24 September 2026

Lesebuch der Phantastik

Ende der 70er-Jahre knüpfte ich die ersten Kontakte zum Science-Fiction-Fandom. Ich traf auf andere Fans, ich schrieb Briefe und Postkarten, und ich fing an, Fanzines zu bestellen. Dabei fiel mir schnell auf, wie groß die Unterschiede in der Qualität waren.

Mein absolutes Lieblingsheft war damals »Phalanx«, und die erste Ausgabe, die ich las, war die Nummer zehn. Das Fanzine bezeichnete sich als »Lesebuch der Phantastik«, und es hatte die stolze Auflage von 400 Exemplaren. Mit hundert Seiten im A5-Format, die man von DIN A 4 herunterverkleinert hatte, wies es zudem einen imposanten Umfang auf.

Optisch war das eine andere Welt als die vieler Hefte. Das lag unter anderem an den beeindruckenden Bildern, die Thomas Franke aus der DDR geschickt hatte. Aber auch die anderen Werke konnten sich sehen lassen. (Das Titelbild, das ich hier zeige, stammt von Franke.)

Herausgegeben wurde das Fanzine von Manfred Borchard und Helmut Ehls. Mit Borchard hatte ich jahre-, nein, jahrzehntelang einen ganz altmodischen Briefkontakt. Wir schrieben uns noch Briefe, als es schon Mails gab. Leider ist er bereits am 30. September 2016 verstorben. Mit Helmut Ehls arbeitete ich viele Jahre zusammen, er war unter anderem als Lektor für unsere Serien tätig.

Die beiden waren in dem Fanzine selbst mit Texten vertreten, dazu kamen weitere Geschichten sowie Gedichte. Sogar eine Story von Ray Bradbury war enthalten. Auffallend war, dass alle Texte anders waren als das, was ich zu jener Zeit vor allem in Heftromanen las – hier wurde eine Art von Science Fiction präsentiert, die davon deutlich abwich, sowohl ästhetisch als auch inhaltlich.

»Phalanx« war in den späten 70er-Jahren sicher eines der besten Fanzines im deutschen Sprachraum. Sein Pendant war damals »Exodus«, das ich ebenfalls sehr gern las und das vor einigen Jahren seine Wiederauferstehung feierte – in diesem Jahr 2026 erschien dann tatsächlich die finale Ausgabe.

Es ist ein tolles Gefühl, die zehnte »Phalanx«-Ausgabe mal wieder in den Händen zu halten. Ich kann gut verstehen, dass mich das damals umgehauen hat; auch heute noch sind das durch die Bank lesenswerte Texte!

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