
Helmut Kohl stand für alles, was junge Leute »damals« beschissen fanden: Er war dröge und spießig, seine Politik half den Reichen und bewegte zu wenig, sein gesamter Stil war grausig. Dass er in den Jahren 1989 und 1990 so schlau war, die sogenannte Wiedervereinigung einzufädeln oder sich zumindest an den aktuellen Entwicklungen zu bedienen, hätte niemand erwartet.
Seine historischen Verdienste sind unteilbar. Als in den späten 90er-Jahren eine instinktlose SPD-Grünen-Regierung dem sogenannten Kosovo-Einsatz zustimmte, wünschte ich mir fast Kohl zurück. Der Mann hätte aus historischen Gründen nicht zugelassen, dass nach Reichswehr im Ersten Weltkrieg und Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg jetzt auch noch die Bundeswehr eine Krieg gegen Jugoslawien oder eben Serbien führen würde.
In den vergangenen Jahren war mir Helmut Kohl gleichgültig. Sein Tod in diesen Tagen ließ mich seltsam kalt, der ehemals so bedeutende Politiker war nicht mehr wichtig – weder für mich noch für dieses Land. Dass man ihn jetzt allenthalben betrauert und ehren will, ist das übliche Spiel. Auch das lässt mich irgendwie kalt.
Über Tote soll man nichts Böses sagen. Helmut Kohl war groß. Er war so groß, dass ihn Millionen von jungen Leuten hassten und ablehnten und dass diese Ablehnung einen Teil ihres Lebens prägte. Das muss erst einmal jemand nachmachen.
1 Kommentar:
In meinem Blog erzähle ich meine ganz persönliche Erinnerung an Helmut Kohl. Die kleine Geschichte interessiert dich vielleicht.
http://www.christina-hacker.de/2017/06/die-geschichte-vom-kanzlercafe/
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