27 September 2018

Der Besuch aus Istanbul

Ich bin alles andere als ein Experte für die Türkei. In dem Land machte ich zweimal Urlaub, beides Mal war es nur eine Pauschalreise. Da bekommt man nicht viel mit, auch wenn man mit dem Rad den einen oder anderen Tagesausflug in nahe gelegene Dörfer übernimmt.

Wegen der politischen Veränderungen in der Türkei, die sich in den vergangenen Jahren vollzogen haben, möchte ich keinen Urlaub mehr in diesem Land machen. Dabei wollte ich unbedingt mal eine Woche in Istanbul verbringen, wollte ich auch gerne mal quer durchs Land reisen – die Menschen dort fand ich offen und freundlich. Aber derzeit möchte ich in diesem Land ebensowenig urlauben wie beispielsweise in Russland.

Seit heute besucht nun Recep Tayyip Erdogan das Land, in dem ich lebe. Es gibt Menschen, die protestieren gegen ihn – und mit ihren Argumenten haben sie zumeist recht. Ich finde es trotzdem richtig, dass ihn die Bundesregierung mit allem Brimborium empfängt: Er ist gewählter Präsident eines Landes, mit dem unser Staat sehr eng verbunden ist.

(Wir brauchen jetzt nicht über die Umstände seiner Wahl zu diskutieren, auch nicht über die Pressefreiheit in der Türkei und dergleichen. Das weiß ich alles. Und mir ist bewusst, dass die Bundesregierung vor allem aus zynischen Gründen mit Erdogan spricht. Wegen der Flüchtlinge.)

Als Privatperson kann ich mich zurücklehnen und kann einfach »nö« sagen. »Nö« zur Türkei und ihrer Politik, »nö« ist meine Entscheidung, das Land zu besuchen. Ich habe es einfach, ich kann auch gegen die Politik protestieren, die von der Türkei betrieben wird.

Als Regierung habe ich diese Wahl nicht. Die Bundesregierung muss sich mit Erdogan und seiner Politik auseinandersetzen, sie muss mit ihm reden. Was wäre denn die ernsthafte Alternative? Alle Brücken zur Türkei abbrechen, dem türkischen Pseudo-Sultan die Einreise verweigern, gar den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes anstreben? Deshalb finde ich den Ansatz richtig, mit Erdogan zu sprechen und im direkten Gespräch zu versuchen, etwas ins Positive zu ändern.

2 Kommentare:

Jim hat gesagt…

Absolut korrekt. Aber so weit denken viele leider nicht. Einfache Antworten auf schwierige Fragen zu wollen ist der Zeitgeist.

RoM hat gesagt…

Aloha, Klaus.
Beruht das Prinzip des Dialogs nicht auf Beiderseitigkeit!?
:-)
bonté