04 Oktober 2007

phantastisch! und ich


Mit gleich zwei Beiträgen bin ich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift phantastisch! vertreten, die ich hiermit jedem ans Herz legen möchte. Nicht wegen meiner Beiträge, sondern deshalb, weil dieses Heft das derzeit einzige Magazin für SF-Literatur und artverwandte Themen im Zeitschriftenformat auf dem deutschsprachigen Markt ist.

Ich habe den SF-Schriftsteller Andreas Brandhorst zu seinen Kantaki-Romanen interviewt. Der Text steht unter dem Titel »Graken, Kantaki und ein wachsendes Universum«, was sich ja wirklich monströs anhört.

Und es gibt den Beitrag »Nicht zu Ende gelesen ...«, in dem ich drei verschiedene Fantasy-Romane seziere und auf ihre literarische Qualität seziere. Na ja, keiner von den dreien hat meiner Ansicht nach irgendeine Qualität, weshalb die Leser eher die Finger von den Titeln lassen sollten.

Ungeachtet meiner Texte ist das aktuelle Heft der Reihe empfehlenswert. Wie immer eigentlich ...

03 Oktober 2007

Wolfenbüttel, kurz nach Mitternacht

Seminare sind eine lustige Angelegenheit: Spätestens am zweiten Abend kommt es zu Verbrüderungsszenen.

Nicht das, was jetzt jeder Leser denken mag. Nein, es geht darum, daß sich die Leute im Verlauf des zweiten Messetages besser kennenlernen und sich dann an diesem Abend die schlimmeren Geschichten erzählen.

Bier und Wein fließen, Leute reden laut durcheinander - und es ist kein Rauch in der Luft. So langsam beginne ich die Nichtrauchergesetze so richtig zu schätzen ...

02 Oktober 2007

Zweiter Seminar-Tag: leicht ermattet

Wie das eben so ist bei Seminaren: Abends geht es länger, das Bier schmeckt - und ruckzuck ist es zwei Uhr nachts, wenn das Licht ausgeht.

Kein Wunder, daß ich mich heute ein bißchen ermattet fühlte und nur langsam in die Gänge kam. Aus diesem Grund hatte ich nichts dagegen, als die Seminarteilnehmer heute morgen mehr aus der Verlagswerkstatt und dem Autorendasein erfahren wollten.

Andreas Eschbach und ich konnten ein bißchen aus der Schule plaudern, wie das so schön heißt: Konkrete Informationen, so denke ich, vermischen sich da mit launigen Geschichten, die hoffentlich unterhaltsam sind.

Danach machten wir mit der Textarbeit weiter. 16 Diskutanten und zwei Dozenten sowie ein Seminarleiter verlangsamen die Textarbeit gelegentlich, weil jeder zu jedem Text etwas sagen möchte - aber wir werden alle Texte besprechen.

Schauen wir mal, ob das eigentliche Seminar-Thema »Schluß« überhaupt so richtig zur Geltung kommen wird ...

01 Oktober 2007

Wolfenbüttel mit einem weinenden Auge

Autorenseminar in Wolfenbüttel, wieder einmal an der Bundesakademie für kulturelle Bildung: Es ist das letzte der sogenannten Eschbach-Seminare, sprich, es ist das letzte Seminar, das von Andreas Eschbach und seiner unglaublichen Sachkenntnis geleitet wird. Leider wird der Autor künftig nicht mehr bei den Seminaren mitwirken.

Konsequenterweise steht unser Seminar diesmal auch unter dem Motto »Ende« oder auch »Schluß«. Es geht zwar um Romane, aber wir wollen die Struktur von Science-Fiction-Romanen diesmal unter dem Gesichtspunkt beleuchten, wie man sie eigentlich zu Ende bringt.

Wobei wir heute noch nicht dazu gekommen sind. Mit den 16 Autorinnen und Autoren besprachen wir heute die Texte, die sie eingereicht hatten: Exposés für Science-Fiction- und Fantasy-Romane, Anschreiben für die potentiellen Verlage, erste Kapitel - alles in allem ein bunter Strauß vielfältigster Texte, den wir sehr genau analysiert haben.

Kein Wunder, daß wir nur ein Viertel aller Texte geschafft haben. Na ja, heute abend geht es jetzt erst mal in die gemütliche Runde über.

Und morgen ist ja auch noch ein Tag ...

Punkrock und Ska aus der Schweiz

Im gestrigen ENPUNKT-Radio im freien Radio Querfunk kamen mal wieder die Schweizer zu Wort, wobei vor allem das famose Label Leech Records mit seinen Bands von mir gespielt wurde. Ska und Ska-Punk von Snitch und Skafari oder den Rude Tins, Melody Punk von Granny Smith und anderen Bands, reiner Ska mit Nguru; das war schon sehr ska-lastig, fällt mir im Nachhinein auf.

Immerhin gab's auch Psychobilly- und Cajun-Mischungen von The Dead oder IndieRock von den Lombego Surfers, von großartigem Oi! aus dem Hause Failed Teachers ganz zu schweigen. Alles in allem also eine sehr schmissige Sendung, die mir selbst supergut gefiel und bei der ich am liebsten durchs Studio gepogt wäre.

Den Abschluß bildete übrigens ein Liedermacher: Guz aus Schaffhausen mit seiner »Geheimen Weltregierung«. Ein passender Abschluß für diese Sendung, finde ich.

30 September 2007

Eigentlich will ich ja gratulieren ...


Als im Jahr 1999 die Kunde durch die Comic-Landschaft eilte, das klassische ZACK-Magazin werde wiederbelegt, war ich durchaus skeptisch: Kann ein Magazin-Konzept erfolgreich sein, daß auf alten Kram setzt und auf das eher unmoderne frankobelgische Material?

Da ich zur Zielgruppe gehöre, die man sich wohl ausgedacht hat (Leute, die über das alte ZACK an Comics herangeführt wurden), abonnierte ich das Heft. Und dieser Tage erschien jetzt die Nummer 100 - das Oktober-Heft also.

Damit ist das neue ZACK erfolgreicher als das alte aus den 70er Jahren, das es nur auf 99 Ausgaben brachte. Und das mit einer Rezeptur, die nach den 70er Jahren »riecht«. Schon irgendwie lustig.

Aber die Jungs von damals haben heute eben das Geld .... und die Geduld, auch mal mehrere schwache Hefte hintereinander zu entschuldigen. Altersweisheit und Altersträgheit haben viel gemeinsam.

Daß sich die Nummer 100 aber ausschließlich mit dem kreuzlangweiligen Rennfahrer Michel Vaillant und dessen ebenso kreuzlangweiligen Rennfahrer-Geschichtchen beschäftigt, das fand ich dann doch sehr schwach. Marketing-Argumente (man hat's geschafft, die Zeichner-Crew der Serie auf die Messe nach Deutschland zu locken) hin oder her - unter normalen Umständen müßte ich mich darüber aufregen.

Tat ich nicht. Ich überblätterte das Heft größmaßstäblich, stellte fest, daß mich das Thema so wenig interessiert wie 1977 - und freue mich auf die nächste Ausgabe.

28 September 2007

Planschen in der Therme

Bad Wörishofen war mir bislang nicht einmal ein Begriff, nicht direkt. Indirekt fiel's mir dann doch ein: Da ist Pfarrer Sebastian Kneipp auf die Idee mit den Kneipp-Kuren gekommen. Aha.

Nach den stressigen letzten Monaten (seit Februar ununterbrochen fiese Hektik) war ich so »down«, daß ich vor der Buchmesse noch einige Tage freimachen wollte, um in Norditalien ein verlängertes Wochenende zu verleben.

Spontan entschlossen wir uns, einfach mal in das »schönste Thermalbad Deutschlands« zu fahren – laut Internet ist das die Therme in Bad Wörishofen. Wer's nicht glaubt, schaue sich den Link an.

Sieht man von den Heerscharen von Rentnern ab (aber hey, ich kam mir endlich mal wieder so richtig jung vor!), war alles super. Das Bad ist wunderschön angelegt, mit einem herrlichen großen Schwimmbecken unterm Glasdach sowie einem Außenbereich (der vor allem nachts und im Nieselregen faszinierte), durch den einen der Strömungskanal treibt. Dazu diverse Strudel, Düsen und anderes, Salzbäder und Dampfgrotten.

Die Saunalandschaft gilt als toll, ein schöner Blick auf den See macht die Sache perfekt. Gerade an einem kalten und nieseligen Tag ein Erlebnis: Die Sauna knistert und ist warm, und außerhalb sieht alles grau und düster aus. Saunieren ist trotzdem nicht mein Ding.

Fazit: Italien liegt für mich neuerdings im Allgäu. Das Thermalbad steuern wir vielleicht mal wieder für so einen Zwei-bis-Drei-Tages-Trip an.

27 September 2007

Punkrock für Rentner-Animation

Schauplatz Bad Wörishofen im Allgäu, genauer das dortige Thermalbad: Es ist 16 Uhr am Nachmittag, und ein Animateur aktiviert rund 50 Leute im Durchschnittsalter von 70 Jahren dazu, ein bißchen Wassergymnastik zu betreiben.

»Und hoch die Beine, und die Arme bewegen!« ruft er in die Menge, und das Publikum geht bereitwillig mit. Der Animateur wirkt jung und sportlich, nicht viel älter als 35 Jahre.

Die Musik ist entsprechend. Aus den Lautsprechern dröhnen Europe und andere 80er-Jahre-Hardrocker. Manche Stücke kenne ich gar nicht, aber sie sind alle rhythmisch.

»Ob das für die alten Leute nicht ein bißchen arg wild ist?« spotte ich.

Bis das letzte Stück ertönt: »Should I Stay Or Should I Go« heißt folgerichtigerweise das Stück, mit dem der nette junge Mann sein Animationsprogramm beschließt. The Clash bollern durch die Therme von Bad Wörishofen.

Punkrock für Rentner. Daß das mal Musik für eine Jugendbewegung war, glaubt unsereins echt kein Mensch mehr.

23 September 2007

Derber Psycho-Thriller


Es beginnt ganz harmlos: In der brütenden Sommerhitze in Los Angeles stellen Duane und Sherry fest, daß ihnen die Kondome ausgegangen sind. Duane verläßt das Appartement, Sherry bleibt zurück und wartet. Es dauert lang, und irgendwann geht sie allein los, um ihren Freund zu suchen. Was sie nicht ahnt, der Leser sich aber vorstellen kann: Das muß jetzt unbedingt schief gehen.

Der bereits verstorbene Horror- und Krimi-Autor Richard Laymon errang in den USA in gewissen einen Kreisen einen wahren Kult-Status. Das könnte hierzulande auch geschehen: Das im Heyne-Verlag erschienene Taschenbuch »Rache« liegt bereits in der dritten Auflage vor.

Ich will gar nicht so viel über den Inhalt verraten; es geht um Gewalt und Sex, um noch mehr Gewalt und vor allem aber auch um Zusammenhalt und Widerstand. Laymon erzählt geradlinig und detailliert: Als Leser erfährt man jeden Satz, den die Heldin sagt, und jeden Gedanken, der ihr durchs Hirn huscht; damit erzeugt er einen Sog, der einen kaum entkommen läßt.

Für sanfte Gemüter ist das nichts, für Freunde pornografischer Literatur aber auch nicht: Laymons direkte Erzählweise spart zwar nicht viel aus, verzichtet aber an den entscheidenden Stellen auf explizite Darstellungen.

Wer einen Blick in die dunklen Ecken des Sonnenstaates Kalifornien werfen möchte, ist hier gut bedient. Der Leser braucht allerdings starke Nerven – denn »Rache« ist wirklich ein derbes Buch. Zu Recht erschien es in der Reihe »Heyne Hardcore« ...

Endlich ein neues Projekt

»Das Tier von Garoua« ist fürs erste geschafft; zumindest mein Teil der Arbeit. Die Satzfahne ist durch, der Druck kann beginnen – im Oktober sollte das Buch dann tatsächlich erscheinen. Ich freue mich schon jetzt.

Also kann ich mich an mein anderes Projekt setzen, das durch »Das Tier von Garoua« erst einmal in den Hintergrund geschoben wurde. Die ersten Seiten dazu schrieb ich bereits im Januar und Februar diesen Jahres, seither lag das Projekt, über dessen Inhalt ich noch nichts sagen will.

Stand der Dinge ist und war, daß ich rund 160.000 Anschläge hatte. Wer damit nichts anfangen kann: Das entspricht der Länge eines großzügig gesetzten Heftromans. Ich schätze, daß mein Roman, falls ich ihn jemals fertig kriegen sollte, etwa die vier- bis fünffache Menge aufweisen wird.

Ob ich das schaffe? Keine Ahnung. Aber man wächst ja an seinen Aufgaben. Und wenn ich jetzt wieder »Hirn frei« habe, werde ich mich um das neue Projekt kümmern.

21 September 2007

»jung frech deutsch« aus Sachsen

Das »linksextreme Bildungsdesaster« oder »Unsere Lieder für Deutschland«: Die neue Jugendzeitschrift »Perplex« sagt klar, wo der braune Hammer hängt. Sie betrachtet sich als jung, frech und deutsch, was immer das heißen mag.

Jetzt hat's die Staatsanwaltschaft beschlagnahmen lassen. Grund für mich, mir die braune Wundertüte mal anzuschauen; auf einschlägigen Homepages kann das Heft runtergeladen werden.

Es steht der übliche Mist drin, den man aus einschlägigen Nazi-Heften kennt. Peppig aufgemacht, eindeutig auf durch BRAVO sozialisierte Jugendliche gerichtet, inhaltlich knallhart rechtsradikal. Insofern durchaus nachvollziehbar, daß das Ding aus dem Verkehr gezogen wird.

Nur stand da jetzt nicht soooo schlimmes Zeugs drin, nichts, was man nicht wesentlich gröber aus der Nationalzeitung oder wesentlich braver aus mancherlei bürgerlichen Medien kennen würde. Denn daß für das Bildungschaos die bösen »Alt-68er« verantwortlich sind und daß »unterm Adolf« alles besser war, das proklamiert ja nicht nur Eva Hermann.

Streng genommen müßte die Staatsanwaltschaft da manchmal ganz andere Zeitungen und Zeitschriften beschlagnahmen.

20 September 2007

»... eine nichtlinke bürgerliche Position ...«

Journalisten fallen auch immer merkwürdigere Dinge ein, sogenannten Medienmenschen erst recht. So gibt es einen Karl-Carstens-Preis, von dem ich bis dato nichts wußte.

Bereits vor einigen Tagen ging dieser Preis an den FOCUS-Chefredakteur Helmut Markwort. Der etwas untersetzte Herr, der mit »Fakten Fakten Fakten« berühmt geworden ist, wurde ausgerechnet vom brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm ausgezeichnet.

Da haben sich die Richtigen gefunden!

Verliehen wurde der Preis sinnigerweise auch noch in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin. Da lobe ich mir die Bundesakademie für kulturelle Bildung, in der ich gelegentlich Seminare halte ...

Aber immerhin habe Markwort laut Schönbohm und laut allen Medien ja gezeigt, »dass man in diesem Land auch journalistischen Erfolg haben kann, wenn man eine nichtlinke, bürgerliche Position« einnehme.

Die Meldung ordnet sich dann in das richtige Bild ein, wenn man sich anschaut, wie FOCUS-Leser auf eine solche reagieren. »Multi-Kulti darf niemals an den Grundfesten Deutschlands rütteln!«, fordert Leser H. Rausch.

Da hat sich ja mal ein munterer Club zusammengetan.

19 September 2007

Satzfahnen als Lektüre

Heute kamen die Satzfahnen von »Das Tier von Garoua«; ein weiterer wichtiger Schritt zum Erscheinen des Buches hin. Und ich freue mich schon darauf, wenn ich sie heute abend durchgucken kann – sie sind ja ein Zeichen dafür, daß alles glatt läuft.

Satzfahnen sind im Prinzip Ausdrucke der einzelnen Seiten, und zwar genau mit dem Aussehen, wie man sie hinterher im Buch vor die Nase gehalten kriegt. Autoren bekommen solche Fahnen normalerweise zugeschickt, und dann erhalten sie die Gelegenheit, die schlimmsten Fehler von Lektorat und Korrekturat noch mal auszugleichen oder die letzten eigenen Doofheiten zu finden; manchmal stolpert man bei so einer Gelegenheit auch noch über mitten im Text stehenden Silbentrennungen und anderen Unfug.

Ich gestehe: Ich bin extrem gespannt, auch und vor allem dann, wie das endgültige Buch in gedruckter Form aussehen wird.

18 September 2007

Was zum Teufel ist denn Juggern?


Schon mal was vom Juggern gehört? Ich nicht. Okay: Ich nicht, bis mir der Verlag an der Ruhr das Buch »Juggern statt Prügeln« zuschickte, das ein gewisser Ruben Philipp Wickenhäuser verfaßt hat.

Ruben Wickenhäuser, der in äonenlang zurückliegender Zeit auch mal Fanzines gebastelt hat, ist heute ein studierter Historiker mit Bart, langen Haaren, Brille und Jackett. Auf dem offiziellen Foto sieht er auf jeden Fall sehr seriös aus; ich war schwer beeindruckt.

Und Juggern? Das ist eine Art Sport, bei dem sich meist sehr junge Leute drastisch verkleiden, um dann aufeinander loszurennen, sich mit Pompfen auf die Nase und sonstwo hinzuhauen und einen »Jugg« zu erringen. Klingt martialisch, sieht auf den Fotos auch sehr action-lastig aus und macht mich ziemlich neugierig. Ich glaube, das wäre endlich ein Sport für mich.

Das Buch kommt mit dem Untertitel »Der Trendsport für Aggressionsabbau und soziales Lernen« um die Ecke und ist im Prinzip eine Einführung in den Sport, inklusive der Darstellung seiner Regeln und der Möglichkeiten, die sich durch das Spiel ergeben.

Sieht alles in allem ziemlich cool aus; das macht sicher Spaß. Ein rotziges Layout spricht zudem an. Ein Buch, das eine neue Sportart präsentiert, also – und das auf recht witzige Art und Weise. Klingt auf jeden Fall spannend und unterhaltsam genug ...

17 September 2007

Karlsruhe, ein Fußball-Märchen?

So langsam muß ich mir Gedanken um meine Mitbürger machen: Nachdem der KSC, der örtliche Fußballverein, jahrelang im unteren Viertel der zweiten Liga herumkrauchte, hat er in der letzten Saison einen Aufschwung ohnegleichen hingelegt und sich ohne auffallende Probleme in die Bundesliga hinaufgearbeitet.

Und jetzt steht die junge Mannschaft und ihr bärbeißiger Trainer, eine Truppe von jungen Profis und Halb-Amateuren, auf einmal in direktem Duell mit Millionärstruppen. Ich ging – ganz ehrlich – davon aus, daß das ein Desaster wird. Und ein gewisses Spiel gegen Leverkusen, das die meisten Fans wohl schon verdrängt haben, zeigte durch sein desaströses Ergebnis den klaren Unterschied zwischen den Karlsruher Jungs und den Profis aus der Chemie-Metropole.

Doch jetzt? Das letzte Spiel gegen den VfB Stuttgart gewonnen, jetzt den VfL Wolfsburg geschlagen, beides Vereine, die Dutzende von Millionen Euro in neue Spieler investiert haben. Der KSC stellte diesen Profis eine Truppe entgegen, in der – soweit ich weiß – ein Spieler war, der letzte Woche noch in der Amateur-Liga spielte ...

Wo soll das noch hinführen? Größenwahn in Karlsruhe; ich krieg's mit der Angst. Aber nächste Woche treten die Jungs gegen die Bayern aus München an, und da muß ich schon aus Prinzip den Karlsruhern die Daumen drücken.

Werde ich jetzt doch noch Fußballfan?

16 September 2007

Mein Freund Günther O.

Günther Oettinger war mir schon 1983 unsympathisch. Kein Witz – schon damals mochte ich den heutigen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg nicht. Heute finde ich ihn richtig grausig und kann's immer noch nicht glauben, daß er es geschafft hat, seinen Vorgänger im Amt aus ebendiesem zu drängen, ohne daß es dafür irgendeinen relevanten Grund gab.

Damals hatte ich nur indirekt mit ihm zu tun. Als Schüler des örtlichen Wirtschaftsgymnasiums hatte ich viel mit jungen Männern zu tun, die in der Jungen Union mitmischten. Diese tat sich zu jener Zeit mit denselben populistisch-dümmlichen Meinungen hervor, die man auch heutzutage noch von der Jungen Union kennt.

Ihr Vorsitzender damals: Günther Oettinger. Ein Populist reinsten Wassers, der zwischendurch mal ein Motorrad-Verbot für gewisse Schwarzwaldstraßen forderte.

Er war sicher ein Grund dafür, daß ich damals tatsächlich bei den Jusos mitmischte. Das ist mir heute sehr peinlich, weshalb ich dieses Thema an dieser Stelle nicht weiter vertiefen möchte.

Zu jener Zeit gab es bei den Jusos wahrscheinlich auch schon Ute Vogt, die heutige Chefin der baden-württembergischen SPD. Ein bißchen jünger als ich und die Dauer-Gegenkandidatin für Oettinger. Theoretisch müßte ich sie kennen, praktisch habe ich sie aber wohl nie getroffen.

Und das ist wahrscheinlich das Schlimmste an Oettinger: Egal, welche Pannen er sich leistet – diese SPD mit dieser Kandidatin wird ihm nicht gefährlich werden.

Baden-Württemberg ist halt ein ganz spezielles »Muschderländle«.

14 September 2007

Keinerlei Zusammenhänge

Manchmal gibt es Medienberichte, die keinerlei Zusammenhang aufweisen, die sich aber in meinem Gehirn so einprägen, daß gewissermaßen indirekt ein Zusammenhang entsteht. Beide Ereignisse habe ich gestern erst mitgekriegt, beide Themen haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Oder doch?

In der gestrigen »taz« las ich ein Interview mit einem Sportwissenschaftler; das ist an und für sich nicht relevant. Aber ich erfuhr etwas über die eigentlich völlig überflüssige Sportart Beachvolleyball, die ja auch in allerlei Innenstädten – etwa in Karlsruhe – auf extra aufgeschütteten Sandflächen ausgetragen wird. Halbnackte Mädels, die stramm und sportbegeistert vor glotzenden Zuschauern auf und ab hüpfen.

Die für mich neue und relevante Information: Es ist festgelegt worden, daß die Damenbekleidung viel Haut zeigt. Konkret: Die Bikini-Höschen der Damen dürfen an der Seite nicht breiter als fünf Zentimeter sein. Ähm.

Die andere Nachricht betrifft Tschetschenien; hier zitiere ich der Einfachheit halber aus der österreichischen Zeitung »Der Standard«, allerdings auszugsweise:

»In Tschetschenien müssen Beamtinnen künftig das islamische Kopftuch tragen. (...) Präsident Ramsan Kadyrow teilte (...) mit, Frauen, die sich nicht an die Regel hielten, drohe die Entlassung. (...) Er beschuldigte Frauen zudem, die Ursache sämtlicher Verbrechen in der russischen Teilrepublik zu sein, da sie die Männer dazu einluden, Sex mit ihnen zu haben. (...) ›Das erschwert nur die Arbeit der Polizei‹, sagte Kadyrow.«

Zwei Meldungen, die nichts miteinander zu tun haben. Oder vielleicht doch?

13 September 2007

Rezension zu »Chaos«


Da ich in diesem Jahr viel Zeit und Energie in mein neues Buchprojekt »Das Tier von Garoua« gesteckt habe, sind meine letzten Buchprojekte fast in Vergessenheit geraten. Das bezieht sich auch auf »Chaos en France«, dem zweiten Teil meiner »Peter Pank«-Trilogie, der im Frühjahr 2006 erschienen ist.

Über jede Besprechung freut sich der Buchautor, das ist normal. Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, als im Fanzine Intravenös eine Rezension erschien.

Dieses Fanzine wird vom Atlan-Club Deutschland herausgegeben, ist also rein Science-Fiction-orientiert. Umso besser, daß auch »in diesen Kreisen« über mein Buch gesprochen und geschrieben wird.

Wobei ich in diesem Fall weiß, welchen Beruf die Autorin der Besprechung hat; es gibt tatsächlich inhaltliche Bezüge. Gefreut habe ich mich trotzdem, deshalb hier die Dokumentation.

12 September 2007

After Show Trinken

Gehörte ich zur Haute Jeunesse, wüßte ich, wie man sich bei einer After Work Party benimmt. Statt dessen gehe ich nach Feierabend eben heim und kümmere mich um meinen Kram.

Anders ist es mit Konzerten. Am Samstag abend schaffte ich es, eine Stunde zu spät zu kommen. Diverse Angelegenheiten gingen eben vor.

Und so trudelte ich in der »Alten Hackerei« ein, nachdem Kick Joneses und Steakknife fertig waren, und hörte mir von allen möglichen Leuten an, wieviel Spaß sie gehabt hätten und wie klasse alles gewesen sei. Na super!

Aber mit zwei Bieren und einer Ladung Bionade läßt sich das gut überstehen. Und so stand ich stundenlang im Vorraum herum, redete mit allen möglichen Bekannten, während Punkrock und Hardcore durch die Bude dröhnten.

Im Prinzip wie bei einem normalen Konzert auch. Mit dem einen Unterschied, daß das normale Reden und Trinken sonst vor und während eines Konzertes stattfinden und ich es jetzt einfach hinterher nachholte.

Hatte was.

11 September 2007

Ein Alptraum in Pink

Wieder mal im Zug, wieder mal in einem Großraumwagen. Die mag ich eher als die Abteile, weil man in diesen zu leicht »zugequatscht« wird. Doch diesmal habe ich Pech.

Schräg gegenüber, an einem Vierer-Tisch, sitzen zwei ältliche Frauen, von denen die eine besonders auffällig ist: Ihre hellroten Haare trägt sie mit einem Stich orange, was sehr apart wirkt; da hat sich der Friseur ein wenig vertan. Der dünne helle Lippenstift auf den dünnen Lippen paßt dazu; er scheint das runde, rosa Gesicht geradezu zu spalten.

Ebenso zum Stil paßt der leichte Pullover in Pink, den sie unter ihrer gelb-rosa gestreiften Jacke trägt. Wenn sie sich bewegt, rasseln die Glasperlen, die sie in einer dreifachen Reihe aus rötlich schimmernden Schnüren um den Hals geschlungen hat.

Die Frau neben ihr sieht richtig gewöhnlich aus: Jeans, dunkelblaue Jacke, ebenso rötlich gefärbte Haare. Sie ist still, was sie sehr sympathisch macht.

Dafür redet die Dame in Pink. Sie redet ununterbrochen, von Hannover bis Karlsruhe. Sie erzählt Details aus der Familie und aus der Vergangenheit. Der Blumenladen in einem Freiburger Vorort wird ebenso thematisiert wie die Leiden ihrer Enkel.

Nur wenn sie ein wenig Kaffee trinkt, hält sie für einige Augenblicke den Mund. Ich hätte ihr am liebsten fünf Liter Kaffee ausgegeben.

Ein kleiner Preis für ein bißchen Ruhe ...