25 März 2026

Der zweite Teil der Sternenpost

Einige Anthologien, die in den 80er-Jahren veröffentlicht wurden, trugen einen populären Namen, der als Herausgeber genannt wurde. Das gilt auch für die zwei »Sternenpost«-Anthologien, die hierzulande als Moewig-Taschenbuch herauskamen. Offiziell stand Isaac Asimov als Herausgeber drauf, die eigentliche Arbeit leisteten Martin H. Greenberg und Joseph Olander, deren Namen man immerhin nicht verschwieg.

Ich las dieser Tage endlich »Sternenpost 2. Zustellung«, also den zweiten Band, in dem sich nur drei Geschichten befinden. In den USA erschien die Original-Anthologie bereits 1980, die deutsche Version wurde 1983 veröffentlicht. Und alle Texte sind sehr lohnenswert.

Howard Fast war mir bislang als Autor eher politischer Romane bekannt, die außerhalb der Science Fiction liegen. In seiner Geschichte »Gefangen«, die im Wesentlichen ein Briefroman ist, geht es darum, wie man nach 1945 versucht, eine neue menschliche Art zu züchten; es entstehen superintelligente Kinder, die allerdings ihre eigenen Wege gehen. Erstmals wurde die Story 1975 veröffentlicht, sie passt mit ihrem gesellschaftskritischen Charakter sehr gut in die damalige Zeit

Die Geschichte »Blumen für Algernon« von Daniel Keyes ist mir seit langen Jahren bekannt; ich habe den Klassiker aus den fünfziger Jahren als Story und als Roman mehrfach gelesen und halte sie für einen der besten Science-Fiction-Texte überhaupt. In dieser Anthologie ist sie auch enthalten, und sie ist immer noch stark: Sie gehört zum Reigen der »Sternenpost«-Geschichten, weil die Hauptfigur eine Art Tagebuch führt, Briefe gewissermaßen an sich selbst, in denen sie ihre Veränderungen dokumentiert: tragisch und traurig gleichermaßen.

Den Abschluss bildet George R.R. Martin, der damals noch nicht so berühmt war wie heutzutage. Seine Geschichte »Die zweite Stufe der Einsamkeit« entstand 1972. Sie ist in Form eines Tagebuchs geschrieben und erzählt von einem einsamen Mann, der in einer Station am Rand des Sonnensystems auf seine Ablösung wartet und dabei langsam verrückt wird.

Ich mag klassische Science Fiction sehr gern, und Anthologien mit frühen Geschichten sind immer wieder eine gute Gelegenheit, die Vergangenheit der Zukunft zu betrachten. Alle drei »Sternenpost«-Anthologien sind richtig gut; wer sie auf einem Flohmarkt sieht, sollte sie kaufen und lesen.

Keine Kommentare: