05 März 2026

Vinyl, aber nicht für mich

Das Einkaufszentrum steckte mitten im Umbau, und das merkte ich bei jedem Schritt, den ich zurücklegte. Maschinen lärmten, Männer und Frauen in Arbeitskleidung eilten durch die Gänge. Ich wollte eigentlich nur bummeln, weil ich wissen wollte, was sich wie veränderte, fand die Abläufe aber eher anstrengend.

Ich kam an der Buchhandlung vorbei, in der ich gerne einkaufte. Einige Regale gähnten leer, andere wurden gerade abgebaut. Einige Leute räumten Bücher in große Kisten und verluden sie auf Rollwagen, die schon bereitstanden.

Ich erkannte den Geschäftsführer, mit dem ich mich schon einige Male unterhalten hatte. Er stand zwischen Regalen und Bücherstapeln und wirkte auf mich sehr unglücklich.

Ich überlegte mir, ob ich ihn grüßen sollte, hatte aber Angst, ihn nur zu stören, und eilte weiter. Keine zehn Meter weiter waren die Reste eines Plattenladens, den ich in all den Jahren zuvor nie aufgesucht hatte. Diesmal blieb ich stehen: Der Laden wurde umgebaut, und man hatte einen Stand mit Singles und EPs aufgestellt.

»Die sind nichts für dich«, sagte ein Bekannter, der gerade vorbeikam und sich zu mir gesellte. »Die haben garantiert keine Musik, die dir gefällt.«

Da war ich mir sogar sicher. Es gab Gründe, warum ich in diesem Plattenladen nie zum Kunden geworden war. Doch nun stöberte ich interessiert durch die Vinylscheiben.

Nicht lang: Eigentlich boten die Singles alle nur Reden von Angela Merkel. Die Hüllen waren rot, das Bild der ehemaligen Kanzlerin war in krassem Schwarzweiß gehalten, so dass die Hülle der Vinylscheibe sogar künstlerisch wirkte. Aber eine Rede von Angela Merkel? Das war wirklich nichts für mich.

Kopfschüttelnd ging ich weiter. Vielleicht war es besser für mich, das Einkaufszentrum zu verlassen. Da wachte ich auf.

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