29 November 2006

Ein Artikel im »Stern« und seine Folgen

Das hat wohl niemand erwartet: Im »Stern«, der bekannten Illustrierten aus Hamburg, erschien ein Artikel über PERRY RHODAN, die Science-Fiction-Serie, die von mir redaktionell betreut wird.

Der Artikel strotzt von gonzo-journalistischen Formulierungen und vielen Fehlern; die Aufregung bei den Autoren und Lesern ist groß. Und ich sehe mich auf einmal in der Rolle eines Mannes wieder, der eine Serie betreut, die anscheinend im rechtsradikalen Lager durch die Gegend wabert.

Aus diesem Grund habe ich ein recht staatsmännisch klingendes »Logbuch der Redaktion« geschrieben, in dem ich auf diese Vorwürfe eingehe, das ganze aber versuche, ein weniger zu relativieren. Daß man vielen Medien nicht trauen und nicht glauben darf, ist mir ja seit längerem bekannt ... die Chaostage und der Medienzirkus damals sind mir in bester Erinnerung (»an Steinen und Containern klebte das Blut«, sage ich nur).

Was ich als Redakteur sehr gut finde, ist das Engagement der Leser. Die Empörung ist groß, und es wird heftig diskutiert – sehr schön. Der eine oder andere Mißklang in so einer Diskussion ist auch auszuhalten ...

Möglicherweise trifft die Empörung eh nicht die richtige Stelle; ich fürchte, daß sich die »Stern«-Redaktion durch Leserbriefe nicht grundsätzlich ändern läßt. Und der Autor?

Stephan Maus befleißigt sich des sogenannten Gonzo-Journalismus, den ich ja manchmal auch lustig finde. Diesmal hat's allerdings mich bzw. meine Arbeit erwischt, und prompt finde ich das ganze nicht mehr so lustig. Schon seltsam, wie sich meine Meinung ändert.

Kommentare:

Stefan Hoffmann hat gesagt…

Ehrlich gesagt wundert mich sehr, dass der STERN sowas überhaupt abdruckt. Ich habe vor ein paar Jahren ein größeres Projekt mit G+J im Bereich STERN-Eigenwerbung gemacht, daher kenne ich das Selbstverständnis von G+J einigermaßen. Die legen schon sehr viel Wert darauf, als seriöses Magazin wahrgenommen zu werden und sind auch sowas von unglaublich stolz auf ihr Archiv und ihre erstklassigen Dossiers. Und beim Thema Hitler-Tagebücher erntet man regelmäßig nur eisiges Schweigen. Schlampige Recherche, insbesondere die genannte, berührt da eigentlich schon einen äußerst wunden Punkt.

Naja, und dann liest man dann dieses Geschreibsel (mit dem unverzeihlichen Lapsus, einzelne Personen mit untaugliche Belegen in die rechte Ecke zu stellen), das vermutlich die meisten Schülerzeitungen nicht abgedruckt hätten. Doch doch, da darf man sich schon wundern.

Enpunkt hat gesagt…

Tja, bei diesem Artikel hat sich so mancher Leser gewundert. Mein Problem ist: Der Artikel ist nicht gegendarstellungsfähig, soweit ich das überblicken kann - sprich, ich brauche mich da erst gar nicht rechtsanwalttechnisch schlau zu machen. Nun ja, sehen wir es als "unterm Strich doch werbend" ...

Wohlgemuth hat gesagt…

Salut Klaus,

der Gonzo-Journalismus schrappt ja ganz heftig an der Grenze zwischen literarischer und faktischer Schreibe entlang. Ist der Maus Text, den ich nicht gelesen habe, sondern auch nur aus den Reaktionen aus dem Forum kenne, als eher literarisch orientierter Text zu werten oder als journalistischer?
Fakt ist wohl, dass der Herr Maus, den ich jetzt nicht kenne, ein literaturwissenschaftliches Studium absolviert hat. Seine Methodik ist jedoch in diesem Artikel, so weit ich ihn kenne, dermaßen elementar defizitär, dass ihm schon der Grundlagennachweis des ersten Semesters Literturwissenschaft aus der Hand springen müsste.

Der Gonzo-Jourmalismus versucht ja, so weit wie ich ihn verstehe, eine literarischen Ansatz mit einem journalistischen zu vereinen. Da hinein gehört dann doch schon, der exakte Rechercheanspruch, unabhängig davon, wie er letztendlich literarisch ausgeformt wird. Ob ich nun die Fakten objektiv zu einem Artikel verarbeite oder durch ein (Autoren)Subjekt filtere - die Faktenlage bleibt doch die gleiche.
Ein Beispiel: Atlan als den "Fürsten der Einsamkeit" zu bezeichnen, erachte ich als rhetorisches Stilmittel und ist subjektiv-literarisch, ihn aber auf den Mond zu schicken ist faktisch falsch.
Die Nazi-Ecke ist durch ältere und aktuelle wissenschaftliche Forschung widerlegt. Wenn man eine Gegendarstellung verlangen würde, würde ich auf diesen Wege anfangen: Falsche Recherche, ignorieren der aktuellen wissenschaftlichen Faktenlage ... Es muss ja nicht gleich ein Gegen*artikel* bei raus kommen, aber eine Ergänzung von Seiten des Autors oder der Sternredaktion wäre doch schon etwas, oder?

lg
Ten.

Jonas hat gesagt…

Wurde der Artikel auch schon im Bauerverlag gelesen und geglaubt? Und dadurch die Buchauflage eingestellt?

Enpunkt hat gesagt…

Zu Jonas nur so viel: Bitte unterlasse es, solchen Humbug in die wie auch immer geartete Öffentlichkeit zu tragen. Ein Artikel im STERN hat selbstverständlich nichts damit zu tun, dass der Moewig-Buchverlag ab 1. Januar 2007 seine Buchproduktion einstellen soll. Zudem hieß es ausdrücklich in allen Meldungen, dass PERRY RHODAN auf jeden Fall weiterlaufen wird.

Jonas hat gesagt…

Ich trage was in die Öffentlichkeit? Ich habe nur eine Frage gestellt. Entschuldigung, wer ein Blog hat sollte auch mit Fragen umgehen können. Ich werde es aber in Zukunft vermeiden bzw. unterlassen Fragen zu stellen. *kopfschüttel*

Wenn du mir was vorwerfen kannst, dann ist es der Zynismus in der Frage, aber wo wir schon über einen Gonzoartikel sprechen...aber okay, du bist tot für mich, kein Thema. Zuerst geht das Buch, dann das Heft und mit 50 ist alles vorbei...*kopfschüttel2* dein Blog hat einen Stammleser weniger.

Enpunkt hat gesagt…

Es geht mir um den Humbug, zwei Sachverhalte miteinander zu verbinden, die nichts miteinander zu tun haben.

Das finde ich nicht schlau.

Anonym hat gesagt…

jetz isser auch online ...

http://www.stern.de/unterhaltung/comic/:Perry-Rhodan-Ein-Held/577421.html

dein admin

Jonas hat gesagt…

dann schreib einfach: "Was ein Quatsch", und gut ist. Oder sogar ein virtuelles Kopfschüttel hätte es getan.

Aber etwas in die Öffentlichkeit tragen kann nur der, der einen Informationsvorsprung hat. Wo soll der sein, wenn beide Artikel, sowohl der von Bauer als auch jetzt vom Stern schon öfftenlich sind?

Duke hat gesagt…

Ich muß nur immerzu an den alten Witz von den '68ern die Schach spielen denken. Der eine sagt : Aber ohne Springer!

Ich weiß der Stern is nich von Springer, aber irgendwie doch passend.
Seht es doch als kostenlose Werbung an.
Das Rumgeheule und geflame gegen Herrn Maus finde ich lächerlich. Lacht doch mal. Jeder der sich mit der Materie beschäftigt weiß es besser. Probierts mal mit Gemütlichkeit.
Es gibt schlimmeres. Zum Beispiel faschistoide Moderatoren die von Pseudo-Linken Redakteuren geschützt werden. Aber das ist ein anderes Thema.

radastir hat gesagt…

Also was sind wir Perrianer jetzt, pseudolinke faschistoide Neoliberale, alles gleichzeitig? ;-)

Ich sehe das ganze jedenfalls recht entspannt, die Spitzen des Artikels tangieren mich wenig; die Diskussion im PERRY RHODAN Forum mit seinen veröffentlichten, teils sehr amüsanten Leserbriefen ist kurzweilig.

@Duke: Beherzige Deinen eigenen Rat und lass es gut sein. Beide Seiten haben sich damals nichts geschenkt, und es bringt doch nur Magengeschwüre ein, den Ewigen Groll zu hegen. Stell Dir vor, in 50 Jahren könntest Du ein alter, verbitterter Mann sein, der mit dem Krückstock auf junge Schundleser losgeht, nur weil er nicht loslassen kann. Einfach locker lassen... ;-)

blond wie hitler hat gesagt…

intelallo & nix dahinter ...

(na ja, ausser vielleicht noch intelaber, intuleckmich, interlektuöd ... muss ja ganz schön neidisch auf eure auflage sein, der trivial-porno-pulp-experte...)