Ich hatte mir ein tolles Wetter fuer die Zwischenlandung in Detroit ausgesucht: Es goss in Stroemen, der Flieger ruckelte sich durch die Wolken, und als er aufsetzte, sah man vom Flughafen kaum etwas, weil alles voller Wasserdampf war.
Zeit zum Sinnieren hatte ich nicht: Die insgesamt 100 Minuten, die ich fuer das Umsteigen hatte, brauchte ich komplett fuer die Kontrollen. Fingerabdruecke und Fotos, Befragungen gleich zweimal von verschiedenen Beamten, dann durfte ich endlich nach Amerika rein. Na, da war ich aber erleichtert!
Toll war die Tatsache, dass ich meinen Koffer vom Gepaeckband holen und dann wieder neu aufgeben musste. Die Dame an der Kontrolle wollte, dass ich mein Schloss aufmache und den Koffer unverschlossen aufgebe. Auf meine Frage, warum, sagte sie: "Dann muessen ihn die Beamten nicht aufbrechen." Na klasse. Also gab ich meinen Koffer unverschlossen auf.
Zu Detroit nur noch so viel: Die Bahn, die durch die Flughafenanlage faehrt, hat echt was. Vielleicht ein andermal ...
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
16 November 2005
Rassistischer Reflex
Schon seltsam, wie man reagiert: Am Flughafen in Frankfurt war eine Gruppe muslimischer Menschen dabei, offensichtlich zwei Familien, die nichts miteinander zu tun hatten. Verschleierte Frauen, Maenner mit Vollbart.
Irritiert guckte ich hin. Sofort hatte ich die Vision von Terror-Anschlaegen im Kopf. Und schaemte mich sofort dafuer. Trotzdem ging der Gedanke nicht aus der Birne: Was, wenn das jetzt irgendwelche Terroristen sind?
Schon hart, wohin einen diese dauernde Terror-Panik treibt ...
Irritiert guckte ich hin. Sofort hatte ich die Vision von Terror-Anschlaegen im Kopf. Und schaemte mich sofort dafuer. Trotzdem ging der Gedanke nicht aus der Birne: Was, wenn das jetzt irgendwelche Terroristen sind?
Schon hart, wohin einen diese dauernde Terror-Panik treibt ...
14 November 2005
Ein Drama in zehn Schritten
Erstens: Wir wohnen in einer extrem gut bürgerlichen Gegend, allerdings im einzigen häßlichen Wohnblock des Viertels.
Zweitens: Viele Passanten benutzen den Hof unseres Wohnhauses als Abkürzung, um nicht den Weg über die Straße zu gehen.
Drittens: Unsere Haustür ist selbstschließend, sie braucht aber gut zwanzig Sekunden, bis sie hinter einem ins Schloß fällt.
Viertens: Es ist also nicht klug, wenn eine Dame aus unserem Haus eine Frau anschnauzt, nur weil diese durch den Hof geht. Das könnte Reaktionen nach sich ziehen.
Fünftens: Ich mag hier keinen Zusammenhang herstellen, aber es sieht ganz so aus, als habe sich die betreffende Angeschnauzte gerächt. Die Haustür steht schließlich oft genug lange genug offen.
Sechstens: Irgend jemand ist ins Haus geschlüpft, durch die Haustür, hat sich offensichtlich in die Hocke niedergelassen und in die Ecke gepinkelt – zwischen Haustür und Treppe.
Siebtens: Bei einem Mann hätte es an der Wand hochgespritzt, also mußte es eine Frau gewesen sein.
Achtens: Es geschah offensichtlich kurz nach diesem Anschiß vom Balkon aus.
Neuntens: Es roch unangenehm, und alle fanden den See aus Urin im Treppenhaus wenig lustig.
Zehntens: Das Fazit also: Wer Frauen anscheißt, erntet Pisse im Flur.
Zweitens: Viele Passanten benutzen den Hof unseres Wohnhauses als Abkürzung, um nicht den Weg über die Straße zu gehen.
Drittens: Unsere Haustür ist selbstschließend, sie braucht aber gut zwanzig Sekunden, bis sie hinter einem ins Schloß fällt.
Viertens: Es ist also nicht klug, wenn eine Dame aus unserem Haus eine Frau anschnauzt, nur weil diese durch den Hof geht. Das könnte Reaktionen nach sich ziehen.
Fünftens: Ich mag hier keinen Zusammenhang herstellen, aber es sieht ganz so aus, als habe sich die betreffende Angeschnauzte gerächt. Die Haustür steht schließlich oft genug lange genug offen.
Sechstens: Irgend jemand ist ins Haus geschlüpft, durch die Haustür, hat sich offensichtlich in die Hocke niedergelassen und in die Ecke gepinkelt – zwischen Haustür und Treppe.
Siebtens: Bei einem Mann hätte es an der Wand hochgespritzt, also mußte es eine Frau gewesen sein.
Achtens: Es geschah offensichtlich kurz nach diesem Anschiß vom Balkon aus.
Neuntens: Es roch unangenehm, und alle fanden den See aus Urin im Treppenhaus wenig lustig.
Zehntens: Das Fazit also: Wer Frauen anscheißt, erntet Pisse im Flur.
11 November 2005
Grausiger Grusel-Spaß

So ziemlich das schlechteste und das lustigste Buch zugleich in diesem Jahr: der erste Band der TONY BALLARD-Buchreihe, der im Zaubermond-Verlag erschienen ist. Das Ding trägt den genialen Titel »Die Hölle vergibt nie« und wurde von dem pseudonymen Autor A.F. Morland verfasst.
Bevor jetzt jemand erklären mag, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt: Das weiß ich wohl, in meinem Büro im Verlag befinden sich diverse Schriftwechsel und Verträge. Aber das eine versuche ich vom anderen zu trennen – und dieses Buch ist einfach gnadenlos schlecht. »Die Hölle vergibt nie« ist nicht gruselig, und es ist kein echter Horror, obwohl es mit den Mitteln der Horror-Literatur arbeitet: Teufel und Verwünschungen, die Hölle und fürchterliche Tode.
Aufgrund des sehr schlichten Stils und des gänzlichen Verzichts auf anschauliche Beschreibungen rast die Handlung im Schweinsgalopp durch die gut 250 Seiten, ohne sich an einer weitergehenden Charakterisierung der Hauptpersonen aufzuhalten. Jedes Mittel, Spannung zu erzeugen oder dem Leser wirklich einen Schauer über den Rücken zu jagen, wird großmütig ignoriert – unglaublich!
Laut einem Interview, das sich auf der Homepage des Zaubermond-Verlags befindet, kam der Autor quasi im Garten zu seinem neuen Verlagsvertrag: »Ich war im Garten und schnitt die Koniferen, da klingelte mein Handy, und am andern Ende war ein Mann namens Dennis Ehrhardt vom Zaubermond-Verlag. Er wollte wissen, wie ich prinzipiell zu einer Fortsetzung von Tony Ballard stehe. Peter Thannisch, der Cheflektor nach Rainer Delfs bei Bastei, träumte ja schon seit Jahren von einer Fortsetzung seiner Lieblingsserie, schaffte es aber aus Gründen, die ich nicht kenne, nicht, die Sache auf den Weg zu bringen. Nun kam dieses Angebot von Zaubermond, und ich entschied mich, es anzunehmen.«
Stolz ist der Autor darauf, daß er sich an den grausigen Gruselromanen der siebziger Jahre orientiert: »Mal sehen, wie die neuen Romane ankommen. Da ich keine Jugendschutz-Indizierung zu befürchten habe, werde ich mal wieder so richtig schön hart durchgreifen.« Um's vorsichtig zu sagen: Ich hätte nichts gegen zünftigen Horror und eine Prise Brutalität – so aber liest das einfach nur peinlich.
Dieser Roman ist einfach Trash und unter diesem Gesichtspunkt sogar richtig lustig.
Morland, A.F.: Die Hölle vergibt nie
Originalausgabe
Hardcover / 252 Seiten
Zaubermond
Noch mal zum Frankreich-Chaos
Irgendwie finde ich das schon schrill: Da arbeite ich an einem Roman, der den Titel »Chaos en France« tragen wird, und in Frankreich tobt ein richtig fieses Chaos. Zumindest machen einem das die Medien jeden Tag vor. Wenn amerikanische Medien vom »Iraq in Europe« schreiben, ist das ganz schön bescheuert.
Interessant ist allerdings, wenn Medien über dieses Chaos berichten, die vom Chaos richtig Ahnung haben. In diesem Fall die Kollegen von der Pogo-Partei: »Höchste Zeit also für eine pogo-anarchistische Analyse der französischen Verhältnisse!« heißt es dort in einem aktuellen Statement.
Wie sehr oft auf der betreffenden Homepage, so ist auch dieser Artikel von bestechender Klarheit. Endlich mal eine Analyse ohne Gejammer, die einen klaren Standpunkt verkündet und diesen auch bis zu Ende denkt.
Ob man sich der Meinung anschließt, ist bitteschön jedermanns eigene Sache!
Interessant ist allerdings, wenn Medien über dieses Chaos berichten, die vom Chaos richtig Ahnung haben. In diesem Fall die Kollegen von der Pogo-Partei: »Höchste Zeit also für eine pogo-anarchistische Analyse der französischen Verhältnisse!« heißt es dort in einem aktuellen Statement.
Wie sehr oft auf der betreffenden Homepage, so ist auch dieser Artikel von bestechender Klarheit. Endlich mal eine Analyse ohne Gejammer, die einen klaren Standpunkt verkündet und diesen auch bis zu Ende denkt.
Ob man sich der Meinung anschließt, ist bitteschön jedermanns eigene Sache!
Idee und Ahnung
Nichtahnend stehe ich an diesem Freitag nachmittag, 11. November 2005, in der Volksbank-Filiale in Rastatt. Geld abholen für die Reise. Ich höre mit halbem Ohr hin, was die Kassiererin am Schalter nebenan so von sich gibt.
»Ich hab' da keine Idee«, sagte sie, und ich gehe fast in die Luft.
Ich hasse Synchronesisch! Ich hasse es, wenn die Leute so sprechen und so schreiben wie in schlecht synchronisierten Seifenopern aus den Vereinigten Staaten!
»No idea« heißt auf deutsch nicht »keine Idee«, sondern »keine Ahnung«. Aber da immer mehr Schwachköpfe dieses Dummdeutsch übernehmen, ist es ja nur eine Frage der Zeit, bis auch der Sprach-Duden diesen Unfug aufgreift.
Die Rückverdummung ist nicht aufzuhalten. Aber irgendwie habe ich mir Rückverdummung immer lustig vorgestellt, aber nicht mit einer geblümten Bluse, hochgesteckten dunkelblonden Haaren und einer griesgrämigen Miene unter der Brille mit Goldrand.
»Ich hab' da keine Idee«, sagte sie, und ich gehe fast in die Luft.
Ich hasse Synchronesisch! Ich hasse es, wenn die Leute so sprechen und so schreiben wie in schlecht synchronisierten Seifenopern aus den Vereinigten Staaten!
»No idea« heißt auf deutsch nicht »keine Idee«, sondern »keine Ahnung«. Aber da immer mehr Schwachköpfe dieses Dummdeutsch übernehmen, ist es ja nur eine Frage der Zeit, bis auch der Sprach-Duden diesen Unfug aufgreift.
Die Rückverdummung ist nicht aufzuhalten. Aber irgendwie habe ich mir Rückverdummung immer lustig vorgestellt, aber nicht mit einer geblümten Bluse, hochgesteckten dunkelblonden Haaren und einer griesgrämigen Miene unter der Brille mit Goldrand.
10 November 2005
Chaostage in Paris
»Laute Tage in Clichy« wäre auch ein schöner Titel, aber das versteht ja keiner. Nicht einmal ich so recht. Aber egal.
Seit Tagen geht es in Frankreich richtig ab. Sagen wir so: Die Randale-Stimmung scheint sich zu beruhigen, wenn ich den Medien glauben kann. Es brennen weniger Autos, es herrscht eine Ausgangssperre für Jugendliche, und es ist mehr Polizei präsent.
Das Mediengejaule in Deutschland nervt mörderisch. Mein Französisch ist zu schlecht, um französischen Medien folgen zu können. Da ist man ja echt auf Blogs angewiesen, um einen anderen Blickwinkel zum Geschehen zu erhalten.
Im Nullzeitgenerator steht unter dem Titel »c'est la guerre, chez vous aussi« ein wunderbarer Artikel – übrigens in deutscher Sprache, man möge sich nicht vom Titel abschrecken lassen. Unbedingt lesen.
Ich halte es ein wenig mit den Erfahrungen von 1995: Als in Hannover die Chaostage ihrem Ende zugingen und ich die letzte Nacht durch die Straßen fuhr und rannte, wurden die Straßenschlachten größtenteils nicht mehr von Punks geführt, sondern von ganz normalen Leuten, die Flasche aus den Fenstern auf die Polizisten warfen, von irgendwelchen Jugendlichen und so weiter – und seither habe ich gesagt, daß so etwas mal wieder kommen wird ...
Seit Tagen geht es in Frankreich richtig ab. Sagen wir so: Die Randale-Stimmung scheint sich zu beruhigen, wenn ich den Medien glauben kann. Es brennen weniger Autos, es herrscht eine Ausgangssperre für Jugendliche, und es ist mehr Polizei präsent.
Das Mediengejaule in Deutschland nervt mörderisch. Mein Französisch ist zu schlecht, um französischen Medien folgen zu können. Da ist man ja echt auf Blogs angewiesen, um einen anderen Blickwinkel zum Geschehen zu erhalten.
Im Nullzeitgenerator steht unter dem Titel »c'est la guerre, chez vous aussi« ein wunderbarer Artikel – übrigens in deutscher Sprache, man möge sich nicht vom Titel abschrecken lassen. Unbedingt lesen.
Ich halte es ein wenig mit den Erfahrungen von 1995: Als in Hannover die Chaostage ihrem Ende zugingen und ich die letzte Nacht durch die Straßen fuhr und rannte, wurden die Straßenschlachten größtenteils nicht mehr von Punks geführt, sondern von ganz normalen Leuten, die Flasche aus den Fenstern auf die Polizisten warfen, von irgendwelchen Jugendlichen und so weiter – und seither habe ich gesagt, daß so etwas mal wieder kommen wird ...
07 November 2005
Titus Müller und der 2319
Ein wichtiges Telefonat heute betraf den PERRY RHODAN-Roman 2319. Das ist ein sogenannter Gastroman, den Titus Müller für die Science-Fiction-Serie schreibt, für die ich als Redakteur tätig bin.
Titus wurde vor allem als Autor historischer Romane bekannt; ich lernte ihn vor eineinhalb Jahren persönlich kennen, als wir beide auf einem Autorentreffen in Nürnberg jeweils einen Vortrag hielten und eine gemeinsame Lesung bestritten. Seither wollen wir einmal zusammen arbeiten.
In diesem Herbst hat es geklappt, und heute hatten wir das ausführliche Telefonat zu seinem Gastroman, den ich übers Wochenende gelesen habe. Selbstverständlich erzähle ich hier nichts über den Inhalt des Romans, zumindest nicht sehr viel - aber es ist schon interessant, wie ein Autor, der aus dem Umfeld des historischen Romans kommt, mit einem lupenreinen Science-Fiction-Thema umgeht.
Der Roman wird in etwa zwölf Wochen erscheinen. Man kann gespannt sein, wie die Leser auf das Werk reagieren werden.
Titus wurde vor allem als Autor historischer Romane bekannt; ich lernte ihn vor eineinhalb Jahren persönlich kennen, als wir beide auf einem Autorentreffen in Nürnberg jeweils einen Vortrag hielten und eine gemeinsame Lesung bestritten. Seither wollen wir einmal zusammen arbeiten.
In diesem Herbst hat es geklappt, und heute hatten wir das ausführliche Telefonat zu seinem Gastroman, den ich übers Wochenende gelesen habe. Selbstverständlich erzähle ich hier nichts über den Inhalt des Romans, zumindest nicht sehr viel - aber es ist schon interessant, wie ein Autor, der aus dem Umfeld des historischen Romans kommt, mit einem lupenreinen Science-Fiction-Thema umgeht.
Der Roman wird in etwa zwölf Wochen erscheinen. Man kann gespannt sein, wie die Leser auf das Werk reagieren werden.
Enttäuschender Start

Ich weiß, daß Manfred Weinland schreiben kann und daß er über brauch- und umsetzbare Ideen verfügt. Das hat er mit Serien wie »Vampira« ausreichend bewiesen, und auch bei »Bad Earth« hat er sehr viele Ideen untergebracht. Deshalb ist es sehr begrüßenswert, wenn der Zaubermond-Verlag Weinlands Heftroman-Reihe mit neuen Science-Fiction-Romanen im Hardcover-Format fortsetzt.
Leider aber ist »Die geheime Macht«, der erste Band der neuen »Bad Earth«-Reihe, nur für Fans der Serie verständlich. Ich habe insgesamt fünf Romane der Heftromanserie komplett gelesen und alle anderen nur geblättert, bin also nur einigermaßen auf dem Laufenden, was geschehen ist – es reicht aber auf jeden Fall nicht aus, dieses Buch zu verstehen.
Häufig war wirklich nicht nachvollziehbar, was eigentlich passiert, obwohl die Geschichte sauber geschrieben ist. Schade, denn damit hat die »Bad Earth«-Buchreihe einen potentiellen Leser gleich wieder verloren.
Manfred Weinland: Die geheime Macht
Originalausgabe
Hardcover / 252 Seiten
Zaubermond
06 November 2005
Perplexer Kabarettist
Damit hatte HG Butzko, der Kabarettist, nicht gerechnet: Nachdem er sein Programm im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim, der häßlichsten Stadt Süddeutschlands, beendet hatte, ging er eigentlich davon aus, daß er einige Autogramme geben und einige Platten verkaufen konnte. Aber es gab tatsächlich eine Frau, die mit ihrem Partner – beide im Ökohippielatschen-Outfit – zu ihm hintaperte und ihm eine Diskussion reindrücken wollte. Er habe so viele Witze über Frauen gemacht, und das sei doch nicht gut, und er solle doch lockerer werden, und er solle auch Witze über sich selbst machen.
Da war der Kabarettist, der uns vorher fast zwei Stunden lang mit einem großartigen, sehr lustigen Programm aus politischen und nicht-politischen Texten unterhalten hatte, völlig baff. Leichte Röte stieg seitlich an seiner Glatze hoch, ich konnte es ihm genau ansehen. Aber er hielt sich mustergültig zurück – an diesem Samstag abend, 5. November 2005, wollte er sich nicht aufregen. Immerhin hatte er die Vor-Premiere gut überstanden und nur einmal ernsthaft den Text vergessen.
Man stelle sich aber bitteschön meine Überraschung vor, als ebenjene Ökoschnatze mit ihrem Macker hinterher bei uns am Tisch saß, weil sie Bekannte von Bekannten war, wie mir schien. Ich schämte mich, und ich hoffte nur, daß Meister Butzko das nicht mitbekäme. Dann hätte ich mich noch mehr schämen müssen.
Menschen ohne Humor sind schrecklich. Sie treten gerne in Polit-Kreisen auf, und da gehören sie auch hin. Aber bitteschön nicht ins Kabarett, hergottnochmal!
Da war der Kabarettist, der uns vorher fast zwei Stunden lang mit einem großartigen, sehr lustigen Programm aus politischen und nicht-politischen Texten unterhalten hatte, völlig baff. Leichte Röte stieg seitlich an seiner Glatze hoch, ich konnte es ihm genau ansehen. Aber er hielt sich mustergültig zurück – an diesem Samstag abend, 5. November 2005, wollte er sich nicht aufregen. Immerhin hatte er die Vor-Premiere gut überstanden und nur einmal ernsthaft den Text vergessen.
Man stelle sich aber bitteschön meine Überraschung vor, als ebenjene Ökoschnatze mit ihrem Macker hinterher bei uns am Tisch saß, weil sie Bekannte von Bekannten war, wie mir schien. Ich schämte mich, und ich hoffte nur, daß Meister Butzko das nicht mitbekäme. Dann hätte ich mich noch mehr schämen müssen.
Menschen ohne Humor sind schrecklich. Sie treten gerne in Polit-Kreisen auf, und da gehören sie auch hin. Aber bitteschön nicht ins Kabarett, hergottnochmal!
Andrea Nahles
Irgendwie war sie mir damals schon sympathisch, die Juso-Vorsitzende, als ich sie im Jahr 1997 auf einer PERRY RHODAN-Veranstaltung in Sinzig am Rhein kennenlernte. Sie hatte sich als Science-Fiction-Fan geoutet, und sie war von Werner Fleischer zu der Veranstaltung eingeladen worden. Werner Fleischer, selbst SPD-Mitglied und PERRY RHODAN-Fan, hatte das für eine Klasse-Idee gehalten – ich fand das auch gut, weil auf diese Methode zusätzliche Journalisten in das Jugendhaus der rheinischen Kleinstadt kamen.
Andrea Nahles war kämpferisch und überhaupt nicht so dusselig wie die meisten Politiker, die ich bisher mitbekommen hatte. Sie verstand zwar nicht, warum ich keine Lust darauf hatte, ihre Partei zu wählen, sondern lieber den Stimmzettel ungültig abzugeben, aber sie kämpfte eisern um ihre politischen Inhalte. Das fand ich sympathisch – auch wenn sie am Frauenbild in der PERRY RHODAN-Serie einiges an Kritik anzubringen hatte.
Und jetzt? Jetzt stürzt sie mal ganz nebenbei, ohne das zu wollen, den SPD-Parteivorsitzenden Franz Müntefering, und läßt ihre Partei in eine tiefe Krise purzeln. Eine respektable Leistung für eine 35 Jahre alte Frau, Respekt! Schlimm ist jetzt zwar, in welcher Art und Weise sie angegriffen wird, aber man kann in diesem Land ja kaum damit rechnen, daß eine selbstbewußte Frau von den Medien und von den Politik-Fuzzys gut behandelt wird.
Sie wird sich durchsetzen. Man wird von der Frau noch mal hören. Und ich bin sicher, daß Andrea Nahles nicht zum letzten Mal in der Presse war. Allerdings: Auf einer PERRY RHODAN-Veranstaltung werde ich sie kaum noch sehen ...
Andrea Nahles war kämpferisch und überhaupt nicht so dusselig wie die meisten Politiker, die ich bisher mitbekommen hatte. Sie verstand zwar nicht, warum ich keine Lust darauf hatte, ihre Partei zu wählen, sondern lieber den Stimmzettel ungültig abzugeben, aber sie kämpfte eisern um ihre politischen Inhalte. Das fand ich sympathisch – auch wenn sie am Frauenbild in der PERRY RHODAN-Serie einiges an Kritik anzubringen hatte.
Und jetzt? Jetzt stürzt sie mal ganz nebenbei, ohne das zu wollen, den SPD-Parteivorsitzenden Franz Müntefering, und läßt ihre Partei in eine tiefe Krise purzeln. Eine respektable Leistung für eine 35 Jahre alte Frau, Respekt! Schlimm ist jetzt zwar, in welcher Art und Weise sie angegriffen wird, aber man kann in diesem Land ja kaum damit rechnen, daß eine selbstbewußte Frau von den Medien und von den Politik-Fuzzys gut behandelt wird.
Sie wird sich durchsetzen. Man wird von der Frau noch mal hören. Und ich bin sicher, daß Andrea Nahles nicht zum letzten Mal in der Presse war. Allerdings: Auf einer PERRY RHODAN-Veranstaltung werde ich sie kaum noch sehen ...
Rauchig-rauhe Stimmen
Fünf eher gemütlich und normal aussehende Herren aus Kalifornien nennen sich ausgerechnet Whiskey Sunday und fabrizieren ihre spezielle Abart des Emopunk: Darunter versteht man eine einigermaßen neue Spielart von Punkrock, die sich durch rauhen Gesang, teilweise melancholische Texte und schwer rockigen Gitarren auszeichnet – und das ist nur eine absichtlich grobe Definition.
Seit schätzungsweise einer Woche bekomme ich die Platte »Maldecido«, das neue Werk der Band, nicht von meinem Plattenspieler herunter. Plattenspieler – richtig gelesen! Das ist eine Vinylscheibe, und selbstverständlich höre ich noch fleißig Vinyl, weil ich einfach Schallplatten rein künstlerisch den billig gestalteten und langweiligen CDs vorziehe. Da gefällt mir eben auch, daß ich eine schön gestaltete Hülle zur Platte bekomme, auf der die Texte abgedruckt sind – sehr schön!
Whiskey Sunday klingen immer rauchig und rauh, immer ein bißchen traurig und trotzdem kraftvoll. Das ist keine Musik für den ausgelassenen Pogo, sondern wirklich eine für den Sonntag nach-mittag. Ich glaube, da gehe ich gleich noch mal ans Plattenregal und krame nach den alten Wipers-Platten – das paßt dann schon sehr gut zusammen!
Seit schätzungsweise einer Woche bekomme ich die Platte »Maldecido«, das neue Werk der Band, nicht von meinem Plattenspieler herunter. Plattenspieler – richtig gelesen! Das ist eine Vinylscheibe, und selbstverständlich höre ich noch fleißig Vinyl, weil ich einfach Schallplatten rein künstlerisch den billig gestalteten und langweiligen CDs vorziehe. Da gefällt mir eben auch, daß ich eine schön gestaltete Hülle zur Platte bekomme, auf der die Texte abgedruckt sind – sehr schön!
Whiskey Sunday klingen immer rauchig und rauh, immer ein bißchen traurig und trotzdem kraftvoll. Das ist keine Musik für den ausgelassenen Pogo, sondern wirklich eine für den Sonntag nach-mittag. Ich glaube, da gehe ich gleich noch mal ans Plattenregal und krame nach den alten Wipers-Platten – das paßt dann schon sehr gut zusammen!
05 November 2005
Die Brille zur Macht

Die Orgelfabrik in Durlach – einer eigenständigen Kleinstadt, die aber zu Karlsruhe gehört – ist ein eher alternativ wirkender Veranstaltungsraum, in dem wir unlängst zum ersten Mal bei einem Kabarett-Abend waren. Am Freitag, 4. November 2005, riskierten wir es, einen völlig unbekannten Kabarettisten auf der Bühne zu bewundern.
Der Mann heißt Mathias Tretter, ist Jahrgang 1972 und stammt aus Würzburg. Vor schätzungsweise 50 Leuten, die durchschnittlich zwischen 40 und 50 Jahren alt waren, spielte er sein Programm »Die Brille zur Macht«, ein politisches Programm, in dem er einen radikalisierten Bibliothekar spielt, der in der Gefängnisbibliothek sitzt und über sein Leben, die Politik, die Literatur und die Welt an sich redet.
Anfangs fand ich das ganze eher ein bißchen lahm, weil Tretter eher unspektakulär anfing. Doch dann wurde es immer lustiger, und nach der Pause hatte ich irgendwann Tränen in den Augen, weil ich vor lauter Lachen nicht mehr zu Atem kam. Die Witze wurden durchaus grober, und spätestens als er damit anfing, Klaus Kinski zu imitieren, war ich kurz davor, vom Stuhl zu rutschen.
Das ganze war dann eben nicht mehr nur politisch, sondern stellenweise schlicht & ergreifend haarsträubend blöd. Trotzdem oder gerade deshalb hat es mir saugut gefallen. Und ... Pädagogen bekommen ihr Fett ab, Sozialarbeiter ebenso, Politiker erst recht, und über Literatur läßt sich besonders gut lästern.
Wobei mir der Knastbruder Loren Lauer richtig sympathisch wurde: Jemand, der letzten Endes deshalb Terrorist wurde, weil er André Rieu so gräßlich findet, kann ja nicht einmal ein schlechter Mensch sein.
03 November 2005
Bahnfahrt nach München
Ich fahre gerne mit der Bahn, obwohl ich ein Auto besitze, das ich täglich benutze. Aber die Bahn ist für Dienstreisen sehr praktisch: Ich kann im Zug fleißig lesen, kann dösen und muss mich auf keinen Verkehr konzentrieren.
Heute beispielsweise eine wichtige Fahrt nach München, Besuch bei zwei verschiedenen Verlagen. Im Zug las ich während der Hinfahrt haufenweise Exposés - also Vorlagen für künftige Romane - und auf der Rückfahrt zwei Romane, einmal PERRY RHODAN und einmal ATLAN. Damit es nicht gar zu einseitig wurde, kamen noch die halbwegs aktuelle Ausgabe von Le Monde Diplomatique hinzu und auf der Rückfahrt der völlig geniale Flix-Comic »Sag was«.
Das war klasse. Auf diese Weise bekam ich größtenteils nicht mit, wie sich die Leute rings um mich teilweise zum Affen machten. Highlight sind immer Leute, die sich im Wagen geirrt haben und trotzdem darauf pochen, genau diesen Platz (!!!) reserviert zu haben.
Dann doch lieber die Nase ins Manuskript stecken.
Heute beispielsweise eine wichtige Fahrt nach München, Besuch bei zwei verschiedenen Verlagen. Im Zug las ich während der Hinfahrt haufenweise Exposés - also Vorlagen für künftige Romane - und auf der Rückfahrt zwei Romane, einmal PERRY RHODAN und einmal ATLAN. Damit es nicht gar zu einseitig wurde, kamen noch die halbwegs aktuelle Ausgabe von Le Monde Diplomatique hinzu und auf der Rückfahrt der völlig geniale Flix-Comic »Sag was«.
Das war klasse. Auf diese Weise bekam ich größtenteils nicht mit, wie sich die Leute rings um mich teilweise zum Affen machten. Highlight sind immer Leute, die sich im Wagen geirrt haben und trotzdem darauf pochen, genau diesen Platz (!!!) reserviert zu haben.
Dann doch lieber die Nase ins Manuskript stecken.
02 November 2005
Durchkomponierter Thriller

Es ist irgendwie schon lustig, die Besprechungen zum aktuellen Roman des britischen Bestseller-Autoren Ken Follett zu lesen: Manche Rezensenten überschlagen sich vor Begeisterung, schreiben etwas von »atemloser Spannung«. Gemeint ist der Roman »Eisfieber«, und dieser erschien zur Frankfurter Buchmesse. Manche Besprechungen, vor allem diejenigen in Stadtmagazinen, erschienen derart zeitgleich, daß gewisse Zweifel angebracht sind, ob die Rezensenten das Buch überhaupt gelesen haben.
Sei's drum. Ich hab's getan. Und ich gestehe, daß ich es wirklich sehr spannend fand, nachdem ich die Anfangsschwierigkeiten überwunden hatte.
Die Heldin ist eine gewisse Antonia Gallo, Sicherheitsbeauftragte in einer Firma, die ausgerechnet in Schottland Impfstoffe entwickelt. Sie ist unglaublich kompetent, kümmert sich liebevoll um ihre demente Mutter, läßt sich gerne in einer Schönheitsfarm pflegen und sieht überragend gut aus. Zu allem Überfluß ist sie in ihren Chef verliebt.
Der wiederum ist anfangs der 60, sieht ebenfalls unglaublich gut aus, ist warmherzig und strahlend, intelligent und weise, und wie wir im weiteren Verlauf des Buches erfahren dürfen, ein »absolutes Ass« im Bett. Dieses Musterbeispiel an Mann hat leider bei seinen Erziehungsaufgaben nicht alles hundertprozentig richtig gemacht und deshalb einen bescheuerten Sohn.
Und der hat nichts besseres zu tun, als mit einer einer Handvoll Ganoven ausgerechnet an Weihnachten in das Hochsicherheitslabor einzubrechen, dort ein tödliches Virus zu stehlen und mit diesem in einen Schneesturm zu geraten. Vor dem Schneesturm flüchten die Bösewichte – richtig!, sie flüchten in das Haus des Wissenschaftlers, in dem derzeit auch seine zwei Töchter, deren Männer sowie vier Kinder auf das Christkind warten.
Soweit der durchaus klischeehafte aber allen Regeln eines guten Thrillers – vor allem im Kino – entsprechende Anfang und Mittelteil des Romans. Als erfahrener Leser finde ich das nicht immer gut, gähne allerdings nicht, weil Mr. Follett einfach gut erzählen kann, ertappe mich aber dabei, daß ich schneller lesen will: Schließlich interessiert mich rein strukturell, wie der Autor das Geschehen auflöst.
Das klappt dann doch sehr gut. Ich kam am Montag, 31. Oktober 2005, deshalb eine Stunde zu spät zur Arbeit, weil ich das Buch zu Ende lesen wollte. Nein: mußte! Es war dann doch spannend, mitzubekommen, wie der Autor all seine Figuren zu einem fulminanten Duell im hochherrschaftlichen Haus versammelt, wie Jugendliche mit Autos über Gangster hinwegfahren, wie verspielte Hausratten zu einer Waffe werden, wie ein Shakespeare-Liebhaber sich tapfer Gangstern in den Weg stellt – und so weiter.
Das ist spannend, das ist filmgerecht erzählt, das macht richtig Spaß. Ein deutscher Bestseller-Autor, dessen Namen ich sicherheitshalber nicht nennen möchte, erzählte mir bei dem offiziellen Empfang im Frankfurter Hof, an dem die Verlagsgruppe Lübbe den Autoren Ken Follett präsentierte: »Der schreibt mal gute und mal weniger gute Romane. ›Eisfieber‹ ist eben einer von den nicht so guten Romanen.«
Da hat er recht. Aber Follett kann sogar mit einem extrem durchschnittlichen Roman so gut erzählen, dass man vor Spannung nicht mehr von der Toilette herunterkommt oder zu spät bei der Arbeit erscheint. Das ist auch was wert, finde ich.
Ken Follett: Eisfieber
Übersetzung: Till R. Lohmeyer, Christel Rost
461 Seiten / Hardcover
Gustav Lübbe Verlag / ISBN 3-7857-2220-6
01 November 2005
Zähe Schreibarbeit
Es ist etwas vergleichsweise einfaches, an den Romanen und Erzählungen von Kollegen herumzukritisieren. Gehe ich aber an meine eigenen Texte, stelle ich mit finsterer Miene fest, wie viele Fehler ich selbst begehe. Das sehe ich gerade bei der Bearbeitung von »Chaos en France«, meinem zweiten Punkrock-Roman, der voraussichtlich im März 2006 erscheinen wird.
Zumindest ist er für diesen Termin angekündigt, also muß ich entsprechend vorarbeiten. Geschrieben ist eigentlich alles, jetzt muß ich es nur noch redigieren. »Nur noch« ist ein Euphemismus, denn ich streiche sehr viel in den Texten herum. Vor allem streiche ich sehr viel weg. Ein Teil der Kürzungen kommt daher, daß die originalen Texte in Fortsetzungen im ZAP und im OX erschienen sind und teilweise schon allein deshalb viele Wiederholungen vorkommen müssen. Die streiche ich jetzt raus.
Schlimm ist allerdings, wenn meine Lebensgefährtin an meinen Text geht. Sie streicht unerbittlich alles an, was ihr schlecht und faul vorkommt. Und das ist richtig viel. Nicht nur einmal muß ich mich dafür schämen.
Und damit schlage ich mich heute herum. Idealerweise bin ich irgendwann gegen 22 Uhr heute abend mit dem reinen Redigieren durch - dann geht sie an die Arbeit. Ich bin extrem gespannt, welches Ergebnis ich dann irgendwann in gedrucker Form vorliegen habe.
Zumindest ist er für diesen Termin angekündigt, also muß ich entsprechend vorarbeiten. Geschrieben ist eigentlich alles, jetzt muß ich es nur noch redigieren. »Nur noch« ist ein Euphemismus, denn ich streiche sehr viel in den Texten herum. Vor allem streiche ich sehr viel weg. Ein Teil der Kürzungen kommt daher, daß die originalen Texte in Fortsetzungen im ZAP und im OX erschienen sind und teilweise schon allein deshalb viele Wiederholungen vorkommen müssen. Die streiche ich jetzt raus.
Schlimm ist allerdings, wenn meine Lebensgefährtin an meinen Text geht. Sie streicht unerbittlich alles an, was ihr schlecht und faul vorkommt. Und das ist richtig viel. Nicht nur einmal muß ich mich dafür schämen.
Und damit schlage ich mich heute herum. Idealerweise bin ich irgendwann gegen 22 Uhr heute abend mit dem reinen Redigieren durch - dann geht sie an die Arbeit. Ich bin extrem gespannt, welches Ergebnis ich dann irgendwann in gedrucker Form vorliegen habe.
Abonnieren
Posts (Atom)