Wir sitzen auf dem Stephansplatz und trinken noch das eine oder andere Bier. Alles ist schon geputzt, die Bühne wird gerade noch in den LKW verstaut. Proletenautos fahen mit quietschenden Reifen vorbei, erlebnishungrige Jugendliche sind auf dem Weg zu den Diskotheken in der Nähe. Der normale Wochenend-Betrieb auf der Amalienstraße hat begonnen ...
Das muß den Leuten aber jemand sagen, und deshalb sitze ich am Weiherhof. Gelegentlich kommt jemand vorbei, ansonsten ist tote Hose. Die einzigen, die sich auffällig für uns interessieren, sind regelmäßig vorbeifahrende Polizeistreifen. Ich finde auch, daß wir unglaublich gefährlich aussehen, wie wir Eis lutschend im Schatten sitzen ...
19.20 Uhr: Ich hab's endlich in die Innenstadt geschafft. Mein Fahrrad steht am Stephansplatz, auf der Bühne stehen die Rapper Chaoze One und Lotta C und heizen dem meist jugendlichen Publikum mit politischem HipHop ein. Ich bummle herum, trinke Bier, rede mit Leuten - schätzungsweise 500 bis 800 Besucher verteilen sich auf dem Platz.
20.30 Uhr: Keine Ahnung, wieviel Uhr es genau ist, aber irgendwann fangen Across The Border an. Die Folkpunk-Band zieht immer noch das Publikum an, zu Recht!, und viele Kids tanzen. Endlich mal was anderes los auf dem Stephansplatz als die sonst üblichen Werbeveranstaltungen. Viele »normale Bürger« bleiben interessiert stehen, es werden immer mehr Leute.
22 Uhr: Across The Border hören auf; der Stephansplatz ist richtig gut gefüllt. Ich schätze, daß es rund 1500 Leute sind, andere kommen auf 2000 Besucher. Wie man die Fluktuation einschätzen soll, weiß keiner - aber damit käme man auf bis zu 3000 Besucher. Respekt.
0 Uhr: Wir sitzen auf dem Stephansplatz und trinken noch das eine oder andere Bier. Alles ist schon geputzt, die Bühne wird gerade noch in den LKW verstaut. Proletenautos fahen mit quietschenden Reifen vorbei, erlebnishungrige Jugendliche sind auf dem Weg zu den Diskotheken in der Nähe. Der normale Wochenend-Betrieb auf der Amalienstraße hat begonnen ...
24 Juli 2008
Wenn eine Stadt taktiert

So mögen die Bürger von karlsruhe ihre Stadt: weltoffen und liberal, den schönen Künsten, dem guten Essen und der warmen Luft zugetan. Nazis sieht man im Stadtbild praktisch nicht, und ausländische Bürger brauchen eigentlich nichts zu befürchten.
Daß die NPD seit einiger Zeit versucht, im Stadtteil Durlach Fuß zu fassen, ist ärgerlich, scheint der Stadtverwaltung aber kein zu großes Problem zu sein. Anscheinend ist es eher ein Problem für sie, wenn die Antifa eine Veranstaltung zu diesem Thema zu veranstalten wagt.
Wie man mir erzählte, wurden die haarsträubendsten Argumente bemüht, um eine Kundgebung im sogenannten Weiherhof in Durlach zu verhindern. Dort sollte am Freitag, 25. Juli, ab dem Nachmittag eine Kundgebung stattfinden; inklusive musikalischer Begleitung mit Rap und Folk-Punk.
Immerhin deutet sogar die Homepage ka-news an, daß hier einiges schwer holpert: Jetzt ist die Kundgebung nämlich nicht mehr in Durlach, wo sie eigentlich hingehört, stattdessen mitten in der City von Karlsruhe, wo sie zumindest einige Leute beim Einkaufsbummel stören wird.
Hoffen wir, daß trotzdem genügend Leute hingehen, um wenigstens ein bißchen Flagge gegen doofe Nazis zu zeigen ...
Furioses Konzert unter der Woche
Ungestümer Hardcore auf der viel zu kleinen Bühne, unterstützt durch zwei Trompeter - das ist La Plebe aus San Francisco. Die Band spielte am Mittwoch, 23. Juli 2008, in der »Alten Hackerei« in Karlsruhe; ich war dabei und bekam den ganzen Abend über nicht das fröhliche Grinsen aus dem Gesicht.
Die Band spielte einen rasanten Sound; die Stücke waren meist in spanischer Sprache und für mich völlig unverständlich. Aber die fünf Männer auf der Bühne schafften es - obwohl die Band praktisch keiner kannte -, eine tolle Stimmung zu erzeugen.
Bewegten sich am Anfang nur wenige im Publikum, tanzten und hüpften am Ende fast alle im kleinen Saal der »Alten Hackerei«. Der Beleg dafür, daß man auch mit zwei Dutzend Leuten auf der »Tanzfläche« eine Superstimmung erzeugen kann und daß ein Konzert mit vielleicht fünfzig Besuchern im Zweifelsfall besser ist als ein Open-Air-Festival, auf dem sich 20.000 oder gar 100.000 Leute tummeln ...
Die Band spielte einen rasanten Sound; die Stücke waren meist in spanischer Sprache und für mich völlig unverständlich. Aber die fünf Männer auf der Bühne schafften es - obwohl die Band praktisch keiner kannte -, eine tolle Stimmung zu erzeugen.
Bewegten sich am Anfang nur wenige im Publikum, tanzten und hüpften am Ende fast alle im kleinen Saal der »Alten Hackerei«. Der Beleg dafür, daß man auch mit zwei Dutzend Leuten auf der »Tanzfläche« eine Superstimmung erzeugen kann und daß ein Konzert mit vielleicht fünfzig Besuchern im Zweifelsfall besser ist als ein Open-Air-Festival, auf dem sich 20.000 oder gar 100.000 Leute tummeln ...
23 Juli 2008
Touareg-Erinnerungen
Zu meinen eindrucksvollen ersten Afrika-Erfahrungen gehören die Touareg. Man kennt die Geschichten aus Büchern, unter anderem von Karl May, aber es ist schon etwas anderes, die Angehörigen dieser Kultur zu treffen. Und zur Zeit liest man gelegentlich über sie, weil sie in verzweifelten Aufständen versuchen, ihre Kultur zu retten. Dabei überfallen sie auch mal eine Uran-Mine im Niger oder nehmen europäische Geiseln - alles in allem nicht sehr nett, aber aus der Verzweiflung geboren.
Wenn ich mich recht erinnere, habe ich meine ersten Touareg im Dezember 1987 gesehen: Das war in Tamanrasset im südlichen Algerien. Männer, die mit altertümlichen Gewehren und Säbeln durch die Innenstadt gingen, ohne daß das Militär daran Anstoß nahm; Jugendliche und Kinder, deren Haare sehr »punkig« aussahen, weil sie in alle Richtungen standen; selbstbewußt wirkende Frauen, die nicht auf den Boden blickten, die nicht verschleiert waren. Ein leichter Sandwind blies durch die Stadt, durch die ich mehrfach mit dem Rad fuhr – das war schon seltsam, vor allem abends und nachts.
Meine zweite Begegnung war eher indirekt; an der Grenze zwischen Algerien und Niger, wo wir von den Zöllnern ein wenig schikaniert wurden. Zuerst von den Algeriern, dann von den Nigerern – die Schwarzafrikaner waren immerhin fröhlich bei ihrem Versuch, uns auszunehmen, so daß wir auch was zu lachen hatten ... Und während wir an den Zollkontrollen standen, sah ich am Horizont, wie Menschen und Kamele vorbeizogen, eine endlos lange Kette, ohne sich um die Grenzen zu kümmern und am Horizont fast verschwindend, als würde ich einen alten Film anschauen.
Weitere Begegnungen hatte ich eher mit versprengten Angehörigen des Volkes: Die leben häufig verarmt in den westafrikanischen Staaten, unter anderem in Kamerun oder auch Ghana. Sie sind schwarzhäutig, besitzen aber europäisch wirkende Gesichtszüge, sie betteln und sind allgemein ziemlich verhaßt.
In gewisser Weise sind sie die »Zigeuner« von Westafrika, zumindest werden sie von den ursprünglich dort lebenden Menschen so betrachtet. Es sind keine »echten« Touareg, sondern deren Verwandten, die vor der Versteppung und Verödung der Sahel-Zone nach Süden geflüchtet und gewandert sind.
Wenn ich mich recht erinnere, habe ich meine ersten Touareg im Dezember 1987 gesehen: Das war in Tamanrasset im südlichen Algerien. Männer, die mit altertümlichen Gewehren und Säbeln durch die Innenstadt gingen, ohne daß das Militär daran Anstoß nahm; Jugendliche und Kinder, deren Haare sehr »punkig« aussahen, weil sie in alle Richtungen standen; selbstbewußt wirkende Frauen, die nicht auf den Boden blickten, die nicht verschleiert waren. Ein leichter Sandwind blies durch die Stadt, durch die ich mehrfach mit dem Rad fuhr – das war schon seltsam, vor allem abends und nachts.
Meine zweite Begegnung war eher indirekt; an der Grenze zwischen Algerien und Niger, wo wir von den Zöllnern ein wenig schikaniert wurden. Zuerst von den Algeriern, dann von den Nigerern – die Schwarzafrikaner waren immerhin fröhlich bei ihrem Versuch, uns auszunehmen, so daß wir auch was zu lachen hatten ... Und während wir an den Zollkontrollen standen, sah ich am Horizont, wie Menschen und Kamele vorbeizogen, eine endlos lange Kette, ohne sich um die Grenzen zu kümmern und am Horizont fast verschwindend, als würde ich einen alten Film anschauen.
Weitere Begegnungen hatte ich eher mit versprengten Angehörigen des Volkes: Die leben häufig verarmt in den westafrikanischen Staaten, unter anderem in Kamerun oder auch Ghana. Sie sind schwarzhäutig, besitzen aber europäisch wirkende Gesichtszüge, sie betteln und sind allgemein ziemlich verhaßt.
In gewisser Weise sind sie die »Zigeuner« von Westafrika, zumindest werden sie von den ursprünglich dort lebenden Menschen so betrachtet. Es sind keine »echten« Touareg, sondern deren Verwandten, die vor der Versteppung und Verödung der Sahel-Zone nach Süden geflüchtet und gewandert sind.
22 Juli 2008
Schon wieder tobt das Chaos

Entsetzliche Ereignisse erschüttern diesmal nicht Hannover, die bedeutende Metropole in der Tiefebene von Niedersachsen, sondern New York, die Kleinstadt an der Ostküste der USA. Zumindest könnte man das glauben, wenn man sich das Cover des »Jerry Cotton«-Heftromans anschaut, der am 29. Juli 2008 erscheint.
»Chaostage« steht da fett drauf, und die zwei Polizisten auf dem Cover gucken auch so richtig empört. Man könnte meinen, sie schauen zu, wie eine Horde Punkrocker gerade den örtlichen Supermarkt verwüstet.
Statt dessen geht's wieder um das übliche: Es gibt eine Epressung, das FBI spielt mit, und die Handlung verliert sich irgendwo in den Straßenschluchten der Stadt. (Nein, ich habe den Roman nicht gelesen, sondern nur geblättert, um zu gucken, ob irgendwo das Zauberwort Hannover erwähnt wird.)
Schade. Wieder mal eine Chance verpaßt. Als ich anno 1995 (oder so) bei PERRY RHODAN einen Roman unter dem Titel »Chaostage« erschienen ließ, wurde in diesem wenigstens die Hauptstadt der Erde in Schutt und Asche gelegt.
21 Juli 2008
»Waren Sie beim Fest?«
Die in der Überschrift stehende Frage bekam ich am vergangenen Wochenende buchstäblich jeden Tag ein Dutzend mal gestellt. Na klar: Das »Fest« in Karlsruhe, die große Open-Air-Veranstaltung, die wieder mal Zigtausende an den »Mount Klotz« und in die große Grünanlage lockte, fand am Wochenende in meiner Heimat statt, und wieder mal war der Teufel los.
Aber eben ohne mich. Das lag nicht am Wetter, das lag nicht an der Musik (Mink de Ville hätte ich mir angeguckt, Revolverheld bringen mich nicht unbedingt zum Kotzen, und es gab sogar Bands, die ich halbwegs gut fand) - es lag schlicht an mir.
Vielleicht bin ich aus dem Alter raus, wo man sich auf Festivals die Beine in den Bauch steht, vielleicht habe ich aber einfach von Jahr zu Jahr weniger Lust darauf, mich durch eine unendlich erscheinende Menschenmenge zu drängen, um wenigstens einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Da mache ich lieber die Balkon-Tür daheim auf, dann höre ich auch alles ...
Ich hab' Suzanne Vega auf dem Fest gesehen, das war cool, die ollen Stranglers und die kreuzlangweiligen Simple Minds, die überraschend guten Faithless und die großartigen Asiandubfoundation, dazu haufenweise »kleine« Bands, die ich wirklich mochte.
Seien wir nicht garstig. Früher war auch nicht alles besser, da war nur meine Geduld größer. Und vielleicht gebe ich dem »Fest« im nächsten Jahr mal wieder eine Chance ...
Aber eben ohne mich. Das lag nicht am Wetter, das lag nicht an der Musik (Mink de Ville hätte ich mir angeguckt, Revolverheld bringen mich nicht unbedingt zum Kotzen, und es gab sogar Bands, die ich halbwegs gut fand) - es lag schlicht an mir.
Vielleicht bin ich aus dem Alter raus, wo man sich auf Festivals die Beine in den Bauch steht, vielleicht habe ich aber einfach von Jahr zu Jahr weniger Lust darauf, mich durch eine unendlich erscheinende Menschenmenge zu drängen, um wenigstens einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Da mache ich lieber die Balkon-Tür daheim auf, dann höre ich auch alles ...
Ich hab' Suzanne Vega auf dem Fest gesehen, das war cool, die ollen Stranglers und die kreuzlangweiligen Simple Minds, die überraschend guten Faithless und die großartigen Asiandubfoundation, dazu haufenweise »kleine« Bands, die ich wirklich mochte.
Seien wir nicht garstig. Früher war auch nicht alles besser, da war nur meine Geduld größer. Und vielleicht gebe ich dem »Fest« im nächsten Jahr mal wieder eine Chance ...
20 Juli 2008
Civil Victim aus Konstanz
Auf dem DIY-Festival in Stuttgart, wo ich eine eher obskure Lesung hielt, traf ich einen alten Bekannten aus Konstanz wieder; seit Jahren hatten wir uns nicht mehr gesehen. Kein Wunder angesichts der Tatsache, daß ich kaum noch auf Konzerte komme. Wir unterhielten uns ein wenig, dann tauschten wir Fanzines gegen Platten.
Er hat eine neue Band: Civil Victim stammen aus Konstanz und Umgebung und machen knallharten HC-Punk. Erfahren dürften sie haben; zumindest mein oller Kumpel, der schon in den 90er Jahren bei der Deutschpunk-Band Pershing Boys und der Hardcore-Kapelle Verbal Razor mitmachte.
Auf der ersten EP, die keinen eigenen Titel trägt und im Herbst 2007 bei dem Label Affenfaust rauskam (ha!, cooler Name), sind fast ein Dutzend Stücke enthalten, alle kurz und ruppig. Gefangene werden da keine gemacht. Stücke wie »Cop Town« (über die Polizei in der Heimatstadt) oder »Brat Rebellion« (über die Albernheiten, die heutzutage aus Hardcore geworden sind) zeigen klar, wo's lang geht. Die Platte rappelt und kracht richtig gut; nicht originell oder wegweisend, aber klassischer Schlag-in-die-Fresse-Hardcore.
Die zweite EP entstand in Zusammenarbeit mit der schwedischen Hardcore-Band Headed For Disaster; die Schweden machen teilweise kreischigen, aber dennoch wütenden und stark klingenden Hardcore. Und Civil Victim machen das, was sie anscheinend am besten können: Sie rotzen ihren wütenden Hardcore raus, dazu schlecht gelaunte Texte – respektable Scheiße, aber echt.
Er hat eine neue Band: Civil Victim stammen aus Konstanz und Umgebung und machen knallharten HC-Punk. Erfahren dürften sie haben; zumindest mein oller Kumpel, der schon in den 90er Jahren bei der Deutschpunk-Band Pershing Boys und der Hardcore-Kapelle Verbal Razor mitmachte.
Auf der ersten EP, die keinen eigenen Titel trägt und im Herbst 2007 bei dem Label Affenfaust rauskam (ha!, cooler Name), sind fast ein Dutzend Stücke enthalten, alle kurz und ruppig. Gefangene werden da keine gemacht. Stücke wie »Cop Town« (über die Polizei in der Heimatstadt) oder »Brat Rebellion« (über die Albernheiten, die heutzutage aus Hardcore geworden sind) zeigen klar, wo's lang geht. Die Platte rappelt und kracht richtig gut; nicht originell oder wegweisend, aber klassischer Schlag-in-die-Fresse-Hardcore.
Die zweite EP entstand in Zusammenarbeit mit der schwedischen Hardcore-Band Headed For Disaster; die Schweden machen teilweise kreischigen, aber dennoch wütenden und stark klingenden Hardcore. Und Civil Victim machen das, was sie anscheinend am besten können: Sie rotzen ihren wütenden Hardcore raus, dazu schlecht gelaunte Texte – respektable Scheiße, aber echt.
19 Juli 2008
Konzert mit Bierbank
Es sah aus, als seien wir auf einem Betriebsfest gelandet, dem der Strom fehlte: Im Halbdunkel saßen Dutzende von Menschen auf Bierbänken, vorne wurde eifrig an Steaks, Würstchen und Flammkuchen gebrutzelt, und an der Biertheke standen die Leute Schlange. Erst als wir näher herankamen, sahen wir an Irokesenköpfen, Rastas oder langen Haaren, daß wir am gewünschten subkulturellen Event gelandet waren.
Es war das Hoffest des »Crazy Kong«, das sich jetzt in relativer Nähe befindet. Nix mehr mit Bretterbude am Bahnhof - man ist schick geworden und leistet sich sogar richtige Klos. Als ich pinkeln mußte, fragte ich der Höflichkeit halber trotzdem mal nach den Bahngeleisen, auf denen man sich beim »Crazy Kong« schon entleerte.
Seien wir fair: Von den Bands bekam ich nichts mit. Ich trank Bier, ich laberte mit Bekannten, und im Hintergrund spielte irgendwann mal eine Band, die Rockabilly, Punk und artverwandte Klänge vermischte. Zwar wurde sie auf eine Leinwand übertragen, die im Hof aufgestellt war, aber sonderlich viel bekam ich nicht mit.
Dann immerhin Spoonhead, die eine obskure Mischung aus Blues- und Hardrock spielten; krachig und laut und okay. Immerhin ein Stück schaute ich mir im Konzertraum an, dann saß ich wieder vor dem Bier.
Und Stressfaktor, die Band, die ich eigentlich sehen wollte (Hardcore-Punk aus Landau in der Süd-Pfalz), bekam ich nicht mit, weil ich sackmüde war und gegen halb zwei Uhr etwa die Segel strich ... Nett war's trotzdem, und zumindest geredet habe ich mit dem einen oder anderen der Streßfaktoren.
Es war das Hoffest des »Crazy Kong«, das sich jetzt in relativer Nähe befindet. Nix mehr mit Bretterbude am Bahnhof - man ist schick geworden und leistet sich sogar richtige Klos. Als ich pinkeln mußte, fragte ich der Höflichkeit halber trotzdem mal nach den Bahngeleisen, auf denen man sich beim »Crazy Kong« schon entleerte.
Seien wir fair: Von den Bands bekam ich nichts mit. Ich trank Bier, ich laberte mit Bekannten, und im Hintergrund spielte irgendwann mal eine Band, die Rockabilly, Punk und artverwandte Klänge vermischte. Zwar wurde sie auf eine Leinwand übertragen, die im Hof aufgestellt war, aber sonderlich viel bekam ich nicht mit.
Dann immerhin Spoonhead, die eine obskure Mischung aus Blues- und Hardrock spielten; krachig und laut und okay. Immerhin ein Stück schaute ich mir im Konzertraum an, dann saß ich wieder vor dem Bier.
Und Stressfaktor, die Band, die ich eigentlich sehen wollte (Hardcore-Punk aus Landau in der Süd-Pfalz), bekam ich nicht mit, weil ich sackmüde war und gegen halb zwei Uhr etwa die Segel strich ... Nett war's trotzdem, und zumindest geredet habe ich mit dem einen oder anderen der Streßfaktoren.
18 Juli 2008
Gedanken an Schreibcomputer
Manchmal präsentiere ich meinen Job in einer Schule, um die Schüler über die PERRY RHODAN-Serie zu informieren. So auch diese Woche. Mit dabei: Pädagogen und andere Menschen.
»Sagen Sie«, unterbrach der eine irgendwann meinen Vortrag, »schreiben Ihre Autoren eigentlich noch von Hand, also tippen die selber?«
Er meinte nicht, daß die Autoren ihre Manuskripte mit der Hand auf das Papier malen, sondern daß die Computer mittlerweile alles selbst machen. »Das macht der Stephen King ja auch«, erläuterte er mir und seinen Schülern, »der diktiert alles in ein Headset, und da gibt er einige Wörter vor, und der Computer erkennt den Stil und schreibt den Satz selbst fertig.«
Ich war einigermaßen beeindruckt von dieser Science-Fiction-Idee und ruderte vorsichtig dagegen. »Das ... ähm ... scheint mir eher ein modernes Märchen zu sein«, wandte ich höflich ein, um nicht laut zu lachen.
»Das hab' ich aber so gelesen«, versicherte der Mann, und es klang glaubhaft. Wir übergingen den Disput, ich machte mir keinen Kopf darüber, was die eigentlich ihren Schülern eigentlich den lieben langen Tag erzählen, und meine »Unterrichtsstunde« endete sehr harmonisch.
Es bleibt nur eine Frage: Warum glauben die Leute eigentlich jeden Unfug, den man ihnen erzählt?
»Sagen Sie«, unterbrach der eine irgendwann meinen Vortrag, »schreiben Ihre Autoren eigentlich noch von Hand, also tippen die selber?«
Er meinte nicht, daß die Autoren ihre Manuskripte mit der Hand auf das Papier malen, sondern daß die Computer mittlerweile alles selbst machen. »Das macht der Stephen King ja auch«, erläuterte er mir und seinen Schülern, »der diktiert alles in ein Headset, und da gibt er einige Wörter vor, und der Computer erkennt den Stil und schreibt den Satz selbst fertig.«
Ich war einigermaßen beeindruckt von dieser Science-Fiction-Idee und ruderte vorsichtig dagegen. »Das ... ähm ... scheint mir eher ein modernes Märchen zu sein«, wandte ich höflich ein, um nicht laut zu lachen.
»Das hab' ich aber so gelesen«, versicherte der Mann, und es klang glaubhaft. Wir übergingen den Disput, ich machte mir keinen Kopf darüber, was die eigentlich ihren Schülern eigentlich den lieben langen Tag erzählen, und meine »Unterrichtsstunde« endete sehr harmonisch.
Es bleibt nur eine Frage: Warum glauben die Leute eigentlich jeden Unfug, den man ihnen erzählt?
17 Juli 2008
Mörderfeier
Wenn Mörder sich öffentlich feiern lassen, stimmt in einer Gesellschaft etwas nicht. Das ist meine Ansicht, und die mag jetzt arg spießig klingen. Aber wenn ich sehe, wie Hisbollah und andere durchgeknallte Massenmörder-Fans allen Ernstes einen Mann als Helden feiern, der eine Handvoll Zivilisten massakriert hat (darunter ein vier Jahre altes Kind mit dem Gewehrkolben erschlagen), wird mir speiübel.
Was geht in solchen Menschen vor? Welch primitiven Instinkte müssen in einem stecken, wenn man allen Ernstes so einen Killer feiert? Wie verkommen sind die Moral und der Anstand in einer Gesellschaft, in der man sich darüber freut, wenn Mütter ihre toten Söhne beweinen, und in der man einen Kindsmörder bejubelt?
Und wie krank ist Europa, daß man mit der Regierung des Landes, in dem der Kindsmörder bejubelt und die Eltern von Ermordeten verspottet werden, ernsthaft Verhandlungen führt? Ich könnt' echt kotzen.
Was geht in solchen Menschen vor? Welch primitiven Instinkte müssen in einem stecken, wenn man allen Ernstes so einen Killer feiert? Wie verkommen sind die Moral und der Anstand in einer Gesellschaft, in der man sich darüber freut, wenn Mütter ihre toten Söhne beweinen, und in der man einen Kindsmörder bejubelt?
Und wie krank ist Europa, daß man mit der Regierung des Landes, in dem der Kindsmörder bejubelt und die Eltern von Ermordeten verspottet werden, ernsthaft Verhandlungen führt? Ich könnt' echt kotzen.
Folter-Journalismus
Journalisten sind seltsam: Daß Folter scheiße ist, daß sie zu Recht in einem vernünftigen Rechtsstaat verboten ist und daß sie leider in viel zu vielen Staaten eingesetzt wird, wissen doch eigentlich alle Leute, die ihre fünf Sinne einigermaßen zusammenhalten.
Aber Journalisten wollen manche Sachen halt genau wissen. So auch der britische Schreiberling Christopher Hitchens; mir war der Mann bisher nicht bekannt, was aber eher an meiner Ignoranz für britische Medien liegt. Für das Bilderblatt »Vanity Fair«, dessen deutschen Ableger ich peinlich finde, dessen amerikanisches Original aber als hervorragend gilt, hat er Foltern gewissermaßen getestet.
Stimmt schon - er hat am eigenen Leib das Waterboarding ausprobieren lassen. In der Online-Ausgabe der Süddeutschen gibt es einen entsprechenden Bericht, dem auch das Youtube-Filmchen beigefügt ist; immerhin über fünf Minuten lang.
Ganz überrascht ist der Journalist dann, daß Folter echt scheiße ist, daß man sich vor Angst fast in die Hosen macht und daß man nach einer Minute schon nicht mehr will. Wahrscheinlich wird er für diese unglaubliche Tatsache, für die er diese Recherche anstellte, irgendwann noch einen Preis erhalten.
Journalismus ist manchmal schon arg seltsam ...
Aber Journalisten wollen manche Sachen halt genau wissen. So auch der britische Schreiberling Christopher Hitchens; mir war der Mann bisher nicht bekannt, was aber eher an meiner Ignoranz für britische Medien liegt. Für das Bilderblatt »Vanity Fair«, dessen deutschen Ableger ich peinlich finde, dessen amerikanisches Original aber als hervorragend gilt, hat er Foltern gewissermaßen getestet.
Stimmt schon - er hat am eigenen Leib das Waterboarding ausprobieren lassen. In der Online-Ausgabe der Süddeutschen gibt es einen entsprechenden Bericht, dem auch das Youtube-Filmchen beigefügt ist; immerhin über fünf Minuten lang.
Ganz überrascht ist der Journalist dann, daß Folter echt scheiße ist, daß man sich vor Angst fast in die Hosen macht und daß man nach einer Minute schon nicht mehr will. Wahrscheinlich wird er für diese unglaubliche Tatsache, für die er diese Recherche anstellte, irgendwann noch einen Preis erhalten.
Journalismus ist manchmal schon arg seltsam ...
16 Juli 2008
Wahlkampf in der Science Fiction

Mit Science Fiction und Fandom beschäftigt sich mein Blog eher selten; kein Wunder, denn diese Begriffe haben sehr viel mit meiner Arbeit zu tun, und die halte ich hier weitestgehend raus. Doch der aktuelle Hickhack im Science Fiction Club Deutschland e.V., immerhin die dienstälteste SF-Vereinigung hierzulande, ist sogar für mich interessant.
Der SFCD e.V. schlummert seit vielen Jahren in einem langweiligen Tiefschlaf vor sich hin. Anfangs der 80er Jahre war ich schon mal Mitglied, irgendwann mal Ende der 80er Jahre noch mal; irgendwann trat ich auch wieder aus. Es interessierte mich schlicht nicht, was da alles ging, und das, obwohl ich Science Fiction nach wie vor für ein sehr spannendes Literatur-Genre halte.
Um den verschnarchten Verein aufzuwecken, ist jetzt Michael Haitel angetreten und führt Wahlkampf. So richtig echt mit Broschüren und T-Shirts und inhaltlichen Argumenten. Großartig!, endlich mal jemand, der Bewegung in die Bude bringt. Prompt melden sich auch Gegenkandidaten, die Haitel doof finden - Hauptsache ist ja, daß sich überhaupt jemand meldet.
Ich beobachte das ganze mit viel Vergnügen, und ich lese die Diskussionen in den entsprechenden Fanzines und auf den Homepages mit Interesse. Und ich kündige an: Wenn Haitel und seine Mannschaft gewählt werden, trete ich diesem Verein wieder bei.
15 Juli 2008
Stuttgart in aller Herrgottsfrühe
Die Nacht war schon so ziemlich vorüber, als wir morgens um sechs Uhr in das Café auf dem Stuttgarter Flughafen stolperten. »Service-Wüste Deutschland«, murmelte ich einen populären Jammerlappen-Spruch vor mich hin, während ich mir vergegenwärtigte, dass man zwar nachts im Flughafen herumsitzen kann, dort aber nichts vernünftiges zu essen oder zu trinken bekommt.
Das »News Café« steuerten wir deshalb an, weil es eine positive Assoziation auslöste. »In Pretoria bin ich immer in ein Café mit diesem Namen gegangen«, prahlte ich mit der x-ten Afrika-Geschichte, »und da war's wirklich nett.«
In Stuttgart war es nicht so nett. Auf den Tischen lag noch Müll, und das Personal sah genauso grau und zerknittert aus wie ich mich fühlte. Durch das Fenster hatten wir immerhin einen Blick auf den Flughafen.
Ich bestellte zwei Butterbrezeln, das einzige, was halbwegs essbar aussah, die mit 2,10 Euro pro Stück auch richtig teuer waren, und genehmigte mir je einen Kaffee, für 3,80 Euro pro Becher. Alles in allem kam das luxuriöse Frühstück auf 11,80 Euro; ich war zu verblüfft, um Trinkgeld zu geben.
Bei den Butterbrezeln konnte man nicht so viel falsch machen, sie waren okay. Der Kaffee aber schmeckte abscheulich, nach einer Mixtur aus Spülmittel und Rauhfaser. Tapfer tranken wir Schluck für Schluck.
Irgendwann gaben wir auf, es ging nicht mehr. Ich hätte fast die halb gegessene Butterbrezel in den Kaffee erbrochen. Ob's an meinem Magen nach der durchgemachten Nacht lag oder wirklich an dem Kaffee, das konnte ich nicht feststellen. Aber es reichte.
»Wenn so schön die Reise losgeht«, stöhnte ich, »wie soll dann der Rest werden?«
Das »News Café« steuerten wir deshalb an, weil es eine positive Assoziation auslöste. »In Pretoria bin ich immer in ein Café mit diesem Namen gegangen«, prahlte ich mit der x-ten Afrika-Geschichte, »und da war's wirklich nett.«
In Stuttgart war es nicht so nett. Auf den Tischen lag noch Müll, und das Personal sah genauso grau und zerknittert aus wie ich mich fühlte. Durch das Fenster hatten wir immerhin einen Blick auf den Flughafen.
Ich bestellte zwei Butterbrezeln, das einzige, was halbwegs essbar aussah, die mit 2,10 Euro pro Stück auch richtig teuer waren, und genehmigte mir je einen Kaffee, für 3,80 Euro pro Becher. Alles in allem kam das luxuriöse Frühstück auf 11,80 Euro; ich war zu verblüfft, um Trinkgeld zu geben.
Bei den Butterbrezeln konnte man nicht so viel falsch machen, sie waren okay. Der Kaffee aber schmeckte abscheulich, nach einer Mixtur aus Spülmittel und Rauhfaser. Tapfer tranken wir Schluck für Schluck.
Irgendwann gaben wir auf, es ging nicht mehr. Ich hätte fast die halb gegessene Butterbrezel in den Kaffee erbrochen. Ob's an meinem Magen nach der durchgemachten Nacht lag oder wirklich an dem Kaffee, das konnte ich nicht feststellen. Aber es reichte.
»Wenn so schön die Reise losgeht«, stöhnte ich, »wie soll dann der Rest werden?«
14 Juli 2008
Superheld im Suff
Man warnte mich vor »Hancock«: Der Film sei trivial und albern, schauspielerisch gäbe Will Smith nicht viel her, und ab der Hälfte versacke der Film in Uralt-Vergangenheits-Kram-Geschichten. Ich solle mir ihn sparen.
Mag ja sein, daß das alles stimmt. Will Smith spielt immer sich selbst, das kann er gut. Charlize Theron sieht immer toll aus (außer, sie macht sich zum »Monster«), das kann sie immer klasse. Und Hollywood-Action-Schreiber schaffen's ein packendes Drehbuch zu verfassen, das die Regeln der »Plot Points« sauber einhält.
Mir doch egal: Ich wollte mich unterhalten, und das tat ich. Ich lachte, wenn der besoffene Superheld irgendwelchen Mist baute. Ich war überrascht, als die Handlung ab der Hälfte kippte und die eigentliche Geschichte erzählt wurde. Ich ärgerte mich über die Love-Story über 3000 Jahre hinweg. Ich fand das Duell der Superhelden überzeugend geschildert, auch wenn ich nicht wissen will, wie viele Menschen bei solch einem Zusammenstoß hops gehen würden.
Kurzum: Ich amüsierte mich gut. Wahrscheinlich werde ich das alles in einem Vierteljahr vergessen haben. Das ist das Gesetz des Popcorn-Kinos. Aber ab und zu muß ich mir so etwas geben.
Mag ja sein, daß das alles stimmt. Will Smith spielt immer sich selbst, das kann er gut. Charlize Theron sieht immer toll aus (außer, sie macht sich zum »Monster«), das kann sie immer klasse. Und Hollywood-Action-Schreiber schaffen's ein packendes Drehbuch zu verfassen, das die Regeln der »Plot Points« sauber einhält.
Mir doch egal: Ich wollte mich unterhalten, und das tat ich. Ich lachte, wenn der besoffene Superheld irgendwelchen Mist baute. Ich war überrascht, als die Handlung ab der Hälfte kippte und die eigentliche Geschichte erzählt wurde. Ich ärgerte mich über die Love-Story über 3000 Jahre hinweg. Ich fand das Duell der Superhelden überzeugend geschildert, auch wenn ich nicht wissen will, wie viele Menschen bei solch einem Zusammenstoß hops gehen würden.
Kurzum: Ich amüsierte mich gut. Wahrscheinlich werde ich das alles in einem Vierteljahr vergessen haben. Das ist das Gesetz des Popcorn-Kinos. Aber ab und zu muß ich mir so etwas geben.
13 Juli 2008
Punkrock mit 16
Am Samstag abend, 12. Juli 2008, habe ich endlich Karlsruhes jüngste Punkrock-Band gesehen: Es handelt sich um zwei vielleicht 16 Jahre alte Mädchen, die ihre Band schlicht Biestig nennen und mit schrabbeligem Sound, klaren Ansagen und rotzig-eindeutigen Texten zu überzeugen wußte.
Die zwei Mädchen standen auf der Bühne beim »Mikado« in der Nordstadt, wo diese soziokulturelle Einrichtung ihr fünfjähriges Jubiläum feierte. Es war zwar auch nicht gerade die punkigste Kulisse, denn vor der Bühne standen Bierbände und Biertische, auf denen zur Hälfte Kinder und zur anderen Hälfte Menschen beiderlei Geschlechts jenseits der vierzig Jahre saßen. (Aus dem Grund habe ich mir danach auch Bambix nicht angeguckt; die gucke ich mir lieber mal wieder in einem schmuddeligen Konzertraum an.)
Trotzdem fand ich Biestig klasse: Die beiden wirkten authentisch, die Stücke holperten zwar gelegentlich, gefielen mir aber trotzdem gut. Was für ein himmelweiter Unterschied zur gleichaltrigen Pop-Sängerin, die ich wenige Stunden zuvor auf dem Stephansplatz gesehen hatte! Und der Beweis, daß es im Jahr 2008 immer noch »jungen« Punkrock gibt.
Wie es sich gehört, hat die Band auch eine Myspace-Seite, wo sich zwei Stücke anhören lassen. Die CD, die es bereits gibt, wollte ich mir kaufen - aber sie war bereits vergriffen. Arrrrgl, da will ich einmal von meinem »Vinyl-only«-Grundsatz abweichen, und dann das. Na ja, da wird sich garantiert mal wieder eine Gelegenheit bieten.
Die zwei Mädchen standen auf der Bühne beim »Mikado« in der Nordstadt, wo diese soziokulturelle Einrichtung ihr fünfjähriges Jubiläum feierte. Es war zwar auch nicht gerade die punkigste Kulisse, denn vor der Bühne standen Bierbände und Biertische, auf denen zur Hälfte Kinder und zur anderen Hälfte Menschen beiderlei Geschlechts jenseits der vierzig Jahre saßen. (Aus dem Grund habe ich mir danach auch Bambix nicht angeguckt; die gucke ich mir lieber mal wieder in einem schmuddeligen Konzertraum an.)
Trotzdem fand ich Biestig klasse: Die beiden wirkten authentisch, die Stücke holperten zwar gelegentlich, gefielen mir aber trotzdem gut. Was für ein himmelweiter Unterschied zur gleichaltrigen Pop-Sängerin, die ich wenige Stunden zuvor auf dem Stephansplatz gesehen hatte! Und der Beweis, daß es im Jahr 2008 immer noch »jungen« Punkrock gibt.
Wie es sich gehört, hat die Band auch eine Myspace-Seite, wo sich zwei Stücke anhören lassen. Die CD, die es bereits gibt, wollte ich mir kaufen - aber sie war bereits vergriffen. Arrrrgl, da will ich einmal von meinem »Vinyl-only«-Grundsatz abweichen, und dann das. Na ja, da wird sich garantiert mal wieder eine Gelegenheit bieten.
12 Juli 2008
Stars in der Manege oder aufm Platz
Samstag mittags, 12. Juli: Nichtsahnend durchstreife ich mit dem Rad die Innenstadt von Karlsruhe. Bollernde Disco-Musik lockt mich an den Stephansplatz; neugierig wie ich bin, lenke ich mein Rad auf den Platz hinter der Postgalerie und nähere mich vorsichtig.
Ich sehe Bierbänke, auf denen zwischen hundert und zweihundert Leute in der Sonne sitzen; weitere hundert Leute stehen mit ihren Fahrrädern oder Einkaufstaschen drumherum. Einige Festwagen sind um das Geschehen gruppiert, und auf einer speziell aufgebauten Bühne steht ein junges blondes Mädchen und singt. Die Stimme ist piepsig, aber nicht schlecht, und gelegentlich hilft ihr ein junger Mann.
Beide sehen sie aus, als seien sie einer dieser Casting-Shows entsprungen, von denen es mittlerweile so viele gibt, daß ich jeglichen Überblick verloren habe. Zwei junge Menschen auf dem Weg zum großen Star - da muß man eben auch mal auf dem Karlsruher Stephansplatz vor einer erbärmlichen Kulisse singen.
Später erkenne ich: Es handelt sich um das Summer Street Festival. (Wer die Homepage anklickt, möge die Lautsprecher an seinem Rechner zumindest dreißig Sekunden lang aufdrehen, damit er oder sie etwas zu hören bekommt.) Die im Info versprochene »ausgelassene Stimmung« stellt sich leider nicht ein bei diesem »Charity Open Air Event«, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Veranstaltung so richtig das Ziel erreicht, etwas für krebskranke Kinder zu tun.
Vielleicht kommt die Stimmung, wenn Tony Marshall die Bühne entert, grüble ich, bevor ich mich aufs Rad schwinge und weiterfahre. Wo junge »Pop-Stars«, die irgendwelche bekannten Hits nachträllern das Volk nicht zum Toben bringen, schafft es vielleicht der überalterte Schlagersänger. Aber angucken muß ich mir das dann auch nicht unbedingt ...
Ich sehe Bierbänke, auf denen zwischen hundert und zweihundert Leute in der Sonne sitzen; weitere hundert Leute stehen mit ihren Fahrrädern oder Einkaufstaschen drumherum. Einige Festwagen sind um das Geschehen gruppiert, und auf einer speziell aufgebauten Bühne steht ein junges blondes Mädchen und singt. Die Stimme ist piepsig, aber nicht schlecht, und gelegentlich hilft ihr ein junger Mann.
Beide sehen sie aus, als seien sie einer dieser Casting-Shows entsprungen, von denen es mittlerweile so viele gibt, daß ich jeglichen Überblick verloren habe. Zwei junge Menschen auf dem Weg zum großen Star - da muß man eben auch mal auf dem Karlsruher Stephansplatz vor einer erbärmlichen Kulisse singen.
Später erkenne ich: Es handelt sich um das Summer Street Festival. (Wer die Homepage anklickt, möge die Lautsprecher an seinem Rechner zumindest dreißig Sekunden lang aufdrehen, damit er oder sie etwas zu hören bekommt.) Die im Info versprochene »ausgelassene Stimmung« stellt sich leider nicht ein bei diesem »Charity Open Air Event«, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Veranstaltung so richtig das Ziel erreicht, etwas für krebskranke Kinder zu tun.
Vielleicht kommt die Stimmung, wenn Tony Marshall die Bühne entert, grüble ich, bevor ich mich aufs Rad schwinge und weiterfahre. Wo junge »Pop-Stars«, die irgendwelche bekannten Hits nachträllern das Volk nicht zum Toben bringen, schafft es vielleicht der überalterte Schlagersänger. Aber angucken muß ich mir das dann auch nicht unbedingt ...
11 Juli 2008
Soweto 1993
Ich erinnere mich noch ziemlich gut an den Tag, als Moses Arndt und ich im September 1993 zuerst bei Jimmy's Face To Face Tours standen. Das Büro lag mitten in der City von Johannesburg, und wir spazierten da einfach hinein; zehn Jahre später wurde ich in derselben Gegend am hellichten Tag überfallen. Wir buchten eine Tour nach Soweto.
Und am 16. September ging es dann schon los, eine Expedition, über die ich eigentlich schon immer mal eine längere Geschichte schreiben sollte. Anfangs waren wir nämlich die einzigen, die nach Soweto fuhren. Die einzigen Weißen, versteht sich.
Zwei Punks aus Süddeutschland, der eine mit abrasiertem Schädel, der andere mit schlecht geschnittenem Iro, dazu ein schwarzer Fahrer und ein »Führer«, der uns alles erklären sollte – wir saßen zu viert in einem VW-Bus und fuhren aus der Innenstadt von Johannesburg hinaus in die riesige Slum-Siedlung von Soweto.
»Wenn die Kinder Steine nach euch werfen«, warnte uns der Führer, »dann habt keine Angst. Wir sind ja da. Oder ihr werft einfach Steine zurück.«
»Kein Problem«, sagte Moses mit der ihm eigenen Art, die manche ein bisschen großspurig fanden. »Wir wissen, wie man Steine wirft. Wir üben in Deutschland bei unserer Polizei.«
Das fanden die Schwarzen im Auto ein wenig befremdlich, aber sie schienen uns recht schnell als ein wenig seltsam einzustufen. Dummerweise wurde unsere lustige Punkrock-Expedition später mit einem Haufen »echter« Touristen zusammengeschmissen ... lauter ekelhafte Deutschbürger mit einer deutschsprachigen Führerin, die auch vor rassistischen Begrifflichkeiten nicht zurückschreckte.
Aber sogar das fanden wir dann doch sehr lustig; wir besuchten das Haus von Winnie Mandela, wir sahen eine Shabeen von innen und liefen durch irgendwelche staubigen Straßen. Alles in allem ein spannender Tag im September 1993.
Und am 16. September ging es dann schon los, eine Expedition, über die ich eigentlich schon immer mal eine längere Geschichte schreiben sollte. Anfangs waren wir nämlich die einzigen, die nach Soweto fuhren. Die einzigen Weißen, versteht sich.
Zwei Punks aus Süddeutschland, der eine mit abrasiertem Schädel, der andere mit schlecht geschnittenem Iro, dazu ein schwarzer Fahrer und ein »Führer«, der uns alles erklären sollte – wir saßen zu viert in einem VW-Bus und fuhren aus der Innenstadt von Johannesburg hinaus in die riesige Slum-Siedlung von Soweto.
»Wenn die Kinder Steine nach euch werfen«, warnte uns der Führer, »dann habt keine Angst. Wir sind ja da. Oder ihr werft einfach Steine zurück.«
»Kein Problem«, sagte Moses mit der ihm eigenen Art, die manche ein bisschen großspurig fanden. »Wir wissen, wie man Steine wirft. Wir üben in Deutschland bei unserer Polizei.«
Das fanden die Schwarzen im Auto ein wenig befremdlich, aber sie schienen uns recht schnell als ein wenig seltsam einzustufen. Dummerweise wurde unsere lustige Punkrock-Expedition später mit einem Haufen »echter« Touristen zusammengeschmissen ... lauter ekelhafte Deutschbürger mit einer deutschsprachigen Führerin, die auch vor rassistischen Begrifflichkeiten nicht zurückschreckte.
Aber sogar das fanden wir dann doch sehr lustig; wir besuchten das Haus von Winnie Mandela, wir sahen eine Shabeen von innen und liefen durch irgendwelche staubigen Straßen. Alles in allem ein spannender Tag im September 1993.
10 Juli 2008
In der badischen Pampa
Mit der badischen Gemütlichkeit, der sogenannten, bin ich schon gelegentlich hereingefallen. Vor allem dann, wenn es darum ging, einen netten Abend mit Kolleginnen und Kollegen, einem Glas Wein und einem leckeren Essen zu verbringen: Ich will hier die Details ersparen, aber da fällt man gelegentlich schon rein.
Nicht so im »Lamm« in Muggensturm, wo ich an diesem Abend zwar positiv eingestimmt war, aber mir wirklich nicht vorstellen konnte, daß das Restaurant so gut war. Sieht man davon ab, daß Muggensturm in der badischen Pampa liegt, ist das Restaurant mitten im Ort dann aber leicht zu finden. Das Interieur ist ausgesprochen nett: weder übertrieben noch zu schlicht, sondern alles sehr in Ordnung. Ein sehr zuvorkommender und kompetenter Service rundeten den positiven Einstieg gleich mal ab.
Und dann das Essen: ein kleiner Gruß aus der Küche vorneweg, mit Gemüse und ein bißchen Fisch, für den Vegetarier gab's in Sekundenschnelle etwas leckeres ohne totes Tier. Die Suppen waren vorzüglich, die Hauptgänge ebenso: selbstgemachte Ravioli mit toller Füllung für den Vegetarier, wohlschmeckende Fisch- und Fleischgerichte mit Niveau für die anderen. Das ganze wurde durch erfrischenden Weißwein aus der Region sowie einen fulminanten Nachtisch abgerundet.
Der Preis war dem Anlass angemessen - das war nun wirklich nicht zu teuer. Ich bin sicher, daß wir nicht zum letzten Mal in diesem Restaurant waren ...
Einige Dinge finden sich auf der Speisekarte, die wegen der Nähe zum Elsass fast schon sein müssen, die ich aber ablehne: Froschschenkel müssen auch auf einer Speisekarte mit französischem Einschlag nicht unbedingt sein ...
Nicht so im »Lamm« in Muggensturm, wo ich an diesem Abend zwar positiv eingestimmt war, aber mir wirklich nicht vorstellen konnte, daß das Restaurant so gut war. Sieht man davon ab, daß Muggensturm in der badischen Pampa liegt, ist das Restaurant mitten im Ort dann aber leicht zu finden. Das Interieur ist ausgesprochen nett: weder übertrieben noch zu schlicht, sondern alles sehr in Ordnung. Ein sehr zuvorkommender und kompetenter Service rundeten den positiven Einstieg gleich mal ab.
Und dann das Essen: ein kleiner Gruß aus der Küche vorneweg, mit Gemüse und ein bißchen Fisch, für den Vegetarier gab's in Sekundenschnelle etwas leckeres ohne totes Tier. Die Suppen waren vorzüglich, die Hauptgänge ebenso: selbstgemachte Ravioli mit toller Füllung für den Vegetarier, wohlschmeckende Fisch- und Fleischgerichte mit Niveau für die anderen. Das ganze wurde durch erfrischenden Weißwein aus der Region sowie einen fulminanten Nachtisch abgerundet.
Der Preis war dem Anlass angemessen - das war nun wirklich nicht zu teuer. Ich bin sicher, daß wir nicht zum letzten Mal in diesem Restaurant waren ...
Einige Dinge finden sich auf der Speisekarte, die wegen der Nähe zum Elsass fast schon sein müssen, die ich aber ablehne: Froschschenkel müssen auch auf einer Speisekarte mit französischem Einschlag nicht unbedingt sein ...
Doppeltes Regensburg
Zwei Bands aus Regensburg auf einer Split-EP; die ist dann zu allem Überfluß auch noch auf 300 Exemplare limitiert, was für Sammler natürlich klasse ist. Das Ding lohnt sich aber auch wegen der Stücke, alle vier sind gut bis sehr gut.
Fröhlich und rotzig zugleich bollern sich Empty Trashcan Being Kicked durch ihre zwei Stücke; das ganze macht Laune. Wer mag, kann behaupten, das klinge nach 1977; bei so jungen Musikern ist das aber ganz schön gemein. Was bleibt, ist schlicht rotziger Punkrock in englischer Sprache, wie ich ihn liebe.
Etwas moderner klingen The Fine Print: Die vier Typen liefern zweimal melodisch-knallenden Punkrock mit einem Schuß Emo. Man bleibt klar auf der Spur: kein Macho-Gehabe, kein Gejammer, keine Zeigefingertexte, alles cooler Punkrock mit englischen Texten und der richtigen Attitüde.
Antesten! Oder schaut Euch mal zumindest die Myspace-Seiten an.
Fröhlich und rotzig zugleich bollern sich Empty Trashcan Being Kicked durch ihre zwei Stücke; das ganze macht Laune. Wer mag, kann behaupten, das klinge nach 1977; bei so jungen Musikern ist das aber ganz schön gemein. Was bleibt, ist schlicht rotziger Punkrock in englischer Sprache, wie ich ihn liebe.
Etwas moderner klingen The Fine Print: Die vier Typen liefern zweimal melodisch-knallenden Punkrock mit einem Schuß Emo. Man bleibt klar auf der Spur: kein Macho-Gehabe, kein Gejammer, keine Zeigefingertexte, alles cooler Punkrock mit englischen Texten und der richtigen Attitüde.
Antesten! Oder schaut Euch mal zumindest die Myspace-Seiten an.
09 Juli 2008
Three Chords mit Frick-Interview

Schon wieder ein Interview mit mir; diesmal nicht in einer Science-Fiction-Postille, sondern in dem Fanzine Three Chords, genauer gesagt, dessen zehnter Ausgabe. Das Heft erscheint in Münster und ist derzeit so ziemlich das beste, das sich mit Hardcore im klassischen Sinn bezeichnet.
Schon in der letzten Ausgabe hatten die Jungs ein spezielles Thema: das »Ü 30 Special«. Das geht in dieser Ausgabe dann auch prompt in die zweite Runde, und mit meinen 44 Jährchen bin ich schon mal knapp über der Dreißiger-Grenze.
Nebst mir werden einige andere Szene-Gesichter interviewt; ich finde die Zusammenstellung sehr interessant. Und ich kopiere in den Kommentarteil dieses Blog-Eintrags die erste Frage und die erste Antwort rein. Wer dann alles lesen will, muß sich schon mal das Heft kaufen. Das lohnt sich eh ...
08 Juli 2008
Blick auf den fernen Kontinent Jugend

Schaut oder hört man sich die aktuelle Berichterstattung in vielen Medien an, auch in den sogenannten guten, wird ein seltsames Bild über »die Jugend von heute« vermittelt. Gewalttätig sei sie, von Drogen verseucht, unpolitisch oder gar rechtsradikal, schlaff und ungebildet – ein Haufen mieser Charaktere, der tatsächlich irgendwann mal »unsere Renten« bezahlen soll ...
Das Geschwätz kommt mir bekannt vor: Als ich selbst Jugendlicher war, was nun mal schon einige Jahrzehnte her ist, wurde genau das alles über »meine Generation« gesagt. Und ich fand's schon immer blöd oder übertrieben, wenn ich mich nicht gerade klammheimlich darüber freute, daß die Erwachsenen irgendwie Angst vor unsereiner hatten.
Umso besser, daß es Klaus Farin und sein Archiv der Jugendkulturen gibt: Farin, der schon seit den 80er Jahren über Jugendkulturen schreibt und publiziert, hat jetzt das im Verlag des Archivs den schicken Hardcover-Band »Über die Jugend und andere Krankheiten« veröffentlicht. Das Cover mit Farin-Bild sowie der Untertitel »Essays und Reden 1994 – 2008« wirken ein wenig großkotzig, aber insgesamt paßt das ganze schon.
Enthalten sind in dem Buch einige Artikel des Autors, die er unter anderem in der »taz« veröffentlichte; es geht um Chaostage und Skinheads. Dazu kommen verschriftlichte Vorträge, die seinen Standpunkt zu Jugendkultur und Jugendforschung verdeutlichen. Daß die sogenannte seriöse Jugendforschung dabei nicht gut wegkommt, wird kaum überraschen ...
Das Buch ist sicher keine Pflichtlektüre, die man unbedingt gelesen haben sollte: Es faßt aber einige Texte Farins zusammen, und das macht es interessant genug. Zielgruppe sind wahrscheinlich auch eher Pädagogen, Sozialarbeiter und andere Menschen, die beruflich mit Jugendlichen zu tun haben.
Lesbar ist das Buch dennoch, und man ist nach erfolgter Lektüre sicher nicht dümmer ... Und gut sieht das Hardcover mit Lesebändchen auch noch aus. Die 130 Seiten kosten ein Dutzend Euro, und wer sich dafür interessiert, kann das Buch mit der ISBN 978-3-940213-42-6 überall im Buchandel kaufen; natürlich auch direkt im Archiv der Jugendkulturen selbst.
07 Juli 2008
Krachmusik vom heimischen Tisch
Da stellt man sich auf Sommer und Schwitzen ein - und dann das: Ein fieser Schauer durchnäßte mich am Sonntag abend, 6. Juli, auf dem Weg von zu Hause ins Radio-Studio. Und so saß ich buchstäblich mit nasser Hose auf meinem Stuhl im Keller des Gewerbehofs, um meine Punkrock-Sendung im freien Radio Querfunk in den Äther zu feuern.
Immerhin hatte ich es diesmal mit Punkrock, Hardcore und ein bisschen anderem Zeugs zu tun, das sich durch zweierlei Bestandteile auszeichnete: Die Platten waren halbwegs neu, und die Band stammten aus Deutschland.
Dazu zählen auch die Spermbirds, von denen ich die Platte »Eating Glass« vorstellte. Schon klar, die kam 1992 raus - aber sie ist jetzt neu als schick gestaltete CD erschienen. (Die Hülle ist jetzt naß ... der Regen lief so richtig fies in meine Tasche rein.)
Ansonsten gab's Trompetenpunk von Yakuzi, Psychobilly von Thee Flanders, Glam-Punk von Hiroshima Mon Amour oder klassischen Punkrock von Daisy Chain. Und wer sich für deutschsprachigen Punkrock interessiert, bekam mit Ni Ju San eher einen Wizo-Abklatsch und mit Karate Disco, Turbostaat oder Oiro einigermaßen originelle Klänge auf die Ohren.
Immerhin hatte ich es diesmal mit Punkrock, Hardcore und ein bisschen anderem Zeugs zu tun, das sich durch zweierlei Bestandteile auszeichnete: Die Platten waren halbwegs neu, und die Band stammten aus Deutschland.
Dazu zählen auch die Spermbirds, von denen ich die Platte »Eating Glass« vorstellte. Schon klar, die kam 1992 raus - aber sie ist jetzt neu als schick gestaltete CD erschienen. (Die Hülle ist jetzt naß ... der Regen lief so richtig fies in meine Tasche rein.)
Ansonsten gab's Trompetenpunk von Yakuzi, Psychobilly von Thee Flanders, Glam-Punk von Hiroshima Mon Amour oder klassischen Punkrock von Daisy Chain. Und wer sich für deutschsprachigen Punkrock interessiert, bekam mit Ni Ju San eher einen Wizo-Abklatsch und mit Karate Disco, Turbostaat oder Oiro einigermaßen originelle Klänge auf die Ohren.
06 Juli 2008
Philosophie nachts um vier
Ich weiß nicht mehr, wieviel Promille ich gegen vier Uhr morgens intus hatte; es war auf jeden Fall zuviel, und mein Kopf fühlte sich an, als ob ein Ozean aus Bier, Wein und leckerem Essen hin- und herschwappte. Wie es den Nachbarn ging, die um diese Zeit noch um den Tisch saßen, die Reste unseres Hausfestes gewissermaßen, weiß ich selbstverständlich nicht - aber die Gespräche bewegten sich auf ungeahnten Niveaustufen.
Wortwitze funktionierten schon lange nicht mehr, weil die Zungen den schwierigen Worten nicht mehr folgen wollten. Der Versuch, das Wort »Autopoeisis« auszusprechen, aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen, führte zu großem Gelächter.
Und irgendwann kamen wir auf zivilisatorisch-kulturelle Errungenschaften. Ganz wichtig sei, da waren wir uns alle einig, daß Männer ein Bedürfnis haben, auf der Toilette zu lesen; bei Frauen ist das nicht so weit ausgeprägt.
Die Diskussion endete bei folgendem Statement in schreiendem Gelächter: »Das unterscheidet den Menschen vom Tier: Der Mensch liest auf der Toilette.«
Angewandte Philosophie, für die Sloterdijk und Co. hoffentlich bald Lizenzgebühren bezahlen werden ...
Wortwitze funktionierten schon lange nicht mehr, weil die Zungen den schwierigen Worten nicht mehr folgen wollten. Der Versuch, das Wort »Autopoeisis« auszusprechen, aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen, führte zu großem Gelächter.
Und irgendwann kamen wir auf zivilisatorisch-kulturelle Errungenschaften. Ganz wichtig sei, da waren wir uns alle einig, daß Männer ein Bedürfnis haben, auf der Toilette zu lesen; bei Frauen ist das nicht so weit ausgeprägt.
Die Diskussion endete bei folgendem Statement in schreiendem Gelächter: »Das unterscheidet den Menschen vom Tier: Der Mensch liest auf der Toilette.«
Angewandte Philosophie, für die Sloterdijk und Co. hoffentlich bald Lizenzgebühren bezahlen werden ...
04 Juli 2008
Embryo Punks aus Amsterdam
Das war vielleicht ein rasantes Pogo-Konzert: Ich habe über Gewapend Beton in diesem Blog schon mal geschrieben und finde die Band super. Aber auch die Platte »17 until we die« ist ebenfalls großartig und ist all denen ins Gebetbuch geschrieben, die eine Freude am rasanten Punk der frühen Tage haben, ob der jetzt amerikanisch oder britisch geprägt ist.
Die Burschen stammen aus Amsterdam, sind superjung und zeigen sowohl auf der Bühne als auch auf der Platte eine sagenhafte Spielfreude, die einem geradezu ins Gesicht springt. Jede Stück knallt, keines ist zu lang, und jedes lädt zum Pogen ein. Im Jahr 2008 gibt es solche Platten – zuminest für mich – nur selten. Und wer die alte Ami-Band Reagan Youth auf holländische Verhältnisse umpolt und nachspielt, ist eh auf der richtigen Seite.
Erschienen ist die Platte bei dem famosen Label Dirty Faces, wo es übrigens auch haufenweise anderer geiler Punk-Platten gibt. Schöne Sache.
Die Burschen stammen aus Amsterdam, sind superjung und zeigen sowohl auf der Bühne als auch auf der Platte eine sagenhafte Spielfreude, die einem geradezu ins Gesicht springt. Jede Stück knallt, keines ist zu lang, und jedes lädt zum Pogen ein. Im Jahr 2008 gibt es solche Platten – zuminest für mich – nur selten. Und wer die alte Ami-Band Reagan Youth auf holländische Verhältnisse umpolt und nachspielt, ist eh auf der richtigen Seite.
Erschienen ist die Platte bei dem famosen Label Dirty Faces, wo es übrigens auch haufenweise anderer geiler Punk-Platten gibt. Schöne Sache.
Wenn ich mich schon mal erinnere
Wieder mal Rückblicke auf meine Vergangenheit auf der PERRY RHODAN-Homepage; ich reiße sie hier nur kurz an.
Der jüngste Rückblick heißt »Fanzine-Vorahnungen« und thematisiert noch mal das Jahr 1979 und meine ersten Pläne, ein eigenes Fanzine zu machen. Damals sollte es noch CYGNUS heißen, erst später nannte ich es dann SAGITTARIUS.
»Mit Ernst Vlcek in Hamburg« wechselt in die neunziger Jahre; in diesem Text geht es nicht nur um den kürzlich verstorbenen Schriftsteller, sondern auch um Karl Nagel, den wir damals besuchten.
In direktem Zusammenhang damit steht »Exposé-Konferenz in Oldenburg«, wo es um Ernst Vlcek, Robert Feldhoff und mich sowie um ein eher grausiges Hotel geht.
Die »WeltCon-Planungen fürs Jahr 1996« beschäftigen sich mit Plänen, bereits Mitte der 90er Jahre einen großen Science-Fiction-Con zu veranstalten. Daraus wurde dann leider nicht viel ...
Der jüngste Rückblick heißt »Fanzine-Vorahnungen« und thematisiert noch mal das Jahr 1979 und meine ersten Pläne, ein eigenes Fanzine zu machen. Damals sollte es noch CYGNUS heißen, erst später nannte ich es dann SAGITTARIUS.
»Mit Ernst Vlcek in Hamburg« wechselt in die neunziger Jahre; in diesem Text geht es nicht nur um den kürzlich verstorbenen Schriftsteller, sondern auch um Karl Nagel, den wir damals besuchten.
In direktem Zusammenhang damit steht »Exposé-Konferenz in Oldenburg«, wo es um Ernst Vlcek, Robert Feldhoff und mich sowie um ein eher grausiges Hotel geht.
Die »WeltCon-Planungen fürs Jahr 1996« beschäftigen sich mit Plänen, bereits Mitte der 90er Jahre einen großen Science-Fiction-Con zu veranstalten. Daraus wurde dann leider nicht viel ...
02 Juli 2008
Der Pfälzer an sich

Gern lästert man im Großraum Baden über die Bewohner des anderen Rheinufers. Gemeint sind die Menschen in Rheinland-Pfalz, die man in Karlsruhe und Umgebung nur als »Pfälzer« oder auch »Pälzer« kennt. Man sagt ihnen nach, ein wenig ländlich und schlicht zu sein und sich vor allem für Kartoffelanbau, Weinschoppen und andere Dinge zu interessieren.
Gut, dass es auch Bewohner dieser schönen Region gibt, die die eigenen Klischees schön auf die Schippe nehmen können. Einer von ihnen ist Steffen Boiselle, den ich auch schon seit über zwanzig Jahren kenne. 1984 brachte er die »Rudi«-Comics heraus, die die Abenteuer eines jungen Irokesen-Punks schilderten; damals wohnte er noch in Oggersheim bei Ludwigshafen, wo ich ihn auch irgendwann mal besuchte.
Seit vielen Jahren lebt er in Neustadt an der Weinstraße, hat - wie die meisten von »früher« - einen seriösen Beruf angetreten, sich aber seine Freude an bunten Bildern bewahrt. Die tobt er dann auch in dem schicken Buch mit dem Titel »100% Pälzer« aus.
Das Buch ist im kleinen, aber feinen Agiro-Verlag erschienen, ist 64 Seiten stark und kostet 12,90 Euro. Satirisch-überspitzt werden landestypische Eigenheiten der Pfalz auf die Schippe genommen, immer augenzwinkernd und voller Sympathie, nie herablassend und bösartig.
Das Ding ist echt amüsant, ich hab's mit breitem Grinsen durchgeblättert. Wer Freunden, Bekannten oder Kollegen in der Pfalz ein Geschenk machen will, tut damit nichts falsches. Oder man schenke es Pfalz-Neubürgern, die's ja geben soll, damit sie wissen, auf was sie sich einlassen ...
01 Juli 2008
Sportlich aktiv
Liegt's daran, daß ich in den letzten drei Wochen so viel Fußball geguckt habe? Ich weiß es nicht, aber: In den letzten Tagen fuhr ich so viel Rad wie in den letzten zwei Jahren zusammen wohl nicht, zumindest kommt es mir so vor.
Heute abend beispielsweise mal kurz in Richtung französische Grenze. Nein, ich bin nicht bis Lauterbourg geradelt, da wäre ich erst in der Dunkelheit angekommen und hätte dann eineinhalb Stunden durch die nächtliche Pfalz zurückstrampeln müssen. Aber die halbe Strecke schaffte ich, um dann irgendwo zwischen Pfälzer Wiesen und Altrheinbecken wieder umzudrehen.
Die Bikini-Figur wird's in diesem Jahr wohl kaum geben, dafür ist der über Jahre angesparte Bierbauch doch zu groß. Aber ein bißchen weniger wär' ja auch nicht schlecht.
Heute abend beispielsweise mal kurz in Richtung französische Grenze. Nein, ich bin nicht bis Lauterbourg geradelt, da wäre ich erst in der Dunkelheit angekommen und hätte dann eineinhalb Stunden durch die nächtliche Pfalz zurückstrampeln müssen. Aber die halbe Strecke schaffte ich, um dann irgendwo zwischen Pfälzer Wiesen und Altrheinbecken wieder umzudrehen.
Die Bikini-Figur wird's in diesem Jahr wohl kaum geben, dafür ist der über Jahre angesparte Bierbauch doch zu groß. Aber ein bißchen weniger wär' ja auch nicht schlecht.
30 Juni 2008
Mal wieder ein Interview
Ich fühle mich stets geschmeichelt, wenn es irgendwo ein Interview mit mir gibt. Auch wenn das dazu gehörige Foto dann nicht so schmeichelhaft aussieht, freue ich mich trotzdem. Man kann ja nicht alles haben ...
In diesem Fall ist es die Homepage des Online-Fanzines »Zauberspiegel«, wo vor einiger Zeit schon mal ein Interview mit mir zu lesen war. Stefan Holzhauer und Jochen Adam schickten mir unlängst wieder einen Sack mit Fragen, auf die ich treu & brav antwortete.
Inhaltlich geht's hier um PERRY RHODAN-Action, die aktuelle Heftromanserie, die wir »nebenbei« machen. Wen's interessiert, möge das Interview lesen; ich mag so was selbst ja ganz gern ...
In diesem Fall ist es die Homepage des Online-Fanzines »Zauberspiegel«, wo vor einiger Zeit schon mal ein Interview mit mir zu lesen war. Stefan Holzhauer und Jochen Adam schickten mir unlängst wieder einen Sack mit Fragen, auf die ich treu & brav antwortete.
Inhaltlich geht's hier um PERRY RHODAN-Action, die aktuelle Heftromanserie, die wir »nebenbei« machen. Wen's interessiert, möge das Interview lesen; ich mag so was selbst ja ganz gern ...
Noch einmal Nervenflattern
Es war ein spannender Fußballabend, ein letztes Aufbäumen meiner EM-Energie: noch einmal im »Fünf« sitzen, in der Menge schwitzen, Bier trinken, mitfiebern, ein wenig feiern und fast einen Nervenzusammenbruch erleiden. Und die erste Viertelstunde hatte ich auch die Hoffnung, nach 1996 wieder einmal eine Europameisterschaft feiern zu können.
Wie es ausging, weiß jeder: Die Spanier gewannen. Sind wir fair, muß ich konstatieren, daß es verdient war und die besseren gewonnen haben. Beim Fußball will ich allerdings nicht fair sein, sondern will, daß Deutschland gewinnt. Das ist ja eigentlich ganz einfach. (Man wird mich trotzdem keine Fahnen schwenken und kein »schland!« rufen hören, hoffe ich!)
Ich war echt traurig nach dem Spiel. Kurz vorm Heulen ... na ja, nicht ganz, aber sentimental war mir tatsächlich zumute.
Hinterher radelten wir noch in die Innenstadt. Immer wieder kamen uns Gruppen von Fans entgegen: Wer ging oder mit dem Rad kam, war meist still. Autofahrer hupten dennoch und schwenkten ihre Fahnen.
Am Europaplatz war trotz des verlorenen Finales richtig viel los. Kein Vergleich mit 1996, als die Polizei damals völlig überrollt wurde, aber dennoch ... Die Straßenbahnen fuhren immerhin: Sie wurden von KVV-Mitarbeitern und Polizisten buchstäblich Meter für Meter durch die Menge der Feiernden geschoben.
Später saßen wir im »Zel«, futterten Pide und Yufka und guckten zu, wie die Feiernden langsam abzogen. Haufenweise junge Leute, die Deutschland-Fahnen um die Schultern gewickelt. Die Stimmung war traurig, aber friedlich.
Die EM ist rum, jetzt kann ich mich wieder um wichtigere Dinge im Leben kümmern.
Wie es ausging, weiß jeder: Die Spanier gewannen. Sind wir fair, muß ich konstatieren, daß es verdient war und die besseren gewonnen haben. Beim Fußball will ich allerdings nicht fair sein, sondern will, daß Deutschland gewinnt. Das ist ja eigentlich ganz einfach. (Man wird mich trotzdem keine Fahnen schwenken und kein »schland!« rufen hören, hoffe ich!)
Ich war echt traurig nach dem Spiel. Kurz vorm Heulen ... na ja, nicht ganz, aber sentimental war mir tatsächlich zumute.
Hinterher radelten wir noch in die Innenstadt. Immer wieder kamen uns Gruppen von Fans entgegen: Wer ging oder mit dem Rad kam, war meist still. Autofahrer hupten dennoch und schwenkten ihre Fahnen.
Am Europaplatz war trotz des verlorenen Finales richtig viel los. Kein Vergleich mit 1996, als die Polizei damals völlig überrollt wurde, aber dennoch ... Die Straßenbahnen fuhren immerhin: Sie wurden von KVV-Mitarbeitern und Polizisten buchstäblich Meter für Meter durch die Menge der Feiernden geschoben.
Später saßen wir im »Zel«, futterten Pide und Yufka und guckten zu, wie die Feiernden langsam abzogen. Haufenweise junge Leute, die Deutschland-Fahnen um die Schultern gewickelt. Die Stimmung war traurig, aber friedlich.
Die EM ist rum, jetzt kann ich mich wieder um wichtigere Dinge im Leben kümmern.
29 Juni 2008
Fingernägel-Liebe
Die zwei rundlichen Damen saßen in der Straßenbahn in meiner direkten Nähe. Wir zuckelten vom Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt, und am liebsten wäre ich eingeschlafen. Doch dann war ich wach genug, um auf Höhe des Kolpingplatzes dem Gerede der beiden zu lauschen.
Sie hatten es vom Lackieren der Fingernägel und anderen wichtigen Dingen. Im badischen Dialekt hörte sich das alles sehr harmlos an, sehr brav, bis ich erkannte, daß die beiden eine einzige Abfolge von Gemeinheiten verbreiteten.
»Mei Mudder machd jo gar nix mit de Fingerneggl«, klagte die eine und fuchtelte mit ihren Designer-Fingernägeln in schwarz und weiß durch die Luft. »Die pflegt sich nedd mehr als nödig.« (Ich verzichte künftig auf die Transkription aus dem Badischen; klappt eh nicht gut.)
Es ging ihr darum, daß ihre Mutter unverschämterweise kein Make-Up im Gesicht trage und ihre Fingernägel nicht aufwendig lackiere. Das sei doch nicht teuer und sehe so gut aus. Und dabei rede sie die ganze Zeit auf ihre spießige Mutter ein, daß sie sich endlich auch mal ändere und mit der Zeit gehe.
Bis die andere irgendwann mal sagte. »Du, ich mach' ja auch nix mit meinen Fingernägeln.« Sie präsentierte ihre Hände mit den wulstigen Fingern, deren Nägel nur matt glänzten.
»Du machsch au nix?« Die Fingernägeldame schaute ihre rundliche Freundin an.
Und so wurde ich Zeuge, wie eine langjährige Freundschaft zerbrach ...
Sie hatten es vom Lackieren der Fingernägel und anderen wichtigen Dingen. Im badischen Dialekt hörte sich das alles sehr harmlos an, sehr brav, bis ich erkannte, daß die beiden eine einzige Abfolge von Gemeinheiten verbreiteten.
»Mei Mudder machd jo gar nix mit de Fingerneggl«, klagte die eine und fuchtelte mit ihren Designer-Fingernägeln in schwarz und weiß durch die Luft. »Die pflegt sich nedd mehr als nödig.« (Ich verzichte künftig auf die Transkription aus dem Badischen; klappt eh nicht gut.)
Es ging ihr darum, daß ihre Mutter unverschämterweise kein Make-Up im Gesicht trage und ihre Fingernägel nicht aufwendig lackiere. Das sei doch nicht teuer und sehe so gut aus. Und dabei rede sie die ganze Zeit auf ihre spießige Mutter ein, daß sie sich endlich auch mal ändere und mit der Zeit gehe.
Bis die andere irgendwann mal sagte. »Du, ich mach' ja auch nix mit meinen Fingernägeln.« Sie präsentierte ihre Hände mit den wulstigen Fingern, deren Nägel nur matt glänzten.
»Du machsch au nix?« Die Fingernägeldame schaute ihre rundliche Freundin an.
Und so wurde ich Zeuge, wie eine langjährige Freundschaft zerbrach ...
27 Juni 2008
Schicke SOL

Auf dem Cover der aktuellen SOL, der Zeitschrift der PERRY RHODAN-FanZentrale ist Ernst Vlcek zu sehen, der im April verstorbene Schriftsteller. Im Hintergrund fliegt ein Kugelraumschiff, im Vordergrund reitet ein Fantasy-Kämpfer durchs Land. Das Bild paßt; es zeigt mit Science Fiction und Fantasy zwei der wesentlichen Elemente, die Ernsts Schriftstellerlaufbahn bestimmten.
Lese ich die SOL durch, finde ich mehrere Beiträge, die sich mit dem Leben und dem Werk des sympathischen und viel zu früh verstorbenen Kollegen beschäftigen. Mir wird noch mal klar, warum ihn so viele so mochten und warum ich ihn vermissen werde. Mit wem werde ich künftig in Wien »Schwammerl« essen gehen und bei Bier und Wein schräge Ideen ausbrüten?
Die Nummer 51 des Magazins blickt nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. Dr. Rainer Stache haut mir noch mal die Fehler des letzten Vierteljahres um die Ohren; der punkrockige Comic-Zeichner Vincent Burmeister verabschiedet sich mit einem interessanten Interview vom PERRY-Comic; der Schweizer Jung-Autor Marc E. Herren kommt ausführlich zu Wort, und Alexander Huiskes erzählt über die Mühsal der Datenrecherche.
Das Magazin ist auf jeden Fall lesenswert. Nicht nur für mich, weil ich es beruflich lesen sollte, sondern für jeden, der sich für Science Fiction aus deutschen Landen interessiert.
26 Juni 2008
Feiern lernen?
Das Spiel war rum, in einer letztlich glücklich verlaufenden Partie hatte die deutsche Fußballnationalmannschaft der Männer die türkische Mannschaft besiegt. Wir saßen im Biergarten des »Fünf« zusammen, ermattet von der Spannung und vom Torjubel, naßgeschwitzt und schon ein bißchen angetrunken.
Das »schland!«-Gerufe hatte sich immerhin in Grenzen gehalten, nur im Siegestaumel hatten einige ihre Fahnen geschwenkt. Und zwischendurch gab es sogar einige »Türkye«-Rufe (oder wie immer man das ausspricht und schreibt); alles in allem also ein schöner Fußballabend.
Gelegentlich fuhren hupende Autos vorbei, Fahnen wurden aus den Fenstern gehalten, und »schland«-Rufe schallten über den Parkplatz zum Biergarten herüber. Anfangs riefen einige Biergartenbesucher sogar zurück, später beschränkte sich die Reaktion darauf, mit der einen Hand weiterhin das Bier zu halten und mit der anderen mal kurz zu winken. Man muß es ja nicht übertreiben ...
Später radelte ich leicht angesoffen die Erzbergerstraße hinunter; es war nach ein Uhr nachts. Ein einsames Auto kreuzte meinen Weg: Fahnen hingen aus den Fenstern, der Fahrer hupte wie blöd, als er mich sah, und ein wildes »schland!«-Geschrei entbrannte. Ich winkte höflich und fuhr weiter.
An der Kaiserstraße, wo zur selben Zeit beim Einzug der Türken ins Viertelfinale noch komplettes Chaos geherrscht hatte, stand ein Polizeiauto mit zwei gelangweilt wirkenden Beamten. In einer Nebenstraße hatten sich drei Dutzend Fußballfans um ein offen stehendes Auto versammelt, aus dessen Boxen laute Musik drang. Sie schwenkten Fahnen und schrien »schland!« und anderes.
Wenn es die deutsche Mannschaft wirklich schaffen sollte, das Finalspiel zu gelingen, müssen die Feierfans aber vorher noch ein bißchen üben, dachte ich und fuhr grinsend nach Hause.
Das »schland!«-Gerufe hatte sich immerhin in Grenzen gehalten, nur im Siegestaumel hatten einige ihre Fahnen geschwenkt. Und zwischendurch gab es sogar einige »Türkye«-Rufe (oder wie immer man das ausspricht und schreibt); alles in allem also ein schöner Fußballabend.
Gelegentlich fuhren hupende Autos vorbei, Fahnen wurden aus den Fenstern gehalten, und »schland«-Rufe schallten über den Parkplatz zum Biergarten herüber. Anfangs riefen einige Biergartenbesucher sogar zurück, später beschränkte sich die Reaktion darauf, mit der einen Hand weiterhin das Bier zu halten und mit der anderen mal kurz zu winken. Man muß es ja nicht übertreiben ...
Später radelte ich leicht angesoffen die Erzbergerstraße hinunter; es war nach ein Uhr nachts. Ein einsames Auto kreuzte meinen Weg: Fahnen hingen aus den Fenstern, der Fahrer hupte wie blöd, als er mich sah, und ein wildes »schland!«-Geschrei entbrannte. Ich winkte höflich und fuhr weiter.
An der Kaiserstraße, wo zur selben Zeit beim Einzug der Türken ins Viertelfinale noch komplettes Chaos geherrscht hatte, stand ein Polizeiauto mit zwei gelangweilt wirkenden Beamten. In einer Nebenstraße hatten sich drei Dutzend Fußballfans um ein offen stehendes Auto versammelt, aus dessen Boxen laute Musik drang. Sie schwenkten Fahnen und schrien »schland!« und anderes.
Wenn es die deutsche Mannschaft wirklich schaffen sollte, das Finalspiel zu gelingen, müssen die Feierfans aber vorher noch ein bißchen üben, dachte ich und fuhr grinsend nach Hause.
25 Juni 2008
Tote Schauspieler lassen denken
Pinkas Braun ist gestorben. Normalerweise würde mir das nichts sagen; ich kann mir die Namen von Schauspielern oder Musikern praktisch nie merken. Und daß der Mann 85 Jahre alt wurde, hätte mich normalerweise auch nur zu einem Achselzucken verleidet.
Aber ... Hey, der Mann hat in den 60er Jahren an einem Film mitgewirkt, der Legende geworden ist. Nicht, weil er so gut ist, sondern weil sich so viele über ihn aufgeregt haben ...
Die Rede ist von »Perry Rhodan - SOS aus dem Weltall«, der 1967 als italienisch-deutsche Produktion abgedreht wurde und den ich für gnadenlos trashig, schlecht und lustig zugleich halte. Ein Meisterwerk des schlechten Geschmacks also.
Pinkas Braun, 1923 geboren, spielte in diesem Film eine wichtige Rolle, der des Bösewichts. Und während Streifen wie »Der Bucklige von Soho« irgendwann komplett vergessen sein werden, wird man sich zumindest an seine PERRY RHODAN-Beteiligung lang erinnern und ihm somit gedenken.
Aber ... Hey, der Mann hat in den 60er Jahren an einem Film mitgewirkt, der Legende geworden ist. Nicht, weil er so gut ist, sondern weil sich so viele über ihn aufgeregt haben ...
Die Rede ist von »Perry Rhodan - SOS aus dem Weltall«, der 1967 als italienisch-deutsche Produktion abgedreht wurde und den ich für gnadenlos trashig, schlecht und lustig zugleich halte. Ein Meisterwerk des schlechten Geschmacks also.
Pinkas Braun, 1923 geboren, spielte in diesem Film eine wichtige Rolle, der des Bösewichts. Und während Streifen wie »Der Bucklige von Soho« irgendwann komplett vergessen sein werden, wird man sich zumindest an seine PERRY RHODAN-Beteiligung lang erinnern und ihm somit gedenken.
Ni Ju San rocken
Wermelskirchen mag ich irgendwie, seit ich dort vor einigen Jahren eine ziemlich klasse verlaufende »Peter Pank«-Lesung hingelegt habe. Aus der Stadt kommt die Band Ni Ju San, von der ich bislang zwei CDs kenne, die ich beide sehr schwach fand: mehr Rock als Punk, mehr anbiedernde Schunkel-Sounds als juvenile Rebellion.
Mit »Schönen Gruß« liegt nun die neue CD der Band vor: Rockig ist sie allemal, peinlich hört sich das nicht mehr an. Okay, die Stücke sind mir nach wie vor zu lang, fünf Minuten gehen für eine Punkrock-Band nur dann, wenn sie wie die Wipers klingt ...
Gelegentlich wird die Metal-Gitarre ausgepackt, da juckt es mich im Gedärm; gelegentlich plunkert ein Offbeat-Rhythmus durch die Songs; gelegentlich wird die deutsche Sprache gegen die englische eingetauscht. Alles in allem ist die Platte aber eingängig und rockig, mit einem schweren Touch in Richtung Tote Hosen und artverwandt-erfolgreiche Klänge.
Von der »ersten Reihe der deutschen Punk-Szene«, von der das Info des Labels schwärmt, ist die Band noch weit entfernt. Aus dem Sumpf des stumpfen Deutschpunk-Gebolzes haben sich die fünf Burschen aus Wermelskirchen aber tüchtig befreit – und jetzt bin ich gespannt, wohin das ganze noch gehen wird.
Mit »Schönen Gruß« liegt nun die neue CD der Band vor: Rockig ist sie allemal, peinlich hört sich das nicht mehr an. Okay, die Stücke sind mir nach wie vor zu lang, fünf Minuten gehen für eine Punkrock-Band nur dann, wenn sie wie die Wipers klingt ...
Gelegentlich wird die Metal-Gitarre ausgepackt, da juckt es mich im Gedärm; gelegentlich plunkert ein Offbeat-Rhythmus durch die Songs; gelegentlich wird die deutsche Sprache gegen die englische eingetauscht. Alles in allem ist die Platte aber eingängig und rockig, mit einem schweren Touch in Richtung Tote Hosen und artverwandt-erfolgreiche Klänge.
Von der »ersten Reihe der deutschen Punk-Szene«, von der das Info des Labels schwärmt, ist die Band noch weit entfernt. Aus dem Sumpf des stumpfen Deutschpunk-Gebolzes haben sich die fünf Burschen aus Wermelskirchen aber tüchtig befreit – und jetzt bin ich gespannt, wohin das ganze noch gehen wird.
24 Juni 2008
Schwarzwaldidyllen
Es geschah so halb aus Zufall: Am Montag abend gondelten wir durch den Schwarzwald, gewissermaßen meine »alte Heimat«, und hielten recht spontan an der Eyachbrücke an. Wer nicht weiß, wo das ist, wundere sich nicht: Im Verlauf der letzten 44 Jahre bin ich da Dutzende Male vorbeigekommen (ganz früher im VW Käfer meines Vaters, irgendwann in eigenen Autos ...), habe das Gebäude aber nie wahrgenommen.
Unscheinbar genug ist das Gasthaus Eyachbrücke schon, aber die Lage ist sensationell: mitten im Schwarzwald, ganz in der Nähe einer Bahnstation und einer gut befahrenen Bundesstraße - alles liegt verkehrstechnisch sehr günstig zwischen Bad Herrenalb, Calw, Freudenstadt und Pforzheim. Man kann also von der Autobahn über Pforzheim oder über Karlsruhe recht schnell hinkommen und ist dann auch mittendrin im Erholungsgebiet Nordschwarzwald.
Wer es mag, bekommt den plätschernden Bauch, den rauschenden Wald und die frische Luft, man könnte von dort aus stundenlang wandern oder radfahren, ohne einen Menschen zu treffen. Das tat ich nicht, dazu war ich zu faul, immerhin reichte es zu einem gemütlichen Spaziergang an der frischen Luft.
Das Hotel selbst habe ich nicht besucht, nur das Restaurant; beides sieht von außen eher schlicht und ländlich aus und besticht innen durch rustikal-ländlichen Charme. Das Personal spricht Dialekt, der Wirtsraum ist mit Holz vertäfelt, alles kommt ohne »Chi-chi« aus und macht einen gemütlichen Eindruck.
Und wer dann gern fangfrische Forelle zu einem guten Preis sowie ein Ketterer-Bier aus Pforzheim oder Landweine trinkt, ist hier bestens aufgehoben. Es schmeckte sehr gut, der Service war völlig überzeugend und sehr freundlich, und wir haben vereinbart, da mal wieder hinzufahren. Für einen Tagesausflug gerade für gestresste Städter optimal …
Unscheinbar genug ist das Gasthaus Eyachbrücke schon, aber die Lage ist sensationell: mitten im Schwarzwald, ganz in der Nähe einer Bahnstation und einer gut befahrenen Bundesstraße - alles liegt verkehrstechnisch sehr günstig zwischen Bad Herrenalb, Calw, Freudenstadt und Pforzheim. Man kann also von der Autobahn über Pforzheim oder über Karlsruhe recht schnell hinkommen und ist dann auch mittendrin im Erholungsgebiet Nordschwarzwald.
Wer es mag, bekommt den plätschernden Bauch, den rauschenden Wald und die frische Luft, man könnte von dort aus stundenlang wandern oder radfahren, ohne einen Menschen zu treffen. Das tat ich nicht, dazu war ich zu faul, immerhin reichte es zu einem gemütlichen Spaziergang an der frischen Luft.
Das Hotel selbst habe ich nicht besucht, nur das Restaurant; beides sieht von außen eher schlicht und ländlich aus und besticht innen durch rustikal-ländlichen Charme. Das Personal spricht Dialekt, der Wirtsraum ist mit Holz vertäfelt, alles kommt ohne »Chi-chi« aus und macht einen gemütlichen Eindruck.
Und wer dann gern fangfrische Forelle zu einem guten Preis sowie ein Ketterer-Bier aus Pforzheim oder Landweine trinkt, ist hier bestens aufgehoben. Es schmeckte sehr gut, der Service war völlig überzeugend und sehr freundlich, und wir haben vereinbart, da mal wieder hinzufahren. Für einen Tagesausflug gerade für gestresste Städter optimal …
23 Juni 2008
Noch ein Wort zu Köln
Für alle Besucher des ColoniaCons gab es heuer wieder ein schickes Programmbuch: rund 100 Seiten Umfang, schön gestaltet, ein Paperback im A5-Format. So was wäre früher ein schlecht kopiertes Fanzines gewesen, heute macht man gleich Büchlein mit Farbtitelbild. Sieht definitiv besser aus.
Inhaltlich gibt es die üblichen Texte, darunter einen von mir. Ich verfasste quasi als Vorwort meine »Gedanken zum ColoniaCon«.
Wer sich dafür interessiert: Aus Gründen der Dokumentation sind sie unter den Kommentaren nachzulesen.
Inhaltlich gibt es die üblichen Texte, darunter einen von mir. Ich verfasste quasi als Vorwort meine »Gedanken zum ColoniaCon«.
Wer sich dafür interessiert: Aus Gründen der Dokumentation sind sie unter den Kommentaren nachzulesen.
22 Juni 2008
Dienstfahrt nach Köln
Morgens ging es um kurz nach acht Uhr los: Über die Autobahn und entlang an gefühlten zwei Dutzend Baustellen ging es nach Köln-Deutz. Dort fand am Wochenende der ColoniaCon 18 statt; die achtzehnte Auflage der traditionsreichen Science-Fiction-Veranstaltung in der Nähe des Rheinufers.
Auf der Hinfahrt, die mir unter anderem vom netten Ska der Kölner Band Slapstickers versüßt wurde, machte ich mir klar, daß ich seit einem Vierteljahrhundert nach Köln auf diese Cons fahre: Das erste mal dürfte 1983 gewesen sein, damals noch per Anhalter; ganz sicher bin ich mir allerdings nicht, ob ich nicht früher schon mal per Anhalter nach Köln gefahren bin ...
Hin wie her: 2008 ist 25 Jahre danach, und mir fiel auf, wie sich das Gelände zwischen dem Bahnhof und dem Jugendpark verändert hatte. Die Kölner Messe, die Kölnarena und haufenweise andere Neubauten haben eine riesige Brachfläche in ein industriell-kulturelles Areal verwandelt.
Dafür ist der Jugendpark immer noch derselbe; ich kam mir vor wie 1983 oder 1988 oder sonstwann. Ich redete mit Besuchern, ich saß zweimal auf der Bühne und erzählte irgendwelche Dinge über meine Arbeit, ich war zweimal mit Autoren und Kollegen essen und Besprechung machen, und so weiter - kurzum, ich war komplett beschäftigt und kam kaum dazu, mal Luft zu holen.
Gegen 22 Uhr war ich wieder unterwegs. Damit es mir nicht langweilig wurde, kamen noch einige Nachtbaustellen auf der A61 dazu; irgendwann wurde ich sackmüde, und damit ich nicht einpennte, blieb mir nichts anderes übrig, als OHL und anderen Kram zu hören. Wer völlig retardiert im Auto sitzt und »Nieder nieder nieder - mit dem Warschauer Pakt« schreit, kann auf jeden Fall nicht einschlafen ... so der Plan.
Kurz nach ein Uhr nachts war ich wieder in Karlsruhe. Gerade noch rechtzeitig, um auf die Party im Norden der Stadt zu gehen, dort leckeren Tiramisu zu verspeisen und noch zwei Bier zu trinken. Geklappt!
Auf der Hinfahrt, die mir unter anderem vom netten Ska der Kölner Band Slapstickers versüßt wurde, machte ich mir klar, daß ich seit einem Vierteljahrhundert nach Köln auf diese Cons fahre: Das erste mal dürfte 1983 gewesen sein, damals noch per Anhalter; ganz sicher bin ich mir allerdings nicht, ob ich nicht früher schon mal per Anhalter nach Köln gefahren bin ...
Hin wie her: 2008 ist 25 Jahre danach, und mir fiel auf, wie sich das Gelände zwischen dem Bahnhof und dem Jugendpark verändert hatte. Die Kölner Messe, die Kölnarena und haufenweise andere Neubauten haben eine riesige Brachfläche in ein industriell-kulturelles Areal verwandelt.
Dafür ist der Jugendpark immer noch derselbe; ich kam mir vor wie 1983 oder 1988 oder sonstwann. Ich redete mit Besuchern, ich saß zweimal auf der Bühne und erzählte irgendwelche Dinge über meine Arbeit, ich war zweimal mit Autoren und Kollegen essen und Besprechung machen, und so weiter - kurzum, ich war komplett beschäftigt und kam kaum dazu, mal Luft zu holen.
Gegen 22 Uhr war ich wieder unterwegs. Damit es mir nicht langweilig wurde, kamen noch einige Nachtbaustellen auf der A61 dazu; irgendwann wurde ich sackmüde, und damit ich nicht einpennte, blieb mir nichts anderes übrig, als OHL und anderen Kram zu hören. Wer völlig retardiert im Auto sitzt und »Nieder nieder nieder - mit dem Warschauer Pakt« schreit, kann auf jeden Fall nicht einschlafen ... so der Plan.
Kurz nach ein Uhr nachts war ich wieder in Karlsruhe. Gerade noch rechtzeitig, um auf die Party im Norden der Stadt zu gehen, dort leckeren Tiramisu zu verspeisen und noch zwei Bier zu trinken. Geklappt!
20 Juni 2008
Neue Generation fürn Klingelton
Es ist »the new generation of German rock«, eine Band, die mit »charmantem Frontgirl« aufwartet und sich »komplett dem Rock verschrieben« hat, zu der es bereits Klingeltöne fürs Handy gibt, deren Mitglieder attraktiv und jung aussehen und deren Musik im übrigen gar nicht mal so schlecht ist. So geht das heute eben zu mit der Rock-Musik ... Zumindest, wenn es nach dem Geschmack von Plattenfirmen, Jugendzeitschriften und Marketing-Agenturen geht, die mit allerlei Tricks (Thema: »virales Marketing«, funktioniert immer besser) arbeiten und damit teilweise viel Erfolg haben.
Die Rede ist von der Band Aloha From Hell, die aus dem Großraum Aschaffenburg kommt und seit zwei Jahren zusammenspielt. Für Jugendliche im Alter von 15 oder 16 Jahren ist das ganz schön lang. Sie haben den »BRAVO Bandnewcomer Contest« und einen Plattenvertrag bei einer fetten Firma erhalten; soweit alles gut, mittlerweile mit erster Platte.
Anhören kann man sich ihre Stücke auf der Myspace-Seite, wobei ich feststelle, dass »Catch Me« richtig gut ist und die gesamte Musik tatsächlich den Tatbestand erfüllt, unterhaltsam und melodisch zu sein: nix, was man noch nie zuvor gehört hat, gut abgehangene Rock-Musik, die aber modern und flott klingt.
Der Band mag ich nichts böses unterstellen, aber ich erkenne hinter den zahlreichen »Fan«-Homepages und den Clubs im In- und Ausland vor allem die Bemühungen geschickter Promo-Agenturen. Das wird alles ziemlich gut gemacht, ziemlich schön angeleiert.
Der Versuch, was neues auf den Boom-Zug nach Tokio Hotel zu schicken, liegt ja auch nahe. Und besser als Casting-Kapellen oder die unsäglichen »Grand Prix«-Teilnehmer No Angels ist das allemal ...
Die Rede ist von der Band Aloha From Hell, die aus dem Großraum Aschaffenburg kommt und seit zwei Jahren zusammenspielt. Für Jugendliche im Alter von 15 oder 16 Jahren ist das ganz schön lang. Sie haben den »BRAVO Bandnewcomer Contest« und einen Plattenvertrag bei einer fetten Firma erhalten; soweit alles gut, mittlerweile mit erster Platte.
Anhören kann man sich ihre Stücke auf der Myspace-Seite, wobei ich feststelle, dass »Catch Me« richtig gut ist und die gesamte Musik tatsächlich den Tatbestand erfüllt, unterhaltsam und melodisch zu sein: nix, was man noch nie zuvor gehört hat, gut abgehangene Rock-Musik, die aber modern und flott klingt.
Der Band mag ich nichts böses unterstellen, aber ich erkenne hinter den zahlreichen »Fan«-Homepages und den Clubs im In- und Ausland vor allem die Bemühungen geschickter Promo-Agenturen. Das wird alles ziemlich gut gemacht, ziemlich schön angeleiert.
Der Versuch, was neues auf den Boom-Zug nach Tokio Hotel zu schicken, liegt ja auch nahe. Und besser als Casting-Kapellen oder die unsäglichen »Grand Prix«-Teilnehmer No Angels ist das allemal ...
Schland! Schland! Schland!
Ja, ich habe auch gejubelt und mich gefreut, als das Spiel zwischen Deutschland und Portugal rum war. Ich habe mich für »unsere Jungs« gefreut, die endlich mal so spielten, wie sie es können und wie es mich als Zuschauer begeistert.
Ungläubige Blicke gab's nach dem 1:0 und dem 2:0, ich glaubte es wirklich nicht. In der zweiten Halbzeit wechselte die Spannung, man kam sich vor wie auf einer Achterbahnfahrt. Lustige Einlagen boten dann immer wieder die Schauspieler auf beiden Seiten: Ronaldo, der sich vor Schmerzen auf dem Boden wälzt, während die Zeitlupe zeigt, dass er nicht einmal getroffen wurde, oder Ballack, der glaubhaft Schmerzen im Gesicht simuliert, nachdem ihn jemand an Hals und Schulter geschubst hatte.
Hinterher saßen wir lang zusammen, tranken Bier und erzählten uns Chuck-Norris-Witze. Man kann Abende auch klüger verbringen, aber sehr lustig war's – während überall das Hupen der Feiernden zu hören waren ...
Irgendwann heute nacht fuhren wir nach Hause; unterwegs dann eine unheimliche Begegnung: Ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht raste die Molktestraße hinauf und bog auf das Gelände der Gefangenensammelstelle ab – dort werden eigentlich nach Fußballspielen irgendwelche Unruhestifter »untergebracht«. Wie man am nächsten Tag auf der Homepage von KA-News lesen konnte, hatte es prompt noch einige Hauereien in der Nacht gegeben ... Deppen.
Ungläubige Blicke gab's nach dem 1:0 und dem 2:0, ich glaubte es wirklich nicht. In der zweiten Halbzeit wechselte die Spannung, man kam sich vor wie auf einer Achterbahnfahrt. Lustige Einlagen boten dann immer wieder die Schauspieler auf beiden Seiten: Ronaldo, der sich vor Schmerzen auf dem Boden wälzt, während die Zeitlupe zeigt, dass er nicht einmal getroffen wurde, oder Ballack, der glaubhaft Schmerzen im Gesicht simuliert, nachdem ihn jemand an Hals und Schulter geschubst hatte.
Hinterher saßen wir lang zusammen, tranken Bier und erzählten uns Chuck-Norris-Witze. Man kann Abende auch klüger verbringen, aber sehr lustig war's – während überall das Hupen der Feiernden zu hören waren ...
Irgendwann heute nacht fuhren wir nach Hause; unterwegs dann eine unheimliche Begegnung: Ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht raste die Molktestraße hinauf und bog auf das Gelände der Gefangenensammelstelle ab – dort werden eigentlich nach Fußballspielen irgendwelche Unruhestifter »untergebracht«. Wie man am nächsten Tag auf der Homepage von KA-News lesen konnte, hatte es prompt noch einige Hauereien in der Nacht gegeben ... Deppen.
19 Juni 2008
Erinnerungen an Sevilla
Und wenn wir schon mal bei Fußball-Erinnerungen sind: Ich werd's wohl auch nie vergessen, wie ich im Juli 1982 im »Café Müller« in Freudenstadt saß, damals bei uns als »Café Syph« durchaus eingeführt (und von mir so auch »literarisch verewigt« in meinem Roman »Vielen Dank Peter Pank«), und die Weltmeisterschaft 1982 anschaute.
Die eine Hälfte des Publikums bestand aus Jugoslawen, viele von ihnen »gestandene Männer«, die andere Hälfte bestand aus einer Mischung jugendlicher und nicht mehr ganz so junger Trunkenbolde deutscher Nation. Den Begriff »Public Viewing« gab's noch nicht, und wir hatten auch nur einen Fernseher, auf den drei bis vier Dutzend Männer stierten, aber es gab Schnaps und Bier, und nach jedem Spiel war ich hackeblau.
Das Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Frankreich war eines der spannendsten Spiele, das ich jemals gesehen habe. Ich erinnere mich weniger an die spielerischen Details, weiß nur noch, welche Stimmung herrschte, daß wir tatsächlich »Rummenigge!« brüllten und fast ausflippten.
Das Spiel ging in die Verlängerung, und dann kam das monströse Elfmeterschießen, bei dem ich mir nicht nur die Fingernägel, sondern gleich die ganzen Fingerkuppen abnagen wollte. Unglaublich!, was für ein Spiel.
Und dann natürlich die unglaubliche Begegnung zwischen Toni Schumacher, dem deutschen Torwart, und dem französischen Stürmer Battiston. Es krachte und knallte, und Toni Schumacher, der alles andere als ein Feingeist war, semmelte den Franzosen richtig eine rein. Das war nicht fair, aber konsequent ... und später hielt Schumacher die Elfmeter-Schüsse der Franzosen zurück.
Hey, und Horst Hrubesch schoss das entscheidende Tor. Nach ihm benannte sich in den 90er Jahren die Krachpunkband Hrubesch Youth aus Hamburg ...
Die eine Hälfte des Publikums bestand aus Jugoslawen, viele von ihnen »gestandene Männer«, die andere Hälfte bestand aus einer Mischung jugendlicher und nicht mehr ganz so junger Trunkenbolde deutscher Nation. Den Begriff »Public Viewing« gab's noch nicht, und wir hatten auch nur einen Fernseher, auf den drei bis vier Dutzend Männer stierten, aber es gab Schnaps und Bier, und nach jedem Spiel war ich hackeblau.
Das Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Frankreich war eines der spannendsten Spiele, das ich jemals gesehen habe. Ich erinnere mich weniger an die spielerischen Details, weiß nur noch, welche Stimmung herrschte, daß wir tatsächlich »Rummenigge!« brüllten und fast ausflippten.
Das Spiel ging in die Verlängerung, und dann kam das monströse Elfmeterschießen, bei dem ich mir nicht nur die Fingernägel, sondern gleich die ganzen Fingerkuppen abnagen wollte. Unglaublich!, was für ein Spiel.
Und dann natürlich die unglaubliche Begegnung zwischen Toni Schumacher, dem deutschen Torwart, und dem französischen Stürmer Battiston. Es krachte und knallte, und Toni Schumacher, der alles andere als ein Feingeist war, semmelte den Franzosen richtig eine rein. Das war nicht fair, aber konsequent ... und später hielt Schumacher die Elfmeter-Schüsse der Franzosen zurück.
Hey, und Horst Hrubesch schoss das entscheidende Tor. Nach ihm benannte sich in den 90er Jahren die Krachpunkband Hrubesch Youth aus Hamburg ...
18 Juni 2008
Erinnerung an die Wasserschlacht
Während sich halb Deutschland geistig-moralisch auf das Spiel gegen Portugal vorbereitet, kommen mir allerlei Erinnerungen in den Sinn: Fußballfan im eigentlichen Sinn war ich nie, aber Fußball geguckt habe ich immer wieder mal. Und das erste Turnier, das ich mitbekam, war 1974 die Weltmeisterschaft in Deutschland.
Seltsamerweise erinnere ich mich nicht an das Endspiel gegen Holland, das von Beckenbauer, Müller und Co gewonnen wurde. Ich erinnere mich auch nicht mehr an das legendäre »Deutschland gegen die DDR« (ja, so hieß das damals!), das ausgerechnet die DDR gewann.
Nein, ich erinnere mich an die »Wasserschlacht von Frankfurt«: Deutschland spielte gegen Polen, es regnete ununterbrochen, und ich saß bei den Nachbarn, wartete darauf, daß das Spiel anfing, während wir Cola tranken – damals ein absolutes Luxusgetränk – und Schokolade futterten. Manche Szenen des Spiels haben sich mir wirklich eingebrannt.
Berti Vogts beispielsweise, der durch knöcheltiefes Wasser rennt und schliddert, der hinterher wirklich aussah, wie ein klatschnasser Terrier-Köter. Der polnische Torwart sowie der deutsche Kollege, die sich die Bälle direkt zuspielten: Maier schießt über das ganze Feld, der polnische Torwart fängt, dann schießt er über das ganze Feld, und Maier fällt – unglaubliche Szenen!
Ob ich solche Szenen bei dieser EM sehen werde, bezweifle ich. Gegen die Macht der konservativen Jugend-Erinnerung könnten sie ohnehin nie ankämpfen ...
Seltsamerweise erinnere ich mich nicht an das Endspiel gegen Holland, das von Beckenbauer, Müller und Co gewonnen wurde. Ich erinnere mich auch nicht mehr an das legendäre »Deutschland gegen die DDR« (ja, so hieß das damals!), das ausgerechnet die DDR gewann.
Nein, ich erinnere mich an die »Wasserschlacht von Frankfurt«: Deutschland spielte gegen Polen, es regnete ununterbrochen, und ich saß bei den Nachbarn, wartete darauf, daß das Spiel anfing, während wir Cola tranken – damals ein absolutes Luxusgetränk – und Schokolade futterten. Manche Szenen des Spiels haben sich mir wirklich eingebrannt.
Berti Vogts beispielsweise, der durch knöcheltiefes Wasser rennt und schliddert, der hinterher wirklich aussah, wie ein klatschnasser Terrier-Köter. Der polnische Torwart sowie der deutsche Kollege, die sich die Bälle direkt zuspielten: Maier schießt über das ganze Feld, der polnische Torwart fängt, dann schießt er über das ganze Feld, und Maier fällt – unglaubliche Szenen!
Ob ich solche Szenen bei dieser EM sehen werde, bezweifle ich. Gegen die Macht der konservativen Jugend-Erinnerung könnten sie ohnehin nie ankämpfen ...
17 Juni 2008
Narrische Fans
Es war ein lustiger Abend im »Fünf«, das montags normalerweise geschlossen hat: Bier floß trotzdem, und es gab Pizza-Stücke zu sehr moderaten Preisen, die lecker schmeckten. Also paßte alles zum perfekten Fußball-Abend.
Ein mir persönlich bekannter Fußballfan, der den deutschen Spieler Odonkor nicht leiden kann, hatte extra Aufkleber mit dem Motto »NOdonkor« angefertigt, die er fleißig verteilte. Im Verlauf des Abends wechselte er zu »Dummes Gommes«-Beschimpfungen über, und ich befürchtete schon, er bekäme einen Herzinfarkt vor dem Bildschirm. Aber es ging alles gut.
Über das Spiel muß ich nicht viele Worte verlieren; die meisten dürften das erbärmliche Gekicke mitgekriegt haben. Immerhin gab's einen großartigen Freistoß mit eindeutigem Ergebnis; das tröstete.
Ansonsten herrschte gute Stimmung zwischen Leinwand und Theke. Man kann auch aus schwachen Spielen einen gelungenen Abend basteln ...
Ein mir persönlich bekannter Fußballfan, der den deutschen Spieler Odonkor nicht leiden kann, hatte extra Aufkleber mit dem Motto »NOdonkor« angefertigt, die er fleißig verteilte. Im Verlauf des Abends wechselte er zu »Dummes Gommes«-Beschimpfungen über, und ich befürchtete schon, er bekäme einen Herzinfarkt vor dem Bildschirm. Aber es ging alles gut.
Über das Spiel muß ich nicht viele Worte verlieren; die meisten dürften das erbärmliche Gekicke mitgekriegt haben. Immerhin gab's einen großartigen Freistoß mit eindeutigem Ergebnis; das tröstete.
Ansonsten herrschte gute Stimmung zwischen Leinwand und Theke. Man kann auch aus schwachen Spielen einen gelungenen Abend basteln ...
16 Juni 2008
Türkenkorso in der Innenstadt
Was für ein Spiel, was für Emotionen! Eigentlich hatte es mich gar nicht interessiert, wer beim Duell zwischen der Türkei und der Tschechischen Republik gewinnt – ein so schlimmer Fußballintereressierter bin ich nicht.
Dann aber packte mich das Spiel beim gemeinsamen Gucken im »Fünf«; ich drückte immer stärker die Daumen für die Türken, die das Tor der Tschechen buchstäblich ununterbrochen berannten. Ohne den tschechischen Torwart, der mit seinem seltsamen »Helm« komisch aussah, hätte es schon früher Tore gehagelt, da war ich mir sicher.
Und dann aber »zack-zack-zack«, es stand drei zu zwei, und auf der Straße ging das Hupkonzert los. Mit dem Rad strampelte ich durch den Nieselregen, um mir auf der Kaiserstraße das denkwürdige Schauspiel feiernder Türken und einer völlig überforderten Polizei zu geben. Sehr lustig!
Ein Fahnenmeer, ein Hupkonzert, dazwischen Polizisten in Regenjacken, die verzweifelt versuchten, einen Anschein von Ordnung an der Straßen- und Bahnkreuzung am Mühlburger Tor aufrecht zu erhalten. Grinsend fuhr ich an den Feiernden entlang, bis ich – ohne Regenjacke unterwegs – die Feuchtigkeit langsam auf der Haut spürte.
Dann aber packte mich das Spiel beim gemeinsamen Gucken im »Fünf«; ich drückte immer stärker die Daumen für die Türken, die das Tor der Tschechen buchstäblich ununterbrochen berannten. Ohne den tschechischen Torwart, der mit seinem seltsamen »Helm« komisch aussah, hätte es schon früher Tore gehagelt, da war ich mir sicher.
Und dann aber »zack-zack-zack«, es stand drei zu zwei, und auf der Straße ging das Hupkonzert los. Mit dem Rad strampelte ich durch den Nieselregen, um mir auf der Kaiserstraße das denkwürdige Schauspiel feiernder Türken und einer völlig überforderten Polizei zu geben. Sehr lustig!
Ein Fahnenmeer, ein Hupkonzert, dazwischen Polizisten in Regenjacken, die verzweifelt versuchten, einen Anschein von Ordnung an der Straßen- und Bahnkreuzung am Mühlburger Tor aufrecht zu erhalten. Grinsend fuhr ich an den Feiernden entlang, bis ich – ohne Regenjacke unterwegs – die Feuchtigkeit langsam auf der Haut spürte.
15 Juni 2008
Heiser im Fasanenhof
Das DIY-Festival im Stuttgarter Stadtteil Fasanenhof sah bei meinem Eintreffen aus wie ein Schlachtfeld: Autos und Zelte säumten den Weg zum Jugendhaus, überall sah ich Punks (meist eher aus der Crust-Ecke), Bierflaschen und allerlei Krimskrams; alles in allem eine ziemlich chaotische Angelegenheit.
Kein Wunder: Das Festival hatte bereits am Donnerstag, 12. Juni, begonnen, und als ich am Sonntag, 15. Juni 2008, eintraf, erholten sich die Anwesenden noch von den Strapazen. »Zwei Dutzend Bands in vier Tagen«, stöhnte eine Bekannte, »und meist halt Geratter.« In der Tat gehörte ein großer Teil der Bands zur heftig-bollernden Punk-Gangart.
Ich sollte eine Lesung halten, was ich ja eigentlich ganz lustig fand. Und als ich eintraf, stolperte ich gleich über drei junge Leute, die den Ort der Lesung suchten. Gemeinsam suchten wir ein wenig herum, stellten fest, daß ein ziemliches Durcheinander herrschte und daß in dem Raum, wo ich eigentlich laut Aussage einer Frau hätte lesen sollen, noch Leute schliefen.
Kurzerhand schleppten eine junge Frau, die eigentlich hinter der Theke genügend Arbeit hatte, und ich einige Bierbänke und einen Tisch in den Garten, wo ich einen improvisierten Lesungs-Bereich aufbaute. Dummerweise stand der in der Nähe des Buffet-Zeltes, wo es Frühstück und Kaffee gab und natürlich viele Leute, die sich dort aufhielten; man kann als Vorlesender schlecht anderen Menschen verbieten, sich zu unterhalten ...
Unverdrossen begann ich mit einer Verspätung von etwa einer Dreiviertelstunde mit meiner Lesung; zwischen sieben und zehn Leute hörten zu, auf der hinteren Bierbank wechselten sich gelegentlich die Besucher ab. Ich hatte nach Anblick der erschöpften Party-Meute schlimmeres erwartet.
Ich gab zwei Texte zum besten, mehr ging nicht: Nach einiger Zeit mußte ich nämlich gegen die Band anschreien, die mittlerweile ihren Nachmittagsauftritt begonnen hatte. Dabei hörten sich The High Society gar nicht schlecht an; es irritiert halt mächtig, wenn man sich auf Texte konzentrieren muß und im Hintergrund Punkrock rumpoltert.
Danach noch allgemeines Gelaber unter freiem Himmel; ich tauschte Singles gegen ENPUNKT-Hefte, trank Apfelschorle, schaute den Leuten beim Aufräumen zu und hatte hinterher vier Leute im Auto, die ich ein Stückweit mitnahm.
Ich sollte es künftig wieder bleiben lassen, im Rahmen von Festivals aufzutreten ... das scheint stets schiefzugehen.
Kein Wunder: Das Festival hatte bereits am Donnerstag, 12. Juni, begonnen, und als ich am Sonntag, 15. Juni 2008, eintraf, erholten sich die Anwesenden noch von den Strapazen. »Zwei Dutzend Bands in vier Tagen«, stöhnte eine Bekannte, »und meist halt Geratter.« In der Tat gehörte ein großer Teil der Bands zur heftig-bollernden Punk-Gangart.
Ich sollte eine Lesung halten, was ich ja eigentlich ganz lustig fand. Und als ich eintraf, stolperte ich gleich über drei junge Leute, die den Ort der Lesung suchten. Gemeinsam suchten wir ein wenig herum, stellten fest, daß ein ziemliches Durcheinander herrschte und daß in dem Raum, wo ich eigentlich laut Aussage einer Frau hätte lesen sollen, noch Leute schliefen.
Kurzerhand schleppten eine junge Frau, die eigentlich hinter der Theke genügend Arbeit hatte, und ich einige Bierbänke und einen Tisch in den Garten, wo ich einen improvisierten Lesungs-Bereich aufbaute. Dummerweise stand der in der Nähe des Buffet-Zeltes, wo es Frühstück und Kaffee gab und natürlich viele Leute, die sich dort aufhielten; man kann als Vorlesender schlecht anderen Menschen verbieten, sich zu unterhalten ...
Unverdrossen begann ich mit einer Verspätung von etwa einer Dreiviertelstunde mit meiner Lesung; zwischen sieben und zehn Leute hörten zu, auf der hinteren Bierbank wechselten sich gelegentlich die Besucher ab. Ich hatte nach Anblick der erschöpften Party-Meute schlimmeres erwartet.
Ich gab zwei Texte zum besten, mehr ging nicht: Nach einiger Zeit mußte ich nämlich gegen die Band anschreien, die mittlerweile ihren Nachmittagsauftritt begonnen hatte. Dabei hörten sich The High Society gar nicht schlecht an; es irritiert halt mächtig, wenn man sich auf Texte konzentrieren muß und im Hintergrund Punkrock rumpoltert.
Danach noch allgemeines Gelaber unter freiem Himmel; ich tauschte Singles gegen ENPUNKT-Hefte, trank Apfelschorle, schaute den Leuten beim Aufräumen zu und hatte hinterher vier Leute im Auto, die ich ein Stückweit mitnahm.
Ich sollte es künftig wieder bleiben lassen, im Rahmen von Festivals aufzutreten ... das scheint stets schiefzugehen.
14 Juni 2008
Peter Pank in Ludwigshafen

Die aktuelle Ausgabe des OX ist auf dem Markt. Gibt's per Abo direkt auf der Homepage des Fanzines, gibt's per Einzelheftbestellung sowieso bei verschiedenen Mailordern und liegt vor allem in vielen Bahnhofsbuchhandlungen aus. Finde ich ja immer noch gut und schmeichelhaft.
In der Ausgabe 78, die ein richtiggehend altmodisches Bild - hey, in schwarzweiß! - ziert, das Mudhoney zeigt (boah, zwanzig Jahre ist das jetzt her ...), ist die mittlerweile vierzehnte Fortsetzung meines dritten PETER PANK-Romans »Und: Hardcore!« enthalten.
Auch in dieser Folge weilt Peter Meißner alias Peter Pank noch auf dem Punk- und Hardcore-Festival in Ludwigshafen; man schreibt den Januar 1987. WALTER ELF spielen, EMPIRES & BUILDINGS, dazu DEAD END, und es kommt zu verschiedenen Begegnungen mit anderen Punks, die teilweise für den weiteren Verlauf des Romans wichtig werden.
Keine Ahnung, wen's interessiert, aber: Dieser PETER PANK-Roman ist ausnahmsweise »durchkomponiert« insofern, daß ich ziemlich genau weiß, was ich wie in der Handlung plazieren werde. Allerdings ist jetzt schon sicher, daß wieder einiges anders kommt als geplant.
Sei's drum. Bis 2010 oder so dann das fertige Buch erscheint, dauert es ja auch noch einige Zeit ...
13 Juni 2008
Thee Flanders mit DVD und CD
Rein musikalisch finde ich Psychobilly eigentlich ganz okay; das rotzt und rockt und rollt normalerweise ganz schön. Eine Nähe zum Punkrock läßt sich nicht abstreiten. Textlich ist mir das ganze meist zu einfältig; immer die gleichen Lieder über Leichenschänden, Vampire und Monster – das ist mir zu doof.
Das alles trifft auf Thee Flanders aus dem Osten dieser Republik zu. Musikalisch weiß die Band durchaus zu überzeugen, auch das Design der Tonträger ist schick – auf Dauer ist mir die Mischung aber zu langweilig.
Ihre CD »Graverobbing« bringt vor allem Cover-Versionen der unterschiedlichsten Art. Blondie und die Meteors, die Misfits und Elvis Presley – Hits dieser Bands und Künstler schlicht auf Billy-Art. Das ist manchmal sogar richtig lustig.
Cool ist die Beilage: Es gibt eine komplette DVD mit Video-Clips, Konzertmitschnitten und anderem Kram. Wer auf die Band steht, wird von dem Label auf jeden Fall kompetent bedient. Muß ja auch nicht alles mir gefallen ...
Das alles trifft auf Thee Flanders aus dem Osten dieser Republik zu. Musikalisch weiß die Band durchaus zu überzeugen, auch das Design der Tonträger ist schick – auf Dauer ist mir die Mischung aber zu langweilig.
Ihre CD »Graverobbing« bringt vor allem Cover-Versionen der unterschiedlichsten Art. Blondie und die Meteors, die Misfits und Elvis Presley – Hits dieser Bands und Künstler schlicht auf Billy-Art. Das ist manchmal sogar richtig lustig.
Cool ist die Beilage: Es gibt eine komplette DVD mit Video-Clips, Konzertmitschnitten und anderem Kram. Wer auf die Band steht, wird von dem Label auf jeden Fall kompetent bedient. Muß ja auch nicht alles mir gefallen ...
12 Juni 2008
Eine Woche Pause
Bin wieder da. Eine Woche ohne Internet-Zugang kann auch ganz schön erholsam sein. Viel geschlafen habe ich ebenfalls; das soll ja ebenso erholsam sein.
Eine Woche lang waren wir in Portugal, an der Algarve. So richtig fauler Tourismus: Hotel am Strand, schlafen, lesen, essen, im Wasser planschen.
Und ab heute überrollt mich wieder die Realität im Büro ...
Eine Woche lang waren wir in Portugal, an der Algarve. So richtig fauler Tourismus: Hotel am Strand, schlafen, lesen, essen, im Wasser planschen.
Und ab heute überrollt mich wieder die Realität im Büro ...
03 Juni 2008
Skapunk aus Baden und Spanien
Die Vermengung von Punkrock und Ska, seit den frühen 90er Jahren ein richtig »großes Ding« geworden, gefällt mir nach wie vor sehr gut. Skapunk ist meist unterhaltsam, läßt sich gut beim Autofahren hören und verlockt – wenn gut gespielt – zum Tanzen, sogar faule Säcke wie mich. Vor allem live funktioniert dieser Sound fast immer.
No Authority aus der badischen Region, rund 60 Kilometer von meinem Wohnort entfernt, sind schon richtig alte Hasen in diesem Geschäft. Die Band gibt's seit einem Dutzend Jahren, und mit »Don't Lose Heart« liegt auch schon die vierte CD vor. 13 Stücke, die auf jeden Fall gut durchlaufen.
Es bleibt nicht unbedingt was hängen; die Band spielt ihren Skapunk absolut kompetent, das stimmt schon. Punk ist hier – so wirkt es – rein auf die Musik bezogen, da kratzt nichts, da wirkt nichts rebellisch. Das ganze klingt sauber produziert, glatt und poppig; früher hätte ich die Band als »Oberschüler-Combo« beschimpft, ohne sie jemals gesehen zu haben.
Im Prinzip machen No Authority eben MelodyCore mit Trompeten – das will im Jahr 2008 natürlich niemand mal hören. Aber unterm Strich ist es eben einfach nett und unterhaltsam, in gewisser Weise massenkompatibel, fürs breite Volk aber nicht kommerziell genug.
Der Sänger der spanischen Band, die als nächstes im CD-Player rotiert, hat bei Ska-P wohl schon einige Erfahrungen gesammelt, aber The Locos aus Spanien überzeugen auch ohne die berühmte Vorgänger-Band: Auf der zweiten CD mit Titel »Energia Inagotable« ballern die Jungs insgesamt elf Stücke raus, die zwar auch »nur« Ska-Punk spielen, das aber richtig energisch und knallig.
Klar sind die Bläsersätze passend, der Gesang wird immer wieder durch Chöre unterstützt und ist sehr hymnisch. Das ganze kommt nie schlaff oder langweilig rüber, sondern hier glaubt man wirklich rebellische Wut zu verspüren.
Von der Band hatte ich zuvor noch nichts gehört. Schaut man sich die Videos auf der Homepage an, scheint bei denen live die Bude zu brennen. Ich glaub', die merk' ich mir mal ...
(Übrigens: Beide CDs sind beim selben Label rausgekommen.)
No Authority aus der badischen Region, rund 60 Kilometer von meinem Wohnort entfernt, sind schon richtig alte Hasen in diesem Geschäft. Die Band gibt's seit einem Dutzend Jahren, und mit »Don't Lose Heart« liegt auch schon die vierte CD vor. 13 Stücke, die auf jeden Fall gut durchlaufen.
Es bleibt nicht unbedingt was hängen; die Band spielt ihren Skapunk absolut kompetent, das stimmt schon. Punk ist hier – so wirkt es – rein auf die Musik bezogen, da kratzt nichts, da wirkt nichts rebellisch. Das ganze klingt sauber produziert, glatt und poppig; früher hätte ich die Band als »Oberschüler-Combo« beschimpft, ohne sie jemals gesehen zu haben.
Im Prinzip machen No Authority eben MelodyCore mit Trompeten – das will im Jahr 2008 natürlich niemand mal hören. Aber unterm Strich ist es eben einfach nett und unterhaltsam, in gewisser Weise massenkompatibel, fürs breite Volk aber nicht kommerziell genug.
Der Sänger der spanischen Band, die als nächstes im CD-Player rotiert, hat bei Ska-P wohl schon einige Erfahrungen gesammelt, aber The Locos aus Spanien überzeugen auch ohne die berühmte Vorgänger-Band: Auf der zweiten CD mit Titel »Energia Inagotable« ballern die Jungs insgesamt elf Stücke raus, die zwar auch »nur« Ska-Punk spielen, das aber richtig energisch und knallig.
Klar sind die Bläsersätze passend, der Gesang wird immer wieder durch Chöre unterstützt und ist sehr hymnisch. Das ganze kommt nie schlaff oder langweilig rüber, sondern hier glaubt man wirklich rebellische Wut zu verspüren.
Von der Band hatte ich zuvor noch nichts gehört. Schaut man sich die Videos auf der Homepage an, scheint bei denen live die Bude zu brennen. Ich glaub', die merk' ich mir mal ...
(Übrigens: Beide CDs sind beim selben Label rausgekommen.)
Die BILD und die Linken
Dem Internet sei dank: Ich kann mehr oder weniger BILD-Zeitung lesen und mich am unglaublichen Verdrehen von Wahrheit berauschen, ohne dafür Geld auszugeben. (Im übrigen habe ich einmal in meinem Leben nur eine BILD-Zeitung gekauft: bei den Chaostagen in Hannover, weil da Schwick auf der Titelseite war und ich wissen wollte, was der »Feind« über den »Punker-Terror« schrieb.)
Man muß Oskar Lafontaine nicht mögen; ich finde die Linkspartei und ihr Personal größtenteils auch ekelhaft. Die Art und Weise, wie sich BILD und CDU und SPD und die Westerwelle-Bande gegen die Linkspartei formieren, ist allerdings noch ekelhafter. Da müßte ich ja glatt aus reiner Sympathie mit dem getretenen Underdog die Linkspartei wählen. Aber so weit kommt's nicht.
Schaue ich mir aber die aktuelle »Post von Wagner« an, wird mir schlecht: »Sie, Lafontaine, sind so teuflisch«, schreibt der Mann allen Ernstes. Weil Lafontaine den Armen das Himmelreich verspreche und so ...
Großartig: Da stimmt endlich mal ein Politiker nicht mehr in das Loblied ein, daß es gut für Land und Leute sei, wenn die Reichen immer reicher werden, und prompt ist er »teuflisch«. So tickt BILD, und das finde ich schon wieder mal sehr lustig.
Geht aber weiter: Weil in der Talkshow »Anne Will« (nie gesehen ...) ein Auftritt von Lafontaine angeblich zum »Skandal« geworden war, drehen jetzt einige am Rad: Lafontaine habe gewagt, die Kanzlerin zu beleidigen.
Ich bin begeistert, wer sich jetzt alles aus der Deckung wagt: Politiker von der rechten Seite, die einfach mal ihre Arbeit tun sollte, toben jetzt. »Demagogie« schreien die einen, »Ablösung« fordern die anderen. Ausgerechnet Friedberg Pflüger ... Mannomann, daß solche Leute überhaupt noch von irgendjemand ernst genommen werden.
Aber mal ganz ernsthaft: Die Angst bei den Konservativen vor der Linkspartei muß ja echt groß sein. Anders wäre das Trara nicht zu erklären.
Man muß Oskar Lafontaine nicht mögen; ich finde die Linkspartei und ihr Personal größtenteils auch ekelhaft. Die Art und Weise, wie sich BILD und CDU und SPD und die Westerwelle-Bande gegen die Linkspartei formieren, ist allerdings noch ekelhafter. Da müßte ich ja glatt aus reiner Sympathie mit dem getretenen Underdog die Linkspartei wählen. Aber so weit kommt's nicht.
Schaue ich mir aber die aktuelle »Post von Wagner« an, wird mir schlecht: »Sie, Lafontaine, sind so teuflisch«, schreibt der Mann allen Ernstes. Weil Lafontaine den Armen das Himmelreich verspreche und so ...
Großartig: Da stimmt endlich mal ein Politiker nicht mehr in das Loblied ein, daß es gut für Land und Leute sei, wenn die Reichen immer reicher werden, und prompt ist er »teuflisch«. So tickt BILD, und das finde ich schon wieder mal sehr lustig.
Geht aber weiter: Weil in der Talkshow »Anne Will« (nie gesehen ...) ein Auftritt von Lafontaine angeblich zum »Skandal« geworden war, drehen jetzt einige am Rad: Lafontaine habe gewagt, die Kanzlerin zu beleidigen.
Ich bin begeistert, wer sich jetzt alles aus der Deckung wagt: Politiker von der rechten Seite, die einfach mal ihre Arbeit tun sollte, toben jetzt. »Demagogie« schreien die einen, »Ablösung« fordern die anderen. Ausgerechnet Friedberg Pflüger ... Mannomann, daß solche Leute überhaupt noch von irgendjemand ernst genommen werden.
Aber mal ganz ernsthaft: Die Angst bei den Konservativen vor der Linkspartei muß ja echt groß sein. Anders wäre das Trara nicht zu erklären.
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