02 November 2026

Reacher zum vierten

Ich sah mir in den vergangenen Wochen die vierte Staffel der Thriller-Serie »Reacher« an. Sie beruht bekanntlich los auf den Romanen, von denen ich im Verlauf der Jahre einige gelesen habe und die mir stets gut gefallen haben. Das ist bei der Fernsehserie – sie wird bei Prime gezeigt – auch durchaus so, wobei diese mir wesentlich brutaler vorkommt als die Romane.

Aber klar: Im gedruckten Buch lese ich über eine besonders brutale Szene vielleicht hinweg. Im Fernsehen sehe ich sie in epischer Länge, wird mir besonders heftige Action auch in Großaufnahme gezeigt. Da fragt man sich dann schon, ob das wirklich nötig und wichtig ist …

Was mir bei »Reacher« auffällt und was bei der vierten Staffel – sie hat keinen speziellen Titel – richtig ins Auge sticht, ist die politische Dimension. Die Serie kann auf verschiedene Weisen gesehen werden, wenn man Lust und Nerv darauf hat, sich auf politische Sichtweisen einzulassen. (Muss man nicht …)

Einerseits folgt die Serie der amerikanischen Erzählweise, die vor allem im rechtsradikalen und rechtspopulistischen Milieu beliebt ist: Es gibt einen »tiefen Staat«, es gibt stets Intrigen, an denen Einrichtungen der Regierung beteiligt sind; Geheimdienste und Polizei vertuschen, arbeiten als Killer oder sind im Dienst mysteriöser Mächte aktiv. Dagegen muss Reacher antreten, klar.

Reacher ist aber einer, der sich für arme Leute einsetzt. Er selbst ist ein Mann ohne festen Wohnsitz, ein echter Herumtreibe also, wenn man es genau nimmt. Er teilt sein Essen mit einem Bettler in der Bahn, er reist per Anhalter oder im Bus, er ist einfach, ohne populistisch zu sein – im Prinzip wirkt er wie ein kommunistischer oder meinetwegen auch christlicher Armenprediger. Mit dem einen Unterschied natürlich, dass er jederzeit in der Lage ist, tödliche Gewalt einzusetzen …

Ich bin mir nicht sicher, wie ich die Serie wirklich beurteilen kann. Sie bietet einen Blick auf ein Amerika, das ich bei meinen Besuchen dort so nie gesehen habe. Aber es ist schon interessant, welches Bild von den Vereinigten Staaten solche Serien eigentlich vermitteln ...

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